Mein Tod war erst der Anfang…

Mein Tod war erst der Anfang…

Ich weiß nicht wie viele Stunden oder gar Tage unsere sterblichen Überreste im Meer getrieben hatten, bis wir wieder an den Strand gespült wurden. Die beiden Gedankenschinder hatten sich wohl entschlossen, das Spiel von Neuen zu beginnen zu lassen und unsere Körper wieder zusammengefügt.

‚Es ist nicht tot, was ewig liegt, bis dass die Zeit den Tod besiegt.‘ – Die Bedeutung dieses Satzes werde ich wohl nie verstehen.

Immer wieder kommen mir Schemen in den Sinn. Momente, die ich unter Wasser erlebt haben muss, als mein Geist von meinem Körper getrennt war. Mein Geist, der seine Seele gefangen hielt. Ich konnte und wollte ihn nicht gehen lassen, er war der Einzige beständige Punkt in meinem abscheulichen Leben nach der Wahrheit, so konnte ich selbst im Tod uns beide nicht loslassen.

Die beiden Gedankenschinder hatten sich verspielt im Meer getummelt, während sie mit ihren Tentakelschlägen ganze Landstriche überfluten ließen. Inseln versanken im Meer und viele arme Unwissende fanden an diesem Tag ihr nasses Grab.
Diese beiden Überirdischen schienen für einen Moment irgendwie glücklich wieder vereint zu sein und ich konnte die Beiden verstehen. So ist es doch an jedem Lebewesen in diesem Universum seine eigene Art zu erhalten, auch wenn man damit andere Lebewesen vernichten muss.

Der Egoismus der Erhaltung der eigenen Art, fressen oder gefressen werden. Deutlicher kann man es einem gar nicht aufzeigen. Nur was sind wir dann, sind wir wieder die Ausgeburt dessen, was im Meer geboren wurde oder sind in uns wieder die beiden Gedankenschinder gefangen.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass der erste Schinder, den ich in der Winternacht erblicken musste, von meinem Lebensretter nur geistig Besitz ergriffen hatte, weil dieser Große Alte war ja bereits befreit. Und er wollte wohl verhindern, dass ich nicht zur falschen Zeit den zweiten Großen Alten freisetzen würde.

Meine Sinne schwanden wieder, als mir der Sand auf meiner Haut gewahr wurde. Ich wurde erst wieder wach, als mir eine starke Hand an die Schulter griff. Der Griff war so stark und brachte wieder Dinge in mir hervor, dass mir fast vor Schock das Herz stehen blieb. Aber diesmal waren da keine Krallen, die sich in mein Fleisch bohrten.

Ich blinzelte. Die Sonne strahlte mir ins Gesicht, so dass ich meine Augen gleich wieder schließen musste. Ich öffnete sie erst wieder, als sich ein Schatten über mein Gesicht legte. Der Sanitäter lächelte mich an, seine Augen waren nun türkisgrün. Dunkle Adern pochten auf seiner Stirn. Sein Lächeln erstarb auf seinem Gesicht. Er riss mich hoch und presste mich an seinen mächtigen, menschlichen Körper. Ich konnte seine Tränen spüren, wie sie über meinen Hals liefen. Ich atmete ruckartig ein und sogleich begann ich zu husten und zu würgen. Er ließ mich in den Sand zurück gleiten und hielt mir meine Haare zurück, als ich literweise Meerwasser auf den trockenen Sand spie. Völlig erschöpft blieb ich liegen, bis er mich aufnahm und in den Schatten trug.

Als ich wiederum erwachte, hörte ich ein Feuer prasseln. Er saß erschöpft am Feuer und blickte in die Flammen. Seine Kleidung hing ihm zerfetzt von seinem Körper. Ich erhob mich von einer provisorischen Bettstatt, kroch zu ihm hinüber und lehnte mich an seinen warmen Körper.

‚Wie heißt du eigentlich?‘ hörte ich meine eigene Stimme fragen. Ich hörte mich merkwürdig heiser an. Nach einer halben Ewigkeit löste er sich aus seiner Starre und blickte mich an. Ich sah in seinen Augen, dass ihn etwas unglaublich erschreckt haben musste, dabei hatte er doch genauso wie ich doch schon alles gesehen. Schlimmer kann es doch nicht mehr kommen, oder?

‚Schau mir in die Augen und sage mir, was du siehst.‘ flüsterte er. Seine Stimme brach nach diesem Satz abrupt ab und er schluckte schwer.

‚Deine Augen strahlen türkisgrün.‘ sagte ich, blickte aber sicherheitshalber noch einmal hinein. Ich konnte mein Spiegelbild in seinen Augen sehen. Äußerlich konnte ich nicht erkennen, was ihn so erschreckt haben musste. Bis er blinzelte. Seine Augenlider blinzelten erst auf die herkömmliche Weise und als er die Augen wieder aufschlug, schloss sich ein inneres Lied außen nach innen.

Mein Atem stockte, er wand den Kopf ab und stierte wieder ins Feuer. An seinem Hals erblickte ich etwas Merkwürdiges, aber als ich meine Hände nach ihm ausstreckte, erblickte ich zwischen meinen Fingern Schwimmhäute. Ich musste einen spitzen Schrei von mir gegeben haben, bevor ich wieder ohnmächtig wurde.

Er hatte mich wohl wieder aufgefangen, bevor ich kopfüber ins Feuer stürzen konnte. Als er mich wieder auf die Bettstatt zurück geschleppt hatte, erwachte ich wieder. Er lag bei mir und hielt mich, stierte aber weiter Löcher in die Luft.

‚Sind das Kiemen?‘ fragte ich und strich ihm über den Hals.

‚Ja, die haben uns wohl im Wasser das Leben gerettet.‘ Nach diesem Satz strich er mir, ohne mich dabei anzusehen, ebenfalls über den Hals und nun konnte ich auch zwischen seinen Fingern Schwimmhäute erkennen.

‚Und sonst?‘

‚Sonst ist alles noch relativ menschlich an uns.‘

‚Relativ?‘

‚Die Schwimmhäute sind auch an den Füßen!‘

Ich strich ihm über die Brust, über die Stelle an der das rote Stuhlbein eingedrungen war. Es war nur noch ein dunkler Fleck zu sehen. Sein Blick hypnotisierte mich, bevor er mir immer näher kam, um mich zu küssen. Er schob mir mit seiner Zunge den Mund auf und drang ohne Gegenwehr in meinen Mundraum. Unsere Zungen trafen aufeinander und ich spürte, wie mir Luft weg blieb und meine Sinne langsam wieder schwanden. Plötzlich schmerzte mein Hals und ich sah, wie sich seine Kiemen ruckartig öffneten. Meine Finger vergruben sich in seinem Fleisch, so wie Seine in das Meine.

Meine Kiemen pumpten wohl auch Luft in meine Lungen, weil ich nun keine Atemnot mehr verspürte. Er drängte mich auch den Rücken und riss mir die Überreste meiner Kleidung vom Leib. Ich sah, dass sich seine Finger zu Krallen verwandelt hatten und starrte auf seinen Rücken, dort hatten sich meine Krallen in sein Fleisch versenkt. Grünes Blut quoll aus seinen Wunden, die sich sofort wieder schlossen. Er entledigte sich auch seiner Kleidung und ich bemerkte noch das Fehlen sämtlicher Körperbehaarung, bevor er mit einem seiner tentakelartigen Schwänzen in mich eindrang. In diesem Moment schwanden mir wieder die Sinne.

Ich erwachte erst wieder, als eine starke Hand mir an die Schulter griff. Keine Krallen, die sich in mein Fleisch bohrten. Ich blinzelte. Die Sonne strahlte mir ins Gesicht, so dass ich meine Augen gleich wieder schließen musste. Ich öffnete sie erst wieder, als sich ein Schatten über mein Gesicht legte. Der Sanitäter lächelte mich an, seine Augen waren türkisgrün. Dunkle Adern pochten auf seiner Stirn. Er blinzelte. Einmal. Und nochmal von außen nach innen und wieder nach außen.

Täglich grüßt das Murmeltier. Bloß meines blinzelt komisch und hat Schwimmhäute, Kiemen und nicht nur einen phantasmagorischen tentakelartigen Schwanz…

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Das Leben nach der Wahrheit…

Das Leben nach der Wahrheit…

Cthulhu Detail

Das Leben nach der Wahrheit, oder besser nach der Blumenwiese. Warum ich? Warum hat er mich auserwählt? Und warum hat er mich verschont? Warum muss ich weiterleben? Ich sehne mich an den Tag zurück, an dem ich noch unwissend war.

Lieber wäre ich wieder unwissend und nur halb verrückt, als mit diesem Wissen gebrandmarkt, vollends dem Wahnsinn anheim gefallen, durch diese unwissende Welt irren zu müssen. Denn auch nur die Vorahnung von all dem, hätte mir meinen Verstand vollends rauben müssen. Hätte ich gewusst, dass ich nun nicht mal mehr auf Erlösung hoffen durfte. Wäre ich nur zu hause geblieben und hätte weiter fern gesehen.

Warum hat er nur mich ausgewählt, warum ich? War ich nicht schon wahnsinnig genug? Ich habe diese schreckliche Winternacht zwar überleben dürfen, aber zu welchem Preis?

Heute wäre ich lieber damals mit den anderen in den kalten Tod gegangen, dann könnte ich nun endlich die Augen schließen und meinen wahnsinnigen Geist zur Ruhe bringen. Es wäre so schön, einfach die Augen schließen zu können, ohne seinen Griff auf meiner Schulter zu spüren. Seine Krallen, die sich in mein Fleisch bohrten und mein Blut langsam aber sicher vergiften würden.

In jeder Sekunde meines Lebens nach dem ich die Wahrheit erfahren hatte, ging mir genau diese Wahrheit nicht mehr aus meinen Kopf. Ich konnte seine tiefe Stimme immer noch in meinem Kopf hören. Und sie hörte einfach nicht auf meinen Verstand zu schinden. Er peinigte meine Seele und meine Gedanken. Jedes Mal wenn ich in den Spiegel sah, konnte ich ihn hinter mir erblicken.

Es war nur ein Bruchteil von dem was er eigentlich darstellt, aber dieser Ausschnitt reichte völlig aus, um mir die Eingeweide zu verdrehen. Selbst wenn ich vor dem Kotzen auf die Wasserfläche in meiner Toilette blickte, sah ich ihn hinter mir.

Keine Fensterscheibe war auch nur groß genug, um das ganze Ausmaß meines Gedankenschinders erblicken zu können.

So sieche ich vor mich hin und gehe kaum noch vor die Tür. Selbst als ich diese Zeilen tippe, kann ich seine Hand im Spiegelbild meines Bildschirmes erkennen. Hätte ich mich damals nur zurückgehalten nicht weiter zu forschen. Ich hätte nicht so tief graben dürfen. Ich hätte den Schlafenden nicht erwecken dürfen.

Warum ich nicht versuche meinem Leben ein Ende zu bereiten? Ja, das wäre eine einfache und schnelle Lösung gewesen. Zu Einfach. Aber er lässt mich nicht gehen. Ich blicke auf die Narben an meinen Handgelenken und streiche über die kleine Narbe an meinem Hals. Der Freitod bringt mich keinen Schritt näher an den Tod. Er bringt mich nur noch weiter von meiner Erlösung fort. Ich habe jegliche Möglichkeit versucht mich umzubringen, von ganz einfach und schnell, bis hin zu möglichst kompliziert und ausgeklügelt.

Immer steht er da und rettet mich. Dieser Sanitäter von der Feuerwehr. Er ist mein Lebensretter. Ich habe schon aufgehört zu zählen. Es ist so als hätte er den Zwang mich retten zu müssen. Seine lilatürkisen Augen holten mich jedes Mal wieder zurück und meine Leiden fangen wieder von vorne an.

Täglich grüßt das Murmeltier, nur mein Murmeltier hat keine Haare, es ist schleimig grün und hat lilatürkise Augen und Tentakeln und es ist einfach riesig. Und es lebt tief unten in seinem Bau.

Und ich bin schuld, dass es für den Bruchteil einer Sekunde erwachte, um seine Kräfte freizugeben. Nur um mich zu schinden bis ans Ende der Zeit.

Ich hab ihn schon so oft angefleht mich gehen zu lassen, aber jedes mal wenn ich das tat, stand er wieder in der Tür. Der Feuerwehrsanitäter mit dem irren Blick. Er machte immer ein Geräusch der Missbilligung und zeigte mir seinen erhobenen Zeigefinger. Dann machte er, zu was er auserkoren war, er holte mich zurück, in den Scherbenhaufen meines Lebens.

Auch er erhörte mein Flehen nicht, er nahm mich in seine Arme und drückte mich fest an seine starke Brust. Ich konnte zwei gewaltige Herzen Schlagen in seiner Brust schlagen hören. Er sprach mit meinem Hirn: ‚Es ist nicht tot, was ewig liegt, bis dass die Zeit den Tod besiegt.

Warum ich ihn dann nicht umbringe? Meinen Lebensretter. Ja, das wäre eine Möglichkeit gewesen, aber ich weiß was in seinem Körper gefangen ist. Wenn ich das Wesen freisetze, werden viele unschuldige Seelen draufgehen.

Wobei diese Unwissenden könnten mir eigentlich auch egal sein, weil sie müssen ja nicht Tag ein, Tag aus dieses Leiden ertragen, so wie ich. Sie glauben an ihre eigene kleine Wahrheit oder an das was ihnen die Regierung oder ihre Religion vorgibt zu glauben. Aber es nichts gegen all das, was meinen Kopf jeden Moment zum Platzen bringt.

Also sitze ich nun hier an der Klippe, an der alles begonnen hat und warte darauf, dass das Geschwür in meinem Kopf endlich aufplatzt und hoffentlich dem Ganzen ein Ende macht.Ein Sturm zieht auf und triebt seine schweren Wolken ans Ende der Welt. Meine Haare wehen mir ins Gesicht. Ich habe einen roten Stuhl in der Hand und dresche ihn solange auf den Felsen bis er in seine Bestandteile zerbricht. Holzsplitter spritzen umher. Ich höre einen dumpfen Schlag und ein Geräusch. Ich blicke zurück, weg von der Klippe. Da steht mein Lebensretter. Ein Stuhlbein steckt in seiner Brust. Er röchelt erleichtert. Sein Hemd saugt sich mit Blut voll. Sein Blut ist rot.

Nein, ich habe seine Hülle verletzt und das freigesetzt, was ich für immer im Verborgenen halten wollte. Warum ist sein Blut rot?Wir stützten beide aufeinander zu. Als ich ihn erreicht hatte, fiel er schon auf die Knie. Er blickte mich traurig mit seinen lilatürkisen Augen an und röchelte mich an: ‚Nun, weißt du endlich, dass ich es nicht bin, der nicht sterben darf. Es bist du…!‘

Ein ersticktes Husten kam aus seinem Mund gestolpert, er würgte Blut hervor. Ich stürzte auf die Knie und schrie ihn an: ‚Nein, du darfst nicht gehen, wer rettet dann meine sterbliche Hülle? Wieder und wieder?‘

‚Es ist vorbei, nur kannst du es selbst nicht zu Ende bringen.‘ flüsterte, während Blut weiter aus seinem Mund ran.

‚Bitte hilf mir! Ich kann so nicht weiter machen.‘ schrie ich ihn an. Tränen liefen mir die Wangen hinab und ich schluckte schwer. Er brach mit einem Lächeln auf den Lippen über mir zusammen und in dem Moment, in dem der Stumpf des Stuhlbeins durch meine Eingeweide stieß, erlosch das Leuchten in seinen Augen. Seine Lippen waren auf die meinen gepresst und ich konnte das Leben spüren, wie es seinen Körper verließ. Ich küsste ihn und nahm seine Seele in mich auf. Auf eine skurrile Art und Weise vereint, sanken wir beide auf den Boden. Unser Blut vermischte sich und floss über den Felsen.

Er hatte im letzten Moment seines Lebens meine Seele geheilt und so konnte ich die Stille für einen Bruchteil eine Sekunde fast genießen. Es war vorbei. Endlich. Und es war mir fast egal, was nach mir kommen würde. Ich spürte, wie sich Tentakeln ihren Weg durch mein Gedärm bahnten und aus meinem Körper drangen. Sie umschlangen seinen Körper und rissen ihn in die Höhe, während mein Körper endgültig zerbracht.

Der Gedankenschinder ergoss sich über den Felsen, während der Sturm weiter die regengeschwängerten Wolken in die See hinaus treib. Der Felsen zerbrach unter der Last und so stürzte der Gedankenschinder mit samt unseren Überresten ins Meer. Das Letzte was ich wahrnahm war, dass der Gedankenschinder unzähligen Tentakeln entgegen fiel. Mein Tod wird erst der Anfang sein.

Fortsetzung folgt..

 

Munich 20:15

Munich 20:15

Die Dämmerung kroch ganz langsam über die Stadt, so langsam eben, wie die letzten Sonnenstrahlen ihr warmes, rotes Leuchten über sie getaucht hatte und sich nun langsam wieder zurückzogen, wie ein Hund mit eingezogenen Schwanz, besiegt nach einem Kampf.

Ich wache auf, von meinem eigenen Sabber, der mir vom Kinn in mein Dekolleté tropft. Schlaftrunken wische ich mit meinem Ärmel meine Wange trocken und stecke meine beärmelte Hand zwischen meine Brüste.

Ich checke es halt jetzt erst, dass ich im Auto sitze, komisch ich muss wohl auf dem Lenkrad eingeschlafen sein. An der Ampel, alles klar. Der Motor meines Wagens läuft noch und der Exorzist in meinem CD-Player auch, also kann es ja nicht lange her sein, als ich eingeschlafen bin. Ich zieh die Hand aus meinem Ausschnitt. Eine Menge Spucke für einen Sekundenschlaf. Ich blicke auf die Ampel. Die ist aus. Nicht blinkend aus, sondern ganz aus. Ich blicke gedankenverloren auf die Kreuzung. Da war ja niemand. Keiner. Kein Auto. Kein Fußgänger. Kein Radfahrer. Auch keine Tram. Hatten wir wieder Fußball-WM und war Deutschland wieder im Endspiel und ich habe es mal wieder nicht mitbekommen?

Vorsichtig krieche ich mit meinem Auto ganz langsam über die Kreuzung, die Nadel vom Tacho bewegt sich quasi nicht. Die Digitalanzeige meines Autos zeigt mir 20:15 Uhr und die Außentemperatur von 20 °C an. Wir müssen Sommer haben… afo… away from office… Amt macht einfach brainfucked. Schließlich bin ich drüber über die Kreuzung und fahre auf die Donnersberger Brücke. Und eigentlich sollte ich mich nicht mehr darüber wundern, dass meine Arbeit mir scheinbar den Resetknopf meines Gehirns durchgedrückt hat. Kein Wunder, dass mir der Sabber aus dem Mund läuft. Aber, ich checks echt nicht. Kein Auto. Kein Fußgänger. Kein Radfahrer. Auch keine Busse. Die Anzeigen an den Haltestellen sind aus und ich rausche wieder von der Brücke und blicke über die Stadt. Sie erstrahlt in der Restsonne und ansonsten strahlt halt mal gar nichts. Stromausfall. Ein richtig großer Stromausfall vielleicht. So ein Stromausfall, der beim RTL einen Sendeplatz bekommen hätte. Hm. Wie geil.

Kein Auto behindert meinen Heimweg. Auch mal schön. Auf der Landshuter Allee bemerke ich, wie der Grünstreifen ziemlich hoch gewuchert, langsam die Fahrbahn begrünt. Komisch die Stadtwerke schlafen wohl auch in letzter Zeit oder es ist ein echt langer Stromausfall und ich hab halt die letzten Wochen und Monate mal gar nichts mitgekriegt. Hm. Ich fahre eh in der Mitte der beiden Spuren und scheiße auf die Schlingpflanzen, die in meiner Fantasie mein Auto fressen wollen.

Ich blicke wieder in die Ferne und sinniere darüber nach, wo die bei uns im Amt das Stromaggregat versteckt haben und wer da literweise Diesel einfüllt. Der alte Wachmann mit dem Elektroschocker schlürft gerade humpelnd in meine Gedanken, mit einer Dieselkanne in der anderen Hand und tränkt das hungrige Aggregat. Schlürf. Das Einzige was in der großen Stadt noch leuchtet, ist das rote Matschauge in meinem Rücken und die Kegel meiner Scheinwerfer.

Über dem Olympiagelände kreisen die Krähen im Wind. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, machen sie eigentlich immer, wenn der Wind über den Olympiapark pfeift. Ist ein sehr ergreifendes Bild. Und die Einzigen, die heute Nacht Spaß haben, sind wohl die Krähen im Wind. Mir war vorhin gar nicht aufgefallen, dass Wind ging. Die Bäume biegen sich im Wind. Krasser Wind eben. Langsam wird die Sicht immer schlechter, weil die Sonne nun vollends untergegangen ist. Jetzt wäre eigentlich der Moment, an dem die Straßenbeleuchtung angehen müsste und das beklemmende Gefühl vertreiben sollte, dass sich jetzt langsam aber sicher in meinem Magen ausbreitet. Pfeifendeckel. Die Nacht fällt. Himmel, heut kommt das Dunkel aber schnell, wir sind doch nicht in Afrika. Keine Lichter gehen an, die große Stadt bleibt im Dunkeln.

Ein gelber Mond geht über den Bäumen des Olympiageländes auf und die schwarzen Krähen geben den merkwürdigen Vorahnungen, die sich nun langsam in meinem Kopf zusammenbrauen, den nötigen Antrieb. Paranoia lässt grüßen. Der gelbe Mond strahlt sein surreales Licht, wie ein Flakscheinwerfer, übers Olympiagelände. Aber wenigstens hat der Mond ein Einsehen und leuchtet heute Nacht.

Der Wind ist noch heftiger geworden und Blätter und kleine Äste wehen über die Straße. Der Wind treibt auch große, schwere Wolken über den Himmel, die nun zu weilen den Mond verdecken. Mist. Das war es dann mit dem Flakscheinwerfer. Als allerdings ein rollender, runder Busch vor meinem Auto über die Straße huscht, bremste ich scharf und blicke ihm ungläubig nach. Da ist doch was faul. Es ist keine Sau auf der Straße, aber rollende Büsche springen über die Fahrbahn. Verdammt. Ich lasse die Scheiben ein Wenig hinunter und der Wind bringt frische klare Luft herein, erschreckend frische Luft. Komisch. Ich stehe mitten in der großen Stadt unweit von der am schlimmsten, feinstaubbelasteten Stelle der Stadt und es riecht nach einer blühenden Alm im Nachtwind. Ich blicke wieder auf die Digitalanzeige meines Autos und es ist 20:15 Uhr und es hat nur noch 15°C. Ich schüttle meinen Kopf und blicke wieder auf die Anzeige: 20:15 Uhr und nur noch 13°C. Der Fehler in der Matrix wird von den Hintergrundgeräuschen des Exorzisten nur noch verstärkt. Ich schalte schnell meinen CD-Player aus, bevor noch Blut und Schlonze aus den Lautsprechern fließt. In der Matrix ist alles möglich. Verzweifelt warte ich auf eine doppelte schwarze Katze, die vom Wind über die Straße getrieben wird. Nein, keine Katze. Aber ein zweiter rollender Busch. Hm. Da sind sie wieder meine zwei Probleme.

Nachdem nach wie vor niemand hier ist, auch keiner kommt, wende ich mitten auf dem Verbindungsstück zum Frankfurter Ring und fahre äußerst verkehrswidrig in Richtung Mittlerer Ring zurück, um zu sehen, ob sich da was rührt. Sich wie der letzte Mensch auf Erden fühlen, hab ich mir nie so nervenzerreißend vorgestellt.

Regen setzt ein. Unglaublicher Regen. Ich schließe schnell die Fenster, werde aber trotzdem ziemlich nass. Der Regen riecht gut und fühlt sich sauber an. Aber draußen geht der Punk ab. Ich fahre langsam weiter. Große Äste stürzen auf die Fahrbahn und mein Scheibenwischer macht nicht mehr so wirklich mit. Ich komme noch bis zu einer der Brücken zwischen Olympiahalle und BMW. Ich habe bereits das Gefühl, dass mein Auto im Rollen schon Aquaplaning kriegt. Ich kann nicht genau sagen, unter welcher der Brücken ich nun stehe, weil einfach alles dunkel ist, hier. So dunkel, wie im Arsch eines Homophobikers.

Da die höchste Stufe meines Scheibenwischer nicht mehr nachkommt und ich die Lichter meiner Scheinwerfer nicht mehr erkennen kann, obwohl ich scheinbar unter einer Brücke stehe, schalte ich meinen Scheibenwischer aus. Ich blicke paranoid auf die Digitalanzeige meines Autos und es ist ja kaum zu erraten: 20:15 Uhr und 6°C. Die Tankanzeige, sie leuchtet schon. Meine Güte, warum tanke ich eigentlich nie voll. Ich mache vorsichtshalber den Motor aus, schalte aber die Warnblickanlage und den Radio an. Immer noch der Exorzist. Zitternd schalte ich von CD auf Radio. Rauschen. Ich drücke nervös auf den Sendersuchlauf. Ich warte eine halbe Ewigkeit. Nichts. Nur Rauschen. Ich drücke auf AM und wieder auf den Sendersuchlauf. Rauschen. Ein Blitz erhellt den Himmel. Ich kann für den Bruchteil einer Sekunde die BMW-Welt sehen. Beziehungsweise, das was davon übrig ist. Bevor ich begreife, was ich da scheinbar durch die nasse Scheibe zu erkennen glaube, lässt der folgende Donner die Scheiben meines Autos erzittern. Augenblicklich hatte ich ein Pfeifen im Ohr. Der Radio rauscht immer noch und ich starre wie gebannt auf meine Windschutzscheibe. Ich kann meinen Atem sehen. Alles Klar. Kann ich aus der Horrorstory noch aussteigen? Geistesgegenwärtig lasse ich den Motor an und mach den Scheibenwischer wieder an.

Auf der Digitalanzeige steht, wie wahr es auch anders zu erwarten: 20:15 Uhr und -4°C. Jetzt kriege ich Panik. Der nächste Blitz macht die Nacht zum Tage und ich kann erkennen, dass die BMW-Welt tatsächlich eingestürzt ist. Weil…. Donner. Ich schrecke zusammen und fasse mir ganz unwillkürlich ans Herz. Das Pochen übertönt nun das Pfeifen in meinem Ohr und ich blicke aus dem Seitenfenster, da wo eigentlich der Olympiaturm hätte sein müssen. Der nächste Blitz bestätigt meine Vermutung. Der Turm ist über den Ring gestürzt und hat die BMW-Welt zermalmt. Den nächsten Donner höre ich schon gar nicht mehr. Mein Verstand hat sich wohl bereits auf die Socken gemacht, so dass das nächste Bild vom Blitz erhellt mich den Verstand nicht mehr verlieren lassen hätte können. Große Tentakeln glitten über den umgestürzten Turm und waberten auf mein Auto zu. Dahinter kam ein riesiges dunkles Auge zum Vorschein und die monströse Hand eines klavierspielenden, grünen Riesen und dann war wieder alles dunkel. Das Rauschen des Radios drang wieder an mein Ohr. Und dann kommt tatsächlich etwas aus dem Radio…

Düüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüh. Ich schrecke hoch. Weil hinter mir jemand hupt, ich bin an der Ampel eingeschlafen. An der Donnersberger Brücke. Die Ampel schaltet auf rot. Ich wische mir den Sabber vom Kinn. Im Radio läuft: Last Christmas. Es ist 18:47 Uhr, es hat -4°C.

Eine hell erleuchtete Trambahn fährt an mir vorbei. Das öffentliche Reality-Live in dieser Tram kommt mir surreal vor. Menschen in dicken, bunten Jacken und bunten Einkaufstüten, die nur nach Hause wollen, um die Tür vor dem Horror des Alltags hinter sich zuzuschlagen. Es wird Grün. Ich gebe Gas und fahre auf die Donnersberger Brücke, die Stadt blinkt und leuchtet wie nie.

P.S. Ich hatte wohl vergessen, mein 15. Türchen vom Adventskalender zu öffnen.

Die Verzückung des Gaffers…

Die Verzückung des Gaffers…

Ich bemerke, wie mich ein grelles Licht anstrahlt und dabei läuft mir ein eisiger Schauer über den Rücken. Meine Zähne klappern und ich versuche unter Schaudern, erst das eine Auge zu öffnen und dann das Zweite. Meine Augen benötigen eine Weile bis sie sich an die Helligkeit gewöhnen würden, aber der Schmerz in meinem Kopf erklärt mir ziemlich unmissverständlich, dass es besser wäre, die Augen einfach wieder zu schließen. Ein Luftzug fährt mir durchs Haar und lässt mich noch mehr erzittern. Ein gewaltiger Knall schockt meinen ganzen Körper, wie ein Blitzeinschlag. Ich riss die Augen auf und drehte mich blitzartig in Richtung des Knalles. Von der schnellen Drehung wurde es mir schwindelig und ich taumle, bis ich etwas Konisches auf Handhöhe zu fassen bekam und mich daraufhin daran festklammerte, als würde mein Leben davon abhängen. Ich kann mir nicht erklären, warum ich in diesem Moment von dieser Todesangst so erfüllt war, dass mir mein ganzer Körper für einen viel zu langen Moment nicht mehr gehorchen wollte.

Erst als ich mich, mit einer ziemlich steifen Körperbewegung, wieder aufrappeln konnte und meine Augen ein weiteres Mal öffnete, wurde mir nach einer ganzen Weile erst so richtig klar, dass ich mich in Mitten einer riesigen Kathedrale befand. Die Kirchentore waren wohl durch einen Luftzug zugefallen. Ich wand mich wieder um und der Lichtschein, der durch die bunten Butzenscheiben der Kirche strahlte, war weniger beeindruckend, als der Lichtstrahl, der durch ein Loch in Mitten der gewaltigen Kuppel, auf mich herab schien. Mir wurde wieder schwindelig und ich klammerte mich wieder an einen der konischen Zapfen am Ende einer der Kirchenbänke. Über meinem Kopf war die biblische Geschichte in Form von Bildern in einer, mir selten klarer gewordenen, Dramatik dargestellt, die ich kaum in Worte zu fassen vermag. Es schien mir, als ob die Gefühle der einzelnen Figuren direkt in mein Herz hinein fließen würden. Von diesen Gefühlen völlig überwältigt musste ich mich setzen, starrte aber weiter an die Decke. Von den Sonnenstrahlen komplett eingehüllt, stierte ich weiter bewegungsunfähig auf die Deckenbemalung. Männer von muskulöser Gewalt blickten auf mich herab. Es schien mir so, als würden sie mich mit ihren Augen völlig verzehren. In Mitten von ihnen eine aufreizende, in ihr rotes Haupthaar gehüllte, Maria Magdalena, deren nackten Arme auf mich zeigten, als würde sie mich seit langem erwarten. Ich schüttelte meinen Kopf, weil ich das Gesehene nicht glauben konnte. Aber das lüsterne Trugbild prangte immer noch über mir. Ich schloss die Augen und haderte mit mir selbst. Die wollüstigen Blicke der Gestalten da über mir, hatten mir die Schamesröte ins Gesicht steigen lassen. Mir war irrsinnig heiß geworden. Meine verschwitzten Hände wollten mich von meiner Kleidung befreien. Als meine Hände meine nackten Brüste umschlossen, begriff ich, was ich da tat. Mit zitternden Händen raffte ich meine Bluse vor meinen Brüsten zusammen und schickte mich an aus der Kirche rennen zu wollen, aber als ich aufspringen wollte, würde ich von Etwas an die Kirchenbank gedrückt. Etwas, was mich daran hindern wollte, die Kathedrale zu verlassen. Ich war wie gelähmt. Schweißperlen standen auf meiner Stirn und die Hitze wurde immer unerträglicher. Mein Körper gehorchte mir noch weniger als zu vor und ich kämpfte mit meinem Verstand. Als ich endlich die Augen öffnen konnte, rann mir der Schweiß von der Stirn in die Augen und vermischte sich sogleich mit meinen Tränen. Ich konnte Rauchgeruch riechen, bevor mir Rotz und Wasser aus der Nase schoss.

Das Licht war unerträglich grell und die Hitze brannte auf meinen Wangen. Der Fluss aus meiner Nase versiegte so schnell, wie er gekommen war. Meine Nase war nun von dem verstopft, was da vorher noch so munter herausgesprudelt war. Der Druck in meinem Kopf stieg, mein Gesicht fühlte sich so an, als würde gleich mein Kopf platzen. Die Augen traten aus den Augenhöhlen. Wie auf Knopfdruck zog ich die heiße Luft durch den Mund ein. Meine Lungen brannten. Ich versuchte über meine trockenen Lippen zu lecken. Meine Zunge war ausgetrocknet und ich riss mir beim Überlecken die Lippen auf. Ich konnte kurz Blut schmecken, bevor auch das auf meinen Lippen trocknete. Meine Tränen trockneten ebenfalls schneller als sie meine Augäpfel benetzen konnten und ich konnte nur noch kurz Flammen um mich herum züngeln sehen, bevor ich ein letztes Mal meine Augen schloss, um sie vor der völligen Austrocknung zu schützen. Ich konnte die Flammen auf meinem Körper spüren und durch die aufsteigende Hitze riss mich die Haare zu Berge. Ich saß immer noch auf der Kirchenbank, aber ich hatte plötzlich keinen Boden mehr unter meinen Füßen.

Unter mir hatte sich ein Loch aufgetan und ein gewaltiger Luftstrom rettete mich einen Moment vor den Flammen. Etwas berührte meine Beine und kroch mir die nackten Beine im Hosenbein hinauf. Sanfter Druck zog mich von der Kirchenbank und ich fiel. Ich hatte nicht mal versucht mich festzuhalten. Im Fallen konnte ich ein letztes Mal den Feuersturm über mir spüren. Diese Tentakeln umschlossen meine Beine immer stärker und krochen immer höher. Der Stoff meiner Hose zerriss unter der sanften Gewalt der Tentakeln. Ich wusste nicht, ob ich nun gezogen oder gehalten wurde, weil ich immer noch fiel, bis ich mit einen leisen Platschen in kaltes Wasser eintauchte. Das Wasser fühlte sich ölig an und umschloss meinen, vom Feuer geschundenen, Körper mit sanften Wogen.

Ich öffnete langsam die Augen und konnte sehen. Das türkise Wasser, dass mich umschloss und über mir ein heller Fleck. Unter Wasser sahen die Flammenzungen so friedlich aus, wie die Haare Maria Magdalenas, die versuchten nach mir zu greifen. Die Tentakeln zogen mich weiter unter Wasser. Auch um mich herum waren Tentakeln, sie rieben mich an meinem Körper. Sie leuchteten in vielen schrillen Farben. Meine offene Bluse glitt mir von den Armen, dann wurden auch diese von Tentakeln umschlossen. Die Überreste meiner Hose zerrissen vollends unter der sanften Gewalt der Tentakeln. Sie krochen an meinem Schlüpfer vorbei und drangen in mich ein. Die Hitze stieg wieder in mir auf. Wollüstige Verzückungszustände durchschossen meinen Körper. Die Tentakeln drangen immer tiefer in mich ein und zogen mich gleichzeitig immer weiter an den Grund hinab. Mein Verstand muss wohl im Feuer geblieben sein, dann war es auch nicht möglich, dass ich ihn in dem Moment verlieren würde, als ich am Grund ein phantasmagorisches Wesen wahrnahm.

Ich konnte oder ich wollte nicht den Grund dieses Wesens erfahren, dessen Enden mich so sanft aber auch bestimmt bearbeiteten…

Eine wunderschöne Blumenwiese im Schneesturm… Teil 1

Eine wunderschöne Blumenwiese im Schneesturm…

Ich laufe über eine wunderschöne Blumenwiese. Sie ist voll schön. Weil! Weil, da sind ganz viele wunderschöne Blumen. Ich springe, wie ein kleines 12jähriges Mädchen mit blonden Zöpfen über die wunderschöne Blumenwiese.

Himmel, ich bin ein kleines 12jähriges Mädchen mit blonden Zöpfen. In was für eine Scheiße bin ich da jetzt wieder geraten? Ich muss mit dem Koffein und mit dem Absinth aufhören. Und ich muss verdammt nochmal mehr schlafen. Scheiß auf den Vollmond, Bine! Bine, du musst verdammt nochmal mehr schlafen.

Ich schaue an mir herab. Was ist denn dass? Ich habe eine pinke HelloKitty-Kindergartenumhängetasche um den Hals hängen. Ich öffne die Tasche und schaue hinein. Völlig enttäuscht schließe ich die Tasche wieder, mein angebissenes Schinkenkäsetoast ist da gar nicht drin, obwohl ich so ein Gefühl hatte, es wäre so. Blöder Traum.

Ich springe ja immer noch auf dieser wunderschönen Blumenwiese herum. Die Wiese, unendliche Weiten. Unglaublich, wie viele Blumen hier sind. Ich will sie alle pflücken. Können 12jährige Mädchen schon dem Größenwahn unterliegen. Ich hüpfe weiter über die wunderschöne Blumenwiese und ich komme an einen wunderschönen Ententeich.

Ich sehe ins Wasser und ich kann mich im Wasser spiegeln sehen. Mein Spiegelbild zeigt mir, dass ich ein weißes Kleid mit roten Punkten an habe.

Oh, was ist das. Die Punkte werden zu Blumen und ich bin kein 12jähriges Mädchen mehr. Ich bin eine ältere Bine mit pinken Zöpfen und ich trage außer mir selbst eine Ganzkörperblumenbemalung. Ein Blumenstirnband ziert meinen Kopf und ich habe ein Körbchen in der Hand, bis oben hin voll mit Blütenblättern. Ich höre Hochzeitsglocken läuten. Jetzt muss ich mich aber beeilen, sonst komme ich noch zu spät. Zu spät zu was?

Ich laufe wieder über die wunderschöne Blumenwiese auf eine Hochzeitsgesellschaft zu. An den vereinzelnd stehenden Bäumen sind weiße Schleifen gebunden. Viele weiße Tauben fliegen in den blauen Himmel. Ich laufe immer schneller über die Wiese. Meine nackten Füße graben sich bei jedem Schritt tiefer in die feuchte Erde und das Moos, dass zwischen den Grashalmen wächst. Die, durch meine schnellen Schritte aufgescheuchten, Schmetterlinge begleiten meinen Weg. Ich laufe immer schneller auf die Hochzeitsgesellschaft zu, ich kann sie aber nicht erreichen. Die fangen noch ohne mich an. Aber ich bin doch das Blumenmädchen.

Himmel, was sind dass denn für Gedanken? Blumenmädchen? Haare braun färben? Das muss ein Traum sein, auf so eine Idee würde ich ja nie kommen, wenn ich ernsthaft mal wach wäre, oder?

Mein Blick vernebelte sich und ich konnte eine kräftige Hand auf meiner Schulter spüren. Krallen bohrten sich in meine Haut. Es wurde alles weiß um mich herum. Weiß. Und unsagbar kalt. Ich konnte eine tiefe Stimme in meinem Kopf hören. Mein Verstand schien das Gesagte aufzunehmen. Mein Körper hatte wohl das Laufen eingestellt, mein Verstand hastete aber weiter. Immer weiter. Ohne Pause. Ruhelos.

Ich spürte eine zweite Hand, wie sie durch meinen Körper griff um meinen Verstand zu stoppen. Es dauerte nur ein paar Sekunden, bis mein Verstand endlich zur Ruhe gekommen ist. Ich stellte fest, dass ich in einem weißen, weiten Raum stand. Öd und leer und kalt. Es war so kalt. Ich hatte nach wie vor keine Schuhe an, konnte aber den Boden unter meinen Füßen nicht wahrnehmen.

Am Ende des Raumes sah ich einen Fleck. Ich ging auf den Fleck zu. Ein roter Fleck. Die Hand auf meiner Schulter begleitete mich, so wie die Kälte. Ich lief immer schneller. Der rote Fleck wurde größer.

Der rote Fleck war ein roter Stuhl. Mit jedem Schritt, den ich näher an den roten Stuhl kam, wurde der weiße Raum immer kleiner und kleiner. Irgendwann stand ich tatsächlich vor dem roten Stuhl und der weiße Raum war jetzt so klein geworden, viel zu klein. Ich hatte das Gefühl mich ducken zu müssen, um nicht am Ende des Raumes anzustoßen. Der unentwindbare Griff der starken Hand zwang mich auf den roten Stuhl.

Ich spürte den Körper, der zu der starken Hand gehören musste, hinter mir stehen. Ich wägte es aber nicht mich umzudrehen. Seine Stimme prügelte weiter auf mein Hirn ein. Er schändete meine Gedanken. Ich konnte nicht wiedergeben, was mir da gesagt wurde, aber ich wusste, dass etwas gesagt wurde.

Meine Nackenhaare stellten sich auf. Aber nicht wegen der Kälte. Wegen dieser Stimme. Die Stimme bohrte sich in meinen Kopf und löste Gedanken in mir aus. Meine Gedanken stürzten mich ins Chaos. Der Stuhl kippte nach vorne. Der Raum wurde immer kleiner und kleiner, meine Augen verdrehten sich und mir schwanden die Sinne, als der Raum über mir zusammenbrach.

Als ich wieder aus meiner Ohnmacht aufschreckte, schwebte der rote Stuhl immer noch in gekippter Art und Weise am Rande einer Klippe. Es war immer noch alles weiß. Ich hatte Angst zu fallen. Falle aber nicht. Ich wurde von der Hand gehalten.

Das Gefühl gleich abzustürzen ging aber nicht weg. Meine nackten Zehenspitzen berührten ganz leicht den verschneiten, gefrorenen Boden, der unter den beiden Stuhlbeinen zu sein schien. Schnee und Eis ließen in mir das Gefühl auffahren, dass es mir gerade die Zehennägel aufrollte. Vor mir war die stürmische See. Der Wind treibt mir gefrorenen Regen ins Gesicht. Die schweren, schwarzen Wolken kamen rasend schnell auf mich zu.

Cthulhu Detail

Ich bemerkte neben mir einen Schatten. Die starke Hand presste mich weiter auf den Stuhl. Ich hatte das Gefühl, dass meine Knochen unter dieser Berührung bersten könnten. Nun konnte ich die Hand sehen, die mich, wie ein Schraubstock, mit dem Stuhl zusammen in der Luft hielt. Es ist eine echt große Hand, die mit pergamentartiger, weißer Haut und angeschwollenen grünen Adern umhüllt war. Seine spitzen, schwarzen Krallen bohrten sich in mein Fleisch.

Ich blickte nun doch auf den gewaltigen Schatten neben mir, der ohne Zweifel zu der Hand gehören musste. Ich sah weißes Fleisch, dass von angeschwollenen grünen Adern übersät war. Die Adern schienen nach anderen Gesetzen über den enormen Körper zu wachsen und endeten in großen Geschwüren. Diese Geschwüre waren lila oder türkis und sie wirkten auf mich, als würden sie nur durch meinen Blick zum Platzen gebrachte werden. Aus Manchen lief ein bunt schillerndes, widerlich schleimiges und übelriechendes Sekret.

Ich hatte nie eine genaue Vorstellung davon, wie obszöne Pilzgewächse den aussehen sollten, aber diese Geschwüre kamen dem schon ziemlich nahe, was sich mein verrückter Verstand in der Vergangenheit insgeheim so farbenfroh ausgemalt hatte.

Seine Stimme hatte die ganze Zeit nicht aufgehört zu meinem Hirn zu reden und ich fühlte mich so, als würde aus meinem Kopf auch dieses Sekret laufen. Die Stimme brach ab und ich verstand nun laut und deutlich: ‚Du wirst die einzige Überlebende sein!‘

Fortsetzung folgt…

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