Mein erster Schultag – Folge 6 Punks not dead

Mein erster Schultag – Folge 6 Punks not dead

Ich starrte auf das: ‘Punk’s not dead’ und konnte es nicht fassen. Ich hatte wirklich viel zu tun und wie Abby so schön gesagt hatte, würde ich wohl improvisieren müssen. 

Kopfschüttelnd machte ich einen Schritt zur Tafel, wischte den Apostrophen mit dem Daumen weg und drehte mich zur Klasse. Langsam wischte ich meinen Daumen an der Hose ab und überlegte mir, ob ich wieder Pfeifen sollte, doch tatsächlich beruhigte sich die Meute und sie blickten mich neugierig an. 

‘Einer von euch hat das heutige Thema gewählt und nachdem wir weder Deutsch, Englisch oder Musik haben, stelle ich die Frage: Warum schrieb ‘Big John’ Duncan von der Punkband ‘The Exploited’ den Titelsongs ‘Punks not dead’ ohne Apostroph und was wollte er uns damit sagen? Jeder der was zu sagen hat, stellt sich auch gleich noch vor, damit ich mir eure Namen merken kann. Ich bin Herr Kowalski!’ fing ich an und zeigte mit der anderen Hand auf die Tafel.

Ein Junge mit der passenden Frisur zum Thema meinte: ‘Es ist die Antwort auf das Lied ‘Punk is dead’ von ‘Crass’ und mich nennen alle Zecke, meine Erzeuger haben mich aber Michael genannt.’

‘Ja, das steht bei Wikipedia, Zecke! Wenn ich dich so nennen darf?’ erwiderte ich. Zecke nickte mir zu und grinste mich an. 

‘Vielleicht war ihm dieses Strichdings scheißegal!’ meinte ein Anderer, der sich dann räusperte, bevor er fortfuhr. ‘Ich bin Henning und wehe es nennt mich einer Henni!’

‘Henning, wir kommen der Sache schon näher!’ rief ich fast schon ein bisschen euphorisch. 

Ein hagerer Junge mit Brille in der ersten Reihe meinte: ‘Mein Name ist Kevin von Papenheim und der Titel: ‘Punks not Dead’ war seine künstlerische Freiheit und damit schuf er eine dadaistische Wahrheit!’

‘Bingo, junger Mann! Und was heißt das, wenn es vom hohen Ross runter steigt.’ rief ich völlig außer mir. Die Jungs waren nicht dumm, oder nicht auf den Mund gefallen. 

‘Ich sagte doch, das es ihm scheißegal war, K…k…klugscheißer!’ rief Henning wieder, worauf ich nur eine Augenbraue raufzog und versuchte Henning mit einem kurzen Anflug eines Lächelns einhalt zu gebieten. 

‘Kevin, ist noch dran!’ zischte ich ihm zu und Henning verstummte sofort. 

‘Punks not dead war sein Vermächtnis, alles bisher dagewesene ins Lächerliche zu ziehen, einfach nur durch das Weglassen eines simplen Apostrophen.’ erklärte Kevin und schien ganz aufgeregt zu sein. ‘Damit hat er sich ein Denkmal gesetzt und sollte eigentlich dafür viel mehr gewürdigt werden.’

‘Sehr gut Kevin!’ meinte ich und machte mir Notizen, dann blickte ich in die Runde und entdeckte Heino Müller. Er schien gespielt zu schlafen, damit er uns alle ignorieren konnte. 

‘Heino Müller, hast du eine Meinung dazu?’ wollte ich wissen und Heino schreckte von seiner eigenen ignoranten Art hoch. 

‘Punk is nich so meins!’ rief er wie aus der Pistole geschossen. 

‘Und was wäre dann beispielsweise deins?’ wollte ich wissen. 

Heino verschränkte die Arme und blickte zum Fenster hinaus. Draußen hatte es zu regnen begonnen.

‘Unser Heino Hitler, macht es wie sein Alter und läuft im Gleichmarsch auf die Hymnen von den Zillerthaler Türkenjäger oder Frei.Wild. Ich kann das so schlecht unterscheiden!’ erklärte Zecke und grinste dann ziemlich zynisch. 

‘Du weißt überhaupt nix über meinen Vater, Zecke!’ platzte es aus Heino heraus.

Zecke krempelte sein Hosenbein hoch, zeigte ihm dabei den Mittelfinger und meinte ziemlich cool: ‘Ich darf hier wenigstens raus und krieg mit wie viele Nazis hier durch die Straßen ziehen und allen voran, dein Herr Papa!’

‘Fick dich, Zecke!’ kam es aus Heinos Mund gestolpert. 

Ich schaute mir das eine Weile an und meinte dann in meinem üblichen Ton: ‘Jetzt beruhigen wir uns wieder. Über Politik reden wir dann in Sozialkunde weiter, aber vorher müssen wir uns noch über Beleidigungen während einer Diskussion unterhalten.’

Ein Raunen ging durch die Klasse, ich fuhr dessen ungeachtet fort: ‘Es hört sich jetzt wahrscheinlich für euch ziemlich bigott an, wenn ich bei euren Diskussionen die Schweiz spiele, aber ich möchte, dass ihr hier bei den Fakten bleibt und wir uns nicht gegenseitig beleidigen.’

‘Wenn der Fakt: ‘Dein Vater ist ein Nazi!’ keine Beleidigung ist, okay!’ meinte Zecke und verschränkte auch die Arme. 

‘Es ist keine Beleidigung, wenn Heino die politische Meinung seines Vaters nicht teilt!’ warf ich ein. 

‘Muss ich mich dazu äußern?’ wollte Heino wissen. 

‘Auch wenn ein paar von euch nicht meiner Meinung sind, leben wir tatsächlich in einem freien Land und auch deine Gedanken sind frei, solange die Rechte eines anderen dabei nicht verletzt werden.’ erklärte ich kurz.

‘Wollen Sie uns nicht noch mehr über sich erzählen?’ wollte Heino wissen. 

‘Gut, ich erzähle euch etwas über mich, aber ihr erzählt mir auch etwas über euch. Quid pro Quo. Und ich möchte nicht hören, was die anderen erzählen, sondern ich erwarte eure Wahrheit.’ erwiderte ich völlig leichtsinnig. Im nächsten Moment bereute ich es aber wieder, ich war mir gerade nicht sicher wer hier Clarice Starling war und wer Hannibal Lecter. 

Fortsetzung folgt…

 

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