Durch Lauch Durchlaucht

Durch Lauch Durchlaucht

Oder vom Lauchen und gelaucht werden…

LeekEs gibt so Tage, da sollte Mann besser im Bett bleiben und sich einfach die Decke über den Kopf ziehen, weiter schlafen oder sonst was machen. An solchen Tagen, sollte Mann einfach nicht den Fehler machen aufzustehen.

Doch ist es meist die Arbeit, die einen aus dem Bette zwingt, auch wenn es bei diesem Beruf meist erst zur Mittagsstund ist.

Beruf kann man es nicht nennen, so ist es eher eine Berufung. Und die Berufung ist es, die mich immer wieder hinunterlaufen lässt in die große Halle und dort dann auf Gedeih und Verderb dem Jubel und dem Applaus des adeligen Pöbels ausgeliefert zu sein und der bösen Tritte meiner Durchlaucht und den weniger bösen Tritten seiner Gemahlin.

So bin ich es und so stehe ich hier, jeden Tag in der Mitte der Halle vor dem Throne meines Königs und gebe zum Besten was ich in der harten Schule des Lebens gelernt habe und später dann zieht meine Kunst mich von Seitensprung zu Seitensprung, auf dass es mir einmal das Kreuz brechen möge…

Und genau aus diesem Alptraum erwachte ich schreiend und wunderte mich gar seltsam wo ich denn lag, als mir die grelle Fratze schier die Äuglein ausbrannte. War es doch die Kammer der Königstochter und das Geschrei war nicht nur von mir und auch nicht von ihr, es war von der Königin selbst.

Sie rief gar laut und kreischte dabei, dass es mir dabei den Atem gefrieren ließ: ‘Was hat sie, was ich nicht habe?’

Ich verschluckte einen Kommentar und machte Anstalten mich so unauffällig wie möglich davonzustehlen zu wollen, während sie sich die wohlfrisierten Haare raufte.

Doch lag ich wahrlich nicht allein in dem Bette, die Königstochter lag auch drin, beziehungsweise auf mir drauf.

Splitterfasernackt und den Ausblick, den ihre Mutter zu haben schien, erfreute sie noch weniger als die Tatsache, das ich überhaupt hier war.

Im nächsten Moment wurde ich schon eher unschön und grob gepackt und zum Kerker geschleift, wo man mich im hohen Bogen in das tiefe Loch warf, wo sonst nur Strauchdiebe, Wilderer und Mörder landeten.

Ich sollte heute noch angeklagt werden. Das ging aber schnell.

Eine schwarz umhüllte Gestalt, die unschwer als Henker zu erkennen war, schleifte mich aus dem Verließ und brachte mich in einen Raum, den ich als den alten Vorratskeller kaum wiedererkannte. So hat man hier in Windeseile einen Gerichtssaal eingerichtet. Nur dass in diesem Raum kein Richter und auch keine Geschworene auf mich warteten. Kein Mann war hier, außer mir und auch der König wart nicht vor Ort oder wenigstens ein Priester.

Es waren nur Frauen in diesem Raum, sogar die Äbtissin vom Kloster unweit des Schlosses. Und als es mir gewahr wurde, dass ich mit all diesen Damen hier bereits ein Stelldichein gehabt hatte, von der Äbtissin mal ganz abgesehen, aber ein paar ihrer Schwestern haben mir schon den Peter poliert.

Dass ich für meine Taten höchstwahrscheinlich in der Hölle lande, war mir klar. Doch die Äbtissin habe ich nie angerührt, das schwöre ich bei Gott.

Bloß dass hier, war viel schlimmer, alles all das was der Pastor uns am Sonntag immer predigte.

Die Äbtissin erhob das Wort: ‘Bringt den Beschuldigten nach vorne!’

Erst jetzt erkannte ich, dass die starken Arme, die mich in den Raum zerrten auch von einer Frau waren. Unter der schwarzen Kapuze konnte ich die Rundungen ihrer enormen Brüste sehr gut erkennen. Das muss die Metzgerstochter sein. Sonst schleppt sie Schweinehälften hin und her und jetzt trägt sie mich fast auf den Sündenstuhl und den Kaibestrick, mit dem sie mich fesselte, den hab ich ihr auch schon mal angelegt.

‘Hierbrut Brunftbichlmeier, Hofnarr seines Zeichens, wird hier und heute angeklagt der Vielweiberei, des Ehebruchs und des Betrugs!’ rief die Äbtissin laut und donnerte mit dem Hammer auf ihren Tisch. Sie hat meinen vollen Namen gesagt. Jetzt kann ich mir eine neue Anstellung suchen, falls ich das hier überlebe, weil mit so einem Namen nimmt mich selbst als Narr keiner ernst.

Rufe wurden laut: ‘Mit so einem Namen muss er schuldig sein!’ Eine überreife Tomate traf mich am Hinterkopf. Der Hammer der Äbtissin schlug wieder auf den Tisch ein.

Die Klägerinnen betraten den Gerichtsaal und ein Raunen ging durch die Menge. Auch wenn ich sie nicht sehen konnte, es war die Königin und Ihre Tochter. Ich konnte es am Knistern ihrer Kleider hören und an der Menge wie sich leicht zurückwich.

Als sie nach vorne traten und sich dann links und rechts von mir auf einen erhöhten Stuhl setzten, wurde es mir Angst und Bang. Einen Verteidiger würde ich heute wohl nicht bekommen.

‘Schneidet ihm die Lunte ab!’ rief die Menge.

Mir wurde schlecht. Mein Peter machte Anstalten nach innen flüchten zu wollen und ich fühlte mich von mir selbst penetriert.

‘Eure königliche Hoheit hat nun das Wort!’ rief die Äbtissin.

Sie räusperte sich: ‘Als ich heute morgen, meine unschuldige Tochter wecken wollte, fand ich sie nackt in ihrem Bette liegen und darunter lag dieser hier!’ rief sie laut mit zitternder Stimme, dabei zeige sie auf mich.

‘Wäre es Euch lieber gewesen, ich hätte es mit dem Stallknecht gemacht, verehrte Mutter?’ rief die Prinzessin erbost, weil es ja auch wirklich niemanden anging, dass sie dabei nackend gewesen ist.

Die Königin kam in Erklärungsnot und da platzte es aus ihr hinaus: ‘Ja, liebe Tochter, dann hätte ich nicht die ganze Nacht in meiner Kammer gesessen und auf den Narren gewartet.’

‘Das ist ja allerhand, Mutter. Du treibst es hinterrücks mit dem Narren, wenn der Vater nicht am Hofe ist, zum Schachspielen wirst du dich ja kaum verabredet haben!?’

‘Was ist da schon dabei, es steht mir schließlich zu, als Herrin hier am Hofe!’

Die Äbtissin betete bereits lautstark zu Gott und schüttelte dabei apathisch den Kopf. Irgendwann wurde ihr die Streiterei der beiden Hoheiten zu wild und sie schlug wieder mit dem Hammer auf den Tisch.

‘Hat jemand etwas zu seiner Verteidigung hinzuzufügen?’

Als Antwort wurde ich mit Unmengen schalem Obstes beworfen. Nun werde ich von der Damenwelt befruchtet, für die Freuden, die ich Ihnen gebracht habe.

‘Hat noch jemand überhaupt etwas hinzuzufügen?’

Unter einem erneuten Hagels pelziggrünen Obstes versuchte ich meine gebundene Hand zu erheben. Die Äbtissin nickt mir zu.

‘Ich möchte meine Taten keineswegs abstreiten, noch leugnen, sie je begangen zu haben. Ich habe weder Versprechungen gemacht, noch habe ich Absprachen je gebrochen. Ich habe nie eine der Damen bevorzugt behandelt, oder sie gar verletzt oder beschädigt. Noch habe ich je eine Entlohnung verlangt für meine Dienste oder gar eine angenommen. Ich bin nur das Angebot und die Nachfrage war stets groß. Und Beschwerden gab es bis zum heutigen Tage nie.’

Die Menge tobte diesmal war es Gemüse, mit dem sie mich bewarfen. Das Obst schien schon alle zu sein. Etwas langes Hartes donnerte mir gegen den Hinterkopf und mir schwanden für einen Moment die Sinne. Der Geruch von Lauch drang in meine Nase.

‘Und nun befruchtet ihr mich, weil ihr eure Finger nicht von mir lassen konntet. So steckte mir die Kämmerin erst gestern einen Zettel zu, ich solle sie so bald als möglich dazwischenquetschen. Und half ich nicht der Müllerin schwanger zu werden, weil ihr Mann ihr kein Kind mehr schenken konnte. Und hab ich der Hofvorsteherin nicht einen blonden Jüngling zugeführt, um genau das selbe zu tun. Und das ist nun der Dank dafür, das ich stehts ehrlich das getan habe, was die Weiber von mir verlangten. Das Einzige was Eure Durchlaucht mir vorzuwerfen hat, dass ich alle Frauen gleich behandelte.’

‘Das wird ja hint höher wie vorn!’ rief die Äbtissin. ‘Wer hat denn nicht mit dem Narren gepudert?’

Ein paar Hände gingen zögernd in die Luft und ein Tuscheln ging durch den Raum.

‘Was gibt es da noch zu tuscheln, muss ich mich klarer ausdrücken. Wer hat mit dem Narren Unzucht getrieben, egal auf welche Art und Weise!’

Ausnahmslos alle Damen hoben die Hand. Auch die als Henkerin verkleidete Metzgerstochter. Die Äbtissin blickte auf eine paar Ihrer Schwestern, die am Rande des Kellergewölbes saßen und zögernd die Hand in die Höhe streckten. Völlig fassungslos schüttelte die Äbtissin einfach nur den Kopf und umklammerte krampfhaft den Stiel des Hammers.

‘Schämt ihr Euch überhaupt nicht, Ihr ausgeschamtes Weibsvolk.’ Ein Lauch klatschte in voller Länge der Äbtissin mitten ins Gesicht und Stille machte sich breit. Keiner traute sich etwas zu sagen oder gar zu lachen.

‘Wenn ich hier die Einzige bin, die noch nie die Hand nach der Hose des Narren ausgestreckt hat, dann soll es an Gott sein, ein Urteil zu fällen.’ rief die Äbtissin und schwang dabei den Lauch. ‘Und dieser Lauch wird mein Werkzeug sein!’

‘Ja, laucht hin!’ rief eine der Damen mit einer glockenhellen Stimme.

‘Nein, erlaucht ihn!’ rief eine Andere.

Die Äbtissin winkte der Metzgerstochter zu. Mir wurde mein Hemd vom Körper gerissen und man legte mich über die Bank und dann ging sie mir an die Hose und zog sie mir bis zu den Knien. Mein Arsch schien in die Menge wie der Mond in der Vollmondnacht und die Menge war ein zweites Mal völlig still. Meinem Hintern kann einfach keine widerstehen.

‘Eure Durchlaucht kriegt den ersten Schlag!’ meinte die Äbtissin. ‘Wehe ich höre es nicht angemessen klatschen.’ Sie stand auf und ging um ihren Tisch herum, um dann direkt vor mir fortzufahren: ‘Wenn der Lauch brechen sollte, dann hat Gott sein Urteil gefällt und die Jenige egal welchen Standes, wird den Narren ehelichen.’

Aus der Menge tobte es wieder: ‘Ich bin schon verheiratet!’ –  ‘Ich auch!’

‘Ich wäre nun ganz still, weil Ihr wart es die Ehebruch begangen habt, nicht er! Gott wird sein Urteil fällen ohne dabei seine Gebote zu brechen!’ rief wieder die Äbtissin und drückte den Lauch der Königin in die Hand.

Eure Hoheit blickte die Äbtissin mit hochgezogener Augenbraue an und lachte dann. Die Äbtissin stemmte die Hände in die Hüfte und machte eine ungeduldige Geste zum Kreuz an der Wand, bevor sie sich anschickte noch etwas zu sagen: ‘Ihr lacht, ich meine das ernst. Gottes Sohn am Kreuze ist mein Zeuge! Und dieser eine Schlag soll Euch genauso weh tun, wie ihm.’

Der erste Schlag ist der Schlimmste, heißt es immer. Es kommt nur auf die Menge an, sag ich. Die Äbtissin ließ sich einen Schemel bringen und blickte abwechselnd mir und der jeweiligen Dame ins Gesicht und nannte sie beim Namen. Sie fragte jede einzelne was sie genau mit mir getrieben hatte und für jede gab es eine weitere Buße, die sie noch zu tun hatten, nachdem sie den Lauch an die andere weitergegeben hatte.

Ich schüttelte manchmal unmerklich den Kopf, wenn die Damen nicht die ganze Wahrheit erzählten. Und dann gab es noch ein paar Vaterunser oben drauf.

Der Lauch hielt erschreckend gut durch und die Schlange der Damen wurde immer kürzer, bis nur noch die Metzgerstochter und die Königstochter übrig waren.

Das war der Punkt, an dem ich inständig zu beten begann. Der Schlag der Metzgerstochter würde nicht angenehm sein und der Schmerz würde auch nicht schnell vorbeigehen, doch der Lauch hielt. Ich konnte bereits meinen Hintern laut pochen hören, als die Königstochter zum Schlag ausholte. Das Klatschen übertönte das Getuschel von hastig gesprochenen ‘Vaterunser’ und ‘Maria voll der Gnaden’ Litaneien. Und das Knacken des Lauches überschalte selbst die gottesfürchtigesten Gesänge.

‘Der Herr hat uns durch den Lauch ein Zeichen der wahren Liebe gesandt, Halleluija!’ rief die Äbtissin. ‘Und die Buße Eurer Durchlaucht ist es, es Eurem Gemahl schonend beizubringen und den Narren als Schwiegersohn in Eurer Familie stets willkommen zu heißen.’

‘Durch Lauch Durchlaucht!’ rief ich und jemand küsste mich auf den Hintern und ich rief lauthals: ‘Ein Wunder ist geschehen, ich kann meinen Hintern wieder spüren.’

‘Übertreibt es nicht, Hierbrut!’ mahnte die Äbtissin. ‘Auch wenn Euch heute die Sonne aus dem Hintern scheinen möget. Der Herr gibt es, doch der Herr nimmt es auch wieder!’
Amen

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Von Wasser, Sand und Krieg

Von Wasser, Sand und Krieg

hofnarrDer Narr tapste einen steinigen Abhang hinunter. Der Teufel schien nicht hinter ihm her zu sein, dennoch lief er zielstrebig bergab. Erschreckend behände schlich er über Stock und Stein, obwohl seine Schuhe viel zu groß zu sein schienen. Die Schellen seiner Narrenkappe wurden nur durch seine leisen Schritte bewegt und seine niemals stummen Begleiter raunten dumpf neben seinen Ohren. Und zwischen seinen Ohren dröhnte etwas Anderes. Nicht laut aber stetig. Es rumorte in seinem Inneren, wie ein schwaches Tier in einem dunklem Käfig, dass unablässig an den Wänden seines Gefängnisses kratzt und doch nie in die Freiheit gelangen würde.

Ein futuristisches Rauschen, schlimmer noch als jeder Wasserfall. Ein nervenaufreibendes und immer und immer wiederkehrendes Rauschen. Soviel Wasser. So viel Wasser der Himmel nie würde weinen können und dennoch rauschte es unaufhaltsam vor seinem inneren Auge, wie ein Feuer dass sich auf seiner Netzhaut eingebrannt hatte.

Er rannte einer Sehnsucht entgegen, einer Hoffnung, der Linderung seiner unsäglichen Leiden. Nur einen Moment der Stille, mehr wollte er nicht. Ruhe, einfach nur Ruhe.

Er ging dem Sonnenuntergang entgehen. Bis seine Füße nicht mehr konnten und wenn er sich auf seinen blutigen Stümpfen bis ans Ziel schleppen musste. Er würde es tun. Er wurde so lange gehen, bis die Welt zu Ende ist.

Und am Ende der ihm bekannten Welt, soll das Meer sein.

Er hatte das Meeresrauschen nie vernommen, doch hatte er eine klare Vorstellung davon, wie die Wellen endlos Wasser gegen die Felsen droschen, wieder und immer wieder, bis auch vom dem größten Stein nur noch Sand übrig bliebt. Sand im Getriebe der Zeit, der dazu verdammt war durch jeden Mannes Finger zu rinnen.

So ist die Zeit eine unerbittliche Hure, die einem am Ende das Leben kosten würde.

Und bis es so weit kommen würde, hatten die Götter noch alle Zeit der Welt, ihm bis zum bitteren Ende zu Tode zu quälen. Sich dagegen wehren wäre ein sinnloses Unterfangen.

Sinnloser noch als gegen Windmühlen zu kämpfen. Er war der Mittelpunkt eines Krieges, in dem er selbst nur ein Spielball der Götter war.jokerDer Sinn für seinen Humor war gänzlich untergegangen, vom Krieg verschlungen. Seine Witze waren nur noch Schall und Rauch und er würde niemals wieder einen Lacher hören, nur noch dieses unsägliche Rauschen. Aus seinem lachenden Auge ran eine einsame Träne. Es war nicht sein Krieg, doch hatte man ihn in den Mittelpunkt gezerrt, wie einen Sklaven in die Arena. Kämpfen sollte er, für eine Sache die nicht die Seine war. Nur dass niemals wieder jemand klatschen würde, oder ihm gar zujubeln. Doch es würde nicht sein Krieg sein, er konnte nichts tun, er konnte nur noch warten bis der Sturm vorüber war, um dann in der Stunde seines Todes festzustellen, dass er doch darum hätte kämpfen können.

Er spürte wie sein Herz zerbrach und bei jedem weiteren Schritt, konnte er die Scherben in seiner Brust klirren hören.

Wenn sein Leben Krieg sein sollte, dann hätte ich darum kämpfen können. Kämpfen. Jetzt.

Er zog die Narrenkappe vom Kopf, machte auf dem Absatz kehrt und stieg wieder den steinigen Weg hinauf.

Im Schein einer Kerze

Im Schein einer Kerze

jokerEr sitzt in einem kalten Raum, allein und nur der Schein einer einzelnen Kerze erhellt spärlich sein vernarbtes Gesicht.

Seine Kappe hängt traurig von seinem einst einmal so stolzen Haupt.

Das Rauschen des Windes dringt an sein Ohr. Fast unmerklich dreht er seinen Kopf, als könne er das Rauschen nicht mehr ertragen.

Sein Blick fällt auf die mit Brettern vernagelten Fenster und der Wahnsinn der aus seinen Augen durch den ganzen Raum zu humpeln schien, hätte den Wind eigentlich zum Verstummen bringen müssen.

Doch der Wind bäumte sich noch einmal auf, um mit einem letzten Windstoß eines der Bretter aus seiner Verankerung zu reißen, dass mit einem dumpfen Schlag zu Boden krachte.

Draußen konnte man die Kälte der Nacht schier sehen. Der Geruch von Schnee drang in seine Nase und ein mildes Lächeln huschte über sein Gesicht.

Eine Schneeflocke verirrte sich in den Raum. Er beobachtete sie, wie sie langsam durch den Raum segelte, um dann vor seiner Nase einen Moment inne zu Halten, bevor sein nächster Atemzug sie zum Schmelzen brachte.

Seine Augen starrten auf die Stelle, wo die Schneeflocke gerade noch inne gehalten hatte, doch sie war fort und würde nie wieder tanzen.

Eine einsame Träne trat aus seinem lachenden Auge hervor und gefror auf seiner Wange, noch bevor das flüssige Salz sein Gesicht verlassen konnte.

Er holte tief Luft. Irgendwas in seiner Lunge rasselte erbärmlich und mit dem Ausatmen begann ein nicht enden wollender Hustenanfall, der die Kerze zum Erlöschen brachte.

Im Dunkeln konnte man noch ein Geräusch wahrnehmen, das man nicht so recht einordnen konnte. Der darauffolgenden dumpfe Schlag hörte sich fast so an, wie das Geräusch davor, als sich das Brett vom Fenster löste, aber eben nur fast so.

Böse Zungen behaupten, es wäre das letzte Fünkchen seines eh schon wankelmütigen Verstandes gewesen, als man sich im Morgengrauen an dieses wahnsinnige Geräusch erinnerte, dass wie ein eisige Blitz durch die Nacht gehallt war, als der Narr des Nächstens von der obersten Zinne des Turmes sprang und man am Morgen nur noch seine Überreste vom Burghof kratzen konnte, hielt er immer noch die Kerze in der Hand, auf der eine wunderschöne Schneeflocke abgebildet war. Das Bild der Schneeflocke machte den Anschein, als hätte sie jemand auf eine unerdenklich filigrane Weise in das Kerzenwachs gebrannt. Am Sockel der Kerze stand: ‘Non mortem timemus, sed cogitationem mortis!’

Das waren auch die Worte, die der Pfaffe am Tag des Herren zu Beginn seiner Messe sagte: ‘Nicht den Tod fürchten wir, sondern die Vorstellung des Todes.’

Als der Messdiener dann die Urne mit den Überresten des Narren hinter der Friedhofsmauer verscharren wollte, stolperte er und fiel über die Stufen der kleinen Burgkapelle nach draußen in den Burghof. Die Urne zerbrach in tausend kleine Scherben und die Asche verteilte sich im Wind.

Was nach dem Tod ist, weiß nur der Wind.

Der Schalk im Nacken

Der Schalk im Nacken

jokerDer Narr des Königs lief gehetzt über den Hof, er hatte einen zerschlissenen Sack dabei, den er in dem Moment als es zu schneien begann, vor den Stallungen in eine Nische warft. Dann zupfte er seine Narrenkappe zurecht und schlich geduckt zum alten Burgfried hinüber. Das Schild der Burgtaverne hing schief über dem Eingang und der Name der Kaschemme war äußerst einfallsreich: ‘Zum alten Burgfried’

Er blieb im Torbogen stehen, der sich am Fuße der Treppe auftürmte, die hinaufführte in den Turm und hinunter in den Gewölbekeller führte, der nun die Burgtaverne beherbergte. Seitdem der Burgherr sich entschlossen hatte, die alte Folterkammer in eine Taverne umzufunktionieren, ging hier Jedermann ein und aus und für Jedermanns Heller, wurden hier die Humpen voll gemacht und vieles mehr…

‘Wer nichts wird, wird Wirt!’ Für diesen Satz hatte er schon ganz schön Prügel bezogen.

Egal, er watschelte die Stufen in den Gastraum hinunter, der wie immer nicht sonderlich einladend wirkte und blickte in die Runde. Zwischen den alten Foltergeräten standen einige Tische und Stühle, die vollbesetzt waren mit ein paar Wachen und Söldnern, die sich um ein und die selbe Hure stritten.

Die plötzliche Stille und das leise Getuschel, übermannte sein eh schon wankelmütiges Gemüt. Er zog mit einem missmutigen Grinsen im Gesicht seine Kappe vom Kopf und grüßte in die Runde: ‘Ein Bier und einen von dem Unaussprechlichen!’

Die Leute, die ihn eben noch stumm angestarrt hatten , begannen langsam wieder mit ihren Gesprächen, die sie eben nur unterbrochen hatten, um den Narren anzustarren, seit dem er in seiner üblichen Haltung Treppenabsatz stand. Er schlurfte gelangweilt an den Tresen, seine Schuhe sahen aus wie begossene Pudel mit Glocken.

Der Schnee schmolz langsam auf seinen Sachen und durchnässte seine Kleider noch mehr. Er blickte zur Theke hoch und kletterte auf einen der hohen Stühle, die vor dem Tresen standen. Der überaus hässliche Wirt stellte ihm einen Humpen Bier hin und goss ihm einen Becher voll mit diesem geheimnisumwogenen Unaussprechlichen ein und fragte: ‘Gibts was zu feiern!?’

‘Wie man’s nimmt!’

‘Na, denn Prost!’

Der Narr stürzte den Unaussprechlichen in seine Kehle, ohne zu schlucken lies er das Gesöff in seinen Rachen laufen. Wäre er nur ein liederliches Hurenweib geworden, dann hätte er sich schon jetzt zur Ruhe setzen können, aber mit seinem Aussehen und mit seinem kleinen Pint, hätten ihn nicht mal die alten Griechen genommen.

Er zog ein Notizbuch aus seinen Sachen und kritzelte mit einem abgebrochenen Kohlestift etwas hinein. ‘Nutzloses Talent Nr. 69 – keinen nennenswerten Schluckreflex besitzen!’

Einer der Söldlinge kam völlig durchnässt in den Schankraum gestolpert. ‘Gibt’s was von dem heißen Met! Ich kann meine Zehen und meine Finger nicht mehr spüren!’

‘Als ob Euch der heiße Met das Gefühl in Eure Finger zurückgeben würde!’

‘Was soll das heißen, Narr!? Die Weiber haben sich noch nie beschwert!’

‘Ja, weil sie mit jammervollem Geschrei beschäftigt waren!’

‘Wenn der hohe Herr nicht solch einen Narren an Euch gefressen hätte, dann würde ich Euch eure Verleumdereien in euer geschwätziges Schandmaul zurück stopfen.’

‘Seit wann Eucht Ihr mich, warum so förmlich, bin ich doch sonst nie mehr wert als den Dreck am Stiefel unseres Herren, der der über uns wohnt!’ rief der kleinwüchsige Narr und zeigte nach oben.

‘Anweisung von oben, warzengesichtiger Possenreißer!’

‘Im wahrsten Sinne des Wortes. Der Herr von oben, der zu uns spricht! Mir hört er schon lange nicht mehr zu!’ lamentierte der Narr und liebäugelte mit seinem Bier.

‘Seine Magnifizenz möchte, dass wir Euch so behandeln, wie auch der Herr die Seinen behandeln würde!’

‘Oh nein, mein letztes Stündlein hat geschlagen, der Herr behandelt mich wie seines Gleichen! Ich bin des Todes!’ schrie der Narr laut auf, jammerte und trank seinen Humpen in Windeseile leer, um dann weiter zu jammern: ‘Jammer, weh und ach…!’

‘Wie meint Ihr das?’

‘Sind nicht die letzten fünf Anverwandten unseres geliebten Hochwohlgeborenen eines mysteriösen und gar plötzlichen Unfalltodes gestorben?’ säuselte der Narr und machte dann die Geste des Abmurksens.

‘Das waren alles furchtbar traurige Unfälle!’ rief der Söldner ernst und funkelte den Narren wütend an.

‘Das würde ich auch sagen, wenn ich ein …!’ meinte der Narr und fing gottererbärmlich zu Husten an, als wäre er dem Ersticken nahe, man konnte aber ganz genau ein ‘Meuchelmörder!’ hören, mehrmals hintereinander.

Der Söldner packte ihn am Kragen und schrie ihn an: ‘Narr, ich rate Euch, halte dein losen Mundwerk.’

Der Narr riss sich los und landete auf dem Boden um im nächsten Moment auf seinen Stuhl zurück zu klettern. ‘Ach, stehe ich nicht gerade wegen meinem losen Mundwerk in Lohn und Brot bei unserer ehrenwerten Durchlauchtigkeit!’

Der Söldner biss sich auf die Zunge, schnappte seinen dampfenden Becher und verschwand an einen Tisch, an dem drei von seinen Kameraden saßen und schon heftig miteinander tuschelten.

‘Noch einen doppelten unaussprechbar Widerhaften!’ meinte der Narr.

‘Sagt mal, ist was? Ihr sauft doch sonst nicht so…?’ frug der Wirt.

‘Hab heute meinen freien Tag!’

‘Soso!’

‘Hab heute alle meine Erledigungen gemacht, für die ich sonst immer keine Zeit habe und nun sitz ich hier, ich armer Tor allein an deinem stinkenden Tresen!’

‘Ihr habt wenigstens einen freien Tag!’ nuschelte der Wirt.

‘Ja, aber mir wäre eine Unterhaltung lieber oder einfach nur einen stummen Saufkumpanen.’

‘Das könnte an Euren Beruf liegen!’

‘Wie als Hofnarr darf man keine Freunde haben?’

‘Als Hofnarr lebt man ziemlich einsam und gefährlich!’ zischte der Wirt und blickte so unauffällig wie möglich zu dem Tisch der Söldner hinüber.

Die Söldner tuschelten immer noch miteinander, waren sich wohl in einem Punkt einig geworden und standen gleichzeitig vom Tisch auf. Einer der Stühle fiel um und im nächsten Moment hatten sie sich den Narren gegriffen und in die Höhe gerissen. Seine verbogenen Stummelbeine baumelten in der Luft und sein Gesicht wurde genau auf die Schlaghöhe ihres Redelsführers gebracht, der bei jedem Wort ihm einen Faustschlag ins Gesicht verpasste: ‘Das… wird… Dir… hoffentlich… eine… Lehre… sein!’

‘Was ist mit dem Euchen?’ spuckte der Narr mit einer Blutfontäne hervor.

‘Das… wird… Euch… hoffentlich… eine… Lehre… sein!’ rief der Söldner noch einmal und schlug dabei staccato in das blutige Gesicht des Narren. Seine Narrenkappe blieb auf dem Kopf, als wäre sie angewachsen und die Glocken bimmelten bei jedem Schlag.

Als er mit dem Narren fertig war, ließen seine Leute ihn einfach fallen. Mit einem Klatschen traf das zerschundene Gesicht des Narren auf dem schmutzigen Tavernenboden auf. Er spie eine weitere Blutfontäne heraus und presste folgende Worte hervor: ‘Oh Herr, ja und ich halte auch die linke Wange hin, du abartiger Bastard!’

Nun wurde er auch noch gestiefelt, bis ihn die nahende Ohnmacht beinahe erlegt hätte. Nun wurde er die Stufen hochgeschleift und landete in einem Haufen Schnee, bevor die frische Luft ihm noch eine mit dem Holzhammer verpassen konnte. Der arme Tor war ziemlich weggetreten und wurde erst stutzig, als er ein paar Knöpfe hörte, die an kaltes Leder schlugen. Jemand hatte seinen Hosenlatz geöffnet.

Der Anführer pinkelte neben dem Narren in den Schnee, drehte sich ganz langsam in seine Richtung und fing langsam und behäbig an zu reden: ‘Wir hauen dir einfach so lange auf die Schnauze, bis es dir endgültig die Sprache verschlägt, witzloser Trunkenbold!’

Die Pisse pritschelte auf die Schuhe des Narren und süßer die Glocken nie klangen und genau deswegen antworte der Narr in aller Seelenruhe: ‘Da könnt ihr stinkenden, inzuchtgeplagten Ziegenficker warten bis zum Sankt Nimmerleinstag!’

Kurz bevor der Pissestrahl sein Gesicht erreichen konnte, versiegte die Quelle mit einem merkwürdigen Gurgeln und der Narr fing herzhaft an zu lachen. Ein paar einsamen Tropfen fielen noch auf seinen Wams und er bog sich vor lachen und kieckste: ‘Meiner mag zwar gotterbärmlich klein sein, aber wenigstens schafft er immer dass, was ich mir vornehme damit zu tun!’

Die Retourekutsche bekam er sogleich ins Gesicht getreten, darauf lachte der Narr wieder schallend und spuckte einen blutigen Zahn in den Schnee: ‘Ihr wisst ja nicht was ich gewesen war, bevor ich Hofnarr geworden bin!’

‘Was wird er schon gewesen sein, steckt doch ein Schalk in jeder Faser von ihm…!’ rief der Anführer der Söldner zu seinen Männern. Der Narr kroch über den Schnee und versuchte auf allen Vieren zu flüchten. Und wenn man auf den Narren geachtete hätte, dann hätte man ein kleines Blitzen in seiner Hand gesehen, der Mond muss sich für einem kurzen Moment in irgendwas gespiegelt haben, dass der Narr in seinen Fingern hatte.

Der erste Söldner hatte den Narren eingeholt, doch der nasse Witzbold rutschte ihm durch die Finger. Der Söldner fluchte und blieb plötzlich wie zur Salzsäule erstarrt stehen. Als der Narr an seinem Angreifer vorüberkroch, stürzte dieser auf die Knie, bekam Schaum vor den Mund und kippte vornüber in den Schnee, als der Narr ihn passiert hatte. Seine zwei Kumpanen stürzten sich auf den Narren und wenig später stand der Witzbold über ihnen und spuckte in ihre schaumverschmierten Gesichter. Ein hohles Gelächter purzelte über die Lippen des Narren und meinte dann ganz ernst und trocken: ‚Nur ein Meuchelmörder erkennt einen Meuchelmörder!’

Plötzlich sauste eine Axt an seinem Kopf vorbei, ein paar der Glocken wurden von seiner Kappe getrennt und trudelten hinter der Axt her, die hinter ihm in einem der beiden gefällten Söldner zitternd stecken bleib. Der Narr grinste mittlerweile reichlich grimmig und sprang auf den Anführer. Kurz vor ihm kam der Narr wieder auf den Boden, rutschte auf dem Schnee zwischen den Beinen des Söldners hindurch und stach dem einsamen Redelsführer dabei mit einer dünnen Nadel in den Fuß. Man konnte wieder dieses Blitzen sehen, als der Mond im Begriff war hinter der nächsten Wolke zu verschwinden.

Der Anführer stand erschrocken mitten im Hof und der Wind wehte in seinen offen stehenden Mund. Dann sankt der Mann auf die Knie. Der Schalk sprang dem Söldner in den Nacken und steckte ihm eine angespitzte Stricknadel in den Hals. Mehrmals. Und bei jedem Stich spritze mehr Blut heraus. Irgendwann ging der letzte Söldner mit samt dem Schalk im Nacken zu Boden. Der Narr rutschte von seinem Rücken und schlittere zu den Stallungen zurück, wo immer noch sein Bündel lag. Er ließ es sich auch nicht nehmen, die Männer zu plündern.

Still lenkte er seine Schritte weiter auf das Burgtor zu und pfiff sich sein und sang dazu: ‘Weil du heut Geburtstag hast!’

Nutzloses Talent Nr. 70: Töten mit Haushaltsgegenständen

Der Hofnarr hüpft von einem Stein zum Anderen

Der Hofnarr hüpft von einem Stein zum Anderen.

hofnarrJeden Tag eine gute Tat, manchmal sogar 2 oder 3.

Auch wenn es einem keiner dankt, doch fühlte er sich immer wohl dabei.

Er blieb auf einem Stein stehen und blickte herab.

Winzig kleine Punkte da unten auf dem Burghof. Wie sie rege ihrer Beschäftigung nachgehen, die Narren.

Er springt weiter zum nächsten Stein und blieb in einer verkrümmten Haltung auf dem Stein sitzen und spuckte herab.

Auch wenn sich keiner um ihn kümmerte, ging es ihm doch immer wohl.

So war er sich doch immer selbst genug. Er hatte doch immer ein Dach über den Kopf und es fehlte ihm an nichts.

Gut, einsam war es in seiner Kammer und ein Wenig zugig. Vor allem im Winter und wenn es regnete oder wenn der Wind ging.

Aber in lauen Sommernächten war es doch ganz lauschig in seiner Kammer.Narr_

Einsam aber Lauschig.

‚Seht, der Narr! Er tanzt auf den Zinnen!‘ konnte man von unten rufen hören. ‚Und wie er tanzen kann, der Narr!‘

Und da saß er nun auf der Lauer. Und spuckte wieder herab von der Mauer.

Die Menschen lachten, über einen Tropfen Spucke des Narren.

Was für ein Schelm er sein konnte. Haha! Wie erbärmlich es ist über seine eigene Scheiße zu lachen.

Er zog den Rotz von ganz tief unten herauf und ließ seinen Lungaharing frei und er flog hinab zu den Menschen und sie lachten.

Sie lachen sogar über den größten Rotz, die Narren.

jokerWie gerne würde er ausbrechen aus seinem Schicksal.

Raus hier, weg hier.

Die Narrenkappe ins Feuer werfen und seiner Wege ziehen.

Aber was konnte er schon außer andere Leute zum Lachen bringen.

Auch wenn sie oft über seinen Rücken hinweg Witze machten.

Sie lachten über ihn.

Und dann tat es ihm ganz tief in seinem Herzen weh, wenn sie über ihn lachten.

Sein Herz, was einst gebrochen war.

Warum hatte er schon längst vergessen.

Doch war es so, dass kein Zauber dieser Welt heilen kann, was einst in Liebe erblüht und doch in Einsamkeit zerbrochen ist.

Doch jeder Lacher, der auf seine Kosten ging, brachte wieder einen Splitter dazu von seinem Herzen zu springen.

Und jedes Mal wenn er selbst lachte, dann konnte er die Splitter seines Herzens in seiner Brust tanzen hören.

Doch konnte er nicht aus seiner Haut.hofnarren_03

Aber er wollte es doch so sehr, es war aber zu spät.

Er hätte es sagen können, warum es zerbrochen war. Doch er tat es nie.

Ihm fehlten damals die Worte und heute fanden sie nicht mehr auf seine Zunge zurück.

Auch wenn er doch so viel sagen wollte, auch wenn er doch nie verstanden werden würde.

Verständnis wäre es, das ihn heilen hätte können.

Doch das Verständnis in der Verständnislosigkeit dieser grausamen Welt, wo jeder nur auf sich selbst schaut. Was würden nur die Leute sagen. Ja, was?

Und am Ende stellt man fest, man hätte einfach mal nur über seinen eigenen Schatten springen müssen und es einfach mal drauf an kommen lassen müssen, sich von der ganzen Welt einfach mal am Arsch lecken zu lassen und einfach mal drauf schauen, dass es einem selbst gut geht und denen, die man liebt.

Er sprang über seinen eigenen Schatten. Und tat es dem gleich, den er einst geliebt hatte.

Ist Schweigen eine Blume?

Ist Schweigen eine Blume?

Thelocactus freudenbergeri1.jpgHeißt Schweigen nun Gold oder Silber oder eine Blume, wie ein altes japanisches Sprichwort sagt. Oder Zustimmung oder nicht? Oder schweigen nur die Genießer?

Oder ist Schweigen das Ende, weil es schon in Hamlet hießt: ‚Der Rest ist Schweigen!‘ Oder ist das Schweigen erst der Anfang?

‚In dem Sie schweigen, rufen sie laut!‘ sagte einst Cicero. Aber eigentlich ist Schweigen genauso scheiße wie warten und ich hasse es zu warten.

Gilbert Keith Chesterton sagte: ‚Schweigen ist die unerträglichste Erwiderung!‘

Ich kenne den Mann gar nicht und musste erst mal nach Gilbert Keith Chesterton googeln, aber ich kann da nur beipflichten. Aber auf eine geschwiegene Zustimmung kann man doch in der heutigen Zeit auch verzichten, wenn man doch nur drei simple Worte hören will, oder nur zwei, oder vielleicht sogar nur eins.

Oder sogar nur eine Zahl, 42 vielleicht!?

Der Hofnarr hat gesprochen…

 

Gib mir mein Herz zurück…

555083_4553967653886_1525295369_nGib mir mein Herz zurück…

Verdammt, gib mir mein Herz zurück!

Und nimm die Schmetterlinge mit, damit ich endlich schlafen kann…

Dichtung aus dem Narren irrer Federkunst

Narr in dröger Gesellschaft

Narr in dröger Gesellschaft

jokerNun sitzt er da, der arme Tor, auf den Stufen vor dem Thron und wartet darauf, dass etwas Aufregendes geschehen möge. Denn die unachtsamen Tritte und spitzen Kommentare und sonstige Anzüglichkeiten langweilten ihn schon so lange er denken konnte.

Sonst ist bei Hofe leider nichts los und wenn er heute Tod umfallen würde, würde der Hofstaat wahrscheinlich in einen tiefen, tiefen Schlaf versinken und nie wieder erwachen. Weil selbst seit dem er am Hofe seine Aufwartung gemacht hatte, gingen die Meisten doch immer noch zum Lachen in den Keller.

Das Aufregendste was in den letzten Jahren passiert ist, war als er in seinem ersten Jahr von den Stufen zum Thron stolperte und dabei einen unbesetzten Stuhl mit sich gerissen hatte, der dann umfiel! Es haben tatsächlich ein Paar geschmunzelt. Das ist nun 8 Jahre her.

Einmal hatte er eine unpassende Bemerkung darüber gemacht, dass hier alle zum Lachen in den Keller gehen würden und dass für diese traurige Tatsache der Thronsaal aber immer ziemlich überfüllt wäre. Und dafür hatte der dröge König ihn mit einer Zitrone beworfen. Diese zerplatze auf seinem Kopf und die Wucht des Aufpralls lies ihn zurück taumeln. Er rappelte sich wieder auf und meinte nur lautstark: ‚Mein Herr, Ihr habt mich befruchtet.‘ Das war sein größter Moment. Und diesen einen Lacher würde er bis an sein Lebensende nie vergessen.

Das war aber das Einzige mal, als man ihm einen Ball zugeworfen hatte und er betete inständig jeden verdammten Tag hier am Hofe, es möge ihm doch jemand einen Ball zuwerfen. Nur er würde ihn aufheben, damit spielen und sich dann im Gelächter der Menge suhlen.

Seine Tagträume wurden je unterbrochen, weil die Königin nichts Besseres zu tun hatte, als vor den Augen ihres Mannes mit ihrem hochwohlgeborenen Fuße dem armen Narren am Hintern herumzuwirtschaften. Der König war aber seit jeher nur mit dem Zelebrieren seiner Langweile beschäftigt, dass er es wahrscheinlich nicht mal merken würde, wenn die Königin nackt auf seinem Gesicht säße. Nicht, dass sie es schon mal getan hätte. Der Narr grinste breit und ein besticktes Taschentuch flatterte vor seinem Gesicht vorbei. Die Königstochter war zum Spielen aufgelegt. Und er würde umgehend am Halse aufgehängt werden und von der höchsten Zinne baumeln, wenn die Königin heraus fände, dass der Narr es auch mit der Tochter triebe.

Aber nachdem dem Narren die Tage schon zu dröge waren, konnte er in den Nächten den Damen aber auch gar nichts abschlagen. So stahl er sich des Nächtens wie ein Dieb durchs Schloss und beglückte erst die Königin und wenn diese danach endlich eingeschlafen war, zerrten schon die Hände der Prinzessin an seinen Hosen. Und er machte was von ihm verlangt wurde. Und der König schlief jede Nacht den Schlaf des zu Recht Gelangweilten und bekam davon zum Glück überhaupt nichts mit.

Die Tochter beugte sich zu ihm runter und er hatte ihre prallen Brüste voll im Blick, als er ihr das Taschentuch reichte. Sie tätschelte ihm auf dem Kopf herum und setzte sich wieder aufrecht auf ihren Stuhl. In seinem Schoß lag nun ein Zettel.

‚Heute Nacht an der großen Eiche!‘ Er steckte den Zettel in seinen Schuh und langweilte sich weiter zusammen mit dem Hofstaat. Nach dem Essen schlich er in seine Kammer, doch die Königin passte ihn ab und schleifte ihn in ihre Kemenate.

Als sie ihm seiner Gewandung entledigte, fiel der Zettel aus seinem Schuh.

‚Was hat er da für einen Zettel?‘ rief die Königin und gähnte gelangweilt.

‚Was für ein Zettel?‘ stammelte der Narr.

‚Dieser da, der soeben aus dem Schuh purzelte!‘ rief die Königin und wollte sich tatsächlich danach bücken. Er war aber schneller. Sie blickte ihn grimmig an und dann schrie sie fast: ‚Wage er es nicht den Zettel zu essen, sonst schreien wir so laut, dass der König es hören muss.‘

Der Narr hatte den Zettel schon im Mund und hielt dann inne. Dann streckte er folgsam die Zunge heraus.

‚Spuckt er ihn aus!‘ meinte sie und hielt ihn die Hand hin.

Er tat was ihm geheißen. Sie nahm den feuchten Zettel und blätterte ihn auf. ‚Heute Nacht an der großen Eiche!‘ sprach sie und zog eine Augenbraue hoch.

‚Ich wollte Euch den Zettel vorhin zustecken!‘ stotterte er.

‚Er hat doch nicht gedacht, dass wir bei dem Wetter und in stockdüsterer Nacht das Schloss verlassen würden?‘

‚Ich wollte nur etwas zu Euer Erheiterung beitragen.‘

‚Ja, wir sind erheitert über den Erfindungsgeist den du an den Tag legst.‘ meinte sie und verzog dabei keine Miene.

Sie zog einen Cricketschläger unter dem Bett hervor und meinte trocken: ‚Versohl er uns den Hintern, wir waren ein böses Mädchen!‘

Er versuchte nicht die Augen zu verdrehen und tat was ihm geheißen. Als er mit ihr fertig war, schlich er zum Abbild der großen Eiche. Dort wartete schon die Nächste, er packte die Königstochter und zerrte sie in eine Nische hinter einen Wandbehang. Er hob den Finger an den Mund, während sie ihm umgehend an die Wäsche ging. Sie machte sich an seiner Hose zu schaffen und kniete sich langsam vor ihn hin.

Er hörte ein Geräusch auf dem Gang und hielt inne. Die zügellose Königstochter hatte sein Gemächt bereits erfasst und war im Begriff seinen kleinen Schelm in den Mund zu nehmen. Jemand kam über den Gang geschritten. Er packte ihren Kopf und hielt sie fest, dass spornte sie aber nur noch mehr an und sie saugte unablässig an seinem Schaft.

Die Königin schritt an ihrem Versteck vorbei und blieb vor dem Wandbehang mit der großen Eiche stehen. Und dann ging ihr tatsächlich ein Licht auf. Hastig riss sie den Wandbehang zur Seite und schnappte pikiert nach Luft.

Er drückte den Kopf der Tochter fest an seine Lenden und das Letzte was sie zu atmen versuchte, war sein Schwanz. Als er kam, ging sie, für immer. Er zerdrückte tatsächlich eine kleine Träne darüber. Aber zum Trübsalblasen war jetzt keine Zeit, er lies von ihrem schlaffen Körper ab und die letzte Geste die ihr regloser Körper machte, war theatralisch zu Boden zu gleiten und ihre Hand landete angewinkelt auf ihrer Stirn. Ein letzter Seufzer entwich ihrem Mund.

Die Königin stand einen erschreckend langen Moment einfach nur da und beobachtete sie skurrile Darbietung. Sie zog die Luft zwischen die Zähne ein, erhob ihren Cricketschläger und wollte ihn damit vermöbeln. Er wich dem ersten Schlag aus und bekam den Schläger zu fassen. Ehe ihm bewusst wurde, was er da tat, lag die Königin schon in ihrem Blute da und das Erste mal hatte sie keinen gelangweilten Ausdruck auf den Lippen. Sie war erlöst und lächelte sogar. Und er stand blutüberströmt mit heruntergelassen Hosen da und blickte auf sein Werk und lachte.

‚Was ist das für ein ungeheuerlicher Lärm, Possenreißer!‘ rief der König, der noch mit seiner Schlafbrille auf der Nase aus seinem Gemach stolperte. Der Narr zog hastig seine Hose hoch und hob den Schläger und grinste: ‚Ich musste einfach etwas Schönes kaputt machen!‘

Dann lies er den Schläger sinken, drehte sich schwungvoll um und ging. Den Schläger hinter sich her schleifend.

Des Narren Winterstimmung…

Des Narren Winterstimmung…

hofnarrDraußen pfiff der Wind Staub, Federn und seltsame Gerüche über den Richtplatz. Die Kappe tief ins Gesicht gezogen rannte er über den Hof. Vereinzelte Tropfen fielen vom Himmel. Der aufgewirbelte Staub machte ihm das Atmen schwer. Die salzige Luft, die der Wind aus der Bucht hergebracht hatte, vermischte sich mit dem Gestank. Würgend hustete er, als hätte er eine der Federn einatmete. Sicherheitshalber wickelte er seinen Schal um Mund und Nase, nicht dass er noch eine dieser Federn verschlucken würde. Leise und geduckt rannte er in Richtung Thronsaal. Die Wachen schliefen, wie nachlässig, also konnte er ungehindert durch die Seitentür in den Saal gelangen. Für einen Moment pfiff der Wind durch die Tür, bis er sie mit Müh und Not geschlossen hatte. Die kleine, geduckte Gestalt tapste an den Säulen vorbei und lief schnurstracks auf den Thron zu. Er war sehr erschöpft und dachte er käme gar nicht mehr an seinem Ziel an, seine Schritte wurden immer langsamer. Bei jedem seiner Schritte schien der Weg weiter zu sein, als der Thronsaal eigentlich lang war und er hatte das blöde Gefühl, als wäre ein böser Zauber im Spiel. Er musste sich ausruhen, er war so müde und ausgebrannt. Durch seinen Erschöpfungszustand wirkte seine Gestalt noch kleiner, als sie ohnehin war. An seinen Schuhen waren Schellen befestigt und an seinem Gürtel hingen ein paar Glöckchen. Doch sie gaben keinen einzigen Ton von sich. Es schien so, als wären die Glocken des Klingens genauso Müde geworden, so wie die Beine des Narren müde waren zu laufen.

Endlich war er an den Stufen angekommen, die zum Thron seines Herren führten. Schwerfällig kroch er die Stufen hinauf und blieb schwer atmend auf dem kleinen Teppich vor dem großen Stuhl sitzen. Nach einem langen Moment rappelte er sich auf und kletterte auf die Sitzfläche des Thrones und lies sich keuchend auf den Sitz fallen. Nach einem nicht endend wollenden Hustenanfall, bei dem er tatsächlich eine Feder aus hustete, blieb er wie ein Häuflein Elend an Ort und Stelle liegen.

Irgendwann regte er sich, als er die Kappe aus seinem Gesicht schob und sich verstohlen nach allen Seiten umblickte. Sein Herr und Meister war weit und breit nicht zu sehen. Er seufzte laut und atmete tief ein, seine Knochen knackten und er richtete sich so seiner vollen Größe auf. Nun ja, größer als er eigentlich war, ging es eben nicht. Da lies er die Luft wieder aus seinen Lungen und sackte wieder etwas zusammen. Ein kurzes Aufblitzen in seinen Augen brachte wieder Leben in seine Gestalt. Er legte blitzschnell beide Füße über die Armlehne. Die Schellen an seinem Schuh machten einen ungeheuren Lärm und verstummten auch nicht, als er sich gelangweilt zurücklehnte und die Arme hinter dem Kopf verschränkte. Die Kappe war ihm nun gänzlich vom Kopf gerutscht und viele verfilzte Strähnen fielen ihm über sein pockennarbiges Gesicht. Er grinste bis über beide Ohren, was sein narbiges Gesicht zu einer hässlichen Fratze verzog. Sein Herr hatte an seinem abartigen Äußeren gefallen gefunden, weil sonst wäre er nicht sein Narr und Prügelknabe geworden. Summend blies er ein paar Strähnen aus seinem Gesicht und wippte mit den Füßen, so dass die Schellen keinen Moment verstummen würden. Als er ein Geräusch hörte, zog er die Beine von der Armlehne, setzte sich wieder aufrecht hin und lauschte. Sein Grinsen entspannte sich und sein Gesicht sah eingefallen und leer aus. Er stütze sich auf seine Fäuste und lehnte sich ein wenig auf die Seite. Sein knochiger Hintern erhob sich halbseitig vom Thron, er machte ein angestrengtes Gesicht und dann erschallte ein gewaltiger Furz. Das Geräusch hallte unerbittlich durch den Saal und man hätte den Eindruck gewinnen können, dass die schweren Wandbehänge ehrfürchtig vor dem Furz erzitterten. Keiner hätte vermutet, dass so ein kleiner Kerl einen solchen weltenerschütternden Furz vollbringen hätte können. Aber er konnte es und der erbärmliche Gestank hätte jede Arme in die Flucht geschlagen. Sein Gesicht entspannte sich wieder und er lies sich wieder auf die Sitzfläche sinken.

‚Warzengesichtiger Possenreißer, was sitzt er auf meinem Stuhl!‘ erschall eine Stimme hinter ihm.

Vor Schreck wäre er fast vom Stuhl geflogen und er begann unterwürfig zu stottern: ‚Meine Wenigkeit wollte Eurer Magnifizenz die Sitzfläche etwas erwärmen!‘

Sein Herr und Meister holte aus und der Narr rutschte geschickt vom Thorn und purzelte die Stufen hinunter und blieb breitbeinig auf dem roten Teppich liegen.

‚Was stinkt hier so?‘

‚Als Ihr in Eurem unermesslichen Ratschluss den Kanalbauer köpfen lieset, hättet Ihr seinen Lehrling vielleicht doch nicht aus der Stadt jagen sollen!‘ rief der Narr, rappelte sich auf und lief so schnell er konnte davon. Erst vor der Tür zu seiner Kammer blieb er stehen und schlüpfte geschmeidig durch den Spalt. Er hatte nicht mal ein Bett, so hatte er sich ein altes Fell auf den Fenstersims gelegt. Und genau da lies er sich nun nieder. Mit einem alten Vorhang deckte er sich zu. Der Wind pfiff durch den Bretterverschlag, der vor dem Fenster angebracht wurde, damit es nicht so zöge. Er blickte durch ein Astloch nach draußen. Der Dreikönigstag war vorbei und der Winter lies sich wahrhaftig Zeit. Es war entschieden zu warm für diese Jahreszeit, aber doch fror der Narr. Zähneklappern hüpfte er vom Sims und schürte das Feuer nochmal hoch. Dann suchte er sich eine weitere Decke und ging wieder auf seinen Platz, um weiter nach draußen zu starren und weiter vor sich hin zu zittern. Der Wind schlug gegen die Bretter. Er glitt in einen unruhigen Schlaf über und er träumte seltsame Dinge. Er lag in einem Fischerboot, das antriebslos im Meer von einer Welle zur Nächsten hilflos hin und her geschaukelt wurde. Ein Meer von Tränen seiner eigenen Unzulänglichkeiten. Der Wind war eiskalt, doch der Himmel hatte nicht mal eine Schneeflocke für ihn. Verwirrt schreckte er aus dem Schlaf hoch und schaute wieder nach draußen. Er konnte seinen Atem sehen. Neugierig kroch er näher, um besser nach draußen blicken zu können. Der Mond stand groß und rund über dem Meer. Ein paar hilflose Fischerboote wurden vom Wind übers Meer getrieben. Schwere, schwarze Wolken wurden über den Himmel getrieben und dann brachen sie auf. Große, weiße Flocken schwebten langsam vom Himmel herab.

Er atmete tief durch und blickte lächelnd nach draußen. Die Schneeflocken tanzten an seinem Auge vorbei und bedeckten schon bald den feuchte Boden. Ein Träne rann ihm über die Wange und sie gefror noch bevor sie von seiner Wange tropfen hätte können. Der Winter war endlich gekommen und brachte endlich Ruhe und Frieden. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht schlief er wieder ein. Am nächsten Tag fand man ihn erfroren in seiner Kemenate.

Hofnarr, der Dritte

Hofnarr, der Dritte

Das ganze Schloss war in heller Aufregung.

‚Wo ist er nun? Wo er ist, habe ich gefragt!‘

Alle liefen wie aufgeschreckte Hühner durcheinander.

‚Er hat mich zu belustigen! Sofort!‘

Der Fürst war sehr ungehalten und lies seine Untergebenen die alle Räumlichkeiten durchkämmen. Ja, alle bis auf sein Hofnarr. Dieser Narr war heute Nacht nicht zu seinem eigenen allabendlichen Schauspiel angetreten. Nachdem er der einzige Spieler in seinem Schauspiel war, wird es wohl heute keinen Applaus geben.

‚Er ist dazu da um allein mir zum Gefallen gereicht zu werden!‘

Die Worte des Fürsten schallten durch das Gemäuer der Burg. Genau dazu hatte der Hofnarr in dieser Nacht genauso wenig Lust, wie schon in den Nächten davor. Und wenn der Papst höchstpersönlich anwesend wäre…

Er saß im letzten Winkel des Turmes und hatte eine Decke über seinen Kopf gezogen. Darunter hatte er seine Narrenkappe bis auf die Nase gezogen und eine Flasche vom besten Wein zwischen den Beinen. Des Fürsten bester Wein war halb leer und er halb voll, allein dafür würde er seinen Kopf verlieren, wenn er ihn nicht schon längst verloren hätte. Für das Nichterscheinen zu seiner durchlauchten Belustigung allerdings auch.

Er hörte ihn schon brüllen: ‚Ab mit seinem Kopf!‘

So oder so, würde er heute Nacht noch seinen Kopf verlieren.

Er lugte unter der Decke hervor und hielt sich seinen Spiegel vors Gesicht. Sein Blick war müde und leer, genauso wie sein Spiegelbild.

Das Zerbersten des Spiegels erschütterte selbst den Thronsaal. Als man den Narren endlich fand, war die Flasche umgestoßen und der Spiegel zerbrochen. Seine Narrenkappe lag in einer roten Lache und er saß immer noch an die Wand gelehnt da, mit der Decke über dem Kopf.

Nur ein geschultes Auge, hätte die Blutstropfen auf seinem Wams gleich entdeckt. Aber nachdem sie ihm hastig die Decke vom Kopf rissen, erblickten sie er dann sein blutüberströmtes Gesicht. Seine Hand rutschte unter der Decke hervor und aus seiner Hand kugelten zwei blutigen Klumpen. Die eine schaurige Blutspur auf den Dielen hinterließen, bis sie zwischen den Scherben liegen blieben, um sich bei den Anwesenden mit einem letzten strafenden Blick zu verabschieden.

So endet diese Geschichte mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Weil ein Junge die Kappe aus der Lache zog. Ob er den Sinn des Narren darin wieder finden möge? Auf das sein Spiel von vorne beginne.

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