Der Thelocactus Freudenbergeri in Sachen Liebe.

Der Thelocactus Freudenbergeri in Sachen Liebe.

‚Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor!‘

Mein Leben ist ein furchterbarer Alptraum. Mein unehelicher Ableger juckt wie nichts Gutes und er wird von Tag zu Tag immer größer und er zittert. Während mich seine Mutter nun endgültig verlassen hat, musste ich mir hier das langsame Treiben unseres Aushilfskellners Onkel Salvatore ansehen. Sie hat unsere Romanze nicht überlebt und bei der Langsamkeit von Onkel Salvatore, werde ich einen weiteren Tag hier nicht überleben. Sie ist einfach klamm und heimlich über Nacht eingegangen. Und nun habe ich einen weiteren Tag mit dem Onkel Salvatore vor mir, ich werde bei seinem Anblick langsam aber sicher verenden. Meine Mimose und ich hatten nur einen Tag und ich einen ziemlich unfreiwilligen Geschlechtsakt. Und nun diesen juckenden Bengel an meinen Lenden. So eine Scheiße, ich habe keine Lenden. Aber wenn ich welche hätte, dann würde er mir genau dort rauswachsen und noch mehr jucken. Und ich habe keine Hände, mit denen ich mich kratzen könnte. Aber was juckt es mich eigentlich, ich brauch bestimmt nur noch einen Tag in diesem Irrenhaus, bis ich schließlich und endgültig eingehen werde.

Aber wenn ich Hände gehabt hätte, dann hätte ich meine Mimose festhalten können, dann wäre sie mir vielleicht nicht entschlafen. Nein, wenn ich Hände gehabt hätte, dann hätte ich sie davon abgehalten, mir einen Bengel zu machen, weil sie genau diesen Fortpflanzungsakt nicht überlebt hat. Himmel, sie ist aus Liebe zu mir eingegangen. Die Fortpflanzung war zu aufregend für sie. Beim Geschlechtsverkehr mit mir entschlafen, ich muss mich umbringen. Ich bin nur außerstande mich umzubringen. Wie deprimierend. Und einen weiteren Tag hier überlebe ich wirklich nicht. Und was bleibt, ist dieser Bengel, mein Bengel. Er zittert und juckt. Aber er ist meiner. Aber andererseits hoffe ich, dass er bald abfällt und auf eigenen Beinen steht. Heul. Beine haben wir ja auch nicht, sonst wäre ich schön längst in das elektrische Fleischmesser von der Schwuchtel in der Küche gelaufen und hätte mich hoffentlich endgültig fremd entleibt. Als Trost bleibt mir der Anblick meiner verdorrten Geliebten und die Überreste, die neben mir im Blumentopf vor sich hin verrotten. Meine Mimose wird nie wieder für mich zittern. Die Liebe kann ganz schön grausam sein. Wenn sie vor der Tür steht, dann hast du was besseres zu tun, als die Türe zu öffnen und sie bleibt vor verschlossener Tür stehen und geht langsam aber sicher ein. Und wenn du dann endlich begriffen hast, dass sie vor deiner Tür gestanden hat, dann rennst du ganz aufgeregt zur Tür und da steht aber niemand mehr, es bleibt nur der schwache Duft zurück, der Duft meiner Mimose. Ich werde ihren Duft nie vergessen. Ein Problem habe ich nur, ich wäre nie zur Tür gekommen, weil ich nicht laufen kann. Wer bringt mich um, von mir aus auch die Schwuchtel. Warum bringt mich nicht einfach jemand um.

Während ich versuche mich in meinem Selbstmitleid zu ertränken, kommt Onkel Salvatore. Er braucht eine halbe Ewigkeit bis er bei der Tür ist und dann noch eine ganze Weile, bis er endlich im Lokal steht. Gut, er versucht zu stehen. Der alte Zausel wird nur noch von seiner Haut zusammengehalten. Er muss wesentlich älter als Die Nonna sein.

Die Nonna kommt im selben Augenblick wieder ins Lokal und erblickt zuerst die Mimose und dann Onkel Salvatore. Mit einer hochgezogenen Augenbraue kommt sie auf mich zu, schüttelt den Kopf und packt sich die Mimose. Und sie nimmt sie mir einfach weg. Weg. Nein, nicht in den Müllschlucker. Nein, bitte nicht. Jetzt bin ich allein. Allein, allein! Allein, mit einem pinken Porzellanpudel und meinem Baby. Und keiner will mich umbringen. Die Welt und das Universum hat einfach kein Einsehen mehr. Und wenn es nach Gott geht, dann schmort meine Mimose jetzt in der Hölle, weil sie schließlich lasterhafte Dinge an mir verrichtet hat und weil sie eine….eine…ja, weil sie eine Schlampe war. Eine Schamhafte. Und ich armes Opfer komme, dann in den Himmel, oder wie? Vielleicht sollte ich noch ein Bisschen sündigen, bevor ich mich umbringen lasse, oder ich schaffe es tatsächlich mich selbst umzubringen, in dem ich mich von der Fensterbank stürze. Das wäre dann Sünde genug, damit ich in die Hölle komme, zu meiner Liebsten. Hm. Onkel Salvatore ist schon an der Theke angekommen und lehnt nun keuchend an einem Barhocker. Die Nonna schüttelt auch seit Tagen nur noch den Kopf. Einfach ein Irrenhaus hier. Der fette Herr Baumhauer kommt und muss gar nichts bestellen, wir wissen ja eh was er da jeden Tag in sich rein schaufelt. Onkel Salvatore serviert gerade das Weißbier. Er tapert mit dem Glas in der Hand durch das Lokal. Zum Glück hat Die Nonna ihm das Tablett weggenommen. Er hatte in den letzten Tagen so viele Biere fallen lassen, dass die Nonna diese Zwangsmaßnahme einfach übers Herz bringen musste. Nun trägt er das Bier in einer gefährlichen Schräglage zum Tisch vom Herrn Baumhauer. Die Nonna hatte ihn heute an einen anderen Tisch gesetzt, wahrscheinlich weil sie nicht wollte, dass er das mit meiner Mimose mitbekam. Bis Onkel Salvatore am Tisch von dem Herrn Baumhauer angekommen ist, ist nicht nur der Schaum zusammengefallen, sondern auch der Herr Baumhauer kläglich vertrocknet und alle anderen kriegen schier einen Herzinfakt. Es ist wie ein Unfall, bei dem man einfach nicht wegsehen kann. Es ist echt nicht auszuhalten. Das Servieren des Schnitzels überlebe ich einfach nicht. Will uns denn keiner erlösen. Keiner. Wirklich keiner. Das habt ihr jetzt davon, ich stürze mich jetzt von der Fensterbank…

Advertisements

Der Thelocactus Freudenbergeri und seine Begegnung der dritten Art.

Der Thelocactus Freudenbergeri und seine Begegnung der dritten Art.

Meine MimoseMitten in der Nacht wache ich auf, weil sich in meinem Blumentopf irgendetwas echt seltsam an fühlt. Es ist stockduster im Lokal und ich bekomme ernsthaft Gänsehaut. Dann nehme ich den Geruch war. Ein süßlicher Geruch beißt mir in meiner nicht vorhandenen Nase. Auf der Digitalanzeige des Radios steht auf 03:47. Ich habe zwar keine Augen, aber soviel kann ich gerade noch sehen. Es dauert noch eine ganze Weile bis die Sonne aufgehen wird und Die Nonna kommt, um mich zu retten. Dann bemerke ich, dass sich in meinem Topf etwas rührt. Hilfe, da ist was Lebendiges in meinem Topf. Das Universum mag mich einfach nicht, erst geht mir Die Nonna mit dem fetten Herrn Baumhauer fremd, dann vergenußwurzelt mich diese blöde Mimose am laufenden Band und jetzt hab ich irgendwas Lebendiges in meinem Blumentopf.

Wenn ich weglaufen könnte, dann würde ich es tun. Der Tag fängt ja gut an, bevor er überhaupt angefangen hat. Hilfe! Hilllllfeeeee! Warum hört mich denn keiner? Ich kann ja gar nicht reden! Hiilllllfeeeee! Ich werde jetzt einfach eingehen. Einfach so. Lebe Wohl geliebte Die Nonna. Vielleicht werde ich ja als Pudel wieder geboren. Dann können wir zusammen in die Heimat fahren. Plötzlich wird es mir ganz anders, ich kann die Digitalanzeige vom Radio nicht mehr erkennen. Ich bin blind. Aber ich habe doch gar keine Augen, ich kann gar nicht blind sein. Es ist aber so dunkel hier und das Lebendige in meinem Blumentopf wird immer größer und größer. Ich bekomme enorme Beklemmungen. Das macht mir Angst. Warum hilft mir denn niemand. Die Nonnnaaaaa, hilf mir. Und hier stinkt so. Und dieser Geruch ist es, der hat mich blind gemacht. Ich will hier raus, verdammt nochmal. Vor Angst zitternd warte ich auf den Sonnenaufgang. Dann sehe ich bestimmt wieder was. Es dauert scheinbar eine halbe Ewigkeit, bis ich endlich wieder etwas erkennen kann. Vor mir ist etwas in meinem Topf aufgegangen. Bloß was ist es, ich kann es nicht genau erkennen. Wenn ich Augen hätte, dann könnte ich wenigstens schielen. Die Anzeige vom Radio steht auf 00:00. Wir hatten wohl Stromausfall und ich dachte ich muss sterben. Plötzlich höre ich ein Pfeifen, vielleicht kann Die Nonna nicht ohne mich schlafen. Die Nonna, bitte rette mich! Bitte! Die Tür geht auf und der Große Bruder Mario Calabrese kommt zur Tür herein. Er geht zur Bar, tritt gegen die Wandvertäfelung und holt die Flasche Ramazotti hervor, trinkt aus der Flasche, beißt in eine Zitrone und geht wieder aus seinem Lokal. Der Auftritt des Großen Bruders hat mich so von meinem Problem abgelenkt, dass ich gar nicht bemerkt habe, dass er das Licht angelassen hatte. Jetzt kann ich sehen was in meinem Topf wächst. Nein, des kann doch nicht wahr sein. Ich habe einen Ableger bekommen. Ein so einen Großen. Nein, es sind eigentlich drei. Und die Ableger zittern vor sich hin. Mir schwant arges. Die blöde Mimose hat mich angebumst und jetzt hab ich drei total empfindliche Ableger. Toll. Geht es eigentlich noch schlimmer? Kann mich das Universum nicht gleich umbringen. Muss ich vorher noch ordentlich gequält werden, oder wie?

Aber woher kommt der komische Geruch. Ich kucke auf die Seite. Die Mimose geht gerade mit dem Sonnenlicht auf und entfaltet sich zu voller Größe, um sich dann gleich an meinen Stacheln zu reiben und sich dann wieder zusammen zuziehen. Hey, du Schlampe du, hab mal ein bisschen Rücksicht, ich bin nicht nur schwanger, sondern auch allein erziehend. Jetzt kann ich ihre Blüten sehen und oben auf jeder Blüte prangt jeweils ein großer gebogener Stachel. Diese Stacheln kommen mir verdammt bekannt vor. Ich wusste nicht, dass sich Mimosen überhaupt mit einem wie mir kreuzen lassen, aber so wie es aussieht geht es schneller, als man denkt. Ich zahle aber keine Alimente für eine mehrfache Vergewaltigung. Diese empfindliche Sinnschlampe und jetzt zieht sie wieder die Blätter ein und will nichts mehr von mir wissen. Himmel, wie soll das nur weitergehen.

Die Nonna kommt trällernd zur Tür herein. Sie stellt den Radio wieder auf die richtige Uhrzeit und stellt ihn dabei an. Umberto Tozzi´s ‚Ti Amo‘ brüllt aus dem Radio und Die Nonna kommt richtig in Stimmung und singt lautstark dazu. Jetzt bemerkt sie mich und kommt zu mir rüber. ‚Du böser kleiner Kaktus, was hast du heute Nacht bloß mit der armen kleinen Mimose getrieben!‘ Sie gießt die Mimose jetzt allen Ernstes mit meinem Pellegrino, dann geht sie ohne mich zu gießen und holt einen hässlichen pinken Porzellanpudel von einer anderen Fensterbank und stellt ihn zwischen mich und meine Peinigerin. Wenigstens etwas. Sie geht in die Küche und kommt mit einem Putzlappen wieder. ‚Du wollüstiges Stachelmonster, du brauchst wohl eine Abkühlung.‘ Dann windet sie den Putzlappen über mir aus. Igitt. Nass, kalt und widerlich dreckig. Ich kündige. Ich werde ständig falsch verstanden und misshandelt. Mein Leben ist wirklich die Hölle. Schlimmer kann es ja jetzt nicht mehr kommen. Aus dem Radio ertönt jetzt Howard Carpendale´s ‚Hello Again‘ und dazu wimmert die Mimose vor sich hin. Wie schaffe ich es nur, mich auf der Stelle zu entleiben. Giovanni kommt mit einer Lieferung meiner entfernten Verwandten herein. Das Geschrei von ihnen kommt mir gerade recht, dann übertönt es hoffentlich das schamhafte Trennungsgewimmer von der Sinnschlampe. Sie zittert jenseits des Porzellanpudels wieder vor sich hin. Haha. Das hat sie nun davon. Wenn ich eine Zunge hätte, würde ich sie ihr rausstrecken. Giovanni kommt wieder aus der Küche und entdeckt mich. Er bekommt einen für meinen Geschmack viel zu langen Lachanfall. Als er sich wieder beruhigt hat, macht er ein Handyfoto von mir und sagt: ‚Ja, was hat er denn da? Was hat er denn?‘ Jetzt krault mich dieser schwule Vegetarier an meinem Ableger, dass macht mir Angst. ‚Wie nett, ein stacheliger Pimmel mit zwei schrumpeligen Eiern dran!‘ Nett ist die kleine Schwester von Scheiße. Ich will sofort eine ganz große Knarre und genug Munition, dann könnte ich die Schwuchtel auf der Stelle erschießen und dann mich. Wenn ich Arme und Hände hätte. Im Radio läuft jetzt Trude Herr’s ‚Weil ich so sexy bin‘ und ich werde ohnmächtig.


Der nächste Morgen – ein grauenvoller Tag für Thelocactus Freudenbergeri!

Der nächste Morgen – ein grauenvoller Tag für Thelocactus Freudenbergeri!

Thelocactus freudenbergeri1.jpgDie Nonna weckt mich nach 3 Stunden Schlaf. Sie putzte zu Carmen und sie sang mit, jeden Ton. Ich muss einen Kopf haben, weil ich Schmerzen habe, als hätte ich einen Kopf. Zwischen den Arien flucht Die Nonna über die blöden deutschen Fußballfans und überlegt sich wahrscheinlich, wie sie ein paar tragische Unfälle einfädeln kann. Giovanni kommt irgendwann mit einer neuen Fleischlieferung und als er gerade die Kisten in die Küche trägt, kommt Diego mit einem weinerlichen Ausdruck im Gesicht ins Lokal. Er meint, seine Oma wäre verstorben und er müsse sofort nach Spanien reisen, damit er ihr wenigstens die letzte Ehre erweisen könne. Die Nonna ist weniger begeistert, aber sie gibt ihm die Woche frei und geht zum Telefon. Wenigstens bin ich den Norgerlpantscher für eine Woche los, dann kann ich versuchen in dieser Woche von meiner Alkoholsucht herunterzukommen, die ich dem blöden Diego zu verdanken habe. Die Nonna spricht ins Telefon: ‚Salvatore!‘ Dann schreit sie in einem so schnellen italienisch in den Hörer, dass ich mit meinem ziemlich beschränkten Sprachwissen nicht mehr hinterher komme. Herr Baumhauer kommt und bestellt das Übliche. Er hat Die Nonna ein Geschenk mitgebracht. Ein Strauch, so ein Gestrüpp. Mit so was kann ich nicht mal entfernt verwandt sein!

Er säuselte Die Nonna ins Ohr: ‚Eine schamhafte Sinnpflanze für das zarteste Pflänzchen in unserer Straße!‘ Ich muss kotzen. Nein, so ein Mist, ich kann gar nicht kotzen. Es ist ein echtes Drama, wenn man so gerne wollen würde, aber nicht kann. Ich versuche mich ernsthaft von der Fensterbank zu stürzen, in der Hoffnung, dass ich bei meinem Todessturz den fetten Herrn Baumhauer erwische. Aber mein Topf bewegt sich keinen Millimeter vom Fleck, so sehr ich mich auch bemühe. Wenn ich schreien könnte, würde ich es tun.

Die Nonna murmelt das italienische Wort für ‚Schwuchtel‘ und stellt das schamhafte Sinnpflänzchen neben mich. Igitt, es ist tatsächlich eine Mimose. Und diese Unterpflanze steht jetzt neben mir und heuchelt nach der Liebe von Die Nonna. Die Nonna gehört aber mir. Nur mir! Das des klar ist! Ich plustere mich zur vollen Größe auf, sofern es mir eben möglich ist. Die Mimose zittert. Sie hat Angst vor mir. Haha. Was für eine unterwürfige Schlampe. Die will doch von mir gequält werden. Nachdem sie aber zu weit von mir weg steht, kann ich sie zumindest nicht persönlich quälen. Und der Diego ist nicht da, so ein Mist. Immer wenn man ihn braucht, ist er nicht da. Norgerl zum Gießen haben wir im Moment auch nicht. Mist. Die Mimose neben mir zittert vor Erregung. Ich habe sie noch nicht mal berührt und sie ist schon total geil. Ich muss hier weg. Der Baumhauer flirtet doch allen Ernstes mit meiner Die Nonna. Und die Mimose ist durch ihr zittern doch tatsächlich näher an mich heran gerutscht. Hilfe, ich werde von einer Mimose sexuell belästigt. Ich kündige.

Die Tür geht auf und eine Frau kommt rein.

‚Ja, Grüssi!‘ sie schritt auf Die Nonna zu und redet einfach weiter: ‚I bin die Anita Lagleder! I bin vom Bund emanzipierter Landfrauen Bayerns e.V.. Mir würdn gerne ihr Hinterzimmer mieten, für unsere Jahreshauptversammlung.‘

Die Nonna schaut sie entgeistert an, trabt aber dann zum Reservierungsbuch und schlägt es auf. Sie setzt ihre Brille auf die Nase, die sie immer um den Halshängen hat, wenn sie sie nicht auf hat. Jetzt sieht sie aus wie eine Stubenfliege. Sie schaut die Frau Lagleder fragend an.

Frau Lagleder ergreift wieder das Wort: ‚Ists am Samstag recht?‘ Die Nonna nickt. ‚Mir san ung’fähr 45 Landfrauen! Wir nehmen dann eine große Vorspeisenplatte und haben sie auch was Vegetarisches.‘

Die Nonna klappt das Buch zu und geht in die Küche. Sie murmelt das italienische Wort für Vegetarier und scheucht den Giovanni in den Schankraum.

Nachdem die Beiden ein Menü ausgekartelt hatten, geht die Frau Lagleder wieder und Herr Baumhauer bekommt von Die Nonna persönlich sein Schnitzel serviert.

Hat er da ein Herz aus Ketchup auf seinem Teller? Die Nonna geht mir doch nicht fremd, so eine Schlampe. Und wo wir grad bei Schlampe sind, die Mimose reibt sich an meinen Stacheln. Jetzt erzittert sie völlig erregt und zieht sich zusammen und jetzt steht sie ganz ruhig neben mir und macht keinen Mucks mehr. Wie, war das jetzt etwa alles, wir haben doch noch gar nicht angefangen. Ich wusste nicht, dass es eine erektile Dysfunktion auch bei Mimosen gibt.

Endlich ist der Herr Baumhauer weg und die Nonna trällert jetzt: ‚Herzilein, du musst nicht traurig sein!‘ Die Nonna geht zur Vorderseite der Bar und tritt gegen die Wandvertäfelung. Ein Brett fällt aus der Wandverträfelung und ein Geheimversteck kommt zum Vorschein. Dann zieht Die Nonna eine Flasche Ramazotti aus dem Versteck. Genüsslich gießt sie sich ein Glas mit Eis und Zitrone ein und singt weiter. Ich könnte kotzen. Nein, da war ja was, ich kann ja gar nicht kotzen. Die Mimose hat sich wieder beruhigt und macht sich wieder über meine Stacheln her. Was geht denn mit der. Ich geb ihr jetzt mal eine halbe Minute, bis sie wieder genug hat. Egoistische Schlampe.

Der Bierlieferant kommt. Endlich. Er heißt Elmar Wucher und er macht der Familie Calabrese immer einen guten Preis. Er hat nämlich eine Zementallergie. Er liefert nicht nur Bier, sondern auch den Schnaps. Sehr gut, da können die Emanzen ja kommen. Hoffentlich ist bis Samstag der Diego wieder da. Ich befürchte ich muss mich betrinken lassen, wenn die Fau Lagleder wieder kommt. Der Wucher geht und drückt quasi dem Großneffe Guiseppe die Klinke in die Hand. Er bringt uns die Weinlieferung.

‚Ah, Nonna, ich soll dir Ausrichten, dass Onkel Salvatore um 17.00 Uhr kommt und für den Spanier einspringt.‘

‚Guiseppe, wann lernst du endlich deine Muttersprache?‘ fragt Die Nonna und haut dem Bengel einen liebevollen Schlag in den Nacken.

Die Mimose ist gerade schon wieder über meine Stacheln hergefallen. Ich komme mir jetzt richtig benützt vor. Sie hat mich benützt. Unglaublich. Die Sonne geht langsam unter. Endlich. Die Mimose zieht wieder die Blätter ein und bewegt sich irgendwie gar nicht mehr. Toll, erst macht sie mich unnötigerweise geil, dabei wollte ich mich doch für Die Nonna aufsparen und dann lassen mich alle einfach unverrichteter Dinge stehen und die Mimose will einfach nicht mehr mitspielen. Was für eine Schlampe. Jetzt zittere ich, weil ich sowas von fickrig bin und dabei fallen mir jetzt auch noch meine Blüten ab. Wenigstens schau ich morgen wieder Normal aus. Das Universum wird doch nicht mal ein Einsehen mit mir haben.

Thelocactus Freudenbergeri machts nicht mehr lang?!

Thelocactus Freudenbergeri machts nicht mehr lang?!

Thelocactusfreudenbergeri Der Tag beginnt mit einem Trompetensolo von Stefan Mross. Ich hätte wieder Schmerzen zwischen den Ohren, wenn ich Ohren hätte. Ich will verdammt noch mal kotzen! Die Nonna kommt und duscht mich kurz mit Pellegrino ab. Heute hatte das Wasser Zimmertemperatur! Sie streichelt mir über die Blüten. Wenn ich Gefühle hätte, würde ich wohl davon geil werden. Und pervers. Die Nonna ist ja schließlich fast 75! Und ich bin ja nur ihr kleiner grüner Kaktus. Haha! Kleiner Spaß am Rande. Wenn ich singen könnte und damals schon gelebt hätte, wäre ich wahrscheinlich ein Comedian Harmonist geworden und ich hätte der Nonna ein paar schöne (nicht schwule) Kinder gemacht.

Sie streichelt mir nochmal über meine Blüten: ‚Du süßer kleiner Kaktus, wenn ich nur ein paar Jahre jünger wäre, würde ich mit dir in die Heimat fahren.‘

Welche Heimat meint sie denn jetzt? Meine oder ihre? Giovanni kommt stöhnend ins Lokal, er hat Diego im Schlepptau. Der wird doch nicht auch noch schwul werden? Nein, die Fleischlieferung ist gekommen. Eine Wohltat, heute ist es gleich viel ruhiger als sonst. Während die beiden Kisten schleppen, geht Die Nonna in die Küche und kümmert sich um das Fleisch.

Ein Bus hält vor dem Lokal, ein Mann springt heraus und kommt herein. Er möchte alle Tische vorbestellen für nach dem Spiel. Der Bus ist voller Fußballfans. Noch sind sie relativ nüchtern. Ich kann ihr Grölen durch das geschlossene Fenster hören. Das wird heute der schlimmste Tag meines Lebens werden. Heute Nachmittag ist ein Spiel, davor hätten sie eine Führung im Stadion und danach wollten sie hier im ‚Al Dente‘ essen. Ein gelungener Tag für einen Fußballfan. Ich kann den Horror kaum erwarten. Und ich kann immer noch nicht kotzen. Ich beginne zu meditieren. Herr Baumhauer kommt und geht wieder. Das Übliche halt. Ich bin dann wohl eingenickt. Plötzlich sitzt ein älteres Ehepaar an meinem Tisch. Sie hatten schon bestellt. Die Nonna kommt mit blutigen Händen aus der Küche und dreht den Radio leiser.

‚Nein, Nein! Lassens doch, das ist genau unsere Musik!‘ sagte der ältere Herr. Das ältere Ehepaar steht auf und tanzen Discofox zu Wolfgang Petri. Der Horror beginnt schon wesentlich früher als ich gedacht hatte. Nachdem ich keine Augen habe, kann ich sie ja schlecht zu machen, also muss ich mir diesen Alptraum bis zum letzten Tanzschritt antun. Das Essen ist fertig. Unser aller Glück. Ein Tropfen Blut tropft vom Radioknopf und der dumme Diego verteilt ihn im ganzen Lokal. Es sieht aus wie in einer Metzgerei. Das ältere Ehepaar isst und irgendwann beachten sie mich.

Der Mann sagt zu seiner Frau: ‚Oh, sieh mal ein Thelocactus Freudenbergeri!‘

Das Universum liebt mich doch, endlich habe ich intellektuelle Gäste an meinem Tisch.

Seine Frau meinte: ‚Oh ja, haben wir nicht auch so einen in unserer Sammlung?‘

‚Aber natürlich, so einer darf natürlich nicht fehlen!‘

‚Der sieht aber gar nicht gut aus!‘

‚Ja, in der Tat, er ist so blass unter den Blüten. Er wird es wohl nicht mehr lang machen!‘

‚Der wird von den Leuten hier bestimmt nicht ordentlich gepflegt!‘

‚Er hat hier auch das völlig falsche Licht!‘

Jetzt habe ich einmal in meinem schlecht beleuchteten und ungepflegten Leben hier im ‚Al Dente‘ intellektuelle Gäste und dann das. Ich wollte doch nur ein wenig verbale Ansprache und dann so was. Ein weiterer Selbstmordversuch meinerseits misslingt mir. Das Ehepaar zahlte und gab, mit den folgenden Worten, ein großzügiges Trinkgeld.

‚Kaufen Sie davon einen ordentlichen Kakteendünger und einen größeren Topf für den Thelocactus Freudenbergeri. Er steht hier in einem völlig falschen Licht. Sonst macht er es nicht mehr lange!‘

Diego ging kopfschüttelnd in die Küche. Wenig später kam Die Nonna, mit einem großen Messer in der Hand und immer noch blutigen Händen, heraus gestürmt und fluchte über die blöden Deutschen. Das ältere Ehepaar war aber schon aus der Tür und schlenderte an meinem Fenster vorbei. Die Nonna ging fluchend wieder in die Küche zurück.

Am Abend kommen dann die Fußballfans. Dieser Abend hat mir nach diesen Mittagsgästen echt noch gefehlt. Das Universum hat einfach kein Einsehen. Die beiden Blumentöpfe mit den Fetten Hennen landeten auf dem Boden. Gut, die eine davon, war eh schon jenseits von Gut und Böse. Ich entging dabei nur knapp dem Fußballtod. Die Fußfallfans zerdepperten eine Unzahl an Gläsern. Sie fraßen aber auch sämtliche Fleischvorräte auf, die ja heute erst für die ganze Woche geliefert worden waren. Und natürlich soffen sie sämtliche alkoholischen Getränke auf, auch die Harten. Einige kotzten, auch in den Schankraum. In der Damentoilette wurde randaliert und dabei teilweise zerstört. Komisch. Außer Die Nonna war doch keine einzige Frau da gewesen. Ein völlig betrunkener begrapschte sogar Die Nonna. Ich wäre ihr liebend gerne als edler Ritter, auf einem edlen Rappen, zur Hilfe geeilt und hätte gerne dem bösen Schuft den weißen Fehdehandschuh in die Fresse geknallt.

Aber ich kann nicht reiten und selbst wenn ich reiten könnte, könnte ich auch nicht zu dem Pferd hinlaufen, dass ich auch nicht habe. Und ich glaube auch nicht, dass ein Kaktus lange auf einem Pferd sitzen würde…

Zum Glück kann sich Die Nonna ganz gut selber retten. Giovanni musste sie sogar zurückhalten, dass der arme notgeile Betrunkene nicht eines plötzlichen Unfalltodes stirbt.

‚Nicht im Lokal, hast du immer gesagt, dass ist doch schlecht für die Geschäfte.‘ hatte er immer zu ihr gesagt, auf Italienisch. Und dies ist der einzige italienische Satz, den ich wirklich auswendig kann und je richtig verstanden habe. Die Nonna wurde dann ins Bett verfrachtet und die Gäste ordentlich abkassiert und vor die Tür gesetzt. Giovanni und Diego machten dann noch eine Nachtschicht und räumten den größten Dreck weg. Ich schlief dann sehr spät ein.

Ein neuer Tag im Leben eines Thelocactus Freudenbergeri

Ein neuer Tag im Leben eines Thelocactus Freudenbergeri

Ein neuer Tag, es ist wieder laut und Hansi Hinterseer trällert durchs morgendliche ‚Al Dente‘. Die Nonna kommt mit einer Flasche Pellegrino und duscht mich wach. Puh. Das Pellegrino war direkt aus dem Kühlschrank. Wenn ich ein Gehirn hätte, hätte ich jetzt Gehirnfrost. Die Nonna singt lautstark zu ‚A bisserl was geht immer‘ von Florian Silbereisen. Es ist ein Alptraum, ich bin aber wach, der Alptraum geht nicht weg und ich kann nicht weglaufen, weil ich keine Beine habe. Bei dem Titel würde sich der ‚Monaco Franze‘ im Grabe umdrehen: A bisserl was geht immer. Was sich der Silbereisen da erlaubt. Aber was will man denn schon von einem Menschen erwarten, der bei jedem Auftritt immer die eine rote Unterhose trägt, die hoffentlich zwischen seinen Auftritten auch mal gewaschen wird. Menschen wie Florian Silbereisen kommen für rote Sündenschlüpfer bestimmt in die Hölle. Ich bete inständig ans Universum, dass Florian Silbereisen und Hansi Hinterseer bitte keinen gemeinsamen Autounfall haben, auch nicht getrennt von einander, weil sonst den ganzen Tag die Scheiße von denen im Radio und im Fernsehen läuft. Mir geht es irgendwie voll schlecht, wenn ich den Diego erwische. Die Norgerl von gestern müssen irgendwie schlecht gewesen sein. Wenn ich einen Kopf hätte, dann hätte ich Schmerzen zwischen den Ohren. Aber nachdem ich ja keinen Kopf habe, tut mir einfach alles weh. So eine Scheiße. Giovanni kommt wieder mit unzähligen Kisten ins Lokal. Das Geschrei meiner entfernten Verwandten beginnt wieder und jetzt habe ich wirklich extreme Kopfschmerzen. Mein Leben ist die Hölle. Jetzt kommt Giovanni zu mir rüber und macht sich über mich lustig. Meine Blüten sehen aus wie ein Blüteniro. Ich hab doch gesagt, kurz bevor ich verrecke, blühe ich wie blöd. Der Giovanni, die alte Schwuchtel, findet es voll süß. Und ich find es voll scheiße und ihn finde ich auch voll scheiße. Er ist schwul und er ist ein Vegetarier und Koch in einem fleischlastigen italienischen Restaurant. Und er ist verdammt nochmal ein Italiener und Italiener haben nicht schwul zu sein. Und Köche sind verdammt nochmal keine Vegetarier. Hier im ‚Al Dente‘ ist echt verkehrte Welt. Und warum kann ich nicht kotzen? Der fette Herr Baumhauer kommt und bestellt wie immer ein Wiener Schnitzel und ein Weizen. Die Nonna steht in der Küche und macht frisches Antipasti. Das Geschrei wird lauter und ebbt erst dann ab, als meine entfernten Verwandten in der Glasvitrine eingesperrt werden. Ein grausamer schleichender Tod, den ich mir da jeden Tag mit anschauen muss. Es ist einfach ein Alptraum. Nachdem keine weiteren Gäste kommen, wird kurzerhand der Fernseher angemacht. Da kommt ein Mann mit Pullunder, Brille, Halbglatze und Aktentasche ins Lokal. Er ist von der GEZ. Er hat festgestellt, dass das ‚Al Dente‘ als Premiere Sportsbar gemeldet ist, aber seit Beginn keinerlei Gebühren an die GEZ entrichtet hat. Er lässt eine saftige Rechnung, der Gebühren der letzten 30 Jahre, da und macht sich dann vornehm vom Acker. Gegen die GEZ-Mafia ist einfach kein Kraut gewachsen, dass man jetzt für Premiere auch schon GEZ-Gebühren zahlen muss, ist nicht nur mir neu. Die Nonna macht den bösen Fernseher aus und ruft ihren ältesten Sohn an, der unter anderem auch der Besitzer des Restaurant ist. Er ist aber so gut wie nie da, weil er ständig anderen ‚Geschäften‘ nachgeht. Obwohl er sein Büro nur ein Stockwerk über uns hat, habe ich ihn im letzten Jahr äußerst selten gesehen. Die Nonna bringt ihm immer sein Essen ins Büro und ansonsten ruft sie ihn an, wenn es etwas dringendes gibt. Sie ist ja schließlich nicht mehr die Jüngste. Die Nonna berichtet lautstark auf Italienisch von der deutschen Mafia. Sie nennt auch den Betrag, der auf der Rechnung steht. Ich verstehe kein Wort, ich kann noch immer kein Italienisch. Und sie machen es mir auch nicht leicht. Mein Glück ist nur, dass Diego auch kein Italienisch kann und Giovanni ihm immer übersetzen muss. Langsam aber sicher werden wir beide es lernen. Hoffe ich. Der Große Bruder wird jetzt wohl den Großen Bruder von der Russischen Mafia anrufen. Die Beiden waren ja schließlich immer gute Freunde gewesen. Es würde jetzt wohl ein alter Gefallen eingelöst werden. Der Radio wird wieder angemacht. Immer noch keine Gäste. Die Nonna putzt wieder und Giovanni und Diego spielen Karten. Der russische Rosenverkäufer kommt an die Theke und gibt der Die Nonna eine Rose und nimmt die Rechnung von der GEZ mit. Er zwinkert ihr zu und deutet an sein Ohr und geht wieder. Im Radio kommen Nachrichten. Ein GEZ-Gebühreneintreiber sei mit seinem Wagen in einen See gerollt und ertrunken. Er hatte beim Berichte schreiben seinen Wagen an einem Parkplatz an einem nahegelegenem See abgestellt und vergessen die Handbremse zu ziehen. Sämtliche Unterlagen sind (leider) verloren gegangen. Die GEZ ist untröstlich, natürlich auch über den Tod eines geschätzten Mitarbeiters. Die Nonna macht eine Flasche Asti auf und zur Feier des Tages bekam ich einen Schluck davon ab. Hurra. Ein schöner Tag und keine Gäste.

Gedanken eines Thelocactus Freudenbergeri

Gedanken eines Thelocactus Freudenbergeri oder ich kann mein Fleisch nicht allein schneiden!

Mein Tag begann heute ziemlich früh, wie immer, draußen vor dem Fenster war es noch dunkel, als Die Nonna Calabrese die Arbeitslichter anknipste, den Radio voll aufdrehte und mit dem Putzen begann. Die Nonna ist schwerhörig, eigentlich fast taub und quält mich jeden Morgen mit schrecklicher Volksmusik. Warum Die Nonna auf Hansi Hinterseer steht, wird wohl nie ergründet werden. Ein Vorteil daran ist, ich kriege jeden Tag den Sonnenaufgang mit und ich höre jeden Tag mehrmals die Nachrichten. So erfahre ich immer alles, was die Welt mehr oder weniger bewegt. Heute zum Beispiel kam die weltbewegende Nachricht, dass die Wissenschaft nun festgestellt hat, woran der Ötzi gestorben ist. Er ist von hinten erschossen worden, mit einem Pfeil und hatte aber auch noch einen Schlag auf den Kopf bekommen. Dinge die ich schon immer wissen wollte und ohne die man nicht weiterleben könnte, wenn man sie nicht erfahren hätte. Heute muss mein Glückstag sein.

So gegen 10 Uhr kommt Giovanni, das schwarze Schaf der Familie Calabrese und der jüngste Sohn von Die Nonna, in den Gastraum. Er schleppt unzählige Kisten voll entfernter Verwandter durch den Gastraum in die Küche, wo er dann wenig später sein Mordhandwerk beginnt. Das Geschrei meiner entfernten Verwandten begleitet mich dann den ganzen Tag, bis das Gebrabbel der Gäste das Geschrei scheinbar überdeckt. Die Glasvitrine wird mit eingelegten Verwandten und Freunden bestückt, die halbtot vor sich hin wimmern. Ich bete jeden Tag inbrünstig ans Universum, dass diese Mörder und Folterer nicht auf die Idee kommen, mich in Scheiben zu schneiden, zu grillen und mit Olivenöl oder Balsamico zu ertränken und für Schaulustige auszustellen, bis ich dann von einem fetten Einheimischen verschlungen werde, um dann in dessen Magensäure schwimmend an meiner eigenen langsamen Auflösung beizuwohnen. Grausame Bestien sind diese Menschen.

Der fette Herr Baumhauer betritt den Gastraum und bestellt wie jeden Tag ein Wiener Schnitzel und ein Weißbier. Warum er dazu in ein italienisches Restaurant geht, erfährt wohl auch niemand. Der Nachmittag ist äußerst langweilig, langweiliger als sonst. Ich dämmere stundenlang vor mich hin. Die Dämmerung setzt ein, der Tag geht vorbei und ich döse immer noch. Ein Pärchen kommt in den Gastraum und der spanische Kellner Diego setzt sie an den Tisch vor meine Fensterbank. So wie die Tussi aussieht, wird es wohl heute nur einen meiner Artverwandten zu Essen geben und so wie der Typ aussieht, wird er wohl einen seiner Artverwandten fressen. Sie bestellen erstmal einen ‚Schampus‘. Und wie ich es nicht anders vermutet hatte, die Tussi kippt ihn runter, weil Schampus IN ist und der Typ kippt ihn in meinen Topf, weil Schampus einfach eine grässliche Plörre ist. Typisch. Wenn ich kotzen könnte, dann würde ich es tun. Ich kann nicht mal Selbstmord begehen, weil wenn ich kurz vorm Verrecken bin, dann blühe ich wie verrückt. Spätestens dann gießt mich Die Nonna mit Pellegrino und redet mit mir den ganzen Tag jenseits der Zimmerlautstärke, damit ich mich wieder erhole. Alles klar. Mein Leben ist ein Alptraum. Das Pärchen hat das Essen bestellt und der Diego macht die Tussi auch noch total schleimig an. Er mimt wirklich den perfekten Italiener. Der Typ ist zurecht sauer und bestellt noch vor dem Essen einen Jägermeister. Die Tussi nestelt an ihren aufgepimpten Fingernägeln rum. Dann schaut sie in meine Richtung.

‚Igitt, was ist denn das für ein obszönes Gewächs?‘

Der Typ schaut auf und sagt: ‚Des sind Kaktusse, Schatzi!‘ Er wundert sich bestimmt immer warum seine Mehrzahl von Kaktus nicht in die vorgesehenen Kästchen seines Kreuzworträtsels passen. Außerdem sind die Gewächse neben mir keine Kakteen, sondern Dickblattgewächse. Und eine von den hässlichen Fetten Hennen ist bereits mehr als mumifiziert. Dann kommt endlich die Hauptspeise. Er stürzt sich auf den Fransen Fleisch und sie hühnert auf dem Teller rum. Er hatte alles aufgefessen, außer das ‚Grünzeug‘ natürlich. Er wird mir langsam sympathisch. Nun bemerkt er, dass sie ihr Fleisch nicht angerührt hat. ‚Schmeckts net?‘

Dann schaut sie auf und meint in einem flötenden Ton: ‚Ich kann mein Fleisch nicht allein schneiden!‘ Ich glaub ich hör nicht recht und ich glaub ich sehe nicht recht. Was macht der Depp. Er schneidet ihr Fleisch klein. Was für ein Waschlappen. Beschließe bis morgen in der Früh ins Koma zu fallen und hoffe, dass mich Die Nonna morgen mit einem Schluck Pellegrino weckt. Ich bete inständig ans Universum einmal intellektuelle Gäste vor meine Fensterbank gesetzt zu bekommen. Der Abend im ‚Al Dente‘ endet mal wieder damit, dass Diego die Norgerl in meinen Blumentopf kippt und ich schlafe dann tatsächlich ziemlich komatös, weil ich nun ziemlich betrunken bin, morgen werd ich voll lauter schwuler violetter Blüten aufwachen und ich kann einfach nicht kotzen. Mein Leben ist echt die Hölle.

%d Bloggern gefällt das: