Gratisurlaub im Ferienresort Ahrenschwamm

Gratisurlaub im Ferienresort Ahrenschwamm

bruce-willis-as-korben-dallas-in-the-fifthFür Ende April ist das Wetter herrlich als Sie zum Briefkasten lief und ihr Staunen war noch viel großer wie die Freude über das schöne Wetter, als Sie einen Brief aus ihrem Briefkasten fischte. ‘Herzlichen Glückwunsch! Gemini Kroketten präsentiert, der Wellness-Abenteuer-Urlaub 2015! Sie haben einen 5 Tages-Wellness-Abenteuer-Urlaub im Ferienresort Ahrenschwamm gewonnen.’

Sie konnte sich zwar nicht erinnern, bei einem Preisausschreiben mitgewirkt zu haben und es ging bereits morgen los. Ihr Arbeitgeber genehmigte seltsamerweise den telefonischen Urlaubsantrag umgehend. Normalerweise wäre Sie an diesem Punkt schon reichlich misstrauisch geworden, aber einem geschenkten Gaul schaute man bekanntlicherweise nicht ins Maul.

Sie packte ihre 7 Sachen und fuhr mit ihrem Wagen in die weite Welt hinein. Die zirka vierstündige Anreise ging schneller vorbei als Sie gedacht hatte, doch zum Ende hin schien ihr Navi seinen Dienst nun völlig eingestellt zu haben. Geschenktes Zubehör fürs Motorgaul sollte man vielleicht doch ins Maul schauen. Sie musste sich auf die Beschilderung verlassen und wunderte sich reichlich über die ansässigen Firmen. Die Firma Gemini Kroketten schien hier der einzige Arbeitgeber zu sein. An diesem Punkt hätte Sie wirklich erkennen müssen, dass irgendwas nicht stimmte, vorallem weil Sie ihren Multipass nicht eingesteckt hatte!

Am Ende der Straße ging es in eine tiefe, tiefe Schlucht und eine ziemlich runtergekommenes Schild wies in Richtung Ferienresort Ahrenschwamm sponsort by Gemini Kroketten. Rechts ging es in ein fast zur Perfektion neigendes Sumpf-Boot-Camp, das sah noch weniger einladend aus, als die Schlucht zum Ferienresort. Links ging es ins Feuchtbiotop – Nirvana- und irgendwo hinter dem Feuchtbiotop sah Sie tatsächlich den Widderhirten von Erebor, wie er mit einem enormen Bären tanzte.

Und als Sie sehnsüchtig in den Rückspiegel blickte, sah Sie ein beleuchtetes Schild Richtung Segema Beach sponsort by Big Kahuna Burger. Eine glockenhelle Stimme in ihrem Kopf flötete ihr von innen ins Ohr: ‘Big Kahuna Burger, so eine Chance bekommst du nie wieder! Big Kahuna Burger!’

Aber der Urlaub ist doch gratis! Das da irgendwas nicht stimmen könnte, kam ihr wirklich nichtmal in den Sinn und selbst als ein buckliger, zu Glatze neigender blonder Mann singend über die Straße lief und die glatte Steinwand der Schlucht hinauflief.

Sie folgte weiter der Beschilderung und kam schließlich an einem runtergekommen, windschiefen Häuschen an und wurde von den Hotelmanagern in Empfang genommen, die sich dann später als Köche und Hausmeister entpuppten. Sämtliche Animateure waren damit beschäftigt ihre nassen Schuhe vor dem Ofen umzudrehen.

2410840627_31955fb478Deshalb musste Sie das Gepäck völlig alleine in das völlig unterkühlte Zimmer bringen. Als Sie bei der Gelegenheit am Küchenfenster vorbeilief, stand plötzlich eine Katze vor ihr, die verdächtig so aussah wie Adolf Hitler. Schreiend sprang Sie zur Seite und stolperte fast über eine Jutetüte mit erstmal nicht zu erkennenden Inhalt.

Völlig außer sich lief Sie zu ihrem Auto und schrie: ‘Der Kitler, er ist wieder da!’

Warum hatte Sie nur so viel Zeug mitgenommen? Als Sie daraufhin wieder am Küchenfenster vorbei lief, war der Kitler auf die gleiche mysteriöse Weise verschwunden, wie er vorhin aufgetaucht war und der Inhalt des biologisch abbaubaren Jutesackerls war über den ganzen Weg verstreut und bei dem verstreuten Gut handelte es sich um eine Großfamilienpackung Kondome verschiedenster Marken und Größen und einen nicht weiter genannten Pornofilm.

Bis Sie nun endlich den Wageninhalt auf ihr Zimmer gebracht hatte, fiel ihr auf, dass jedes Mal wenn Sie am Küchenfenster vorbeilief, ein paar der Kondome fehlten, bis am Ende nur noch die PornoDVD im Dreck lag. Ungesehen steckte Sie die DVD ein und ging in den Aufenthaltsraum und harrte der Dinge, die da noch kommen würden.

Kommen Sie nach Ahrenschwamm haben Die gesagt, ein 5-Tages-Wellness-Abenteuer-Urlaub für Lau haben Die gesagt. Das es von den 5 Tagen Urlaub gefühlte 7 Tage Regenwetter haben würde, hätte ja auch nie einer gedacht.

Sie hatte wirklich alles eingepackt, vorallem reichlich Sinnfreies, nur nicht die Gamaschen, die hätte Sie auch wirklich gut gebrauchen können, aber die Gamaschen lagen immer noch zu Hause auf der Anrichte und hatten bis zum heutigen Tage keinen einzigen Tropfen abbekommen.

Und die einzige Wellnessmaßnahme in diesem Gratisurlaub war aufgrund der fehlenden Gamaschen Angezogenkneipen. Das muss der allerneuste Schrei sein. Eines musste man ihren Schuhen allerdings zu Gute halten, die haben sich wirklich wacker geschlagen, bei der Regen-Matsch-Plörre da draußen im Ahrenschwamm an der Ahnenklamm, oder so.

Im nahegelegenen BootCamp kämpfte die Perfektion im strömenden Regen mit den anderen Insassen, die nach ein paar Tagen, alle so aussahen, als wären sie aus dem Sumpf gekrochen, gegen den Rest der Welt. Nur der leichte Chlorgeruch ließ hoffen,dass da irgendwo vielleicht doch ein beheiztes Schwimmbad mit einem gutaussehenden Bademeister sein könnte.

Immer der Nase nach hatte ihre Großmutter schon immer gesagt, aber den Bademeister musste Sie wohl knapp verpasst haben.

Ein eher ruppiges Roarrrrrr riss Sie aus ihren feuchten Träumen und als Sie sich wieder versah stand Sie unter der Dusche mit einem nicht ganz so haarigen Wookiee.

So wie bei jedem Urlaub, endet er dann, wenn es am Schönsten ist und am Ende kann man sich an die Namen der Urlaubsbekanntschaften nicht mehr erinnern.

Die vierstündige Heimreise endete nach 8 Stunden, als Sie spät Nachts endlich zu Hause ankam und sich so vorkam, als hätte Sie jeden Stau zwischen dort und hier mitgenommen und als wäre in der letzten Nacht nicht nur ein Wookiee mit ihr duschen gewesen.

Zuhause packte Sie ihre sieben Sachen wieder aus und plötzlich hatte Sie die PornoDVD in Händen. Sie hatte ganz vergessen, dass Sie die DVD eingepackt hatte, nachdem warum wollte Sie gar nicht mehr fragen.

Sie las erst die Rückseite: ‘Strohrum auf dem PickupTruck! Jenny Bolero spricht nicht nur ihre Dialoge selbst, nein sie zeigt uns auch, wo das Stroh rum liegt. Ob Mösenmaske, Fickfuß oder Penishöschen – für die reibungslose Handhabung wird gesorgt’

Als Sie die DVD Hülle umdrehte, verdrängte Sie das Titelbild bereits bevor Sie es erblickte. Die DVD verschwand in ihrem Schrank, in dem Sie die Verblüten der Pornoindustrie aufbewahrte.

So long und bis zum nächsten Gratisurlaub, das Ferienresort Ahrenschwamm

P.S. Ähnlichkeiten mit bekannten Personen und/ oder Begebenheiten sind völlig unbeabsichtigt und daher völlig unmöglich. Sämtliche Handlungstränge sind frei erfunden, es wurde ziemlich Vieles hinweggelassen und Einiges hinzugefügt. Nix für unguat!

P.P.S. Ob ein Urlaub auf Segema Beach besser gewesen wäre, aber das Träumen von einem Big Kahuna Burger sei erlaubt, bekommen wird Sie ihn nie…May the 4th be with me!

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Neulich im Dominastudio

Neulich im Dominastudio

IMG_0234‘Der Herr Huber von der Berufsgenossenschaft wartet im Büro.’ meinte die Empfangsdame.

‘Sag ihm, ich bin gleich bei ihm, ich muss nur noch den Herrn Müller verarzten…!’ rief die Domina im Vorbeigehen und verschwand mit einem ominösgroßen metallernen Klistier hinter einer Tür mit der Aufschrift: ‘Klinik’

Man konnte die Absätze der verbotenhohen Schuhe auf dem Fliesenboden hören, während sie durchs Zimmer schritt.

Aus der ‘Klinik’ konnte man dumpfes Gewimmer und Röcheln hören. ‘Sodale, der Rotweineinlauf bleibt so lange drinne, bis ich wieder komme.’ rief sie. ‘Und wehe nicht!’

Die Domina kam aus der Klinik, zog ihren Schwesternkittel aus und darunter kam ein enges Lehrerinnenoutfit zum Vorschein. Sie streifte den Rock glatt, zog die Brille auf die Nasenspitze und lugte scheel über den Brillenrand auf die Tür mit der Ausschrift: ‘Büro’

Im nächsten Moment verschwand sie auch schon im ‘Büro’. Man konnte wieder die Absätze der verbotenhohen Schuhe auf dem Paketboden hören, während sie um den Schreibtisch schritt, dabei zog sie ihre Fingernägel über das antike Holz des Schreibtisches und man konnte jede Unebenheit deutlich hören.

‘Herr Huber, schönen guten Tag, haben Sie meinen Widerspruch bereits bearbeitet?’

‘Nein, Fräulein Lagleder!’

‘Was hat Sie davon abgehalten meinen Widerspruch in einer angemessen Zeit zu bearbeiten!’

‘Ich war nicht sicher, ob Ihr Widerspruch statthaft ist, Fräulein Lagleder!’

‘Und hat er sich von der Statthaftigkeit meines Widerspruches überzeugt?’ frug sie mit einem süffisanten Unterton.

‘Ja, Fräulein Lagleder!’ stöhnte Herr Huber.

‘Und was soll dann dieser Teilabhilfebescheid!’ meinte sie in einem scharfen Ton und schlug etwas Hartes auf den Schreibtisch, bevor man das Zerreißen von Papier hören konnte.

‘Wir konnten den Widerspruch auf Grund der Sachlage nicht vollständig abhelfen!’

‘Und was machen wir da jetzt?’

‘Wir müssen warten bis der Widerspruchsbescheid bindend wird.’

‘Aber der Widerspruchsbescheid wurde mir noch nicht zugestellt!’

‘Ich wollte mich persönlich von der Zustellung überzeugen!’ meinte Herr Huber und man konnte hören wie eine lederne Aktentasche geöffnet wurde. Dann konnte man hören wie ein Stückpapier aus einer Klarsichtfolie gezogen wurde. Das Tappen Ihrer Schuhsohlen auf etwas Weiches war zu hören und das darauffolgende Wimmern und Stöhnen, könnte nur dem geübten Lauscher an der Wand verraten, welche Weichteile nun mit den Schuhen bearbeitet wurden.

‘Dieser Verwaltungsakt ist nicht Ihr Ernst, Herr Huber!’ rief sie mit gespielten Entsetzen und trat vor Wut auf den H….ähm… Boden.

‘Doch eigentlich schon, Fräulein Lagleder!?’ stöhnte Herr Huber unter Schmerzen.

‘Dieser Bescheid hat die Rechtswirksamkeit nicht verdient. Ich werde nicht zulassen, dass dieses Machwerk der Behördenwillkür jemals Bindungswirkung erlangt’ erklärte sie und stampfte wieder auf dem Boden auf. Er ersticktes Stöhnen hallte durch den Raum.

‘Nein, Fräulein Lagleder. Ich bitte Sie bitte nicht!’ wimmerte er.

‘Ihnen ist klar, dass wir Klage einlegen werden, ehe der Widerspruchsbescheid rechtswirksam wird!’

Herr Huber stöhnte: ‘Ja, sonst wäre die Klage verfristet!’

Man konnte eine Akte hören, die wohl auf den Tisch geklatscht wurde.

IMG_9874‘So, nun zu dem Antrag, den ich stellt habe!’

‘Der wurde an den zuständigen Sachbearbeiter weitergeleitet!’

‘Bitte was!’ rief sie laut und wieder hörte man einen Aktendeckel, wie er höchst wahrscheinlich auf etwas Nacktes klatschte.

‘Ich werde den Antrag umgehen bearbeiten, sobald ich wieder in der Verwaltung bin.’

‘Ihnen ist klar, dass es sich um eine offenbare Unrichtigkeit handeln muss!’

‘Ja, Fräulein Lagleder!’ stöhnte Herr Huber wieder.

‘Ich sehe schon, dass wir uns einig werden, wenn der Verwaltungsakt erst mal bindend ist!

Das Gespräch wurde von mehreren Schlägen übertönt.

‘Haben Sie mir meine qualifizierte Unbedenklichkeitsbescheinigung mitgebracht, Herr Huber?’

‘Umbedenglichkeit..?’

Sie rief über das Klatschen hinweg: ‘Wie heißt es richtig!’

‘Unbedenklichkeit…?’

‘Und nun das ganze Wort!’ schrie sie wieder und schlug mehrmals zu.

‘Umbedenklichkeitsbeschö…!’

Langsam wurde sie wütend: ‘Muss ich erst den Tacker holen?’

‘Nein, Fräulein Lagleder!’

‘Dann sag es richtig!’

‘Um…!’ Das Klicken eines Bürotackers unterbrach die Vollendung des Wortes und ein erstickter Schrei wurde im Keim erstickt.

‘Los sag, Unbedenklichkeitsbescheinigung!’

Stöhnend schrie er heraus: ‘Unbedenklichkeitsbescheinigung!’

‘Geht doch!’ meinte das Fräulein Lagleder. ‘Hat mich sehr gefreut, bis zum nächsten Termin, Herr Huber!’

Bevor sie die Tür öffnete, meinte sie noch: ‘Außerdem haben Sie das Wort ‘bitte’ im Satz groß geschrieben, Herr Huber!’

‘Nein, Fräulein Lagleder. Ich bitte Sie bitte nicht!’ wimmerte er wieder.

‘Ihnen ist schon klar, dass man bitte im Satz nicht groß schreibt, Herr Huber!’

‘Fräulein Lagleder, was würde ich nur ohne Sie machen!’

‘Bitte im Satz immer noch groß schreiben!’ meinte sie lächelnd und öffnete die Tür und schob die Brille wieder auf die Nase, zog den Schwesternkittel an und ging wieder zu der Tür mit der Aufschrift: ‘Klinik’


Fortsetzung folgt vielleicht….

Too much Information….

Too much Information

endeIch bin total gehetzt und renne aus meinem Büro, die Tür aus der Abteilung schließt mit einem Klicken hinter mir. Ich steh am Aufzug, drücke den Knopf ‘nach unten’ und warte. Und warte. Und warte.

Boa, ich muss mein Scheißauto aus der Werkstatt holen und bin wie immer viel zu spät dran. Verdammt und jetzt muss ich auch noch mit den Öffentlichen fahren.

Endlich kommt der Aufzug und es steht eine Frau drinne. Sie drückt auf den Knöpfen herum und ich hüpfe ins Innere des Aufzuges und singe einen abendlichen Gruß. Die Frau drückt wie eine Wahnsinnige auf den Knöpfen herum und die Türen schließen sich. Sie wird Zusehens nervös und hämmert auf die Taste mit Erdgeschoss, bis wir, wer hätte es gedacht, im Erdgeschoss ankamen. Sie drängelte sich an mir vorbei und rannte nach draußen.

Nicht, dass ich nicht auch im Erdgeschoss aussteigen muss. Was für unentspannte Leute hier arbeiten, und da bin ich schon echt gestresst. Ich renne armewedelnd zum Ausstempeln und renne dann ebenfalls armewedelnd aus dem Haus. Scherz beiseite. Ich gehe schnellen Schrittes über der Hof und sehe die Frau, wie sie mit einer abgewichsten Grillzange in der Hand im Windschatten einer Glasfassade stand und rauchte, mit Zuhilfenahme der Grillzange?! Dieses surreale Bild muss sich in meiner Netzhaut eingebrannt haben.

Was geht in einer Frau vor, die wie eine Wahnsinnige mit bloßer nackter Hand im Aufzug randaliert, um dann die Zigarette nur mit der Kneifzange anzufassen, aber allen Anschein nach nicht ohne Zigarette leben können?! Herrgott, schmeiß Hirn vom Himmel!

Ich laufe zur Trambahn, ohne mit meinen Armen zu wedeln. Ich bin doch nicht wahnsinnig, zumindest nicht wahnsinniger als die Frau mit der Zigarettenzange.

Völlig außer Atem platze ich in die Privatsphäre so vieler unbedarfter Menschen, als ich die Tram betrete. Leider muss ich auch gleich wieder aussteigen. Ich laufe weiter die Donnersberger hinauf und wer hätte das gedacht, ich verpasse meine S-Bahn und es ist scheißkalt. Warum immer ich? Ich nehm die nächste S-Bahn Richtung Moosach und will mir ein Taxi nehmen, wenn ich da je ankomme.

Zum Glück bekomme ich einen Sitzplatz. Gegenüber von mir sitzt ein Kerl, mit einer Packung M&M’s in der Hand. Daneben sitzt ein älterer Mann mit einem Schild in der Hand auf dem steht: ‘Das Ende der Welt ist nahe!’

Irgendwo auf der Welt hat bestimmt ein reicher Mensch im Lotto gewonnen, wenn ich hier so in die Scheiße trete.

Der Weltuntergangspapst fängt an zu reden: ‘Wenn man heißes Wasser ausgießt, hört es sich anders an, als wenn das Wasser kalt wäre!’

Ich denke mir nur: ‘Das Ende der Welt ist nahe!’

Der Kerl mit den M&M’s meint: ‘Sie müssen immer von der gleichen Farbe sein, immer nur zwei auf einmal. Niemals einzeln.’ Dann lies er sich ein paar von den süßen Köstlichkeiten in die Hand purzeln und suchte dann immer zwei von der gleichen Farbe heraus, um sie zu essen. Die Restlichen bot er dem alten Mann an, der sie dankend annahm.

Sagt mal, ist heute der Tag an dem jeder seine geheimen Neurosen nach Außen trägt. Dinge die ich eigentlich nicht wissen wollte. Noch nicht mal wenn das Ende der Welt wirklich nahe wäre.

Die Welt könnte doch so einfach sein, wenn jemand die gelben und orangen Gummibärchen für mich essen würde… nachdem ich immer nur die Weißen, die Grünen und die Roten rauspicke. Und zwar genau in der Reihenfolge.

Bloß was passiert, wenn die verrückte Frau vom Aufzug ihre Zigarettenzange nicht findet, wenn die Nikotinsucht an ihrem paranoiden Verstand zerrt. Läuft sie dann Amok? Und wen erschießt sie zuerst?

Ich bete inständig darum, dass sie Lady ihre Zigarettenzange nie vergessen wird.


P.S. Für die Leute, die sich immer fragen woher ich den Scheiß habe, über den ich schreibe: Dies ist eine fiktive Geschichte und es ist immer das ein oder andere Fünklein Wahrheit dran, mal mehr oder weniger. Erschreckenderweise meist mehr als weniger. Alles andere ist erstunken und erlogen, bunt aneinander gereiht, verdreht und vermengt so wie mir es passt. Das nennt man dann künstlerische Freiheit.

Sommer, Sonne, Sonnenschein im Park

Sommer, Sonne, Sonnenschein im Park

IMG_20140605_151353021Geräusche drangen an ihr Ohr. Waren das Vögel? Nein, die Zirkaden zirpen ihr Lied. Sie sind nicht mehr in Kansas!!

In ihrem Kopf wummerte es. Die Zirkaden schienen in ihrem Kopf zu sein. Ja und eine Party scheinen sie da auch zu feiern. Sie wollte sich bewegen, es ging aber nicht. Leichte Panik kam über sie. Sie hatte keine Kontrolle über ihren Körper. Es war so, als wäre sie in der Tiefschlafphase von einem bösen Traum geweckt worden. Sie lag völlig gelähmt da und wusste nicht wo sie war. Sie konnte einen frischen Luftzug auf ihrer Haut spüren und sie konnte spüren, dass sie nur noch einen Schuh trug. Von dem fehlenden Schuh mal abgesehen, schien sie zumindest noch irgendwie bekleidet zu ein. Sie hatte nur den Eindruck, als wäre ihre Strumpfhose irgendwie kaputt gegangen… Verdammt, die war echt teuer!

Entweder war die Party letzte Nacht echt hart gewesen oder sie hatte einfach vergessen den zweiten Schuh auszuziehen. Oder beides! In ihrem Bett lag sie dennoch nicht und sie ärgerte sich immer noch über die kaputte Strumpfhose.

Aber wo sollte sonst der frische Luftzug um sie herum herkommen und die Zirkaden? Wenn nicht, weil sie draußen war? Und Warum? Wo war sie nur? Und was hat sie da nur geritten, bei der Kälte draußen zu pennen?

Zwei Krähen plärrten und sie konnte Flügelschlagen hören. Sie musste wirklich irgendwo draußen liegen. Das könnte auch den harten Untergrund erklären. Erst jetzt spürte sie die Steine in ihrem Gesicht, sie lag so halb auf der Seite und offensichtlich mit der Fresse im Dreck.

Als sie eines ihrer Augen öffnen wollte, schaffte sie es nicht, irgendwie war ihr Auge verklebt. Reflexartig versuchte sie ihre Hand zu bewegen. Sie wollte sich übers Gesicht wischen, doch sie konnte ihren Arm nicht bewegen. Sie konnte beide Arme nicht bewegen!! War sie gefesselt? Ja, verdammt!

Die Fesseln schnitten in ihre Handgelenke. Sie wollte schreien, vor Schmerz und um Hilfe! Doch ihr Mund war auch verklebt, so dass sie nur ein Wimmern von sich geben konnte. Bei jeder Bewegung ihrer Handgelenke schnitten die Fesseln noch mehr ins Fleisch. Sie hatte das Gefühl, als würden die Fesseln auf dem blanken Knochen scheuern. Sie konnte sich nur unter Schmerzen bewegen und sehen konnte sie auch nichts. Und schreien auch nicht!

Das war der Moment wo man in der Regel in Panik verfällt. Doch sie versuchte so ruhig wie möglich zu atmen. Sie bekam noch dazu kaum Luft, ihre Nase war irgendwie zu und ihr Mund, war das ein Knebel?

Wenn das ein schlechter Scherz sein soll, dann wäre jetzt der Punkt, wo alle lachen, bis auf eine. Aber es lachte keiner. Oder doch?

Sie hörte Stimmen und Geräusche, die schnell näher zu kommen schienen.

‘…wenn man sich dann immer rumärgern muss…!’

‚…hätt ich auch keinen Bock mehr…!‘

Die Geräusche entfernten sich wieder, wie die beiden Personen, die eben noch gesprochen hatten. Dann kam wieder ein Geräusch. Ein Fahrrad auf einem Kiesuntergrund. Sie musste unweit von einem Weg im Dreck liegen. Warum bemerkte sie keiner? Hilfe!

Sie versuchte noch einmal die Augen zu öffnen. Mit einem Ruck und unter Schmerzen sprang ihr Auge endlich auf und die grelle Fratze am Himmel stach ihr förmlich ins Auge, deshalb schloss sie das Auge wieder, auch auf die Gefahr hin, dass sie es nie wieder aufbekommen würde. Wahrscheinlich hatte sie sich eh ein paar Wimpern ausgerissen. Was war das für ein klebriger Scheißdreck in ihrem Gesicht?

Sie versuchte sich auf die Seite zu wälzen und blinzelte.

Wieder Stimmen. Diesmal kamen sie langsam auf sie zu.

‘Wenn ich abends alleine bin, muss ich immer an dich denken…!’

IMG_20140603_175445817Wie gut, dass sie die Antwort nicht mehr mitbekommen hatte. Ihr schwappte Erbrochenes in ihre Mundhöhle. Dort war allerdings ziemlich wenig Platz und der Knebel versperrte den Weg nach draußen, also schluckte sie schwer…War wohl nicht ihr Tag heute?! Und warum konnte sie sich an die Party nicht erinnern?! Sie versuchte sich erneut herumzudrehen, und unter unglaublichen Schmerzen gelang es ihr. Doch ihre Drehung wurde je von etwas Harten in ihrem Rücken aufgehalten. Mit ihren gefesselten Händen konnte sie den Stamm eines knorrigen Baumes ertasten. Sie öffnete wieder ihr Auge, dass andere wollte einfach nicht aufgehen. Sie blickte den Stamm einer buckligen Trauerbuche hinauf. Das passt ja. Irgend so ein armer Irrer hatte ein Herz auf den Stamm der Trauerbuche gemalt. C + R? Hat wohl nicht geklappt, was?

Dann blickte sie an ihrem Körper herab. Sie trug ihr Lieblingskleid, die Strumpfhose war tatsächlich kaputt und von dem zweiten Schuh fehlte tatsächlich jede Spur. Sie war mit Klebeband gefesselt worden, dass konnte sie zumindest an ihren Füßen sehen. Aufstehen wird ziemlich schwer werden. Aber sie musste es versuchen. Sie mühte sich einen Moment ab und blieb dann erschöpft an Ort und Stelle liegen. Luft bekam sie nun fast gar nicht mehr. Sie spürte warme Flüssigkeit, wie sie über ihr Gesicht kroch. War das Blut? War sie verletzt? Dem Ersticken nahe drehte sie sich wieder mit dem Kopf nach unten. Und dann sah sie das Blut. Es musst aus ihrer Nase kommen!

Die Angst gleich ersticken zu müssen, übermannte sie und sie wusste sich nicht mehr anders zu helfen, also versuchte sie mit ihren gefesselten Beinen gegen den Stamm zu schlagen. Sie musste Lärm erzeugen. Irgendwie.

Durch die Schläge gegen den Stamm wurde das Tape durchgewetzt und ihre Beine kamen frei. Endlich! Sie versuchte erst gar nicht aufzustehen, weil sie versuchte sich einfach umzudrehen und zumindest auf die Knie zu kommen. Und wenn sie aus der Scheiße kriechen musste!

Gedacht, getan! Bloß robbte sie mehr, als dass sie auf Knien über den Waldboden kroch. Durch die Anstrengung bekam sie zumindest wieder besser Luft und sie versuchte den Geräuschen entgegen zukriechen.

Irgendeiner dieser Jogger oder Biker muss sie doch sehen oder hören. Das Leben rannte in bunten Radlerhosen an ihr vorbei auf der Jagd nach verbrannten Kalorien. Und sie verhungerte an der ausgesteckten Hand mit der Fresse im Dreck. Sie wollte schreien, sie schaffte es aber nicht. Ihre Arme bekam sie auch nicht frei. Ihre Knie waren schon wund, aber sie musste weiter. Dornen rissen an ihren Klamotten. Die Schmerzen spürte sie schon lange nicht mehr, sie wollte nur weg hier. Nach da vorne in die Sonne, da wo die Leute sind, die arglos ihrem Sport nachgingen. Sie konnte vor sich schon den Weg sehen. Doch zwischen ihr und der Freiheit war noch eine Dornenhecke. Da musste sie jetzt durch.

Beherzt warf sie sich seitlich in die Hecke und versuchte sich mit den Beinen durch das Gestrüpp zu drücken. Die Dornen rissen an ihren Haaren und stachen in ihre Kopfhaut. Sie konnte kurz den weißen Kiesweg sehen, als sie plötzlich an beiden Beinen gepackt wurde und mit einem Ruck nach hinten gezogen worden. Sie kam gar nicht auf die Idee sich zu wehren, sie war von der plötzlichen Bewegung so schockiert, dass sie wieder wie gelähmt schien. War sie doch beinahe am Ziel angekommen. Die weißen Kiesel hatte sie doch schon im Blickfeld gehabt. Und da vorne müssen doch Leute sein.

Sie konnte ein fröhliches Pfeifen hören, während ihr Körper über den unebenen Waldboden gezogen wurde.

Irgendwann wurde von ihr abgelassen und sie versuchte im selben Moment zu flüchten, als ihre Beine freigegeben wurden. Besonders weit kam sie diesmal nicht, weil sie erneut gepackt wurde. Eine schleppenden, krächzende, männliche Stimme drang an ihr Ohr.

‘Mein Täubchen, du willst mich verlassen, ohne Aufwiedersehen zu sagen. Das macht mich wirklich sehr, sehr traurig.’

Während der Mann sprach, packt er ihren Kopf und zog ihn nach Hinten, so dass sie gezwungen war, ihm ins Gesicht zu sehen.

Dann fiel es ihr wie Schuppen aus den Haaren. Gestern Nacht war sie allein in der Stadt unterwegs und jemand hatte ihr einen Drink ausgegeben. Dieser Jemand! Dieser Grobian! Er packte sie an den Haaren und schlug sie hart ins Gesicht.

‘Ich hab gedacht, dass du mich liebst und dass du für immer bei mir bleibst!’ zischte er ihr zu, machte dann ein abfälliges Geräusch, riss ihr Kleid mit einem Ruck auf, bevor er fortfuhr: ‘Aber wenn du mein Vertrauen so mit Füßen trittst…!’

Er begann sie grob zu befummeln und schlug sie immer wieder ins Gesicht.

Mehr bekam sie gar nicht mehr mit, eine erlösende Ohnmacht ersparte ihr zumindest kurzzeitig die Schmerzen. Aber genau die Schmerzen waren es, die sie wieder zurück brachten.

Ihre Beine waren wieder gefesselt und sie hatte unglaubliche Schmerzen am Kopf. Ihr war kalt. Ziemlich kalt. Bevor ihr klar wurde, dass sie kaum mehr was anhaben musste, versuchte sie erneut die Augen zu öffnen. Es gelang ihr kaum, ihr Gesicht war wohl von den Schlägen ziemlich angeschwollen. Und genauso fühlte es sich auch an. Sie lag in einer klebrigen Pfütze und es roch nach Blut. Ihr Blut!

Von weit entfernt konnte sie wieder Geräusche hören. Sie röchelte vor sich hin, trotz des Knebels konnte sie Blut schmecken. Die Geräusche wurden lauter.

‘Was ist denn mit dir los? Du willst doch jetzt nicht schon wieder fahren?’ hörte sie eine hysterische Frauenstimme in der Ferne. Die Schritte kamen näher. ‘Wir sind andernhalb Stunden hier hergefahren und jetzt willst du sofort wieder heim? Was ist denn mit dir los, Herbert? So kenn ich dich ja gar nicht!’

‘Schau mal da liegt ein Schuh!’ meinte Herbert.

‘Diese Jugend heutzutage, keine Werte mehr. Lassen einfach ihre Schuhe hier liegen!’

‘Es ist nur ein Schuh, Edeltraut!’

‘Ein Schuh, ein Schuh! Trotzdem verantwortungslos! Wenn hier jemand stolpert. An dem spitzen Ding könnte man sich ja die Augen ausstechen.’

‘Sag mal ist das Blut, da am Schuh!’

‘Schau, hab ichs dir nicht gesagt, wie gefährlich so ein Schuhwerk sein kann!’

‘Da wird doch nichts passiert sein?’

‘Spinn dich aus Herbert, lass uns wieder heimfahren!’

Die Schritte entfernten sich wieder von ihr und sie blieb völlig fassungslos im Dreck und ihrem eigenen Blut liegend zurück. Diese ignorante Menschheit heutzutage. Ihr war so kalt und versuchte sich nochmal umzudrehen, damit sie die Sonne sehen konnte, wie sie durch die Trauerbuche schien. Die letzten Sonnenstrahlen des Tages streichelten über ihr zerschundenes Gesicht und ein Tropfen Blut fiel vom Baum herab und landete direkt in ihrem Auge.

C steht für Charlotte. Die nächsten Radfahrer und Jogger hörte Charlotte schon gar nicht mehr…

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Und R ist der Grobian. Am nächsten Tag würde man es in der Zeitung lesen können…

Das brennende Stachelschwein

Das brennende Stachelschwein

220px-Wasser_und_Licht_1Manchmal gibt es so Tage, an dem ich mir denke, warum manche Menschen glücklich sind und manche Menschen einfach nicht glücklich zu machen sind, obwohl es doch so einfach wäre und es einfach nur einer klitzekleinen Kleinigkeit bedarf, das Quäntchen Glück zu finden.

Jammern doch immer nur diejenigen, die eigentlich alles zu haben scheinen, es aber nicht sehen, weil sie immer nur mit jammern beschäftigt sind. Weil sie nicht nach links und nicht nach rechts sehen, weil immer nur die Anderen Schuld sind und weil man auch nicht die Möglichkeit in Betracht ziehen würde, die Welt aus einem anderen Blickwinkel zu erleben.

Und die die scheinbar nichts haben außer sich selbst. Die allen Anschein nach schon jeden verfickten Blickwinkel am eigenen Leib erlebt haben und trotzdem nicht aufgeben, weil irgendwo da draußen der Silberstreifen am Horizont ist und hinter dem Silberstreifen wartet das Quäntchen Glück auf das brennende Stachelschwein. Ja genau!?

Es ist zum Greifen nah, aber doch scheint es unerreichbar. Und was bleibt. Die Hoffnung, solange man eine hat und es wäre auch irgendwie blöd die Hoffnung hinter sich zu lassen, ist sie nicht das Einzige woran man sich klammern kann, wenn man nichts hat, außer sich selbst und die Hoffnung an etwas zu Glauben, was es wahrscheinlich gar nicht gibt. Und genau dieses Quäntchen Hoffnung irgendwo ganz tief in unseren Herzen, einfach nicht aufgeben zu wollen. Immer an das Gute im Menschen zu glauben und dass das Glück einfach mal vor der eigenen Tür stehen könnte und so penetrant gegen die verschlossene Tür hämmert, dass man es auch wirklich nicht überhören kann.

Aber das Glück fällt einem einsamen brennenden Stachelschwein nicht in den Schoß, weil so viel Glück würde das Universum einem nie zugestehen würde. Ein brennendes Stachelschwein wird nie zur Ruhe kommen können, weil es immer auf der Suche ist, nach dem Quäntchen Glück, weil es steht nicht vor der Tür und wenn, dann wäre man eh nicht zuhause und das Quäntchen Glück würde vor der Tür eingehen wie ein kleines Pflänzchen in der prallen Sonne.

Aber man kann irgendwie auch nicht aufgeben, obwohl man genau weiß, dass man das Quäntchen Glück nie erreichen wird. Aber das dumme Stachelschwein rennt weiter und immer weiter, als sich auch nur einmal umzudrehen, einen Schritt beiseite zu machen, um das Ganze von einem anderen Blickwinkel aus zu betrachten.

Doch diese klitzekleine Kleinigkeit scheint immer unerreichbar und man versteht einfach nicht, wie andere Menschen glücklich sein können. Warum immer die Anderen und nicht ich? Ich, das dumme brennende Stachelschwein!

Weil nur ich so blöd bin und alleine durch den Wald laufe und vergeblich auf den Schnee warte. Weil der Schnee wäre die einzige Medizin gegen das Feuer, aber der Schnee lässt alle auf sich warten. Der Winter wird nicht mehr kommen… Im November vielleicht. Aber bis November auf Schnee warten, weiter brennen und nicht rausgehen, um den Schnee zu suchen, ist irgendwie so wie die Hoffnung auf das Quäntchen Glück aufzugeben, weil einem zuhause die Decke nicht genug auf den Kopf fällt. Weil man manchmal nicht rausgehen will, weil Menschen einen manchmal Angst machen. Weil man manchmal einfach mit niemanden reden will und weil man manchmal auch niemand sehen will. Und an einem anderen Tag suhlt man sich in Geselligkeit und fühlt sich pudelwohl, weil das brennende Stachelschwein, eine echte Rampensau ist.

Nein, das wäre ja auch nur zu schön, wenn man völlig normal wäre. Dann wäre man ja wie die Anderen. Und die Anderen haben doch immer Schuld an allem. Die Anderen sind doch die, die etwas sagen könnten, wenn man denkt, was würden denn die Anderen sagen. Und eigentlich sind doch all die Anderen scheißegal, wenn man doch nur glücklich wäre. Ob verrückt oder nicht. Glücklich sein, wäre zu Abwechslung echt mal eine Herausforderung, die man nur zu gerne annehmen würde. Dazu müsste man ja nur die Tür öffnen, auch wenn man es nicht klopfen gehört hat. Auch wenn der Blick vor die eigene Haustür einem nur erkennen lässt, dass da nichts ist, außer alte Schuhe, die man eh nie wieder tragen wird, ein alter Autoreifen und ein kaputter Karton, der den Weg in den Müll noch nicht gefunden hat, weil man selber zu faul war ihn hinunter zu tragen. Das Glück macht man sich schon selber und manchmal auch zu nichte und dann muss man irgendwie damit weiterleben. Weil aufgeben. Nein, niemals. Und zugeben, noch viel weniger! Dann würde man ja Schwäche zeigen und das wiederum könnten ja dann wieder die Anderen mitbekommen.

Aber was interessieren einem die Anderen, wenn man selber doch nur auf der Suche nach seinem eigenen Glück ist. Weil man selber seinen eigenen Schweinehund besiegen muss, um glücklich zu sein. Es sind nie die Anderen, es ist immer die faule Sau in einem selbst, die einen zurück hält, aufzustehen und vor die Tür zu gehen. Einen Schritt bei Seite zu machen, sich hinzuknien und die Welt einfach mal von einem anderen Blickwinkel aus zu betrachten. Auch wenn man bei diesem einem Schritt vom Hochhaus fällt. Das brennende Stachelschwein kommt auf allen Vieren auf, schüttelt sich, ärgert sich vielleicht kurz über seinen Schritt und rennt weiter und wird vielleicht irgendwann glücklich. Das erfährt man nur, wenn man den Schritt macht und vielleicht vom Hochhaus fällt, aber vielleicht hat man auch einen Fallschirm. Unten auf allen Vieren ankommen tut man so oder so… nur manchmal wäre es schon schön, wenn man vorher einen Eimer Wasser in die Fresse geschüttet bekommt, bevor man brennend vom Hochhaus fällt und sich unten alle Viere bricht.

Ist das Quäntchen Glück der Eimer Wasser, oder der derjenige, der einem den Eimer in Gesicht schüttet. Oder ist es der Blickwinkel, wenn man sich die Tränen aus den Augen wischt, sich kurz schüttelt, sich vielleicht ärgert, weil man vielleicht vom Hochhaus gefallen wäre, oder ist es der Fallschirm, der einen sicher unten ankommen lässt. Die Fragen kann dir kein Glückskeks der Welt beantworten, weil dann müssten alle bis November warten.

Mach einfach einen Schritt beiseite, knie dich hin und mach die Augen auf, das Glück ist meistens näher als du denkst!

Die Frau mit dem pinken Regenschirm schlägt zurück

Die Frau mit dem pinken Regenschirm schlägt zurück

endeDer Regen hatte für einen Moment nachgelassen und die Frau mit ihrem pinken Regenschirm kam wieder die Straße entlang gelaufen. Sie hatte es wieder eilig und sie blickte ziemlich genervt in den Himmel. Es standen immer noch schwarze, schwere Wolken am Himmel und sie wollte nicht nochmal nass werden heute.

Da stand wieder dieser Mann am Straßenrand mit einem Schild in der Hand: ‚Gott liebt dich!‘

Sein Mantel schien nicht nur aus der Kleidersammlung zu stammen, er war immer noch pitschnass. Scheinbar hatte er sich nicht von der Stelle bewegt, seit dem sie vor Stunden hier schon mal lang gekommen war.

‚Das Ende der Welt ist nahe!‘ zischte er ihr zu und hielt sie wieder auf, in dem er ihr eine frische Broschüre hinhielt.

‚Ich weiß, ich weiß! Sie als bibelglaubender Christ glaube daran, dass Ihr zentrierter Geist in das Reich Gottes einfährt, denn Ihre Gebete sind die Leidenschaft armer Seelen und Ihr Lobpreis singen Sie nur zur Anbetung an Gottes Klang. Ihre Jüngerschaft ist die visionäre Leiterschaft für aufopferungsvolles Geben und ihre Verpflichtung den großen Auftrag zu erfüllen. Die Vision Unerreichtes zu erreichen und die gute Nachricht des Reich Gottes mitzuteilen!‘ rezitierte sie und blickte dem alten Mann dabei tief in die Augen.

‚Ihr faselt, Ungläubige! Ihr sollt euch nicht wenden zu Geisterbeschwörern und Zeichendeutern, die mit Dämonen verkehren, auf das ihr nicht an ihnen unrein werdet!‘ rief der Mann und erhob den Finger gen Himmel.

‚Ich kenne Ihre Bibel sehr gut. In der Nacht ihres Gelobens soll sich die Frau dem Manne öffnen, wie die Ackerfurche dem Pfluge, er soll in ihr arbeiten, wieder und wieder, solange bis sie ihn zu Fall bringt und auf dem Schweiß ihrer Brust Kräfte sammeln lässt!‘ meinte die Frau fast beiläufig und machte sich daran einfach weiter zu gehen.

‚Das hat dir der Teufel gesagt!‘ schrie der Mann völlig außer sich und spuckte dreimal auf den Boden, dreht sich dann im Kreis und kreischte wie ein Wahnsinniger.

‚Beetlejuice, Beetlejuice, Beetlejuice?‘ schrie sie ihn an, aber nachdem ihre Worte bei ihm anscheinend keine Wirkung zeigten, drehte sich dann einfach um und lief weiter.

‚Denn wer in fremden Zungen redet, ist außer sich, er scheint von einem fremden Geist besessen zu sein!‘ schrie de Mann hinter ihr her.

‚Papa a lăsat câinele singur în grădină și grădinar a futut câinele! Grădinarul a futut de câine, și Papa este de vina!‘ rief die Frau immer wieder und lief einfach weiter. Sie höre, dass der alte Mann ziemlich flink hinter ihr her rannte.

‚Exorcizamus te, omnis immundus spiritus, omnis satanica potestas, omnis incursio infernalis adversarii, omnis legio, omnis congregatio et secta diabolica. Ergo Draco maledicte, ecclesiam tuam secura facias libertate servire. Te rogamus, audi nos.‘ fing der Mann an einen Exorzismus zu zitieren.

Die Frau drehte sich um und lachte den alten Mann an: ‚Behandle jeden Menschen so, wie auch Jesus ihn behandeln würde!‘ Sie riss ihre Bluse auf und zwischen ihre Brüsten baumelte ein antikes Kreuz.

Der Mann brabbelte weiter den Exorzismus runter. ‚Exorcizamus te, omnis immundus spiritus, omnis satanica potestas, omnis incursio infernalis adversarii, omnis legio, omnis congregatio et secta diabolica…!‘

Sie hob das Kreuz vor den alten Mann und meinte lässig und völlig ruhig: ‚Alter Mann, zu viel Supernatural gesehen? Der richtige Exorzismus geht nämlich so: Exorcizamus te, omnis imunde spiritus, omnis Satanica potestas, omnis incursio infernalis adversarii, omnis legio, omnis congregatio et secta Diabolica, in nomine et virtute domini Jesu Christi eradicare et effugare a dei ecclesia, ab animabus ad imaginem dei conditis ac pretioso divini agnis sanguine redemptis.‘

Der alte Mann riss eher ungewollt den Rachen auf und schwarzer Rauch strömte aus seinem weit auf gesperrten Mund. Dann brach der Mann zusammen und die biblischen Broschüre von der Gemeinschaft zur Lobpreisung des Klang Gottes verstreuten sich über die Straße.

‚Anfänger!‘ meinte die Frau kopfschüttelnd und ging gemütlich weiter die Straße entlang, spannte den pinken Regenschirm auf und pfiff ein bekanntes Kirchenlied.

Es regnete gar nicht…

Mann am Straßenrand

Mann am Straßenrand

endeEs steht ein Mann am Straßenrand mit einem Schild in der Hand: ‚Gott liebt dich!‘ Es regnet wie aus Eimern, aber es scheint ihn nicht recht zu stören. Eine Frau hastet an ihm vorbei, einen pinken Regenschirm hinter sich her zerrend. Er stellt sich ihr dreist in den Weg und drückt ihr eine durchnässte Broschüre in die Hand.

Sie hätte ihn beinahe über den Haufen gerannt, nahm ziemlich perplex die Broschüre entgegen und meinte: ‚Entschuldigen Sie…!‘
‚Sie brauchen sich bei mir nicht entschuldigen!‘

Sie zog nur eine Augenbraue hoch und meinte in einem etwas strengeren Tonfall: ‚Entschuldigen Sie mal…!‘ Gab es aber gleich auf mit dem Mann reden zu wollen, weil er nur verträumt in die Himmel starrte und sich freute, dass es immer noch unaufhörlich regnete.

‚Wenn Sie mit mir über Gott und die Welt reden wollen, sind sie bei mir an der falschen Adresse!‘ rief sie und machte Anstalten zu gehen.

‚Hören Sie den Klang Gottes?‘

‚Gott weint über den Wahnsinn in der Welt!‘ meinte sie bitter und schüttelte den Kopf.

‚Die Kinder Gottes preisen den Klang Gottes.‘

Es donnerte und die Frau wollte schon wieder gehen. Langsam wurde ihr der Mann ziemlich unheimlich.

‚Das Ende der Welt ist nahe!‘ schrie sie gegen den Regen an.

Der alte Mann hielt sie am Arm und Schulter fest und zischte ihr ins Ohr. ‚Höre meine Worte, ich als bibelglaubender Christ glaube daran, dass mein zentrierter Geist in das Reich Gottes einfährt, denn meine Gebete sind die Leidenschaft armer Seelen, mein Lobpreis singe ich nur zur Anbetung an Gottes Klang. Meine Jüngerschaft ist die visionäre Leiterschaft für aufopferungsvolles Geben und meiner Verpflichtung den großen Auftrag zu erfüllen. Die Vision Unerreichtes zu erreichen und die nicht geteilte gute Nachricht des Reich Gottes mitzuteilen.‘ Als er endlich Luftholen musste, riss sie sich los und verpasste ihm eine saftige Ohrfeige. ‚Höre den Knall meiner Hand auf deinem Gesicht, perverser Lüstling.‘

Vor der Tür

Vor der Tür

paranoia1Spät abends, kam eine Frau erschöpft nach Hause. Sie war ganz in Gedanken versunken und grübelte, als sie von ihrem Wagen über den Hof ging. Sie trug sieben Sachen: ihre offene Handtasche, eine McDonalds Tüte, eine Papiertüre vom DM, einen Thermobecher, einen Getränkebecher vom McDonalds, eine Flasche Wasser und ein Paket Klopapier. Lieber sich einen Bruch heben und in Kauf nehmen, dass was runter fliegt, als zweimal gehen zu müssen. Sie grübelte immer noch, als sie ums Haus lief.

Das Licht ging an, sich konnte gerade noch einen Schatten erkennen, der sich plötzlich auf sie zu bewegte. Sie erschrak, schrie, riss die Arme hoch und lies gleichzeitig die Getränkebehälter fallen. Das Klopapierpaket glitt zu Boden und die Flasche Wasser kullerte über den Boden. Der Inhalt ihrer Handtasche explodierte schier heraus und verteilte sich im Umkreis von zwei Metern um sie herum. Der Inhalt der Getränkebecher explodierte ebenfalls, als sie am Boden auftrafen und duschten sie mit Sprite und Kräutertee.

Jemand trat ins Licht. Dieser Jemand hatte einen kleinen Blumenstrauß in der Hand, der schon ein wenig welk aussah. Er stammelte: ‚Sorry, ich wollt dich nicht…!‘

Sie stand immer noch stocksteif da, schnappte hilflos nach Luft und starrte fassungslos auf den jungen Mann, der nervös vor ihr stand und von einem Bein aufs andere trat und nicht recht wusste, wie er die Situation retten sollte.

Die Papiertüre vom DM gab nach und der Inhalt rauschte auf den Boden. Sie fing an zu zittern und ging langsam in die Knie. Bei dem Versuch sich ans Herz zu fassen, lies sie auch noch die McDonaldstüre fallen und zwei Cheeseburger purzelten heraus.

Er stand noch eine Weile wie erstarrt vor ihr. Sie rang nach Luft.

Endlich begriff er, dass sie wirklich Atemnot zu haben schien. Er stürzte zu ihr auf den Boden.

‚Hey, Hey, ganz ruhig. Ich bins doch nur.‘ rief er erschrocken.

Sie schnappte weiter nach Luft.

‚Ich wollte dir eine Freude machen.‘

Sie zog schwerfällig die Luft durch die Zähne ein und meinte nur: ‚Sag mal, bestalkst du mich? Kannst du nicht vorher anrufen?‘

‚Mein Handy ist kaputt, ich dachte ich könnte dich überraschen?‘

‚Schau dir den Mist doch an, das ist dir ja auch wirklich gelungen!‘

‚Sorry!‘ meinte er kleinlaut und hielt ihr die Blumen und einen der Cheeseburger hin.

Vergebene Liebesmüh

Vergebene Liebesmüh

endeEine junge Frau eilte die Straße entlang. Sie lief an einem alten Mann vorbei, der am Straßenrand stand. Die Gestalt des alten Mannes war so merkwürdig, so dass sie sich nochmal zu ihm umdrehen musste und dabei beinahe gestolpert wäre.

Der alte Mann hatte ein schmutziges und zerschlissenes Unterhemd an und eine ausgebeulte Jogginghose, die viel zu kurz war. Außerdem trug er Badeschlappen und Tennissocken mit so großen Löchern, dass sie seinen widerlichen großen Zeh sehen konnte. Aber das Seltsamste an diesem Mann war, dass er völlig unbeeindruckt ein Ohrputzstäbchen im Ohr stecken hatte und die andere Seite das Ohrputzstäbchens war, der Farbe nach zu urteilen bereits ausreichend benutzt worden.

Die Frau lief kopfschüttelnd weiter, weil sie es sehr eilig hatte. In der Hand trug sie einen Stoffbeutel mit der Aufschrift: ‚Plastik nein Danke! Der Umwelt zu liebe!‘

Sie hatte sich für den Dienst beim Infostand des hiesigen Tierschutzvereins eingeschrieben und wäre doch beinahe zu spät gekommen.

Sie sammelten Spenden für das neue Katzenhaus und sie hatte nun den ganzen Nachmittag vor sich, um die Anwohner hier zu bequatschen doch für den Tierschutzverein zu spenden, oder vielleicht sogar Mitglied zu werden.

Irgendwann fiel ihr ein Mann auf, der sie schon eine ganze Weile anstarrte und der dem alten Mann von vorhin zum Verwechseln ähnlich sah. Nur dass dieser Mann nicht ganz so alt zu sein schien und einigermaßen gut gekleidet war. Und nach dem er kein Wattestäbchen in sein Ohr gesteckt hatte, hielt sie ihn anfangs noch für völlig normal.

Da er sie allerdings schon seit geschlagenen 15 Minuten beobachtete, ohne näher zu kommen, aber da ansonsten keine weiteren Interessenten in der Nähe waren, sprach sie ihn doch an.

‚Schönen Tag auch!‘ trällerte sie ihm lächelnd entgegen.

Er nickte nur und ansonsten war in seinem Gesicht keinerlei Regung auszumachen.

‚Wollen Sie nicht für unser neues Katzenhaus spenden?‘ fragte sie direkt heraus, um es bald hinter sich zu haben.

‚Da unten am Ende der Straße wohnt so eine verrückte Alte, die hat auch Katzen.‘ meinte der Mann völlig emotionslos.

‚Ja, schön!‘ lächelte sie leicht verwirrt und wedelte mit den Spendenquittungen. ‚Und gewinnen kann man auch was!‘

‚Warum ’n Katzenhaus? Wenn da unten am Ende der Straße, doch schon ein Katzenhaus ist.‘ meinte der alte Mann und zeigte in die Richtung, wo anscheinend das Katzenhaus war und zischte ihr dann zu: ‚Da bei der verrückten Alten!‘

‚Der Tierschutzverein kümmert sich um artgerechte Haltung.‘

‚Das find ich gut!‘ meinte der Mann und kam nun doch näher und kramte in seiner Hosentasche. ‚Aber eine Frage hab ich noch?‘

‚Ja, fragen Sie!‘

‚Wenn Sie die Katzen artgerecht halten wollen, warum dann ein Haus für die Katzen?‘

‚Damit sie sich keine Parasiten holen und sie sich nicht unkontrolliert vermehren!‘

‚Das ist doch vergebene Liebesmüh, wenn sie doch eh verfüttert werden…?‘

‚Wie verfüttert!?‘

‚Ja, Sie verfüttern die Katzen doch, oder nicht?‘

‚Ähm, nein! Wie kommen Sie dazu, dass wie sie verfüttern?‘

‚Sie wollen sie doch artgerecht halten?‘

‚Ja, aber nicht als Futter!‘ rief die junge Frau schon leicht hysterisch.

‚Ist es nicht der Lauf der Natur, dass der Hund die Katze frisst?‘

‚Ja, aber Heut zu Tage doch nicht mehr!‘

‚Was hat das dann mit artgerecht zu tun?‘

‚Wir verfüttern keine Katzen an Hunde!‘

‚Nicht, dass die armen Hunde verhungern müssen!‘ meinte der Mann und warf 20 Euro in die Spendenbox. ‚Auch wenn es viel billiger wäre, wenn Sie die Katzen an die Hunde verfüttern würden. Da sparen Sie viel Geld.‘

‚Vielen Dank für die Spende, wenn die ihren Namen und ihre Adresse hier drauf schreiben, können Sie an der Verlosung teilnehmen.‘ meinte die Frau und schob ihm die Spendenquittung hin.

Der Mann drehte sich um und ging einfach. Sie konnte ihn nur noch murmeln hören. ‚Wäh, Katzen, die sind doch viel zu zäh. Die muss man doch mindestens 2 Wochen in Buttermilch einlegen, bevor man die kochen kann… Obwohl die Chinesen, die dünsten doch alles, damit es zart bleibt. Ja, dünsten…!‘ Dann war er zu weit weg.

Die junge Frau stand völlig bedröppelt da, starrte dem alten Mann nach und hatte nicht mal mehr die Kraft den Kopf zu schütteln.

Auf der anderen Straßenseite stand ein Mann mit einem Schild in der Hand auf dem Stand: ‚Das Ende der Welt ist nahe!‘ Er sah dem alten Mann verdächtig ähnlich, nur jünger.

Steht ne Frau an der Bushaltestelle

Steht ne Frau an der Bushaltestelle

busErst springt das blöde Auto nicht an, dann hat das Fahrrad einen Platten. Als sie sich zu Fuß aufmachte, fing es auch noch an zu regnen. Auf die Schnelle konnte sie ihren Regenschirm nicht finden und beim schnell schnell zur Bushaltestelle laufen ist ihr auch noch der Stöckel abgebrochen. Und das alles an ihrem ersten Arbeitstag.

Nun stand sie in einem runtergekommenen Bushäuschen, in dem noch nicht mal ein Fahrplan hing und es regnete in strömen. Das Bushäuschen war auch noch undicht und so stand sie da wie ein begossener Pudel. Zum Glück lag eine alte Zeitung auf der Bank, die sie sich nun notdürftig über den Kopf hielt und von einem Bein auf andere hüpfte, nicht weil sie nervös war. Sie versuchte nur den Tropfen auszuweichen, die durch das undichte Dach auf sie herab prasselten.

Ein älterer Mann ging in aller Seelenruhe ohne zu schauen über die Straße auf die Bushaltestelle zu. Er trug einen gestreiften Schlafanzug, Badeschlappen und einen offenen roten Bademantel. Und es schien ihn nicht weiter zu stören, dass es regnete. Seine nackten Füße quietschten bei jedem Schritt in den Badeschlappen und ihr stellte es bei dem Geräusch die Nackenhaare auf.

Der Mann blickte sie für einen Moment freundlich an und meinte: ‚Schönes Wetter heute!‘

Die Frau schüttelte verständnislos den Kopf und tat so, als ob sie die durchweichte Zeitung lesen würde.

Eine gefühlte halbe Stunde standen sie beide in dem Bushäuschen und es geschah nichts, außer das der Regen nun quer daher kam und sie sich weiter unter das löchrige Dach des Bushäuschens zurück zog. Der alte Mann stand im Regen und lächelte.

Nach einem Moment kam eine weißgekleidete Frau mit einem pinken Regenschirm über die Straße gelaufen und meinte: ‚Herr Schicklgruber! Ich grüße Sie, schön dass Sie schon da sind! Jetzt aber schnell, das Essen ist gleich fertig!‘

Erst als die Beiden schon fast um die nächste Straßenecke verschwunden waren, kam es ihr, dass es eine Krankenschwester gewesen sein musste.

Wenig später kam ein Lieferwagen mit der Aufschrift ‚Sanatorium Herschiba Kimmelmann‘ um die Ecke gebogen und der Wagen hielt an der Haltestelle. Der Fahrer kurbelte die Scheibe runter und meinte: ‚Hey Lady, hier kommt kein Bus! Das ist eine Fakehaltestelle!‘

‚Bitte was!?‘ schrie die Frau gegen den Regen an.

‚Hüpfen Sie schon rein, Sie werden ja ganz nass!‘

Sie humpelte los, lief um den Wagen herum und stieg ein. Im Wagen blickte sie ein breit grinsender Mann an, der offensichtlich schwarze Hautfarbe hatte.

‚Sie sind aber ganz schön mutig, einfach bei einem schwarzen Mann ins Auto zu steigen.‘ lachte er ihr herzlich entgegen. Er hatte so eine angenehme und witzige Art und versprühte so viel Lebensfreude, dass sie nie auf die Idee gekommen wäre, an etwas Schlimmes zu denken.

‚Ich weiß wo Sie arbeiten, steht auf dem Auto!‘

‚Und wenn ich den Wagen geklaut hätte!‘

‚Dann wäre das wohl wirklich nicht mein Tag heute!‘ meinte sie, zog ihren kaputten Schuh aus und betrachtete ihn scheel.

‚Scherz bei Seite, ich bin Hans Mutembe! Ich bin der Hausmeister von der Anstalt da hinten. Und die Haltestelle ist da nur, damit die Verrückten nicht so weit weglaufen.‘

‚Hab ich doch richtig verstanden. Fakehaltestelle!‘

‚Ja, die Leute wollen immer nach Hause, hauen ab und wenn sie dann an der Haltestelle stehen, vergessen sie was sie eigentlich wollten und dann holen wir sie wieder zurück und sie denken sie wären zuhause. Das ist sogar eine anerkannte Methode in der Demenzforschung.‘

‚Gut, dass ich das jetzt weiß, sonst würde ich morgen noch da stehen!‘

‚Wo wollen Sie denn hin. Ich muss zum Rechts der Isar, einen Abholen. Ist billiger, wenn ich das mache, als wenn die nen Krankentransport schicken müssen.‘

‚Sie können mich da irgendwo rausschmeißen, ist eh voll super, dass Sie mich mitnehmen.‘

‚Ne, kein Problem, ich kann Sie doch nicht im Regen stehen lassen.‘

‚Ich bin Ihnen auch echt ungemein dankbar, wenn Sie jetzt noch einen Kleber hätten, dann sind Sie mein Held.‘

‚Im Handschuhfach ist eine Rolle Tape!‘

Sie machte das Handschuhfach auf und darin war nicht nur eine Rolle Tape, sondern auch eine Flasche WD 40! Sie zog die Flasche aus dem Handschuhfach, roch daran und dann machte sie das, was Frauen im Allgemeinen tun, wenn sie ein neues Parfüm testen. Und ganz beiläufig purzelten ein paar Worte aus dem Mund: ‚Wollen Sie mich heiraten?‘

Er blickte sie kurz an, grinste und meinte dann ziemlich trocken. ‚Ich kann Sie gar nicht heiraten!‘

‚Wieso? Sie sind schon verheiratet!‘ fragte sie verdutzt, legte das WD 40 weg und griff sich die Rolle Tape.

‚Nein, ich weiß doch gar nicht wie Sie heißen!‘

‚Oh, ich heiße Regen…!‘ meinte sie und zog ein Stück Tape von der Rolle ab, was ihren Satz mit dem typischen Geräusch unterbrach und sie fortfuhr. ‚Mali Regen!‘

‚Sie wissen, dass Mali auf Bambara Nilpferd bedeutet!‘

‚Ja, das weiß ich schon und Reichtum auf Suaheli, meine Eltern haben sich bei Ärzte ohne Grenzen kennengelernt, deshalb der Name!‘

‚Oh, was für ein Zufall, meine auch!‘

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