Drei und eine Axt – Teil 37

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 37

reiter_neuDie Hunde kamen aus dem Wald gelaufen, Halef und Alur folgten ihnen. Pferde irrten auf dem Hof umher. Unzählige Pfeile steckten irgendwo, vibrierten teilweise noch oder lagen herum. Ein totes Pferd lag neben seiner Jurte. Ein Weiteres plärrte vor Schmerz. Einige der Angreifer waren vom Pfeil getroffen vom Pferd gestützt und rappelten sich gerade wieder auf. Die Hunde sprangen sie an und als Halef an ihnen vorbeilief waren die restlichen Männer bereits tot.

Die Hunde machten sofort kehrt und liefen um die Jurten herum, sie hatten eine Fährte aufgenommen. Alur bemerkte den kleinen Thorn, der unter dem Tisch saß und schrie wie am Spieß, während Halef schnurstracks in die Jurte seiner Mutter lief. Von dort hatte er Schreie gehört.

Wena saß apathisch am Boden der Jurte, hatte Fina im Arm und begriff gar nichts mehr. Fina war bewusstlos und blutete stark am Kopf. Komischerweise war es Lona, die mit einer Hand ein Tuch auf die Wunde ihrer Schwester presste, während sie mit der anderen Hand versuchte ihr Kleid zusammen zu halten. Merle lag auf dem Bett seiner Mutter und schrie und wand sich unter Schmerzen. Ihre Mädchen knieten verängstigt auf dem Bett und wussten ihrer Mutter nicht zu helfen. Lamina stand mit gespannten Bogen mitten in der Jurte und zielte auf Kel, der sich unter ihr wand. Sie stand mit dem Fuß auf seiner Kehle und schrie ihn an. In seinem Bein steckten zwei Pfeile und einer steckte in seiner Schulter. Ihre Hände zitternden, ihre Tunika und ihr Unterkleid waren aufgerissen und er konnte blaue Flecken an ihrem Hals erkennen.

Beruhigende Laute stolperten ihm über die Lippen, als er von der Seite an sie heran trat und ihr vorsichtig den Pfeil vom Bogen nahm. Dann griff er ihre Hand und entspannte den Bogen. Er schob sie auf die Seite und meinte kühl: ‚Kümmere dich um Merle!‘

Im selben Moment packte er Kel und schleifte ihn am Hals aus der Jurte. Ziska kam ihm entgegen, die hinter ihm sofort in der Jurte verschwand.

Elger war der Erste, der bei den Jurten ankam und blieb für einen Moment bei Halef stehen, der Kel über den Hof prügelte.

‚Bring ihn nicht um, noch nicht!‘ rief Elger, aber als er seine Frau in der Jurte schreien hörte, lief er weiter.

Otar lief an ihnen vorbei direkt in die Jurte und kam wenig später mit seinen zwei jüngsten Töchtern heraus gelaufen, die völlig verstört zu sein schienen und drückte sie Alur in die Hand, der neben dem Tisch gekniet hatte und immer noch versuchte den jungen Thorn zu beruhigen.

Halef hörte Ainur, bevor er ihn sah. Er war völlig außer Atem und keuchte: ‚Es waren zwei Späher im Gebüsch. Wo ist deine Mutter?‘

Halef blickte auf und drehte sich Richtung Jurte. In dem Moment rappelte sich Kel auf, zog den Dolch aus seinem Rücken und versuchte sich auf Halef zu stürzen. Ainur war schneller, er brach ihm einfach die Hand mit einem einzigen Schlag.

‚Binde ihn, dass er sich nicht mehr bewegen kann, ich möchte ihm einige Fragen stellen, später!‘ rief Ainur und lief dann weiter. Vira kam gerade aus der Jurte des Sippenführers. Sie musste sich am Türpfosten abstützen und hielt ihren Bauch. Ainur sah nur das Blut auf ihrem Kleid und stürmte ihr entgegen.

‚Es ist alles gut, glaub ich. Es blutet nicht mehr. Meine Hand ist gebrochen… Ziska hat schon getan was sie kann…!‘ keuchte sie und lies sich von ihm auf ihren Stuhl befördern. ‚Schau erst nach den Anderen!‘

Alur setzte Lina auf die Lehne ihres Stuhles, weil nun auch Nala unter dem Tisch saß und mit Thorn zusammen um die Wette zu schreien schien. Wena kam aus der Jurte und hielt Fina in den Armen. Lona folgte ihr, stützte dann aber auf die Knie und brach nun weinend zusammen. Ainur hob sie auf und Wena drückte ihm auch Fina in den Arm, als sie Merle wieder schreien hörte. Otar war bereits hinter Ainur aufgetaucht und half ihm dabei, die beiden Mädchen in die Jurte zu bringen. Elger kam mit seinen beiden Töchtern aus der Jurte und schrie nach Thorn.

‚Er ist hier unter dem Tisch!‘ rief Alur aufgebracht.

Elger setzte seine Kinder einfach nur am Tisch ab und lief dann wieder in die Jurte, wo seine Frau immer noch schrie.

Drei und eine Axt – Teil 32

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 32

reiter_neuAm nächsten Morgen war das Lager des Khan bis auf eine Jurte abgebaut und sie waren weitergezogen. Und als Wena vor die Jurte trat, stand Merle und Elger mit ihren Kindern auf den Armen vor ihr. Merle war ziemlich blass um die Nase und sie schien geweint zu haben.

‚Der Khan hat es vorgezogen weiterzuziehen und es auf den Fluch der weißen Hure ankommen zu lassen. Ich widersprach ihm und da unten steht alles was ich noch besitze.‘

‚Was ist denn nur in ihn gefahren?‘ rief Wena aufgebracht.

‚Mutter ist dem Wahnsinn anheim gefallen und vergiftet alle mit ihren Lügen!‘

‚Dann kommt erst mal rein! Ich wecke Halef und unsere weiße Hure!‘

Wenig später saßen sie alle in der Jurte des Sippenführers und hielten Rat, während sie aßen und Tee tranken.

‚Macht es Sinn die Jurte rüberzuholen?‘ fragte Halef.

‚Wir sollten es gleich tun, bevor der Schnee zu hoch wird.‘ stammelte Otar und blickte Elger an, der ihm freundlich zunickte.

‚Haben wir genug Vorräte, um alle durch den Winter zu bringen?‘ fragte Vira nachdenklich.

‚Ähm… ich hab die letzten Tage damit verbracht, Vorräte in unserer Jurte zu verstecken.‘ beichtete Merle.

‚Ihr habt das schon kommen sehen?‘ fragte Wena.

‚Ich hab das schon kommen sehen!‘ rief Merle. ‚Als Elger und der Khan fort war, wurde mir verboten zu euch zu gehen und da hab ich angefangen Vorsorge zu treffen.‘

‚Eine schlaue Frau hast du da!‘ grinste Wena und schloss Merle in die Arme.

‚Mein Anteil an der Rinderherde habe ich heute Nacht schon über den Fluss getrieben und sie im Wald gelassen! Dein Hund war so nett mir dabei zu helfen.‘ berichtete Elger.

‚Und ich hab mich schon gewundert, wo dieser Köter sich schon wieder herumtreibt.‘ lachte Halef erstickt.

‚Na dann mal los, wir haben noch viel zu tun.‘ rief Vira und stand auf.

‚Wenn mir jemand aufs Pferd helfen könnte, kann ich nach der Herde sehen!‘ meinte Halef. Er stemmte sich hoch und humpelte durch die Jurte.

‚Alur wird dir helfen. Die Kinder sollen sich anziehen und den Schnee wegräumen.‘ meinte Otar und eilte aus der Jurte.

Elger folgte ihm und meinte: ‚Ich hab ein paar Hühner, 12 Pferde. Eine Herde Schafe und Ziegen habe ich auf der Steppe gelassen. Zum Glück hatte ich genug Seil.‘

Ziska nahm Merle auf die Seite und zischte ihr zu: ‚Wie lang weißt du schon, dass du schwanger bist?‘

‚Bitte was?‘ riefen Vira und Wena.

Merle kam ins Straucheln und Lamina konnte sie gerade noch festhalten, damit sie nicht hinfiel.

‚Ups, du wusstest es gar nicht? Herzlichen Glückwunsch.‘ rief Ziska überrascht.

‚Woher weißt du es?‘ stammelte Merle, während sie sich an Lamina klammerte.

‚Übertriebener Nesttriebbau!‘ rief Wena und grinste über beide Ohren. ‚Na dann lasst uns mal ein Nest für euch bauen.‘

‚Ja und du steigst mir auf kein Pferd mehr…!‘ meinte Vira ernst.

Dann gingen die Frauen nach draußen und machten sich ans Werk.

Am Ende des Tages waren alle völlig geschafft und saßen ums Feuer in der Jurte des Sippenführers.

‚Wir sind schon so ein Haufen!‘ rief Kejnen. Er hatte zu viel vom Likör erwischt, den Ziska zur Feier des Tages aufgemacht hatte. ‚Ein Krüppel und eine H…!‘ Er räusperte sich und meinte dann: ‚H… Hexe!‘

‚Ich dachte ich bin der Krüppel!‘ meinte Halef und lachte bitter.

‚Nein, mein Sohn. Wenn sie die Hexe ist, dann bin ich wohl die Hure.‘ meinte Vira ernst. Auch sie hatte etwas zu viel getrunken.

‚Nein, nein. War ich nicht die Hure?‘ meinte Lamina und grinste über beide Ohren.

‚Wenn hier einer das Wort ‚Hure‘ im Titel trägt, dann bin ich das, Halef Hurensohn!‘

‚Da blickt doch keiner mehr durch!‘ meinte Otar. ‚Ich bin der Schwachkopf, soviel ist mal klar.‘

‚Ja, aber mein Schwachkopf.‘ rief Wena. ‚Und ich bin die Glucke!‘

‚Und ich bin wohl die diebische Elster!‘ rief Merle und gab die Likörflasche an ihren Mann weiter, ohne zu trinken. ‚Und schwanger!‘

Elger lies fast die Flasche fallen. Er stotterte vor sich hin und brachte doch kein Wort heraus. Dann versuchte er seine Frau in die Arme zu schließen und selbst das schaffte er nicht. So rutschte Merle näher zu ihm hin und nahm ihn liebevoll in den Arm und küsste sein Stirn.

‚Gut, mein Bruder ist der Schwachkopf!‘ meinte Wena und lachte laut.

Drei und eine Axt – Teil 31

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 31

reiter_neuDie ersten Schneeflocken tanzten vom Himmel und der Khan und Elger kamen wieder. Seine Laune war nicht viel besser, als die Stimmung in seinem Lager. Aber das Leben ging wieder seinen gewohnten Gang, irgendwie. Der Khan war still und alle kuschten vor ihm. Keiner wagte es ihm in die Quere zu kommen. Auch Elger erzählte nichts von dem, was sie in den letzten Tagen erlebt hatten. Und Merle schien ständig von den anderen Frauen beschäftigt zu werden, so dass sie nicht mal den Blick über den Fluss werfen konnte. Wena litt darunter, dass ihre eigene Familie kein Wort mehr mit ihr wechseln wollte. Und vor allem wusste sie nicht wieso?

Mittlerweile hatte der Winter das Land in seiner Gewalt und Ziska entschloss sich dem Schweigen ein Ende zu bereiten. Sie kleidete sich in ihr Festtagsgewand und schritt barfuß über den zugefrorenen Fluss hinüber zum Lager des Khan.

Keiner wagte es, sich ihr in den Weg zu stellen und so ließ man sie in die Jurte des Khan.

‚Auch wenn du einen Sohn schon vor Jahren verloren hast, rechtfertigt es nicht, dass du deine Tochter mit Missachtung strafst. Sie trifft keine Schuld, nur weil sie ihr Leben auf der anderen des Flusses führt.‘

‚Wir haben viel zu tun, der Winter hat uns überrascht!‘ erwiderte der Khan.

‚Wie kann etwas überraschen, was doch jedes Jahr zur selben Zeit daher kommt.‘

‚Du beschämst deinen Khan!‘ rief der Khan ungehalten.

‚Der Khan beschämt sich selbst. Wenn der Khan uns überdrüssig ist, warum seid ihr dann noch hier auf dem Land des Sippenführers.‘ spie sie ihm förmlich entgegen.

Der Khan war das erste Mal in seinem Leben wirklich sprachlos.

Sie riss sich den Kopfschmuck vom Kopf und warf ihn dem Khan vor die Füße. ‚Wenn das so ist, braucht der Khan auch keine Hexe, die für ihn zu den Ahnen betet.‘

Dann spie sie den Wachen des Khan vor die Füße und verließ die Jurte mit einem grimmigen Ausdruck auf dem Gesicht. Und als sie draußen war, fing sie an zu fluchen. ‚Ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt, wenn eure Kinder krank werden und euer Samen verdorrt und eure Frauen unfruchtbar werden, dann kommt bloß nicht zu mir. Weil ich bin ja nur die weiße Hure. Ich gehe jetzt wieder zu dem Bastard, den euer Khan zum Sippenführer gemacht hat und auf dessen Land ihr euer Lager aufgebaut habt.‘

Ihre Worte hallten noch über die Ebene, als sie schon längst wieder über die Eisfläche des Flusses schlitterte.

Als sie die Jurte des Sippenführers betrat, blickten sie alle fragend an.

‚Sag mal, meinst du, dass es so schlau war…!‘ fing Vira an.

‚Ihr habt doch wieder Mäuschen gespielt…Wir kommen auch ohne dem Khan aus.‘ zischte Ziska. Sie war immer noch ziemlich wütend und strafte Kejnen mit ihrem Blick, der hastig sein Fernglas wegpackte. Dann tapste sie zum Feuer, setzte sich hin und wärmte ihre Füße.

‚Nein, die weiße Hure hat schon recht. Sie lagern auf unserem Land. Ein bisschen Höflichkeit kann man schon erwarten.‘ grinste Halef grimmig.

‚Was nutzt eine Familie, die kein Wort mehr mit uns wechselt. Wenn sie morgen weg sind, dann ist es nicht unsere Schuld.‘ flüsterte Wena traurig.

Drei und eine Axt – Teil 30

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 30

reiter_neuAinur war nun schon ein paar Tage fort und Viras Laune war so wie der Winter, der nun schon bald kommen sollte. Die Nächte waren kalt und frostig. Der Khan und Elger war immer noch nicht wieder zurück gekehrt und die Stimmung seiner Frauen war genauso eisig, wie das Wetter. Nichtmal die Söhne des Khans kamen auf ein Schwätzchen vorbei. Ziska wartete inständig darauf, dass der Khan wieder zurückkehrte, weil sie konnten ja wohl nichts für die Gesamtsituation. Also war Ziskas Laune auch dementsprechend schlecht. Kejnen versuchte mit Otar zusammen die ganze Arbeit zu machen und sie konnten dem fehlenden Ainur bei Weitem nicht gerecht werden. Halef ging es einen Tag gut und einen Tag schlecht. Heute war ein schlechter Tag, er hatte wieder Fieber.
Lamina machte ihm kalte Wickel. Sie hatte den ganzen Tag beim Holzmachen geholfen und war dementsprechend fertig. Sie schlief nur in einer leichten Tunika bekleidet am Bett sitzend ein.
Er wurde wach, weil sie zitterte. Doch er konnte sie nicht aufwärmen. Da er sich nicht anders zu helfen wusste, stand er auf, humpelte unter Schmerzen zur Feuerstelle und legte genug Holz nach, dann stolperte er zum Bett zurück und kroch wieder zu ihr. Liebevoll deckte er sie beide zu und rieb über ihren Rücken. Sie hustete im Schlaf. Er war der Meinung, dass sie Fieber hatte.

Mitten in der Nacht kam seine Mutter herein, um nach ihm zu sehen. Sie machte Tee, flößte ihn ihnen Beiden ein und schürte das Feuer hoch genug, dass sie es bis zum Morgen warm hatten.

Am nächsten Morgen ging es ihm soweit gut, dass er sich zumindest um Lamina kümmern konnte. Als sie irgendwann endlich wieder wach wurde, sah sie wie Halef ein paar Scheite ins Feuer warf. Er bemerkte, dass sie sich regte und humpelte zum Bett zurück.
‚He, meine Schöne!‘ flüsterte er ihr zu und half ihr hoch, dann versuchte er ihr Suppe einzuflößen. ‚Du hast dich erkältet!‘
Sie hustete erstickt. Er half ihr sich wieder hinzulegen und sie schlief gleich wieder ein.
‚Jetzt kann ich mich ein Bisschen um dich kümmern, meine Schöne!‘ Als er ihr mit einem feuchten Lappen über die Stirn stricht, schien sie zu lächeln.

Das Klagelied des Fuchses – Über den seltsamen Tod des jungen Faran

Das Klagelied des Fuchses – Über den seltsamen Tod des jungen Faran

arcticfoxBrian, Sarolfs Sohn. Ich bin Reiter im Dienste meines Guiskard Ragin Grünfang. Und ich berichte von den Vorfällen die sich kurz vor Beltane zugetragen haben. Die Delegation der ehrenwerten Clanführer der Widukin machten sich auf, um auf dem schnellsten Weg nach Raurikor zu gelangen. Ich war als einer von Fünfen ausgewählt worden Ragin Grünfang nach Raurikor zum Rat der Clans zu begleiten. Die Begleiter von Aska Grimmzahn und von Wulfhard Nebelwolf ritten voran.
Noch auf dem Gebiet der Widukin stolperte vor uns etwas oder jemand auf den kleinen gewundenen Pfad und brach auf die Knie. Die Pferde scheuten und wir konnten die Pferde gerade noch beruhigen. Ein ersticktes Keuchen, dass sich wie ‚Hilfe, Bitte!‘ anhörte, drang an unsere Ohren. Der Jemand kroch rücklings auf die Gesandtschaft zu und schien uns nicht zu bemerken. Die Pferde waren immer noch unruhig und einige unserer Begleiter, ließen sich geschmeidig von ihren Gäulen gleiten und schlichen auf den Fremden zu. Der Fremde fuchtelte mit einem Messer in der einen Hand und hält eine kleines Beil in der anderen Hand gegen etwas, was in der Dunkelheit nicht auszumachen war.
Einer der Männer pfiff den Ruf des Waldkauzes und der Fremde blickte auf und lies sofort die Waffen sinken.
‚Mae govannen!‘ Der Gruß der Wildelben floss wie glitzernde Seide aus seinen Mund und man konnte ihm ansehen, wie sanftmütig dieser Junge zu sein schien. Es war tatsächlich nur ein Junge. Kaum 14 Winter auf dem Buckel. Doch stand Angst und blankes Entsetzen in seinem Gesicht und seine langen Haare waren weiß und leuchteten in der Nacht wie der Vollmond.
Doch dann wurde sein Körper nach hinten gerissen und eine Schar zu groß geratene Jagdspinnen übermannten seinen Körper und krabbelten blitzschnell über ihn hinweg und griffen die Männer an, die dem Jungen am Nächsten waren. Die Spinnen waren annähernd so groß wie Füchse und das war ganz und gar nicht normal, obwohl uns die Spinnenart an sich nicht fremd war, war ihre Größe nicht nur äußerst befremdlich, sondern auch Angst einflößend.
Plötzlich ging alles recht schnell. Alle sprangen von den Pferden und einer der unseren packte alle Pferde gleichzeitig am Zügel und brachte sie außer Reichweite. Man konnte seine besänftigten Worte in der Ferne hören. Meine Nackenhaare stellten sich auf, dass tat es jedes Mal, wenn jemand hinter meinem Rücken ein Stück Magie wirkte, auch wenn es diesmal nur das Schutzgebet unseres Pferdejungen war. Wulfhard Nebelwolf bemerkte, bevor er sich ins Kampfgeschehen einmischte, dass sein Gaul noch nie gescheut hätte.
Ich kämpfte mich durch die Reihen und zog den Körper des Jungen aus dem Kampfgeschehen. Ich erkannte ihn gleich und schleppte ihn weiter vor die Füße von Ragin Grünfang und rief: ‚Es ist Einer von den Unseren, Herr!‘
Hastig versuchte ich den Jungen aufzurichten und flößte ihm einen meiner Tränke ein.
‚Junge, nenn mir deinen Namen und erzähl was dir widerfahren ist?‘ rief Ragin Grünfang.
Der Junge stammelte so leise, dass sich Ragin Grünfang auf die Knie warf, um verstehen zu können, was der Junge zu sagen hatte. ‚Faran…mein Name… Sohn von Thôn… Hoher Herr… Ich zog aus… um mein Krafttier…‘ Der Junge brach ab, schluckte schwer, das Atmen fiel ihm nicht leicht. Beherzt riss ich seinen Lederwams auf, auf dem noch vereinzelt Spinnweben klebten und flößte dem Jungen weiter von dem Trank ein. Der Junge fing wieder zu stammeln und krächzen an: ‚Finden und mich fand… Das Grauen…Ich stürzte… tief… ins Dunkle… eine Höhle… und… Spinnen überall Spinnen… sie zerrten an mir…bissen mich und schleppten mich… tiefer ins Dunkle… Es war so kalt. Doch ich konnte fliehen!‘ Seine Stimme brach wieder, Tränen quollen ihm aus den Augen. Er schien große Schmerzen zu haben, obwohl er keine großen Wunden zu haben schien. ‚Herr, sagt meiner Mutter bitte… ich hab ihn gefunden… Stammbaum…!‘ Er brach ab und hielt Ragin die Hand hin und ich konnte verschwommen Schriftzeichen der Elben erkennen, die der Junge sich in die Hand geritzt hatte. ‚Nicht vergessen…!‘ waren seine letzten Worte. Danach starrten seine leeren Augen nur noch an seinem Guiskard vorbei in die Dunkelheit. Von weit entfernt konnte man einen Fuchs hören und keiner von den Männern und Frauen, hatte einen Fuchs je zuvor so jammervoll jaulen hören, wie in dem Moment, als dem Junge Faran mit einem tiefen Seufzer seine Hand auf seine Brust sank und einen blutigen Fleck auf seiner Tunika hinterließ.
Ragin Grünfang schluckte schwer und schloss dem Jungen die Augen, dann stand er in einer langsamen Bewegung auf und blickte in die Runde. ‚Kannte jemand den Jungen?‘
‚Herr, ich kenne seinen Vater, Thôn und dessen Frau Alveradis!‘ rief ich, als ich auch aufgestanden war.
‚Du bringst den Jungen heim zu den Seinen. Sprich ihnen meine Trauer aus. Einer der Nebelwölfe und Einer von Grimmzahn sollten ebenfalls reiten, schnell reiten. Bringt die Kunde zu jeder Sippe. Es soll Ausschau gehalten werden nach Spinnen, großen Spinnen. Es ist Gift im Spiel, die Heiler sollen Vorsorge treffen.‘
Wulfhard Nebelwolf kam aus einem Gebüsch gestolpert und hielt eine tote Spinne in einer Hand hoch. ‚Und die nehmen wir mit zum Rat!‘

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Ich zog einen Zettel aus meiner Tasche und machte einen Abdruck von den Schriftzeichen, die sich der Junge in die Hand geritzt hatte, um sie nicht zu vergessen. Es war ein A, dass für seine Mutter Alveradis stand und ein Th, dass für seinen Vater Thôn stand und darunter das F, dass für den Jungen Faran stand. Und mit seinem Tod war der Stammbaum seiner Ahnen versiegt. Soweit er wusste, was Faran das einzige Kind gewesen, dass der Liebe seiner ElbischFEltern entsprungen war.

Die Männer zogen bald weiter und eilten gen Raurikor, während die Boten Richtung Grimmzahn und Nebelwölfe aufbrachen, lud ich den Körper des Jungen auf mein Pferd und ritt so schnell ich konnte zu der Heimstatt seiner Eltern.

Ich hoffe bald die Zeit zu finden mehr zu Schreiben. Der Krieg zieht auf und ich befürchte, dass mir nicht mehr viel Zeit bleiben wird, um all die merkwürdigen Dinge niederzuschreiben, die ich in den letzten Tagen heraus fand.

Brian, Sarolfs Sohn
Reiter im Dienste des ehrenwerten Guiskard Ragin Grünfang

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen vor Beltane. (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Drei und eine Axt – Teil 29

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 29

reiter_neuAinur ritt im Morgengrauen fort und lies Vira in der Jurtentür stehend zurück. Er trieb die Pferde über den Fluss und blickte nicht zurück. Sein Herz war ihm so schwer und er befürchtete nicht gehen zu wollen, wenn er sie sah, wie sie in der Tür stand. Vira liefen ununterbrochen die Tränen übers Gesicht und sie klammerte sich selbst an ihrem Klappenmantel. Als er außer Sichtweite war, fasste sie sich ein Herz, lief zum Gatter hinüber und nahm sich Wenas Pferd. Sie ritt ihm hinterher, so schnell sie konnte. Weit entfernt vom Lager des Khans konnte sie ihn einholen.

‚Ainur warte!‘ rief sie aufgeregt.

‚Vira, mach es mir doch nicht so schwer.‘ meinte er, als er sich endlich umdrehte.

‚Du kannst noch nicht gehen.‘

‚Wieso?‘

‚Die Trauerzeit!‘

‚Wäre das mit Halef nicht passiert, wäre ich bis zum Ende der Trauerzeit wieder da gewesen!‘

‚Bitte geh nicht bevor…!‘ rief sie, schwang sich vom Pferd und ging die letzten paar Schritte zu Fuß. Sie klammerte sich an seinen Arm und versuchte ihn vom Pferd zu ziehen. Dabei ging ihr Klappenmantel auf und er hatte einen angenehmen Blick auf ihren üppigen Brüste.

‚Sag mal, hast du nichts drunter?‘ fragte er verdutzt und lies sich langsam vom Pferd gleiten. Sie fiel ihm in die Arme und küsste ihn stürmisch.

‚Bitte Vira, beginne nichts, was wir nicht beenden dürfen.‘

‚Die Trauerzeit ist vorbei!‘

‚Sagt wer?‘ fragte Ainur verdutzt.

‚Sag ich!‘

‚Aber ich kann dich doch nicht mitten in der Steppe nehmen.‘

‚Im Dreck, wenn es sein muss.‘ meinte sie ernst.

Er grinste nur und das war ihr Antwort genug.

Während die Pferde zu grasen begannen, ließen sich die Beiden in den Staub sinken und küssten sich wild und unnachgiebig. Sie schälte ihn aus seinen Klamotten, während er ihr genüsslich den Klappenmantel auszog. Mit einer geschickten Handbewegung öffnete sie seine Hosen und hatte im nächsten Moment schon seinen geschwollenen Schaft in Händen. Er küsste sie weiter und drängte sie auf den Rücken. Sie kam auf ihrem Klappenmantel zu liegen, während er ihre Brustwarzen mit den Lippen umschloss, um genüsslich dran zu knabbern und zu saugen.

Dann blickte er auf und flüsterte ihr zu: ‚Bist du dir sicher, dass es willst?‘

‚Du sollst wissen, warum du zurück kommst.‘ meinte sich schnippisch und griff zwischen ihren Beinen hindurch und packte seinen Schwanz. Sie drängte ihn in ihre Richtung und führte seine Schwanzspitze an ihr Allerheiligstes.

‚Wenn du so herrisch bist, wird es wahrscheinlich ein eher kurzes Vergnügen.‘ meinte er, während er ihre Hand von seinem Schwanz löste und die Sache dann selber in die Hand nahm. Langsam schob er seine Schwanzspitze in ihre Pforte, zog sie wieder heraus und lies sich verdammt viel Zeit. Das machte sie halb wahnsinnig. Sie war so feucht, dass es ihr schon heraus floss, bevor er einen weiteren Versuch anstrebte. Ihr ganzer Körper schrie: ‚Bitte!‘

Und mit einem breiten Grinsen im Gesicht, gab er der Bitte nach und schob ihr seinen steif geschwollenen Speer langsam in den Leib. Ihr Körper begann bereits zum Zucken, dabei hatte er noch nicht mal richtig angefangen. Langsam begann er in ihr zu arbeiten und treib sie dabei von einem Höhepunkt zum Nächsten. Sie schrie und stöhnte, bis ihr nur noch ein Krächzen und Wimmern aus der Kehle kam. Ihr ganzer Körper zitterte unter ihm und sie war völlig außer Stande, sich seinen harten Stößen entgegenzustemmen. Also hielt er ihren Körper fest und hämmerte weiter seinen zum Bersten gespannten Schwanz in sie ein.

‚Damit du nicht vergisst, auf wen du wartest!‘ schrie er, kurz bevor er seinen Samen in ihr entlud. Er bewegte sich weiter, gönnte ihr keinen Moment der Ruhe.

Erst als die Sonne schon längst über den Hügel gekrochen war, lies er von ihr ab. Ihr Körper bebte immer noch, als er sich erhob.

‚Ich muss…!‘ fing er an, bis seine Stimme brach. Rasch zog er sich wieder an und pfiff nach den Pferden. Sie rappelte sich ungeschickt auf und streifte den Klappenmantel über ihren nackten Körper.

‚Komm wieder, schöner Mann!‘ schluchzte sie noch, dann stieg sie auf ihr Pferd und ritt wieder zurück, ohne sich auch nur einmal nach ihm umzudrehen. Der verdutzten Ainur blieb allein in der Steppe zurück und blickte ihr noch einen Moment hinterher. Dann ritt auch er davon.

Drei und eine Axt – Teil 28

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 28

reiter_neu‚Ich bin als Sippenführer zu nicht zu gebrauchen.‘ meinte Halef, während Lamina ihn wusch.

‚Ach red doch keinen Unsinn!‘ rief Lamina.

‚Wie lange lieg ich schon im Bett und kann nicht helfen? Der Winter wird kommen!‘

‚Mach dir keine Gedanken, Ainur arbeitet für drei.‘

‚Ich müsste für drei arbeiten!‘

Ainur kam herein und rief: ‚Dazu hast du bald Gelegenheit.‘

Er kam ans Bett und blickte Lamina an.

‚Er hat schlechte Laune.‘ meinte sie, deckte ihn liebevoll zu und stand auf.

‚Ich werd deine Laune nicht verbessern können, ich muss gehen. Der Winter naht unablässig.‘ meinte Ainur ernst.

‚Ich weiß, Mutter hat es mir gesagt, oben bei den Ahnen schon!‘ meinte Halef und blickte Lamina hinterher, die gerade aus der Jurte schlich.

‚Mein Sippenführer, ich reite schnell und komme wieder und im Frühjahr bauen wir eine Brücke.‘

‚Bevor du gehst, müsstest du mich noch zum Donnerbalken bringen!‘

‚Sofort?‘

‚Nachher.‘

Einen Tag bleibe ich noch!‘

‚Ich möchte, dass du ein zweites Pferd mitnimmst.‘

‚Mein Dank ist Dein!‘

‚Und ich möchte dass du Róka mitnimmst. Damit du den Weg nach Hause findest.‘

‚Ich bringe dir deinen Hund heil zurück.

‚Und ich werde auf meine Mutter acht geben!‘

Vira stand in der Tür und zog eine Augenbraue hoch. Halef blickte auf.

‚Nimm mein Pferd!‘ meinte sie kurz, drehte sich um und ging. Ainur stürzte ihr hinterher.

Später kam Ainur mit Ziska zu ihm und sie flößten ihm etwas Grausames ein und dann brachte Ainur ihn zum Abort. Es war ihm sehr peinlich, dass er mit quasi runtergelassenen Hosen von seiner Tante auf den Abort gesetzt wurde. Sie drückte ihm einen Becher in die Hand und grinste: ‚Wenn du noch einen Becher trinkst, dann lassen wir dich einen Moment in Ruhe!‘

Er erwachte und sah Lamina an der Bettkante sitzen. Er konnte sich nicht erinnern, wie er hier her gekommen war, das Letzte an was er sich erinnern konnte war, dass Ainur ihn zum Donnerbalken gebracht hatte und an das widerliche Zeug, was er trinken musste. Sein Kopf sauste, aber ansonsten fühlte er sich eigentlich gut. Er regte sich und blickte auf Lamina. Das Licht, das vom Feuer herrührte schimmerte auf ihren Fingern. Sie versuchte ihren Rücken einzuschmieren, was ihr nur bedingt gelang. Er konnte nicht anders, als sie dabei zu beobachten. Sie hatte quasi nichts an, soweit er das erkennen konnte. Er bewegte sich in ihre Richtung und wollte ihr zur Hand gehen, doch sie bemerkte seine Bewegung, drehte sich halb um und blickte über ihre Schulter. Ihr Haare verdeckten ihre Brüste, sie hatte sich ihre Zöpfe über die Schulter gelegt und sie bedeckten gerade so viel, dass es ihn leicht erregte. Schwindel überkam ihn.

‚Lass mich dir helfen!‘ flüsterte er benommen. Sie zog die Beine aufs Bett und rutschte in seine Richtung. Er umarmte sie und nahm ihre Hände vor ihrem Körper in die Seinen, um das Öl von ihren Fingern aufzunehmen. Sie goss ihm etwas von dem Öl in die Hand. Er rieb über ihre Schultern und dann über den Rücken bis zum Ansatz ihres Hinterns. Als er damit fertig war, lehnte sie sich nach hinten und griff nach seiner Hand. Sie rieb ihm seine Handgelenke mit dem Öl ein. Und er die ihren, dabei wickelte er geschickt ihren Verband von der Hand, um sie zu küssen. Ein Schauer lief ihr über den Rücken. Er nahm sie in den Arm und sie legte sich zu ihm. Er versuchte sie zuzudecken. Mit seinen und ihren Armen verdeckte er ihre Brüste.

Es war so ein unschuldiger Augenblick, wie sie bei ihm lag, der ihn doch so erregte, dass ihm fast die Sinne schwanden. Besser wäre es wahrscheinlich, er würde wirklich ohnmächtig, sonst käme er noch auf dumme Gedanken.

Sie blickten beide ins Feuer und er hielt sie einfach weiter fest. Ihr ganzer Körper zitterte. Und er hielt sie so lange, bis sich ihr Körper beruhigte. Irgendwann stand sie doch auf und zog sich eine leichte Tunika an. Dann legte sie genug Holz nach, damit sie wieder unter seine Decke kriechen konnte. Sie küsste ihn, bevor sie sich wieder zu ihm legte.

Published in: on 9. April 2013 at 20:58  Kommentar verfassen  
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Drei und eine Axt – Teil 27

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 27

reiter_neu‚Wir können einfach keine Blutegel mehr finden!‘ meinte Ainur leise. ‚Der Herbst ist bald zu Ende!‘

‚Dann muss es so gehen!‘ krächzte Lamina. Sie versuchte ein Schluchzen zu unterdrücken.

‚Das wird schon alles wieder. Das Bein von dem alten Krüppel da draußen hat viel länger geeitert und viel schlimmer ausgesehen und wir mussten es auch nicht abschneiden.‘ Ainur versuchte sie aufzumuntern, was ihm aber nur bedingt gelang.

Ein Geräusch, dass vom Bett herrührte, lies sie aufblicken. ‚Nyúl… Róka!‘

Die Tür ging sprang auf und beiden Hunde stolperten herein. Sie hatten ihren Herren gehört und konnten es kaum erwarten ans Bett zu gelangen. Halef wand den Kopf und hielt seine Hand aus dem Bett und wieder kamen Geräusche aus seinem Mund. Lamina lief den Hunden hinterher und zischte: ‚Nicht so stürmisch, ihr Beiden! Sitz!‘

Die Hunde folgten aufs Wort und setzten sich brav neben das Bett, aber noch so nah, dass ihr Herr sie streicheln konnte.

‚Ainur. Wenn du Blutegeln finden willst. Geh in Richtung meiner Höhle. Dort ist am Fuße des Berges ein Sumpf und ein paar Tümpel. Róka bringt dich hin.‘ krächzte Halef leise.

Róka sprang auf und wedelte mit dem Schwanz.

‚Was würden wir nur ohne unseren Sippenführer machen.‘ rief Ainur, kniete sich hastig vors Bett und küsste Halef. Dann sprang er auf und lief aus der Jurte. Als er schon draußen war, rief er noch: ‚Róka los, schnell!‘

‚Aber geht nicht in meine Höhle, das ist Meine!‘ meinte Halef, doch sein Hund war schon aus der Jurte gelaufen.

‚Du hast eine Höhle?‘ fragte Lamina erstaunt, während sie ihm half sich etwas aufzurichten.

Halef nickte und versuchte zu lächeln.

Wena kam kopfschüttelnd in die Jurte, sie brachte Suppe und Brot. ‚Was war das jetzt? Erst machen die Köter die Tür auf und dann läuft Ainur, wie eine angestochene Sau, zum Gatter und klaut mein Pferd.‘

‚Er kommt wieder, mit Blutegeln! Hoffe ich!‘ meinte Lamina.

‚Und er hat mich geküsst!‘ stammelte Halef. Nyúl war aufs Bett gekrabbelt und kuschelte sich an den Körper seines Herren.

‚Du warst die letzten zwei Nächte wieder im Fieber und völlig weggetreten. Und dein Bein macht uns große Sorgen.‘ meinte Lamina und setzte sich zu ihm ans Bett und küsste ihn auf die Stirn. ‚Und jetzt musst du erst mal was essen und dann…!‘

‚Und dann schau ich mir dein Bein an!‘ rief Ziska von der Tür her.

Als sie nach dem Essen seinen Verband wechselten, wurde er während der Waschung ohnmächtig und wurde erst wieder wach, weil er ein komisches Gefühl an seinem Bein fühlte. Ziska saß an der Bettkante und wedelte mit rauchenden Käutern über seinem Bein rum.

‚Sch..sch…sch. Du musst dein Bein ruhig halten. Sonst fallen die Maden runter.‘ meinte Ziska leise, legte den rauchenden Zweig in eine kleine Feuerschale und strich ihm mit der anderen Hand über den Kopf. ‚Sie fressen das brandige Fleisch weg.‘

‚Wo ist Lamina?‘ fragte er leise.

‚Sie hat den Hund rausgebracht. Nyúl ist ganz heiß auf dein Bein.‘

‚Der Köter wollt mich doch nicht fressen?‘

‚Nein, aber dieser Mistköter wollte Lamina fressen.‘

‚Bitte was?‘ schrie er heiser.

‚Sie hat nur einen Kratzer abbekommen!‘

‚Nyúl!‘ schrie er, bis sein Schrei von einem trockenen Husten gestoppt wurde. Ziska half ihm eine Wenig hoch und drückte ihm einen Becher Tee in die Hand.

Die Tür ging auf und der Hund tapste herein und er tat so als wäre nichts geschehen.

‚Was fällt dir ein, mein Bein oder meine Frau fressen zu wollen. Böser Hund.‘

Der Hund japste unschuldig.

‚Raus hier. Komm mir nicht mehr unter die Augen.‘

‚Halef, es ist doch nur ein Kratzer!‘ rief Lamina. Sie stand in der Jurtentür und hielt sich eine Hand. Ein blutiger Verband war darum gewickelt.

‚Los raus hier, Nyúl!‘

Der Hund ging rückwärts aus der Jurte und verzog sich geknickt.

Lamina schloss die Tür und ging langsam aufs Bett zu. Ihr liefen Tränen übers Gesicht und sie rang heftig mit ihrer Fassung.

‚Der dumme Köter kommt wieder, keine Sorge.‘ meinte Halef und griff nach ihrer Hand. ‚Hat er dir arg weh getan?‘

‚Es ist nichts, ich hab mich nur erschrocken!‘

Er wickelte den Verband ab und blickte auf die Wunde. ‚Nichts, sieht aber anders aus!‘

Die Tür ging wieder auf und Ainur kam herein gestolpert, gefolgt von Róka.

‚Róka, geh zu Nyúl, er war ein böser Hund.‘ rief Halef und der Hund machte kehrt und lief nach draußen, noch ehe Ainur die Tür schließen konnte.

‚Es hatte jemand Blutegel bestellt?‘ meinte Ainur und übergab Ziska einen verschlossenen Krug.

Published in: on 18. März 2013 at 22:58  Comments (1)  
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Das Klagelied des Fuchses – Unter den Ästen des Zwillingsbaumes

Das Klagelied des Fuchses – Über den seltsamen Tod des jungen Faran

Eine Sammlung einiger Briefe und Schriften, zusammengetragen von Brian, Sarolfs Sohn, Reiter im Dienste des ehrenwerten Guiskard Ragin Grünfang

vogelbeereAbschrift aus dem Tagebuch des jungen Faran:

Unter den Ästen des Zwillingsbaumes

‚Eigentlich ist Fern viel zu jung!‘ sagte meine Mutter. Aber mein Vater Thôn vom Clan der Grünfänge meinte darauf: ‚Alveradis, meine Schöne, als ich so jung war wie er, war ich einen ganzen Winter lang im Wald unterwegs und im Frühling hatte mich nicht nur mein Krafttier gefunden, sondern auch der Bär.‘

Mutter lächelte milde und strich über das von Narben gezeichnete Gesicht meines Vaters. ‚Und wenn du den Bären damals nicht im Kampf getötet hättest, wärst du bei den Ahnen zwar schön anzuschauen, aber dann hätten wir uns auch nie kennengelernt.‘

Mein Vater verzog sein Gesicht zu einem Grinsen und jeder der ihn nicht kannte, hätte jetzt schon die Flucht ergriffen, weil für einen Außenstehenden sah seine Fratze wirklich furchterregend aus.

Mutter machte was sie immer tat, sie zog ihm die Narben glatt und küsste ihn sanft. Für einen Moment hatte man das Gefühl, dass er eigentlich ein schöner Mann hätte sein müssen, wenn die Narben nicht wären.

‚Alveradis, du bist meine Sonne im dichtesten Nebel, lass deinen Sohn ziehen und zum Beltanefest wird er als Mann wieder kommen.‘ rief mein Vater, wartete ein Nicken ihrerseits ab und klopfte mir auf die Schulter: ‚Hast du dein Messer, deinen Bogen und dein Beil?‘

‚Ja Vater!‘ rief ich pflichtbewusst.

‚Hast du genug Pfeile?‘

‚Und wenn sie mir ausgehen, mache ich mir Neue!‘

‚Deinen Feuerstein hast du auch?‘

Mein Nicken ging unter, weil meine Mutter mir einen Beutel in die Hand drückte und ich konnte das gute Essen durch das speckige Leder riechen.

‚Belenus möge dir immer den richtigen Weg leuchten!‘ flüsterte sie und wischte sich eine Träne aus dem Gesicht. Sie schluckte schwer, drückte mich nochmal und wand sich dann hastig ab. Warum macht sie es mir immer so schwer?

‚Faran, es wird Zeit!‘ hatte mein Vater noch gesagt und dann lies er mich ziehen.

So war ich nach dem Imbolcfest losgezogen und ich würde erst wieder zurück kehren, wenn der Gehörnte zum Fest sein Horn erschallen lässt. Dann sollte ich bestenfalls ein Mann geworden sein, mein Krafttier gefunden haben und um der Ehre meiner Familie gerecht zu werden, ein mächtiges Waldtier im Kampf erlegt haben. Und wie ich das alles bewerkstelligen soll, hat mir niemand erzählt.

Im Moment fühlte ich mich eher dem winterschläfrigen Eichhörnchen zugehörig. Wie gerne würde ich am warmen Feuer liegen und mir die Felle über den Kopf ziehen. Statt dessen stapfte ich noch vor Morgengrauen durch den tiefen Schnee und grübelte vor mich hin. Ich musste schon längst im Gebiet der Nebelwölfe sein, aber sicher war ich mir nicht. Ich konnte nur meinen gefrorenen Atem vor Augen sehen. Meine Zehen waren genauso taub, wie meine Finger und selbst wenn ein Tier meinen Weg kreuzen würde, dann könnte ich es nicht mal erschießen, weil ich meinen Bogen nicht mehr spannen konnte, so kalt war es.

Und plötzlich wurde mein Weg von der Sonne erleuchtet. Die Sonne war auf gegangen und mit ihr keimte die Hoffnung wieder in mir auf.

Ich war schon Tage lang unterwegs und jeden Morgen schnitt ich eine Kerbe in ein Stück Holz, ich wollte auf keinen Fall zu spät zum Fest kommen. Obwohl es in den letzten Tagen stark getaut hatte, war es morgens noch ziemlich kalt und der matschige Schnee bildete Nachts seltsame Eisformen. Ich zählte 24 Kerben und musste unweigerlich an meine Mutter und ihre Worte denken. ‚Belenus möge dir immer den richtigen Weg leuchten!‘ Ich blickte zur Sonne, wie sie durch die Bäume strahlte. Meine Mutter nannte mich immer Fern, was bei den Wildelben Bucheckerl bedeutet, obwohl mein Name eigentlich Faran ist. Aber Faran nennt sie mich nur, wenn sie ihn ausschimpfen will. Faran bedeutet bei den Wildelben Vogelbeerbaum. Und genau deswegen wurde ich von den anderen Kindern immer veralbert. Aber Vater sagte immer, dass die Bäume in unserer Familie immer eine große Rolle gespielt hatten und dass er mit seinem Namen immer gut durchs Leben gekommen wäre. Thôn heißt ja auch Kiefer und genau so zäh und knorrig scheint er mir auch manchmal.

So in Gedanken versunken bemerkte ich gar nicht, dass ich mitten im Wald auf eine riesige Lichtung gekommen war und auf deren Mitte stand ein stattlicher Baum der zwei Stämme hatte. Als ich näher schritt, sah ich dass noch ein paar hellrote Früchte an den Zweigen hingen. Es war ein Vogelbeerbaum. Und es war der Größte den ich je gesehen habe. Seine zwei mächtigen Stämme stiegen hoch auf in den Himmel. Und wenn er erst Blätter trug, würde er die Lichtung wahrscheinlich völlig ausfüllen. Die Bäume, die um die Lichtung standen, ragten wie riesige Säulen auf und umschlossen das Bild. Ich kam mir vor, als würde ich in einem gigantische Bauwerk stehen, größer noch als die große Ratshalle in Raurikor.

Plötzlich hörte ich ein entsetzliches Geräusch, dass mich von meinen Gedanken aufscheuchte und  mich schutzsuchend unter den kahlen Äste des Zwillingsbaumes trieb. Es war ein furchterregendes, kräftiges Schlürfen, dass in einem Pfeifen endete und dann hörte er einen dumpfen Schlag und ein Scharren, dass sich von mir entfernte. Im Augenwinkel hatte ich einen Schatten gesehen, der sich über den Boden geduckt, seltsam schnell fortbewegte und verschwand. Ängstlich blickte ich in die Richtung, wo mein Verstand den Schatten erahnte. Doch der Wald war ruhig. Mein Herz pochte aber so laut, dass ich damit jedes Tier im Umkreis hätte verscheuchen müssen.

Nach einem langen Moment fasste ich mir ein Herz und lief geduckt in die Richtung, wo ich dachte den Schatten gesehen zu haben. Weit vor mir lag etwas auf dem Boden. Ich schlich weiter und erblickte einen toten Fuchs. Als ich näher trat zerbrach mir schier mein Herz in meiner Brust.

Ich hielt meine zitternde Hand vor meinen Mund, um einen spitzen Schrei zu unterdrücken. Ich brauchte einen Moment, je ich mich wieder beruhigt hatte. Ich hatte nie ein größeres Entsetzen im Antlitz eines toten Tieres erblickt, wie bei diesem hier. Der Körper schien völlig blutleer zu sein.

Mit bebenden Fingern zog ich mein Messer und versuchte den Leichnam hochzuheben. Das struppige Fell legte sich geschmeidig um mein Messer und da begriff ich, dass der Schatten echt gewesen sein musste. Das tote Tier war noch nicht gefroren, hatte aber auch keine Wunden und es schien auch keine Knochen mehr im Körper zu haben. Hastig sprang ich auf und balancierte die Haut des armen Tieres auf seiner Klinge, während ich rückwärts durch den Wald stolperte. Mein Atem ging schwer und ich keuchte bei jedem Schritt. Erst als ich wieder auf die Lichtung stolperte, fing ich mich wieder.

Der Vogelbeerbaum blickte auf mich herab und spendete mir Trost. Wie ein stummer Zeuge stand der Zwillingsbaum über den Dingen. Beflügelt vom Anblick des Baumes beschloss ich die Überreste des Tieres zu verbrennen. Ich fand einen trockenen Ast, der noch halb am Baume hing und machte ein kleines Feuer und schürte es hastig hoch. Summend stimmte ich ein altes Lied an und legte den toten Körper in die Flammen. Dann ritze ich mir in die Hand und spritze mein Blut in die Flammen, schlussendlich warf ich ein paar getrocknete Kräuter in die Flammen und wartete bis die Flammen wieder erloschen.

Ich hatte Tränen in den Augen als ich aufblickte. Der Zwillingsbaum stand hoch über mir und schaute auf mich herab. Am Fuße des Baumes war etwas eingeritzt worden. Schriftzeichen, die von den Wildelben waren.  elbischAelbischThElbischF

Ich war mir nicht sicher, aber ich glaubte ein A und ein Th zu sehen und drunter ein F. Kopfschüttelnd kam mir das Wort Stammbaum in den Sinn.

Schweren Herzens verließ ich die Lichtung, weil ich nicht an diesem Ort bleiben wollte, solange  ich nicht wusste, was für ein Wesen dieser Schatten gewesen sein mochte. Auch wenn dieser Baum wohl mehr zu bedeuten hatte, als nur der Hüter einer Lichtung, musste ich fort von diesem Ort. Ich beschloss den restlichen Tag zu nutzen und in einem großen Bogen wieder zurück zu meinem letzten Lagerplatz zu gehen und hoffte, dass mir ein Abendessen noch vor den eigenen Bogen laufen würde.

Als ich in der Abenddämmerung dann endlich an meinem alten Lagerplatz ankam, hatte ich zwei magere Eichhörnchen erwischt. Besser als nichts war es allemal.

Ich grübelte immer noch und konnte mir keinen Reim darauf machen, was mit dem armen Fuchs geschehen sein mochte. Nach dem Essen legte ich mich ans Feuer und fiel in einen unruhigen Schlaf.

Ich erwachte erst wieder, als die ersten Sonnenstrahlen mich wach küssten. Ich wischte mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht und blinzelte in die Sonne. Nur ein paar Schritte von mir entfernt lief ein weißer Fuchs vorbei. Der weiße Fuchs hielt vor einem umgestürzten Baum inne und blickte mich kurz an. Die Haarsträhne fiel mir wieder ins Gesicht und dann begriff ich erst, dass meine Haare weiß geworden waren. Im nächsten Augenblick war der weiße Fuchs verschwunden.

arcticfoxWeit, weit entfernt vom Zwillingsbaum

Ich stolperte gehetzt durch den Wald. Es wird nie wieder so sein, wie bevor ich ausgezogen war, ein Mann zu werden. Tagelang musste ich durch den Wald geirrt sein, kein Ziel vor Augen, aber den Schatten im Rücken. Der grauenvolle Schatten, der mich verfolgte seit dem ich meinen Geburtsbaum entdeckt hatte.

Der Zwillingsbaum schenkte mir nun schon lange keinen Trost mehr. Doch immer wenn ich am Ende meiner Kräfte war, schien die Sonne auf mich herab. Immer wenn ich inne hielt, war der weiße Fuchs wieder an meiner Seite und schenkte mir Trost, manchmal lief er vor mir und gab mir eine Richtung. Manchmal konnte ich seinen Ruf von weit entfernt hören, aber ich wusste doch, ich war nicht allein.

Am Ende meiner Kräfte kroch ich weiter und weiter. Ich wollte nur fort von dem Schatten, der mich zu übermannen versuchte. Auch wenn ich ihn nicht ausmachen konnte, wusste ich doch, dass er mir im Nacken saß.

In meiner Verwirrung hatte ich mir die Schriftzeichen in meine Handfläche geritzt, die meine Eltern einst in den Stamm geschnitten hatten, so war ich mir sicher, dass ich sie nicht vergessen würde. Nicht viele unter den Widukin können noch die alte Sprache der Wildelben verstehen und sie zu schreiben gar noch weniger. Der Gedanke an seinen Stammbaum und an seine Eltern hielten mich am Leben und auf den Beinen.

Immer wieder wickelte ich den Verband ab, den ich hastig um meine Hand gewickelt hatte und blickte auf die Zeichen in meiner Hand. Ich hatte in der Hast zu tief geschnitten und mit den tauben, kalten Fingern hatte ich das Messer kaum halten können. Für den Fall, dass ich nicht wieder nach Hause finden würde, so würde jeder es sehen können, dass ich meinen Weg gefunden hatte, bevor ich sterbe und in die nächste Ebene übergehe.

Ich muss auch auf allen Vieren über den Boden gekrochen sein, der Schatten, der mich verfolgte hatte nun Gestalt angenommen und die Angst trieb mich weiter, obwohl ich am Ende meiner Kräfte war. Ganz weit entfernt konnte ich den Fuchs jaulen hören. Plötzlich gab der Boden unter mir nach und ich stürzte in ein dunkles Loch. Und da saß ich nun. Im Dunklen muss ich auch stundenlang herum geirrt sein, bevor ich mich entsinnte, ein paar Kerzen dabei gehabt zu haben. Ich erkundete die Höhle und fand aber keinen Ausweg.

Ich beschloss aufzuschreiben, was ich erlebt hatte und so schreibe ich diese letzten Zeilen. Meine letzte Kerze ist fast runter gebrannt und ich kann keinen Ausweg aus diesem Loch hier finden. Ich weiß genau ich bin nicht allein, irgendwas ist in dieser Höhle, ich kann es scharren hören und wie es langsam näher kommt.

Ich bete inständig an all die Götter da oben, dass mich das Licht des Belenus heimführen möge, aber die Kerze ist am Erlöschen und bald ist es dunkel. Ich kann nur noch den Schmerz spüren in meiner Hand und dass ist es, was mich am Leben hält. Mein Stammbaum wird mich heimführen, ich bin mir ganz sicher. Das Licht flackert nur noch... Auta ilome Aure entuluva,  Auta ilome Aure entuluva, Auta ilome Aure entuluva…

So enden die Worte des jungen Faran mit einem Schutzgebet der Waldelben. Die letzten Absätze waren teilweise unleserlich, teilweise mit den Schriftzeichen der Waldelben geschrieben, teilweise auch in deren Zunge geschrieben, ich hoffe dass ich die Worte des jungen Faran so wieder gegeben habe, wie er sie erzählen wollte. Erst dann beginne ich meine Geschichte zu erzählen, so wie ich sie bis zum heutigen Tage erlebt hatte.

Abschrift verfasst von Brian, Sarolfs Sohn, Reiter im Dienste des ehrenwerten Guiskard Ragin Grünfang.

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Drei und eine Axt – Teil 26

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 26

reiter_neuHalef konnte den pochenden Schmerz in seinem Bein spüren und in seiner Schulter. Sein Atem rasselte. Jeder seiner Atemzüge tat ihm weh. Obwohl er lag, überkam ihm ein Schwindelgefühl. Außerdem dachte er, seine Blase müsse gleich platzen. Aber er konnte sich nicht bewegen, sein Körper fühlte sich schwach und taub an. Ein übler Geruch stieg ihm in die Nase. Selbst das Öffnen der Augen fiel ihm schwer. Ihm war kalt, er fror, aber selbst zum Zittern schien ihm die Kraft zu fehlen. Ein schmerzverzerrter Stöhner kam ihm über die Lippen. Seine Kehle war ausgetrocknet, er musste husten. Der Schmerz lies ihn fast wieder die Sinne schwinden. Er hörte Holz über Holz schleifen, einen dumpfen Schlag, ein Prasseln und die Wärme, die plötzlich aufstieg. Jemand kam an seine Seite und versuchte ihn zu beruhigen. Panisch zog er röchelnd die Luft in seine Lungen. Sein Kopf wurde angehoben und Flüssigkeit wurde ihm in den Mund geträufelt. Das Gefühl jeden Moment ersticken zu müssen war mit einem Schlag vorbei. Worte wurden gesprochen, er verstand nicht welche, aber sie schienen ihm wohlgesonnen. Eine kalte, zitternde Hand berührte die Seine. Er versuchte sich zu bewegen, konnte es aber nicht. Endlich öffnete er die Augen. Erschrocken blickte er in das Gesicht seines Weibchens. Lamina sah abgekämpft aus, tiefe Augenringe unter ihren verheulten Augen waren zu sehen. Die Sorgenfalten auf ihrer Stirn entspannten sich leicht, als sie ihm über die Stirn strich. Seine Hand war an seiner Brust festgebunden. Ruckartig versuchte er seinen anderen Arm zu bewegen. Nach einem Ruck schoss ein stechender Schmerz durch sein Handgelenk. Die andere Hand war am Bettpfosten angebunden.

‚Sch… Sch…Sch… Wir mussten dich anbinden. Du hast im Fieber um dich geschlagen.‘

Sie strich über seinen Arm und löste seine Hand vom Bettpfosten. Sein Arm war taub, er konnte ihn kaum bewegen, versuchte es aber und blickte sie dabei panisch an.

‚Warte, ganz ruhig!‘ flüsterte sie ihm ins Ohr und griff nach seiner Hand.

Sie bewegte seine Finger und massierte sie. Später half sie ihm dabei den Arm zu bewegen und er legte in einer schwerfälligen Bewegung seine Hand neben seinem Körper ab.

‚Wie lang war ich…!‘ röchelte er, bis seine Stimme brach. Er musste Schlucken, doch sein Mund war wieder trocken. Sie flößte ihm nochmal etwas Flüssigkeit in den Mund und erklärte unverblümt. ‚Du hast zwölf Tage lang deine Augen nicht mehr aufgemacht.‘

Es dauert eine ganze Weile, bis er darauf etwas sagte: ‚Hab ich mir Schande gemacht?‘

‚Angst gemacht hast du mir!‘ meinte sie ernst und stand dann kopfschüttelnd auf.

Er versuchte sich aufzurappeln, weil ihm wieder eingefallen war, dass er pinkeln musste. Doch seine Beine waren auch am Bettrahmen fixiert und stöhnte vor Schmerzen, als er sich bewegte. Lamina drehte sich erschrocken um und blickte ihn ernst an. ‚Wo willst du denn hin?‘

Er blickte nur zu dem Eimer vor seinem Bett. Mit einer eleganten Bewegung war sie wieder an seiner Seite und band auch die Füße los und half ihm auf.

Als sein Körper aufrecht war, kam der Schwindel wieder und er musste sich an ihr festklammern. Sie löste liebevoll die anderen Hand aus dem Verband und flüsterte ihm ins Ohr. ‚Du willst wahrscheinlich nicht, dass ich dir helfe, also wirst du den Eimer mit deiner verletzen Hand halten müssen.‘

Er nickte verlegen, als sie ihm die Decke vom Schoß zog und ihm den Eimer in die Hand drückte. ‚Ich muss eh frisches Wasser holen, wir müssen deine Verbände wechseln und dich waschen!‘ meinte sie, zog einige Decken aus dem Bett und schnappte sie einen anderen Eimer, der neben der Feuerstelle stand und ging aus der Jurte.

Er war mehr als erleichtert, als zumindest den Druck auf der Blase loswerden konnte, bloß verkrampfte sich seine Hand so, dass er den Eimer nach Verrichtung seines Geschäftes nicht mehr loslassen konnte. Er versuchte mit der anderen Hand die verkrampften Finger zu öffnen, schaffte es aber nicht. Währenddessen sein Urin im Eimer umher schwappte und er mit sich selbst rang, lief Lamina zum Fluss hinunter.

Sein Körper glitt krampfend auf die Seite, den Griff des Eimers weiter fest umschlossen und kam mit der unverletzten Schulter am Bettpfosten zum Stillstand.

Als Lamina die Jurte wieder betrat, lag er immer noch zuckend da. Sie eilte an seine Seite, berührte seine Hand und er lies den Eimer los. Hastig stellte sie ihn außer Reichweite und wickelte Halef eine der übrigen Decken.

Sein Körper sah abgemagert aus, doch seine Muskeln waren steinhart und zogen sich immer mehr zusammen. Aber selbst für drastische Bewegungen schien ihm die Kraft zu fehlen, so zog sie ihn in die Mitte des Bettes, stand rasch auf und warf einige Kräuter ins Feuer. Dann nahm sie etwas aus einer kleinen Schachtel, streute es auf einen Splint und hielt diesen ins Feuer.

Mit dem rauchenden Splint ging sie zu Halef hinüber und hielt selbst die Luft an. Während sie sich zu ihm aufs Bett setzte, wickelte sie sich ein Tuch um den Mund, das sie um ihren Hals getragen hatte. Der Rauch der vom Splint ausging kroch ihm in die Nase und augenblicklich entspannten sich seine Muskeln. Sie flüsterte gedämpft durch das Tuch in sein Ohr: ‚Es tut mir leid, aber es geht nicht anders!‘ Seine Augen flackerten kurz auf, bevor er wieder ohnmächtig wurde. Sie warf den Splint ins Feuer und packte alle Felle und zog sie aus dem Bett, drehte ihn auf die Seite und deckte ihn zu. Rasch ging sie mit den Fellen und dem Eimer nach draußen und kam wenig später wieder herein. Langsam zog sie das Tuch von der Nase und lies die Tür offen stehen, damit frische Luft hereinkam. Neben dem Rauch, roch es immer noch Urin, Eiter und Schweiß.

Zuerst legte sie nochmal Holz nach, setzte Wasser auf und dann öffnete sie seine Verbände. Der Arm sah gut aus und eiterte kaum noch. Doch konnte sie den Eiter riechen. Sie machte einen neuen Kräuterumschlag, der hoffentlich den restlichen Eiter aus der Wunde zog. Die Bauchwunde, war wie durch ein Wunder sehr gut verheilt und sie konnten bestimmt bald die Fäden ziehen, bevor die auch noch eine Entzündung hervorriefen. Ziska hatte ihr Bedenken geäußert, dass sich die Wunden durch die Seidenfäden vielleicht nochmal entzünden könnten. Von Glück im Unglück konnte man nicht gerade sprechen, weil das verletzte Bein immer noch aufs Doppelte angeschwollen war. Sie hatten die Fäden wieder entfernen müssen und hatten vor ein paar Tagen eine der beiden Pfeilwunden sogar ausbrennen müssen. Aber alle ihre Bemühungen waren bisher vergebens gewesen. Selbst mit Maden und Blutegeln hatten sie die Entzündung bisher nicht eindämmen können. Nur hatte Ainur und die Kinder seit Tagen schon keine Blutegeln mehr gefunden.

Als sie den Verband vom Bein löste, quoll der Eiter schon durch die letzten Lagen des Verbandes. Sie musste würgen, als sie die Wunde freilegte. Während die ausgebrannte Wunde mittlerweile nicht mehr ganz so schlimm aussah, war die Andere einfach nur grotesk.

Tränen standen ihr in den Augen, als sie sich wieder das Tuch über die Nase schob. Es schien so, als hätte sie die letzten Tage, dies schon öfter getan. Sie wusch die Wunde aus und versorgte das Bein so gut sie konnte. Sie wusch ihn, bevor sie das Beine erneut verband. Sie betete inständig an alle Ahnen und Götter, die ihr einfielen, dass die Kräuterumschläge endlich wirkten. Weil Ziska hatte vor ein paar Tagen gedroht, dass Bein abnehmen zu müssen, wenn sie nicht bald was tun würde. Kejnen und Ainur hatten sich mit ihr darum gestritten. Und sie selbst, machte einfach alles, was sie ihr aufgetragen hatten, um sein Bein zu retten.

Sie rieb seinen Körper mit einem Öl ein und der angenehme Geruch, entspannte ihr Gesicht etwas. Das hatte noch nicht mal der Rauch des Mohnsaftes geschafft. Wena stand plötzlich in der offenen Tür und versuchte zu lächeln. Sie hatte eine Kanne mit Tee in der Hand.

Lamina blickte auf und lächelte einfach nur, während ihr die Tränen in den Augen standen.

‚Er war kurz wach!‘ sagte sie mehr zu ihm, als zu ihr. ‚Aber nur sehr kurz.‘

Wena rümpfte die Nase, kam näher und fragte: ‚Hat er wieder gekrampft?‘

‚Ja, nachdem er sich in den Eimer erleichtert hatte!‘

‚Das ist doch eigentlich ein Fortschritt?‘

‚Ich hab die Verbände gewechselt und das Bein sieht einfach abartig aus.‘

‚Ich schick die Kinder nochmal nach Blutegeln.‘ meinte Wena kurz, als sie endlich den Tee abstellte. ‚Ich bring dir ein paar andere Felle, die da draußen würd ich über Nacht auslüften lassen.‘

‚Ja, danke. Ist das zweite Leinentuch schon trocken?‘

‚Ja, und die Decken müssten auch schon trocken sein. Ich hatte sie bei uns in der Jurte.‘

Das Gespräch der Beiden wurde von Stöhnen seinerseits unterbrochen. Wena rannte zur Tür und rief: ‚Ich bring dir Suppe. Die Mädchen haben sie vorhin schon aufgesetzt.‘

Lamina goss einen Becher Tee ein und kniete sich ans Bett. Mit einem Holzlöffel rührte in dem Becher und flüsterte Halef beruhigende Laute ins Ohr.

‚Lamina…!‘ kam es aus seinem Mund, bevor seine Stimme brach und er schwer schlucken musste.

Sie half ihm ein Wenig hoch, setzte sich auf die Bettkante und flößte ihm langsam den Tee ein. Er öffnete die Augen, die sich sofort mit Tränen füllten. Als der Becher leer war, setzte sie den Becher ab und wischte ihm die Tränen vom Gesicht.

Published in: on 6. Februar 2013 at 22:02  Comments (1)  
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