Regen im August – Teil 5

Regen im August – Teil 5

nebelSeverin trug Mathilda zurück zum Sofa, legte sie in die stabile Seitenlage und deckte sie zu. Dann setzte er sich an die Sofakannte und beäugte ihre Atmung. Der Sabber lief ihr aus dem Mund. Er beschloss ein Handtuch zu holen und stand langsam auf.

Als er wieder kam, wurde sie gerade wieder wach. Er reichte ihr das Handtuch. Sie wischte sich den Sabber vom Gesicht und blickte ihn hilflos an.

‘Alles gut?’ fragte er vorsichtig, während er sich vors Sofa kniete.

Sie schluckte schwer, räusperte sich und begann dann: ‘Hab ich mir Schande gemacht?’

‘Öhm nein, eigentlich nicht, war nur ein Bisschen unheimlich und ich hatte leichte Kastrationsängste.’ versuchte er sie zu beschwichtigen.

‘Wie bitte!?’ rief sie entrüstet.

‘Nachdem du mit dem Hand in meiner Hose eingeschlafen bist, hatte ich ein bisschen Angst…’

‘Ach sind wie jetzt schon beim DU?’

‘Ja, ich find schon. Ich hab deine Klamotten an und deine Hand hat die Nacht mit meinem Schw…!’ erklärte er, bis er von Mathilda unterbrochen wurde.

‘Okay, okay. Das Du ist wohl mehr als angemessen. Obwohl die Nachtschicht-Mathilda eher meine böse Schwester ist. Ich bin eigentlich nicht so…!’

‘…Einnehmend!’

‘Sexuell!’ meinte Mathilda, um anschließend ihr Gesicht abzuwenden, damit er nicht sah wie ihr die Schamesröte ins Gesicht schoss.

‘Ich hatte eher Angst, dass dein Mann heim kommt.’

‘Ich bin gar nicht verheiratet!’

‘Du hast im Schlaf von einem Hans geredet! Ich dachte, er könne jeden Moment heimkommen…’

‘Nein, der war schon länger nicht mehr da…!’

‘Dann hab ich mir wohl umsonst Sorgen gemacht!’

‘Ja, ich gewöhn mich auch langsam dran!’

‘Woran?’

‘An euch Wandergesellen!’

‘Ist dieser Hans auch ein…!’

‘Fremdfreireisender Hans Kupfer!’ rief sie und zog einen imaginären Hut.

‘Zimmermann und Spengler!’ antwortete Severin.

‘Kennst du ihn etwa?!’ fragte sie erstaunt.

Doch er zuckte nur mit den Schultern: ‘Man kennt sich halt!’

‘Dann sag ihm, wenn du ihn siehst, dass er mir was gestohlen hat, was ich gerne wieder hätte!’ meinte sie ernst, blickte ihn ein paar Sekunden an, um sich dann von ihm abzuwenden und sich auf dem Sofa umzudrehen. Er blickte einen langen Moment auf ihren Rücken, bis er ihr über die Schulter etwas zuzuflüstern versuchte: ‘Lass dich nie mit einem Wandergesellen ein, der bricht dir nur das Herz.’

‘Sagt der Wandergeselle!’ flüsterte sie in eines der Sofakissen.

‘Mit einem Herz aus Stahl!’ meinte Severin.

‘Auch Stahl kann schmelzen!’

‘Ja, bei 1536 Grad!’

Ihr Magen knurrte so laut, dass sie beide lachen mussten.

‘Frühstück?’ fragte sie.

‘Ja, bleib sitzen. Ich mach schon.’ rief Severin und stand auf.

‘Sicher?’ fragte sie, während sie sich wieder umdrehte. Doch Severin war schon fast in der Küche verschwunden: ‘Ich hab gestern schon den Hausmann in mir entdeckt! Tee oder Kaffee?’

‘Tee, Schwarz, Zucker, sonst nichts weiter!’

‘Und Essen?’

‘Überrasch mich mit dem, was noch im Kühlschrank ist!’

Wenig später saßen sie bei Rührei und Müsli beisammen und redeten über Gott und die Welt, bis sich beide eher gegenseitig etwas vorgähnten. Wenig später lagen sie in einer Umarmung verschlungen auf dem Sofa. Er küsste ihr Haar und fragte: ‘Gibts noch irgendwas was ich für dich tun kann?’

‘Jetzt gerade eigentlich nicht!’

‘Und später!’

‘Mein Auto ist gestern nicht angesprungen!’

‘Das kann ich mir tatsächlich ansehen, wenn meine Hose trocken ist!’

‘Besser ist das!’

Er grübelte eine Weile und meinte dann: ‘Wenn dein Auto gestern angesprungen wäre, dann hätten wir uns wahrscheinlich gar nicht getroffen?’

‘Dann hätte ich meinen Regenschirm auch nicht in der Bahn vergessen, wäre auch nicht plitschnass und zu spät zu meinem Termin gekommen und hätte vielleicht auch den Job bekommen…’

‘Komisch, dass du mit der durchnässten Bluse den Job nicht bekommen hast!’

‘Die waren eh ganz schön konservativ. Frag mich immer noch für was die eine Wohlfühlmanagerin brauchen…’

‘Für was braucht man überhaupt eine Wohlfühlmanagerin?’

‘Das fragt mein Vater auch immer!’

’Und damit kann man Geld verdienen?’

Sie zog nur eine Augenbraue hoch und sagte nichts.

‘Lass mich raten, das sagt dein Vater auch immer!’

‘Ja und er kann es nicht fassen, dass ich damit über die Runden komme!’ meinte sie abschließend. Betretenes Schweigen füllte den begrenzten Raum zwischen ihren Körpern, bis sie ihn einfach küsste. Er war so perplex, dass er den Kuss erst nach einem ziemlich langen Moment erwiderte.

Als er sich nach diesem ersten Kuss von ihren Lippen für einen Moment trennte, flüsterte er: ‘Ich werde ihm einen blöden Scheiß ausrichten, wenn ich ihn seh!’

Sie blickte ihn nur fragend an.

‘Jede Frau verdient einen Mann, der sie vergessen lässt, dass ihr Herz je gebrochen war.’
Fortsetzung folgt in Sonne im Dezember

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Regen im August – Teil 4

Regen im August – Teil 4

4408698Mitten in der Nacht wurde er wach, er hatte wohl ein Geräusch gehört und als er die Augen öffnete, bemerkte er Licht in der Küche.

Er stand auf, um nach dem Rechten zu sehen und erblickte Mathilda am Küchenfenster, mit einem Glas Milch in der Hand. Sie trug eine Wollmütze und Wollsocken und ansonsten nicht mehr als ein durchsichtiges Etwas, was mit viel Fantasie mal ein Nachthemd hätte werden sollen. Mit hochgezogener Augenbraue räusperte er sich leise und flüstere: ‘Vorsicht, nicht erschrecken, Fräulein Mathilda!’

Sie reagierte nicht auf seinen Satz, ob sie im Stehen schlief? Er räusperte sich nochmal etwas lauter. Daraufhin drehte sie sich um, stellte ihr halb volles Glas scheps an der Herdkante ab und ging mit leerem Blick an ihm vorbei. Blitzschnell griff er nach dem Glas, bevor es noch zu Boden fallen konnte. Er trank es in einem Zug aus, stellte das Glas sicher in der Spüle ab, wischte sich die Milchschnute mit dem Arm ab und folgte ihr. Sie lief zum Sofa hinüber und legte sich hin. Langsam ging er zum Sofa hinüber. Sie murmelte unverständliches im Schlaf.

Kopfschütteln deckte er sie zu, dabei packte sie seine Hand und versuchte ihn aufs Sofa zu ziehen. Dann sprach sie ziemlich deutlich: ‘Snoopy hat ganz und gar nichts dagegen!’

Er lies sich von ihr aufs Sofa ziehen und fand sich wenig später neben ihr wieder. Sie packte seinen Arm, umklammerte ihn und wisperte: ‘Hans, deck mich zu wenn du fertig bist!’

‘Wer ist Hans?’ stolperte aus seinem Mund, doch sie reagierte nicht. Sie beruhigte sich langsam wieder und atmete ruhig, kuschelte weiter mit seinem Arm und schien wieder friedlich zu schlafen.

Doch er lag da, hellwach, sein Herz pochte wie verrückt, während sie sich im Schlaf an seinem Körper rieb. Er wollte ihre Notlage auf keinen Fall ausnutzen, doch sie schien im Schlaf nichts von dem zu merken, was sie tat.

Als ihre Hand in seine Hose wanderte, blieb ihm fast das Herz stehen. Sie klammerte sich an seinen Schwanz, wie eine Ertrinkende. Eine Mischung aus Panik und Erregung überkam ihn, Hitze stieg in ihm auf, sein Gesicht brannte lichterloh. Wenn nun dieser Hans nachhause kommen würde und sie beide zusammen erwischen würde. Der Schweiß tropfte von seiner Stirn und sein Geruch schien sie noch mehr anzuspornen. Was sollte er tun, einen Schlafwandler sollte man doch nicht wecken, oder? Aber wenn sie so weiter machte, musste er sie irgendwie wieder zur Besinnung kriegen. Nicht, dass es ihm keinen Spaß machte, aber irgendwie war es ganz schön unheimlich.

Irgendwann beruhigten sich beide wieder, sie schlief mit seinem steifen Schwanz in der Hand ein und er schlief irgendwann vor Erschöpfung ein.

Am nächsten Morgen wurde er wach. Sie lag auf ihm, immer noch mit der Hand in seiner Hose. Ihm wurde erst gewahr, dass der Radio lief, als das Lied ‘Walzing Mathilda!’ ertönte. Er wagte es nicht sich zu bewegen, doch sie erwachte irgendwann. Als ihr gewahr wurde, wo sie war und wo vorallem ihre Hand war, schrie sie auf, zog die Hand aus seiner Hose und knallte ihm eine.

‘Sie Untier!’ schrie sie und stürmte vom Sofa.

‘Entschuldigen Sie, werte Mathilda, ich hab Sie nicht angerührt, auch wenn es mir schwer fiel! Sie haben ein recht einnehmendes Wesen, wenn Sie Schlafwandeln!’

Es dauerte eine Weile, bis sie begriff, was er da sagte, da stand sie schon fast in der Küche, als sie das leere Milchglas im Spülbecken sah.

‘Ich mag eigentlich gar keine Milch, nur wenn ich Schlafwandle!’ flüsterte sie mehr zu sich, als zu ihm. Er war aufgestanden und zu ihr hinüber geeilt, und kam gerade noch rechtzeitig um sie aufzufangen, weil sie just in dem Moment ohnmächtig zusammensackte, als er hinter ihr aufgetaucht war.

Regen im August – Teil 3

Regen im August – Teil 3

nebelNach einer gefühlten halben Stunde Fußmarsch im Platzregen, kamen sie endlich völlig durchnässt an Mathilda’s Wohnung an. Severin zog seine Schuhe vor der Tür aus und trat nach ihr in die Wohnung und das Erste was er tat, er lehnte seinen Stenz in eine Ecke neben der Haustür, genauso wie es Hans Kupfer immer getan hatte.

Mit einem unguten Gefühl in der Magengrübe bugsierte sie ihn ins Badezimmer und meinte noch: ‘Handtücher sind im Regal. Schmeißen Sie einfach alles in den Wäschekorb, ich muss eh noch Waschen!’

Sie überließ ihm das Badezimmer und ging in ihr Schlafzimmer, um sich trockene Klamotten anzuziehen und ging dann in die Küche, um irgendwas zu Essen zu zaubern.

Nach einer Weile hörte sie die Badezimmertür und Severin tauchte in der Küchentür auf. Sie stand am Herd, von Kopf bis Fuß in Wolle gekleidet, mit einer Schürze um die Hüften und rührte in einem Topf, aus dem es nach einer deftigen Suppe roch. Er hatte ihren Hello-Kitty-Bademantel an, der ihm obenrum viel zu klein war und lehnte sich lässig an den Türrahmen.

Sie lächelte verschmitzt, als sie ihn in ihrem Bademantel erblickte, drückte ihm aber erstmal eine Tasse heißen Tee in die Hand, bevor sie etwas sagte: ‘Ich hab bestimmt noch was zum Anziehen für Sie!’

‘Steht mir der Bademantel nicht?’ fragte er, drehte sich ein Wenig und musste dann selbst lachen.

‘Nein, mein Hello-Kitty-Bademantel sieht bei Ihnen irgendwie echt…!’ grinste sie und räusperte sich, bevor sie fortfuhr. ‘Sorry, echt schwul aus…!’

‘Tut mir leid, aber alle meine Sachen sind mehr als durch…!’ meinte er entschuldigend.

‘Rühren Sie mal weiter, ich such was zum Anziehen.’ meinte sie und drückte ihm den Kochlöffel in die Hand, bevor sie aus der Küche verschwand.

Nach einer Weile kam sie wieder und meinte seufzend: ‘Das machts wahrscheinlich nicht besser!’ und drückte ihm eine pinke Jogginghose und ein T-Shirt in die Hand, auf dem ein niedlicher Pinguin aufgedruckt war.

Grinsend nahm er die Sachen entgegen und überlies ihr wieder den Herd. Wenig später kam er wieder und meinte: ‘Ich kann einfach alles tragen, oder?’

Sie musste sich wirklich das Lachen verkneifen. Die Jogginhose war viel zu eng und das T-Shirt ging ihm genau bis zum Bauchnabel.

‘Es ist besser, wenn Sie damit nicht vor die Tür gehen, ich bin mir nicht sicher, ob ich noch ins Gerede komme, wenn meine Nachbarn Sie so sehen.’

‘Sagen Sie einfach ich bin ihr schwuler Bruder!’

‘Ich glaub, dass machts nicht besser, wir sind hier auf dem Land.’

‘Hm, dann muss ich wohl nackt vor die Tür und meine Schuhe holen.’ meinte er und machte Anstalten sein T-Shirt ausziehen zu wollen.

‘Ich schlag Ihnen einen Deal vor, ich hol die Schuhe und sie Decken den Tisch.’ sagte sie strenger als sie es gemeint hatte und drückte ihm das Geschirr in die Hand.

Er ging ins Wohnzimmer und fragte: ‘Welcher Tisch?’

‘Den Couchtisch!’ rief sie vom Gang her, bevor sie mit seinen Schuhen und einer Zeitung bewaffnet wieder ins Wohnzimmer kam.

Er kam ihr entgegen und nahm ihr die Schuhe ab, worauf sie wieder in der Küche verschwand. Wenig später kam sie mit der Suppe und einem Körbchen Brot wieder herein und er nahm ihr blitzschnell das Brot ab und machte ihr den Weg frei zum Couchtisch. Beim Essen redeten sie kaum. Er war sich nicht sicher, aber sie schien ihm irgendwie traurig und er fühlte sich, als würde er sie irgendwie stören. Anderseits, saß er hier erstmal fest, bis seine Jacke trocken war und das konnte dauern.

Irgendwann brach er das Schweigen: ‘Ich müsst meine Jacke noch ausräumen, bevor noch alle meine Sache durchweichen!’

‘Ich hab sie im Schlafzimmer aufgehängt.’ meinte sie kurz und stand mit ihm auf, um ihm ein Körbchen für seine Sachen zu geben.

Er schien nur einen Moment nicht im Zimmer gewesen zu sein, doch als er wieder kam, war sie auf dem Sofa eingeschlafen. Liebevoll deckte er sie zu und betrachtete sie eine Weile. Selbst im Schlaf schien sie traurig zu sein. Er wollte sie auf keinen Fall wecken, also räumte er so leise wie möglich das Geschirr ab, räumte die Küche auf und spülte das schmutzige Geschirr. Als er wieder kam, schlief sie immer noch tief und fest, also ging er ins Bad. Er hing die Klamotten auf, die nicht gewaschen werden mussten. Dann sammelte ihre nassen Sachen zusammen und hängte auch diese auf. Heldenhaft versuchte er sich an der Waschmaschine, mit Erfolg. An ihm war scheinbar wirklich ein Hausmann verloren gegangen, dachte er sich, als er stolz auf die laufende Waschmaschine blickte.

Irgendwie gab es jetzt nichts mehr zu tun für ihn, also ging er wieder ins Wohnzimmer. Er schnappte sich ein Buch aus ihrem Regal, setzte sich in ihren Lesesessel und schmöckerte in den gesammelten Werken von Shakespeare, bis er ebenfalls einschlief.

Als die Waschmaschine in den Schleudergang wechselte wurden beide schlagartig wach. Sie blickten sich erschrocken an, doch als die Waschmaschine mit dem Abpumpen begann flog ein kleines Lächeln über ihr Gesicht.

‘Ich wollt Sie vorhin nicht wecken!’ meinte er gähnend.

Sie stand taumelnd auf, blickte auf die Uhr, es war schon spät und ging ins Schlafzimmer, um wenig später mit Bettzeugs bewaffnet wieder zurück zu kommen.

‘Brauchen Sie noch irgendwas?’ fragte sie und gähnte ebenfalls.

‘Nein, das schaffe ich schon.’ meinte er und nahm das Bettzeug entgegen. Sie nickte kurz und stolperte weiter ins Bad. Als sie wieder kam, hatte er das T-Shirt ausgezogen und war im Begriff das Bettlacken übers Sofa zu legen. Sie lies ihren Blick über seinen Körper wandern, wie er mit seiner körperlichen Gewalt mit dem Bettlaken rang.

Sie biss sich auf die Zunge, um sich einen blöden Kommentar zu verkneifen und blickte ihm noch eine Weile an, bevor sie meinte: ‘Eine angenehme Nachtruhe wünsch ich dann!’

‘Soll ich die Wäsche noch aufhängen?’ fragte er.

‘Ähm, ja. Der Wäscheständer ist im Schlafzimmer.’  flüsterte sie und trottete schlaftrunken ins Schlafzimmer.

Er folgte ihr und schob den Wäscheständer ins Wohnzimmer, lies die Tür zum Schlafzimmer einen Spalt offen und ging dann ins Bad, um die Wäsche zu holen.

Das bisschen Haushalt, ist doch kein Problem, dachte er sich, als er sich völlig fertig auf dem Sofa nieder lies.

Regen im August – Teil 2

Regen im August – Teil 2

4408698Im Augenwinkel bemerkte sie etwas oder jemanden der sich in der Bushaltestelle bewegte. Der jenige Welche drückte sie gegen die Rückwand des Bushäuschens, um dem Regen auszuweichen und drehte sie dann wieder in das karge, flackernde Licht der Bushaltestellenbeleuchtung.

Ihr blieb fast das Herz stehen, als sie ihn erkannte und doch blieb sie stehen, weil an dem Bild irgendwas nicht stimmte. Sie traute sich nicht recht näher zu gehen und aber sie wollte es wissen, ob er es wirklich war, oder ob ihre Sehnsucht ihr nur einen Streich gespielt hatte.

Ihr zögern brachte den Jemand dazu sich in ihre Richtung zu bewegen und erst als er vor ihr stand und mit ihr zu reden schien, bemerkte sie, dass sie sich die nasse Zeitung mit der Hand ans Herz gedrückt hatte und wie zu einer Salzsäule erstarrt völlig bewegungsunfähig im Regen stand.

‘Geht es Ihnen gut, kann ich Ihnen helfen? Hab ich Sie etwa erschreckt, dass wollt ich nicht!’ redete der Jemand auf sie ein und nachdem es eindeutig nicht Hans Kupfer war, starrte sie ihn fassungslos an. Die Tränen, die ihr aus den Augen schossen, vermischten sich augenblicklich mit den Regentropfen, die ohnehin schon über ihr Gesicht liefen, so dass ihr Gegenüber es erstmal nicht bemerkte, dass sie weinte.

Aufgrund der Tatsache, dass sie beide im strömenden Regen standen, schob er sie einfach in das Bushäuschen und nahm ihr vorsichtig die durchweichte Zeitung ab, die sie immer noch in der Hand hielt.

‘Die wollen Sie doch bestimmt nicht mehr lesen, oder?’ meinte der junge Mann, der auf den ersten Blick als Wandergeselle zu erkennen war, wenn auch auf den zweiten Blick nicht als Zimmermann.

‘Severin von Holzen mein Name, Metall ist mein Gewerk und gerade heute frage ich mich, warum ich nicht besser zu Hause geblieben bin, aber dann hätte ich Sie nicht retten dürfen.‘ meinte der junge Mann in einem melodischen Singsang.

Sie machte eine kurze Bewegung und griff ihm an den Saum der Jacke, legte den Saum für einen Moment um und blickte wie versteinert auf den blauen Stoff. Sie schluckte schwer an dem Klos in ihrem Hals, bevor ihre Stimme wieder zu sprechen vermag.

‘Metall, deshalb ist sie blau, eure Kluft!?’ flüsterte sie mehr in sich hinein, als zu ihm. Doch er verstand sie, lächelte sie an und blickte trotz seinem ansteckenden Lächeln etwas streng auf ihre Hand. Sie lies blitzschnell vom Jackensaum ab und stolperte einen Schritt zurück.

‘Tut mir leid, ich wollte Ihnen nicht zu Nahe treten.’ stammelte sie und kam ins Straucheln.

Er setzte ihr nach und hielt sie fest, bevor sie über seinen Stenz stürzen konnte, den er gegen die Sitzbank gelehnt hatte.

‘Doch muss ich Ihnen zu Nahe treten, werte…!’ meinte er kurz und stellt sie wieder auf ihre Beine.

‘Mathilda!’ flüsterte sie verschmitzt.

‘Ja, Mathilda, wie kann es anders sein. Sie schickt mich fort, über Stock und über Stein in die weite Welt hinein und wie kann es anders sein, war sie doch immer hier… Barfuß auf dem nassen Asphalt, die fleischgewordene Mathilda.’ rief er gegen den Regen an, der immer stärker zu werden schien und machte dann eine lange Verbeugung, bei der er seinen Hut zog.

Sie stand nur zitternd vor ihm und wunderte sich schon nicht mehr. War sie die Reaktion auf ihren Namen doch schon gewohnt.

Er blickte sie noch eine Weile an, zog dann einfach seine Jacke aus und legte sie über ihre Schultern.

‘Ihre Bluse ist leicht durchsichtig vom Regen… Ziehen Sie meine Jacke an, bevor Sie mir noch eine Knallen…!’ meinte er und blickte unweigerlich auf ihre vom Regen durchsichtige Bluse.

Sie blickte nach unten und quietschte kurz auf, bevor sie in die Jacke schlüpfte.

Das Gewicht der nassen Jacke zog sie schier zu Boden und trotz der Anstrengung aufrecht stehenzubleiben, keuchte sie ein: ‘Danke!’ hervor.

Nach kurzem betretenen Schweigen, meinte sie: ‘Heute kommt fei kein Bus mehr.’

‘Oh, dass ist blöd!’

‘Wo müssen Sie denn hin?’

‘Eigentlich wieder auf die Straße, aber einen nassen Hund nimmer keiner mit!’

‘Ich wohn hier im Ort.’ meinte sie und machte eine einladende Handbewegung.

‘Wie kann ich da nein sagen, werte Mathilda.’ meinte er und hielt ihr den Arm hin.

Regen im August – Teil 1

Regen im August – Teil 1

nebelGerade heute, wo ihr Wagen morgens nicht ansprang und sie einen wichtigen Termin in der Stadt hatte, regnete es unaufhörlich, obwohl es eigentlich Sommer sein sollte. Sie hatte ihren Wagen schweren Herzens zurückgelassen, um mit den Öffentlichen in die Stadt zu fahren. Das ihr treuer Gefährte sie gerade heute im Stich gelassen hatte, nagte schwer an ihrem Gemüt, war ihr Auto doch ihr bester Freund, der sie für gewöhnlich überall pünktlich auf die Minute hinbrachte. In der Eile pünktlich zu dem Termin zu kommen, hatte sie auch noch ihren Regenschirm in der Bahn vergessen. Dieser ach so wichtige Termin fiel dann auch noch ins Wasser. Dafür hatte sie sich extra rausgeputzt, um dann mit einen feuchten Händedruck abgespeist zu werden. Das war wohl nicht ihr Tag heute. Nicht ihr Tag, nicht ihre Woche, nicht ihr Monat, nicht ihr Jahr und anscheinend auch nicht ihr Leben. Mit dem Ofenrohr ins Gebirge zu schauen ist nicht gerade eine Arbeit für eine Frau um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Und genauso genervt und begossen wie ein Pudel trat sie ihre Heimreise an.

Das sie dann auch noch ihre Bahn verpasst hatte und sie daraufhin zu hause auch noch den letzten Bus verpassen würde, passte ja mal wieder wie die Faust aufs Auge.

Ihr Fußmarsch auf ihren Stöckelschuhen wurde von den Gewitterwolken schier verfolgt und ihre Laune war eh schon mehr als unterirdisch, als ob ihre Laune überhaupt in letzter Zeit irgendwie gut gewesen wäre. Sie schob es auf den Schnee im Oktober und nun stand sie im Regen, im Regen im August.

Mit den Gedanken an ihren Lebensretter, lief sie nahezu Barfuß nachhause. Sie hatte ihre Schuhe in der Hand und ihre Nylonstrümpfe hingen schon in Fetzen. Ihre Füße spürte sie schon gar nicht mehr vor Kälte und die Zeitung die sie sich über den Kopf hielt, war mehr oder weniger schon Pappmaché. Und trotz der äußeren Umstände bekam sie ihn einfach nicht aus dem Kopf. Diesen Hans Kupfer. Er hatte sie immer mal wieder besucht, seit Oktober. Nun war er schon länger nicht mehr da gewesen. Und wie Frauen halt so sind, machte sie sich unglaubliche Sorgen. Trotz dessen dass er immer sagte, wenn sie nichts von ihm höre, ging es ihm gut und sie brauchte sich keine Sorgen machen.

So blickte sie immer wenn sie in die Stadt fuhr sehnsüchtig zu der Autobahnausfahrt hinüber, wo sie ihn das letzte Mal ausgesetzt hatte, wie einen räudigen Köter.

Nur dass er ganz und gar nicht räudig war. Sie hatte nie einen angenehmeren Menschen kennenlernen dürfen. Aber so angenehm er auch war, genauso rastlos war er auch. Kaum hatte er sich niedergelassen, musste er auch schon wieder los.

Und wie der Regen durch ihre Finger lief, ran auch er immer wieder davon, um dann plötzlich wieder vor ihrer Tür zu stehen. Oder unverhofft an der Bushaltestelle. Genau die Bushaltestelle, auf die sie gerade zulief.

Sie fragte sich inständig, warum sie sich überhaupt die Mühe machten, ein Bushäuschen aufstellten, wenn doch eh nie ein Bus kam. Hier würde man bis zum Sankt Nimmerleins Tag stehen und das Einzige was definitiv nicht kommen würde, wäre ein Bus.

Fortsetzung folgt…

Schnee im Oktober – Teil 7

Schnee im Oktober – Teil 7

4408698Wieder konnte er diesen kleinen Stöhner nicht überhören und drückte seinen Körper noch näher an den ihren. Dieses kleine Stöhnen hatte mehr in Gang gesetzt, als sie je damit beabsichtigt hätte und doch konnte sie sein Gemächt spüren. Sie konnte sich lebhaft vorstellen was er in seiner Superman-Shorts noch so alles versteckt hat und Snoopy hatte ganz und gar nichts dagegen, dass er seinen immer härter werdenden Superman weiter an ihr rieb. Ein langer, tiefer Stöhner kam aus seiner Kehle, als er ihren Hals küsste und seinen Bart an ihrem Hals rieb. Sie drehte sich in seiner Umarmung und streckte ihm den Hintern hin. Sie konnte seinen harten Penis an ihrem Hintern spüren, während seine Hand unter ihr Shirt fuhr und unterhalb ihrer Brüste liegen blieb.

‚Ist dir jetzt warm genug?‘ hauchte er in ihr Ohr.

Ihre Nackenhaare stellten sich auf. Er schob nun ihren Körper näher an den seinen und rieb seinen prallen Schwanz an ihrem Arsch.

‚Weißt du, wenn du magst kannst du meine missliche Lage gerne ausnutzen!‘ meinte sie nun völlig unverblümt und drückte ihren Hintern stärker gegen sein Gemächt.

Er atmete ihr schwer ins Ohr und raunte dabei: ‚Das ist nicht so meine Art!‘

Aber doch schob er seine Hüfte ihr entgegen und küsste dabei ihren Nacken.

Sie drehte sich wieder zu ihm und meinte: ‚Ehrlich, ist kein Problem.‘

Er war erstaunt von ihrer Ungezwungenheit und deshalb bleib er regungslos liegen, als sie ihn auf die Wange küsste und ihre Hand zu seinem Schwanz wanderte.

Endlich regte er sich, er wollte den Kuss erwidern, doch sie bewegte sich nicht mehr. Ihre Hand hatte seinen Penis immer noch im Griff, doch sie schien eingeschlafen zu sein.

Ihr Atem ging regelmäßig und ruhig. Vielleicht leidet sie ja an Narkolepsie oder sie hat sich beim Unfall doch etwas Schlimmeres zugezogen. Im Schlaf bewegte sie sich, hielt aber seinen Schwanz weiter fest im Griff. Toll jetzt liegt er mit einem riesigen Ständer da, schlafen konnte er erst recht nicht und Mathilda hatte seinen Schwanz als Kuscheltier und knuddelte und wuddelte ihn, obwohl sie tief und fest zu schlafen schien, fast wie eine Tote.

Fast wie eine Tote, sie murmelte im Schlaf: ‚Deck mich zu wenn du fertig bist!‘

Das war doch nicht ihr ernst, wenn sie nun doch eine schwere Gehirnerschütterung hatte, wollte er sie jetzt nicht noch mehr durch rütteln. Das war nicht, was Mathilda für ihn vorgesehen hatte. Auch wenn sie im Schlaf danach bettelte, das hatte noch Zeit.

 

In dieser Nacht tat er kein Auge zu und als er in der Ferne den Schneepflug hörte, entzog er ihr seinen Schwanz, stand auf und zog sich an.

Kurz bevor er ging, wecke er sie und meinte: ‚Der Schneepflug kommt. Zieh dich an und komm zum Wagen, wenn du fertig bist.‘

Sie faselte nur: ‚Guten Morgen Supermann!‘

‚Ja, ähm. Guten Morgen, ich muss los. Bringst du meinen Schlafsack und den Proviant mit?‘ rief er ihr zu, bevor er die Leiter hinunter stieg.

‚Ja, bis gleich, ich versuche den ADAC zu erreichen!‘

 

Als sie wenig später angezogen vor die Scheune trat, sah sie wie der Zimmermann an der Straße stand. Er hatte den Schneepflug aufgehalten, der nun auf der Straße kehrt machte.

Sie telefonierte gerade mit dem ADAC: ‚Ja… ich war gestern zwischen Ascholding und Dietramszell unterwegs. Ich hatte einen Unfall und dann hat mich der Wintereinbruch überrascht…ja…ja…der Schneepflug räumt grad die Straße frei…ja…ja…vielen Dank!‘

Als sie bei ihrem Auto ankam, stand der Zimmermann mit dem Schneepflugfahrer beim Wagen und sie unterhielten sich.

‚Des Auto hat ja ganz schön erwischt.‘ meinte der Zimmermann und schaufelte gerade den Wagen frei.

‚Des wird teuer!‘ meinte der Schneepflugfahrer und drehte sich eine Zigarette.

‚Ich denk mal, dass die Versicherung das schon richten wird.‘

‚Jaja. Ich muss dann auch weiter!‘ rief der Mann. ‚Soll ich sie irgendwo mit hin nehmen?‘

‚Ähm, nein. Der ADAC wird gleich kommen.‘ meinte Mathilda.

‚Ist des ihr Wagen?‘ fragte der Schneepflugfahrer.

‚Ja, danke für die Räumarbeit!‘

‚Des Einparken müssens aber noch üben.‘ rief der Mann und klopfte dem Zimmermann auf die Schulter. ‚Ja, dann pass mal auf die Lady auf. Und wenn du mal wieder durchkommst. I wohn da in Humbach, bei uns aufm Hof gibt’s immer was zu tun.‘

 

Nach gefühlten Stunden stand Mathilda vor einem Leihwagen, kramte in ihrer Handtasche und blickte zu ihrem kaputten Auto hinüber, dass gerade in der Werkstatt aufgebockt wurde. Die Sonne stand hoch am Himmel und schmolz den Schnee von letzter Nacht.

Hans Kupfer kam auf sie zu. Sie konnte den Schlag seiner Hose bei jedem schnalzen hören. Er hatte seine Sachen ordentlich gepackt. Sie hatte den Eindruck, dass er weiter wollte und doch blieb er vor ihr stehen und machte Anstalten seinen Hut ziehen zu wollen.

‘Ich muss wieder auf die Straße, Mathilda!’ meinte er kurz und blickte sie an.

Er hatte den Hut wieder losgelassen und blickte ihr flüchtig in die Augen, um dann ihrem Blick auszuweichen.

‘Sag bloß, du hast nen Termin!’ rief Mathilda schnippisch.

‘Ähm ja, ich muss weiter. Hab Arbeit in Ulm.’  stammelte er verlegen und blickte in den Boden.

‘Ich hab gehofft, ich könnte dich wenigstens aufn Frühstück einladen.’ meinte sie und machte einen Schritt auf ihn zu. Er wollte ihr ausweichen, doch sie hielt ihn am Hut fest und zwang ihn in ihre Augen zu blicken. Er küsste sie ohne Umschweife auf den Mund und sie erwiderte den Kuss, lies aber verdutzt den Hut los. Als sich ihre Lippen wieder trennten, flüsterte er ihr ins Ohr: ‘Ich muss erst morgen in Ulm sein.’


Ende

 

Fortsetzung folgt: Regen im August

Schnee im Oktober – Teil 6

Schnee im Oktober – Teil 6

nebel‚Danke Herr Dr. Kupfer!‘ flüsterte sie verschmitzt.

Er lachte, zog gespielt den Hut und meinte dann. ‚War wohl alles ein Bisschen viel heute! Willst du dich nicht hinlegen und ein Bisschen schlafen? Morgen sieht die Welt wieder ganz anders aus.‘

Sie nickte nur, während er das Stroh zurecht richtete. Als sie sich dann hinlegte, schob er ihr noch eines seiner Bündel unter, bevor ihr Kopf das Stroh berühren konnte. Liebevoll deckte er sie mit seinem Schlafsack zu und hangelte nach ihrer Decke, um sie ihr irgendwie unter den Schlafsack zu legen.

Dabei bemerkte er: ‚Deine Hose ist ja auch nass!‘

‚Ja!‘ gähnte sie nur.

‚Willst du sie nicht ausziehen?‘

‚Hm!‘ murmelte sie und drehte sich von ihm weg auf die Seite.

‚Ich schau auch bestimmt nicht!‘ flüsterte er nun verlegen, wand sich ab und packte den restlichen Proviant wieder in das Tuch und formte ein handliches Bündel mit nur wenigen Handgriffen.

Hinter sich hörte er nur, wie sie unter dem Schlafsack herumwirtschaftete und als er sich wieder zu ihr umdrehte, beförderte sie ihre schlammverschmierte Hose gerade aus dem Schlafsack und drehte sich wieder in seine Richtung.

Er nahm die Hose an sich, schüttelte sie aus und hängte sie über einen freien Balken. Dann trank er das restliche Bier leer, rülpste leise und ging wieder zu ihr rüber. Sie wurschtelte immer noch im Schlafsack herum.

‚Kann ich dir irgendwie helfen?‘ fragte er ganz unverblümt.

Ohne ihn zu beachten, kroch sie aus dem Schlafsack und legte ihre Decke auf das Stroh. Er beobachtete sie dabei und schmunzelte über ihre Snoopy-Unterwäsche.

‚Sag bescheid, wenn ich dir zur Hand gehen soll!‘ meinte er, während er seine Weste aufknöpfte.

Sie hatte sich wieder hingelegt, als er seine Hose auszog, die ebenfalls ziemlich nass war. Langsam gingen ihm die freien Balken aus, also legte er seine Hose ins Stroh und hoffte inständig, dass sie in der Früh wie durch ein Wunder trocken sein würde. Er bemerkte nicht, dass sie ihn dabei beobachtete, wie er auch sein Hemd auszog.

Irgendwie wurde es ihm erst gewahr, als er sich wieder zu ihr umdrehte und sie ihn heiter angrinste.

Ahnungslos grinste er sie an und folgte ihrem Blick, an sich hinunter.

‚Also Superman-Shorts und ein Batman-Shirt passen ja zusammen, wie die Faust aufs Auge.‘ meinte sie schnippisch und lachte dann aber herzlich.

Er musste auch lachen, kniete sich zu ihr runter und legte seine Jacke ins Stroh.

‚Wenn Snoopy nichts dagegen hat…!‘ meinte er fast beiläufig und legte sich neben sie. Sie lüpfte den Schlafsack etwas und machte eine einladende Handbewegung.

Mit einem sicheren Handgriff, rollte er sie in ihre Decke und kroch unter den Schlafsack. Seine Füße trafen auf die ihren, als er näher rückte. Sie zitterte immer noch. Ohne darüber nachzudenken packte er sie einfach, zog sie an sich heran und nahm sie in den Arm. Ehe sie sich versah klebte ihr Gesicht bereits am Batman-Aufdruck auf seiner Brust.

Sein betörender Geruch stieg ihr wieder in die Nase und der Hauch von Moschus lies sie wie Butter in seinen Händen zerschmelzen, und so ergab sie sich seufzend in seiner Umarmung.

Er rieb ihren Rücken und hauchte ihr ins Haar: ‚Du wirst mir doch nicht erfrieren?‘

Sie wusste nicht, ob die Hitze die nun in ihr aufstieg, von dem Blut kam, dass wieder ihre Wangen erröten lies, oder ob sie nur vom Zimmermann auf sie übergangen war. In beiden Fällen lag es wohl an ihm. Er drehte seinen Kopf, so dass sie seinen Atem hören konnte und küsste ihr Haar, als sie ihre Augen geschlossen hatte. Sie konnte seinen Körper spüren, wie er sich an sie schmiegte und ihr stolperte wieder ein kleiner Stöhner aus ihrem Mund.

Schnee im Oktober – Teil 5

Schnee im Oktober – Teil 5

nebelImmer noch verstohlen beobachtete sie ihn, wie er seine Schuhe auszog und Stroh hinein stopfte. Dann kniete er sich neben seine Jacke und kramte darin herum. Nach einer Weile förderte er allerlei zu Tage und meinte dann: ‚Also wir haben 1 Flasche Bier, 1 Flasche Wasser, den Flachmann, ein angebissenes Käseschinkentoast, ein Snickers und eine halbe Packung Gummibärchen.‘

Sie hob den Finger und blickte in ihre Handtasche. ‚Also ich kann noch eine Packung Kaugummis, eine Packung TicTac und Em Eukal für Kinder beisteuern.‘ sagte sie mehr zu ihrer Handtasche als zu ihm. Mit der Taschenlampe leuchtend, kramte sie noch weiter in ihrer Handtasche herum und rief dann: ‚Oh, da ist noch ein angebissener Müsliriegel und so was wie ein Duplo!‘

‚In der Not darf man nicht wählerisch sein.‘ rief er und legte ihr die in ein Tuch gewickelten Köstlichkeiten vor die Füße.

‚Ich will dir aber nichts weg essen.‘

‚Wir bleiben hier ja nicht ewig, oder?‘

‚Keine Ahnung!?‘ meinte sie und zuckte ratlos mit den Schultern.

Er teilte das angebissene Käseschinkentoast in zwei Teile und reichte ihr die nicht angebissene Hälfte. Dann öffnete er das Bier mit seinem Flachmann, trank schnell den Schaum ab und reichte ihr die Flasche. ‚Prost!‘

‚Danke!‘ meinte sie verlegen und nahm die Flasche an den Mund.

‚Hör auf dich zu bedanken, das ist doch selbstverständlich.‘ rief er ernst.

‚Ich bin das nicht so gewohnt.‘
‚Dann gewöhn dich dran, so lange Hans Kupfer an deiner Seite ist, wird alles geteilt.‘

Sie nickte nur verlegen, biss in das Brot und drückte ihm das Bier wieder in die Hand. Er lehnte sich nach vorne, um an die Flasche zu gelangen, dabei hatte er sich neben ihren Schuhen abgestützt. Als er sich wieder aufrichtete streifte er ihre Schuhe und bemerkte, dass sie auch nass waren.

‚Deine Schuhe sind ja auch nass!‘ meinte er und trank von dem Bier, bevor er die Flasche wegstellte.

‚Und meine Socken auch!‘ flüsterte sie.

‚Los zieh sie aus!‘ rief er, zog dabei eine Augenbraue hoch. Er wand sich ab, um in einem seiner Bündel zu kramen.

‚Die werden dir viel zu groß sein, aber trocken und warm.‘ murmelte er.

Zögernd zog sie ihre Schuhe aus und er warf ihr seine Socken hin und schnappte sich gleich ihre Schuhe, um ebenfalls Stroh hinein zu stopfen. Als er sich wieder zu ihr drehte, hatte sie ihre Socken ausgezogen und versteckte ihr nackten Füße im Stroh.

‚Gibst du mir deine nassen Socken, dann häng ich sie auf.‘ rief er und erst als er ihr seine Pranke hinhielt, übergab sie ihm ihre Socken.

Er hängte sie auf einem Querbalken auf und kam wieder zu ihr, um sich vor sie zu knien, während sie seine Socken immer noch ihn Händen hielt und gedankenverloren am Bündchen herum spielte.

‚Mathilda ist alles in Ordnung mit dir?‘

‚Ähm ja, glaub ich!‘

Kurzerhand nahm er ihr die Socken ab, hob ihre Füße aus dem Stroh und zog ihr so behutsam es ihm möglich war, die Socken an. Dann blickte er ihr besorgt ins Gesicht.

‚Wirklich alles in Ordnung?‘

Sie wirkte immer noch ziemlich abwesend, so dass er sich seine Taschenlampe schnappte und Anstalten machten ihr in die Augen leuchten zu wollen.

‚Schau mich mal an!‘ rief er und sie tat wie ihr geheißen. Er leuchtete ihr mit der Taschenlampe in die Augen und blickte ihr angestrengt in die Augen.

‚Also die Reaktionsfähigkeit ist ganz gut!‘ meinte er und hängte die Taschenlampe wieder auf.

 

Fortsetzung folgt… vielleicht!?

Schnee im Oktober – Teil 4

Schnee im Oktober – Teil 4

nebelEr zog einen Flachmann aus seiner Jacke und drückte ihn ihr in die Hand. Sie packte ihre Taschenlampe weg, die sie bis jetzt in Händen gehalten hatte und nahm den Flachmann. Als sie daran nippte, hüstelte erstickt und gab den Flachmann seinem Besitzer zurück.

‚Zuerst wärmen wir uns auf. Dann sehen wir, was wir noch zu essen haben. Und dann werden wir uns es so gemütlich wie möglich machen, bis morgen in der Früh der Schneepflug kommt.‘ meinte er.

‚Das klingt doch nach einem Plan!‘ keuchte sie, zog ihr Handy aus der Handtasche und blickte kopfschüttelnd drauf. ‚Wenn man mal einen Notfall hat, dann bringen einen die Dinger hier auch nicht weiter.‘

‚Seit dem ich auf Wanderschaft bin, hab ich mein Handy kein einziges Mal vermisst.‘

‚Ich bin ziemlich beeindruckt von dem was Sie tun.‘

‚Du!‘

‚Ja, du!‘

‚Wollen wir mal sehen was der Heuboden zu bieten hat.‘ meinte er und kletterte behände die Leiter hinauf zum Heuboden.

Sie blieb etwas bedröppelt unten stehen und beobachtete ihn dabei, wie er mit seiner Taschenlampe im Mund auf dem Heuboden irgendwas zu suchen schien.

‚Mathilda, willst du nicht raufkommen?‘

‚Ja, ähm.‘ stammelte sie und kam näher an die Leiter heran. ‚Ich glaub ich bin noch ein Bisschen wackelig auf den Beinen.‘ Sie hatte immer noch ihre Handtasche an sich gedrückt. Sein Kopf tauchte an der Kante vom Heuboden auf und er blickte sie freundlich an. Es war das erste Mal, dass sie ihn länger als 5 Sekunden ohne Hut betrachten konnte. Er hatte lange Haare, die zu einem zerzausten Zopf gebunden waren. Die Farbe seiner Haare konnte sie bei dem schummrigen Licht gar nicht richtig erkennen. Während sie ihn verträumt anblickte, schwang er sich über die Kante auf die Leiter zurück und hielt ihr seine Pranke hin. Sie kam noch einen Schritt näher, klemmte mit zittrigen Fingern ihre Handtasche unter einen Arm, griff mit beiden Händen an die Leiter und stieg eine Sprosse nach der Anderen hinauf, bis sie ängstlich seine Hand ergreifen konnte.

In dem Moment als er ihre Hand packte, hatte sie auch keine Angst mehr zu fallen. Seine Hände waren immer noch warm. Ihre Gedanken waren just in dem Moment mal wieder auf Wanderschaft gegangen, als ihr auf dem Weg weiter nach oben schwindlig wurde und sie fast von der Leiter gestürzt wäre. Doch er hielt sie fest. Geschickt zog er sie die Leiter hoch und oben glitt sie fast besinnungslos in seine Arme.

‚War doch gar nicht so schwer, oder?‘ flüsterte er ihr zu und strich ihr wieder die Haare aus dem Gesicht. Sie blickte sich verlegen um und er löste sich von ihr, weil er ihre Befangenheit irgendwie spürte.

‚Willkommen in meinem Wohnzimmer. Ich hatte es mir hier schon fast gemütlich gemacht…aber die Sucht!‘

Auf dem Stroh lagen mehrere Bündel, ein Schlafsack und sein Wanderstab. Er hatte seine Taschenlampe über seinen Sachen aufgehängt und das Licht wackelte immer noch hin und her.

‚Setz dich doch!‘ rief er und machte eine einladende Handbewegung.

Sie setzte sich und blickte ihn verstohlen an, als er seine Jacke auszog. Nur in Hemd und Weste machte er noch eine bessere Figur, so dass sie ihre Augen überhaupt nicht mehr von ihm trennen konnte. Er packte den Schlafsack und legte ihn über ihre Schultern.

‚Ey, die Jacke ist ja pitschnass. Willst du sie nicht ausziehen.‘ meinte er ruhig.

‚Ja schon!‘ flüsterte sie. Endlich lies sie die Tasche sinken und zog langsam die Jacke aus. Er wickelte erneut den Schlafsack um ihre Schultern und nahm die Jacke an sich, um sie mit der nassen Seite ins Stroh zu legen.

Fortsetzung folgt… vielleicht!

Schnee im Oktober – Teil 3

Schnee im Oktober – Teil 3

nebelEr drückte seinen Körper näher gegen den ihren und nahm sie fester in den Arm.

Ein weiteres Krachen unterbrach ihre Intimität nur kurz und als dann etwas aufs Wagendach krachte, quietschte sie wieder.

‚Mathilda, wir machen jetzt die Biege, bevor noch der ganze Baum auf uns drauf kracht.‘ flüsterte er ihr ins Ohr und machte sich gleichzeitig an der Rückenlehne zu schaffen.

‚Kommst du an den Schlüssel ran?‘ fragte er, als er einen Teil der Rückenlehne umklappte und sie dabei angrinste. Sie kroch an ihm vorbei und ihr Oberkörper verschwand zwischen den beiden Vordersitzen und wenig später hatte sie nicht nur den Schlüssel in der Hand, sondern auch ihre Handtasche und ihr Handy. Hastig drückte sie auf einen Knopf der Zentralverriegelung und er Kofferraum sprang auf und dann untersuchte sie ihr Handy, kein Netz. Das war ja klar. Hans zog währenddessen die Kofferraumabdeckung ab und schob sie gegen das kaputte Fenster, um es weitestgehend abzudecken.

Mathilda hingegen versuchte den Kofferraumdeckel zu öffnen, es gelang ihr aber nur bedingt. Er ging ihr zur Hand und gemeinsam gelang es ihnen den Kofferraumdeckel aufzudrücken.

Er musste die Klappe festhalten, während sie aus dem Kofferraum kletterte. Sie schnappte sich noch eine Decke, eine Taschenlampe und ihre Jacke und griff dann nach dem Kofferraumdeckel, um ihn weiter aufzuhalten, damit der junge Zimmermann ebenfalls aus dem Kofferraum klettern konnte. Seinen Hut unter den Arm geklemmt, schwang er sich behände aus dem Kofferraum und ehe er wieder stand, hatte er seinen Hut wieder auf dem Kopf.

Er machte einen Schritt vom Wagen weg, schloss den Kofferraum und hielt ihr den Arm hin. ‚Wenn ich die werte Mathilda zu meiner Platte führen dürfte.‘

Sie hatte alles, sogar die Decke, in die Handtasche gestopft, zog ihre Jacke an und hakte sich bei ihm ein, obwohl sie ihn nicht verstand. Aber was sollte sie schon tun? Sie hatte eh keine Zeit es sich anders zu überlegen, weil er sie schon mit sich zerrte.

Der Wind hatte mittlerweile hüfthohe Schneewehen aufgetürmt, was ihren Marsch ziemlich erschwerte. Sie liefen eine ganze Weile über ein verschneites Feld, bis sie am Fuße eines Hügels ankamen. Auf dem Hügel stand ein kleiner Heuschober.

Es dauerte gefühlte Stunden, bis sie endlich oben auf dem Hügel angekommen waren.

Er schob das Tor des Stadels auf, schob sie ins Innere der Hütte und meinte: ‚Home sweet Home!‘

Es war ganz schön dunkel hier drinnen. Schon hatte er eine kleine Taschenlampe aus seiner Jacke gezaubert und leuchte auf dem Boden herum.

‚Sagen Sie mal, wie haben Sie mich eigentlich gefunden?‘ fragte sie und kramte dabei in ihrer Handtasche.

‚Du!‘ meinte er und leuchtete in ihre Handtasche.

‚Wie hast du mich eigentlich gefunden?‘ verbesserte sie sich und zog ebenfalls ihre Taschenlampe hervor.

‚Ich stand vor dem Stadl, um eine zu rauchen und hab gesehen, wie der Wagen ins Schleudern kam.‘ berichtete er und ging dabei um sie herum auf eine Leiter zu, die nach oben zum Heuboden führte.

‚Danke!‘ flüsterte sie leicht beschämt.

‚Nichts zu danken!‘ Er zog wieder seinen Hut und meinte dann verlegen: ‚Es ist mir eine Ehre eine fleischgewordene Mathilda kennenlernen zu dürfen!‘ Ehe sie schauen konnte, hatte er den Hut wieder auf dem Kopf.

Sie lächelte verschmitzt und versuchte davon abzulenken, dass ihr die Schamesröte ins Gesicht stieg: ‚Und was machen wir jetzt?‘

Fortsetzung folgt…

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