Kommt eine Dame an den Würstelstand…

Kommt eine Dame an den Würstelstand……

Eitrige_16er_BlechKommt eine Dame an den Würstelstand: ‘Geh Horvath, machst ma a Eitrige mit am Krokodüh!’

Der Würstelstandbesitzer Horvath grinst schmieriger als das ranzige Fett, in das er fast liebevoll die frischen Würstel bettet. Es zischt und dann meint er in seinem Wiener Schmäh:

‘Darf ich der Dame ein 16er Blech dazu empfehlen?’

‘Aber selbstverfreilicht!’

Eine Dose Ottakringer wird über die Theke geschoben.

Von Hinten drängelte sich ein offensichtlich deutscher Tourist mit seinem Sohn durch und rief: ‘Machen Sie mir eine Currywurst und Pommes Schranke, aber schnell wir habens eilig!’

‘Die Dame kriegt zu erst!’ meint der Horvath und dreht sich zum Würstelgrill um.

‘So, do hama die Eitrige und a Krokodüh dazua!’ rief der Horvath und flüsterte dann der Dame zu: ‘Wos wollt er ham?’

‘Eine Currywurst und Pommes Schranke!’ meinte der Tourist reichlich genervt.

‘Geländekeks mim bluatigen Tartar und a Brühpollnische mit Gulaschsoß wüil er ham.’

‘Bitte was?’ rief der Tourist entsetzt.

‘Oh ja, Papa und ich will so einen Alligator!’ rief der Sohn des Touristen.

‘Des hoast Krokodüh!’ kam es aus 3 Richtungen gleichzeitig.

Ein Sandler drängelte sich vor und nuschelt etwas Unverständliches in seinen verfilzten Bart.

‘Zwoa 16er Blech zum Mitnehmen, der Herr!’ rief der Horvath.

‘Also hören Sie mal, wir waren jetzt dran!’ rief der Tourist noch lauter.

‘Geh Biiitäh!’ meint der Horvath und stellt zwei Dosen Ottakringer auf die Theke.

Der Sandler nimmt sich nur eine Dose von der Theke und hinterlässt ein kleines Häuflein Kleingeld.

‘Wos wüird do gspuit? Wos is mim Felizi Pepee!’ plärrte der Horvath noch aufgeregter.

‘Der hat die 71ger genommen!’ nuschelte der Sandler.

‘Na Servus!’

Die Dame nimmt die zweite Dose und drückt sie dem Sandler in die Hand: ‘Ein Aufg’schobenes, Bittäh und kannst ma mei Eitrige zum Mitnehmen einpackn?!’

‘Die Eitrige und des Krokodüh, to go?’

‘Warum denn jetzt so förmlich, Herr Horvarth!’

Die Dame, mit der Eitrigen to go unterm Arm und der Sandler schlenderten davon.

‘Host a Chick?’ frug er.

‘Wenn du a Blitz host!’ meinte die Dame.

Der Horvath lächelte ihnen hinterher und packte dabei die Bestellung des lästigen Touristen zusammen: ‘So die Brühpollnische mit a Gullaschsoß, des Krokodüh für den Buam und was immer ihr Deutschen mit eure Erdäpfel macht!’

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Lady in Black

Lady in Black

6797798903_a598259c11Es kam eine Frau langsamen Schrittes in eine Bar, ganz in schwarz und sie kam einem auf den ersten Blick irgendwie bekannt vor. Warum auch immer wurde gerade das Lied ‘Cancion Del Mariachi’ aus dem Film Desperado gespielt.

Buenas Noches, Se­ño­ri­tameinte der Barkeeper halbherzig und schaute kaum von seiner Arbeit auf. Das Gläser polieren scheint seine ganze Aufmerksamkeit einzunehmen. Es schienen wohl mexikanische Wochen zu sein, die Bar war mit Desperado Merchandising-Artikel völlig überladen und die Laune des Barkeepers war fast unterirdischer als ihre.

‘N’Absinth Sprite und nen doppelten Pfeffi!’ meinte sie und blieb am Tresen stehen.

‘Schönen Tag gehabt?’ meinte der Barkeeper mit leicht ironischen Ton und blickte endlich auf, sein Lachen gefror auf seinem Gesicht, als er ihren Gesichtsausdruck sah und sie erkannte.

Die Frau in schwarz zog nur eine Augenbraue hoch und machte eine ungeduldige Handbewegung.

‘Kommt sofort!’ rief der Barkeeper und drehte ihr den Rücken zu, um sich erst wieder rumzudrehen, als er ihre Drinks fertig hatte.

Der Nerd kam vom Raum hinter der Bar, mit einer Kippe im Mund und zwei vollen Bierträgern in den Händen. Er stellte sie ab und begann die Biere in die Kühlschubladen zu schlichten und rauchte in aller Seelenruhe weiter.

‘Hey schöne Frau. Heute ohne Walking Dead Pulli?‘ rief er zwischen zwei Zügen von unter der Bar nach oben. Der Barkeeper nahm dem Nerd die Zigarette weg und ging nach hinten.

‘Jupp!’ meinte sie und stürzte den doppelten Pfeffi hinunter.

‘Keinen guten Tag gehabt?’ fragte er und linste dabei scheel über die Arbeitsfläche hinweg.

‘So zusagen!’ meinte sie kurz und schob ihm das leere Glas hin.

Er goss einen zweiten Doppelten ein und schob ihn zu ihr rüber.

Ein Betrunkender kam an die Bar gewankt und stellte sich neben die Lady in Black. Machte ein Handzeichen für noch ein Bier, was eher aussah, wie 5 Bier fürs Sägewerk und lallte dann: ‘Hey, Lady in Black! Wo kommst n Du her? Von ner Beerdigung?’

‘Erraten!’ meinte sie, nahm den doppelten Pfeffi und stürzte ihn runter und dachte sich: ‘Du Penner!’

Der Nerd goss ihr einen Neuen ein und stellte ein Bier auf den Tresen.

‘Non mortem timemus, sed cogitationem mortis!’ lallte der Betrunkene und zog mit seinem Bier ab.

‘Nicht den Tod fürchten wir, sondern die Vorstellung des Todes.’ meinte der Nerd.

Sie zwang sich zu einem Lächeln und flüsterte: ‚Uva uvam vivendo varia fit!‘

‚Eine Traube färbt sich, sieht sie eine andere… Traube?‘ fragte der Nerd ungläubig.

Sie verzog ihr Gesicht, stellte sich gerade hin, zog einen imaginären Colt und legte auf den Nerd an und sprach dann wie ein alter aber lebenslustiger, versoffener Texas Ranger: ‘Wenn uns unterwegs jemand begegnet der Latein kann, darf er uns gerne überfallen. Ich warte schon lange darauf einmal im Leben auf einen gebildeten Menschen zu schießen.’

‘You ride with an Outlaw, you die with an Outlaw!’ meinte der Nerd und grinste bis über beide Ohren.

Dann meinten beide, wie aus einem Mund: ‘Wir vermieten keine Schweine!’

Sie schenkte ihm ein herzzerreißendes Lächeln, das erste ernst gemeinte dieses Tages, schluckte schwer und wand aber sofort ihr Gesicht ab, so dass er die Tränen in ihren Augen nicht sehen konnte. Er tat so, als hätte er es tatsächlich nicht bemerkt und stellte ihr einfach nur einen neuen Pfeffi hin.

‘Ich sag jetzt einfach nichts mehr, du wirst mich schon anrufen, wenn du was brauchst, ja!?’

 Sie schluckte den Pfeffi und hielt ihm das leere Glas hin.

 ‘Ich brauch einfach nur jemand, der mir nachher die Haare hoch und den Eimer hinhält!’ flüsterte sie leicht lallend.

‘Tote betrauert man und ehrt sie. Bedauern muss man sie nur, wenn ihr Leben vergeudet war.’ Vulkanische Weisheit

 Live long and prosper… 

Kommt ne Frau in eine Bar, voll bepackt mit 1000 Sachen!

Kommt ne Frau in eine Bar, voll bepackt mit 1000 Sachen!

dungeons-dragon‘Du kommst zu spät.’ meinte der Nerd mürrisch.

‘Ja, sorry. Ich war noch beim DM!’ rief sie gehetzt. Sie zog ihre Jacke aus und es kam ein ‚Winter is coming!‘ – Shirt zum Vorschein.

‘Hey komm! Zocken, kannst du außerhalb deiner Barzeiten.’

‘Sag mal bist du jetzt mein Chef?’

‘Nein, ich hatte überhaupt keinen Bock zu arbeiten heute, dieses streitsüchtige Pärchen ist schon wieder da und du sitzt zu Hause beim Zocken, während ich mich mit Becks Blue Girl und AstraMan minus Eier rumschlagen muss.’

‘Wie kommst du überhaupt drauf, dass ich gezockt habe.’

‘Na, DM halt!’  

‘Ja, DM! Ich hab Waschmittel gekauft!’ rief sie erbost und sie stellte eine Tüte vom DM auf den Tresen und versuchte ihn gleichzeitig mit einer Waschmittelflasche zu hauen.

‘Aber DM heißt doch Dungeon Master?!’

‘Ja, in deiner Welt heißt DM Dungeon Master, und wenn in meiner Welt kein Waschmittel mehr da ist, heißt DM bei mir DrogerieMarkt!’

‘Boa, du bist ja doch ein Mädchen!’

‘Ja hallo! Schau mal!’ rief sie und hob ihr Shirt hoch und darunter kam ein Walking Dead Shirt zum Vorschein. ‘Schon mal nen Kerl mit Titten gesehen?’

‘Ähm, ja. Die Transe, die hier immer mal wieder vorbeischaut hat auch Titten.’

‘Ja, FakeTitten!’ meinte sie schnippisch. ‘Und schief sind die auch noch!’

‚Sag mal hast du immer zwei Nerd-Shirts übereinander an?‘

‚Die Tendenz geht zum Zweitshirt!‘ rief sie, zog eine Augenbraue hoch und grinste ihn dreckig an.

(Ähnlichkeiten mit Personen aus dem realen Leben sind in einer fiktiven Geschichte gar unmöglich und somit reiner Zufall.)

Neuer Tag, gleiche Bar…

Neuer Tag, gleiche Bar…

Die astraBarkeeperin kam in die Bar und der Nerd stand hinterm Tresen, wie ein Schluck Wasser in der Kurven, der schon dreimal ausgekotzt wurde.

‘Du siehst aus wie ausgekotzt!’ trällerte sie.

Der Nerd hatte ein frisches Shirt an, mit der Aufschrift: ‘I’ll be in my bunk!’ Auf ihrem Shirt stand einfach nur Vera und sie blieb vor der Bar stehen.

‘Ich finds super, dass du heute Thekendienst hast und ich heut mal mein Gehalt versaufen kann.’

‘Wo wir grad beim Thema Gehalt versaufen sind, hab ich gestern eigentlich meine Zeche bezahlt?’

‘Nein, steht noch aufm Zettel!’

Er blickte auf den Zettel und zog eine Augenbraue hoch: ‘Des ist doch ein Scherz?!’

‘24,50!’ kicherte sie.

‘Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen, was?’

‘Wenn du mich nicht hättest!’ rief sie und lies ihre imaginären Hosenträger schnalzen.

‘Danke, dass du mich gestern heimgebracht hast!’

‘Und ich hab dich auch liebevoll zugedeckt und dir einen Eimer nebens Bett gestellt!’

‘Du bist ein Schatz, was kann ich dir bringen?’

‘Das Übliche!’ meinte sie und wollte sich gerade auf einen der Barhocker niederlassen.

‘Boa, deinen Absinthe Sprite kannst du selber mischen…!’

Sie stand wieder auf und ging trotzig hinter die Theke und machte sich an ihrem Drink zu schaffen. Er stand neben ihr an ein Regal gelehnt und genoss die Stille des Nichtstun.

Das Pärchen von gestern kam wieder in die Bar. Nach einer Weile klopfte die junge Frau auf den Tresen und rief schnippisch: ‘Kriegt man hier auch ein Bier…?’

Die Lady hinter der Bar reagierte nicht und der Nerd war wohl im Stehen eingenickt.

‚Hey, Hallooooho! Das macht ihr doch mit Absicht?‘ rief die Ische.

Die vermeintliche Barkeeperin drehte sich kurz um und meinte: ‚Ich arbeite heut gar nicht!‘

Dann machte sie ihren Drink fertig und kam wieder vor die Theke getreten und begann dann erst den Nerd mit ganzen Erdnüssen zu bewerfen und rief: ‚Kundschaft!‘peanuts

Der Nerd schreckte hoch und riss dabei fast das Regal um.

,Zwei Becks Blue, Bittäh!‘ rief sie reichlich eingeschnappt und pochte ungeduldig mit den Fingernägeln auf der Theke herum. Dann meldete sich ihr Freund zu Wort: ‚Ich hätte aber gern ein Astra!‘

‚Das ist viel zu teuer…‘ rief sie und wedelte nach dem Barkeeper. Er wartete aber noch, bis die beiden sich ausgestritten hatten.

Der Typ meinte irgendwann: ‚Wenn ichs doch eh selbst bezahlen muss!‘

‚Aber im Preisleistungsverhältnis…!‘

‚Jetzt wirds aber hint’ höher wie vorn!‘ rief der Nerd und stellte ein Astra und ein Becks Blue auf den Tresen. ‚5,80, bitte!‘

‚Wir…haben aber zwei Becks Blue bestellt!‘ rief die Ische empört.

‘Also, wenn du beim Astra mit’m Preisleistungsverhältnis anfangst, dann kannst auch gleich verschwinden.’ rief der Nerd aufgebracht, zeigte zur Tür und lies die Ische gar nicht mehr zu Wort kommen, also redete er weiter auf sie ein.‘Der junge Mann hat ein Astra bestellt, also bekommt er auch ein Astra!!’  

‘Ja, aber!’ stammelte die Ische.

‘Nichts aber, verdammt nochmal!’ rief der Nerd, hob seine Hand, zeigte sie den Streithähnen und drehte sich zu seiner Kollegin: ‘Ich hab was für dich!’

‘Uiuiui, Geschenke!?!’ schrie sie, wie ein 12jähriges Mädchen mit blonden Zöpfen und klatschte mit den Händen aufgeregt aneinander, wie ein wahnsinniger Seehund.

‘Nein nein, Schätzölein! Das hier ist eine Leihgabe und wiedersehen macht Freude!’ meinte der Nerd und stellte die ersten vier Staffeln von Dr. Who auf den Tresen. ‘Damit du langsam aber sicher mal auf dem Laufenden bist.’

‘Boa, voll gut! Danke!’ flüsterte sie ehrerbietig und beäugte die Staffeln wie ein Heiligtum und berührte sie dann sachte mit den Fingerspitzen.

Der Nerd stellte sich aufrecht hin, räusperte sich, atmete tief ein und setzte zu einer wichtigen Verlautbarung an: ‘Weil alle, die das Bier, und wenn es auch noch so klein ist, nicht ehren und Dr. Who nicht schätzen, unwürdig sind.’

‘Was ist denn Dr. Who?’ fragte die Ische ihren Freund.

Der Nerd blickte die nervigste Kundin des heutigen Tages an, als würde er sie ernsthaft versuchen mit Blicken töten zu wollen, dann hob er dramatisch die Hand, so wie es Darth Vader getan hätte.

‘Man soll den Priester in der heiligen Messe ja nicht unterbrechen, aber du hast Firefly vergessen!’ rief Frau Nerd über ihren Absinthe Sprite hinweg.

Der Nerd holte wieder Luft und setzte erneut zu einer Rede an: ‘Weil alle, die das Bier, und wenn es auch noch so klein ist, nicht ehren, Dr. Who nicht schätzen und Firefly nicht lieben, unwürdig sind.’

‘Was ist denn Firefly?’

‘Jetzt schlägts aber 13!’ schrie der Nerd die Ische nun an und nahm ihr ohne einen weiteren Kommentar das Bier ab, dass sie eh noch nicht bezahlt hatte und exte es mit einem Zug. Dann zeigte er einfach wieder zur Tür, ohne ein weiteres Wort darüber zu verlieren.

Die Ische hatte fast ein bisschen Pippi im Auge und Frau Nerd hatte ein Einsehen mit dem armen Ding. ‘Ich geb dir mal nen Tipp!’ meinte sie ruhig zu der Ische. ‘Wenn sich zwei Männer über Firefly unterhalten, dann lächle freundlich, halt deine Zuckerschnute und nicke wenn man dir eine Frage stellt!’

‘Ja, aber sie ist doch eine Frau.’

‘Nein, sie ist keine Frau! Sie ist ein Nerd!’

‘Aber auf ihrem Shirt steht Vera!’

‘Vera ist eine Callahan Großkalliber Auto-Lock mit modifizierten Abzug und Doppellauf!’ erklärt der Nerd und die vermeintliche Vera blickte ihn etwas verklärt an, ihr Mund formte ein paar Worte, die ihr geschmeidig aber ohne einen Ton zu erzeugen über die Lippen glitten: ‘Willst du mit mir zusammen Star Wars ansehen?’ Der Nerd zwinkerte ihr zu und wurde dann aber unterbrochen, bevor er etwas erwidern konnte.

Und was ist mit Starship Troopers?’ fragte der Freund von der Ische in die Runde.

‘Gibts da nicht einen 2. Teil?’ fragte die Ische.

‘ES GIBT KEINE FORTSETZUNG VON STARSHIP TROOPERS!’ riefen der Nerd, Vera und ihr Typ gleichzeitig.

Die Ische rang mit ihrer Fassung und bevor sie endgültig zu weinen begann, meinte der Nerd: ‘Vorschlag zur Güte: Du lässt deinen Typen sein Lieblingsbier trinken, wann immer er will. Ihr fahrt jetzt heim und schaut euch Firefly an und wenn ihr mit allen Teilen fertig seid, dann schaut ihr euch Serenity an und wenn ihr am Ende geweint habt, dürft ihr wieder kommen!’

Der Typ exte sein Astra, legte 4 Euro auf den Tisch und dann gingen sie wortlos nach Hause.

‘Die sehen wir nicht wieder!’ meinte Frau Nerd.

‘Und wenn schon!’

‘Zahlen!’

‘Wie? Du willst schon gehen?’

‘Hab noch ein Date!’

‘Ohne mich!’

‘Ja, Dr. Who ist immer so eifersüchtig!’

‘Ich dachte wir wollten Star Wars ansehen und in Gefilde vordringen, die noch nie ein Mensch zuvor erlebt hat?’

(Ähnlichkeiten mit Personen aus dem realen Leben sind in einer fiktiven Geschichte gar unmöglich und somit reiner Zufall.)

Kam ein Nerd in eine Bar….

Kam ein Nerd in eine Bar…. 

peanutsKam ein Nerd in eine Bar, er trug ein Nerdshirt mit der Police Box aus Dr. Who, setzte sich an den Tresen und bestellte ein Bier.

Hinterm Tresen stand heute eine Frau, sie trug ein viel zu enges Blue Sun Shirt und grinste ihn lächelnd an und stellte ihm ein Augustiner hin.

An der Bar saß ein junges Pärchen und die junge Frau meinte schnippisch: ‘Kriegt man hier auch ein Bier…?’

Die Barkeeperin meinte nur gelangweilt: ‘Augustiner, Tegernseer, Franziskaner, Schneider Weisse, Aventinus, KDL, Astra, Despo, Radler, Becks, Becks Lemon oder Blue?’

Die junge Frau meinte kleinlaut und zickig zu gleich: ‘2 Becks Lemon, Bittäh!’

Die Barkeeperin stellte die beiden Biere hin, nachdem sie diese geöffnet hatte und nuschelte: ‘5,80!’

‘Schatz, kannst du zahlen, ich hab kein Geld dabei!’ trällerte die junge Frau.

Der Typ kramte mürrisch in seinen Hosentaschen herum und legte 6 Euro in Münzen hin und murmelte: ‘Stimmt so!’

Die beiden dackelten in den hinteren Teil der Bar und der Tresen war wieder leer, nur noch der Nerd und die Barkeeperin standen sich vom Tresen getrennt gegenüber.

‘’N Schnaps!’ murmelte der Nerd und trank von seinem Bier. ‘Den Billigen!’

Die Barkeeperin zog eine Flasche mit grüner Flüssigkeit aus dem Regal und drehte sich mit einer erhobenen Augenbraue zum Nerd. ‘Trink nie allein!’ meinte sie kühl und stellte zwei Schnapsgläser auf den Tresen. ‘In deiner Welt ist alles in Ordnung?’ fragte sie, goss die beiden Gläser voll. ‘Prost, Kleiner!’

Er stürzte den Schnaps runter und stellte das leere Stamperl wieder hin. Sie hatte noch gar nicht getrunken. Während er sie erwartungsvoll anblickte, ließ sie sich verdammt viel Zeit, um dann ganz genüsslich die kühle Flüssigkeit die Kehle runterlaufen zu lassen. Dann verzog sie das Gesicht und würgte fast.

Über sein Gesicht zuckte ein kleines Lächeln, er hielt ihr aber dennoch das leere Schnapsglas hin.

‘Boa, wie kannst du die Ekelplörre nur saufen?!’ meinte sie und goss ihm noch ein Stamperl ein.

‘Das Pfefferminzzeuch ist billig und macht schnell blöd.’ meinte er und schüttete sich den Schnaps in den Mund, gurgelte und schluckte. ‘Ist super gegen Zahnschmerzen und macht nen frischen Atem!’

‘Nun zu dir, du hast das selbe Shirt an wie gestern!’ meinte die Barkeeperin und pochte dabei mit den Fingernägeln auf dem Tresen.

‘Ja Mama! Gib mir noch nen Schnaps!’

Sie nahm ihm das leere Glas weg und stellte ihm wenig später ein Größeres hin, dass sie wieder füllte, während sie auf ihn einredete: ‘Ich nehme an, du brauchst erst einen gewissen Pegel, bevor du mir erzählst was du gestern noch mit der Ische getrieben hast, du böser Junge, du.’

‘Ach, die Ische von gestern Nacht! Das kann ich dir auch jetzt erzählen!’ meinte er ziemlich laut, kippte das Stamperl auf Ex, um dann keuchend fortzufahren. ‘Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das Letzte mal nüchtern Sex hatte!’

‘Könnte evtl. daran liegen, dass du dich immer zuschüttest wie ein Seemann auf Landgang und dich dann von minderjährigen Ischen abschleppen lässt.’

‘Ja und so geil sind die meistens gar nicht…!’ säuselte er.

‘Könnte an der verschobenen Wahrnehmung deiner betrunkenen Seele liegen!’

‘Ich kann ja nicht immer das ganze Wochenende nur Pornos schauen und…’ flüsterte er mehr zu sich, als zu ihr.

‘Du kriegt noch einen lahmen Arm, wenn du dir den ganzen Tag einen wedelst.’ lachte sie.

‘Ja, aber nüchtern nimmt mich doch keine mit!’ heulte er los.

‘Ich würd dir auch einen Blasen, wenn du stocknüchtern wärst!’ grinste sie und goss ihm noch Einen ein.

‘Aber du könntest meine Mutter sein!’ rief er entsetzt und grinste dann ziemlich dreckig, kippte das Stamperl runter und winkte dann mit seinem Stamperl, noch bevor er runtergeschluckt hatte.

‘Aber nur in einer echt zerrütteten Familie!’ lachte sie und goss das Stamperl wieder voll. Sie hob den Finger, drehte sich um und wirtschaftete hinter der Theke herum.

Sie kam mit einem Schälchen mit Erdnüssen zurück und stellte es vor den Nerd. Er friemelte an dem Schälchen herum und meinte: ‘Weißt du, dass ich immer erst die halben Erdnüsse esse und wenn keine mehr übrig sind, dann zerteile ich die Ganzen bevor ich sie esse!’

‘Und da wunderst du dich noch, warum du immer nur Sex hast, wenn du besoffen bist? Trink noch einen, schöner Mann!’ meinte die Barkeeperin und goss ihm noch Einen ein.

Er kippte erneut einen Doppelten runter und winselte dann wieder: ‘Als ich heute aufwachte, war ich allein und nackt!’

‘Und lass mich raten, die Ische hat dir eine deiner Actionfiguren auf den Schwanz geklebt?’

‘Woher weißt du das?’ rief er bierernst. Musste dann aber gleich schallend lachen, dann brach er ab und meinte er wieder weinerlich und ernst zu gleich: ‘Dabei hab ich mir doch so Mühe gegeben…’

‘Okay, ich komm nicht ganz mit! Du bist dir sicher, dass du nicht der uneheliche Sohn von Klaus Kinski bist!’

Er kramte sein Handy raus und meinte: ‘Schau mal, was sie heute morgen getwittert hat: U3Min.Sex! Da steht es!’

‘Du hast kein Netz hier unten, Schätzchen!’

‘Ich hab die ganze Zeit nur daran gedacht…!’

‘Ich glaub ich mach dir nen Kaffee!’

‘Bleib oben, Tiger! Bleib oben!’

Sie fing an zu singen: ‘Dinge, die ich gar nicht wissen will…!’

‘Egal. Dann hab ich den ganzen Tag Pornos geschaut…!’

‘Tut mir ja auch leid, dass wir erst um Acht aufmachen!’

‘Dann hab ich mir eine Pizza bestellt!’ heulte er wieder.

‘Sag mal flennst du jetzt?’ fragte sie irritiert.

Plötzlich packte er sie am Shirt, zog sie über den Tresen zu sich heran und flüsterte wieder. ‘Die  Pizza kam zu früh… ähm… Also vor mir!’

‘Oh mein Gott, du bist nicht mit dem Ständer an die Tür gegangen?’

‘Ja…nein. Ich hab ihn im Hosenbund eingeklemmt!’

‘Dir ist klar, dass ich mir das bildlich vorstellen muss!’

‘Und weißt du, er ist halt einfach zu mächtig, als dass er von einem Hosenbund zurückgehalten werden könnte.’

‘Warte trink lieber noch einen, bevor es zu peinlich wird!’ rief sie belustigt und stellte ihm gleich die Flasche hin. Dann hustete sie in ihr Fäustchen etwas was sich so anhörte wie: ‘Too much information!’

‘Und als ich die Tür auf gemacht hatte, steht eine blonde Pizzabotin vor mir. Mein Schwanz muss sich in der Hose irgendwie selbst befreit haben und stand quasi zwischen mir und ihr. Sie blickte auf meinen Schwanz und dann wieder in mein Gesicht!’

‘Ringeringedingdong! Und was hat sie dann gesagt?’

‘24,50!’

‘Nicht dein Ernst! Was hast du gemacht?’’

‘Ich hab ihr 30 Euro gegeben und gesagt: Stimmt so!’


(Ähnlichkeiten mit Personen aus dem realen Leben sind in einer fiktiven Geschichte gar unmöglich und somit reiner Zufall.)


P.S. Bleib oben, Tiger! Bleib oben!

Call me maybe oder sitzt ne Frau an der Bar…

Call me maybe oder sitzt ne Frau an der Bar…

limospritzer

Es sitzt eine Frau an der Bar und weil nur irgendwelche Typen im Gastraum saßen, die ihr nur unnötig auf die Möpse glotzten, kramte sie in ihrer Handtasche nach etwas total Wichtigen. Dabei kann sich ein Weibchen schon mal ein Stündchen beschäftigen.

Aus der futuristischen Jukebox schallmeite es: ‘Call me maybe!’

Plötzlich stand ein Kerl in der Tür, den sie mit einem flüchtigen Blick musterte und sofort wusste, dass er ihr einfach nur gefährlich werden würde. Groß und von muskulöser Gewalt, verstrubbelte Haare und erschreckender Weise einen ziemlich gepflegten Bart. Ein flüchtiges Lächeln seinerseits flatterte wie ein wunderschöner Schmetterling durch den Gastraum zu ihr hinüber. Und in der Zeit wie das Lächeln den Raum durchquerte, zog vor ihrem inneren Auge ihr Leben an ihr vorbei und sie hatte es einfach nur satt. Sie hatte einfach alles satt. Und sie brauchte einfach nur ihre Ruhe.

Die Zeit schien stehengeblieben zu sein und das flatterhafte Lächeln des überaus gutaussehende Typen schwebte für einen Moment vor ihr in der Luft.

Das war ganz genau das, was sie gerade echt nicht gebrauchen konnte. Ein Kerl, der ihr mit seiner puren Anwesenheit schon den Kopf verdrehte. Grad heute, wo sie fest entschlossen allein in die Kneipe gegangen war, weil sie ihre Ruhe haben wollte. Weil sie es satt hatte, sich in Probleme Anderer verstricken zu lassen und dann langsam aber sicher daran zu ersticken drohte, sie bekam keine Luft mehr, weil ihr die ganze Scheiße um sie herum langsam aber sicher die Luft abschnürte.

Es ist unglaublich, dass ein Mensch allein so destruktiv sein kann, aber das war das Einzige was sie im Moment wirklich sehr gut konnte. Melancholisch in einer Ecke an der Bar sitzen und ein leeres Glas solange böse anzustarren bis es endlich zerspringen würde.

Herrgott im Himmel, was hat sie nur in dieser Welt verbrochen, dass sie das Universum so strafen muss. Es ist ja nichtmal so, dass immer die Anderen Schuld sind, um die Schuldfrage ging es ihr garnicht, weil sie eh immer schuld war, egal wie rum man den Spieß drehte, sie war immer der verdammte Fußabstreifer, der alleine und völlig verdreckt vor der Tür ins Ungewisse liegt und es will eigentlich keiner den Schritt wagen, also liegt sie da wahrscheinlich noch in ein paar Jahren herum, um nur darauf zu warten, dass ihr wieder jemand einen Arschtritt verpasst. Der Fußabstreifer in der verstaubten Welt, die sich selbst für so fortschrittlich hält, darauf kann man doch sch…?!

Der nervige Song bohrte sich immer noch durch alle Ohren und suggerierte allen Zuhörern, das der Traumprinz am Ende doch anrufen wird. Nein, er wird nicht anrufen. Das Leben ist kein Wunschkonzert und heute hat wohl einer seinen Finger auf der Repeat-Taste. Der Song fing wieder von vorne an…und die Welt drehte sich wieder in gewohnter Schnelligkeit.

Der Kerl, der eben noch wie ein Fels in der Brandung in der Tür gestanden hatte, bewegte sich durch den Raum. Sein Lächeln war mittlerweile an seinem Bestimmungsort angekommen und sein scharfer Blick setzte dem lachenden Schmetterling hinterher und im nächsten Augenblick stand er schon an der Bar.

‘Einen Absinth Sprite bitte!’ rief der Kerl dem Barkeeper zu. Und am anderen Ende der Bar lief ein Höschen voll.

‘Und ich dachte, die Irre da drüben mit der Handtasche wäre die Einzigste, die diese flüssiggewordene Blasphemie säuft.’ murmelte der Barkeeper und zapfte ein Bier und stellte es seinem neuen Gast hin.

‘Einzige!’ meinte der Typ und schob dann ganz lässig das Bier von sich weg. ‘Ich hab einen Absinth Sprite bestellt und mach gleich zwei draus…!’

Beim Barte des Propheten und aller bayowarischer Großmütter, welche halbwegs intelligente Frau kann bei so was schon wiederstehen?

Sie kramte immer noch in ihrer Handtasche, die fadenscheinige Maskerade aufrecht erhaltend, also suchte sie weiter, fand es nicht, wurde langsam wütend und kippte den kompletten Inhalt ihrer Handtasche auf die Theke. Es schien so, als würde sich ihr halber Hausstand über den Tresen ergießen. Eine kleine Sintflut von Dingen die die Welt nicht braucht. Allen voran ihr Lippenbalsam, den sie angeblich wie verrückt gesucht hatte, der just in dem Moment als sie ihn erblickte, über die Kannte der Bar nach unten kullerte.

Sie tauchte hinter dem Lippenbalsam her, der bereits über den Boden rollte. Kurz bevor sie ihn erreichen konnte, tauchte erst wie in Zeitlupe eine enorme Pranke vor ihr auf und dann das Grinsen des Typen. Er hatte den Labello vor ihr zu fassen bekommen und beim Auftauchen stießen sie beide mit den Köpfen zusammen.

Sie kam ins Taumeln, denn sein Kopf war wohl wesentlich härter als der ihre. Um nicht wieder auf allen Vieren vor ihm zu landen, wollte sie sich an einem der leeren Barhocker festhalten, griff jedoch ins Leere. Bevor sie umstürzen konnte, griff er nach ihrer Hüfte, hielt sie fest und stellte sie gleichzeitig auf die Füße.

‘Alles in Ordnung, schöne Frau?’ fragte er und versuchte ihr in die Augen zu blicken, die sie in dem Moment wieder aufschlug, als er seinen Griff lockerte, um sie an der Schulter zu berühren.

‘Ja, ne. Glaub schon.’ stammelte sie und musste sich erst mal setzen.

Der Barkeeper stellte die beiden Drinks auf die Theke und murmelte etwas in sich hinein, dass sich nach: ‘Da ham sich ja zwei g’sucht und g’fundn!’ anhörte.

In dem Moment als sie sich setzte, sprang sie auch schon wieder auf und lief zum Inhalt ihrer Handtasche hinüber.

‘Sorry, mein halber Hausstand liegt auf dem Tresen!’ rief sie und machte sich daran, alles wieder in ihre Handtasche zu stopfen. Nur mit dem Unterschied, dass nicht mehr alles hineinzupassen schien, was vor wenigen Minuten noch genug Platz in der Handtasche hatte.

Der Kerl schnappte sich die beiden Drinks und folgte ihr: ‘Erstmal einen Schluck auf den Schreck?’

‘Sorry, ist nicht mein Tag heute!’ meinte sie und schüttelte die Handtasche, in der Hoffnung der Inhalt würde sich dadurch ein wenig komprimieren.

‘Meiner auch nicht, aber was soll’s!’ prostete er ihr zu und grinste sie dabei an, er bückte sich nochmal und hob noch etwas auf, was zu Boden gepurzelt war. Es war ihr Personalausweis.

Als er wieder auftauchte, grinste er noch breiter: ‘Wie kann man nur mit so einem schönen Namen, so schlechte Laune haben?’

‘Ist ne lange Geschichte, aber jetzt wissen sie eh schon fast alles über mich…!’ rief sie und machte Anstalten ihm den Ausweis wegzunehmen.

‘Ja, Bambi Müller, 170 groß, Augenfarbe blau-grau, Wohnhaft…!’ meinte er, bis sie ihm ihren Ausweis endlich abluxen konnte und ihn böse anfunkelte: ‘Wenn Sie nicht wollen, dass ich sie Blume nenne, verraten sie mir ihren Namen!’

‘Sie werden es nicht glauben, aber ich würde sie gerne duzen, bevor ich meinen Namen preisgebe!’

Sie nickte kurz und dann hielt er seinen Ausweis hoch.

‘Hans Klopfer, 195 groß, Augenfarbe grün und du wohnst hier gleich ums Eck!’ meinte sie und ein unmerkliches Lächeln stolperte über ihr Gesicht.

‘Jupp!’ meinte er und prostete ihr wieder zu und flüsterte mehr in sich hinein, als zu ihr: ‘Danke für das erste Lächeln des Tages!’

Sie hatte es jedoch gehört und lächelte nochmal, er lächelte auch und er schien das erste Mal ein wenig unsicher zu sein. Betretenes Schweigen und Strohhalmgeschlürfe, bis sie die Stille unterbrach. ‘Und warum hab ich dich hier noch nie gesehen?’

‘Bist du öfter hier?’ antwortete er die Frage mit einer Gegenfrage.

‘Jupp!’ meine sie kurz, sie hasste es, wenn ihre Fragen mit einer Gegenfrage nicht beantwortet wurden. Wieder betretenes Schweigen und Strohhalmgeschlürfe, das nun er brach. ‘Ich war beruflich viel unterwegs.’

Er kramte in seiner Hosentasche und hielt ihr den Labello hin, sie nahm ihn ansich, aber nicht ohne ihn zu öffnen und sich die Lippen einzuschmieren. Nebenbei stolperte ein: ‘Soso!’ aus ihrem Mund.

‘In Grönland!’ meinte er.

‘Lassen sie mich raten, sie haben nach Öl gebohrt?’ fragte sie mit leicht ironischem Unterton und trank von ihrem Drink.

‘Waren wir nicht beim Du?’

‘Ja Du!’ meinte sie fast schon schnippisch. War das seine Masche, eine Frage immer mit einer Gegenfrage zu beantworten?

‘Es war Erdgas!’ antwortete er, wenn auch verspätet.

‘Und jetzt?’

‘Hab ich erstmal Homeoffice!’

Der Barkeeper kam wieder vorbei, bückte sich, hob etwas auf und legte etwas auf den Tresen. Es war ein Kondom. Dann grinste er: ‘Nehmt euch ein Zimmer!’

Sie wurde augenblicklich knallrot im Gesicht, schnappte sich das Kondom und flüsterte: ‘Muss mir wohl aus der Tasche geputzelt sein!’

Er grinste sie an und meinte nur: ‘Zahlen!’  

As Time goes by

As Time goes by

Bogart_in_CasablancaKommt eine Frau mit Hut in eine verrauchte Pianobar. Sie hat den Kragen ihres Trenchcoats hochgeklappt und den Hut ins Gesicht gezogen. Eine Kippe hängt ihr im Mundwinkel.

Mehr konnte man nicht erkennen. Es schien alles schwarz-weiß zu sein und es schien tatsächlich niemand zu stören, dass der offensichtlich schwarze Putzmann summend und pfeifend die kleine Bühne wischte. Als er damit fertig war, setzte er sich an den Flügel und spielte: ‚As Time goes by!‘

Sie bestellte einen Gin Tonic mit Gurke. Der blöde Jüngling an der Bar servierte ihr umgehend ihren Drink. Sie lies ihren Blick über die Theke schweifen. Ihr Blick blieb auf einer Tafel hängen: Neu: Puni Smash 8,50, € Absinthe Sprite 7,50 €, La Bruna 6,50 €

Der Barkeeper blieb vor der Frau stehen und zeigte unmissverständlich auf ein Rauchverbotsschild. Die schwarz-weiß Szenerie löste sich augenblicklich auf und die Rauchschwaden verschwanden urplötzlich. Sogar der farbige Mann am Klavier war verschwunden. Nur der letzte Akkord von ‚As Time goes by‘ hallte noch in ihren Ohren.

Der Barkeeper stand immer noch vor der Frau und hielt ihr noch unmissverständlicher einen Aschenbecher hin. Sie nahm den Aschenbecher an sich und bedankte sich lächelnd, aschte ab und stellte den Aschenbecher neben ihren Drink und setzte sich auf den Barhocker. Der Hut flog auf den Tisch, sie verstrubbelte ihre kurzen schwarzen Haare mit einer Hand und grinste den Barkeeper lässig an.

‚So klein und schon Barkeeper?‘ meinte sie und zog wieder von der Zigarette.

‚Lady, entschuldigen Sie, hier ist Rauchverbot!‘ meinte er streng und griff wieder nach dem Aschenbecher. Sie zog nur eine Augenbraue hoch, zog nochmal genüsslich an der Zigarette, um sie danach sofort auszudrücken.

Der Barkeeper lies den Aschenbecher verschwinden und nahm eine weitere Bestellung auf.

‚Vier Weizen für die Band, kommt sofort!‘ kam es wie aus der Pistole geschossen, während die Frau sich nervös umblickte und an einem Plakat hängen blieb. ‚Utongo Mtembe spielt As Time goes by. Morgen hier!‘ Sie glaubte, den schwarzen Putzmann am Klavier auf dem Plakat wieder zu erkennen. Kopfschüttelnd beobachtete sie den Barkeeper bei seiner Arbeit. Er zapfte soeben das dritte Weißbier. Sie legte völlig unbewusst den Kopf schief und starrte den jungen Mann an und beobachtete ihn leicht aus dem Mundwinkel sabbernd dabei, wie er das Weißbier zapfte. Erst ließ er Weissbierunnachgiebig die goldene Flüssigkeit in das geneigte Glas laufen, dann zog er mit einer fließenden Handbewegung das Glas in eine aufrechte Position und verringerte den Druck. Die weißschäumende Flüssigkeit lief nun langsamer in das Glas, bis es fast voll war. Er stellte es ab und widmete sich dem nächsten Glas. Als er mit dem letzten Bier fertig war, griff er sich das erste Bier und ließ nochmal einen Sprutzer des Bieres in das Glas laufen. Der Schaum ergoss sich ins Glas, bis es voll war und mit einem Seufzer kam der Schaum über den Glasrand geschossen und rann zaghaft außen am Glas herab. Das selbe machte er mit dem Zweiten und Dritten. Sie seufzte bei jeder Vollendung und am Ende standen vier perfekt gefüllte Weißbiergläser auf einem Tablett und der jugendliche Barkeeper servierte sie alsgleich an die Bühne. Die Band hatte bereits die Bühne betreten und spielte ohne Vorwarnung auf. Ein Gast griff sich ans Herz, der überstürzte Beginn der Darbietung hatte wohl seinem Herzschrittmacher den Garaus gemacht und doch bestellte er ein Weizen. Der junge Zapfgott widmete völlig unbeeindruckt von der Musik dem nächsten Weißbier. Obwohl die Band mit ihren ohrenbetäubenden und gar grauenvollen Lärm alles Menschenwürdige übertönte, konnte sie mit dem letzten Sprutz Schaum, der in das Glas schoss, den leidenschaftlichen Seufzer des Bieres schier spüren. Während man krampfhaft versuchen sollte sich den Schlagzeuger nicht nackt vorzustellen und bloß nicht beim Geschlechtsverkehr, nahm das Grauen seinen Lauf, unaufhaltsam und ohrenbetäubend! Kopfkino lässt grüßen und wenn es wenigstens schwarz-weiß gewesen wäre.

Wie der Schlagzeuger sein schmieriges Grinsen nur unterbrach, um mit seiner gierigen Zunge über seinen schmales Oberlippenbärtchen zu streichen.

Und in dem Moment erkannte sie erst, dass sie wie gebannt auf den Schlagzeuger gestarrt hatte und erst als ihr im Moment der Erkenntnis die Kotze in ihre Mundhöhle schwappte, konnte sie erst ihren Blick von diesem gentechnischen Betriebsunfall da auf der Bühne abwenden. Ungläubig wie sie war, schickte sie ein Stoßgebet ans Universum. Aber es war nicht nur wie bei einem Unfall, es musste ein Fluch sein, sie konnte einfach nicht die Augen von dem Wahnsinn da auf der Bühne lösen.

Beim Höhepunkt des Liedes hatte es erschreckender Weise den Anschein, dass der Schlagzeuger mit seinem wollüstigen und aufdringlichen Grinsen auf den behaarten Lippen sich an einer seiner Trommeln verging. Er ritt das arme Ding wie ein wildes Tier und schlug dabei wie der uneheliche Sohn von Klaus Kinski auf die Becken ein, so dass es der Frau an der Bar schier den Tinnitus aus dem Ohr drosch.

Der Bassist indes riss den Rachen auf, wie ein hysterisches Magermodel das versuchte beim Kotzen zu lächeln, aber eher wirkte wie ein wild gewordener Neandertaler der grunzte und stöhnte und mit seinem abartigen Gesichtsausdruck sogar das leise Wimmern des nächsten Bieres übertönte. Der blasierte Blick des Neandertaler-Bassisten lies ihr die Tränen in den Augen gefrieren. Sie hatte den inständigen Wunsch zu flüchten, doch sie klammerte sich in einer schockartigen Starre an ihren Drink, wie ein Ertrinkender an einen Strohhalm. Sie war gefangen, wie ein scheues Reh im Lichtkegel eines Scheinwerfers. Den Tod ins Auge blickend und unfähig sich zu bewegen… es war wie eine alptraumhafte Nahetoderfahrung in der kakophonischen Klänge die Himmelspforte zum Einsturz brachten, Engel ihre Flügel verloren, nur weil sie Ohren hatten und sich der Teufel in der Hölle seine Schlittschuhe anzog, weil sein Zuhause langsam aber sicher zufror.

Zu allem Überfluss vergewaltigte der Steinzeit-Bassist gerade seinen jugendlichen Liebhaber aus Kirschholz in dem er immer und immer wieder seine schmierigen Pranken über die Seiten schrammelten. Er hatte sein Gesicht zur Faust geballt als er endlich zum Schuss kam, während der Gitarrist wie ein unbeteiligter Depp daneben saß, sich krampfhaft an die Noten klammerte, aber in aller Seelenruhe den Takt mitzählte. Der Höhepunkt des Stücks, das leise an 12 Ton Musik erinnerte, wurde von den Flatulenzen des Saxophonisten durchbrochen, der wohl das was in ihm rumorte durch die Beblasung seines Instrument auszudrücken versuchte. Die Gäste klatschten wie verrückt. Für was? Weil der langhaarige Bombenleger mit dem gestohlenen Saxophon seinen Einsatz nicht verpasst hat?

Endlich kehrte Stille ein, man konnte den Tinnitus in der Ecke noch würgen und wimmern hören und wenn ein Tinnitus Haare hätte, dann hätte sie sie gerne hochgehalten. Der Mann mit dem Herzschrittmacher schien mittlerweile verstorben zu sein, oder eingeschlafen. Und das war erst das erste Lied. Und da wundert man sich noch warum die Selbstmordrate in Großstädten immer weiter steigt.

Sie trank ihren ersten Drink in einem Zug leer, stellte das leere Glas auf den Tresen und zeigte unmissverständlich auf die Tafel und bestellte in Zeichensprache einen Puni Smash und einen Absinth Sprite, während die Band das zweite Lied anstimmte. Eine Ballade, die auch die restlichen Gäste in einen komatösen Dornröschenschlaf versetzte.

Der Absinth Sprite kam sofort, den kippte sie ohne Anstand auf einen Sitz runter. Die grüne Fee besänftigte zumindest ihren Magen und der aromatische Geschmack des Puni Smash lies den restlichen Teil des Konzerts halbwegs erträglich werden.

Der blonde Jünglich stellte ihr einen zweiten Puni Smash auf einer Serviette hin. Auf der Serviette stand: ‚Ich seh dir in die Augen, Kleines!‘ und eine Telefonnummer.

Tief in ihrem Herzen saß ein schwarzer Mann an einem Flügel und spielte ‚As Time goes by!‘

Die Sprechstunde ist schon längst vorbei…Du Spasti!

Die Sprechstunde ist schon längst vorbei…Du Spasti!

astraKommt eine Frau in eine Bar, stellt ihre Handtasche auf den Tresen, zieht einen Kugelschreiber aus der Jackentasche und legt ab.

An ihrer Bluse hing noch ein Namensschild vom Klinikum gegenüber. Ein Stammgast, der schon sichtlich betrunken zu sein schien, blickte ihr ziemlich auffällig auf die Brüste und versuchte tatsächlich ihr Namensschild zu lesen.

‚Frau Dr. Anita Lagleder, Sexualtherapeutin.‘

Der Betrunkene brauchte einen Moment um eine Frage zu formulieren und er brauchte noch einen Moment länger, bis seine betrunkene Zunge die Worte formen konnte.

‚Sexualtherapeutin, alles klar!‘ rief er und prostete ihr zu. ‚Sagen Sie mal, meine Frau hat Orgasmusschwierigkeiten, was kann man da tun?‘

Sie hatte ein Paar Worte auf den Lippen, die sie dann aber doch herunter schluckte und beließ es bei einem blöden Grinsen, während sie nur dachte: ‚Sie mal ordentlich durch ficken!‘

Dann hob sie eine Augenbraue, schob ihre Brille ein Wenig von der Nase, um den Betrunkenen über den Brillenrand hinweg besserwisserisch anzublicken: ‚Machen Sie doch mal das Radio an, bevor Sie mit ihrer Frau intim werden.‘

‚Intim werden? Wenn Sie das so sagen, bekomme ich gleich Orgasmusschwierigkeiten!‘ lallte der Betrunkene viel zu laut. Der Barkeeper blickte auf und ging kopfschüttelnd ins Hinterzimmer.

‚Aber Sie sind schon anwesend, wenn Ihre Frau Orgasmusschwierigkeiten hat?‘ fragte die Frau und betete inständig darum, der Barkeeper möge ihr ein obligatorisches Feierabendbier bringen.

‚Aber klar! Was meinen Sie denn?‘

‚Sie glauben gar nicht, was ich in meinem Beruf tagtäglich zu hören bekomme.‘

‚Ehrlich, was denn zum Beispiel?‘

‚Schweigepflicht!‘

‚Ahso!‘

‚Aber machen Sie mal den Radio an oder legen Sie eine gute CD ein, bevor Sie es ihrer Frau besorgen!‘

‚Wir haben aber gar keinen Radio im Schlafzimmer!‘

‚Sehen Sie, da haben wir ja schon das Rätsels Lösung. Kaufen Sie einen Radio!‘

‚Kann ich nicht einfach den Fernseher anmachen?‘

‚Ja, könnte auch klappen!‘ meinte sie und fuhr dann mehr zu sich flüsternd fort: ‚Bei Star Wars zum Beispiel.‘ Sie hatte eigentlich so leise geredet, dass ihr Gegenüber es eigentlich nicht hätte hören können, aber sogar der Barkeeper am anderen Ende der Bar fing breit zu grinsen an, als sie das gesagt hatte. Der Barkeeper muss mehrsprachig Lippenlesen können. Er bewegte den Mund ohne zu sprechen und seine Lippen formten die Worte: ‚Star Wars?‘ begleitet von einem fragenden, frivolen Grinsen.

Sie lächelte ihm über die Brille hinweg an und formte mit dem Mund ohne zu sprechen: ‚Kriegt man in dem Saftladen auch was zu trinken?‘

‚Bier?‘ kam wortlos gegrinst zurück.

Sie nickte. Wie als hätte der Barkeeper das Beamen erfunden, stand der Barkeeper plötzlich vor ihr und ratterte sämtliche Biersorten runter und grinste sie dabei an. Ihr Mund formte das Wort: ‚Astra!‘

Der Betrunkene war anscheinend eine Weile eingenickt und als er den Kopf hob, rief er lachend: ‚Star Wars?! Nicht ihr Ernst!‘

‚Also bei mir funktioniert Star Wars immer!‘ grinste sie den Barkeeper an.

‚Na, dann möge die Macht mit Erner ein!‘ lallte der Betrunkene.

‚Danke und was machen Sie eigentlich beruflich?‘

‚Ich bin KFZ-Mechaniker, warum?‘

‚Ach wissen Sie, mein Auto rumpelt!‘

‚Ja, schön für Sie!‘

‚Sehen Sie, ich hab auch grad Feierabend und werde mit den sexuellen Unzulänglichkeiten Wildfremder belästigt…‘

Der Barkeeper brachte das Astra und meinte zu dem betrunkenen Stammgast: ‚Die Sprechstunde ist schon längst vorbei, Du Spasti!

Kommt ne Frau langsam in eine Bar…

Kommt ne Frau langsam in eine Bar…

…und bewegt sich vorsichtig Richtung Tresen.

limospritzerSie trug einen Wintermantel und hatte einen Hund an einer Leine, der aber noch ziemlich jung war und sich neugierig durch den Raum schnupperte.

‚Kann ich ein Zitronenlimo haben und eine Schüssel mit Wasser für den Kleinen?‘ fragte sie und legte eine Hand auf die Theke.

Der Barkeeper blickte über die Theke und meinte: ‚Ja, und was ist mit einem Leckerli? Willst du ein Leckerli?‘

Sie blickte am Barkeeper vorbei und schüttelte nur den Kopf, während der Hund freudig erregt versuchte den Barhocker zu besteigen.

‚Wie heißt er denn?‘

‚Der kleine Basterd hat sich noch keinen Namen verdient!‘

‚War er nicht artig? Warst du ein böser Hund?‘

Sie drehte sich zu ihrem Hund und meinte: ‚Weißt du was ich am Meisten hasse, wenn die Kerle immer nur mit dir sprechen und mich am Ende der Leine verdursten lassen…!‘

‚Ja, Tschuldigung. Mit dem Schwerenöter brauchen Sie aber nicht auf Aufreißtour gehen!‘ meinte der Barkeeper und stellte ihr das Zitronenlimo hin.

Sie zog ihren Mantel aus und dabei rutschte ihre eine Armbinde vom Ärmel.

‚Ihnen ist da was runter gefallen!‘ meinte der Barkeeper und wollte ihr gerade noch eine Zitronenscheibe ins Glas werfen.

‚Ist eine Zitronenscheibe in einer Zitronenlimo nicht völlig vergebene Liebesmüh?‘ fragte sie und legte langsam die Hand auf ihr Glas.

‚Also kein Gemüse in ihrer Limo?‘ meinte der Barkeeper. Er wusch eine kleine Plastikschüssel aus und füllte sie mit Wasser. Dann ging er um den Tresen herum und servierte dem Hund das Wasser. Während der Hund gleich den ganzen Kopf in die Schüssel steckte, kraulte der Barkeeper ihn und flüsterte mit dem Hund: ‚Ja, das gefällt dir, du kleiner Schwerenöter!‘ Der Hund zog seinen Kopf aus der Schüssel und legte sich auf den Rücken, um sich noch mehr kraulen zu lassen.

‚Du kleine Evolutionsbremse sollst dich nicht immer gleich vor jedem Mann auf den Rücken werfen, nur weil er dir am Ohr krault.‘ zischte sie dem Hund zu, blickte aber dabei in eine ganz andere Richtung.

Als der Barkeeper sich wieder aufrichten wollte, hob er den kleinen Fetzen Stoff auf, der ihr vom Ärmel gerutscht war, als sie den Mantel ausgezogen hatte.

‚Ihnen ist da was runter gefallen!‘ wiederholte er und hielt ihr den Stofffetzen hin.

Sie blickte an ihm vorbei und griff ins Leere. Im Hintergrund lief ‚I just called to say I Love You‘.

‚Na, dass passt ja wie die Faust aufs Auge!‘ meinte sie und drehte ihren Kopf langsam in seine Richtung. Noch bevor er sah, was er da eigentlich in Händen hatte, blickte er in ihre Augen. Sie waren trüb und fahl und sie lächelte die Sitzreihen hinter ihm herzlich an. Dann griff sie nach seinem Arm und tastete über seinen Arm hinweg zu seiner Hand.

‚Das dumme Ding ist so flüchtig wie Gas! Es entfleucht mir ständig!‘ flüsterte sie und nahm den Stofffetzen an sich und streifte ihn über ihren Arm. ‚Aber nicht, dass Sie mir jetzt ne Nazibinde untergejubelt haben.‘ lachte sie über seine Schulter hinweg. Erst jetzt konnte man das Blindenzeichen erkennen.

‚Ne, garantiert nicht!‘ erwiderte der Barkeeper und zog eine Sicherheitsnadel von seiner Weste. ‚Nazis müssen draußen bleiben!‘

Dann strich er sanft über ihren Arm und flüsterte: ‚Ich hab da was für Sie, nicht bewegen!‘

Er pinnte ihr die Armbinde mit der Sicherheitsnadel fest. Daraufhin griff sie vorsichtig über ihren Arm und ihre Finger verharrten auf der Sicherheitsnadel.

‚Danke!‘ hauchte sie und streckte dann die Hand aus. Sie wollte ihm ins Gesicht fassen, aber die Richtung stimmt nicht ganz. Er drehte sich in ihre Richtung, kam einen Schritt näher, nahm aber zusätzlich ihre Hand und führte sie zu seiner Schläfe. Sie fuhr über seine Haarstoppel und blieb mit den Fingern an seinem Iro hängen. Dann machte sie eine Erkundungstour über sein Gesicht. Ihr Hund knurrte und fing an an ihrem Hosenbein zu zerren.

‚Du Blindfisch, du sollst mich beschützen und mich heil über die Straße bringen! Und nich…‘ Sie schüttelte ihn ab und er zog beleidigt ab, blieb dann aber am Ende der Leine an seinem Halsband hängen und stolperte durch den Ruck und fiel einfach um. ‚Ist er grad wieder umgefallen, weil ihn das Ende der Leine überrascht hat?‘

‚Ja Lady!‘

‚Ich glaub ich werd ihn Stevie Wonder nennen!‘

‚Sie sind fei ganz schön witzig.‘ lächelte er ihr entgegen.

‚Willkommen in meinem Leben! Eine Blinde führt ihren blinden Hund durch die große Stadt.‘

Trick and Treat – Kommt ne Frau in eine Bar…

Trick and Treat – Kommt ne Frau in eine Bar…

IMG_0005Kommt ne Frau in eine Bar, sie führt einen zerbeulten Blecheimer mit sich. Lächelnd setzt sie sich an die Theke und bestellt sich eine Bloody Mary, während sie den Eimer auf den Tresen stellt.

‚Ja, haha! Des passt ja super zu Heute!‘ rief ein betrunkener Gast, der einen Trauerfrack trug und grinste sie leicht debil an.

Die Frau ignorierte ihn weitestgehend und wartete auf ihre Bloody Mary.

‚Wozu ham se denn den Eima mitgebracht!‘ rief der Betrunkene so laut, dass man ihn kaum überhören konnte.

‚Für Betrunkene im Trauerfrack, die stören!‘ meinte sie ruhig.

‚Ja, ist ja schon gut. Dann trink ich halt alleine! Wer nicht will der hat schon! Ich bin jung und schau gut aus, ich bin auf niemanden angewiesen.‘ meinte der Betrunkene und würfelte mit sich selbst, um den nächsten Drink.

Sie sang in ihren Drink: ‚Dinge, die ich nie wissen wollte!‘

Der Barkeeper verschwand grinsend durch die Tür ins Hinterzimmer und kam erst nach einem viel zu langem Moment wieder in der Türöffnung zum Vorschein, reichlich dreckig grinsend.

Der Betrunkene gab nicht auf. ‚Jetzt sag halt, was in dem Eimer ist!‘

Der Barkeeper nickte kurz und trat einen Schritt durch die Tür in den Barraum zurück, er hielt einen Wischmopp in der Hand und grinste noch dreckiger. Der Praktikant lief an ihm vorbei und zog eine enorme Kamera aus seiner Hosentasche. Wie er die Digitale Spiegelreflexkamera mit Objektiv und externen Blitz je in seiner Hose verstecken konnte, werden wir wohl nicht erfahren. Auch er nickte grinsend.

Die Frau stand auf, nahm den Eimer, holte aus und schüttete den Inhalt dem Betrunkenen mit voller Wucht in die Fresse. Rote, zähe Flüssigkeit ergoss sich über den Gast, den Stuhl, die Theke, den Barkeeper und den Boden. Die Frau grinste nun auch dreckig, als sie rote Spritzer an ihren Fingern entdeckte. Genüsslich leckte sie einen Finger nach dem Anderen ab.

Der Praktikant knipste ein Foto nach dem Anderen und der Barkeeper setzte sich so langsam es ihm möglich war, mit dem Wischmopp in der Hand, in Bewegung. Von seinem Gesicht tropfte das Kunstblut und er lächelte.

‚Trick and Treat, gleich zwei Sachen auf einmal!‘ meinte die Frau, nahm den Eimer runter und setzte sich wieder, um sich wieder ihrer Bloody Mary zu widmen.

Der Barkeeper wischte fast schon lieblos den Boden und verteilte die rote Farbe noch mehr über den Fliesenboden…

‚Hey Lady, träumen Sie?‘ fragte der Praktikant und lächelte die Frau nervös an. ‚Ihr Bier wird warm.‘

Die Frau blickte verwirrt auf die Flasche in ihrer Hand und zwinkerte mehrmals. Sie hatte irgendwie gewusst, dass sie geträumt hatte. Eigentlich seit der Bloody Mary und spätestens nachdem der Praktikant die enorme Kamera aus seiner Hose gezogen hatte. Aber es wäre wirklich reine Verschwendung gewesen, aufzuwachen, bevor der ganze Eimer mit dem Kunstblut nicht seiner Bestimmung zugeführt worden wäre.

‚Ist heute nicht Ihr persönlicher Feiertag?‘ fragte der Praktikant.

‚Ja, ne! Mit Kunstblut kann ich das ganze Jahr rumbritscheln. Ich will heute nur mein obligatorisches Feierabendbier trinken.‘ meinte sie und machte sich Notizen.

‚Darf ich irgendwann lesen, was Sie da schreiben?‘

‚Du! Wenn du mir mal deinen Namen verraten würdest, müsste ich nicht immer über ‚Den Praktikanten‘ schreiben…!‘ flüsterte sie und schrieb weiter in ihr Notizbuch.

‚Sie schreiben über mich?‘ fragte Praktikant und wurde schlagartig rot im Gesicht.

‚Du! Und ja…und ja!‘ grinste sie ihn an und nippte an ihrem Bier.

Fortsetzung folgt…Prost!

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