Kommt eine Dame an den Würstelstand…

Kommt eine Dame an den Würstelstand……

Eitrige_16er_BlechKommt eine Dame an den Würstelstand: ‘Geh Horvath, machst ma a Eitrige mit am Krokodüh!’

Der Würstelstandbesitzer Horvath grinst schmieriger als das ranzige Fett, in das er fast liebevoll die frischen Würstel bettet. Es zischt und dann meint er in seinem Wiener Schmäh:

‘Darf ich der Dame ein 16er Blech dazu empfehlen?’

‘Aber selbstverfreilicht!’

Eine Dose Ottakringer wird über die Theke geschoben.

Von Hinten drängelte sich ein offensichtlich deutscher Tourist mit seinem Sohn durch und rief: ‘Machen Sie mir eine Currywurst und Pommes Schranke, aber schnell wir habens eilig!’

‘Die Dame kriegt zu erst!’ meint der Horvath und dreht sich zum Würstelgrill um.

‘So, do hama die Eitrige und a Krokodüh dazua!’ rief der Horvath und flüsterte dann der Dame zu: ‘Wos wollt er ham?’

‘Eine Currywurst und Pommes Schranke!’ meinte der Tourist reichlich genervt.

‘Geländekeks mim bluatigen Tartar und a Brühpollnische mit Gulaschsoß wüil er ham.’

‘Bitte was?’ rief der Tourist entsetzt.

‘Oh ja, Papa und ich will so einen Alligator!’ rief der Sohn des Touristen.

‘Des hoast Krokodüh!’ kam es aus 3 Richtungen gleichzeitig.

Ein Sandler drängelte sich vor und nuschelt etwas Unverständliches in seinen verfilzten Bart.

‘Zwoa 16er Blech zum Mitnehmen, der Herr!’ rief der Horvath.

‘Also hören Sie mal, wir waren jetzt dran!’ rief der Tourist noch lauter.

‘Geh Biiitäh!’ meint der Horvath und stellt zwei Dosen Ottakringer auf die Theke.

Der Sandler nimmt sich nur eine Dose von der Theke und hinterlässt ein kleines Häuflein Kleingeld.

‘Wos wüird do gspuit? Wos is mim Felizi Pepee!’ plärrte der Horvath noch aufgeregter.

‘Der hat die 71ger genommen!’ nuschelte der Sandler.

‘Na Servus!’

Die Dame nimmt die zweite Dose und drückt sie dem Sandler in die Hand: ‘Ein Aufg’schobenes, Bittäh und kannst ma mei Eitrige zum Mitnehmen einpackn?!’

‘Die Eitrige und des Krokodüh, to go?’

‘Warum denn jetzt so förmlich, Herr Horvarth!’

Die Dame, mit der Eitrigen to go unterm Arm und der Sandler schlenderten davon.

‘Host a Chick?’ frug er.

‘Wenn du a Blitz host!’ meinte die Dame.

Der Horvath lächelte ihnen hinterher und packte dabei die Bestellung des lästigen Touristen zusammen: ‘So die Brühpollnische mit a Gullaschsoß, des Krokodüh für den Buam und was immer ihr Deutschen mit eure Erdäpfel macht!’

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Durch Lauch Durchlaucht

Durch Lauch Durchlaucht

Oder vom Lauchen und gelaucht werden…

LeekEs gibt so Tage, da sollte Mann besser im Bett bleiben und sich einfach die Decke über den Kopf ziehen, weiter schlafen oder sonst was machen. An solchen Tagen, sollte Mann einfach nicht den Fehler machen aufzustehen.

Doch ist es meist die Arbeit, die einen aus dem Bette zwingt, auch wenn es bei diesem Beruf meist erst zur Mittagsstund ist.

Beruf kann man es nicht nennen, so ist es eher eine Berufung. Und die Berufung ist es, die mich immer wieder hinunterlaufen lässt in die große Halle und dort dann auf Gedeih und Verderb dem Jubel und dem Applaus des adeligen Pöbels ausgeliefert zu sein und der bösen Tritte meiner Durchlaucht und den weniger bösen Tritten seiner Gemahlin.

So bin ich es und so stehe ich hier, jeden Tag in der Mitte der Halle vor dem Throne meines Königs und gebe zum Besten was ich in der harten Schule des Lebens gelernt habe und später dann zieht meine Kunst mich von Seitensprung zu Seitensprung, auf dass es mir einmal das Kreuz brechen möge…

Und genau aus diesem Alptraum erwachte ich schreiend und wunderte mich gar seltsam wo ich denn lag, als mir die grelle Fratze schier die Äuglein ausbrannte. War es doch die Kammer der Königstochter und das Geschrei war nicht nur von mir und auch nicht von ihr, es war von der Königin selbst.

Sie rief gar laut und kreischte dabei, dass es mir dabei den Atem gefrieren ließ: ‘Was hat sie, was ich nicht habe?’

Ich verschluckte einen Kommentar und machte Anstalten mich so unauffällig wie möglich davonzustehlen zu wollen, während sie sich die wohlfrisierten Haare raufte.

Doch lag ich wahrlich nicht allein in dem Bette, die Königstochter lag auch drin, beziehungsweise auf mir drauf.

Splitterfasernackt und den Ausblick, den ihre Mutter zu haben schien, erfreute sie noch weniger als die Tatsache, das ich überhaupt hier war.

Im nächsten Moment wurde ich schon eher unschön und grob gepackt und zum Kerker geschleift, wo man mich im hohen Bogen in das tiefe Loch warf, wo sonst nur Strauchdiebe, Wilderer und Mörder landeten.

Ich sollte heute noch angeklagt werden. Das ging aber schnell.

Eine schwarz umhüllte Gestalt, die unschwer als Henker zu erkennen war, schleifte mich aus dem Verließ und brachte mich in einen Raum, den ich als den alten Vorratskeller kaum wiedererkannte. So hat man hier in Windeseile einen Gerichtssaal eingerichtet. Nur dass in diesem Raum kein Richter und auch keine Geschworene auf mich warteten. Kein Mann war hier, außer mir und auch der König wart nicht vor Ort oder wenigstens ein Priester.

Es waren nur Frauen in diesem Raum, sogar die Äbtissin vom Kloster unweit des Schlosses. Und als es mir gewahr wurde, dass ich mit all diesen Damen hier bereits ein Stelldichein gehabt hatte, von der Äbtissin mal ganz abgesehen, aber ein paar ihrer Schwestern haben mir schon den Peter poliert.

Dass ich für meine Taten höchstwahrscheinlich in der Hölle lande, war mir klar. Doch die Äbtissin habe ich nie angerührt, das schwöre ich bei Gott.

Bloß dass hier, war viel schlimmer, alles all das was der Pastor uns am Sonntag immer predigte.

Die Äbtissin erhob das Wort: ‘Bringt den Beschuldigten nach vorne!’

Erst jetzt erkannte ich, dass die starken Arme, die mich in den Raum zerrten auch von einer Frau waren. Unter der schwarzen Kapuze konnte ich die Rundungen ihrer enormen Brüste sehr gut erkennen. Das muss die Metzgerstochter sein. Sonst schleppt sie Schweinehälften hin und her und jetzt trägt sie mich fast auf den Sündenstuhl und den Kaibestrick, mit dem sie mich fesselte, den hab ich ihr auch schon mal angelegt.

‘Hierbrut Brunftbichlmeier, Hofnarr seines Zeichens, wird hier und heute angeklagt der Vielweiberei, des Ehebruchs und des Betrugs!’ rief die Äbtissin laut und donnerte mit dem Hammer auf ihren Tisch. Sie hat meinen vollen Namen gesagt. Jetzt kann ich mir eine neue Anstellung suchen, falls ich das hier überlebe, weil mit so einem Namen nimmt mich selbst als Narr keiner ernst.

Rufe wurden laut: ‘Mit so einem Namen muss er schuldig sein!’ Eine überreife Tomate traf mich am Hinterkopf. Der Hammer der Äbtissin schlug wieder auf den Tisch ein.

Die Klägerinnen betraten den Gerichtsaal und ein Raunen ging durch die Menge. Auch wenn ich sie nicht sehen konnte, es war die Königin und Ihre Tochter. Ich konnte es am Knistern ihrer Kleider hören und an der Menge wie sich leicht zurückwich.

Als sie nach vorne traten und sich dann links und rechts von mir auf einen erhöhten Stuhl setzten, wurde es mir Angst und Bang. Einen Verteidiger würde ich heute wohl nicht bekommen.

‘Schneidet ihm die Lunte ab!’ rief die Menge.

Mir wurde schlecht. Mein Peter machte Anstalten nach innen flüchten zu wollen und ich fühlte mich von mir selbst penetriert.

‘Eure königliche Hoheit hat nun das Wort!’ rief die Äbtissin.

Sie räusperte sich: ‘Als ich heute morgen, meine unschuldige Tochter wecken wollte, fand ich sie nackt in ihrem Bette liegen und darunter lag dieser hier!’ rief sie laut mit zitternder Stimme, dabei zeige sie auf mich.

‘Wäre es Euch lieber gewesen, ich hätte es mit dem Stallknecht gemacht, verehrte Mutter?’ rief die Prinzessin erbost, weil es ja auch wirklich niemanden anging, dass sie dabei nackend gewesen ist.

Die Königin kam in Erklärungsnot und da platzte es aus ihr hinaus: ‘Ja, liebe Tochter, dann hätte ich nicht die ganze Nacht in meiner Kammer gesessen und auf den Narren gewartet.’

‘Das ist ja allerhand, Mutter. Du treibst es hinterrücks mit dem Narren, wenn der Vater nicht am Hofe ist, zum Schachspielen wirst du dich ja kaum verabredet haben!?’

‘Was ist da schon dabei, es steht mir schließlich zu, als Herrin hier am Hofe!’

Die Äbtissin betete bereits lautstark zu Gott und schüttelte dabei apathisch den Kopf. Irgendwann wurde ihr die Streiterei der beiden Hoheiten zu wild und sie schlug wieder mit dem Hammer auf den Tisch.

‘Hat jemand etwas zu seiner Verteidigung hinzuzufügen?’

Als Antwort wurde ich mit Unmengen schalem Obstes beworfen. Nun werde ich von der Damenwelt befruchtet, für die Freuden, die ich Ihnen gebracht habe.

‘Hat noch jemand überhaupt etwas hinzuzufügen?’

Unter einem erneuten Hagels pelziggrünen Obstes versuchte ich meine gebundene Hand zu erheben. Die Äbtissin nickt mir zu.

‘Ich möchte meine Taten keineswegs abstreiten, noch leugnen, sie je begangen zu haben. Ich habe weder Versprechungen gemacht, noch habe ich Absprachen je gebrochen. Ich habe nie eine der Damen bevorzugt behandelt, oder sie gar verletzt oder beschädigt. Noch habe ich je eine Entlohnung verlangt für meine Dienste oder gar eine angenommen. Ich bin nur das Angebot und die Nachfrage war stets groß. Und Beschwerden gab es bis zum heutigen Tage nie.’

Die Menge tobte diesmal war es Gemüse, mit dem sie mich bewarfen. Das Obst schien schon alle zu sein. Etwas langes Hartes donnerte mir gegen den Hinterkopf und mir schwanden für einen Moment die Sinne. Der Geruch von Lauch drang in meine Nase.

‘Und nun befruchtet ihr mich, weil ihr eure Finger nicht von mir lassen konntet. So steckte mir die Kämmerin erst gestern einen Zettel zu, ich solle sie so bald als möglich dazwischenquetschen. Und half ich nicht der Müllerin schwanger zu werden, weil ihr Mann ihr kein Kind mehr schenken konnte. Und hab ich der Hofvorsteherin nicht einen blonden Jüngling zugeführt, um genau das selbe zu tun. Und das ist nun der Dank dafür, das ich stehts ehrlich das getan habe, was die Weiber von mir verlangten. Das Einzige was Eure Durchlaucht mir vorzuwerfen hat, dass ich alle Frauen gleich behandelte.’

‘Das wird ja hint höher wie vorn!’ rief die Äbtissin. ‘Wer hat denn nicht mit dem Narren gepudert?’

Ein paar Hände gingen zögernd in die Luft und ein Tuscheln ging durch den Raum.

‘Was gibt es da noch zu tuscheln, muss ich mich klarer ausdrücken. Wer hat mit dem Narren Unzucht getrieben, egal auf welche Art und Weise!’

Ausnahmslos alle Damen hoben die Hand. Auch die als Henkerin verkleidete Metzgerstochter. Die Äbtissin blickte auf eine paar Ihrer Schwestern, die am Rande des Kellergewölbes saßen und zögernd die Hand in die Höhe streckten. Völlig fassungslos schüttelte die Äbtissin einfach nur den Kopf und umklammerte krampfhaft den Stiel des Hammers.

‘Schämt ihr Euch überhaupt nicht, Ihr ausgeschamtes Weibsvolk.’ Ein Lauch klatschte in voller Länge der Äbtissin mitten ins Gesicht und Stille machte sich breit. Keiner traute sich etwas zu sagen oder gar zu lachen.

‘Wenn ich hier die Einzige bin, die noch nie die Hand nach der Hose des Narren ausgestreckt hat, dann soll es an Gott sein, ein Urteil zu fällen.’ rief die Äbtissin und schwang dabei den Lauch. ‘Und dieser Lauch wird mein Werkzeug sein!’

‘Ja, laucht hin!’ rief eine der Damen mit einer glockenhellen Stimme.

‘Nein, erlaucht ihn!’ rief eine Andere.

Die Äbtissin winkte der Metzgerstochter zu. Mir wurde mein Hemd vom Körper gerissen und man legte mich über die Bank und dann ging sie mir an die Hose und zog sie mir bis zu den Knien. Mein Arsch schien in die Menge wie der Mond in der Vollmondnacht und die Menge war ein zweites Mal völlig still. Meinem Hintern kann einfach keine widerstehen.

‘Eure Durchlaucht kriegt den ersten Schlag!’ meinte die Äbtissin. ‘Wehe ich höre es nicht angemessen klatschen.’ Sie stand auf und ging um ihren Tisch herum, um dann direkt vor mir fortzufahren: ‘Wenn der Lauch brechen sollte, dann hat Gott sein Urteil gefällt und die Jenige egal welchen Standes, wird den Narren ehelichen.’

Aus der Menge tobte es wieder: ‘Ich bin schon verheiratet!’ –  ‘Ich auch!’

‘Ich wäre nun ganz still, weil Ihr wart es die Ehebruch begangen habt, nicht er! Gott wird sein Urteil fällen ohne dabei seine Gebote zu brechen!’ rief wieder die Äbtissin und drückte den Lauch der Königin in die Hand.

Eure Hoheit blickte die Äbtissin mit hochgezogener Augenbraue an und lachte dann. Die Äbtissin stemmte die Hände in die Hüfte und machte eine ungeduldige Geste zum Kreuz an der Wand, bevor sie sich anschickte noch etwas zu sagen: ‘Ihr lacht, ich meine das ernst. Gottes Sohn am Kreuze ist mein Zeuge! Und dieser eine Schlag soll Euch genauso weh tun, wie ihm.’

Der erste Schlag ist der Schlimmste, heißt es immer. Es kommt nur auf die Menge an, sag ich. Die Äbtissin ließ sich einen Schemel bringen und blickte abwechselnd mir und der jeweiligen Dame ins Gesicht und nannte sie beim Namen. Sie fragte jede einzelne was sie genau mit mir getrieben hatte und für jede gab es eine weitere Buße, die sie noch zu tun hatten, nachdem sie den Lauch an die andere weitergegeben hatte.

Ich schüttelte manchmal unmerklich den Kopf, wenn die Damen nicht die ganze Wahrheit erzählten. Und dann gab es noch ein paar Vaterunser oben drauf.

Der Lauch hielt erschreckend gut durch und die Schlange der Damen wurde immer kürzer, bis nur noch die Metzgerstochter und die Königstochter übrig waren.

Das war der Punkt, an dem ich inständig zu beten begann. Der Schlag der Metzgerstochter würde nicht angenehm sein und der Schmerz würde auch nicht schnell vorbeigehen, doch der Lauch hielt. Ich konnte bereits meinen Hintern laut pochen hören, als die Königstochter zum Schlag ausholte. Das Klatschen übertönte das Getuschel von hastig gesprochenen ‘Vaterunser’ und ‘Maria voll der Gnaden’ Litaneien. Und das Knacken des Lauches überschalte selbst die gottesfürchtigesten Gesänge.

‘Der Herr hat uns durch den Lauch ein Zeichen der wahren Liebe gesandt, Halleluija!’ rief die Äbtissin. ‘Und die Buße Eurer Durchlaucht ist es, es Eurem Gemahl schonend beizubringen und den Narren als Schwiegersohn in Eurer Familie stets willkommen zu heißen.’

‘Durch Lauch Durchlaucht!’ rief ich und jemand küsste mich auf den Hintern und ich rief lauthals: ‘Ein Wunder ist geschehen, ich kann meinen Hintern wieder spüren.’

‘Übertreibt es nicht, Hierbrut!’ mahnte die Äbtissin. ‘Auch wenn Euch heute die Sonne aus dem Hintern scheinen möget. Der Herr gibt es, doch der Herr nimmt es auch wieder!’
Amen

Von Wasser, Sand und Krieg

Von Wasser, Sand und Krieg

hofnarrDer Narr tapste einen steinigen Abhang hinunter. Der Teufel schien nicht hinter ihm her zu sein, dennoch lief er zielstrebig bergab. Erschreckend behände schlich er über Stock und Stein, obwohl seine Schuhe viel zu groß zu sein schienen. Die Schellen seiner Narrenkappe wurden nur durch seine leisen Schritte bewegt und seine niemals stummen Begleiter raunten dumpf neben seinen Ohren. Und zwischen seinen Ohren dröhnte etwas Anderes. Nicht laut aber stetig. Es rumorte in seinem Inneren, wie ein schwaches Tier in einem dunklem Käfig, dass unablässig an den Wänden seines Gefängnisses kratzt und doch nie in die Freiheit gelangen würde.

Ein futuristisches Rauschen, schlimmer noch als jeder Wasserfall. Ein nervenaufreibendes und immer und immer wiederkehrendes Rauschen. Soviel Wasser. So viel Wasser der Himmel nie würde weinen können und dennoch rauschte es unaufhaltsam vor seinem inneren Auge, wie ein Feuer dass sich auf seiner Netzhaut eingebrannt hatte.

Er rannte einer Sehnsucht entgegen, einer Hoffnung, der Linderung seiner unsäglichen Leiden. Nur einen Moment der Stille, mehr wollte er nicht. Ruhe, einfach nur Ruhe.

Er ging dem Sonnenuntergang entgehen. Bis seine Füße nicht mehr konnten und wenn er sich auf seinen blutigen Stümpfen bis ans Ziel schleppen musste. Er würde es tun. Er wurde so lange gehen, bis die Welt zu Ende ist.

Und am Ende der ihm bekannten Welt, soll das Meer sein.

Er hatte das Meeresrauschen nie vernommen, doch hatte er eine klare Vorstellung davon, wie die Wellen endlos Wasser gegen die Felsen droschen, wieder und immer wieder, bis auch vom dem größten Stein nur noch Sand übrig bliebt. Sand im Getriebe der Zeit, der dazu verdammt war durch jeden Mannes Finger zu rinnen.

So ist die Zeit eine unerbittliche Hure, die einem am Ende das Leben kosten würde.

Und bis es so weit kommen würde, hatten die Götter noch alle Zeit der Welt, ihm bis zum bitteren Ende zu Tode zu quälen. Sich dagegen wehren wäre ein sinnloses Unterfangen.

Sinnloser noch als gegen Windmühlen zu kämpfen. Er war der Mittelpunkt eines Krieges, in dem er selbst nur ein Spielball der Götter war.jokerDer Sinn für seinen Humor war gänzlich untergegangen, vom Krieg verschlungen. Seine Witze waren nur noch Schall und Rauch und er würde niemals wieder einen Lacher hören, nur noch dieses unsägliche Rauschen. Aus seinem lachenden Auge ran eine einsame Träne. Es war nicht sein Krieg, doch hatte man ihn in den Mittelpunkt gezerrt, wie einen Sklaven in die Arena. Kämpfen sollte er, für eine Sache die nicht die Seine war. Nur dass niemals wieder jemand klatschen würde, oder ihm gar zujubeln. Doch es würde nicht sein Krieg sein, er konnte nichts tun, er konnte nur noch warten bis der Sturm vorüber war, um dann in der Stunde seines Todes festzustellen, dass er doch darum hätte kämpfen können.

Er spürte wie sein Herz zerbrach und bei jedem weiteren Schritt, konnte er die Scherben in seiner Brust klirren hören.

Wenn sein Leben Krieg sein sollte, dann hätte ich darum kämpfen können. Kämpfen. Jetzt.

Er zog die Narrenkappe vom Kopf, machte auf dem Absatz kehrt und stieg wieder den steinigen Weg hinauf.

Gratisurlaub im Ferienresort Ahrenschwamm

Gratisurlaub im Ferienresort Ahrenschwamm

bruce-willis-as-korben-dallas-in-the-fifthFür Ende April ist das Wetter herrlich als Sie zum Briefkasten lief und ihr Staunen war noch viel großer wie die Freude über das schöne Wetter, als Sie einen Brief aus ihrem Briefkasten fischte. ‘Herzlichen Glückwunsch! Gemini Kroketten präsentiert, der Wellness-Abenteuer-Urlaub 2015! Sie haben einen 5 Tages-Wellness-Abenteuer-Urlaub im Ferienresort Ahrenschwamm gewonnen.’

Sie konnte sich zwar nicht erinnern, bei einem Preisausschreiben mitgewirkt zu haben und es ging bereits morgen los. Ihr Arbeitgeber genehmigte seltsamerweise den telefonischen Urlaubsantrag umgehend. Normalerweise wäre Sie an diesem Punkt schon reichlich misstrauisch geworden, aber einem geschenkten Gaul schaute man bekanntlicherweise nicht ins Maul.

Sie packte ihre 7 Sachen und fuhr mit ihrem Wagen in die weite Welt hinein. Die zirka vierstündige Anreise ging schneller vorbei als Sie gedacht hatte, doch zum Ende hin schien ihr Navi seinen Dienst nun völlig eingestellt zu haben. Geschenktes Zubehör fürs Motorgaul sollte man vielleicht doch ins Maul schauen. Sie musste sich auf die Beschilderung verlassen und wunderte sich reichlich über die ansässigen Firmen. Die Firma Gemini Kroketten schien hier der einzige Arbeitgeber zu sein. An diesem Punkt hätte Sie wirklich erkennen müssen, dass irgendwas nicht stimmte, vorallem weil Sie ihren Multipass nicht eingesteckt hatte!

Am Ende der Straße ging es in eine tiefe, tiefe Schlucht und eine ziemlich runtergekommenes Schild wies in Richtung Ferienresort Ahrenschwamm sponsort by Gemini Kroketten. Rechts ging es in ein fast zur Perfektion neigendes Sumpf-Boot-Camp, das sah noch weniger einladend aus, als die Schlucht zum Ferienresort. Links ging es ins Feuchtbiotop – Nirvana- und irgendwo hinter dem Feuchtbiotop sah Sie tatsächlich den Widderhirten von Erebor, wie er mit einem enormen Bären tanzte.

Und als Sie sehnsüchtig in den Rückspiegel blickte, sah Sie ein beleuchtetes Schild Richtung Segema Beach sponsort by Big Kahuna Burger. Eine glockenhelle Stimme in ihrem Kopf flötete ihr von innen ins Ohr: ‘Big Kahuna Burger, so eine Chance bekommst du nie wieder! Big Kahuna Burger!’

Aber der Urlaub ist doch gratis! Das da irgendwas nicht stimmen könnte, kam ihr wirklich nichtmal in den Sinn und selbst als ein buckliger, zu Glatze neigender blonder Mann singend über die Straße lief und die glatte Steinwand der Schlucht hinauflief.

Sie folgte weiter der Beschilderung und kam schließlich an einem runtergekommen, windschiefen Häuschen an und wurde von den Hotelmanagern in Empfang genommen, die sich dann später als Köche und Hausmeister entpuppten. Sämtliche Animateure waren damit beschäftigt ihre nassen Schuhe vor dem Ofen umzudrehen.

2410840627_31955fb478Deshalb musste Sie das Gepäck völlig alleine in das völlig unterkühlte Zimmer bringen. Als Sie bei der Gelegenheit am Küchenfenster vorbeilief, stand plötzlich eine Katze vor ihr, die verdächtig so aussah wie Adolf Hitler. Schreiend sprang Sie zur Seite und stolperte fast über eine Jutetüte mit erstmal nicht zu erkennenden Inhalt.

Völlig außer sich lief Sie zu ihrem Auto und schrie: ‘Der Kitler, er ist wieder da!’

Warum hatte Sie nur so viel Zeug mitgenommen? Als Sie daraufhin wieder am Küchenfenster vorbei lief, war der Kitler auf die gleiche mysteriöse Weise verschwunden, wie er vorhin aufgetaucht war und der Inhalt des biologisch abbaubaren Jutesackerls war über den ganzen Weg verstreut und bei dem verstreuten Gut handelte es sich um eine Großfamilienpackung Kondome verschiedenster Marken und Größen und einen nicht weiter genannten Pornofilm.

Bis Sie nun endlich den Wageninhalt auf ihr Zimmer gebracht hatte, fiel ihr auf, dass jedes Mal wenn Sie am Küchenfenster vorbeilief, ein paar der Kondome fehlten, bis am Ende nur noch die PornoDVD im Dreck lag. Ungesehen steckte Sie die DVD ein und ging in den Aufenthaltsraum und harrte der Dinge, die da noch kommen würden.

Kommen Sie nach Ahrenschwamm haben Die gesagt, ein 5-Tages-Wellness-Abenteuer-Urlaub für Lau haben Die gesagt. Das es von den 5 Tagen Urlaub gefühlte 7 Tage Regenwetter haben würde, hätte ja auch nie einer gedacht.

Sie hatte wirklich alles eingepackt, vorallem reichlich Sinnfreies, nur nicht die Gamaschen, die hätte Sie auch wirklich gut gebrauchen können, aber die Gamaschen lagen immer noch zu Hause auf der Anrichte und hatten bis zum heutigen Tage keinen einzigen Tropfen abbekommen.

Und die einzige Wellnessmaßnahme in diesem Gratisurlaub war aufgrund der fehlenden Gamaschen Angezogenkneipen. Das muss der allerneuste Schrei sein. Eines musste man ihren Schuhen allerdings zu Gute halten, die haben sich wirklich wacker geschlagen, bei der Regen-Matsch-Plörre da draußen im Ahrenschwamm an der Ahnenklamm, oder so.

Im nahegelegenen BootCamp kämpfte die Perfektion im strömenden Regen mit den anderen Insassen, die nach ein paar Tagen, alle so aussahen, als wären sie aus dem Sumpf gekrochen, gegen den Rest der Welt. Nur der leichte Chlorgeruch ließ hoffen,dass da irgendwo vielleicht doch ein beheiztes Schwimmbad mit einem gutaussehenden Bademeister sein könnte.

Immer der Nase nach hatte ihre Großmutter schon immer gesagt, aber den Bademeister musste Sie wohl knapp verpasst haben.

Ein eher ruppiges Roarrrrrr riss Sie aus ihren feuchten Träumen und als Sie sich wieder versah stand Sie unter der Dusche mit einem nicht ganz so haarigen Wookiee.

So wie bei jedem Urlaub, endet er dann, wenn es am Schönsten ist und am Ende kann man sich an die Namen der Urlaubsbekanntschaften nicht mehr erinnern.

Die vierstündige Heimreise endete nach 8 Stunden, als Sie spät Nachts endlich zu Hause ankam und sich so vorkam, als hätte Sie jeden Stau zwischen dort und hier mitgenommen und als wäre in der letzten Nacht nicht nur ein Wookiee mit ihr duschen gewesen.

Zuhause packte Sie ihre sieben Sachen wieder aus und plötzlich hatte Sie die PornoDVD in Händen. Sie hatte ganz vergessen, dass Sie die DVD eingepackt hatte, nachdem warum wollte Sie gar nicht mehr fragen.

Sie las erst die Rückseite: ‘Strohrum auf dem PickupTruck! Jenny Bolero spricht nicht nur ihre Dialoge selbst, nein sie zeigt uns auch, wo das Stroh rum liegt. Ob Mösenmaske, Fickfuß oder Penishöschen – für die reibungslose Handhabung wird gesorgt’

Als Sie die DVD Hülle umdrehte, verdrängte Sie das Titelbild bereits bevor Sie es erblickte. Die DVD verschwand in ihrem Schrank, in dem Sie die Verblüten der Pornoindustrie aufbewahrte.

So long und bis zum nächsten Gratisurlaub, das Ferienresort Ahrenschwamm

P.S. Ähnlichkeiten mit bekannten Personen und/ oder Begebenheiten sind völlig unbeabsichtigt und daher völlig unmöglich. Sämtliche Handlungstränge sind frei erfunden, es wurde ziemlich Vieles hinweggelassen und Einiges hinzugefügt. Nix für unguat!

P.P.S. Ob ein Urlaub auf Segema Beach besser gewesen wäre, aber das Träumen von einem Big Kahuna Burger sei erlaubt, bekommen wird Sie ihn nie…May the 4th be with me!

Im Schein einer Kerze

Im Schein einer Kerze

jokerEr sitzt in einem kalten Raum, allein und nur der Schein einer einzelnen Kerze erhellt spärlich sein vernarbtes Gesicht.

Seine Kappe hängt traurig von seinem einst einmal so stolzen Haupt.

Das Rauschen des Windes dringt an sein Ohr. Fast unmerklich dreht er seinen Kopf, als könne er das Rauschen nicht mehr ertragen.

Sein Blick fällt auf die mit Brettern vernagelten Fenster und der Wahnsinn der aus seinen Augen durch den ganzen Raum zu humpeln schien, hätte den Wind eigentlich zum Verstummen bringen müssen.

Doch der Wind bäumte sich noch einmal auf, um mit einem letzten Windstoß eines der Bretter aus seiner Verankerung zu reißen, dass mit einem dumpfen Schlag zu Boden krachte.

Draußen konnte man die Kälte der Nacht schier sehen. Der Geruch von Schnee drang in seine Nase und ein mildes Lächeln huschte über sein Gesicht.

Eine Schneeflocke verirrte sich in den Raum. Er beobachtete sie, wie sie langsam durch den Raum segelte, um dann vor seiner Nase einen Moment inne zu Halten, bevor sein nächster Atemzug sie zum Schmelzen brachte.

Seine Augen starrten auf die Stelle, wo die Schneeflocke gerade noch inne gehalten hatte, doch sie war fort und würde nie wieder tanzen.

Eine einsame Träne trat aus seinem lachenden Auge hervor und gefror auf seiner Wange, noch bevor das flüssige Salz sein Gesicht verlassen konnte.

Er holte tief Luft. Irgendwas in seiner Lunge rasselte erbärmlich und mit dem Ausatmen begann ein nicht enden wollender Hustenanfall, der die Kerze zum Erlöschen brachte.

Im Dunkeln konnte man noch ein Geräusch wahrnehmen, das man nicht so recht einordnen konnte. Der darauffolgenden dumpfe Schlag hörte sich fast so an, wie das Geräusch davor, als sich das Brett vom Fenster löste, aber eben nur fast so.

Böse Zungen behaupten, es wäre das letzte Fünkchen seines eh schon wankelmütigen Verstandes gewesen, als man sich im Morgengrauen an dieses wahnsinnige Geräusch erinnerte, dass wie ein eisige Blitz durch die Nacht gehallt war, als der Narr des Nächstens von der obersten Zinne des Turmes sprang und man am Morgen nur noch seine Überreste vom Burghof kratzen konnte, hielt er immer noch die Kerze in der Hand, auf der eine wunderschöne Schneeflocke abgebildet war. Das Bild der Schneeflocke machte den Anschein, als hätte sie jemand auf eine unerdenklich filigrane Weise in das Kerzenwachs gebrannt. Am Sockel der Kerze stand: ‘Non mortem timemus, sed cogitationem mortis!’

Das waren auch die Worte, die der Pfaffe am Tag des Herren zu Beginn seiner Messe sagte: ‘Nicht den Tod fürchten wir, sondern die Vorstellung des Todes.’

Als der Messdiener dann die Urne mit den Überresten des Narren hinter der Friedhofsmauer verscharren wollte, stolperte er und fiel über die Stufen der kleinen Burgkapelle nach draußen in den Burghof. Die Urne zerbrach in tausend kleine Scherben und die Asche verteilte sich im Wind.

Was nach dem Tod ist, weiß nur der Wind.

Lady in Black

Lady in Black

6797798903_a598259c11Es kam eine Frau langsamen Schrittes in eine Bar, ganz in schwarz und sie kam einem auf den ersten Blick irgendwie bekannt vor. Warum auch immer wurde gerade das Lied ‘Cancion Del Mariachi’ aus dem Film Desperado gespielt.

Buenas Noches, Se­ño­ri­tameinte der Barkeeper halbherzig und schaute kaum von seiner Arbeit auf. Das Gläser polieren scheint seine ganze Aufmerksamkeit einzunehmen. Es schienen wohl mexikanische Wochen zu sein, die Bar war mit Desperado Merchandising-Artikel völlig überladen und die Laune des Barkeepers war fast unterirdischer als ihre.

‘N’Absinth Sprite und nen doppelten Pfeffi!’ meinte sie und blieb am Tresen stehen.

‘Schönen Tag gehabt?’ meinte der Barkeeper mit leicht ironischen Ton und blickte endlich auf, sein Lachen gefror auf seinem Gesicht, als er ihren Gesichtsausdruck sah und sie erkannte.

Die Frau in schwarz zog nur eine Augenbraue hoch und machte eine ungeduldige Handbewegung.

‘Kommt sofort!’ rief der Barkeeper und drehte ihr den Rücken zu, um sich erst wieder rumzudrehen, als er ihre Drinks fertig hatte.

Der Nerd kam vom Raum hinter der Bar, mit einer Kippe im Mund und zwei vollen Bierträgern in den Händen. Er stellte sie ab und begann die Biere in die Kühlschubladen zu schlichten und rauchte in aller Seelenruhe weiter.

‘Hey schöne Frau. Heute ohne Walking Dead Pulli?‘ rief er zwischen zwei Zügen von unter der Bar nach oben. Der Barkeeper nahm dem Nerd die Zigarette weg und ging nach hinten.

‘Jupp!’ meinte sie und stürzte den doppelten Pfeffi hinunter.

‘Keinen guten Tag gehabt?’ fragte er und linste dabei scheel über die Arbeitsfläche hinweg.

‘So zusagen!’ meinte sie kurz und schob ihm das leere Glas hin.

Er goss einen zweiten Doppelten ein und schob ihn zu ihr rüber.

Ein Betrunkender kam an die Bar gewankt und stellte sich neben die Lady in Black. Machte ein Handzeichen für noch ein Bier, was eher aussah, wie 5 Bier fürs Sägewerk und lallte dann: ‘Hey, Lady in Black! Wo kommst n Du her? Von ner Beerdigung?’

‘Erraten!’ meinte sie, nahm den doppelten Pfeffi und stürzte ihn runter und dachte sich: ‘Du Penner!’

Der Nerd goss ihr einen Neuen ein und stellte ein Bier auf den Tresen.

‘Non mortem timemus, sed cogitationem mortis!’ lallte der Betrunkene und zog mit seinem Bier ab.

‘Nicht den Tod fürchten wir, sondern die Vorstellung des Todes.’ meinte der Nerd.

Sie zwang sich zu einem Lächeln und flüsterte: ‚Uva uvam vivendo varia fit!‘

‚Eine Traube färbt sich, sieht sie eine andere… Traube?‘ fragte der Nerd ungläubig.

Sie verzog ihr Gesicht, stellte sich gerade hin, zog einen imaginären Colt und legte auf den Nerd an und sprach dann wie ein alter aber lebenslustiger, versoffener Texas Ranger: ‘Wenn uns unterwegs jemand begegnet der Latein kann, darf er uns gerne überfallen. Ich warte schon lange darauf einmal im Leben auf einen gebildeten Menschen zu schießen.’

‘You ride with an Outlaw, you die with an Outlaw!’ meinte der Nerd und grinste bis über beide Ohren.

Dann meinten beide, wie aus einem Mund: ‘Wir vermieten keine Schweine!’

Sie schenkte ihm ein herzzerreißendes Lächeln, das erste ernst gemeinte dieses Tages, schluckte schwer und wand aber sofort ihr Gesicht ab, so dass er die Tränen in ihren Augen nicht sehen konnte. Er tat so, als hätte er es tatsächlich nicht bemerkt und stellte ihr einfach nur einen neuen Pfeffi hin.

‘Ich sag jetzt einfach nichts mehr, du wirst mich schon anrufen, wenn du was brauchst, ja!?’

 Sie schluckte den Pfeffi und hielt ihm das leere Glas hin.

 ‘Ich brauch einfach nur jemand, der mir nachher die Haare hoch und den Eimer hinhält!’ flüsterte sie leicht lallend.

‘Tote betrauert man und ehrt sie. Bedauern muss man sie nur, wenn ihr Leben vergeudet war.’ Vulkanische Weisheit

 Live long and prosper… 

Neulich im Dominastudio

Neulich im Dominastudio

IMG_0234‘Der Herr Huber von der Berufsgenossenschaft wartet im Büro.’ meinte die Empfangsdame.

‘Sag ihm, ich bin gleich bei ihm, ich muss nur noch den Herrn Müller verarzten…!’ rief die Domina im Vorbeigehen und verschwand mit einem ominösgroßen metallernen Klistier hinter einer Tür mit der Aufschrift: ‘Klinik’

Man konnte die Absätze der verbotenhohen Schuhe auf dem Fliesenboden hören, während sie durchs Zimmer schritt.

Aus der ‘Klinik’ konnte man dumpfes Gewimmer und Röcheln hören. ‘Sodale, der Rotweineinlauf bleibt so lange drinne, bis ich wieder komme.’ rief sie. ‘Und wehe nicht!’

Die Domina kam aus der Klinik, zog ihren Schwesternkittel aus und darunter kam ein enges Lehrerinnenoutfit zum Vorschein. Sie streifte den Rock glatt, zog die Brille auf die Nasenspitze und lugte scheel über den Brillenrand auf die Tür mit der Ausschrift: ‘Büro’

Im nächsten Moment verschwand sie auch schon im ‘Büro’. Man konnte wieder die Absätze der verbotenhohen Schuhe auf dem Paketboden hören, während sie um den Schreibtisch schritt, dabei zog sie ihre Fingernägel über das antike Holz des Schreibtisches und man konnte jede Unebenheit deutlich hören.

‘Herr Huber, schönen guten Tag, haben Sie meinen Widerspruch bereits bearbeitet?’

‘Nein, Fräulein Lagleder!’

‘Was hat Sie davon abgehalten meinen Widerspruch in einer angemessen Zeit zu bearbeiten!’

‘Ich war nicht sicher, ob Ihr Widerspruch statthaft ist, Fräulein Lagleder!’

‘Und hat er sich von der Statthaftigkeit meines Widerspruches überzeugt?’ frug sie mit einem süffisanten Unterton.

‘Ja, Fräulein Lagleder!’ stöhnte Herr Huber.

‘Und was soll dann dieser Teilabhilfebescheid!’ meinte sie in einem scharfen Ton und schlug etwas Hartes auf den Schreibtisch, bevor man das Zerreißen von Papier hören konnte.

‘Wir konnten den Widerspruch auf Grund der Sachlage nicht vollständig abhelfen!’

‘Und was machen wir da jetzt?’

‘Wir müssen warten bis der Widerspruchsbescheid bindend wird.’

‘Aber der Widerspruchsbescheid wurde mir noch nicht zugestellt!’

‘Ich wollte mich persönlich von der Zustellung überzeugen!’ meinte Herr Huber und man konnte hören wie eine lederne Aktentasche geöffnet wurde. Dann konnte man hören wie ein Stückpapier aus einer Klarsichtfolie gezogen wurde. Das Tappen Ihrer Schuhsohlen auf etwas Weiches war zu hören und das darauffolgende Wimmern und Stöhnen, könnte nur dem geübten Lauscher an der Wand verraten, welche Weichteile nun mit den Schuhen bearbeitet wurden.

‘Dieser Verwaltungsakt ist nicht Ihr Ernst, Herr Huber!’ rief sie mit gespielten Entsetzen und trat vor Wut auf den H….ähm… Boden.

‘Doch eigentlich schon, Fräulein Lagleder!?’ stöhnte Herr Huber unter Schmerzen.

‘Dieser Bescheid hat die Rechtswirksamkeit nicht verdient. Ich werde nicht zulassen, dass dieses Machwerk der Behördenwillkür jemals Bindungswirkung erlangt’ erklärte sie und stampfte wieder auf dem Boden auf. Er ersticktes Stöhnen hallte durch den Raum.

‘Nein, Fräulein Lagleder. Ich bitte Sie bitte nicht!’ wimmerte er.

‘Ihnen ist klar, dass wir Klage einlegen werden, ehe der Widerspruchsbescheid rechtswirksam wird!’

Herr Huber stöhnte: ‘Ja, sonst wäre die Klage verfristet!’

Man konnte eine Akte hören, die wohl auf den Tisch geklatscht wurde.

IMG_9874‘So, nun zu dem Antrag, den ich stellt habe!’

‘Der wurde an den zuständigen Sachbearbeiter weitergeleitet!’

‘Bitte was!’ rief sie laut und wieder hörte man einen Aktendeckel, wie er höchst wahrscheinlich auf etwas Nacktes klatschte.

‘Ich werde den Antrag umgehen bearbeiten, sobald ich wieder in der Verwaltung bin.’

‘Ihnen ist klar, dass es sich um eine offenbare Unrichtigkeit handeln muss!’

‘Ja, Fräulein Lagleder!’ stöhnte Herr Huber wieder.

‘Ich sehe schon, dass wir uns einig werden, wenn der Verwaltungsakt erst mal bindend ist!

Das Gespräch wurde von mehreren Schlägen übertönt.

‘Haben Sie mir meine qualifizierte Unbedenklichkeitsbescheinigung mitgebracht, Herr Huber?’

‘Umbedenglichkeit..?’

Sie rief über das Klatschen hinweg: ‘Wie heißt es richtig!’

‘Unbedenklichkeit…?’

‘Und nun das ganze Wort!’ schrie sie wieder und schlug mehrmals zu.

‘Umbedenklichkeitsbeschö…!’

Langsam wurde sie wütend: ‘Muss ich erst den Tacker holen?’

‘Nein, Fräulein Lagleder!’

‘Dann sag es richtig!’

‘Um…!’ Das Klicken eines Bürotackers unterbrach die Vollendung des Wortes und ein erstickter Schrei wurde im Keim erstickt.

‘Los sag, Unbedenklichkeitsbescheinigung!’

Stöhnend schrie er heraus: ‘Unbedenklichkeitsbescheinigung!’

‘Geht doch!’ meinte das Fräulein Lagleder. ‘Hat mich sehr gefreut, bis zum nächsten Termin, Herr Huber!’

Bevor sie die Tür öffnete, meinte sie noch: ‘Außerdem haben Sie das Wort ‘bitte’ im Satz groß geschrieben, Herr Huber!’

‘Nein, Fräulein Lagleder. Ich bitte Sie bitte nicht!’ wimmerte er wieder.

‘Ihnen ist schon klar, dass man bitte im Satz nicht groß schreibt, Herr Huber!’

‘Fräulein Lagleder, was würde ich nur ohne Sie machen!’

‘Bitte im Satz immer noch groß schreiben!’ meinte sie lächelnd und öffnete die Tür und schob die Brille wieder auf die Nase, zog den Schwesternkittel an und ging wieder zu der Tür mit der Aufschrift: ‘Klinik’


Fortsetzung folgt vielleicht….

Too much Information….

Too much Information

endeIch bin total gehetzt und renne aus meinem Büro, die Tür aus der Abteilung schließt mit einem Klicken hinter mir. Ich steh am Aufzug, drücke den Knopf ‘nach unten’ und warte. Und warte. Und warte.

Boa, ich muss mein Scheißauto aus der Werkstatt holen und bin wie immer viel zu spät dran. Verdammt und jetzt muss ich auch noch mit den Öffentlichen fahren.

Endlich kommt der Aufzug und es steht eine Frau drinne. Sie drückt auf den Knöpfen herum und ich hüpfe ins Innere des Aufzuges und singe einen abendlichen Gruß. Die Frau drückt wie eine Wahnsinnige auf den Knöpfen herum und die Türen schließen sich. Sie wird Zusehens nervös und hämmert auf die Taste mit Erdgeschoss, bis wir, wer hätte es gedacht, im Erdgeschoss ankamen. Sie drängelte sich an mir vorbei und rannte nach draußen.

Nicht, dass ich nicht auch im Erdgeschoss aussteigen muss. Was für unentspannte Leute hier arbeiten, und da bin ich schon echt gestresst. Ich renne armewedelnd zum Ausstempeln und renne dann ebenfalls armewedelnd aus dem Haus. Scherz beiseite. Ich gehe schnellen Schrittes über der Hof und sehe die Frau, wie sie mit einer abgewichsten Grillzange in der Hand im Windschatten einer Glasfassade stand und rauchte, mit Zuhilfenahme der Grillzange?! Dieses surreale Bild muss sich in meiner Netzhaut eingebrannt haben.

Was geht in einer Frau vor, die wie eine Wahnsinnige mit bloßer nackter Hand im Aufzug randaliert, um dann die Zigarette nur mit der Kneifzange anzufassen, aber allen Anschein nach nicht ohne Zigarette leben können?! Herrgott, schmeiß Hirn vom Himmel!

Ich laufe zur Trambahn, ohne mit meinen Armen zu wedeln. Ich bin doch nicht wahnsinnig, zumindest nicht wahnsinniger als die Frau mit der Zigarettenzange.

Völlig außer Atem platze ich in die Privatsphäre so vieler unbedarfter Menschen, als ich die Tram betrete. Leider muss ich auch gleich wieder aussteigen. Ich laufe weiter die Donnersberger hinauf und wer hätte das gedacht, ich verpasse meine S-Bahn und es ist scheißkalt. Warum immer ich? Ich nehm die nächste S-Bahn Richtung Moosach und will mir ein Taxi nehmen, wenn ich da je ankomme.

Zum Glück bekomme ich einen Sitzplatz. Gegenüber von mir sitzt ein Kerl, mit einer Packung M&M’s in der Hand. Daneben sitzt ein älterer Mann mit einem Schild in der Hand auf dem steht: ‘Das Ende der Welt ist nahe!’

Irgendwo auf der Welt hat bestimmt ein reicher Mensch im Lotto gewonnen, wenn ich hier so in die Scheiße trete.

Der Weltuntergangspapst fängt an zu reden: ‘Wenn man heißes Wasser ausgießt, hört es sich anders an, als wenn das Wasser kalt wäre!’

Ich denke mir nur: ‘Das Ende der Welt ist nahe!’

Der Kerl mit den M&M’s meint: ‘Sie müssen immer von der gleichen Farbe sein, immer nur zwei auf einmal. Niemals einzeln.’ Dann lies er sich ein paar von den süßen Köstlichkeiten in die Hand purzeln und suchte dann immer zwei von der gleichen Farbe heraus, um sie zu essen. Die Restlichen bot er dem alten Mann an, der sie dankend annahm.

Sagt mal, ist heute der Tag an dem jeder seine geheimen Neurosen nach Außen trägt. Dinge die ich eigentlich nicht wissen wollte. Noch nicht mal wenn das Ende der Welt wirklich nahe wäre.

Die Welt könnte doch so einfach sein, wenn jemand die gelben und orangen Gummibärchen für mich essen würde… nachdem ich immer nur die Weißen, die Grünen und die Roten rauspicke. Und zwar genau in der Reihenfolge.

Bloß was passiert, wenn die verrückte Frau vom Aufzug ihre Zigarettenzange nicht findet, wenn die Nikotinsucht an ihrem paranoiden Verstand zerrt. Läuft sie dann Amok? Und wen erschießt sie zuerst?

Ich bete inständig darum, dass sie Lady ihre Zigarettenzange nie vergessen wird.


P.S. Für die Leute, die sich immer fragen woher ich den Scheiß habe, über den ich schreibe: Dies ist eine fiktive Geschichte und es ist immer das ein oder andere Fünklein Wahrheit dran, mal mehr oder weniger. Erschreckenderweise meist mehr als weniger. Alles andere ist erstunken und erlogen, bunt aneinander gereiht, verdreht und vermengt so wie mir es passt. Das nennt man dann künstlerische Freiheit.

Kommt ne Frau in eine Bar, voll bepackt mit 1000 Sachen!

Kommt ne Frau in eine Bar, voll bepackt mit 1000 Sachen!

dungeons-dragon‘Du kommst zu spät.’ meinte der Nerd mürrisch.

‘Ja, sorry. Ich war noch beim DM!’ rief sie gehetzt. Sie zog ihre Jacke aus und es kam ein ‚Winter is coming!‘ – Shirt zum Vorschein.

‘Hey komm! Zocken, kannst du außerhalb deiner Barzeiten.’

‘Sag mal bist du jetzt mein Chef?’

‘Nein, ich hatte überhaupt keinen Bock zu arbeiten heute, dieses streitsüchtige Pärchen ist schon wieder da und du sitzt zu Hause beim Zocken, während ich mich mit Becks Blue Girl und AstraMan minus Eier rumschlagen muss.’

‘Wie kommst du überhaupt drauf, dass ich gezockt habe.’

‘Na, DM halt!’  

‘Ja, DM! Ich hab Waschmittel gekauft!’ rief sie erbost und sie stellte eine Tüte vom DM auf den Tresen und versuchte ihn gleichzeitig mit einer Waschmittelflasche zu hauen.

‘Aber DM heißt doch Dungeon Master?!’

‘Ja, in deiner Welt heißt DM Dungeon Master, und wenn in meiner Welt kein Waschmittel mehr da ist, heißt DM bei mir DrogerieMarkt!’

‘Boa, du bist ja doch ein Mädchen!’

‘Ja hallo! Schau mal!’ rief sie und hob ihr Shirt hoch und darunter kam ein Walking Dead Shirt zum Vorschein. ‘Schon mal nen Kerl mit Titten gesehen?’

‘Ähm, ja. Die Transe, die hier immer mal wieder vorbeischaut hat auch Titten.’

‘Ja, FakeTitten!’ meinte sie schnippisch. ‘Und schief sind die auch noch!’

‚Sag mal hast du immer zwei Nerd-Shirts übereinander an?‘

‚Die Tendenz geht zum Zweitshirt!‘ rief sie, zog eine Augenbraue hoch und grinste ihn dreckig an.

(Ähnlichkeiten mit Personen aus dem realen Leben sind in einer fiktiven Geschichte gar unmöglich und somit reiner Zufall.)

Der Schalk im Nacken

Der Schalk im Nacken

jokerDer Narr des Königs lief gehetzt über den Hof, er hatte einen zerschlissenen Sack dabei, den er in dem Moment als es zu schneien begann, vor den Stallungen in eine Nische warft. Dann zupfte er seine Narrenkappe zurecht und schlich geduckt zum alten Burgfried hinüber. Das Schild der Burgtaverne hing schief über dem Eingang und der Name der Kaschemme war äußerst einfallsreich: ‘Zum alten Burgfried’

Er blieb im Torbogen stehen, der sich am Fuße der Treppe auftürmte, die hinaufführte in den Turm und hinunter in den Gewölbekeller führte, der nun die Burgtaverne beherbergte. Seitdem der Burgherr sich entschlossen hatte, die alte Folterkammer in eine Taverne umzufunktionieren, ging hier Jedermann ein und aus und für Jedermanns Heller, wurden hier die Humpen voll gemacht und vieles mehr…

‘Wer nichts wird, wird Wirt!’ Für diesen Satz hatte er schon ganz schön Prügel bezogen.

Egal, er watschelte die Stufen in den Gastraum hinunter, der wie immer nicht sonderlich einladend wirkte und blickte in die Runde. Zwischen den alten Foltergeräten standen einige Tische und Stühle, die vollbesetzt waren mit ein paar Wachen und Söldnern, die sich um ein und die selbe Hure stritten.

Die plötzliche Stille und das leise Getuschel, übermannte sein eh schon wankelmütiges Gemüt. Er zog mit einem missmutigen Grinsen im Gesicht seine Kappe vom Kopf und grüßte in die Runde: ‘Ein Bier und einen von dem Unaussprechlichen!’

Die Leute, die ihn eben noch stumm angestarrt hatten , begannen langsam wieder mit ihren Gesprächen, die sie eben nur unterbrochen hatten, um den Narren anzustarren, seit dem er in seiner üblichen Haltung Treppenabsatz stand. Er schlurfte gelangweilt an den Tresen, seine Schuhe sahen aus wie begossene Pudel mit Glocken.

Der Schnee schmolz langsam auf seinen Sachen und durchnässte seine Kleider noch mehr. Er blickte zur Theke hoch und kletterte auf einen der hohen Stühle, die vor dem Tresen standen. Der überaus hässliche Wirt stellte ihm einen Humpen Bier hin und goss ihm einen Becher voll mit diesem geheimnisumwogenen Unaussprechlichen ein und fragte: ‘Gibts was zu feiern!?’

‘Wie man’s nimmt!’

‘Na, denn Prost!’

Der Narr stürzte den Unaussprechlichen in seine Kehle, ohne zu schlucken lies er das Gesöff in seinen Rachen laufen. Wäre er nur ein liederliches Hurenweib geworden, dann hätte er sich schon jetzt zur Ruhe setzen können, aber mit seinem Aussehen und mit seinem kleinen Pint, hätten ihn nicht mal die alten Griechen genommen.

Er zog ein Notizbuch aus seinen Sachen und kritzelte mit einem abgebrochenen Kohlestift etwas hinein. ‘Nutzloses Talent Nr. 69 – keinen nennenswerten Schluckreflex besitzen!’

Einer der Söldlinge kam völlig durchnässt in den Schankraum gestolpert. ‘Gibt’s was von dem heißen Met! Ich kann meine Zehen und meine Finger nicht mehr spüren!’

‘Als ob Euch der heiße Met das Gefühl in Eure Finger zurückgeben würde!’

‘Was soll das heißen, Narr!? Die Weiber haben sich noch nie beschwert!’

‘Ja, weil sie mit jammervollem Geschrei beschäftigt waren!’

‘Wenn der hohe Herr nicht solch einen Narren an Euch gefressen hätte, dann würde ich Euch eure Verleumdereien in euer geschwätziges Schandmaul zurück stopfen.’

‘Seit wann Eucht Ihr mich, warum so förmlich, bin ich doch sonst nie mehr wert als den Dreck am Stiefel unseres Herren, der der über uns wohnt!’ rief der kleinwüchsige Narr und zeigte nach oben.

‘Anweisung von oben, warzengesichtiger Possenreißer!’

‘Im wahrsten Sinne des Wortes. Der Herr von oben, der zu uns spricht! Mir hört er schon lange nicht mehr zu!’ lamentierte der Narr und liebäugelte mit seinem Bier.

‘Seine Magnifizenz möchte, dass wir Euch so behandeln, wie auch der Herr die Seinen behandeln würde!’

‘Oh nein, mein letztes Stündlein hat geschlagen, der Herr behandelt mich wie seines Gleichen! Ich bin des Todes!’ schrie der Narr laut auf, jammerte und trank seinen Humpen in Windeseile leer, um dann weiter zu jammern: ‘Jammer, weh und ach…!’

‘Wie meint Ihr das?’

‘Sind nicht die letzten fünf Anverwandten unseres geliebten Hochwohlgeborenen eines mysteriösen und gar plötzlichen Unfalltodes gestorben?’ säuselte der Narr und machte dann die Geste des Abmurksens.

‘Das waren alles furchtbar traurige Unfälle!’ rief der Söldner ernst und funkelte den Narren wütend an.

‘Das würde ich auch sagen, wenn ich ein …!’ meinte der Narr und fing gottererbärmlich zu Husten an, als wäre er dem Ersticken nahe, man konnte aber ganz genau ein ‘Meuchelmörder!’ hören, mehrmals hintereinander.

Der Söldner packte ihn am Kragen und schrie ihn an: ‘Narr, ich rate Euch, halte dein losen Mundwerk.’

Der Narr riss sich los und landete auf dem Boden um im nächsten Moment auf seinen Stuhl zurück zu klettern. ‘Ach, stehe ich nicht gerade wegen meinem losen Mundwerk in Lohn und Brot bei unserer ehrenwerten Durchlauchtigkeit!’

Der Söldner biss sich auf die Zunge, schnappte seinen dampfenden Becher und verschwand an einen Tisch, an dem drei von seinen Kameraden saßen und schon heftig miteinander tuschelten.

‘Noch einen doppelten unaussprechbar Widerhaften!’ meinte der Narr.

‘Sagt mal, ist was? Ihr sauft doch sonst nicht so…?’ frug der Wirt.

‘Hab heute meinen freien Tag!’

‘Soso!’

‘Hab heute alle meine Erledigungen gemacht, für die ich sonst immer keine Zeit habe und nun sitz ich hier, ich armer Tor allein an deinem stinkenden Tresen!’

‘Ihr habt wenigstens einen freien Tag!’ nuschelte der Wirt.

‘Ja, aber mir wäre eine Unterhaltung lieber oder einfach nur einen stummen Saufkumpanen.’

‘Das könnte an Euren Beruf liegen!’

‘Wie als Hofnarr darf man keine Freunde haben?’

‘Als Hofnarr lebt man ziemlich einsam und gefährlich!’ zischte der Wirt und blickte so unauffällig wie möglich zu dem Tisch der Söldner hinüber.

Die Söldner tuschelten immer noch miteinander, waren sich wohl in einem Punkt einig geworden und standen gleichzeitig vom Tisch auf. Einer der Stühle fiel um und im nächsten Moment hatten sie sich den Narren gegriffen und in die Höhe gerissen. Seine verbogenen Stummelbeine baumelten in der Luft und sein Gesicht wurde genau auf die Schlaghöhe ihres Redelsführers gebracht, der bei jedem Wort ihm einen Faustschlag ins Gesicht verpasste: ‘Das… wird… Dir… hoffentlich… eine… Lehre… sein!’

‘Was ist mit dem Euchen?’ spuckte der Narr mit einer Blutfontäne hervor.

‘Das… wird… Euch… hoffentlich… eine… Lehre… sein!’ rief der Söldner noch einmal und schlug dabei staccato in das blutige Gesicht des Narren. Seine Narrenkappe blieb auf dem Kopf, als wäre sie angewachsen und die Glocken bimmelten bei jedem Schlag.

Als er mit dem Narren fertig war, ließen seine Leute ihn einfach fallen. Mit einem Klatschen traf das zerschundene Gesicht des Narren auf dem schmutzigen Tavernenboden auf. Er spie eine weitere Blutfontäne heraus und presste folgende Worte hervor: ‘Oh Herr, ja und ich halte auch die linke Wange hin, du abartiger Bastard!’

Nun wurde er auch noch gestiefelt, bis ihn die nahende Ohnmacht beinahe erlegt hätte. Nun wurde er die Stufen hochgeschleift und landete in einem Haufen Schnee, bevor die frische Luft ihm noch eine mit dem Holzhammer verpassen konnte. Der arme Tor war ziemlich weggetreten und wurde erst stutzig, als er ein paar Knöpfe hörte, die an kaltes Leder schlugen. Jemand hatte seinen Hosenlatz geöffnet.

Der Anführer pinkelte neben dem Narren in den Schnee, drehte sich ganz langsam in seine Richtung und fing langsam und behäbig an zu reden: ‘Wir hauen dir einfach so lange auf die Schnauze, bis es dir endgültig die Sprache verschlägt, witzloser Trunkenbold!’

Die Pisse pritschelte auf die Schuhe des Narren und süßer die Glocken nie klangen und genau deswegen antworte der Narr in aller Seelenruhe: ‘Da könnt ihr stinkenden, inzuchtgeplagten Ziegenficker warten bis zum Sankt Nimmerleinstag!’

Kurz bevor der Pissestrahl sein Gesicht erreichen konnte, versiegte die Quelle mit einem merkwürdigen Gurgeln und der Narr fing herzhaft an zu lachen. Ein paar einsamen Tropfen fielen noch auf seinen Wams und er bog sich vor lachen und kieckste: ‘Meiner mag zwar gotterbärmlich klein sein, aber wenigstens schafft er immer dass, was ich mir vornehme damit zu tun!’

Die Retourekutsche bekam er sogleich ins Gesicht getreten, darauf lachte der Narr wieder schallend und spuckte einen blutigen Zahn in den Schnee: ‘Ihr wisst ja nicht was ich gewesen war, bevor ich Hofnarr geworden bin!’

‘Was wird er schon gewesen sein, steckt doch ein Schalk in jeder Faser von ihm…!’ rief der Anführer der Söldner zu seinen Männern. Der Narr kroch über den Schnee und versuchte auf allen Vieren zu flüchten. Und wenn man auf den Narren geachtete hätte, dann hätte man ein kleines Blitzen in seiner Hand gesehen, der Mond muss sich für einem kurzen Moment in irgendwas gespiegelt haben, dass der Narr in seinen Fingern hatte.

Der erste Söldner hatte den Narren eingeholt, doch der nasse Witzbold rutschte ihm durch die Finger. Der Söldner fluchte und blieb plötzlich wie zur Salzsäule erstarrt stehen. Als der Narr an seinem Angreifer vorüberkroch, stürzte dieser auf die Knie, bekam Schaum vor den Mund und kippte vornüber in den Schnee, als der Narr ihn passiert hatte. Seine zwei Kumpanen stürzten sich auf den Narren und wenig später stand der Witzbold über ihnen und spuckte in ihre schaumverschmierten Gesichter. Ein hohles Gelächter purzelte über die Lippen des Narren und meinte dann ganz ernst und trocken: ‚Nur ein Meuchelmörder erkennt einen Meuchelmörder!’

Plötzlich sauste eine Axt an seinem Kopf vorbei, ein paar der Glocken wurden von seiner Kappe getrennt und trudelten hinter der Axt her, die hinter ihm in einem der beiden gefällten Söldner zitternd stecken bleib. Der Narr grinste mittlerweile reichlich grimmig und sprang auf den Anführer. Kurz vor ihm kam der Narr wieder auf den Boden, rutschte auf dem Schnee zwischen den Beinen des Söldners hindurch und stach dem einsamen Redelsführer dabei mit einer dünnen Nadel in den Fuß. Man konnte wieder dieses Blitzen sehen, als der Mond im Begriff war hinter der nächsten Wolke zu verschwinden.

Der Anführer stand erschrocken mitten im Hof und der Wind wehte in seinen offen stehenden Mund. Dann sankt der Mann auf die Knie. Der Schalk sprang dem Söldner in den Nacken und steckte ihm eine angespitzte Stricknadel in den Hals. Mehrmals. Und bei jedem Stich spritze mehr Blut heraus. Irgendwann ging der letzte Söldner mit samt dem Schalk im Nacken zu Boden. Der Narr rutschte von seinem Rücken und schlittere zu den Stallungen zurück, wo immer noch sein Bündel lag. Er ließ es sich auch nicht nehmen, die Männer zu plündern.

Still lenkte er seine Schritte weiter auf das Burgtor zu und pfiff sich sein und sang dazu: ‘Weil du heut Geburtstag hast!’

Nutzloses Talent Nr. 70: Töten mit Haushaltsgegenständen

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