Des Nächtens… der Mond schien grün!

Des Nächtens… der Mond schien grün!

 

Green_moon‘Der Mond scheint grün heute Nacht…!’ meinte der Totengräber gedankenverloren und blickte aus dem Fenster. In seiner kleinen Hütte, brannte ein kleines Feuer und ein Kessel mit Wasser war auf dem Herd. Tirsch rieb sich die Brust.

‘Ja, scheint der Mond grün in der Nacht, den Tirsch scharf macht!’ lachte Gerk und puhlte mit seinem Messer zwischen den Zähnen herum.

‘Was soll das jetzt wieder heißen?’ fragte Tirsch schnippisch.

‘Seit dem du mit der Tochter von dem neuen Wirt angebandelt hast, bist du nicht mehr ganz bei der Sache.’ meinte der Totengräber.

Tirsch blickte mit verklärtem Blick in die Ferne und grinste merkwürdig.

‘Das ist ein Werk des Satans, dass er einem Kind schon die Brüste eines Weibes gibt. Aber die Brüste müssen die Weiber verdecken, sie müssen sie unsichtbar machen und schnüren, um die Männer nicht zu reizen. Diese Brüste sind Werkzeuge der Wollust, Gott hat sie dem Weibe verliehen, damit sie ihre Kinder säugen, aber der Teufel hat ein Spielzeug für die Unkeuschen daraus gemacht und deshalb sollen sie stets verhüllt gehalten werden.’ rezitierte Gerk laut und musste sich ziemlich zusammenreißen, dass er nicht lauthals zu lachen begann.

‘Öhm, das steht aber nicht in der Bibel!’ rief Tirsch fast zu recht ertappt, er war mit seinen Gedanken wo ganz wo anders.

‘Nein, das nicht und auch nicht in den Gewerkschaftsrichtlinien, aber Gerk, ich werde deinen wertvollen Beitrag gerne weiterleiten.’ flüsterte der Totengräber und blickte wieder nach draußen.

Gerk bekam einen nicht enden wollenden Lachanfall und dabei fiel ihm ein rotes Büchlein aus der Jackentasche.

Der Totengräber nahm das rote Büchlein auf, das auf dem ersten Blick wie ein abgegriffenes Gebetsbuch aussah, blickte verwundert auf den Einband und schlug dann das Buch auf: ‘Josefine Mutzenbacher oder die Geschichte einer wienerischen Dirne von ihr selbst erzählt?’

Dann erhob er mahnend den Finger, las aber leise weiter und bemerkte nach einer ganzen Weile: ‘Dir ist klar, dass ich das hier konfiszieren muss, Gerk. Das’d dich net schämst!’

‘Keine Sorge, ich schäm mich jede Nacht!’

‘Nun zu dir Tirsch!’ meinte der Totengräber.

‘Ja, was ist denn?’ rief Tirsch gedankenverloren.

‘Ist dir an der Wirtstochter nichts aufgefallen?’

‘So Einiges, aber nichts Ungewöhnliches?’

‘Ich finde es schon ziemlich Ungewöhnlich, dass sie so einen Herumtreiber wie dich ran lässt?’

‘So richtig rangelassen hat sie mich ja nicht!’

‘Nur weil ihr Vater dich erwischt hat, wie du ihr an die Wäsche gegangen bist.’ meinte Gerk und grinste seinen besten Freund saublöd an.

‘Hat sie dir irgendwas gegeben?’

‘Nein, wieso?’

‘Nur so eine Frage?’ meinte der Totengräber und machte Anstalten gehen zu wollen.

‘Was habt Ihr vor?’ fragte Tirsch, während Gerk das Feuer löschte.

‘Wir gehen einen Trinken solange das Wirtshaus noch auf hat!’ konnte man den Totengräber rufen hören, bevor er in der Dunkelheit verschwand.

Wenig später saßen die drei im Schankraum des Wirtshauses, das schon ziemlich leer war, es war schon spät und zu so einer unchristlichen Stunde ging hier in Ludwigsdorf keiner mehr einen trinken.

Tirsch war gerade austreten und beim Rückweg hatte ihn die Wirtstochter Amelie entdeckt und stellte sich ihm in den Weg. Ihr Mieder hatte einen verboten tiefen Ausschnitt, in dem er schier versank. Wie jung sie war.

‘Ich hab auf dich gewartet!’ rief sie und ihre tiefe Stimme hallte im Hinterhof. So jung war sie nun auch wieder nicht.

‘Psst nicht so laut, wenn dein Vater dich hört.’ zischte Tirsch geheimnistuerisch.

‘Na und?’ meinte sie schnippisch.

‘Er bringt mich um, wenn er mich nochmal in deiner Kammer erwischt.’

‘Wird er nicht, er ist im Keller und macht Inventur.’

‘Inventur mitten in der Nacht und mitten im Monat?’ fragte Tirsch ungläubig.

‘Er ist ein sehr genauer Mann?’ meinte sie bestimmt und schnürte sich langsam und ziemlich genüsslich ihr Mieder auf. Er versuchte den Blick beschämt von ihr abzuwenden, was ihm natürlich nicht im Mindesten gelang.

‘Genau deshalb versuch ich mich ja von dir fernzuhalten, was wahrlich schwierig ist.’ flüsterte Tirsch und konnte nicht anders, weil Amelie ihm die drallen Brüste vors Gesicht hielt, als wie ein Idiot auf ihre Brüste zu starren. Ihm fiel die Textstelle wieder ein, die Gerk vorhin rezitiert hatte und sein Verstand ging klamm heimlich auf Wanderschaft.

‘Er wird dich schon nicht erschießen, ich hab seine Munition versteckt.’ flüsterte sie, kam ihm näher, drückte ihm bei einer Umarmung ihre Möpse noch mehr ins Gesicht und griff ihm beherzt an den Hintern.

‘Herr im Himmel, lass bitte keinen einzigen Schuss mehr im Lauf sein.’ stöhnte er laut auf.

Wie aufs Stichwort griff sie ihm in die Hose und schleppte ihn zum Heuschober.

Wenig später landeten sie beide ihm Heu, wo sie sich wild befummelten und küssten, doch Tirsch zierte sich ein Wenig. Er rappelte sich auf und versuchte seine Kleidung in Ordnung zu bringen. Er kam sich nicht nur unendlich beobachtet vor, er war auch stutzig geworden, weil die Wirtstochter gar so heftig ran ging und er ein ernsthaft und gewöhnliches Gefühl dabei hat. Hätte der Totengräber vorhin nur nichts gesagt, dann würde er sie jetzt schon pudern.

Aber ein komisches Gefühl hatte er auch immer gehabt, als ihm die Marie immer im Schlaf erschienen war und das hatte er anfangs auch immer mit purer Geilheit verwechselt. Und am Ende war sie doch eine Wiedergängerin und er hatte sie dann mit einem handelsüblichen und geweihten Pamarec gepfählt, den ihm seine Großmutter auf ihrem Totenbett vermacht hatte. Warum muss er gerade jetzt an seine Großmutter denken, wenn er doch jetzt eigentlich die geile Wirtstochter nageln könnte. Ja, so wie die letzte Wirtstochter, die eigentlich ein Werwolf war. Herrgott nochmal, seit dem er bei der Jägergewerkschaft angeheuert hatte, kam er irgendwie nicht mehr zum Zug, weil er sich den ganzen Tag immer seinen Kopf zerbrechen musste, über Vampire, Werwölfe und so’n Kroppzeuch.

‘Ich will dir ja nicht zu nahe treten..’ stotterte er, als sie ihm wieder an der Hose packte und davon abhielt gehen zu wollen.

‘Vielleicht will ich ja dir zu nahe treten..’ zischte sie ihm zu, geschickt öffnete sie seine Hose und sie rutschte zu Boden und Amelie glitt ganz langsam an ihm herab.

‘Jesas Maria und all ihr Heiligen!’ rief Tirsch aus, als sie seinen Schwengel bis zum Anschlag in den Mund nahm und munter zu saugen begann. Wie gut dass er angewachsen war, sonst hätte sie seinen Kasper mit einem Happs verschluckt. Er musste sich schon arg zusammen reißen, dass er ihr nicht gleich die volle Ladung in den Mund spritzte, also dachte er weiter an Bibelverse, die er dann auch noch laut rezitierte:

‘Und ich sah ein Tier aus dem Meer steigen, das hatte zehn Hörner und sieben Häupter und auf seinen Hörnern zehn Kronen und auf seinen Häuptern lästerliche Namen. Und das Tier, das ich sah, war gleich einem Panther und seine Füße wie Bärenfüße und sein Rachen wie ein Löwenrachen. Und der Drache gab ihm seine Kraft und seinen Thron und große Macht…Und es macht, dass sie allesamt, die Kleinen und Großen, die Reichen und Armen, die Freien und Sklaven, sich ein Zeichen machen an ihre rechte Hand oder an ihre Stirn, und dass niemand kaufen oder verkaufen kann, wenn er nicht das Zeichen hat, nämlich den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens. Hier ist Weisheit! Wer Verstand hat, der überlege die Zahl des Tieres; denn es ist die Zahl eines Menschen, und seine Zahl ist sechshundertundsechsundsechzig.’ stöhnte er und als er im wahrsten Sinne des Wortes zum Ende gekommen war, lies sie schwer schluckend von ihm ab. Nun hatte es ihn doch gepackt und er blickte sie lüstern an, knöpfte ganz langsam sein Hemd auf und kniete sich zu ihr hinunter, um sie gleich darauf hin auf den Rücken zu drängen.

Sie erwiderte auf seine Bibelsprüche etwas, was sich im ersten Moment eher nach einem weiterem Zitat aus Gerks Schundbibel anhörte: ‘Ich kenne eure Bibel sehr gut. In der Nacht ihres Gelobens soll sich die Frau dem Manne öffnen, wie die Ackerfurche dem Pfluge, er soll in ihr arbeiten, wieder und wieder, solange bis sie ihn zu Fall bringt und auf dem Schweiss ihrer Brust Kräfte sammeln lässt.‘

Während er noch mit ihren Röcken zu kämpfen hatte, streifte sie sein Hemd herab und erstarrte, wie zu einer Salzsäule. Er jedoch warft ihr ihre Röcke ins Gesicht und erkannte nicht, was sich unter den Röcken in ihrem Gesicht abspielte.

Als er endlich den Knoten ihrer Rüschenunterhose gelöst hatte und wacker zu Tat schreiten wollte, hielt er kurz inne. Er hatte wieder dieses Gefühl! Es war so, als würde jemand in einen durch und durch weißen Raum einen roten Stuhl stellen. Irgendwo auf dieser Welt war die Ordnung aus den Fugen geraten.

Erst als sie ein merkwürdiges Grunzen und Röcheln von sich gab, begriff er das die Ordnung genau hier aus den Fugen geraten war. Sie packte seinen Schwanz und zog ihn zu sich, er versuchte instinktiv ihr seinen Speer zu entziehen und er riss ihr dabei ihre Röck vom ihrem Gesicht.

Mit einem schmatzenden Geräusch entglitt ihr sein Schwanz und er stürzte nach Hinten. Eine dämonische Fratze lachte ihn aus. ‘Den Samen eines unschuldigen Lammes hast du mir gegeben, auf dass ich dich immer und immer wieder heimsuchen werde.’

‘Dämon, sieh genau hin, mein Körper wird dir nie als Wirt dienen!’ rief er und zeigte ihr ein Zeichen auf seiner Brust, dass immer noch schorfig war, weil der Totengräber es erst gestern in seine Haut gestochen hatte. Und ohne darüber nachzudenken, stürzte er sich auf sie und begann sie zu würgen und schrie: ‘Exorcizamus te, omnis immundus spiritus, omnis satanica potestas, omnis incursio infernalis adversarii, omnis congregatio et secta diabolica. Ergo, draco maledicte. Ecclesiam tuam securi tibi facias libertate servire, te rogamus, audi nos. Fahr zur Hölle du Schlampe und lass ab von dem Körper der Wirtstochter Amelie!!!’

Sie schrie wie am Spieß und zu Ende hin öffnete ihr Mund und eine schwarze Wolke zwängte sich aus ihrem Rachen und entfleuchte durch ein Loch im Scheunendach.

Nur das Bild, dass ihr Vater in dem Moment erblickte, als er seine Schrotflinte durchlud, war wie ein tätowierter Nackter seine Tochter bewusstlos gewürgt hatte.

Tirsch sprang mit erhobenen Armen auf und rief den Herrn an: ‘Der Herrgott wird mein Leben verschonen, weil ich nichts unrechtes Tat, als ich eurer Tochter diesen vermaledeiten Dämon austrieb.’ Tirsch versuchte noch in die Höhe zu zeigen, wo der schwarze Rauch nun den grünen Mond verdunkelte.

‘Dann erklär mir, warum du dazu nackt sein musstest, du abartiger Perverser!’ schrie der Wirt und legte auf Tirsch an.

Tirsch sah wie der Totengräber mit Gerk im Schlepptau schreiend in den Heuschober gelaufen kamen, doch Tirsch war auf die Knie gesunken und fing an zu beten: ‘Als Hirte erlaube mir, zu dienen, mein Vater, Dir. Deine Macht reichst Du uns durch Deine Hand, diese verbindet uns wie ein heiliges Band. Wir waten durch ein Meer von Blut, gib uns dafür Kraft und Mut. In nomine Patris et Filii et Spiritus Sancti!’

Er hörte das Klicken des Abzugs und es geschah nichts. Nach einem viel zu langem Moment atmete Amelie tief ein und sog hast Luft in ihre Lungen.

‘Dank sei Gott dem Herren, dass keinen einziger Schuss mehr im Lauf war.’ rief Tirsch und blickte in den Himmel.

Die schwarze Wolke formierte sich in der Luft und kam wieder zurück. Gerk, Tirsch und der Totengräber fingen gemeinsam an, verschiedene Riten herunter zu leiern.

‘Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Glorreichster Fürst der himmlischen Heerscharen, heiliger Erzengel Michael, verteidige uns im Kampfe gegen die Fürsten und Gewalten, gegen die Weltherrscher dieser Finsternis, gegen die bösen Geister unter dem Himmel. Komm den Menschen zu Hilfe, die Gott nach seinem Ebenbild erschaffen und aus der Tyrannei des Teufels um einen hohen Preis erkauft hat… bitte den Gott des Friedens, dass Er Satan unter unseren Füßen vernichte, damit er nicht mehr imstand ist, die Menschen gefangen zu halten …und ergreife den Drachen, die alte Schlange, das heißt den Teufel und Satan, und stürze ihn gefesselt in den Abgrund der Hölle, damit er die Völker nicht weiter verführe.’ rief Gerk und Tirsch wie aus einem Mund, während der Totengräber eigentlich das Selbe sagte, nur auf Latein und dabei wedelte er mit einem roten Gebetsbuch. Die Litanei brachte die schwarze Wolke zum Stoppen.

Während Gerk eine alte Kartoffel hervor holte, sich in die Hand schnitt, die Kartoffel in die Wunde rieb und dann Amelie und ihrem Vater einen Stempel aufdrückte, der das selbe Symbol trug, wie auch an der Brust von Tirsch war. ‘Ihr dürft das nicht abwaschen, bis wir im Morgengrauen zurückkehren.’ rief Gerk ziemlich ernst zum Wirt.

Tirsch schnappte sich die Tasche von Gerk, zog eine Flasche Weihwasser heraus und goss sie sich übers Gemächt.

Der Totengräber holte Luft, zog eine Augenbraue hoch und rief dann Tirsch zu: ‘Hör auf an deinem Kasper zu spielen und zieh dir was an, wir nehmen die Verfolgung auf.’


Fortsetzung folgt… wenn der Mond scheint rot!

 

P.S. Der Wortdieb bedankt sich bei Wikipedia, Supernatural, Firefly, Der blutige Pfad Gottes, dem Rituale Romanum und der Bibel und meiner Bibel Josefine Mutzenbacher für die vielen Inspirationen. Danke.

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Published in: on 11. November 2014 at 01:01  Schreibe einen Kommentar  
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Des Nächstens… der Mond schien voll!

Des Nächstens… der Mond schien voll!

düsterwaldDunkel war’s der Mond schien voll. Und Tirsch und Gerk saßen in der Taverne zu Ludwigsdorf. Sie hatten den ganzen Abend von dem dunklen Bier getrunken und waren schon ein Bisschen beschickert. Der Wirt fiedelte auf seiner Geige und seine Tochter tanzte dazu. Die Schankmaid wuchtete volle Humpen herum und immer wenn sie an ihren Tisch kam, konnten die Jungs ihr in den Ausschnitt blicken, wenn sie die Bierkrüge am Tisch abstellte und sich dazu tief hinunter beugen musst. Das war mit ein Grund, warum sie so viel getrunken hatten.

Plötzlich ging die Tür auf, ein Windsog pfeifte durch die Taverne und der Totengräber humpelte herein. Augenblicklich verstummte das Gebrabbel im Schankraum, der Wirt hörte auf zu spielen, er packte hastig seine Tochter und schob sie hinter die Theke. Nach einem viel zu langen Moment, begannen die Leute wieder zu tuscheln und der Lärmpegel schwoll langsam wieder an. Der Totengräber verzog keine Miene, wie auch, sein ihm eigener Blick war eh so finster und grimmig, dass man den Eindruck haben hätte können, er würde zum Lachen in den Keller gehen, so wie die meisten Dorfbewohner es ohnehin taten.

Der Totengräber humpelte durch den Schankraum, setzte sich zu den beiden Jungs an den Tisch und blickte sie mürrisch an. Er sah abgekämpft und ziemlich schmutzig aus und seit wann humpelte er denn?

‚Habt ihr eure Post nicht gelesen?‘ fragte der Totengräber mürrisch.

‚Ja, schon!‘ rief Gerk.

‚Ja und wo wart ihr die ganze Zeit.‘

‚Es hieß wir sollten zu Hause auf weitere Nachricht warten und es würde uns jemand abholen kommen, wenn es etwas zu tun gibt. Währenddessen sollten wir das Handbuch aufmerksam durchlesen. Wir haben uns sogar von unserem Ersparten die Sachbücher gekauft, die empfohlen wurden.‘ berichtete Gerk.

‚Und dazu sind wir eigens bis nach Bistritz gefahren!‘ meinte Tirsch, räusperte sich und fuhr dann fort. ‚Mit dem Fahrrad!‘

‚Dann müssen wir uns verpasst haben, habt ihr es denn nicht mitbekommen?‘ fragte der Totengräber.

‚Was mitbekommen?‘

‚Ja, die unerklärlichen Tode beim letzten Vollmond.‘

Jemand vom Nachbartisch drehte sich um und meinte ziemlich ernst: ‚Der Wolf hat sie sich geholt, weiter nichts!‘

Der Dorfdepp packte die Schankmaid bei der Hand, fing an zu jaulen und zu tanzen. ‚Ja, der Wolf der auf zwei Beinen tanzt. Jaaaaaauuuuuuhhhhh!‘

Der Wirt packte den Dorfdeppen, hielt ihm den Mund zu und zerrte ihn in die Küche. Dann kam er wieder und meinte: ‚Der Wolf war es und nichts weiter!‘

‚Ihr habt recht und gebt mir doch eine Flasche von eurem Wein, wir wollten eh grad gehen.‘ meinte der Totengräber, schnipste ihm ein Silberstück entgegen und fuhr dann fort. ‚Und ein Paar von den gelegten Broten!‘

‚Kommt sofort!‘ meinte der Wirt in seiner eigenen schmierigen Art und stieß seine Tochter an, während er das Silberstück auf seine Echtheit überprüfte.

‚Dafür bekommt ihr 2 Flaschen von meinem besten Wein und die Brote oben drauf.‘ rief er dann und klatschte in die Hände.

Wenig später überreichte er Tirsch das Päckchen mit den Broten und zischte: ‚Was habt ihr denn mit dem da zu schaffen?‘

‚Ach, meine Großmutter hat mir nur aufgetragen ihm bei seiner Arbeit zu helfen. Sie hat doch immer die Blumen gebracht für die unbekannten Toten. Und der Herr da oben mag es wahrlich nicht, wenn man ein Versprechen bricht, was man auf dem Totenbett gegeben hat.‘ rief Tirsch, zog seine Mütze vom Kopf und blickte den verwunderten Wirt andächtig an. Der Wirt machte 3 Kreuzzeichen, drückte Gerk die zwei Weinflaschen in die Hand und meinte abschließend. ‚Gebt bloß auf euch Acht. Der Mond scheint voll heute Nacht!‘

‚…der Wolf weiter nichts!‘ murmelte der Totengräber und humpelte aus der Taverne.

Als sie allein vor dem Gasthaus standen, zischte er ihnen zu: ‚Unwissendes und ignorantes Pack!‘

‚Wer hat dir nur so schwere Wörter beigebracht?‘ fragte Tirsch und grinste ihn albern an.

Der Totengräber blickte ihn fassungslos an, sagte aber nichts und humpelte ein paar Schritte weiter von der Taverne weg.

‚Sag mal, Totengräber! Seit wann humpelst du?‘ fragten die beiden Jungs.

‚Ich war ihm tagelang auf der Spur und doch hat er mich abgehängt.‘

‚Wer?‘ wollte Gerk wissen.

‚Der Wolf, wer sonst!‘

‚Das erklärt aber nicht dein Humpeln!‘

‚Ich bin über eine Wurzel gefallen und aufs Knie gestürzt. Keine Sorge, ich war nicht nah genug dran, als dass er mich hätte beißen können.‘ meinte er und lief über die Straße.‚Ich hab meinen Beobachtungsposten im Stall aufgeschlagen.‘

Es begann zu regnen. Sie duckten sich unter das Dach des Schobers und versuchten nicht weiter aufzufallen. Nach gefühlten Stunden anhaltenden Regens, begann es zu Stürmen und zu Gewittern. Und sie harrten immer noch im Stall aus, in der Hoffnung, dass etwas Außergewöhnliches geschehen möge. Der Regen kam sintflutartig vom Himmel und schon bald tropfte es durchs undichte Dach.

‚Ganz schön feucht hier!‘ meinte Tirsch, der an einem Stab herum schnitzte. Ein Blitz erhellte das Geschehen einen Moment lang und dann donnerte es.

‚Was schnitzt du denn da eigentlich?‘ fragte der Totengräber, der ihn noch dazu misstrauisch anstarrte.

‚Einen Stock, falls es mit deinem Knie schlimmer wird. Weil ich hab in den letzten Wochen jeden Tag einen Palmarec geschnitzt und am Sonntag auch mal zwei…‘ fing Tirsch an, wurde dann aber von Gerk unterbrochen. ‚Und der Pfaffe weigert sich schon seit einer geschlagenen Woche sie zu weihen!‘

‚Mit dem Pfaffen habe ich eh noch ein Hühnchen zu rupfen, der ist nämlich zur Mitarbeit verpflichtet.‘ flüsterte der Totengräber. Es tat einen gewaltigen Schlag und wieder blitzte und donnerte es. Der Totengräber blickte noch misstrauischer nach draußen: ‚Es muss ganz in der Nähe eingeschlagen haben!‘

‚Der Herrgott gibt es und der Herrgott nimmt es!‘ meinte Tirsch und schnitze weiter.

‚Du hast echt ein Gemüt wie ein Fleischerhund!‘ nuschelte der Totengräber.

‚Hatte deine Oma nicht mal einen Fleischerhund?‘ rief Gerk aufgeregt.

‚Der Herr ist hoffentlich mit Beiden. Mögen ihre Seelen in Frieden ruhen…!‘ meinte Tirsch, kam dann ins Stocken und fuhr erst fort, als er mit dem Stab auf die Tavernentür zeigte. ‚Wenn man vom Teufel spricht…!‘

Der Pfaffe war gerade in der Taverne verschwunden und wenig später kamen alle aus der Taverne gestürmt. Sogar der Wirt, der seine Tochter mit sich schleifte. Sie liefen Richtung Kirche.

Der Totengräber rappelte sich auf und war im Begriff loslaufen zu wollen, doch Tirsch und Gerk waren schneller. Tirsch hatte ihn noch den Stecken in die Hand gedrückt und war verschwunden.

Als der Totengräber endlich an der Kirche ankam, sah er schon den Grund des Aufruhrs.

Der Blitz hatte im Kirchturm eingeschlafen. Zum Glück war das Feuer von dem starken Regen gleich wieder gelöscht worden, doch heruntergefallene Trümmer waren durch die Dachkonstruktion der Kirche gestürzt und die halbe Kirche war eingestürzt.

Die Dorfbewohner versuchten zu retten, was zu retten war. Und Tirsch und Gerk sahen sich nach etwas Ungewöhnlichen um.

Weiter nichts, außer dem Offensichtlichen. Bis der Dorfdepp zu niesen begann.

‚Riecht nach nassen Hund.‘ rief er und fing wieder an zu tanzen.

Tirsch und Gerk wurden hellhörig und schnupperten sich durch die Dorfbewohner, bis sie an der Tochter des Wirtes hängen blieben, die sie Beide mit glühend roten Augen anstarrte. Sie hörten noch ein Knurren, dann ein Fauchen. Ihre Beine verwandelten sich, in dem Moment als der Regen aufhörte und die Wolken den Vollmond freigaben, in etwas Unmenschliches. Sie fing augenblicklich an zu jaulen, sprang über die beiden Jungs hinweg und landete auf dem Dorfdeppen. Im nächsten Moment hörte man ziemlich viel Blut auf den Boden britscheln, noch bevor der tote Körper des Deppen auf den Boden krachte und die mittlerweile ziemlich haarige Tochter der Wirtes auf allen Vieren davon sprang. Der Totengräber spannte seine Armbrust, zielte auf sie und schoss, doch der Wirt warf sich in den Weg und fing den Bolzen mit seinem eigenen Körper auf.

‚Du dummer Naar, sind nicht schon genug Deppen gestorben, für einen Abend!‘ rief der Totengräber, der zu dem Wirt hinüber humpelte, der bereits stöhnend zu Boden gesunken war.

‚Aber sie ist doch meine Tochter!‘ flüsterte er dem Totengräber zu, als er ihn packte und versuchte die Wunde mit den Händen abzudrücken.

‚Aber sie hat schon das halbe Dorf auf dem Gewissen.‘

‚Versprich mir, dass meine Tochter nicht leiden…! röchelte der Wirt und starb in den Armen des Totengräbers. Dieser schloss dem Wirt die Augen und zog ihm den silbernen Bolzen aus der Brust. ‚Der Pfaffe kümmert sich um dein Seelenheil, mein Freund!‘

Er rappelte sich auf und ging zu der Leiche des Dorfdeppen hinüber. Er nahm seinen Geldbeutel zog zwei Silbermünzen heraus und legte sie in die klaffende Halswunde des Toten.

‚Wir sollten ihn sicherheitshalber verbrennen!‘ meinte er und blickte den Pfaffen an.

Der Pfaffe nickte.

‚Und sorgt dafür, dass die Silbermünzen dort bleiben…!‘ rief der Totengräber und wickelte ein Tuch um den blutigen Hals des Dorfdeppen.

Der Pfaffe nickte wieder.

‚Tirsch!‘ rief der Totengräber und Tirsch antwortete wie aus der Pistole geschossen. ‚Jawohl!‘

‚Nimm die Armbrust! Und Gerk!‘ rief der Totengräber wieder, drückte Tirsch die Armbrust und den blutigen Bolzen in die Hand.

‚Jawohl!‘ schrie Gerk.

‚Den silbernen Nagel!‘

‚Steckt in der Wirtstochter!‘ rief Gerk beinahe ratlos.

‚Dann wird sie nicht weit kommen! Ich hab da noch eine Überraschung für sie!‘ rief der Totengräber, zog eine Flinte unter seinem Mantel hervor und fuhr fort. ‚Dann lass uns ihr das Fell über die Ohren ziehen!‘

Sie liefen los und verschwanden an der Stelle, wo die Wirtstochter im Wald verschwunden war. In dieser Nacht hörten die Dorfbewohner zwei Schüsse. Und am nächsten Morgen zogen Rauchschwaden durchs Dorf und es roch verdächtig nach verbrannten Hund.

Des Nächtens… der Mond schien fahl!

Des Nächtens… der Mond schien fahl!

002Dunkel war’s, der Mond schien fahl, da schlichen zwei Männer durch die Nacht.

‚Hey, Tirsch! Bist du dir sicher, dass du…!‘ flüsterte der Eine dem Anderen zu.

‚Scht!‘ zischte der Andere und legte ärgerlich den Finger auf den Mund.

‚Es ist halt schon ganz schön gruselig hier draußen!‘ stotterte der Eine.

‚Spinn dich aus, Gerk!‘ rief der Andere, der wohl Tirsch hieß und einen Rucksack dabei hatte.

‚Ich mein ja nur!‘ rief der Eine, der Gerk hieß und mit sich selbst schon genug zu kämpfen hatte.

‚Halt, wer da?‘ rief jemand zu ihnen hinüber. Jemand spannte seine Armbrust, das Geräusch war unverkennbar.

‚Wir sinds!‘ riefen die Beiden, wie aus einem Mund.

‚Wenn ich jedes Mal geschossen hätte, wenn jemand ‚Wir sinds!‘ gerufen hat, dann wäre hier wegen Überfüllung geschlossen und ich wäre am Ende arbeitslos.‘ rief der Kerl und hielt eine schmutzige, alte Laterne hoch, um besser sehen zu können.

Die Beiden traten ins Licht seiner Laterne und stammelten vor sich hin: ‚Wir sinds, Tirsch und Gerk ausm Dorf!‘

‚Und was macht ihr hier draußen zu einer so unchristlichen Stunde?‘ rief der Mann, der seine Armbrust mittlerweile weggelegt hatte und eine Schaufel zur Hand nahm.

‚Nun ja, wir wollten uns vergewissern…!‘ rief der Tirsch, brach dann aber mitten im Satz ab.

‚Was vergewissern?‘ wollte der Mann wissen.

‚Die Marie ist ihm drei Mal in seiner Kemenate erschienen und jetzt denkt er, sie wär ein Nachzehrer!‘ rief der Gerk aufgeregt.

‚Ein Nachzehrer bleibt für gewöhnlich in seinem Grab und zehrt an seinem Leichentuch oder an sich selbst und man kann nur Nachts das Schmatzen und Stöhnen hören, wenn man genau hinhört.‘ rief der Mann, lehnte sich auf seine Schaufel und legte eine Hand an sein Ohr, um zu lauschen.

‚Du musst es ja wissen!?‘ meinte der Tirsch skeptisch.

‚Der Beruf des Totengräbers ist anspruchsvoller, als mancher denken mag.‘ meinte der Totengräber und zog ein kleines Büchlein aus seiner Manteltasche. ‚Wenn ihr das vorhabt, was ich denke, müsst ihr mir erst mal ein paar Fragen beantworten!‘

Die beiden Männer nickten folgsam.

‚Also, hatte die verstorbene Marie, Tochter des Waldwarts Lunz, zu Lebzeiten eine wie auch immer geartete Beziehung zu dem nächtlich Aufgesuchten?‘

‚Des geht dich einen Scheißdreck an!‘ rief Tirsch aufgebracht und machte Anstalten gehen zu wollen.

‚Wenn du weiter von der schönen Marie um deine Nachtruhe gebracht werden willst, solltest du meine Fragen beantworten!‘ meinte der Totengräber und hielt ihm ein amtliche Urkunde hin, die vorne in das Buch geheftet war. Dort stand: ‚Erfüllungsgehilfe der Jägergewerkschaft, Watzlaf, der Totengräber zu Ludwigsdorf…!‘

‚Ich wusste gar nicht, dass du Wa…!‘ plapperte Gerk, bis der Totengräber ihm blitzschnell den Mund zu hielt.

‚Nenn ihnen nicht meinen Namen, weil wenn sie deinen Namen wissen, dann haben sie Macht über dich!‘ zischte der Totengräber und lauschte bedenklich über den Friedhof. Er hätte schwören können ein Schmatzen gehört zu haben.

‚Was steht da nun?‘ fragte Tirsch. Er konnte anscheinend nicht lesen.

‚Er ist Mitglied in der Jägergewerkschaft!‘ meinte Gerk.

‚Ja, der Waldwart Lunz ist auch Jäger und dem erzähl ich auch nicht, dass ich seine Tochter gepimpert habe!‘ rief Tirsch und merkte nicht, dass er mit seinem Ausruf die Frage bereits beantwortet hatte.

‚Aber er ist nicht in der Jägergewerkschaft! Wir haben den geheimen Auftrag das Außergewöhnliche, Übernatürliche und Unerklärbare zu jagen und zur Strecke zu bringen und ihr tatet gut darin mit eurem Problem zu mir zu kommen.‘ meinte der Totengräber feierlich.

Er zog einen kleinen Kohlestift aus dem Buchrücken und kritzelte in das Buch.

‚Hast du das dauernde Gefühl, dass heute eigentlich gestern ist?‘

‚Ich hab seit 3 Nächten nicht geschlafen, ich bin mir nicht mal sicher, ob ich überhaupt wach bin.‘ rief Tirsch aufgebracht. Der Totengräber kritzelte in sein Buch und flüsterte: ‚Sagen wir mal ja! Hast du, wenn du nach oben blickst das Gefühl zu fallen?‘

Tirsch und Gerk blickten nach oben, nach einem viel zu langem Moment blickten beide den Totengräber an und schüttelten den Kopf.

Der Totengräber zog die Luft zwischen den Zähnen hindurch, kritzelte wieder in sein Buch und meinte: ‚Also nein!‘

Er blätterte um und fuhr fort: ‚Hast du kürzlich etwas gerochen, dass man am Besten beschreiben kann als Praline, obwohl dort keine Pralinen waren?‘

‚Das verstehe ich nicht!‘ meinte Tirsch, während Gerk in seiner Nase bohrte.

‚Hast du Pralinen gerochen, bevor sie dir erschienen ist.‘

‚Sie ist mir nicht erschienen, die hat mich angepackt und das war mehr als körperlich!‘

‚Was du davor irgendwas gerochen?‘

‚Ja!‘

‚Und was?‘

‚So wie sie halt immer gerochen hat. Nach Fichte, Moos und Honig, Nach Lavendel, Rosmarin und Eierlikör…‘ Bei der Aufzählung kam Tirsch richtig ins Schwärmen. ‚…deshalb hab ich sie auch reingelassen!‘

‚Neue Geschmacksrichtung. Muss weiter beobachtet werden.‘ flüsterte der Totengräber und kritzelte wieder ins Buch und fuhr fort. Fühlt sich deine Gallenblase irgendwie taub an?‘

‚Also jetzt wird’s aber hint höher wie vorn!‘ meinte Tirsch und drehte sich zu Gerk um, der nun in seinem Ohr herum puhlte. ‚Hast du auch so eine Gallenblase?‘

‚Gut, streichen wir die letzte Fragen. Nun wollen wir überprüfen, ob es sich um eine unverweste Leiche oder einen Nachzehrer handelt, oder etwas Schlimmeres.‘ meinte der Totengräber und drückte dem Gerk die Schaufel in die Hand. Er griff sich seine Armbrust und ging voran, geheimnistuerisch legte er den Finger auf den Mund und lauschte.

An der Begräbnisstätte angekommen, öffnete Tirsch seinen Rucksack und kramte darin herum. Er zog einen Rosenkranz an und biss in eine Knolle Knoblauch. Wortlos drückte er Gerk den Knoblauch in die Hand, der ebenfalls davon abbiss.

‚Ich merk schon, ihr seid ganz gut ausgerüstet. Was habt ihr denn da alles im Beutel!‘ fragte der Totengräber und blickte neugierig in den Beutel, in dem Tirsch immer noch herum kramte.

‚Großmutters Palmarec¹), Weihwasser, reichlich Knoblauch, ein Silbernagel, ein Kreuz groß, noch einen Rosenkranz!‘ fing Tirsch an aufzuzählen, reichte Gerk den zweiten Rosenkranz und fuhr fort. ‚Einen Hammer, einen Klappspaten, Leinsamen, ein Seil, eine Zitrone und Schnaps.‘

‚Der Palmarec ist aus Weißdorn?‘

‚Und vom Pfaffen gesegnet!‘

‚Tirsch, du solltest dringend lesen und schreiben lernen!‘

‚Wieso?‘

‚Nur für den Fall, dass du einen Brief von der Jägergewerkschaft bekommst, dann wäre die erste Voraussetzung, dass du ihn auch lesen könntest.‘

Ihr Gespräch wurde von einem stöhnenden Schmatzen unterbrochen. Gerk blieb der Knoblauch schier im Halse stecken und Tirsch packte sich erschrocken die Zitrone.

Kauen und Schmatzen!‘ flüsterte der Totengräber und kritzelte wieder in seinem Buch herum. ‚Bevor ihr mit dem Graben beginnt, müssen wir den Platz segnen.‘

‚Ich kann ein Gebet sprechen!‘ meinte Gerk.

Und Tirsch nahm die Flasche mit dem Weihwasser aus dem Rucksack und blickte den Totengräber neugierig an.

‚Ja, sehr gut Tirsch. Trete ans Grab heran, drehe dich zu mir herum und träufle das Weihwasser auf den Boden und gehe dabei einmal ums Grab herum.‘

Tirsch tat was ihm geheißen und Gerk begann zu beten. Müde bin ich, geh zur Ruh, schließe beide Augen zu. Vater, lass die Augen dein, über meinem Bette sein. Hab ich Unrecht heut getan, sieh es, lieber Gott, nicht an, deine Gnad und Jesu Blut, machen allen Schaden gut. Alle, die mir sind verwandt. Gott, lass ruhn in deiner Hand, alle Menschen, groß und klein, sollen dir befohlen sein. Kranken Herzen sende Ruh, müde Augen schließe zu. Gott im Himmel halte Wacht, gib uns eine gute Nacht. Amen!‘

Der Totengräber stand mit offenen Munde da und puhlte nun selbst in seinen Ohren herum. ‚Besser hätte ich es auch nicht machen können. Tirsch gib mir die Flasche und bleibe in dem gesegneten Kreis. Gerk gib ihm die Schaufel.‘

Während Tirsch sich an die Arbeit machte, kniete sich der Totengräber neben das Grab und beobachtete jeden Handgriff. Er murmelte immer wieder etwas und kritzelte in sein Buch. ‚Das Blumengesteck war wesentlich verschoben und die Erde war weich und aufgewühlter als ich sie verlassen habe.‘

Als Tirsch auf den Sargdeckel stieß, blickte er ins Gesicht des Totengräbers, der wieder den Finger vor den Mund legte. Ein schmatzendes Stöhnen erklang und Tirsch wurde unter dem Schmutz kreidebleich. ‚Nun klopfe dreimal auf den Sargdeckel, stemm ihn auf und halte die Zitrone bereit. Gerk Weihwasser und Plamarek bereithalten.‘

‚Gib mir mal den Klappspaten!‘ rief Tirsch und warf die Schaufel nach oben. Der Totengräber zog eine Axt aus dem Gürtel.

‚Die Regel 1 der Jägergewerkschaft ist eigentlich, führe immer eine Axt mit dir. Man weiß nicht für was man sie brauchen kann, aber so ein Klappspaten ist genauso gut.‘

Mit lautem Knarzen hebelte Tirsch den Sarg auf und der Totengräber leuchtete ihm.

‚Sag mal, die ist doch schon eine Woche tot und sie sieht immer noch drall und gesund aus.‘ meinte Gerk, der einen Blick riskiert hatte. Tirsch beugte sich runter und legte ihr die Zitrone in den offenen Mund. Ihre Lippen waren noch genauso rot, wie an dem Tag, als er sie das letzte Mal lebendig sah.

‚Ein Anzeichen für Untote, Strigoi, Wiedergänger oder Vampire ist, die lebenden Leichen wirken vollgefressen und feist, die Wangen schimmern rosig bis rot, die Fingernägel und Haare scheinen gewachsen zu sein!‘ meinte der Totengräber und kritzelte in sein Buch. ‚Der Mund steht meist offen und ist voll Blut, dass meist frisch zu sein scheint!‘

‚Öhm ja!‘ rief Tirsch und blickte den Totengräber ernst an, der bereits einen Haken gemacht hatte und dann fortfuhr. ‚Wenn diese Anzeichen nicht erfüllt wurden, ist ein beschimpfender Unfug an einer Grabstätte nicht gestattet und unter Strafe vom Erfüllungsgehilfen umgehend zu vollstrecken.‘

‚Also sie hat sich an mir vergangen, als ich in meinem Bette lag, dass ist ja wohl Anzeichen genug.‘ rief Tirsch aufgebracht.

‚Aber gebissen hat sie dich nicht, oder?‘

‚Wie meint ihr das?‘

‚Er meint, dass dir dein Kasper abfault und du ihn nie wieder Schnäuzen wollen wirst, wenn sie dir in den Zipfel gebissen hat.‘ rief Gerk und kicherte in sich hinein.

Tirsch zog den Gürtel seiner Hose auf und riskierte einen Blick in seine Hose. Der Totengräber leuchtete, blickte ihm über die Schulter und konnte sich auch kaum mehr zurückhalten.

‚In der Regel beißen die Vampirartigen an gut erreichbaren Stellen des Körpers, wo die großen Adern verlaufen. Also Hals, Hand- und Fußgelenk. Aber in deinem Fall sollten wir Oberschenkel Innenseite und Bauch untersuchen, nur für den Fall der Fälle.‘

Tirsch schob auch noch das Hemd hoch und blickte auf seinen Bauch, als die schöne Marie plötzlich die Augen aufriss, ihm die Zitrone gegen den Kopf spuckte, einen markerschütterndes Keuchen von sich gab und ihren Körper pfeilschnell aufrichtete. Tirsch konnte ihre spitzen Zähne sehen und das Blut, dass ihr aus dem offenen Mund auf ihre drallen Brüste rann. Während der Totengräber aufgeregt in seinem Buch blätterte, schlug Tirsch beherzt zu, noch bevor ihre langen Krallen ihn erreichen konnten.

‚Den Platz mit Weihwasser tränken, Ausgraben und/oder Gruft öffnen, persönliche Schutzzeichen, wie Kreuze und/oder Knoblauch können hilfreich sein. Wenn das Aussöhnen mit dem Verstorbenen und /oder eine Zitrone nicht helfen, ist die Tötung der Leiche empfohlen. Das Pfählen mit einem handelsüblichen Palmarec aus Weißdorn oder eisernen oder silbernen Nagel und das Abtrennen des Kopfes mit einer Axt oder einem Spaten, den Leichnam verbrennen und die Überreste mit reichlich Knoblauch, Leinsamen und einen geknoteten Strick wieder eingraben. Einen Segen und/oder ein Gebet sprechen hat auch noch nie geschadet.‘ rief der Totengräber, doch Tirsch hatte der schönen Marie schon mit dem Klappspaten den Kopf sauber abgetrennt. Gerk reichte ihm den Palmarec und Tirsch trieb ihn ihr mit einem harten Schlag zwischen die Brüste. Dabei hätte er fast seine Hose verloren. Als er aus der Grube kletterte war er mit Blut und Dreck besudelt. Er steckte sein Hemd in die Hose und schloss den Gürtel, während Gerk ihm den Flachmann reichte. ‚Von dem geweihten Schnapse sollst du kosten, liebste Marie. Möge der Herr deiner Seele gnädig sein und dich Heimholen in sein Reich. Grüße Großmutter von mir. Amen.‘ rief Tirsch und verschüttete den Schnaps über dem Leichnam. Gerk zündete einige Streichhölzer an und warf sie hinterher. In Windeseile fing alles Feuer und die Flammen züngelten aus der Grube. Während Gerk einige Knoten in das Seil band, kniete sich Tirsch neben das brennende Grab und wusch sich mit dem restlichen Weihwasser Hände und Gesicht. Dabei schien er in ein stilles Gebet vertieft zu sein.

Der Totengräber war so beeindruckt von den Beiden, dass er sein Buch wieder in seinem Mantel verschwinden lies und sie mit offenen Mund weiter beobachtete.

‚Gesegnet sei der, der im Namen der Barmherzigkeit und des guten Willens die Schwachen durch das Tal der Dunkelheit geleitet, denn er ist der wahre Hüter seines Bruders und der Retter der verlorenen Kinder.‘ flüsterte Tirsch.

‚Ich will große Rachetaten an denen vollführen, die da versuchen meine Brüder zu vergiften und zu vernichten, und mit Grimm werde ich sie strafen, dass sie erfahren sollen, ich sei der Herr, wenn ich meine Rache an ihnen vollstreckt habe!‘ erwiderte der Totengräber.

Als das Feuer runter gebrannt war, warf Gerk die Leinsamen, das geknotete Seil und den Knoblauch in das Loch, während Tirsch die Grube wieder zu schaufelte. Als sie fertig waren zog Gerk das große Kreuz aus dem Rucksack und steckte es in die weiche Erde. Der Totengräber zog einen Flachmann aus seiner Tasche und schüttete den Inhalt auf das Frische grab. ‚Möge sie in Frieden ruhen. Amen!‘

‚In nomine patris et filii et spiritu sancti!‘ sprachen Gerk und Tirsch wie aus einem Mund.

Ende

¹) Palmarec – bulgarischer Eigenname für einen Nagel zum Pfählen oder Durchstoßen von Vampiren, der bestenfalls aus Weißdorn oder Metall besteht.

P.S. Der Wortdieb bedankt sich bei Wikipedia, Dr. Mark Benecke, Quentin Tarantino, Warehouse 13, Akte X, Supernatural und der Bibel für die vielen Inspirationen. Danke.

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