Regen im August – Teil 1

Regen im August – Teil 1

nebelGerade heute, wo ihr Wagen morgens nicht ansprang und sie einen wichtigen Termin in der Stadt hatte, regnete es unaufhörlich, obwohl es eigentlich Sommer sein sollte. Sie hatte ihren Wagen schweren Herzens zurückgelassen, um mit den Öffentlichen in die Stadt zu fahren. Das ihr treuer Gefährte sie gerade heute im Stich gelassen hatte, nagte schwer an ihrem Gemüt, war ihr Auto doch ihr bester Freund, der sie für gewöhnlich überall pünktlich auf die Minute hinbrachte. In der Eile pünktlich zu dem Termin zu kommen, hatte sie auch noch ihren Regenschirm in der Bahn vergessen. Dieser ach so wichtige Termin fiel dann auch noch ins Wasser. Dafür hatte sie sich extra rausgeputzt, um dann mit einen feuchten Händedruck abgespeist zu werden. Das war wohl nicht ihr Tag heute. Nicht ihr Tag, nicht ihre Woche, nicht ihr Monat, nicht ihr Jahr und anscheinend auch nicht ihr Leben. Mit dem Ofenrohr ins Gebirge zu schauen ist nicht gerade eine Arbeit für eine Frau um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Und genauso genervt und begossen wie ein Pudel trat sie ihre Heimreise an.

Das sie dann auch noch ihre Bahn verpasst hatte und sie daraufhin zu hause auch noch den letzten Bus verpassen würde, passte ja mal wieder wie die Faust aufs Auge.

Ihr Fußmarsch auf ihren Stöckelschuhen wurde von den Gewitterwolken schier verfolgt und ihre Laune war eh schon mehr als unterirdisch, als ob ihre Laune überhaupt in letzter Zeit irgendwie gut gewesen wäre. Sie schob es auf den Schnee im Oktober und nun stand sie im Regen, im Regen im August.

Mit den Gedanken an ihren Lebensretter, lief sie nahezu Barfuß nachhause. Sie hatte ihre Schuhe in der Hand und ihre Nylonstrümpfe hingen schon in Fetzen. Ihre Füße spürte sie schon gar nicht mehr vor Kälte und die Zeitung die sie sich über den Kopf hielt, war mehr oder weniger schon Pappmaché. Und trotz der äußeren Umstände bekam sie ihn einfach nicht aus dem Kopf. Diesen Hans Kupfer. Er hatte sie immer mal wieder besucht, seit Oktober. Nun war er schon länger nicht mehr da gewesen. Und wie Frauen halt so sind, machte sie sich unglaubliche Sorgen. Trotz dessen dass er immer sagte, wenn sie nichts von ihm höre, ging es ihm gut und sie brauchte sich keine Sorgen machen.

So blickte sie immer wenn sie in die Stadt fuhr sehnsüchtig zu der Autobahnausfahrt hinüber, wo sie ihn das letzte Mal ausgesetzt hatte, wie einen räudigen Köter.

Nur dass er ganz und gar nicht räudig war. Sie hatte nie einen angenehmeren Menschen kennenlernen dürfen. Aber so angenehm er auch war, genauso rastlos war er auch. Kaum hatte er sich niedergelassen, musste er auch schon wieder los.

Und wie der Regen durch ihre Finger lief, ran auch er immer wieder davon, um dann plötzlich wieder vor ihrer Tür zu stehen. Oder unverhofft an der Bushaltestelle. Genau die Bushaltestelle, auf die sie gerade zulief.

Sie fragte sich inständig, warum sie sich überhaupt die Mühe machten, ein Bushäuschen aufstellten, wenn doch eh nie ein Bus kam. Hier würde man bis zum Sankt Nimmerleins Tag stehen und das Einzige was definitiv nicht kommen würde, wäre ein Bus.

Fortsetzung folgt…

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