Mein erster Schultag – Folge 10 Herr Fußfessel und Frau Vatermörderin

Mein erster Schultag – Folge 10 Herr Fußfessel und Frau Vatermörderin

Ich wachte aus meinem äußerst kurzen Tagtraum, in dem ich als Romanautor gefeiert wurde, auf. Und wer hatte meinen kurzen Moment des Ruhms gestört? Heino hatte sich wohl schon eine Weile gemeldet und fing jetzt mit einem nervigen Schnipsen an. Habe ich das Streberschnipsen schon als Schüler gehasst.

‘Was verschafft uns die Ehre, Herr Müller!’ meinte ich, schnappte mir die Papierkugel und trug sie zu Heino rüber. 

‚Ich kann auch nicht schwimmen!’ erklärte er kurz, kriddelte an der Papierkugel herum und blickte Nancy verliebt an.

‘Das kommt in der Reihe der geistreichsten Filmzitate gleich nach: ‘Ich habe eine Melone getragen!’ Herr Müller, wollten wir uns nicht der ganzen Klasse vorstellen?’ meinte ich reichlich enttäuscht von seiner Vorstellung und machte noch dazu eine ankurbelnde Handbewegung. 

Er verschränkte wieder die Arme und blickte mich eine ganze Weile wütend an, bis ihm fast schon die Tränen in die Augen schossen.

‘Heino, ich bitte dich am Unterricht teilzunehmen. Gib dir nen Ruck, wir hatten doch vorhin so einen guten Lauf!’ meinte ich eine ganze Spur netter, als noch vor einer Minute.

Er blickte wieder für einen Moment aus dem Fenster, räusperte sich dann und fing dann langsam und ziemlich zögerlich an zu sprechen: ‘Ich bin Heino! Mein Vater ist ein Arschloch. Und ein Nazi.’ Zecke klopfte ihm auf die Schulter, was ihn scheinbar wirklich ermunterte weiterzureden. ‘Eigentlich will ich nicht so werden wie mein Vater, aber das ist echt nicht so einfach, wenn man von einem Nazi erzogen wurde.’ Er machte eine kurze Pause, räusperte sich erneut und stammelte dann fast schon unbeholfen weiter: ‘Und Nancy, es tut mir leid, ich hätte dich nicht so bedrängen dürfen.’

Aus Nancys Mund stolperte ein: ‘Verdammt!’

‘Meine Damen und Herren, ihr macht mich fertig, ich bekomme vorzeitig graue Haare und ihr werdet mich noch ins Grab bringen. Verdammt ist nicht okay, wenn wir eine Fluchkasse aufmachen.’

‘Aber Sie haben doch zu mir gesagt, dass ich was Irrationales machen soll.’ zickte Nancy mich nun ehrlich empört an. 

‘Und jetzt ist dir Heino gerade in die Parade gefahren?’ wollte ich wissen.

‘Zum zweiten Mal an einem Tag.’ funkelte sie mich an. 

‘Nimmst du seine Entschuldigung an?’ wollte ich wissen. 

‘Wenn er mich in Ruhe lässt, ja. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich auf Mädchen steh oder auf… ! Aber wer geht schon mit einer Mörderin aus?’ meinte sie und schob einen Zettel zu Kevin hinüber. 

Aus Kevins Mund stolperte ein: ‘Holy Shit!’

 

Fortsetzung folgt…

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