Mein erster Schultag – Folge 11 Holy Shit

Mein erster Schultag – Folge 11 Holy Shit

‘Holy Shit, Kevin! Ernsthaft?’ wollte ich wissen. 

Kevin versuchte Nancy für den Bruchteil einer Sekunde anzublicken, griff dann aber in seine Hosentasche und zog einen Euro heraus. Ganz langsam legte er ihn auf den Tisch, räusperte sich und sprach dann mehr mit dem Euro als mit ihr oder mir: ‘Herr Kowalski, ich hab hier einen Euro für unsere Schwimmbadkasse und fürs Protokoll ich würde Nancy sehr gerne das schwimmen beibringen, für mehr bin ich grad nicht im Stande.’

Ich bemerkte wie seine Finger zitterten und ihm der Schweiß auf der Stirn stand. Er legte die Hände vor sich auf die Bank und versuchte langsam ein- und auszuatmen. Sie legte ihre Hände neben seine und lächelte ihn scheel von der Seite an. Die beiden würden das schon hinkriegen. 

Nun ging der Lauf von vorhin seinen Gang und meine heutige Schülerschaft stellte sich dann ohne weitere Zwischenfälle vor und ich konnte mich endlich setzten. Mein Bein brachte mich jetzt schon um die kläglichen Reste meines Verstandes. Ich versuchte den Schmerz zu ignorieren und ließ mich von den Erzählungen meiner Schüler berieseln, bis mich der Gong aus meiner Konzentration riss. 

Am Ende der Stunde hatte ich sehr viel von meinen Schülern gelernt. Meine Schüler sind bestimmt keine Lämmer, manche sind bestimmt auch nicht unschuldig, aber ich glaube tatsächlich, dass alle irgendwie die Kurve kriegen. Mit was sie teilweise schon zu kämpfen hatten, obwohl sie eigentlich noch Kinder waren und der größte Wunsch den sie auf dem Herzen hatten war ein Besuch bei der Oma oder eine Runde schwimmen in unserem Schwimmbad. Oder einfach nur schwimmen lernen, weil es ihnen bis jetzt keiner beigebracht hatte. Das war so kaputt und vor allem weil das Schwimmbad kaputt zu sein schien.

Ich konnte mich erinnern, dass ich auch auf den Flyer hereingefallen war. Das Schwimmbad war unter anderem auch mein Grund, meine Bewerbungsunterlagen hierher zu schicken. Dementsprechend sauer war ich auch, dass das Schwimmbad außer Betrieb war und dass ich zufällig von meinen Schülern davon erfahren musste. 

Und wer wäre ich, wenn ich nicht alles Menschenmögliche unternehmen würde, um ihnen wenigstens diesen einen Wunsch zu erfüllen. So kompliziert würde das schon sein, eine Umwälzpumpe zu reparieren. 

Gut, im Reparieren von Maschinen war ich schon mal nicht so gut. Ich war Sanitäter, wir reparieren mit Wundstiller und Tape, Wundkleber und Plastiktüten. Wir basteln aus allem ein Röhrchen für einen Luftröhrenschnitt, aber die Umwälzpumpe war definitiv eine Sache für unseren Hausmeister und den würde ich mir gleich in der Pause krallen. 

In meinem Kopf formulierte ich schon eine Rede. Die Kids hatten bereits das Klassenzimmer verlassen und ich schreckte erst wieder auf als, Abby den Kopf bei der Tür herein streckte.

‘Bis hierher und immer weiter!’ rief ich und grinste sie begeistert an.

Fortsetzung folgt…

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