Die Geschichte eines Klosteines

Die Geschichte eines Klosteines – Tragödie in 6 Akten

Tragödie erster Teil

Es ist ein schöner Tag, die Sonne scheint, die Vögel zwitschern. Ganz München, so scheint es, ist auf den Beinen. Und die Hälfte davon sind im Tierpark, so wie auch wir, diesen schönen Tag muss man doch ausnützen. Eine meiner Mitbewohnerinnen, ihr zukünftiger Ex-Freund und ich wollten etwas unternehmen (Da sie mit ihm nicht allein sein wollte!) und sind kurzerhand in den Tierpark gefahren. Es schien so als könne nichts diesen schönen Tag berühren, es schien so, als wäre alles perfekt. Alles war eine wunderschöne Blumenwiese, alles zirpte und gurte und sogar, dass der Typ, der zukünftige Ex-Freund sein sollte, könnt ihre Stimmung nicht trüben und mir war es eh egal. (Da ich ja nur der Abstandswauwau war!)

Auf dem Weg zwischen den Nashörnern und den Tigern, bekam meine Mitbewohnerin einen Anruf von unserer anderen Mirbewohnerin, die gerade die Pfingstferien bei ihren Eltern verbrachte. Sie hätte gerade einen Anruf von der Freundin eines guten Freundes bekommen. Dieser gute Freund und ein anderer guter Freund wären tot. Besagte Dame, die wir alle nicht im Mindesten ausstehen konnten (Aus hier nicht genannten und mittlerweile völlig irrelevanten Gründen!), will uns bestimmt verarschen, weil sie uns auch nicht im Mindesten ausstehen konnte (Aus hier nicht genannten und mittlerweile völlig irrelevanten Gründen!). Unsere Mitbewohnerin wäre sich nicht sicher, über so was macht man schließlich keine Witze und was hat der andere gute Freund damit zu tun, der hatte ja mit ihr und mit unseren Streit überhaupt relativ wenig am Hut gehabt. Wir sollen doch mal irgendjemand anrufen, sie könne auf einer Familienfeier schlecht in der Gegend rum telefonieren.

Unsere guten Freunde waren immer zu dritt anzutreffen und diese drei waren gerade mit allen anderen unserer Freunde in Leipzig. Wir beschlossen den dritten anzurufen. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, nach wieviel mal Klingeln er ranging. Aber er ging ran. Ich sagte nur, wir hätten da einen Anruf bekommen und er sollte uns einfach nur sagen, dass bei ihnen alles in Ordnung wär. Ich hörte nur ein Schluchzen. Und ich hatte ihn noch nie im Leben schluchzen hören. Ich weiß auch nicht mehr, was ich gesagt habe, ich weiß nur noch, dass ich mich setzen musste. Ich saß auf einer der vielen grün lackierten Metallbegrenzungen, die im Tierpark um jeden Grünstreifen gezogen wurden.

Die Nashörner müssen ganz schön blöd gekuckt habe, als der Ex-Freund-Typ versuchte zwei völlig hysterisch heulenden Weiber aus dem Tierpark zu bugsieren. Genau für solche Situationen hat man Sonnenbrillen erfunden. Dass alle Passanten wegsehen können und doch gaffen können. Und dass Frau so tun kann, als wäre gar nichts geschehen und es würde aber doch jeder merken, weil die Schminke mit den Tränen unter den Sonnengläsern rausfließt. Am Auto dann hab ich mich noch mit dem Typen gestritten, weil er uns unbedingt fahren wollte und zwar mit meinem Auto und ich wollte ihn mal definitiv nicht fahren lassen. Er hat dann doch obsiegt, an Einzelheiten kann ich mich nicht mehr erinnern. In der WG hab ich dann meinen Freund angerufen, er soll keine Fragen stellen und sofort kommen. Er wusste irgendwie sofort bescheid. Eine andere gute Freundin mussten wir dann abholen, da sich der Ex-Freund-Typ am Telefon nicht gerade elegant angestellt hatte.


Tragödie zweiter Teil

Alle Übrigbleiber waren nun in der WG versammelt. Ich hab mit unzähligen Anrufen zu kämpfen gehabt. Es schien sich wie ein Lauffeuer in ganz Deutschland zu verbreiten und es schienen alle Freunde von den beiden Jungs bei uns in der WG anzurufen. Was solchene Gerüchte angeht ist unsere Gemeinschaft unerbittlich. Es werden da auch Sachen dazugedichtet und aufgebauscht und aufgebauscht. Wir beschlossen mit einer 1 Liter Flasche Jägermeister zur Isar runter zu gehen, um Abschied zu nehmen. (Feiern ist die erste Wahl gewesen, ist aber in dem Zusammenhang eindeutig das falsche Wort!) Wir haben uns also ein bisschen betrunken, die einen mehr, die anderen weniger, die einen um runter zu kommen und die anderen um es zu ertragen. Wir waren mittlerweile drei heulende Weiber und leicht war es für die Männer wirklich nicht, was aber folgendes nicht entschuldigt. Wir schrieben auf einen Zettel, was uns von den beiden immer in Erinnerung bleiben würde und bastelten ein Boot und schickten es brennend die Isar runter. Dabei schwirrten zwei Fledermäuse über unseren Köpfen herum. Von den beiden Begleitern bewacht schwelgten wir in Erinnerungen.

Jörg hat immer zu mir gesagt: „Bine, wenn du 30 bist und höchstwahrscheinlich immer noch Single, dann heiraten wir beide!“ (Mir war zu dem Zeitpunkt noch nicht bewusst, dass ich meinen 30. Geburtstag unter diesen Vorraussetzungen überhaupt überleben würde. Und mir war auch nicht bewusst, dass ich kurz vor meinem 31. Geburtstag immer noch allein bin und dass mir diese Tatsache, den Jörg auch nicht zurückbringt. Manche Deckel sind einfach für immer fort und kommen nie zurück!) Dann hat er immer davon erzählt, dass ich ihn mal um drei Uhr morgens vergewaltigen wollte und dass kein Mensch der Welt um drei Uhr morgens noch Geschlechtsverkehr haben könne. Und deswegen waren wir wohl auch immer gute Freunde geblieben. Nie zusammen und doch irgendwie Seelenverwandt. Wir haben gestritten wie, als wären wir ein altes Ehepaar und unsere Versöhnungen waren legendär.

Beim Jens kann ich mich nur noch an ein paar Begebenheiten erinnern. „Hey, Schlampe wieviel!“ , „Irrelevant!“ oder „Hey Baby, wie geht dein Rock auf!“ oder „3 Jägermeister für die Damen und ein Glas Milch für den jungen Mann!“ Er liebte die Frauen und Jägermeister und war den Männern immer ein Dorn im Auge. Aber er hat weniger Ohrfeigen eingesteckt, als er wahrscheinlich verdient gehabt hätte. Ich hatte nie was mit ihm, zwei Machos vertragen sich auch nicht wirklich, aber nachdem wir uns ja auch nicht in die Quere gekommen hätten können, haben wir uns geduldet. Ich bin glaube ich, auch die Einzige, die nicht mit ihm gevögelt hat und des ist im nachhinein auch gut so. Und nachdem wir alle eine Orga für Larp-Veranstaltungen waren, haben wir alle irgendwie verdammt viel diskutiert, aber am Ende haben wir dann immer zusammengefunden.

Und dann war alles plötzlich vorbei. Ein Papierschiffchen auf der Isar, es brennt und irgendwann wird es schließlich von den Fluten verschlungen und taucht nie wieder auf.

Die Flasche ist leer und wir gehen, die Männer torkeln, nach Hause. An jeder Kneipe wurde nochmal nachgetankt, ein Doppelter auf Jens und Jörg. Am Ende war es nur noch JJ und ab dem Tegernseer mussten wir die Männer tragen. Und kurz vor der WG musste es plötzlich ganz schnell gehen. Der zukünftige Ex-Freund muss ganz schnell aufs Klo. Die dritte Dame wurde von Bekannten abgeholt und wir waren wieder zu viert in der WG. Zwei Männer sturzbetrunken und zwei Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs.

Tragödie dritter Teil

Eine gefühlte Stunde später ist der Ex-Freund-Typ immer noch auf dem Klo und er gibt seltsame Geräusche von sich und schreit von Zeit zu Zeit: „Helfts ma hoit!“ oder „Bringts ma a Wossa!“

Nach dem mein Freund (Der natürlich mittlerweile auch Ex ist!) zum Rauchen nach unten gehen wollte, aber des Gehens nicht mehr wirklich mächtig war, haben wir ihm das Gehen verboten und ausnahmsweise das Rauchen in der WG erlaubt. Meine Mitbewohnerin ist dann irgendwann ins Bad um nach dem Rechten zu kucken: „Los Weib, bring ma Wasser!“ und sie kam völlig entsetzt wieder aus dem Bad, um in die Küche zu gehen, um Wasser zu holen. (Als hätten wir im Bad nicht genug davon!) Sie kommt aus der Küche mit einem Glas (aus Glas) und stellt auf dem Gang fest, dass sie es nicht gefüllt hatte. Sie rennt zurück und kommt mit einem vollen Glas wieder. Auf dem Gang stellt sie fest, dass ein Glas aus Glas in Verbindung mit einem Strunzbesoffenen vielleicht keine gute Idee wäre. Und geht wieder in die Küche, um einen Becher aus Plastik zu holen, um auf dem Gang wieder festzustellen, dass der Becher leer war. Obwohl das Geschehen echt spaßig anzusehen war, beschloss ich die Szene zu unterbrechen und sagte: „Es ist ja nicht so als hätte wir im Bad kein Wasser!“ Sie überlegt kurz und geht kopfschüttelnd ins Bad. Während des ganzen Geschehen sitze ich übrigens im Gang auf dem Boden, meinen Freund im Schwitzkasten und versuche ihn währendessen zum Rauchen zu zwingen, weil er nachwievor zum Rauchen runter gehen will, weil in der WG herrscht ja Rauchverbot! (Dieses Vorhaben wäre definitiv am Gehen gescheitert!)

Währendessen im Bad, der Typ hatte sich das Wasser mit samt dem Becher über die Schulter gekippt und nach dem er zwischen Waschmaschine, Heizung und Klo (nebst Mülleimer!) eingeklemmt war, war es unmöglich an den Becher zu kommen und meine Mitbewohnerin rennt wieder aus dem Bad, an mir vorbei in die Küche, um erneut einen Becher (aus Plasik) zu holen. Das ging dem Typ zu langsam und er beschloss, währendessen aus der Toilette zu trinken (In die er vorher gekotzt hatte!) Meine Mitbewohnerin kommt mit einem neuen vollen Becher wieder ins Bad, lässt ihn vor Schreck fallen und drückt schnell die Spülung. Dabei hätte sie den (mittlerweile noch mehr zum Exfreund tendierenden) Typ beinahe ertränkt.

Diese Szenerie wiederholte sich mehrmals. Es war irgendwie surrealskurril tragischkomisch und ich kam mir vor, als würde ich irgendwie gar nicht da sein und nur im Raum schwebend das Ganze beobachten. Nach einer Weile wurde er immer ausfälliger und sie immer hysterischer. Irgendwann waren beide still, sie hatte am Ende ihres letzten Nervenzusammenbruchs keine Kraft mehr und er konnte wohl auch noch nicht mal mehr kotzen. Ich schleifte meinen Freund ins Bett und beschloss den Notarzt anzurufen. Der Ex-Freund-Typ hatte auch nichts mehr dagegen.

Tragödie vierter Teil

Von weiten höre ich die Sirenen, während ich den Puls suche. Dann hörte ich quietschende Reifen, ein Klingeln, den Türsummer und dann ein ohrenbetäubendes Getöse. „WO MÜSS MA DENN HIN?“ Nach oben, schrie ich, und bitte ein bisschen leiser dachte ich, es ist gefühlte 4 Uhr morgens und wir sind erst gefühlte 4 Wochen in der Wohnung und dann so was. Endlich waren die 3 Sanis oben bei uns angekommen und dann kam die nächste Szenerie. Drei Personen versuchen eine Person aus dem viel zu kleinen Raum zwischen Waschmaschine, Heizung und Toilette (incl. Dem Mülleimer) zu befreien. Nebenbei stellten sie Fragen auf die entweder ich oder meine Mitbewohnerin völlig überzogen hysterisch antworteten.

Einer schrie den Patienten immer beim Namen und hatte dabei sein Gesicht direkt vor seinem. Der andere stand in der Badewanne und meinte: „Wohnt der auch hier?“

Wir: „NEIEN!“

Die weibliche Sani folgte in die Wanne, während der Sani aus der Wann auf den Toilettenrand wechselte.

„Was zum Teufel habt ihr dem gegeben!“

Wir: „Jägermeister!“

Der dritte Sani wechselte vom Boden auf die Waschmaschine, um sich selbst als Hebel zu benützen. Nach eine halben Ewigkeit hatten sie den Patienten aus der liegenden in eine hängende Position gebracht und schleiften ihn zum Badewannenrand. Dann baten sie nach Eiswürfel und nach einem Stuhl. Sehr gut, dann hatten wir wenigstens auch etwas zu tun.

An alle Einzelheiten kann ich mich nicht mehr erinnern, aber der Ex-Freund-Typ hatte seine Krankenkassenkarte natürlich nicht dabei. Und des erstaunliche dabei war, dass er in seinem Zustand noch den vollständigen Namen und das vollständige Geburtsdatum seines Vaters rezitieren konnte. Des hätte ich nicht mal im nüchternen Zustand geschafft.

Die Sanis entschlossen sich den Patienten mitzunehmen und es sollte eine von uns mitkommen. Und dafür hasst meine Mitbewohnerin ihren Ex bis heute. Die 3 Sanis rückten mit den Beiden ab und ließen mich allein mit dem anderen zukünftigen Ex in der WG zurück. Ich beschloss das Bad lieber gleich zu putzen, weil morgen würde man die Spagettibröckchen nicht mehr wegkriegen.

Tragödie fünfter Akt

Am nächsten Morgen war meine Mitbewohnerin wieder da und berichtete vom Krankenhaus. Im Krankenhaus angekommen, wurde dem Patienten der Magen ausgepumpt, nachdem er auf den Tropf nicht wirklich reagiert hat. Später kam dann der Oberarzt zu meiner Mitbewohnerin und fragte sie welche Drogen der Patient denn genommen hätte. Sie versicherte dem Oberarzt unter Tränen, dass es nur Jägermeister gewesen sei. Und Drogen würde er doch nicht nehmen, er komme ja vom Land und so. Der Arzt wollte dann schon genauer wissen, warum wir uns dermaßen mit Jägermeister bepichelt haben, weil der Patient ganz komische Herztöne hat, dabei bekam sie ihren nächsten und vorerst letzten Nervenzusammenbruch, da der Oberarzt ihr dann auch gleich noch Drogen verabreicht hat. Warum der Ex-Typ nun komische Herztöne hat und ob so was tatsächlich Jägermeister kommen kann, konnte in der Klinik nicht geklärt werden, aber er musste über die restliche Nacht im Krankenhaus bleiben. Meine Mitbewohnerin wurde dann von ihren Eltern in die WG gebracht, und da saßen wir nun und harrten der Dinge, die da noch auf uns zukommen würde. Schlimmer kann es ja nicht mehr werden…

Tragödie sechster Teil

Es klingelt an der Tür und die Freundin vom gestrigen Abend stand vor der Tür und meinte, sie hätte etwas für uns mitgebracht. Der Ex-Freund-Typ-Patient. Er hatte sich wohl nicht getraut, bei uns in der WG anzurufen, was im Nachhinein auch total verständlich war, aber wir hatten uns ja auch überhaupt keine Sorgen gemacht. Ich hab die Reste vom Tag zuvor zu einem Auflauf verarbeitet und der Ex-Freund-Typ-Patient musste abspülen. Das Essen sah genau so aus, wie des Zeug, was ich gestern im Bad zusammengewischt habe und nach dem ich dies wohl laut ausgesprochen hatte, wollte der Ex-Freund-Typ-Patient irgendwie gar nichts mehr essen. Und zum Spülen war irgendwie auch nicht sie wirklich fähig. Wir sind dann in den Wildpark Poing gefahren und er musste zu Strafe zuhause bleiben und sich Zeichentrickfilme anschauen.

Die moralische Aufklärung und des Rätsels Lösung:

In den nächsten Wochen sollten wir wenig Zeit haben, um über die Geschehnisse in dieser denkwürdigen Nacht nachzudenken. Aber irgendwann nach den beiden Beerdigungen, als dann auch wieder ein bisschen Ruhe eingekehrt ist, saßen wir 3 Mädels von der WG in der Küche und ratschten oder lästerten über Gott und die Welt. Bis eine der beiden fragte, wann wir des letzte mal des Bad geputzt hätten. Da hatte ich getan, nachdem dieser mittlerweile endgültig Ex-Freund von der anderen Mitbewohnerin vom Krankenwagen abgeholt worden ist. Dann fragte sie mich, wo denn unser Klostein hinverschwunden wäre. Ich hatte keine Ahnung, die Halterung hatte der Typ, beim Kopf in die Kloschüssel stecken, wohl runter gerissen. Ich habe sie beim Putzen dann entsorgt, weil er sie auch noch kaputt gemacht hatte. Einen Klostein hätte ich dabei aber nicht gesehen. Dann schaute sie uns voller Verwunderung an und fragte uns, wie bescheuert wir eigentlich wären. Wir checkten überhaupt nicht was sie meinte. Dann sagte sie: „Was meint Ihr denn, warum der Typ so komische Herztöne hatte?“ Wir checkten immer noch nichts. Der Typ hat wohl beim Kotzen den Klostein runter gerissen, der ist dann ins Klo gefallen, dann hat er beim Luft holen die Halterung ohne den Klostein neben das Klo geschmissen! Da wo ich sie dann auch gefunden habe. Und im Klo hat sich der Klostein dann aufgelöst! Und was hat des jetzt mit den Herztönen zutun? Als er das Wasser aus der Toilette getrunken hat, hat er den Klostein quasi in flüssiger Form mitgetrunken. Als unsere Mitbewohnerin völlig geistesgegenwärtig die Klospülung gedrückt hat, hat sie ihm höchstwahrscheinlich das Leben gerettet, weil sie das restliche Zeug mit runter gespült hat. Auch wenn er bei der Aktion beinahe Ertrunken wäre, hat es ihm wohl echt das Leben gerettet.

So und jetzt fragt ihr euch hoffentlich nicht mehr, warum an meiner Toilette steht. BITTE NICHT AUS DER TOILETTE TRINKEN! BITTE NICHT AM KLOSTEIN LECKEN!

Immer wenn ich an den Tod von Jens und Jörg denke, bin ich natürlich immer traurig, einmal mehr, einmal weniger, auch wenn es jetzt 4,5 Jahre her ist, traurig bin ich trotzdem noch. Aber immer wenn ich an den Klostein denke, kugle ich mich vor lachen auf dem Boden. So hat der Schaden eines anderen mir über eine schwere Zeit immer viel Spaß bereitet. Danke!

Zombies sind die besseren Menschen

Zombies sind die besseren Menschen (Damien Fright Back)
Ich bin besonders gut drauf, bin weniger deprimieret und heule nicht mehr bei jeder Telekom-Werbung. Ich habe die schleichende Mutation zum totalen Mauerblümchen zum Glück aufgehalten. (Habe in dieser Woche auch schließlich einen Schmetterling aus der Tiefgarage gerettet!) Ich bin zwar immer noch erschreckenderweise ganz schön konservativ und halte immer noch ständig Moralpredigten. Ich glaube langsam ich bin die Einzige die eine gesunde moralische Einstellung hat. Außer Sex vor der Ehe natürlich, des ist ja auch wirklich überholt. Ansonsten bin ich halt ein Spießer, aber irgendwie muss ich auch mal ein bisschen komisch sein. Ich werd auch nur noch bei Betrunkenen und bei Nazis so richtig aggressiv, aber ansonsten geht’s mir eigentlich erschreckend gut.
Es ist schon schon 14 Tage her und ich hab schon voll des schlechte Gewissen, dass ich nicht gleich immer alles niederschreiben kann, weil ich mit dem Conbericht von Darkland solange gebraucht habe. Aber eigentlich ist es auch gut so, weil es zeugt dann doch noch davon, dass ich irgendwie zwischendrin auch mal Privatleben habe. Also Mittwoch vor 2 Wochen hab ich mitten in der Nacht ne SMS bekommen, gut ich war noch in Schwabing unterwegs, Privatleben eben!
Text der SMS: ‚Hey bine! Am we schon was vor? Könnt hilfe brauchen für n musikvideo hier in paf im bunker ein paar zombies zu schminken. Meld dich wenn du lust hast*‘
Die Handynummer war meinem Handy nicht bekannt, also mir zwangsläufig auch nicht. Also, die Person muss mich kennen, weil Bine richtig geschrieben war, wenn sich da wiedermal ein ‚ie‘ sich eingeschlichen hätte, hätte ich bestimmt auch nicht zurückgeschrieben. Dann hab ich überlegt, wer zum Teufel dreht in PAF (Pfaffenhofen) Zombie-Musik-Videos. Das Argument, dass derjenige ja schließlich meine Nummer hat, ist auch nicht wirklich kein Argument, weil meine Nummer hat eh irgendwie jeder, anrufen tut mich natürlich keiner, aber hauptsach ich bin in jedem LarperHandy gespeichert. (Unter: Die rothaarige vom letzten Con, Anrufen wenn ich 18 bin, Con-Notdienst, Schminke, Ork-SL und natürlich Callabutterfly und Bine mit und ohne ie)
Ich antworte also: ‚Moe?‘
‚Genau. Hätt ich dazu schreiben sollen…‘
Nun gut, ich fahr also am Freitag meine neue historische Kopfbedeckung in Neuburg abholen und beim Rückweg gurke dann mit meinem letzten Sprit im Tank und Barschaffen von einem Euro in Kleingeld und 50 Cent in Pfandflaschen nach PAF, was auch ganz gut war, vorallem für den Dreh, ich konnte ja nicht einfach wieder fahren, bis ich den 10er (des ist ein absoluter Freundschaftspreis) für die verbrauchte Schminke gekriegt habe.
Und für des, dass des Wochenende bestimmt ganz schön öd geworden wäre, wenn ich zuhause geblieben wäre und mir wieder zwangsweise Liebesfilme und Telekomwerbungen reingezogen hätte, war die Option ‚Zomie-Videodreh im Bunker‘ echt die beste Entscheidung in der Situation. Jeden Tag eine gute Tat, völlig uneigennützig natürlich. Ob ich bei dem Dreh den Mann meines Lebens finde?
Mit den Zombies hatte ich echt eine riesen Gaudi, wir haben literweise Kunstblut verbritschelt, ausnahmsweise nicht nur auf mir, sondern auf allen und überall, diesmal muss ich ja nicht putzen.
(Nicht so wie damals beim Videodreh von Echolyne, wo ich die Nasszelle vom Kitty putzen musste. Da hab ich vor dem Dreh geputzt, damit wir auch unser Model in die Wanne setzen konnten und nach dem Dreh nochmal, weil wir alles mit Kunstblut eingesaut hatten. Wie gut dass ich immer jede Menge Gummihandschuhe dabei habe. Und die Nasszelle vom Kitty, war bestimmt noch nie so sauber, wie nach dem Echolyne-Dreh…war auch seit dem nie wieder im Keller vom Kitty, wenn Betrieb ist, dann trau ich mich da nämlich nicht runter. Schade, eigentlich, da unten ist auch die kleine Gefängniszelle [Ich nenne sie liebevoll U-Boot-Zelle!] und dieser Barkeeper [Schade eigentlich, ich zensiere meine eigenen Gedanken])
Ich war bei den Zombies stehengeblieben, ich bin auch gar nicht überrascht, dass meine Zombies total geil drauf sind und sich Kunstblut übers Haupthaar kippen und und sich Laub ins Haar zu stecken. Einige haben sich im Dreck wälzen, um authentischer auszusehen. (Solche NSC..s hätte ich gerne mal wieder auf Con!) Dann ist mir aufgefallen, dass meine Gehirnaktivität nach steigender Zahl der fertig geschminkten Zombies immer mehr abnimmt. Es ist auch keine Wunder, wenn ständig 5 bis 10 völlig überdrehte Zombies um einen rum springen, wir eine Schminkerin mit einer Latexallergie haben und einen Applausmacher, der mich die ganze Zeit nervt und meine Zombies interviewt, während ich sie versuche zu schminken. Des ist Schminken unter erschwerten Bedingungen, mit dem Mikro der Kamera im Ohr und einem Applausmacher, der einem noch in den Schminkschwamm kriecht, währenddessen man schminkt. Dann hat er die ganze Zeit behauptet, die Zombies wären Dämonen, da mussten wie ihn erstmal aufklären, was der Unterschied zwischen Zombies und Dämonen ist. Also steuerte irgendwann das ganze Schminkteam auch schon total bescheuert durch die Gegend.
Die Idee Kunstblut mit Gelantine zu mischen, ist immer noch eine ziemlich geile Idee, obwohl sich das Kunstblutgelantinegemisch bei Körperwärme langsam auflöst und es läuft und läuft und läuft. (Vorallem, wenn die fertig geschminkten sich an Feuer setzen um sich zu wärmen!)
Ich muss unbedingt meine Mutter fragen, ob es einen Hausfrauentipp gibt, für wenn man einen Erdbeerkuchen mit Gelantine in die Sonne stellen will, so dass die Erdbeeren nicht mit samt der Gelantine über den Tisch schwimmen. (Und genauso sehen meine Zombies jetzt aus!)
Merke: Erstmal Zombiefilme nur im Winter (Im Winter gibt es auch keine Wepsen, die stehen nämlich total auf Kunstblut!) drehen und scheiß auf die Gesundheit der Darsteller, wenn sie des nicht aushalten, wären sie keine Zombies geworden. Und für die Authentizität der Zombiedarstellung, ein Zombie muss halbnackt sein und ein Zombie kennt keine Kälte, er zittert nur, weil er seine Gliedmaßen nicht mehr unter Kontrolle hat. Und stelle deinen Zombie NIE ans Feuer, damit er nicht friert. Böser Fehler!
Aber Haarspray drauf und kurz anföhnen, des hat komischerweise eigentlich ganz gut gehalten. Erdbeerkuchen mit Haarspray, hm blöde Idee!
Nach Stunden des Rumsandelns wurden dann auch endlich mal Zombieszenen gedreht. Wir konnten auch endlich in den Bunker, wie geil!
Ich muss mich jetzt beim Schwärmen zurückhalten, weil wir kriegen den Bunker eh nicht für irgendeinen Rollenspielunsinn. Also genieße ich die Zeit, die ich im Bunker verbringen darf. Irgendwann ist dann auch mir aufgefallen, dass da so ein Zombie hinter mir her ist und irgendwoher kenne ich den auch. Aber nachdem ich denjenigen nicht selber geschminkt habe, fällt es mir einfach nicht ein woher. Der Zombie ist auch schon ein bisschen angetrunken und ein wenig nervig. Aber nachdem wir uns ja anscheinend kennen, bin ich mal ganz nett und lass mich nerven, es könnte ja sein, dass unter der Schminke und dem Kunstblut mein Traummann steckt. Er hat mir auch irgendwann eindeutig Angebote gemacht, die eigentlich auch echt verlockend waren. Aber nachdem ich gerade meine Pille abgesetzt habe, komme ich mir vor wie eine 16jährige, die nicht weiß wo Papa seine Kondome versteckt hat. Gut, ne echt untervögelte 16jährige! Die Fantasie überkommt mich wieder und ich überlege, ob ich den Partyboy einfach irgendwo in einen entlegenen Raum im Bunker entführe und ihn einfach vergewaltige. Aber nachdem die Kinder von der Vroni zu diesem Zeitpunkt den Bunker unsicher gemacht haben, hätte die uns bestimmt erwischt und die Vroni hätte mich bestimmt alle gemacht. Der Partyboy ist dann aber wegen überhöhtem Alkoholgenuss leider durchgefallen. Bin dann mit Zombieresten an den Fingern allein ins Bett, war eigentlich auch ganz gut so, weil mir am nächsten Tag auch eingefallen ist, woher ich den Typen kenne. Ab und zu ist meine Alkoholallergie schon von Vorteil.
Am nächsten Tag, war mein Hirnstatus auf Zombie, nach langen hin und her, waren wir wieder am Drehort, mit dem ganzen Schminkzeug. Es wurden noch einige
Szenen gedreht und natürlich auch mit Zombies. Nachdem nur noch 3 Zombies gebraucht wurden, schminkte ich mich kurzerhand auch als Zombie, wir waren dann zwar 4 Zombies, aber ein absolutes Dreamteam. Bis wir dann endlich dran waren, haben wir uns literweise Kunstblut drübergebechert. Und von Becher zu Becher haben wir mehr nach richtigen Zombies ausgeschaut. Kunstblut macht anscheinend auch total bescheuert. Wie man an den Fotos (bei meinen Fotoalben) unschwer erkennen kann. Irgendwann kam der Partyboy um sein Auto abzuholen, er gab uns leider keine Zeit, ihm mal die Meinung zu geigen. Er hat irgendwie so ausgesehen als hätte er tierische Kopfschmerzen. Schade dass der Dreh schon fast vorbei ist, aber zumindest hätten wir ihn gar nicht schminken müssen. Des wars mal wieder mit, verficken will muss freundlich sein, warum schreibt man nicht auf Postkarten, wer ficken will, muss nüchtern sein? Und dann wundert ihr euch noch, warum ich so oft garstig bin. Mir geht es einfach auf den Keks, was sie die meisten Männer rausnehmen. Aus den Augen aus dem Sinn, ich mach es jetzt so wie die Männer, der Partyboy ist weg und die Zombieparty beginnt. Oh, mein Gott, so gut war ich schon seit langen nicht mehr drauf. Wir sind quasi nicht mehr zu stoppen, auch wenn schon gar nicht mehr gedreht wird. Und die meisten Fotos wurden nach dem Dreh gemacht, so ein Zombieshooting gibt’s nicht alle Tage. Habe die Idee einen Zombieporno zu drehen nicht vergessen, aber vorerst hintenangestellt. Es ist noch viel zu tun…
Danke an Vroni (+Familie) und Moe (+Familie) für das schöne Wochenende.
Bine
P.S. Ob ich der Pharma-Industrie mal vorschlagen soll, dass Zombies gut gegen Depressionen sind.

In Freising an am See

In Freising an am See
Ich war in Freising an am See auf am Markt und muss die ganze Zeit an das Lied von Willy Astor denken. Seehaus in the Freising Sun. Die Sonne scheint wo anders, aber nicht in Freising an am See. Irgendwie ist der Markt am Freitag und Samstag nicht nur wenig bis gar nicht besucht, das Wetter ist nicht nur äußerst bescheiden, es schifft aus Eimern. Irgendwie hat es sich dieses Jahr eingeregnet. Das kann ja eine heitere Saison werden. Zum Glück haben Freitag und Samstag Nacht einen Zubertermin gebucht und die Zubercrew kenne ich auch noch ziemlich gut. Also bin ich trotz des Wetters guter Dinge. Ich feiere irgendwie, dass ich mir ein so tolles Auto gekauft habe, ich werde an diesem Markt wohl im Auto schlafen müssen, weil auf dem Marktgelände alle total aneinandergebatzt sind und für die Schlafplätze der Standhilfen kein Platz mehr ist. Ich verlaufe ich mich auf der Wiese auch die ganze Zeit, weil der Markt ein wenig unübersichtlich aufgebaut worden ist, mir fehlt es irgendwie am nötigen System. Aber es geht nicht nur mir so, irgendwie verlaufen sich ziemlich viele Leute. Hm. Endlich ist es Nacht und wir gehen mit unserer üblichen Zubergesellschaft in den Zuber. Bis auf die pöbelnden Barbaren vor dem Zuber ist es ganz spaßig. Noch während unserem Zubertermin wandere ich in den Zuber der Zubercrew ab. Wir singen bis um ca. 3.00 Uhr der Veranstalter vorbeikommt und sich gar nicht wundert, dass ich auch in dem Lärmzuber sitze. Dabei bin ich immer die Bravste von allen auf dem Markt. Später musste ich auch noch Erste Hilfe leisten, wegen zuviel Alkohol im Zuber. Bin dann so zwischen 5 und 6 Uhr morgens, ziemlich sauber, völlig nüchtern, aber verschrumpelt ins Auto gefallen. Am nächsten Tag kam das Gerücht auf, ich wäre ja bis um 3 Uhr morgens sturzbetrunken im Zuber gewesen beim Feiern. Naja, wenn Gerüchte, dann bitte mit maßlosen Übertreibungen. Aber mit Untertreibungen, die noch dazu nichtmal annähernd den Tatsachen entsprechen, des ist unter meiner Würde. Der Tag war ziemlich nass von oben und kalt von unten und wie gesagt, es waren keine Gäste da. Man hätte mal wieder einen Stein durch den Markt werfen können und man hätte keinen potentiellen Kunden getroffen. Die Stimmung ist am Boden. Das einzige Highlight waren die Johanniter. Der Priester meines Vertrauens, wollte mich zuerst als Hexe verbrennen, bis ihm dann meine Hurenbänder ins Auge gesprungen sind. Er schrie laut: ‚Sie ist eine Hure und eine Hexe!‘ Ich himmelte ihn nur an und meinte: ‚Aber Hochwürden, ihr wisst doch, dass ich eine Hure bin. Ich war doch erst gestern bei euch.‘ Ich lud ihn dann ein, mir heute Abend im Zuber die Beichte abzunehmen. Abends geht es dann wieder in den Zuber. Ich lerne den Retter meines Schwagers kennen. Meine Schwester und Mann waren von ein paar Wochen in Dunkeldeutschland auf einem Markt und da hat sich meine Schwager alias der Marktgraf von Brandenburg und der Veranstalter unfreiwillig mit einer Horde Nazis angelegt. Beide waren Rücken an Rücken in Ordensklamotte von Nazis umgeben und hatten mit ihrem Leben schon abgeschlossen, während meine Schwester erst die Kinder in Sicherheit gebracht und dann die Wikinger zur Hilfe geholt hatte. Nachdem die Wikinger gefragt hatten ob es ein Problem gäbe, haben sich die Nazis dann doch (schlauerweise) vom Acker gemacht. Wie bescheuert kann man eigentlich sein, dass man sich mit Teilnehmern eines Mittelaltermarkte anlegt. Bei diesem Hobby hat jeder zumindest ein Schwert oder eine Axt am Mann und sie können alle damit umgehen. Obwohl die Wikinger keine Waffen brauchen, die schauen auch ohne ganz schön bedrohlich aus. Einer der Wikinger stand den ganzen Abend neben dem Zuber und hat sich mit uns unterhalten. Irgendwie war des ganz lustig, obwohl mein Priester nicht zur Beichte gekommen ist. Schade eigentlich, aber das hätte die Gemüter nur wieder unnötig öffentlich erregt. Ich bin dann irgendwann freiwillig ins Bett. Allein!
Zum Frühstück gab es bei den Herren Spare Rips und ich hätte echt Kotzen können. Stefan vom Zuber klärte uns über den Flugzeugabsturz auf und was für Wetten die Mechaniker am Flughafen abgeschlossen haben.
Nachdem alle Sicherheitsapparaturen, von dem die Blackbox nur eine wäre, beim Auftreffen auf das Wasser zum Senden beginnen, muss es die Maschine in ziemlich viele kleine Einzelteile zerlegt haben, dass sogar die Blackbox kaputt geht. Die übrigens nicht einfach so kaputt gehen kann. Da muss man schon eine riesige Bombe zünden.
Also auf der Hitliste der möglichen Ursachen stehen.
Erstens, die Aliens. Zweitens die Amerikaner, die mal einen Moment nicht auf ihren Tarnkappenbomber aufgepasst haben. Drittens, die Aliens. Und viertens, irgendwelche Terroristen, die eine riesige Bombe ins Flugzeug geschmuggelt haben und sie dann völlig unbemerkt gezündet haben. Fünftens, die Aliens. Den sehr informativen Vormittag beendeten wir und machten uns an die Arbeit. Heute sind alle Gäste da, die die letzten zwei Tag nicht da waren. Es ist quasi die Hölle los. Wo wir gerade bei Hölle sind, die Johanniter wollen mich schon wieder als Hexe verbrennen. Ich beschwere mich lautstark, das der Priester nicht zu seiner Beichte im Zuber gekommen ist. Mein Vorgesetzter steht neben mir. Wie peinlich. Im Vergleich zu den Templern sind mir die Johanniter wesentlich lieber, die sind mir wenigstens verbal gewachsen. Sie müssen nur endlich mal wahrhaben wollen, dass sie mich wirklich hart rannehmen dürfen. Wohingegen die Templer nur immer leise mit vorgehaltener Hand ‚Hexe‘ husten oder niesen. Naja, als Hexe hat Frau es schon immer nicht leicht gehabt. Und Hexenverbrennung will echt gelernt sein. Ein Inquisitionsverhör würde mein Rollenspielerherz wirklich höher schlagen lassen, aber davon kann ich ja wohl noch bis zum St. Nimmerleinstag hoffen.
Der Tag endet mit einem großen Knall, ein Gewitter. Diesmal ohne fliegende Stände, aber dafür mit total viel Regen. Im strömenden Regen bauen wir ab und ich fahre platschnass heim. Ich bin ziemlich froh, mein Zelt nicht aufgebaut zu haben. Als ich zuhause ankomme, hatte es aufgehört zu regnen. Somit konnte ich meine nassen Sachen trocken in Haus bringen. Hm.

Meine Mimose

Meine Mimose (Mai 2009)

Einen Tag vor Muttertag verschlägt es auch mich zu einem Pflanzenfachmarkt. Ich latsche so zwischen den zahllosen Regalen und kann mich zwischen Rosen und Orchideen nicht entscheiden. Da fällt mir ein kleines zitterndes Etwas ins Auge. Eine schamhafte Sinnpflanze. Die erste vegetarische Zicke der Welt und meine neue Mimose. Diese Pflanze ist ein kleines devotes Drecksstück, sie will quasi gequält werden, weil egal ob man sie anfassen will oder auch nur ein bisschen schüttelt, zuckt sie zurück und spielt ihr einziges Spiel, das Spiel des Mauerblümchens. Selbst wenn man sie anhaucht, mimost sie rum. Sogar beim Gießen kriegt sie die Krise. Ich dachte schon ich wäre empfindlich. Mein Mimöschen ist echt der Gipfel der Empfindlichkeit. Und zuviel darf die kleine Schlampe auch nicht gequält werden, weil sie sonst eingeht. Hm. Jetzt ist die Sonne weg, sie legt sämtliche Blätter an und es wird sich wohl bis morgen nichts mehr tun. Jetzt machst nicht einmal mehr Spaß sie zu quälen, weil sie nicht mehr mitspielen will. Blöde Mimose. Meine Mimose


Auferstanden aus Ruinen

Sex in the WG – Auferstanden aus Ruinen – Gibt es die Liebe oder ist alles nur Begierde? vom 24.10.05

Die Frage aller Fragen, in unzähligen Berichten, Büchern und Filmen erörtert, erforscht und bis ins kleinste auseinander dividiert. Und am Ende glauben wir auch nur verstanden zu haben, was Liebe ist und wie sich Liebe an fühlt. Aber wissen wir es wirklich? Können wir mit Sicherheit sagen, was die Liebe ist und füllt sich die überhaupt an? Wie oft passiert einem die Liebe? Und wenn man die Hoffnung aufgegeben hat, den Glauben an die Liebe verloren hat, hat man ein Chance sie wieder zu finden? Oder ist das Kontingent an Liebesdingen, die man in einem Leben haben kann, dann schon verbraucht? Mann oder Frau könnte da jetzt noch viele viele Fragen stellen und nach Antworten suchen, aber werden wir es je wissen: Gibt es die Liebe wirklich oder ist alles nur Begierde? Oder wird aus Begierde gar Liebe?
Um die Fragen beantworten zu können, beginne ich erstmal damit alle Berichte und Bücher, die sich um dieses Thema drehen, weg zuschmeißen und schalte den Fernseher und Radio aus.
Dann sinniere ich wie so oft, über das Thema Liebe nach, zähle alle Möglichkeiten, wo ich in Verbindung mit Liebe gekommen bin, auf. Mache einen Zeitstrahl, beginne Formeln aufzustellen. Hole in einer verzweifelten Aktion die Bücher und Berichte wieder hervor. Lasse alle Filmberichte, die ich je zu diesem Thema gesehen habe, vor meinem geistigen Auge wieder und wieder abspielen. Schlafe irgendwann erschöpft ein um am nächsten morgen mit dem Gedanken aufzuwachen. ‚Ich bin alleine in meinem Bett!‘ Aber es wird jetzt auch nicht auf die Schnelle der Traumprinz in meine Wohnung einbrechen. Auf dem Weg ins Bad stelle ich fest, dass ich über Nacht vergessen habe die Türe abzusperren, lässt mich weiter hoffen und ich sehe nochmal im Seitenspeicher nach, ob sich nicht doch wenigstens ein klitzekleiner Psychopath versteckt hat. Habe natürlich niemanden gefunden und ich komme dann doch zu dem Entschluss: ‚Ich bin allein und die Liebe gibt es gar nicht!‘ Ein sehr einfacher Gedanke, der für einen Moment sogar ein bisschen glücklich macht. Aber auf Dauer ist allein auch nicht richtig. Und ich erinnere mich wieder an ein Filmzitat: ‚Wenn ein Oktopus zulange alleine ist, dann beginnt er sich in der Verzweiflung an seiner Einsamkeit seine ‚Beine‘ ab zubeißen.‘ Gut, jetzt fällt mir auch wieder ein, warum das Borderline-Syndrom mittlerweile eine Volkskrankheit bei Jugendlichen bis 30 ist. Mit dem Gedanken ‚Selbstverstümmelung ist immer doch strafbar, Sex mit Tieren aber nicht‘, schmeiße ich die Bücher und Berichte erneut weg. Dann denke ich über den Begriff Jugendliche bis 30 nach und ich stelle erschreckend fest, dass ich noch 2 Jahre habe, um bei meiner Gewerkschaft nicht mehr als Jugendlicher zu gelten, nachdem ich vor 2 Jahren wegen Alter bei der Jugendvertretung nicht wieder gewählt werden konnte. Die biologische Uhr tickt und die Zeit läuft. Bloß wo kriege ich jetzt so schnell ein Kind her, damit ich wenigstens auf meine Brüste eine Zeit stolz sein kann, bis sie dann unwiderruflicher Weise dem Gesetz der Schwerkraft nachgeben werden….
Schreiend schrecke ich aus dem Schlaf, ich bin allein und meine Brüste sind so, wie die gestern waren bevor ich eingeschlafen bin. Sicherheitshalber sehe ich im Seitenspeicher nach. Kein Psychopath, der DVD-Player und die DVDs und Omas Schmuck sind noch noch da. Also auch kein Einbrecher, der Zufällig aussieht, wie eine Mischung aus Brad Pitt und Vin Diesel….So ein Mist!
Ich erinnere mich selbst wieder daran, dass ich eigentlich schon wach war und dass ich gestern mit meiner sinnlosen Wissenschaft auch nicht mehr Wissen geschafft habe. Nur die Erkenntnis: ‚Ich bin allein …äh… und leicht paranoid!‘ Die Liebe gibt es oder nicht?! Genau kann man des nicht sagen. Aber eines weiß ich genau, das die Wörter: ‚Ich liebe Dich!‘ irgendwie immer einen leicht unehrlichen Touch haben. Weil wenn es die Liebe wirklich geben würde, warum beharren wir immer so auf diesen Satz und warum ist dieser Satz überall allgegenwärtig. Nachdem man diesen Satz aber leider in viel zu vielen Fällen leichtfertig gesagt bekommen hat oder es irgendwie erzwungen bekommen hat. Im Erzwingen von Dingen sind wir Frauen ja leider ungeschlagene Weltmeister. Weil wenn man es selbst sagt, kriegt man entweder die entsprechende Antwort ob ehrlich oder nicht oder ein teures Geschenk. Und wenn man es gesagt bekommt, muss man ja auch etwas möglichst Richtiges antworten.
Also kann man eigentlich sagen, dass Männer es meistens nicht sagen können oder wollen und Frauen es auch nur ahnen und die Gier nach dem Angenehmen, Beständigen und der Sicherheit leider meist die Oberhand gewinnt. Also gibt es die Liebe nicht?
Aber wenn es die Liebe nicht gibt, warum bindet man sich immer wieder mit unehrlichen Menschen, weil man selbst unehrlich ist oder weil es am Ende doch nur Begierde ist.
Wenn ich sage: ‚Ich begehre dich!‘ dann ist es immer ehrlich echt, hat zwar dann meistens sexuelle Handlungen zur Folge. Ist zwar auch irgendwie ganz schön berechnend aber Begierde können selbst Frauen nicht vortäuschen.
Ist Liebe gleich Begierde, oder kann aus Begierde Liebe werden? Ist Begierde gerade das Falsche und wird nie Liebe, weil sich die Beziehung eh nur im Bett abspielt. Aber geht es bei der Liebe nicht genau um das? Ist Sex nicht die schönste Nebensache der Welt? Wir haben da doch alle Spaß daran, oder?
Das sind wieder Fragen über Fragen, aber jeder Topf findet einen Deckel heißt es ja, also Hoffnung aufgeben völlig sinnlos. Aber wenn man nur einmal in seinem Leben, seinen Traummann kriegen kann, also sofern es die Liebe des Lebens gibt, die es ja nicht gibt, weil es ja eigentlich immer Begierde ist….so denken Frauen… da steige selbst ich nicht mehr dahinter. Also wenn es nur einen Deckel für meinen Topf gibt. Was sagt mir jetzt, dass ich den nicht schon längst zum Teufel geschickt habe? Oder dass nicht vielleicht eine andere nur den falschen hat und beide haben es noch nicht geschnallt. Oder wenn es aber mein Deckel ist und ich bin aber nicht sein Topf. Der Deckel liegt vielleicht im Koma oder ist schon lange tot, gibt es dann einen anderen Deckel? Einen ‚richtiger Deckelersatz‘! Passt der dann überhaupt? Ich sollte mich bei WMF bewerben. Aber erklären kann mir des wahrscheinlich eh keiner, auch wenn ich mich des Öfteren in der Geschirrabteilung beim Hertie herumtreibe, hätte ich mir lieber einen Taschenrechner kaufen sollen.
Weil wenn jeder Topf einen Deckel findet, warum gibt es dann mehr Töpfe als Deckel. Baut man bei diesen Sinnspruch regional bedingt auf Vielweiberei oder oder auf katholische Frauenklöster, oder soll heut zu Tage einfach jede 5. Frau lesbisch werden? Die Rechnung geht irgendwie nie ganz auf, weil es gibt ja auch bei Männern Homosexualität. Aber selbst wenn jede 4. Frau lesbisch wird, bin ich mit der Rechnung nicht ganz glücklich. Wenn ich jetzt die Frauen durch zähle, dann muss entweder meine Mitbewohnerin lesbisch werden, oder wenn ich meinen Hund nicht mit zähle, dann wird’s meine beste Freundin. Und wenn meine Schwester endlich mit ihrem Freund Schluss macht, muss ich lesbisch werden oder meine Schwester. Und alles das nur um das Gleichgewicht aufrecht zu erhalten.
Und dazu gibt die Sex-Toys-Industrie noch ihr Bestes dazu: Der Frau ihr bester Freund „Paulchen“ Ein Vibrator namens Paulchen, für 64,40 Euro bei einem namenhaften Sex-Discounter.

Mit dem Gedanken das lesbische Beziehungen bestimmt viel schwieriger sind, wie Hetero-Lebensgemeinschaften. Weil zwei Zicken auf einem Haufen, mit einem Vibrator namens Paulchen. Es passen ja zwei Töpfe nicht immer genau aufeinander, und ein Deckel hat immer ein Luftloch, wo der Dampf abziehen kann, das kann doch nicht gut gehen, oder?
Bleiben wir mal bei den Töpfen und Deckeln, der Sinnspruch ist eigentlich doch nicht so blöd. Damals als man den Erfunden hat, ist jede 5. Frau sowie so im Kindsbett gestorben und die Schwulen waren verboten und / oder in katholischen Männerklostern eingesperrt.
Es gibt mehr Fragen als Anworten! Also Sinnsprüche mit den ganzen Büchern und Berichten und den eigenen Aufzeichnungen einfach mit wegwerfen.
Nun heute ist heute, und nachdem es Liebe irgendwie eh nicht gibt und es bis jetzt auch keinen Deckel für meinen Topf gegeben hat. Muss ich wohl meinen Topf auf die Straße und befriedige wenigstens meine Begierde und vielleicht wird aus der Begierde ja dann doch irgendwann Liebe oder ein Ring mit einem fetten Diamanten….
Nur die Hoffnung nicht aufgeben, die richtigen Deckel müssen sich schon irgendwo versteckt haben…

Heute, über 4 Jahre später, habe ich diesen Text von mir in meinem alten Forum gefunden und geborgen, bevor es endgültig gelöscht wird. Erschreckender Weise ist dieser Text echt zeitlos. Nur dass ich mittlerweile schon längst nicht mehr jugendlich bin und schon über 30. Und ich bin immer noch allein und jetzt bin ich ganz schön traurig darüber, dass sich in den letzten Jahren im Thema Liebe bei mir nichts getan hat, also scheint es die Liebe für mich wirklich nicht zu geben. Schön ist nur, dass ich den Text wiedergefunden habe, ich wusste doch ich habe über dieses Thema schon etwas geschrieben….nun bin ich wieder komplett.

Bine

Published in: on 4. Januar 2010 at 14:57  Kommentar verfassen  
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Wo ist der Stau geblieben?

Wo ist der Stau geblieben? Oder der Angriff der omniintelligenten Killerpollen…

Nachdem gestern alle Menschen, denen ich begegnet bin, wie aufgeschreckte Hühner, den morgigen Tag schon schlechter geredet haben, als er der Wahrscheinlichkeit nach werden würde, hab ich mich dann bis in die Abendstunden völlig von dieser ‚Morgen bricht die Welt zusammen‘-Hysterie anstecken lassen. Ich war dann quasi auch ein aufgeschrecktes Huhn und hab dann natürlich auch alle mit der ‚Morgen bricht die Welt zusammen‘-Hysterie angesteckt. Diese Hysterie ging wie eine ansteckende Lauffeuerkrankheit durch die ganze Stadt und jeder war irgendwie infiziert. Da waren sie wieder die omniintelligenten Killerpollen. Ich hab mir ernsthaft Gedanken gemacht, die Nacht in meinem vor der Arbeit parkenden Auto zu verbringen.
Ich bin dann aber doch nach hause gefahren, mit dem festen Entschluss, heute alles ganz ruhig angehen zu lassen. Ich habe mir keinen Wecker gestellt. Um 09.00 Uhr bin ich völlig entspannt erwacht, hab mich nochmal umgedreht. Irgendwann bin ich ins Bad und hab den Radio angemacht und die Verkehrsmeldung besagte: ‚München? Stau? Überall alles dicht!‘
Dann legte ich mich erstmal mit Fichtennadelbadezusatz zur völligen Entspannung in die Wanne. Ich habe in aller Seelenruhe meinen Kopf rasiert und meine (Rest)Haare gewaschen und mir echt Zeit gelassen. Hab mich ganz langsam angezogen und für die Arbeit fertig gemacht.
Um 10.50 Uhr verließ ich das Haus und um 10.55 verließ ich mein Wohngebiet. Alle Straßen waren völlig ausgestorben. Kein Mensch war zu sehen. Vereinzelt kamen mir völlig entspannte Autofahrer in ihren Autos entgegen. Völlig entspannte Fußgänger mit ihren völlig entspannten Dackeln gingen spazieren. Es war so, als wäre nichts passiert. Als würde niemand streiken. Es war so als wäre Neujahr, nur ohne Schmutz auf den Straßen. Im Radio läuft wieder die Meldung: ‚München? Stau? Überall alles dicht!‘ Ich zweifle an meinem Verstand und suche noch verzweifelter nach dem Haken. Selbst als in die große Stadt hinein fuhr, konnte ich kein bisschen Chaos erkennen. Es war sogar viel zu ruhig auf den Straßen. Es war fast so, wie beim Endspiel der Weltmeisterschaft, da war ich auch mit dem Auto unterwegs und außer mir niemand. Mein Hirn spielt mir bestimmt einen Streich und ich bin im Stau des Jahrhunderts eingeschlafen und habe bestimmt wieder einen diesen Endzeitalpträume. Bestimmt klopft gleich ein Alien in Polizeiuniform aus senffarbenen Latex an meinem Autofenster und bietet mir mein lang verschwundenes angebissenes Käseschinkentoast an. Ich haue mir zu Sicherheit erst auf die Hand und dann auf die rechte Backe. Dann halte ich auch noch die Linke hin. Scheiße ich werde mein angebissenes Käseschinkentoast wohl nie wieder sehen und es ist immer noch kein Verkehrschaos in Sicht. Ich glaube der Stau streikt auch. Die Bushaltestellen sind leer. Und da fährt sogar ein Bus. Hm. Die Verdi wird doch nicht nachgegeben haben. Ein Wunder ist geschehen. Nein das kann nicht sein, nicht die Verdi. Die omniintelligenten Killerpollen sind bestimmt schon in mein Gehirn eingedrungen und malen mir Trugbilder auf die Augen. Ich fahr auf den Zubringer auf den Mittleren Ring durchs Olympia Zentrum und es ist einfach kein Auto da. Unglaublich. Auf dem Ring ist normaler Verkehr. Auf der Donnersberger Brücke ist so gut wie nichts los. Die einzige kleine Verkehrsbehinderung ist ein Schulbus vor mir, als ich in das Wohnviertel im Westend einfuhr. Um 11.10 Uhr war ich an der Stempel Uhr.
Soviel zum Thema ‚Morgen bricht die Welt zusammen‘-Hysterie. Am besten ist es doch wirklich sich einfach von allen am Arsch lecken zu lassen und sich einfach mal nicht stressen zu lassen. Einfach alles so machen wie immer und sich mal Zeit für sich nehmen. Dem Volksmund mit der eigenen Hysterie eine aufs Maul hauen. Dann hat ‚Murphys Law‘ keine Chance einen fertig zu machen.

Nachtrag: Ich bin heute nach der Arbeit noch in der Stadt unterwegs gewesen. Vom Westend in den Norden und dann nach hause und ich bin erschreckender Weise heute den ganzen Tag nicht einmal im Stau gestanden. Unglaublich.

Aus gegebenen Anlass einfach mal die Schnauze halten.

Aus gegebenen Anlass einfach mal die Schnauze halten.

Aus gegebenen Anlass, wie ich das hasse, wenn mein Chef eine Bereichsbesprechung mit diesen Worten beginnt. Er sagt das immer, wenn einer von uns etwas ausgefressen hat, oder wenn gar jemand verpetzt wurde, etwas ausgefressen zu haben. Meistens bin ich dran beteiligt, auf die einen oder anderen Weise. Obwohl die für mich bestimmten Anschisse mit der Zeit auch immer weniger werden. Ich komme mir meistens vor, wie bei CSI Berufsgenossenschaft, wenn wir (meistens ich) was echt wichtiges herausgefunden haben, dann ist ein Anschiss schon okay, aber angesprochen fühlt man sich irgendwie immer, wenn er diesen Satz sagt. Und ein schlechtes Gewissen hab ich eigentlich auch immer, auch wenn ich mal keinen verpetzt habe und/ oder ausnahmsweise mal nicht an allem Schuld bin. Nicht das ich eine Petze bin, aber wenn etwas schief läuft, dann muss man auch mal zum Chef gehen und was sagen und zwar bevor das Kind in den Brunnen fällt, weil ausbaden muss es eh meistens ich, also mach ich es lieber, bevor die Kacke am dampfen ist. Manchmal komme ich mir wirklich vor wie bei der Feuerwehr, wegen dem ständigen Eisen aus dem Feuer holen und so.

Aber ich bin schon wieder völlig am Abschweifen, was vielleicht auch ganz gut so ist, weil ich vorhin so grantig war und jetzt hab ich mich schon ein bisschen beruhigt. Dann kann ich hoffentlich, dass folgende etwas Objektiver schildern.

Also ich bin heute mit Olga bei den Schaumschlägern gewesen, um meinen Tag mit ein wenig Kunst am Wort ausklingen zu lassen, in der staden Zeit. Ein bisschen krank bin ich eh grad und völlig fertig sitze ich also mal wieder in der ersten Reihe und lausche den Künstlern. Ich nehme jedes Wort auf, was ihnen von den Lippen fliegt, es ist wiedermal sehr geistreich und schön, hätte beinahe mal wieder fast geweint, weil es grad a so schön war.

So und vor der Pause kommen 3 Damen, wohl Bekannte von einem Künstler. Die Damen sind schon leicht angedüdelt und werden in der Pause auf die Plätze hinter uns gesetzt. Ich habe mir nichts weiter dabei gedacht, obwohl ich es schon echt nervig fand, dass die zuspät gekommen sind und dabei waren wir heute auch schon ganz schön spät.

Eine vor den Damen hatte ein echt lautes Organ. Eigentlich sollte ich ganz ruhig sein, weil ich auch ein echt lautes Organ habe. Dann ging die Vorstellung weiter und hinter mir war immer noch eine leichte Unruhe. Die Künstler waren brillant, geistreich und sau gut drauf, es sind ja alles alte Hasen gewesen. Und die Dame hinter meinem Ohr gab zu jedem Satz der Künstler ihren geistig minderbemittelten Senf dazu.

Gut, ich sag auch oft was, auch laut, wenn mir von der Bühne so zusagen der Ball zugeworfen wird. Und ich bin auch oft laut und schreie immer öfter viel Beifall und bin ein Groupie und führ mich bestimmt auch noch öfter auf, (Aber ich halte auch oft genug die Schnauze, weil ich immer der Meinung bin, dass die Künstler ihre Ruhe haben wollen, wenn sie ihre Performance machen!) aber ich hoffe inständig ich bin wenigstens ab und zu ein bisschen geistreich und lustig. Und nicht so peinlich wie die Dame da hinter mir. Ich finde es schon nicht mehr lustig und ich verstehe schon kaum mehr einen Satz der Künstler, weil die Alte da hinter mir die Schnauze nicht halten kann. Des was die Frau als verstümmelte Wortfetzen aus dem Mund quellen lässt, hat echt keinerlei Unterhaltungswert und ich bin schon sichtlich genervt. Wie gut, dass ich meine Olga, den Ruhepol dabei habe, die mich hoffentlich vor dem bevorstehenden Amoklaufen zurückhält. Ein Künstler macht sich schon Notizen und ich bete inständig bis inbrünstig dafür, dass dieser Abend demnächst noch in einer anderen Geschichte (vielleicht etwas geistreicher als ich es gerade hier tue) den Weg in die Öffentlichkeit findet.

Eigentlich hätte ich mich umdrehen sollen und zu der Frau sagen sollen: „Das eine Frau in ihrem Alter sich von mir Jungspund eigentlich nicht sagen lassen müsste, dass man bei einer Leseshow während der Lesung eigentlich die Schnauze zu halten hat!“

Gut das ich mich nicht umgedreht habe, weil mir so ein Satz in der Hektik bestimmt nicht eingefallen wäre und ich wahrscheinlich ernsthaft aggressiv und unfreundlich rübergekommen wäre.

Also habe ich dann doch die Schnauze gehalten, weil ich wollte ja die Vorstellung nicht stören.

So, jetzt frage ich mich, warum immer ich (die vor denen euch eure Eltern immer gewarnt haben) das Gefühl habe den Moralapostel spielen zu müssen, wenn es noch nicht mal Damen wissen, wie man sich aufzuführen haben, die wahrscheinlich unter der ganzen Schminke meine Mutter hätte sein können.

Die Gesellschaft ist es, die uns alle in solche Formen pressen will, aber wenn dann diese Form nur unter Alkoholeinfluss zu ertragen ist, dann bleibe ich doch lieber außerhalb der Norm und nüchtern und halte ab und zu mal meine Schnauze.

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