Mein erster Schultag – Folge 15 ‘O Captain! My Captain!’ 

Mein erster Schultag – Folge 15 ‘O Captain! My Captain!’ 

‘O Captain! My Captain!’ meinte Abby und fuhr dann sehr oberlehrerhaft fort. ‘Schönes Zitat, wenn auch nicht ganz passend, weil unser lieber Herr Kowalsky heute seinen ersten Tag überstehen wird und noch nicht auf Tod auf dem Deck liegt!’

Sie warf einen Blick auf den Stundenplan und rief dann: ‘Michael, sei mal froh, dass wir im Anschluss kein Englisch haben, sondern leider nur Deutsch und wir besprechen, mit welchen Buchvorstellungen ihr in diesem Monat starten werdet!’ 

‘Und jetzt runter vom Stuhl. Mit dem Reinigen von Tischen kennst du dich ja schon aus, dann kommen jetzt noch die Stühle hinzu und beeil dich, die Pause ist gleich rum.’ meinte ich kalt. 

Heino grinste Zecke gehässig an und wollte gerade verschwinden, als ich hinzufügte: ‘Wer im Trockenen sitzt, lacht über den Regen! Heino ist seinem neuen besten Freund bestimmt gerne beim Trocknen der Tische und Stühle behilflich!’

Abby war bereits vorgelaufen und holte sich einen Kakao und eine Wurstsemmel. Zecke und Heino trollten sich und eine der Mitarbeiterinnen der Mensa drückte ihnen ein paar Putzlumpen und einen Eimer in die Hand, während sie mir dankbar zulächelte. 

Ich humpelte durch den Raum, schnappte mir auch ein Tablett und blieb dann unschlüssig bei den belegten Semmeln stehen. 

Die Dame von der Mensa stellte mir einen Kaffee auf mein Tablett und flüsterte mir dann ins Ohr: ‘Eigentlich gibts hier keinen Kaffee, aber für Sie mach ich eine Ausnahme. Wenig Milch und viel Zucker, stimmts!’ 

‘Haben Sie hier auch eine Akte von mir angelegt?’ wollte ich wissen und nahm mir ein Schinkenbrötchen.

‘Haben Sie Lebensmittelunverträglichkeiten?’ kontere sie mit einer Gegenfrage. 

Ich schüttelte den Kopf und sie erwiderte grinsend: ‘Dann nicht!’

‘Das ist unsere gute Erna!’ meinte Abby, auf dem Weg zu einem der Tische. ‘Wir haben noch genau 7 Minuten und dann gehts weiter!‘

Tatsächlich haben wir es geschafft in sieben Minuten eine Semmel und ein Getränk zu inhalieren und die Junges waren in genau 6 Minuten fertig und Erna hatte jeweils eine halbe Tasse Kaffee für die beiden, den sie mit reichlich Milch gestreckt hatte. 

Die Beiden kippten die Tasse, als wäre es Schnaps und verschwanden aber nicht, bevor sie nicht auch noch unseren Tisch und die beiden Stühle gewischt hatten. Die beiden heckten wahrscheinlich wieder etwas aus, aber ich war gedanklich schon bei Geschichte der siebten Jahrgangsstufen und war gedanklich schon bei der Völkerwanderung und auf dem Weg ins Mittelalter. 

Fortsetzung folgt vielleicht…

Mein erster Schultag – Folge 14 ‘Guter Mann!’

Mein erster Schultag – Folge 14 ‘Guter Mann!’

‘Guter Mann!’ wiederholte sich der Rektor und hörte gar nicht mehr auf, meine Schulter zu klopfen. 

‘Danke Herr Direktor, aber ich muss das Lob gleich mal an die Herren der Klasse 10b und die Ladies der Klasse 10a weitergeben, oder hätte ich das jetzt andersrum sagen sollen? Die Idee kam von unserer Schülerschaft!’ erklärte ich und schob Michael und Maria nach vorne. ‘Michael hat kurz vor Ende der Stunde uns den Floh ins Ohr gesetzt und dann hat Maria uns daran erinnert, dass das Schwimmbad in der Schulbroschüre steht und dass sie deshalb von ihren Eltern hierher geschickt wurde!’ 

‘Herr Kowalsky, ich kümmere mich darum, aber es ist jede Menge Arbeit für uns alle!’ erklärte der Rektor und machte Anstalten endgültig aus der Mensa verschwinden zu wollen.

‘Es wäre ja nicht auszudenken, wenn sich Eltern beschweren würden, wenn sich diese Broschüre mit falschen Federn schmücken würde.’ rief Zecke und grinste dreckig in die Runde.

Der Rektor drehte sich um und Zecke tauchte in der Menge unter, worauf der Rektor ein wenig pikiert aus der Wäsche blickte.

‘Jeder macht seine Hausaufgaben und nächste Woche machen wir eine Runde mit dem neuen Schwimmbad Komitee, Herr Kowalsky, Frau Miller, Herr Lempke, Herr Werting!’ meinte der Rektor abschließend und verließ nun wirklich die Mensa.

‘Warum jetzt wieder ich, meine Frau steigt mir schon aufs Dach, dass ich sie betrüge, weil sie nicht glaubt, dass man als Lehrer so viel arbeiten muss.’ beschwerte sich Werting bei Abby und folgte sofort dem Rektor aus der Tür. 

‘Das macht gleich mal noch einen freiwillige Arbeitsstunde mehr, für versuchte Erpressung!’ zischte ich Zecke zu und zog dann ganz langsam eine Augenbraue rauf und begann zu lächeln. 

‘O Captain! My Captain!’ rief er und machte Anstalten auf einen Mensastuhl steigen zu wollen. 

Fortsetzung folgt…

Mein erster Schultag – Folge 13 ‘Auweia, das Schwimmbad!’

Mein erster Schultag – Folge 13 ‘Auweia, das Schwimmbad!’

Von wegen mit der Tür ins Haus fallen. Das war scheinbar nicht nur meine Spezialität. Nachdem ich mich mittlerweile daran gewöhnt hatte, dass mich alle immer und jederzeit anstarrten, achtete ich nicht auf Abby, der es scheinbar ziemlich peinlich war, dass nun auch sie angestarrt wurde.

Sie zischte mir mit geschlossenen Zähnen zu: ‘Kein weiteres Wort über das Schwimmbad!’ Wobei ich ihre letzten Worte kaum verstehen konnte, aber mein Hirn setzte die richtigen Worte aus den Wortfetzen irgendwie logisch zusammen. ‘Vor allem nicht zu Lemke!’

‘Was haben denn alle gegen…!’ fing ich an. Wie als wäre er ein praktizierender Quantenmechaniker, stand er wie aus einer anderen Realität hergezaubert neben mir und zischte mir weniger leise zu: ‘Se brochen nit globen, dass Se sich det Schwimmbad auf de Fahnen pinseln können!’

Nur der Hausmeister Lempke hatte die Rechnung nicht mit dem Wirt gemacht, weil der Rektor wiederum urplötzlich neben ihm auftauchte. Der alte Quantenphysiker hatte ein ähnliches Talent ungefragt und lautlos einfach so in Gesprächen aufzutauchen. Er rief freudig erregt, während er mir auf die Schulter klopfte: ‘Ach, Herr Kowalsky. Da haben Sie sich aber ein kostspieliges ‘Soziales Projekt’ rausgesucht!’

‘Herr Schulleiter, was soll ich nu noch alles machn?’ rief der Hausmeister empört.

‘Fürs Schwimmbad würde ich beim Sportunterricht der Mädchen unterstützen und wenn es fertig ist, den Schwimmunterricht übernehmen!’ rief Abby und grinste den Hausmeister ziemlich gehässig an. 

‘Beim Schwimmen bräuchte ich auch keine praktische Unterstützung mehr, weil Schwimmen ist grad das Einzige, was ich machen darf, in der Hoffnung, dass sich dann mein derzeitiger Zustand bald verbessert…’ stolperte mir aus dem Mund und wie als hätte man einen Ballon angestochen, konnte ich gar nicht mehr aufhören zu plappern. Lempke blickte uns misstrauisch an, was mich umgehend zum Verstummen brachte, als es mit gewahr wurde. Der Hausmeister wollte gerade wieder anfangen zu lamentieren, als Abby mir sanft auf den Fuß stieg. 

‘Ich würde ja auch noch den Vertrauenslehrer machen, wenn wir hier nicht so eine strikte Gendertrennung hätten.’ rief ich wie aus der Pistole geschossen.

‘Kowalsky, ich wusste, dass Sie hier frischen Wind reinbringen. Aber bevor uns unser guter Herr Lempke noch aufs Dach steigt, dass er neue Schilder auf den Toiletten anbringen muss, möchte ich gerne unser Frl. Miller, die meiner Vorgängerin damit schon seit Jahren auf den Zeiger geht, und Sie bitten, eine anonyme Umfrage zu machen, ob eine Notwendigkeit besteht oder Gesprächsbedarf. Und dann sehen wir weiter. Mir ist recht, was unsere Schülerschaft wirklich braucht, sie sollen sich hier wohl fühlen und wegen dem Schwimmbad, da muss ich den Finanzplan durchgehen!’ erklärte Herr Walddorfer und er wand sich für meinen Geschmack ein Wenig zu leicht aus der Affäre. 

‘Durch die Zusammenlegung müssen doch ein paar Gelder eingespart worden sein?’ meinte Abby und blickte mich an. 

‘Die Klasse 10b hat sich bereit erklärt mit einer BöseWorteSpendenkasse Geld zu sammeln oder Arbeitseinsätze zu spenden, wir haben schon 2 Euro und 4 Gefallen!’ erklärte nun ich.

Einige Schüler standen auf, darunter auch Nancy und Kevin, der gleich zu reden begann, uns dabei aber nicht anblickte, während Nancy einen Euro in eine selbst gebastelte Pappkasse warf: ‘Tschuldigung, eigentlich sind es 3 Gefallen und 3 Euro und wir haben eine provisorische Kasse gebastelt. Wir kriegen von Ihnen noch einen Euro, Herr Kowalsky!’ 

Ich fing an in meinen Hosentaschen zu krame, fand ein 2 Euro Stück und warf es in die Pappschachtel mit Schlitz. 

‘Und wir Heimschläfer haben uns gedacht, dass wir zu öffentlichen Veranstaltungen oder zum Bürgermeister gehen könnten, um Spenden sammeln.’ meinte Maria, die Fritz im Schlepptau hatte. 

‘Ihr überrascht mich immer wieder, Kinder!’ rief der Rektor und fuhr dann etwas leiser fort. ‘Das heißt das soziale Projekt von Frau Miller und Herrn Kowalsky dieses Jahr Schwimmbad! Wir versuchen unseren Herrn Lempke möglichst viel zu entlasten, also macht ihm bitte keine unnötige Arbeit, damit er Zeit hat für unser Schwimmbad.

‘Wir könnten doch die Umlaufpumpe in der Werkstattzeit reparieren oder gleich die ganze Anlage warten!’ meinte Zecke, der tatsächlich Heino an der Schulter zu der Gruppe hinzu zerrte. ‘Die ersten Arbeitseinsätze gehen eh auf unser Schuldenkonto!’

‘Das ist vor allem für unsere Schüler gut, die eh in einen technischen Berufen gehen wollen, dann könnten wir ihnen zum Halbjahreszeugnis auch noch ein Arbeitszeugnis ausstellen!’ rief Werting und stellte sich interessiert zu der immer mehr wachsenden Gruppe hinzu. 

‘Gut, ich rechne das durch und schreib einen Rundbrief an die Eltern, vielleicht will jemand spenden. Lempke, ich brauch einen Kostenvoranschlag für sämtliches Material und Werkzeug was wir unbedingt kaufen müssen. Dann brauchen wir einen Plan, was wir mit Arbeitseinsätzen machen können und von unseren Heimschläfern bekomme ich bis nächste Woche eure Vorschläge. Ein Businessplan sozusagen.’ rief der Rektor und klopfte mir auf die Schulter. ‘Guter Mann!’

Fortsetzung folgt… vielleicht!

Mein erster Schultag – Folge 12 ‘Bis hierher und immer weiter!’

Mein erster Schultag – Folge 12 ‘Bis hierher und immer weiter!’

Was meinst du mit: Bis hierher und immer weiter?’ wollte Abby wissen. 

Ich blickte sie eine Weile an und meinte dann: ‘Ich dachte es wäre ein passendes Filmzitat, aber irgendwie passt es nicht ganz!’ 

‘Ich kenn noch nicht mal den Film!’ meinte sie und lächelte mich an, so wie man einen Nerd belächeln würde, den man nicht ganz ernst nimmt. 

‘Ich kann mich auch nur noch an das Zitat erinnern! In meinem Kopf vermischt sich das alles zu einem WesternKriegsZeichentrickFilm!’

Sie blickte mich eine ganze Weile sehr nachdenklich an und meinte dann: ‘Kein Porno, ich bin enttäuscht, Ernie!’

‘Nicht während der Arbeit!’ meinte ich kurz, grinste sie schelmisch an, um gleich wieder das Thema wechseln zu wollen. Ich dachte einen Moment über die letzten beiden Schulstunden nach, räusperte mich und setzte dann erneut an: ‘Die Jungs haben Angst ich könnte ihnen an die Wäsche gehen und dass sie dann als Schlagzeile in der Blöd landen! Ach und die Mädels haben eine katholische Sitzordnung gefordert, bevor sie sich mit den Jungs in einen Raum gesetzt haben.’

‘Und was hast du sonst für einen Eindruck?’

‘Das sie schon längst mal jemand gebrauchen könnten, dem sie vertrauen können!’

‘Und der bist jetzt du?’ rief Abby eingeschnappter, als sie vielleicht wollte.

‘Bei den Jungs, scheinbar!’ erwiderte ich kleinlaut und hielt ihr die Klassentür auf. 

‘Hast du dir schon überlegt, ob du der Vertrauenslehrer bei den Jungs sein möchtest?’ wollte sie von mir wissen, als ich ihr durch die Tür folgte. Sie lief schnurstracks auf den Aufzug zu und hielt ihre Karte ans Display. Unser Gespräch wurde seltsamerweise von dem kommenden Aufzug unterbrochen und ich begann erst wieder zur reden, als wir beide im Aufzug waren und sich die Türen wieder geschlossen hatten: ‘Ja, aber ich würde das nur machen, wenn das nicht gendermäßig getrennt wäre.’ 

‘Du fällst gerne mit der Tür ins Haus!’ rief sie und drückte auf den Knopf, der uns ins Erdgeschoss brachte. Wir liefen wieder Richtung Aula. 

Ich begann meine Aussage rechtfertigen zu wollen: ‘Rein statistisch gesehen müssten zumindest ein paar Schüler dabei sein, die sich jeden Tag nicht so ganz sicher sind in welches Klo sie gehen sollen oder wollen, oder sich eventuell in der Umkleidekabine oder Dusche irgendwie unwohl fühlen, wenn sich die anderen ausziehen oder, oder, oder?’

‘Du glaubst gar nicht wie recht du damit hast.’ meinte Abby und blickte mich durchdringend an, während sie dann in einen Anbau abbog, der verdächtig nach einem enormen Wintergarten aussah. 

Ich beschloss wieder das Thema zurückzuwechseln: ‘Nochmal zurück auf deine Frage, was ich sonst für einen Eindruck habe! Eines ist mir heute klar geworden, der größte Wunsch unserer Schüler scheint im Moment zu sein, im Schwimmbad schwimmen zu dürfen oder einfach nur schwimmen zu lernen!’

‘Auweia, das Schwimmbad!’ rief Abby, während sie die Tür zur Mensa aufmachte. Alle drehten sich um und blickten uns an.

Fortsetzung folgt…

Mein erster Schultag – Folge 11 Holy Shit

Mein erster Schultag – Folge 11 Holy Shit

‘Holy Shit, Kevin! Ernsthaft?’ wollte ich wissen. 

Kevin versuchte Nancy für den Bruchteil einer Sekunde anzublicken, griff dann aber in seine Hosentasche und zog einen Euro heraus. Ganz langsam legte er ihn auf den Tisch, räusperte sich und sprach dann mehr mit dem Euro als mit ihr oder mir: ‘Herr Kowalski, ich hab hier einen Euro für unsere Schwimmbadkasse und fürs Protokoll ich würde Nancy sehr gerne das schwimmen beibringen, für mehr bin ich grad nicht im Stande.’

Ich bemerkte wie seine Finger zitterten und ihm der Schweiß auf der Stirn stand. Er legte die Hände vor sich auf die Bank und versuchte langsam ein- und auszuatmen. Sie legte ihre Hände neben seine und lächelte ihn scheel von der Seite an. Die beiden würden das schon hinkriegen. 

Nun ging der Lauf von vorhin seinen Gang und meine heutige Schülerschaft stellte sich dann ohne weitere Zwischenfälle vor und ich konnte mich endlich setzten. Mein Bein brachte mich jetzt schon um die kläglichen Reste meines Verstandes. Ich versuchte den Schmerz zu ignorieren und ließ mich von den Erzählungen meiner Schüler berieseln, bis mich der Gong aus meiner Konzentration riss. 

Am Ende der Stunde hatte ich sehr viel von meinen Schülern gelernt. Meine Schüler sind bestimmt keine Lämmer, manche sind bestimmt auch nicht unschuldig, aber ich glaube tatsächlich, dass alle irgendwie die Kurve kriegen. Mit was sie teilweise schon zu kämpfen hatten, obwohl sie eigentlich noch Kinder waren und der größte Wunsch den sie auf dem Herzen hatten war ein Besuch bei der Oma oder eine Runde schwimmen in unserem Schwimmbad. Oder einfach nur schwimmen lernen, weil es ihnen bis jetzt keiner beigebracht hatte. Das war so kaputt und vor allem weil das Schwimmbad kaputt zu sein schien.

Ich konnte mich erinnern, dass ich auch auf den Flyer hereingefallen war. Das Schwimmbad war unter anderem auch mein Grund, meine Bewerbungsunterlagen hierher zu schicken. Dementsprechend sauer war ich auch, dass das Schwimmbad außer Betrieb war und dass ich zufällig von meinen Schülern davon erfahren musste. 

Und wer wäre ich, wenn ich nicht alles Menschenmögliche unternehmen würde, um ihnen wenigstens diesen einen Wunsch zu erfüllen. So kompliziert würde das schon sein, eine Umwälzpumpe zu reparieren. 

Gut, im Reparieren von Maschinen war ich schon mal nicht so gut. Ich war Sanitäter, wir reparieren mit Wundstiller und Tape, Wundkleber und Plastiktüten. Wir basteln aus allem ein Röhrchen für einen Luftröhrenschnitt, aber die Umwälzpumpe war definitiv eine Sache für unseren Hausmeister und den würde ich mir gleich in der Pause krallen. 

In meinem Kopf formulierte ich schon eine Rede. Die Kids hatten bereits das Klassenzimmer verlassen und ich schreckte erst wieder auf als, Abby den Kopf bei der Tür herein streckte.

‘Bis hierher und immer weiter!’ rief ich und grinste sie begeistert an.

Fortsetzung folgt…

Mein erster Schultag – Folge 10 Herr Fußfessel und Frau Vatermörderin

Mein erster Schultag – Folge 10 Herr Fußfessel und Frau Vatermörderin

Ich wachte aus meinem äußerst kurzen Tagtraum, in dem ich als Romanautor gefeiert wurde, auf. Und wer hatte meinen kurzen Moment des Ruhms gestört? Heino hatte sich wohl schon eine Weile gemeldet und fing jetzt mit einem nervigen Schnipsen an. Habe ich das Streberschnipsen schon als Schüler gehasst.

‘Was verschafft uns die Ehre, Herr Müller!’ meinte ich, schnappte mir die Papierkugel und trug sie zu Heino rüber. 

‚Ich kann auch nicht schwimmen!’ erklärte er kurz, kriddelte an der Papierkugel herum und blickte Nancy verliebt an.

‘Das kommt in der Reihe der geistreichsten Filmzitate gleich nach: ‘Ich habe eine Melone getragen!’ Herr Müller, wollten wir uns nicht der ganzen Klasse vorstellen?’ meinte ich reichlich enttäuscht von seiner Vorstellung und machte noch dazu eine ankurbelnde Handbewegung. 

Er verschränkte wieder die Arme und blickte mich eine ganze Weile wütend an, bis ihm fast schon die Tränen in die Augen schossen.

‘Heino, ich bitte dich am Unterricht teilzunehmen. Gib dir nen Ruck, wir hatten doch vorhin so einen guten Lauf!’ meinte ich eine ganze Spur netter, als noch vor einer Minute.

Er blickte wieder für einen Moment aus dem Fenster, räusperte sich dann und fing dann langsam und ziemlich zögerlich an zu sprechen: ‘Ich bin Heino! Mein Vater ist ein Arschloch. Und ein Nazi.’ Zecke klopfte ihm auf die Schulter, was ihn scheinbar wirklich ermunterte weiterzureden. ‘Eigentlich will ich nicht so werden wie mein Vater, aber das ist echt nicht so einfach, wenn man von einem Nazi erzogen wurde.’ Er machte eine kurze Pause, räusperte sich erneut und stammelte dann fast schon unbeholfen weiter: ‘Und Nancy, es tut mir leid, ich hätte dich nicht so bedrängen dürfen.’

Aus Nancys Mund stolperte ein: ‘Verdammt!’

‘Meine Damen und Herren, ihr macht mich fertig, ich bekomme vorzeitig graue Haare und ihr werdet mich noch ins Grab bringen. Verdammt ist nicht okay, wenn wir eine Fluchkasse aufmachen.’

‘Aber Sie haben doch zu mir gesagt, dass ich was Irrationales machen soll.’ zickte Nancy mich nun ehrlich empört an. 

‘Und jetzt ist dir Heino gerade in die Parade gefahren?’ wollte ich wissen.

‘Zum zweiten Mal an einem Tag.’ funkelte sie mich an. 

‘Nimmst du seine Entschuldigung an?’ wollte ich wissen. 

‘Wenn er mich in Ruhe lässt, ja. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich auf Mädchen steh oder auf… ! Aber wer geht schon mit einer Mörderin aus?’ meinte sie und schob einen Zettel zu Kevin hinüber. 

Aus Kevins Mund stolperte ein: ‘Holy Shit!’

 

Fortsetzung folgt…

Mein erster Schultag – Folge 9 Katholische Sitzordnung

Mein erster Schultag – Folge 9 Katholische Sitzordnung

‘Jungs ihr habt es gehört, die katholische Sitzordnung wurde angesagt. Rutscht mal zusammen. Zecke kann die freien Tische gleich mal wischen und ich hoffe ihr benehmt euch, sonst wird’s nichts mit dem Schwimmbad oder sonst was.’ warnte ich die Jungs und war schon gespannt, was nun passieren würde.

Die Mädels kamen teilweise wie scheue Rehe ins Zimmer geströmt und die Jungs machten mürrisch Platz. Heino blickte wie gebannt auf die Tür, als das Mädchen von vorhin den Raum betrat. Sie ging ganz nach vorne und ging um den Tisch herum, an dem Kevin gerade seine Sachen zusammen packte, doch er trödelte ziemlich und im Nu waren alle Plätze belegt. Alle Plätze außer der neben Heino, was mich dazu veranlasste, die katholische Sitzordnung empfindlich zu stören.

‘Junge Dame, es tut mir leid. Ihr beide habt den Kürzeren gezogen und zerstört damit die gewünschte katholische Sitzordnung. Aber Kevin hier wird sich benehmen, hab ich Recht!’

Kevin nickte übertrieben aufrichtig, die Kleine nickte kaum merklich und setzte sich neben Kevin. Zecke wischte nur die eine Hälfte des Tisches, warf den Schwamm dann lässig ins Waschbecken und schlenderte durch den Raum, um sich neben Heino zu setzen. Sie blickten sich eine Weile grimmig an, bis Zecke plötzlich zu grinsen begann und Heino dann einfach die Hand hinhielt.

Ich trommelte auf den Tisch und rief: ‘Hier wird gerade ein Kriegsbeil begraben! Sehr schön!’

Heino erstaunte mich wirklich, denn er griff nach Zeckes Hand und schüttelte sie lässig. Dabei funkelte er mich an, verzog sein Gesicht zu einem gequälten Lächeln, um dann wieder seine übliche Haltung einzunehmen. Arme verschränkt und den Blick aus dem Fenster.

‘Gut, Ladies. Herzlich willkommen in der 10b. Wir sind mit der Kennenlernrunde noch nicht ganz fertig und ich frage mich, ob wir nicht langsam alberne Namensschilder basteln sollten.’ fing ich wieder an und nachdem alle Schüler vehement mit ihren Köpfen schüttelten, ließen wir es einfach sein.

Eine Papierkugel hätte mich beinahe am Kopf getroffen, doch ich wehrte sie ab und die Kugel fiel auf den Tisch von Henning und Fritz. Ich ging zu seinem Tisch und nahm die Papierkugel, wickelte sie auf, blickte auf das Papier. Gelächter erscholl und ich drehte das Blatt um. Darauf stand: ‘Homo!’

‘Sehr geistreich, Zecke! Das ist doch deine Schrift, oder?’ meinte ich cooler, als mir zumute war. Ich schluckte aber meinen Ärger hinunter und nahm die Herausforderung dankend an: ‘Katsching, Katsching. Der Witz geht auf die Kosten deines Gefallenkontos. Ich sehe dich schon die Fliesen im Schwimmbad mit einem ganz kleinen Schwamm putzen.’

‘Fürs Protokoll, wenn: ‘Dein Vater ist ein Nazi!’ keine Beleidigung ist. Verdammt, okay ist, homo aber nicht, bin ich zurecht verwirrt.’ versuchte sich Zecke herauszureden.

‘Michael, nenn mich doch bitte einfach Herr Kowalski und stell dich bitte kurz vor.’

Zecke stellte sich hin und griff wieder an seine Hose.

‘Und die Hose bitte anlassen, Michael!’ rief ich fast schon ein bisschen gelangweilt.

Er setzte sich wieder, verschränkte die Arme und blickte auf die Tür.

‘Danke, Zecke! Kann ich dann reden und versuchen eine Unterrichtsstunde zu halten?’ wollte ich abschließend wissen, worauf sich Zecke nicht mehr regte.

‘Also Ladies. Ich bin Herr Kowalski und tatsächlich sind wir gerade mitten in der Vorstellrunde bei einer Fluchkasse hängen geblieben. Und nachdem ich hier neu bin, müsst ihr mir das mit dem Schwimmbad schon erklären.’ fing ich wieder an und zeigte auf den Jungen, der mit dem Schwimmbad angefangen hatte. ‘Stell dich kurz vor und erzähl uns, warum dir das Schwimmbad so am Herzen liegt.’

‘Hallo, ich heiße auch Michael und ich finde gut, wenn Zecke weiterhin Zecke heißt, weil dann ist es weniger verwirrend für mich.’ fing er an und blickte zu Zecke hinüber, der beide Daumen hochhob. Michael krempelte sein Hosenbein hoch und fuhr fort. ‘Ich hab gedopt, habs übertrieben, wurde erwischt, bin von der Schule geflogen. War auf Entzug, bin jetzt clean und dabei ging es doch immer nur ums Schwimmen. Nicht immer nur ums gewinnen, das hab ich wohl aus den Augen verloren.’

Ein Mädchen räusperte sich. ‘Tschuldigung, wenn ich einhaken darf. Ich bin die Maria, ich hab nix ausgefressen. Meine Eltern haben mich hierher geschickt, weil es hier angeblich ein Schwimmbad gibt. Doch es ist außer Betrieb. Das ist doch Beschiss.’

Michael nickte und meinte: ‘Genau. Es wäre alles viel besser, wenn wir schwimmen könnten.’

‘Dem muss ich beipflichten. Schwimmen ist grad der einzige Sport, den ich machen kann, ohne mein Bein zu sehr zu belasten.’ erwiderte ich und zeigte gleich auf den nächsten Jungen, der sich meldete.

‘Hallo, ich bin Jonas. Der Hausmeister sagt, die Umwälzpumpe ist kaputt und er wartet auf Ersatzteile.’

‘Danke Jonas, ich gehe dem nach und berichte nächste Woche, wo es gerade hängt und was wir da tun können.’ schlug ich vor, knüllte das Papier zusammen und legte es auf den Tisch von Kevin und dem Mädchen, bevor ich fortfuhr. ‘Machen wir mit der Vorstellrunde weiter und erzählt mir ruhig ein Bisschen mehr über euch.’

‘Ich bin Kevin, hab ne Fußfessel wegen Ritalin dealen und komme nicht immer mit fremden Menschen zurecht, also bitte nicht böse sein, wenn ich euch nicht in die Augen sehe, wenn ihr mich ansprecht.’ meinte Kevin und schob die Kugel an das Mädchen weiter.

Sie nahm die Kugel in die Hand und blickte sie seltsam an, bevor sie zu sprechen begann: ‘Ich bin Nancy. Meine Vater war ein Trinker. Ich hab ihn daran gehindert meine Mutter totzuprügeln. Hab Bewährung bekommen, bin aber trotzdem hier gelandet, weil meine Mom immer noch im Koma liegt. Ach und ich kann nicht schwimmen, aber ich würde es gerne lernen.’

Wow. Jetzt war ich schockiert. Herr Fußfessel und Frau Vatermörderin, ein toller Titel für einen Roman. Ich schweifte wohl geistig einen Moment ab…

Fortsetzung folgt…

Mein erster Schultag – Folge 8 ‘Ich sag euch das!’

Mein erster Schultag – Folge 8 ‘Ich sag euch das!’

Ich sag euch, dass ihr bei mir sicher seid, weil ich meine Hose anbehalten werde und meine Finger bei mir.’ rief ich wie immer in meinem üblichen Ton.

Dieser Heino schafft es wirklich mich derart auf die Palme zu bringen. Ich musste tief durchatmen, bevor ich in einem etwas gemäßigteren Ton weiterreden konnte. ‘Ich werde immer ehrlich zu euch sein, auch wenn ihr es wahrscheinlich nicht hören wollt, aber ich erwarte auch von euch zu mir ehrlich zu sein. Sagt mir, wenn euch was zu viel ist, ihr was nicht versteht oder wenn euch was belastet oder beschäftigt. Ich kann im seltensten Fall in eure Köpfe schauen.’ Auch wenn ich mich scheinbar um Kopf und Kragen redete, hatte ich das Gefühl ich müsste es einfach mal gesagt haben. 

Gemurmel machte sich breit.

‘Es gab nicht nur einen Moment in meinem Leben, an dem ich nicht an Gott, dem Universum, dem Volksmund oder an meinem Vaterland gezweifelt hatte, aber ich bin ein gutes Beispiel dafür, dass man niemanden in eine Schublade stecken sollte, bevor man sich selbst ein Bild gemacht hat.’ platze es schlussendlich aus mir heraus und das war der Punkt, an dem die Stimmung in meine Richtung kippte. Es knisterte schier in der Luft. Das war der Punkt, der ihre Zungen lockerte.

Kevin nickte, krempelte sein Hosenbein hoch und fing an zu erzählen: ‘Der Arzt meiner Eltern hat ziemlich früh schon diagnostiziert, dass ich ADHS hätte, ich bekam meine halbe Kindheit Ritalin. Tatsächlich hätte der Arzt besser eine leichte Art von Autismus feststellen können, dann würde ich mit 17 nicht aussehen, als wäre ich erst 13. Als ich irgendwann gelernt habe, wie man Google benutzt, hab ich mein Ritalin abgesetzt und die Tabletten am Bahnhof verkauft.’ Er hörte abrupt auf zu reden und blickte einen anderen Jungen in der zweiten Reihe an. 

‘Ich bin Fritz und ich hab die Pillen von Kevin gekauft. Das Ritalin war aber nur der Anfang. Ich wurde abhängig, weil ich auf dem Gymi nicht mehr mitkam. Ich war auf Entzug und das Internat ist meine Strafe.’ meinte Fritz, krempelte sein Hosenbein hoch und fuhr fort. ‘Von meinem Vater, der es immer noch nicht verschmerzen kann, dass ich wohl kein Arzt werde!’ Fritz hatte keine Fußfessel. 

Henning meldete sich sogar und begann zu reden, als ich ihm zunickte: ‘Mich hat meine Großmutter aufgezogen, weil man Vater immer auf Geschäftsreise ist. Sie hat Alzheimer bekommen, sie ist auch zum Arzt und so, aber die konnten ihr nur bedingt helfen und ich Idiot hab sie lange Zeit gedeckt. Und als sie mal wieder ausgebüchst ist, hab ich mir den Oldtimer von meinem Vater gezockt und hab sie gesucht. Die Polizei wollte mich kontrollieren, die Verfolgungsjagd war megageil, bis mich die Leitplanke auf der Auffahrt zur Bundesstraße aufgehalten hat. Ich werde wohl nie meinen Führerschein machen dürfen. Meine Oma ist jetzt in einem tollen Heim und wenn ich die Fußfessel los bin, werd ich hier blieben, weil das Altersheim von meiner Oma hier in der Nähe ist, auch wenn sie sich vielleicht nicht mehr an mich erinnert, werd ich sie endlich besuchen können.’

Ich sah einige Daumen, die nach oben gingen und der Gong ertönte. 

‘Verdammt!’ stolperte aus meinem Mund. 

‘Beleidigen ist nicht okay, aber fluchen schon?’ wollte Zecke wissen.

‘Wenn wir eine Kasse aufmachen und ihr Gefallen und ich nen Euro rein werfe, dann werde ich am Ende des Schuljahres arm sein und ihr könnt eure Gefallenschulden bei mir nie zurückzahlen.’ erwiderte ich cool.

‘Ähm, wenn wir Geld sammeln, vielleicht könnten wir das Schwimmbad wieder öffnen?’ meinte ein Junge in der dritten Reihe. 

Die Tür ging auf und ein Mädchen streckte den Kopf rein. ‘Kommen Sie zu uns, oder sollen wir kommen.’

‘Einen wunderschönen guten Morgen, junge Dame! Ich habe keine Ahnung!’ begann ich und zog meinen imaginären Hut. ‘Wieviele seid ihr und wieviel Platz habt ihr?’ 

Sie blickte in die Runde, zählte kurz durch und meinte dann: ‘Wir kommen zu euch! Aber Einige von uns würden eine katholische Sitzordnung bevorzugen.’

Fortsetzung folgt…

Mein erster Schultag – Folge 7 Quid pro Quo

Mein erster Schultag – Folge 7 Quid pro Quo

‘Quid pro Quo, Herr Kowalski, Quid pro Quo!’ meinte Zecke, stand auf und öffnete seinen Gürtel. 

‘Zecke, lass ihn bitte in der Hose und Jungs bitte versprecht mir, dass ihr euch nachher benehmt, wenn die Mädels dazukommen!’ rief ich und schloss meine Augen. Natürlich blinzelte ich.

Zecke hielt inne und blickte auf die anderen Jungs, als er weiter machte und dabei seinem Statement ein Denkmal setzen wollte: ‘Ich bin links exibitionistisch veranlagt und verabscheue Gewalt.’

Einige lachten. Heino wurde scheinbar wütend und fing an: ‘Ich hab leider kein Handy, aber das wäre ein spitzen Bild für die Lügenpresse.’

‘Touché, Heino!’ meinte ich, hielt mir nun die Augen mit einer Hand zu und fuhr fort: ‘Sagt mir bitte, dass er die Hose noch anhat.’

‘Super Schlagzeile: Schwuler Lehrer vergreift sich an sozial benachteiligten Schüler.’ meinte Heino wieder.  

‘Schubladendenken! Jegliches Vergreifen ist für jeden strafbar der sich vergreift, egal welche sexuelle Orientierung er hat.’ meinte ich und linste durch meine Finger. 

Zeckes Hose hing in den Kniekehlen, er hatte eine verwaschene Short an und auf seinem Bauch stand. ‘Punks not dead!’

Ich nahm die Hand runter und versuchte nicht zu lächeln. ‘Zecke, tu mir bitte einen Gefallen, ziehe deine Hose wieder an und wisch dann die Tafel.’

‘Stimmt das, was in der Bild Zeitung stand?’ wollte Kevin plötzlich wissen. 

Ich griff mir ans Herz und dann blickte ich auf die Uhr: ‘Ich bin stolz auf euch, ihr habt genau 22 Minuten gebraucht, um mir peinliche Fragen zu stellen!’

‘Quid pro Quo, Herr Kowalski!’ meinte Kevin. 

‘Kevin, ich nehm dich beim Wort.’ meinte ich und grinste ihn an. Er schreckte ein bisschen zurück, blickte mich aber unverwandt neugierig an, also fuhr ich fort: ‘Einer meiner damaligen Mitschüler hatte ein paar alte Fotos ausgegraben, als ich an der Spitze meiner Sportlerkarriere war. Nachdem die BLÖD mich als schwul geoutet hatte, bin ich aus der Olympiamannschaft geflogen, mein Kader hat mir den Rücken gekehrt, mein Freund hat sich deswegen von mir getrennt, die Reaktion meiner Kameraden war ausgesprochen eisern und dann hab ich gedacht, es wäre eine gute Idee mich für einen Auslandseinsatz zu melden.’ Ich musste eine kurze Pause machen, bevor ich weiter reden konnte. Ich war tatsächlich ziemlich nervös, aber es würde besser werden, um so öfter ich es erzählte: ‘Was im Nachhinein eine echt blöde Idee gewesen war. Eine Gewehrsalve und eine Handgranate später war ich wieder hier und den Rest hab ich euch vorhin in der Aula schon erzählt.’ 

‘Ja, das ist das, was bei Wikipedia steht.’ meinte Kevin.

Ich lächelte wieder und fuhr etwas ruhiger fort: ‘Und das hübsche Gesicht hab ich von dem Natostacheldraht, auf dem ich mit dem Gesicht voran gelandet bin, nachdem mir eine Handgranate aus deutscher Fertigung hinterhergeworfen wurde.’ 

‘Und wer sagt uns, dass wir nicht das Opfer einer neuer Schlagzeile werden.’ wollte Heino wissen.

‘Ich sag euch das.’ rief ich in meinem üblichen Ton. 

Fortsetzung folgt vielleicht…

Mein erster Schultag – Folge 6 Punks not dead

Mein erster Schultag – Folge 6 Punks not dead

Ich starrte auf das: ‘Punk’s not dead’ und konnte es nicht fassen. Ich hatte wirklich viel zu tun und wie Abby so schön gesagt hatte, würde ich wohl improvisieren müssen. 

Kopfschüttelnd machte ich einen Schritt zur Tafel, wischte den Apostrophen mit dem Daumen weg und drehte mich zur Klasse. Langsam wischte ich meinen Daumen an der Hose ab und überlegte mir, ob ich wieder Pfeifen sollte, doch tatsächlich beruhigte sich die Meute und sie blickten mich neugierig an. 

‘Einer von euch hat das heutige Thema gewählt und nachdem wir weder Deutsch, Englisch oder Musik haben, stelle ich die Frage: Warum schrieb ‘Big John’ Duncan von der Punkband ‘The Exploited’ den Titelsongs ‘Punks not dead’ ohne Apostroph und was wollte er uns damit sagen? Jeder der was zu sagen hat, stellt sich auch gleich noch vor, damit ich mir eure Namen merken kann. Ich bin Herr Kowalski!’ fing ich an und zeigte mit der anderen Hand auf die Tafel.

Ein Junge mit der passenden Frisur zum Thema meinte: ‘Es ist die Antwort auf das Lied ‘Punk is dead’ von ‘Crass’ und mich nennen alle Zecke, meine Erzeuger haben mich aber Michael genannt.’

‘Ja, das steht bei Wikipedia, Zecke! Wenn ich dich so nennen darf?’ erwiderte ich. Zecke nickte mir zu und grinste mich an. 

‘Vielleicht war ihm dieses Strichdings scheißegal!’ meinte ein Anderer, der sich dann räusperte, bevor er fortfuhr. ‘Ich bin Henning und wehe es nennt mich einer Henni!’

‘Henning, wir kommen der Sache schon näher!’ rief ich fast schon ein bisschen euphorisch. 

Ein hagerer Junge mit Brille in der ersten Reihe meinte: ‘Mein Name ist Kevin von Papenheim und der Titel: ‘Punks not Dead’ war seine künstlerische Freiheit und damit schuf er eine dadaistische Wahrheit!’

‘Bingo, junger Mann! Und was heißt das, wenn es vom hohen Ross runter steigt.’ rief ich völlig außer mir. Die Jungs waren nicht dumm, oder nicht auf den Mund gefallen. 

‘Ich sagte doch, das es ihm scheißegal war, K…k…klugscheißer!’ rief Henning wieder, worauf ich nur eine Augenbraue raufzog und versuchte Henning mit einem kurzen Anflug eines Lächelns einhalt zu gebieten. 

‘Kevin, ist noch dran!’ zischte ich ihm zu und Henning verstummte sofort. 

‘Punks not dead war sein Vermächtnis, alles bisher dagewesene ins Lächerliche zu ziehen, einfach nur durch das Weglassen eines simplen Apostrophen.’ erklärte Kevin und schien ganz aufgeregt zu sein. ‘Damit hat er sich ein Denkmal gesetzt und sollte eigentlich dafür viel mehr gewürdigt werden.’

‘Sehr gut Kevin!’ meinte ich und machte mir Notizen, dann blickte ich in die Runde und entdeckte Heino Müller. Er schien gespielt zu schlafen, damit er uns alle ignorieren konnte. 

‘Heino Müller, hast du eine Meinung dazu?’ wollte ich wissen und Heino schreckte von seiner eigenen ignoranten Art hoch. 

‘Punk is nich so meins!’ rief er wie aus der Pistole geschossen. 

‘Und was wäre dann beispielsweise deins?’ wollte ich wissen. 

Heino verschränkte die Arme und blickte zum Fenster hinaus. Draußen hatte es zu regnen begonnen.

‘Unser Heino Hitler, macht es wie sein Alter und läuft im Gleichmarsch auf die Hymnen von den Zillerthaler Türkenjäger oder Frei.Wild. Ich kann das so schlecht unterscheiden!’ erklärte Zecke und grinste dann ziemlich zynisch. 

‘Du weißt überhaupt nix über meinen Vater, Zecke!’ platzte es aus Heino heraus.

Zecke krempelte sein Hosenbein hoch, zeigte ihm dabei den Mittelfinger und meinte ziemlich cool: ‘Ich darf hier wenigstens raus und krieg mit wie viele Nazis hier durch die Straßen ziehen und allen voran, dein Herr Papa!’

‘Fick dich, Zecke!’ kam es aus Heinos Mund gestolpert. 

Ich schaute mir das eine Weile an und meinte dann in meinem üblichen Ton: ‘Jetzt beruhigen wir uns wieder. Über Politik reden wir dann in Sozialkunde weiter, aber vorher müssen wir uns noch über Beleidigungen während einer Diskussion unterhalten.’

Ein Raunen ging durch die Klasse, ich fuhr dessen ungeachtet fort: ‘Es hört sich jetzt wahrscheinlich für euch ziemlich bigott an, wenn ich bei euren Diskussionen die Schweiz spiele, aber ich möchte, dass ihr hier bei den Fakten bleibt und wir uns nicht gegenseitig beleidigen.’

‘Wenn der Fakt: ‘Dein Vater ist ein Nazi!’ keine Beleidigung ist, okay!’ meinte Zecke und verschränkte auch die Arme. 

‘Es ist keine Beleidigung, wenn Heino die politische Meinung seines Vaters nicht teilt!’ warf ich ein. 

‘Muss ich mich dazu äußern?’ wollte Heino wissen. 

‘Auch wenn ein paar von euch nicht meiner Meinung sind, leben wir tatsächlich in einem freien Land und auch deine Gedanken sind frei, solange die Rechte eines anderen dabei nicht verletzt werden.’ erklärte ich kurz.

‘Wollen Sie uns nicht noch mehr über sich erzählen?’ wollte Heino wissen. 

‘Gut, ich erzähle euch etwas über mich, aber ihr erzählt mir auch etwas über euch. Quid pro Quo. Und ich möchte nicht hören, was die anderen erzählen, sondern ich erwarte eure Wahrheit.’ erwiderte ich völlig leichtsinnig. Im nächsten Moment bereute ich es aber wieder, ich war mir gerade nicht sicher wer hier Clarice Starling war und wer Hannibal Lecter. 

Fortsetzung folgt…

 

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