Drei und eine Axt – Teil 36

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 36

reiter_neuMan möchte es kaum glauben, am nächsten Tag war tatsächlich alles besser, als am Tag zuvor. Die Schneeschmelze hatte begonnen. Auch wenn am Ende der Schneeschmelze der Berg ins Rutschen gekommen war und beinahe die Viehjurte mit samt dem Vieh mit sich gerissen hätte, ging es doch bergauf. Die ersten Blumen und Kräuter hatten sich durch Frost und Schnee gekämpft, so dass auch die Gemüter wieder erblühen konnten.

Jeder hatte seine Aufgabe und die Arbeiten gingen voran. Ainur hatte sich wieder erholt, obwohl ihn immer noch ein lästiger Husten plagte und er geriet deswegen leicht außer Atem, doch baute er einen Stall für die Kleintiere, während die Elger und Otar Holz heranschafften. Die Schneefälle im Winter hatten viele Bäume umgerissen, das ersparte ihnen eine Menge Arbeit. Kejnen und Halef gingen auf die Jagd und fischten und kümmerten sich mit Alur um die Herden. Wena hatte beschlossen Korn und Gemüse anzubauen, weil sie sich nicht mehr drauf verlassen konnten, dass der Khan sie weiter unterstützen würde. Da machte es sich endlich bezahlt, dass Wena und Merle bereits im Herbst damit begonnen hatten Samen zu sammeln.

Vira hatte das Kochen und die Kinderbetreuung übernommen, während Merle jeden Tag auf ihre Niederkunft wartete. Ziska und Lamina hatten begonnen die Schafe zu scheren und die Kinder halfen beim Waschen und Kämmen der Wolle. Trocknen würde sie ja von alleine.

An einem sonnigen Frühlingstag, waren Ainur, Otar und Elger draußen auf der Ebene und umzäunten den neuen Gemüsegarten, Alur, Halef und Kejnen waren im Wald unterwegs, die restlichen Ziegen einfangen und jagen und die Frauen waren alle bei den Jurten. Merle war schon lange über die Zeit, Ziska beklagte sich schon seit Tagen über Kreuzschmerzen und Lamina hatte auf ein Neues versucht den Mädchen das Wolle spinnen beizubringen, während sie den Webrahmen nach draußen gebaut hatte. Fina und Lona waren wirklich sehr geschickt, während Nala und Lina eher ungeschickt waren, aber sich zumindest bemühten, die Wolle ordentlich zu kämmen. Merle hatte ihren beiden Töchtern, Solya und Feri, das Spindeln bereits letztes Jahr versucht beizubringen, auch wenn sie es selber eigentlich gar nicht so richtig beherrschte. Während ihr Jüngster Thorn mehr mit Unsinn beschäftigt war, seit dem er laufen konnte.

‚Es ist nicht wirklich dein Ernst den armen Jungen anzubinden, wie einen räudigen Köter!‘ meinte Wena und blickte auf Thorn herab, der sich am Ende seiner Leine abgelegt hatte und friedlich mit ein paar geschnitzten Holztieren spielte.

‚Wehe sie werden losgelassen!‘ meinte Merle, die sich schwerfällig von ihrer Jurte zum Tisch bewegte und sich den Bauch hielt. ‚Wenn der neue Quälgeist erst mal da ist, dann hat er jemanden zum Spielen.‘

‚Wenn er erst mal größer ist, dann finden wir schon eine Arbeit, die ihm Spaß macht.‘ rief Lamina, die an ihrem Webrahmen stand und die dünnsten Wollfäden zu einem feinen Wollstoff verarbeitete. ‚Ich hoffe, ich krieg das Kammweben noch hin, dann können wir schöne Borten weben.‘

Ziska kam gerade aus der Vorratsjurte und grinste grimmig. ‚Im untersten Sack war der Schimmel drin, ich würde es nicht mehr verwenden, aber färben würd gehen!‘

‚Oh ja, bunte Borten sind auch viel schöner!‘ rief Lamina, ohne von ihrer Arbeit aufzusehen.

Plötzlich hörten sie das Geschrei von Lina und Nala, die am Gatter die getrocknete Wolle holen wollten. Als sie über den Hof gewetzt kamen und die Frauen sahen, dass die beiden Mädchen von einem fremden Mann auf einem Pferd verfolgt wurden, waren sie sofort angriffsbereit. Ihm folgten noch sieben weitere Reiter, die teilweise mit Bögen bewaffnet waren und sogleich auf sie schossen. Wena packte sich zwei ihrer Messer und sprang auf den Reiter, der nur um Haaresbreite ihre Töchter verfehlt hatte. Vira hatte ihre Axt gepackt und fällte das Pferd, während Wena den Angreifer vom Pferd holte und ihm ohne zu zögern die Kehle durchschnitt. Lamina hatte sich Elgers Bogen geschnappt und holte mindestens einen der Reiter vom Pferd, bevor sich der Nächste auf sie stürzen konnte. Ziska brachte Merle in Sicherheit, der vor Schreck die Fruchtblase geplatzt war. Fina schnappte sich die Kinder und schleifte sie in die Jurte, wo Ziska gerade verschwunden war.

Wenig später kam Ziska wieder heraus gelaufen und packte sich den Angreifer, der Lamina gerade die Tunika zerrissen hatten und sie mit einer Hand würgte, um sie unsittlich zu befummeln, obwohl sie sich aus Leibeskräften wehrte. Wie vom einem Blitz getroffen, sackte er zusammen und Ziska lies ihn los. Sie schrie wie eine Wahnsinnige und lief auf den nächsten Angreifer zu, der sich gerade auf Vira gestützt hatte, die wiederum auf den Boden lag, um ihren Bauch vor den Tritten des Angreifers zu schützen.

‚Du wagst es eine schwangere Frau anzufassen!?‘ rief Ziska und griff ihm an die Brust. Der Angreifer stürzte in der Bewegung auf den Boden und der nächste Angreifer wurde von einem Pfeil getroffen. Lamina hatte sich aufgerappelt und schoss einen Pfeil nach dem Anderen auf die Reiter ab. Ziska packte Vira, die sich immer noch am Boden krümmte und schleifte sie mit sich. Vira zog eine Blutspur hinter sich her. Ziska heilte Vira, noch bevor sie sie in die Jurte des Sippenführers zerren konnte.

Plötzlich hörten sie Schreie in der Jurte und Wena war die Erste, die in die Jurte lief. Sie sah nur, wie sich ein Angreifer an ihrer Lona vergehen wollte, während Fina am Kopf blutend am Boden lag. Das Messer, dass sie diesem Angreifer in den Rücken stieß, blieb vibrierend in seiner Schulter stecken. Der Angreifer wand sich zu Wena um und sie erkannte ihn. Es war Kel. Er sah ziemlich runtergekommen aus.

Lamina kam in die Jurte gestürzt, stieß Wena auf die Seite, als sie Kel erkannte und schoss ohne Vorwarnung. Kel stürzte von der Wucht des Pfeiles auf den Boden. 

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Drei und eine Axt – Teil 35

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 35

reiter_neu‚Vira iss deinen Fisch, ich hab ihn nur für dich in einer Kräutersoße ertränkt.‘ meinte Wena.

Vira würgte wieder und Wena hielt ihr erbarmungslos einen Tee hin. ‚Dann trink den Tee, der ist gegen die Übelkeit.‘

Sie trank den Tee und versuchte sich ernsthaft zusammenzureißen.

‚Die letzten Monate war dir auch nicht übel.‘ flüsterte Wena mehr zum Fisch als zu Vira.

Ziska wurde von Kejnen zur Jurte herein gebracht, sie blickte erschöpft und mürrisch drein und genauso hörte sie sich auch an, als sie Vira anzischte: ‚Wenn du deinen Fisch nicht isst, wird dich Otar nicht zu deinem Mann ins Bett tragen.‘

‚Deine Laune ist ja wirklich unerträglich!‘ flüsterte Kejnen. ‚Und deswegen muss die weiße Hexe jetzt auch ins Bett. Morgen ist alles besser, als heute.‘

‚Sagt der Krüppel zu der Hexe!‘ zischte Ziska.

‚Ich wusste nicht, dass ich schwanger bin.‘ flüsterte Vira. ‚Ich wollte es nicht wahr haben.‘

‚Ich wusste nicht, dass die Trauerzeit schon vorbei ist.‘ zischte Ziska, während Kejnen ihr dabei half sie zu entkleiden.

‚Wie, die Trauerzeit ist noch nicht vorbei?‘ fragte Kejnen. ‚Jetzt fühl ich mich ganz schlecht, als wir letzten Badetag…!‘ Ziska hielt ihm den Mund zu und grinste. Er schüttelte sie ab und fuhr fort. ‚Und an der Wintersonnenwende und…!‘

‚Schlampe!‘ meinte Vira und grinste sie schamlos an.

‚Ich muss meinem Namen, als die weiße Hure, ja auch gerecht werden, was sollen nur die Leute sagen?‘

‚Was für Leute? Außer uns ist hier niemand. Wir wohnen am Ende der Welt und das ist gut so. Gib mir den Fisch und lasst mich in Ruhe essen!‘ murmelte Vira und schnappte sich den Teller aus Wena’s Händen.

‚Sag mal schämt ihr euch nicht, die Götter…!‘ rief Wena entrüstet.

‚Die Götter liegen mir zu Füßen!‘ meinte Ziska und lies sich erschöpft aufs Bett fallen.

‚Die Ahnen werden sich im Grab umdrehen, ausgeschamtes Weibsvolk.‘ rief Wena wieder.

‚Ich sag nur Weinfest.‘ zischte Ziska gehässig.

‚Was auf dem Weinfest passiert, bleibt auf dem Weinfest.‘ rief Kejnen erbost und beendete damit die Streiterei der drei Frauen. Er versuchte Ziska mit fahrigen Handbewegungen zuzudecken und humpelte dann ohne auch nur eine der drei Frauen direkt anzublicken aus der Jurte.

Als Vira aufgegessen hatte, wurde sie in ihr eigenes Bett gebracht, in dem Ainur bereits schlief. Seine Hände und Füße waren verbunden, sein Atem rasselte bei jedem Atemzug und sein Gesicht war mit irgendwas Fettiges eingeschmiert worden. Er schien Fieber zu haben, deshalb bereitete Lamina ihm kalte Wadenwickel. Zumindest war er nicht erfroren. Sie legte sich auf die Seite, klammerte sich an seinen Arm und schlief gleich darauf ein.

Sie bemerkte nicht, dass Kejnen wieder zurück in die Jurte schlich. Erschöpft lies er sich aufs Bett sinken und unter Schmerzen zog er seine Schuhe aus. Ziska griff nach ihm, zog ihn zu sich aufs Bett und flüsterte ihm ins Ohr: ‚Ich wollte dich nicht beschämen!‘

‚Ich dich auch nicht, weiße Hexe!‘ erwiderte er sanft und küsste sie dann auf die Stirn, bevor er sich endgültig an ihrer Seite niederließ.

Mitten in der Nacht wurde Ainur wach. Lamina hatte ihm eben die Wadenwickel erneuert und hatte ihm ein kaltes Tuch auf die Stirn gelegt. Als sie bemerkte, dass er wach war, flößte sie ihm Tee ein und deckte ihn ordentlich zu. Er blickte sie dankbar an und dann wurde ihm erst gewahr, dass Vira an seiner Seite lag. Er hatte nur verschwommen mitbekommen was vorhin in der Jurte gesprochen worden war, aber eines hatte er genau verstanden. Er regte sich und entzog ihr seinen Arm, um sie gleich wieder in seine Arme zu schließen. Seine Finger fühlten sich taub an, aber er versuchte trotzdem sie mit beiden Händen am Bauch zu berühren. Vira wurde wach und griff nach seinen Händen.

‚Verzeih meine Verspätung, ich hab den Weg nicht mehr gefunden.‘ krächzte er ihr ins Ohr, dabei konnte er ihre Tränen schmecken, die ihr über die Wange liefen.

‚Ich hoffe du hast gefunden, was du suchtest!‘ schluchzte sie.

Er strich über ihren Bauch, küsste sie auf die Schläfe und versuchte dann zu flüstern: ‚Jetzt schon! Ich habe gefunden was ich suchte. Den Weg nachhause ohne Schuld auf meiner Seele.‘

‚Was hast du mit meinem Pferd gemacht?‘ fragte sie ohne Umschweife.

‚Es ist mir letzte Nacht erfroren und dann hat es mir das Leben gerettet!‘ meinte er fast schon ehrerbietig.

‚Du hast nicht das gemacht, was ich denke!?‘

‚Ich hab im Bauch deines Pferdes übernachtet, sonst wäre ich jetzt nicht hier, sondern würde mich im Jenseits mit deinem Mann bis ans Ende aller Tage prügeln, für die Unverfrorenheit, die ich begangen habe.‘

‚Das du mein Pferd getötet hast, wird er dir nie verzeihen, dass war sein Hochzeitsgeschenk!‘

‚Jetzt fühl ich mich richtig schlecht!‘

‚Ich sehe das als gutes Zeichen, er hat uns seinen Segen geschickt.‘

‚Also hat er dein Pferd getötet?‘

‚Der Willen der Ahnen ist manchmal unergründlich!‘ flüsterte sie ihm ins Ohr und küsste ihn zärtlich.

‚Ich hab mich jede Nacht danach gesehnt, bei dir liegen zu dürfen!‘ krächzte er und erwiderte den Kuss. Morgen würde tatsächlich ein besserer Tag werden, jetzt hatten sie endlich wieder alle beisammen.

Drei und eine Axt – Teil 34

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 34

reiter_neuDie Sonne war bereits aufgegangen und drang zaghaft durch den dichten Nebel, als die beiden Männer wieder kamen. Die beiden Hunde liefen über den Fluss, gefolgt von Halef und Elger auf ihren Pferden.

Als Vira die beiden Hunde erblickte, lies sie die Schneeschaufel fallen, die sie gerade noch in den Händen gehalten hatte. Erst als sie schon fast über den Fluss gelaufen war, erblickte sie das dritte Pferd. Doch es saß niemand auf dem Rücken des Pferdes. Sie blieb abrupt stehen und musste sich den Bauch halten.

‚Mutter, dein Pferd ist tot, aber dein Mann lebt.‘ rief Halef ihr entgegen. Sie fiel auf die Knie und ehe Halef bei ihr angelangt war, war sie bereits ohnmächtig aufs Eis gesackt.

Als sie wieder erwachte, lag sie im Bett und Lamina saß neben ihr und versuchte ihr Tee einzuflößen. Sie hörte ein ersticktes Keuchen und schreckte hoch.

‚Vira, du musst unbedingt liegen bleiben. Du hattest Blutungen.‘ flüsterte Lamina ihr ins Ohr. ‚Du hättest uns wirklich sagen können, dass du schwanger bist.‘

Vira blickte sie erschrocken an.

‚Es ist alles gut, sagt Ziska!‘ flüsterte Lamina weiter. ‚Und Ainur geht es auch gut. Sie reiben ihm gerade seine Erfrierungen mit Senf ein.‘

Vira setzte sich doch auf und schob Lamina auf die Seite. Sie erblickte Ainur. Er saß zitternd auf ihrem Bett, mit einer Decke über den Schultern, seine Füße waren in einer hölzernen Wanne mit offensichtlich heißem Inhalt. Erst in diesem Moment bemerkte sie, dass sie gar nicht in ihrem eigenen Bett lag. Ziska legte ein heißes Tuch auf Ainurs Kopf und goss heißes Wasser in eine Schüssel zum Inhalieren. Es roch nach Senf, Schnaps und Kräutern.

‚Ainur…!‘ stolperte aus ihrem Mund, doch mehr vermochte sie nicht zu sprechen. Er blickte auf, zog sich das Tuch vom Kopf und machte Anstalten aufstehen zu wollen.

‚Lass mich erst deine Füße versorgen!‘ meinte Ziska streng und zwang ihn dazu sitzen zu bleiben. Dann drehte sie sich zu Vira um und zischte: ‚Und du bleibst auch liegen!‘

‚Die weiße Hexe hat gesprochen!‘ rief Wena, die gerade mit einem Topf Suppe herein kam.

‚Ihr könnt euch nicht immer alle drauf verlassen, dass ich alles richte. Der Winter nagt an uns allen und mir fehlt langsam die Kraft…!‘ schimpfte sie, bis ihr Stimme versagte.

‚Jetzt reichts mir aber, Ziska! Setz dich und iss deine Suppe!‘ rief Wena und hielt ihr eine Schüssel mit Suppe hin. ‚Wir haben schon noch genug für alle, bis der Schnee schmilzt.‘

Halef und Elger kamen herein und meinten, wie aus einem Mund: ‚Heute Abend gibt’s Fisch!‘

Alle drehten sich erschrocken um und starrten sie fragend an.

‚Wir waren lange unterwegs, haben kaum etwas erlegt und haben dann ein Loch in den größten Weiher geschlagen…!‘ rief Elger und hielt seine Hand hoch. Er hatte eine beachtliche Menge Fische mitgebracht.

‚Mir wird schlecht!‘ stöhnte Vira und drehte sich auf die Seite. Lamina konnte ihr gerade noch eine leere Schüssel hinhalten. Zum Haare hochhalten war es zu spät.

Drei und eine Axt – Teil 33

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 33

reiter_neuDer Winter trieb Schneewehen über den Fluss, so dass man die Jurten schon kaum mehr sehen konnte. Der Junge Alur stand oben auf dem Kreuz der Jurte des Sippenführers und befreite sie von den Schneemassen. Während Halef ihm dabei half, schafften die anderen die Schneemassen Richtung Fluss.

‚Heute Nacht sind zwei Hühner erfroren!‘ meinte Merle, während sie nicht nur ihre Kinder zur Arbeit antrieb. Sie hielt ihren Bauch, arbeitete aber trotz ihrer fortgeschrittenen Schwangerschaft genauso hart wie die Anderen.

‚Wieso?‘ fragten Lina und Nala gleichzeitig.

‚Die dummen Hühner wollten außerhalb der Jurte übernachten.‘ rief Merle entrüstet.

‚Die Nacht wird klar und kalt, wir sollten die Pferde zu den Kälbern in die Jurte stellen.‘ rief Ziska.

‚Haben wir da genug Platz?‘ fragte Vira.

‚Die meisten Regale sind eh leer, die können wir abbauen.‘ meinte Wena.

‚In meiner Jurte ist am meisten Platz, wir können die Kleintiere in meiner Jurte unterstellen!‘

‚Mein Sippenführer…‘ rief Kejnen, doch er wurde von Ziska unterbrochen.

‚Wie wärs wenn wir dein Bett zu uns in die Jurte stellen, dann müsst ihr nicht im Gestank der Schweine schlafen und wir sparen Holz, wenn wir nur noch 3 Jurten befeuern müssen.‘

‚Die weiße Hexe hat gesprochen.‘ rief Halef vom Jurtendach hinab.

‚Sag mal, was ist denn mit Nyúl?‘ fragte Alur und zeigte zum Fluss hinunter.

Halef blickte zum Fluss und konnte gerade noch erkennen, wie sein Hund über den Fluss schlitterte und auf die Ebene rannte. Irgendwann war der Hund nicht mehr zu sehen.

Nach diesem anstrengenden Arbeitstag fielen alle erschöpft ins Bett. Sie hatten die Sippenführerjurte zu einen Ersatzstall umgebaut und Halef und Lamina schliefen nun wieder bei Vira, Ziska und Kejnen in der Jurte. Außerdem hatten sie heute beim Würfeln verloren. Das hieß, die Feuer am Laufen halten und den Schneefall kontrollieren. Deshalb stand Halef auch mitten in der Nacht auf und staunte nicht schlecht, als plötzlich seine beiden Hunde vor ihm standen. Er zog sich schnell an und lief zu seinem Pferd.

Als er mit einer Fackel in Hand über den gefrorenen Fluss ritt, wurde Elger wach, er hatte das Pferd und die Hunde gehört. Mit seiner Axt bewaffnet lief er nach draußen. Er konnte gerade noch sehen, wie sich ein Lichtschein über die Ebene bewegte.

Er zog es doch vor, sich Etwas an zuziehen und blickte zu den Pferden in die Jurte. Halefs Pferd war nicht mehr da, obwohl sein Sattel noch da war. Kopfschüttelnd ging er zur Jurte hinüber, wo ihn Vira überraschte, sie hatte ebenfalls eine Axt in Händen.

‚Halef reitet über die Ebene!?‘ flüsterte Elger ihr zu. ‚Setz Wasser auf, ich seh was er da treibt.‘

Er packte sich ebenfalls eine Fackel und ritt dem Jungen hinterher.

Angeschossen wie ein wildes Tier…

Angeschossen wie ein wildes Tier…

IMG_04246Angeschossen, wie ein wildes Tier im Wald zurück gelassen, lag es da im eigenen Blut und doch fast im Dreck versunken. Das Herz lag daneben und schlug unaufhörlich weiter, so schien es. Nein, es hatte nicht nur den Anschein, es schlug noch. Es war still im Wald, fast zu still. So still, dass er seine Gedanken schier hören könnte. Nur der Herzschlag drang noch an sein Ohr. Mühsam, aber es schlug doch unaufhörlich weiter. Ihn traf keine Schuld, er hatte das seltsame Wesen nicht erlegt, es war bereits angeschlagen, als er die Verfolgung aufgenommen hatte. Doch hat er es durch den Wald gehetzt, er wollte es ja nur erlösen. Vielleicht wollte es gar nicht erlöst werden, aber er hatte es getan. In der Hast war es dann gestützt und nun lag es da. Regungslos. Nur das Herz schlug ruhelos weiter. Und das Schlagen des Herzens rumorte in seinen Ohren. Aber das kann nicht sein, müsste es nicht lang tot sein. Das ist unnatürlich, dass etwas so lange überlebt, außerhalb des schützenden Körpers. Der Wind hörte auf zu Wehen und er konnte keinen einzigen Laut mehr hören. Nur das Schlagen des Herzens des unbekannten Wesens.

Die Ordnung muss aus den Fugen geraten sein. Irgendwas stimmte ganz und gar nicht. Er kniete sich hin und nahm es auf, um es genauer in Augenschein zu nehmen. Das Herz pumpte unaufhörlich Blut aus dem Inneren heraus, so dass das zähe Blut von seiner Hand ran, ehe er es wieder auf den Boden legen konnte. Es hatte sich seltsam angefühlt, ein halbes Pfund pures Leben in Händen zu halten und doch blickte ihm bereits der Tod über die Schulter. Er konnte für einen Moment seinen Atem sehen und dann war es vorbei. Mit dem letzten Schlag des Herzens, kam das Pfeifen der Vögel zurück. Der Wind blies ihm durchs Haar und es fröstelte ihn. Das Tier versank nun gänzlich im Schlamm und vom Herzen waren nur noch blutige Schlieren zurück geblieben, die sich auf der Oberfläche des Matsches gebildet hatten.

So kniete er noch einen langen Moment im Schlamm und blickte auf die blutigen Schlieren. Das Tier würde nicht mehr auftauchen und doch hielt er Wacht. Er wich erst zurück, als es ihm gewahr wurde, dass er selbst im Schlamm zu versinken drohte. Nun konnte er sein eigenes Herz hören, wie es laut in seiner Brust schlug. So laut, dass er das Gefühl hatte, es würde ihm gleich aus der eigenen Brust springen, weil es sich Luft machen musste. So schnell auch sein Herz schlug, so langsam arbeitete er sich vor und aus dem Schlamm heraus. Er wollte nicht versinken. Doch steckte er schon bis zur Hüfte im Dreck, als er endlich einen Ast eines nahestehenden Baumes ergreifen konnte. Wenig später hatte er sich befreit. Keuchend blieb er neben dem Schlammloch liegen, er war dem Tod wohl gerade noch von der Schippe gesprungen.

An diesem Morgen konnte man den Jägersmann beobachten, wie er völlig verdreckt, zu der kleine Kapelle hinaufstieg. Später brannten dort dann zwei Kerzen, bis der Wind dann eine zum Erlöschen brachte.

Trick and Treat – Kommt ne Frau in eine Bar…

Trick and Treat – Kommt ne Frau in eine Bar…

IMG_0005Kommt ne Frau in eine Bar, sie führt einen zerbeulten Blecheimer mit sich. Lächelnd setzt sie sich an die Theke und bestellt sich eine Bloody Mary, während sie den Eimer auf den Tresen stellt.

‚Ja, haha! Des passt ja super zu Heute!‘ rief ein betrunkener Gast, der einen Trauerfrack trug und grinste sie leicht debil an.

Die Frau ignorierte ihn weitestgehend und wartete auf ihre Bloody Mary.

‚Wozu ham se denn den Eima mitgebracht!‘ rief der Betrunkene so laut, dass man ihn kaum überhören konnte.

‚Für Betrunkene im Trauerfrack, die stören!‘ meinte sie ruhig.

‚Ja, ist ja schon gut. Dann trink ich halt alleine! Wer nicht will der hat schon! Ich bin jung und schau gut aus, ich bin auf niemanden angewiesen.‘ meinte der Betrunkene und würfelte mit sich selbst, um den nächsten Drink.

Sie sang in ihren Drink: ‚Dinge, die ich nie wissen wollte!‘

Der Barkeeper verschwand grinsend durch die Tür ins Hinterzimmer und kam erst nach einem viel zu langem Moment wieder in der Türöffnung zum Vorschein, reichlich dreckig grinsend.

Der Betrunkene gab nicht auf. ‚Jetzt sag halt, was in dem Eimer ist!‘

Der Barkeeper nickte kurz und trat einen Schritt durch die Tür in den Barraum zurück, er hielt einen Wischmopp in der Hand und grinste noch dreckiger. Der Praktikant lief an ihm vorbei und zog eine enorme Kamera aus seiner Hosentasche. Wie er die Digitale Spiegelreflexkamera mit Objektiv und externen Blitz je in seiner Hose verstecken konnte, werden wir wohl nicht erfahren. Auch er nickte grinsend.

Die Frau stand auf, nahm den Eimer, holte aus und schüttete den Inhalt dem Betrunkenen mit voller Wucht in die Fresse. Rote, zähe Flüssigkeit ergoss sich über den Gast, den Stuhl, die Theke, den Barkeeper und den Boden. Die Frau grinste nun auch dreckig, als sie rote Spritzer an ihren Fingern entdeckte. Genüsslich leckte sie einen Finger nach dem Anderen ab.

Der Praktikant knipste ein Foto nach dem Anderen und der Barkeeper setzte sich so langsam es ihm möglich war, mit dem Wischmopp in der Hand, in Bewegung. Von seinem Gesicht tropfte das Kunstblut und er lächelte.

‚Trick and Treat, gleich zwei Sachen auf einmal!‘ meinte die Frau, nahm den Eimer runter und setzte sich wieder, um sich wieder ihrer Bloody Mary zu widmen.

Der Barkeeper wischte fast schon lieblos den Boden und verteilte die rote Farbe noch mehr über den Fliesenboden…

‚Hey Lady, träumen Sie?‘ fragte der Praktikant und lächelte die Frau nervös an. ‚Ihr Bier wird warm.‘

Die Frau blickte verwirrt auf die Flasche in ihrer Hand und zwinkerte mehrmals. Sie hatte irgendwie gewusst, dass sie geträumt hatte. Eigentlich seit der Bloody Mary und spätestens nachdem der Praktikant die enorme Kamera aus seiner Hose gezogen hatte. Aber es wäre wirklich reine Verschwendung gewesen, aufzuwachen, bevor der ganze Eimer mit dem Kunstblut nicht seiner Bestimmung zugeführt worden wäre.

‚Ist heute nicht Ihr persönlicher Feiertag?‘ fragte der Praktikant.

‚Ja, ne! Mit Kunstblut kann ich das ganze Jahr rumbritscheln. Ich will heute nur mein obligatorisches Feierabendbier trinken.‘ meinte sie und machte sich Notizen.

‚Darf ich irgendwann lesen, was Sie da schreiben?‘

‚Du! Wenn du mir mal deinen Namen verraten würdest, müsste ich nicht immer über ‚Den Praktikanten‘ schreiben…!‘ flüsterte sie und schrieb weiter in ihr Notizbuch.

‚Sie schreiben über mich?‘ fragte Praktikant und wurde schlagartig rot im Gesicht.

‚Du! Und ja…und ja!‘ grinste sie ihn an und nippte an ihrem Bier.

Fortsetzung folgt…Prost!

Feuer, Tod und Leid über Grimgard

Feuer, Tod und Leid über Grimgard

LuchssIch war am Waldrand unterwegs, um Blumen für den Eponaschrein zu pflücken und da sah ich eine weiße Gestalt zwischen den Bäumen stehen. Ich erschrak, ging aber doch wie gebannt drauf zu. Im ersten Augenblick dachte ich, dass es Helena war. Mein Herz sprang mir fast bis zum Hals. Doch um so weiter mich die weiße Gestalt in den Wald führte, um so mulmiger wurde es mir.

Als ich das Heulen der Wölfe hörte, wurde mir gewahr, wie weit ich schon in den Wald vorgedrungen war. Im Schatten der Wolfsbuche sah ich die weiße Gestalt verschwinden. Und ein bedrohliches Knurren kam von allen Seiten. Die Wölfe.

Ich stolperte rückwärts und fiel über eine Wurzel. Beim Sturz muss ich auf einen Wolf gefallen sein, ich konnte ihn unter mir winseln hören. Er war wohl darüber mehr erstaunt, als ich, weil er mich nicht angriff. Ich bin eine wohl zu leichte Beute. Ein anderer Wolf witterte aber seine Chance und sprang mich an und krallte sich in mein Bein. Ich konnte ihm gerade noch meinen Ellbogen bis zum Anschlag in den Rachen stopfen, was für ein Glück. Er hätte mir wahrscheinlich den Arm abgebissen, wenn ich mich nicht mit meinem ganzen Gewicht in sein offenen Maul gestürzt hätte.

Trotz meiner Gegenwehr sah ich schon mein kurzes Leben an mir vorbei ziehen, als ich ein jämmerliches Jaulen vernahm, dass von der Wolfsbuche herrührte. Ein weißer Fuchs trat in den Mondschein, der durch eine Lücke im Blätterdach schien. Er heulte so herzzerreißend, dass mir auch zum Heulen zu mute war.

Die Wölfe wurden auf den weißen Fuchs aufmerksam und ließen seltsamer Weise von mir ab, ich kroch erst rücklings und dann lief ich im wahrsten Sinne des Wortes um mein Leben.

Der weiße Fuchs hatte in seiner Trauer mir das Leben gerettet. Ehe ich mich wieder versah, war ich durch den ganzen Wald zurück nach Grimgard gelaufen. Ich hörte aufgeregte Rufe und Schreie. Kampfeslärm und dann konnte ich den Rauch riechen. Es war ein riesiges Loch in der Palisade und dahinter brannte es wieder.

Ich hörte ein Knacken hinter mir und eine bleiche Hand packte mich. Ich fuhr schreiend herum und wehrte mich gegen den Angreifer. Ich blickte in ein verschrockenes Gesicht, das teilweise von einer Maske verdeckt war. Im Schein des Feuers funkelte die Maske kupfern. Er hatte einen Bogen in der Hand und legte fast schon genüsslich einen Pfeil auf.

Seine schneeweißen Haare standen ihm wild vom Kopf weg, seine bleichen Augen starrten mich wütend und als ich ihm eine pfefferte, flog er ein ganzes Stück und landete gegen einen Baum. Es muss ein Widukin sein! Ich riskierte nochmal einen Blick. Er hatte seine Maske verloren. Wütend rappelte er sich auf, packte seinen Bogen erneut, er fauchte mich noch wütender an und seine Augen waren nun alles andere als bleich. Seine Augen wurden gelb, ich fing wieder an zu schreien und lief so schnell mich meine Beine trugen auf die schützende Palisade zu. Pfeile pfiffen an meinem Kopf vorbei und blieben zitternd in dem Holz der Palisade stecken. Mit einem beherzten Sprung durch das Loch in der Palisade landete ich direkt auf Rundfried, der mich verwundert anstarrte.

‚Ich hab in die gelben Augen des Widukin-Jungen gesehen!‘ keuchte ich und blickte auf. Ich sah die Taverne in Flammen stehen.

Stolpernd versuchte ich mich aufzurappeln und humpelte Richtung Taverne. Die Grimgarder hatten einen Löschmopp organisiert. Sogar der Notker und seine Töchter halfen mit. Hatten wir doch auch alle bei der Bäckerei geholfen, als die brannte.

Wie von Sinnen lief ich in die Taverne. Ich stolperte über die Anschlagtafel, die jemand umgerissen hatte und viel quasi durch die Tür ins Innere der Taverne. Es stand alles in Flammen. Ich kroch hinüber zum Brief des Liebes-Fischers und riss den Rahmen von der Wand. Dann konnte ich nur noch den Rauch und das Feuer in meinen Lungen spüren und sackte auf den Boden zurück.

Irgend Einer rief: ‚Nein, Nurmi! Wir müssen hier raus, die Decke stürzt gleich ein!‘

Dann wurde ich gepackt, nach oben gezogen und mitgeschleift. Hinter mir konnte ich die Dachbalken krachen hören. Meine Sinne schwanden wieder und ich kam erst wieder zu mir, als die frische Luft draußen mich halb erschlug.

Mein Körper wurde festgehalten und an einen verschwitzten, starken Körper gedrückt. Mir schwanden wieder die Sinne.

‚Die Taverne ist zusammengebrochen!‘ hörte ich jemanden rufen. Erst jetzt wurde mir gewahr, dass ich den Rahmen mit dem Liebesbrief immer noch umklammerte. Und da kam mir der Geruch wieder in den Sinn, er war Ainar der mich gerettet hatte. Er hatte mich aus den Flammen gezogen und ins Freie gerettet. Und nun trug er mich mit seinen starken Armen zum Eponaschrein, wo meine Schwester ein notdürftiges Lazarett eingerichtet hatte.

Dort lies er mich in der Obhut meiner Schwester, die sich liebevoll um meine Wunden kümmerte. Auch Blitgard war mit den Kindern hier. Später kam Rindela und lies sich erschöpft neben mich auf den Boden fallen. In ihrer Tasche klimperte es und sie klammerte sich wie besessen an ihre Tasche.

‚Er hat mir noch die Kasse und die seine Unterlagen in die Hand gedrückt und mich rausgeschickt. Die Taverne ist eingestürzt und der Nurmi war noch drinnen. Wir konnten ihn nicht mehr rausholen.‘  flüsterte sie und starrte dabei in die Nacht hinein.

Die ganze Nacht lang versuchten die Bürger von Grimgard das Feuer zu löschen. Und jetzt wo meine Schwester diese Zeilen für mich niederschreibt, steigt immer noch der Qualm auf.

Diesmal ist es Rindelda ihr Klagelied, dass durch die Gassen Grimgards klang und jeder der noch einen Quäntchen Atem übrig hatte, stimmte ein. So haben wird in einer Nacht nicht nur unseren Wirt, sondern auch unser Heim und unsere Anstellung verloren. Oda und Andas wurden von den Angreifern verschleppt.

Aber wir haben unseren Glauben nicht verloren. Die Sonne geht auf über Grimgard. Und im Morgengrauen wurde ein Fohlen geboren. Epona schenkt uns seinen Segen. Obwohl es ein Weibchen ist, will Ainar sie Nurmi nennen.

Warum nicht, ich heiße doch auch

Börte

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker (http://www.rauriker.de) und dem Dorfspiel im und um den freien Handelsposten Grimgard. Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Augenzeugenbericht von der Mordnacht in Grimgard

Augenzeugenbericht von der Mordnacht in Grimgard

LuchssAls ich an besagten Abend zu Bette ging, war alles so wie es immer war in Grimgard. Obwohl in der Hag Raurik der Krieg zu toben schien, war es in Grimgard in den letzten Tagen ziemlich ruhig geworden. Nur die Schankmaiden zettelten jeden Tag einen Grimgarder Bürgermopp an, meist ging es dabei um die verschwundene Schankmaid Helena, die wir bisher immer noch nicht wieder finden konnten, genau so wie der sogenannte Liebes-Fischer zu Grimgard.

Die Gerüchte im Dorf besagen mittlerweile, dass sich die beiden zusammen aus dem Staub gemacht haben und sich über die Berge nach Crush Alba aufgemacht haben. Ich bete täglich zu den Göttern, dass ihnen kein Leid geschehen ist.

Nun zu den schrecklichen Ereignissen, die sich nach der Sommersonnenwende zugetragen haben. Leider konnte ich die Ereignisse jetzt erst zu Papier bringen, so konnte ich in den letzten Tagen keinen klaren Gedanken fassen, es sitzt der Schock immer noch tief in mir und die Trauer in meinem Herzen, so dass ich es kaum in Wort zu fassen vermag, was sich in dieser Nacht zugetragen hatte.

Ich fuhr aus tiefen Schlaf hoch, weil ich wohl ein Geräusch gehört hatte. Ein Poltern im Laden lies mich vollends wach werden und ich stolperte mit meiner Hose kämpfend die Treppen nach unten. Ich trat in etwas kaltes Nasses, stolperte über etwas und kam zu Fall. Ich muss für einen Moment bewusstlos gewesen sein, da ich erst wieder Wach wurde, als ich das Geschrei von draußen hörte. Ich stürzte nach draußen und sah, dass die Bäckerei des Notker in Flammen stand.

Ich wurde von Erkmar, dem Obst- und Gemüsehändler, abgefangen, als ich aus dem Haus stürmen wollte. So wie es scheint, war ich Blutüberströmt. Erst als wir beide den Laden meines Vaters zurück liefen, saßen wir den toten Körper meines Vaters Dankrad in seinem eigenen Blut lieben. Ich muss im Dunkeln über ihn gestolpert sein.

Aufgrund des ansteigenden Tumults rannten wir aber dann doch nach draußen, wo mir schon der wutentbrannte Notker entgegenlief. Der allen Ernstes behauptete, dass mein Vater seine Bäckerei angezündet hätte und sein Backbuch entwendet hätte.

Doch dies kann doch wohl kaum möglich sein, da sein Blut schon erkaltet war, als ich über ihn stolperte.

Da stellt sich mir doch die Frage, wer meinen Vater, Dankrad auf den Gewissen hatte. Weil die klaffende Schnittwunde an seiner Kehle wird er sich wohl kaum selber zugezogen haben, vor allem wenn die Schnittrichtung nach hinten verläuft und keine Zögerungsschnitte zu sehen waren. Die Mordwaffe, die aller Wahrscheinlichkeit eine Rasierklinge war, ist nicht auffindbar gewesen. Aber es wurde ein Schuhabdruck unterhalb eines offenen Fensters sichergestellt. Was uns bei einer genaueren Untersuchung des Leichnams und des Tatortes am nächsten Morgen auffiel.

Mit dem heutigen Tage trete ich mein Erbe an und nehme die Arbeit als kommissarischer Handelsratsvorsitzender zu Grimgard auf. Ich will nicht eher ruhen, bis sich alle Ungereimtheiten aufgeklärt haben.

Gez. Rutger, Sohn des Verstorbenen Dankrad, kommissarischer Handelsratsvorsitzender zu Grimgard

Abschrift für die Akten gefertigt.

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker (http://www.rauriker.de) und dem Dorfspiel im und um den freien Handelsposten Grimgard. Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Am Morgen nach dem Brand…

Am Morgen nach dem Brand…

LuchssAm Morgen nach dem Brand kam eine junge Frau nach Grimgard. Sie hatte zwei Kinder dabei, einen Buben und ein Mädchen, und ging in die Taverne, obwohl sie die leichte Unruhe im Dorf und den Brandgeruch bemerkt hatte:

‚Seit gegrüßt, ich bin Blitgard und ich suche Arbeit!‘ rief die Frau und schob ihre Kinder in den Schankraum. Sie zog ihnen die Mützen vom Kopf, nahm den Zipfel ihrer Schürze, feuchtete ihn mit der Zunge an und putzte dem Jungen das verschmierte Gesicht, der daraufhin zu maulen begann.

Rinelda schaute von hinter der Theke auf und nuschelte: ‚Was kannst du denn?‘

‚Ich kann kochen, putzen und hab bei uns am Hof sämtliche Kinder auf die Welt gebracht.‘ rief die Frau.

‚Ach eine Hebamme?!‘ meinte Rinelda und kam um die Theke herumgelaufen.

‚So ähnlich!‘

‚Was treibt dich grad heut nach Grimgard.‘ rief Rinelda und streckte ihr die Hand hin. ‚Ich bin Rinelda.‘

‚Nachdem mein Mann letztes Jahr sein Leben vor den Toren hier ließ, wollte ich ja eigentlich nicht hier her kommen. Aber gestern hat mir ein großes Feuer den Weg gewiesen.‘

‚Der Wirt ist grad nicht da, aber ich kann dir sagen, dass uns eine Schankmaid abgehauen ist und ich denke mit 400 Kupfer im Jahr würde er dich schon einstellen.‘

‚Ich hab aber keine Unterkunft!‘ rief die Frau etwas beschämt.

‚Du bist eingestellt und ein Zimmer haben wir auch!‘ rief der Wirt, der gerade mit einem Bierfass hereinkam.

‚Ihr seid eine Hebamme? Sehr gut, habt ihr schon mal einen Bauch aufschneiden müssen?‘ rief Lindrad, der wohl am Fenster gelauscht hatte und nun hereingestürmt kam und die Frau an der Hand packte. Rinelda bemerkte, wie wir flink und behände er zu Werke ging und zog zornig eine Augenbraue hoch und flüsterte dann in sich hinein: ‚Morgens nicht aus dem Bett wollen, nie ein Wort verstehen und dann belauscht er uns und versteht doch jedes Wort!‘

‚Ja, bei der Zenzi, aber..!‘ rief Blitgrad aufgeregt und versuchte sich gegen den alten Mann zu wehren, der sie einfach mit sich zu schleifen versuchte.

‚Dann kommt mit, ich werde die Leichenschau bestimmt nicht alleine machen!‘

‚Ja, aber was ist mit den Kindern?‘ fragte Blitgard verdutzt.

‚Um die kümmere ich mich schon, wie heißt ihr denn? Soll ich euch euer neues Zuhause zeigen?‘ fragte Rinelda.

‚Ich bin die Hella und mein Bruder heißt Leif!‘ rief das Mädchen ängstlich, die ihren Bruder an der Hand hielt.

‚Na dann kommt mal mit. Ihr habt doch bestimmt Hunger, oder?‘

~*~

‚Was ist denn hier eigentlich los und wer seid ihr denn eigentlich?‘ schrie die Frau dem alten Mann ins Ohr, während er sie über die Straßen zerrte.

‚Ähm, ich bin der Heiler und Salbaderer hier und gestern Nacht ist jemand ums Leben gebracht worden!‘ flüsterte der alte Mann und tat dabei ziemlich geheimnistuerisch.

‚Ich dachte es hat gebrannt?‘

‚Ja, ein hübsches Feuerchen, aber das hat mit dem Toten glaub ich nichts zu tun.‘ meinte der alte Mann und zerrte sie in den Laden des Fellhändlers Dankrad. So stand es zumindest auf dem Schild.

Drinnen im Laden saß ein junger Mann auf dem Boden und wippte apathisch hin und her. Er schien außerdem zu beten.

‚Rutger, was sitzt du denn auf dem Boden?‘

‚Ich hab alles so gelassen wir ich es vorfand.‘ meinte der junge Mann und blickte erst nach einem viel zu langem Moment auf. Sein Gesicht war von Ruß geschwärzt, er hatte nur eine Hose an und seine Brust war voll Blut. Er hatte geweint, denn die Tränen hatten saubere Streifen in seinem Gesicht hinterlassen.

‚Wir würden dann anfangen, Rutger!‘

‚Ja, bitte!‘ meinte Rutger abwesend, stand auf und machte den beiden Platz. Er musste seine eigenen Hände festhalten, weil sie so zitterten. Erst jetzt sah Blitgard die Leiche die am Boden lag und erstarrte.

‚Also, ich sehe blutige Fußabdrücke auf dem Boden, die von der Leiche weg und nach draußen führen!‘ meinte der Alte und stellte sich neben Rutger. ‚Die genauso klein sind, wie die von Rutger.‘ Der alte Lindrad hatte ein Buch aus seinem Mantel gezaubert und machte sich mit einem Kohlestift Notizen. ‚Der Tote liegt auf dem Bauch, in seinem Blut, mit dem Kopf Richtung Tür. Hinter der Leiche sind keine Blutspuren. Der Tote scheint Dankrad zu sein und er trägt noch seine sauberen Hausschuhe. Die schlammigen Trippen stehen vor der Tür.‘

‚Ja, neben meinen dreckigen Stiefeln!‘ meinte Rutger und war nun wieder hellwach und ganz da.

‚Die Arme des Toten liegen nah am Körper. Keine Abwehrbewegung ersichtlich. Er scheint schon tot oder bewusstlos gewesen zu sein, als der Körper zu Boden fiel. Es sind keine Spuren eines Kampfes zu sehen. Blitgard, hilf mir mal ihn umzudrehen!‘ meinte der Alte und in dem Moment, als er mit ihr gesprochen hatte, löste sie sich aus ihrer Starre und kam ihm zur Hilfe. Sie drehten gemeinsam den Leichnam um.

‚Das Blut auf dem Boden scheint aus der Halswunde ausgetreten zu sein, die der Verstorbene sich wohl nicht selbst zugefügt hat.‘ meinte Lindrad, als er den Toten eingehender untersuchte. Rutger hingegen stolperte rücklings durch den Laden und wurde dann von einem Wandregal aufgehalten, in dem er sich niederließ. Blitgard blickte ihn kurz an, wurde dann aber von einer Dame abgelenkt, die in der Tür stand.

‚Mein Vater schläft jetzt, kann ich was helfen.‘ fragte sie.

‚Ah, Asbirg. Kannst du dich um Rutger kümmern? Aber mach ihn noch nicht sauber!‘ rief der Alte, während er den Schnitt am Hals des Toten untersuchte.

‚Der Schnitt zieht sich von der rechten Seite des Halses bis fast bis zum linken Ohr. Schnittrichtung läuft nach hinten. Eine scharfe Klinge, wahrscheinlich eine Rasierklinge. Es sind keine Zögerungsschnitte vorhanden! Der Täter führte die Klinge mit der linken Hand mit aller Wahrscheinlichkeit von hinten und er muss größer sein, als der Tote. Von der Tatwaffe fehlt jede Spur.‘ rief der alte Mann, sprang auf und lief zu Rutger hinüber.

‚Die Tür war von innen verschlossen?‘

‚Ja!‘

‚Und es scheint nicht eingebrochen worden zu sein?‘

‚Ähm, Werter Lindrad, das Fenster hier drüben ist nur angelehnt, hier sind ein paar Blutstropfen und draußen sind Fußabdrücke.‘ rief Blitgard, die sich vorsichtig aus dem Fenster beugte.

Lindrad kam zu ihr rüber und blickte durchs Fenster nach draußen, dann blickte er wieder in den Raum. ‚Mord! Und nicht, dass ich Rutger je verdächtigt hätte, aber seine Füße sind zu klein, um für die Schuhdrücke da draußen verantwortlich zu sein.‘ meinte Lindrad, lief wieder zu Rutger hinüber und blickte auf seine Arme. ‚Außerdem ist er zu klein, um seinem Vater von hinten über die Schulter zu fassen und es befinden sich keine Blutspritzer auf seinen Händen und Armen. Die Blutspuren sind auf den Sturz zurückzuführen, als er gestern Nacht über den Leichnam seines Vaters stolperte.‘

Lindrad klappte das Buch zu und griff Rutger an die Schulter. ‚Du kannst dich waschen und wir waschen den Körper deines Vaters.‘

‚Ja, nein. Danke. Ich würde ihn gerne selbst…!‘ seine Stimme brach und er musste schwer schlucken, bevor er fortfahren konnte. ‚Die Ehre will ich ihm erweisen. Habt Dank!‘

‚Mein Beileid!‘ flüsterte Blitgard und ging langsam zur Tür. Lindrad nickte Asbirg zu und lief geduckt zur Tür. Draußen konnte man ihn laut mit Blitgard reden hören. ‚Wir müssen noch den Schuhabdruck genauer in Augenschein nehmen.‘

~*~

An diesem Abend konnte man wieder den Klagegesang der Eponapriesterin hören, wie sich die trauernden Klänge langsam durch die Gassen Grimgards ergossen. Der Körper des Dankrad wurde den Flammen übergeben. Und so zog der Rauch gen Himmel. Es begann zu regnen, selbst die Götter schienen über den Tod des Fellhändlers zu weinen.

~*~

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker (http://www.rauriker.de) und dem Dorfspiel im und um den freien Handelsposten Grimgard. Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Morgengrauen nach durchzechter Nacht

brunaMorgengrauen nach durchzechter Nacht

Als Bruna ihren Gaul wieder Richtung Hoimarshold hetzte, bemerkte sie, dass sie ein Falke schon eine Weile verfolgt hatte. Es dauerte noch eine Weile, bis sie endlich den Arm nach ihm ausstreckte und ihren Gaul stoppte. Sie las die Zeilen und blickte in den Himmel.

‚Nun Bruna,

auch wenn Teutates es mehr als gut mit dir meint, wirst du uns auf diesem Kriegszug noch nicht begleiten. Zum Einen ist es ein zu großes Risiko für unsere eigenen Krieger solange du deine Macht nicht kontrollieren kannst und zum Anderen wäre es Taktisch unklug wenn der Gegner von deinen Fähigkeiten erführe bevor es unvermeidlich ist. Also bleib hier und erwarte meine Nachricht. Bis ich dich rufe übe dich in Selbstkontrolle und meditiere wie ich es dir gezeigt habe. Und zur Sicherheit, bleib großen Ritualen fern…..du weißt was sie in dir auslösen können.‘

 Der Falke kreiste über ihr und sie kam sich merkwürdig beobachtet vor. Vielleicht sollte sie zuerst damit beginnen etwas weniger zu trinken, obwohl sie während des Umtrunkes mit Asbirg und diesem Rutger, Sohn des Fellhändlers zu Grimgard, keine größeren Brandrodungen oder Hitzewallungen hatte. Was der olle Tankred in Hoimarshold zu suchen hatte, wollte sie sich gar nicht ausmalen. Aber ein Wenig seltsam kam es ihr schon vor, dass sie nicht einmal eine einfach Wurstlieferung tätigen konnte, ohne dass sie unter Beobachtung stand. Aber den alten Esel von dem Heiler hatte sie ja eh gehörig abgehängt. Und doch dachte sie über die Worte nach, die dieser Rutger gesprochen hatte, als sie ihre Geschichte erzählt hatte. ‚Nichts gegen die ehrenwerten Kriegspriestes des Teutates. Aber das ist ja die dümmste Anmache die ich je gehört habe.‘ ‚Ja, aber es ist nichts Sexuelles!‘ hatte sich Bruna verteidigt. ‚Ja, aber ihr macht was ein Mann zu euch sagt, obwohl ihr keine guten Erfahrungen mit dem Mannsvolk bisher gemacht hattet.‘ Sie wurde je aus ihren Gedanken gerissen, da der Falke ihr auf den Kopf geschissen hatte. Also schrieb sie doch einen Brief und schickte den Falken damit fort.

‚Mein werter Kriegspriester,

so ist mir nicht mal klar, wie ich euch anzureden habe, wenn ich einen Brief schicke, aber der Sturmfalke ließ mir keine Wahl und dem Vogel sein großes Glück war es, dass ich es noch nicht schaffe das Feuer durch die Luft schleudern, als er mir mehrmals auf den Kopf gekackt hat. Verzeiht meine harten Worte, ich bin etwas in Rage. Seit dem ich wieder auf der Heimreise bin und die Tage immer wärmer werden, fällt es mir schwer, Ruhe zu bewahren und Schnaps scheint mir auch keine Lösung zu sein. Mir brennt da Einiges auf den Nägeln, was mich ziemlich nachdenklich stimmt. Einmal habe ich Tankred in Grimgard getroffen, was für ein Zufall?! Was sucht er denn so weit ab vom Swajut? Ich hoffe doch nicht, dass ich der Grund war, weil das würde mich doch sehr verwundern, weil eine einfach Wurstlieferung bekomme ich schon noch alleine ausgeliefert, ohne das mir der Quacksalber hinterher dackelt. Und sein Esel ist ja nicht gerade der Allerschnellste. Aber so wie die Falken ihren Weg immer wieder nach Hause finden, wird er schon wieder zurück finden und feststellen müssen, dass der Swajut des ehrenwerten Falken ausgeflogen ist. Hm.

Dann stimmt es mich im Moment ein Wenig traurig, dass ich scheinbar unbedacht mein Blut mit, im Grunde genommen völlig Fremden, aber ehrenwerten Persönlichkeiten vermischt habe, aber trotzdem unwissend in meinem Geburtshaus festsitze und auf Gedeih und Verderb der schlechten Laune meiner Verwandtschaft ausgeliefert bin. So ist die Stimmung im Hause Ulgur seit meinem Beitritt beim Swajut dermaßen frostig, dass ich mich da eigentlich echt wohl fühlen müsste. Tut es aber nicht! Das Haus, das mir immer mein Heim war und mir immer Unterschlupf bot, wird mir langsam zu eng und ich fühle mich nicht mehr wohl. So treibe ich mich meist im Wald herum und nehme jede Möglichkeit an, von Hoimarshold wegzukommen, nur um meinem Vater nicht mehr unter die Augen treten zu müssen.

Und doch reite ich wieder zurück, weil wo soll ich sonst hin, wenn die Meinen mich nicht haben wollen und ihr aber auch irgendwie nicht. Und dass ich in Abwesenheit von Grimmar die Post des Swajut erledige, ist nicht gerade die Arbeit einer angeblichen Feuertänzerin. Ist ja nicht so, als würde ich nicht schon mein ganzes Leben die Briefe lesen, die mir Andere unter die Nase halten.

Ach, da ist ein eiliger Brief mit einer Probe von dieser Schlonze, mit der Bitte sie anzuzünden. Ihr braucht euch die Mühe nicht machen, es zu versuchen. Hab ein Loch in den Tisch gebrannt, bei dem Versuch.

Die Schlonze brennt nicht, noch nicht mal wenn ich sie mit dem Unaussprechlichen Schnaps übergieße, der meinen Großvater ins Grab brachte, als seine Destille in die Luft flog. Ich schweife ab, ich werde des Meditierens langsam Müde und ruhiger werde ich davon auch nicht. Also habe ich beschlossen, mich an den Ort zu begeben, wo alles angefangen hat. An den Ort, an dem ich meine erste Vision hatte. Euer Falke wird mich schon finden, am Gipfel des Hügels unweit von Hoimarshold.

Werde wohl ein Feuer machen und mal sehen was passiert, wenn die Nacht hereinbricht…

In aufrichtiger Ergebenheit, eure Bruna, was auch immer die Götter mit mir vor hatten, als sie meine Seele in Brand gesteckt haben.‘

Einige Tage später: Dieser, in den Augen einer Blankarderin, kleine, gefiederte Störenfried riss Bruna aus der Konzentration, als er seinen Schrei über das Tal schallen lies. Da wäre ihr doch beinahe der Ball aus Feuer ausgekommen, den sie von einer Hand zur Anderen warf. Sie hielt inne und blickte nach oben, atmete tief durch, bis sie den Schnee riechen konnte und wie in Trance lies sie den Feuerball in die Glut gleiten, wo er die Asche und die verbrannte Erde noch ein Mal anzufachen schien. Sie rieb sich die verkohlten Hände und streckte dann langsam die Hand aus, damit ihr ganz spezieller Freund darauf Platz nehmen konnte. Wieder ein Brief von ihrem Herrn und Meister. Hastig rollte sie das kleine Pergament auf, und wusste gar nicht, wo sie zu lesen beginnen sollte, er hatte es auf beiden Seiten beschreiben.

‚Bruna, unruhig und unberechenbar, wie das Feuer eben ist. Du gibst dir selbst schon die richtigen Antworten, nichts Anderes habe ich erwartet. Ich verstehe, dass du dich verloren fühlst, mir selbst ist es nicht anders ergangen, als ich die Ausbildung zum Priester begann. Es war mein Lehrer, Ramfior kun Isanbara, der mir sagte: ‚Ich kann dir eine kleine Hilfe geben, aber die Macht in deiner Seele kannst nur du kontrollieren. Also geh in die Hügel und lerne warum die Dinge so sind, wie sie sind!‘ Auch ich dachte mir, was ich lernen soll, ohne einen Lehrer, dem ich meine Fragen stellen kann. Doch habe ich es getan. Ich habe in diesen Tagen ein Wenig mit meinen Fähigkeiten experimentiert und glaub mir, ich habe durchaus für Aufsehen gesorgt …wenn auch ungewollt…! Doch der Sinn dahinter, allein durch die Hügel zu streifen, war wie ich jetzt weiß, zum Einen, dass ich niemanden mit meinen Experimenten gefährde und zum Anderen, dass ich meine eigenen Antworten finde. Also kam ich nach ein paar Wochen zu meinem Lehrer zurück und erzählte ihm von meinen Erlebnissen. Dabei stellte ich fest, dass ich fast keine Fragen mehr hatte… und plötzlich verstand ich seine Worte, die bis dahin immer rätselhaft für mich waren. Also geh und mach was du für das richtige hältst… aber tu es allein. Beim nächsten Vollmond werde ich, so die Götter es wollen, in Hoimarshold sein. Dort werden wir uns wieder sehen. Und dann wirst du einiges verstehen… so hoffe ich.

Mein Name ist Modorok kun Ramfior, Kriegshetzer, Teutatespriester, Schlachtenrufer und Feuerseele …. aber nenn mich Modorok, wir sind aus einem Clan und seit Beltane vom selben Blut. Deinem Vater habe ich ein paar meiner schnellsten Falken zukommen lassen. Damit können wir in Kontakt bleiben! Vergiss bei allem nicht, es ist Teutates, der dich beobachtet… hadere nicht mit deinem Schicksal, nimm die Gabe an und verstehe sie als einen Teil von dir. Du bist eine Erwählte, und als solche gehört dein Leben Teutates selbst. Er hat dein Schicksal in der Hand, ob du willst oder nicht. Als ich das damals eingesehen habe, ging mir vieles leichter von der Hand. Von Feuerseele zu Feuertänzerin….sichere Wege.‘

 Im Lesen liefen ihr Tränen übers Gesicht, die langsam auf ihrem Gesicht verdampften. Sie brauchte eine Weile, bis sie sich wieder fing. Sie kritztelte ein paar hastige Worte auf dem Zettel:

 ‚Modorok Feuerseele,

ich hoffe, ich vergesse nicht die Zeit bis zum Vollmond, ist es doch recht einsam hier oben und doch merke ich, wie sich meine Seele zu beruhigen scheint. Mir kommt es vor, als wäre es erst gestern gewesen, als ihr euch schrieb. Und doch muss es einige Tage her sein, da ich bereits wieder in Hoimarshold war und mich dann zu Fuß aufgemacht habe in die Hügel zu ziehen… und ich saß bestimmt schon einen Tag hier, bis ich es schaffte einen Ball aus Feuer in meiner Hand zu formen und bis der Vogel mich eben aus meiner Konzentration riss, brauchte ich auch mindestens einen Tag, um mich von dem Feuerball lösen zu können. Von werfen kann da aber keine Rede sein. Wir werden es sehen, wenn wir uns wieder sehen.

Die Bruna

P.S. Es ist wahrscheinlich nicht der richtige Zeitpunkt, aber ich kann doch gar nicht tanzen.‘

Der Brief riecht nach Feuer und Rauch und ist an einigen Stellen verkohlt. Es scheint so, als wären verbrannte Fingerabdrücke auf dem Papier.

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker, der freundlichen Unterstützung von Modorok kun Ramfior, Kriegshetzer, Teutatespriester, Schlachtenrufer und Feuerseele und den Ereignissen nach Beltane (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

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