Tagebuch eines Unbekannten – Teil 13

Tagebuch eines Unbekannten – Teil 13

tagebuchAm Ende haben Sie ein Benzindepot und Weizensilo gefunden, bei der Bayerische Warenvermittlung landwirtschaftlicher Genossenschaften auf Aktie und beschlossen sich aufzuteilen. Ein Paar haben sich neue Wagen gesucht zum Transport und sind zurück gefahren, ein Paar sind dort geblieben, um ihren Schatz zu bewachen und ein Paar sind zur nächstgelegenen Kaserne gefahren, mit dem Militärautomobil.

Nun ging alles recht schnell. Erst wurden alle Kinder eingetütet und in den Bus gebracht.

Man glaubt gar nicht, dass die Erfindung der Plastiktüte uns allen mehr oder weniger den Arsch gerettet hat. Wir hatten nicht für alle Regenkleidung oder gar Gasmasken. Also versuchten wir sie wenigstens für die Fahrt alle so gut wie möglich zu verpacken, ohne sie zu ersticken. Dann verpackten wir die Frauen bis der Omnibus voll war. Die Tiere und das Futter wurden in den Lastkraftwagen verfrachtet. Alles was in Plastiktüten gepackt werden konnte, wurde verpackt und mitgenommen.

Trotzdem mussten wir zweimal fahren, bis wir alle verfrachtet hatten. Die alte Cementa mussten wir erst betäuben, bevor wir sie einpackten.

Ich fuhr bei der letzten Fuhre mit. Es war eine holprige Fahrt und ich blickte in die Blut unterlaufenen Augen der Männer. Sie waren abgekämpft und halb verhungert. Ich hoffte inständig, dass die Frauen irgendwas Essbares zu Suppe verarbeitet haben, bis wir an unserem neuen zu Hause angekommen sind.

Fortsetzung folgt

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Tagebuch eines Unbekannten – Teil 12

Tagebuch eines Unbekannten – Teil 12

tagebuchDoch zu einem Gespräch kam es nicht, weil die Männer tatsächlich wieder kamen. Keine Zeit zu reden…

Sie hatten einem Omnibus und einem Lastkraftwagen dabei. Es waren aber nicht alle. Was war passiert?

Nebenbei haben wir seit Tagen auch die Sirene nicht mehr gehört.

Nun eines nach dem Anderen. Sie haben erstmal alles in der Umgebung abgesucht und haben außer viele Hals über Kopf verlassene Häuser nichts gefunden, die Tiere waren entweder schon verhungert oder haben sich selbst befreit. Viel Brauchbares haben sie nicht gefunden, außer im Kühlhaus vom Tante Emma Laden ein Dorf weiter. Dort haben sie auch Rast gemacht.

Dann haben sie das liegengebliebene Militärgefährt gefunden. Ein Lautsprecher war auf der Ladefläche angebracht worden und ein Tonband spielte sein seltsames Lied. Es lief, spulte sich selbst zurück und begann dann von Neuen.

Sie sind dann in die nächste Stadt gefahren. Es war alles wie ausgestorben. Sie beschreiben, dass die Stille mehr als unheimlich war und dass die Zeit schneller zu verrinnen schien, obwohl die Zeit der Stadt, tatsächlich stehen geblieben war. Sie haben keine Menschen gefunden, sie haben nicht mal Leichen gefunden. Es war alles mehr als seltsam, aber ein blindes Huhn findet auch einmal ein Korn.

Fortsetzung folgt…

Tagebuch eines Unbekannten – Teil 11

Tagebuch eines Unbekannten – Teil 11

tagebuchDass das Essen und das Wasser und vorallem der Schnaps langsam knapp wird, muss ich ja nicht erwähnen, aber bevor ich meinen eigenen Urin trinke…werde ich lieber ein ganzes Huhn leertrinken und werde dann endlich mit allen Vorurteilen aufräumen, dass wir Zigeuner mit den Vampiren im Bunde sind. Obwohl, ich bin ein lichtscheuer, absinthtrinkender und opiumrauchender Arzt aus Wien. Das könnte doch wirklich aus einem Roman von Bram Stoker stammen. Und zu allem Überfluss heiße ich auch noch Viktor. Hm. Ich hätte doch Vampir werden sollen und nicht Zahnarzt, dann würde ich nicht so bald verhungern und am Ende würde ich alleine vor mich hin in meinem Glanz (er)strahlen und damit den Vampirismus endgültig besiegen. So Sachen kommen einen in den Kopf, wenn man mehr raucht und säuft, als Nahrung zu sich zu nehmen. Von dem Pegel komm ich im Leben nicht mehr runter.

In meinem Suri bemerkte ich gar nicht, dass die kleine Emilie zu mir ins Bett gekrochen kam. Ohne ne Begründung kroch sie zu mir ins Bett und klaute mir meine Decke. Aber kann man dieser kleinen Zuckerschnute böse sein, nein. Ich schlief wieder ein und erwachte erst wieder als Mathilda vor meinem Bett stand. Sie hatte die Hand gegen den Mund gepresst und lies sich langsam aufs Bett sinken. Ihre Hände bebten und sie atmete schwer. Ich blickte sie an und griff nach ihrer Hand und da kullerten schon Tränen über ihre Wangen. Wortlos zog ich sie zwischen mich und ihre Tochter ins Bett und versuchte dabei irgendwie meine Decke über uns alle drei zu ziehen. Am Ende lagen wir zu dritt im Bett und als sich Mathilda wieder beruhigt hatte, schlief sie in meinen Armen ein, ohne jedoch ihr Kind loszulassen, an dass sie sich wie eine Ertrinkende klammerte.

Am nächsten Tag war Mathilda verschwunden, aber Emilie nicht, ich war mir auch nicht ganz sicher ob ich alles nur geträumt hatte.

Fortsetzung folgt…

 

Tagebuch eines Unbekannten – Teil 10

Tagebuch eines Unbekannten – Teil 10

tagebuchIch starre Tag ein, Tag aus in die trüben Gesichter. Die allgemeinen Launen hier im Keller ist schon mehr als unterirdisch.

Nur Mathilda war schon traurig, bevor wir in den Keller gingen. Und weil sie so melancholisch war, habe ich mich mit ihr beschäftigt. Es hat eine ganze Weile gedauert bis sie mit der Sprache rausrückte. Ihr Mann ist ein paar Wochen vor dem großen Knall gestorben. Ich bin mir nicht sicher, ob ich eine neue Zeitrechnung anfangen soll, aber nachdem die Zeit irgendwie ziemlich verschwimmt in letzter Zeit, kann ich noch nicht mal die Tage zählen. Wenn man Tag und Nacht nicht mehr unterscheiden kann? Wir werden im Nichts verschwinden und keiner kann sagen, wann genau? Und wie lange schon?

Und ich Idiot hab nicht die Tage gezählt, aber eigentlich ist es ganz schön sinnlos, was solls.

Ich war bei Mathilda stehen geblieben. Also der Mann von der Mathilda hatte einen ehrbaren Beruf, der im Alpengebiet allgemein als Wuiderer bezeichnet wird. Beim Ausüben seiner täglichen, meist geheimen Arbeit hat der hiesige Jagdaufseher ihm eine Ladung Schrot in den Arsch geballert. Sein langsamer und qualvoller Tod war am Ende dann deswegen, weil wahrscheinlich das Schrot mit Rattengift versetzt war. Das ist mal eine abartige Geschichte. Wer schießt den mit Schrot auf Ratten? Auf jeden Fall ist er elendiglich verreckt, und da hätte ich ihm auch nicht mehr so wirklich helfen können.

Mein Großonkel Wazlaf, ja der mit dem Furunkel, der hat eine alte Taschenuhr. Und der gute Mann hat tatsächlich die Tage gezählt. Und jeden Tag um 12 Uhr mittags eine kleine Kerbe in ein Holz geschnitzt und jede Nacht wenn er zu Bett ging, eine große Kerbe. Dafür haben wir ihm gerne das Furunkel entfernt. Und Mathilda hat sich gar nicht mal so übel angestellt dabei.

Dank der Beharrlichkeit meines Großonkels haben wir doch so was wie eine Zeitrechnung. Solange seine Taschenuhr funktioniert, haben wir wenigstens das Gefühl von Zeit. Er ist übrigens schon beim zweiten Holz. Das heißt, dass wir schon seit 4 Wochen hier im Keller sitzen und die Männer schon fast 2 Wochen weg sind und Onkel Watzlaff schnitzt beharrlich wie ein Uhrwerk weiter seine Kerben in sein Holz und gibt uns damit einen ungeahnten Halt.

Das gibt dem Spruch, etwas auf dem Kerbholz haben, eine völlig neue Bedeutung.

Ganz schön deprimierend ist, weil wir hier schon geschlagene 4 Wochen unsere Hintern breitsitzen und dazu verdammt sind bewegungsunfähig zu darben.

Fortsetzung folgt…

Tagebuch eines Unbekannten – Teil 9

Tagebuch eines Unbekannten – Teil 9

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Wir haben unser Möglichstes getan, dass sie gesund wieder kommen, wenn sie all das beherzigen, was ich ihnen versucht habe, in der kurzen Zeit einzubläuen. Doch sie sind schon ziemlich lange weg.

‘Die werden schon wieder kommen!’ meinte Cementa ungefähr 100 mal am Tag und langsam könnten wir ihr echt glauben, sie glaubt es nämlich nicht mehr.

Ich bete wieder. Ich will ja nicht am Ende mit den ganzen Frauen allein da sitzen, sonst muss ich sie am Ende noch begatten. Mir spühlt mein Erbrochenes in meine Mundhöhle bei dem Gedanken. Ich werd mich nun selbst untersuchen gehen, nicht dass ich der Erste bin, den die Strahlenkrankheit erwischt hat. Vielleicht hat der Gott des Schabernacks meine Gebete längst erhört und macht auf eine höchst alberne Art und Weise mit meinem lachhaften Leben endlich Schluss.

Ich sollte vorher einen Nachfolger ausbilden. Hm. Werde mir unter den Dorfschranzen eine potentielle Krankenschwester raussuchen, auf dass alle Anderen, die täglich ihre Augen auf mich werfen, sich lüstern den Geifer vom Mundwinkel wischen und dabei gackern, wie die Hennen, sich gegenseitig die Augen auskratzen.

Ich hab mir die Mathilda rausgesucht. Schwester Mathilda hört sich doch einfach nur perfekt an.

Warum ich gerade sie aussuchte, weil sie schöne Zähne hat, verdammt schöne Zähne. Das war aber nicht der einzige Grund. Sie war die Einzige, die mir nicht offenen Mundes hinterher geiferte. Es waren eher ihre verstohlenen Blicke die mein Interesse weckten. Und das flüchtige Lächeln, das sofort von ihrer traurigen Miene überschattet wurde. Wenn sie mich grad nicht verstohlen anblickte, blickte sie sehr traurig in die Leere. Ich versuchte der Sache auf den Grund zu gehen, hatte ja eh nichts anderes vor.

Sie hat zwei Kinder, Emilie und Vladi, Zwillinge und die streiten sich ständig. Die Kleine kommt immer zu mir und versteckt sich, wenn ihr Bruder sie wieder vertrimmt hat. Die kleine Emilie ist ziemlich süß und ich mag Kinder noch viel weniger als Frauen. Das ist auch was was ich echt abstellen muss, die Kinder hier sind unsere Zukunft und die kleine Emilie ist so zuckersüß, dass man sie mit Haut und Haaren fressen möchte. Hm. Warum schreibe ich sowas? Das muss der Hunger sein. Ich werde jeden daran hindern… was für Gedanken man kriegt, wenn man Hunger hat und das Essen knapp wird.

Fortsetzung folgt…

 

Tagebuch eines Unbekannten – Teil 8

Tagebuch eines Unbekannten – Teil 8

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Auch wenn es mir keiner je zugetraut hätte, bin ich doch das schwärzeste Schaf in unserer Familie. Der Eid, den ich geleistet habe, ist mir eigentlich scheißegal, außerdem war ich hackenstrack, als ich ihn gab. Aber Hand aufs Herz was diese Familie mir eigentlich bedeutet, wurde mir erst klar, seit ich hier unten mit ihnen festsitze. Ich würde mein trostloses Leben für die ganze Bagage geben, Furunkeln hin oder her.

Ich muss was gegen meine Depressionen tun, meine Stimmungsschwankungen sind ja nicht mehr feierlich. Wenn ich mal einen anderen Arzt treffen sollte, muss der unbedingt meine Selbstmedikation überprüfen. Ob ich dann von meiner latenten Drogenabhängigkeit erzählen soll? Hm. Wahrscheinlich werden wir nie wieder einen weiteren Arzt zu Gesicht bekommen.

Ich neige ja auch übrigens wieder ein Wenig abzuschweifen, also haben wir uns entschieden ein paar Männer rauszuschicken, die außerhalb der kleinen Ortschaft nach dem Rechten sehen sollten. Vorallem woher diese Sirene kommt und die Durchsagen kommen. Sie sollten so weit es nur irgend geht nach allem Brauchbaren sehen, vorallem verpackten Lebensmitteln, sauberes Wasser, Benzin, Medikamenten, Jod notfalls im Salz, wir sind hier immerhin in den Bergen. Und wenn jemand ein Buch für mich finden würde, mit echten Buchstaben oder eine Zeitung. Das wär ein Traum. Der Geruch von Druckerschwärze, stattdessen rieche ich nur die Tinte von meinem Schreiber. Langsam gewöhn ich mich dran blaue Farbe an den Fingern zu haben.

Achja und Informationen sollen sie auftreiben und wenn es irgend geht einen Geigerzähler! Eingepackt haben wir sie wie die Gummienten, sicher ist sicher. Wo die alte Cementa die Gasmasken herhatte, will ich gar nicht wissen, aber die runden das Bild wirklich ab. Gelbes Ölzeug, schwarze Gummistiefel und rote Gummihandschuhe und olivgrüne Gasmasken und jede Menge Klebeband.

Die Männer waren schon ein paar Tage weg, als der Schwarze Regen kam. Das war der Beginn als ich wieder zu beten begann. Ich wusste gar nicht mehr so wirklich wie das ging, aber die Frauen sangen ihre Gebete und so machten sie es mir leicht. An wen genau ich bete, kann ich nicht sagen, aber das wissen die Damen glaub ich auch nicht so genau. Wenn man ihnen öfter zuhörte, wozu ich hier nun leider verdammt bin, glaubten sie eher an den Gott des Aberglauben und an den heiligen König Sindel und die Kinder glaubten an den Gott des Schabernacks. Die haben mir doch tatsächlich Schmierseife in meine Opiumpfeife geschmiert.

Fortsetzung folgt…

Tagebuch eines Unbekannten – Teil 7

Tagebuch eines Unbekannten – Teil 7

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Ob es sich nun durch einen eigenproduzierten Unfall, ein unliebsames Geschenk eines ausländlischen Agressor oder um etwas Extraterrestrisches handelt, (Wer hat mir nur so viele schwere Wörter beigebracht!?) dessen Endergebnis nun auf uns nieder kommt, kann und will ich gar nicht sagen, weil die saure Suppe müssen nun wir auslöffeln.

Auch wenn wir alle versuchten zu verdrängen, dass es mit uns früher oder später zu Ende gehen würde, habe ich die Anzeichen gut im Blick. Im Moment scheinen alle noch bei guter Gesundheit zu sein und die Symptome der sogenannten Strahlenkrankheit bleiben zunächst aus.

Wie ich dazu komme, ich habe immer viel gelesen, vorallem die fantastischen Geschichten von Bram Stoker und Mary Shelley, H.G. Wells und Jules Verne. Und wenn ich keine Romane mehr hatte, habe ich mich über wissenschaftliche Berichte aus allen Herren Länder hergemacht, auf die ich zur Zeit meines Studiums unbegrenzten Zugriff hatte. Und was ich in der Universität nicht bekommen habe, habe ich dann in der Zeit beim Militär zu lesen bekommen, bis ich nach sehr kurzer Zeit unehrenhaft entlassen wurde. Aber das ist nun eine Geschichte, von der ich bestimmt kein einziges Wort mehr schreiben werde und ich werde mich auch nicht dazu hinreißen lassen darüber zu erzählen, auch nicht wenn ich noch betrunkener sein sollte.
Á ta santé, wie die Franzosen sagen.

Doch ich hab nicht genug Medikamente dabei, um alle zu versorgen und vorallem haben wir nicht genug Jod da, um zumindest einer möglichen Verstrahlung entgegenzuwirken. Aber mit den Drogen die ich dabei hab, könnte ich alle ziemlich lange ins Aus schießen. Hm.

Sinnlosigkeit und Trostlosigkeit hin oder her, ich bringe es nicht übers Herz, meinem eigenen Fleisch und Blut Schaden anzutun. Irgendwie hab ich ja doch diesen Eid geleistet, auch wenn ich ihn in der Vergangenheit zu meinem eigenen Vorteil ziemlich gebeugt und gebogen habe. Ich bin wirklich kein Böser, aber ein Guter bin ich jetzt auch nicht mehr. Ich bin das was meine Arbeit aus mir gemacht hat, ich bin zu einem schlechten Menschen geworden.

Angebot und Nachfrage. Was soll ich tun? Ich bin auch nur ein Mensch und soll net leben wia a Hund.

Fortsetzung folgt…

Tagebuch eines Unbekannten – Teil 6

Tagebuch eines Unbekannten – Teil 6

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Wer wacht über die Rastlosen, der Gott des Schabernacks?

Ich bin mal wieder ein wenig abgeschwiffen, so wie die Zeit hier im Keller kaum vergehen mag, so flügge rinnen mir meine Gedanken durch die Finger.

Ich war beim Leben stehengeblieben, so trostlos und sinnlos es auch sein mag. Ich kann meine Familie nicht im Stich lassen, so einfach es auch sei, sich klammheimlich aus dem Staub zu machen. Ich bin immerhin ein verdammt junger Arzt. Und neben meinen eher verschroben wirkenden Bruder muss ich ja aussehen wie eine Rakete. Schlechter Witz.

Wenn es nun eine Rakete war, die uns ins Aus geschossen hat? Hm. Wie viele Thesen hab ich jetzt?

Die Sonne ist uns auf den Kopf gefallen?

Es war ein Vulkanausbruch?

Die körpereigenen Gase meines Großonkels Watzlaf?

Ein Komet hat uns gestreift oder gar getroffen?

Eine Rakete oder eine Bombe?

Ein Unfall wie auch immer geartet?

Was bringt es mir ein so helles Köpfchen zu sein und obendrein der bestaussehenste Arzt auf Erden zu sein, also der Einzige in Reichweite und vielleicht auf der ganzen Welt. Wo ist nur meine Opiumpfeife?

Auch wenn das Kerzenlicht ganz schön bescheiden ist zum Schreiben, ein Gutes hat die Sammelleidenschaft der alten Cementa ja, die Kerzen werden uns in der nächsten Zeit wohl nicht ausgehen. Nur ob ich den Vanilleduft auf Dauer ertragen kann, ich weiß es nicht.

Zum Glück hat sie mir eine Lavendelkerze vor die Nase gestellt.

Ich mach mir einmal Sorgen um die Luft und dann um den Sauerstoffgehalt. Nachdem ich aber immer noch nur wage eine Vermutungen habe, mit was das Land oder die Luft eigentlich verseucht und / oder verunreinigt wurde, aber die Anzeichen die ich bis jetzt zusammengetragen habe, lassen fast nur den Schluss zu, dass es sich um eine wie auch immer geartete Verstrahlung handeln muss.

Hätte der Tesla nur nie damit angefangen sich selbst mit Röntgenstrahlen zu verbrennen und hätte H.G. Wells nur nie diesen unsäglichen Roman geschrieben, dann hätte der Oppenheimer bestimmt nie diese Bombe erfunden.

Fortsetzung folgt…

Tagebuch eines Unbekannten – Teil 5

Tagebuch eines Unbekannten – Teil 5

tagebuchWir machten das Haus dicht, mit allem was wir zum Abdichten fanden. Die Sonne hatte sich mittlerweile verdunkelt und mir schwante arges. Auch am nächsten Morgen wurde es nicht wieder hell. Ich beobachtete den Himmel von einem Platz am Kellerfenster.

Naja, ich versuchte den Himmel zu beobachten. Abundzu ging ich nach oben und blickte durch die blinden Fenster. Aber die Sonne schaffte es nicht durch den Dunst und die dunklen Wolken.

Das Licht ist ganz schön schlecht im Keller und mein Kugelschreiber macht es wahrscheinlich auch nicht mehr lange. Mein Leben hat keinen Sinn mehr. Ich überlege mir kuriose Möglichkeiten, wie ich meinem lächerlichen Leben ein Ende machen kann. Mit Opium oder anderen Drogen habe ich es wahrscheinlich schon oft genug probiert, das klappt nie! Es ist wie ein Fluch. Ich bin zum Überleben verflucht, wo es mich doch nach nichts anderem hin sehnt, als nur den einsamen Tod in einer Badewanne voll Blut. Die alte Cementa hat nur keine Badewanne, so ein Mist und den Sautrog haben sie in die Garage gestellt.

‘Baden macht krank und elend!’ sagt die alte Cementa immer.

Ein einsamer Tod in einer bis unter die Hutkrempe überfüllten Garage voll Viechzeuch, ist nicht gerade spektakulär. Am Ende fressen mich die Schweine! Das wäre ja wie Perlen vor die Säue zu werfen und so wie die Weiber mich hier anschauen, mit ihren schiefen Zähnen, wäre es wohl eher ein lupenreiner Diamant für die Schweine. Ich will ja nicht eingebildet klingen, aber wenn mir mal jemand das Wasser reichen könnte. Den Witz verstehen sie auch immer nicht, die Pomeranzen des Wahnsinns hier im Keller.

Habe mir überlegt, dass ich erstmal, verdammt, der Stift geht zu Ende, wo ich doch nur überleben will.

Neuer Stift neues Glück. Das ist doch nicht der Ernst, soviel Zeug im Haus und keinen Stift der funktioniert. Nochmal von vorne, ich habe mir überlegt, dass ich erstmal am Leben bleibe und der Dinge harre, die da noch kommen mögen, es ist ja immerhin meine Familie und über die Familie lass ich ja doch nichts kommen, so inzestiös und furunkelbehaftet sie auch sein mögen und wenn die Frauen mich noch lüsterner angrinsen.

Das mit dem Stift geht ja echt nicht, das ist ja zum Mäuse melken…

Alle Guten Dinge sind drei. Wenn der Stift nicht gescheit schreibt, werde ich mit dem unbegrenzten Vorrat an knallroten Lippenstift fortfahren, den ich im Nachtkästchen der alten Cementa gefunden habe. Auch wenn dann meine Worte für die Nachwelt für immer verloren gehen werden, in der Verschmelzung aus fett und roter Farbe, für immer unkenntlich gemacht und eher zur Koketterie und reichlich Unsinn einladen sollen, als das Geschriebene zu Lesen. Aber ich hätte es ja nicht gedacht und vorallem nicht zu träumen gewagt, wie gut dieser Stift läuft. Danke an wen auch immer.

Fortsetzung folgt…

Tagebuch eines Unbekannten – Teil 4

Tagebuch eines Unbekannten – Teil 4

tagebuchIch hatte zuerst die Befürchtung das mein bescheuerter Bruder mich mit irgendeiner von diesen Dorfschranzen verheiraten will. Genau. Das war auch genau der Grund warum ich mit 15 1/2 halsüberkopf nach Wien geflüchtet bin. Mit nem gefälschten Abitur in der Tasche und nem gefälschten Ausweis hab ich mein Studium zur Dentalmedizin begonnen. Die Tinte war noch nicht ganz trocken und ich arbeitete schon an meiner Promotion. Und hat es mir geschadet? Ja, verdammt! Aber es hatte auch Vorteile, dass ich mir eigentlich keine nackten Dorfschranzen mehr ansehen musste und dass ich mir eigentlich auch keine Furunkeln anschauen wollte.

Deswegen bin ich ja in die große Stadt, um möglichst viel Raum zwischen mich und all die Probleme meiner Familie zu bringen. Dass mein Bruder und meine ganzen Neffen dann bis in die große Stadt zu expandieren begannen, konnte ich ja auch nicht wissen, also finanzierte ich mein Studium unteranderem damit, dass ich Sachen verkaufte, die in meiner Wohnung auftauchten, die davor von irgendeinem Lastkraftwagen gefallen waren.

Aber das war beiweiten nicht alles was ich in der großen Stadt trieb. Und im Verkauf von Waren zweifelhafter Herkunft war ich ja schon ziemlich erfolgreich. Ich wusste einfach was die Leute brauchten, die mit ihren Problemen zu mir kamen. Ich sag immer Psychologie des Wollens. Aber das war nur der Anfang…

Sagen wir mal so, ich bin da so reingerutscht, wie die Jungfrau zum Kinde und nur weil mich mein Bruder in so ein Établissement mitgenommen hatte. Und ich hatte nichts besseres zu tun, als den Ladies die Zähne zu richten und andere Dinge, anstatt sie zu pudern. Aber zumindest haben sie jetzt schöne Zähne und bekommen mehr Schotter fürs Pudern. Anfassen würde ich sie trotzdem nicht.

Ich bin zum Heiraten einfach nicht gemacht und ich werde mich auch mit Händen und Füßen weigern, solange ich noch Arme und Beine habe.

Diese heiratswilligen Weiber, die mich anstarren, als wäre ich der letzte Mann auf Erden, ja die Dorfschranzen, die schlimmstenfalls auf irgend eine Art und Weise mit mir verwandt sind. Gehts noch? Das haben in Wien ganz andere und drallere Damen versucht. Sie haben sich alle ihre neuerdings gut geschrubbten Zähnchen an mir ausgebissen. Tja. So spielt das Leben, mein jämmerliches Leben wird langsam und qualvoll in die Ewigkeit eingehen, ja eingehen werd ich, hier im Keller und zwar bevor ich meinen Samen in einer potentiellen Mutter meiner zukünftigen Kinder entleert habe. Meine Mutter wird sich im Grabe umdrehen, aber was solls?

Wo war ich denn eigentlich stehengeblieben? Ach ja, der grelle Blitz! Wir brachten die jungen Frauen und Kinder und die alten Männer in den Keller und hielten dann Familienrat. Die Durchsage war ja mehr als eindeutig, also beschlossen wir, alles was wir hatten ins größte Haus zu bringen, also ins Haus der alten Cementa. Vorallem Kleidung, Waffen, Werkzeug, Wasser und Nahrungsmittel. Dann wurden die Viecher in die Garage gebracht, das Futtermittel unter Protest der alten Cementa ins Wohnzimmer und die Fahrzeuge in den Stall und abgedeckt. Fragt einfach nicht, aber es war eine meiner besseren Ideen seit der Zeit, seit dem wir hier im wahrsten Sinne des Wortes in der eigenen Scheiße sitzen.

Fortsetzung folgt…

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