Morgengrauen nach durchzechter Nacht

brunaMorgengrauen nach durchzechter Nacht

Als Bruna ihren Gaul wieder Richtung Hoimarshold hetzte, bemerkte sie, dass sie ein Falke schon eine Weile verfolgt hatte. Es dauerte noch eine Weile, bis sie endlich den Arm nach ihm ausstreckte und ihren Gaul stoppte. Sie las die Zeilen und blickte in den Himmel.

‚Nun Bruna,

auch wenn Teutates es mehr als gut mit dir meint, wirst du uns auf diesem Kriegszug noch nicht begleiten. Zum Einen ist es ein zu großes Risiko für unsere eigenen Krieger solange du deine Macht nicht kontrollieren kannst und zum Anderen wäre es Taktisch unklug wenn der Gegner von deinen Fähigkeiten erführe bevor es unvermeidlich ist. Also bleib hier und erwarte meine Nachricht. Bis ich dich rufe übe dich in Selbstkontrolle und meditiere wie ich es dir gezeigt habe. Und zur Sicherheit, bleib großen Ritualen fern…..du weißt was sie in dir auslösen können.‘

 Der Falke kreiste über ihr und sie kam sich merkwürdig beobachtet vor. Vielleicht sollte sie zuerst damit beginnen etwas weniger zu trinken, obwohl sie während des Umtrunkes mit Asbirg und diesem Rutger, Sohn des Fellhändlers zu Grimgard, keine größeren Brandrodungen oder Hitzewallungen hatte. Was der olle Tankred in Hoimarshold zu suchen hatte, wollte sie sich gar nicht ausmalen. Aber ein Wenig seltsam kam es ihr schon vor, dass sie nicht einmal eine einfach Wurstlieferung tätigen konnte, ohne dass sie unter Beobachtung stand. Aber den alten Esel von dem Heiler hatte sie ja eh gehörig abgehängt. Und doch dachte sie über die Worte nach, die dieser Rutger gesprochen hatte, als sie ihre Geschichte erzählt hatte. ‚Nichts gegen die ehrenwerten Kriegspriestes des Teutates. Aber das ist ja die dümmste Anmache die ich je gehört habe.‘ ‚Ja, aber es ist nichts Sexuelles!‘ hatte sich Bruna verteidigt. ‚Ja, aber ihr macht was ein Mann zu euch sagt, obwohl ihr keine guten Erfahrungen mit dem Mannsvolk bisher gemacht hattet.‘ Sie wurde je aus ihren Gedanken gerissen, da der Falke ihr auf den Kopf geschissen hatte. Also schrieb sie doch einen Brief und schickte den Falken damit fort.

‚Mein werter Kriegspriester,

so ist mir nicht mal klar, wie ich euch anzureden habe, wenn ich einen Brief schicke, aber der Sturmfalke ließ mir keine Wahl und dem Vogel sein großes Glück war es, dass ich es noch nicht schaffe das Feuer durch die Luft schleudern, als er mir mehrmals auf den Kopf gekackt hat. Verzeiht meine harten Worte, ich bin etwas in Rage. Seit dem ich wieder auf der Heimreise bin und die Tage immer wärmer werden, fällt es mir schwer, Ruhe zu bewahren und Schnaps scheint mir auch keine Lösung zu sein. Mir brennt da Einiges auf den Nägeln, was mich ziemlich nachdenklich stimmt. Einmal habe ich Tankred in Grimgard getroffen, was für ein Zufall?! Was sucht er denn so weit ab vom Swajut? Ich hoffe doch nicht, dass ich der Grund war, weil das würde mich doch sehr verwundern, weil eine einfach Wurstlieferung bekomme ich schon noch alleine ausgeliefert, ohne das mir der Quacksalber hinterher dackelt. Und sein Esel ist ja nicht gerade der Allerschnellste. Aber so wie die Falken ihren Weg immer wieder nach Hause finden, wird er schon wieder zurück finden und feststellen müssen, dass der Swajut des ehrenwerten Falken ausgeflogen ist. Hm.

Dann stimmt es mich im Moment ein Wenig traurig, dass ich scheinbar unbedacht mein Blut mit, im Grunde genommen völlig Fremden, aber ehrenwerten Persönlichkeiten vermischt habe, aber trotzdem unwissend in meinem Geburtshaus festsitze und auf Gedeih und Verderb der schlechten Laune meiner Verwandtschaft ausgeliefert bin. So ist die Stimmung im Hause Ulgur seit meinem Beitritt beim Swajut dermaßen frostig, dass ich mich da eigentlich echt wohl fühlen müsste. Tut es aber nicht! Das Haus, das mir immer mein Heim war und mir immer Unterschlupf bot, wird mir langsam zu eng und ich fühle mich nicht mehr wohl. So treibe ich mich meist im Wald herum und nehme jede Möglichkeit an, von Hoimarshold wegzukommen, nur um meinem Vater nicht mehr unter die Augen treten zu müssen.

Und doch reite ich wieder zurück, weil wo soll ich sonst hin, wenn die Meinen mich nicht haben wollen und ihr aber auch irgendwie nicht. Und dass ich in Abwesenheit von Grimmar die Post des Swajut erledige, ist nicht gerade die Arbeit einer angeblichen Feuertänzerin. Ist ja nicht so, als würde ich nicht schon mein ganzes Leben die Briefe lesen, die mir Andere unter die Nase halten.

Ach, da ist ein eiliger Brief mit einer Probe von dieser Schlonze, mit der Bitte sie anzuzünden. Ihr braucht euch die Mühe nicht machen, es zu versuchen. Hab ein Loch in den Tisch gebrannt, bei dem Versuch.

Die Schlonze brennt nicht, noch nicht mal wenn ich sie mit dem Unaussprechlichen Schnaps übergieße, der meinen Großvater ins Grab brachte, als seine Destille in die Luft flog. Ich schweife ab, ich werde des Meditierens langsam Müde und ruhiger werde ich davon auch nicht. Also habe ich beschlossen, mich an den Ort zu begeben, wo alles angefangen hat. An den Ort, an dem ich meine erste Vision hatte. Euer Falke wird mich schon finden, am Gipfel des Hügels unweit von Hoimarshold.

Werde wohl ein Feuer machen und mal sehen was passiert, wenn die Nacht hereinbricht…

In aufrichtiger Ergebenheit, eure Bruna, was auch immer die Götter mit mir vor hatten, als sie meine Seele in Brand gesteckt haben.‘

Einige Tage später: Dieser, in den Augen einer Blankarderin, kleine, gefiederte Störenfried riss Bruna aus der Konzentration, als er seinen Schrei über das Tal schallen lies. Da wäre ihr doch beinahe der Ball aus Feuer ausgekommen, den sie von einer Hand zur Anderen warf. Sie hielt inne und blickte nach oben, atmete tief durch, bis sie den Schnee riechen konnte und wie in Trance lies sie den Feuerball in die Glut gleiten, wo er die Asche und die verbrannte Erde noch ein Mal anzufachen schien. Sie rieb sich die verkohlten Hände und streckte dann langsam die Hand aus, damit ihr ganz spezieller Freund darauf Platz nehmen konnte. Wieder ein Brief von ihrem Herrn und Meister. Hastig rollte sie das kleine Pergament auf, und wusste gar nicht, wo sie zu lesen beginnen sollte, er hatte es auf beiden Seiten beschreiben.

‚Bruna, unruhig und unberechenbar, wie das Feuer eben ist. Du gibst dir selbst schon die richtigen Antworten, nichts Anderes habe ich erwartet. Ich verstehe, dass du dich verloren fühlst, mir selbst ist es nicht anders ergangen, als ich die Ausbildung zum Priester begann. Es war mein Lehrer, Ramfior kun Isanbara, der mir sagte: ‚Ich kann dir eine kleine Hilfe geben, aber die Macht in deiner Seele kannst nur du kontrollieren. Also geh in die Hügel und lerne warum die Dinge so sind, wie sie sind!‘ Auch ich dachte mir, was ich lernen soll, ohne einen Lehrer, dem ich meine Fragen stellen kann. Doch habe ich es getan. Ich habe in diesen Tagen ein Wenig mit meinen Fähigkeiten experimentiert und glaub mir, ich habe durchaus für Aufsehen gesorgt …wenn auch ungewollt…! Doch der Sinn dahinter, allein durch die Hügel zu streifen, war wie ich jetzt weiß, zum Einen, dass ich niemanden mit meinen Experimenten gefährde und zum Anderen, dass ich meine eigenen Antworten finde. Also kam ich nach ein paar Wochen zu meinem Lehrer zurück und erzählte ihm von meinen Erlebnissen. Dabei stellte ich fest, dass ich fast keine Fragen mehr hatte… und plötzlich verstand ich seine Worte, die bis dahin immer rätselhaft für mich waren. Also geh und mach was du für das richtige hältst… aber tu es allein. Beim nächsten Vollmond werde ich, so die Götter es wollen, in Hoimarshold sein. Dort werden wir uns wieder sehen. Und dann wirst du einiges verstehen… so hoffe ich.

Mein Name ist Modorok kun Ramfior, Kriegshetzer, Teutatespriester, Schlachtenrufer und Feuerseele …. aber nenn mich Modorok, wir sind aus einem Clan und seit Beltane vom selben Blut. Deinem Vater habe ich ein paar meiner schnellsten Falken zukommen lassen. Damit können wir in Kontakt bleiben! Vergiss bei allem nicht, es ist Teutates, der dich beobachtet… hadere nicht mit deinem Schicksal, nimm die Gabe an und verstehe sie als einen Teil von dir. Du bist eine Erwählte, und als solche gehört dein Leben Teutates selbst. Er hat dein Schicksal in der Hand, ob du willst oder nicht. Als ich das damals eingesehen habe, ging mir vieles leichter von der Hand. Von Feuerseele zu Feuertänzerin….sichere Wege.‘

 Im Lesen liefen ihr Tränen übers Gesicht, die langsam auf ihrem Gesicht verdampften. Sie brauchte eine Weile, bis sie sich wieder fing. Sie kritztelte ein paar hastige Worte auf dem Zettel:

 ‚Modorok Feuerseele,

ich hoffe, ich vergesse nicht die Zeit bis zum Vollmond, ist es doch recht einsam hier oben und doch merke ich, wie sich meine Seele zu beruhigen scheint. Mir kommt es vor, als wäre es erst gestern gewesen, als ihr euch schrieb. Und doch muss es einige Tage her sein, da ich bereits wieder in Hoimarshold war und mich dann zu Fuß aufgemacht habe in die Hügel zu ziehen… und ich saß bestimmt schon einen Tag hier, bis ich es schaffte einen Ball aus Feuer in meiner Hand zu formen und bis der Vogel mich eben aus meiner Konzentration riss, brauchte ich auch mindestens einen Tag, um mich von dem Feuerball lösen zu können. Von werfen kann da aber keine Rede sein. Wir werden es sehen, wenn wir uns wieder sehen.

Die Bruna

P.S. Es ist wahrscheinlich nicht der richtige Zeitpunkt, aber ich kann doch gar nicht tanzen.‘

Der Brief riecht nach Feuer und Rauch und ist an einigen Stellen verkohlt. Es scheint so, als wären verbrannte Fingerabdrücke auf dem Papier.

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker, der freundlichen Unterstützung von Modorok kun Ramfior, Kriegshetzer, Teutatespriester, Schlachtenrufer und Feuerseele und den Ereignissen nach Beltane (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Das Klagelied des Fuchses – Nach dem Fall an die Front

Das Klagelied des Fuchses – Nach dem Fall an die Front

arcticfoxWegen Zuspätkommens und Missachtung der Befehle wurde ich an die Front versetzt. Das habe ich nun davon, dass ich meine Nase in Dinge gesteckt habe, die mich nichts angehen. Zumindest konnte ich im Vorbeireiten die Fibel und die Stofffetzen an Alveradis und Thôn zurückgeben und das Pferd meiner Mutter gegen mein Eigenes tauschen.

So jetzt sitze ich im Dreck, in einem Schlammloch und der Regen ist in Graupel übergegangen. Der Sommer schickt sich an uns nicht mit seiner Aufwartung zu behelligen. Ist ja nicht so, als wären wir hier nicht schon völlig durch gefroren.

Wir wurden seit Tagen immer wieder angegriffen, von Kriegern der Spinne. Sie trugen kupferne Masken und schlichen nahezu so geschickt, wie wir durch den Wald.

So jagten wir seit Tagen durchs Gehölz und versuchten die Spinnenkrieger in kleinere Kämpfe zu verwickeln. Wir versuchten sie zu schwächen, ohne uns zu schwächen. Genau deshalb haben wir uns in 6 Mann Trupps aufgeteilt und sprengten durch den Wald. Mittlerweile war es auch völlig egal ob Nebelwölfe oder Grünfänge, wir waren ein bunt zusammengewürfelter Haufen. Gegründet aufgrund der hohen Verluste in den vergangenen Scharmützeln.

Ich habe keine Ahnung, ob unser Plan aufgehen möge, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf.

Eines Morgens ging doch tatsächlich die Sonne auf und die Strahlen erwärmten unsere müden  Glieder. Ein Pfeil mit einer Nachricht, eines benachbarten Trupps schoss an meinem Ohr vorbei und blieb in einem Baum hinter mir stecken. Der Pfeil vibrierte noch von der Wucht seines Einschlages, als ich ihn aus dem Baum ziehen wollte. Ich las die Nachricht und pfiff zum Sammeln.

Ein versprengte Gruppe unweit unserer Stellung wurde angegriffen und wir eilten schon zur Hilfe, ehe wir darüber nachdachten, was wir taten.

Unachtsam wie wir waren, rannten wir beinahe in eine Falle. Die Krieger der Spinne hatten unsere Mannen gefangen genommen und folterten sie. Kurz bevor sie uns entdecken konnten, kreuzte der weiße Fuchs meinen Weg. Er lief auf einen kleinen Hügel, drehte sich nochmal zu mir um und sang dann sein jammervolles Lied. Wir gingen hinter einer Kuppe in Deckung und dann erblickte ich ihn. Faran, Thôns Sohn, er trug noch seine zerrissene Clanshose und lief an unserem Versteck vorbei. Die weißen Haare waren zu einem zerzausten Zopf gebunden. Als er seinen Kopf drehte, erkannte ich die kupferne Halbmaske. Seine Züge waren hart und steif und er schien nicht nur gewachsen zu sein, sondern auch gleichsam gealtert. Die Wochen in den Händen des Feindes haben ihn um Jahre altern lassen. Sein trüber Blick streifte den Blick des Fuchses und für einen Moment kam es mir so vor, als würde sich sein Blick für den Bruchteil eines Augenblickes wieder aufklaren. Er hob seinen Bogen, legte an und schoss auf den Fuchs.

Blitzschnell zog ich meinen Bogen aus und lenkte seinen Pfeil mit meinem Pfeil ab, dann pfiff ich zum Angriff. Das Lied des Fuchses verstummte an diesem Abend nicht, doch der Körper Farans verschwand.

Einen Teil unserer Mannen konnten wir tatsächlich retten, auch wenn ein Paar von ihnen an der Folter gestorben waren, so entkam an diesen Tag nur der Körper des Jungen Faran.

Und ich will nicht eher ruhen, ehe ich ihn nicht gefunden habe und zu den Seinen zurück gebracht habe. Vielleicht konnte die Liebe der Seinen ihn wieder heilen oder zumindest zur Ruhe bringen.

Brian, Sarolfs Sohn

Reiter im Dienste des ehrenwerten Guiskard Ragin Grünfang

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach Beltane (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Das Klagelied des Fuchses – Hochmut kommt vor dem Fall

Das Klagelied des Fuchses – Hochmut kommt vor dem Fall

arcticfoxDie Zeit vergeht wie im Flug und mein Dienst nimmt mich mehr denn je in Anspruch. So konnte ich es mir leider nicht mehr erlauben, weiteren Nachforschungen nachzugehen, weil ich noch eiligere Nachrichten von einem Teil des Landes zum Anderen bringen durfte. So gingen endlos lange Tage ins Land, bis ich wieder an der Stelle war, wo ich das Tagebuch gefunden hatte. Ich war unterwegs mit Nachrichten aus Raurikor und von den Nantwiga. Die Nacht hatte mich überrascht und ich musste absteigen. Ich bin schon so verwirrt, dass mich tatsächlich die Nacht überraschen konnte. Kommt sie doch nach jedem Tag zur selben Zeit.

So ist es nicht die Zeit die sich verändert hat, sondern unser Treiben, dass geschäftiger geworden ist, so dass die Zeit wie im Fluge verronnen ist und mich die Nacht auf dem falschen Fuß erwischte.

Kalt ist es geworden, obwohl der Sommer schon vor der Tür stehen sollte, kann ich meinen Atem sehen, wie er im Vollmondlicht nach jedem Atemzug aus meinem Mund getrieben wird.

Ich lief einen unwegsamen Weg entlang, den ich für sicherer gehalten hatte. In den schweren Zeiten ist mir eine unkomfortable Abkürzung lieber, als das Aufsehen, was ein Meldereiter auf dem großen Weg, hervorrufen würde.

Mein Pferd trottete gelangweilt hinter mir her. Naja, eigentlich war es immer noch das Pferd meiner Mutter. Sie wird mich umbringen, wenn ich mal wieder nach Hause komme.

So in meinen Gedanken versunken, machte ich einen unachtsamen Schritt und stürzte, aber anstatt auf dem Boden aufzukommen, fiel ich. Die Zügel machten einen Ruck, als sie sich strafften und das Pferd hielt meinen Sturz auf. Es gab keinen Laut von sich, obwohl mein ganzes Gewicht am Zaumzeug hing. Ich pfiff leise und es zog mich aus dem Loch, in dass ich gefallen war.

Als meine Beine wieder auf dem Waldboden waren, legte ich mich auf den Boden, entzündete ich eine Fackel und warf sie in das Loch. So tief wie ich erst dachte, war das Loch gar nicht. Ich versteckte mein Pferd und schlich mit dem Zaumzeug und einem Seil wieder zum Loch. Meine Fackel brannte noch. Ich band das Seil an einer Wurzel fest und kletterte nach unten.

Ich lief die restliche Nacht in den Höhlen herum. Und fand neben Unmengen von Spinnenweben nichts außer ein Paar Fetzen Clansstoff und eine verrostete Fibel.

Im Morgengrauen kletterte ich wieder herauf und ritt so schnell ich konnte nach Vargranja zurück.

Brian, Sarolfs Sohn

Reiter im Dienste des ehrenwerten Guiskard Ragin Grünfang

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach Beltane (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Das Klagelied des Fuchses – Die Wege der Götter sind unergründlich

Das Klagelied des Fuchses – Die Wege der Götter sind unergründlich

arcticfoxKaum war ich in Vargranja angekommen, erstattete ich Bericht und mein Guiskard schickte mich nach Raurikor, um eine wichtige Nachricht zu überbringen. Also ritt ich gen Raurikor und stellte keine Fragen. Ich diente meinem Guiskard, so wie mein Vater vor mir. Sein Vertrauen lag mir im Blut und mein Guiskard konnte sich voll und ganz auf mich verlassen.

In der Stunde in dem ein Krieg in der Hag Raurik entfesselt wurde, ritt ich von einem Ende des Landes zum Anderen, um eine Nachricht meines Herren zu übermitteln. Das kam mir ganz gelegen und langsam glaubte ich, dass selbst mein Guiskard schon Vorahnungen hatte. Er gab mir die Möglichkeit ein Rätsel zu lösen und ich wette mein Pferd und dass meiner Mutter, dass der Schlüssel für unser Schicksal mit dem Tod des Jungen Faran zu tun haben muss. Ich habe es quasi im Urin.

Ich sputete mich, so dass ich genau an der Stelle, wo wir den Jungen Faran fanden, eine Rast einlegen musste. Meine Mutter wird mich umbringen, wenn ich ihr Pferd zu Grunde richte.

Ich baute ein verstecktes Lager auf, lies den Gaul zurück und schlich dann durchs Unterholz, bis ich an die Stelle kam, wo sich der gewundene Pfad durchs Gehölz schlängelte. Gerade mal so breit, dass zwei Gäule versetzt nebeneinander reiten konnten. Ich blickte nach oben, ich konnte die Wolken durch die Baumwipfel kaum sehen, die über dem Weg ein dichtes Dach aus Ästen bildeten.

An der Stelle, an der Faran in meinen Armen starb, hielt ich inne und betete. Ich bat um einen Segen der Götter, damit sie die arme Seele des Jungen sicher zu den Ahnen geleiteten. Dann kroch ich den Weg entlang, von wo er gekommen war. Man konnte seine Spuren immer noch deutlich sehen. Einige tote Spinnen lagen noch herum. Wie nachlässig, wir hätten alle anzünden sollen, nur für den Fall, dass sie auch Eier in sich trugen. Ich sammelte die Spinnen zusammen und nachher werde ich ein hübsches Feuerchen machen.

Den Spuren folgend irrte ich durchs Unterholz und dann verlor sich die Spur. So was ist mir auch nicht nie passiert, ich beschloss wieder ein paar Schritte zurück zulaufen. Ich musste irgendwas übersehen haben. Plötzlich stolperte ich über einen Ast und kam zu Fall. Das darf man echt niemanden erzählen, dass einer der Grünfänge zu blöd zum Laufen ist. Aber wenn ich nicht gestürzt wäre, hätte ich das Tagebuch des Jungen Faran nie gefunden, es lag halb in Dreck und Schlamm versteckt und wenn ich nicht direkt mir der Nase darauf gestoßen wäre, hätte ich es nie gefunden.

So schnell ich konnte rannte ich wieder zu meinem Pferd und las es hastig. Die halbe Nacht fertigte ich eine Abschrift, die der Beginn meiner Aufzeichnungen werden sollten. Und an dem Punkt, wo ich endlich davon erzählen kann, wie ich zu dem Tagebuch gekommen bin, fallen mir keine geeigneten Zeilen dafür ein. Vor allem weil ich mittlerweile weiß, dass die Leiche des Jungen Faran verschwunden war.

Im Morgengrauen werde ich erst mal gen Raurikor reiten, meine Nachricht abliefern und mich umhören. Beim Rückweg bleibt mir vielleicht noch die Zeit nach der Höhle zu suchen. Genug Kräuter gegen Gift hatte ich den letzten Tage ja sammeln können. Und so nebenbei hatte ich jetzt endlich eine Probe von dem Gift nehmen können, dass den jungen Faran danieder gestreckte hatte. Vielleicht kann mir ja die Hüterin der Halle weiterhelfen, ich hatte Leuten hören, sie hatte bereits die ‚Schlonze‘ untersucht, die die Nantwiga aus ihrem Grenzgebiet gebracht hatten.

Ich warf die letzte Spinne ins Feuer und legte mich zum Schlafen hin. In meinen Träumen selbst verfolgte mich der Junge. Der starre Blick sein trüben, toten Augen lies mich nicht zur Ruhe kommen.

Brian, Sarolfs Sohn

Reiter im Dienste des ehrenwerten Guiskard Ragin Grünfang

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach Beltane (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Knuspriger Strudelkuchen nach Blankard Art

Knuspriger Strudelkuchen nach Blankard Art

brunaAuch wenn es in den Zeiten des Krieges wohl ein eher unpraktikables Rezept ist, weil man es nicht unterwegs machen kann und weil man es nur schwerlich mitnehmen kann. Aber bevor das gute, alte Familienrezept noch in Vergessenheit gerät, schreibe ich es lieber gleich auf.

Man nehme Möhren, wahlweise auf Kohlrabi und was sonst noch so weg muss, Zwiebeln und Knoblauch, schneidet alles klein und was grad sonst noch an frischen und getrockneten Kräutern oder Pilzen den Weg in eine ordentliche Portion Gehacktes findet mischt man zusammen und brät es kurz an.

Dann legt man eine Reine mit Strudelteig aus, so dass der Teig am Ende reichlich übersteht. Den Teig mit zerlassener Butter bestreichen.

So jetzt kann man je nach Geschmack Eier mit Schmand und Milch mischen und mit der Fleischfüllung vermischen und in die ausgelegte Reine tun. Oder man nimmt Käse, der sich zum Schmelzen lohnt und vermischt es mit Schmand und Milch und der Fleischfüllung. Je nach Geschmack.

Nun gibt man die Fleischmasse in die Reine und bedeckt sie mit den überstehenden Teig.

Aus dem übrigen Studelteig 10 gleiche Ecken schneiden. Jeweils die Ecken von jedem Teigstück zu einem Beutelchen zusammenlegen und leicht eindrehen. Mit der Spitze nach oben leicht in die Hackmasse drücken.

Beim Backen darauf achten, dass die Teigspitzen nicht verbrennen.

Eure Bruna

P.S. Statt Kohlrabi kann man auch Kartoffeln nehmen!

Dieses Rezept basiert auf dem Hintergrund der Rauriker, der Hintergrundgeschichte von Bruna, der Metzgerstochter und den Ereignissen nach Beltane (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Das Klagelied des Fuchses – Brief eines Freundes

Das Klagelied des Fuchses – Brief eines Freundes

arcticfoxBrian mein Freund, ich hoffe mein Brief erreicht dich schnell, denn ich habe düstere Nachrichten zu überbringen. Mein Dank gilt dir auf Lebenszeit, dass du uns unseren Sohn heim gebracht hast und alles sei vergessen, was früher war.

Ich beginne von dem Moment als du aufgebrochen warst. Wir brachten unseren Sohn ins Haus und wuschen ihn und bahrten ihn dann im Stall auf, damit sich alle, die ihn kannten, von ihm verabschieden konnten. Am Abend gingen wir selbst in den Stall und wollten zu unseren Ahnen beten, damit sie seinen Geist zu sich holten.

Meine Frau zündete einige Kräuter an und reinigte den Ort. Ich kniete bei dem Jungen, hielt seine Hand und strich ihm über sein schlohweißes Haar. Was muss er nur für einen Schrecken erlebt haben, dass seine Haare innerhalb der kurzen Zeit, die er auf Wanderschaft war, weiß geworden waren. Mein Herz vermag es sich gar nicht auszumalen, aber doch will ich es wissen.

Seine Hand war merkwürdig warm, gar nicht so wie sonst bei toten Körpern. Ich beugte mich über ihn und betrachtete ihn. Seine kalten bleichen Augen starrten mich düster an und ich war mir sehr sicher, dass sie geschlossen waren, als wir ihn gewaschen hatten. Der Schauder lief mir nicht nur einmal über den Rücken. Ich untersuchte den Körper meines Sohnes erneut und es lies mir den Atem gefrieren was ich da sah. Die Bisse, die von den Spinnen zu sein schienen, waren nun geschwollen, eitrig und schillerten in merkwürdigen Farben. Und trotz der Kräuter, die immer noch brannten, roch ich den Gestank von Tod und Verwesung. Und schlimmer noch als das.

Draußen konnte man wieder den Fuchs jaulen hören und meine Frau brach weinend zusammen. Ich legte die Hand meines Sohnes auf seine Brust zurück und erschrak, so als hätte mich ein Blitz getroffen. Etwas unter seiner Haut bewegte sich. Die eitrigen Bisse brachen auf und ich konnte etwas unter der schillernden Eitermasse sehen. Würgend schreckte ich zurück und brachte meine Frau aus dem Stall. Ich habe sie zu deiner Mutter geschickt. Sie war uns in den letzten Tagen eine große Hilfe. Und du wirst dir ja denken können, dass wir den Sperber von ihr haben, weil ich sonst nicht gewusst hätte, wie wir dich in der Wildnis erreicht hätten.

Als ich wieder in den Stall gehen wollte, kamen mir Unmengen kleiner Spinnen entgegen, die krabbelten über alles hinweg, was sich ihnen in den Weg stellten. Es kam nichts zu schaden, aber durch diese Flut der Spinnen war ich so abgelenkt, dass ich gar nicht bemerkt hatte, dass der Körper meines Sohnes verschwunden war.

Auf dem Tisch lag nur noch das Leintuch, mit dem wir seinen Körper bedeckt hatten und Überreste von Blut und Eiter. Ich scheuchte die Hunde auf und suchte ihn die ganze Nacht und einen weiteren Tag. Von Faran keine Spur. Und auch dieser Fuchs war verschwunden, der sich immer in der Nähe des Hofes aufgehalten hatte, seit dem Zeitpunkt, als du uns verlassen hast.

Alveradis spricht kein Wort mehr, sie summt nur immer ihr Lied und reagiert auf keinerlei Zuwendung unsererseits.

Ich hoffe inständig, du kannst dir ein Reim aus all dem machen und bitte halte Ausschau nach all den Merkwürdigkeiten, die in diesen Tagen durchs Land ziehen.

Komm gesund zurück. Mein Haus steht dir immer offen.

Dein Freund

Thôn

Ich erhielt den Brief als ich vom Grenzgebiet der Nebelwölfe wieder auf den Weg zurück Richtung  Vargranja war. Die letzten Tage standen mir nicht nur ins Gesicht geschrieben, nein mein Gaul begann zu lahmen und ich zog es vor zu Fuß weiter zu gehen und mein Pferd zu führen. Ich kam an eine Lichtung und da lief mir wieder dieser weiße Fuchs über den Weg und bevor ich mich versah, stand ich unter einem riesigen Vogelbeerbaum und musste unweigerlich an Faran denken und an den Brief, den ich seither in meiner Tasche aufbewahrte.

Mein Blick blieb an dem Stamm schier kleben, als meine Augen die Schriftzeichen erkannte. Bei allen Göttern, der Stammbaum. Ich viel auf die Knie und betete.

Der weiße Fuchs war verschwunden und ich untersuchte alles im Umkreis des Baumes. Ich drehe jeden Stein um, doch fand ich nur ein paar alte Spuren und eine kleine Feuerstelle unter dem Vogelbeerbaum, in deren Asche ich nichts weiter fand, als den schalen Geruch verbrannten Haares.  Ich beschloss meinem Pferd keine Pause zu gönnen und ritt wie der Wind nach Hause. Und bettelte meiner Mutter ein frisches Pferd ab und dann ritt ich zum Haus vom Thôn und Alveradis.

Das Haus lag im Dunkeln, als ich vom Pferd abstieg und fand Thôn in der Küche sitzend. Alveradis schlief bereits. Wir tauschten uns kurz aus und ich versprach ihm, bei nächster Gelegenheit nochmal an den Ort zu reiten, wo unsere Delegation auf Faran traf, bevor er starb.

Ich lies Thôn ein paar meiner Elixiere für Alveradis da und versprach ihm bald Nachricht zu schicken.

Brian, Sarolfs Sohn

Reiter im Dienste des ehrenwerten Guiskard Ragin Grünfang

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen um Beltane (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Das Klagelied des Fuchses – Alveradis Klagelied

Das Klagelied des Fuchses – Alveradis Klagelied

arcticfoxIch Brian, Sarolfs Sohn, brachte die dunkle Kunde der Spinnenflut nach Vargranja zum Sitz des Ragin Grünfang und ritt dann gleich weiter zum Haus von Thôn und Alveradis. Ich hatte den Leichnam des Jungen Faran auf ein Geflecht von gebogener Zweigen und Ästen gelegt und schleifte ihn etwas Würdevoller hinter mir her, als ihn nur auf dem Hintern meines Pferdes liegen zu haben. Außerdem wurde mir der Körper des Jungen langsam unheimlich. Ich hatte schon viele tote Körper nach der Schlacht nach Hause gebracht, aber dieser Junge war wirklich ein sehr eigenwilliger toter Junge.

Vielleicht schwindet auch langsam mein Verstand, aber ich schwöre auf meine Mutter und all meine Ahnen und alle Götter, dass mein Guiskard dem Jungen die Augen geschlossen hatte, doch blickte der Junge mich nach der ersten Nacht mit seinen starren bleichen Augen an, worauf ich ihm persönlich die Augen schloss. Das tat ich nun jeden Morgen und langsam bekomme ich es mit der Angst zu tun. Hätte ich nur den Pferdejungen dabei, der hatte mehr Ahnung von solch wunderlichen Dingen. Dann ist mir aufgefallen, dass der Junge nicht in die übliche Starre verfallen ist, die sich sonst über Tote legte. Ich zermartere mein Gehirn, ich musste irgendwas übersehen haben. Irgendwas stimmte da ganz und gar nicht, von den riesigen Spinnen mal ganz abgesehen.

Ich trauerte um den jungen Faran, weil er in meinen Armen gestorben war und weil ich ihm nicht mehr helfen konnte, zweifelte ich an meinem Können. So bin ich nicht nur ein Krieger und Reiter des Guiskard und sondern kenne mich mit den Kräutern gut aus. Ich vermag es, Wunden zu schließen mit meinen Tränken, aber wenn einer keine Wunde hat und trotzdem stirbt, was hätte ich da schon machen können. Meine Tränke haben sonst immer gegen allerlei Gift gewirkt und ich hab ihm die doppelte Menge eingeflößt und es zeigte einfach keine Wirkung.

Und dann war da noch was Anderes. Der Junge hätte mein Junge sein können, wenn der Gehörnte damals mein Flehen erhört hätte. Aber die Götter entschieden es anderes. Und so war es Thôn vergönnt, die schöne Alveradis zu heiraten und nun bringe ich, gerade ich, den toten Jungen heim.

Wie soll ich ihnen unter die Augen treten mit so einer Botschaft, so konnte ich doch vorher kaum unter ihre Augen treten. War ihre Heirat nicht der Grund warum ich damals fort ging.

Wie habe ich es jeden Winter gehasst nach Hause zu kehren und ihr Glück zu sehen und nun komme ich im Frühling und bringe die Leiche des Erstgeborenen heim, zu denen, die ich mein halbes Leben verflucht habe.

Mein Gewissen nagt an mir und nun will ich nicht eher ruhen, bis ich ergründet habe, warum dieser arme Junge sterben musste.

Das Klagelied des weißen Fuchses begleitete meinen Weg und ich stimmte ein, so kommen mir die Worte der Wildelben so leicht über die Lippen, als wäre es meine eigene Muttersprache:Dankar Qualin,Abglam macil,Vanwal nai otha, Im quen isil, Im quen nai, Thalion im quen Anduril…‘

Nicht nur mein Herz weinte, auch dieses Tier litt da draußen vor sich hin. Der Fuchs will uns irgendetwas sagen, nur ist es mir nicht vergönnt, mit dem Krafttier eines Toten zu sprechen. Ich werde bei den Schamanen um Rat bitten, sobald ich wieder in Vargranja bin, aber vorher habe ich noch einen Auftrag, den ich erledigen muss.

In der Ferne konnte ich eine Rauchfahne erkennen, bald würde ich der Liebe meines Lebens unter die Augen treten müssen und nur bei dem Gedanken an sie, stieg mir das Blut in den Kopf. Ich atmete tief ein, versuchte mein Herz zu beruhigen und ritt weiter.

Ich erblickte das Haus von Thôn und kaum war ich vom Pferd abgestiegen, kam er auch schon aus dem Haus gelaufen. Er blickte grimmiger, als ich es in Erinnerung hatte. Die hässliche Fratze erschreckt jeden Angreifer, bevor er den Mut aufbringen konnte, sein Schwert gegen Thôn zu erheben. Mittlerweile empfand ich höchsten Respekt gegenüber diesem Mann, dass war Beiweiten nicht immer so. Thôn knurrte mich an, zog sein Messer aus dem Gürtel und warf es fort. Dieser Mann hasste mich einfach, wahrscheinlich bringt er mich jetzt mit bloßen Händen um.

Wie von einem Blitz getroffen blieb Thôn vor mir stehen, sein vernarbtes Gesicht begann zu zittern, als er erkannte, wer da auf der Trage lag. Ich öffnete die Riemen, die die Trage am Sattel befestigten und lies ganz langsam die Trage auf den Boden sinken. Thôn glitt ganz langsam auf die Knie.

‚Mein Herr schickt mich euch euren Sohn zu bringen. Ich konnte nichts mehr für ihn tun.‘ versuchte ich mich zu erklären. ‚Ich spreche im Namen von Ragin Grünfang. Seine Trauer konnte er kaum in Worte fassen.‘

‚Brian, ich weiß wie schwer es dir fallen muss, mir unter die Augen zu treten…‘ flüsterte Thôn, er musste schwer schlucken und fuhr dann fort. ‚Ich rechne es dir hoch an, dass du in dieser Stunde zu uns gekommen bist.‘ Thôn war aufgestanden und hielt mir die Hand hin. ‚Freund!?‘

Ziemlich verblüfft darüber streckte ich ihm beide Hände hin und Thôn zog mich in eine Umarmung. Ich vermochte keinen Laut von mir zu geben, nicht dass er es sich nicht doch noch anders überlegte. Doch sein Körper bebte in meinen Armen und als seine Frau aus dem Haus kam, trennte er sich von mir. Sie wischte sich die Hände an ihrer Schürze ab, lief auf die Bahre zu und rief erstickt: ‚Faran…!‘ Ihre Stimme brach in dem Moment, als sie auf die Knie sank, um den toten Körper von der Trage zu ziehen und ihn in ihre Arme zu schließen.

Ihr Klagelied zerriss nicht nur das Herz ihres Mannes, sondern auch das Meine. Sie wiegte ihren toten Sohn hin und her und Tränen flossen ununterbrochen über ihr Gesicht. Ihre Lippen vermochten die Worte kaum zu formen und so war ihr Lied von einem Schluchzen und Wimmern begleitet, aber doch verstand jeder die Worte: Yenillor morne a ley, Tulinte I Quettar, Tercano nuruvia, H lasta Qutetes, H firmain o mor, i dhu ely siriair, Mornie utulie à H firmain yenillor morne, Mornie alantie, à i lir en el Luitha uren,i lir en el Luitha uren…!‘

Thôn nahm mich bei Seite und blickte mich fragend an: ‚Er kam auf uns zu, als wir gen Raurikor zogen, er wurde von Spinnen verfolgt. Sie müssen ihn zu oft gebissen haben, meine Tränke konnten ihn nicht mehr retten. Er sprach noch von seinem Stammbaum, den er gefunden hatte.‘

In dem Moment brach der Gesang von Alveradis ab und sie ließ den bleichen Körper ihres Sohnes sinken. Dabei glitt die Hand von seinem Brustkorb und man konnte die Schriftzeichen erkennen, die er sich in die Hand geritzt hatte. Thôn erbleichte, als er die Zeichen erkannte und ich musste ihn stützen. Ich hätte nie gedacht, dass diese drei Zeichen diese knorrige Kiefer von einem Mann zu Fall bringen hätte können, aber in seiner Trauer erkannte ich, dass die zerfurchte, harte Rinde nur die Fassade für einen weichen Kern war und nun begriff ich endlich, warum Alveradis ihm sein Herz geschenkt hatte. Die Sanftmütigkeit die ich in der Stunde seines Todes in dem Jungen gesehen hatte, hatte er gleichsam von seiner Mutter und von seinem Vater geerbt.

‚Er wollte nicht vergessen, um nicht vergessen zu werden.‘ flüsterte ich, aber es kam nicht mehr als ein Krächzen aus meiner Kehle, doch mein Krächzen gab Thôn die Kraft, nicht vollends zusammenzubrechen.

Am Waldrand trat der weiße Fuchs durchs Dickicht und sprang geschmeidig auf einen erhöhten Stein. Und dann sang er wieder sein Lied. Alveradis stimmte mit ein: O mor henion I dhu, ely siriair el sila, Ai Anrion Undumiel, Ti iro el eria, Im quen nai isil, quen bruin anduril, Mornie utulie à H firmain yenillor morne, Mornie alantie à i lir en el Luitha uren, i lir en el Luitha uren!‘

Sie letzten Silben verklangen im Wind und ich sprach zu Thôn und schickte mich an aufbrechen zu wollen: ‚Thôn, mein Herz ist mir schwer, dass ich euch in eurer dunkelsten Stunde verlassen muss, aber ich muss weiter. Gebt acht, die Spinnen sind größer geworden, als sie je waren und gebt auf euch Acht. Mein Herz trauert mich euch!‘

‚Mein Dank gilt dir, Brian, mein Freund. Mein Haus steht dir immer offen!‘sprach Thôn mit erschreckend fester Stimme.

Ich nickte und stieg auf mein Pferd und lies Alveradis Klagelied hinter mir, aber nicht aus meinem Herzen.

Brian, Sarolfs Sohn
Reiter im Dienste des ehrenwerten Guiskard Ragin Grünfang.

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen um Beltane (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Das Klagelied des Fuchses – Über den seltsamen Tod des jungen Faran

Das Klagelied des Fuchses – Über den seltsamen Tod des jungen Faran

arcticfoxBrian, Sarolfs Sohn. Ich bin Reiter im Dienste meines Guiskard Ragin Grünfang. Und ich berichte von den Vorfällen die sich kurz vor Beltane zugetragen haben. Die Delegation der ehrenwerten Clanführer der Widukin machten sich auf, um auf dem schnellsten Weg nach Raurikor zu gelangen. Ich war als einer von Fünfen ausgewählt worden Ragin Grünfang nach Raurikor zum Rat der Clans zu begleiten. Die Begleiter von Aska Grimmzahn und von Wulfhard Nebelwolf ritten voran.
Noch auf dem Gebiet der Widukin stolperte vor uns etwas oder jemand auf den kleinen gewundenen Pfad und brach auf die Knie. Die Pferde scheuten und wir konnten die Pferde gerade noch beruhigen. Ein ersticktes Keuchen, dass sich wie ‚Hilfe, Bitte!‘ anhörte, drang an unsere Ohren. Der Jemand kroch rücklings auf die Gesandtschaft zu und schien uns nicht zu bemerken. Die Pferde waren immer noch unruhig und einige unserer Begleiter, ließen sich geschmeidig von ihren Gäulen gleiten und schlichen auf den Fremden zu. Der Fremde fuchtelte mit einem Messer in der einen Hand und hält eine kleines Beil in der anderen Hand gegen etwas, was in der Dunkelheit nicht auszumachen war.
Einer der Männer pfiff den Ruf des Waldkauzes und der Fremde blickte auf und lies sofort die Waffen sinken.
‚Mae govannen!‘ Der Gruß der Wildelben floss wie glitzernde Seide aus seinen Mund und man konnte ihm ansehen, wie sanftmütig dieser Junge zu sein schien. Es war tatsächlich nur ein Junge. Kaum 14 Winter auf dem Buckel. Doch stand Angst und blankes Entsetzen in seinem Gesicht und seine langen Haare waren weiß und leuchteten in der Nacht wie der Vollmond.
Doch dann wurde sein Körper nach hinten gerissen und eine Schar zu groß geratene Jagdspinnen übermannten seinen Körper und krabbelten blitzschnell über ihn hinweg und griffen die Männer an, die dem Jungen am Nächsten waren. Die Spinnen waren annähernd so groß wie Füchse und das war ganz und gar nicht normal, obwohl uns die Spinnenart an sich nicht fremd war, war ihre Größe nicht nur äußerst befremdlich, sondern auch Angst einflößend.
Plötzlich ging alles recht schnell. Alle sprangen von den Pferden und einer der unseren packte alle Pferde gleichzeitig am Zügel und brachte sie außer Reichweite. Man konnte seine besänftigten Worte in der Ferne hören. Meine Nackenhaare stellten sich auf, dass tat es jedes Mal, wenn jemand hinter meinem Rücken ein Stück Magie wirkte, auch wenn es diesmal nur das Schutzgebet unseres Pferdejungen war. Wulfhard Nebelwolf bemerkte, bevor er sich ins Kampfgeschehen einmischte, dass sein Gaul noch nie gescheut hätte.
Ich kämpfte mich durch die Reihen und zog den Körper des Jungen aus dem Kampfgeschehen. Ich erkannte ihn gleich und schleppte ihn weiter vor die Füße von Ragin Grünfang und rief: ‚Es ist Einer von den Unseren, Herr!‘
Hastig versuchte ich den Jungen aufzurichten und flößte ihm einen meiner Tränke ein.
‚Junge, nenn mir deinen Namen und erzähl was dir widerfahren ist?‘ rief Ragin Grünfang.
Der Junge stammelte so leise, dass sich Ragin Grünfang auf die Knie warf, um verstehen zu können, was der Junge zu sagen hatte. ‚Faran…mein Name… Sohn von Thôn… Hoher Herr… Ich zog aus… um mein Krafttier…‘ Der Junge brach ab, schluckte schwer, das Atmen fiel ihm nicht leicht. Beherzt riss ich seinen Lederwams auf, auf dem noch vereinzelt Spinnweben klebten und flößte dem Jungen weiter von dem Trank ein. Der Junge fing wieder zu stammeln und krächzen an: ‚Finden und mich fand… Das Grauen…Ich stürzte… tief… ins Dunkle… eine Höhle… und… Spinnen überall Spinnen… sie zerrten an mir…bissen mich und schleppten mich… tiefer ins Dunkle… Es war so kalt. Doch ich konnte fliehen!‘ Seine Stimme brach wieder, Tränen quollen ihm aus den Augen. Er schien große Schmerzen zu haben, obwohl er keine großen Wunden zu haben schien. ‚Herr, sagt meiner Mutter bitte… ich hab ihn gefunden… Stammbaum…!‘ Er brach ab und hielt Ragin die Hand hin und ich konnte verschwommen Schriftzeichen der Elben erkennen, die der Junge sich in die Hand geritzt hatte. ‚Nicht vergessen…!‘ waren seine letzten Worte. Danach starrten seine leeren Augen nur noch an seinem Guiskard vorbei in die Dunkelheit. Von weit entfernt konnte man einen Fuchs hören und keiner von den Männern und Frauen, hatte einen Fuchs je zuvor so jammervoll jaulen hören, wie in dem Moment, als dem Junge Faran mit einem tiefen Seufzer seine Hand auf seine Brust sank und einen blutigen Fleck auf seiner Tunika hinterließ.
Ragin Grünfang schluckte schwer und schloss dem Jungen die Augen, dann stand er in einer langsamen Bewegung auf und blickte in die Runde. ‚Kannte jemand den Jungen?‘
‚Herr, ich kenne seinen Vater, Thôn und dessen Frau Alveradis!‘ rief ich, als ich auch aufgestanden war.
‚Du bringst den Jungen heim zu den Seinen. Sprich ihnen meine Trauer aus. Einer der Nebelwölfe und Einer von Grimmzahn sollten ebenfalls reiten, schnell reiten. Bringt die Kunde zu jeder Sippe. Es soll Ausschau gehalten werden nach Spinnen, großen Spinnen. Es ist Gift im Spiel, die Heiler sollen Vorsorge treffen.‘
Wulfhard Nebelwolf kam aus einem Gebüsch gestolpert und hielt eine tote Spinne in einer Hand hoch. ‚Und die nehmen wir mit zum Rat!‘

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Ich zog einen Zettel aus meiner Tasche und machte einen Abdruck von den Schriftzeichen, die sich der Junge in die Hand geritzt hatte, um sie nicht zu vergessen. Es war ein A, dass für seine Mutter Alveradis stand und ein Th, dass für seinen Vater Thôn stand und darunter das F, dass für den Jungen Faran stand. Und mit seinem Tod war der Stammbaum seiner Ahnen versiegt. Soweit er wusste, was Faran das einzige Kind gewesen, dass der Liebe seiner ElbischFEltern entsprungen war.

Die Männer zogen bald weiter und eilten gen Raurikor, während die Boten Richtung Grimmzahn und Nebelwölfe aufbrachen, lud ich den Körper des Jungen auf mein Pferd und ritt so schnell ich konnte zu der Heimstatt seiner Eltern.

Ich hoffe bald die Zeit zu finden mehr zu Schreiben. Der Krieg zieht auf und ich befürchte, dass mir nicht mehr viel Zeit bleiben wird, um all die merkwürdigen Dinge niederzuschreiben, die ich in den letzten Tagen heraus fand.

Brian, Sarolfs Sohn
Reiter im Dienste des ehrenwerten Guiskard Ragin Grünfang

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen vor Beltane. (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Das Tagebuch einer Metzgerstochter Teil 6

Das Tagebuch einer Metzgerstochter Teil 6 – Grimgard hin und wieder zurück

brunaNachdem ich die letzten Tage und Wochen damit verbracht habe, das Heimchen am Herd für meine zwei Herren zu spielen, kam kurz vor Beltane ein gelungene Abwechslung ins Haus geflattert. Eine graue Taube, mit einem Zettel und einem kleinen Goldstück am Bein. Die Taube war so zerzaust und verhungert, dass sie in meiner Hand verreckte, war ausnahmsweise mal nicht meine Schuld. Ein Wunder, dass des ausgemergelte Ding es überhaupt bis zu uns geschafft hatte.

Eine Bestellung eines Bolkheimer Händlers aus Grimgard, er wollte 30 von der groben fetten Räucherwürsten. Mein Vater schickte mich also mit den Würsten los und ich machte einen heißen Ritt gen Grimgard.

Als ich dort ankam, stand ich vor der leeren Ladentheke des Bolkheimer Allerlei und sah nur Spinnweben und einen verwitterten Zettel: ‚Bin gleich wieder da!‘

Ich stellte meinen Gaul unter und nachdem alle anderen Läden auch geschlossen waren, ging ich in die Taverne ‚Zum roten Keiler‘, in der Hoffnung sie hätten einen Fransen gebratenen Fleisches für mich.

Dort trat ähm traf ich auf Fafnir und Darion. Wie gut, dass ich eine Flasche von Vaters besten Met dabei hatte, die hatte ich Fafnir doch versprochen, weil ich doch seinen Bart angezündet hatte.

Ich setzte mich hinzu und wir kamen ins Gespräch mit zwei Grimgarder Damen, die am anderen Ende unserem Tisch saßen. Rinelda, eine Schankmaid vom roten Keiler, die ihren freien Tag feierte und eine werte Asbirg.

Wir erfuhren, dass an dem Abend der Handelsrat zu Grimgard tagte und deswegen waren auch alle Geschäfte geschlossen, außer der Laden des Bolkheimers, der Laden war schön länger nicht mehr geöffnet worden.

Ich genoss meinen Fransen gebratenen Fleisch und versuchte meine Würste unter der Hand zu verkaufen. Zum Nachtisch gab es einen Kuchen mit einem flüssigen Kern aus geschmolzenen, braunen Süsszeug aus Neuandorien. Bei den Göttern, die Neuandorier wissen aber, was eine Sünde wert ist.

Hrothar und Grimmar stolperten bei der Tür herein. Grimmar bestellte sich ein Schmalzbrot, was in Grimgard quasi die Leibspeise ist und er war gleichsam so fasziniert von seinem Schmalzbrot, wie ich von meinem Fransen Fleisch und von dem sündigen Kuchen. Ich glaube, er wird uns eine Ode an das Schmalzbrot dichten.

Die Grimgarder Damen erklärten uns warum das Schmalz in Grimgard so wichtig war. Weil sie im Sommer zu Ehren der Rosmerta ein Schmalzfest abhielten. Und ich traute meinen Ohren kaum, sie schmieren dort die Statue der Rosmerta mit Schmalz ein, wahlweise auch die Geldbeutel. Und vor ein paar Jahren haben sie sogar eine Jungfrau mit Schmalz eingeschmiert.

Nachdem der Halbzwerg ja eigentlich in Grimgard war, um Zwerge zu suchen, erzählte ich eine Geschichte von meiner Großmutter, die sie mir immer erzählte, wenn sie sich an ihre Jugendtage erinnerte. Was in den letzten Jahren vor ihrem Tod immer öfter der Fall war und deshalb ist mir die Geschichte auch so in Erinnerung geblieben. Auch wenn sie mir keiner der Anwesenden glaubte, glaube ich fest daran. Meine Oma war einst auf Wanderschaft und ist auf der Suche nach ihrem Krafttier ziemlich vom Weg abgekommen. Sie ist schnurstraks bis nach Halvor gelaufen und weil es anscheinend noch nicht genug war, ist sie auch noch um den Drachenkamm herumgelaufen. Irgendwo auf den Weg ist ihr der Proviant zu schwer geworden und sie Trank alle Flaschen Met auf einmal aus, damit sie nicht mehr so schwer zu schleppen hatte. Darauf konnte sie wohl nicht mehr gut gerade aus laufen und sie kroch auf allen Vieren weiter.

Und als unter einem querstehenden Ast eines Baumes hindurch kroch, erblickte sie auf der Rückseite des Drachenkamms ein phantasmagorisches Übertor, das von gigantischen Säulen eingefasst war. Eine steinerner Steig führte dort hin und im Berg konnte man es hämmern und rumoren hören. Sie war so überwältigt von dem Anblick, das sie an Ort und Stelle einschlief.

Am nächsten Morgen stand sie auf und blickte auf den Drachenkamm und das Tor, die Säulen und der Steig war verschwunden. Auch wenn sie das Tor nie wieder erblicken durfte, glaubte sie daran. Bis zu ihrem letzten Atemzug erzählte sie mir von dem großen Tor hinter dem Drachenkamm und sie lies sich von nichts und niemanden davon abbringen. Und ich auch nicht.

Asbirg taute langsam auf und erzählte mir, dass sie bei einem Bäcker im Ort arbeitete. Und im Laufe des Abends stellte sich heraus, dass der hiesiger Bäcker niemand anderes war, als mein Onkel Notker und dass mein Vetter Trudbert nicht gerade ein ehrenwerter Mensch geworden war. Sie erzählten mir, dass während alle Bürger Grimgards, auch die Frauen, vor den Toren der Stadt gegen die Untoten kämpften, versteckte sich Trudbert unter den Mehlsäcken in der Vorratskammer der Bäckerei, wo Asbirg ihn dann fand. Naja, früher hat er sich immer im Schweinetrog vor mir und dem Branu versteckt. Er war schon immer ein kränkliches, weinerliches Kind und sein Kraftier muss der Grottenolm sein. Ich überlege mir ihm morgen einen Besuch abzustatten und ihm einen gehörigen Schrecken einzujagen. Schade dass ich Schweini nicht mitgenommen habe, aber das dumme Schwein wollte unbedingt beim Holzfäller bleiben.

Wir redeten allerlei Blödsinn daher und vor allem der Schiffbau hat es uns besonders angetan. Nachdem Hrothar fast schon davon besessen war ein Schiff zu bauen, um damit den Lorsak runter zu fahren, standen wir ihm mit Rat bei Seite.

Die Grimmgarder Damen brachten ihn auf die Idee, dass er das Boot außen doch mit Schmalz einschmieren sollte, dann würde es bestimmt nicht wieder sinken.

Und ich bot an, den Schmalz mit meinen eigenen nackten Händen einzubrennen, nicht dass jeder Reisende mit seinem Brot in der Hand, Hand an den Bootsrumpf legt, um an das gute Schmalz zu gelangen. Und wenn man ein frisch geschmalztes Boot über den Sand ans Ufer zog, dann würde es Riebenschmalz ergeben. Hrothar, du bist schon ein Hund und ich glaube ganz fest daran, dass unser Schmalzschiff fährt. So wie man mit den Kekse von meiner Oma eine Familie einen ganzen Winter ernähren kann, Hauptsache man hat genug Milch um die Kekse ordentlich aufzuschwemmen.

Wir witzelten umher, wie man denn am Besten das Schmalz aufs Boot bekäme und wenn dass Schiff dann fertig ist, würde Grinelda eine Taverne darauf errichten.

Der feucht fröhliche Abend ging zu Ende und ich torkelte Richtung Stallungen und schlief einen unruhigen Schlaf und träumte von barbusigen Damen, die das Schmalz mit ihren bloßen Körpern am Bootsrumpf auftrugen. Ich träumte von einem Boot aus den Keksen meiner Oma und Dampfmaschinen und von einem Schiff dass Lady Captain hieß. Ein Matrose schuppte nackt das Deck und eine Frau schrie: ‚Erlebnisurlaub auf der Lady Captain!‘

Verwirrt von meinen Träumen erwachte ich. Nach einer Katzenwäsche im Pferdetrog ging ich wieder in die Taverne und brachte Rinelda die Würste, die ich noch zu verkaufen hatte. 28 an der Zahl wechselten seinen Besitzer. Eine hatte ich gestern noch an Hrothar als Wegzehrung verkauft und eine wollte ich meiner schwindligen Verwandschaft bringen. Weil ich so ein netter Mensch bin. Das Gesicht von Trudbert werd ich nie vergessen. Allein das war die Reise nach Grimgard wert. Ich spuckte noch vor den Stand des Bolkheimers bevor ich mich auf machte.

Jeden Tag eine Gute tat, sagen die Grimgarder Damen immer und diese Gute Tag lies ich hinter mir und zog wieder zurück nach Grimgard. Nur lies ich mir bei der Heimreise wesentlich mehr Zeit.

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Published in: on 26. März 2013 at 22:32  Comments (1)  
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Blut ist dicker als Wasser – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 9

Blut ist dicker als Wasser – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 9

schweiniBranu humpelte Schweini hinterher, Richtung Waldrand. Er war auf der Suche nach Bruna, die war schon seit Stunden fort und langsam machte er sich wirklich Sorgen um sie. Auf seiner Wange leuchtete immer noch ihr Handabdruck und in seinem Kopf sang der Met manch rauschendes Lied.

Er hatte nicht nur die eine Flasche Met zusammen mit dem Meister Ulgur vernichtet und deswegen spürte er jetzt auch keinen Schmerz. Der Heiler hatte ihm eigentlich verboten, den Hof zu verlassen und er würde es morgen bitter bereuen, dass er so weit gelaufen war. Aber wenn die Götter ihm nun endlich eine richtige Familie geschenkt haben, dann musste er sich auch darum kümmern. Und sein Vater, also der Meister Ulgur, war zu betrunken um sie zu suchen.

Er hatte ihn vorhin ins Bett bringen müssen, weil er so besoffen gewesen war, dass er nicht mehr laufen konnte und das am helllichten Tag. Aber es war ja auch durchaus ein Grund zu feiern. Mann wurde ja nicht jeden Tag, zum zweiten Mal Vater und Mann bekam auch nicht jeden Tag seinen richtigen Vater zu Gesicht. Das Schwein verschwand im Dickicht und das riss ihn aus seinen betrunkenen Gedanken.

Als er zum Bachlauf kam, sah er schon den Rauch aufsteigen. Und wenig später stieg ihm der Geruch verbrannten Haares in die Nase. Bruna lag im Bach, blickte ohne auch nur einmal zu blinzelnd nach oben und das Wasser dampfte um sie herum. Der Wasserdampf ergoss sich schon über das ganze Tal.

Er versuchte möglichst unbeschadet die Böschung runter zu rutschen. Sein Bein tobte jetzt auch noch oder schon, aber er würde nicht ohne Bruna wieder zurück gehen, nach Hause. Er humpelte weiter auf den Bach zu und kniete sich umständlich ans Ufer in den Schlamm und flüstere: ‚Bruna, für ein Bad ist es entschieden zu kalt!‘ Dann griff er nach ihrer Hand und kam fast aus dem Gleichgewicht. Das Bachwasser schien tatsächlich erwärmt zu sein. ‚Komm da raus. Ich würd mich gerne bei dir entschuldigen.‘

Mit einer ruckartigen Bewegung wand sie ihren Kopf in seine Richtung und Tränen liefen unentwegt aus ihren Augen und verdampften in nächsten Moment auf ihrer Haut. Ihre Hand schien in Flammen aufzugehen und er ließ sie schlagartig wieder los.

‚Komm bitte da raus, du musst mir helfen. Ohne dich komme ich die Böschung nie wieder rauf.‘

Ihre Hand brannte tatsächlich, obwohl sie halb im Wasser lag. Er musste den Kopf schütteln, das musste am Met liegen. Die Hand brannte immer noch. Er kniff die Augen zu und sie brannte immer noch, als er seine Augen wieder geöffnet hatte.

‚Ich glaub, du brennst Bruna?!‘ stotterte er.

Plötzlich schloss sie die Hand und das Feuer erlosch. Er konnte sie atmen hören und er dachte er hätte so was wie ein Seufzer gehört. Sie blinzelte und hielt einen schrecklich langen Moment ihre Augen geschlossen und als sie endlich ihre Augen wieder öffnete, stand das Blau ihrer Augen voll Tränen. Ihr Kinn zitterte und ihre Maske zerbrach, so wie die Tränen über ihr Gesicht flossen.

Beherzt griff er wieder nach ihrer Hand und zog sie zu sich heran.

‚Du heulst doch nicht wegen mir?‘ fragte er unverblümt.

Ein feuriger Schlag in seine Nieren, war ihm Antwort genug. Ihm blieb für einen Moment die Luft weg, hielt sie aber eine Weile im Arm und während ihm beruhigende Laute über die Lippen huschten. Endlich regte sie sich und blickte ihn mit verheulten Augen an.

‚Verzeihst du mir den kleinen Ausrutscher? Ich war irgendwie verwirrt!‘ fragte Branu.

‚Wenn hier Einer verwirrt ist, dann bin ich das wohl und was fällt dir überhaupt ein, deine Zunge in meinen Hals stecken zu wollen. Ich glaub es hackt.‘ plapperte sie los, bis der Rauch wieder von ihr aufstieg. Dann fing sie wieder an zu weinen und krächzte. ‚Der Einzige, der mich je berührt hat, war das wandelnde Feuer…! Und das ist schon schlimm genug und der Nächste ist dann mein Bruder…‘ Den Rest des Satzes konnte er nicht mehr verstehen, aber er glaubte, dass sie ihn zwischen den ganzen Schluchzern ganz schön beleidigt hatte. Sie heulte, wie sie es als 12 jähriges Mädchen nicht getan hätte und dann fing sie sich wieder. ‚Wenn du das irgendjemanden erzählt, schleife ich dich an deinen … Ohren… in den Wald und leg dich wieder unter den Baum!‘

Sie zog den Rotz hoch und lächelte ihn an. Mit einer zarten, ja einer erschreckend zarten Bewegung berührte sie seine Wange, an der Stelle wo ihr Handabdruck immer noch feuerrot leuchtete und tierisch brannte.

‚Das gibt, ich brenn dir Eine, eine ganz neue Bedeutung!‘ meinte sie. Beide mussten Lachen.

‚Der Phönix aus der Asche, Schwesterlein! Der Phönix aus der Asche.‘ meinte er und versuchte zu grinsen, doch sein Gesicht tat ihm fast mehr weh als sein Bein.

ENDE

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

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