Drei und eine Axt – Teil 35

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 35

reiter_neu‚Vira iss deinen Fisch, ich hab ihn nur für dich in einer Kräutersoße ertränkt.‘ meinte Wena.

Vira würgte wieder und Wena hielt ihr erbarmungslos einen Tee hin. ‚Dann trink den Tee, der ist gegen die Übelkeit.‘

Sie trank den Tee und versuchte sich ernsthaft zusammenzureißen.

‚Die letzten Monate war dir auch nicht übel.‘ flüsterte Wena mehr zum Fisch als zu Vira.

Ziska wurde von Kejnen zur Jurte herein gebracht, sie blickte erschöpft und mürrisch drein und genauso hörte sie sich auch an, als sie Vira anzischte: ‚Wenn du deinen Fisch nicht isst, wird dich Otar nicht zu deinem Mann ins Bett tragen.‘

‚Deine Laune ist ja wirklich unerträglich!‘ flüsterte Kejnen. ‚Und deswegen muss die weiße Hexe jetzt auch ins Bett. Morgen ist alles besser, als heute.‘

‚Sagt der Krüppel zu der Hexe!‘ zischte Ziska.

‚Ich wusste nicht, dass ich schwanger bin.‘ flüsterte Vira. ‚Ich wollte es nicht wahr haben.‘

‚Ich wusste nicht, dass die Trauerzeit schon vorbei ist.‘ zischte Ziska, während Kejnen ihr dabei half sie zu entkleiden.

‚Wie, die Trauerzeit ist noch nicht vorbei?‘ fragte Kejnen. ‚Jetzt fühl ich mich ganz schlecht, als wir letzten Badetag…!‘ Ziska hielt ihm den Mund zu und grinste. Er schüttelte sie ab und fuhr fort. ‚Und an der Wintersonnenwende und…!‘

‚Schlampe!‘ meinte Vira und grinste sie schamlos an.

‚Ich muss meinem Namen, als die weiße Hure, ja auch gerecht werden, was sollen nur die Leute sagen?‘

‚Was für Leute? Außer uns ist hier niemand. Wir wohnen am Ende der Welt und das ist gut so. Gib mir den Fisch und lasst mich in Ruhe essen!‘ murmelte Vira und schnappte sich den Teller aus Wena’s Händen.

‚Sag mal schämt ihr euch nicht, die Götter…!‘ rief Wena entrüstet.

‚Die Götter liegen mir zu Füßen!‘ meinte Ziska und lies sich erschöpft aufs Bett fallen.

‚Die Ahnen werden sich im Grab umdrehen, ausgeschamtes Weibsvolk.‘ rief Wena wieder.

‚Ich sag nur Weinfest.‘ zischte Ziska gehässig.

‚Was auf dem Weinfest passiert, bleibt auf dem Weinfest.‘ rief Kejnen erbost und beendete damit die Streiterei der drei Frauen. Er versuchte Ziska mit fahrigen Handbewegungen zuzudecken und humpelte dann ohne auch nur eine der drei Frauen direkt anzublicken aus der Jurte.

Als Vira aufgegessen hatte, wurde sie in ihr eigenes Bett gebracht, in dem Ainur bereits schlief. Seine Hände und Füße waren verbunden, sein Atem rasselte bei jedem Atemzug und sein Gesicht war mit irgendwas Fettiges eingeschmiert worden. Er schien Fieber zu haben, deshalb bereitete Lamina ihm kalte Wadenwickel. Zumindest war er nicht erfroren. Sie legte sich auf die Seite, klammerte sich an seinen Arm und schlief gleich darauf ein.

Sie bemerkte nicht, dass Kejnen wieder zurück in die Jurte schlich. Erschöpft lies er sich aufs Bett sinken und unter Schmerzen zog er seine Schuhe aus. Ziska griff nach ihm, zog ihn zu sich aufs Bett und flüsterte ihm ins Ohr: ‚Ich wollte dich nicht beschämen!‘

‚Ich dich auch nicht, weiße Hexe!‘ erwiderte er sanft und küsste sie dann auf die Stirn, bevor er sich endgültig an ihrer Seite niederließ.

Mitten in der Nacht wurde Ainur wach. Lamina hatte ihm eben die Wadenwickel erneuert und hatte ihm ein kaltes Tuch auf die Stirn gelegt. Als sie bemerkte, dass er wach war, flößte sie ihm Tee ein und deckte ihn ordentlich zu. Er blickte sie dankbar an und dann wurde ihm erst gewahr, dass Vira an seiner Seite lag. Er hatte nur verschwommen mitbekommen was vorhin in der Jurte gesprochen worden war, aber eines hatte er genau verstanden. Er regte sich und entzog ihr seinen Arm, um sie gleich wieder in seine Arme zu schließen. Seine Finger fühlten sich taub an, aber er versuchte trotzdem sie mit beiden Händen am Bauch zu berühren. Vira wurde wach und griff nach seinen Händen.

‚Verzeih meine Verspätung, ich hab den Weg nicht mehr gefunden.‘ krächzte er ihr ins Ohr, dabei konnte er ihre Tränen schmecken, die ihr über die Wange liefen.

‚Ich hoffe du hast gefunden, was du suchtest!‘ schluchzte sie.

Er strich über ihren Bauch, küsste sie auf die Schläfe und versuchte dann zu flüstern: ‚Jetzt schon! Ich habe gefunden was ich suchte. Den Weg nachhause ohne Schuld auf meiner Seele.‘

‚Was hast du mit meinem Pferd gemacht?‘ fragte sie ohne Umschweife.

‚Es ist mir letzte Nacht erfroren und dann hat es mir das Leben gerettet!‘ meinte er fast schon ehrerbietig.

‚Du hast nicht das gemacht, was ich denke!?‘

‚Ich hab im Bauch deines Pferdes übernachtet, sonst wäre ich jetzt nicht hier, sondern würde mich im Jenseits mit deinem Mann bis ans Ende aller Tage prügeln, für die Unverfrorenheit, die ich begangen habe.‘

‚Das du mein Pferd getötet hast, wird er dir nie verzeihen, dass war sein Hochzeitsgeschenk!‘

‚Jetzt fühl ich mich richtig schlecht!‘

‚Ich sehe das als gutes Zeichen, er hat uns seinen Segen geschickt.‘

‚Also hat er dein Pferd getötet?‘

‚Der Willen der Ahnen ist manchmal unergründlich!‘ flüsterte sie ihm ins Ohr und küsste ihn zärtlich.

‚Ich hab mich jede Nacht danach gesehnt, bei dir liegen zu dürfen!‘ krächzte er und erwiderte den Kuss. Morgen würde tatsächlich ein besserer Tag werden, jetzt hatten sie endlich wieder alle beisammen.

Drei und eine Axt – Teil 34

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 34

reiter_neuDie Sonne war bereits aufgegangen und drang zaghaft durch den dichten Nebel, als die beiden Männer wieder kamen. Die beiden Hunde liefen über den Fluss, gefolgt von Halef und Elger auf ihren Pferden.

Als Vira die beiden Hunde erblickte, lies sie die Schneeschaufel fallen, die sie gerade noch in den Händen gehalten hatte. Erst als sie schon fast über den Fluss gelaufen war, erblickte sie das dritte Pferd. Doch es saß niemand auf dem Rücken des Pferdes. Sie blieb abrupt stehen und musste sich den Bauch halten.

‚Mutter, dein Pferd ist tot, aber dein Mann lebt.‘ rief Halef ihr entgegen. Sie fiel auf die Knie und ehe Halef bei ihr angelangt war, war sie bereits ohnmächtig aufs Eis gesackt.

Als sie wieder erwachte, lag sie im Bett und Lamina saß neben ihr und versuchte ihr Tee einzuflößen. Sie hörte ein ersticktes Keuchen und schreckte hoch.

‚Vira, du musst unbedingt liegen bleiben. Du hattest Blutungen.‘ flüsterte Lamina ihr ins Ohr. ‚Du hättest uns wirklich sagen können, dass du schwanger bist.‘

Vira blickte sie erschrocken an.

‚Es ist alles gut, sagt Ziska!‘ flüsterte Lamina weiter. ‚Und Ainur geht es auch gut. Sie reiben ihm gerade seine Erfrierungen mit Senf ein.‘

Vira setzte sich doch auf und schob Lamina auf die Seite. Sie erblickte Ainur. Er saß zitternd auf ihrem Bett, mit einer Decke über den Schultern, seine Füße waren in einer hölzernen Wanne mit offensichtlich heißem Inhalt. Erst in diesem Moment bemerkte sie, dass sie gar nicht in ihrem eigenen Bett lag. Ziska legte ein heißes Tuch auf Ainurs Kopf und goss heißes Wasser in eine Schüssel zum Inhalieren. Es roch nach Senf, Schnaps und Kräutern.

‚Ainur…!‘ stolperte aus ihrem Mund, doch mehr vermochte sie nicht zu sprechen. Er blickte auf, zog sich das Tuch vom Kopf und machte Anstalten aufstehen zu wollen.

‚Lass mich erst deine Füße versorgen!‘ meinte Ziska streng und zwang ihn dazu sitzen zu bleiben. Dann drehte sie sich zu Vira um und zischte: ‚Und du bleibst auch liegen!‘

‚Die weiße Hexe hat gesprochen!‘ rief Wena, die gerade mit einem Topf Suppe herein kam.

‚Ihr könnt euch nicht immer alle drauf verlassen, dass ich alles richte. Der Winter nagt an uns allen und mir fehlt langsam die Kraft…!‘ schimpfte sie, bis ihr Stimme versagte.

‚Jetzt reichts mir aber, Ziska! Setz dich und iss deine Suppe!‘ rief Wena und hielt ihr eine Schüssel mit Suppe hin. ‚Wir haben schon noch genug für alle, bis der Schnee schmilzt.‘

Halef und Elger kamen herein und meinten, wie aus einem Mund: ‚Heute Abend gibt’s Fisch!‘

Alle drehten sich erschrocken um und starrten sie fragend an.

‚Wir waren lange unterwegs, haben kaum etwas erlegt und haben dann ein Loch in den größten Weiher geschlagen…!‘ rief Elger und hielt seine Hand hoch. Er hatte eine beachtliche Menge Fische mitgebracht.

‚Mir wird schlecht!‘ stöhnte Vira und drehte sich auf die Seite. Lamina konnte ihr gerade noch eine leere Schüssel hinhalten. Zum Haare hochhalten war es zu spät.

Drei und eine Axt – Teil 33

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 33

reiter_neuDer Winter trieb Schneewehen über den Fluss, so dass man die Jurten schon kaum mehr sehen konnte. Der Junge Alur stand oben auf dem Kreuz der Jurte des Sippenführers und befreite sie von den Schneemassen. Während Halef ihm dabei half, schafften die anderen die Schneemassen Richtung Fluss.

‚Heute Nacht sind zwei Hühner erfroren!‘ meinte Merle, während sie nicht nur ihre Kinder zur Arbeit antrieb. Sie hielt ihren Bauch, arbeitete aber trotz ihrer fortgeschrittenen Schwangerschaft genauso hart wie die Anderen.

‚Wieso?‘ fragten Lina und Nala gleichzeitig.

‚Die dummen Hühner wollten außerhalb der Jurte übernachten.‘ rief Merle entrüstet.

‚Die Nacht wird klar und kalt, wir sollten die Pferde zu den Kälbern in die Jurte stellen.‘ rief Ziska.

‚Haben wir da genug Platz?‘ fragte Vira.

‚Die meisten Regale sind eh leer, die können wir abbauen.‘ meinte Wena.

‚In meiner Jurte ist am meisten Platz, wir können die Kleintiere in meiner Jurte unterstellen!‘

‚Mein Sippenführer…‘ rief Kejnen, doch er wurde von Ziska unterbrochen.

‚Wie wärs wenn wir dein Bett zu uns in die Jurte stellen, dann müsst ihr nicht im Gestank der Schweine schlafen und wir sparen Holz, wenn wir nur noch 3 Jurten befeuern müssen.‘

‚Die weiße Hexe hat gesprochen.‘ rief Halef vom Jurtendach hinab.

‚Sag mal, was ist denn mit Nyúl?‘ fragte Alur und zeigte zum Fluss hinunter.

Halef blickte zum Fluss und konnte gerade noch erkennen, wie sein Hund über den Fluss schlitterte und auf die Ebene rannte. Irgendwann war der Hund nicht mehr zu sehen.

Nach diesem anstrengenden Arbeitstag fielen alle erschöpft ins Bett. Sie hatten die Sippenführerjurte zu einen Ersatzstall umgebaut und Halef und Lamina schliefen nun wieder bei Vira, Ziska und Kejnen in der Jurte. Außerdem hatten sie heute beim Würfeln verloren. Das hieß, die Feuer am Laufen halten und den Schneefall kontrollieren. Deshalb stand Halef auch mitten in der Nacht auf und staunte nicht schlecht, als plötzlich seine beiden Hunde vor ihm standen. Er zog sich schnell an und lief zu seinem Pferd.

Als er mit einer Fackel in Hand über den gefrorenen Fluss ritt, wurde Elger wach, er hatte das Pferd und die Hunde gehört. Mit seiner Axt bewaffnet lief er nach draußen. Er konnte gerade noch sehen, wie sich ein Lichtschein über die Ebene bewegte.

Er zog es doch vor, sich Etwas an zuziehen und blickte zu den Pferden in die Jurte. Halefs Pferd war nicht mehr da, obwohl sein Sattel noch da war. Kopfschüttelnd ging er zur Jurte hinüber, wo ihn Vira überraschte, sie hatte ebenfalls eine Axt in Händen.

‚Halef reitet über die Ebene!?‘ flüsterte Elger ihr zu. ‚Setz Wasser auf, ich seh was er da treibt.‘

Er packte sich ebenfalls eine Fackel und ritt dem Jungen hinterher.

Drei und eine Axt – Teil 32

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 32

reiter_neuAm nächsten Morgen war das Lager des Khan bis auf eine Jurte abgebaut und sie waren weitergezogen. Und als Wena vor die Jurte trat, stand Merle und Elger mit ihren Kindern auf den Armen vor ihr. Merle war ziemlich blass um die Nase und sie schien geweint zu haben.

‚Der Khan hat es vorgezogen weiterzuziehen und es auf den Fluch der weißen Hure ankommen zu lassen. Ich widersprach ihm und da unten steht alles was ich noch besitze.‘

‚Was ist denn nur in ihn gefahren?‘ rief Wena aufgebracht.

‚Mutter ist dem Wahnsinn anheim gefallen und vergiftet alle mit ihren Lügen!‘

‚Dann kommt erst mal rein! Ich wecke Halef und unsere weiße Hure!‘

Wenig später saßen sie alle in der Jurte des Sippenführers und hielten Rat, während sie aßen und Tee tranken.

‚Macht es Sinn die Jurte rüberzuholen?‘ fragte Halef.

‚Wir sollten es gleich tun, bevor der Schnee zu hoch wird.‘ stammelte Otar und blickte Elger an, der ihm freundlich zunickte.

‚Haben wir genug Vorräte, um alle durch den Winter zu bringen?‘ fragte Vira nachdenklich.

‚Ähm… ich hab die letzten Tage damit verbracht, Vorräte in unserer Jurte zu verstecken.‘ beichtete Merle.

‚Ihr habt das schon kommen sehen?‘ fragte Wena.

‚Ich hab das schon kommen sehen!‘ rief Merle. ‚Als Elger und der Khan fort war, wurde mir verboten zu euch zu gehen und da hab ich angefangen Vorsorge zu treffen.‘

‚Eine schlaue Frau hast du da!‘ grinste Wena und schloss Merle in die Arme.

‚Mein Anteil an der Rinderherde habe ich heute Nacht schon über den Fluss getrieben und sie im Wald gelassen! Dein Hund war so nett mir dabei zu helfen.‘ berichtete Elger.

‚Und ich hab mich schon gewundert, wo dieser Köter sich schon wieder herumtreibt.‘ lachte Halef erstickt.

‚Na dann mal los, wir haben noch viel zu tun.‘ rief Vira und stand auf.

‚Wenn mir jemand aufs Pferd helfen könnte, kann ich nach der Herde sehen!‘ meinte Halef. Er stemmte sich hoch und humpelte durch die Jurte.

‚Alur wird dir helfen. Die Kinder sollen sich anziehen und den Schnee wegräumen.‘ meinte Otar und eilte aus der Jurte.

Elger folgte ihm und meinte: ‚Ich hab ein paar Hühner, 12 Pferde. Eine Herde Schafe und Ziegen habe ich auf der Steppe gelassen. Zum Glück hatte ich genug Seil.‘

Ziska nahm Merle auf die Seite und zischte ihr zu: ‚Wie lang weißt du schon, dass du schwanger bist?‘

‚Bitte was?‘ riefen Vira und Wena.

Merle kam ins Straucheln und Lamina konnte sie gerade noch festhalten, damit sie nicht hinfiel.

‚Ups, du wusstest es gar nicht? Herzlichen Glückwunsch.‘ rief Ziska überrascht.

‚Woher weißt du es?‘ stammelte Merle, während sie sich an Lamina klammerte.

‚Übertriebener Nesttriebbau!‘ rief Wena und grinste über beide Ohren. ‚Na dann lasst uns mal ein Nest für euch bauen.‘

‚Ja und du steigst mir auf kein Pferd mehr…!‘ meinte Vira ernst.

Dann gingen die Frauen nach draußen und machten sich ans Werk.

Am Ende des Tages waren alle völlig geschafft und saßen ums Feuer in der Jurte des Sippenführers.

‚Wir sind schon so ein Haufen!‘ rief Kejnen. Er hatte zu viel vom Likör erwischt, den Ziska zur Feier des Tages aufgemacht hatte. ‚Ein Krüppel und eine H…!‘ Er räusperte sich und meinte dann: ‚H… Hexe!‘

‚Ich dachte ich bin der Krüppel!‘ meinte Halef und lachte bitter.

‚Nein, mein Sohn. Wenn sie die Hexe ist, dann bin ich wohl die Hure.‘ meinte Vira ernst. Auch sie hatte etwas zu viel getrunken.

‚Nein, nein. War ich nicht die Hure?‘ meinte Lamina und grinste über beide Ohren.

‚Wenn hier einer das Wort ‚Hure‘ im Titel trägt, dann bin ich das, Halef Hurensohn!‘

‚Da blickt doch keiner mehr durch!‘ meinte Otar. ‚Ich bin der Schwachkopf, soviel ist mal klar.‘

‚Ja, aber mein Schwachkopf.‘ rief Wena. ‚Und ich bin die Glucke!‘

‚Und ich bin wohl die diebische Elster!‘ rief Merle und gab die Likörflasche an ihren Mann weiter, ohne zu trinken. ‚Und schwanger!‘

Elger lies fast die Flasche fallen. Er stotterte vor sich hin und brachte doch kein Wort heraus. Dann versuchte er seine Frau in die Arme zu schließen und selbst das schaffte er nicht. So rutschte Merle näher zu ihm hin und nahm ihn liebevoll in den Arm und küsste sein Stirn.

‚Gut, mein Bruder ist der Schwachkopf!‘ meinte Wena und lachte laut.

Drei und eine Axt – Teil 31

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 31

reiter_neuDie ersten Schneeflocken tanzten vom Himmel und der Khan und Elger kamen wieder. Seine Laune war nicht viel besser, als die Stimmung in seinem Lager. Aber das Leben ging wieder seinen gewohnten Gang, irgendwie. Der Khan war still und alle kuschten vor ihm. Keiner wagte es ihm in die Quere zu kommen. Auch Elger erzählte nichts von dem, was sie in den letzten Tagen erlebt hatten. Und Merle schien ständig von den anderen Frauen beschäftigt zu werden, so dass sie nicht mal den Blick über den Fluss werfen konnte. Wena litt darunter, dass ihre eigene Familie kein Wort mehr mit ihr wechseln wollte. Und vor allem wusste sie nicht wieso?

Mittlerweile hatte der Winter das Land in seiner Gewalt und Ziska entschloss sich dem Schweigen ein Ende zu bereiten. Sie kleidete sich in ihr Festtagsgewand und schritt barfuß über den zugefrorenen Fluss hinüber zum Lager des Khan.

Keiner wagte es, sich ihr in den Weg zu stellen und so ließ man sie in die Jurte des Khan.

‚Auch wenn du einen Sohn schon vor Jahren verloren hast, rechtfertigt es nicht, dass du deine Tochter mit Missachtung strafst. Sie trifft keine Schuld, nur weil sie ihr Leben auf der anderen des Flusses führt.‘

‚Wir haben viel zu tun, der Winter hat uns überrascht!‘ erwiderte der Khan.

‚Wie kann etwas überraschen, was doch jedes Jahr zur selben Zeit daher kommt.‘

‚Du beschämst deinen Khan!‘ rief der Khan ungehalten.

‚Der Khan beschämt sich selbst. Wenn der Khan uns überdrüssig ist, warum seid ihr dann noch hier auf dem Land des Sippenführers.‘ spie sie ihm förmlich entgegen.

Der Khan war das erste Mal in seinem Leben wirklich sprachlos.

Sie riss sich den Kopfschmuck vom Kopf und warf ihn dem Khan vor die Füße. ‚Wenn das so ist, braucht der Khan auch keine Hexe, die für ihn zu den Ahnen betet.‘

Dann spie sie den Wachen des Khan vor die Füße und verließ die Jurte mit einem grimmigen Ausdruck auf dem Gesicht. Und als sie draußen war, fing sie an zu fluchen. ‚Ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt, wenn eure Kinder krank werden und euer Samen verdorrt und eure Frauen unfruchtbar werden, dann kommt bloß nicht zu mir. Weil ich bin ja nur die weiße Hure. Ich gehe jetzt wieder zu dem Bastard, den euer Khan zum Sippenführer gemacht hat und auf dessen Land ihr euer Lager aufgebaut habt.‘

Ihre Worte hallten noch über die Ebene, als sie schon längst wieder über die Eisfläche des Flusses schlitterte.

Als sie die Jurte des Sippenführers betrat, blickten sie alle fragend an.

‚Sag mal, meinst du, dass es so schlau war…!‘ fing Vira an.

‚Ihr habt doch wieder Mäuschen gespielt…Wir kommen auch ohne dem Khan aus.‘ zischte Ziska. Sie war immer noch ziemlich wütend und strafte Kejnen mit ihrem Blick, der hastig sein Fernglas wegpackte. Dann tapste sie zum Feuer, setzte sich hin und wärmte ihre Füße.

‚Nein, die weiße Hure hat schon recht. Sie lagern auf unserem Land. Ein bisschen Höflichkeit kann man schon erwarten.‘ grinste Halef grimmig.

‚Was nutzt eine Familie, die kein Wort mehr mit uns wechselt. Wenn sie morgen weg sind, dann ist es nicht unsere Schuld.‘ flüsterte Wena traurig.

Drei und eine Axt – Teil 30

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 30

reiter_neuAinur war nun schon ein paar Tage fort und Viras Laune war so wie der Winter, der nun schon bald kommen sollte. Die Nächte waren kalt und frostig. Der Khan und Elger war immer noch nicht wieder zurück gekehrt und die Stimmung seiner Frauen war genauso eisig, wie das Wetter. Nichtmal die Söhne des Khans kamen auf ein Schwätzchen vorbei. Ziska wartete inständig darauf, dass der Khan wieder zurückkehrte, weil sie konnten ja wohl nichts für die Gesamtsituation. Also war Ziskas Laune auch dementsprechend schlecht. Kejnen versuchte mit Otar zusammen die ganze Arbeit zu machen und sie konnten dem fehlenden Ainur bei Weitem nicht gerecht werden. Halef ging es einen Tag gut und einen Tag schlecht. Heute war ein schlechter Tag, er hatte wieder Fieber.
Lamina machte ihm kalte Wickel. Sie hatte den ganzen Tag beim Holzmachen geholfen und war dementsprechend fertig. Sie schlief nur in einer leichten Tunika bekleidet am Bett sitzend ein.
Er wurde wach, weil sie zitterte. Doch er konnte sie nicht aufwärmen. Da er sich nicht anders zu helfen wusste, stand er auf, humpelte unter Schmerzen zur Feuerstelle und legte genug Holz nach, dann stolperte er zum Bett zurück und kroch wieder zu ihr. Liebevoll deckte er sie beide zu und rieb über ihren Rücken. Sie hustete im Schlaf. Er war der Meinung, dass sie Fieber hatte.

Mitten in der Nacht kam seine Mutter herein, um nach ihm zu sehen. Sie machte Tee, flößte ihn ihnen Beiden ein und schürte das Feuer hoch genug, dass sie es bis zum Morgen warm hatten.

Am nächsten Morgen ging es ihm soweit gut, dass er sich zumindest um Lamina kümmern konnte. Als sie irgendwann endlich wieder wach wurde, sah sie wie Halef ein paar Scheite ins Feuer warf. Er bemerkte, dass sie sich regte und humpelte zum Bett zurück.
‚He, meine Schöne!‘ flüsterte er ihr zu und half ihr hoch, dann versuchte er ihr Suppe einzuflößen. ‚Du hast dich erkältet!‘
Sie hustete erstickt. Er half ihr sich wieder hinzulegen und sie schlief gleich wieder ein.
‚Jetzt kann ich mich ein Bisschen um dich kümmern, meine Schöne!‘ Als er ihr mit einem feuchten Lappen über die Stirn stricht, schien sie zu lächeln.

Drei und eine Axt – Teil 29

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 29

reiter_neuAinur ritt im Morgengrauen fort und lies Vira in der Jurtentür stehend zurück. Er trieb die Pferde über den Fluss und blickte nicht zurück. Sein Herz war ihm so schwer und er befürchtete nicht gehen zu wollen, wenn er sie sah, wie sie in der Tür stand. Vira liefen ununterbrochen die Tränen übers Gesicht und sie klammerte sich selbst an ihrem Klappenmantel. Als er außer Sichtweite war, fasste sie sich ein Herz, lief zum Gatter hinüber und nahm sich Wenas Pferd. Sie ritt ihm hinterher, so schnell sie konnte. Weit entfernt vom Lager des Khans konnte sie ihn einholen.

‚Ainur warte!‘ rief sie aufgeregt.

‚Vira, mach es mir doch nicht so schwer.‘ meinte er, als er sich endlich umdrehte.

‚Du kannst noch nicht gehen.‘

‚Wieso?‘

‚Die Trauerzeit!‘

‚Wäre das mit Halef nicht passiert, wäre ich bis zum Ende der Trauerzeit wieder da gewesen!‘

‚Bitte geh nicht bevor…!‘ rief sie, schwang sich vom Pferd und ging die letzten paar Schritte zu Fuß. Sie klammerte sich an seinen Arm und versuchte ihn vom Pferd zu ziehen. Dabei ging ihr Klappenmantel auf und er hatte einen angenehmen Blick auf ihren üppigen Brüste.

‚Sag mal, hast du nichts drunter?‘ fragte er verdutzt und lies sich langsam vom Pferd gleiten. Sie fiel ihm in die Arme und küsste ihn stürmisch.

‚Bitte Vira, beginne nichts, was wir nicht beenden dürfen.‘

‚Die Trauerzeit ist vorbei!‘

‚Sagt wer?‘ fragte Ainur verdutzt.

‚Sag ich!‘

‚Aber ich kann dich doch nicht mitten in der Steppe nehmen.‘

‚Im Dreck, wenn es sein muss.‘ meinte sie ernst.

Er grinste nur und das war ihr Antwort genug.

Während die Pferde zu grasen begannen, ließen sich die Beiden in den Staub sinken und küssten sich wild und unnachgiebig. Sie schälte ihn aus seinen Klamotten, während er ihr genüsslich den Klappenmantel auszog. Mit einer geschickten Handbewegung öffnete sie seine Hosen und hatte im nächsten Moment schon seinen geschwollenen Schaft in Händen. Er küsste sie weiter und drängte sie auf den Rücken. Sie kam auf ihrem Klappenmantel zu liegen, während er ihre Brustwarzen mit den Lippen umschloss, um genüsslich dran zu knabbern und zu saugen.

Dann blickte er auf und flüsterte ihr zu: ‚Bist du dir sicher, dass es willst?‘

‚Du sollst wissen, warum du zurück kommst.‘ meinte sich schnippisch und griff zwischen ihren Beinen hindurch und packte seinen Schwanz. Sie drängte ihn in ihre Richtung und führte seine Schwanzspitze an ihr Allerheiligstes.

‚Wenn du so herrisch bist, wird es wahrscheinlich ein eher kurzes Vergnügen.‘ meinte er, während er ihre Hand von seinem Schwanz löste und die Sache dann selber in die Hand nahm. Langsam schob er seine Schwanzspitze in ihre Pforte, zog sie wieder heraus und lies sich verdammt viel Zeit. Das machte sie halb wahnsinnig. Sie war so feucht, dass es ihr schon heraus floss, bevor er einen weiteren Versuch anstrebte. Ihr ganzer Körper schrie: ‚Bitte!‘

Und mit einem breiten Grinsen im Gesicht, gab er der Bitte nach und schob ihr seinen steif geschwollenen Speer langsam in den Leib. Ihr Körper begann bereits zum Zucken, dabei hatte er noch nicht mal richtig angefangen. Langsam begann er in ihr zu arbeiten und treib sie dabei von einem Höhepunkt zum Nächsten. Sie schrie und stöhnte, bis ihr nur noch ein Krächzen und Wimmern aus der Kehle kam. Ihr ganzer Körper zitterte unter ihm und sie war völlig außer Stande, sich seinen harten Stößen entgegenzustemmen. Also hielt er ihren Körper fest und hämmerte weiter seinen zum Bersten gespannten Schwanz in sie ein.

‚Damit du nicht vergisst, auf wen du wartest!‘ schrie er, kurz bevor er seinen Samen in ihr entlud. Er bewegte sich weiter, gönnte ihr keinen Moment der Ruhe.

Erst als die Sonne schon längst über den Hügel gekrochen war, lies er von ihr ab. Ihr Körper bebte immer noch, als er sich erhob.

‚Ich muss…!‘ fing er an, bis seine Stimme brach. Rasch zog er sich wieder an und pfiff nach den Pferden. Sie rappelte sich ungeschickt auf und streifte den Klappenmantel über ihren nackten Körper.

‚Komm wieder, schöner Mann!‘ schluchzte sie noch, dann stieg sie auf ihr Pferd und ritt wieder zurück, ohne sich auch nur einmal nach ihm umzudrehen. Der verdutzten Ainur blieb allein in der Steppe zurück und blickte ihr noch einen Moment hinterher. Dann ritt auch er davon.

Drei und eine Axt – Teil 28

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 28

reiter_neu‚Ich bin als Sippenführer zu nicht zu gebrauchen.‘ meinte Halef, während Lamina ihn wusch.

‚Ach red doch keinen Unsinn!‘ rief Lamina.

‚Wie lange lieg ich schon im Bett und kann nicht helfen? Der Winter wird kommen!‘

‚Mach dir keine Gedanken, Ainur arbeitet für drei.‘

‚Ich müsste für drei arbeiten!‘

Ainur kam herein und rief: ‚Dazu hast du bald Gelegenheit.‘

Er kam ans Bett und blickte Lamina an.

‚Er hat schlechte Laune.‘ meinte sie, deckte ihn liebevoll zu und stand auf.

‚Ich werd deine Laune nicht verbessern können, ich muss gehen. Der Winter naht unablässig.‘ meinte Ainur ernst.

‚Ich weiß, Mutter hat es mir gesagt, oben bei den Ahnen schon!‘ meinte Halef und blickte Lamina hinterher, die gerade aus der Jurte schlich.

‚Mein Sippenführer, ich reite schnell und komme wieder und im Frühjahr bauen wir eine Brücke.‘

‚Bevor du gehst, müsstest du mich noch zum Donnerbalken bringen!‘

‚Sofort?‘

‚Nachher.‘

Einen Tag bleibe ich noch!‘

‚Ich möchte, dass du ein zweites Pferd mitnimmst.‘

‚Mein Dank ist Dein!‘

‚Und ich möchte dass du Róka mitnimmst. Damit du den Weg nach Hause findest.‘

‚Ich bringe dir deinen Hund heil zurück.

‚Und ich werde auf meine Mutter acht geben!‘

Vira stand in der Tür und zog eine Augenbraue hoch. Halef blickte auf.

‚Nimm mein Pferd!‘ meinte sie kurz, drehte sich um und ging. Ainur stürzte ihr hinterher.

Später kam Ainur mit Ziska zu ihm und sie flößten ihm etwas Grausames ein und dann brachte Ainur ihn zum Abort. Es war ihm sehr peinlich, dass er mit quasi runtergelassenen Hosen von seiner Tante auf den Abort gesetzt wurde. Sie drückte ihm einen Becher in die Hand und grinste: ‚Wenn du noch einen Becher trinkst, dann lassen wir dich einen Moment in Ruhe!‘

Er erwachte und sah Lamina an der Bettkante sitzen. Er konnte sich nicht erinnern, wie er hier her gekommen war, das Letzte an was er sich erinnern konnte war, dass Ainur ihn zum Donnerbalken gebracht hatte und an das widerliche Zeug, was er trinken musste. Sein Kopf sauste, aber ansonsten fühlte er sich eigentlich gut. Er regte sich und blickte auf Lamina. Das Licht, das vom Feuer herrührte schimmerte auf ihren Fingern. Sie versuchte ihren Rücken einzuschmieren, was ihr nur bedingt gelang. Er konnte nicht anders, als sie dabei zu beobachten. Sie hatte quasi nichts an, soweit er das erkennen konnte. Er bewegte sich in ihre Richtung und wollte ihr zur Hand gehen, doch sie bemerkte seine Bewegung, drehte sich halb um und blickte über ihre Schulter. Ihr Haare verdeckten ihre Brüste, sie hatte sich ihre Zöpfe über die Schulter gelegt und sie bedeckten gerade so viel, dass es ihn leicht erregte. Schwindel überkam ihn.

‚Lass mich dir helfen!‘ flüsterte er benommen. Sie zog die Beine aufs Bett und rutschte in seine Richtung. Er umarmte sie und nahm ihre Hände vor ihrem Körper in die Seinen, um das Öl von ihren Fingern aufzunehmen. Sie goss ihm etwas von dem Öl in die Hand. Er rieb über ihre Schultern und dann über den Rücken bis zum Ansatz ihres Hinterns. Als er damit fertig war, lehnte sie sich nach hinten und griff nach seiner Hand. Sie rieb ihm seine Handgelenke mit dem Öl ein. Und er die ihren, dabei wickelte er geschickt ihren Verband von der Hand, um sie zu küssen. Ein Schauer lief ihr über den Rücken. Er nahm sie in den Arm und sie legte sich zu ihm. Er versuchte sie zuzudecken. Mit seinen und ihren Armen verdeckte er ihre Brüste.

Es war so ein unschuldiger Augenblick, wie sie bei ihm lag, der ihn doch so erregte, dass ihm fast die Sinne schwanden. Besser wäre es wahrscheinlich, er würde wirklich ohnmächtig, sonst käme er noch auf dumme Gedanken.

Sie blickten beide ins Feuer und er hielt sie einfach weiter fest. Ihr ganzer Körper zitterte. Und er hielt sie so lange, bis sich ihr Körper beruhigte. Irgendwann stand sie doch auf und zog sich eine leichte Tunika an. Dann legte sie genug Holz nach, damit sie wieder unter seine Decke kriechen konnte. Sie küsste ihn, bevor sie sich wieder zu ihm legte.

Published in: on 9. April 2013 at 20:58  Kommentar verfassen  
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Drei und eine Axt – Teil 27

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 27

reiter_neu‚Wir können einfach keine Blutegel mehr finden!‘ meinte Ainur leise. ‚Der Herbst ist bald zu Ende!‘

‚Dann muss es so gehen!‘ krächzte Lamina. Sie versuchte ein Schluchzen zu unterdrücken.

‚Das wird schon alles wieder. Das Bein von dem alten Krüppel da draußen hat viel länger geeitert und viel schlimmer ausgesehen und wir mussten es auch nicht abschneiden.‘ Ainur versuchte sie aufzumuntern, was ihm aber nur bedingt gelang.

Ein Geräusch, dass vom Bett herrührte, lies sie aufblicken. ‚Nyúl… Róka!‘

Die Tür ging sprang auf und beiden Hunde stolperten herein. Sie hatten ihren Herren gehört und konnten es kaum erwarten ans Bett zu gelangen. Halef wand den Kopf und hielt seine Hand aus dem Bett und wieder kamen Geräusche aus seinem Mund. Lamina lief den Hunden hinterher und zischte: ‚Nicht so stürmisch, ihr Beiden! Sitz!‘

Die Hunde folgten aufs Wort und setzten sich brav neben das Bett, aber noch so nah, dass ihr Herr sie streicheln konnte.

‚Ainur. Wenn du Blutegeln finden willst. Geh in Richtung meiner Höhle. Dort ist am Fuße des Berges ein Sumpf und ein paar Tümpel. Róka bringt dich hin.‘ krächzte Halef leise.

Róka sprang auf und wedelte mit dem Schwanz.

‚Was würden wir nur ohne unseren Sippenführer machen.‘ rief Ainur, kniete sich hastig vors Bett und küsste Halef. Dann sprang er auf und lief aus der Jurte. Als er schon draußen war, rief er noch: ‚Róka los, schnell!‘

‚Aber geht nicht in meine Höhle, das ist Meine!‘ meinte Halef, doch sein Hund war schon aus der Jurte gelaufen.

‚Du hast eine Höhle?‘ fragte Lamina erstaunt, während sie ihm half sich etwas aufzurichten.

Halef nickte und versuchte zu lächeln.

Wena kam kopfschüttelnd in die Jurte, sie brachte Suppe und Brot. ‚Was war das jetzt? Erst machen die Köter die Tür auf und dann läuft Ainur, wie eine angestochene Sau, zum Gatter und klaut mein Pferd.‘

‚Er kommt wieder, mit Blutegeln! Hoffe ich!‘ meinte Lamina.

‚Und er hat mich geküsst!‘ stammelte Halef. Nyúl war aufs Bett gekrabbelt und kuschelte sich an den Körper seines Herren.

‚Du warst die letzten zwei Nächte wieder im Fieber und völlig weggetreten. Und dein Bein macht uns große Sorgen.‘ meinte Lamina und setzte sich zu ihm ans Bett und küsste ihn auf die Stirn. ‚Und jetzt musst du erst mal was essen und dann…!‘

‚Und dann schau ich mir dein Bein an!‘ rief Ziska von der Tür her.

Als sie nach dem Essen seinen Verband wechselten, wurde er während der Waschung ohnmächtig und wurde erst wieder wach, weil er ein komisches Gefühl an seinem Bein fühlte. Ziska saß an der Bettkante und wedelte mit rauchenden Käutern über seinem Bein rum.

‚Sch..sch…sch. Du musst dein Bein ruhig halten. Sonst fallen die Maden runter.‘ meinte Ziska leise, legte den rauchenden Zweig in eine kleine Feuerschale und strich ihm mit der anderen Hand über den Kopf. ‚Sie fressen das brandige Fleisch weg.‘

‚Wo ist Lamina?‘ fragte er leise.

‚Sie hat den Hund rausgebracht. Nyúl ist ganz heiß auf dein Bein.‘

‚Der Köter wollt mich doch nicht fressen?‘

‚Nein, aber dieser Mistköter wollte Lamina fressen.‘

‚Bitte was?‘ schrie er heiser.

‚Sie hat nur einen Kratzer abbekommen!‘

‚Nyúl!‘ schrie er, bis sein Schrei von einem trockenen Husten gestoppt wurde. Ziska half ihm eine Wenig hoch und drückte ihm einen Becher Tee in die Hand.

Die Tür ging auf und der Hund tapste herein und er tat so als wäre nichts geschehen.

‚Was fällt dir ein, mein Bein oder meine Frau fressen zu wollen. Böser Hund.‘

Der Hund japste unschuldig.

‚Raus hier. Komm mir nicht mehr unter die Augen.‘

‚Halef, es ist doch nur ein Kratzer!‘ rief Lamina. Sie stand in der Jurtentür und hielt sich eine Hand. Ein blutiger Verband war darum gewickelt.

‚Los raus hier, Nyúl!‘

Der Hund ging rückwärts aus der Jurte und verzog sich geknickt.

Lamina schloss die Tür und ging langsam aufs Bett zu. Ihr liefen Tränen übers Gesicht und sie rang heftig mit ihrer Fassung.

‚Der dumme Köter kommt wieder, keine Sorge.‘ meinte Halef und griff nach ihrer Hand. ‚Hat er dir arg weh getan?‘

‚Es ist nichts, ich hab mich nur erschrocken!‘

Er wickelte den Verband ab und blickte auf die Wunde. ‚Nichts, sieht aber anders aus!‘

Die Tür ging wieder auf und Ainur kam herein gestolpert, gefolgt von Róka.

‚Róka, geh zu Nyúl, er war ein böser Hund.‘ rief Halef und der Hund machte kehrt und lief nach draußen, noch ehe Ainur die Tür schließen konnte.

‚Es hatte jemand Blutegel bestellt?‘ meinte Ainur und übergab Ziska einen verschlossenen Krug.

Published in: on 18. März 2013 at 22:58  Comments (1)  
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Drei und eine Axt – Teil 26

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 26

reiter_neuHalef konnte den pochenden Schmerz in seinem Bein spüren und in seiner Schulter. Sein Atem rasselte. Jeder seiner Atemzüge tat ihm weh. Obwohl er lag, überkam ihm ein Schwindelgefühl. Außerdem dachte er, seine Blase müsse gleich platzen. Aber er konnte sich nicht bewegen, sein Körper fühlte sich schwach und taub an. Ein übler Geruch stieg ihm in die Nase. Selbst das Öffnen der Augen fiel ihm schwer. Ihm war kalt, er fror, aber selbst zum Zittern schien ihm die Kraft zu fehlen. Ein schmerzverzerrter Stöhner kam ihm über die Lippen. Seine Kehle war ausgetrocknet, er musste husten. Der Schmerz lies ihn fast wieder die Sinne schwinden. Er hörte Holz über Holz schleifen, einen dumpfen Schlag, ein Prasseln und die Wärme, die plötzlich aufstieg. Jemand kam an seine Seite und versuchte ihn zu beruhigen. Panisch zog er röchelnd die Luft in seine Lungen. Sein Kopf wurde angehoben und Flüssigkeit wurde ihm in den Mund geträufelt. Das Gefühl jeden Moment ersticken zu müssen war mit einem Schlag vorbei. Worte wurden gesprochen, er verstand nicht welche, aber sie schienen ihm wohlgesonnen. Eine kalte, zitternde Hand berührte die Seine. Er versuchte sich zu bewegen, konnte es aber nicht. Endlich öffnete er die Augen. Erschrocken blickte er in das Gesicht seines Weibchens. Lamina sah abgekämpft aus, tiefe Augenringe unter ihren verheulten Augen waren zu sehen. Die Sorgenfalten auf ihrer Stirn entspannten sich leicht, als sie ihm über die Stirn strich. Seine Hand war an seiner Brust festgebunden. Ruckartig versuchte er seinen anderen Arm zu bewegen. Nach einem Ruck schoss ein stechender Schmerz durch sein Handgelenk. Die andere Hand war am Bettpfosten angebunden.

‚Sch… Sch…Sch… Wir mussten dich anbinden. Du hast im Fieber um dich geschlagen.‘

Sie strich über seinen Arm und löste seine Hand vom Bettpfosten. Sein Arm war taub, er konnte ihn kaum bewegen, versuchte es aber und blickte sie dabei panisch an.

‚Warte, ganz ruhig!‘ flüsterte sie ihm ins Ohr und griff nach seiner Hand.

Sie bewegte seine Finger und massierte sie. Später half sie ihm dabei den Arm zu bewegen und er legte in einer schwerfälligen Bewegung seine Hand neben seinem Körper ab.

‚Wie lang war ich…!‘ röchelte er, bis seine Stimme brach. Er musste Schlucken, doch sein Mund war wieder trocken. Sie flößte ihm nochmal etwas Flüssigkeit in den Mund und erklärte unverblümt. ‚Du hast zwölf Tage lang deine Augen nicht mehr aufgemacht.‘

Es dauert eine ganze Weile, bis er darauf etwas sagte: ‚Hab ich mir Schande gemacht?‘

‚Angst gemacht hast du mir!‘ meinte sie ernst und stand dann kopfschüttelnd auf.

Er versuchte sich aufzurappeln, weil ihm wieder eingefallen war, dass er pinkeln musste. Doch seine Beine waren auch am Bettrahmen fixiert und stöhnte vor Schmerzen, als er sich bewegte. Lamina drehte sich erschrocken um und blickte ihn ernst an. ‚Wo willst du denn hin?‘

Er blickte nur zu dem Eimer vor seinem Bett. Mit einer eleganten Bewegung war sie wieder an seiner Seite und band auch die Füße los und half ihm auf.

Als sein Körper aufrecht war, kam der Schwindel wieder und er musste sich an ihr festklammern. Sie löste liebevoll die anderen Hand aus dem Verband und flüsterte ihm ins Ohr. ‚Du willst wahrscheinlich nicht, dass ich dir helfe, also wirst du den Eimer mit deiner verletzen Hand halten müssen.‘

Er nickte verlegen, als sie ihm die Decke vom Schoß zog und ihm den Eimer in die Hand drückte. ‚Ich muss eh frisches Wasser holen, wir müssen deine Verbände wechseln und dich waschen!‘ meinte sie, zog einige Decken aus dem Bett und schnappte sie einen anderen Eimer, der neben der Feuerstelle stand und ging aus der Jurte.

Er war mehr als erleichtert, als zumindest den Druck auf der Blase loswerden konnte, bloß verkrampfte sich seine Hand so, dass er den Eimer nach Verrichtung seines Geschäftes nicht mehr loslassen konnte. Er versuchte mit der anderen Hand die verkrampften Finger zu öffnen, schaffte es aber nicht. Währenddessen sein Urin im Eimer umher schwappte und er mit sich selbst rang, lief Lamina zum Fluss hinunter.

Sein Körper glitt krampfend auf die Seite, den Griff des Eimers weiter fest umschlossen und kam mit der unverletzten Schulter am Bettpfosten zum Stillstand.

Als Lamina die Jurte wieder betrat, lag er immer noch zuckend da. Sie eilte an seine Seite, berührte seine Hand und er lies den Eimer los. Hastig stellte sie ihn außer Reichweite und wickelte Halef eine der übrigen Decken.

Sein Körper sah abgemagert aus, doch seine Muskeln waren steinhart und zogen sich immer mehr zusammen. Aber selbst für drastische Bewegungen schien ihm die Kraft zu fehlen, so zog sie ihn in die Mitte des Bettes, stand rasch auf und warf einige Kräuter ins Feuer. Dann nahm sie etwas aus einer kleinen Schachtel, streute es auf einen Splint und hielt diesen ins Feuer.

Mit dem rauchenden Splint ging sie zu Halef hinüber und hielt selbst die Luft an. Während sie sich zu ihm aufs Bett setzte, wickelte sie sich ein Tuch um den Mund, das sie um ihren Hals getragen hatte. Der Rauch der vom Splint ausging kroch ihm in die Nase und augenblicklich entspannten sich seine Muskeln. Sie flüsterte gedämpft durch das Tuch in sein Ohr: ‚Es tut mir leid, aber es geht nicht anders!‘ Seine Augen flackerten kurz auf, bevor er wieder ohnmächtig wurde. Sie warf den Splint ins Feuer und packte alle Felle und zog sie aus dem Bett, drehte ihn auf die Seite und deckte ihn zu. Rasch ging sie mit den Fellen und dem Eimer nach draußen und kam wenig später wieder herein. Langsam zog sie das Tuch von der Nase und lies die Tür offen stehen, damit frische Luft hereinkam. Neben dem Rauch, roch es immer noch Urin, Eiter und Schweiß.

Zuerst legte sie nochmal Holz nach, setzte Wasser auf und dann öffnete sie seine Verbände. Der Arm sah gut aus und eiterte kaum noch. Doch konnte sie den Eiter riechen. Sie machte einen neuen Kräuterumschlag, der hoffentlich den restlichen Eiter aus der Wunde zog. Die Bauchwunde, war wie durch ein Wunder sehr gut verheilt und sie konnten bestimmt bald die Fäden ziehen, bevor die auch noch eine Entzündung hervorriefen. Ziska hatte ihr Bedenken geäußert, dass sich die Wunden durch die Seidenfäden vielleicht nochmal entzünden könnten. Von Glück im Unglück konnte man nicht gerade sprechen, weil das verletzte Bein immer noch aufs Doppelte angeschwollen war. Sie hatten die Fäden wieder entfernen müssen und hatten vor ein paar Tagen eine der beiden Pfeilwunden sogar ausbrennen müssen. Aber alle ihre Bemühungen waren bisher vergebens gewesen. Selbst mit Maden und Blutegeln hatten sie die Entzündung bisher nicht eindämmen können. Nur hatte Ainur und die Kinder seit Tagen schon keine Blutegeln mehr gefunden.

Als sie den Verband vom Bein löste, quoll der Eiter schon durch die letzten Lagen des Verbandes. Sie musste würgen, als sie die Wunde freilegte. Während die ausgebrannte Wunde mittlerweile nicht mehr ganz so schlimm aussah, war die Andere einfach nur grotesk.

Tränen standen ihr in den Augen, als sie sich wieder das Tuch über die Nase schob. Es schien so, als hätte sie die letzten Tage, dies schon öfter getan. Sie wusch die Wunde aus und versorgte das Bein so gut sie konnte. Sie wusch ihn, bevor sie das Beine erneut verband. Sie betete inständig an alle Ahnen und Götter, die ihr einfielen, dass die Kräuterumschläge endlich wirkten. Weil Ziska hatte vor ein paar Tagen gedroht, dass Bein abnehmen zu müssen, wenn sie nicht bald was tun würde. Kejnen und Ainur hatten sich mit ihr darum gestritten. Und sie selbst, machte einfach alles, was sie ihr aufgetragen hatten, um sein Bein zu retten.

Sie rieb seinen Körper mit einem Öl ein und der angenehme Geruch, entspannte ihr Gesicht etwas. Das hatte noch nicht mal der Rauch des Mohnsaftes geschafft. Wena stand plötzlich in der offenen Tür und versuchte zu lächeln. Sie hatte eine Kanne mit Tee in der Hand.

Lamina blickte auf und lächelte einfach nur, während ihr die Tränen in den Augen standen.

‚Er war kurz wach!‘ sagte sie mehr zu ihm, als zu ihr. ‚Aber nur sehr kurz.‘

Wena rümpfte die Nase, kam näher und fragte: ‚Hat er wieder gekrampft?‘

‚Ja, nachdem er sich in den Eimer erleichtert hatte!‘

‚Das ist doch eigentlich ein Fortschritt?‘

‚Ich hab die Verbände gewechselt und das Bein sieht einfach abartig aus.‘

‚Ich schick die Kinder nochmal nach Blutegeln.‘ meinte Wena kurz, als sie endlich den Tee abstellte. ‚Ich bring dir ein paar andere Felle, die da draußen würd ich über Nacht auslüften lassen.‘

‚Ja, danke. Ist das zweite Leinentuch schon trocken?‘

‚Ja, und die Decken müssten auch schon trocken sein. Ich hatte sie bei uns in der Jurte.‘

Das Gespräch der Beiden wurde von Stöhnen seinerseits unterbrochen. Wena rannte zur Tür und rief: ‚Ich bring dir Suppe. Die Mädchen haben sie vorhin schon aufgesetzt.‘

Lamina goss einen Becher Tee ein und kniete sich ans Bett. Mit einem Holzlöffel rührte in dem Becher und flüsterte Halef beruhigende Laute ins Ohr.

‚Lamina…!‘ kam es aus seinem Mund, bevor seine Stimme brach und er schwer schlucken musste.

Sie half ihm ein Wenig hoch, setzte sich auf die Bettkante und flößte ihm langsam den Tee ein. Er öffnete die Augen, die sich sofort mit Tränen füllten. Als der Becher leer war, setzte sie den Becher ab und wischte ihm die Tränen vom Gesicht.

Published in: on 6. Februar 2013 at 22:02  Comments (1)  
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