Sommer, Sonne, Sonnenschein im Park

Sommer, Sonne, Sonnenschein im Park

IMG_20140605_151353021Geräusche drangen an ihr Ohr. Waren das Vögel? Nein, die Zirkaden zirpen ihr Lied. Sie sind nicht mehr in Kansas!!

In ihrem Kopf wummerte es. Die Zirkaden schienen in ihrem Kopf zu sein. Ja und eine Party scheinen sie da auch zu feiern. Sie wollte sich bewegen, es ging aber nicht. Leichte Panik kam über sie. Sie hatte keine Kontrolle über ihren Körper. Es war so, als wäre sie in der Tiefschlafphase von einem bösen Traum geweckt worden. Sie lag völlig gelähmt da und wusste nicht wo sie war. Sie konnte einen frischen Luftzug auf ihrer Haut spüren und sie konnte spüren, dass sie nur noch einen Schuh trug. Von dem fehlenden Schuh mal abgesehen, schien sie zumindest noch irgendwie bekleidet zu ein. Sie hatte nur den Eindruck, als wäre ihre Strumpfhose irgendwie kaputt gegangen… Verdammt, die war echt teuer!

Entweder war die Party letzte Nacht echt hart gewesen oder sie hatte einfach vergessen den zweiten Schuh auszuziehen. Oder beides! In ihrem Bett lag sie dennoch nicht und sie ärgerte sich immer noch über die kaputte Strumpfhose.

Aber wo sollte sonst der frische Luftzug um sie herum herkommen und die Zirkaden? Wenn nicht, weil sie draußen war? Und Warum? Wo war sie nur? Und was hat sie da nur geritten, bei der Kälte draußen zu pennen?

Zwei Krähen plärrten und sie konnte Flügelschlagen hören. Sie musste wirklich irgendwo draußen liegen. Das könnte auch den harten Untergrund erklären. Erst jetzt spürte sie die Steine in ihrem Gesicht, sie lag so halb auf der Seite und offensichtlich mit der Fresse im Dreck.

Als sie eines ihrer Augen öffnen wollte, schaffte sie es nicht, irgendwie war ihr Auge verklebt. Reflexartig versuchte sie ihre Hand zu bewegen. Sie wollte sich übers Gesicht wischen, doch sie konnte ihren Arm nicht bewegen. Sie konnte beide Arme nicht bewegen!! War sie gefesselt? Ja, verdammt!

Die Fesseln schnitten in ihre Handgelenke. Sie wollte schreien, vor Schmerz und um Hilfe! Doch ihr Mund war auch verklebt, so dass sie nur ein Wimmern von sich geben konnte. Bei jeder Bewegung ihrer Handgelenke schnitten die Fesseln noch mehr ins Fleisch. Sie hatte das Gefühl, als würden die Fesseln auf dem blanken Knochen scheuern. Sie konnte sich nur unter Schmerzen bewegen und sehen konnte sie auch nichts. Und schreien auch nicht!

Das war der Moment wo man in der Regel in Panik verfällt. Doch sie versuchte so ruhig wie möglich zu atmen. Sie bekam noch dazu kaum Luft, ihre Nase war irgendwie zu und ihr Mund, war das ein Knebel?

Wenn das ein schlechter Scherz sein soll, dann wäre jetzt der Punkt, wo alle lachen, bis auf eine. Aber es lachte keiner. Oder doch?

Sie hörte Stimmen und Geräusche, die schnell näher zu kommen schienen.

‘…wenn man sich dann immer rumärgern muss…!’

‚…hätt ich auch keinen Bock mehr…!‘

Die Geräusche entfernten sich wieder, wie die beiden Personen, die eben noch gesprochen hatten. Dann kam wieder ein Geräusch. Ein Fahrrad auf einem Kiesuntergrund. Sie musste unweit von einem Weg im Dreck liegen. Warum bemerkte sie keiner? Hilfe!

Sie versuchte noch einmal die Augen zu öffnen. Mit einem Ruck und unter Schmerzen sprang ihr Auge endlich auf und die grelle Fratze am Himmel stach ihr förmlich ins Auge, deshalb schloss sie das Auge wieder, auch auf die Gefahr hin, dass sie es nie wieder aufbekommen würde. Wahrscheinlich hatte sie sich eh ein paar Wimpern ausgerissen. Was war das für ein klebriger Scheißdreck in ihrem Gesicht?

Sie versuchte sich auf die Seite zu wälzen und blinzelte.

Wieder Stimmen. Diesmal kamen sie langsam auf sie zu.

‘Wenn ich abends alleine bin, muss ich immer an dich denken…!’

IMG_20140603_175445817Wie gut, dass sie die Antwort nicht mehr mitbekommen hatte. Ihr schwappte Erbrochenes in ihre Mundhöhle. Dort war allerdings ziemlich wenig Platz und der Knebel versperrte den Weg nach draußen, also schluckte sie schwer…War wohl nicht ihr Tag heute?! Und warum konnte sie sich an die Party nicht erinnern?! Sie versuchte sich erneut herumzudrehen, und unter unglaublichen Schmerzen gelang es ihr. Doch ihre Drehung wurde je von etwas Harten in ihrem Rücken aufgehalten. Mit ihren gefesselten Händen konnte sie den Stamm eines knorrigen Baumes ertasten. Sie öffnete wieder ihr Auge, dass andere wollte einfach nicht aufgehen. Sie blickte den Stamm einer buckligen Trauerbuche hinauf. Das passt ja. Irgend so ein armer Irrer hatte ein Herz auf den Stamm der Trauerbuche gemalt. C + R? Hat wohl nicht geklappt, was?

Dann blickte sie an ihrem Körper herab. Sie trug ihr Lieblingskleid, die Strumpfhose war tatsächlich kaputt und von dem zweiten Schuh fehlte tatsächlich jede Spur. Sie war mit Klebeband gefesselt worden, dass konnte sie zumindest an ihren Füßen sehen. Aufstehen wird ziemlich schwer werden. Aber sie musste es versuchen. Sie mühte sich einen Moment ab und blieb dann erschöpft an Ort und Stelle liegen. Luft bekam sie nun fast gar nicht mehr. Sie spürte warme Flüssigkeit, wie sie über ihr Gesicht kroch. War das Blut? War sie verletzt? Dem Ersticken nahe drehte sie sich wieder mit dem Kopf nach unten. Und dann sah sie das Blut. Es musst aus ihrer Nase kommen!

Die Angst gleich ersticken zu müssen, übermannte sie und sie wusste sich nicht mehr anders zu helfen, also versuchte sie mit ihren gefesselten Beinen gegen den Stamm zu schlagen. Sie musste Lärm erzeugen. Irgendwie.

Durch die Schläge gegen den Stamm wurde das Tape durchgewetzt und ihre Beine kamen frei. Endlich! Sie versuchte erst gar nicht aufzustehen, weil sie versuchte sich einfach umzudrehen und zumindest auf die Knie zu kommen. Und wenn sie aus der Scheiße kriechen musste!

Gedacht, getan! Bloß robbte sie mehr, als dass sie auf Knien über den Waldboden kroch. Durch die Anstrengung bekam sie zumindest wieder besser Luft und sie versuchte den Geräuschen entgegen zukriechen.

Irgendeiner dieser Jogger oder Biker muss sie doch sehen oder hören. Das Leben rannte in bunten Radlerhosen an ihr vorbei auf der Jagd nach verbrannten Kalorien. Und sie verhungerte an der ausgesteckten Hand mit der Fresse im Dreck. Sie wollte schreien, sie schaffte es aber nicht. Ihre Arme bekam sie auch nicht frei. Ihre Knie waren schon wund, aber sie musste weiter. Dornen rissen an ihren Klamotten. Die Schmerzen spürte sie schon lange nicht mehr, sie wollte nur weg hier. Nach da vorne in die Sonne, da wo die Leute sind, die arglos ihrem Sport nachgingen. Sie konnte vor sich schon den Weg sehen. Doch zwischen ihr und der Freiheit war noch eine Dornenhecke. Da musste sie jetzt durch.

Beherzt warf sie sich seitlich in die Hecke und versuchte sich mit den Beinen durch das Gestrüpp zu drücken. Die Dornen rissen an ihren Haaren und stachen in ihre Kopfhaut. Sie konnte kurz den weißen Kiesweg sehen, als sie plötzlich an beiden Beinen gepackt wurde und mit einem Ruck nach hinten gezogen worden. Sie kam gar nicht auf die Idee sich zu wehren, sie war von der plötzlichen Bewegung so schockiert, dass sie wieder wie gelähmt schien. War sie doch beinahe am Ziel angekommen. Die weißen Kiesel hatte sie doch schon im Blickfeld gehabt. Und da vorne müssen doch Leute sein.

Sie konnte ein fröhliches Pfeifen hören, während ihr Körper über den unebenen Waldboden gezogen wurde.

Irgendwann wurde von ihr abgelassen und sie versuchte im selben Moment zu flüchten, als ihre Beine freigegeben wurden. Besonders weit kam sie diesmal nicht, weil sie erneut gepackt wurde. Eine schleppenden, krächzende, männliche Stimme drang an ihr Ohr.

‘Mein Täubchen, du willst mich verlassen, ohne Aufwiedersehen zu sagen. Das macht mich wirklich sehr, sehr traurig.’

Während der Mann sprach, packt er ihren Kopf und zog ihn nach Hinten, so dass sie gezwungen war, ihm ins Gesicht zu sehen.

Dann fiel es ihr wie Schuppen aus den Haaren. Gestern Nacht war sie allein in der Stadt unterwegs und jemand hatte ihr einen Drink ausgegeben. Dieser Jemand! Dieser Grobian! Er packte sie an den Haaren und schlug sie hart ins Gesicht.

‘Ich hab gedacht, dass du mich liebst und dass du für immer bei mir bleibst!’ zischte er ihr zu, machte dann ein abfälliges Geräusch, riss ihr Kleid mit einem Ruck auf, bevor er fortfuhr: ‘Aber wenn du mein Vertrauen so mit Füßen trittst…!’

Er begann sie grob zu befummeln und schlug sie immer wieder ins Gesicht.

Mehr bekam sie gar nicht mehr mit, eine erlösende Ohnmacht ersparte ihr zumindest kurzzeitig die Schmerzen. Aber genau die Schmerzen waren es, die sie wieder zurück brachten.

Ihre Beine waren wieder gefesselt und sie hatte unglaubliche Schmerzen am Kopf. Ihr war kalt. Ziemlich kalt. Bevor ihr klar wurde, dass sie kaum mehr was anhaben musste, versuchte sie erneut die Augen zu öffnen. Es gelang ihr kaum, ihr Gesicht war wohl von den Schlägen ziemlich angeschwollen. Und genauso fühlte es sich auch an. Sie lag in einer klebrigen Pfütze und es roch nach Blut. Ihr Blut!

Von weit entfernt konnte sie wieder Geräusche hören. Sie röchelte vor sich hin, trotz des Knebels konnte sie Blut schmecken. Die Geräusche wurden lauter.

‘Was ist denn mit dir los? Du willst doch jetzt nicht schon wieder fahren?’ hörte sie eine hysterische Frauenstimme in der Ferne. Die Schritte kamen näher. ‘Wir sind andernhalb Stunden hier hergefahren und jetzt willst du sofort wieder heim? Was ist denn mit dir los, Herbert? So kenn ich dich ja gar nicht!’

‘Schau mal da liegt ein Schuh!’ meinte Herbert.

‘Diese Jugend heutzutage, keine Werte mehr. Lassen einfach ihre Schuhe hier liegen!’

‘Es ist nur ein Schuh, Edeltraut!’

‘Ein Schuh, ein Schuh! Trotzdem verantwortungslos! Wenn hier jemand stolpert. An dem spitzen Ding könnte man sich ja die Augen ausstechen.’

‘Sag mal ist das Blut, da am Schuh!’

‘Schau, hab ichs dir nicht gesagt, wie gefährlich so ein Schuhwerk sein kann!’

‘Da wird doch nichts passiert sein?’

‘Spinn dich aus Herbert, lass uns wieder heimfahren!’

Die Schritte entfernten sich wieder von ihr und sie blieb völlig fassungslos im Dreck und ihrem eigenen Blut liegend zurück. Diese ignorante Menschheit heutzutage. Ihr war so kalt und versuchte sich nochmal umzudrehen, damit sie die Sonne sehen konnte, wie sie durch die Trauerbuche schien. Die letzten Sonnenstrahlen des Tages streichelten über ihr zerschundenes Gesicht und ein Tropfen Blut fiel vom Baum herab und landete direkt in ihrem Auge.

C steht für Charlotte. Die nächsten Radfahrer und Jogger hörte Charlotte schon gar nicht mehr…

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Und R ist der Grobian. Am nächsten Tag würde man es in der Zeitung lesen können…

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Der steinerne Thron

Der steinerne Thron

kob_tiefer_kleinDer Berg stand stumm und steinern über dem Wald und ein Fluss schlängelte sich an ihm vorbei, wie ein stiller und ruhiger Begleiter. Stille umgab den Berg, sogar die Krähen gaben keinen Ton von sich. Obwohl die stummen Zeugen unruhig auf den Wipfeln der Bäume saßen und auf das kühle Nass herab blickten. Sie schienen auf etwas zu warten. Ein Wanderer lief den kleinen verschlungenen Pfad entlang zum Fluss hinunter. Er zog einen Handkarren hinter sich her und war in seinen eigenen kleinen verwirrten Gedanken versunken. Ob er sich verlaufen hatte? Er wollte in die nächste Stadt, um seine Waren feilzubieten, doch bei der Umrundung des Berges musste er sich dann irgendwie verlaufen haben.

Er bemerkte nicht, dass er beobachtet wurde. Nur das klamme Gefühl, das in ihm aufstieg, machte ihn unruhig und er schien schneller zu laufen. Irgendwann bemerkte er, dass der Pfad in der Ebene von Bäumen gesäumt war und dass sich auf den Bäumen neben dem Weg eine Unzahl von Vögeln niedergelassen hatten, die ihn nun stumm anstarrten. Er kam sich ziemlich verloren vor auf dem schmalen Weg, denn die Bäume standen weit auseinander und waren riesig. Es war eine ansehnliche Allee, die zum Fluss führte. Aber warum? Warum wuchsen Bäume so geradlinig in einer Reihe? Die musste doch jemand gepflanzt haben. Doch die alten Riesen würden es ihm nicht verraten, sie standen schon eine lange Weile hier und führten zum Fluss hinunter. Zu keinem wirklichen Ziel, nur zu einem Fluss an dem offensichtlich nichts weiter war als Wasser.

Es hatte den Anschein, als wäre es früher mal eine richtig breite Straße gewesen, aber er lief auf einem bloßen Trampelpfad entlang, der für den seinen Karren viel zu schmal zu sein schien. Deshalb kam er auch kaum voran, weil die Räder immer wieder im hohen Gras hängen blieben und er große Mühen damit hatte den Wagen hinter sich her zu zerren. Als er nach gefühlten Stunden endlich am Fluss ankam, hatte er noch nicht bemerkt, dass die Vögel ihn zu verfolgen schienen. Sie hüpften von Ast zu Ast und blieben ihm lautlos auf den Fersen, bis er am Flussufer endlich stehen blieb. Und da erkannte er, dass der Weg tatsächlich nur ein Trampelpfad auf einer ziemlich breiten steinernen Straße war, die im Laufe der Zeit von Gras, Moos und Flechten überwuchert worden war. Nur am Ufer waren die Pflanzen fortgeschwemmt worden und der blanke Stein lag vor ihm und führte in den Fluss hinein. Links und rechts konnte man tatsächlich noch ein paar alte Mauerreste sehen. Aber sonst war hier nichts außer das leise Plätschern des Flusses.

Wer baut eine Straße von einem Berg zum Fluss und dann ist hier niemand mehr? Er drehte sich grübelnd um und blickte zum Berg hinauf. Die Allee zog sich wirklich schnurgerade bis zum Hang des Berges hinauf und verlor sich dann im Wald. Auf den Ästen der Bäume saßen hunderte und aberhunderte Krähen und blickten ihn fragend an. Sie gaben keinen Mucks von sich, obwohl die tumben Gesellen sonst doch auch nie ihren Schnabel halten konnten. Seine Mutter hatte ihm immer gesagt, wenn du eine Krähe siehst, dann gehe weiter, denn das Glück ist dir auf den Fersen. Wenn du zwei Krähen siehst, dann gehe schnell nach Hause und bete darum, dass dich das Pech nicht verfolgt. Doch von unzählig vielen Krähen hatte sie nicht gesprochen. Er bekam es mit der Angst zu tun, aber er wusste auch nicht weiter.

Ziellos blickte er ins Wasser und nach einem viel zu langen Moment stand er einfach auf und ging wieder den Weg zurück, den er gekommen war. Seinen Karren hinter sich lassend, lief er dem Berg entgegen. Erst ging er langsam und dann wurde er immer schneller. Bis er schließlich zu laufen begann. Er rannte so schnell er konnte den Weg zurück bis zum Berghang. Warum er dies tat, konnte er nicht sagen. Irgendwas zog ihn hinauf. Waren es die Krähen? Oder war es etwas, was auf dem Berg war? Etwas mysteriöses Unbekanntes? Ein unsichtbares Blitzen? Ein unsichtbarer Eindruck, der sich auf der Netzhaut einbrannte und einen nicht mehr losließ? Er würde es erst erfahren, wenn er oben ankommen würde. Obwohl er zwar seinen lästigen Wagen am Flussufer stehen gelassen hatte und außer sich selbst und dem, was er am Leibe trug, nichts mit sich führte, war der Weg zum Gipfel doch steiniger und härter, als er gedacht hatte.

Nach weiteren gefühlten Stunden stand er völlig ausgelaugt vor dem steinernen Bergmassiv, das ihn genauso stumm anstarrte wie die Vögel vorhin. Seine Schritte wurden immer schwerer, bis sich im Bergmassiv etwas abzeichnete. War das ein Bauwerk, oder nur ein Felsvorsprung? Und da war wieder das Blitzen. Es musste etwas sein, was von Menschenhand erbaut worden war. Nun packte es ihn wieder und er würde erst Ruhe geben, wenn er den Felsvorsprung erklommen hatte. Wenn er ergründet hatte, was ihn da so magisch anzog. Und so kletterte er den Felsen hinauf und lies den Wald und die breite Allee mit all den Krähen hinter sich. Nur der Fluss schlängelte sich durch die Landschaft und plätscherte leise vor sich hin, als er völlig am Ende seiner Kräfte den letzten Felsen erklommen hatte und sich erschöpft auf einem kleinen Plateau niederließ.

Schwer atmend blickte er ins Tal und sah den Fluss wie er wie ein kleiner, blauer Faden auf dem satten Grün lag. Es war kalt, er konnte seinen keuchenden Atem sehen und er hatte das Gefühl, er könne Schnee riechen. Er starrte ins Tal und erkannte, dass dort unten vor langer, langer Zeit tatsächlich mehr gewesen war, als nur eine Straße, die zum Fluss führte. Vom Grün der Wiesen überwuchert, lagen die Ruinen einer gigantischen Stadt unter ihm. Und blickten ihn genauso stumm an, wie die Krähen es taten. Urplötzlich, als würden sie einem unhörbaren Befehl folgen, stoben die Krähen schlagartig auf, flogen ihre Kreise im Wind und ließen sich von den Windströmungen zum Berg hinauf treiben, wo sie sich dann Eine nach der Anderen auf dem kargen Felsen niederließen. Ob es heute schneien würde? Es hatte nur den Anschein, als ob die Götter es heute Krähen schneien ließen. Er atmete tief ein, lehnte sich nach hinten, gegen die Felswand und dann bemerkte er erst, dass er einen riesigen steinernen Stuhl erklommen hatte. Und in dem Moment, als sein Rücken die Lehne berührte, fiel ihm wieder ein, was die Leute sich über diesen Berg erzählten. Ein alter Fluch, der über dem Berg hing wie ein pechernes Laken.

Die Leute hatten recht, der steinerne Thron, wie man den Berg nannte, hatte sich schon viele Leben genommen und nun wohl auch seines. Er griff sich erschrocken an die Brust und riss sein Hemd auf, um sich von den Zwängen seiner Kleidung zu befreien. Panisch versuchte er tief einzuatmen, doch der Fluch hatte ihn schon ergriffen und schnürte ihm von einem Augenblick zum anderen plötzlich den Brustkorb ein, so dass es ihm unmöglich war, einen weiteren Atemzug zu tun. Sein kurzes und ärmliches Leben lief an seinem inneren Auge vorbei und es war zu kurz gewesen. Doch jetzt war es zu spät, seine Seele gehörte nun dem Berg. Seine Seele würde so lange im Berg gefangen sein, bis der nächste einsame Wanderer dieses Blitzen sah und dann in sein Unglück rannte.

10007060_10201900724586395_5187719997572774077_nDoch im Angesicht des Todes hatte er ein Lächeln auf den Lippen, weil seine Aufgabe war heute eine Andere, als einfach nur zu sterben. Er hatte heute eine gute Tag getan und eine alte Seele befreit. Die Seele des armen Tropfs, der vor ihm diesen Berg erklommen hatte und seine Seele für die Befreiung eines Anderen gab. So war es seit je her, dass die gefangene Seele nur befreit werden konnte, wenn man selbst seine Seele dem Berg gab. Diese alte Seele würde nun endlich ihren Frieden finden, bis eines Tages seine Seele erlöst werden würde. Eines Tages, wenn die Krähen wieder stumm dabei zu sehen würden, wie einer in sein Verderben lief. Und mit einem letzten Röcheln blieb einfach sein Herz stehen und er starb. Die Krähen stoben wieder auf und fingen augenblicklich an, ihr gewohntes Geplärr von sich zu geben.

Geschrieben zu dem Lied ‚Der Fluch‘ von Kafkas Orient Bazaar und abgedruckt im Kurzgeschichtenband ‚Tiefer‘ erhältlich im Shop auf: http://www.kafkasorientbazaar.de/

Die Zeit des Wartens

Die Zeit des Wartens

5309429112_aa95bcb12cDie letzten Tage waren gleichermaßen anstrengend wie aufschlussreich. Doch war der Rückzug eine bittere Niederlage gewesen. Aber es war diesmal nicht die Zeit zu kämpfen.

Doch das Warten lag ihm auch nicht so wirklich. Er wollte eigentlich nicht schlafen und doch schlief er, um seine Gedanken zu ordnen. Und genau diese Gedanken spülten nun ungeordnet durch seinen Kopf und ließen ihn erwachen. Es war kalt in seinem Zelt. Seine Decke war klamm und er fror. Die Anstrengungen der letzten Tage hatten seinen Körper ausgelaugt und seine Muskeln zitterten vor Erschöpfung.

Er roch schwachen Rauch und öffnete die Augen. Die Zelthaut war durchgefroren, es fröstelte ihn. Er blickte über eine Öllampe hinweg zur Feuerschale hinüber, in der das letzte bisschen Glut vor sich hin schwelte.

Er atmete tief ein und hatte den Eindruck Schnee riechen zu können. Dann setzte er sich auf und rieb sich über die Wange und musste schmunzeln. Es sollte der einzige Schlag ins Gesicht sein, der ungesühnt bleiben wird, weil er hatte ein sehr wertvolles Geschenk dafür erhalten. Sein Leben, dass seines Heilers und dass seines Freundes. Und sie hätte es nicht machen müssen. Sie hätte sie auch einfach bei sich behalten können. Er strich sich wieder übers Gesicht und stand mürrisch auf. Der Teppich vor seinem Bett war auch gefroren und er tappte zur Feuerschale hinüber. Er brauchte wirklich einen Diener, der Nachts das Feuer am Laufen hält. Auch so eine Sache, um die er sich kümmern musste, wenn er wieder zuhause war.

Er warf ein paar Scheite ins Feuer, kniete sich vor die Feuerschale und blies in die Glut. Ein kleines Flämmchen erhellte den düsteren Morgen für einen Moment. Und dann begannen die Trommeln wieder und der Funke der Hoffnung, der für einen Moment in ihm entfacht war, wurde wir zu Nichte gemacht. Seine schlechte Laune hatte ihn wieder. Am Liebsten würde er alleine über den Pass laufen und sich durch die Armee des Feindes schlagen, bis keiner mehr von ihnen übrig war. Aber es war nicht die Zeit des Kämpfens. Weil es war auch nicht die Zeit des Sterbens. Nicht schon wieder.

Aber das Warten liegt ihm einfach nicht. Er grummelte mürrisch und ging wieder zu seinem Bett. Sein Blick streifte über seine Sachen, die er gestern vor dem zu Bett gehen einfach nur auf seine Truhe geworfen hatte. Er brauchte wirklich einen Diener. Seine Augen blieben auf der roten Schärpe hängen, die sie ihm überlassen hatte. Er konnte den Namen im halbdunkel nicht lesen, aber er wusste, dass da stand.

Halef, der kleine Junge, der an einer Lungenentzündung gestorben war und den er eigentlich gar nicht kannte und doch hatte sie ihn ihm überlassen.

Die Trommeln wurden immer lauten, sein Kopf sauste und noch bevor er es bemerken konnte, gingen seine Sinne auf Wanderschaft, während sein Körper der Länge nach aufs Bett krachte. Nicht schon wieder.

Er öffnete die Augen und blickte einer roten Sonne entgegen, die vor roten Wolken am roten Horizont stand. Sie neigt heute wohl wieder zu leichten Übertreibungen. Während die letzten Träume eher dunkel und abgeschieden waren, wollte sie sich heute wohl in ihrer ganzen Herrlichkeit präsentieren. Pah!

Die Sonne stand über einem Berg und schien über einem See, der ebenfalls rot war und er schien nicht nur mit Blut gefüllt zu sein… Davon hatte sie ihm ja erzählt. Der See aus Blut. Er war ziemlich groß und er schien nicht überwindbar zu sein und da wurde ihm die Aufgabe wieder bewusst, die er sich da aufgehalst hatte. Aber wachsen Männer nicht an ihren Aufgaben. Er blickte über den See und sah viele in rote Gewänder gehüllte Gestalten am Ufer stehen, die wohl mit Blut gefüllte Karaffen hineinschütteten. Er war aber zu weit weg, um mehr erkennen zu können, also lief er ans Ufer hinunter.

Weil sie hatte sich bestimmt etwas dabei gedacht, dass sie ihn hier her geholt hatte. Die rotgewandeten Gestalten hatten wohl ihr Tagwerk verrichtet und gingen über das Ufer davon. Nur vereinzelt blieb Eine von ihnen am Ufer stehen und machte irgendwas Merkwürdiges. Soviel war klar, es waren alles Frauen, die so waren wie sie und es war erschreckend wie viele es von ihnen gab. Da hatte sie nicht gelogen. Er ging zielstrebig ans Ufer zu einer dieser Damen hin, weil er hatte den Namen Rutger auf einer roten Schärpe gelesen und war sich sicher dass es die Richtige war.

Sie schien ihn nicht zu bemerken, weil sie in den See hinein geschritten war. Er zog es vor, nicht hinterher zu gehen und beobachtete sie von der Seite. Sie hatte ihren Mantel abgelegt, der nun auf dem Blut schwamm. Ihr Körper war komplett gebunden, mit diesen roten Schärpen, von den er auch eine besaß. Am Ende jeder Schärpe war immer ein Name zu sehen, aus den verschiedensten Schriftzeichen geformt. Einige Schärpen schienen ihr aus der Haut zu wachsen und das bisschen Haut, die nicht von den Schärpen bedeckt war, war gezeichnet und vernarbt. Er war sich nicht ganz sicher, ob er bis jetzt nur immer mit einem Trugbild gesprochen hatte, weil ihm die Tragweite ihrer Priesterschaft bis zu diesem Moment nicht klar war. Sie war wirklich mit den Seelen verbunden, die sie sammelte. Sie blieb vor einem Stein stehen, der aus dem Blut ragte, auf dem ein Messer lag. Sie legte ein gefaltetes Stück Papier auf den Stein und nahm das Messer. Das Stück Pergament kannte er sehr gut, er hatte es für sie geschrieben. Die Halbmondschneide des Dolches blitzte in der Sonne. Sie setzte an ihrer Stirn an und schnitt sich die Schärpen mit samt ihres restlichen Haupthaares vom Kopf. Sie trennte sich von 3 Schärpen in einem einzigen Schnitt, dem ein widerliches Geräusch folgte, als sich der Skalp vom Schädel trennte. Eine kleine Strähne ihrer schwarzen Haare behielt sie in der Hand und legte eine kleine Schärpe darum, auf der wohl ihr Name stand…

In seinem Kopf konnte er eine Stimme hören: ‚Du musst dir deine Haare erst verdienen, kleines Mädchen!‘ Und es zuckte für einen kurzen Moment ein Bild eines kleines Mädchens an seinen Augen vorbei, dass bis zum Bauch im Blutsee stand und eine ältere Priesterin ihr den Kopf schor. Die niedlichen, kleinen dunkelroten Löckchen purzelten in den See und versanken nach einer Weile….Ein Traum in einem Traum, langsam hatte er ein wenig Panik, nie wieder aufwachen zu können. Doch er stand immer noch am Ufer des Blutsees und sie stand vor ihm und stieß sich das Messer in die Brust. Er zuckte zusammen und im nächsten Moment bemerkte er, dass er mit einem Bein im Blutsee stand. Er hörte ein widerliches Knacken, als sie mit beiden Händen ihren Brustkorb öffnete und etwas herausnahm, was wenig später ebenfalls in der roten Sonne glitzerte. Es war ein kristallernes Gefäß, dass wohl an der Stelle ihres Herzens in ihrer Brust wohnte. Das Blut tropfte davon herab, als sie das Gefäß abstellte. Sie öffnete es und nahm eine Locke roten Haares heraus, an der eine kleine, rote Schärpe hing. Dann faltete sie den Brief und legte ihn in das Gefäß, legte die Locke des schwarzen Haares dazu und verschoss sie wieder und schob das Gefäß wieder an die Stelle, an der irgendwann mal das Herz eines kleinen Mädchens geschlagen hatte. Wie viele Haarlocken in dem Gefäß waren, konnte er nur erahnen.

Auf dem Stein lag nur noch der Dolch und die rote Locke, als sie ins Straucheln kam und langsam im Blutsee versank. Für einen Moment stand er regungslos da und wusste nicht was er machen sollte. Der Ritter in ihm wollte hinterher springen, um sie zu retten und er konnte nicht sagen, was in ihm ihn zurückhielt. Nach einem langen Moment glättete sich das Wasser und Stille überkam ihn. Nicht einmal mehr das Plätschern des Blutes konnte er vernehmen. Und bevor er selbst einen weiteren Gedanken fassen konnte, watete er an die Stelle, an der sie eben noch gestanden hatte und griff ins Wasser. Nichts. Dort war nichts mehr. Sie war verschwunden. Als er sich wieder erhob, erblickte er auf dem Stein die rote Locke und auf der Schärpe stand ihr Mädchenname.

Nur in dem Moment als er danach greifen wollte, tauchte hinter ihm jemand auf und griff nach seiner Hand. Er drehte sich blitzschnell um und blickte ihr direkt ins blutüberströmte Gesicht. Von seinen Lippen purzelte ein erschrockenes Keuchen, dass sich wie ihr Name anhörte.

Sie öffnete den Mund und Blut rann heraus und sie sprach mit einer schleppenden, aber durchdringenden Stimme, die in seinem Kopf widerhallte. ‚Sie ist Tod. Sie lebt in uns weiter. Wir sind eins! Der Tod ist erst der Anfang!‘

Sie hob die Hand und ruderte elegant in der Luft herum und an seinem Ohr flog der Dolch vorbei und er landete direkt in ihrer Hand.

‚Du gehörst nicht hier her!‘ lachte sie ihm entgegen und stürzte auf ihn zu. So schnell, dass er tatsächlich nicht reagieren konnte und sie stach ihm den Dolch mitten in sein Herz.

In dem Moment als er den dumpfen Schmerz spürte, erwachte er neben seinem Bett. Keuchend griff er sich an die Brust und richtete sich gleichzeitig auf. Dort saß er einen langen Moment. Noch eine Nahetoderfahrung mehr und ihm würde einfach nur sein Herz stehen bleiben.

Erst als er die besorgten Rufe seines Heilers vor dem Zelt hörte, bemerkte er, dass er etwas in der anderen Hand festhielt. Die Locke roten Haares des kleinen Mädchen. Er hatte für einen Moment das Gefühl, dass er ihren Herzschlag hören konnte. Er drehte sich um und blickte sich in seinem Zelt um, doch da war nichts…

Dazu da um zu zerbrechen…

Dazu da um zu zerbrechen…

4Ein Frau schaut mich verwirrt an. Ihr eines Auge zuckt irre. Die Augen liegen tief in ihren Höhlen und ich bin mir nicht sicher, ob sie nur schlecht geschminkt ist, oder ob die Augenringe schon fast bis zu den Wangen hinunter reichen. Beide Augen sind rot unterlaufen. Da ist wieder dieses Zucken im Auge und ich kann sehen, wie just in dem Moment eine Ader im Auge platzt und das Weiß ihres einen Auges sich langsam in blutiges599084_4468570759017_1900768554_n rot verfärbt. Ihre Pupillen sind so groß, dass man das Blau ihrer Augen kaum noch erkennen kann. Das Gesicht ist fahl und ich muss unweigerlich an Walking Dead denken und dass ich es selber nicht besser herschminken hätte können. Nur dass das was ich da vor mir hatte, die bittere Wahrheit war.

Sie verdreht verkrampft den Kopf. Irgendwie bekomme ich beim Anblick dieser Verrenkung schon einen Krampf im Nacken, der sich langsam bis zu meinem Hinterkopf ausbreitet. Nun blickt sie an mir vorbei ins Leere.

Ich sprech sie besorgt an, doch sie reagiert überhaupt nicht. Nur wieder dieses Zucken im Auge. Erinnert mich irgendwie an das Scrat, dass bei Ice Age immer hinter seiner Eichel her ist und sie doch nie erreichen kann. Und wenn es die Eichel endlich erwischt, stürzt es mit Sicherheit gleich gemeinsam mit der Eichel in den sicheren Tod. Ist irgendwie ganz schlimm romantisch. Die Frau hat Tränen in den Augen. Jetzt mach ich mir schon irgendwie Sorgen. Ich schrei laut: ‚Hallo!‘

Ich beuge mich weiter nach vorne, weil ich das Gefühl habe, ich könnte sie denn besser sehen können. Sag mal strickt sie da. Die strickt doch nicht. ‚Hallo!‘

Vielleicht ist sie ja taub. Ich versuche sie nochmal anzusprechen und doch mein Satz wird von einem dumpfen, tiefen Hupen unterbrochen. Sie scheint etwas zu brüllen, doch ich kann nur von ihren Lippen lesen, da ich nur ein dumpfes Wummern höre. Meine Ohren rauschen und von ihren Lippen purzeln die Wörter: ‚Fick dich du Arschloch!‘

Eine Erschütterung lässt mich herum purzeln und ich habe das Gefühl einen Moment mich rückwärts zu bewegen, ohne dass ich mich allerdings aktiv bewege. Dann stoppt die Bewegung abrupt und ich knalle gegen die Scheibe, die vor mir zu sein scheint. Meine Nase bricht, bevor das Glas brechen kann. Die Frau schaut mir direkt in die Augen und wischt mit dem Ärmel vor meinem Gesicht herum. Dann klopft sie gegen die Scheibe und redet mit mir. Das Glas bricht und ich kann sie endlich verstehen.

‚Es ist verfickt nochmal erst Montag. Scheiße noch eins, wie viel Pech kann ein Mensch haben? Was hab ich eigentlich verbrochen? Drecks Spiegel. Hättest du nicht erst am Freitag zerspringen können. Verfickter Scheißtag…!‘

Mein erster Schultag

Mein erster Schultag

heimOh Mann, ich hätte mir echt nie träumen lassen, dass ich mit 36 nochmal die Schulbank drücken würde. Aber so ist es nun. Gut, sagen wir es mal so, ich werde hinter dem Pult stehen. Komisch ist es schon, ich bin meinen Lehrern bis zum Abi ziemlich auf den Sack gegangen. Mann, musste ich viel Strafarbeiten machen. Manchmal kam ich mir echt so vor, wie Bart Simpson. Nur der kleine blonde Junge ist mit 36 nicht im Mindesten erwachsen geworden und ich komme im Moment noch nicht so ganz damit klar, dass ich jetzt Lehrer sein soll.

Als ich in Ulm im Krankenhaus lag, hat mir der Berufsberater gesagt, selbst wenn ich nicht wieder laufen könne, dann könnte ich mit meinen Qualifikationen immer noch Lehrer werden. Damals wusste ich nicht so genau, ob er mich beleidigen oder aufmuntern wollte. Ich habe meine Zeit im Krankenhaus genutzt und habe ein Aufbaustudium fürs Lehramt gemacht. Ich bin jetzt Lehrer für Geschichte und Sozialkunde und wenn ich endlich wieder sporttauglich bin, dann werde ich vielleicht auch Sportlehrer sein.

Ja, der Sport. Ich war ein erfolgreicher Sportler. Hab ein paar Goldmedaillen gewonnen. Habe bei der Bundeswehr studiert und war im Sportförderprogramm. Dann gab es einen kleinen Skandal. Der Goldjunge ist eine Schwuchtel. Es gab ein paar blöde Fotos von früher. So Nacktfotos. Ich war jung und brauchte das Geld. Ich wurde aus der Olympiamannschaft ausgeschlossen. Der Skandal kam eigentlich zur rechten Zeit, weil nach 30 hat man im Profisport eh fast nichts mehr verloren. Entweder Doping, Werbestar oder Trainer. Und für einen schwulen Trainer hatten sie keine Verwendung.

Mein Freund hat sich von mir getrennt, weil er mit meinem Outing nicht klar kam. Verstehen muss des keiner, am Allerwenigsten ich. Eigentlich wäre das der Punkt gewesen, wo jeder normale Typ zum Saufen angefangen hätte, aber nein der Goldjunge hat sich für einen Auslandseinsatz gemeldet. Ich war in Afghanistan und bin von ein paar einheimischen Müttern angeschossen worden. Dabei wollte ich ihnen nur Lebensmittel bringen. Zum Dank haben sie mir noch eine deutsche Handgranate hinterher geworfen. Hm. Ein paar von diesen Splittern der deutschen Wertarbeit stecken immer noch in meinem Hintern. Ein Schuss ging um Haaresbreite an meiner Libido vorbei, ein Zweiter zerfetzte meinen linken Oberschenkel. Deswegen humple ich auch noch ein Wenig. Ein dritter und vierter Schuss zerfetzte nur die Milz und ging zum Glück an allem anderen Lebenswichtigen vorbei. Als ich aufgrund der Detonation der Handgranate mit meiner Fresse im Natostacheldraht von den lieben Kollegen des Nachbarstützpunkt landete, waren die Amis es, die mir das Leben und den Großteil meines Gesichtes gerettet hatten. Deswegen bin ich heute besonders hübsch anzuschauen.

Ich bin nach der Reha umgezogen in die Nähe von meiner neuen Arbeitsstelle. Mein Bein tut mir weh, jeden Tag. Vor allem wenn ich laufe. Warum habe ich Depp den Gehstock daheim gelassen? Nur keine Schwäche zeigen, dass haben sie uns schon in der Grundausbildung beigebracht. Jetzt stehe ich vor dem Tor, des ‚Herschiba Kimmelmann – Internat für schwer erziehbare Mädchen und Jungen‘.

Hm. Jungen. Mit Jungs hatte ich es auch selten. Egal. Auf dem Schild des Internats hat einer mit roter Farbe aus dem K ein P gemacht und einen phantasmagorischen Überpenis auf das Schild gemalt. Ich ziehe das Handy und mache ein Foto.

Ein griesgrämiger Mann kam mir entgegen, mit einem Eimer mit Chemikalien und einem Schwamm. Er schimpfte über die Jugend Heutzutage. Ich legte meine Keykarte auf den Sensor beim Einfahtstor und das Tor öffnete sich.

Der Griesgram blickte im Vorbeigehen auf und grüßte mich: ‚Ah, der Neue!‘

‚Ja, der Neue! Einen wunderschönen guten Morgen!‘ sagte ich freundlich.

Er ging an mir vorbei, griff an seine Mütze und sagte dann: ‚Sie sind ein Wenig dürr für den Knochenjob! Nicht dass sie uns am ersten Tag noch zusammenklappen!‘

‚Nein, keine Sorge, so schnell kriegt man mich nicht klein.‘

Was für ein Penner, den hätte ich mal erleben wollen, wenn um einen die Granaten einschlagen. Ich humpelte die Einfahrt entlang und trat durch die nächste Tür. Das Piepsen des Türöffners geht mir jetzt schon auf den Sack.

Ich bin grade einen Schritt in der Schule und da rannte ein Mädchen an mir vorbei. Sie heult und sieht ziemlich verängstigt aus. Wie ich heulende Frauen hasse. Ein Kerl kam um die Ecke gebogen, ein richtiger Schlägertyp.

Als er an mir vorbei rasen wollte, hielt ich ihn auf. ‚Was geht hier vor?‘ rief ich in meinem üblichen Ausbilderbefehlston. Der Typ zuckte zusammen und blickte mich entgeistert an. Ich war doch einen ganzen Tacken größer wie er.

‚Hey, ich will mit meiner Freundin reden!‘ stammelte er.

‚Ich geb dir mal n Tipp. Wenn deine Freundin flennt, aus welchem Grund auch immer, und vor dir weg rennt. Dann ist das vielleicht der Grund, dass du ihr nicht nachlaufen solltest.‘

‚Ja, aber!‘ versuchte sich der Typ zu rechtfertigen. Danke lieber Gott für dieses: ‚Ja, Aber!‘

‚Nichts aber! Name und Klasse!‘

‚Heino Müller, Klasse 10 b!‘ kam es wie aus der Pistole geschossen.

‚Heino Müller, Klasse 10 b, sehr schön!‘ sagte ich und notiere mir den Namen auf einem Notizblock, den ich aus meinem Hemdsärmel gezaubert hatte. Irgendwie gefällt es mir hier.

Ich lies den verdutzten Jungen stehen und ging weiter und hoffte inständig, dass da hinten das Lehrerzimmer war. Um die Ecke kniete eine Frau bei dem Mädchen, das sich allen Anschein nach schon wieder beruhigt hatte.

‚Ist dieser Heino Müller, Klasse 10b, dein Freund?‘ fragte ich.

‚Nein!‘

‚Ja, aber er denkt das!‘ meinte die Frau, die bereits aufgestanden war und mir die Hand hinstreckte. ‚Ich bin Abby Miller, Deutsch, Englisch, Kunst und Erziehungskunde bei den Mädchen!‘

‚Oh, guten Tag, Herbert Kowalski, Lehrer Geschichte, Sozialkunde!‘

‚Ähm und Sport und Erziehungskunden bei den Jungen!‘

‚Bitte was?‘ Ich muss leicht hysterisch geklungen haben, als ich das fragte.

‚Der Unterrichtsplan wurde nochmal geändert. Der Sportlehrer der Jungen hat sich vor 3 Wochen erhängt, dann gab es einen kleinen Skandal und die Chefin ist suspendiert. Das Jungen und Mädcheninternat wurden zusammen gelegt. Willkommen im Chaos.‘

‚Gut, nun zu dir Mädchen.‘ Die Kleine stand auf, wischte sich die Tränen vom Gesicht und zog den Rotz hoch. ‚Also, wenn du nicht jeden Tag hier heulend durch die Gänge laufen willst, dann solltest du ein Exempel statuieren und zwar vor allen Leuten. Aber keine Gewalt, irgendwas Irrationales.‘

‚Frl. Miller, was ist denn mit Müller los, der ging grad freiwillig in seine Klasse und es ist grade Mal…‘ Der weißhaarige Mann, der zu ihnen gesprochen hatte, blickte auf die Uhr. ‚Es ist grade Mal 7.30 Uhr!‘

‚Ähm, Guten Morgen Herr Direktor, da müssen Sie den Kollegen Kowalski fragen!‘

‚Guten Morgen, Herr Direktor! Ich habe seinen Namen auf meinen Block geschrieben und ich gab ihm Beziehungstipps, Herr Direktor!‘ machte ich stolz Meldung.

‚Gut Herr Kowalski. Kommen Sie gleich mit in mein Büro!‘

Ich folgte ihm und das Mädchen lächelte schon wieder. Diese Frau Miller grinste uns hinterher.

‚Mein Name steht da auf dem Schild. Aber ich habe es nicht so mit den Förmlichkeiten. Ich habe diesen Schießjob übernommen, weil sie keinen Besseren gefunden haben. Unser Ziel ist es hier, alle irgendwie zu einen Abschluss zu verhelfen und dass sie einen Job kriegen. Wir haben zu wenig Lehrer, keine Mittel und die neue Schulreform und der Skandal haben uns die wenig durchdachte Zusammenlegung beschert.‘

‚Herr Direktor Walddorfer!‘ Las ich auf dem Schild. ‚Ich bin ein Wenig überfahren. Ich weiß nicht, ob Sie meine Akte gelesen haben, aber ich kann mit den Jungen keine Erziehungskunde und im Moment keinen Sport machen.‘ Ich tippte gegen mein kaputtes Bein.

‚Ich habe mir ihre Akte letzte Nacht sogar mit ins Bett genommen, wirklich sehr spannend. Sie sind ein Held. Genauso jemanden brauchen wir hier!‘

‚Ich habe aufgrund meiner sexuellen Ausrichtung darum gebeten, keine Jungen unterrichten zu müssen und deswegen hab ich mich auch für das Mädcheninternat beworben.‘

‚Machen Sie sich keine Sorge. Es wird sich keiner Beschweren. Ich bin ein Freund von unkonventionellen Mitteln und wir versuchen die Kinder auf das Leben da draußen vorzubereiten. Die meisten Eltern können sich nicht beschweren, weil sie selbst im Knast sitzen, tot oder ständig auf Geschäftsreise sind. Den Eltern sollte klar sein, dass es für ihre Kinder keine Alternativen mehr gibt. Entweder sie packen das hier, oder sie haben ein Leben zwischen Harz IV und Knast vor sich.‘

‚Aber ich kann im Moment noch keinen praktischen Sportunterricht machen.‘

‚Ja, deswegen haben wir unseren Werklehrer gebeten für die praktischen Übungen einzuspringen. Er hat im Sommer schon das Ferienprogramm mit den Schülern gestaltet. Er war in der DDR mal Meister im Zehnkampf.‘

‚Warum macht er dann nicht den Sport?‘

‚Weil er eigentlich der Hausmeister ist!‘

‚Ich dachte er wäre der Werklehrer?‘

‚Ja, Werken, Aufsicht und Berufsvorbereitung darf er machen, aber er ist halt kein Pädagoge.‘

‚Das bin ich auch nicht!‘

‚Ja, aber Sie haben doch bei der Bundeswehr Bildungswissenschaften, Geschichte und Sport studiert und waren jahrelang Ausbilder. Mit dem Aufbaustudium sind Sie Lehrer. Sie haben nicht mal Probezeit. Der Staat mag Sie und ich will ihnen eine Chance geben.‘

‚So lange Sie ihren Kopf hinhalten!‘

‚Holen Sie sich ihre Unterlagen im Lehrerzimmer ab und dann treffen wir uns alle in der Aula. Ich habe eine Ansprache zu halten. Dann gehen Sie in ihre Klasse.‘

Ich ging kopfschüttelnd aus der Tür. Das Mädchen stand vor mir.

‚Wollt mich noch für Ihre Hilfe bedanken!‘ Dann rannte sie weg.

Noch mehr kopfschüttelnd ging ich ins Lehrerzimmer.

Als ich das Lehrerzimmer betrat, wurde ich von Standing Ovations begrüßt.

‚Willkommen im Bootcamp!‘ meinte ein älterer Herr und klopfte mir auf die Schulter.

Das Frl. Miller grinste mich an. An den Wänden waren Bilder und Lebensläufe der Schüler aufgehängt.

‚Danke die Herrschaften.‘ Hände schüttelnd wurde ich zu meinem Platz geschoben. Ich blickte auf den Stapel Papiere auf meinem Platz.

Erste Stunde Gemeinschaftlich in der Aula. Zweite Stunde Erziehungskunde 10b. Super. Dritte Stunde Sozialkunde 10 a + b. Dann Doppelstunde Geschichte 7 a + b. Sozialkunde 8 a +  b. Nachmittags. Sport Zweimal Doppelstunden 10a und 9a Klassen. Ich überflog den Stundenplan und sah, dass ich am Mittwoch und am Freitag früher Schluss hatte. Zücke mein Handy und wählte die Nummer meiner Krankengymnastik. Es ging nur der AB ran und ich sprach nach dem Pfeifton. ‚Guten Tag, hier spricht Herbert Kowalski. Hallo Emma, ich kann den Termin morgen und am Donnerstag nicht wahrnehmen. Meine freien Nachmittage sind Mittwoch und Freitag. Notfalls halt nach 18 Uhr. Schicken Sie mir die neuen Termine per Mail. Danke.‘ Ich legte auf und alle starrten mich an. ‚Krankengymnastik.‘ meinte ich entschuldigend.

Alle lächelten mich an. Ich wühlte die Unterlagen durch und suchte nach dem Lehrplan für Erziehungskunde. Klasse 5-9. Für die 10 gab es keinen. Ich bekam eine Liste unter die Nase gehalten. Freiwilliger Wochenenddienst. 1Mal Pro Monat.

‚Keine Sorge, ich bin am Wochenende immer da, wenn was ist.‘ meinte Frl. Miller.

Ich trug mich am Ende des Monats ein und blickte sie fragend an.

‚Ich wohne hier. Ich bin die Vertrauenslehrerin der Mädchen. Haben Sie sich überlegt hier eine Dienstwohnung zu nehmen. Im Moment ist der Hausmeister der Vertrauensmann von den Jungen.‘

‚Ich kann hier keine Dienstwohnung nehmen, ich bin grad erst hier her gezogen und wohne drei Straßen weiter und haben Sie überhaupt keine Freizeit?‘

‚Ich war früher selbst auf der Schule, habe mein Abi nachgemacht und hab studiert und bin jetzt wieder hier, weil ich den Kindern helfen will.‘

‚Warum gibt es keinen Lehrplan für Erziehungskunde der 10. Jahrgangsstufen?‘

‚Weil es keinen gibt. Sie müssen improvisieren.‘

‚Hier ist noch der Essensplan. Sie können an allen Mahlzeiten teilnehmen, wenn Sie davor oder danach Unterricht haben.‘ meinte der ältere Herr von vorhin.

‚Das ist super, wo krieg ich hier nen Kaffee her?‘ stammelte ich.

Sie deutete ans Ende des Zimmers, da stand eine Kaffeemaschine. Der ältere Herr war bereits dort und goss eine Tasse ein und fragte: ‚Mögen Sie ihn schwarz?‘

‚Wenig Milch und viel Zucker, bitte.‘

‚Ach Sie haben in der Mittagspause einen Termin bei mir und morgen bei der Schulpsychologin!‘ meinte eine herrische Frauenstimme. ‚Ich bin die Schulärztin Fr. Dr. Erna Grau!‘ Sie stand in der Tür und blickte mich ernst an.

‚Alle neuen Lehrer müssen durch gecheckt werden!‘ meinte Frl. Miller und ihre süße säuselnde Stimme ging mir auch schon auf den Sack.

Der Kaffee wurde ihm hingestellt. ‚Ich bin Guido Hansmann, ich mach die Naturwissenschaften!‘

‚Danke für den Kaffee!‘ meinte ich und schüttelte seine Hand.

Die Frau Dr. stand immer noch da. ‚Ja, sorry Frau Dr. Grau, sorry ich bin ein Bisschen überfordert. Hätte ich meine Röngtenbilder mitbringen sollen?‘

‚Nein keine Sorge, die habe ich schon. Kriegen Sie noch Anwendungen?‘

Ich musste kurz überlegen, was sie meinte. ‚Ähm. Anwendungen. Ja, wenn ich meine Termine verschieben kann, dann ja.‘

Sie musterte mich von oben bis unten. ‚Sie haben eine Saniausbildung bei der Bundeswehr gemacht!‘

‚Ja, Helfer im San-Dienst!‘

‚Wir haben nämlich keine Krankenschwester mehr…und ich habe nebenan noch die Sozialsprechstunde zu machen, bin also nicht immer da!‘

Sie warf mir einen Schlüsselbund hin und meinte: ‚Der Schlüssel vom Ersthilfe-Raum! Kommen Sie dann nach dem Essen rüber zur Sozialsprechstunde!‘ Dann verschwand sie.

Ich rührte meinen Kaffee um, nahm einen kräftigen Schluck und lies mich erschöpft in den Stuhl sinken. ‚Kann ich aus der Horrorstory noch aussteigen?‘ flüsterte ich in mich hinein.

Wenn der Postmann dreimal klingelt…

Wenn der Postmann dreimal klingelt…

elefonzelleEs klingelte an der Tür.

Sie erwachte aus komatösen Schlaf, als es das zweite Mal klingelte. Beim dritten Mal war sie schon fast an der Tür und drückte auf den Türöffner.

Sie zog die Kette aus dem Schloss und als sie die Tür öffnete, holte sie tief Luft.

‚Wenn Sie von den Zeugen Jeh…!‘ Ihr blieb das ‚Jehova‘ im Halse stecken und blickte in das freundliche Gesicht des Paketboten, der eine enorme Kiste am Treppenabsatz abgestellt hatte und der ihr irgendwie bekannt vorkam.

‚Ich will nur ein Autogramm!‘ trällerte der Postmann, blickte nochmal aufs Paket und zückte dann sein Empfangsgerät. ‚Frl. Müller!‘

Erschrocken blickte er sie an. ‚My best Friends are Smith and Wesson!‘ Die Worte stolperten geradezu aus seinem Gesicht, während sie an sich herunter blickte. Ja, sie hatte ein altes T-Shirt an und ansonsten nicht viel mehr. Etwas beschämt zog sie ihr Shirt runter und blickte den Postmann mit leicht erröteten Wangen an, was bei ihrem ansonsten dunklen Teint kaum auffiel.

‚Matara … ähm Tamara Müller, ich glaubs ja nicht!‘ rief der Postbote aufgeregt.

‚Ich hatte gehofft Matara nie wieder hören zu müssen!‘ meinte sie streng, schnappte sich den Plastikstift und unterschrieb auf dem Display des Empfangsgerätes, dass der Postbote immer noch in Händen hielt.

‚Tut mir leid, wir waren damals jung und ganz schön dumm und Idioten!‘ meinte der Postmann. ‚Ich bin übrigens Michael Gruber!‘

‚Ich weiß schon wer du bist. Arbeitest du nicht an der Tankstelle?‘

‚Nur Sonntag bis Dienstag!‘ meinte er.

‚Und Mittwoch bis Freitag bist du Paketbote?‘ rief sie leicht ironisch.

‚Sozusagen?‘

‚Willst du mir nicht mein Paket geben?‘

‚Oh, ja!‘ meinte er und als er es hochhob, keuchte er: ‚Ist übrigens ganz schön schwer, soll ich es dir rein tragen?‘

Sie nickte nur, drehte sich um und ging wieder in die Wohnung. Er konnte ihren ziemlich geilen Hintern sehen, als er ihr hinterher lief.

‚Dir ist klar, dass der Versicherungsschutz erlischt, sobald du die Wohnung dieses Kunden betrittst?‘ sprach sie mehr in den Raum hinein, als zu ihm.

‚Hab jetzt eh Mittagspause!‘ kontere er geschickt. ‚Darf ich fragen, was du beruflich machst?‘

‚Ich bin Künstler und du stehst quasi in meinem Atelier!‘

Er stellte die Kiste auf dem Boden ab und blickte sich neugierig um. Er stand mitten in einer weiträumigen Dachgeschosswohnung, die von stoffbehängten Dachfenstern spärlich erhellt wurde. In jeden der vier Ecken waren kleine Nischen abgetrennt worden, die durch Schiebetüren zugänglich waren. Wie unschwer ersichtlich war, waren drei davon Küche, Bad und Schlafzimmer und die vierte Schiebetüre war verschlossen. Im Atelier standen mehrere Leinwände auf Staffeleien, an denen sie wohl gleichzeitig gearbeitet hatte und gegenüber vom Eingang an der Wand war ein improvisiertes Fotostudio eingerichtet worden. Eine kleine Sitzgruppe stand fast verloren mitten im Raum.

Er begann zu stottern: ‚Davon kann man leben!‘ Und es schien so, als war er darüber mehr als erstaunt.

‚Bis ich meine ersten Bilder verkaufen konnte, habe ich verdammt viele Toiletten geputzt und alten Menschen den Hintern gewischt.‘ meinte sie trocken und ging in ihr Schlafzimmer. ‚Nimm doch Platz, ich zieh mir nur was an.‘ Wenig später kam sie angezogen wieder, ging quer durch den Raum und verschwand im Bad.

‚Kaffee oder Wasser?‘ fragte sie, als sie aus dem Bad kam und verschwand in der Küche. Er stand immer noch völlig erstaunt im Raum. Er lies nicht nur den Raum auf sich wirken, nein es schien so, als würde seine pure Anwesenheit auf den Raum wirken.

Sie kam mit einer Karaffe Wasser und zwei Gläsern wieder und stellte sie auf einen Tisch, neben der Sitzgruppe. Er setzte sich langsam in Bewegung und als er sich endlich setzte, kam sie auch schon mit Kaffee, Milch, Zucker und Keksen.

‚Michael Gruber, jetzt erzähl mal, du arbeitest doch nicht freiwillig an der Tanke und als Postbote, immerhin haben wir doch alle einen Abschluss gemacht!?‘

‚Ähm, also ich hab da so ne Beteiligung an einer Disko und bis die wieder gescheit läuft…!‘

‚Dann bist du am Ende DJ geworden?‘ unterbrach sie ihn.

‚DJ, Barkeeper, Türsteher, Bedienung und Klofrau in Einem!‘ grinste er und zeigte lächelnd mit beiden Daumen auf sich.

‚Alles klar!‘ meinte sie, schenkte ihm ein Glas Wasser ein und hielt es ihm hin. ‚Wie heißt denn die Disse?‘

‚Es ist das Best Friends!‘ meinte er und nippte dann an dem Wasser, bevor er es wieder auf den Tisch stellte.

‚Also, die Klofrau solltest du raus werfen, seit dem man in deinem Laden nicht mehr rauchen darf, ist der Gestank echt eine Zumutung.‘ rief sie empört, stand auf und lief zu dem Paket hinüber.

‚Willkommen in meinem Leben!‘ flüsterte er und räusperte sich dann. Sie schien es eh nicht gehört zu haben, da sie das Paket hastig aufgerissen hatte. Liebevoll zog sie ein Buch und einen Stift aus dem Paket. Fast schon ehrerbietig schlug sie es auf, schrieb etwas hinein und kam wieder zurück zum Sofa. Wortlos reichte sie ihm das Buch und setzte sich wieder hin. Während sie einen Zuckerwürfel nach dem anderen in ihre Tasse warf, schlug er das Buch auf und blickte sie dann nach einer Weile gerührt an.

‚Ab morgen bin ich mit meinem Bildband auf Lesereise!‘ meinte sie und grinste dann über ihre Tasse hinweg, bevor sie trank. Sie schluckte schwer und fuhr dann fort. ‚Verstehen muss man das nicht, aber mein Verlagsmensch meinte, es würde zum guten Ton gehören.‘

Er blickte sie sprachlos und gleichermaßen beeindruckt an und begann zu stammeln, brachte aber kein sinnvolles Wort hervor. Um davon abzulenken, blätterte er im Bildband herum und versuchte nicht weiter irgendwas zu sagen.

‚Hey Gruber, sag mal, früher konntest du die Klappe nie halten und jetzt kriegst du keinen Ton heraus?‘

‚Es tut mir leid, ich bin beeindruckt, etwas beschämt und ein Bisschen überfordert…! begann er, brach dann ab und versuchte fortzufahren. ‚…grad…!‘

‚Nimm dir nen Keks!‘ unterbrach sie ihn.

Er nahm sich einen Keks. Unbehagliches Schweigen, dass nur durch Keks kauen, Seiten umblättern und Kaffee schlürfen unterbrochen wurde.

‚Es tut mir leid, dass wir dich in der Schule immer so gedisst haben, ich weiß nicht, wie ich das je wieder gut machen soll?‘ meinte er dann, während er immer noch im Bildband herum blätterte.

‚Ist schon Okay, man sieht sich ja immer zweimal im Leben.‘ grinste sie ihn an und fuhr dann fort. ‚Wir sollten ein Klassentreffen machen, ich will die ganzen blöden Gesichter sehen, obwohl mir Deines grad schon ein wahres Volksfest ist.‘

‚Sind wir dann quitt?‘ fragte er.

‚Hm, dass muss ich mir echt noch stark überlegen, ihr wart schon ganz schöne Arschlöcher!‘

‚Ja und aus uns ist auch nicht wirklich was geworden. Der Steer ist seit Jahren immer mal wieder mehr oder weniger erfolglos auf Entzug, der Sepp sitzt im Knast, Atze ist Bulle geworden und Ferdi ist zum 2. Mal geschieden, säuft und ist arbeitslos, und kommt wahrscheinlich auch bald in den Knast, weil er seine unzähligen Alimente nicht zahlen kann.‘

‚Was ist denn mit dem Wannabe?‘

‚Der hat sich mit seiner Maschine letztes Jahr am Münchner Berg darennt.‘

Ein gekeuchtes ‚Nein!‘ stolperte aus ihrem Mund, sie hielt sich augenblicklich die Hand vor dem Mund und blickte ihn erschrocken an. Als sich ihre Augen langsam mit Tränen füllten, sprang er von seinem Platz auf und stürmte zu ihr hinüber.

‚Hey, hey, hey. Hätte ich ahnen können, dass es dich so trifft, hätte ich lieber die Schnauze gehalten.‘ rief er, kniete sich vor sie hin und griff hastig nach ihren Armen.

Als sie endlich die Hände sinken lies, stammelte sie vor sicher hin. ‚Was ich euch nicht alles gewunschen habe, aber so was wollte ich nicht…‘ Sie musste schwer schlucken, um ein Schluchzen zu unterdrücken.

‚Wenn es dich tröstet, er war selbst schuld. Zu schnell, betrunken und ohne Helm.‘ berichtete er kurz und griff nach ihren Händen, die sie kaum unter Kontrolle hatte, da sie so zitterten.

‚Das machts nicht besser!‘ schluchzte sie.

‚Jeder ist seines Glückes Schmied und jeder ist für sein Leben selbst verantwortlich und wenn manche meinen, sie müssten ihr Leben einfach so wegwerfen, war es ihre eigene Entscheidung. Ich für meinen Teil habe rechtzeitig entscheiden, dass ich ein besserer Mensch sein will.‘

‚Was ich mir reichlich schwierig vorstelle, wenn man sich ein riesiges Hakenkreuz auf der Brust und so Nazizeug auf dem Rücken tätowiert hat.‘ Brach es förmlich aus ihr heraus.

‚Ähm, als ich ausgestiegen bin, haben sie…‘ meinte er leise, lies ihre Hände los, knöpfte sich langsam das Diensthemd auf und machte den Blick auf seine nackte Brust frei. ‚Deswegen ist Sepp auch im Knast und Atze musste sich als Undercover Bulle outen, sonst hätten sie mir den Rücken auch noch mit der Flex bearbeitet.‘

Sie blickte fassungslos auf seine Brust, während ihr eine Träne nach der Anderen übers Gesicht lief. ‚Hey, keine Panik, es hat erst weh getan, als ich nach Tagen im Krankenhaus wieder aufgewacht bin.‘

Zitternd streckte sie eine Hand aus, um seine vernarbte Brust zu berühren. Doch sie zuckten beide zurück. Ängstlich blickte sie ihn an.

‚Es gibt nicht viele, die das sehen durften.‘ stammelten er und machte Anstalten sein Hemd wieder zuzuknöpfen.

‚Nein, mach das nicht. Trage es mit Stolz!‘ flüsterte sie und rutschte vom Sofa runter zu ihm auf dem Boden.

‚Leichter gesagt als getan.‘ meinte er und fing sie auf.

‚Das hat meine Mutter immer zu mir gesagt, wenn ihr mir wieder meine krausen Locken versenkt hattet und ich heulend nach Hause gekommen bin.‘

‚Ich hoff du hast nicht all zu großen Schaden genommen.‘ meinte er mitfühlend und strich ihr über ihren Lockenkopf. Als er ihr Ohr berührte, quietschte sie, wie ein 12jähriges Mädchen mit blonden Zöpfen.

‚Genau so hast du früher immer gequietscht!‘ grinste er und zog seine Hand zurück.

‚Nur früher war es mehr aus Angst!‘ meinte sie ernst.

Er strich ihr wieder übers Ohr, sie zog den Kopf ein und quietschte wieder. Beide mussten herzhaft lachen. Als sie sich wieder beruhigt hatten, berührte sie mit beiden Händen seine Brust. Diesmal zuckte er nicht zurück. Sie blickten sich einen Moment lang von Angesicht zu Angesicht an und dann drückte sie ihm einen flüchtigen Kuss auf. Er lächelte verschmitzt und erwiderte den Kuss etwas energischer. In dem Moment als sich ihre Zungenspitzen berührten, stoben sie auseinander und blickten sich erschrocken an.

‚Was machen wir da eigentlich?‘ fragte er, mehr zu sich selbst.

‚Der Postbote wird von der Hausfrau verführt….?‘ flüsterte sie und kam ihm nochmal näher.

Vorsichtig versuchte sie ihm die restlichen Knöpfe des Hemdes aufzuknöpfen und zog es ihm dann über den Rücken runter, dabei riskierte sie einen Blick auf seinen Rücken. ‚Eigentlich will ich mir nur deine Tätowierungen auf dem Rücken ansehen!‘ meinte sie kess und beugte sich noch mehr über seine Schulter nach hinten, so dass ihr Gesäß auf der Höhe seines Kopfes war. Irgendwie war auf seinem Rücken nicht mehr dass, was sie von früher her kannte. Jetzt war da ein riesiges Segelschiff, auf dessen Segeln stand: ‚Wer Reue zeigt, kann nur auf Vergebung hoffen!‘

Er packte ihren Hintern, hob sie hoch und trug sie aufs Sofa, wo er sie vorsichtig absetzte. Gequietscht hatte sie trotzdem.

‚Es gibt Dinge, die ändern sich nie!‘ flüsterte er in ihr ins Ohr, als er ebenfalls aufs Sofa stieg, um sie auf den Rücken zu drängen und sie erneut zu küssen. Sie erwiderte den Kuss nur kurz, biss ihm zärtlich auf die Lippe und flüsterte dann: ‚Bei manchen Sachen bin ich ganz froh, dass sie sich doch ändern.‘

Er blickte sie nachdenklich an und meinte dann ziemlich ernst: ‚Mit meiner Vorgeschichte hab eigentlich kein Recht dir Avancen zu machen!‘

‚Du hast dir doch nie was zu Schulden kommen lassen, oder?‘ rief fast schon ein Wenig aufgebracht und zog die Beine an, um sie mit den Armen zu umschließen.

‚Bis auf die Sache mit deinen Haare nichts, aber ich war dabei und war blöd genug es mir bis unter die Haut gehen zu lassen!‘

‚Hm, und wenn ich sage Schwamm drüber, würdest du mir dann Avancen machen?‘

‚Ich hätte dir schon viel früher Avancen machen sollen!‘ meinte er und grinste sie dreckig an. Sie kam ihm näher. Er zog sie in seine Arme und küsste sie hart und unnachgiebig.

Hastig nestelte sie an einen Gürtel herum, während er ihr Shirt von hinten über ihren Kopf zog. Sie lies den Gürtel los, zog das Shirt vollständig aus und warf es vom Sofa. Langsam öffnete er die Hose, während er ihr näher kam und sie zu küssen versuchte. Sie lies es nur einen Moment zu und griff dann in seine Hose.

‚Was fällt dir ein, wie konntest du den nur so lange von mir fernhalten?‘ rief sie erstaunt, als sie versuchte seinen Schwanz zu umfassen. Sie küssten sich heftiger, während er ihre Hose auszog.

‚Wir können nicht miteinander schlafen!‘ säuselte sie ihm ins Ohr und rückte von ihm ab.

‚Wieso?‘ rief er erschrocken. Als Antwort beugte sie sich herab, nahm sie seinen Schwanz in den Mund und begann genüsslich daran zu saugen…

Hetzjagd

Hetzjagd

nebelEin junge Frau lief durch den nächtlichen Wald. Ihr Atem ging schwer. Sie blickte gehetzt nach hinten, es schien als würde sie jemand zu verfolgen. Der Waldboden war nass und rutschig, es hatte kurz vorher geregnet und es tropften immer noch schwere Tropfen von den Blättern und Ästen auf sie herab. Einige Zweige schlugen ihr hart ins Gesicht, als sie wieder nach vorne blickte. Sie keuchte vor Schmerz laut auf und hielt sich schützend die Arme vors Gesicht. Ihre Füße rutschten immer wieder über Wurzeln und herabgefallene Äste.

Aus ihrem Mund kam bei jedem Atemzug ein angsterfülltes Wimmern, hastig blickte sie wieder nach hinten. Sie konnte einen Schatten hinter sich erkennen. Augenblicklich schien sie schneller zu laufen, dabei stolperte sie unachtsam über einen Baumstumpf und kam ins Straucheln, sie fiel zu Boden, konnte sich aber gleich wieder aufraffen und lief weiter im Zickzack durch den Wald.

Die Bäume standen nun viel dichter aneinander, so dass sie sich durch das Dickicht der Äste kämpfen musste. Sie keuchte laut und kämpfte sich weiter, sie konnte ihren Atem dabei sehen. Kälte umhüllte sie und brachte Nebel mit, der sich über den moosigen Waldboden, wie eine Schlange bewegte.

Ihr ganzer Körper zitterte, ihre Kleidung war schmutzig und völlig durchnässt. In ihrem Gesicht und an den Armen waren mehrere blutige Kratzer zu sehen. Doch sie kämpfe sich weiter.

Sie kroch durch das Gestrüpp eines Busches, der ihren Weg versperrte. Das Erdreich unter ihr gab plötzlich nach und ehe sie sich versah, rutschte sie einen Abhang hinunter.

Als ihr Körper zum Stillstand gekommen war, versuchte sie sich wieder aufzuraffen. Doch ihre Muskeln waren wie gelähmt vor Kälte und Anstrengung. Doch der Schatten, den sie oben am Hang für einen kurzen Moment erblickte, beflügelte ihr Handeln. Sie musste weiter. Sie musste hier weg. Also rannte sie.

Nach wenigen Minuten kam sie auf eine Lichtung. Sie blieb einen Moment stehen, um zu verschnaufen und sich umzublicken. Weit entfernt konnte sie Lichter durch den Wald schimmern sehen. Hoffnung keimte ihn ihr auf und sie lief weiter auf die Lichter zu.

Plötzlich packte sie jemand und riss sie fast von den Füßen. Starke Arme drückten ihr die Luft aus den Lungen. Ein Schaudern lief ihr über den Rücken, als kalte, glitschige Finger die nackte Haut ihrer Arme berührten. Sie versuchte zu Schreien, doch ihr Angreifer hielt ihr den Mund zu. Ein seltsamer Geruch kroch in ihre Nase und sie konnte noch schwarze Finger sehen, bevor ihre Sinne für einen kurzen Moment schwanden.

Der Angreifer lockerte seinen Griff, als ihr Körper in seinen Armen erschlaffte. In diesem Moment war sie wieder voll da, riss sich los und kam aber ins Straucheln. Er konnte sie gerade noch an den Haaren packen, ihr Kopf machte einen Ruck nach hinten. Sie schrie laut auf, fiel hart auf den Boden und er stützte ihr hinter her.

Benommen versucht sie sich unter seinen Gewicht herauszuwinden, doch seine Finger waren immer noch in ihren Haaren vergraben. Er stand stumm auf und schleifte sie an den Haare hinter sich her. Sie schrie erstickt, weil ihr eigenes Schluchzen sie daran hinderte.

Irgendwann lies er von ihr ab. So halb gegen einen Baum gelehnt lies er sie einfach liegen. Sie hörte Schritte, die sich von ihr entfernten. Vom Schmerz war sie so benommen, dass sie kaum fort kriechen konnte. Sie versuchte es trotzdem. Der Versuch wurde je gestoppt. Eine schwarze Faust verfehlte sie nur knapp, doch der zweite Schlag sitzte und die wurde endgültig bewusstlos.

Sie erwachte erst wieder, als ein reißenden Geräusch neben ihrem Ohr ertönte. Geschockt riss sie die Augen auf und bemerkte, dass sie gefesselt war. Wieder dieses Geräusch. Und irgendwas wurde ihr über den Mund gelegt und fest gedrückt. Als sie ihren Mund versuchte zu bewegen, erkannte sie, es war Klebeband. Wieder dieses Geräusch. Ihre Nackenhaare stellten sich auf, sie versuchte sich zu bewegen, doch er hatte nicht nur ihren Mund zugeklebt sondern ihren Kopf leicht nach oben gestreckt an den Baum geklebt. Sie hatte das Gefühl gleich ersticken zu müssen.

Plötzlich stand er über ihr und sie musste ihn direkt anblicken, sie erkannte aber nur schwarze Schemen und sie sah eine Klinge vor ihrem Gesicht aufblitzen. Aus Angst kniff sie die Augen zu und hoffte, dass es schnell vorbei sein würde. Aber weit gefehlt. Wieder ertönte dieses Geräusch. Er klebte ihr fast schon liebevoll ihre Augenlider mit dem Klebeband an der Stirn fest.

Trotz dessen dass sie halb am Ersticken war und ihr Kopf nach oben gestreckt war, bemerkte sie, dass ihr warmes Blut und/oder Rotz aus der Nase rann und über ihr Gesicht und Hals nach unten lief. Auch in ihrem Mund sammelte sich Blut und von dem eisernen Geschmack in ihrem Mund musste sie würgen. Sie versuchte irgendwie zu atmen, doch das Tape vor ihrem Mund und die Schlonze in ihrer Nase hinderten sie daran.

Das Messer tauchte wieder vor ihrer Nase auf und er ritzte ihr einen kleinen Schlitz in das Klebeband. Sie bekam besser Luft, aber das war nicht das was er damit beabsichtigt hatte.

Nur eine Sekunde, nachdem er das Messer aus ihrem Blickfeld genommen hatte, beugte er sich ganz nah über ihr Gesicht und stieß ihr seine Zunge in Mund. Das Tape riss weiter ein, aber sie konnte ihren Mund kaum bewegen, da auch ihr Kiefer mit dem Tape so fixiert war, dass sie sich nicht mal mit den Zähnen hätte wehren können. Irgendwann lies er von ihr ab und sie nutzte die Zeit einfach nur um zu atmen. Seine Hand strich über ihr Gesicht und endlich bemerkte sie, dass er schwarze Gummihandschuhe trug. Dann glitt er mit den kalten Fingern über ihren Hals und mit einem Ruck riss er ihr Shirt vom Leib. Mit dem Fetzen Stoff wischte er über ihr Gesicht.

Sie blickte ihn gezwungenermaßen weiter an und ihr Atmen stockte, als sie den Reißverschluss hörte…

Im Aufzug

Im Aufzug

Draußen trieb der Sturm große, schwere Tropfen an die Fensterscheiben. Eine gigantische, schwarze Wolke hing über der Stadt. Blitze zuckten alle paar Sekunden daraus hervor und das Donnern schien gar nicht mehr verstummen zu wollen. Eigentlich will man bei dem Wetter gar nicht nach draußen gehen, aber man möchte ja auch nicht das ganze Wochenende im Büro verbringen.

Drinnen wühlte eine junge Frau in ihrer Handtasche, sie hatte es scheinbar eilig. Mit einer fahrigen Handbewegung zog sie ihr Handy hervor, tippte die Tastensperre ein, schaute kurz darauf und steckte es wieder in die Tasche, um es wenig später wieder herauszuholen, um nochmal darauf zu sehen. Dann fiel es ihr fast aus der Hand, als sie es wieder in die Taschen legen wollte. Aber nachdem sie eh im Begriff war sich hinzuknien, landete das Handy in der Tasche und die Tasche auf dem Boden. Nur von der Frau war nichts mehr zu sehen, sie war unter den Schreibtisch gekrochen, um ihre Schuhe zu suchen. Als sie wieder darunter hervor kroch, hatte sie dass Gefühl, dass jemand an ihrem Büro vorbeigelaufen war.

Gedankenverloren stieß sie sich den Kopf an der Tischplatte an. ‚Was für ein verfickter Scheißtag!‘ konnte man sie nun fluchen hören. Nein, eigentlich konnte sie ja eben keiner hören, weil sie war immer die Letzte im Büro.

Auf einem Bein hüpfend zog sie ihre Schuhe an und packte dann ihre Handtasche, ihre Jacke, einen pinken Regenschirm, ihre Stempelkarte und einen Rucksack. Sie hatte es nicht nur eilig, sie hatte anscheinend auch noch was vor heute. Es war ja auch Freitag. Das sollte man doch was vor haben? Auf wackeligen Beinen stöckelte sie über den langen Gang. Normalerweise nimmt sie den kurzen Weg in die Tiefgarage, aber heute hatte sie keinen Parkplatz mehr bekommen, deswegen musste sie heute erst mal durchs halbe Haus laufen, um zum anderen Aufzug zu gelangen.

Durch die Fenster in den leeren Büros, an denen sie vorbei lief, konnte sie die Blitze zucken sehen. Vom nächsten Donner erschrak sie trotzdem, eigentlich hätte sie es ahnen müssen, dass nach dem Blitz ein Donner kommt, aber sie lies trotzdem vor Schreck fast den Regenschirm fallen.

Endlich bei den Aufzügen angekommen, drückte sie an die Mauer gelehnt irgendwie den Knopf, ohne etwas fallen zu lassen. Während des Wartens blickte sie auf dem Boden, der Boden war nass und der Reißverschluss an beiden Schuhen war offen, kein Wunder dass sie so wackelig auf den Beinen war. Sie zog den Rucksack richtig an und machte mit der freien Hand den Reißverschluss zu. Dann der andere Schuh, dann ordnete sie ihre Klamotten und stellte sich vor die Tür des einen Aufzuges. Es dauerte ewig bis dieses nervige Geräusch endlich erklang und die Aufzugtüren des anderen Aufzuges auf glitten. Sie lief zum hell erleuchteten Aufzug und rutschte fast auf dem nassen Fliesenboden aus. Im Aufzug drückte sie auf 0 und es passierte nichts. Mit einer komischen Verrenkung rieb sie ihre Hüfte an einem kleinen Kasten. Es piepste und sie drückte nochmal auf Null. Sie hörte wie sich die Türen schlossen. Aber sie sah nicht, wie plötzlich eine Hand die beiden Türen aufhielt. Durch das Geräusch des Sicherheitsmechanismus der Aufzugtüren, schreckte sie auf und drehte sich blitzschnell um. Die Türen glitten wieder auf und ein Mann trat in den Aufzug. Es war einer der unzähligen Arbeitern, die für die Renovierungsarbeiten im Gebäude tätig waren. Erschrocken war sie trotzdem. Mit der Handtasche und dem Regenschirm vor die Brust gepresst, rutschte sie nach hinten und machte dem Mann platz.

Er grinste nur breit und meinte: ‚Hab ich Sie erschreckt?‘

Sie lächelte gezwungen und nickte verhalten mit dem Kopf.

Er drückte auf -1 und die Aufzugtüren schlossen sich erneut. Sie lehnte sich erschöpft nach hinten an die Wand des Aufzugs und seufzte leise. Er musterte sie und suchte anscheinend nach den passenden Worten. Als sie etwas Nasses auf ihrem Kopf spürte, drehte sie sich erschrocken um und befühlte mit zitternden Fingern die Wand und blickte dann nach oben. Es kam Wasser vom Rand der Deckenverkleidung herein und floss die hintere Wand hinunter. Sie nahm den Rucksack ab und befühlte auch diesen. Er tropfte und sie lies ihn zu Boden gleiten.

Er hatte ihren Blick verfolgt, nachdem sie ihm den Rücken zugedreht hatte und konnte durch die vom Wasser durchsichtige Bluse ihren BH-Träger sehen. Dann bückte sie sich und er musste sich zwingen nicht auf ihren Hintern zu starren, also blickte er auf die Deckenverkleidung und sah dann aber das Selbe wie sie noch einen Moment zuvor. Wasser im Aufzug. Kopfschüttelnd kam er einen Schritt näher, berührte sie mit seinem muskulösen Oberkörper und befühlte die Seitenwand und murmelte: ‚Was für ein verfickter Scheiß!‘

In dem Moment, als sie beide sich bewusst wurden, dass ihre Körper für einen Moment aneinanderklebten, ging das Licht im Aufzug aus und das Geräusch was mit der Dunkelheit einher ging, war ja im Krieg der Sterne ganz spannend, wenn die Energiezufuhr für den Traktorstrahl von Obi Van Kenobi nach und nach abgeschaltet wird. Aber wenn man in einem Aufzug steht, will man dieses Geräusch garantiert nicht hören. Zumindest stoppte der Aufzug nicht so abrupt, wie man sich es vielleicht gedacht hätte. Aber er stoppte merklich. Sie lies den Regenschirm und ihre Handtasche fallen und krallte sich am Handlauf des Aufzugs ein. Langsam zog sie die Luft durch die Zähne ein und ging in die Knie.

‚Keine Panik Lady, die Bremsen funktionieren auch ohne Strom!‘ Er tastete nach ihr und griff nach ihrem Handgelenk. Sie schreckte zurück, lies aber doch seine Berührung zu. Er kam ihr näher und sie konnte seinen betörenden Körpergeruch wahrnehmen und plötzlich wurde es wieder hell. Er hatte eine kleine Taschenlampe in der Hand und leuchtete im Aufzug umher. Mit einem endgültigen Rumsen blieb der Aufzug stehen und sie landete auf ihrem Hintern und er fiel elegant auf die Knie. Wasser spitze auf. Sie spürte wie ihr Hintern nass wurde und versuchte sich gleich wieder aufzurappeln. Ihm war die Taschenlampe aus der Hand gerutscht und rollte über den Boden. Er kroch über den Boden und schnappte sich das Licht, steckte es in seinen Gürtel und wollte ihr dann eigentlich zur Hand gehen. Sie stand aber schon wieder, mit der Tasche und dem Regenschirm wieder an den Körper gepresst. Das Licht in seinem Gürtel schwankte bei jedem seiner Bewegungen und beleuchtete gegen die Seitenwand. Er kam ihr näher und griff wieder nach ihrer Hand.

‚Wollen wir mal sehen, ob der Notruf funktioniert?‘ Sie nickte, blickte ihn aber immer noch recht verschreckt an und er zog sie einfach mit zu dem Bedienfeld. Er drückte den Notruf. Stille. Er drückte noch mal. Stille. So etwas wie ‚Mist, verdammter!‘ kam aus seinem Mund. Er hämmerte auf den Knopf, aber irgendwie war ihm schon klar, dass der Notruf nicht funktionierte. Plötzlich ertönte ein Freizeichen. Es wählte automatisch und dann kam ein Dü-dü-dü. Er drückte wieder. Der Dü-dü-dü Belegtton verstummte und nach einem Moment kam wieder der Belegtton. Sie blickte ihn an und meinte nur: ‚Was für ne verfickte Scheiße?‘

‚Da hat wohl jemand die Telefonrechnung nicht bezahlt?‘

Beide zogen instinktiv ihr Handy aus der Tasche und blickten auf das Display. ‚Kein Netz!‘ murmelten beide. Er steckte das Handy wieder weg und versuchte mit den Händen die Aufzugtüren zu öffnen. Sein Shirt war vorhin nass geworden und so zeichneten sich seine Muskeln noch deutlicher ab. Sie ertappte sich erst dabei, dass sie ihn beobachtete, als sie wie hypnotisiert den Kopf schief legte und ihr nach einiger Zeit der Sabber aus dem Mund lief.

‚Was für ein verfickter Scheiß!‘ schrie er laut auf und er drosch wütend gegen die Aufzugtüren. Sie schreckte von ihren schmutzigen Gedanken auf und blickte ihn verstohlen an.

Er dachte er hätte sie wieder erschreckt, drehte sich langsam zu ihr um und kam ihr näher: ‚Sorry, ich glaub wir sitzen hier fest, bis uns der Wachmann findet!‘

‚Dann können wir uns ja hier häuslich einrichten bis Montag morgen!‘

‚So, schlimm wird es schon nicht kommen, mein Chef kriegt’s kotzen, wenn ich den Firmenwagen heute nicht mehr zurück bringe.‘ meinte er cool und klimperte mit einem Schlüssel in der Hosentasche. Automatisch blickte sie auf seine Hose und wurde schlagartig rot im Gesicht, als sie die Beule in seine Hose entdeckte.

‚Ich muss Ihnen was beichten.‘ stammelte er.

Sie dachte nur: Sei bitte nicht schwul! Sei bitte nicht schwul! Und blickte ihn wissbegierig an. ‚Ich hab Sie vorhin beobachtete, als Sie unter ihrem Schreibtisch etwas gesucht haben!‘ Nun wurde auch sein Gesicht wesentlich roter, als vorhin.

‚Hab ich’s mir doch gedacht, Sie Schlingel!‘ schimpfte sie ihn spielerisch.

Der Aufzug rutschte noch ein Wenig tiefer, sie fing an zu quietschen und er stürzte zu ihr hinüber, um sie festzuhalten. ‚Jetzt sollten die Bremsen aber festgefahren sein!‘

Ihr Gesicht streifte seine Bartstoppel, als er sie zu sich hinüber zog. Ihre Knie wurden weich, als sie wieder seinen Geruch wahrnahm. Der Aufzug sackte noch weiter ab und er konnte sie nun nicht mehr halten. Sie rutschte an ihm vorbei und als der Aufzug ruckartig zum Stehen kam, konnte er sie sich auch nicht mehr auf den Beinen halten und stürzte er auf sie drauf. Sie stöhnte laut auf, als er sie mit seinem Gewicht auf den Boden pinnte.

Der Aufzug sackte noch weiter ab, sie atmete schwer, er hob seinen Körper ein Wenig an und flüsterte: ‚Kommen Sie an meine Taschenlampe!‘

Sie griff an seinen Gürtel, fand zuerst alles andere, nur nicht die Taschenlampe.

‚Nein! Die andere Taschenlampe!‘ flüsterte er.

Entschuldigend grinste sie ihn an, fand dann doch die Lampe und zog sie hervor. Kurzerhand steckte sie die Taschenlampe zwischen ihre Brüste. Er lies sich langsam wieder auf sie herab. Der Aufzug bewegte sich wieder weiter nach unten. Er zog es vor sich nicht weiter zu bewegen.

‚Nicht mehr bewegen!‘ zischte er.

‚Hatte ich nicht vor!‘ keuchte sie.

‚Ich hoffe ich bin nicht zu schwer für Sie!‘

‚Sie sollten sich langsam mal vorstellen, bevor ich Sie frage, ob Sie da unten noch eine Taschenlampe für mich versteckt haben!‘

Er wurde nur wieder rot im Gesicht und stammelte: ‚Hans!‘

‚Tine, freut mich!‘ keuchte sie.

‚Tine, können Sie unter mir hervorkriechen? Ich will Sie wirklich nicht zerquetschen!‘

‚Ich versuche es.‘ Sie rutschte ein Wenig auf die Seite und er lies sich ganz langsam auf den Boden sinken. Schwer atmend kam er neben ihr zum Liegen. Der Aufzug rutschte ein weiteres Stück nach unten und machte ein knirschendes Geräusch. Sie klammerten sich aneinander und blieben noch eine ganze Weile reglos liegen, bis sich der Aufzug wirklich nicht mehr bewegte. Er blickte sie ernst an und sie erkannte den Anflug von Angst in seinen Augen. ‚Sie werden doch jetzt keinen Schiss kriegen, Hans!‘

‚Ehrlich, langsam bin ich mir nicht mehr sicher, ob die Aufzüge hier dem Sicherheitsstandard entsprechen!‘

Sie grinste ihn an und küsste ihn auf die Nase. ‚Runter kommen Sie immer, hat meine Oma immer gesagt.‘

Er versuchte zu Lächeln, es gelang ihm aber nicht recht, stattdessen schluckte er schwer. Sie küsste ihn auf den Mund. Etwas unbeholfen erwiderte er ihren Kuss und unternahm behutsam mit seiner Zunge einen Ausflug zu ihrer Zunge. Sie stöhnte leise und erwiderte den Küss etwas Energischer. Seine Lippen wanderten von ihrem Mund, über ihren Hals und wollte zu ihren Brüsten, als plötzlich die Aufzugtüren aufgestemmt wurden. Sie beide sprengten auseinander und blickten auf den immer größer werdenden Spalt und einen umherwandernden Lichtkegel.

‚Hallo, hier ist der Wachmann vom Empfang!‘ kam es von ziemlich weit oben.

‚Verficktes Timing!‘ kam aus ihrem Mund. Es war aber so leise, dass es nur Hans gehört hatte. Das Gesicht des Wachmannes tauchte am oberen Ende des Aufzuges auf und dann kniete er sich hin und hielt ihnen die Hand hin.

‚Wir hatten einen Stromausfall!‘ meinte der Wachmann. ‚Los kommen Sie, der Aufzug ist schon ganz unten, weiter runter geht es nicht!‘

Hans half ihr beim Aufstehen. Sie sammelte ihre Sachen zusammen und gab sie dem Wachmann. Plötzlich wurde sie hochgehoben und der Wachmann half ihr durch die Öffnung. Nachdem sie in Sicherheit war, hangelte er sich nach oben.

‚Macht es Ihnen was aus, ihre Autos aus der Garage zu fahren, ich muss langsam die Alarmanlage scharf machen.‘

Hans nahm ihre Sachen vom Boden auf und schob Tine zu der Tür, die zur Tiergarage führte. ‚Kommen Sie, Tine! Ich bring Sie heim!‘ meinte er ernst, zwinkerte ihr aber dann mit einem Lächeln auf den Lippen zu. Als die Tür hinter ihnen ins Schloss fiel, packte er sie am Hintern und drückte sie gegen die Wand. Aus seiner Kehle drang ein zufriedenes Geräusch, als er sein Kinn an ihrem Hals rieb. Sie stöhnte leise und knabberte an seinem Ohrläppchen.

Ich hab gehört, dass Beziehungen, die auf extremen Erfahrungen beruhen, nicht von Dauer sind!‘ flüsterte er ihr ins Ohr.
‚Dann muss unsere Grundlage Sex sein!‘ flüsterte sie und küsste ihn hart und unnachgiebig.

Schaum

Schaum

Eine nackte Frau vom warmen Schaum umfangen. Betörende Düfte durchströmen die kleine Badestube vom flackernden Kerzenlicht erhellt. Wasserdampf vermischt sich mit dem Rauch der Feuerstelle. Beruhigender Lavendel vermischt sich mit anregenden Rosmarin und verspielter Rosenduft setzt dem Potpourri noch ein mildes Sahnehäubchen auf.

Der Zuberer kam an den Zuber getreten und schüttete einen weiteren Eimer kochend heißes Wasser mit den Worten ‚Vorsicht, Herrin!‘ in die Wanne. Die Dame im Wasser schreckte hoch und zog die Beine zu sich heran. Auf ihrer Haut perlte sich das Wasser. Der Zuberer kam nochmal mit einer Flasche. Er goss ein wohlriechendes Öl ins Wasser und griff dann ins Wasser um das Öl zu verteilen. Dann ging er rücklings an der Dame vorbei, die gerade wieder zurück ins Wasser sankt. ‚Die Füße, Werteste?‘

‚Ja bitte, Jakob!‘ Sie hob einen ihrer Füße aus dem Wasser. Er krempelte seine feuchten Hemdsärmel hoch und begann ihr den Fuß zu massieren. Sie schloss die Augen und genoss seine kräftigen Berührungen. Von der Hitze in der Badestube lief ihm der Schweiß von der Stirn. Nun massierte er bis zu ihrer Wade hoch und lies dann den Fuß ins Wasser zurück gleiten, um sich sogleich dem anderen Fuß zu widmen. Die feine Dame musste sich auf die Lippen beißen, damit ihr nicht ein Stöhnen entwich. Sie wusste nicht, was heute mit ihr los war, nie zuvor war sie so erregt, wenn Jakob ihr die Füße massierte. Die Hitze stieg in ihr auf und ihr Verstand schmolz dahin. Sie glitt mit dem Oberkörper noch tiefer in die Wanne und kurz nach dem ihr ein sehnsuchtsvoller Stöhner über die Lippen huschte, ging sie beinahe unter. Wenn Jakob ihr nicht zur Hand gegangen wäre, wäre sie in ihrer Erregung wahrscheinlich ertrunken.

Ihre Sinne kamen erst wieder zurück, als Jakob sie kräftig schüttelte und ihr gegen die Wangen klopfte. ‚Werte Lady, wenn ihr mir hier ertrinkt, werde ich an der höchsten Zinne auf geknüpft.‘

Sie blickte ihn nur mit schreckensweiten Augen an und ihr Körper zitterte in seinen Armen. Dann wurde ihm erst gewahr, dass er mit einem Bein in der Wanne stand und seine Hose langsam ziemlich durchsichtig werden musste und dass die Lady ja schließlich nackt war. Er setzte sie auf, lies sie nur für einen kurzen Moment los und hangelte nach einem Handtuch. Sie war wieder ins Wasser gesackt, als er das Handtuch endlich in Händen hielt, also stieg er ganz in den Zuber, kniete sich zu ihr und nahm sie in Arm und wickelte gleichzeitig das Handtuch um ihren Oberkörper. Sie würden ihn nicht nur an der höchsten Zinne aufknüpfen, nein, seine Eier und sein Schwanz würden neben ihm baumeln, wenn sie jemand so erwischen würde. Und zu allem Überfluss wurde das Handtuch nun auch noch durchsichtig und die festen, großen Brüste der Herrin zeichneten sich deutlich durch das Handtuch ab. Er schluckte schwer. Sie öffnete die Augen und bemerkte sein Unbehagen. Lächelnd kam sie ihm näher und küsste seinen Hals.

‚Herrin, ich bitt Sie! Ich kann nicht!‘

‚Keine Sorge, keiner wird nach mir suchen.‘

‚Die Tür ist nicht verschlossen!‘

Da stand sie einfach auf, stieg selbstständig über den Zuberrand, ging nackt wie sie war auf die Tür zu und betätigte den Riegel. Dann drehte sie sich um und stieg in den Zuber zurück, wo Jakob immer noch mit dem nassen Handtuch in der Hand regungslos im Wasser kniete.

‚Jakob, ich möchte, dass ihr mich überall so berührt, wie ihr meine Füße berührt habt.‘

Er zögerte noch. ‚Und keiner wird je davon erfahren!‘ setzte sie ungeduldig nach und blieb vor ihm stehen. Er war im Knien größer als sie im Stehen, dennoch war sie unerschrocken.

‚Herrin, ich möcht so gern, aber was sag ich dem Pfarrer bei der Beichte.‘

‚Das ihr meine Füß‘ massiert habt, weil sie mir immer so schmerzen.‘ meinte sie gespielt und knöpfte ihm das Hemd auf und zog es ihm über den Rücken herab.

Als ihre nackten Brüste seinen Bauch berührten, war all die Zurückhaltung vergebens. Er musste sie anfassen. Er traute sich aber immer noch nicht recht. Aber alleine die Tatsache, dass seine Herrin so willig vor ihm stand, erregte ihn so, dass auch sie es nun bemerkte. Sie machte sich an seiner Hose zu schaffen. Und sie war wesentlich geschickter als er, denn sie hatte die Hose schon auf genestelt und umfing nun mit beiden Händen seinen immer steifer werdenden Schwanz. Ein Schauder lief ihm über den Rücken und nun konnte er sich wirklich nicht mehr zurückhalten. Er näherte sich mit dem Mund ihrem Hals und küsste sie so, wie sie ihn zuvor geküsste hatte. Sie stöhnte auf, lies aber keinesfalls von seinem Schaft ab. Er griff ihr vorsichtig an die Brüste und sogleich stellten sich ihre Brustwarzen auf. Er wollte sie küssen, aber sie entzog ihm ihre Brüste. Sie lies sich langsam vor ihn auf die Knie sinken und nahm seinen Schwanz in den Mund. Er machte große Augen, wollte protestieren, aber seine Stimme versagte. Er taumelte zurück und platschte rücklings ins Wasser. Sie landete mit ihrem zierlichen Körper auf seiner Brust und ihr Lächeln lies ihn gänzlich dahinschmelzen. Er küsste sie auf den Mund und als ihre Zungen sich berührten, explodierte irgendwas in seinem Magen. Vorsichtig öffnete er seine Augen und blickte sie an und auch sie schien von Erregung und Gefühlen überwältigt zu sein. Er wollte sie überall küssen, doch sie war wieder schneller als er. Sie griff sich zwischen die Beine und setzte sich auf ihn. Langsam lies sie seinen zum Bersten gespannten Speer in sich gleiten. Sie stöhnte lustvoll auf und biss sich vor Erregung auf die Lippe. Er konnte es immer noch nicht glauben, was sie da tat. Als sie mit langsamen, runden Bewegungen ihrer Hüften begann, seinen Schwanz in ihrem Loch zu massieren, konnte er nicht mehr. Er drängte sie auf den Rücken und stieß ihr seinen Schaft so tief wie möglich in sie hinein. Das Wasser schwappte aus dem Zuber. Sie schrie auf und verbiss sich in seiner Schulter, gleichzeitig befingerte sie aber seinen Hintern und krallte sich fest. Er rammelte weiter in sie ein. Sie war so unglaublich eng und bei jedem Stoß schien sie noch enger zu werden. Er verlor fast den Verstand, aber er lies nicht nach, ihr seinen Schwanz immer und immer wieder in den Leib zu bohren. Kurz bevor er kam hielt er inne, zog seinen Schwanz ihr heraus, richtete sich auf und hangelte sich einen Eimer voll mit kalten Wasser, den er sich sogleich über die Brust und über den Schwanz goss. Sie war auch kaum zu bändigen und nahm wieder seinen Schwanz in den Mund. Aber nachdem er sie keineswegs ins Gesicht besudeln wollte, goss er das restliche Wasser über ihren Kopf. Sie lies von ihm ab und wollte schon protestieren, doch er warf den Eimer über den Zuberrand und packte sie, küsste ihre Brüste, während er aufstand und sie am Zuberrand absetzte. Gegen einen Balken gelehnt, lies sie sich gerne von ihm die Beine auseinander drängen. Nun kniete er sich vor seine Herrin und küsste die Innenseiten ihrer Schenkel. Seine Finger umfassten ihre Arschbacken, während er mit der Zunge ihr Allerheiligstes berührte und langsam zu saugen begann. Er steckte die Zunge, wieder und immer wieder in ihr Loch, saugte und knabberte an ihrer Pforte. Sie stöhnte und hielt sich an seinen Haaren fest. Er nahm die Finger zur Hilfe und führte ihr erst einen Finger langsam ein und nahm dann einen Zweiten dazu, beim Dritten begann sie laut zu stöhnen und zu wimmern. Er bewegte alle drei Finger in ihr, bis sie zuckend seinen Berührungen erlag und nun hatte er sie soweit, er packte sie wieder und hob sie auf seinen Schoß, drang gleichzeitig mit dem Schwanz wieder in sie hinein und mit dem Finger in ihren Arsch. Mit der anderen Hand bearbeitete er ihre Brüste, während er sie gegen die Zuberwand gepresst hielt und immer und immer wieder in sie eindrang. Langsam zog er den Finger immer wieder ein Stück aus ihrem Arsch und nahm dann auch irgendwann einen zweiten Finger dazu. Sie stöhnte und atmete heftig. Ihr ganzer Körper zuckte und es schien so als würde sie in ihrer Ekstase erschlaffen. Er zog die Finger aus ihrem Arsch, um gleich darauf mit seinem Schaft hinein gleiten zu wollen. Nachdem sie nicht protestierte, machte er weiter. Er zog ihre Arschbacken auseinander und drängte seinen großen Schwanz in ihr Arschloch. Ihr Arsch war so eng, er musste an sich halten, um nicht gleich seinen Saft in ihr zu verspritzen.

Er arbeitete sich langsam vor und spielte nun mit den Fingern an ihren Schamlippen und schob zwei Finger in ihr Loch. Sie stöhnte auf. Endlich war sein Schwanz gänzlich in ihrem Arsch verschwunden und nun begann er sie zu rammeln, langsam aber bestimmt. Mit den Fingern vorne schneller als mit seinem Schwanz in ihrem Arsch. Er wollte diese Sünde solange auskosten, wie er nur konnte. Sie schrie nun so laut, dass er ihr den Mund zuhalten musste, aber sie wehrte sich nicht, sondern nahm seine Finger in den Mund und saugte daran. Er wusste nicht recht, wie viele Finger nun in ihr steckten, als sich plötzlich Unmengen warmen Schleimes über seine Hand ergoss. Ihre ganzer Unterleib zuckte und er konnte es an seinen Fingern spüren, wie ihr Inneres pumpte. Er zog den Schwanz langsam aus ihrem Arsch, wischte ihn kurz ab und schob ihn in dahin, wo seine Finger vorhin den warmen Schwall aufgefangen hatten. Ihr Inneres war noch glitschiger als zuvor. Ihr Zucken schwoll nochmal an und er stieß weiter in sie hinein. Ihre Bewegungen machten ihn schier wahnsinnig und mit einem lauten, schmerzhaften Schrei ergoss er sich, in einer nie vorher erlebten Heftigkeit, in ihr, so dass sein Saft gleich wieder aus ihr heraus floss, obwohl sein Schwanz noch halbwegs steif in ihr steckte. Er lies sich langsam und immer noch zuckend ins Wasser gleiten und legte sie behutsam auf seiner Brust ab. Sie wimmerte vor sich hin und ihr Körper zuckte noch. Ihr Atem schien sich langsam zu beruhigen.

Irgendwann öffnete sie ihre Augen und lächelte ihn liebevoll an: ‚Danke, Jakob!‘

‚Gern geschehen, Verehrteste!‘ flüsterte er und küsste ihre Stirn.

Nach einem Moment zog er sie hoch und sprang aus dem Zuber. Dann lies er das Wasser ab. Er kam mit einem Schwamm und warmen Wasser wieder an den Zuber getreten und wusch sie überall und schüttete mit einer Kelle warmes Wasser über ihren Körper. Dann wickelte er sie in ein Handtuch und hob sie aus dem Zuber, um sie auf einer Bank abzusetzen. Sie zitterte am ganzen Körper. Er zog sich schnell trockene Kleidung an. Dann wickelte er sie in ihren Morgenrock und öffnete die Tür.

Der Schwall kalte Luft, der nun in die Badestube strömte, ließ ihr Schier die Sinne schwinden.

Draußen war zum Glück niemand. Er goss die restlichen Eimer in die Wanne und sammelte die nassen Handtücher und seine Klamotten zusammen und warf sie in einen Korb. Dann nahm er sie und trug sie aus der Badestube in Richtung ihrer Gemächer. Es war wirklich keiner mehr in der Burg unterwegs. Alle Wachen schliefen. So er brachte sie in ihre Gemächer und mit einem Grinsen im Gesicht, zog er die Tür hinter sich in Schloss und verriegelte die Tür.

Fortsetzung folgt vielleicht….

Wintervollmondnacht

Wintervollmondnacht

Der Blick im Dunkeln ins Tal war atemberaubend. Durch die verschneite Landschaft konnte man über das ganze Tal blicken, obwohl es schon kurz vor Mitternacht war. Der Vollmond erhellte die Winterlandschaft noch mehr. Sie hatte das Gefühl, als würde sie jede einzelne Schneeflocke anblinzeln. Die klirrende Kälte lies ihr die Nasenflügel beim Atmen aneinander kleben. Schwer atmend wickelte sie den Schal noch fester um ihr Gesicht und machte sich an den Abstieg. Die Kälte saß ihr schwer in der Brust. Der gefrorene Schnee knirschte unter ihren Trippen. Die Kraxe war schwer, hielt ihr aber den kalten Wind vom Rücken.

Der Bauer wird sich schon Sorgen machen, weil sie so spät noch nicht wieder aufm Hof war. Sie war zu Besuch bei ihrer Großmutter gewesen und hatten sich so viel zu erzählen. Deswegen war sie jetzt auch viel zu spät noch unterwegs. Aber jetzt hatte sie es fast geschafft, sie musste nur noch den Berg wieder hinunter laufen, dann noch durch den Ort und dann war sie wieder daheim.

Mit den Gedanken an die warme Stube, machte sie einen Schritt den Abhang hinab, trat dabei wohl auf eine Eisplatte und rutschte aus. Sie konnte sich mit dem Wanderstab gerade noch abfangen. Und in dem Moment als sie sich gerade wieder aufrappelte, kam sie erneut ins Rutschen. Der Schnee gab unter ihr nach und sie rutschte mit samt allen Schnee den Hang hinunter. In einer Wolke aus aufgewirbelten Schnee purzelte sie den gesamten Berg hinab und kam erst wieder zum Stillstand als sie mit dem ganzen Körper an einer Holzwand des ersten Hofes auftraf. Von der Wucht des Aufpralls stürzte sie in den Schnee zurück und wurde vom nachrutschenden Schnee begraben. Reglos blieb sie liegen. Die Kraxe hatte sich im Laufe ihres Sturzes entleert und war dann unter ihr zerbrochen.

Benommen versuchte sie ihre Arme zu bewegen. Sie hatte den Wanderstab immer noch in der Hand und umklammerte ihn vor ihrer Brust. Beim Zusammenstoß mit der Hütte hatte sie sich die Hand verletzt, deswegen konnte sie nun auch den Stab nicht loslassen, weil ihre Finger vor Schmerzen so verkrampft waren. Sie atmete schwer aus und blies dabei den Schnee von ihrem Gesicht.

Plötzlich griff sie jemand an ihren Arm und riss sie hoch. Sie öffnete den Mund um schmerzerfüllt auf zu schreien. Es fiel ihr aber nur noch mehr Schnee in den Mund. Vor Schmerz hatte sie dann den Stab doch losgelassen. Dem Ersticken nahe versuchte sie den Schnee auszuhusten. Die starken Hände, die sie gepackt hatten, nahmen sie nun um den Ellbogen und halfen ihr fast schon behutsam aus dem Schnee. Es wurde mit ihr geredet, sie verstand aber kein Wort. Sie wurde nun geschüttelt, weil sie keine Reaktion gezeigt hatte. Ihr Helfer hob sie grob über die Schulter und trug sie fort. Sie lies es einfach geschehen, in der Hoffnung ihr würde schon geholfen werden. Zu mehr hätte sie eh die Kraft nicht gehabt. Sie wurde umständlich auf einen Stuhl gesetzt. Dann erst konnte sie die Helligkeit wahrnehmen. Es wurden ihr die Schuhe und Strümpfe ausgezogen und es wurden ihr die Füße mit einer körnigen Masse eingerieben. Erst nach einer Weile stieg ihr der Geruch von Senf in die Nase. Ihr wurde eine warme Flüssigkeit eingelöst. Es war irgendwas mit Schnaps. Sie hustete wieder. Unscharf konnte sie einen Mann erkennen, der ihr aus den nassen Klamotten half. Nachdem ihr ganzer Körper vor Kälte bebte, lies sie auch dies wehrlos geschehen. Langsam kamen die Töne in ihr Ohr zurück. Sie hörte erst ganz leise jemand neben ihr reden, dann wurden die Worte immer lauter, bis sie so laut waren, dass sie das Gefühl hatte, dass ihr Kopf jeden Moment zerspringen würde.

‚Geh Bua, lauf zum Dokta nüber. Der soi beim Huababauer bescheit gem und dann her kemma.‘

‚Ja, ähm!‘

Nix, ähm! Der Dokta is da oanzige mit am Telefon im Ort. Und da Huababauer ist da oanzige drüm in Kirch, er soi zum Sattler Toni nüber laufn… Muss i dir ois vorkaun!‘

Sie verstand nicht wirklich, was da geredet wurde. Am Ende des Gespräches spürte sie nur einen kalten Luftzug und hörte eine Tür knallen. Jemand legte ihr eine Decke über die Schultern, nahm sie hoch und trug sie zur Ofenbank. ‚Da hast di aber gscheit verlaufn, Traudl!‘ sagte die Stimme von vorhin zu ihr. Er nahm sie am Kinn und zog ihren Kopf hob. ‚Traudl?‘

Sie öffnete die Augen vollends und starrte in ein freundliches, aber wettergegerbtes Gesicht, dass sie zu kennen schien. Es fiel ihr aber nicht ein, wer sich da so liebevoll um sie kümmerte. Sie dämmerte wieder weg, bis sie leichte Schläge gegen ihre Wangen verspürte. ‚Des könnt a bissal weh tun!‘ meinte ihr Helfer mit ruhiger Stimme und in dem Moment hatte er ihre Finger schon wieder eingerenkt und vor Schmerz war sie nun endgültig ohnmächtig geworden.

Der Bub war mit einer schlechten Nachricht wieder gekommen. Der Doktor sein wohl bei seinem letzten Hausbesuch eingeschneit worden. Das Telefon sei tot und der Schneepflug sei irgendwo zwischen Berg und Kirch steckengeblieben. Er versorgte die bewusstlose Traudl und brachte sie in sein Bett.

Als sie wieder erwachte, lag sie in einem Bett. Jemand saß neben ihr und war auch eingeknickt. Sie erkannte den Hufschmied zu Berg. Sie hatte sich wohl wirklich ganz schön verlaufen. Tastend suchte mit ihrer Hand nach der Seinen. Er war erwacht, kam ihr mit seiner Hand entgegen und hielt sie fest. Dann flüsterte er: ‚Ois wird guat, der Schneepflug wird kommen!‘

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