Schnee im Oktober – Teil 2

Schnee im Oktober – Teil 2

nebelTrotz ihrer paranoiden Gedanken griff sie nach der Hand. Ein kräftiger Händedruck vermittelte ihr die körperliche Gewalt, die hinter dieser Hand stehen könnte. Erst als die Hand sie hochzog, blickte sie in sein bärtiges aber freundliches Gesicht. Und die strahlend blauen Augen, die sie nun an zwinkerten, hätten wohl jeden Eisberg zum Schmelzen bringen können. Und das obwohl es schneite, mitten im Oktober!

Sie stammelte wieder: ‚Mathilda!‘

‚Ja, Mathilda sei dank, dass es mich hier her verschlagen hat!‘ rief der Mann, öffnete die hintere Tür des Wagens und bugsierte sie auf die Rückbank. Sie lies es verwirrt zu, weil sie immer noch in seine Augen starrte. Er wand sich einen Moment ab, um nach dem Wagen zu sehen. Diese halbe Minute brauchte sie auch, um ihre Gedanken zu ordnen und dann begriff sie erst, was er für einen Blödsinn redete. Es schien so, als wäre er noch verwirrter als sie. Und so beäugte sie ihn auch eindringlich, als er sich wieder zu ihr umdrehte. Sie fragte sich, wer hier den Unfall gehabt hatte. Er oder sie?

Er lächelte sie freundlich an und da begriff sie erst wie jung er sein musste. Unter dem Bart hatte sich ein junger Mann versteckt, der nun seinen Hut zog und sich vorstellte: ‚Fremdfreireisender Zimmermann und Spengler Hans Kupfer!‘

Schon hatte er seinen Hut wieder auf dem Kopf, kniete sich in den Türrahmen und strich ihr die Haare aus dem Gesicht. Seine Kluft war ihr doch gleich bekannt vorgekommen. Sie hatte nur nicht gedacht, dass das heutzutage noch einer machen würde.

Sie stammelte nur wieder: ‚Mathilda!‘ und versuchte ihm die Hand hinzuhalten.

‚Ja, Mathilda hat se aber ganz schön erwischt.‘

Sie schüttelte den Kopf und sprach langsam und deutlich: ‚Mein Name ist Mathilda!‘

‚Dein Weg wird immer vorbestimmt sein, Mathilda!‘ raunte er und zog wieder seinen Hut. Und schon hatte er ihn wieder auf den Kopf, kramte in seiner Jacke und zog ein kleines Erste-Hilfe-Set hervor. Sie blickte ihn mit großen Augen an und fuhr sich dabei mit zittrigen Fingern übers Gesicht.

‚Ganz ruhig, sind nur ein paar Kratzer! Da hat das Auto mehr abbekommen.‘ meinte er ruhig, zog eine Wundkompresse aus dem Erste-Hilfe-Set und tupfte dabei über ihr Gesicht.

‚Ich muss den ADAC anrufen!‘ meinte sie und blickte verlegen zur Seite, während er weiter ihr Gesicht versorgte.

Er schob ihr Gesicht nach oben und untersuchte ihren Hals und raunte wieder. ‚Der wird auch erst mal auf den Schneepflug warten müssen.‘

‚Ich kann auch eh mein Handy nicht finden. Sie haben nicht zufällig ein Handy dabei?‘ plapperte sie nervös.

‚Wir haben kein Handy dabei auf unserer Wanderschaft.‘ meinte er und packte das Erste-Hilfe-Set wieder in seine Jacke.

Betretenes Schweigen wurde von einen gewaltigen Krachen unterbrochen. Hans blickte nach schnmeepflugoben, hielt seinen Hut fest und machten einen geschmeidigen Satz der Länge nach auf die Rücksitzbank. Ein riesiger Ast kam mit einer gewaltigen Ladung Schnee vom Baum herab gesaust. Bei seinem Sprung ins Auto hatte er sie mit der freien Hand beiseite gerissen und lag nun halb auf ihr. Diesmal hatte sie geschrien, doch ihr Schrei wurde von seiner muskulösen Brust fast erstickt. Der Ast war direkt an der Stelle heruntergekommen, wo er gerade noch gestanden hatte und versperrte nun die Türöffnung. Sie schnappte erschrocken nach Luft und sog dabei seinen animalischen Geruch ein. Ihre Sinne schwanden wieder und gleichzeitig stieg die Hitze in ihr auf. Sie roch Sägespäne und Moschus. Sein männlicher Duft und die körperliche Nähe zu ihm lies ihr die Schamesröte ins Gesicht steigen. Ein leises Stöhnen stolperte aus ihrem Mund und flatterte wie ein Schmetterling an sein Ohr. Der Schmetterling war nicht leise genug, als dass er ihn nicht bemerkt hätte…

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