Durch Lauch Durchlaucht

Durch Lauch Durchlaucht

Oder vom Lauchen und gelaucht werden…

LeekEs gibt so Tage, da sollte Mann besser im Bett bleiben und sich einfach die Decke über den Kopf ziehen, weiter schlafen oder sonst was machen. An solchen Tagen, sollte Mann einfach nicht den Fehler machen aufzustehen.

Doch ist es meist die Arbeit, die einen aus dem Bette zwingt, auch wenn es bei diesem Beruf meist erst zur Mittagsstund ist.

Beruf kann man es nicht nennen, so ist es eher eine Berufung. Und die Berufung ist es, die mich immer wieder hinunterlaufen lässt in die große Halle und dort dann auf Gedeih und Verderb dem Jubel und dem Applaus des adeligen Pöbels ausgeliefert zu sein und der bösen Tritte meiner Durchlaucht und den weniger bösen Tritten seiner Gemahlin.

So bin ich es und so stehe ich hier, jeden Tag in der Mitte der Halle vor dem Throne meines Königs und gebe zum Besten was ich in der harten Schule des Lebens gelernt habe und später dann zieht meine Kunst mich von Seitensprung zu Seitensprung, auf dass es mir einmal das Kreuz brechen möge…

Und genau aus diesem Alptraum erwachte ich schreiend und wunderte mich gar seltsam wo ich denn lag, als mir die grelle Fratze schier die Äuglein ausbrannte. War es doch die Kammer der Königstochter und das Geschrei war nicht nur von mir und auch nicht von ihr, es war von der Königin selbst.

Sie rief gar laut und kreischte dabei, dass es mir dabei den Atem gefrieren ließ: ‘Was hat sie, was ich nicht habe?’

Ich verschluckte einen Kommentar und machte Anstalten mich so unauffällig wie möglich davonzustehlen zu wollen, während sie sich die wohlfrisierten Haare raufte.

Doch lag ich wahrlich nicht allein in dem Bette, die Königstochter lag auch drin, beziehungsweise auf mir drauf.

Splitterfasernackt und den Ausblick, den ihre Mutter zu haben schien, erfreute sie noch weniger als die Tatsache, das ich überhaupt hier war.

Im nächsten Moment wurde ich schon eher unschön und grob gepackt und zum Kerker geschleift, wo man mich im hohen Bogen in das tiefe Loch warf, wo sonst nur Strauchdiebe, Wilderer und Mörder landeten.

Ich sollte heute noch angeklagt werden. Das ging aber schnell.

Eine schwarz umhüllte Gestalt, die unschwer als Henker zu erkennen war, schleifte mich aus dem Verließ und brachte mich in einen Raum, den ich als den alten Vorratskeller kaum wiedererkannte. So hat man hier in Windeseile einen Gerichtssaal eingerichtet. Nur dass in diesem Raum kein Richter und auch keine Geschworene auf mich warteten. Kein Mann war hier, außer mir und auch der König wart nicht vor Ort oder wenigstens ein Priester.

Es waren nur Frauen in diesem Raum, sogar die Äbtissin vom Kloster unweit des Schlosses. Und als es mir gewahr wurde, dass ich mit all diesen Damen hier bereits ein Stelldichein gehabt hatte, von der Äbtissin mal ganz abgesehen, aber ein paar ihrer Schwestern haben mir schon den Peter poliert.

Dass ich für meine Taten höchstwahrscheinlich in der Hölle lande, war mir klar. Doch die Äbtissin habe ich nie angerührt, das schwöre ich bei Gott.

Bloß dass hier, war viel schlimmer, alles all das was der Pastor uns am Sonntag immer predigte.

Die Äbtissin erhob das Wort: ‘Bringt den Beschuldigten nach vorne!’

Erst jetzt erkannte ich, dass die starken Arme, die mich in den Raum zerrten auch von einer Frau waren. Unter der schwarzen Kapuze konnte ich die Rundungen ihrer enormen Brüste sehr gut erkennen. Das muss die Metzgerstochter sein. Sonst schleppt sie Schweinehälften hin und her und jetzt trägt sie mich fast auf den Sündenstuhl und den Kaibestrick, mit dem sie mich fesselte, den hab ich ihr auch schon mal angelegt.

‘Hierbrut Brunftbichlmeier, Hofnarr seines Zeichens, wird hier und heute angeklagt der Vielweiberei, des Ehebruchs und des Betrugs!’ rief die Äbtissin laut und donnerte mit dem Hammer auf ihren Tisch. Sie hat meinen vollen Namen gesagt. Jetzt kann ich mir eine neue Anstellung suchen, falls ich das hier überlebe, weil mit so einem Namen nimmt mich selbst als Narr keiner ernst.

Rufe wurden laut: ‘Mit so einem Namen muss er schuldig sein!’ Eine überreife Tomate traf mich am Hinterkopf. Der Hammer der Äbtissin schlug wieder auf den Tisch ein.

Die Klägerinnen betraten den Gerichtsaal und ein Raunen ging durch die Menge. Auch wenn ich sie nicht sehen konnte, es war die Königin und Ihre Tochter. Ich konnte es am Knistern ihrer Kleider hören und an der Menge wie sich leicht zurückwich.

Als sie nach vorne traten und sich dann links und rechts von mir auf einen erhöhten Stuhl setzten, wurde es mir Angst und Bang. Einen Verteidiger würde ich heute wohl nicht bekommen.

‘Schneidet ihm die Lunte ab!’ rief die Menge.

Mir wurde schlecht. Mein Peter machte Anstalten nach innen flüchten zu wollen und ich fühlte mich von mir selbst penetriert.

‘Eure königliche Hoheit hat nun das Wort!’ rief die Äbtissin.

Sie räusperte sich: ‘Als ich heute morgen, meine unschuldige Tochter wecken wollte, fand ich sie nackt in ihrem Bette liegen und darunter lag dieser hier!’ rief sie laut mit zitternder Stimme, dabei zeige sie auf mich.

‘Wäre es Euch lieber gewesen, ich hätte es mit dem Stallknecht gemacht, verehrte Mutter?’ rief die Prinzessin erbost, weil es ja auch wirklich niemanden anging, dass sie dabei nackend gewesen ist.

Die Königin kam in Erklärungsnot und da platzte es aus ihr hinaus: ‘Ja, liebe Tochter, dann hätte ich nicht die ganze Nacht in meiner Kammer gesessen und auf den Narren gewartet.’

‘Das ist ja allerhand, Mutter. Du treibst es hinterrücks mit dem Narren, wenn der Vater nicht am Hofe ist, zum Schachspielen wirst du dich ja kaum verabredet haben!?’

‘Was ist da schon dabei, es steht mir schließlich zu, als Herrin hier am Hofe!’

Die Äbtissin betete bereits lautstark zu Gott und schüttelte dabei apathisch den Kopf. Irgendwann wurde ihr die Streiterei der beiden Hoheiten zu wild und sie schlug wieder mit dem Hammer auf den Tisch.

‘Hat jemand etwas zu seiner Verteidigung hinzuzufügen?’

Als Antwort wurde ich mit Unmengen schalem Obstes beworfen. Nun werde ich von der Damenwelt befruchtet, für die Freuden, die ich Ihnen gebracht habe.

‘Hat noch jemand überhaupt etwas hinzuzufügen?’

Unter einem erneuten Hagels pelziggrünen Obstes versuchte ich meine gebundene Hand zu erheben. Die Äbtissin nickt mir zu.

‘Ich möchte meine Taten keineswegs abstreiten, noch leugnen, sie je begangen zu haben. Ich habe weder Versprechungen gemacht, noch habe ich Absprachen je gebrochen. Ich habe nie eine der Damen bevorzugt behandelt, oder sie gar verletzt oder beschädigt. Noch habe ich je eine Entlohnung verlangt für meine Dienste oder gar eine angenommen. Ich bin nur das Angebot und die Nachfrage war stets groß. Und Beschwerden gab es bis zum heutigen Tage nie.’

Die Menge tobte diesmal war es Gemüse, mit dem sie mich bewarfen. Das Obst schien schon alle zu sein. Etwas langes Hartes donnerte mir gegen den Hinterkopf und mir schwanden für einen Moment die Sinne. Der Geruch von Lauch drang in meine Nase.

‘Und nun befruchtet ihr mich, weil ihr eure Finger nicht von mir lassen konntet. So steckte mir die Kämmerin erst gestern einen Zettel zu, ich solle sie so bald als möglich dazwischenquetschen. Und half ich nicht der Müllerin schwanger zu werden, weil ihr Mann ihr kein Kind mehr schenken konnte. Und hab ich der Hofvorsteherin nicht einen blonden Jüngling zugeführt, um genau das selbe zu tun. Und das ist nun der Dank dafür, das ich stehts ehrlich das getan habe, was die Weiber von mir verlangten. Das Einzige was Eure Durchlaucht mir vorzuwerfen hat, dass ich alle Frauen gleich behandelte.’

‘Das wird ja hint höher wie vorn!’ rief die Äbtissin. ‘Wer hat denn nicht mit dem Narren gepudert?’

Ein paar Hände gingen zögernd in die Luft und ein Tuscheln ging durch den Raum.

‘Was gibt es da noch zu tuscheln, muss ich mich klarer ausdrücken. Wer hat mit dem Narren Unzucht getrieben, egal auf welche Art und Weise!’

Ausnahmslos alle Damen hoben die Hand. Auch die als Henkerin verkleidete Metzgerstochter. Die Äbtissin blickte auf eine paar Ihrer Schwestern, die am Rande des Kellergewölbes saßen und zögernd die Hand in die Höhe streckten. Völlig fassungslos schüttelte die Äbtissin einfach nur den Kopf und umklammerte krampfhaft den Stiel des Hammers.

‘Schämt ihr Euch überhaupt nicht, Ihr ausgeschamtes Weibsvolk.’ Ein Lauch klatschte in voller Länge der Äbtissin mitten ins Gesicht und Stille machte sich breit. Keiner traute sich etwas zu sagen oder gar zu lachen.

‘Wenn ich hier die Einzige bin, die noch nie die Hand nach der Hose des Narren ausgestreckt hat, dann soll es an Gott sein, ein Urteil zu fällen.’ rief die Äbtissin und schwang dabei den Lauch. ‘Und dieser Lauch wird mein Werkzeug sein!’

‘Ja, laucht hin!’ rief eine der Damen mit einer glockenhellen Stimme.

‘Nein, erlaucht ihn!’ rief eine Andere.

Die Äbtissin winkte der Metzgerstochter zu. Mir wurde mein Hemd vom Körper gerissen und man legte mich über die Bank und dann ging sie mir an die Hose und zog sie mir bis zu den Knien. Mein Arsch schien in die Menge wie der Mond in der Vollmondnacht und die Menge war ein zweites Mal völlig still. Meinem Hintern kann einfach keine widerstehen.

‘Eure Durchlaucht kriegt den ersten Schlag!’ meinte die Äbtissin. ‘Wehe ich höre es nicht angemessen klatschen.’ Sie stand auf und ging um ihren Tisch herum, um dann direkt vor mir fortzufahren: ‘Wenn der Lauch brechen sollte, dann hat Gott sein Urteil gefällt und die Jenige egal welchen Standes, wird den Narren ehelichen.’

Aus der Menge tobte es wieder: ‘Ich bin schon verheiratet!’ –  ‘Ich auch!’

‘Ich wäre nun ganz still, weil Ihr wart es die Ehebruch begangen habt, nicht er! Gott wird sein Urteil fällen ohne dabei seine Gebote zu brechen!’ rief wieder die Äbtissin und drückte den Lauch der Königin in die Hand.

Eure Hoheit blickte die Äbtissin mit hochgezogener Augenbraue an und lachte dann. Die Äbtissin stemmte die Hände in die Hüfte und machte eine ungeduldige Geste zum Kreuz an der Wand, bevor sie sich anschickte noch etwas zu sagen: ‘Ihr lacht, ich meine das ernst. Gottes Sohn am Kreuze ist mein Zeuge! Und dieser eine Schlag soll Euch genauso weh tun, wie ihm.’

Der erste Schlag ist der Schlimmste, heißt es immer. Es kommt nur auf die Menge an, sag ich. Die Äbtissin ließ sich einen Schemel bringen und blickte abwechselnd mir und der jeweiligen Dame ins Gesicht und nannte sie beim Namen. Sie fragte jede einzelne was sie genau mit mir getrieben hatte und für jede gab es eine weitere Buße, die sie noch zu tun hatten, nachdem sie den Lauch an die andere weitergegeben hatte.

Ich schüttelte manchmal unmerklich den Kopf, wenn die Damen nicht die ganze Wahrheit erzählten. Und dann gab es noch ein paar Vaterunser oben drauf.

Der Lauch hielt erschreckend gut durch und die Schlange der Damen wurde immer kürzer, bis nur noch die Metzgerstochter und die Königstochter übrig waren.

Das war der Punkt, an dem ich inständig zu beten begann. Der Schlag der Metzgerstochter würde nicht angenehm sein und der Schmerz würde auch nicht schnell vorbeigehen, doch der Lauch hielt. Ich konnte bereits meinen Hintern laut pochen hören, als die Königstochter zum Schlag ausholte. Das Klatschen übertönte das Getuschel von hastig gesprochenen ‘Vaterunser’ und ‘Maria voll der Gnaden’ Litaneien. Und das Knacken des Lauches überschalte selbst die gottesfürchtigesten Gesänge.

‘Der Herr hat uns durch den Lauch ein Zeichen der wahren Liebe gesandt, Halleluija!’ rief die Äbtissin. ‘Und die Buße Eurer Durchlaucht ist es, es Eurem Gemahl schonend beizubringen und den Narren als Schwiegersohn in Eurer Familie stets willkommen zu heißen.’

‘Durch Lauch Durchlaucht!’ rief ich und jemand küsste mich auf den Hintern und ich rief lauthals: ‘Ein Wunder ist geschehen, ich kann meinen Hintern wieder spüren.’

‘Übertreibt es nicht, Hierbrut!’ mahnte die Äbtissin. ‘Auch wenn Euch heute die Sonne aus dem Hintern scheinen möget. Der Herr gibt es, doch der Herr nimmt es auch wieder!’
Amen

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Drei und eine Axt – Teil 35

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 35

reiter_neu‚Vira iss deinen Fisch, ich hab ihn nur für dich in einer Kräutersoße ertränkt.‘ meinte Wena.

Vira würgte wieder und Wena hielt ihr erbarmungslos einen Tee hin. ‚Dann trink den Tee, der ist gegen die Übelkeit.‘

Sie trank den Tee und versuchte sich ernsthaft zusammenzureißen.

‚Die letzten Monate war dir auch nicht übel.‘ flüsterte Wena mehr zum Fisch als zu Vira.

Ziska wurde von Kejnen zur Jurte herein gebracht, sie blickte erschöpft und mürrisch drein und genauso hörte sie sich auch an, als sie Vira anzischte: ‚Wenn du deinen Fisch nicht isst, wird dich Otar nicht zu deinem Mann ins Bett tragen.‘

‚Deine Laune ist ja wirklich unerträglich!‘ flüsterte Kejnen. ‚Und deswegen muss die weiße Hexe jetzt auch ins Bett. Morgen ist alles besser, als heute.‘

‚Sagt der Krüppel zu der Hexe!‘ zischte Ziska.

‚Ich wusste nicht, dass ich schwanger bin.‘ flüsterte Vira. ‚Ich wollte es nicht wahr haben.‘

‚Ich wusste nicht, dass die Trauerzeit schon vorbei ist.‘ zischte Ziska, während Kejnen ihr dabei half sie zu entkleiden.

‚Wie, die Trauerzeit ist noch nicht vorbei?‘ fragte Kejnen. ‚Jetzt fühl ich mich ganz schlecht, als wir letzten Badetag…!‘ Ziska hielt ihm den Mund zu und grinste. Er schüttelte sie ab und fuhr fort. ‚Und an der Wintersonnenwende und…!‘

‚Schlampe!‘ meinte Vira und grinste sie schamlos an.

‚Ich muss meinem Namen, als die weiße Hure, ja auch gerecht werden, was sollen nur die Leute sagen?‘

‚Was für Leute? Außer uns ist hier niemand. Wir wohnen am Ende der Welt und das ist gut so. Gib mir den Fisch und lasst mich in Ruhe essen!‘ murmelte Vira und schnappte sich den Teller aus Wena’s Händen.

‚Sag mal schämt ihr euch nicht, die Götter…!‘ rief Wena entrüstet.

‚Die Götter liegen mir zu Füßen!‘ meinte Ziska und lies sich erschöpft aufs Bett fallen.

‚Die Ahnen werden sich im Grab umdrehen, ausgeschamtes Weibsvolk.‘ rief Wena wieder.

‚Ich sag nur Weinfest.‘ zischte Ziska gehässig.

‚Was auf dem Weinfest passiert, bleibt auf dem Weinfest.‘ rief Kejnen erbost und beendete damit die Streiterei der drei Frauen. Er versuchte Ziska mit fahrigen Handbewegungen zuzudecken und humpelte dann ohne auch nur eine der drei Frauen direkt anzublicken aus der Jurte.

Als Vira aufgegessen hatte, wurde sie in ihr eigenes Bett gebracht, in dem Ainur bereits schlief. Seine Hände und Füße waren verbunden, sein Atem rasselte bei jedem Atemzug und sein Gesicht war mit irgendwas Fettiges eingeschmiert worden. Er schien Fieber zu haben, deshalb bereitete Lamina ihm kalte Wadenwickel. Zumindest war er nicht erfroren. Sie legte sich auf die Seite, klammerte sich an seinen Arm und schlief gleich darauf ein.

Sie bemerkte nicht, dass Kejnen wieder zurück in die Jurte schlich. Erschöpft lies er sich aufs Bett sinken und unter Schmerzen zog er seine Schuhe aus. Ziska griff nach ihm, zog ihn zu sich aufs Bett und flüsterte ihm ins Ohr: ‚Ich wollte dich nicht beschämen!‘

‚Ich dich auch nicht, weiße Hexe!‘ erwiderte er sanft und küsste sie dann auf die Stirn, bevor er sich endgültig an ihrer Seite niederließ.

Mitten in der Nacht wurde Ainur wach. Lamina hatte ihm eben die Wadenwickel erneuert und hatte ihm ein kaltes Tuch auf die Stirn gelegt. Als sie bemerkte, dass er wach war, flößte sie ihm Tee ein und deckte ihn ordentlich zu. Er blickte sie dankbar an und dann wurde ihm erst gewahr, dass Vira an seiner Seite lag. Er hatte nur verschwommen mitbekommen was vorhin in der Jurte gesprochen worden war, aber eines hatte er genau verstanden. Er regte sich und entzog ihr seinen Arm, um sie gleich wieder in seine Arme zu schließen. Seine Finger fühlten sich taub an, aber er versuchte trotzdem sie mit beiden Händen am Bauch zu berühren. Vira wurde wach und griff nach seinen Händen.

‚Verzeih meine Verspätung, ich hab den Weg nicht mehr gefunden.‘ krächzte er ihr ins Ohr, dabei konnte er ihre Tränen schmecken, die ihr über die Wange liefen.

‚Ich hoffe du hast gefunden, was du suchtest!‘ schluchzte sie.

Er strich über ihren Bauch, küsste sie auf die Schläfe und versuchte dann zu flüstern: ‚Jetzt schon! Ich habe gefunden was ich suchte. Den Weg nachhause ohne Schuld auf meiner Seele.‘

‚Was hast du mit meinem Pferd gemacht?‘ fragte sie ohne Umschweife.

‚Es ist mir letzte Nacht erfroren und dann hat es mir das Leben gerettet!‘ meinte er fast schon ehrerbietig.

‚Du hast nicht das gemacht, was ich denke!?‘

‚Ich hab im Bauch deines Pferdes übernachtet, sonst wäre ich jetzt nicht hier, sondern würde mich im Jenseits mit deinem Mann bis ans Ende aller Tage prügeln, für die Unverfrorenheit, die ich begangen habe.‘

‚Das du mein Pferd getötet hast, wird er dir nie verzeihen, dass war sein Hochzeitsgeschenk!‘

‚Jetzt fühl ich mich richtig schlecht!‘

‚Ich sehe das als gutes Zeichen, er hat uns seinen Segen geschickt.‘

‚Also hat er dein Pferd getötet?‘

‚Der Willen der Ahnen ist manchmal unergründlich!‘ flüsterte sie ihm ins Ohr und küsste ihn zärtlich.

‚Ich hab mich jede Nacht danach gesehnt, bei dir liegen zu dürfen!‘ krächzte er und erwiderte den Kuss. Morgen würde tatsächlich ein besserer Tag werden, jetzt hatten sie endlich wieder alle beisammen.

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