Wortkarg

Wortkarg

Manchmal, wenn dir die Worte fehlen.
Manchmal, wenn du nicht weißt, wie du einen Satz beginnen sollst.
Manchmal, wenn dir die Worte im Halse stecken bleiben.
Manchmal fallen die Worte nichtssagend aus deinem Mund.
Manchmal, wenn du über deinen Schatten springen willst.
Springen über die Mauern hinweg, die dich nur all zu oft einengen.

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Einengen in deinem Sein.
Sein, das ist das was du sein willst.
Einfach nur sein.
Da sein.
Nicht alleine sein.
Zusammen sein.
Aber du stehst da allein.
Allein und bringst kein Wort über die Lippen.
Wortlos.
Wortkarg.
Du stehst da.
Einfach so.
Da im Regen.
Du sagst kein Wort.
Der Regen redet für dich.
Jeder Tropfen schreit es hinaus.
Sie schreien es hinaus, wo du nichts sagen kannst.
Der Himmel weint, wo du keine Träne mehr vergießen kannst.
Des Lachens müde, bist du stumm.
Wer schreit es hinaus?
Das was du nicht sagen kannst.
Können.
Wollen.
Es wird nie jemand erfahren.
Du musst es sagen. Müssen.
Deine Gedanken schreien es hinaus.
Ob es je jemand hören kann, wenn du nicht endlich den Mund auf machst.
Erstveröffentlichung 04.01.2010
Published in: on 25. Mai 2020 at 12:48  Kommentar verfassen  
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Traum durch die rosarote Brille

Traum durch die rosarote Brille

pinkIch wache auf und alles ist rosa und schimmert so komisch. Ich reibe mir die Augen und nein, ich habe keine rosarote Brille auf der Nase. Ich liege in einem rosa Bett und jemand hat mich mit einer rosa Folie zugedeckt, auf der lauter Pferde und Herzen aufgedruckt sind. Ich versuche mich freizuwurschteln und stürze aus dem Bett. Meine Nase klebt am Boden, der auch rosa ist und alles scheint aus Plastik zu sein. Ich befinde mich nicht mehr in meinem bewohnbaren Kleiderschrank, nein ich scheine in dem begehbaren Kleiderschrank einer alten Jungfer zu sein. Und alles ist voll Glitzer. Ich schaue an mir herab und nein, ich bin kein 12jähriges Mädchen mit blönden Zöpfen. Ich trete gegen einen Stuhl, der gleich in alle seine Einzelteile zerspringt und ich bewaffne mich mit dem Stuhlbein. Nur für den Fall der Fälle, dass ich hier im Twilight-Traumhaus des Todes gelandet bin. Komm nur raus, miez, miez miez! Ja wo ist er denn, der Sparklefool!

Ich schleiche an die Tür und tippe sie an und sie fällt aus den Angeln. Dahinter ist ein rosa Badezimmer und jemand steht in der Dusche. Schaum quillt aus der Dusche. Als ich auch nur in die Nähe der Dusche komme, geht die Duschkabine wie von Geisterhand auf und drin steh ein Plastikmann ohne Schwanz. Der ist mir mehr als suspekt. Und immer wenn mir so komische Dinge passieren, denkt mein Unterbewusstsein nicht daran mir gescheite Waffen an die Hand zu legen. Ein Königreich für eine Schrotflinte.

Dann werde ich den unbehaarten Schwanzlosen wohl mit dem Stuhlbein vertrimmen müssen, sobald er sich bewegt. Weil was keine Seele hat und sich trotzdem bewegt, ist entweder ne Maschine oder ein Untoter und / oder Zombie. Und nachdem Maschinen nur in Autowaschanlagen duschen dürfen, sag ich nur: Tod dem Zombie!

 

Erstveröffentlichung am 26.02.2013

Tanz in den Mai!

Tanz in den Mai!

Ging ein Mann (50) ganz ohne darüber nachzudenken in ein Tanzlokal. Es hieß ‚Tanz in den Mai‘.

Ja, wunderbar denkt er sich, es ist ja Frühling und da kann Mann ja mal schauen, wer sich Heut zu Tage in so einem Tanzlokal so herum treibt. Er denk sich auch nichts Böses, denn er hat ja schließlich seine Ehefrau dabei.

Es wurde getanzt und getrunken und sich unterhalten. Es war grad so, wie man sich einen Tanz im Mai so vorstellen würde.

In einem unachtsamen Moment seiner Frau, stand er nur für einen gefühlten Bruchteil einer Sekunde allein an der Bar, spielte ganz verträumt an dem Fruchtspießchen in seinem leeren Cocktailglas herum und träumte wahrscheinlich an ergreifende Momente der (Film)geschichte, die er mit seiner Frau zusammen noch einmal in seinen Träumen durchlebte.

Und genau deswegen dachte er sich wieder nichts dabei, einen Moment allein an der Bar zu sitzen, weil er ist ja schließlich verheiratet, er hat seinen Ehering am Finger und er war in Gedanken schließlich gerade Julius Cäsar, der gerade seiner Cleopatra den Hof machte. Und schließlich war er ja kein 12jähriges Mädchen mit blonden Zöpfen. Aber genau so wird er sich bald fühlen…

‚Ich bin die Helga!‘ hörte er eine tiefe, tiefe Stimme hinter sich. Er kommt sich nicht nur so vor, wie ein kleines 12jähriges Mädchen mit blonden Zöpfen, sondern auch noch wie Rotkäppchen und dem Hörer in der ‚Rufmichan!‘-Telefonzentrale.

Dann spürt er eine kräftigte, kräftige Hand auf seiner Schulter. Am Liebsten wäre er in diesem Moment wieder ein kleiner Junge gewesen, der sich noch in die Hose bieseln hätte dürfen, um dann mit einer Watschen seiner Mutter sich sprichwörtlich hätte verpissen können.

Er wollte nicht, aber die Höflichkeit und der Anstand erwarteten von ihm, dass er sich genau jetzt umdrehen sollte. Verängstigt und sehr, sehr zögerlich drehte er sich also doch um und blickte auf ein tiefes, tiefes Dekolletee. Er selber war wahrlich nicht von großer Gestalt, aber dass das Weibchen namens Helga gleich drei Köpfe größer war wie er, hatte ihn dann doch sehr, sehr verwundert. Er musste seinen Kopf ganz nach hinten biegen, um ihr großes, großes Gesicht da oben auch nur erahnen zu können.

‚Ich bin der Luigi!‘ stotterte er und blickte weiter widerwillig auf die Möpse vor seiner Nase. Und irgendwie kam er sich vor wie Luis de Funès in einem Bild von Picasso. Irgendwas an seiner Optik schien ganz schön verschoben zu sein. Normalerweise wäre er genau jetzt in seinem Ehebett aufgewacht und seine Frau würde neben ihm friedlich schlummern.

 

Er trat sich selbst auf den Fuß.

Er wachte nicht auf.

Er versuchte es nochmal.

Er wachte nicht auf.

Verdammt es war kein Traum.

 

Sein Instinkt sagte zu ihm: ‚Lauf weg, da stimmt was nicht!‘

Aber der Anstand und die Hoffnung, dass seine Frau ihn retten würde, hielt ihn so fest, wie die Pranke, die ihn tatsächlich an Ort und Stelle hielt.

‚Dein Glas ist ja ganz leer, Süßer!‘ schrie sie ihn förmlich an, so dass sich seine Gesichtszüge, wie in einem schlechten Comic strafften. Verwirrt suchte er nach der Zigarre in ihrer Hand und dem Glas Whiskey, weil eine Frau mit so einer aussagekräftigen, tiefen, tiefen Stimme, musste ein starke, starke Zigarrenraucherin und Whiskeytrinkerin sein.

‚Oh ja, mein Glas ist ja so leer!‘ stammelte er und seine Blicke suchten panisch nach seiner Frau.

Diese Helga wedelte nun mit ihrer anderen Pranke nach dem Barkeeper und schrie wieder: ‚Dann sollten wir dein Glas aber ganz schnell wieder anfeuchten… Barkeeper, ein Glas Milch für den jungen Mann und ein Appletini für mich!‘

Dann riss sie sich den Fruchtspieß aus seinen zitternden Händen und zog ganz, ganz langsam die Cocktailkirsche vom Spieß und schob sie ganz furchtbar langsam zwischen ihre großen, roten Lippen. Zum Glück konnte er nur erahnen, was sich auf Kopfhöhe ihrerseits abspielte, so dass er nicht gleich dem Wahnsinn anheim fiel. Das passierte erst als sie den zu einem Herz geknoteten Stiel der Kirsche aus ihrem großen, großen Mund zog und auf seine Serviette legte. Am Liebsten wäre er einfach am Boden zerflossen und im Erdboden versunken. Und wo zum Teufel war sein Frau.

Vor Scham blickte er schließlich zu Boden, als der Barkeeper mit einem breiten Grinsen im Gesicht das Glas Milch gegen sein leeres Glas austauschte und die Serviette mit dem Kirschstielherz vor ihm liegen ließ. Der Barkeeper, der genauso lautlos grinsend, wie er erschienen war, auch wieder verschwand, schien wesentlich mehr über diese Helga zu wissen. Jetzt wurde ihm erst gewahr, dass er schon einen langen Moment auf ihre Lackschuhe gestarrt hatte.

Ja, Lackschuhe mit Schleife in Schuhgröße 44 müssen wirklich schwer zu kriegen sein.

Helga beugte sich nun zu ihm runter und versuchte in sein Ohr zu flüstern. ‚Kannst du meine Unterwäsche sehen, wie sie sich in meinen Lackschuhen spiegelt.‘

Er starrte sie fassungslos an und schüttelte verwirrt den Kopf, während er sich im Ohr bohrte und dabei hoffte, dass er nicht taub werden würde, wenn diese Helga ihm weiter ins Ohr ‚flüsterte‘.

‚Weißt du, ich hab immer Angst, dass mir die Jungs nur auf meine Lackschuhe starren, damit sie mein Höschen sehen können!‘

Sein Verstand war schon längst Gassi gegangen, seine Frau schien vom Erdboden verschluckt worden zu sein und diese Helga hatte Sorgen, dass irgendjemand ihr Höschen durch ihre Lackschuhe sehen könnte. Wo war Chuck Norris, wenn man ihn brauchte.

Sie kam noch näher und presste ihre großen, groben Lippen an sein Ohr: ‚Soll ich dir ein Geheimnis verraten?‘

Er versuchte den Kopf zu schütteln, aber sie hielt ihn an seinem Kinn fest und hauchte ihm zu: ‚Genau deswegen habe ich gar kein Höschen an!‘

Und das Lachen, dass nun erschallte, erinnerte ihn an das fürchterliche Lachen des schrecklichen Sven aus Wickie und die starken Männer. Aber nachdem er ernsthaft versuchte an seiner nicht mehr vorhandenen Spucke zu ersticken und gleichzeitig nach irgendetwas langen, spitzen zu suchen, damit er sich die Augen ausstechen konnte. Bevorzugte sein Verstand und sein Instinkt in seinem Kopf einen kinskiesken Schreianfall zu bekommen: ‚Du hast auf die Lackschuhe geschaut. Du hast auf die Lackschuhe geschaut. Du hast auf die Lackschuhe geschaut!‘

Als er endlich erlöst wurde.

‚Schatz, da bist du ja!‘ hörte er seine Frau sagen.

Und als sie endlich in sein Blickfeld trat und diese Helga endlich von ihm ab ließ, sah er das breite Grinsen im Gesicht seiner Frau. Dann flüsterte sie wirklich leise in sein Ohr, während sie Lippenstiftreste von seinem Lauscher putzte. ‚Du weißt schon, dass Helga früher mal Herbert hieß, oder?‘

Sternchen tanzten um seinen Kopf und kleine 12jährige Feen mit blonden Zöpfen zauberten noch mehr Sterne, während der kleine, dicke, gelbe Luis de Funès in seinem Kopf laut: ‚Nein!‘ rief und sich mit der flachen Hand auf den spärlich, behaarten Kopf schlug. Seine Frau redete ungeachtet seiner geistig und körperlichen Verfassung weiter: ‚Metoo ist ein wichtiges Thema und Männer sollten das auch mal am eigenen Leib erfahren, wie das ist! Danke Helga, die Drinks gehen auf mich!‘

Dann klappte sie ihrem Mann den Mund zu und meinte: ‚Trink deine Milch aus, Schatz!‘

(Ähnlichkeiten mit Personen aus dem realen Leben sind in einer fiktiven Geschichte gar unmöglich und somit reiner Zufall. Ein Name wurde von der Redaktion geändert und ansonsten noch so einiges dazu gedichtet.)

Gratisurlaub im Ferienresort Ahrenschwamm

Gratisurlaub im Ferienresort Ahrenschwamm

bruce-willis-as-korben-dallas-in-the-fifthFür Ende April ist das Wetter herrlich als sie zum Briefkasten lief und ihr Staunen war noch viel großer wie die Freude über das schöne Wetter, als sie einen Brief aus ihrem Briefkasten fischte. ‘Herzlichen Glückwunsch! Gemini Kroketten präsentiert, der Wellness-Abenteuer-Urlaub 2015! Sie haben einen 5 Tages-Wellness-Abenteuer-Urlaub im Ferienresort Ahrenschwamm gewonnen.’

Sie konnte sich zwar nicht erinnern, bei einem Preisausschreiben mitgewirkt zu haben und es ging bereits morgen los. Ihr Arbeitgeber genehmigte seltsamerweise den telefonischen Urlaubsantrag umgehend. Normalerweise wäre sie an diesem Punkt schon reichlich misstrauisch geworden, aber einem geschenkten Gaul schaute man bekanntlicherweise nicht ins Maul.

Sie packte ihre 7 Sachen und fuhr mit ihrem Wagen in die weite Welt hinein. Die zirka vierstündige Anreise ging schneller vorbei als sie gedacht hatte, doch zum Ende hin schien ihr Navi seinen Dienst nun völlig eingestellt zu haben.  Sie musste sich auf die Beschilderung verlassen und wunderte sich reichlich über die ansässigen Firmen. Die Firma Gemini Kroketten schien hier der einzige Arbeitgeber zu sein. An diesem Punkt hätte sie wirklich erkennen müssen, dass irgendwas nicht stimmte, vor allem weil sie ihren Multipass nicht eingesteckt hatte!

Am Ende der Straße ging es in eine tiefe, tiefe Schlucht und eine ziemlich runtergekommenes Schild wies in Richtung Ferienresort Ahrenschwamm sponsort by Gemini Kroketten. Rechts ging es in ein fast zur Perfektion neigendes Sumpf-Boot-Camp, das sah noch weniger einladend aus, als die Schlucht zum Ferienresort. Links ging es ins Feuchtbiotop – Nirvana- und irgendwo hinter dem Feuchtbiotop sah sie tatsächlich den Widderhirten von Erebor, wie er mit einem enormen Bären tanzte.

Und als sie sehnsüchtig in den Rückspiegel blickte, sah sie ein beleuchtetes Schild Richtung Segema Beach sponsort by Big Kahuna Burger. Eine glockenhelle Stimme in ihrem Kopf flötete ihr von Innen ins Ohr: ‘Big Kahuna Burger, so eine Chance bekommst du nie wieder! Big Kahuna Burger!’

Aber der Urlaub ist doch gratis! Das da irgendwas nicht stimmen könnte, kam ihr wirklich nichtmal in den Sinn und selbst als ein buckliger, zu Glatze neigender blonder Mann singend über die Straße lief und die glatte Steinwand der Schlucht hinauflief.

Sie folgte weiter der Beschilderung und kam schließlich an einem runtergekommen, windschiefen Häuschen an und wurde von den Hotelmanagern in Empfang genommen, die sich dann später als Köche und Hausmeister entpuppten. Sämtliche Animateure waren damit beschäftigt ihre nassen Schuhe vor dem Ofen umzudrehen.

2410840627_31955fb478Deshalb musste sie das Gepäck völlig alleine in das völlig unterkühlte Zimmer bringen. Als sie bei der Gelegenheit am Küchenfenster vorbeilief, stand plötzlich eine Katze vor ihr, die verdächtig so aussah wie Adolf Hitler. Schreiend sprang sie zur Seite und stolperte fast über eine Jutetüte mit erstmal nicht zu erkennenden Inhalt.

Völlig außer sich lief sie zu ihrem Auto und schrie: ‘Der Kitler, er ist wieder da!’

Warum hatte sie nur so viel Zeug mitgenommen? Als sie daraufhin wieder am Küchenfenster vorbei lief, war der Kitler auf die gleiche mysteriöse Weise verschwunden, wie er vorhin aufgetaucht war und der Inhalt des biologisch abbaubaren Jutesackerls war über den ganzen Weg verstreut und bei dem verstreuten Gut handelte es sich um eine Großfamilienpackung Kondome verschiedenster Marken und Größen und einen nicht weiter genannten Pornofilm.

Bis sie nun endlich den Wageninhalt auf ihr Zimmer gebracht hatte, fiel ihr auf, dass jedes Mal wenn sie am Küchenfenster vorbeilief, ein paar der Kondome fehlten, bis am Ende nur noch die PornoDVD im Dreck lag. Ungesehen steckte sie die DVD ein, ging in den Aufenthaltsraum und harrte der Dinge, die da noch kommen würden.

Kommen sie nach Ahrenschwamm haben Die gesagt! Ein 5-Tages-Wellness-Abenteuer-Urlaub für Lau haben Die gesagt. Das es von den 5 Tagen Urlaub gefühlte 7 Tage Regenwetter haben würde, hätte ja auch nie einer gedacht.

Sie hatte wirklich alles eingepackt, vor allem reichlich Sinnfreies, nur nicht die Gamaschen, die hätte sie auch wirklich gut gebrauchen können, aber die Gamaschen lagen immer noch zu Hause auf der Anrichte und hatten bis zum heutigen Tage keinen einzigen Tropfen abbekommen.

Und die einzige Wellnessmaßnahme in diesem Gratisurlaub war aufgrund der fehlenden Gamaschen angezogen Kneipen. Das muss der allerneuste Schrei sein. Eines musste man ihren Schuhen allerdings zu Gute halten, die haben sich wirklich wacker geschlagen, bei der Regen-Matsch-Plörre da draußen im Ahrenschwamm an der Ahnenklamm, oder so.

Im nahegelegenen BootCamp kämpfte die Perfektion im strömenden Regen mit den anderen Insassen, die nach ein paar Tagen,alle so aussahen, als wären sie aus dem Sumpf gekrochen. Nur der leichte Chlorgeruch ließ hoffen, dass da irgendwo vielleicht doch ein beheiztes Schwimmbad mit einem gutaussehenden Bademeister sein könnte.

Immer der Nase nach hatte ihre Großmutter schon immer gesagt, aber den Bademeister musste sie wohl knapp verpasst haben.

Ein eher ruppiges Roarrrrrr riss sie aus ihren feuchten Träumen und als sie sich wieder versah, stand sie unter der Dusche mit einem nicht ganz so haarigen Wookiee.

So wie bei jedem Urlaub, endet er dann, wenn es am Schönsten ist und am Ende kann man sich an die Namen der Urlaubsbekanntschaften nicht mehr erinnern.

Die vierstündige Heimreise endete nach 8 Stunden, als sie spät Nachts endlich zu Hause ankam und sich so vorkam, als hätte sie jeden Stau zwischen dort und hier mitgenommen und als wäre in der letzten Nacht nicht nur ein Wookiee mit ihr duschen gewesen.

Zuhause packte sie ihre sieben Sachen wieder aus und plötzlich hatte sie die PornoDVD in Händen. Sie hatte ganz vergessen, dass sie die DVD eingepackt hatte, nachdem warum wollte sie gar nicht mehr fragen.

Sie las erst die Rückseite: ‘Strohrum auf dem PickupTruck! Jenny Bolero spricht nicht nur ihre Dialoge selbst, nein sie zeigt uns auch, wo das Stroh rum liegt. Ob Mösenmaske, Fickfuß oder Penishöschen – für die reibungslose Handhabung wird gesorgt’

Als sie die DVD Hülle umdrehte, verdrängte sie das Titelbild bereits bevor sie es erblickte. Die DVD verschwand in ihrem Schrank, in dem sie die Verblüten der Pornoindustrie aufbewahrte.

So long und bis zum nächsten Gratisurlaub, das Ferienresort Ahrenschwamm

P.S. Ähnlichkeiten mit bekannten Personen und/ oder Begebenheiten sind völlig unbeabsichtigt und daher völlig unmöglich. Sämtliche Handlungstränge sind frei erfunden, es wurde ziemlich viel hinweggelassen und einiges hinzugefügt. Nix für unguat!

P.P.S. Ob ein Urlaub auf Segema Beach besser gewesen wäre, aber das Träumen von einem Big Kahuna Burger sei erlaubt, bekommen wird sie ihn nie…May the 4th be with me!

Neulich im Dominastudio

Neulich im Dominastudio

IMG_0234‘Der Herr Huber von der Berufsgenossenschaft wartet im Büro.’ meinte die Empfangsdame.

‘Sag ihm, ich bin gleich bei ihm, ich muss nur noch den Herrn Müller verarzten…!’ rief die Domina im Vorbeigehen und verschwand mit einem ominösgroßen metallernen Klistier hinter einer Tür mit der Aufschrift: ‘Klinik’

Man konnte die Absätze der verbotenhohen Schuhe auf dem Fliesenboden hören, während sie durchs Zimmer schritt.

Aus der ‘Klinik’ konnte man dumpfes Gewimmer und Röcheln hören. ‘Sodale, der Rotweineinlauf bleibt so lange drinne, bis ich wieder komme.’ rief sie. ‘Und wehe nicht!’

Die Domina kam aus der Klinik, zog ihren Schwesternkittel aus und darunter kam ein enges Lehrerinnenoutfit zum Vorschein. Sie streifte den Rock glatt, zog die Brille auf die Nasenspitze und lugte scheel über den Brillenrand auf die Tür mit der Ausschrift: ‘Büro’

Im nächsten Moment verschwand sie auch schon im ‘Büro’. Man konnte wieder die Absätze der verbotenhohen Schuhe auf dem Paketboden hören, während sie um den Schreibtisch schritt, dabei zog sie ihre Fingernägel über das antike Holz des Schreibtisches und man konnte jede Unebenheit deutlich hören.

‘Herr Huber, schönen guten Tag, haben Sie meinen Widerspruch bereits bearbeitet?’

‘Nein, Fräulein Lagleder!’

‘Was hat Sie davon abgehalten meinen Widerspruch in einer angemessen Zeit zu bearbeiten!’

‘Ich war nicht sicher, ob Ihr Widerspruch statthaft ist, Fräulein Lagleder!’

‘Und hat er sich von der Statthaftigkeit meines Widerspruches überzeugt?’ frug sie mit einem süffisanten Unterton.

‘Ja, Fräulein Lagleder!’ stöhnte Herr Huber.

‘Und was soll dann dieser Teilabhilfebescheid!’ meinte sie in einem scharfen Ton und schlug etwas Hartes auf den Schreibtisch, bevor man das Zerreißen von Papier hören konnte.

‘Wir konnten den Widerspruch auf Grund der Sachlage nicht vollständig abhelfen!’

‘Und was machen wir da jetzt?’

‘Wir müssen warten bis der Widerspruchsbescheid bindend wird.’

‘Aber der Widerspruchsbescheid wurde mir noch nicht zugestellt!’

‘Ich wollte mich persönlich von der Zustellung überzeugen!’ meinte Herr Huber und man konnte hören wie eine lederne Aktentasche geöffnet wurde. Dann konnte man hören wie ein Stückpapier aus einer Klarsichtfolie gezogen wurde. Das Tappen ihrer Schuhsohlen auf etwas Weiches war zu hören und das darauffolgende Wimmern und Stöhnen, könnte nur dem geübten Lauscher an der Wand verraten, welche Weichteile nun mit den Schuhen bearbeitet wurden.

‘Dieser Verwaltungsakt ist nicht Ihr Ernst, Herr Huber!’ rief sie mit gespielten Entsetzen und trat vor Wut auf den H….ähm… Boden.

‘Doch eigentlich schon, Fräulein Lagleder!?’ stöhnte Herr Huber unter Schmerzen.

‘Dieser Bescheid hat die Rechtswirksamkeit nicht verdient. Ich werde nicht zulassen, dass dieses Machwerk der Behördenwillkür jemals Bindungswirkung erlangt’ erklärte sie und stampfte wieder auf dem Boden auf. Er ersticktes Stöhnen hallte durch den Raum.

‘Nein, Fräulein Lagleder. Ich bitte Sie bitte nicht!’ wimmerte er.

‘Ihnen ist klar, dass wir Klage einlegen werden, ehe der Widerspruchsbescheid rechtswirksam wird!’

Herr Huber stöhnte: ‘Ja, sonst wäre die Klage verfristet!’

Man konnte eine Akte hören, die wohl auf den Tisch geklatscht wurde.

IMG_9874‘So, nun zu dem Antrag, den ich stellt habe!’

‘Der wurde an den zuständigen Sachbearbeiter weitergeleitet!’

‘Bitte was!’ rief sie laut und wieder hörte man einen Aktendeckel, wie er höchst wahrscheinlich auf etwas Nacktes klatschte.

‘Ich werde den Antrag umgehen bearbeiten, sobald ich wieder in der Verwaltung bin.’

‘Ihnen ist klar, dass es sich um eine offenbare Unrichtigkeit handeln muss!’

‘Ja, Fräulein Lagleder!’ stöhnte Herr Huber wieder.

‘Ich sehe schon, dass wir uns einig werden, wenn der Verwaltungsakt erst mal bindend ist!

Das Gespräch wurde von mehreren Schlägen übertönt.

‘Haben Sie mir meine qualifizierte Unbedenklichkeitsbescheinigung mitgebracht, Herr Huber?’

‘Umbedenglichkeit..?’

Sie rief über das Klatschen hinweg: ‘Wie heißt es richtig!’

‘Unbedenklichkeit…?’

‘Und nun das ganze Wort!’ schrie sie wieder und schlug mehrmals zu.

‘Umbedenklichkeitsbeschö…!’

Langsam wurde sie wütend: ‘Muss ich erst den Tacker holen?’

‘Nein, Fräulein Lagleder!’

‘Dann sag es richtig!’

‘Um…!’ Das Klicken eines Bürotackers unterbrach die Vollendung des Wortes und ein erstickter Schrei wurde im Keim erstickt.

‘Los sag, Unbedenklichkeitsbescheinigung!’

Stöhnend schrie er heraus: ‘Unbedenklichkeitsbescheinigung!’

‘Geht doch!’ meinte das Fräulein Lagleder. ‘Hat mich sehr gefreut, bis zum nächsten Termin, Herr Huber!’

Bevor sie die Tür öffnete, meinte sie noch: ‘Außerdem haben Sie das Wort ‘bitte’ im Satz groß geschrieben, Herr Huber!’

‘Nein, Fräulein Lagleder. Ich bitte Sie bitte nicht!’ wimmerte er wieder.

‘Ihnen ist schon klar, dass man bitte im Satz nicht groß schreibt, Herr Huber!’

‘Fräulein Lagleder, was würde ich nur ohne Sie machen!’

‘Bitte im Satz immer noch groß schreiben!’ meinte sie lächelnd und öffnete die Tür und schob die Brille wieder auf die Nase, zog den Schwesternkittel an und ging wieder zu der Tür mit der Aufschrift: ‘Klinik’

 

Too much Information….

Too much Information

endeIch bin total gehetzt und renne aus meinem Büro, die Tür aus der Abteilung schließt mit einem Klicken hinter mir. Ich steh am Aufzug, drücke den Knopf ‘nach unten’ und warte. Und warte. Und warte.

Boa, ich muss mein Scheißauto aus der Werkstatt holen und bin wie immer viel zu spät dran. Verdammt und jetzt muss ich auch noch mit den Öffentlichen fahren.

Endlich kommt der Aufzug und es steht eine Frau drinne. Sie drückt auf den Knöpfen herum. Ich hüpfe ins Innere des Aufzuges und singe einen abendlichen Gruß. Die Frau drückt wie eine Wahnsinnige auf den Knöpfen herum und die Türen schließen sich. Sie wird Zusehens nervös und hämmert auf die Taste mit Erdgeschoss, bis wir, wer hätte es gedacht, im Erdgeschoss ankamen. Sie drängelte sich an mir vorbei und rannte nach draußen.

Nicht, dass ich nicht auch im Erdgeschoss aussteigen muss. Was für unentspannte Leute hier arbeiten und da bin ich schon echt gestresst.

Ich renne armewedelnd zum Ausstempeln und renne dann ebenfalls armewedelnd aus dem Haus. Scherz beiseite. Ich gehe schnellen Schrittes über der Hof und sehe die Frau, wie sie mit einer abgewichsten Grillzange in der Hand im Windschatten einer Glasfassade steht und raucht, mit Zuhilfenahme der Grillzange?! Dieses surreale Bild muss sich in meiner Netzhaut eingebrannt haben.

Was geht in einer Frau vor, die wie eine Wahnsinnige mit bloßer nackter Hand im Aufzug randaliert, um dann die Zigarette nur mit der Kneifzange anzufassen, aber allen Anschein nach nicht ohne Zigarette leben können?! Herrgott, schmeiß Hirn vom Himmel!

Ich laufe zur Trambahn, ohne mit meinen Armen zu wedeln. Ich bin doch nicht wahnsinnig, zumindest nicht wahnsinniger als die Frau mit der Zigarettenzange.

Völlig außer Atem platze ich in die Privatsphäre so vieler unbedarfter Menschen, als ich die Tram betrete. Leider muss ich auch gleich wieder aussteigen. Ich laufe weiter die Donnersberger hinauf und wer hätte das gedacht, ich verpasse meine S-Bahn und es ist scheißkalt. Warum immer ich? Ich nehm die nächste S-Bahn Richtung Moosach und will mir ein Taxi nehmen, wenn ich da je ankomme.

Zum Glück bekomme ich einen Sitzplatz. Gegenüber von mir sitzt ein Kerl, mit einer Packung M&M’s in der Hand. Daneben sitzt ein älterer Mann mit einem Schild in der Hand auf dem steht: ‘Das Ende der Welt ist nahe!’

Irgendwo auf der Welt hat bestimmt ein reicher Mensch im Lotto gewonnen, wenn ich hier so in die Scheiße trete.

Der Weltuntergangspapst fängt an zu reden: ‘Wenn man heißes Wasser ausgießt, hört es sich anders an, als wenn das Wasser kalt wäre!’

Ich denke mir nur: ‘Das Ende der Welt ist nahe!’

Der Kerl mit den M&M’s meint: ‘Sie müssen immer von der gleichen Farbe sein, immer nur zwei auf einmal. Niemals einzeln.’ Dann ließ er sich ein paar von den süßen Köstlichkeiten in die Hand purzeln und suchte dann immer zwei von der gleichen Farbe heraus, um sie zu essen. Die Restlichen bot er dem alten Mann an, der sie dankend annahm.

Sagt mal, ist heute der Tag an dem jeder seine geheimen Neurosen nach Außen trägt. Dinge, die ich eigentlich nicht wissen wollte. Noch nicht mal wenn das Ende der Welt wirklich nahe wäre.

Die Welt könnte doch so einfach sein, wenn jemand die gelben und orangen Gummibärchen für mich essen würde… nachdem ich immer nur die Weißen, die Grünen und die Roten rauspicke. Und zwar genau in der Reihenfolge.

Bloß was passiert, wenn die verrückte Frau vom Aufzug ihre Zigarettenzange nicht findet, wenn die Nikotinsucht an ihrem paranoiden Verstand zerrt. Läuft sie dann Amok? Und wen erschießt sie zuerst?

Ich bete inständig darum, dass sie Lady ihre Zigarettenzange nie vergessen wird.

P.S. Für die Leute, die sich immer fragen woher ich den Scheiß habe, über den ich schreibe: Dies ist eine fiktive Geschichte und es ist immer das ein oder andere Fünklein Wahrheit dran, mal mehr oder weniger. Erschreckenderweise meist mehr als weniger. Alles andere ist erstunken und erlogen, bunt aneinander gereiht, verdreht und vermengt so wie mir es passt. Das nennt man dann künstlerische Freiheit.

Sommer, Sonne, Sonnenschein im Park

Sommer, Sonne, Sonnenschein im Park

IMG_20140605_151353021Geräusche drangen an ihr Ohr. Waren das Vögel? Nein, die Zirkaden zirpen ihr Lied. Sie sind nicht mehr in Kansas!!

In ihrem Kopf wummerte es. Die Zirkaden schienen in ihrem Kopf zu sein. Ja und eine Party scheinen sie da auch zu feiern. Sie wollte sich bewegen, es ging aber nicht. Leichte Panik kam über sie. Sie hatte keine Kontrolle über ihren Körper. Es war so, als wäre sie in der Tiefschlafphase von einem bösen Traum geweckt worden. Sie lag völlig gelähmt da und wusste nicht wo sie war. Sie konnte einen frischen Luftzug auf ihrer Haut spüren und sie konnte spüren, dass sie nur noch einen Schuh trug. Von dem fehlenden Schuh mal abgesehen, schien sie zumindest noch irgendwie bekleidet zu ein. Sie hatte nur den Eindruck, als wäre ihre Strumpfhose irgendwie kaputt gegangen. Verdammt, die war echt teuer!

Entweder war die Party letzte Nacht echt hart gewesen oder sie hatte einfach vergessen den zweiten Schuh auszuziehen. Oder beides! In ihrem Bett lag sie dennoch nicht und sie ärgerte sich immer noch über die kaputte Strumpfhose.

Aber wo sollte sonst der frische Luftzug um sie herum herkommen und die Zirkaden? Wenn nicht, weil sie draußen war? Und warum? Wo war sie nur? Und was hat sie da nur geritten bei der Kälte draußen zu pennen?

Zwei Krähen plärrten und sie konnte Flügelschlagen hören. Sie musste wirklich irgendwo draußen liegen. Das könnte auch den harten Untergrund erklären. Erst jetzt spürte sie die Steine in ihrem Gesicht, sie lag so halb auf der Seite und offensichtlich mit der Fresse im Dreck.

Als sie eines ihrer Augen öffnen wollte, schaffte sie es nicht, irgendwie war ihr Auge verklebt. Reflexartig versuchte sie ihre Hand zu bewegen. Sie wollte sich übers Gesicht wischen, doch sie konnte ihren Arm nicht bewegen. Sie konnte beide Arme nicht bewegen!! War sie gefesselt? Ja, verdammt!

Die Fesseln schnitten in ihre Handgelenke. Sie wollte schreien, vor Schmerz und um Hilfe! Doch ihr Mund war auch verklebt, so dass sie nur ein Wimmern von sich geben konnte. Bei jeder Bewegung ihrer Handgelenke schnitten die Fesseln noch mehr ins Fleisch. Sie hatte das Gefühl, als würden die Fesseln auf dem blanken Knochen scheuern. Sie konnte sich nur unter Schmerzen bewegen und sehen konnte sie auch nichts. Und schreien auch nicht!

Das war der Moment wo man in der Regel in Panik verfällt. Doch sie versuchte so ruhig wie möglich zu atmen. Sie bekam noch dazu kaum Luft, ihre Nase war irgendwie zu und ihr Mund, war das ein Knebel?

Wenn das ein schlechter Scherz sein soll, dann wäre jetzt der Punkt, wo alle lachen, bis auf eine. Aber es lachte keiner. Oder doch?

Sie hörte Stimmen und Geräusche, die schnell näher zu kommen schienen.

‘…wenn man sich dann immer rumärgern muss…!’

‚…hätt ich auch keinen Bock mehr…!‘

Die Geräusche entfernten sich wieder, wie die beiden Personen, die eben noch gesprochen hatten. Dann kam wieder ein Geräusch. Ein Fahrrad auf einem Kiesuntergrund. Sie musste unweit von einem Weg im Dreck liegen. Warum bemerkte sie keiner? Hilfe!

Sie versuchte noch einmal die Augen zu öffnen. Mit einem Ruck und unter Schmerzen sprang ihr Auge endlich auf und die grelle Fratze am Himmel stach ihr förmlich ins Auge, deshalb schloss sie das Auge wieder, auch auf die Gefahr hin, dass sie es nie wieder aufbekommen würde. Wahrscheinlich hatte sie sich eh ein paar Wimpern ausgerissen. Was war das für ein klebriger Scheißdreck in ihrem Gesicht?

Sie versuchte sich auf die Seite zu wälzen und blinzelte.

Wieder Stimmen. Diesmal kamen sie langsam auf sie zu.

‘Wenn ich abends alleine bin, muss ich immer an dich denken…!’

IMG_20140603_175445817Wie gut, dass sie die Antwort nicht mehr mitbekommen hatte. Ihr schwappte Erbrochenes in ihre Mundhöhle. Dort war allerdings ziemlich wenig Platz und der Knebel versperrte den Weg nach draußen, also schluckte sie schwer. War wohl nicht ihr Tag heute?! Und warum konnte sie sich an die Party nicht erinnern?! Sie versuchte sich erneut herumzudrehen und unter unglaublichen Schmerzen gelang es ihr. Doch ihre Drehung wurde je von etwas Harten in ihrem Rücken aufgehalten.

Mit ihren gefesselten Händen konnte sie den Stamm eines knorrigen Baumes ertasten. Sie öffnete wieder ihr Auge, dass andere wollte einfach nicht aufgehen. Sie blickte den Stamm einer buckligen Trauerbuche hinauf. Das passt ja. Irgend so ein armer Irrer hatte ein Herz auf den Stamm der Trauerbuche gemalt. C + R? Hat wohl nicht geklappt, was?

Dann blickte sie an ihrem Körper herab. Sie trug ihr Lieblingskleid, die Strumpfhose war tatsächlich kaputt und von dem zweiten Schuh fehlte tatsächlich jede Spur. Sie war mit Klebeband gefesselt worden, dass konnte sie zumindest an ihren Füßen sehen. Aufstehen wird ziemlich schwer werden. Aber sie musste es versuchen. Sie mühte sich einen Moment ab und blieb dann erschöpft an Ort und Stelle liegen. Luft bekam sie nun fast gar nicht mehr. Sie spürte warme Flüssigkeit, wie sie über ihr Gesicht kroch. War das Blut? War sie verletzt? Dem Ersticken nahe drehte sie sich wieder mit dem Kopf nach unten. Und dann sah sie das Blut. Es musst aus ihrer Nase kommen!

Die Angst gleich ersticken zu müssen, übermannte sie und sie wusste sich nicht mehr anders zu helfen, also versuchte sie mit ihren gefesselten Beinen gegen den Stamm zu schlagen. Sie musste Lärm erzeugen. Irgendwie.

Durch die Schläge gegen den Stamm wurde das Tape durchgewetzt und ihre Beine kamen frei. Endlich! Sie versuchte erst gar nicht aufzustehen, weil sie versuchte sich einfach umzudrehen und zumindest auf die Knie zu kommen. Und wenn sie aus der Scheiße kriechen musste!

Gedacht, getan! Bloß robbte sie mehr, als dass sie auf Knien über den Waldboden kroch. Durch die Anstrengung bekam sie zumindest wieder besser Luft und sie versuchte den Geräuschen entgegen zukriechen.

Irgendeiner dieser Jogger oder Biker muss sie doch sehen oder hören. Das Leben rannte in bunten Radlerhosen an ihr vorbei auf der Jagd nach verbrannten Kalorien. Und sie verhungerte an der ausgesteckten Hand mit der Fresse im Dreck. Sie wollte schreien, sie schaffte es aber nicht. Ihre Arme bekam sie auch nicht frei. Ihre Knie waren schon wund, aber sie musste weiter. Dornen rissen an ihren Klamotten. Die Schmerzen spürte sie schon lange nicht mehr, sie wollte nur weg hier. Nach da vorne in die Sonne, da wo die Leute sind, die arglos ihrem Sport nachgingen. Sie konnte vor sich schon den Weg sehen. Doch zwischen ihr und der Freiheit war noch eine Dornenhecke. Da musste sie jetzt durch.

Beherzt warf sie sich seitlich in die Hecke und versuchte sich mit den Beinen durch das Gestrüpp zu drücken. Die Dornen rissen an ihren Haaren und stachen in ihre Kopfhaut. Sie konnte kurz den weißen Kiesweg sehen, als sie plötzlich an beiden Beinen gepackt wurde und mit einem Ruck nach hinten gezogen worden. Sie kam gar nicht auf die Idee sich zu wehren, sie war von der plötzlichen Bewegung so schockiert, dass sie wieder wie gelähmt schien. War sie doch beinahe am Ziel angekommen. Die weißen Kiesel hatte sie doch schon im Blickfeld gehabt. Und da vorne müssen doch Leute sein.

Sie konnte ein fröhliches Pfeifen hören, während ihr Körper über den unebenen Waldboden gezogen wurde.

Irgendwann wurde von ihr abgelassen und sie versuchte im selben Moment zu flüchten, als ihre Beine freigegeben wurden. Besonders weit kam sie diesmal nicht, weil sie erneut gepackt wurde. Eine schleppenden, krächzende, männliche Stimme drang an ihr Ohr:

‘Mein Täubchen, du willst mich verlassen, ohne Aufwiedersehen zu sagen. Das macht mich wirklich sehr, sehr traurig.’

Während der Mann sprach, packte er ihren Kopf und zog ihn nach Hinten, so dass sie gezwungen war, ihm ins Gesicht zu sehen.

Dann fiel es ihr wie Schuppen aus den Haaren. Gestern Nacht war sie allein in der Stadt unterwegs und jemand hatte ihr einen Drink ausgegeben. Dieser Jemand! Dieser Grobian! Er packte sie an den Haaren und schlug sie hart ins Gesicht.

‘Ich hab gedacht, dass du mich liebst und dass du für immer bei mir bleibst!’ zischte er ihr zu, machte dann ein abfälliges Geräusch, riss ihr Kleid mit einem Ruck auf, bevor er fortfuhr: ‘Aber wenn du mein Vertrauen so mit Füßen trittst…!’

Er begann sie grob zu befummeln und schlug sie immer wieder ins Gesicht.

Mehr bekam sie gar nicht mehr mit, eine erlösende Ohnmacht ersparte ihr zumindest kurzzeitig die Schmerzen. Aber genau die Schmerzen waren es, die sie wieder zurück brachten.

Ihre Beine waren wieder gefesselt und sie hatte unglaubliche Schmerzen am Kopf. Ihr war kalt. Ziemlich kalt. Bevor ihr klar wurde, dass sie kaum mehr was anhaben musste, versuchte sie erneut die Augen zu öffnen. Es gelang ihr kaum, ihr Gesicht war wohl von den Schlägen ziemlich angeschwollen. Und genauso fühlte es sich auch an. Sie lag in einer klebrigen Pfütze und es roch nach Blut. Ihr Blut!

Von weit entfernt konnte sie wieder Geräusche hören. Sie röchelte vor sich hin, trotz des Knebels konnte sie Blut schmecken. Die Geräusche wurden lauter.

‘Was ist denn mit dir los? Du willst doch jetzt nicht schon wieder fahren?’ hörte sie eine hysterische Frauenstimme in der Ferne. Die Schritte kamen näher. ‘Wir sind andernhalb Stunden hier hergefahren und jetzt willst du sofort wieder heim? Was ist denn mit dir los, Herbert? So kenn ich dich ja gar nicht!’

‘Schau mal da liegt ein Schuh!’ meinte Herbert.

‘Diese Jugend heutzutage, keine Werte mehr. Lassen einfach ihre Schuhe hier liegen!’

‘Es ist nur ein Schuh, Edeltraut!’

‘Ein Schuh, ein Schuh! Trotzdem verantwortungslos! Wenn hier jemand stolpert. An dem spitzen Ding könnte man sich ja die Augen ausstechen.’

‘Sag mal ist das Blut, da am Schuh!’

‘Schau, hab ichs dir nicht gesagt, wie gefährlich so ein Schuhwerk sein kann!’

‘Da wird doch nichts passiert sein?’

‘Spinn dich aus Herbert, lass uns wieder heimfahren!’

Die Schritte entfernten sich wieder von ihr und sie blieb völlig fassungslos im Dreck und ihrem eigenen Blut liegend zurück. Diese ignorante Menschheit heutzutage. Ihr war so kalt und versuchte sich nochmal umzudrehen, damit sie die Sonne sehen konnte, wie sie durch die Trauerbuche schien. Die letzten Sonnenstrahlen des Tages streichelten über ihr zerschundenes Gesicht und ein Tropfen Blut fiel vom Baum herab und landete direkt in ihrem Auge.

C steht für Charlotte. Die nächsten Radfahrer und Jogger hörte Charlotte schon gar nicht mehr…

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Und R ist der Grobian. Am nächsten Tag würde man es in der Zeitung lesen können…

Das brennende Stachelschwein

Das brennende Stachelschwein

220px-Wasser_und_Licht_1Manchmal gibt es so Tage, an dem ich mir denke, warum manche Menschen glücklich sind und manche Menschen einfach nicht glücklich zu machen sind, obwohl es doch so einfach wäre und es einfach nur einer klitzekleinen Kleinigkeit bedarf, das Quäntchen Glück zu finden.

Jammern doch immer nur diejenigen, die eigentlich alles zu haben scheinen, es aber nicht sehen, weil sie immer nur mit jammern beschäftigt sind. Weil sie nicht nach links und nicht nach rechts sehen, weil immer nur die Anderen Schuld sind und weil man auch nicht die Möglichkeit in Betracht ziehen würde, die Welt aus einem anderen Blickwinkel zu erleben.

Und die die scheinbar nichts haben außer sich selbst. Die allen Anschein nach schon jeden verfickten Blickwinkel am eigenen Leib erlebt haben und trotzdem nicht aufgeben, weil irgendwo da draußen der Silberstreifen am Horizont ist und hinter dem Silberstreifen wartet das Quäntchen Glück auf das brennende Stachelschwein. Ja genau!?

Es ist zum Greifen nah, aber doch scheint es unerreichbar. Und was bleibt. Die Hoffnung, solange man eine hat und es wäre auch irgendwie blöd die Hoffnung hinter sich zu lassen, ist sie nicht das Einzige woran man sich klammern kann, wenn man nichts hat, außer sich selbst und die Hoffnung an etwas zu Glauben, was es wahrscheinlich gar nicht gibt. Und genau dieses Quäntchen Hoffnung irgendwo ganz tief in unseren Herzen, einfach nicht aufgeben zu wollen. Immer an das Gute im Menschen zu glauben und dass das Glück einfach mal vor der eigenen Tür stehen könnte und so penetrant gegen die verschlossene Tür hämmert, dass man es auch wirklich nicht überhören kann.

Aber das Glück fällt einem einsamen brennenden Stachelschwein nicht in den Schoß, weil so viel Glück würde das Universum einem nie zugestehen würde. Ein brennendes Stachelschwein wird nie zur Ruhe kommen können, weil es immer auf der Suche ist, nach dem Quäntchen Glück, weil es steht nicht vor der Tür und wenn, dann wäre man eh nicht zuhause und das Quäntchen Glück würde vor der Tür eingehen wie ein kleines Pflänzchen in der prallen Sonne.

Aber man kann irgendwie auch nicht aufgeben, obwohl man genau weiß, dass man das Quäntchen Glück nie erreichen wird. Aber das dumme Stachelschwein rennt weiter und immer weiter, als sich auch nur einmal umzudrehen, einen Schritt beiseite zu machen, um das Ganze von einem anderen Blickwinkel aus zu betrachten.

Doch diese klitzekleine Kleinigkeit scheint immer unerreichbar und man versteht einfach nicht, wie andere Menschen glücklich sein können. Warum immer die Anderen und nicht ich? Ich, das dumme brennende Stachelschwein!

Weil nur ich so blöd bin und alleine durch den Wald laufe und vergeblich auf den Schnee warte. Weil der Schnee wäre die einzige Medizin gegen das Feuer, aber der Schnee lässt alle auf sich warten. Der Winter wird nicht mehr kommen… Im November vielleicht. Aber bis November auf Schnee warten, weiter brennen und nicht rausgehen, um den Schnee zu suchen, ist irgendwie so wie die Hoffnung auf das Quäntchen Glück aufzugeben, weil einem zuhause die Decke nicht genug auf den Kopf fällt. Weil man manchmal nicht rausgehen will, weil Menschen einen manchmal Angst machen. Weil man manchmal einfach mit niemanden reden will und weil man manchmal auch niemand sehen will. Und an einem anderen Tag suhlt man sich in Geselligkeit und fühlt sich pudelwohl, weil das brennende Stachelschwein, eine echte Rampensau ist.

Nein, das wäre ja auch nur zu schön, wenn man völlig normal wäre. Dann wäre man ja wie die Anderen. Und die Anderen haben doch immer Schuld an allem. Die Anderen sind doch die, die etwas sagen könnten, wenn man denkt, was würden denn die Anderen sagen. Und eigentlich sind doch all die Anderen scheißegal, wenn man doch nur glücklich wäre. Ob verrückt oder nicht. Glücklich sein, wäre zu Abwechslung echt mal eine Herausforderung, die man nur zu gerne annehmen würde. Dazu müsste man ja nur die Tür öffnen, auch wenn man es nicht klopfen gehört hat. Auch wenn der Blick vor die eigene Haustür einem nur erkennen lässt, dass da nichts ist, außer alte Schuhe, die man eh nie wieder tragen wird, ein alter Autoreifen und ein kaputter Karton, der den Weg in den Müll noch nicht gefunden hat, weil man selber zu faul war ihn hinunter zu tragen. Das Glück macht man sich schon selber und manchmal auch zu nichte und dann muss man irgendwie damit weiterleben. Weil aufgeben. Nein, niemals. Und zugeben, noch viel weniger! Dann würde man ja Schwäche zeigen und das wiederum könnten ja dann wieder die Anderen mitbekommen.

Aber was interessieren einem die Anderen, wenn man selber doch nur auf der Suche nach seinem eigenen Glück ist. Weil man selber seinen eigenen Schweinehund besiegen muss, um glücklich zu sein. Es sind nie die Anderen, es ist immer die faule Sau in einem selbst, die einen zurück hält, aufzustehen und vor die Tür zu gehen. Einen Schritt bei Seite zu machen, sich hinzuknien und die Welt einfach mal von einem anderen Blickwinkel aus zu betrachten. Auch wenn man bei diesem einem Schritt vom Hochhaus fällt. Das brennende Stachelschwein kommt auf allen Vieren auf, schüttelt sich, ärgert sich vielleicht kurz über seinen Schritt und rennt weiter und wird vielleicht irgendwann glücklich. Das erfährt man nur, wenn man den Schritt macht und vielleicht vom Hochhaus fällt, aber vielleicht hat man auch einen Fallschirm. Unten auf allen Vieren ankommen tut man so oder so… nur manchmal wäre es schon schön, wenn man vorher einen Eimer Wasser in die Fresse geschüttet bekommt, bevor man brennend vom Hochhaus fällt und sich unten alle Viere bricht.

Ist das Quäntchen Glück der Eimer Wasser, oder der derjenige, der einem den Eimer in Gesicht schüttet. Oder ist es der Blickwinkel, wenn man sich die Tränen aus den Augen wischt, sich kurz schüttelt, sich vielleicht ärgert, weil man vielleicht vom Hochhaus gefallen wäre, oder ist es der Fallschirm, der einen sicher unten ankommen lässt. Die Fragen kann dir kein Glückskeks der Welt beantworten, weil dann müssten alle bis November warten.

Mach einfach einen Schritt beiseite, knie dich hin und mach die Augen auf, das Glück ist meistens näher als du denkst!

Die Frau mit dem pinken Regenschirm schlägt zurück

Die Frau mit dem pinken Regenschirm schlägt zurück

endeDer Regen hatte für einen Moment nachgelassen und die Frau mit ihrem pinken Regenschirm kam wieder die Straße entlang gelaufen. Sie hatte es wieder eilig und sie blickte ziemlich genervt in den Himmel. Es standen immer noch schwarze, schwere Wolken am Himmel und sie wollte nicht nochmal nass werden heute.

Da stand wieder dieser Mann am Straßenrand mit einem Schild in der Hand: ‚Gott liebt dich!‘

Sein Mantel schien nicht nur aus der Kleidersammlung zu stammen, er war immer noch pitschnass. Scheinbar hatte er sich nicht von der Stelle bewegt, seit dem sie vor Stunden hier schon mal lang gekommen war.

‚Das Ende der Welt ist nahe!‘ zischte er ihr zu und hielt sie wieder auf, in dem er ihr eine frische Broschüre hinhielt.

‚Ich weiß, ich weiß! Sie als bibelglaubender Christ glauben daran, dass Ihr zentrierter Geist in das Reich Gottes einfährt, denn Ihre Gebete sind die Leidenschaft armer Seelen und Ihr Lobpreis singen Sie nur zur Anbetung an Gottes Klang. Ihre Jüngerschaft ist die visionäre Leiterschaft für aufopferungsvolles Geben und ihre Verpflichtung den großen Auftrag zu erfüllen. Die Vision Unerreichtes zu erreichen und die gute Nachricht des Reich Gottes mitzuteilen!‘ rezitierte sie und blickte dem alten Mann dabei tief in die Augen.

‚Ihr faselt, Ungläubige! Ihr sollt euch nicht wenden zu Geisterbeschwörern und Zeichendeutern, die mit Dämonen verkehren, auf das ihr nicht an ihnen unrein werdet!‘ rief der Mann und erhob den Finger gen Himmel.

‚Ich kenne Ihre Bibel sehr gut. In der Nacht ihres Gelobens soll sich die Frau dem Manne öffnen, wie die Ackerfurche dem Pfluge, er soll in ihr arbeiten, wieder und wieder, solange bis sie ihn zu Fall bringt und auf dem Schweiß ihrer Brust Kräfte sammeln lässt!‘ meinte die Frau fast beiläufig und machte sich daran einfach weiter zu gehen.

‚Das hat dir der Teufel gesagt!‘ schrie der Mann völlig außer sich und spuckte dreimal auf den Boden, drehte sich dann im Kreis und kreischte wie ein Wahnsinniger.

‚Beetlejuice, Beetlejuice, Beetlejuice?‘ schrie sie ihn an, aber nachdem ihre Worte bei ihm anscheinend keine Wirkung zeigten, drehte sich dann einfach um und lief weiter.

‚Denn wer in fremden Zungen redet, ist außer sich, er scheint von einem fremden Geist besessen zu sein!‘ schrie de Mann hinter ihr her.

‚Papa a lăsat câinele singur în grădină și grădinar a futut câinele! Grădinarul a futut de câine, și Papa este de vina!‘ rief die Frau immer wieder und lief einfach weiter. Sie höre, dass der alte Mann ziemlich flink hinter ihr her rannte.

‚Exorcizamus te, omnis immundus spiritus, omnis satanica potestas, omnis incursio infernalis adversarii, omnis legio, omnis congregatio et secta diabolica. Ergo Draco maledicte, ecclesiam tuam secura facias libertate servire. Te rogamus, audi nos.‘ fing der Mann an einen Exorzismus zu zitieren.

Die Frau drehte sich um und lachte den alten Mann an: ‚Behandle jeden Menschen so, wie auch Jesus ihn behandeln würde!‘ Sie riss ihre Bluse auf und zwischen ihre Brüsten baumelte ein antikes Kreuz.

Der Mann brabbelte weiter den Exorzismus runter. ‚Exorcizamus te, omnis immundus spiritus, omnis satanica potestas, omnis incursio infernalis adversarii, omnis legio, omnis congregatio et secta diabolica…!‘

Sie hob das Kreuz vor den alten Mann und meinte lässig und völlig ruhig: ‚Alter Mann, zu viel Supernatural gesehen? Der richtige Exorzismus geht nämlich so: Exorcizamus te, omnis imunde spiritus, omnis Satanica potestas, omnis incursio infernalis adversarii, omnis legio, omnis congregatio et secta Diabolica, in nomine et virtute domini Jesu Christi eradicare et effugare a dei ecclesia, ab animabus ad imaginem dei conditis ac pretioso divini agnis sanguine redemptis.‘

Der alte Mann riss eher ungewollt den Rachen auf und schwarzer Rauch strömte aus seinem weit auf gesperrten Mund. Dann brach der Mann zusammen und die biblischen Broschüre von der Gemeinschaft zur Lobpreisung des Klang Gottes verstreuten sich über die Straße.

‚Anfänger!‘ meinte die Frau kopfschüttelnd und ging gemütlich weiter die Straße entlang, spannte den pinken Regenschirm auf und pfiff ein bekanntes Kirchenlied.

Es regnete gar nicht…

Mann am Straßenrand

Mann am Straßenrand

endeEs stand ein Mann am Straßenrand mit einem Schild in der Hand: ‚Gott liebt dich!‘

Es regnete wie aus Eimern, aber es schien ihn nicht recht zu stören. Eine Frau hastete an ihm vorbei, einen pinken Regenschirm hinter sich her zerrend. Er stellte sich ihr dreist in den Weg und drückte ihr eine durchnässte Broschüre in die Hand.

Sie hätte ihn beinahe über den Haufen gerannt, nahm ziemlich perplex die Broschüre entgegen und meinte: ‚Entschuldigen Sie…!‘

‚Sie brauchen sich bei mir nicht entschuldigen!‘ meinte der Mann in einer Seelenruhe, die dem Wetter bei Weitem nicht angemessen war.

Sie zog nur eine Augenbraue hoch und meinte in einem etwas strengeren Tonfall: ‚Entschuldigen Sie mal…!‘

Gab es aber gleich auf mit dem Mann reden zu wollen, weil er nur verträumt in den Himmel starrte und sich freute, dass es immer noch unaufhörlich regnete.

‚Wenn Sie mit mir über Gott und die Welt reden wollen, sind sie bei mir an der falschen Adresse!‘ rief sie und machte Anstalten zu gehen.

‚Hören Sie den Klang Gottes?‘ frug der Mann und ein Hauch Wahnsinn schwang in seiner Stimme mit.

‚Gott weint über den Wahnsinn in der Welt!‘ meinte sie bitter und schüttelte den Kopf.

‚Die Kinder Gottes preisen den Klang Gottes.‘ rief er wieder und sie hatte das Gefühl, sie hätte die Reinkarnation von Klaus Kinski vor sich. 

Es donnerte und die Frau wollte schon wieder gehen. Langsam wurde ihr der Mann ziemlich unheimlich.

‚Das Ende der Welt ist nahe!‘ schrie sie gegen den Regen an.

Der alte Mann hielt sie am Arm und Schulter fest und zischte ihr ins Ohr. ‚Höre meine Worte, ich als bibelglaubender Christ glaube daran, dass mein zentrierter Geist in das Reich Gottes einfährt, denn meine Gebete sind die Leidenschaft armer Seelen, mein Lobpreis singe ich nur zur Anbetung an Gottes Klang. Meine Jüngerschaft ist die visionäre Leiterschaft für aufopferungsvolles Geben und meiner Verpflichtung den großen Auftrag zu erfüllen. Die Vision Unerreichtes zu erreichen und die nicht geteilte gute Nachricht des Reich Gottes mitzuteilen.‘

Als er endlich Luftholen musste, riss sie sich los und verpasste ihm eine saftige Ohrfeige. ‚Höre den Knall meiner Hand auf deinem Gesicht, perverser Lüstling.‘

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