Das Tagebuch einer Metzgerstochter Teil 6

Das Tagebuch einer Metzgerstochter Teil 6 – Grimgard hin und wieder zurück

brunaNachdem ich die letzten Tage und Wochen damit verbracht habe, das Heimchen am Herd für meine zwei Herren zu spielen, kam kurz vor Beltane ein gelungene Abwechslung ins Haus geflattert. Eine graue Taube, mit einem Zettel und einem kleinen Goldstück am Bein. Die Taube war so zerzaust und verhungert, dass sie in meiner Hand verreckte, war ausnahmsweise mal nicht meine Schuld. Ein Wunder, dass des ausgemergelte Ding es überhaupt bis zu uns geschafft hatte.

Eine Bestellung eines Bolkheimer Händlers aus Grimgard, er wollte 30 von der groben fetten Räucherwürsten. Mein Vater schickte mich also mit den Würsten los und ich machte einen heißen Ritt gen Grimgard.

Als ich dort ankam, stand ich vor der leeren Ladentheke des Bolkheimer Allerlei und sah nur Spinnweben und einen verwitterten Zettel: ‚Bin gleich wieder da!‘

Ich stellte meinen Gaul unter und nachdem alle anderen Läden auch geschlossen waren, ging ich in die Taverne ‚Zum roten Keiler‘, in der Hoffnung sie hätten einen Fransen gebratenen Fleisches für mich.

Dort trat ähm traf ich auf Fafnir und Darion. Wie gut, dass ich eine Flasche von Vaters besten Met dabei hatte, die hatte ich Fafnir doch versprochen, weil ich doch seinen Bart angezündet hatte.

Ich setzte mich hinzu und wir kamen ins Gespräch mit zwei Grimgarder Damen, die am anderen Ende unserem Tisch saßen. Rinelda, eine Schankmaid vom roten Keiler, die ihren freien Tag feierte und eine werte Asbirg.

Wir erfuhren, dass an dem Abend der Handelsrat zu Grimgard tagte und deswegen waren auch alle Geschäfte geschlossen, außer der Laden des Bolkheimers, der Laden war schön länger nicht mehr geöffnet worden.

Ich genoss meinen Fransen gebratenen Fleisch und versuchte meine Würste unter der Hand zu verkaufen. Zum Nachtisch gab es einen Kuchen mit einem flüssigen Kern aus geschmolzenen, braunen Süsszeug aus Neuandorien. Bei den Göttern, die Neuandorier wissen aber, was eine Sünde wert ist.

Hrothar und Grimmar stolperten bei der Tür herein. Grimmar bestellte sich ein Schmalzbrot, was in Grimgard quasi die Leibspeise ist und er war gleichsam so fasziniert von seinem Schmalzbrot, wie ich von meinem Fransen Fleisch und von dem sündigen Kuchen. Ich glaube, er wird uns eine Ode an das Schmalzbrot dichten.

Die Grimgarder Damen erklärten uns warum das Schmalz in Grimgard so wichtig war. Weil sie im Sommer zu Ehren der Rosmerta ein Schmalzfest abhielten. Und ich traute meinen Ohren kaum, sie schmieren dort die Statue der Rosmerta mit Schmalz ein, wahlweise auch die Geldbeutel. Und vor ein paar Jahren haben sie sogar eine Jungfrau mit Schmalz eingeschmiert.

Nachdem der Halbzwerg ja eigentlich in Grimgard war, um Zwerge zu suchen, erzählte ich eine Geschichte von meiner Großmutter, die sie mir immer erzählte, wenn sie sich an ihre Jugendtage erinnerte. Was in den letzten Jahren vor ihrem Tod immer öfter der Fall war und deshalb ist mir die Geschichte auch so in Erinnerung geblieben. Auch wenn sie mir keiner der Anwesenden glaubte, glaube ich fest daran. Meine Oma war einst auf Wanderschaft und ist auf der Suche nach ihrem Krafttier ziemlich vom Weg abgekommen. Sie ist schnurstraks bis nach Halvor gelaufen und weil es anscheinend noch nicht genug war, ist sie auch noch um den Drachenkamm herumgelaufen. Irgendwo auf den Weg ist ihr der Proviant zu schwer geworden und sie Trank alle Flaschen Met auf einmal aus, damit sie nicht mehr so schwer zu schleppen hatte. Darauf konnte sie wohl nicht mehr gut gerade aus laufen und sie kroch auf allen Vieren weiter.

Und als unter einem querstehenden Ast eines Baumes hindurch kroch, erblickte sie auf der Rückseite des Drachenkamms ein phantasmagorisches Übertor, das von gigantischen Säulen eingefasst war. Eine steinerner Steig führte dort hin und im Berg konnte man es hämmern und rumoren hören. Sie war so überwältigt von dem Anblick, das sie an Ort und Stelle einschlief.

Am nächsten Morgen stand sie auf und blickte auf den Drachenkamm und das Tor, die Säulen und der Steig war verschwunden. Auch wenn sie das Tor nie wieder erblicken durfte, glaubte sie daran. Bis zu ihrem letzten Atemzug erzählte sie mir von dem großen Tor hinter dem Drachenkamm und sie lies sich von nichts und niemanden davon abbringen. Und ich auch nicht.

Asbirg taute langsam auf und erzählte mir, dass sie bei einem Bäcker im Ort arbeitete. Und im Laufe des Abends stellte sich heraus, dass der hiesiger Bäcker niemand anderes war, als mein Onkel Notker und dass mein Vetter Trudbert nicht gerade ein ehrenwerter Mensch geworden war. Sie erzählten mir, dass während alle Bürger Grimgards, auch die Frauen, vor den Toren der Stadt gegen die Untoten kämpften, versteckte sich Trudbert unter den Mehlsäcken in der Vorratskammer der Bäckerei, wo Asbirg ihn dann fand. Naja, früher hat er sich immer im Schweinetrog vor mir und dem Branu versteckt. Er war schon immer ein kränkliches, weinerliches Kind und sein Kraftier muss der Grottenolm sein. Ich überlege mir ihm morgen einen Besuch abzustatten und ihm einen gehörigen Schrecken einzujagen. Schade dass ich Schweini nicht mitgenommen habe, aber das dumme Schwein wollte unbedingt beim Holzfäller bleiben.

Wir redeten allerlei Blödsinn daher und vor allem der Schiffbau hat es uns besonders angetan. Nachdem Hrothar fast schon davon besessen war ein Schiff zu bauen, um damit den Lorsak runter zu fahren, standen wir ihm mit Rat bei Seite.

Die Grimmgarder Damen brachten ihn auf die Idee, dass er das Boot außen doch mit Schmalz einschmieren sollte, dann würde es bestimmt nicht wieder sinken.

Und ich bot an, den Schmalz mit meinen eigenen nackten Händen einzubrennen, nicht dass jeder Reisende mit seinem Brot in der Hand, Hand an den Bootsrumpf legt, um an das gute Schmalz zu gelangen. Und wenn man ein frisch geschmalztes Boot über den Sand ans Ufer zog, dann würde es Riebenschmalz ergeben. Hrothar, du bist schon ein Hund und ich glaube ganz fest daran, dass unser Schmalzschiff fährt. So wie man mit den Kekse von meiner Oma eine Familie einen ganzen Winter ernähren kann, Hauptsache man hat genug Milch um die Kekse ordentlich aufzuschwemmen.

Wir witzelten umher, wie man denn am Besten das Schmalz aufs Boot bekäme und wenn dass Schiff dann fertig ist, würde Grinelda eine Taverne darauf errichten.

Der feucht fröhliche Abend ging zu Ende und ich torkelte Richtung Stallungen und schlief einen unruhigen Schlaf und träumte von barbusigen Damen, die das Schmalz mit ihren bloßen Körpern am Bootsrumpf auftrugen. Ich träumte von einem Boot aus den Keksen meiner Oma und Dampfmaschinen und von einem Schiff dass Lady Captain hieß. Ein Matrose schuppte nackt das Deck und eine Frau schrie: ‚Erlebnisurlaub auf der Lady Captain!‘

Verwirrt von meinen Träumen erwachte ich. Nach einer Katzenwäsche im Pferdetrog ging ich wieder in die Taverne und brachte Rinelda die Würste, die ich noch zu verkaufen hatte. 28 an der Zahl wechselten seinen Besitzer. Eine hatte ich gestern noch an Hrothar als Wegzehrung verkauft und eine wollte ich meiner schwindligen Verwandschaft bringen. Weil ich so ein netter Mensch bin. Das Gesicht von Trudbert werd ich nie vergessen. Allein das war die Reise nach Grimgard wert. Ich spuckte noch vor den Stand des Bolkheimers bevor ich mich auf machte.

Jeden Tag eine Gute tat, sagen die Grimgarder Damen immer und diese Gute Tag lies ich hinter mir und zog wieder zurück nach Grimgard. Nur lies ich mir bei der Heimreise wesentlich mehr Zeit.

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

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Published in: on 26. März 2013 at 22:32  Comments (1)  
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Das Tagebuch einer Metzgerstochter Teil 5

Fortsetzung:

brunaBeim Heimweg Richtung Hoimarshold überlegte ich mir was ich mit meiner feurigen Gabe alles anstellen könnte. Dabei fiel mir auf, dass ich meinen eigentlichen Beruf nicht mehr ausüben würde können, wenn alles unter meinen Händen verbrennt, was ich berühre. Das macht sich nicht gut, wenn das Vieh noch nicht tot, ausgenommen und abgehangen ist, bevor es aufs Feuer kommt. Aber das Abbrühen von Schweinen wird uns in Zukunft einfacher fallen.

Habe mir auch überlegt, eine Taverne zu eröffnen und kurz und heiß Gebratenes anzubieten. Als wir wieder in Hoimerhold waren, ging ich erst mal zu meinem Vater und begrüßte Schweini. Ich schrieb ja schon, dass es allen gut ginge. Kleine Anmerkung, auch wenn dieses blöde Schwein gerade mit dem Holzfäller durchgebrannt ist. Aber dazu später mehr.

Nach dem Essen bei der guten Paigi mussten wir auch schon wieder los, an den kältesten Ort. Ich zog mich aus reiner Gewohnheit ziemlich warm an. Beim Weg an den kältesten Ort begleitete uns der Holzfäller Branu, mit dem ich übrigens noch ein ernstes Wörtchen zu reden habe…

Ich hatte eine seltsame Vision, als ich an einem umgestürzten Baum vorbei lief, ich stolperte und fiel hin. Ich dachte die Wurzeln hätten sich bewegt und ich sah mehrere fleischige Zungen, die heraus wuchsen…ein Geruch von Erdbeeren kroch mir in die Nase… Ich schüttelte meinen Kopf und mir wurde gewahr, dass ich vor einer riesigen Wurzel lag, die von den Priestern als Opferstätte benutzt wurde.

Ich glaubte mein Verstand würde wieder mit mir durchgehen. Wir gingen weiter und die Eiswendols waren wieder da. Ich machte mir wieder einen Spaß daraus, mich auf sie zu werfen. Ich wurde schwer verletzt, aber nachdem ich Eine der Letzten war, die noch stand, zwang ich mich dazu weiterzukämpfen. Die Wunden brannten und irgendwann ging ich in die Knie.

Die Nordfrau, die mich heilte war reichlich verwirrt, als sie sah, dass meine Wunden bereits ausgebrannt waren. Sie erzählte mir auch Einiges, was mich sehr nachdenklich stimmte. Sie meinte, wenn ich einem Manne zu Nahe käme, dass er durch meine Hitze unfruchtbar werden könne. Ich glaubte ihr erst nicht, aber beschäftigen tut es mich doch.

Wieder zurück in Hoimarshold versuchten wir einen Eisblock zu schmelzen. Dabei hab ich Feuer gemacht. Ich hab Feuer gemacht! Gut, ein Schluck vom dem unaussprechlichen Rachenputzer, der Schnaps der meinen Großvater ins Grab brachte, hat sein Nötigstes dazu beigetragen. Dabei habe ich dem Zwerg seinen Bart versenkt. Was mir einerseits furchtbar peinlich ist, aber andererseits kann ich das Feuer irgendwie noch nicht richtig beherrschen. Aber wer kann das schon. Aller Anfang ist schwer. Zumindest hab ich das Feuer schon mal zum Lodern gebracht.

Ich hoffe nur inständig, dass der Bart wieder nachwächst und dass die werte Rigani ihren Zwerg immer noch will. Ich werde einen unaussprechlichen Met ansetzen und ihm bei Gelegenheit eine Kostprobe davon geben.

In der Nacht sollten die Imbolcfestlichkeiten ihren Höhepunkt erreichen, aber davon bekam ich schon nichts mehr mit. Mein dunkler Begleiter hatte mich wieder übermannt und ich war nicht mehr ich selbst. Die Kälte war wieder da, doch in meinem Herzen glühte eine ungeheure Macht.

Reglos kniete ich im Schnee und lauschte. Nichts regte sich in mir. Die Kälte ging mir durch Mark und Bein. Mein Atem zeichnete merkwürdige Bilder in die Nacht. Die Dunkelheit begann mich zu umfangen und der Frost hielt immer noch alles fest im Griff. Irgendwas tief in mir flüsterte mir zu, dass sich die Strapazen dieses Tages gelohnt haben mussten, aber doch zitterte ich am ganzen Körper.

Ich konnte eine Stimme hören, ein Gebet wurde in den Nachthimmel geschickt. Ich hatte das Gefühl nicht allein zu sein. Mein dunkler Begleiter hielt mich an der Hand und entzündete das Feuer in mir. Es loderte in mir hoch. Doch ich stand still da und lies es brennen. Um mich herum schien alles in Bewegung zu sein. Schwindelerregend drehte sich alles um mich herum. Nur ich nicht. Ich stand starr und still da und verharrte wie gelähmt, unfähig mich zu bewegen, bereit vom Feuer verzehrt zu werden.

koerperfeu3Ein Feuerkreis loderte um mich herum und mit dem Feuer stieg die Hitze um mich auf. Das Feuer tanzte um mich herum. Die Stimme drang zurück in mein Ohr. Stimmengewirr. Jemand sprach eindringlich zu den Göttern. Ein Summen. Die gesprochenen Worte wurden vom kalten Wind über den Schnee getragen. Gewaltige Trommelschläge ließen mein Herz erbeben. Die Worte verloren sich in der Nacht, nur die Melodie drang tief in mein Herz. In diesem Moment wurde mir bewusst, dass ich mich um mich selbst bewegte und alles andere um mich herum still stand. feurseilDas Feuer tanzte um mich herum, weil ich damit spielte. Nein. Das Feuer spielte mit mir und es nahm mich in Besitz und machte mich ihm Untertan. Ich kämpfte mich frei. Es würde bei einem Versuch bleiben. Die Flammen umfingen mich und holten mich zurück in den Brennpunkt. Ich bäumte mich noch einmal auf, ein letztes Ankämpfen gegen die Hitze und das Feuer. Die Flammen explodierten auf meinem Körper und dann stand ich still. Die Flammen gingen zurück, so wie sie gekommen waren. Alles war dunkel. Ich stand schweißgebadet in mitten einer Menschenmenge, die sich langsam auflöste. Der Schweiß gefror auf meiner Haut und meine Nackenhaare stellten sich ein letztes Mal auf, bevor sie erstarrten. Die Nacht umfing mich nun voll und ganz. Ich konnte die Worte nicht mehr hören, aber in meinem Herzen hallten sie für immer nach.

Das Feuer beherrscht mich noch immer, auch wenn es längst erloschen scheint.

Ich komme nicht davon los, bin aber doch frei. Frei, wie der Wind.

Doch werde ich mich wieder in die Fänge des Feuers begeben, wenn die Dämmerung über den Tag hereinbricht. Nachts ruft das Feuer wieder nach mir. Es verlangt nach seinem Tribut und ich gebe mich untertänigst dem Verlangen hin. Und ich entzünde wieder die Flammen, um allen zu zeigen, wie es in mir brennt.

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen zum Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Das Tagebuch einer Metzgerstochter Teil 4

Liebes Tagebuch,

brunaes tut mir leid, ich muss wohl länger geschlafen haben, deswegen konnte ich leider meine Geschichte nicht vollenden. Warum schmerzt immer mein Schädel, wenn ich erwache? Es könnte daran liegen, dass ich am Imbolcfesttag des Öfteren einen Knüppel über den Schädel gezogen bekommen habe. Nur weil ich eine Blankarderin bin, heißt es noch lange nicht, dass mein Schädel mehr aushält. Ich bin schon entstellt genug, mir langt es, ich werde jede weitere Beule unaussprechlich rächen.

Kaum bin ich ein paar Stunden wach, steigt die Wut wieder in mir auf. Und Glück haben die, die so schlau waren, mich von hinten niederzuschlagen, damit ich sie nicht erkenne.

Zurück zum Imbolcfest:

Mein Kopf tat weh, als ich wieder erwachte und wieder versuchte ich zu fliehen. In meiner Wut über die unfreundliche Behandlung meiner eigenen Sippschaft muss ich ein paar freundliche Watschen verteilt haben. Aber es war aber auch eine Zumutung. Wie lange wohnt meine Familie schon in Hoimarshold? Und als ob nicht genug merkwürdige Vögel hier ein und aus gehen würden. Ich muss mich beruhigen, die Wut kocht wieder in mir hoch.

Ich glaube sogar, dass ich Grimmar einen Schwinger verpasst haben muss, weil anders kann ich es mir nicht erklären, als ich mit meinem eigenen Augen sah, wie er fort geschleudert wurde. Die Widukin halten aber auch nichts aus, aber fliegen können sie verdammt gut.

Dann versuchten sie mich zu fesseln, was auch misslang, hätte mich ja schlecht selber fesseln können. Ich hab ja keine Ahnung vom Kriegshandwerk, aber selbst meine Großmutter hätte mich erstens besser bewacht und zweitens besser gefesselt. Aber nachdem sie schon lange bei den Ahnen ist…

Ein fremder Priester hat mir dann eine Kette anlegte, die wohl mit dem Wasser gesegnet wurde. So genau habe ich das nicht verstanden, aber ich kühlte mich Zusehens ab und mein Verstand schien zumindest zeitweise wieder bei mir zu sein.

Der Erste von meinen Leuten, der mit mir sprach, war Ramgar. Ein ernstes Wörtchen sogar. Aber er faselte auch seltsames Zeug von den Göttern, immer wenn er mich berührte.

Über die restlichen Unfreundlichkeiten meiner eigenen Leute und die der Gäste schweige ich mich an dieser Stelle besser aus, dass werde ich an geeigneter Stelle nochmal persönlich zur Sprache bringen.

Ramgar bat mich mit ihnen in den Wald zu gehen. Ich wollte aber nicht gefesselt mit ihm gehen und nicht ohne meine Axt und vor allem nicht ohne meine Mütze. Außerdem verlangte ich nach einem großen Fransen Rindfleisch, dass man mir in einer Pfanne zubereiten sollte. Ihm war nur die Gesundheit der Ferkel wichtig. So kamen wir überein und sie nahmen mir die Fesseln und gaben mir meine Axt und schlussendlich meine Mütze.

Kungard führte uns in den Wald, ein Wunder dass wir dort ankamen, wo wir hin wollten. Kungard verläuft sich sogar in Hoimarshold. Mein Hunger wurde immer unerträglicher und der Fransen Rindfleisch wurde immer größer, den mir Ramgar im Übrigen bis heute schuldig geblieben ist.

Das Einzige was mir bei dem ganzen Getuschel der Mitreisenden ausgefallen ist, dass ich öfter so Halbsätze hörte, wie: ‚…Von Teutates geküsst!‘ und ‚ …Von den Göttern gesegnet!‘ Wie gesagt, viele merkwürdige Vögel gehen heutzutage ein und aus in Hoimarshold. Aber was und vor allem wen sie damit gemeint haben, sollte mir erst später aufgehen. Und zwar mit einem gewaltigen Lichtlein.

Vorher verlangten sie aber von mir, dass ich meine nackte Hand auf ihre Wunden legen sollte. Warum hat mir auch niemand erklärt. Aber ich tat was man von mir verlangten und Ramgars Schulden bei mir wurden immer größer und größer. Eigentlich kann er mir gleich eine lebendige Kuh geben, ich schneide mir dann die richtigen Teile raus.

Mit meinen Gedanken war ich eher in der Metzgerstube, bei den ganzen Köstlichkeiten, die dort abhängten, als meine Hand zu brennen begann. Huch und wir wurden wieder angegriffen.

Langsam begriff ich, dass ich mit meinem inneren Feuer gegen unsere Angreifer wirklich was bewirken konnte. Ich wusste gar nicht, dass die Wendols schmelzen, wenn sie von einer Metzgerstochter getroffen werden. Hm. Und was ich bis jetzt nicht verstanden habe, warum die Wendols so blass waren. Nicht dass das arbeitsscheue Gesindel dafür bekannt wäre, sich länger als nötig in der prallen Sonne aufzuhalten. Aber sie sahen aus wie gefrorenes Fleisch. Mir wird schon wieder so warm, wenn ich nur daran denke.

Ich muss wieder ziemlich abwesend gewesen sein, weil ich irgendwie nicht verstanden habe, warum wir immer wieder mitten auf einer Lichtung halt machen mussten. Völlig ohne Deckung, aber ich hab von dem Kriegshandwerk eh keine Ahnung, deswegen übte ich mich weiter in, Gegner mit mir selbst zu bewerfen.

Irgendwann kamen wir zu einer roten Rose, die mitten im Schnee zu wachsen schien. Wenn man an ihr vorüber ging, dann erlitt man unsägliche Schmerzen, was ich am eigenen Leib schmerzlich erfahren musste. Ich hätte doch besser aufpassen sollen, was dieser alte, nuschelnde Knilch gefaselt hatte, von dem ich bis jetzt nichts erzählte, weil ich ihn eh nicht verstanden hatte.

Wieder standen wir nutzlos in der Gegend rum. Mir war nicht kalt, aber die Anderen bibberten vor sich hin. Während die Priester und Druiden an der Rose herumwirtschafteten, versuchte ich die Eiswendols dazu zu überreden, mir die Hand zu geben. Aber sie konnten wohl ihren gefrorenen Ohren nicht trauen. Hätte zu gerne gewusst, ob ich Einen mit meinem Händedruck zum Schmelzen gebracht hätte.

Wir konnten weiter gehen und kamen zu einem mächtigen Steinkreis. Ich fand es an diesem Ort unbeschreiblich gut, so gut dass sogar meine Schuhe anfingen zu qualmen.

Dann wurde ich wieder herumkommandiert, diesmal sollte ich Steine anfassen. Die Steine waren aber alle ziemlich kalt und irgendwie gar nicht so gut, wie da wo ich zuvor gestanden hatte.

Ramgar machte ein großes Palaver und ich sollte dabei einen der großen Steine berühren. Dabei wurden wir angegriffen und von einer Eisklinge getroffen sank ich vor dem Stein in den Schnee. Am Ende ging uns allen ein Licht auf und vor allem mir.

Ein Wesen aus Feuer kam in unsere Gefilde und sprach mit Ramgar, ja und am Ende auch mit mir. Ich musste mich vor die allerleuchtende, lebendige Fackel knien, am Anfang war ich sehr skeptisch, aber dann blickte ich das Feuer ehrerbietig an.

Er sprach zu mir, aber ich verstand kein Wort, bis er meine Brust berührte. Das Feuer brannte mir bis ins Herz und ich stolperte zurück. Dann kam der Schmerz.

Als ich meine Augen wieder öffnete, lag ich mit dem Gesicht im Schnee. Das wandelnde Feuer war verschwunden, doch ein Teil von ihm war in meinem Herzen und sein Handabdruck war auf meiner Brust eingebrannt.

Jetzt wird keiner mehr denken, dass ich noch unberührt bin. Er hatte mir zu verstehen gegeben, dass ich dass Feuer in mir nun beherrschen könne. Aber er sagte mir nicht wie?

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen zum Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Das Tagebuch einer Metzgerstochter Teil 3

bruna

Nachtrag

Nun hab ich sie endlich wieder alle beisammen. Mein Tagebuch ist heil zu mir zurückgekehrt, mein Vater lebt, mehr schlecht als recht, aber er lebt und mein Schweini wurde noch nicht geschlachtet. Und wehe dem, der es versuchen will. Der muss erst mal an mir vorbei.

Nun zu mir. Ich kann mich an vieles nicht mehr erinnern, was seit dem Yulfest geschehen ist. Nur die Narben in meinem Gesicht zeugen noch davon, was in der längsten Nacht des Winters geschehen war.

Während um mich herum das Leben zum Stillstand verdammt war, denn der Frost zog immer noch unerbittlich übers Land, loderte immer noch die Flammen des Hasses und der Wut in mir. Wie ein dunkler Begleiter verfolgte er mich auf Schritt und Tritt. Obwohl die Tage wieder länger werden sollten, hatte man das dumpfe Gefühl, dass sich die Sonne nur noch ungern blicken lässt. Der Hochnebel versperrte ihr die Sicht und so scheint es, dass sie uns nun völlig vergessen hat.

Ohne meine Schweine hatte ich jedlichen Bezug zur Wirklichkeit verloren und strich ziellos durch die Wälder meiner Heimat. Hinter mir stieg der Rauch auf und meine Fußabdrücke schmolzen sich in den tiefen Schnee. Immer wieder tauchte ich ab in die Traumwelt meiner Ahnen. Ich wandelte zwischen den Welten. Zwischen Feuer und Eis. Mein düsterer Begleiter immer in meinen Hacken.

Als ich irgendwann wieder halbwegs bei Sinnen war, wurde es mir Gewahr, dass ich nicht nur meinen dunklen Verfolger zu haben schien. Nein, da war noch was anderes im Wald, was sich an meine Fersen geheftet hatte. Mein Atem gefror. Ich hörte ein Knacken hinter mir und da standen sie. Ich kam gar nicht mehr zum Zählen, da griffen sie mich schon an. Ich wehrte mich nach Leibeskräften und versuchte einen Angreifer nach dem Anderen abzuwehren. Bis ich eine meiner Äxte verlor. Ich schrie vor Angst und vor Schmerz, als ihre eisigen Klingen sich durch mein Fleisch bohrten. Ich ging zu Boden und als ich mich noch mal aufbäumen wollte, brach wieder etwas aus mir heraus. Bloß diesmal schien ich in Flammen zu stehen. Aber mein Fleisch verbrannte diesmal nicht. Mein Geist wandelte durch eine Wand aus Eis und Nebel und lies meinen Körper blutend im Schnee zurück. Im Traum stieß ich mit meinem dunklen Begleiter zusammen und er stahl meine Mütze.

Ich erwachte erst wieder, als die Sonne mich wach kitzelte. Ich lag in einer Lache von Blut und Eis. Meine Mütze war verschwunden, aber ich lebte noch. Ich kroch mehr, als dass ich lief, in Richtung meiner Höhle. Dabei musste ich wohl die Orientierung verloren haben. Meine Sinne schwanden immer wieder. Mit zitternden Finger versuchte ich mir meine Beinwunde zu verbinden. Auch meine Hand blutete. Rauch stieg mir wieder in die Nase. Ich kroch über Schnee und Eis, aber doch brannte meine Hand wie ein Leuchtfeuer der Sonne entgegen.

brunaIrgendwann konnte ich Stimmen hören, ganz nah bei mir. Und Kampfeslärm. Plötzlich wurde mein Körper in die Höhe gerissen und ich wurde heftig durch gerüttelt. Ich hatte das Gefühl, als wäre man mir wohlgesonnen, bis ich einen Abhang hinunter gestoßen wurde. Nachdem mein Geist immer wieder zwischen den Träumen und der Wirklichkeit hin und her schwappte, vermag ich nicht zu sagen, wie ich nach Hoimarshold gebracht wurde. Ich erwachte erst wieder, als mir gewahr wurde, dass sich zwei Fremde über mich gebeugt hatten und einer der Beiden hatte meine Hand unter seinen Rock geschoben.

Ich fuhr auf und verpasste ihm einen Schwinger, dass es ihn gleich vom Stuhl fegte.

‚Nicht ohne meine Zustimmung!‘ muss ich geschrien haben. Meine Sinnen schwanden wieder. Ich erwachte wieder und hatte das Gefühl, dass die Stimmung in Hoimarshold sich gegen mich gewandt hatte. Ich passte einen günstigen Augenblick ab, schnappte mir eine Waffe, die unachtsam neben mir abgelegt wurde, und ein kleines Ferkel und lief nach draußen. Dort kam ich aber nie an…

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen zwischen Samhain und Imbolc (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Das Tagebuch einer Metzgerstochter Teil 2

brunaAuf einer alten Kuhhaut mit Schweineblut geschrieben, konnte man folgende Worte entziffern:

Seit dem ich mein Tagebuch verlor, brennt es mir in den Fingern, meine Gedanken aufzuschreiben. Aber um so mehr ich wieder bei Sinnen bin und um so mehr Zeichen ich in die alte Kuhhaut ritze, um so mehr verirrt sich mein Geist. Ich verliere mich in den Worten, wie ich mich zuvor in den Träumen verlor. Die letzten zwei Monde haben mich um Jahre altern lassen. Und es scheint mir Jahre her zu sein, dass mein jugendlichen Leichtsinn meinem Vater ein Lächeln aufs Gesicht zauberte. Mit diesen Träumen habe ich das verloren, was mich mit meinem Vater verband und lies mich den Schritt über eine Schwelle gehen, die ich lieber nicht übertreten hätte. Das Feuer in mir begann zu lodern, die Wut brannte ohne Grund, sie zerfraß mich von innen heraus. Es steckt wohl doch mehr von meiner Mutter in mir, wie überhaupt sich irgendeiner gedacht hatte. Ob mein Vater lebt oder tot ist, kann ich nicht sagen. Doch kann ich das Licht in seiner Kammer sehen, wenn ich im Schutze der Dunkelheit am Waldrand stehe, um rüber zu sehen zu den warmen Herdfeuern von Hoimarshold. Ich bete jeden Tag und jede Nacht, dass meine Raserei ihn nicht zu Tode erschreckte und ich hoffe inständig, dass er wohl auf ist.

Nun war ich tatsächlich zwei Monde im Wald. Doch mein Geist reiste durch den Nebel der Vergangenheit. Ich blickte durch die Augen meiner Ahnen und ich sah großen Schrecken und unendliches Leid. Ich sah die großen Kämpfe der Vergangenheit. Ich sah Feuer und Blut und wie die Feinde sich in den Kadavern meiner Ahnen suhlten. Ich sah Nebel, Schnee und Eis. Aber ich sah auch Licht, es loderte so hell, dass man meinen hätt‘ können, dass der ganze Wald brennen würde.

Doch im Rauch und Nebel wartete das Unheil, was mir die Nackenhaare ausstellen lässt. Das was einst die Bache ausgeweidet hatte. Und schon seit je her sein Unwesen in diesen Wälder trieb und bis heute allgegenwärtig ist. Die Ordnung scheint aus ihren Fugen gerissen worden zu sein. Nicht nur die Ordnung in mir, nein das ganze Land scheint in Schnee und Eis festgefroren zu sein. Die Nächte werden immer Kälter und mir ist schon ein Ferkel nachts erfroren. Einfach so. Aber das war eh so mager, es wär eh nicht durch den Winter gekommen, selbst wenn es ein Milder gewesen wäre.

In der Yulnacht habe ich mich entschieden meine Schweine heimlich nach Hoimarshold zu bringen, damit die Ferkel nicht erfrieren und damit meine Leut was zum Fressen ham. Selbst Schweini brachte ich ins Gatter meines Vaters. Ungern lies ich es zurück. Aber in meinem Herzen lodert etwas Grausames, was ich nicht zu beschreiben vermag. Ich träumte wieder von meiner Mutter. Ich sah wie sie im blutigen Schnee lag. Im Traum lief ich zu ihrem reglosen Körper und da riss sie die Augen auf. Sie waren schal und leer und das Blaue ihrer Augen war zu einem Eisbrocken gefroren. Ihre Haut war bleicht und kalt, das Feuer in ihrem Herzen war erloschen. Plötzlich kam ein schreckliches Geräusch aus ihrer Kehle, sie riss die Arme hoch und begann mich zu würgen. Ihre eiskalten Finger umfingen meinem Hals und drückten unerbittlich zu. Ich riss mich los und rannte los. Aus dem Traum gerissen und dem Wahnsinn anheim fallend lief ich weiter noch, als mich meine Füße hätten tragen können. Tränen liefen mir übers Gesicht, die sofort gefroren. Die Trauer trieb mich wieder fort vom Ort der Vergangenheit und hinein in den Wald. Doch ihr Blut und die kalten Augen hatten sich in meinem inneren Auge fest gebrannt. Irgendwann fand ich mich wieder, tief im Wald. Ich schrie und weinte. Meine Sinne schwanden immer wieder und irgendwann durchbrach der Schmerz aus meinem Herzen und der Baum an dem ich erschöpft zusammengebrochen war, ging in Flammen auf. Vor Schreck wich ich zurück, doch das Feuer breitete sich rasend schnell aus, bis der Baum brennend zu Boden stürzte und auf den nebenstehenden Baum fiel, der auch sofort in Flammen aufging.

Ich stand wie gebannt in mitten brennender Bäume und konnte es kaum fassen, dass bei so einer Kälte überhaupt ein Ästlein hätte brennen können.

Ich muss nicht ganz bei mir gewesen sein, denn das Feuer hatte mich umkreist und ich war gefangen. Die Angst packte mich und ich versuchte zu entkommen. Die Hitze schlug mir ins Gesicht und versenkte mein Haar. Ich bekam kaum Luft, ich dachte ich würde ersticken. Ich kroch auf allen Vieren vorwärts. Die brennende Luft schnürte bei jedem Atemzug meinen Brustkorb ein. Ein brennender Ast traf mich am Kopf und warf mich gänzlich zu Boden.

Als ich am nächsten Morgen erwachte, stieg mir der Dampf verbrannten Haares und Fleisches in die Nase, meine Haare waren verbrannt und mein Gesicht schmerzte. Meine Hände rauchten, aber ich lebte. Ich setzte mich auf und blickte mich um. Neun Baumstümpfe kohlten noch, der Schnee war schwarz von der Asche und der Rauch stieg immer noch gen Himmel. Doch da oben, hinter dem Hochnebel war die Sonne und sie blickte stumpf auf mich herab und gab mir Mut.

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen zwischen Samhain und Imbolc (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Das Tagebuch einer Metzgerstochter

Das Tagebuch einer Metzgerstochter

Mein Name ist Bruna. Ich bin die Tochter vom Metzger Ulgur in Hoimarshold.
Er lehrte mir nicht nur das Metzger- und Fleischhauerhandwerk, sondern brachte mir auch das Lesen und Schreiben, Zählen und Rechnen bei. So gut es eben ging, weil ich da nicht so ganz seiner Meinung war. Warum sollte ich auch lesen können, oder gar schreiben, wenn ich doch das ganze Jahr nur die Schweine füttere. Sie zur Schlachtbank führe und wenn mein Vater die Schlachterarbeit macht, schleppe ich das Fleisch zu den Leuten. Die Bestellungen kann ich mir merken und mich übers Ohr hauen, traut sich keiner. Weil jeder im Ort weiß, wie ich mit einer halben Schweinehälfte umzugehen weiß.

Mein Vater trank schon immer sehr viel von dem Met oder auch vom Biere. Nur in letzter Zeit fiel mir auf, dass er ihm der Schnaps noch viel mehr angetan hatte. Deswegen stehe ich nun immer öfter hinter der Schlachtbank und mache eigentlich die ganze Arbeit alleine.
Warum er soviel trinkt? Weiß ich nicht so genau. Könnte vielleicht an der Abwesenheit meiner Mutter liegen. Ja, eine Mutter habe ich natürlich, auch wenn ich sie nicht wirklich kenne. Vater erzählt nicht viel drüber und wenn ihn jemand drauf anspricht, trinkt er noch mehr und ich hab dann noch mehr Arbeit am Hals, wenn er den ganzen Tag seinen Rausch ausschläft. Also halte ich schön die Schnauze und mache mir auch keine Gedanken da drüber. Im Allgemeinen mache ich mir eh recht wenig Gedanken über alles. Warum auch? Mir geht es gut, solange ich was zu tun habe. Und zu tun gibt es in unserer Metzgerei immer was.


Zum Samhainfest in diesem Jahr kam es dazu, dass sich das Swajut des ehrenwerten Raskell in Hoimershold ankündigte, um die Feierlichkeiten zu begehen.
Es wurde eine stattliche Sau bestellt. In der Woche vor dem Samhainfest ging ich jagen und schleifte eine ordentliche Sau nach Hause und sperrte sie ins Gatter hinterm Haus. Sie stand außerordentlich gut im Futter, da werden die ehrenwerten Krieger aber zufrieden sein. Ohnehin ist der Schweinebestand dieses Jahr eh recht mager und ich werde mich nach dem Samhainfest wohl wieder aufmachen müssen, um noch ein paar Einjährige zu fangen, damit sie bei uns überwintern. Ähm, damit wir im Winter nicht alle verhungern müssen.
Nichts desto trotz hab ich hinterm Haus einen Gemüsegarten angelegt. Der Mensch lebt ja nicht vom Fleisch allein. Auch wenn wir bei jedem Vieh, des uns die Bauern bringen, unseren Anteil bekommen, sorge ich gerne für schlechte Zeiten vor. So habe ich im Wald wilde Äpfel gesammelt und allerlei Wurzeln und Pilze. Auf dem Dachboden trocknen nun die Pilze und die Kräuter und im Keller lagern die Wurzeln, das Gemüse und die Früchte. Der Winter kann nun kommen, weil kommen tut der Winter immer. Früher oder später. Auch wenn mir dass mit den Schweinen ernsthaft Sorgen machte. Liebes Tagebuch, du merkst schon, dass ich mir doch mehr Gedanken mache, als ich freiwillig zugeben möcht. Aber verhungern will ja auch keiner.
In der Nacht vor Samhain hab ich die ganze Nacht wachgelegen. Nicht weil ich so aufgeregt war, nein. Da hat sich wohl ein Wolf herum getrieben, den konnte man die halbe Nacht heulen und johlen hören. In der Früh ist mir dann die Sau durchs Gatter hindurch gebrochen und abgehauen. Die blöde Sau!

Jetzt muss ich aber erst die Fleischbestellung für die ehrenwerte Paigi ausliefern, die Trossköchin des Swajut des ehrenwerten Raskell. Es konnte ja keiner verantworten, vor allem nicht ich, dass der ehrenwerte Raskell und seine Mannen nach der harten und beschwerlichen Reise zu uns hier nach Hoimarshold, noch an Ort und Stelle verhungern. Und die Sau würde ich im Anschluss wieder einfangen. Und diesmal schneid ich sie gleich um, dann lauft se mir nimmer fort, die Sau.

Die Jagd nach meiner Sau war recht einfach. Sie hatte sich in einem niedrigen Hain unweit des großen Feuers zum Fressen niedergelassen. Im Herbst kommt die Sau nicht weit, bei den vielen Eichen und Buchen, die in unseren Wäldern stehen. Dann braucht man sie nicht mehr stopfen. Aber bevor sie auf den Grill kommt, werde ich sie ordentlich ausbluten lassen, dann abhängen und sie schon mal mit meiner Tunke einreiben.

Mein Geheimrezept meiner Fleischtunke erzähle ich niemanden. Nicht mal meinem Tagebuch. Außerdem schweife ich ab. Ein ganz ein junger Krieger hatte sich bereit erklärt, mich bei der Jagd zu unterstützen.
Kaum hatten wir die Sau gestellt, jagten wir sie durchs Unterholz. Da kam einer der Krieger des Swajuts angerannt und erschreckte die Sau mit seinem Schwert so, dass der junge Krieger den finalen Schlag tätigen konnte und die Sau endgültig zu Fall brachte, während ich mir ausmalte, wie ich die Sau die nächsten Tage mit meiner Wundertunke bestrich.


Wir präsentierten die Sau dem Swajut. Zwei der Krieger hatten in der Schlacht der vergangenen Nacht ihre Zunge ganz oder teilweise verloren, deswegen kauften sie dem Jungen und mir die Zunge der Sau ab.

An dem Tag haben die Heiler und Schamanen wirklich ein Wunder gewirkt, die beiden konnten fast einwandfrei wieder reden, bis auf ein paar kleine Grunzer zwischendurch. Aber wer kann außer mir schon von sich behaupten, er könne Säuisch reden.

Den restlichen Tag, lies ich die Sau ausbluten und beobachtete die Mannen beim Herbsttunier. Ist ja nicht alle Tage Samhain und der Vater lag ja eh noch in seinem Suff vorm Haus und kümmerte sich um nichts weiter, als um sein Schnarchen. Da konnte ich meinen Feierarbeit auch mit interessanten Dingen gestalten. Habe den Meisterapfelstrudel der ehrenwerten Paigi kosten dürfen und ich muss sagen auch der Fleisch-Bohnen-Topf war ausgezeichnet. Es kommt ja nicht alle Tage vor, dass die Metzgerstochter Tränen in den Augen hat, weil das Essen so unglaublich schmackhaft ist. Man sollte ihr einen Preis verleihen.

Nach den Kriegerprüfungen nahm ich noch an der Ehrung der Toten teil, die mit einem lauten Knall verbrannt wurden. Später wurde der Abend in Bier, Met und Schnaps ertränkt, deswegen kann ich leider nicht mehr so viel davon berichten.
Ich träumte die ganze Nacht davon feindliche Krieger mit Tunke zu
beschießen und mit brennenden Wurfschweinen zu grillen. Zwei Fliegen mit einer Klappe.


So, liebes Tagebuch, bin in der letzten Woche nicht ganz so viel zum Schreiben gekommen. Es ist viel passiert. War jagen… Und hab komische Träume gehabt. Davon will ich eigentlich gar nichts schreiben. Hab zuerst sieben herrenlose Frischlinge gefunden. Ich Glückspilz. Hab sie dann zu der Höhle gebracht, die mir schon oft Unterschlupf vor Wind und Wetter geboten hat. Der Weg zurück nach Hause wäre zu weit gewesen. Ich hab sie erst mal Eicheln fressen lassen und hab ein Gatter gebaut. Dort zwischen den Eichen fühlen die Schweinchen sich wohl und sicher waren sie auch, habe ein paar Feenringe gesehen, die werden sie zumindest vor bösen Geistern schützen.
Bin dann nochmal los in den Wald, ich traute dieser glücklichen Fügung nicht ganz über den Weg. Weit vor der Dämmerung bin ich dann über die Bache gestolpert. Sie lag völlig ausgeweidet auf einer Lichtung. Es sah ein bisschen so aus, als wäre ihr Innersten nach außen gestülpt worden. Bei dem Anblick hab ich mich schon ganz schön erschrocken. Da war irgendwas nicht in Ordnung, es war so als wäre die natürliche Ordnung völlig aus dem Gleichgewicht geraten. Ich dachte an den Wolf, den ich in der Nacht vor Samhain gehört hatte. Aber sowas machte kein Tier. Nichtmal die Orks. Oder sogar die Wendools hätten so eine abartige Tat nicht vollbringen können. Hier mitten im Wald und ohne offensichtliche Spuren zu hinterlassen. Und warum gerade eine Sau abschlachten, weil so richtige gefressen worden ist sie ja auch nicht. Nach dem sich dann auch gleich meine Nackenhaare aufstellten, beschloss ich so schnell wie möglich zur Höhle zurück zukehren.
Bei der Höhle angekommen lagen die sieben Schweinchen am Stamm der großen Eiche und schliefen den Schlaf der Unschuldigen. Ich habe ziemlich viel gegrübelt, dass hielt mich dann auch die halbe Nacht wach. Sicherheitshalber habe ich die schlafenden Schweinchen einzeln in die Höhle getragen, habe die Höhle dann mit dem Gatter verschlossen und habe ein ganz kleines Feuer gemacht. Mit meiner Axt im Arm wachte ich mehr, als dass ich schlief und noch bevor der nächste Tag anbrach, machte ich mich wieder auf, zurück zu der Stelle zu gehen, wo ich die tote Bache gefunden hatte.
Die Sonne ging gerade auf und das schale Licht kämpfte sich durch den Morgennebel. Die Bache lag da noch. Sie stank schon. Keines der Tier, die üblicherweise sich am Aas labten, hatte sich auch nur in die Nähe getraut. Ich beschloss die Sau zu verbrennen und den Platz mit meinem Blut zu reinigen. Ich bin zwar am Arsch kein Schamane, habe aber schon oft zugesehen, bei dem was die immer so trieben. In unserer Hag wurde immer alles mit Feuer und Blut gelöst. Und in der Not ist es besser, ich mache es, bevor dann genau hier an diesem Ort, die bösen Geister sich dann dem Walde bemächtigen. Gedacht, getan.
Was für eine Sauerei, hab zu tief geschnitten, weil meine Hand so gezittert hat. Werd das nachher nähen müssen. Heute ist doch nicht mein Glückstag.


Am Weg zurück zur Höhle, beschloss ich, egal was noch passieren würde, den Marsch nach Hause anzutreten. Ich beschloss einige der kleinen Schweine zu tragen und die Anderen anzubinden und mit mir zu schleifen. Sie waren eh recht beunruhigt und gingen ohne zu bocken mit. Völlig erschöpft kam ich zuhause an, steckte die Schweine in den Pferch und schlief quasi schon im Stehen ein.
Die Nacht über träumte ich einen Traum, der seit dem jedes Mal wieder kehrte, wenn ich die Augen schloss. Eigentlich war der Traum augenscheinlich immer der Selbe, es kam mir aber immer so vor, als wäre jedes Mal eine Kleinigkeit anders. Ich wage es nicht davon zu schreiben, nicht dass es noch wahr wird. Manchmal kann ich fast nachvollziehen, warum mein Vater seinen Kummer im Schnaps ertränkt, wenn er auch solche Träume hat.
Liebes Tagebuch. Ich habe seit der Nacht, als ich aus dem Wald kam, kaum mehr länger als ein paar Stunden jede Nacht geschlafen. Dieser Traum scheint mich auf Schritt und Tritt zu verfolgen. Werde zunehmend aggressiver, was aber niemanden auffällt. Versuche meine Wut am Schlachtvieh auszulassen. Nachdem wir eh viel zu tun haben, nehme ich die Arbeit, wie sie kommt und versuche nicht darüber nachzudenken. Dies fiel mir wahrhaftig nicht leicht.
Das ging solange gut, bis ich an den unmöglichsten Orten einschlief und von diesem Traum wieder aus dem Schlaf gerissen wurde und in Raserei verfiel. Die Leute aus dem Ort bekamen es schon mit und mieden mich und unsere Metzgerei.
Dem Wahnsinn anheim fallend lief ich wieder in den Wald, um mich meinen bösen Geistern zu stellen. Hätte eigentlich eine gute Idee sein können, wenn man auch nur eine kleine Ahnung davon hätte, wie man mit bösen Geistern umzugehen hatte, oder wie man sie gar wieder los wird. Aber wenn man nicht schläft, ist man nie richtig wach. Und dann kommt man eher auf weniger geistreiche Ideen. Ich lief durch den Wald und erklomm einen unserer höchsten Hügel. Dort oben machte ich ein Feuer und betrank mich. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, lag ich mit meiner Fresse in der Asche. Halb erstickt schrecke ich hoch und hatte ein klares Bild vor Augen.
Eine Frau, die dem Gesicht zum Verwechseln ähnlich sah, dass ich immer im Wasser erblicke, wenn ich mich wasche, weint eine blutige Träne und verschwindet tanzend in rauschenden Flammenkreisen.
Während ich die paar Zeilen hier schrieb, blickte ich der Sonne entgegen, wie sie über den Hügeln meiner Heimat aufstiegt und mir fröhlich entgegen lächelte. Ob die Frau, die ich in meinem Traum sah, ich war oder vielleicht sogar meine Mutter, vermochte ich nicht zu sagen. Langsam glaubte ich dem Gerede der alten Frauen sogar, das ich ihr wohl wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich war. Ich beschloss nach Hause zu gehen, um meinem Vater von den Träumen zu erzählen und ihn zu bitten, mir von meiner Mutter zu erzählen.

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Erlebnissen auf Samhain 1. (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

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