Call me maybe oder sitzt ne Frau an der Bar…

Call me maybe oder sitzt ne Frau an der Bar…

limospritzer

Es sitzt eine Frau an der Bar und weil nur irgendwelche Typen im Gastraum saßen, die ihr nur unnötig auf die Möpse glotzten, kramte sie in ihrer Handtasche nach etwas total Wichtigen. Dabei kann sich ein Weibchen schon mal ein Stündchen beschäftigen.

Aus der futuristischen Jukebox schallmeite es: ‘Call me maybe!’

Plötzlich stand ein Kerl in der Tür, den sie mit einem flüchtigen Blick musterte und sofort wusste, dass er ihr einfach nur gefährlich werden würde. Groß und von muskulöser Gewalt, verstrubbelte Haare und erschreckender Weise einen ziemlich gepflegten Bart. Ein flüchtiges Lächeln seinerseits flatterte wie ein wunderschöner Schmetterling durch den Gastraum zu ihr hinüber. Und in der Zeit wie das Lächeln den Raum durchquerte, zog vor ihrem inneren Auge ihr Leben an ihr vorbei und sie hatte es einfach nur satt. Sie hatte einfach alles satt. Und sie brauchte einfach nur ihre Ruhe.

Die Zeit schien stehengeblieben zu sein und das flatterhafte Lächeln des überaus gutaussehende Typen schwebte für einen Moment vor ihr in der Luft.

Das war ganz genau das, was sie gerade echt nicht gebrauchen konnte. Ein Kerl, der ihr mit seiner puren Anwesenheit schon den Kopf verdrehte. Grad heute, wo sie fest entschlossen allein in die Kneipe gegangen war, weil sie ihre Ruhe haben wollte. Weil sie es satt hatte, sich in Probleme Anderer verstricken zu lassen und dann langsam aber sicher daran zu ersticken drohte, sie bekam keine Luft mehr, weil ihr die ganze Scheiße um sie herum langsam aber sicher die Luft abschnürte.

Es ist unglaublich, dass ein Mensch allein so destruktiv sein kann, aber das war das Einzige was sie im Moment wirklich sehr gut konnte. Melancholisch in einer Ecke an der Bar sitzen und ein leeres Glas solange böse anzustarren bis es endlich zerspringen würde.

Herrgott im Himmel, was hat sie nur in dieser Welt verbrochen, dass sie das Universum so strafen muss. Es ist ja nichtmal so, dass immer die Anderen Schuld sind, um die Schuldfrage ging es ihr garnicht, weil sie eh immer schuld war, egal wie rum man den Spieß drehte, sie war immer der verdammte Fußabstreifer, der alleine und völlig verdreckt vor der Tür ins Ungewisse liegt und es will eigentlich keiner den Schritt wagen, also liegt sie da wahrscheinlich noch in ein paar Jahren herum, um nur darauf zu warten, dass ihr wieder jemand einen Arschtritt verpasst. Der Fußabstreifer in der verstaubten Welt, die sich selbst für so fortschrittlich hält, darauf kann man doch sch…?!

Der nervige Song bohrte sich immer noch durch alle Ohren und suggerierte allen Zuhörern, das der Traumprinz am Ende doch anrufen wird. Nein, er wird nicht anrufen. Das Leben ist kein Wunschkonzert und heute hat wohl einer seinen Finger auf der Repeat-Taste. Der Song fing wieder von vorne an…und die Welt drehte sich wieder in gewohnter Schnelligkeit.

Der Kerl, der eben noch wie ein Fels in der Brandung in der Tür gestanden hatte, bewegte sich durch den Raum. Sein Lächeln war mittlerweile an seinem Bestimmungsort angekommen und sein scharfer Blick setzte dem lachenden Schmetterling hinterher und im nächsten Augenblick stand er schon an der Bar.

‘Einen Absinth Sprite bitte!’ rief der Kerl dem Barkeeper zu. Und am anderen Ende der Bar lief ein Höschen voll.

‘Und ich dachte, die Irre da drüben mit der Handtasche wäre die Einzigste, die diese flüssiggewordene Blasphemie säuft.’ murmelte der Barkeeper und zapfte ein Bier und stellte es seinem neuen Gast hin.

‘Einzige!’ meinte der Typ und schob dann ganz lässig das Bier von sich weg. ‘Ich hab einen Absinth Sprite bestellt und mach gleich zwei draus…!’

Beim Barte des Propheten und aller bayowarischer Großmütter, welche halbwegs intelligente Frau kann bei so was schon wiederstehen?

Sie kramte immer noch in ihrer Handtasche, die fadenscheinige Maskerade aufrecht erhaltend, also suchte sie weiter, fand es nicht, wurde langsam wütend und kippte den kompletten Inhalt ihrer Handtasche auf die Theke. Es schien so, als würde sich ihr halber Hausstand über den Tresen ergießen. Eine kleine Sintflut von Dingen die die Welt nicht braucht. Allen voran ihr Lippenbalsam, den sie angeblich wie verrückt gesucht hatte, der just in dem Moment als sie ihn erblickte, über die Kannte der Bar nach unten kullerte.

Sie tauchte hinter dem Lippenbalsam her, der bereits über den Boden rollte. Kurz bevor sie ihn erreichen konnte, tauchte erst wie in Zeitlupe eine enorme Pranke vor ihr auf und dann das Grinsen des Typen. Er hatte den Labello vor ihr zu fassen bekommen und beim Auftauchen stießen sie beide mit den Köpfen zusammen.

Sie kam ins Taumeln, denn sein Kopf war wohl wesentlich härter als der ihre. Um nicht wieder auf allen Vieren vor ihm zu landen, wollte sie sich an einem der leeren Barhocker festhalten, griff jedoch ins Leere. Bevor sie umstürzen konnte, griff er nach ihrer Hüfte, hielt sie fest und stellte sie gleichzeitig auf die Füße.

‘Alles in Ordnung, schöne Frau?’ fragte er und versuchte ihr in die Augen zu blicken, die sie in dem Moment wieder aufschlug, als er seinen Griff lockerte, um sie an der Schulter zu berühren.

‘Ja, ne. Glaub schon.’ stammelte sie und musste sich erst mal setzen.

Der Barkeeper stellte die beiden Drinks auf die Theke und murmelte etwas in sich hinein, dass sich nach: ‘Da ham sich ja zwei g’sucht und g’fundn!’ anhörte.

In dem Moment als sie sich setzte, sprang sie auch schon wieder auf und lief zum Inhalt ihrer Handtasche hinüber.

‘Sorry, mein halber Hausstand liegt auf dem Tresen!’ rief sie und machte sich daran, alles wieder in ihre Handtasche zu stopfen. Nur mit dem Unterschied, dass nicht mehr alles hineinzupassen schien, was vor wenigen Minuten noch genug Platz in der Handtasche hatte.

Der Kerl schnappte sich die beiden Drinks und folgte ihr: ‘Erstmal einen Schluck auf den Schreck?’

‘Sorry, ist nicht mein Tag heute!’ meinte sie und schüttelte die Handtasche, in der Hoffnung der Inhalt würde sich dadurch ein wenig komprimieren.

‘Meiner auch nicht, aber was soll’s!’ prostete er ihr zu und grinste sie dabei an, er bückte sich nochmal und hob noch etwas auf, was zu Boden gepurzelt war. Es war ihr Personalausweis.

Als er wieder auftauchte, grinste er noch breiter: ‘Wie kann man nur mit so einem schönen Namen, so schlechte Laune haben?’

‘Ist ne lange Geschichte, aber jetzt wissen sie eh schon fast alles über mich…!’ rief sie und machte Anstalten ihm den Ausweis wegzunehmen.

‘Ja, Bambi Müller, 170 groß, Augenfarbe blau-grau, Wohnhaft…!’ meinte er, bis sie ihm ihren Ausweis endlich abluxen konnte und ihn böse anfunkelte: ‘Wenn Sie nicht wollen, dass ich sie Blume nenne, verraten sie mir ihren Namen!’

‘Sie werden es nicht glauben, aber ich würde sie gerne duzen, bevor ich meinen Namen preisgebe!’

Sie nickte kurz und dann hielt er seinen Ausweis hoch.

‘Hans Klopfer, 195 groß, Augenfarbe grün und du wohnst hier gleich ums Eck!’ meinte sie und ein unmerkliches Lächeln stolperte über ihr Gesicht.

‘Jupp!’ meinte er und prostete ihr wieder zu und flüsterte mehr in sich hinein, als zu ihr: ‘Danke für das erste Lächeln des Tages!’

Sie hatte es jedoch gehört und lächelte nochmal, er lächelte auch und er schien das erste Mal ein wenig unsicher zu sein. Betretenes Schweigen und Strohhalmgeschlürfe, bis sie die Stille unterbrach. ‘Und warum hab ich dich hier noch nie gesehen?’

‘Bist du öfter hier?’ antwortete er die Frage mit einer Gegenfrage.

‘Jupp!’ meine sie kurz, sie hasste es, wenn ihre Fragen mit einer Gegenfrage nicht beantwortet wurden. Wieder betretenes Schweigen und Strohhalmgeschlürfe, das nun er brach. ‘Ich war beruflich viel unterwegs.’

Er kramte in seiner Hosentasche und hielt ihr den Labello hin, sie nahm ihn ansich, aber nicht ohne ihn zu öffnen und sich die Lippen einzuschmieren. Nebenbei stolperte ein: ‘Soso!’ aus ihrem Mund.

‘In Grönland!’ meinte er.

‘Lassen sie mich raten, sie haben nach Öl gebohrt?’ fragte sie mit leicht ironischem Unterton und trank von ihrem Drink.

‘Waren wir nicht beim Du?’

‘Ja Du!’ meinte sie fast schon schnippisch. War das seine Masche, eine Frage immer mit einer Gegenfrage zu beantworten?

‘Es war Erdgas!’ antwortete er, wenn auch verspätet.

‘Und jetzt?’

‘Hab ich erstmal Homeoffice!’

Der Barkeeper kam wieder vorbei, bückte sich, hob etwas auf und legte etwas auf den Tresen. Es war ein Kondom. Dann grinste er: ‘Nehmt euch ein Zimmer!’

Sie wurde augenblicklich knallrot im Gesicht, schnappte sich das Kondom und flüsterte: ‘Muss mir wohl aus der Tasche geputzelt sein!’

Er grinste sie an und meinte nur: ‘Zahlen!’  

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As Time goes by

As Time goes by

Bogart_in_CasablancaKommt eine Frau mit Hut in eine verrauchte Pianobar. Sie hat den Kragen ihres Trenchcoats hochgeklappt und den Hut ins Gesicht gezogen. Eine Kippe hängt ihr im Mundwinkel.

Mehr konnte man nicht erkennen. Es schien alles schwarz-weiß zu sein und es schien tatsächlich niemand zu stören, dass der offensichtlich schwarze Putzmann summend und pfeifend die kleine Bühne wischte. Als er damit fertig war, setzte er sich an den Flügel und spielte: ‚As Time goes by!‘

Sie bestellte einen Gin Tonic mit Gurke. Der blöde Jüngling an der Bar servierte ihr umgehend ihren Drink. Sie lies ihren Blick über die Theke schweifen. Ihr Blick blieb auf einer Tafel hängen: Neu: Puni Smash 8,50, € Absinthe Sprite 7,50 €, La Bruna 6,50 €

Der Barkeeper blieb vor der Frau stehen und zeigte unmissverständlich auf ein Rauchverbotsschild. Die schwarz-weiß Szenerie löste sich augenblicklich auf und die Rauchschwaden verschwanden urplötzlich. Sogar der farbige Mann am Klavier war verschwunden. Nur der letzte Akkord von ‚As Time goes by‘ hallte noch in ihren Ohren.

Der Barkeeper stand immer noch vor der Frau und hielt ihr noch unmissverständlicher einen Aschenbecher hin. Sie nahm den Aschenbecher an sich und bedankte sich lächelnd, aschte ab und stellte den Aschenbecher neben ihren Drink und setzte sich auf den Barhocker. Der Hut flog auf den Tisch, sie verstrubbelte ihre kurzen schwarzen Haare mit einer Hand und grinste den Barkeeper lässig an.

‚So klein und schon Barkeeper?‘ meinte sie und zog wieder von der Zigarette.

‚Lady, entschuldigen Sie, hier ist Rauchverbot!‘ meinte er streng und griff wieder nach dem Aschenbecher. Sie zog nur eine Augenbraue hoch, zog nochmal genüsslich an der Zigarette, um sie danach sofort auszudrücken.

Der Barkeeper lies den Aschenbecher verschwinden und nahm eine weitere Bestellung auf.

‚Vier Weizen für die Band, kommt sofort!‘ kam es wie aus der Pistole geschossen, während die Frau sich nervös umblickte und an einem Plakat hängen blieb. ‚Utongo Mtembe spielt As Time goes by. Morgen hier!‘ Sie glaubte, den schwarzen Putzmann am Klavier auf dem Plakat wieder zu erkennen. Kopfschüttelnd beobachtete sie den Barkeeper bei seiner Arbeit. Er zapfte soeben das dritte Weißbier. Sie legte völlig unbewusst den Kopf schief und starrte den jungen Mann an und beobachtete ihn leicht aus dem Mundwinkel sabbernd dabei, wie er das Weißbier zapfte. Erst ließ er Weissbierunnachgiebig die goldene Flüssigkeit in das geneigte Glas laufen, dann zog er mit einer fließenden Handbewegung das Glas in eine aufrechte Position und verringerte den Druck. Die weißschäumende Flüssigkeit lief nun langsamer in das Glas, bis es fast voll war. Er stellte es ab und widmete sich dem nächsten Glas. Als er mit dem letzten Bier fertig war, griff er sich das erste Bier und ließ nochmal einen Sprutzer des Bieres in das Glas laufen. Der Schaum ergoss sich ins Glas, bis es voll war und mit einem Seufzer kam der Schaum über den Glasrand geschossen und rann zaghaft außen am Glas herab. Das selbe machte er mit dem Zweiten und Dritten. Sie seufzte bei jeder Vollendung und am Ende standen vier perfekt gefüllte Weißbiergläser auf einem Tablett und der jugendliche Barkeeper servierte sie alsgleich an die Bühne. Die Band hatte bereits die Bühne betreten und spielte ohne Vorwarnung auf. Ein Gast griff sich ans Herz, der überstürzte Beginn der Darbietung hatte wohl seinem Herzschrittmacher den Garaus gemacht und doch bestellte er ein Weizen. Der junge Zapfgott widmete völlig unbeeindruckt von der Musik dem nächsten Weißbier. Obwohl die Band mit ihren ohrenbetäubenden und gar grauenvollen Lärm alles Menschenwürdige übertönte, konnte sie mit dem letzten Sprutz Schaum, der in das Glas schoss, den leidenschaftlichen Seufzer des Bieres schier spüren. Während man krampfhaft versuchen sollte sich den Schlagzeuger nicht nackt vorzustellen und bloß nicht beim Geschlechtsverkehr, nahm das Grauen seinen Lauf, unaufhaltsam und ohrenbetäubend! Kopfkino lässt grüßen und wenn es wenigstens schwarz-weiß gewesen wäre.

Wie der Schlagzeuger sein schmieriges Grinsen nur unterbrach, um mit seiner gierigen Zunge über seinen schmales Oberlippenbärtchen zu streichen.

Und in dem Moment erkannte sie erst, dass sie wie gebannt auf den Schlagzeuger gestarrt hatte und erst als ihr im Moment der Erkenntnis die Kotze in ihre Mundhöhle schwappte, konnte sie erst ihren Blick von diesem gentechnischen Betriebsunfall da auf der Bühne abwenden. Ungläubig wie sie war, schickte sie ein Stoßgebet ans Universum. Aber es war nicht nur wie bei einem Unfall, es musste ein Fluch sein, sie konnte einfach nicht die Augen von dem Wahnsinn da auf der Bühne lösen.

Beim Höhepunkt des Liedes hatte es erschreckender Weise den Anschein, dass der Schlagzeuger mit seinem wollüstigen und aufdringlichen Grinsen auf den behaarten Lippen sich an einer seiner Trommeln verging. Er ritt das arme Ding wie ein wildes Tier und schlug dabei wie der uneheliche Sohn von Klaus Kinski auf die Becken ein, so dass es der Frau an der Bar schier den Tinnitus aus dem Ohr drosch.

Der Bassist indes riss den Rachen auf, wie ein hysterisches Magermodel das versuchte beim Kotzen zu lächeln, aber eher wirkte wie ein wild gewordener Neandertaler der grunzte und stöhnte und mit seinem abartigen Gesichtsausdruck sogar das leise Wimmern des nächsten Bieres übertönte. Der blasierte Blick des Neandertaler-Bassisten lies ihr die Tränen in den Augen gefrieren. Sie hatte den inständigen Wunsch zu flüchten, doch sie klammerte sich in einer schockartigen Starre an ihren Drink, wie ein Ertrinkender an einen Strohhalm. Sie war gefangen, wie ein scheues Reh im Lichtkegel eines Scheinwerfers. Den Tod ins Auge blickend und unfähig sich zu bewegen… es war wie eine alptraumhafte Nahetoderfahrung in der kakophonischen Klänge die Himmelspforte zum Einsturz brachten, Engel ihre Flügel verloren, nur weil sie Ohren hatten und sich der Teufel in der Hölle seine Schlittschuhe anzog, weil sein Zuhause langsam aber sicher zufror.

Zu allem Überfluss vergewaltigte der Steinzeit-Bassist gerade seinen jugendlichen Liebhaber aus Kirschholz in dem er immer und immer wieder seine schmierigen Pranken über die Seiten schrammelten. Er hatte sein Gesicht zur Faust geballt als er endlich zum Schuss kam, während der Gitarrist wie ein unbeteiligter Depp daneben saß, sich krampfhaft an die Noten klammerte, aber in aller Seelenruhe den Takt mitzählte. Der Höhepunkt des Stücks, das leise an 12 Ton Musik erinnerte, wurde von den Flatulenzen des Saxophonisten durchbrochen, der wohl das was in ihm rumorte durch die Beblasung seines Instrument auszudrücken versuchte. Die Gäste klatschten wie verrückt. Für was? Weil der langhaarige Bombenleger mit dem gestohlenen Saxophon seinen Einsatz nicht verpasst hat?

Endlich kehrte Stille ein, man konnte den Tinnitus in der Ecke noch würgen und wimmern hören und wenn ein Tinnitus Haare hätte, dann hätte sie sie gerne hochgehalten. Der Mann mit dem Herzschrittmacher schien mittlerweile verstorben zu sein, oder eingeschlafen. Und das war erst das erste Lied. Und da wundert man sich noch warum die Selbstmordrate in Großstädten immer weiter steigt.

Sie trank ihren ersten Drink in einem Zug leer, stellte das leere Glas auf den Tresen und zeigte unmissverständlich auf die Tafel und bestellte in Zeichensprache einen Puni Smash und einen Absinth Sprite, während die Band das zweite Lied anstimmte. Eine Ballade, die auch die restlichen Gäste in einen komatösen Dornröschenschlaf versetzte.

Der Absinth Sprite kam sofort, den kippte sie ohne Anstand auf einen Sitz runter. Die grüne Fee besänftigte zumindest ihren Magen und der aromatische Geschmack des Puni Smash lies den restlichen Teil des Konzerts halbwegs erträglich werden.

Der blonde Jünglich stellte ihr einen zweiten Puni Smash auf einer Serviette hin. Auf der Serviette stand: ‚Ich seh dir in die Augen, Kleines!‘ und eine Telefonnummer.

Tief in ihrem Herzen saß ein schwarzer Mann an einem Flügel und spielte ‚As Time goes by!‘

Sitzt ne Frau an der Bar und neben ihr steht ein pinker Regenschirm…

Sitzt ne Frau an der Bar und neben ihr steht ein pinker Regenschirm…

Milk_001Außer ihr saß niemand in dem Lokal. Der Barkeeper spielte Sudoku auf seinem Handy. Ein Lied von Nina Simon säuselte vor sich hin. Da kam ein Mann klitschnass in die Bar gestolpert und rutschte beinahe auf seiner eigenen Pfütze aus. Er trug einen durchnässten Trenchcoat und einen Hut. Als er den Hut abnahm, tropfte er die Bodenfliesen voll. Etwas zerstreut stolperte er an die Bar und legte seinen nassen Hut an den Tresen. Sie konnte nasse Schurwolle riechen, während er ohne weitere Unfälle versuchte seinen Mantel auszuziehen.

Sie nippte an ihrem Absinth Sprite.

‚Krieg ich hier auch was zu trinken, nicht dass es draußen nicht schon nass genug wäre.‘ rief der Mann und lachte über seinen eigenen Witz.

‚Was für ein Witzbold!‘ dachte sich die Frau.

Der Barkeeper konnte sich kaum von seinem Handy trennen.

‚Bemühen Sie sich nicht unnötig, ich nehm das Selbe wie die nette Dame!‘

‚Sie wissen ja jarnich ob ich ne Nette bin, wa!‘ berlinerte sie ihn garstig an.

‚Ja und die Plörre würd ich nicht freiwillig saufen.‘ flüsterte der Barkeeper fast unmerklich ins Glas als zum Kunden.

Sie schob ihm ihren Drink rüber und nickte ihm auffordernd zu.

‚Ich bin so frei!‘ meinte er und roch an dem Glas, zog dann etwas Flüssigkeit zwischen den Zähnen hindurch und tat so als wäre er bei einer Weinprobe. Daraufhin verschluckte er sich, verzog das Gesicht und räusperte sich mehrmals.

‚Ich nehm dann doch ein Bier!‘ meinte er kleinlaut und setzte sich endlich auf einen freien Barhocker.

‚Und was hat Sie hier her getrieben?‘ fragte er die Frau.

Sie blickte nur auf ihren tropfnassen Regenschirm und versuchte ihn so freundlich wie möglich anzulächeln.

‚Scheiß Wetter da draußen, gell!‘ meinte er aufdringlich.

Sie dachte sich nur, was er für ein Penner sei.

‚So ein Glas Milch für den jungen Mann!‘ meinte der Barkeeper und servierte ihm tatsächlich ein Glas Milch. Dann ging er zu der Frau und meinte: ‚Hey, Baby wie geht dein Rock auf? Den Rest kannst du mir erzählen, wenn wir verheiratet sind!‘

Sie grinste ihn dreckig an, legte 20 Euro auf den Tresen und meinte: ‚Stimmt so!‘

Der Barkeeper warf sein Handtuch auf die Theke und meinte: ‚Ich kündige!‘ Dann sprang er über die Bar und hielt ihr seinen Arm hin. Sie nahm ihren pinken Regenschirm und hakte sich bei ihm ein. Als sie durch die Tür verschwunden waren, kam der Koch aus der Küche gestürmt und blickte verwirrt auf den Tresen. Er nahm sich die 20 Euro, schüttelte den Kopf und verschwand wieder in seiner Küche.

14.02. oder sitzt eine Frau in einer Bar…

14.02.

Sitzt eine Frau in einer Bar, vor ihr ein Drink und neben ihr ein Teller mit einem Schnitzel drauf.

Homemade SchnitzelSie nippte an ihrem Drink und blickte über den Tresen auf die Verspiegelung hinter den unzähligen Schnapsflaschen. Der Neumond spiegelte sich darin. Sie drehte sich um und blickte durch die schmutzigen Scheiben der Fenster nach draußen. Der Neumond grinste sie höhnisch an. Mit einem grimmigen Gesichtsausdruck drehte sie sich wieder zu ihrem Drink und nippte daran. Dann stolperte ein: ‚Verfickte Grinsekatze!‘ über ihre Lippen. Ihr Blick streifte über das Schnitzel und dann starrte sie wieder gelangweilt in den Spiegel. Hinter ihr turtelte ein Liebespaar vorbei und sie setzten sich an einen Tisch. Sie schmusten und wunden sich um eine rote Rose herum. Ihr kam dabei fast die Kotze hoch. Sie nahm einen tiefen Schluck ihres Drinks und zählte in Gedanken die Schnapsflaschen an der Wand. Der Barkeeper beobachtete sie dabei. Sie schien es nicht zu merken und nippte weiter an ihrem Drink. Der Barkeeper wischte langsam über den Tresen und starrte sie weiter an. Das Schnitzel musste doch mittlerweile kalt sein. Sie nahm noch einen tiefen Schluck und leerte das Glas. Ihr Blick suchte den Barkeeper, der hastig wegsah. Sie hob das Glas und steckte den Finger mehrmals hinein, um ihm zu signalisieren, dass sie noch einen Drink wollte.

‚Noch einen Absinth Sprite?‘ rief er über den Tresen.

‚Mit Eis!‘ sagte sie in seine Richtung, war aber nicht sicher, ob er sie verstanden hatte. Ein weiteres Pärchen stolperte verliebt in die Bar.

Als er ihr den Drink über den Tresen reichte, meinte er kurz: ‚Geht aufs Haus!‘

‚Wie komm ich zu der Ehre?‘

‚Für die Erfindung eines neuen Drinks auf unserer Karte, kann ich schon mal einen Springen lassen.‘

‚Dann Danke und gern geschehen!‘

‚Wollen Sie ihr Schnitzel gar nicht essen?‘

‚Haben Sie was zum Einpacken, ich würde es gerne Mitnehmen!‘

‚Einen Moment, schöne Frau!‘ meinte er kurz und verschwand.

Sie zog nur die Augenbraue hoch, wegen der Phrase und nippte von ihrem Drink.

Er tauchte wieder auf und reichte ihr ein großes Stück Alufolie. ‚Ein Schnitzel zum Mitnehmen!‘ stolperte aus seinem Mund und er konnte sein Grinsen kaum zurückhalten und dann fragte er grade raus: ‚Warten Sie auf jemanden?‘

Sie schüttelte nur den Kopf und nippte nochmal von ihrem Drink.

‚Warum nicht?‘ fragte er hastig.

‚Hab mich im Datum geirrt, der Schnitzel- und Blowjobtag ist erst nächstes Monat.‘

‚Heute noch was vor?‘ fragte er verlegen.

‚Muss mein Schnitzel nachhause bringen!‘

‚Jetzt?‘

‚Wann dann?‘

‚Hätt‘ um Eins Schluss, könnte beim Tragen helfen!‘ meinte er verschmitzt.

Sie grinste nur, führte ihr Glas wieder an den Mund und dann nickte sie fast unmerklich.

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