Glückskeks Calling Episode 1

Glückskeks Calling Episode 1

aliceschwarzerIch wache auf, mein Schädel brummt. So wie fast jeden Tag, also ist eigentlich alles gut. Die Luft ist stickig. Bäh. Ich müsste ja eigentlich nur aufstehen und das Fenster aufmachen.

Jemand hustet. Ups, dann bin ich wohl nicht allein. Hm. Hastig taste ich meinen Körper ab, ich bin angezogen und hatte scheinbar keinen Geschlechtsverkehr. Doppel-Hm! Gut, ich kann mich ja auch nicht daran erinnern. Hm, oder schlecht! Die KO-Tropfen-Paranoia ist wieder da! Mist!

Auf was für einer Scheißparty muss ich gewesen sein, letzte Nacht? Neben mir pfurzt jemand. Boa, bei was für Assis bin ich denn gelandet. Ich öffne ein Auge. Das grelle Licht von einer flackernden Neonröhre blendet mein eines Auge, fast!

Ein unterbehemdter, hässlicher, fetter und über die Maßen behaarter Kerl mit ziemlich asozialen und schlecht gestochenen Tattoos an beiden Armen, steht vor mir und blickt mich seltsam an, während er sich fast schon genüsslich seinen Sack kratzt.

‚Das Prinzesschen ist wach!‘ zischt er noch seltsamer als er schaut.

‚Who the fuck is Alice?‘ erschallt es aus dem Hintergrund.

‚Alice, pack deine Brüste aus?‘ sang die Meute dann weiter.

Ich rapple mich auf und blicke durch den Raum, der am Ende von Gitterstäben verschlossen ist. Und eine singende und johlende Gruppe von runtergekommenen Knackis veranstalten so was, wie Stadelheim sucht den Superknacki – die Musicalsensation!

‚Hey, Alice.‘ meinte einer der Kerle, der bis eben noch gesungen hatte. ‚Mich nennt man hier den Hutmacher!‘

‚Ja, er hat ‚Iss mich!‘ auf seinem Zipfel stehen!‘ riefen die Anderen.

Warum bin ich im Knast? Ich kann doch keiner Fliege was zu leide tun und ich bin ein Staatsdiener mit einer blütenreinen Weste! Ich stolpere auf und laufe Richtung Kloschüssel. Allein von dem abartigen Gestank muss ich schon kotzen.

Nach gefühlten Stunden, gab es nichts mehr in meinem Magen, dass sich noch zu kotzen lohnte. Und als ich aufblicke, konnte ich mein verschwommenes Spiegelbild in den blanken Armaturen des Standard Knast-WC sehen.

Mein ‚Neeeeeeeeeiiiiiiiiinnnnnnnn!‘ lies die Gesänge der Insassen verstummen. Ich springe auf und starre fassungslos in den verschmutzten Spiegel, der quer über dem Klo hing. Ich knete wie eine Verrückte mein Gesicht und raufe mir die Haare. Ich hab Haare, ganz schlimme!

Sag mal, Universum, was hab ich eigentlich verbrochen, dass du mich so strafen tust. Oder waren es die Glückskekse, muss ich jetzt etwa bis November warten, bis ich aus der Scheiße wieder raus komme.

Ich weiß, ich wünschte mir immer eine Nacht im Männerknast und einen Mann mit einem tätowierten Penis, aber ich in der Gestalt von Alice Schwarzer? Das ist nicht dein Ernst! Alice Schwarzer will doch keiner bohnern, noch nicht mal die abartigen, tätowierten Bastarde hier.

Diese scheiß Drecksglückskekse, erst sollen mir unglaublich tolle Dinge widerfahren. Der November ist schon längst vorbei, du Spasti! Dann geht mir mein sehnlichster Wunsch in Erfüllung und dann so was. Und ich kann nicht noch mehr kotzen.

Eine Nacht im Männerknast und einen Mann mit einem tätowierten Penis. Das waren wohl zwei Wünsche auf einmal. Da musste ja irgendwas schief laufen. Verdammt.

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