Jakobsweg – Ich muss mehr sündigen…

Jakobsweg Zeitreise Ich muss mehr sündigen…

Pilgern 2009

Die letzten 2,5 Kilometer bis Pfarrkirchen sind die absolute Hölle. Es ging den Berg jetzt wieder doppelt so steil wieder runter, den ich vorhin noch halbwegs munter hinaufgeschlichen bin. Ich musste mich an den Gartenzäunen festhalten, sonst hätte ich den Berg nicht wieder hinunter geschafft. Meine Wade macht ein komisches Geräusch, ich glaube meine Achillessehne ist angerissen. Na, hoffentlich kommt jetzt nicht Orlando Bloom um die Ecke und schießt mir im Legolas-Style in die Wade. Nach einer halben Ewigkeit bin ich dann unten am Berg angekommen und kaum ist der Weg wieder gerade, geht meine Blase auf, die ich ja eigentlich gar nicht haben sollte. Mein Leben ist ein Alptraum. Würde jetzt gerne was schönes und niedliches kaputt machen. Was für eine Scheiße. Ich humple also weiter und versuche meinen Fuß zumindest an der offenen Blase nicht zu belasten. Mit einer Kraxe auf dem Rücken ist das nicht unbedingt leicht. Das Universum muss mich ganz schön hassen. Habe ich etwa nicht genügend gebetet. Das glaube ich nicht. An irgendwas muss es doch liegen, dass ich so eine Pechsträhne habe. Vielleicht habe ich ja wenigstens etwas im Lotto gewonnen. In der Liebe klappte es ja immerhin auch nicht. Ich glaube ich hänge mich jetzt einfach mit samt meiner Kraxe auf und mache Schluss mit der Scheiße. Und vorher erschlage ich noch ein paar Katzen und deren Besitzer mit meinem Pilgerstab.

Ich finde keinen Baum an dem ich mich aufhängen könnte und an dem Bach an dem ich vorbeikomme, hätte ich nicht mal eine Katze ertränken können. Also schleppe ich mich weiter. Wenn sich meine Blase jetzt noch entzündet, dann hätte ich eine doppelte Blasenentzündung, das wäre mir fast der Spaß wert damit zum Arzt zu gehen.

Irgendwie bin ich zwar jetzt schon in Pfarrkirchen, aber ich laufe an einer Umgehungsstraße entlang. Ich komme mir jetzt noch mehr einsam und alleine vor. Das Alleinsein macht mir ja eigentlich nichts aus, weil ich eigentlich gerne alleine bin, alleine schreibe ich die besten Geschichten, alleine lenkt mich keiner ab. Aber ich bin jetzt irgendwie schon im nächsten Level von Alleine angekommen, ich fühle mich irgendwie unvollständig. Als würde mir etwas zum Leben fehlen. Jemand zum Leben fehlen. Niemand bestimmtes, einfach jemand, der mir Vollständigkeit gibt. Ich glaube ich habe sie wirklich nicht mehr alle beisammen. An Unvollständigkeit grenzende Tatsachen sozusagen. Dazu gibt es auch ein schönes Filmzitat von Echte Kerle. Ich hoffe ich kriege es aus dem Stegreif hin. Wenn ein Kopffüßler (Tintenfisch, Krake, was auch immer) zu lange alleine lebt, dann fängt er an, vor Einsamkeit, sich die Arme abzubeißen. Wie gesagt, es ist ein Filmzitat. In Wirklichkeit ist es bei den Kopffüßlern so, dass die Männchen gleich nach dem ersten Geschlechtsakt sterben und die Weibchen zwischen legen und schlüpfen des Nachwuchses sterben. Beides ist nicht besonders aufmunternd. Wenn der jungfräuliche Kopffüßler sich die Arme abbeißt, weil er keine Frau abkriegt oder wenn er stirb, weil er eine Frau abgekriegt hat. Himmel, jetzt bin ich noch viel mehr deprimiert als vorher.

Ich bin ja eigentlich auf dem Jakobsweg und schleppe mich und meine Kraxe nach Pfarrkirchen. Ich muss schon wieder aufs Klo und mein linker Fuß fühlt sich so an, als wäre er eine einzige Blase. Jetzt achte ich nicht mehr wirklich auf die Jakobswegschilder, sondern will nur noch so schnell wie möglich zu meinem Auto. Ich bin so im Arsch, dass ich kaum noch weiter kann. Ich achte nur noch auf die Bahngleise und überlege, wie ich am schnellsten zu meinem Auto komme, ohne aber dabei völlig aufzugeben. Ich habe nicht vor mich dahin fahren oder tragen zu lassen. Ich komme an einem Autohaus vorbei und es fragt mich ein alter Mann, was ich da mache. Ich bin dankbar für die kleine Pause und erkläre ihm kurz, was ich da mache. Er kramt in seiner Hosentaschen und drückt mir 2 Euro und 20 Cent in die Hand. Ich soll ihm eine Kerze stiften, wenn ich in Altötting ankomme.

Toll, ich hatte mich innerlich eigentlich schon entschlossen aufzugeben und nachhause zu fahren. Was mache ich denn jetzt, ich kann doch jetzt nicht aufgeben und die 2 Euro einfach behalten. Es ist echt nicht einfach aufzugeben und sich seine Niederlage einzugestehen. Am schwierigsten ist es seine Schwäche vor anderen zu zeigen. Kurz bevor ich den Jakobswegs endgültig verlasse, um zu meinem Auto zu gehen, sehe ich wie der Weg einen Berg hinauf geht zu der Wallfahrtskirche Gartlberg, die ich heute wohl nicht mehr sehen werde. Selbst ohne Kraxe würde ich zwar rauf kommen, aber wahrscheinlich nicht mehr runter. Ich verlasse den Jakobsweg und frage mich zum Bahnhof durch. Kurz vor dem Bahnhof, kommt mir eine Frau mit ihrem Kind entgegen. ‚Ui, schau mal der Nikolaus!‘ meint das Kind. Sehr witzig. Hohohoho.

Wenig später bin ich an meinem Nemo angekommen. Mit zitternden Fingern binde ich die Kraxe von meinem Rücken und lasse sie einfach auf den Boden fallen. Ich krame nach meinem Schlüssel und drücke aufs Knöpfchen, wuchte meine Kraxe auf den Beifahrersitz und verpisse mich erst mal hinter mein Auto. Da war sie wieder meine Blasenentzündung und diesmal sind mir mögliche Zuschauer scheiß egal. Dann lasse ich mich auf den Rücksitz meines Autos fallen und bleibe erst mal eine geschlagene Stunde reglos liegen. Dann beschloss ich meine Füße zu untersuchen. Ich habe 6 Blasen auf dem Fußballen und zwei an der Seite, davon ist eine nicht nur bereits aufgeplatzt, sondern sieht schon ziemlich unschön aus.

Meine Füße fühlen sich so an und sehen auch so aus, als wäre ein Panzer drüber gefahren. Das liegt jetzt wohl an meinen Bi(e)nchensocken, mit meinen Pilgersocken, wäre das wohl auch nicht passiert. Der rechte Fuß scheint halbwegs in Takt zu sein.

Und mein Arsch tut mir weh, ich befürchte meine Kraxe hat mir beim Laufen so den Arsch versohlt, dass ich jetzt bestimmt blaue Flecken am Hintern hab.

Mein Fazit ist, dass ich im letzten Jahr anscheinend zu wenig gesündigt habe, so dass sich der Weg irgendwie nicht gelaufen werden will. Aber ich werde nicht aufgeben. Ich werde Stück für Stück weiter machen und irgendwann werde ich wohl mal an meinem Ziel ankommen, wo auch immer dieses Ziel sein wird. Und ich werde dieses Jahr zum Jahr der Sünde ausrufen.

Am nächsten Tag bin ich nach Altötting gefahren und habe zwei Kerzen angezündet. Eine für mich und eine für den alten Mann. Nur die 2 Euro habe ich behalten, es ist ein 2 Eurostück aus Spanien. Das ist ein Zeichen, oder? Trotz meiner Niederlage, habe ich jetzt einen Arsch voll Glücksbringer aufgeladen, die mir hoffentlich für die Zukunft mehr Glück bringen werden. Naja, mein Dieter Bohlen (Tinnitus) nervt zwar wieder, aber dem werde ich jetzt als erstes das Maul stopfen.

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Jakobsweg – Die Sache mit den Blasen…

Jakobsweg Zeitreise Die Sache mit den Blasen…

Pilgern 2009

Ich bin also immer noch in Brombach und mache noch ein paar Fotos. Dann packe ich doch meine Sachen und laufe weiter, der Römerweg gewinnt, den ich gleich einschlagen werde. Der arme Tankwart wird dann doch ohne mich auskommen müssen. Hm. Schade. Er hatte aber auch keine übersichtliche Frisur. Ich laufe also die historische Römerstraße nach Pfarrkirchen. Ja, historischer Asphalt unter meinen Holzschuhen reibt mir Millimeter für Millimeter von meinem Profil und reibt auch mich völlig auf, es geht bergauf und zwar gefühlte 5 Kilometer. Ein Auto nach dem anderen kommt mir entgegen oder überholt mich. Einige bremsen sogar ab, bevor sie mich passieren. Ich komme also kaum voran, weil ich ständig stehenbleiben muss, damit ich nicht vom Fahrtwind der vorbeirasenden LKW´s umgeweht werde. Meine Angst vom LKW überfahren zu werden, kommt mir mittlerweile nicht mehr so abwegig vor. Es ist purer Realismus und der blanke Horror. Der Weg ist eigentlich total schön und die Aussicht ist schlichtweg der Hammer, aber zum Genießen komme ich leider nicht, weil ich gerade ernsthaft versuche zumindest meine Unfallverhütungsvorschriften fürs Pilgern einzuhalten. Die da währen. Möglichst unauffällig schnell vorwärts zu kommen! Ich habe ja auch total unauffällige Klamotten an, die zum größten Teil knallrot sind, ich habe diese riesige Kraxe auf dem Rücken und tausend Pilgerglöckchen kündigen jede meine Bewegungen schon kilometerweit an. Und zum Thema schnell sag ich nur gefühlte 5 km berauf. Zweitens bloß kein unnötiges Aufsehen erregen! Des kann ich ja wohl auch völlig vergessen. Die Autos die nämlich abbremsen, machen das nur, weil sie nicht im Graben landen wollen, weil sie vor lauter Gucken nicht mehr mitkriegen, wo sie hinfahren. Drittens den Pilgerschaft immer griffbereit um sich zumindest irgendwie gegen die Automobile wehren zu können. Das funktioniert eigentlich ganz gut, aber darauf möchte ich mich im Ernstfall eigentlich auf nicht verlassen, weil mein alter Pilgerstab sogar das Parieren mit einer Larpwaffe nicht unbedingt überlebt hat. So, ich zwinge sie jetzt einen riesigen Bogen um mich zu machen, die Schweine. Ich brauche jetzt noch mehr Platz auf der viel zu engen Straße. So. Jetzt habt’s es.

Ich hab mir auch lange überlegt, wieso auf einem Pilger- und Wanderweg so viele Autos fahren. Es ist wohl die Vollsperrung der Hauptverkehrsader zwischen Bad Birnbach und Pfarrkirchen. So eine Scheiße. Und alle Einheimischen fahren nun auf meinem Pilgerweg und halten mich von meiner echt nötigen Erholung ab. Ich werde zunehmend aggressiv. Ist jetzt nicht unbedingt das, was man bei einer Pilgerreise erwarten würde und vorallem nicht am ersten Tag. Ich bin endlich oben auf diesem Scheißberg angelangt und muss schon die ganze Zeit pinkeln. Ja, da ist sie wieder meine Blasenentzündung. Aber nachdem ein Auto nach dem Anderen an mir vorbeifährt und ich im Moment die einzige Attraktion zu sein scheine, möchte ich die Massen jetzt nicht mit einem Live Gewandungspinkeln erfreuen. Ich laufe also schneller und genieße wieder die Aussicht nicht unbedingt. Ich komme jetzt in einen Wald und es kommt mir ein bisschen unheimlich vor, dass die vorbeifahrenden Autos immer dann vorbeikommen, wenn ich eine geeignete Stelle zum Pinkeln gefunden habe. Ich verfluche meine Blasenentzündung, weil meine Kraxe gerade und heute das erste Mal so richtig gut sitzt. Und wie vom Universum bestellt kommt ein versteckter Rastplatz in Sicht, ich werfe also meine Kraxe ab und renne hinter die Büsche und es kommt auch ausnahmsweise kein Auto vorbei. Puh. Geschafft. Die Verfassung meiner Nieren macht mir aber richtig große Sorgen. Ich schultere meine Kraxe wieder und versuche mir dabei die Nieren nicht abzuschnüren. Hm. Ein sinnloses Unterfangen. Ich laufe also weiter, die Kraxe fühlt sich nicht gerade perfekt auf meinem Rücken an, aber jetzt geht’s weiter. Die LKW´s kommen nun gleichzeitig von vorne und von hinten. Ich kriege ernsthafte Panik. Meine Hirngespinste kommen nun auf die glorreiche Idee, dass es für einen Vergewaltiger eigentlich total perfekt wäre, eine hilflose Pilgerin ins Auto zu zerren, weil man wie eine Schildkröte auf dem Rücken, sich nicht unbedingt gut wehren kann. Die Autos werden immer weniger, was mein blödes Gefühl nicht besser macht, jetzt würde mich noch nicht mal einer retten. Das Einzige was dem eingebildeter Vergewaltiger gewiss sein kann, wenn er mich wirklich vergewaltigen sollte, er steckt sich hoffentlich mit der schlimmsten Blasenentzündung seines Lebens an. Und zu meinem Glück werde ich bestimmt davon schwanger, was einen DNA-Test dann ziemlich sicher machen würde, wenn man ihn erwischt. Er kommt dann nicht nur in den Knast, sondern dann auch gleich in die Hölle, weil wer Pilger vergewaltigt kommt mal ganz sicher in die Hölle. Und ich bekomme einen neuen Messias, weil das arme Würmchen ja schließlich auf dem Jakobsweg gezeugt wurde. Hm. Ich werde dann wieder Katholik. Super. Auf was Frau alles kommt, wenn man gerade einen paranoiden Anfall hat. Ich laufe also noch schneller und irgendwann zwingen mich dann meine Füße zu einer Pause. Ich befürchte nun ernsthaft Blasen zu bekommen. Das Wort BLASEN verfolgt mich irgendwie schon seit Wochen. Ich sollte echt aufhören vom Blasen zu schreiben, davon kriegt Frauen dann nur Blasen und eine Blasenentzündung. So eine Scheiße. Ich mache also Pause und habe eine grandiose Aussicht auf die Wallfahrtskirche Gartlberg bei Pfarrkirchen. Ich mache ein paar Fotos. Dann gehe ich weiter. Ich weigere mich irgendwie immer noch zuzugeben, dass man in Holzschuhen tatsächlich Blasen kriegen kann. Es ist echt unglaublich, ich behaupte seit Jahren, dass ich keine Blasen kriege und vor allem nicht in Holzschuhen. Des kann jetzt nur an den Omega3 Fettsäuren liegen, mit denen ich meine Holzschuhe vor ein paar Tagen noch, mit Leinsamenöl, behandelt habe. Hätte ich jetzt meine alten, mit Olivenöl behandelten, Holzschuhe angezogen, hätte ich mir durch das riesige Loch wahrscheinlich einen sauberen Schiefer eingezogen, aber ich hätte bestimmt keine Blasen bekommen. Warum nur musste ich sie mir im Schlosspark vom Kastell de Haar auch kaputt laufen. Und ich hätte dem Katze doch einen Blasen sollen und ihn dann auf einer Hängebrücke vergewaltigen sollen, dann würde es mir jetzt wenigsten was ausmachen, dass er sich nicht gemeldet hat. Jetzt bin ich einmal im Leben ernsthaft brav und dann ist es mir das Erste mal in meinem Leben scheißegal, dass mein Traummann sich nicht bei mir meldet. Hm. Das Männer Frauen nicht verstehen und umgekehrt, ist echt begründet, aber wenn sich Frauen noch nicht mal selber verstehen, dann hackt es echt aus. Himmel würde ich jetzt gerne eine Ersatzkatze quälen. Himmel, ich pilgere grade, warum ist keiner da, der mir auf die Finger haut. Mir wäre jeder Schuhbruch echt lieber als Blasen am Fuß. Mir wäre Blasen auch lieber als ne Blasenentzündung, aber es ist ja noch nicht mal ein Vergewaltiger in Sicht. Mensch Bine, wie kann Frau nur Vergewaltigungsfantasien haben und gleichzeitig Angst davor haben vergewaltigt zu werden. Es ist echt unglaublich. Ich war tatsächlich kurz davor, dass ich die Jakobsbibel aus der Kraxe hole und den weiteren Weg mich damit selbst geißle. Ein Wetter zieht auf, jetzt kommt wirklich alles zusammen, ich werde bestimmt gleich vom LKW überfahren und dann noch vergewaltigt, ausgeraubt und irgendjemand bringt dann aufgrund meines Notizbuches meine Ideen als seine Bücher raus und wird dann reich. Die Hölle wird sich freuen, aber ich werde es wohl nicht überleben…Ich packe mein Wimmerl in die Kraxe und beginne jetzt richtig Gas zu geben, ich habe keine Lust darauf auch noch nass zu werden. Und Scheiß auf alles was mit Blasen zu tun hat.

Fortsetzung folgt….

Jakobsweg – Auf den Hund gekommen…

Jakobsweg Zeitreise – Auf den Hund gekommen…

Pilgern 2009

Seit dem ich aus der Niederlande zurück bin, kann ich mich von meinem Roman irgendwie gar nicht mehr trennen. Ich überlege mir ernsthaft ganz daheim zubleiben und weiter Synonyme für Schwanz, Hoden, Möse und Kitzler zu suchen. Mein Pornobuch wird so krank, dass ich es nie jemanden lesen lassen kann, aber es lasst mich vielleicht gerade deswegen kaum los. Für dieses Buch werde ich wohl keinen Buchpreis bekommen, außer Beate Uhse vergibt neuerdings Preise für Pornobücher.

Am Sonntag hatte ich noch nichts gepackt. Aber dafür bin ich schon auf Seite 30 meines Pornos. Aus meinem Kopf sprudeln seit Tagen nur Sauereien. Ich muss mich jetzt endgültig davon trennen. Ich muss echt pilgern. Am Montag zwinge ich mich dazu endlich zu packen. Ich teste meinen Rücksitz auf die Möglichkeit der Übernachtung. Meine Nachbarn müssen mich für völlig bescheuert halten, weil ich mich am helllichten Tag in mein Auto lege und getrost ein Nickerchen abhalte. Mein Nemo war ein guter Kauf. Es passt alles ins Auto, was Frau so beim Pilgern braucht und auf dem Rücksitz ist so viel Platz, dass sogar ich da schlafen könnte. Könnte. Ich bin übrigens total stolz auf meinen neuen Pilgerstab und auf die Glücksbringer, die ich kunstvoll dran gebunden habe. Ich vergesse irgendwie schon zum hundertsten Mal die blaue Trinkflasche im Auto, die ich eigentlich auswaschen und neu befüllen wollte.

Am Dienstag, den 5.5.09 ist es endlich so weit….Es ist 9.13 Uhr und ich sitze im Auto, bereits in Gewandung. Ich habe übrigens schon wieder die blaue Trinkflasche vergessen auszuwaschen. Jetzt habe ich aber keine Zeit mehr und vorallem keine Lust noch einmal rauf zulaufen, nur um die Flasche zu befüllen. Ich habe ja einen neuen Trinkschlauch und ich bin total gespannt, wie lange der durchhält. Beim Befüllen von diesem Trinkschlauch ist mir übrigens schon eine nasse Stelle aufgefallen. Genauso hat es bei dem letzten Trinkschlauch auch angefangen. Ich schweife irgendwie ab…

So, jetzt geht’s auf zum Gewandungstanken. Der Tankwart hält mich für einigermaßen verrückt. Um 11.25 bin ich in Pfarrkirchen. Meinen Zug nach Bad Birnbach kriege ich wohl nicht mehr. Ich steuere also den Mac Donalds an, um zum Gewandungspinkeln zu gehen. Die Leute kucken alle ganz schön komisch, glaube ich zumindest, ich versuche sie weitestgehend zu ignorieren. Da war sie wieder meine Blasenentzündung, ich dachte eigentlich sie wäre vorbei, aber da hab ich mich wohl geschnitten. So, ein Mist. Des kommt davon, wenn man tagelang halbnackt im Bett liegt, Unmengen schwarzen Tee trinkt, um wachzubleiben und versucht einem Porno zu schreiben. Da ist es ja kein Wunder wenn man sich verkühlt. Hm.

Um 11.39 Uhr bin ich am Bahnhof Pfarrkirchen und um 12.30 Uhr geht ein Bus nach Bad Birnbach. Ich packe also meine Kraxe fertig. Um 12.15 mache ich meine Auto zu und schultere meine Kraxe. Als ich auf den Bus warte, will ich eigentlich nur Fotos machen, währenddessen ich übers Fotografieren nachdenke, werde ich von ein paar Schülern mit der Handykamera fotografiert. Was würden wir heute wohl ohne Handy machen? Und ich frage mich schon wieder, was Menschen mit so bescheuerten Fotos machen. Und was denken Menschen, wenn sie so ein bescheuertes Bild gezeigt bekommen. Ein Foto, zu dem man nahezu keinen Bezug hat, durch eine Scheibe fotografiert. Die wissen ja nicht mal, was ich da mache. Ich hätte mir vielleicht doch ein Schild um den Hals hängen sollen. ‚Vorsicht Pilger‘ und hinten an die Kraxe ‚Heck schwenkt aus‘. Ich schicke ein inbrünstiges Stoßgebet ans Universum, dass es nicht zum Regnen anfängt und dass mein Auto heute Abend noch da steht, wo ich es geparkt habe. Und ich hoffe inständig, dass mir meine Blasenentzündung keinen Strich durch die Rechnung macht, dass ich nicht vom LKW überfahren werde und da hätten wir noch die Sache mit den gutaussehenden Vergewaltigern. Böse Bine, du gehst gleich pilgern, da kannst du doch nicht wieder an so versaute Sachen denken. Ich haue mir auf die Finger und da kommt der Bus, pünktlich um 12.30 Uhr. Ich steige ein, zahle meine Fahrkarte und dann stelle ich fest, dass Bayerns Busse definitiv nicht für Pilgerinnen und ihre Kraxen gemacht sind. Die Menschen im Bus sind sehr hilfsbereit und mir ist ihre Hilfsbereitschaft fast schon peinlich. Ich lasse nun schwermütig meinen Laptop in meinem Auto zurück und fahr ins Ungewisse. Die Sehnsucht auf den Weg ist irgendwie seltsam, vor zwei Monaten hätte ich das Pilgern unbedingt gebraucht, einfach abzuhauen und sich einfach mal von allen am Arsch lecken lassen. Vor einem Monat hätte ich den ganzen Tag heulen können, weil mit mein Körper ein Strich durch meine Pilgerreise gemacht hat. Vor ein paar Tagen wollte ich gar nicht gehen, weil ich einfach nur schreiben wollte. Noch vorhin im Auto hab ich geheult, weil ich es kaum erwarten konnte, zu laufen. Und jetzt will ich eigentlich nur zurück zu meinen Laptop. Ich schreibe also ersatzweise einige Zeilen in mein Notizbuch. Hm. Und dabei dachte ich, ich wüsste was ich wollte. Aber jetzt gibt es kein Zurück mehr…

Um ca. 13.00 Uhr steige ich an der Bushaltestelle aus, wo wir vor genau einem Jahr und einem Monat, die Pilgerreise abgebrochen hatte. Ein netter Mensch trägt meine Kraxe aus dem Bus. Ich verabschiede mich vom Busfahrer und überlege mir, wie oft er an diesem Tag noch an mir vorbeifahren wird, bis ich wieder in Pfarrkirchen ankommen werde.

Ich laufe zum Kuramt um mir einen Stempel für meinen Pilgerpass zu holen. Der Typ vom Amt ist ganz schön überrascht von meinem Auftreten, aber irgendwie total begeistert von mir. Ich werde ihn aber nie wieder sehen, weil ich im nächsten Moment damit beginne, Bad Birnbach hinter mir zu lassen. Ich fotografiere noch die Bank als Beweis, dass ich wirklich da gewesen bin. Die Passanten gaffen mir hinterher. So wie letztes Jahr, die Menschen ändern sich wohl nie. Aber wer macht schon in Bad Birnbach Kururlaub. Ich finde eine Feder für meinen Pilgerstab und verlasse Bad Birnbach, nicht ohne noch ein Bild zu machen. Für Autofahrer sind es noch 11 km nach Pfarrkirchen, für Pilger wird es wohl ein bisschen mehr sein. Im nächsten Ort kommt mir ein älteres Ehepaar auf mich zu und fragen mich, ob ich eine Hochzeitsladerin wäre. Es sind Saupreißen, ich finde es bemerkenswert, dass sie den Begriff Hochzeitslader überhaupt kennen. Sie waren direkt vor dem nächsten Jakobswegschild stehengeblieben, um mich zu befragen. Ich stoße sie quasi mit der Nase auf das Schild. Sie sind total überrascht, dass hier der Jakobsweg durch geht. Ich bin überrascht, dass sie den Jakobsweg überhaupt kennen. Ich laufe weiter. Es kommt eine Tankstelle auf mich zu und ich auf sie, ich gehe in die Tankstelle und frage, ob ich die Toilette benützen dürfte. Natürlich darf ich. Der Tankwart ist total nett zu mir und will mir helfen. Unglaublich. Ich gehe aufs Klo. Puh, das war knapp. Ich bete nun an alle Götter, die ich kenne, meine Blasenentzündung solle jetzt sofort vorbeigehen. Egal. Auf dem Klo hängt ein Schild, für Tank und Shopkunden ist des Pinkeln frei und für Nicht-Kunden kostet des Pinkeln 50 Cent. Hm. Ich krame nach meinem Geld, ich hole meine Kraxe aus dem Tankshop, zahle mein Geschäft und sattle wieder auf. Der Tankwart will mir schon wieder helfen. Er ist wirklich total nett zu mir. Wenn ich irgendwann mit dem Auto hier vorbeikomme, werde ich auf jeden Fall hier tanken. Er hängt mir noch ein Gespräch auf und wünscht mir gut Fuß. Er frägt mich, was ich mache, wenn ich es nicht schaffen sollte. Ich erzähle ihm von meinem Notnagel am Bahnhof in Pfarrkirchen. Er scheint irgendwie erleichtert zu sein, dass ich mein Auto zu Sicherheit in Pfarrkirchen geparkt habe.

Ich laufe weiter. Unterwegs verliere ich mein Notizbuch, ich habe es aber gehört, wie es klatschend aus dem Korbwimmerl gefallen ist. Was wäre passiert, wenn ich es nicht gehört hätte, meine ganzen Idee wäre damit verschwunden. Das wäre ganz schön scheiße gewesen. Und was wäre gewesen, wenn jemand mein Buch gefunden hätte, es steht nämlich blödsinniger Weise kein Name drin. Im Einband steht nur Omniintelligente Killerpollen, Käseschinkenbrot und obszöne Pilzgewächse. Schackeline 17 ½, das zwölfjährige Mädchen mit blonden Zöpfen auf einer wunderschönen Blumenwiese. Ich hab des mal alles gegoogelt. Und man kriegt durch die Eingabe der Begriffe keinerlei weitere Informationen, gut es hat noch keiner meine Ideen geklaut. Aber ganz schön scheiße, wenn ich mein Büchlein wirklich mal verlieren würde. Ich habe gerade meinen Namen in mein Notizbuch geschrieben und meine Nummer, nur für den Fall. (Mittlerweile kann man alle meine Begriffe googeln! Haha!)

Zum Thema Wimmerl, ich wollte es eigentlich googeln und bin auf eine deutsch-österreichische Webseite gefunden. Ich hatte eine ganz tolle Idee, die ich über das Wimmerl schreiben wollte. Ich schreibe dieses Wort gleich mal in mein Bücherl, vielleicht schüttelt sich dann von allein eine Geschichte über das ein oder andere Wimmerl zusammen.

Es weiß hoffentlich jeder was ein Wimmerl ist, nein kein Pickel, ähm auch ein Pickel, aber es heißt auch kleiner Rücksack oder Bauch. Und ich habe eine Bauchtasche gemeint. Das Wimmerl ist mir auch noch kaputt gegangen, ich trage es unter dem Arm, bis ich in Brombach ankomme.

In Brombach ist eine Vollsperrung und zum Glück führt der Jakobsweg von der Absperrung weg. Vor mir ist der Dorfbrunnen, ich mache dort Rast und repariere mein Wimmerl. Ich werde die ganze Zeit von einem Hund verbellt. Ich weiß nicht woran das liegt, dass mich Hunde immer nur verbellen, wenn ich beim Pilgern bin. Sonst legen sich Hunde immer auf den Rücken, wenn sie mich sehen und lassen sich dann bereitwillig von mir am Bauch kraulen. Hm. Ich muss mich selbst nochmal überdenken, ich sollte mir vielleicht doch beim Pilgern einen Mann aufreißen, vielleicht legen die sich im Umkehrschluss auch auf den Rücken, wenn sie mich sehen. Hm. Ich überlege, ob ich zurück zu der Tankstelle gehen soll. Vielleicht…. Böse Bine. Und warum ist keiner da, der mir auf die Finger haut. Hm. Ich fühle mich irgendwie ganz schön alleine…. Der Hund bellt, bis die Besitzerin aus dem Haus kommt, sie ist die Erste, die weiß, dass der Jakobsweg durch ihren Ort geht. Die Welt hat wirklich ein Einsehen mit mir. Der Hund hat immer noch kein Einsehen mit mir. Ich glaub ich gehe doch zurück zur Tankstelle und kraule lieber den Tankwart am Bauch. Hihi. Ich wünsche mir beim Universum einen Mann mit einer übersichtlichen Frisur, der mir auf die Hand haut, sich gerne auf den Rücken legt und sich am Bauch kraulen lässt. Hm. Vielleicht fühle ich mich dann besser. Oder vielleicht meint mein Schicksal ja auch ich soll mir einen Hund kaufen. Hm. Fragen über Fragen. Fortsetzung folgt.

Jakobsweg Zeitreise – Ich packe meine Kraxe….

Jakobsweg Zeitreise – Ich packe meine Kraxe….
Und ich nehme mit fürs Pilgern 2009
Es hat sich nicht bewehrt kein Deo mitzunehmen, also nehm ich ein Deo mit und zwar ein Sprühdeo, weil man des auch auf Klamotten sprühen kann.

Dann nehm ich wieder eine Seife mit und Rei in der Tube, sicher ist sicher.

Diesmal müssen die Wattestäbchen mit, ich kann keine drei Wochen ohne.

Ich werd mir so eine Alutrinkflasche kaufen, obwohl ich auch einen neuen Trinkschlauch habe, meinen Thermobecher werd ich nicht mehr mitnehmen. Da ist mir in der Arbeit der Deckel verschwunden, des war kurz nach dem Käseschinkenbrot. Es war ein Zeichen.

Dann werde ich wieder mal im Winter versuchen eine Aluisomatte zum Zusammenfalten zu kaufen, ich werd wohl doch mal zum Lauche & Maas gehen müssen. Weil wenn es jetzt doch noch schneit, brauch ich im Wintern noch Gamaschen, dann kann ich auch gleich fürs Pilgern einkaufen gehen.

Ich werde diesmal mein zweites Schaffell mitnehmen, ein Großes und ein Kleines, nur für den Fall, dass ich wieder im Dreck schlafen muss. Dann muss ich meine Heringe diesmal zusammenbinden, damit nicht wieder die Hälfte wegkommt. Die beiden Zeltplanen und die Plane zum Unterlegen.

Hektor ist ganz wichtig, das ist das Pilgermaskottchen. (Hektor wurde mittlerweile auf einem Markt im Osten gestohlen!) Diesmal nehm ich das Sackfett nicht mit, aber meine Nagelfeile, auch wenn ich Beides nicht gebraucht habe. Hhm. Vielleicht sollte ich doch das Sackfett mitnehmen.

Ein neues Paar Holzschuhe und meine neuen alten Wanderschuhe. Danke Sina! Dafür lasse ich die Römersandalen zuhause.

Das erste Hilfeset, mit Nagelschere und Blasenpflaster. Ich hatte, solange ich meine Holzschuhe noch hatte, keine Blasen und keine Knieprobleme, aber man kann ja nie wissen.

Meine Kniebandagen, haben mir das letzte Mal wahrscheinlich das Leben gerettet.

Ich nehme nichts zum Nähen mit, man kommt eh nicht dazu. Ein kleines Nähzeug tut es völlig.

Ich werde eine Taschenlampe mitnehmen für den Notfall, und zwar eine zum Kurbeln und eine rote IKEA-Lampe für den Fall, dass ich wieder etwas zum Aufwärmen dabei habe. Und Kerzen! Feuerzeug …ähh… Streichhölzer natürlich.

Zum Lesen, werde ich die Jakobsbibel mitnehmen und ein Reclamheftchen von Shakespeare ‚Romeo und Julia‘ und ‚Viel Lärm um nichts‘ und ich werde es auswendig lernen. Einen Reiseführer, keine Karten. Zum Schreiben, ein neues leeres Tagebuch und zwei Kugelschreiber und einen Bleistift.

Ich brauche ein gescheites Messer. Beim Geschirr werde ich wohl auch aufs Gewicht achten müssen, ein leichtes Brettchen und einen Napf, mehr nicht. Einen Löffel und eine Gabel.

Dann zum Anziehen, eine Tunika mehr und ein Unterkleid mehr. Ansonsten habe ich nicht zu viel und kaum zu wenig dabei gehabt. Der Unterrock, dass ist so eine Frage, ich werde darüber nachdenken müssen. Meinen Sonnenhut und zwei Häubchen und meine neue Fellmütze.

Glücksbringer und Pilgerstab. Nachdem mein alter Pilgerstab von einem dummen NSC auf Mythodea zum Parieren benützt worden ist, und er dabei in der Mitte zerbrach, habe ich von einem Bekannten einen Neuen bekommen. Der ist es jetzt wohl.

Glücksbringer, der Stein, den ich vor Tettweis für den Anderl aufgehoben habe und der ihn dann in meinem Auto liegen lassen hat. Seitdem ist mein Auto nicht mehr noch kaputter gegangen. Meinen Bergkristall, vom letzten mal. Ein 10 Cent Stück mit der Irischen Harfe, dass ich auch des letzte mal zufällig mitgeschleppt habe. Den ein oder anderen Stein, der mir noch über den Weg läuft.

Und mein Löffel und das was vom letzten Löffel noch übrig geblieben ist und was sonst noch so an meinem Gürtel hängt. Das ein oder andere Müffelsäckchen und ein Pilgerglocke. Meine Pilgertasche und meinen Gürtelkorb.

Die übliche Rolle Klopapier.

Wieder keinen Umhang, aber meine Wollschultertuch und ein Stück Lodenstoff für über die Kraxe. Das hatte sich letzte mal bei Hanna bewährt.

Einen Wolltuch als Rückenpolster für die Kraxe und meine Wollbeinwickel zum Kraxe an mich hin binden. Ein Stück Seil. Dann muss ich den Barney nochmal anhauen, ich brauch wieder jede Menge Lederbänder.

Meinen Deckenschlafsack und meine völlig unauthentische Kunstfelldecke. Die ist warm und ich hasse es zu frieren.

Weniger zum Essen und dafür mehr Geld zum Einkehren. Etwas warmes und heißer Tee ist echt unersetzlich. Eine Zwiebel und eine Knolle Knoblauch für ein MORETVM und als Hilfe gegen Vampire und Vergewaltiger. Sollte ich vielleicht doch Kondome mitnehmen. Mein Chef könnte dann zumindest ruhiger schlafen.

So, irgendwie ist des schon wieder soviel, dass man gar nicht glauben kann, dass ich des alles schleppen könnte, geschweige denn, dass es in die Kraxe passt. Hm. Da wird wohl echt wieder viel raus fliegen, das Sackfett zum Beispiel.

Zurück in der Realität und die Sehnsucht bleibt.

Jakobsweg Zeitreise – Zurück in der Realität und die Sehnsucht bleibt.

Der Zug und die ganzen Menschen sind schon Realität genug, könnte man meinen. Wir haben mit dem Handy telefoniert, es ist so ungewohnt plötzlich. Der Anderl holt uns vom Hauptbahnhof in München ab. München, die große Stadt, sie hat uns wieder, und sie ist so laut und es sind so viele Menschen, da fallen zwei Pilgerinnen gar nicht auf. Schon sind wir wieder anonym und wenn wir hier nackig mit den Kraxen zum Parkplatz laufen würden, dann würde es auch kaum einen interessieren, außer die Japaner vielleicht.

Wir werden vom Anderl am Parkplatz vor dem Hauptbahnhof in Empfang genommen und des Erste was klar ist, wir stinken. Wir planen nun was wir machen. Wir müssen noch zum Einkaufen und der Anderl muss zum Arzt und dann geht’s nach Hause.

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen, so denkt man, aber uns fällt nicht so recht ein, was wir erzählen sollen. Lassen uns durch München kutschieren. Der Anderl geht zum Arzt wegen seiner Nichtwichsschulterverletzung. Im Auto wartend, bin ich dermaßen Bewegungsunfähig, dass ich zwar mein Docs in der Hand habe, aber eine halbe Ewigkeit brauche, um mich überhaupt zu bewegen. Ich habe meine Haare gekämmt, mir einen Zopf gemacht und ganz genüsslich meine Ohren geputzt und die beschreibungsunwürdigen Ohrenstäbchen aus dem Fenster geschmissen. Mein Deo ist eine Wohltat und wir riechen zumindest wieder erträglich.

Wir waren dann beim Einkaufen und entschlossen uns zuhause zu kochen und nicht zum McDonalds zu gehen. Es gab Spagetti mit Hackfleischsoße. (Meine Erinnerung scheint mir einen Streich zu spielen, wir waren anscheinend doch beim McDonalds. Ich kann mich nicht erinnern, aber anscheinend kann es kein großes Geschmacksereignis gewesen sein, weil sonst würde ich mich ja daran erinnern. Ich kann mich aber noch lebhaft daran erinnern, dass wir gekocht haben, ich werd alt. Oh, Gott, wir waren wirklich beim McDonalds und wenn ich auch so einen Shrimp Lemon gegessen habe, dann war es wahrscheinlich sogar ein Geschmacksereignis. Aber bevor wir gegessen haben, waren wir ausgiebig auf dem Klo und das war toll ausgiebig die Hände zu waschen. Dann sind wir stinkend aber mit sauberen Händen zur Theke und haben was auch immer bestellt. Der Verkäufer war so baff und wir dann auch, als er uns einen Gutscheinzettel in die Hand drückte, wo auf der Rückseite die Werbung vom Mittelaltermarkt in München aufgedruckt war. Wie könnt ich das nur vergessen?)

Zuhause haben wir uns und unsere Sachen gewaschen, ich meine Kraxe nicht gewogen und gegessen, geschrieben und geschlafen. So wie beim Pilgern gegessen, geschrieben, geschlafen und gelaufen wird erstmal nicht mehr.

Am nächsten Tag hatte ich mein Knie völlig vergessen, es tat auch nicht mehr weh. Für dass wir wegen diesem blöden Knie abbrechen müssten, tut es jetzt so, als wären wir nie wandern gewesen. Ich bin auch bei der Wanderung nicht auf die Idee gekommen Schmerzmittel zu nehmen. Wir hatten uns ins Ruhstorf nur Doppelherz aktiv Magnesium + B6 + B12 aktiv gekauft, gegen den Muskelkater. Die Darreichungsform ist zwar ungewohnt und es schmeckt beschissen, aber es wirkt wunder. Ich nehme sie zuweilen mit, wenn ich mit meinen Orks auf Con gehe und wir wieder über Stock und Stein gejagt werden. Nie wieder Muskelkater.

Wir schreiben am Samstag sehr viel und warten, dass unsere Wäsche trocken wird. Um wieder mit den Pilgerklamotten in die Schandgeige und mittelalterlich Essen zu gehen. Ich kann mich nicht entscheiden welches Häubchen ich anziehen soll, ich nehme am Ende mein kleines Rotes. Aber ich weiss was ich essen soll, ein Schnitzel mit Meerrettichsenfmarinade und einem Sößchen und einen orgastischen Schokoladenkuchen. (Ich glaube es zumindest, aber ich habe mich beim McDonalds ja auch getäuscht!) Es war lecker (Das weiss ich ganz sicher!) und wir erzählten von unserer Reise. Wenn man eine Reise tut, dann kann man was erzählen. Es war ein schöner Abend.

Ich habe seither viele schöne Momente erlebt und weniger Schöne. Auch wenn die nicht so schönen Momente meistens die Oberhand behalten, bleiben die Schönen einem ewig in Erinnerung. Aber egal was ich tue, ich habe immer wieder Sehnsucht nach dem Weg. Weiterzumachen, immer wenn ich nicht mehr kann oder wenn ich nicht mehr weiter weiss oder wenn mir mal wieder alles über den Kopf wächst, dann würde ich am liebsten alles stehen und liegen lassen und abhauen, ab auf den Weg und einfach weg von dem ganzen Müssen. Aber die Sehnsucht bringt mich oft schon über den Berg und es geht weiter. Und es wird wohl genau ein Jahr seit der letzten Pilgerschaft vergehen müssen, bis es bei mir wieder los geht, weg von dem Müssen und einfach weg. Mich drei Wochen lang von der Gesellschaft am Arsch lecken lassen. Zu gehen, zu essen, zu schreiben und zu schlafen und dort zu bleiben wo es schön ist, so lange die Füße mich Tragen und solange das Wetter und der Herr (der über uns wohnt, wie er auch heißen mag!) mir huld ist.

Ein vorläufiges Fazit: Ich lass mich mehr oder weniger schon das ganze Jahr am Arsch lecken, von der Welt und von der Gesellschaft, aber doch fickt mich das Schicksal das ganze Jahr schon. Mit den Männern hab ich es langsam echt satt, weil ich immer an die Irren gerate und dafür habe ich mittlerweile keine Kraft mehr. Meine Kraft brauche ich für anderen Dinge, fürs Laufen, fürs Essen (verdienen), fürs Schreiben und fürs Schlafen. In meinem Beruf bin ich einigermaßen Erfolgreich und ich bin furchtbar unentbehrlich und es macht mir nachwievor Spaß für den Staat zu arbeiten. Dann schreib ich wieder und nun hab ich endlich meine Jakobsweggeschichte beendet, es hat lange genug gebraucht, bis ich sie endlich zu Ende gebracht habe, nun ist es fast soweit…


Die Überlegung eine Nonne zu werden, habe ich nicht ganz geschafft, aber ich war lange Zeit sehr brav. Die Gedanken sind frei und unzüchtige Gedanken, werd ich wohl immer haben, egal ob ich ansonsten brav bin oder nicht. Und nachdem ich nachwievor auch noch ständig von der Gesellschaft gefickt werde, wird mir der Schreibstoff auch nie ausgehen, Amen.

Am Ende ist ein Anfang

Jakobsweg Zeitreise – Am Ende ist ein Anfang

Freitag, der 04.04.08:

Wir sind in der Früh, dann wieder zeitig los und haben alles sauber hinterlassen. Sogar den Müll haben wir mitgenommen. Langsam muss ich auch echt zugeben, dass man früh morgens einfach am besten vorankommt. Aber man hat halt nicht immer Bauarbeiter, die einen aus dem Schlummer reißen. Und einen Wecker werde ich bei der nächsten Etappe nicht mitnehmen. Meine Abneigung gegen Uhren möchte ich somit zum Ausdruck bringen. Ich werde in der Regel wach sobald es hell wird. Wir werden es in Zukunft sehen.


Huckenham hinter uns lassend, geht es weiter nach St. Veit. Wir blicken doch zurück und versuchen noch ein paar Fotos zu machen. Aber bei dem Nebel ist es echt schwierig die schöne Skyline von Huckenham einzufangen.

In St. Veit angekommen, finde ich es fast schade, dass wir nicht hier übernachtet haben. Die Höfe sind hier noch älter und die Kapelle ist noch viel, viel noch älter. Das Bild aus dem Reiseführer wird nachfotografiert. Ich beschließe, wenn ich einmal heiraten sollte, werde ich dies wohl hier tun. Diese Kapelle ist so schön und keiner ist hier, um diese alten Gemäuer zu ehren. Aber dass hab ich ja schon angemerkt, oder? In jeder Kirche, die wir betreten haben, war keiner außer uns und einer Alarmanlage. Auf dem vergangenen Weg haben wir so viele heilige Stätten gesehen, wie ich im ganzen Leben noch nicht gesehen habe, aber sie stehen alle leer. Ich finde es echt schade, da stehen uralte Kirchen und keiner kümmert sich darum, ein Alarmanlage und gut ist. Eine spirituelle Stätte kann ihren Zauber nur erhalten, wenn Menschen hingehen und den Zauber sehen und spüren. Und ihn dann nach Hause tragen. Ich finde es echt schade. Mir geht’s dabei garantiert nicht um die katholische Kirche. Mir geht es um die Gemäuer, die von den Menschen, im Schweiße ihres Angesichts und mit wunden Fingern, auf uralten gebaut wurden. Wie zum Beispiel, die Kapelle zu Rotthof, die auf eine römische Kultstätte gebaut wurde. Und wenn es nur ein Naturaltar mitten im Wald ist, es ist eine spirituelle Stätte und die Menschen zieht es immer wieder dort hin. Damals und heute?

Meine spirituellen Stätten sind der keltische Opferstein in der Amperschlucht in der Nähe von Grafrath. In Germansbergl ins Tal blickend beim Sonnenaufgang. Beim Herrrn Numberger aufm Hof bei seinen Schafen. Die Kapelle zu Rotthof und hier, in St. Veit.

Ich finds richtig schade, dass wir weiter gehen müssen und die kleinen windschiefen Häuser in St. Veit verlassen müssen. Es geht weiter nach Luderbach. Es ist auch ein malerisches Fleckchen Erde und nach Luderbach verlangt die Natur ihr Recht. Und jetzt merke ich wieder, wie mein Knie mir schmerzt. Und wie beschwerlich es ist, mit einem Bein sich hinzusetzen und sein Geschäft zu verrichten. Die restliche Etappe ist wieder der Horror und so beschließen wir auf einer Bank in der Nähe eines Biotopes, dass wir uns in Bad Birnbach noch einen Stempel holen und dann nach Hause fahren. Schweren Herzens legen wir die letzten Paar Kilometer zurück. Aber es geht wirklich nicht mehr, mein Knie brauch ich noch ein Leben lang und der Jakobsweg läuft mir nicht davon.


In Bad Birnbach, stellen wir erschreckenderweise fest, dass die Leute hier ganz schön kleingeistig sind. Wir werden angehupt und von Blicken verfolgt. Ich spüre Finger, die auf uns zeigen und ich fühle mich schmutziger als ich wahrscheinlich bin und es beginnt mir peinlich zu sein, hier so rumzulaufen. Aber dass ist doch wieder die Gesellschaft, die uns dies aufdrückt und der Volksmund, der uns ins Ohr flüstert, dass wir nicht der Norm entsprechen. Wie ich genau das hasse, aber ich bin so fertig, dass ich mich füge und weiter trotte. Wir verursachen beinahe noch den ein oder anderen Auffahrunfall, weil die Leute in den Autos plötzlich stehenbleiben, um uns nachzustarren oder gar dabei von der Fahrbahn abkommen. Des ist doch wirklich ganz schön peinlich, aber für die, nicht für uns.

Bei der Kurverwaltung angekommen, kriegen wir unseren letzten Stempel. Die nette Dame erklärt uns, wie wir zum Bahnhof kommen und dass gleich ein Zug gehen würde.

Ab zum Bus und an der Bushaltestelle werden wir gleich wieder angepöbelt. Ich will hier weg, in den Wald und ich will meine Ruhe. Bad Birnbach ist übrigens ein Kurort, anscheinend für allerlei Bekloppte und für Alkoholkranke, bloß weg hier.

Wie kommt man aber mit 2 Pilgerinnen, 2 Pilgerstäben und 2 Pilgerkraxen in einen Bus. Um Himmels Willen. Des ist gar nicht so einfach, wie man so denken könnte. Der Bus kommt, die Türen gehen auf, ich schmeiße die beiden Stecken rein und dann die Kraxen, dann krabble ich auf allen Vieren hinterher, die Hanna holt die Fahrkarten. Die Leute kucken uns ganz schön komisch an. Der Bus hält an jedem Kuhfladen, wir kommen aber doch noch rechtzeitig am Bahnhof an, bevor der Zug kommt. So ein Stress. Wir haben gerade noch Zeit eine Zugkarte zu kaufen und einen Plan zu machen, wie wir in den Zug kommen. Der Zug kommt nicht, es werden Fotos gemacht. Der Zug kommt mit ein wenig Verspätung. Selbes Spiel, erstmal rein mit dem Zeug und wir hinterher. Wir bekommen einen schönen Sitzplatz für unsere Kraxen und uns. Die deutsche Bahn hat keine Gepäckfächer für Kraxen, also besetzen wir 4 Plätze und machen erstmal Brotzeit. Wir werden durchaus ganz schön blöd angesehen und ich belausche die anderen Fahrgäste. Was für Probleme die haben. Gott, sind die Peinlich!

Beim Blick nach draußen ins schöne Bayernland zieht die Landschaft so an uns vorbei und unser Blick fällt bei jeder Ortschaft sofort auf den Kirchturm. So bewusst war mir des noch nie, aber sieht man immer hin, wenn man in einen Ort kommt, nicht nur als Pilger.

Früher oder später bringt der Weg dich zum Weinen.

Jakobsweg Zeitreise – Früher oder später bringt der Weg dich zum Weinen.

Wir kamen wieder aus der Wallfahrtskirche um unseren Weg fortzusetzen. Es regnete immer noch, aber es hilft alles nichts, wir müssen weiter. Der Blick runter nach Bayerbach ist gigantisch. Aber der Weg selbst war schrecklich. Durchnässt ist auch gar kein Ausdruck mehr für den Zustand unserer Sachen. Für den Zustand meines Knies finde ich auch keine Worte mehr. Wir kommen irgendwann in den Ort und suchen dann die Kirche, in der wiedermal keiner ist. Wir fragen uns durch zum Pfarramt. Ich kann echt nicht mehr. Wir irren durch Bayerbach und finden dieses blöde Pfarramt nicht. Die Fragen, die wir stellen, bringen uns auch nicht weiter, irgendwie will uns keiner helfen. Am Kindergarten werden wir wieder zurückgeschickt, wir sind anscheinend am Pfarramt vorbeigelaufen. Ist auch kein Wunder, es ist ein Wohnhaus. Wir klingeln, es macht keiner auf. Ich kann nicht mehr. Wir diskutieren, was wir jetzt machen. Hanna will weiter gehen, ich will nicht mehr. Ich breche zusammen, weil ich wirklich nicht mehr weiter kann. Hanna ist mit der Situation heillos überfordert, entschließt sich aber doch nochmal fragen zu gehen. Wir erfahren, dass der Pfarrer seinen Mittagsschlaf hält und wenn er dies tut, macht er grundsätzlich nicht auf, das wüsste hier jeder. Wir beschließen zu warten, bis sich der Pfarrer rührt. Also warten wir, und warten, und warten… irgendwann regt sich was im Inneren des Pfarrhauses.

Der Pfarrer steht vor der Glastür und macht uns endlich auf, nach über einer Stunde. Wir sagen wieder unser Sätzchen auf und ich überlege mir ehrlich ob ich Sternsinger werden soll. Er ist heillos mit uns überfordert. Er bittet uns erstmal rein, sagt uns aber gleich, dass er für uns eigentlich nichts tun kann. Bayerbach hat keine Unterbringungsmöglichkeit für uns und vorallem nicht der Pfarrer. Was sollen da die Leute sagen, wenn er zwei junge Pilgerinnen aufnimmt. Er hat aber so ein schlechtes Gewissen, weil er uns nicht helfen kann und drückt jeder von uns 20 Euro in die Hand, schickt uns aber dennoch weiter.

Das Wetter ist mittlerweile wesentlich besser, der April tut gerade so, als hätte es heute nie geregnet. Hanna läuft voraus und ich humple hinterher. Am Beginn unserer Pilgerschaft war ich immer vorne und musste immer auf die Hanna warten, jetzt ist es umgekehr, was für mein Gemüt nicht unbedingt so prickelnd ist. Als Kind habe ich wandern mit meinen Eltern immer gehasst, weil mein Vater immer voran gelaufen ist und meine Mutter und meine Schwester haben immer versucht den Anschluss nicht zu verpassen. Und ich war immer die Letzte und hatte immer die Angst sie würden mich in der Wildnis zurücklassen. Genau so fühle ich mich jetzt, dabei sind wir mitten in Bayerbach.

Am Bahnhof von Bayerbach haben wir uns vorsichtshalber mal erkundigt, wie des mit den Zügen so ist. Ja, es ist ein Bahnhof und es kommt ganze 3mal am Tag ein Zug. Wir entschließen uns weiterzulaufen, bevor wir jetzt abbrechen und uns 3 Stunden am Bahnhof den Arsch abfrieren, weil ein Bahnhofsmission gibt es in Bayerbach nicht, dass wurde an Privat verkauft. Also weiter geht es.

In Huckenham entscheiden wir uns nochmal nach einer Unterkunft zu fragen. Wir hoffen inständig auf die Nächstenliebe der Bewohner von Huckenham. An der ersten Tür, an der wir klingeln, kommt nach einer Weile, ein Freizeichen und dann geht der Anrufbeantworter an die Tür. Ganz schön strange. Wir sprechen nichts drauf, außer mein verwundertes: ‚Häh!‘

Dann kommt eine Frau aus einem anderen Haus, die kann uns auch nicht helfen, lässt uns aber in die kleine Kapelle zu Huckenham. Die auch echt malerisch ist, sie ist aber immer versperrt, wegen den Diebstählen in der Gegend. Eigentlich echt der Hammer, wer klaut was aus einer Kirche?

Da kann ich mich an ein Ereignis in meiner Kindheit erinnern, da ist in der Klosterkirche Fürstenfeld, dem kleinen Jesuskind die Königsinsignien geklaut worden. Dann wurde die Klosterkirche solange für die Öffentlichkeit gesperrt, bis sie sie ordentlich vergittert hatten. Seit der Zeit, konnte ich das Jesuskind nur noch durch Kitterstäbe sehen. Erst wird des eh schon nackerte Jesuskind beklaut und dann wird’s auch noch dafür eingesperrt. So komisch ist die Welt.

Ich schweife schon wieder ab, ich weiss. Die Frau, die uns nicht helfen konnte, rannte gleich mal zum Nachbarn, um den zu fragen, ob er uns helfen kann. Vergeblich. Da war jetzt nur noch ein Hof in Huckenham, unsere letzte Hoffnung. Da war ein Herr, der gerade Holz schnitt, der war total von uns begeistert, er hatte uns schon gesehen und hat gleich erkannt, dass wir Pilger sind. Weil er hat gewusst, dass der Jakobsweg an Huckenham vorbeiführt, weil er an dem Jakobswegschild jeden Tag unzählige Male mit dem Traktor vorbeifährt. Er schleift uns auf den Hof, seine Frau ist recht mürrisch. Sie will uns nicht übernachten lassen, er aber schon. Sie hat Angst, dass wir die Ferienwohnung dreckig machen könnten, des ist irgendwie verständlich, so wie wir aussehen. Der Mann überredet sie, weil er es so toll findet, weil zwei so junge Frauen pilgern. Wir versprechen keinen Dreck zu machen und auf dem Boden zu schlafen. Sie gibt irgendwann nach. Wir müssen die Schuhe vor der Tür ausziehen und sie warnt uns nochmal inständig davor Dreck zu machen.

Wow, eine richtige Suite. Wir rühren nichts an, anfangs nichtmal den Fernseher. Ich konnte nach langem Verhandeln mit Hanna wenigstens die Nachrichten rausschlagen. Wir drehten alle Heizungen auf und trockneten erstmal alle unsere Sachen. Ich sitze nun auf dem Sofa, von dem ich mich nun nicht mehr runter bewege. Ich schone mein Knie. Wir essen unsere Vorräte auf, irgendwie haben wir schon gewusst, dass wir morgen heimfahren werden. (Mir ist eingefallen, dass wir den Anderl telefonisch vorgewarnt hatten, für den Fall, dass wir morgen abbrechen!) Obwohl wir nicht darüber geredet hatten, die nächste Bahnstation ist in Bad Birnbach und bis dahin sollten wir doch noch kommen, oder?

Es ist übrigens schon den ganzen Tag und die letzten zwei Blogs lang, der 03.04.08 und morgen ist ein neuer Tag.

Jakobsweg Zeitreise – Welche Religion?

Jakobsweg Zeitreise – Welche Religion?

Der Pfarrer von Karpfham war ein ganz netter, wir waren ja auch platschnass, er wollte uns auf jedenfall helfen und nachdem wir nicht wirklich in einer Pension schlafen wollten, weil das einfach viel zu unauthentisch gewesen wäre, überlies er uns den Pfarrsaal. Er meinte nur, dass wir damit rechnen müssten, dass der Kirchenchor heute noch Proben würde, aber ansonsten könnten wir dort bleiben.
Der Pfarrsaal war riesig und wir konnten erstmal unsere Planen und unsere Röcke trocknen und schauen, ob noch irgendwo in der Kraxe was nass geworden war.
Plötzlich stand die Kommunionsgruppe da und kuckten komisch. Wir erklärten uns, und nachdem wir sowieso noch was einkaufen gehen wollten, gingen wir zum hiesigen Edeka. Ich wollte eine neue Flasche kaufen, damit wir einen Ersatz für den kaputten Trinkschlauch haben würden.
Vor lauter 5-Minuten-Terrine, Sonderangebote und Schokolade, hätte ich beinahe mein ganzes Geld ausgegeben, was ich noch hatte. Wir gingen aus dem Laden und ich wollte gegenüber in die Bank und noch ein bisschen Bares holen. Als wir über die Straße gehen wollten, hielt ein Wagen (Ohne zu Blinken!) mitten auf der Straße und einige Jugendliche fragten uns: ‚Welche Religion?!‘
Und was soll man auf so eine Unverschämtheit eigentlich antworten? Hanna sagte ‚Keine!‘ Ich dachte ‚Arschloch!‘ und für den Fall, dass nochmal jemand so eine Frage stellt, täusche ich einen Herzinfakt oder eine göttlich Eingebung vor oder ich sag einfach: ‚Sie verstoßen gegen die Verkehrsregeln, wenn Sie einfach so auf der Straße nach einer Kurve stehenbleiben, ohne zu blinken! Sie Arschloch!‘ Des war jetzt wieder, die Jugend heutzutage!
Ich holte dann Geld bei der Bank und dann viel mir ein, dass ich gar nichts zu trinken gekauft hatte. Also lief ich nochmal über die Straße und holte mir ein rotes Hohes C und dann gingen wir mit unseren Einkäufen in die Kirche und machten ein paar Fotos. Die Kirche war mit einer Alarmanlage gesichert, ist ja auch kein Wunder, bei der Jugend heutzutage.
In Zukunft bin ich jetzt einfach wieder katholisch, wenn jemand fragt, und wer Pilger verarscht kommt in die Hölle! Es stinkt mich immer noch an, dass man sich nur so aufführen kann. Unglaublich!
Zurück im Pfarrsaal war die Kommunionsstunde in den letzten Zügen, die Kinder bastelten übrigens Jakobsmuscheln.
Sobald alle verschwunden waren, breiteten wir uns aus und machten uns was zum Essen und Tee. Wie schön! Ich machte es mir gemütlich und fing wieder an zu schreiben.
Irgendwann kam dann doch der Chor, sie probten dann in der Kirche, aber einige Damen ratschten erst noch mit uns, es war sehr interessant. Wir gingen dann bald schlafen, vom Bettenbau gibt es eh ein Foto und ich schlief wieder hervorragend.
Am nächsten Morgen liefen wir wieder früh los, auf nach Schwaim. Da kam uns wieder mein Morgenschiss in die Quere, aber da war zum Glück ein Gasthof, der schon offen hatte. Das Wetter ist nicht gerade berauschend, aber zumindest regnet es nicht. Von Schwaim ging es nach Asbach und einen unbarmherzigen Berg zum Kloster Asbach hinauf. Mittlerweile regnet es wieder. Mein Knie bringt mich schier um, aber irgendwie haben wir es nach oben geschafft. Wieder ist alles total ausgestorben. Im Gasthof ist tote Hose, aber wir können die Kraxen stehen lassen und rasten, pinkeln und dann das Kloster erkunden. Das Kloster war gigantisch, zwar hinter Gittern, aber gigantisch. Hier auf dem Berg sind gerade mal zwei Friedhofsgärtner/Bauarbeiter und zwei Küchenangestellte im Gasthof, ansonsten ist hier ja mal gar nichts los. Wie vorher schon in so vielen Kirchen nichts los war. Schade irgendwie.

Die nächste Etappe ist der blanke Horror, kaum sind wir aus der Klosteranlage raus, fängt es wieder tierisch zu schiffen an. Wir stellten uns unter ein Garagendach, aber irgendwann sind wir dann doch im Regen weitergelaufen. Verfolgt von Schafkäse-Schildern jagen wir weiter, mein Knie ist schon fast taub, könnte aber auch an der Kälte liegen. Schneller als der Trott es eigentlich erlaubt versuchen wir Strecke zu machen. Mein Knie behindert mich so sehr, dass ich mittlerweile nicht mehr auftreten kann und habe eine Art Veitstanzsprung mit Pilgerstab entwickelt, um überhaupt noch weiterzukönnen. Wie komisch ich aussehen muss, versuche ich mir besser nicht auszumalen.

Irgendwo bei Neugertsham machten wir dann an einem neugebauten Haus Brotzeit. Nachdem wir nicht im Dreck essen wollten, beschlossen wir auf der Terrasse des neugebauten Hauses zu speisen. Zur Terrasse führten einige Stufen. Ich musste auf allen Vieren die Stufen hinaufkraxeln. Aber als wir da auf der Bank saßen, kam die Sonne raus. Der Herr hat doch ein Einsehen mit uns.

Kaum hatten wir die Kraxen wieder auf dem Buckel, fing es wieder zu schiffen an. Es geht weiter, nass, aber es geht weiter, humpelnd, aber es geht weiter. An einer Kreuzung wussten wir nicht wirklich mehr weiter, die Karte machte uns auch nicht schlauer. Eine Frau kam aus einem Haus und wies uns die Richtung, wieder einen fiesen Berg hinauf. So viel Sünden können wir wirklich nicht haben, dass uns der Herrgott, oder wer auch immer, so strafen tut. Das haben wir jetzt mit der Vielgötterei. Um den Moment noch dramatischer zu machen, fängt es wieder stärker zu regnen an. Der Berg ist die Hölle, mein Knie, ja mein Knie, ich bin für eine Amputation, nur dass ich nicht weiterlaufen muss. Der Berg kennt keine Gnade, doch irgendwann sehen wir oben am Berg eine Kirche, die immer größer wird, um so näher wir kommen. Es ist ja ganz klar, dass dies einfach so ist, aber beim Pilgern ist es ein Hoffnungsträger, der immer größer wird, bis man es dann bis vor die Kirchenpforte geschafft hat. Wir stellten uns in der kleinen Wallfahrtskirche Langwinkl unter. Nachdem wir von ein paar Hofhunden verbellt wurden, beschlossen wir in die Kirche zu gehen, um etwas zu rasten. Da sind dann auch ein paar Fotos entstanden, die wirklich widerspiegeln, wie fertig wir an diesem Punkt unserer Wanderschaft waren. Wir beschlossen uns in Bayerbach eine Unterkunft zu suchen, weil ich nachwievor Knieschmerzen hatte und wir beide schon völlig durchnässt waren.

Wolken, Bruch und Hagel

Jakobsweg Zeitreise – Wolken, Bruch und Hagel

Es ist jetzt Mittwoch, der 02.04.08 und es regnet. Wir sind unterwegs nach Lindau (im Rottal) und ich bemerke nicht nur, dass ich von oben ganz schön nass werde, sondern dass mein linker Fuß auch langsam von unten ganz schön nass wird. Dieser blöden Holzschuh. Ach und der Wasserschlauch tropft… was aber bei dem Wetter reichlich wurscht ist.
Nach Lindau untersuchte ich meinen Schuh genauer. Es zog sich ein dicker Spalt von der Ferse bis zum Ballen. Ich band die Schuhe mit Lederbändern zusammen und wir liefen weiter. Wir wurden immer ruhiger, vor Anstrengung und weil wir nicht wussten, wie lange wir mit meinen Schuhen noch kommen würden.

Der Morgenschiss kommt ganz gewiss, auch wenn es spät am Abend ist. Nach einer kleinen Zwangspause in einem Bushäuschens bzw. hinter einem Bushäuschen gingen wir dann weiter…
Es hatte auch zum Regnen soweit aufgehört, dass wir zumindest von oben nicht mehr nass wurden. Irgendwo zwischen Mitterham und Oberschwärzenbach sprang eine Frau aus ihrem Haus und fragte uns, ob sie uns was Gutes tun kann. Ich wollte sie nicht fragen, welche Schuhgröße sie hatte. Sie war ganz erstaunt, dass der Jakobsweg bei ihrem Haus vorbeiführt. Wenige Minuten später, irgendwo nach Oberschwärzenbach, war ein altes alleinstehendes Haus am Wegesrand. Vorne war ein alter Stall zu einem Wohnhaus umbebaut worden, aber auch schon wieder halb verfallen, vorallem der Balkon. Hinten im Garten war ein total zerfallenes Wohnhaus. Wir gingen an dem Grundstück vorbei und als ich zurückblickte, erkannte ich einen roten Fleck neben dem Haus. Es sah so aus, als würde da jemand kauern. Ich ging dann doch ein paar Schritte zurück und rief nach Hanna. In dem Moment rappelte sich eine alte Frau auf. Ich rief, ob wir ihr helfen können. Ich weis nicht ob sie mich wirklich verstand, aber sie winkte ab. Eine komische Begegnung, wir gingen weiter…
Wir kamen endlich in Tettenweis an, es regnete wieder so halb und wir holten uns einen Stempel im Rathaus und ich humpelte in einen Edeka, um zu fragen, ob sie Schuhe hätten,
sie hatten keine, aber die schickten mich in einen richtigen Schuhladen, ich konnte es kaum glauben. Wir stellten die Kraxen beim Wirthauseingangshütterl unter und Hanna blieb dort und ich ging allein auf Schuhmission.
Neben der Klostermauer fand ich tatsächlich einen kleinen uralten Schuhladen und ich ging hinein. Ein alter Mann musterte mich und ich erzählte ihm von meinem Schuhbruch und von der Pilgerschaft. Und er hatte tatsächlich ein paar Schuhe für mich, für 19 Euro. Es sind zwar echt hässliche dreckigweiße Omaschuhe, aber sie passten und sie waren aus Leder…
Beschwingt und froh lief ich zu Hanna zurück. Ich wollte die kaputten Holzschuhe auf keinen Fall wegschmeißen, sie hatten mich ja doch die ganze letzte Saison und bis hierher begleitet, aber ich wollte sie auch nicht mitschleppen, also machte ich mich auf die Suche nach einer Post, wenn ich in diesem Dorf einen Schuhladen finde, dann finde ich auch die Post. Und tatsächlich fragte ich eine Dame in einem Postauto, die aus dem Rathaus kam, nach einer Postfiliale und im hiesigen Café wäre eine Postagentur.
Dort angekommen, konnte ich tatsächlich meine Holzschuhe nachhause schicken, schweren Herzens und ein wenig unauthentischer ging es weiter.
Die Holzschuhe waren übrigens nicht nur durchgebrochen, sondern auf dem Weg von Rotthof hierher hatte ich mir ein Zweieurostück großes Loch hineingelaufen.
Wir laufen also weiter und als wir wieder am Schuhladen waren, wurde das Wetter wieder schlechter als zuvor und wir beschlossen ins Kloster zu gehen um den nächsten Schauer abzuwarten.
Das Benediktinerinnen Kloster St. Gertrud nahm uns auf und einige Nonnen waren ganz neugierig auf uns. Wir unterhielten uns lange und sie erzählten uns, dass vor einen halben Jahr, auch eine Pilgerin hier durchgekommen war, und sie hätte ihnen eine Karte geschickt, aus Santiago. Eine reife Leistung.
Laut Map24 sind es vom Passau, Domplatz bis Santiago 2512,62 km mit dem Auto und in 26,48 Stunden wär man da, ohne Pausen natürlich. Gehen wir mal davon aus, dass es
mehr als 3000 km sind, wenn man zu Fuß geht. Dann wäre die Dame einen Schnitt von 16,67 km am Tag gelaufen, das ist also eine reife Leistung.
Um uns jetzt noch ganz zu ernüchtern, unser Schnitt nach 5 Tagen war 11,48 km am Tag, des macht dann bis Santiago 261,32 Tage, des sollten wir doch dann tatsächlich bis zum Rentenalter schaffen, wenn wir im Jahr zwecks gemeinsamer Urlaubsplanung im Schnitt 10 Tage laufen können, dann sollte wir in 26,10 Jahren angekommen sein, wenn nichts dazwischen kommt. (Mittlerweile habe ich mich entschlossen, nächstes Jahr alleine weiter zu Pilgern. Ob ich dann allein schneller vorankomme, weis ich nicht. Fürs Jahr 2009 sind
erstmal 3 Wochen geplant)

Huch, wir saßen ja immer noch im Kloster….Eine Nonne fragte uns, ob wir dann auch beten würden. Betretendes Schweigen: ‚Ähm, bis jetzt noch nicht, aber vielleicht kommts noch!‘ Du sollst nicht Lügen, aber so wirklich gebetet haben wir ja auch nicht, und des mit dem Zwölfender wollte ich der Nonne dann doch nicht erzählen. Dann ist mir noch aufgefallen, dass es in diesem Frauen tatsächlich eine Männertoilette gab. Ich stelle keine blöden Fragen mehr.
Wir entschlossen uns dann trotz dem komischen Aprilwetters weiterzulaufen. Nach Tettenweis ging es ganz gut, ich hatte ja auch neue Schuhe, die Sonne spitzte raus und die Gegend durch die wir jetzt kamen, war irgendwie sehr nobelig, des Grünwald von Tettenweis quasi. Wir sahen sogar so was wie eine Römervilla und wir dichteten wieder ein Gedicht an den Zwölfender und an Montezuma usw. Danke, dass wir noch keine Scheißerei bekommen haben….
Wenig später wurde der Trinkschlauch im hohen Bogen beerdigt, er hatte zwar irgendwie länger durchgehalten, als meine Holzschuhe, aber irgendwie ist er mir nicht so ans Herz gewachse
n.
Bei Großhaarbach gingen wir eine kleine Abkürzung, aber nur um über eine alte Brücke zu gehen, die neben der Straße auf einer Wiese war, wir gingen schnurstracks auf eine Kapelle zu, die sich dann doch als Feuerwehrhaus entpuppte.
Das Postauto von Tettenweis verfolgte uns schon seit einer Weile, und machte dies auch weiter. Zur Post fällt mir auch noch was ein, ich habe schon seit langen nicht mehr so viele gelbe Telefonzellen gesehen, wie in den letzten 4 Tagen. Ich sollte mich doch öfters im Outback herumtreiben….
Wir gingen noch eine Weile und bei der nächsten Bank unter zwei Birken machten wir Pause und Mahlzeit. Nach dem Essen zog wieder ein Wetter auf und wir bauten uns einen Unterstand aus unseren zwei Zeltplanen und wollten darunter das Wetter abwarten. Eine Plane kam über die beiden Kraxen die vor der Bank standen und die andere Plane hatten wir über unsere Köpfe gezogen und unsere Wanderstäbe hielten die Dachspitze fest. Muss ein lustiges Bild gewesen sein, für diejenigen, die mit dem Auto vorbeigefahren sind. Es fing an zu regnen und dann zu hageln und wir hatten es zumindest trocken und halbwegs warm.
Mehre Autos hielten um zu fragen, was das denn soll. Eines davon, war wohl, das Auto von Niederländern? Sie führen an uns vorbei und hielten dann doch. Sie boten uns an, wenn sie wieder zurückkommen würden, dass sie uns dann eine Schelte anbieten würden. Jetzt ist natürlich die Frage was eine Schelte auf holländisch heißt, weil in Bayern ist des übrigens eine Watschn. Hhm…Okay…nach ausführlicherem Googeln, wollten
sie uns dann doch eher schimpfen oder watschen.
Wir hatten ja gedacht, dass sie uns vielleicht auf eine Suppe einladen wollten und Schelte auf holländisch vielleicht doch Brotzeit heißt. Gut dass es dann irgendwann zum Regnen aufgehört hat.
Der Weg nach  war wahnsinnig schön, obwohl wir nur auf der Straße gingen, ging es eigentlich nur Bergauf und das war Wetter äußerst bescheiden, aber die Landschaft war einfach der Hammer. Viele kleine alte Höfe säumten links und rechts die Straße, die in langgezogenen Serpentinen den Berg hinauf zog.
Mittlerweile mutieren wir wirklich zu Bergziegen, wir haben richtig Spaß dabei, den Berg hinaufzugehen. Und wir waren auch längst nicht mehr so außer Atem, wie zu Beginn unserer Reise. Schade ist nur, dass ich aufgrund des schlechten Wetters fast keine Fotos geschossen habe. Aber die Eindrücke werde ich so schnell nicht vergessen.
Ich überlege mir, ob ich im Sommer mal nochmal hierher fahre, einfach der Aussicht wegen und wegen den Fotos, die ich jetzt nicht geschossen habe.
Es ging jetzt wieder Bergab und die Häuser wurden immer neuer, aber sie waren immer noch schön. Wir gingen nun immer schneller, da schon wieder ein Regenschauer uns hinterher jagte. Wir haben es gerade noch in eine Bushaltestelle geschafft, als wieder ein Platzregen über uns herein brach. Nach dem Regen gingen wir weiter und in Karpfham angekommen, wussten wir auch warum es Karpfham heißt. Im Wappen war ein toter Karpfen, der von einem Pfeil erschossen wurde. Wie nett!
Wir gingen weiter und wieder war alles total ausgestorben. Wir stellten uns noch ein Paar mal unter, wenn der Regen wieder stärker wurde. Aber wir mussten weiter, nach einer Unterkunft fragen, aber es war keine Menschenseele auf der Straße zu sehen. Wir liefen wiedermal zur Kirche und diesmal hatten wir Glück, neben der Kirche war ein Kath. Pfarramt und es war auch offen. Mal schauen, ob unser Glück uns doch weiter hold ist.

Eine authentische Erkenntnis

Jakobsweg Zeitreise – Eine authentische Erkenntnis

Ich schrieb ja vorhin, wir wollten uns noch ein bisschen frischmachen (sofern des überhaupt möglich war!) und in einen meiner ersten Blogs zum Jakobsweg hatte ich schon erwähnt, dass ich kein Deo mitnehmen wollte, da es ja so furchtbar unauthentisch war.
Ich fand, bei den ganzen unauthentischen Sachen, die ich eh schon dabei hatte, könnte ich mein Deo wirklich daheim lassen: Handy, Ladegerät, Digicam, Ersatzakku, Ersatzkarte, Ladegerät, EC-Karte, Ausweis, Pilgerpass, Reiseführer, Diverse Tabletten und Cremes für meine Allergie, Kopfschmerzetabletten, die Pille, meine Allergiepässe, Krankenkassenkarte, Geld, mehrere Labellostifte (die ich auch aufgebraucht hatte!), Kaugummis, Riccola, Schokolade, Unterwäsche, Zahnbürste, Zahnpasta, zwei Kugelschreiber, Erstehilfeset mit Nagelschere, die ich übrigens gebraucht habe, da ich mir im Neuburger Wald meine Fingernägel komplett gestutzt hatte und die Nagelfeile, die ich übrigens nicht gebraucht habe, mangels Fingernägel, aber eigentlich ein wichtiges Instrument ist, falls man was aufbrechen muss und um festgezogene Knoten zu lösen, werde ich sie auch beim nächsten Mal wieder einpacken.
Ja, des Deo liegt in der Handtasche bei den Ohrstäbchen und ich habe es bis zu dem Moment nicht vermisst, als ich mich frischmachen wollte, um in die Küche runter zu gehen, damit ich endlich meinen schwarzen Tee kriegen würde.

Am Tag zuvor hatte ich die Hanna noch belächelt, als sie sich mit Innbrackwasser versuchte zu waschen, als sie feststellte, dass sie zu riechen anfangen würde. Und ich bei mir noch nichts roch, es war alles so wie immer, weil ich stinke ja nicht, habe ich immer behauptet, da ich ja keinen unangenehmen Körpergeruch an mir habe. Deswegen war die Entscheidung auch so leicht gewesen, mein Deo in der Handtasche zurückzulassen.
Und jetzt steh ich da, in einen Bauernhaus in Rotthof und es ist mir furchtbar peinlich, weil ich gotterbärmlich rieche und nachdem ich des bei mir ja nicht gewohnt bin, ist es mir gleich nochmal peinlicher, was müssen jetzt die netten Leute denken, die uns grad so nett in ihrem Haus aufgenommen hatten. Und ich stinke wie eine Assel. Was hätte ich jetzt für ein Sprühdeo getan, war mir des peinlich…da hilft auch keine Müffelsäckchen mehr, wenn es riecht oder kriecht, Müffelsäckchen, gegen die unangenehmen Dinge des Lebens, eure Quacksalberin.
Und aufgefallen ist es mir erst, als ich alles ausgezogen hatte, was ich unter meiner Bluse trug, weil mir so warm war. Ich hatte jetzt seit Sonntag mein Unterkleid an und drüber meine Omasthermowollunterwäschelangesunterhemd, einen Nierenwärmer und darüber noch meine Bluse und dann das Mieder. Zum Glück stank die Bluse und des Mieder alleine nicht so, wie der Rest. Ich versuchte das Geruchsgrauen zum Lüften aufzuhängen und dann gingen wir doch runter. Und der Tee und die netten Gespräche lenkten mich ein bisschen ab, von meinem Gestank und ich glaube dass es vielleicht gar nicht so schlimm war, es hat zumindest keiner „Böööööh!“ geschrieen, als ich die Küche betrat.
Später dann in der Dusche versuchte ich einige Klamotten zumindest ein bisschen mitzuduschen und meine Rosmarinseife tat ihre Pflicht. Ich kam mir wieder sauber vor und ich konnte die erste Nacht gut Schlafen, ohne Träume und Fantasien und ohne dass mir jemand den Arsch unterm Fell wegschiebt. Es war einfach himmlisch.
Das Aufstehen viel mir wie immer sehr schwer, aber so ist im richtigen Leben ja auch, ich schaffe es keinen Tag vor 9.00 Uhr ins Büro und oft wird es nach 10.00 Uhr. Deswegen finde ich es immer noch so erstaunlich, dass ich es tatsächlich geschafft habe, jeden Tag so früh aufzustehen und hab dann zwar oft gedritschelt, aber doch sind wir von Tag zu Tag immer zeitiger losgekommen. Am frühen Morgen läuft sichs einfach besser und weiter.
Dieser Morgen war für uns auch ganz besonders, die Mutter war schon wach und machte uns das Teewasser warm. Unser Müsli und unsere Milch wurde verputzt und ich war so froh über meinen . Und das Gewicht was wir durch des Essen einsparten, packte ich dann mit meinem Thermobecher mit Tee wieder drauf.
Das Wetter war reichlich beschissen und der Wetterbericht besagte, nichts Gutes. Wir mussten aber trotzdem los, und die ganze Familie verabschiedete sich herzlich von uns, Fotos wurden gemacht und dann zogen wir schweren Herzens von dannen.

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