Der Berg des Gestanks Teil 2

Der Berg des Gestanks Teil 2

blobAm Fuß des Hügels angekommen, erblickten sie auf einen gigantischen Friedhof, der sich die Hänge des Hügels hinaufzog. Der Zwerg kniete vor einem Grab und wischte Laub und Dreck vom Grabstein, um die Inschrift besser lesen zu können.

‚Seht nur, hier ist das Grabmal von Fisten McGay.‘ rief der Zwerg beeindruckt, pflückte eine kleine Blume und legte sie auf das Grab. ‚Man kann über ihn sagen was man will, aber er war ein Held. Er starb für unsere Freiheit!‘

‚Mir wird schlecht.‘ meinte Lunz und hob neugierig das Visier. Er führte doch was im Schilde.

‚Ja und hier liegt seine rechte Faust Gaylord McGay mit samt seiner Lanze begraben: Ritter Herbert von Hinten!‘ meinte Renk ernst, grinste aber breit. Sein Grinsen ging in einen nicht endend wollenden Lachanfall über.

‚Ich würd mich ja nicht so weit aus dem Fenster lehnen, Renk! Manchmal hab ich den Eindruck, du wärst auch einer von denen!‘ rief Lunz ernst und macht dann eine merkwürdige Handbewegung, die irgendwie ziemlich weibisch aussah.

‚Nur weil ich so eine flinke Zunge habe und jedem Mann Honig ums Maul schmiere, heißt es noch lange nicht, dass ich ein Hinterlader bin.‘ entrüstete sich Renk und blickte sich weiter um.

‚Aber mit Frauen machst du es auch nichts.‘ meinte Stulle, der eben erst am Hügel angekommen war.

‚Tu ich wohl?‘ verteidigte sich Renk und versuchte schnell das Thema zu wechseln. ‚Hier liegt Erich McGay?!‘

‚Hört sich aber gar nicht nach einem McGay an!‘ rief Stulle.

‚Vorne er und hinten ich!‘ lachte Lunz. ‚Er war der Mundschenk von Fisten McGay!‘

‚Vielleicht liegt hier ja auch noch irgendwo der Stiefelknecht von Fisten McGay?‘ rief Renk.

‚Und hier liegt sein Hinterlader! Endlich ich hab ihn gefunden!‘ meinte Lunz, der seinen Spaten geschnappt hatte und zu graben begann. Einen wahnsinnigen, einarmigen Weiberheld dabei zu beobachten, nach dem Hinterlader eines namenhaften Heerführers des Clan der McGay zu graben, dessen Name laut der meisten Gerüchte Programm gewesen war, hatte wirklich etwas Merkwürdiges an sich.

‚Das ist Grabschändung, wir kommen noch in Teufels Küche!‘ meinte der Zwerg.

‚Auch wenn viele die Geschichten von Fisten McGay nicht glauben, aber eines weiß ich ganz genau, dass der Hinterlader von Fisten McGay in die Analen der Geschichte eingegangen ist und er liegt genau hier! Aber davor hat er noch alle seine Feinde von Hinten abgeknallt. Und wenn da was dran ist, will ich seinen Prügel haben!‘ predigte Lunz, während er seinen Spaten weiter in die Erde trieb.

‚Da soll nochmal einer sagen, dass ich…!‘ wollte Renk ansetzen, wurde dann aber von einem atembetäubenden Lärm unterbrochen.

‚Ihr wagt es den Berg des Gestanks zu betreten?‘ kam es wie ein Knall vom Gipfel des Berges ihnen entgegen gedonnert.

‚Ich hab doch gesagt, der Zwerg reitet uns wieder ganz tief in die Scheiße.‘ meinte Lunz wieder und grub dennoch weiter.

‚Eigentlich eher auf einen riesigen Scheißhaufen!‘ rief Stulle.

‚Schweigt ihr Nichtswürdigen! In den Staub!‘ rief die Stimme und mit ihr würde der Gestank noch schlimmer. Der böse Wind zwang sie in die Knie und Renk kniete auf dem Grabmal eines unbekannten 12jährigen Mädchens. Die Grabmäler der McGay schienen anscheinend nur die Spitze des Scheißberges zu sein.

Der Zwerg kroch weiter zum Gipfel des Berges und kramte in seinem Rucksack. Renk versuchte ihm zu folgen, obwohl er unaufhörlich zu würgen begann. Plötzlich baute sich vor ihnen eine stattliche Gestankswolke auf.

‚Ich bin Flatus Daemonicus, ihr wagt es in mein Reich zu stolpern und blöde Witze zu machen!‘

‚Wir sind die Erzwinger der Eitrigen Angina, wir stolpern da wo es uns passt.‘ rief der Zwerg mutig. ‚Der Meister des Vermöglichbaren kniet nicht vor einem einfachen Gestanksfluch, mehr seid ihr nicht, böser Wind!

Der nächste Schrei blies Renk seine lederne Maske vom Kopf und der Zwerg klammerte sich krampfhaft an seinem Helm fest. Der Gestank, der Auf den Schrei folgte, war unbeschreiblich.

‚Kriecht nur im Staub, Maden! Ihr seid nicht mehr als Dreck unter meinen Füßen!‘

Stulle lief mutig der widerhaften Gestankswolke entgegen, zog eine Flasche vom Gürtel, öffnete sie und lies den Daumen drauf, während er sie schüttelte. Er schrie die den Gestank an: ‚Der Dämonenfluch hat einen Fahren lassen!‘ Dann zog er erschreckend eloquent den Daumen von der Flasche, der aufgebaute Druck in der Flasche entwich und der Inhalt spritzte der Gestankswolke entgegen.

‚Stulle neeeeeeeeeinnnnnn! Nicht das magische Mundwasser!‘ schrie Renk und riss ihn zu Boden. ‚Der Gestank kommt nicht aus seinem Maul, es kommt aus seinem Arsch!‘

Die teuflische Gestankswolke wechselte dennoch ihre Farbe und begann zu schreien, erst in der gewohnten Tiefe und dann wurde die Stimme immer heller, bis sie nur noch ein elendiges Quietschen war. Sie mussten sich alle die Ohren zuhalten.

Die nicht mehr so ganz dämonische Gestankswolke verpuffte und es blieb nur noch ein fader Geruch von dem bestialischen Gestank zurück.

Indess hatte Lunz gefunden, was er gesucht hatte. In einer länglichen Holzkiste in ein Öltuch eingeschlagen lag der Hinterlader des Fisten McGay. Er lud die Waffe durch und drehte sich in Richtung seiner Begleiter.

‚In Deckung, Schuss von Hinten!‘ schrie er, als er die dämonische Gestankswolke sah, wie sie sich hinter ihnen erneut aufbauschte. Der Schuss donnerte über den Berg und hallte in einem gewaltigen Echo über den Berghang wieder, bevor die Kugel auf sein Ziel traf. Das Auftreffen der brennenden Kugel entzündete ein gewaltiges Inferno und explodierte so heftig, dass es den halben Berg weg sprengte. Zersprengte Grabsteine, Sarglatten und Knochen prasselten auf sie herab.

Fortsetzung folgt vielleicht…

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Der Berg des Gestanks

Der Berg des Gestanks

blob

‚Lunz hat einen Fahren lassen!‘ schrie Stulle völlig entsetzt und zog sich seinen Schal vor Mund und Nase.

‚Gar nicht!‘ rief Lunz, schlug Stulle und zeigte gleichzeitig beschuldigend auf den Zwerg. ‚So wie der stinkt, muss er vom Zwerg Lunte gewesen sein!‘

Der Zwerg blickte griesgrämig zu den beiden Kriegern hinauf und würgte den Stiel seiner Spitzhacke. Das war ein sicheres Zeichen für einen nahenden Wutausbruch des Zwerges. Renk drängte sich dazwischen, griff den Zwerg bei der Schulter und trällerte ihm ins Ohr: ‚Meister Helmhalf lasst Euch von den beiden ungehobelten Ungehobelten nicht provozieren, das Bouquet dieses Schorses erinnerte mich eher an eine gemeinsame unaussprechliche Bekannte von uns...‚ Renk zwinkerte dem Zwerg mehrmals zu und schnalzte dabei mit seiner Zunge.

‚Möge sie in Frieden ruhen!‘ rief Lunz.

‚Und nie wieder auferstehen, so wahr uns die Götter zu helfen beliebt sind!‘ meinte Renk abschließend.

Stulle rief gedämpft durch seinen Schal: ‚Wer hat euch nur so schwere Wörter beigebracht?‘

Der Zwerg schnupperte immer noch und wurde langsam aber sichtlich blass. Selbst sein Bart schien an Farbe zu verlieren. ‚Wenn es nur die unaussprechlich Gestankvolle wäre, dann wäre es ein Leichtes sie nochmal zu töten! Nachdem der Fluch gebrochen, werter Meister des Vermöglichbaren, hab ich nur noch eins für die widerhaftig Schleimige, meine Spitzhacke!‘

‚Werter Helmhalf Eisenspat, wenn Ihr nur blass um die Nase wärt, dann würd ich mich nicht sorgen, aber Euer Bart verliert nicht nur seinen Glanz, sondern auch an Farbe!‘ rief Renk besorgt und wickelte sich ebenfalls ein Tuch um Mund und Nase.

‚Sagt mal, nehmt euch ein Zimmer!‘ rief Lunz angewidert. ‚Es ist echt schlimmer, wie ihr euch gegenseitig Honig ums Maul schmiert, als dieser bestialische Gestank.‘

‚Dieser Gestank ist nicht von dieser Welt, es muss etwas Dämonisches sein!‘ rief der Zwerg und lief auf einen kleinen Hügel zu, von dem der Gestank auszugehen schien.

‚Ich bin mir nicht sicher, ob es sinnvoll ist, dort hinzugehen, wo offensichtlich der Gestank herkommt.‘ rief Renk dem Zwerg hinterher.

Bei jedem Schritt den er dem Hügel näher kam, wurde der Gestank unerträglicher und es schossen ihm Tränen in sein Auge.

‚Der Zwerg reitet uns mal wieder ganz tief in die Scheiße!‘ meinte Lunz mürrisch.

Renk sagte mal nichts und wischte sich nur die Tränen aus dem Auge.

‚Sag mal heulst du jetzt, weil er dir nen Korb gegeben hat?‘ fragte Lunz grinsend.

‚Komm nur einen Schritt näher, dann weißt du warum ich weine.‘ rief Renk, zog sich eine lederne Maske über seinen Kopf und lief weiter dem Zwerg nach, der mittlerweile bereits am Fuß des Hügels angekommen war. ‚Und ihr habt mich noch ausgelacht, als ich mir diese gnomische Schutzbrille gekauft habe!‘

Lunz folgte Renk und schon schossen auch ihm die Tränen in die Augen. Er zog kurzerhand seinen Helm auf und schloss das Visier. Was überhaupt nichts gegen den Gestank half, aber zumindest sah ihn niemand weinen.

‚Lunz hat wieder einen Fahren lassen!‘ schrie Stulle wieder.

‚Nein Stulle, es ist der Berg!‘ riefen Renk und Lunz wie aus einem Mund.

Fortsetzung folgt…

Die Höhle des Verderbens schlägt zurück…

Die Höhle des Verderbens schlägt zurück…

Fortsetzung von… und von…
blobRenk wurde von den Füßen gerissen, als der Schleim ihn überholte. Er fiel auf den Zwerg Lunte, der nun gar nicht mehr so klein war. Seine Klamotten hingen ihm in Fetzen vom Leib und als auch ihn der Schleim erfasste, schrie er und presste gleichzeitig krampfhaft den Mund zu. Das Geräusch, dass ihm dabei entwich, hörte sich an wie das Quietschen eines 12jährigen Mädchens mit blonden Zöpfen an. Geistig war Renk noch bei den blonden Zöpfen des 12jährigen Mädchen, dass in seinem Kopf über eine wunderschöne Blumenwiese lief und als er tatsächlich die Blumen roch, krachten er und der Zwerg mit samt dem ganzen Schleim gegen die Rückwand des Regals. Der Schleim riss das Regal fort und Helmhalf Eisenspat und Renk schwappten aus dem Gang, wie ein Paar Bröckchen in einem Schwall Erbrochenen. Und genauso roch es auch. Durch den beißenden Luftzug der mit dem Schleimschwall in die Wohnhöhle drang, gingen sämtliche Fackeln aus. Nur noch eine kleine, gläserne Berglampe brannte noch. Lunz riss der Schleimschwall fast von den Füßen, er konnte sich aber gerade noch an der Winde festhalten.
‚Stulle komm schnell da raus, wir müssen weg hier! Schnell!‚ rief Lunz, kam zu den beiden Eingeschleimten herüber gelaufen und half Renk auf die Beine. Helmhalf Eisenspat watete bereits zu seiner Bettstatt und packte in Windeseile seinen Rucksack. Mit dem nun viel zu kleinen Rucksack in der Hand lief er voraus in den rechten Gang.
‚Jeder packt sich einen Beutel, oder Zwei! Wir haben den Schatz schon gefunden.‘ meinte Lunz und Helmhalf blickte zu Boden. Der rechte Gang füllte sich schon mit Schleim und doch sah der Zwerg die riesigen Beutel gefüllt mit seinen Schätzen. Ein breites Grinsen wanderte über sein Gesicht, währenddessen der Schleim bereits gegen seine Waden schwappte. Seltsam schillernde Pilzgewächse schwammen an ihm vorbei und nickten ihm obszön zu.

‚Wir sollten uns sputen, bevor wir hier in dem Auswurf noch ersticken.‘ meinte Helmhalf gehetzt und packte sich zwei der Säcke. Und die obszönen Pilzgewächse schwammen in ihre Freiheit.
‚Stulle, beweg dich, aber schnell!‘ rief Lunz und Renk gleichzeitig, packten sich auch jeweils zwei Säcke und liefen dem Zwerg hinter her in den dunklen Gang hinein.
Sie konnten Stulle noch hören, wie er sich durch den kleinen Gang zwängte und dabei erstickt rief: ‚Was stinkt hier so? Und warum hab ihr das Licht ausgemacht?‘
Als sie zurückblickten, konnten sie noch einen kurzen Moment einen Fackelschein erkennen und dann bracht die Hölle los. Das Gestanksgas fing Feuer und mit einem gewaltigen Schlag erbebte die Erde unter ihren Füßen. Der Zwerg duckte sich blitzschnell hinter einen Felsvorsprung, bedeckte seinen Bart mit beiden Händen und rief so laut er konnte: ‚Es brennt ihm Stollen! Es brennt im Stollen!‘
Eine Feuerwalze fegte über sie hinweg und Renk und Lenz flogen sozusagen durch den Stollen, mit samt allem Schleims.
Renk wurde erst wieder wach, als Lenz ihn anschrie und schlug zugleich: ‚Ich glaub du brennst.‘ Und er begann ihn auf den Boden zu wälzen.
Renk roch verbranntes Haar und blickte bei der nächsten Drehung auf und rief: ‚Du auch mein Freund, du auch!‘
Schließlich wälzten sich Beide im Schleim, bis sie erschrocken inne hielten. Aus dem Stollen floss unentwegt der eitrige Schleim, der stellenweise brannte. Und das was sie so erschreckt hatte, war das schlürfende Geräusch, dass aus dem Stollen auf sie zu kam.
Es kam ein riesiger Schatten auf sie zu. Er wurde größer und größer, bis dann der völlig verkohlte und verdreckte Zwerg Helmhalf Eisenspat vor Schleim triefend aus dem Stollen taumelte. Das Einzige, was an ihm noch intakt zu sein schien, war sein Bart.
Der Zwerg faselte lauter als es nötig gewesen wäre: ‚Es brennt im Stollen. Es brennt im Stollen!‘
Lunz und Renk rappelten sich auf und krochen mehr, als dass sie gingen, auf den Zwerg zu.
‚Helmhalf, geht es Euch gut?‘ rief Renk und zog sich am Felsen hoch, um dem Zwerg auf die Schulter zu klopfen und fuhr dann feierlich fort: ‚Es freut mich, Euch in eurer wahren Gestalt und wohl auf erblicken zu dürfen.‘
‚Ja, es ist wunderschön hier draußen.‘ meinte der Zwerg und blickte an ihnen vorbei über die Baumwipfel hinweg, der Sonne entgegen. Er lief einfach an ihnen vorbei und begann zu stammeln: ‚Ist das die Sonne? Ist das die Sonne, wie sehr habe ich gebetet, noch einmal die Sonne wieder sehen zu dürfen.‘
Er griff sich ans Herz und ging in die Knie. Renk lief ihm hinterher, zog eine Lederflasche von seinem Gürtel, schüttelte den Schleim herab und reichte dem Zwerg die Flasche. Als Helmhalf aber nicht darauf reagierte, öffnete Renk die Flasche und flößte ihm den Inhalt ein.
‚Das hier hebt den Mann aufs Pferd und die Frau unter’d Erd!‘ rief Renk und trank selbst davon. Beide zogen die Luft zwischen ihren Zähnen ein, schluckten schwer, rülpsten und schlugen sich dabei gegen die Brust.
‚Ich will eure Zweisamkeit ja nicht stören, aber wo ist Stulle!‘ rief Lunz und machte Anstalten wieder in den Stollen gehen zu wollen. Mit einem letzten Schwall Schleim und gefolgt von einem Rumpeln, dass wieder den Boden unter ihren Füßen erzittern lies, kullerten nur noch Steine aus dem Stollen.
‚Stulle ist noch da drin!‘ rief Lunz und fing an zu graben. Hastig schob er einen Stein nach dem Anderen aus dem Stolleneingang. ‚Los, steht nicht so dumm rum und helft mir lieber.‘
Sie arbeiteten wie verrückt daran, den Stollen von den Steinen zu befreien, aber es schien aussichtslos. Renk liefen die Tränen aus dem Auge, im seinem tiefsten Innersten wusste er, dass sein Freund Stulle Tod sein musste. Er hielt Lunz davon ab, weiter zu machen.
‚Hör auf Mann, es ist aussichtslos!‘ schluchzte er und Lunz fiel erschöpft in seine Arme und fing herzzerreißend an zu schluchzen. Selbst der Zwerg zerdrückte eine Träne und klopfte den beiden Mannen väterlich auf die Schulter.
Plötzlich erschall eine Stimme aus dem Berg. ‚Ihr weint doch nicht etwa!‘
Erschrocken blickten die Drei auf den Fels. Stulle stand in schwindelerregender Höhe mitten im Fels und grinste sie saublöd an.
‚Köpfe weg!‘ rief er und warf einen Sack nach dem Anderen aus der Felsspalte.
‚Das andere Ende der Schatzkammer endet genau hier.‘ rief Stulle aufgeregt.
‚Wie konntest du der Flammenhölle entkommen?‘ rief der Zwerg.
‚Der Schleim hat mich gerettet!‘ rief er und grinste breit. ‚Da war die Unaussprechliche doch noch zu was nützlich!‘
Dem war ausnahmsweise mal nichts hinzuzufügen.

Ende. Vielleicht.

Published in: on 6. März 2013 at 17:46  Comments (1)  
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Rückkehr in die Höhle des Verderbens

Rückkehr in die Höhle des Verderbens

Fortsetzung von…

Renk nahm sich zusammen und rannte los, warf dabei die Eitrige Angina um und stürzte aus der Höhle seinen beiden Weggefährten hinterher. Er konnte kaum die Hand vor Augen sehen, aber er konnte Stulle vor sich keuchen hören. Irgendwann wurde der Gang wieder etwas breiter, also mussten sie bald wieder draußen sein. Hoffentlich sind die Orks nicht mehr da draußen, sonst war es ein echt kurzer Ausflug.

Plötzlich konnte er Lunz schreien hören und wie sich seine Stimme immer mehr entfernte.

Stulle rief: ‚Lunz, wo bist duuuuuuuuuu!‘

Renk hielt inne und versuchte zu lauschen, die Stimme von Lunz war nach einem Rumsen verstummt und Stulle’s Schrei entfernte sich immer weiter. Langsam tastete sich Renk voran. Seine Hände sanken in etwas Glitschiges ein und als er sich befreien wollte, gab das Glitschige nach und er verlor den Halt und kam ins Rutschen. Mit den Worten: ‚Was zur Hööööööööööölllllleeeeeeeeeeee!‘ rutschte er scheinbar den selben Weg hinunter, wie Lunz und Stulle vor ihm.

Mit einem dumpfen Schlag landete er auf Stulle, der wiederum auf Lunz lag.

‚Wir sind entkommen!‘ hustete Stulle.

Renk sagte einfach mal nichts, weil wann sind sie schon mal nicht von dem Regen in die Traufe gekommen. Sie rappelten sich alle auf und sahen sich um, wo sie nun gelandet waren. Diese Höhle war ziemlich niedrig so das Renk schon Mühe hatte aufrecht zu stehen. Stulle stand gebückt da und Lunz setzte sich einfach wieder.

Es war alles weniger schleimig, als noch in der letzten Höhle. Eine halb abgebrannte Fackel, erhellte eine kleine Höhle, in der sich scheinbar jemand Kleines häuslich eingerichtet hatte. Stulle kicherte vor sich hin, weil alles hier so klein war. Er nahm eine kleine Spitzhacke und einen winzigen Eimer in die Hand und schmiss sich halb weg vor lachen.

Aus einem anderen Stollen waberten Worte durch die Luft und sickerten in die kleine Höhle. Nach den Lästerlichkeiten zu urteilen, die nun unaufhörlich an ihre Ohren drangen, schimpfte sich der Jemand, der hier wohnte, die nicht vorhandene Seele aus dem Leib.

Renk machte sich auf, den Worten zu folgen, weil wer gräbt, der hat bestimmt auch was gefunden. Am Ende des Ganges war tatsächlich Licht und nachdem es nicht so übel roch, wie bei der Eitrigen, kroch er frohen Mutes voran.

‚Mist Elendige, auf’m Schleim ausrutschn sollst und dir dein verkrümmtes Kreiz brechn, du räudige, widerhafte….Widerhafte!‘

Renk konnte nicht fassen, was er da sah. Ein winzig kleiner Zwerg hüpfte vor Wut vor ihm im Stollen auf und ab. Er hatte eine ziemlich kleine Schaufel in der Hand, die scheinbar gebrochen war.

‚Widerhafte Widerhafte?‘ kam es Renk aus dem Mund gepurzelt. Der Zwerg drehte sich um und starrte ihn fassungslos an. Renk räusperte sich, zog seinen Hut und sprach: ‚Meister, darf ich mich vorstellen?‘ Er wartete keine wirkliche Antwort ab und sprach einfach weiter: ‚Ich bin Renk, der alles Unmögliche möglich macht, ich bin mit meinen Gesellen in diese Höhle geraten, weil wir auf der Flucht waren vor der, vor der…!‘ seine Stimme brach gespielt. ‚Der unaussprechlichen Unaussprechlichen!‘

Stulle drängelte sich in das Geschehen und meinte neunmalklug: ‚Er meint die Eitrige Angina!‘

‚Ihr dürft ihren Namen nicht aussprechen, sonst kommt sie noch!‘ rief der Zwerg aufgelöst.

‚Nein, keine Sorgen, ich habe sie bei meiner Flucht versehentlich flach gelegt!‘ meinte Renk stolz und griff sich ans Revers seiner Weste.

‚Euch graut ja wirklich vor gar nichts.‘ würgte der Zwerg erschüttert heraus.

‚Nein, nicht so. Ich warf sie um und flüchtete!‘ rief Renk erschrocken und versuchte die Sache richtig zu stellen.

‚Genau, dass ist ja auch meine Misere!‘ erklärte der Zwerg.

‚Erzählt, wir haben viel Zeit!‘ meinte Renk und blickte zu Stulle. Der hatte sich schon im Stollen abgelegt und war schon ganz gespannt auf die Geschichte des Zwerges. Auch Renk setzte sich ab.

‚Einst war ich einer der Größten meiner Sippe und war als Helmhalf Eisenspat bekannt. Wir gruben wahrlich Paläste in den Stein, um dort unsere Schätze anzuhäufen. Nur ich konnte nicht genug Schätze aus dem Felsen holen und grub tiefer. Tiefer noch, als meine Ahnen vor mir. Und noch tiefer. Dort traf ich auf die unaussprechlich Schleimige und habe sie befreit. Sie verliebte sich in mich, doch ich verweigerte mich. Dann verfluchte sie mich. Sie lies alles an mir schrumpfen und legte einen Bann auf mich. Da ich sie einst zurückgewiesen, werde ich Seite an Seite mit ihr leben müssen, aber sie nie mehr erblicken dürfen, was ja eigentlich nichts Schlimmes wäre, wenn der elende Gestank nicht wäre. Ich konnte nur noch einmal zu meiner Sippe gehen, um meine Schätze zu holen, dann wäre der Weg für immer versperrt. Ich ging also zu meiner Sippe und sie verspotteten mich. Seither bin ich nur noch als Zwerg Lunte bekannt. Ich packte meine Schätze und ging fort, bis die unglaublich Triefende mich einholte und den Stollen einstürzen lies, in dem ich mich mit meinen Schätzen gerade befand. Und hier steh ich nun, ich armer Tor. Hier bin ich, da hinten irgendwo ist die unentwegt Sabbernde und hinter diesem Steinhaufen ist mein Schatz.‘ weinte der Zwerg Lunte vor sich hin. ‚Ich grabe und grabe und grabe und immer wenn ich das Funkeln meines Schatzes nur erahne, da passiert irgendetwas noch Schlimmeres.‘

Renk zog ein nicht mehr so ganz sauberes Tuch aus seiner Tasche und hielt es dem Zwerg hin: ‚Helmhalf Eisenspat wir helfen Euch bei euren Problem, wenn Ihr uns den Weg nach draußen zeigt.‘

‚Und wie wollt ihr das anstellen?‘ schluchzte Zwerg Lunte.

‚Lunz wir brauchen deinen Spaten!‘ schrie er in den Stollen. Dann wand er sich wieder dem Zwerg zu: ‚Stulle gräbt hier weiter, weil er viel größer und kräftiger ist als wir alle miteinander! Der Lunz bringt den Unrat mit seinem Schild aus dem Stollen und wir zwei Beide gehen zu der unaufhörlich Klebenden und lenken sie ab.‘

‚Meint ihr, dass dies ein so guter Einfall ist?‘ fragte der Zwerg ungläubig.

‚Lasst mich einfach reden! Und am Besten kriecht Ihr einfach auf dem Boden herum, wenn Ihr sie eh nicht sehen könnt.‘ meinte Renk und quetschte sich an Stulle vorbei und kroch wieder zu der kleinen Wohnhöhle. Auf dem halben Weg kam ihm Lunz entgegen und drückte ihm den Spaten in die Hand.

‚Zum Herausbringen des Unrat könnte ihr die Seilwinde benutzen!‘ meinte der Zwerg und griff sich den Spaten und lief wieder zu Stulle. Als der Zwerg in seine Wohnhöhle kam, standen Renk und Lunz mehr oder weniger aufrecht da. Die Beiden hatten bis eben noch miteinander getuschelt.

‚Nun Lunz, mein Freund, gib mir den Hustensaft!‘ rief Renk lauthals.

‚Aber das ist unsere Letzter, was ist wenn wir eine Angina bekommen?‘ fragte Lunz kleinlaut.

‚Wenn wir die eitrige Beulige erst mal besiegt haben, wird nie wieder jemand eine Angina bekommen!‘ meinte Renk und griff sich den Trinkschlauch. ‚Das, lieber Helmhalf, ist unser Plan B, der Hustensaft!‘

Dem Zwerg wich ein: ‚Ohhhhh!‘ aus dem bebarteten Mund.

‚Wie geht es denn nun auf dem schnellsten Weg zu der farbenfrohen Glitschigkeit?‘ fragte Renk wissbegierig.

Der Zwerg ging zu einem Regal und zog an einem der Bretter, das Regal schwang zur Seite und zwei weitere Stollen wurden sichtbar. Beide Stollen waren mit Spinnweben verhängt. Es stank aus dem linken Gang. Der Rechte musste nach draußen führen.

‚Hier war wohl länger keiner mehr drin, werter Helmhalf!‘

Der Zwerg griff sich eine frische Fackel und zündete sie an, ein paar Fledermäuse kamen aus dem Gang geflattert, machten in der Höhle wieder kehrt und flogen in den rechten Gang davon.

‚Es drängt mich nicht zu Ihr zu gehen, es reicht völlig jeden Tag mit dem Geruch von Fäulnis und Verderben in der Nase aufzuwachen. Und nach draußen kann ich nicht.‘ meinte der Zwerg und ging voran.

Das Feuer der Fackel verbrannte die Spinnweben und so knisterte und glimmte es den ganzen Weg bis der Geruch immer stärker wurde.

‚Wir sind fast da!‘ rief der Zwerg und löschte die Fackel. Am Ende des Ganges konnte man einen Lichtschein erkennen und der Gestank lies einem bereits die Augen tränen.

‚Ich verstehe, man sollte auch nicht mit offenen Feuer in das Haus eines Alchemisten gehen, wenn an seiner Tür steht: Schießpulver im Sonderangebot!‘

‚Ihr seid wirklich ein ganz ein Schlauer. Ich habe es nur zu oft gesehen, wenn sich Gase in einem Stollen entzünden. Es ist eh ein Wunder, dass die widerwärtig Eitrige sich noch nicht selbst in die Luft gesprengt hat.‘

‚Das macht sie bestimmt mit Absicht, nur um Euch noch länger zu quälen!‘

‚Psssst! Ich kann nichts mehr sehen!‘

‚Kein Wunder, es ist stockdunkel!‘

‚Nein, ungläubiger Narr, da vorne muss ein Lichtschimmer sein!‘

‚Ja, schon. Seht ihr es denn nicht!‘

‚Nein, Verdammt, ich sagte doch ich kann sie nie wieder erblicken.‘

‚Aber das ist ja nur ihr Feuer!‘

‚Hab ich den Fluch gesprochen?‘

‚Nein, ist ja auch egal!‘ winkte Renk ab und flüsterte dann verschwörerisch: ‚Ich gehe voran und Ihr bleibt sicherheitshalber auf allen Vieren!‘

Den restlichen Weg machte sich Renk so seine Gedanken. Wenn der Zwerg auch ihr Licht nicht sehen konnte und ihr Licht auch die Fäulnisgase nicht zum Explodieren brachte, dann musste es magisch sein. Und wenn er alles magische von ihr nicht erblicken konnte, dann konnte er doch einfach mit seinem Schatz gehen. Dann war seine ganze Misere nur eine riesige Illusion. Mit diesen Gedanken betrat er die Höhle. Die Eitrige kniete vor ihrem Altar.

‚Dieser arme Zwerg ist heute gekommen, um um Eure Gnade zu betteln. Seht wie er auf allen Vieren vor Euch kriecht. Er hat Zeit seines Leben versucht gangbar zu machen, was für ihn immer verschlossen bleiben wird. Noch tiefer sinken kann er doch nicht. Wollt Ihr ihn denn nicht erlösen.‘ rief Renk mutig und zog den kriechenden Zwerg hinter sich her in die Höhle des Verderbens. Die Eitrige Angina hatte sich wohl schon wieder erholt und kam auf ihre eigene schleimige Art zu ihnen gekrochen. Und sie sah echt wütend aus! Wut schnaubend warf der Schleim Blasen aus ihrer Nase und sie rang nach Luft.

‚Und meine Wenigkeit. Ich wollte mich auch bei Euch entschuldigen, dass wir Euch vorhin mit unserer Anwesenheit überfallen haben. Wir waren nicht darauf gefasst ein so einzigartiges Wesen hier zu erblicken, dass unser einfacher Verstand uns nur die Angst gezeigt hat und wir, unzulänglich wie wir sind, nur die Flucht ergreifen konnten.‘

Das einzigartige Schleimwesen blieb auf der Stelle stehen und sie schien sich verschluckt zu haben. Sie röchelte und hustete.

‚Werte Angina, kann ich armer Wicht Euch behilflich sein? Habt Ihr Euch verschluckt?‘

Sie wies auf ihre Kehle und röchelte weiter. Das ging ja einfach als gedacht.

‚Trinkt doch einen Schluck aus meinem Schlauch, dann geht es Euch gleich besser, meine Teuerste.‘

Gesagt, getan. Er flößte ihr die ganze Flasche ein. Sie schluckte und schluckte und schluckte und als die Flasche leer war, zog sich Renk sicherheitshalber zurück. Er packte den Zwerg am Kragen und zog ihn zum Gang zurück.

Aus der Eitrigen sprudelte es nun heraus: ‚Was habt ihr mir gegeben?‘

‚Magischen Hustensaft, Verehrteste!‘

‚Neeeeeeeeiiiiiiin!‘ schrie sie noch und dann zerfloss sie in schillernden, farbigen Schleim und verteilte sich auf dem Boden der Höhle.

‚Ich kann wieder sehen!‘ meinte der Zwerg und seine Gestalt schien zu wachsen.

‚Los raus hier!‘ schrie Renk. Sie liefen in den Gang und Renk versuchte inständig die Fackel wieder anzuzünden. Vom Schleim verfolgt rannten sie schneller. Vor sich konnten sie schon die Bretterwand des Regals sehen.

Fortsetzung folgt… 

Die Höhle des Verderbens

Die Höhle des Verderbens

Lunz, Renk und Stulle liefen gehetzt durch den Wald. Sie wurden von einer Truppe Orks verfolgt. Die waren zwar nur mit Pfeil und Bogen bewaffnet und manche auch nur mit Arm und Beil, aber es waren echt viele. Da nimmt man doch lieber die Beine in die Hand und haut ab, bevor man noch heute Nacht als Hauptspeise auf den Tisch kommt.

Lunz war der einarmige Kämpfer der Gruppe und er hatte den Rückzug befohlen. Nachdem er sich von seinem Arm trennen musste, hatte er sich sein Schild an den Stumpf bauen lassen. Renk war ein ziemlich verschlagener Geselle mit einer Augenklappe. Als einäugiger Dieb sah er aber noch genug Wertvolles, was sich zu stehlen lohnte. Man sagt, er hätte Lunz versucht das Amputat seines Armes zu stehlen und dabei hatte er sein Auge verloren. Nun sind sie die ‚besten‘ Freunde, so wie man eben nach so einer Sache eben ‚beste‘ Freunde sein konnte. Der Stulle ist scheinbar zu nichts zu gebrauchen, aber er hatte noch alle Gliedmaßen, beide Augen, beide Ohren und seine Nase und da hatte er den beiden Anderen schon etwas voraus.

So liefen die Drei durchs Dickicht einen Hügel hinauf, bis sie an eine Höhle kamen. Ohne lange zu überlegen liefen sie hinein. Die Höhle entpuppte sich als langer, niedriger Gang, indem es finsterer war, als in einem Trollarsch und ungefähr genauso stank es auch. Die Steinwände waren nass und glitschig und um so weiter sie in den Berg liefen, um so enger wurde der Gang. Als sie nur noch kriechen konnten, machte sich Unbehaglichkeit breit. Doch Lunz sah am Ende des Tunnels ein Licht, also ging es langsam weiter. Stulle hoffte inständig, dass das Licht am Ende des Tunnels nicht ihr aller Ende bedeuten würde, weil so eng wie der Gang war, könnte Lunz vor lauter Beklemmung in diesem Tunnel eine Nahetoderfahrung erlitten haben und deswegen einen Tunnel mit einem Licht am Ende sah. Sie krochen dennoch weiter.

Irgendwann purzelten sie in eine große Kammer, an deren Ende viele Feuer entzündet waren. Es hingen viele Felsen von der Decke herab und komischerweise schienen sie auch aus dem Boden zu wachsen. Der Boden fühlte sich noch dazu merkwürdig weich an und es lag schwerer Nebel auf dem Boden, so dass man nicht sehen konnte, was da am Boden so weich war. Angewidert rappelten sie sich auf und sahen sich um. Am Ende der Höhle war ein Altar erbaut worden. Aus Dreck und ziemlich viel unerkennbaren Zeugs. Dem Geruch nach zu urteilen musste hier auch irgendwas verwesen.

‚Sind es nun Stalaktiten, Stalagmiten oder Stalagnaten?‘ fragte Renk in die Runde, während er einen Tropfstein befingerte, der aus dem Boden wuchs.

‚Er hat Titten gesagt!‘ rief Stulle und kicherte.

‚Wer hat euch nur so viele schwere Wörter beigebracht?‘ rief Lunz und drängelte sich nach vorne. ‚Aber bei Brüsten kenn ich mich nun mal besser aus, als jeder andere hier, auch wenn ich mit einem Arm nicht mehr ganz so viel Spaß dabei habe…!‘ Er griff nach einem Tropfstein, der neben ihm von der Decke hing und grinste geil in die Runde.

‚Was haben die Gesteinsformationen nun mit der weiblichen Brust zu tun?‘ fragte Renk neugierig und konnte dabei die Finger nicht von dem Tropfstein lassen, der vor ihm stand.

‚Titten hängen nach unten und deswegen, ist dieses phallische Symbol deiner nicht vorhandenen Männlichkeit, dass du da grad mit deinen diebischen Griffeln abgrapschst, ein Stalagmit und die Kawenzmänner, die von der Höhlendecke hängen, sind Stalaktiten!‘ meinte Lunz neunmalklug.

Stulle kicherte nur wieder dümmlich und blickte auf den Boden. Irgendwas Widerliches huschte zwischen seinen Beinen hindurch und kroch wieselflink im Schutz des Bodennebel hinweg und davon.

‚Ich glaub hier drinne ist irgendwas Lebendiges!‘ flüsterte Stulle erschrocken.

‚Ihr wagt es den Tempel des Ver….!‘ krächzte eine heisere Stimme und ging dann in einem nicht endend wollenden Hustenanfall über, aus dem nur noch die Worte: ‚Entweihen!‘ und ‚Maden!‘ zu vernehmen waren. Das Husten wurde durch das Wiederhallen in der Höhle so grausam verstärkt, dass sie sich den Auswurf am Ende des Hustenanfalles schier bildlich vorstellen konnten, als sie ihn auf den Boden klatschen hörten.

‚Wer seid ihr? Zeigt euch?‘ rief Renk mutig und ging schnurstracks auf den Altar zu, um sich nach etwas Wertvollen umzusehen. Er ging ein paar Steinstufen zum Altar hinauf und nun sah er, was den Boden überzog. Eine bunt, schillernde Masse eines pilzartigen Gewächses, das sich bei jedem Windhauch zu bewegen schien. Und das was er auf dem Altar erblickte, drehte ihm schier den Magen um. Und der Inhalt seines Magens schwappte in seine Mundhöhle. Seltsam, er hatte seit Tagen nichts zum Beißen bekommen, wo kommen denn nun die Bröckchen ein.

Plötzlich tauchte hinter ihm eine gekrümmte Gestalt auf, die er erst bemerkte, als sie laut hinter ihm nieste und ihm der Rotz gegen die Schulter und sein Gesicht klatschte, als er sich vor Schreck umdrehte. Angewidert wischte er sich eine zähe, gelbe Masse aus dem Gesicht, die verdächtig nach Eiter und Fäulnis roch. Da war er wieder, sein Mageninhalt. Er schluckte schwer.

Die kranke Gestalt, die vor ihm stand, war wohl mal eine alte Frau gewesen. Ihr ganzer Körper war von Bladern und Eiterbeulen überzogen und die paar Stofffetzen, die sie noch am Leibe trug, schienen bereits mit ihr verwachsen zu sein. Der Rotz lief ihr unentwegt aus der Nase und vermischte sich mit dem blutigen Geifer, der ihr aus dem Mund rann. Ihr Atem war nur ein Rasseln und er hatte die Vermutung, dass sie Kettenringe verschluckt haben musste, die jetzt bei jedem Atemzug in ihrer Lunge tanzten. Sie hustete wieder und brachte irgendetwas Breiiges hervor, was sie sogleich auf die pilzverkrusteten Stufen spie, worauf das breiige Etwas sofort fortzulaufen schien. Renk schüttelte den Kopf. Schleim hat keine Beine und kann folglich auch nicht laufen.

‚Sie hat dich vollgeschleimt.‘ rief Stulle reichlich verspätet. Er war wirklich zu nichts zu gebrauchen, nicht mal für blöde Kommentare.

Renk taumelte nach hinten und versuchte nach Möglichkeit nichts zu berühren und stotterte: ‚Wer seid ihr!‘

‚Ich bin die Eitrige Angina und willkommen in der Höhle des Dahinsiechens.‘ Sie hustete wieder. ‚Im Tempel des Verderbens!‘ Sie spie die Sätze förmlich heraus. ‚Im Hort des Schleims!‘ Ihre Stimme hatte nun ein unerträgliches Quietschen angenommen.

Die Lunz machte das Zeichen des Rückzugs. Die Orks waren ihm wohl lieber, als die Eitrige Angina. Und schon waren Stulle und Lunz wieder in dem Gang verschwunden, aus dem sie vorhin gepurzelt waren. Nur zwischen Renk und der Freiheit stand die Eitrige Angina.

Fortsetzung folgt….

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