Mein erster Schultag – Folge 5 Ernie und das Stufenarmageddon

Mein erster Schultag – Folge 5 Ernie und das Stufenarmageddon

Die Aula, unendliche Stufen.

Große breite Stufen runter und dann wieder kleine schmale Stufen zur Bühne hoch und alles ohne Geländer. Die Schüler standen, knieten oder saßen auf den Stufen und ich verfluchte den Moment, als ich den Stock zu hause ließ. Herr Walddorfer ging gerade zum Rednerpult, doch ich hatte erst noch meine persönliches Stufenarmageddon vor mir. 

Zum Glück war Abby immer noch an meiner Seite. Ich musste mich auf ihre Schulter stützen, als wir die Stufen hinab schritten. Obwohl uns niemand sah, hatte ich das Gefühl, dass alle den Krüppel beobachten würden. Ich wäre am Liebsten im Boden versunken und war heilfroh als wir endlich an der kleinen Bühne angelangt waren.

Herr Walddorfer hatte schon angefangen die Schüler zur Ruhe aufzurufen, was ihm nicht im Mindesten gelang. Es war wie ein Unfall, man sollte eigentlich nicht hinschauen, aber man tat es trotzdem. Ich beschloß zu pfeifen, nachdem mich Frau Miller auf die Bühne gezerrt hatte und er immer noch hilflos ins Mikro brabbelte. Mein Pfiff schallte durch die Aula und schon war die Meute still. Geht doch. 

Der Rektor zwinkerte mir zu, räusperte sich und begann zu sprechen: ‘Einen wunderschönen guten Morgen, liebe Kinder. Hat jeder von euch die neuen Stundenpläne bekommen. Für diejenigen, die unsere Emails oder Briefe oder sogar die Zeitung nicht lesen, es ist Einiges passiert, deshalb begrüße ich euch alle heute herzlich als euer neuer Direktor. Die jüngsten Ereignisse haben eine Zusammenlegung unausweichlich gemacht und ich hoffe inständig, dass wir alle am Ende gestärkt daraus hervorgehen. Das gesamte Kollegium, allen voran unsere Vertrauenslehrer und Vertrauenslehrerinnen, sowie das medizinische Schulpersonal sind jederzeit für euch da. Wir sind nicht euer Feind, wir wollen gemeinsam schaffen, dass jeder hier einen guten Abschluss erhält und in eine gesunde Zukunft blicken kann.’ 

Während der Rede, hatte ich einen Moment Zeit mir die Schülerschaft ein bisschen genau anzusehen. Ich erkannte diesen Heino Müller und das Mädchen von vorhin. Sie hatte sich in ein Eckchen gequetscht, wo sie alleine sitzen konnte. Und dieses Eckchen, war sehr weit von Heino entfernt und von dem Platz an dem er saß, konnte er sie nicht sehen. Man merkte wie es in ihrem Kopf ratterte, ihr schien gerade ziemlich viel durch den Kopf zu gehen, dafür war bei Heino nicht viel los, der spielte Taschenbillard. Ich zählte kurz durch und überschlug im Kopf die Klassenstärken. Im Schnitt waren es wohl 10 bis 15 Schüler pro Klasse. Es waren tatsächlich weniger Mädchen als Jungen. Die jüngeren Schüler waren mehr als die Älteren. 

Um so länger der frischgebackene Rektor redeten, um so unruhiger wurden die Kinder.

Einige Buh-Rufe machten sich breit und der Rektor räusperte sich: ‘Wir haben einen neuen Kollegen, der uns ab heute tatkräftig unterstützen wird in Geschichte, Sozialkunde, Erziehungskunde und Sport bei den Jungen. Ich darf Herrn Herbert Kowalski in unserer Mitte begrüßen.’

Ich stand auf und nickte in die Menge. Jemand schubste mich von hinten und ich machte einen Schritt nach vorne, um mein Gleichgewicht halten zu können. 

‘Kommen Sie ruhig und erzählen Sie unseren Schülern und Schülerinnen etwas über sich.’ meinte Herr Walddorfer und winkte mich zu sich. 

Ich versuchte möglichst wenig zu humpeln und ihn bloß nicht anzulächeln. Er machte lächeln Platz am Rednerpult und klopfte mir väterlich auf die Schulter.

Ich räusperte und zog das Mikrophon zu mir. ‘Einen wunderschönen guten Morgen, Herr Direktor, liebe Kollegen und Kolleginnen und vor allem wünsche unserer Schülerschaft einen guten Start ins neue Schuljahr. Eines kann ich euch sagen, als ich vor gefühlten 100 Jahren endlich mein Abi in der Tasche hatte, habe ich geschworen, nie wieder einen Fuß in eine Schule zu setzen, doch dann kam mir leider ziemlich viel Leben und in Afghanistan eine Handgranate in die Quere. Im Krankenhaus schlug man mir vor, dass ich bei meiner Qualifikation immer noch Lehrer werden konnte, für den Fall, dass ich nie wieder laufen könne. Damals dachte ich, dass ist ein blöder Scherz.’ fing ich an und es hörte sich eher wie eine Motivationsrede für meine Kameraden an, die gleich in ein Gefecht geschickt werden würden. ‘Glücklicherweise stehe ich wieder auf meinen eigenen zwei Beinen und ich kann euch sagen, wie sehr das Universum auch versucht euch Steine oder Handgranaten in den Weg zu werfen, wenn du es überlebst, steh auf, schüttel dir den Dreck ab und laufe weiter deinen Weg.’

Das gesamte Lehrerkollegium, minus dem Lackaffen, klatschten und jubelten und sogar einige Schüler schienen einigermaßen von meiner Rede beeindruckt zu sein. Ein paar grübelten noch, aber zumindst wurde ich nicht mit Pausenbroten beworfen. 

Der Rektor scheuchte nun alle in ihre Klassenräume und Frau Miller tauchte vor mir auf, als ich versuchte etwas wackelig von der Bühne zu steigen. 

‘Ernie, soll ich dich in deine Klasse bringen?’ meinte sie und lächelte mich zuckersüß an. 

‘Das wäre allerliebst, werte Abby!’ und hielt ihr meine Hand hin, worauf sie mir die Treppen hinunter half. 

‘Ernie, kannst mich aber auch weiter Bert nennen, wenn du willst!’ meinte sie und grinste mich an. 

‘Warum läuft in meinem Kopfkino jetzt Bambi? Welcher Arsch hat mich auf der Bühne geschubst und warum ist diese Schule nicht im Mindesten behindertengerecht ausgestattet?’ fing ich an zu schimpfen. 

‘Es war natürlich der Lackaffe und ich komme mir so vor, als wären wir nicht mehr in Kansas, Ernie!’ erwiderte sie grinsend und wir liefen hinter den Schülern her, die eine weitere Treppe hoch liefen. ‘Und wenn du keinen Lackaffen zur Hand hast, Ernie, kannst du mit deiner Chipkarte den Aufzug benutzen!’  

Vor der Klasse der 10b ließ sie mich einfach stehen und lief in ihre Klasse. Kurz vor der Tür drehte sie sich nochmal um und meinte: ‘Lauf in der Pause nicht weg, ich zeig dir die Kantine!’ 

Im nächsten Moment war sie auch schon in ihrem Klassenzimmer verschwunden. Ich atmete tief durch, riss mit einem Ruck die Tür auf und schritt ins Klassenzimmer. 

Mit einem: ‘Guten Morgen, die Herren!’ machte ich mich bemerkbar und schritt mit meinem Rucksack ans Pult.

Jemand hatte ‘Punk’s not dead!’ auf die Tafel geschrieben. In diesem Fall müssen wir wohl eine Grundsatzdiskussion führen.

Fortsetzung folgt…

 

Mein erster Schultag – Folge 4 Danke für den Hinweis und ich bin schwul!

Mein erster Schultag – Folge 4 Danke für den Hinweis und ich bin schwul!

‘Er ist schwul, köstlich!’ rief der Lackaffe und lachte sehr aufdringlich. Ich tat was ich tun musste und grinste ihn einfach nur an. Die Entgleisung in seinem Gesicht war einfach nur göttlich und nachdem aus seinem Mund nur ein mutloses Gestammel kam, sprang Frau Miller ein und meinte kurz, aber sehr deutlich: ‘Das ist Maik Schober, Mathe, Französisch und Musik und wir sind gar nicht verlobt, weil nein nunmal nein heißt, Maik!’ 

Der Rektor streckte den Kopf bei der Tür herein und rief: ‘Es geht los, Kinder!’

Ich versuchte in Windeseile alle meine Unterlagen in meinen Rucksack zu stopfen und als der Herr Werting mir mit den Worten: ‘Ich hab Ihnen den neu aufgelegt!’ einen wirklich sehr alten Laptop aushändigte, platzte es aus mir heraus: ‘Das ist super, am Ende des Jahres kommen wir in Geschichte im Computerzeitalter an, das Ding erspart uns einen Ausflug ins Museum!’ 

Er blickte mich mehr als entsetzt an und blickte fast schon beleidigt auf den Laptop. Ich versuchte die Situation zu retten und meinte kleinlaut: ‘Nix für ungut, ich hab nen Apfel, den kann ich auch dienstlich nutzen, oder!?’

Werting nickte und versuchte zu lachen, es gelang ihm aber nicht. Doch im nächsten Moment, wurde er von Hansmann aus dem Raum gezogen. Der Schober war ohne einen weiteren Kommentar auch schon gegangen. Nun stand nur noch Frau Miller im Raum und verdrehte die Augen. 

‘Wenn Sie bei dem Lackaffen Hilfe brauchen?’ stolperte aus meinem Mund als ich wieder die Tränen in ihren Augen sah. 

‘Mein Nein war wohl nicht deutlich genug!’ flüsterte sie, ich verstand sie aber sehr gut.

‘Wollen wir heute zusammen Mittagessen?’ schlug ich vor, ohne darüber nachzudenken und meinte dann. ‘Ich will jetzt nicht übergriffig wirken, aber ich mag nicht, wenn Sie traurig sind und ich mag nicht, wie dieser Maik Sie behandelt, als wären Sie sein Eigentum!’

‘Ein Jammer, dass Sie schwul sind!’ stolperte aus ihrem Mund. 

‘Das sagt die Schwester von meinem Ex auch immer!’ stolperte aus meinem Mund und ich grinste sie wieder an, doch ihre Reaktion war verblüffend. Auf ihrem Gesicht war kein Entsetzen mehr zu sehen. Sie griff mir ins Gesicht, zog mir meine Narben glatt und lächelte mich dann herzlich an. 

‘So ist es viel besser, ich hab als Kind all Ihre Rennen gesehen!’ flüsterte sie und kam mir einen Schritt näher. ‘Dank der Olympiaübertragung hab ich damals viel schneller deutsch gelernt.’

‘Oh, dann sind Sie wohl mein einziger Fan! Ich bin tatsächlich geschmeichelt.’ flüsterte ich ihr zu, lächelte aber nicht. 

‘Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber ich könnte einen richtig guten Freund gebrauchen, der mich nicht bumsen will!’ stolperte aus ihrem Mund und im nächsten Moment schoss wieder die Schamesröte in ihr Gesicht. 

‘Das krieg ich hin und meine Freunde nennen mich übrigens Ernie!’ flüsterte ich ihr zu.

Sie lächelte mich verschmitzt an, trat einen Schritt zurück und streckte mir die Hand hin: ‘Los Ernie, nicht dass wir die Lobesrede über dich noch verpassen.’

Ein: ‘Ja, Bert!’ stolperte aus meinem Mund und ich ließ mich in die Aula schleppen. 

Ohne ihre Hilfe hätte ich die Aula eh nicht gefunden und als ich die Aula in voller Größe sah, reichte es mir völlig.

Die Aula bestand nur aus Stufen… 

Fortsetzung folgt…

 

Mein erster Schultag – Folge 3 Kann ich aus der Horrorstory noch aussteigen?

Mein erster Schultag – Folge 3 Kann ich aus der Horrorstory noch aussteigen?

‘Kann ich aus der Horrorstory noch aussteigen, ist mein tägliches Mantra.’ rief Herr Hansmann und versuchte mit seinem Stofftaschentuch den verschütteten Kaffee aufzuwischen. 

Frau Miller blickte mich immer noch entsetzt an, sie schien Tränen in den Augen zu haben.

‘Frau Miller, Sie sollten sich gut überlegen, ob Sie mich zum Lachen bringen wollen!’ meinte ich eine Spur zu cool und versuchte krampfhaft nicht zu lächeln, was mir aber nicht gelang. 

‘Ich hab schon gehört, dass Sie in Afghanistan waren…!’ fing Hansmann an, brach dann aber ab, als er erneut mein Lächeln sah.

‘Ich bemühe mich wirklich, nicht zu oft zu lachen, aber es gelingt mir nicht immer. Es tut mir von Herzen Leid, wenn ich Sie verschreckt habe, Frau Miller!’ erklärte ich und blickte sie so entspannt, wie es mir möglich war, an. 

Sie schluckte schwer und wischte sich die Augen, bevor sie sich räusperte: ‘Tut mir leid, ich bin sehr empathisch veranlagt. Es ist so, als könne ich ihre Schmerzen spüren, wenn ich sehe, wie sie lachen und es dann im nächsten Moment wieder lassen, weil wir…!’ Ihre Stimme brach und ein anderer Lehrer kam vom Fenster rübergelaufen. Er berührte sie kurz an der Schulter, worauf sie ängstlich zurück zuckte. 

‘Flennst du schon wieder! Hat dir der Neue einen Schrecken eingejagt?’ rief der Kerl und mir kam es so vor, als würde er mit einem Hund reden. Sie fing sich augenblicklich wieder und schüttelte trotzig den Kopf. 

Er ließ sie im nächsten Moment los, als wäre sie eine heiße Kartoffel und widmete sich nun mir: ‚Herr Kowalski, wollen Sie sich nicht die Jungs von der 10. ansehen, bevor wir in die Aula gehen. Die Aktenauszüge von den Mädchen haben Sie doch bekommen, oder?‘

‚Ja, die kann ich auswendig.‘ berichtete ich und blickte ihn neugierig an, ohne jedoch Frau Miller aus den Augen zu verlieren. Mich berührte es tatsächlich, dass sie nur durch die pure Anwesenheit von diesem Lackaffen, ihre Stimmung geändert hatte, obwohl sie es im Grunde ihres Herzens gar nicht wollte.

Der Lackaffe zeigte auf die Steckbriefe. Ich stand auf und kam näher.

‚Rot heißt, Fußfessel mit Ausgangssperre. Gelb heißt Bewohner mit Freigang. Grün heißt Heimschläfer. Die Fußfesseln haben einen Radius von 1,5 Km und sollten auf dem ganzen Gelände der Schule funktionieren. Sobald sie durch die Schleuse gehen, geht der Alarm los und die Polizei kommt. Am Besten lassen Sie sich das von den Jungs erzählen, die haben fast alle Eine.‘ erklärte der Lackaffe.

‘Finden Sie das nicht heikel, dass die Opfer häuslicher Gewalt zusammen mit den jugendlichen Straftätern in eine Schule gehen?’ wollte ich wissen. 

‘Der Grund für die meisten Straftaten ist tatsächlich auf Verfehlungen in der Erziehung zurückzuführen.’ meinte der Lackaffe. 

‘Das Internat sollte vielmehr Heim für Kinder schwererziehbarer Eltern heißen!’ witzelte Hansmann.

‚Ich hab keine Sicherheitsleute gesehen, werden die Freigänger gar nicht kontrolliert?’ stichelte ich weiter nach. 

‚Das brauchen wir nicht, es geht alles elektronisch. An den Türschleusen sind Metalldetektoren und unser Lempke und sein Dackel sind die besten Drogenschnüffler!’ meinte ein anderer Lehrer, der an einem Laptop saß und mir freundlich zu nickte, bevor er kurz ergänzte: ‚Werting, mein Name, Hilmar Werting. Informatik, Büroorganisation, Sicherheitsbeauftragter, Admin und ich helf dem Lempke bei der Berufsberatung und war eher widerwillig beim Ferienprogramm dabei.’  

Dann stand Werting auf und ging durch den Raum zu einem Schrank, während er mit einer seltsamen Handbewegung um einen Moment bat. 

‚Sehr erfreut Herr Werting und Sie, Herr…?‘ wollte ich wissen und drehte mich zu dem Lackaffen um, der sich wieder an Frau Miller zu schaffen machte.

‘Ich bin der Verlobte von Abby.’ meinte er und nahm sie in den Arm. Sie war überhaupt nicht begeistert. Eigentlich sollte mir so hetero Machogehabe am Arsch vorbeigehen, doch der Gesichtsausdruck von Frau Miller ließ bei mir sämtliche Alarmglocken läuten.‘Danke für den Hinweis und ich bin schwul!’ sagte ich kurz und prägnant. Nach dem es durch die Presse ging, muss es eh schon jeder wissen.

Fortsetzung folgt…

Mein erster Schultag – Folge 2 Willkommen im Bootcamp 

Mein erster Schultag – Folge 2 Willkommen im Bootcamp 

Das Lehrerzimmer war nur halb besetzt. Der Lehrermangel wurde mir in dem Moment klar, als ich die vielen leeren Stühle sah. Das Fräulein Miller grinste mich an. An den Wänden waren Bilder und Lebensläufe der Schüler aufgehängt.

‚Danke die Herrschaften.‘ rief ich eine Spur zu laut. Standing Ovations hätte ich nun wirklich nicht erwartet. Ich versuchte nicht zu lächeln, das hätte alle nur verschreckt. Händeschüttelnd wurde ich zum Tisch geschoben. Ich blickte auf den Stapel Papiere auf meinem Platz.

Erste Stunde gemeinschaftlich in der Aula. Zweite Stunde Erziehungskunde 10b. Super. Dritte Stunde Sozialkunde 10 a + b. Dann Doppelstunde Geschichte 7 a + b. Sozialkunde 8 a + b. Nachmittags. Sport zweimal Doppelstunden 10b und 9b gemeinsam. Ich überflog den Stundenplan und sah, dass ich am Mittwoch und am Freitag früher Schluss hatte, zückte mein Handy und wählte die Nummer meiner Physio. Es ging nur der AB ran und ich sprach nach dem Pfeifton: ‚Guten Tag, hier spricht Herbert Kowalski. Hallo Emma, ich kann den Termin morgen und am Donnerstag nicht wahrnehmen. Meine freien Nachmittage sind Mittwoch und Freitag. Notfalls halt nach 18 Uhr. Schicken Sie mir die neuen Termine per Mail. Danke.‘

Ich legte auf und alle starrten mich an.

‚Krankengymnastik.‘ meinte ich entschuldigend.

Alle lächelten mich plötzlich an. Ich wühlte die Unterlagen durch und suchte nach dem Lehrplan für Erziehungskunde. Klasse 5-9. Für die 10 gab es keinen. Ich bekam eine Liste unter die Nase gehalten. Freiwilliger Wochenenddienst: ‘1mal pro Monat, Samstag oder Sonntag!’ stand auf dem Blatt.

‚Keine Sorge, ich bin am Wochenende immer da, wenn was ist.‘ meinte Frl. Miller.

Ich trug mich am Ende des Monats ein und blickte sie fragend an.

‚Ich wohne hier. Ich bin die Vertrauenslehrerin der Mädchen. Haben Sie sich überlegt hier eine Dienstwohnung zu nehmen. Im Moment ist der Hausmeister der Vertrauensmann von den Jungen und ich bin mir nicht sicher, ob seine Stasimethoden so gut für die Jungs sind.‘ erklärte sie und es war das erste Mal, dass sie sich negativ zu jemanden äußerte.

‚Ich kann hier keine Dienstwohnung nehmen, ich bin grad erst hierher gezogen und wohne schon drei Straßen weiter.‘ erklärte ich kurz und blickte sie fragend an, bevor ich fortfuhr. ‚Und haben Sie überhaupt keine Freizeit?‘

‚Ich war früher selbst auf der Schule, habe tatsächlich mein Abi nachgemacht und hab studiert und bin jetzt wieder hier, weil ich den Kindern helfen will.‘ gab sie zu und wurde schlagartig rot im Gesicht. Das erklärte auch, warum der Direktor sie immer noch mit Fräulein ansprach.

‚Warum gibt es keinen Lehrplan für Erziehungskunde der 10. Jahrgangsstufen?‘ wollte ich wissen.

‚Weil es noch keinen gibt. Sie müssen improvisieren.‘ trällerte sie und grinste mich freundlich an. ‚Ich mache mit den Kindern offene Gespräche und frage sie, wo bei Ihnen der Schuh drückt, außerdem sollen wir die Berufsberatung unterstützen und ggfs beim Ausfüllen von Anträgen und dem Erstellen von Bewerbungen helfen.‘

‚Hier ist noch der Essensplan. Sie können an allen Mahlzeiten teilnehmen, wenn Sie davor oder danach Unterricht haben.‘ meinte der ältere Herr von vorhin. ‘Bei den anderen Mahlzeiten können Sie sich einkaufen.’

‚Das ist super, wo krieg ich hier nen Kaffee her?‘ stammelte ich.

Sie deutete ans Ende des Zimmers, da stand eine Kaffeemaschine, die wohl schon länger dort stand, als die meisten Lehrer hier Dienst taten. Der ältere Herr war bereits an der Kaffeemaschine angekommen, goss eine Tasse ein und fragte: ‚Mögen Sie ihn schwarz?‘

‚Wenig Milch und viel Zucker, bitte.‘ rief ich wieder eine Spur zu laut, ich räusperte mich und fuhr dann etwas leiser fort. ‚Das ist sehr freundlich von Ihnen.‘

‚Ach, Kowalski.‘ kam es von der Tür her. Eine sehr herrisch wirkende ältere Dame mit Brille stand in der Tür und fuhr, ohne auf eine Antwort meinerseits zu warten, fort: ‚Sie haben in der Mittagspause einen Termin bei mir und morgen bei der Schulpsychologin! Ich bin die Schulärztin Frau Dr. Erna Grau!‘

‚Alle neuen Lehrer müssen durchgecheckt werden!‘ säuselte mir Frau Miller zu. 

Der Kaffee wurde ihm hingestellt. ‚Ich bin Guido Hansmann, ich mach die Naturwissenschaften!‘

‚Danke für den Kaffee!‘ meinte ich und schüttelte seine Hand.

Die Frau Dr. stand immer noch in der Tür. ‚Ja, sorry Frau Dr. Grau, ich bin ein Bisschen überfordert. Hätte ich meine Röntgenbilder mitbringen sollen?‘

‚Nein keine Sorge, die habe ich schon. Kriegen Sie noch Anwendungen?‘

Ich musste kurz überlegen, was sie meinte. ‚Ähm. Anwendungen. Ja, wenn ich meine Termine verschieben kann, dann ja.‘

Sie musterte mich von oben bis unten, zog ihre Brille von der Nase und blickte mich über die Brillengläser hinweg an, bevor sie wieder zu reden begann: ‚Sie haben eine Saniausbildung bei der Bundeswehr gemacht?‘

‚Ja, Helfer im San-Dienst!‘ rief ich wieder in meinem üblichen Ton.

‚Wir haben nämlich keine Krankenschwester mehr und ich habe nebenan noch die Sozialsprechstunde zu machen, bin also nicht immer da!‘

Sie warf mir einen Schlüsselbund zu und meinte: ‚Der Schlüssel vom Ersthilfe-Raum! Kommen Sie dann nach dem Essen rüber zur Sozialsprechstunde!‘ 

Meine Reaktionsfähigkeit war immer noch hervorragend, also fing ich den Schlüsselbund auf. Das erste Mal seitdem ich die Schule betreten hatte, lächelte ich und nickte ihr dann zu. Obwohl sie scheinbar meine Krankengeschichte kannte, erschrak sie vor meinem Anblick, machte fast automatisch einen Schritt zurück, worauf sich die Tür zum Lehrerzimmer automatisch schloss. Ich grinste wieder und rührte meinen Kaffee um, nahm einen kräftigen Schluck und ließ mich erschöpft in den Stuhl sinken.

Frau Miller blickte mich entsetzt an und Hansmann hatte seinen eigenen Kaffee verschüttet.

‚Kann ich aus der Horrorstory noch aussteigen?‘ flüsterte ich in mich hinein und versuchte fürs Erste nicht mehr zu lächeln.

Erstveröffentlicht: 02.07.2013

Fortsetzung folgt vielleicht…

 

Mein erster Schultag – Folge 1

Mein erster Schultag – Folge 1

heim

Oh Mann, ich hätte mir echt nie träumen lassen, dass ich mit 36 nochmal die Schulbank drücken würde. Aber so ist es nun.

Gut, sagen wir es mal so, ich werde hinter dem Pult stehen. Aber komisch ist es schon. Ich bin meinen Lehrern bis zum Abi ziemlich auf den Sack gegangen.

Meine Fresse, musste ich viel Strafarbeiten machen. Manchmal kam ich mir echt so vor, wie Bart Simpson. Bart Simpson mit Abi. Nur der kleine blonde Junge ist mit 36 zwar gewachsen, aber nicht im Mindesten erwachsen geworden und ich komme im Moment noch nicht so ganz damit klar, dass ich jetzt Lehrer sein soll.

Als ich in Ulm im Krankenhaus lag, hat mir der Berufsberater gesagt, selbst wenn ich nicht wieder Laufen könne, dann könnte ich mit meinen Qualifikationen immer noch Lehrer werden. Damals wusste ich nicht so genau, ob er mich beleidigen oder aufmuntern wollte. Ich habe meine Zeit im Krankenhaus genutzt und habe ein Aufbaustudium fürs Lehramt gemacht. Ich bin jetzt Lehrer für Geschichte und Sozialkunde und wenn ich endlich wieder sporttauglich bin, dann werde ich vielleicht auch Sportlehrer sein.

Ja, der Sport. Ich war ein erfolgreicher Sportler. Hab ein paar Goldmedaillen gewonnen. Habe bei der Bundeswehr studiert und war im Sportförderprogramm. Dann gab es einen kleinen Skandal. Der Goldjunge ist eine Schwuchtel. Es gab ein paar blöde Fotos von früher. So Nacktfotos nach dem Motto: ‚Ich war jung und brauchte das Geld!‘

Ich wurde aus der Olympiamannschaft ausgeschlossen. Der Skandal kam eigentlich zur rechten Zeit, weil nach 30 hat man im Profisport eh fast nichts mehr verloren. Entweder Doping, Werbestar oder Trainer. Und für einen schwulen Trainer hatten sie keine Verwendung.

Mein Freund hatte sich dann von mir getrennt, weil er mit meinem unfreiwilligen Outing nicht klarkam. Verstehen muss das keiner, am Allerwenigsten ich. Eigentlich wäre das der Punkt gewesen, wo jeder normale Typ zum Saufen angefangen hätte, aber nein der Goldjunge hat sich für einen Auslandseinsatz gemeldet. Ich war in Afghanistan und bin von ein paar einheimischen Müttern angeschossen worden. Dabei wollte ich ihnen nur Lebensmittel bringen. Zum Dank haben sie mir noch eine deutsche Handgranate hinterhergeworfen. Hm. Ein Paar von diesen Splittern der deutschen Wertarbeit stecken immer noch in meinem Hintern. Ein Schuss ging um Haaresbreite an meiner Libido vorbei, ein Zweiter zerfetzte meinen linken Oberschenkel. Deswegen humple ich auch immer noch. Ein dritter und vierter Schuss zerfetzte nur die Milz und ging zum Glück an allem anderen Lebenswichtigen vorbei. Als ich aufgrund der Detonation der Handgranate mit meiner Fresse im Natostacheldraht von den lieben Kollegen des Nachbarstützpunkt landete, waren die Amis es, die mir das Leben und den Großteil meines Gesichtes gerettet hatten. Deswegen bin ich heute besonders hübsch anzuschauen.

Nach der Reha bin ich in die Nähe von meiner neuen Arbeitsstelle gezogen und wartete, dass endlich die Sommerferien vorbeigingen. Dass jemand, der früher die Schule so sehr hasste wie ich, sich mal darüber freuen könnte, dass die Sommerferien endlich vorbei waren, bringt mich tatsächlich sehr zum Grübeln.

Aber heute war es endlich soweit: Mein erster Schultag, ich komme.

Mein Bein tut mir weh, jeden Tag. Vor allem, wenn ich laufe. Warum habe ich Depp den Gehstock daheim gelassen? Nur keine Schwäche zeigen, dass haben sie uns schon in der Grundausbildung beigebracht. Jetzt stehe ich vor dem Tor, des ‚Herschiba Kimmelmann – Internat für schwer erziehbare Mädchen und Jungen‘.

Hm. Jungen. Mit Jungs hatte ich es auch selten. Egal. Auf dem Schild des Internats hatte einer mit roter Farbe aus dem K ein P gemacht und einen phantasmagorischen Überpenis auf das Schild gemalt. Ich zog mein Handy aus der Hosentasche und machte ein Foto.

Ein griesgrämiger Mann kam mir entgegen, mit einem Eimer mit Chemikalien und einem Schwamm. Er schimpfte über die Jugend heutzutage. Ich legte meine Keykarte auf den Sensor beim Einfahrtstor und das Tor öffnete sich.

Der Griesgram blickte im Vorbeigehen auf und grüßte mich: ‚Ah, der Neue!‘

‚Ja, der Neue! Einen wunderschönen guten Morgen!‘ sagte ich freundlich, aber ohne zu lächeln. Das habe ich mir abgewöhnt, weil immer wenn ich mein Gesicht zu einem Lächeln verziehe, verziehen meine Narben mein Gesicht zu einer gruseligen Fratze und das verschreckt die Meisten.

Er ging an mir vorbei, griff an seine Mütze und sagte dann zu mir, in einem leicht ostdeutschem Dialekt: ‚Sie sind ein Wenig dürr für den Knochenjob! Nicht, dass sie uns am ersten Tag noch zusammenklappen!‘

Sein Dialekt war kaum erkennbar, aber ich erkannte ihn sofort. Viele meiner Sportlerkollegen kamen nach der Wende in den Kader und waren wirklich eine starke Bereicherung für den Sport. Was nun diesen Mann hierher verschlagen hatte, würde ich noch rauskriegen, also antwortete ich freundlich: ‚Nein, keine Sorge, so schnell kriegt man mich nicht klein.‘

Den Hausmeister hätte ich mal erleben wollen, wenn um einen herum die Granaten einschlagen. Ich humpelte kopfschüttelnd die Einfahrt entlang, dachte darüber nach, dass ich tatsächlich ziemlich viel Gewicht verloren hatte. Mein Appetit war so gut wie gar nicht vorhanden und mein Arzt meinte, dass das ganz normal wäre, bei einer beginnenden Depression. Die Medikamente, die er mir verschrieben hatte, habe ich mit meinen Schmerzhämmern das Klo runtergespült und mein Rezept für CBD endlich eingelöst. Ich verdampfe nun das, was andere in den Knast bringt. Der einzige Nachteil, das Autofahren sollte ich sein lassen, aber dafür habe ich gezwungenermaßen mehr Bewegung, alles zusammen hat sich die Sache mit dem Appetit auch irgendwie gelöst. Grübelnd trat ich durch die nächste Tür. Das Piepsen des Türöffners ging mir schon auf den Sack und ich war noch nicht mal im Schulgebäude. Ich ging also durch die zweite Tür und kam mir schon vor wie im offenen Vollzug.

Ich war gerade einen Schritt in der Schule und da rannte auch schon ein Mädchen an mir vorbei. Sie heulte und sah ziemlich verängstigt aus. Wie ich heulende Frauen hasse. Ein Kerl kam um die Ecke gebogen, ein richtiger Schlägertyp.

Als er an mir vorbei rasen wollte, hielt ich ihn auf.

‚Was geht hier vor?‘ rief ich in meinem üblichen Ausbilderbefehlston. Der Typ zuckte zusammen und blickte mich entgeistert an. Ich war doch einen ganzen Tacken größer wie er. Zum Glück bin ich ein ganzes Stück gewachsen, seitdem ich das letzte Mal in der Schule war.

‚Hey, ich will mit meiner Freundin reden!‘ stammelte er.

‚Ich geb dir mal n Tipp. Wenn deine Freundin, aus welchem Grund auch immer, flennt und vor dir wegrennt. Dann ist das vielleicht der Grund, dass du ihr nicht nachlaufen solltest.‘ versuchte ich ihm zu erklären.

‚Ja, aber!‘ versuchte sich der Typ zu rechtfertigen. Und danke lieber Gott für dieses: ‚Ja, aber!‘

‚Nichts ja aber! Name und Klasse!‘ rief ich in meiner üblichen Art, ohne darüber nachzudenken, dass ich vielleicht meinen Ton zügeln sollte, wenn ich mit Kindern redete. Gut, der Typ sah nicht aus wie ein Kind und er konnte den harten Umgangston anscheinend gut gebrauchen.

‚Heino Müller, Klasse 10 b!‘ kam es wie aus der Pistole geschossen.

‚Heino Müller, Klasse 10 b, sehr schön!‘ sagte ich und notierte mir den Namen auf einem Notizblock, den ich aus meinem Hemdsärmel gezaubert hatte. Irgendwie gefiel es mir hier.

Ich ließ den verdutzten Jungen stehen, ging weiter und hoffte inständig, dass da hinten das Lehrerzimmer war. Um die Ecke kniete eine Frau bei dem Mädchen, das sich allen Anschein nach schon wieder halbwegs beruhigt hatte.

‚Ist dieser Heino Müller, Klasse 10b, dein Freund?‘ fragte ich und blickte auf meinen Block.

‚Nein!‘ krächzte sie.

‚Ja, aber er denkt das!‘ meinte die Frau, die bereits aufgestanden war und mir die Hand hinstreckte. ‚Ich bin Abby Miller, Deutsch, Englisch, Kunst und Erziehungskunde bei den Mädchen!‘

‚Oh, guten Tag, Herbert Kowalski, Lehrer Geschichte, Sozialkunde!‘

‚Ähm und Sport und Erziehungskunde bei den Jungen!‘ erklärte sie mir.

‚Bitte was?‘ stolperte aus meinem Mund. Ich muss leicht hysterisch geklungen haben, als ich das fragte, weil sie mich amüsiert anblickte.

‚Der Unterrichtsplan wurde gestern nochmal geändert. Der Sportlehrer der Jungen hat sich vor 3 Wochen erhängt, dann gab es einen kleinen Skandal und die Chefin ist suspendiert. Das Jungen und Mädcheninternat wurden zusammengelegt. Willkommen im Chaos.‘ rief sie wieder und lächelte mich herzlich an.

‚Gut, nun zu dir, Mädchen.‘ Die Kleine stand auf, wischte sich die Tränen vom Gesicht und zog den Rotz hoch, bevor sie mich neugierig anblickte. ‚Also, wenn du nicht jeden Tag hier heulend durch die Gänge laufen willst, dann solltest du ein Exempel statuieren und zwar vor allen Leuten. Aber keine Gewalt, irgendwas Irrationales. Küss den Klassen-Nerd oder die Klassen-Nerdin, oder beide, was dir in den Sinn steht.‘

‚Fräulein Miller, was ist denn mit Müller los, der ging grad freiwillig in seine Klasse und es ist grade Mal…!‘ Der weißhaarige Mann, der zu ihnen gesprochen hatte, blickte auf die Uhr. ‚Es ist grade Mal 7.20 Uhr!‘

‚Ähm, guten Morgen Herr Direktor, da müssen Sie den Kollegen Kowalski fragen!‘

‚Guten Morgen, Herr Direktor! Ich habe seinen Namen auf meinen Block geschrieben und ich gab ihm Beziehungstipps, Herr Direktor!‘ machte ich stolz Meldung.

‚Gut Herr Kowalski. Kommen Sie gleich mit in mein Büro!‘

Ich folgte ihm und das Mädchen lächelte schon wieder. Diese Frau Miller grinste uns hinterher.

‚Mein Name steht da auf dem Schild. Aber ich habe es nicht so mit den Förmlichkeiten. Ich habe diesen Schießjob übernommen, weil sie keinen Besseren gefunden haben. Unser Ziel ist es hier, alle irgendwie zu einem Abschluss zu verhelfen und zwar so, dass sie einen richtigen Job kriegen und dem Staat nicht weiter auf der Tasche liegen. Wir haben zu wenig Lehrer, keine Mittel und die neue Schulreform und der Skandal haben uns die wenig durchdachte Zusammenlegung beschert. Ich musste mein Lieblingsfach abgeben, mache aber nun die Hausaufgabenbetreuung. Wir müssen nun alle zusammenhalten!‘

‚Herr Direktor Walddorfer!‘ Las ich auf dem Schild. ‚Ich bin ein Wenig überfahren. Ich weiß nicht, ob Sie meine Akte gelesen haben, aber ich kann mit den Jungen keine Erziehungskunde und im Moment keinen Sport machen.‘ Ich tippte gegen mein kaputtes Bein.

‚Ich habe mir Ihre Akte letzte Nacht sogar mit ins Bett genommen, wirklich sehr spannend. Haben Sie sich schon mal überlegt ein Buch zu schreiben? Sie sind ein Held. Genauso jemanden brauchen wir hier!‘

‚Ich habe aufgrund meiner sexuellen Ausrichtung darum gebeten, keine Jungen unterrichten zu müssen und deswegen hab ich mich auch für die Halbtagsstelle für das Mädcheninternat beworben.‘

‚Machen Sie sich keine Sorge, so schnell kommen Sie nie wieder von Teilzeit auf Vollzeit. Es wird sich keiner beschweren und ich gehe davon aus, dass Sie Ihre Finger bei sich behalten können! Wir sind hier nicht auf einer katholischen Schule, Herr Kowalski!‘ meinte der Direktor, grinste blöd und blickte mich fragend an, obwohl sein Satz nicht als Frage zu verstehen war, eher als Feststellung. Und sein Humor ging völlig an mir vorbei.

Ich zog nur eine Augenbraue rauf und erklärte dann: ‚Ich war bei der Bundeswehr und ich weiß mich zu benehmen!‘

‚Sehr gut! Ich bin ein Freund von unkonventionellen Mitteln und wir versuchen die Kinder auf das Leben da draußen vorzubereiten. Und bei der Jugend heutzutage sind Sie richtiger als Sie jetzt vielleicht denken. Denn wenn Sie den Kindern nicht zu einem dicken Fell verhelfen können, dann weiß ich auch nicht weiter. Die meisten Eltern können sich nicht beschweren, weil sie selbst im Knast sitzen, tot oder ständig auf Geschäftsreise sind. Den Eltern sollte klar sein, dass es für ihre Kinder keine Alternativen mehr gibt. Entweder die Kids packen das hier, oder sie haben ein Leben zwischen Harz IV und Knast vor sich.‘

‚Aber ich kann im Moment noch keinen praktischen Sportunterricht machen.‘

‚Ja, deswegen haben wir unseren Werklehrer Lempke gebeten für die praktischen Übungen einzuspringen. Er hat im Sommer schon das Ferienprogramm mit den Schülern gestaltet. Er war in der DDR mal Meister im Zehnkampf.‘

‚Warum macht er dann nicht den Sport?‘

‚Weil er eigentlich unser Hausmeister ist!‘

‚Ich dachte er wäre der Werklehrer?‘

‚Ja, Werken, Aufsicht und Berufsvorbereitung darf er machen, aber er ist halt kein Pädagoge.‘

‚Das bin ich auch nicht!‘

‚Ja, aber Sie haben doch bei der Bundeswehr Bildungswissenschaften, Geschichte und Sport studiert und waren jahrelang Ausbilder. Mit dem Aufbaustudium sind Sie Lehrer. Sie haben nicht mal Probezeit. Der Staat mag Sie und ich will Ihnen eine Chance geben, wieder aufs Pferd zu steigen.‘

‚So lange Sie Ihren Kopf hinhalten!‘

Er nickte und hörte sich nun an, wie ein richtiger Lehrer: ‚Holen Sie sich ihre Unterlagen im Lehrerzimmer ab und dann treffen wir uns alle in der Aula. Ich habe eine Ansprache zu halten. Dann gehen Sie in ihre Klasse. Viel Vergnügen an ihrem ersten Tag!‘

Ich ging kopfschüttelnd aus der Tür und vor der Tür stand das Mädchen von vorhin. Sie hatte scheinbar auf mich gewartet.

‚Wollt mich noch für Ihre Hilfe bedanken!‘ krächzte sie wieder und dann rannte sie einfach weg.

Noch mehr kopfschüttelnd ging ich ins Lehrerzimmer, dass netterweise gleich gegenüber vom Rektorenzimmer war.

Als ich das Lehrerzimmer betrat, wurde ich von Standing Ovations begrüßt.

‚Willkommen im Bootcamp!‘ meinte ein älterer Herr und klopfte mir auf die Schulter.

Erstveröffentlicht: 02.07.2013

Fortsetzung folgt vielleicht…

 

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 20

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 20

Der Wind hatte ein Einsehen mit dem Verletzen und schubste die kleine Nussschale förmlich vor die Küste Galiciens. Doch erst als der Kapitän die ersten Sonnenstrahlen über den drei Weißen aufblitzen sah, hatte er ein Einsehen mit seiner Nachtschicht und steuerte die Blue Moon weiter von der Küste in ruhigere Gewässer, so dass beim Schichtwechsel alle etwas zur Ruhe kommen konnten. Die Morgensonne weckte auch Johann, der missmutig seinen Dienst antrat. Er fand den Kapitän am Ruder, wie er sehnsüchtig zu den drei Felsen zurück blickte. Mit einem mürrischen ‘Morgen Kapitän!’ übernahm er das Ruder.

‘Morgen Johann. Ich hab das alte Mädchen arg geschunden heute Nacht. Weck mich, wenn wir das Ende der Welt passieren.’

‘Wenn das alte Mädchen so weiter macht, werden wir heute Nacht das Licht von Santa Marta bewundern können, Kapitän!’

‘Die Herrin der Winde ist uns wohl gesonnen!’ säuselte der Kapitän, bevor er unter Deck ging.

Er schlich sich lautlos in seine Kajüte, doch Obi hatte ihn gehört und folgte ihm mit Kaffee, Tee, Brühe und Frühstück. Betty saß schläfrig am Bett und blickte sie erschrocken an, als ihr die Anwesenheit des Kapitäns und des Geruches von Speck, Eiern und Kaffee gewahr wurde. Der Boden vor dem Bett war feucht, neben dem Bett stand die Waschschüssel, die halbvoll war und eine ominöse Flasche, mit einer großen Öffnung.

‘Fräulein Betty, Ihr könnt zu Bett gehen, ich übernehme ein paar Stunden, bis Jaren oder Magnus wach sind.’ flüsterte er Betty zu und griff ihr dabei sanft an die Schulter. Sie legte den Kopf auf seine Hand und gähnte. ‘In Ordnung Kapitän!’

‘Muss ich noch was wissen?’ wollte der Kapitän wissen.

‘Immer wenn er wach wird, was alle paar Momente ist, Wasser in den Mund löffeln oder kalten Tee. Nichts Warmes.’ erklärte Betty kurz.

‘Oder kalte Suppe ohne Bröckchen!’ flüsterte Obi und servierte dabei dem Kapitän seinen Kaffee.

‘Aber jetzt soll er schlafen, die Nacht war anstrengend genug.’ meinte sie dann ziemlich herrisch.

Der Kapitän nickte und legte den Finger vor den Mund.

‘Er soll sich nicht anstrengen, nicht reden, nicht aufstehen, auch nicht zum Pinkeln.’ meinte sie streng und zeigte auf die ominöse Flasche, die neben dem Bett stand.

‘Aber auf die Seite drehen kann ich ihn?’ frug der Kapitän.

‘Ja, solange der Hals nicht bewegt wird!’

‘Feuchte Lappen für die Stirn sind in der Waschschüssel und wenn das Fieber steigt, müsst Ihr ihm Wadenwickel machen! Kriegt Ihr das hin?’ meinte sie wieder recht herrisch und blickte dann Obi an.

‘Jawohl, Fräulein Betty!’ salutierte der Kapitän und Obi nickte auch dienstbeflissen.

Der Kapitän setzte sich mit seinem Stuhl vor das Bett und trank seinen Kaffee. Obi wrang einen frischen kalten Lappen aus.

‘Obi, ich schaff das schon!’ flüsterte der Kapitän und nahm ihm den Lappen ab, um ihn im nächsten Moment behutsam auf der Stirn von Svent abzulegen.  

‘Auch der Kapitän muss ein wenig schlafen!’ wisperte Obi, legte dem Kapitän eine Decke über die Stuhllehne und verschwand dann rückwärts aus der Kajüte.

Es dauerte eine halbe Ewigkeit, bis sich Svent das erste Mal regte. Der Kapitän schrak hoch und blickte in ein geöffnetes Auge, das Svent nur mit Mühe offen halten konnte. Das darauffolgende Röcheln ging den Kapitän durch Mark und Bein.

Der Kapitän wechselte sofort auf die Bettkante und ergriff die zitternde Hand, die Svent ihm entgegen streckte. Svent versuchte etwas zu sagen, es kam aber nur ein kehliges Röcheln aus seinem Mund.

Dem Kapitän stolperten beruhigende Laute aus dem Mund und murmelte dann: ‘Du sollst dich nicht anstrengen.’

Svent versuchte erneut etwas zu sagen, worauf der Kapitän sofort erwiderte: ‘Und reden sollst du auch nicht!’

Dann blickten sich beide ratlos an, bis der Kapitän wieder anfing zu plappern: ‘Also von Zwinkern hat sie nichts gesagt. Also, einmal zwinkern heißt ja und zweimal zwinkern heißt nein!’

Svent zwinkerte dreimal, worauf der Kapitän ziemlich verwirrt drein schaute.

‘Dreimal zwinkern heißt: Ich muss Pissen…!’ flüsterte Svent, trotz des Redeverbotes und bereute es gleich, weil ihm die Luft wegblieb und der Versuch zu Husten ihn fast wieder in die Bewusstlosigkeit trieb.

Der Kapitän schaffte es irgendwie ihn zu beruhigen, ihm kalten Tee einzuflößen und schlussendlich wurde die besagte Flasche mit der großen Öffnung ordnungsgemäß befüllt.

Als er den Inhalt dann schlussendlich aus dem Fenster kippte, klopfte es zaghaft an der Tür.

Auf sein mürrisches ‘Herein!’, kam Jaren mit dem Fräulein Mariebelle im Schlepptau herein.

‘Wie geht es dem Patienten?’ trällerte Mariebelle in ihrem üblichen Ton.

‘Melde, beim Wasserlassen eine ganze Flasche voll gemacht, der Patient hält sich nicht an die Zwinkerregel und zieht es vor doch reden zu wollen.’ meldete der Kapitän.

‘War Blut im Urin?’ fragte Jaren, der sich umgehend an die Bettkante setzte, um mit dem Handrücken Svents Wangen zu befühlen.

Der Kapitän hingegen blickte auf die leere Flasche in seiner Hand und meinte dann kleinlaut: ‘Nicht mehr, als nach einer mittelmäßigen Sauferei!’

Von oben konnte man laut: ‘Das Ende der Welt in Sicht!’ hören.

‘Das ist mein Stichwort.’ rief der Kapitän, er schnappte sich den Teller mit seinem mittlerweile kalten Frühstück und verschwand in Windeseile aus seiner Kajüte.

Mariebelle blickte ihm kopfschüttelnd hinterher.

 

Fortsetzung folgt… Alle Segel hart am Wind bis ans Ende der Welt

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 19

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 19

Wenig später klopfte der Kapitän gegen die Tür seiner eigenen Kajüte und trat dann erst ein. Jaren saß an seinem Bett und hatte ein Auge auf Svent. Mariebelle hingegen blickte verstört aus dem Fenster.

‘Wie gehts ihm?’ wisperte der Kapitän fragend.

‘Magnus war grad noch da.’ meinte Jaren und wechselte die feuchten Tücher auf der fiebrigen Stirn des Quartiermeisters. ‘Er hat so unglaublich viel Blut verloren.’

‘Der Smut sagt, er wird durchkommen.’ meinte Mariebelle. ‘Wenn er keinen Wundbrand bekommt!’ Ihr Finger zitterten, als sie sich umwandte. ‘Würdet ihr den Lieutenant töten, wenn ich es nicht fertig bringe.’

‘Ich werde den Lieutenant nicht anrühren, bis Svent wieder auf den Beinen ist.’ flüsterte der Kapitän, räusperte sich und meinte dann mit fester Stimme: ‘Im Moment hat nur Svent das Recht den Lieutenant zu töten.’

Dann zog er seine Perücken vom Kopf, um im nächsten Moment seinen Kopf in seine Waschschüssel zu stecken. Dann wusch er sein Gesicht und seine unverletzte Hand.

‘Hat der Lieutenant sonst noch was verlauten lassen?’ frug Mariebelle neugierig. Seit dem Angriff auf Svent nannte sie ihn nicht mehr Stiefvater.
‘Er hat er mich als Sodomit beschimpft, dann hat er behauptet, ich wäre der Teufel und die Blue Moon sei mein Todesschiff.’ erzählte er gelangweilt, während er sein blutverschmiertes Hemd auszog und fuhr erst dann fort, als er ein frisches Hemd aus seiner Truhe geholt hatte: ‘Ach dass ihr alle sterben werdet, habt ihr ja gehört, oder? Eigentlich wollte er mir nur mitteilen, dass ich ein toter Mann wäre, wenn ich je auf Tobago ankommen werde!’ erzählte der Kapitän, während er mit seinem frischen Hemd sein Gesicht trocknete, in dem er es anzog.

‘Aber dafür seht Ihr aber noch ganz gut aus!’ krächzte Svent und der Kapitän war mit zwei Schritten am Bett angekommen. Er ging in die Hocke und verdrehte den Kopf so, dass Svent ihn gerade anblicken konnte. Ein ‘Kapitän’ stolperte aus Svents Mund und der Kapitän gab nur ein beruhigendes ‘Schschsch!’ von sich.

‘Ich bringe ihn nicht um, ich überlasse ihn dir, in Ordnung!’ versicherte er dem Verletzten.

‘Eik!’ röchelte Svent, sein massiger Körper bebte als ihn ein gewaltiges Zittern überkam.

Der Kapitän packte seine riesige Pranke und flüsterte ihm ins Ohr, so dass es nur Jaren mitbekam. ‘Svent, du kannst nicht draufgehen. Das erlaube ich nicht.’ Seine Stimme bebte derart, dass er sich die Hand vor den Mund pressen musste. ‘Du musst viel trinken. Die Schotten auf Madeira haben eine richtige Ärztin, du musst nur ein paar Tage durchhalten.’

Svent biss sich auf die Lippe, als er versuchte zu schlucken. Es schloss vor Schmerz seine Augen, doch der Kapitän erwischte eine der Tränen, die dem stolzen Riesen aus den Augen rannen und zerrieb sie mit den Fingern.

‘Verschwende kein Wasser, der Junge wird dir nur noch mehr Wasser mit dem Löffel in den Rachen schieben.’ witzelte der Kapitän und küsste die riesige Pranke, die er immer noch fest umschlossen hielt. Dann stand er auf und küsste Svent auf die Stirn.

Mariebelle blickte den Kapitän schockiert an, es wäre ihr nie in den Sinn gekommen, dass dem Kapitän mehr an Svent lag, als nur seine immense Arbeitskraft.

‘Ich würde mich dann entschuldigen.’ meinte Mariebelle und ging langsam zur Tür.

‘Ruht Euch aus, morgen soll der Tage ein Wenig ruhiger beginnen.’ meinte der Kapitän und wandte sich dann zu Jaren: ‘Wie lange kannst du hier noch sitzen?’

‘Magnus schaut noch nach der Mannschaft und geht dann schlafen. Betty löst mich nachher ab.’

‘Gut, ich würde gerne Jensen und Johann für ein paar Stunden schlafen schicken. Ich bleib bis zum Morgengrauen am Ruder und kann Betty dann ablösen.’

‘Wann schlaft ihr eigentlich?’ frug Jaren neugierig.

‘Ihr habt doch gehört, ich bin der Teufel. Ich muss nicht schlafen!’

 

Fortsetzung folgt… Biskaya bei Nacht

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 18

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 18

Johann und der Kapitän kümmerten sich weiter um die Blue Moon. Da die Flut gerade wieder eine Handbreit Wasser unter den Kiel gespült hatte, ging jetzt wieder das geschäftige Treiben an Bord los. Die Blue Moon wurde wieder gerade gestellt und die Balken wurden nach und nach aus dem Schlick gezogen und wieder sicher verstaut. Noah war wieder halbwegs nüchtern, konnte aber die fehlende Arbeitskraft von Svent nicht ersetzen.

Die Frauen und Kinder wurden wieder in den vorderen Laderaum gebracht und harrten dort der Dinge.

Nachdem sie den Splint aus Svents Hals entfernt hatten, versuchte Jaren alles wieder zu zunähen. Das war bei den ruckartigen Bewegungen der Blue Moon gar nicht mal so einfach gewesen. Svent hatte riesiges Glück, hatte aber dennoch viel Blut verloren. Umo und Ani halfen dabei Svent in die Kajüte des Kapitäns zu bringen, damit er sich ausruhen konnte.

Wind kam auf, es fing an zu regnen. Der Anker wurde gelichtet und die Mannschaft zog mit Hilfe der Beiboote die Blue Moon ins tiefere Wasser hinaus. Schlussendlich wurden die Segel gesetzt. Zum Glück stand der Wind günstig und die Blue Moon segelte mit dem Wind langsam hinaus aufs offene Gewässer der Baie de Bourgneuf.

Einerseits waren alle froh, dass die Blue Moon trotz aller Widrigkeiten wieder mehr als eine Handbreit Wasser unterm Kiel hatte und sie nun die Reise nach Madeira wieder aufnehmen konnten. Doch war die Laune der Besatzung ein wenig angeschlagen. Sie hatten in der wenigen Zeit in der Svent nun an Bord war ihn vollends in die Mannschaft integriert und waren von dem Angriff auf ihn ziemlich bestürzt. Der Kapitän hatte selten seine Männer beten gehört, aber in dieser Nacht taten sie es. War er doch einer von ihnen geworden. Und unter Deck sangen die Damen ein Lied ihrer Heimat.

Der Kapitän war umtriebig und schlecht gelaunt. Er ging unter Deck und schlenderte zu den hinteren Laderäumen. Ohne das jemand es bemerkte, öffnete er die Tür zum Verschlag des  Lieutenants.

Zwischen zwei Kisten saß er auf einem Stuhl, seine Kleider hingen nur noch in Fetzen von ihm herunter. Er war schmutzig und nass. Der Stuhl war zwischen den beiden Kisten angebunden, genauso wie er auf dem Stuhl festgebunden war. Auf dem Boden klebte Blut. Das Licht einer schwankenden Lampe erhellte die Szenerie nur alle paar Momente. Der Kapitän stand im Halbschatten. Seine Ärmel waren lieblos hoch gekrempelt und von seiner Perücke fehlte jede Spur.

‘Ihr seid der Teufel, es werden alle Sterben auf diesem Todesschiff!’ rief der Lieutenant.

‘Ich glaube, der Einzige der in nächster Zeit sterben wird, seid Ihr!’ grinste der Kapitän seinem Gefangenen an.

‘Elender Sodomit!’

‘Der Sodomit in mir ist nur das kleinere Übel, weil der Sadist in mir, wird Euch eines Tages zu Tode quälen. Ihr könnt nur hoffen, dass Svent Euren Angriff überlebt, dann wird es ziemlich schnell gehen. Wenn nicht, werde ich Eure Eier abschneiden und sie Euren Männern zu fressen geben.’

‘Bastard!’ spie der Lieutenant dem Kapitän vor die Füße.

‘Ja, dass sagte meine Mutter auch, bevor sie mich ins Hafenbecken geworfen hatte, um mich loszuwerden. Nur dass die See mich auch nicht wollte, als sie mich wieder ausspie, wusste sie nicht, was sie damit entfesseln würde.’

‘Ja Ihr seid lästig wie eine Seemöwe!’

‘Irgendwie sind wir vom eigentlichen Thema abgekommen. Was erwartet uns, wenn wir auf Tobago ankommen?’

‘Ihr seid bereits ein toter Mann, Kapitän.’ stieß der Lieutenant hervor.

‘Entscheidet Euch mal, ich kann nicht Teufel, Sodomit und ein toter Mann gleichzeitig sein.’

‘Ihr seid ein toter Mann, wenn Ihr nur einen Fuß auf Tobago setzt, mit meinen Sklaven an Bord.’

‘Auf meinem Schiff sind es keine Sklaven. Also macht Euch keine Sorgen, Eure Sklaven werden vom Teufel höchstpersönlich befreit.’

‘Ihr könnt mit Ihnen nirgendwo hin!’

‘Ihr glaubt wirklich, dass ihr der Nabel der Welt seid, oder? Der Teufel hat viele Freunde, glaubt mir.’

Der Lieutenant drehte seinen Kopf auf die Seite und blickte zu der schwankenden Lampe hinüber.

‘Ihr wollt nicht mehr mit mir reden. Hm. Ihr wisst was jetzt kommt.’ säuselte der Kapitän dem Lieutenant ins Ohr. Der Kapitän nahm ein Tau, das am Ende in einen kunstvollen Knoten überging. Er holte aus und schlug damit unter die Sitzfläche des Stuhles. Der Lieutenant krümmte sich und schrie markerschütternd auf.

Der Kapitän kam seinem Gefangenen ungewöhnlich nahe, als würde er den Schmerz genießen, den er ihm gerade bereitet hatte. Fast zärtlich hob der den Kopf des Lieutenants an und blickte in sein verschrammtes Gesicht.

‘Bleibt, genau so!’ grinste er seinem Gefangenen an, wie ein Maler seine Model anblicken würde. Dann schlug der Kapitän dem Lieutenant mit dem Tau noch mehrmals so hart ins Gesicht, bis dieser bewusstlos nach vorne kippte.

Als der Kapitän sich zur Tür gedreht hatte, nahm er seine Perücke vom Türknauf und als er den Raum verließ, konnte man die Sitzfläche des Stuhles sehen, wie sie neben der Tür lehnte, als würde sie da hingehören.

Fortsetzung folgt… Der Zauber steckt im Augenblick und die Kunst ist den Augenblick einzufangen.

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 17

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 17

Als die Blue Moon dank des Ebbstroms auf Grund gelaufen war, wurde sie mit den Balken abgestützt und mit Seilen auf die richtige Seite gezogen. Das Kalfatern des Lecks kam gut voran und als die Sonne den Horizont küsste, waren sie bereits fertig damit. Die Wache begann, bis die Flut die Blue Moon wieder aus dem Schlick heben wurde.

Svent kletterte völlig durchnässt an Bord zurück und wollte unter Deck noch eine weitere Tosse Seil holen. Er hatte mittlerweile die Arbeit des Schiffszimmermannes übernommen und machte sich scheinbar gar nicht schlecht. Die Männer hörten auf ihn, aber auch erst seit er einen dieser Balken alleine über die Reling gehoben hatte, wo sich davor drei Matrosen fast einen Bruch gehoben hatten. Die Männer des Kapitäns waren wirklich sehr leicht zu beeindrucken.

Er stieg die Stufen bei der Kombüse runter, lief den Gang entlang zu den hinteren Laderäumen. Kurz vor der Segelkammer bemerkte er ein Knacken im oberen Gebälk und als er sich umdrehte, sah er nur noch das blutverschmierte Gesicht vom Lieutenant auf ihn zurasen. Der Lieutenant hatte ihn von oben angesprungen und durch die Wucht des Aufpralles war Svent zu Boden gestürzt. Beim Aufprall schoss ihm eine unglaublicher Schmerz durch Mark und Bein und dann spürte er nur noch eine warme Flüssigkeit, die ihm ins Ohr und über die Brust lief. Nichts desto trotz rappelte er sich auf und verfolgte den Lieutenant, der bereits an der Kombüse vorbei rannte und die Stufen hinauf kletterte, die zum Deck führten. Svent konnte nicht laut rufen, er bekam nur ein Krächzen heraus.

Obi und Ani hörten ihn erst dann, als Svent auf den Stufen zum Deck zusammenbrach. Ani sprang über ihn hinweg und verfolgte den Lieutenant. Obi blieb bei Svent und versuchte ihn umzudrehen und bemerkte ein blutiges Holzstück, dass aus seinem Hals ragte. Obi konnte Svent daran hindern, es heraus ziehen zu wollen.

Dann ging alles ganz schnell. Während Ani den Lieutenant bis ins Wasser verfolgt hatte und ihn dann im Schlick überwältigen konnte, waren Magnus und Jaren sofort zur Stelle, um Svent zu versorgen. Der Lieutenant hatte Svent einen Holzsplint in den Hals getrieben und wie durch ein Wunder hatte der Splint alles Lebenswichtige weitestgehend verfehlt. Doch bestand die Gefahr, wenn sie den Holzsplint heraus zogen, dass sie noch mehr kaputt machen könnten und Svent dann einfach verbluten würde. Wenn sie den Holzsplint an Ort und Stelle lassen würden, dann würde er sicher langsam und elend am Wundbrand verrecken.

Der Lieutenant schrie bei seiner Gefangennahme immer wieder, dass der Kapitän der Teufel wäre und alle des Todes wären. Nach einer kleinen Abreibung von Ani war er dann aber wieder ganz still und wurde schlussendlich wieder ins Loch gebracht, wo Johann sich persönlich vergewisserte, dass er sich nicht wieder befreien konnte. Und dazu brauchte Johann kein Paddel.

Der Kapitän versprach Ani eine angemessene Belohnung und als seine Anwesenheit an Deck nicht mehr gebraucht wurde, ging er unter Deck, um nach den Rechten zu sehen.

Svent wurde zunächst in die Messe gebracht, wo Magnus und Jaren mit Mariebelle lauthals diskutierten, was nun zu tun sei, während Svent betäubt auf dem Tisch lag. Der Kapitän brach in die Unterhaltung, weil er es gewohnt war Befehle zu geben. ‘Tut was nötig ist, aber tut es rasch. Ich will nicht mit ansehen, wie er am Fieber verreckt, dass hat er nicht verdient.’

Jaren nickte und meinte zu Mariebelle: ‘Ich krieg das hin!’

‘Ich weiß was zu tun ist, Jaren macht es und wenn Ihr assistieren würdet, Lady van der Houthen.’ meinte Magnus zu Mariebelle.

‘Natürlich, Herr Magnus!’ rief Mariebelle ganz aufgeregt.

Der Kapitän konnte den Anblick des bewusstlosen und ziemlich blassen Svent kaum ertragen, konnte aber auch nicht einfach so wieder gehen. Also ging er auf den Tisch zu und zupfte die Decke zu seinen Füßen zurecht. Svent fühlte sich irgendwie kalt an, doch seine Brust hob und senkte sich in regelmäßigen Abständen.

‘In Ordnung ich hol noch ein paar Sachen, Jaren wir brauchen abgekochtes Wasser und viel Alkohol und Tücher, jede Menge Tücher. Mariebelle bleibt Ihr hier.’ rief Magnus ganz aufgeregt und verließ mit Jaren die Messe. Obi hatte seine Ohren scheinbar überall und brachte saubere Tücher und murmelte: ‘Das Wasser kocht schon!’

Der Kapitän hatte sich mittlerweile bis zum Kopf des schlafenden Riesen vorgearbeitet, immer die vermeintliche Sorge über die Decke im Sinn, damit seine Hände etwas zu tun hatten.

‘Wir haben ihm ein bisschen Opium gegeben, damit er ruhig ist, aber er kann Euch hören, wenn Ihr mit ihm redet.’ meinte Mariebelle, die gerade von Obi eine Schürze gereicht bekam.

Der Kapitän setzte sich auf die Bank und griff nach Svents Arm, der leblos von der Bank hing. Er hob ihn auf und legte ihn auf den Tisch.

Während er weiter seine starke Pranke festhielt, flüsterte er ihm ins Ohr: ‘Keine Sorgen, Jaren und Mariebelle kümmern sich um dich, du bekommst eine hübsche Narbe auf den Hals und morgen können wir dann vergleichen, wer die größte Fischgräte hat.’

Svent öffnete nur ein Auge und schüttelte unmerklich den Kopf. Dann versuchte er etwas zu sagen, dabei kam ein Schwall Blut aus seinem Mund. ‘Ich verrecke schon nicht, Eik!’

Mariebelle schob den Kapitän auf die Seite, um Svent den Mund abzuwischen. ‘Du sollst doch nicht reden!’

Das Schiff bewegte sich und Mariebelle blieb fast das Herz stehen.

‘Keine Sorge, das ist die Flut. Ihr könnt Svent danach in meine Kajüte bringen!’ Der Kapitän blickte Svent noch einmal an und ging dann wieder an Deck.

Fortsetzung folgt…Die Blue Moon nimmt wieder Fahrt auf…

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 16

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 16

Auf Deck schwoll der Lärm des geschäftigen Treibens an. Unkoordiniertes Hin- und Hergerenne machte den Kapitän einfach nur aggressiv. Der Kapitän versuchte über den Lärm hinweg seine Befehle übers Deck zu brüllen, als die Lady van der Houthen neben ihm erschien.

Der Kapitän drehte sich zu ihr um, atmete tief durch und meinte völlig ruhig. ‘Gut, dass Ihr da seid. Bitte geht mit allen Kindern und Frauen in meine Kajüte. Ganz ruhig und keine Panik. Nehmt alle Decken und Matratzen mit, die Männer können euch kurz dabei helfen. Setzt alle auf den Boden vors Bett, nicht vor die Fenster. Meinen Stuhl solltet ihr irgendwo einklemmen. Alles andere ist eh am Boden befestigt. Wartet bis wir bescheid geben, dass wir die alte Lady abgestützt haben, dann könnt ihr euch gleichmäßig auf die anderen Kajüten verteilen, beim Wasser schippen helfen oder die Männer mit Wasser versorgen. Ach, es wäre schön, wenn ihr meine Seekarten zusammenrollen könntet und irgendwo sicher verwahren würdet. Falls das Schiff kippt, seid ihr in meiner Kajüte am sichersten aufgehoben.’

Die Lady van der Houthen war sehr verwundert über den sachlichen, aber kurzen Vortrag und nickte dann folgsam, ließ den Blick über die verletzte Hand des Kapitäns schweifen und verschwand wieder unter Deck.

Wenig später kam Jaren auf Deck. Er hatte einen kleinen Eimer dabei und ein Bündel unter den Arm geklemmt. ‘Kapitän. Magnus schickt mich.’ rief Jaren über den Lärm hinweg und versuchte zu lächeln, was ihm nicht gelang. Er sah immer noch ein wenig zerbeult aus, dennoch blickte er den Kapitän direkt an.

‘Jaren, wie gehts Euch?’

‘Mir gehts gut, solange ich was zu tun hab.’

‘Und was hat Euch der alte Miesepeter beauftragt zu tun.’ wollte der Kapitän wissen, während er streng die Arbeiten auf Deck überwachte. Es wurde von Jensen gerade die Wassertiefe ausgelotet. Jaren stellte den Eimer ab, zückte eine gebogene Nadel und grinste den Kapitän an. ‘Ich soll Eure Hand nähen, bevor Ihr noch verblutet, Kapitän.’

‘Jetzt nicht!’ bellte der Kapitän ihm entgegen. Jensen holte das Lot ein und wickelte das Seil über seinen Arm auf.

‘Siebeneinhalb Faden!’ rief Jensen dem Kapitän zu.

‘Klarmachen zum Ankern.’ brüllte der Kapitän. Das muntere Treiben konzentrierte sich nun auf die Ankerkette. Jaren stand immer noch neben dem Kapitän und blickte auf den Boden. Unter den Füßen des Kapitän hatte sich mittlerweile eine beachtliche Blutlache gebildet.

‘Verzeiht, Kapitän. Nehmt wenigstens die Hand hoch.’ stammelte Jaren und erst als der Kapitän auch auf den Boden blickte, lenkte er ein. ‘Johann.’

Johann blickte vom Ruder auf, entdeckte die Blutlache und rief dann: ‘Jensen.’

Der Dienst am Ruder wurde in Windeseile gewechselt und Johann überwachte das Ankern.

Der Kapitän ließ sich auf eine Tosse fallen und der junge Jaren kniete sich vor den Kapitän. Er hatte aus seinem kleinen Eimer mit Wasser eine Flasche Rum gezaubert und öffnete diese.

‘Jaren, ich möchte bitte kein Einhorn oder einen einohrigen Hasen auf meiner Hand, geht das? bemerkte der Kapitän, schnappte sich den Rum und nahm einen ordentlichen Schluck. Jaren hatte bereits den Verband aufgewickelt, reinigte die Wunde mit Wasser und dann nahm er dem Kapitän die Flasche Rum ab. Er reinigte die Nadel und die Hand nochmal mit Rum und bevor er zum ersten Stich ansetzte, meinte er noch völlig überflüssig: ‘Das könnte jetzt ein Bisschen weh tun.’

‘Fragt morgen mal lieber den Lieutenant, wie weh es getan hat, wenn ich ihm jeden Stich mit meinem Paddel heimzahle.’

‘Den abartigen Bastard kann dann Magnus selber nähen, vielleicht lernt er es ja noch einen geraden Stich zu setzen.’ murmelte Jaren in sich hinein und hatte schon die ersten zwei Stiche gesetzt, ohne dass der Kapitän auch nur etwas davon gespürt hat. ‘Ich könnte Euch das grimmige Gesicht von der Lady van der Houthen in die Hand sticken!’

‘Unser Schneiderlehrling hat heute aber eine scharfe Zunge.’ meinte der Kapitän und nahm sich wieder die Flasche. ‘Mir wäre das grimmige Gesicht von Johann lieber, wenn ich mir am Morgen einen…!’

Jaren musste absetzen, weil er sich versuchte sich das Lachen zu verkneifen. ‘Kapitän bitte, wenn Ihr mich weiter zum Lachen bringt, wird es doch noch ein Einhorn.’ Der Kapitän trank noch einen Schluck und ließ den Jungen arbeiten.

‘Wie wäre es mit meinem Paddel?’ frug der Kapitän.

Beide hatten es gar nicht bemerkt, dass sich zuerst Johann, dann Magnus und zu guter Letzt Svent über ihnen positioniert hatte.

‘Ich soll Euch ein Paddel auf die Hand stechen?’

‘Ein abgebrochenes, blutverschmiertes Paddel, um genau zu sein.’ klugscheißerte Svent süffisant.

Jaren blickte auf, weil er den Schatten wahrnahm, der ihn bei seiner Arbeit hindert.

‘Ich bin ja nicht der Kapitän, aber gibt es gerade nichts tun, dass ihr alle mir in der Sonne stehen müsst. Am Ende wird es doch ein einbeiniges Einhorn.’

Der Kapitän lachte in die Rumflasche und flüsterte etwas, was keiner verstand.

Magnus zog beleidigt ab und Johann meinte. ‘Das wäre mir auch lieber, bevor ihr mir jeden Tag noch vor dem Morgenkaffee über mein Antlitz….!’ Johann kam kurz ins Stocken, weil Svent ihn finster anfunkelte. Johann räusperte sich: ‘Ähm….pinkelt.’

Jaren schnappte sich die Flasche vom Kapitän, kippte einen ordentlichen Schluck über die Hand und betrachtete sein Werk.

‘Das sieht aber nicht aus wie mein Paddel.’ meinte der Kapitän ein Bisschen enttäuscht.

‘Das ist ja nicht größer als eine Fischgräte.’ rief Johann erstaunt.

‘So Kapitän. Ihr solltet viel Wasser trinken. Und jedes Mal wenn es Euch nach Rum ist, kippt ihn besser über Eure Hand und nicht in Euren Rachen.’ rief Jaren ein Wenig beleidigt und wickelte dem Kapitän dabei einen frischen Verband um die Hand.

Der Kapitän räusperte sich und meinte anerkennend: ‘Danke Jaren, dass ist wirklich eine sehr gute Arbeit geworden.’ Johann half dem Kapitän beim Aufstehen. ‘Der Anker ist raus, jetzt heißt es warten.’

‘Jaren. Bitte schaut doch nach den Damen in meiner Kajüte! Obi soll das Essen vorziehen und dann schon mal heißen Tee machen.’

Nach einer gar nicht so langen Zeit kam der Küper an Deck und berichtete: ‘Die Ladung ist vertäut. Die Passagiere sind sicher untergebracht. Die Blue Moon liegt gut im Ebbstrom. Es drückt nicht mehr so viel Wasser herein.’

‘Sehr gut. Danke, Isreal. Die Tagschicht macht zuerst Pause und jeder schaut, dass er die Klamotten trocken kriegt und was isst. Wir werden bis vor Einbruch der Dunkelheit aufgelaufen sein, dann brauch ich alle Mann an Bord und kein wildes Hin- und Hergerenne mehr!’

Ein mehrstimmiges ‘Ey, Kapitän!’ kam von allen Seiten.

Dann wandte sich der Kapitän zu Johann um und fuhr fort: ‘Johann, wie sieht der Anker aus!’

‘Er steckt ganz tief drinne…!’ antworte Johann reichlich flaps und konnte sich dabei ein dreckiges Grinsen nicht verkneifen.

Svent gesellte sich zu den Beiden und grinste ebenfalls.

‘Herbert Maria Johann, wir müssen uns mal über Euren Umgangston unterhalten. Es gibt kaum einen, der ständig so unglaublich versaute Sachen sagt, wie Ihr!’

Johann zeigte auf sich und zuckte mit den Schultern.

Der Kapitän fuhr fort: ‘Ernsthaft, Herr Johann. Wir haben jetzt Frauen und Kinder, eine Schwangere und eine Lady an Bord, wir müssen uns schon ein Bisschen benehmen, Johann!’

‘Kapitän, ich glaube Ihr habt die Lesbierin vergessen.’ meinte Svent fast beiläufig.

‘Matrose Svent, wer hat Euch erlaubt mir derart in den Rücken zu fallen, ich bin der Kapitän.’ Dann brach seine ernste Maske und er musste so unglaublich laut lachen, dass Johann ein bisschen Angst hat, sein Kapitän wäre dem Wahnsinn nun endgültig anheim gefallen.

‘Svent holt bitte Euren kleinen Eimer, ich glaube der Rum steigt mir zu Kopf.’ kicherte der Kapitän schlenderte übers Deck.

Johann wandte sich zu Svent: ‘Wer ist die Lesbierin?’

‘Herbert Maria Johann, ich kann schweigen wie ein Grab!’ grinste Svent und folgte dem Kapitän.

Fortsetzung folgt… Melde, die Blue Moon auf Grund!

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