WüstenRoadMovie

WüstenRoadMovie

Irgendwo im Nirgendwo, Tunesien

08.05.2013

nauders

Farid und Enzo saßen in einem Zelt an einem Tisch und spielten ein Spiel, so schien es zumindest. Auf dem Tisch lagen Karten, Geldscheine, Waffen, Gläser mit einer goldener Flüssigkeit, eine Flasche Dattelwein und Skorpione in umgedrehten Gläsern. Enzo war kaum wieder zu erkennen. Die Zeit in der Wüste hatte nicht nur sein Gesicht gezeichnet. Er sah schon fast wie ein Einheimischer aus, bis auf die Haare.

‚Enzo, mein Freund, du siehst langsam so aus wie Lawrence von Arabien!‘ meinte Farid. ‚Bis auf deine Augen!‘

‚Ich bin längst nicht so nett wie Lawrence von Arabien!‘ meinte Enzo, strich sich übers ausgebleichte Haar und zog einen Dolch. Er nahm einen Becher hoch und spießte den Skorpion auf, der rasch über den Tisch lief.

Von draußen kamen Geräusche durch die Zeltwand.

‚Vaffanculo, Stupido…!‘ rief eine bekannte Stimme.

Sie konnten die Geräusche einer Schlägerei hören und schon kam Giovanni durch den Zelteingang gestolpert. Zwei bewaffnete Männer von Farid stürzten ihm hinterher. Farid hatte eine Waffe gezogen und zielte auf den Jungen. Enzo hielt ihm blitzschnell das Messer mit dem Skorpion ins Gesicht und nahm ihm mit der anderen Hand die Waffe ab und bedrohte damit die Wachen.

‚Sie haben einen Taliban aus dir gemacht, Onkel!‘ meinte Giovanni und rappelte sich auf.

‚Dummes Kind, mich so zu erschrecken! Ich bin ein alter Mann, ich hab noch drei Monate zu leben!‘ rief Farid und griff sich ans Herz.

‚Sagt, der Mann, der 3 Jahre jünger ist als ich, schon seit einem halben Jahr!‘ meinte Enzo und gab den Wachen mit einer Handbewegung zu verstehen, dass sie sich verpissen konnten. Vorsichtig entließ er den Skorpion in ein leeres Glas und drehte es blitzschnell um.

‚Ach schickt deine Großmutter die Bomben nicht mehr mit der Post?‘ meinte Farid und trank den Dattelwein gleich aus der Flasche.

‚Es ist die Zeit gekommen, dass ich dir ein Angebot unterbreite, dass du nicht ablehnen kannst.‘ meinte Giovanni und grinste dann dreckig.

‚Mit Einem, der beim Manne liegt, mache ich keine Geschäfte!‘ spie Farid ihm förmlich vor die Füße. 

‚Sagt mir ein Mann, der heimlich Frauenschuhe trägt!‘ konterte Giovanni und wedelte dabei mit einem Foto, auf dem Farid eindeutig in Frauenkleidung zu sehen war. ‚Ich habe deinen Frauen schöne Abzüge geschickt, Farid! Wenn ich du wäre, würde ich schnell heim fahren zu deinen lieben Frauen. In diesem Land kann man ja nie wiesen, wann die Post ankommt!‘

‚Du bist ein grausamer Bengel!‘ zischte Farid und blickte sich hastig im Zelt um. ‚Maschallah!‘

Enzo grinste bis über beide Ohren, doch Giovanni blickte sehr skeptisch drein. ‚Wir sollten uns lieber beeilen, ich hab nen Jeep geklaut und die Barkasse wird im Hafen nicht ewig warten!‘

Farid lief wie ein aufgeschrecktes Huhn durchs Zelt, packte seinen Seesack und wollte das Zelt verlassen.

‚Halt, Farid mein Freund!‘ flüsterte Enzo.

Farid hielt inne und blickte ihn schnippisch an: ‚Was ist nun noch?‘

‚Die Schuhe!‘

‚Nein, Sahib. Tut mir das nicht an. Das ist alles was ich noch habe!‘

‚Deswegen schickt dir die Nonna die hier!‘ meinte Giovanni und hob ein paar ausgelatschte, aber wunderschöne schwarze Damenschuhe.

‚Die passen viel besser zu deinem Kopftuch, Farid.‘ rief Enzo.

‚Darf ich dran riechen?‘ wimmerte Farid sehnsüchtig.

‚Gib uns die anderen Schuhe und dann kannst du machen was du willst damit.meinte Giovanni ziemlich angewidert.

Wenig später saßen Enzo und Giovanni im Jeep und Enzo hetzte den Wagen Richtung Küste und Giovanni hatte Blumes Schuhe auf seinem Schoss liegen und beäugte sie scheel.

‚Was is’n das für eine Barkasse?‘ fragte Enzo. 

‚Ach, der Schwager vom Pepe hat da so ein paar kleine Fischerboote.‘ rief Giovanni fast beiläufig.

‚Du bist schon ein Hund!‘ 

‚Die Nonna sagt immer, doppelt genäht hält besser. Der Schwager vom Pepe hat auch unsere Cruise Missile an Bord.‘

‚Was zur Hölle ist das für ein Boot, wenn da die Abschussvorrichtung von einer Cruise Missile drauf passt.‘

‚Es ist ja nur eine Kleine… eine kleine Yacht!‘

‚Sag mal, was meinte Farid mit: Einer, der beim Manne liegt?‘

‚Genau dass, was die Wörter bedeuten!‘ meinte Giovanni und spreizte den kleinen Finger von seiner Hand ab.

‚Aha, und was sagt da die Nonna dazu?‘ fragte Enzo und zog eine Augenbraue hoch. 

‚Sie ignoriert es gekonnt!‘

‚Ist Blume noch in der Casa di Nonna?‘

Giovanni blickte auf sein Handy und zählte dann etwas mit den Fingern ab. ‚Vielleicht sollten wir gleich nach Trapani…!‘

‚Was wollen wir in Trapani?‘

‚Es ist wahrscheinlich der falsche Zeitpunkt es dir zu sagen, aber es ist auch der Grund, warum ich so überstürzt gekommen bin.‘

Enzo machte eine Vollbremsung und blickte seinen Neffen entgeistert an.

‚Bis wir wieder auf Sizilien sind, wird Blume schon im Krankenhaus sein.‘

Enzo packte Giovanni am Kragen und rüttelte ihn, brachte aber keinen Ton heraus.

‚Mann, Onkel! Du hast sie angebumst und die Nonna hat ihre Tasche fürs Krankenhaus schon gepackt.‘

Enzo ließ ihn los, so dass Giovanni in den Sitz zurück fiel und zählte ebenfalls an den Finger etwas ab.

Giovanni war ausgestiegen, zog einen Flachmann aus der Hosentasche und kam an die Beifahrertür. ‚Da trink und rutsch rüber, ich fahr besser weiter!‘

Enzo sagte kein Wort, bis der den Flachmann vollends geleert hatte. Vor ihnen tauchte bereits die Küste auf, als er endlich wieder einen Ton heraus brachte. ‚Aber ihr geht’s sonst schon gut, oder?‘

‚Naja, wie man’s nimmt. Ihre Stimmung ist halt ganz schön scheiße und sie isst nicht genug, sagt die Nonna.‘

‚Und das Baby?‘

Er zog einen schwarzen Zettel aus der Hemdtasche und gab ihn Enzo. ‚Ganz der Papa würd ich mal sagen. Sie will ihn Bambi nennen.‘

Enzo sah auf den Zettel und erblickte ein Ultraschallbild und mit viel Fantasie erkannte man ein menschliches Wesen auf dem Bild.

‚Ich glaub ich muss kotzen!‘ stotterte Enzo.

‚Das Kind muss von dir sein, dass muss ich mir schon seit guten neun Monaten von Blume anhören!‘

Weiter geht es im Alpenroadmovie – Sicilian Standoff – Manchmal kommt es anders und vor allem als man denkt!

 

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AlpenRoadMovie21 – Unsere Sache

AlpenRoadMovie21 – Unsere Sache

Marsala, Sizilien.
24.12.2012, 18.00 Uhr

naudersBlume stand auf der Terrasse und blickte aufs Meer. Das machte sie, seit dem sie im Sommer angekommen war. Man konnte die Uhr nach ihr stellen. Jeden Abend stand sie da. Sie schaute nicht wirklich der Sonne beim Untergehen zu, nein sie blickte übers Meer in Richtung Bizerte.

Langsam konnte man ihren Bauch sehen. Sie war schwanger. Die Nonna hatte dies relativ gut aufgenommen, dass heißt sie schimpft noch mehr über den räudigen Ziegenbock Farid und schickt immer wieder Briefbomben an verschiedene Adresse in München, in der Nähe von Nauderns oder nach Bizerte. Die Cruise Missile hatte sie abgeben müssen, da war der Polizeichef sehr deutlich gewesen.

Die Polizei war schon lange nicht mehr da gewesen. Sie haben die Anklage gegen Enzo mittlerweile fallengelassen, seit dem Brand neulich. Seltsame Sachen passieren zuweilen. Dinge verschwinden, tauchen woanders wieder auf. Sachen explodieren. Autos zum Beispiel. Der Nonna konnte man nie etwas nachweisen. Natürlich nicht. Würde sich auch nie einer erlauben. Giovanni ist letzte Woche fortgeschickt worden und er ist noch nicht wieder da. Die Nonna war außer sich.

Es klingelte an der Tür. Wenig später kam jemand auf die Terrasse geschritten.

‚Schöne Weihnachten wünsch ich dir, mein Kind!‘ meinte eine ältere Dame, die nun über die Terrasse schwebte.

Blume drehte sich um und blickte ihre Mutter entsetzt an.

‚Wir haben dein Auto mitgebracht und ein Paar von deinen Sachen, ich habe es nicht übers Herz gebracht alles zu verkaufen.‘

Giovanni stand in der Terrassentür und grinste. Die Nonna konnte man von drinnen lautstark telefonieren hören. Als sie auflegte, konnte man das im ganzen Haus hören. ‚Mein Gott spuckt auf den Seinen! Dieser räudige Hund einer läufigen Ziege. Ich sprenge ihm sein verdammtes Camp in die Luft!‘

‚Die Nonna redet nur deutsch, wenn sie sichergehen möchte, dass ich auch jedes Wort verstehe.‘ meinte Blume und ging nach drinnen.

Heute war ein guter Tag. An guten Tagen machte Die Nonna ihr Hoffnung, Enzo würde schon bald kommen. An schlechten Tagen schaffte es nicht mal Giovanni sie aufzumuntern.

‚Krieg ich eigentlich mal erklärt was eigentlich los ist?‘ fragte ihre Mutter, während sie ihrer Tochter hinterher lief.

Giovanni setzte an zu reden: ‚Frau Müller…!‘ und wurde aber gleich wieder von Frau Müller unterbrochen: ‚Und erzähl mir nicht wieder, es wäre ‚eure Sache‘, mit dem Cosa Nostra-Mist brauchst du mir nicht mehr kommen.‘

‚Ja, aber wenn er es Ihnen erzählt, dann muss ich ihn erschießen!‘ meinte die Nonna und winkte sie ins Esszimmer. Ziemlich mürrisch gingen ihr alle hinterher. 

‚Los jetzt essen wir erst Mal was, dann lässt es sich besser erzählen.‘ meinte die Nonna und blickte Giovanni an, rümpfte die Nase und meinte: ‚Und du, wasch dich erst mal!‘

Im Esszimmer angekommen, saßen schon 5 Kinder am Tisch und Giovannis Mutter tischte auf. ‚Wie will er denn je eine Frau finden, wenn er immer herum läuft wie ein Landstreicher!‘

‚Nonna, ich bin schwul!‘ meinte Giovanni, als er das Esszimmer betrat.

Blume erhob das Glas und meinte: ‚Ich wünsch euch auch allen ein schönes Weihnachtsfest!‘ Die Ironie in ihrer Stimme fegte über alle hinweg.

‚Das sagt er nur immer, um mich zu ärgern.‘ meinte die Nonna und hob ihr Glas.

‚Kind, ist das Wein, den darfst du nicht trinken, wenn du schwanger bist!‘ meinte Frau Müller.

‚Mutter! Den Wein kriegen hier sogar die Kinder und ehrlich mal, möchte ich nicht wissen, was du alles genommen hast, als du mich in Goa empfangen hast.‘

‚Außerdem erlaube ich ihr nur einen Schluck!‘ meinte die Nonna streng.

‚Und warum bist du überhaupt schwanger?‘ fragte Frau Müller ziemlich schnippisch. 

‚Mutter bitte!‘ zischte ihr Blume zu und trank. 

‚Mein Sohn Enzo hat diese wunderschöne Blume bestäubt!‘ grinste die Nonna und schenkte sich nochmal nach.

‚Und wo ist dieser Enzo?‘

‚In Bizerte!‘ rief Giovanni.

‚In Ägypten! Und was macht er da? Skifahren?‘ kreischte Frau Müller dem Wahnsinn anheim zu fallend. 

‚Auf seine Auslieferung warten!‘ meinte Blume ernst.

‚Bitte was?‘ rief Frau Müller erstickt und goß sich das volle Glas Rotwein hinter die Binde. 

‚Das Essen wird kalt!‘ schluchzte die Mutter von Giovanni leise. Sie war fast den Tränen nahe.

‚Ja esst erst mal!‘ meinte die Nonna ernst.

Fortsetzung folgt in Manchmal kommt es anders… Der Killer wird zum Koch!

 

‘Warum denn so ernst, schöner Mann?’ Teil 6

Warum denn so ernst, schöner Mann?’ Teil 6

 

Rückblende Fortsetzung

In der selben Nacht vor 8 Wochen:

keinenummernBingo. Endlich war er draußen. Er ließ den Club hinter sich und rannte über den Parkplatz auf die Straße. Er wählte die Nummer seines Chefs und Einsatzleiters. ‚Ja, wo sind Sie?‘ fragte Jeff.

‚Neben ihrem Wagen!‘ sagte sein Chef entnervt.

‚Ich bin in zwei Minuten da.‘ sagte Jeff, bevor er wieder auflegte. Er rannte zu seinem Wagen. Zwei Minuten später machte er die Schiebetür des zivilen Einsatzwagens auf. Sein Chef und der Staatsanwalt saßen in dem Einsatzwagen und blickte ihn erwartungsvoll an. Sein Kollege, der Fahrer des Wagen, saß vorne am Steuer, blickte aber durch ein Schiebefenster nach hinten ins Wageninnere. Jeff kroch schwer schnaufend aber grinsend in den Wagen. Dann ging er zu einem Laptop, der alles aufzeichnete was bis jetzt gesprochen wurde. Er drückte auf Pause. ‚Sorry, für das, was ich ihnen jetzt zu sagen habe, brauchen wir keine Ohren.‘ Laut schnaufend setzte er sich erst Mal. Sein Chef drückte ihm eine Flasche Cola in die Hand. Er trank und atmete nochmal tief durch.

‚Also, ich habe gerade unsere beiden Verdächtigen bei der Geldübergabe beobachtet und da war noch ein dritter Mann.‘ keuchte er und machte eine dramatische Pause, um noch einmal zu trinken.

‚Jetzt spannen Sie uns nicht auf die Folter.‘ rief der Staatsanwalt.

‚Es ist ein Ermittler aus unserer Abteilung.‘

‚Wer?‘ kam es aus dem Mund von Beiden.

‚Werner Koslowski!‘

‚Nein, Sie verarschen mich jetzt schon wieder!‘ schrie ihn sein Chef fast an.

‚Nein, nein und ich hoffe, dass die Aufnahme mit meinem Handy etwas geworden ist.‘ beteuerte Jeff.

‚Warum haben sie ihre Dienstkamera nicht dabei gehabt?‘ fragte der Staatsanwalt.

‚Ich habe auch ein Privatleben!‘ meinte Jeff und grinste, während er an seinem Handy herum tippte.

Sein Chef leuchtete ihm mit einer Lampe ins Gesicht und an seinem Anzug herab. ‚Das erklärt jetzt zwar, warum Sie nicht ans Handy gegangen sind. Aber es erklärt nicht die goldene Farbe, die Sie überall kleben haben.‘

‚Ist da nicht so ein goldenes Pin-Up Girl auf diesem Flyer zu sehen?‘ plapperte der Staatsanwalt und hob den Flyer von der Party hoch.

‚Wie gesagt, Privatleben!‘ meinte Jeff kurz und blickte die Herren ernst an, dann flog ein kleines Lächeln über sein Gesicht. Endlich spielte sein Handy die Aufnahme ab. Er hielt sein Handy wortlos in die Runde.

‚Der Koslowski, diese Ratte!‘ sagte sein Chef, klopfte Jeff väterlich auf die Schulter und fuhr fort: ‚Ich hab Sie heute nicht nur einmal unterschätzt, sondern zweimal. Ich glaub ich muss mich bei Ihnen entschuldigen.‘ Und hielt ihm grinsend die Hand hin.

‚Jetzt mal die Späße bei Seite, Hannes.‘ sagte der Staatsanwalt zum Einsatzleiter, während Jeff noch seine Hand hin hielt. Dann wandte sich der Staatsanwalt zu Jeff: ‚Herr Lehmann! Dieser Koslowski, hat er Sie schon mal gesehen, seit dem Sie zu uns gewechselt sind?‘

Jeff war ziemlich erschrocken, von seinem richtigen Namen, seit dem er hier war, wurde er nur mit seinem falschen Namen angesprochen, Jeff Schmitt.

‚Ähm, nein. Ich habe ihn auch nur erkannt, weil ich alle Kollegen gesichtet habe, als der Verdacht aufkam, dass wir vielleicht einen Spitzel in der Internen haben könnten.‘

‚Gibt es außer ihnen Beiden noch einen Kollegen, den dieser Koslowski nicht kennen könnte?‘ fragte der Staatsanwalt und drehte sich zum Fahrer.

‚Die Bordsteinschwalbe… ähm…Der Bieringer, er wurde zur selben Zeit versetzt, wie Herr Schmitt!! Und arbeitet seitdem auch verdeckt an dem Fall.‘ meinte der Fahrer.

‚Sehr gut. Sie Beide und dieser Bieringer heften sich ab Montag an die Fersen von diesem Koslowski. Ich werde Ihnen die Personalakte besorgen. Und wir treffen uns alle morgen…äh…heute Abend bei mir zu Hause zum Essen. Ich stelle ihnen mein privates Büro für die Ermittlungen zur Verfügung. Ich hoffe sie haben einen zweiten Anzug, Herr Schmitt!! Unsere Frauen sind auch anwesend, wir können sie morgen…äh…nachher nicht nochmal versetzen.‘ sagte der Staatsanwalt abschließen, er hatte während seinem Vortrag zweimal auf die Uhr gesehen, schaute dann den Einsatzleiter an und klopfte Jeff nun auf die Schulter. ‚Wirklich gute Arbeit, Herr Lehmann ähm Schmitt!‘

‚Ich verständige Bieringer. Und Sie…!‘ Sein Chef machte eine dramatische Pause und tippte ihn mit dem Finger dreimal gegen die Schulter. ‚Sie! Wenn ich Sie wäre, würde ich das Golden Girl nachhause bringen! Und Schlafen Sie sich aus, die nächste Woche wird nicht leicht werden. Ach und ziehen Sie mir den Film bis morgen auf einen Stick.‘

‚Haben Sie einen Stick dabei, dann können Sie den Film gleich abspeichern.‘ meinte der Staatsanwalt.

‚Ja, im Auto ist mein Laptop. Warten Sie einen Moment.‘ Jeff stieg aus dem Wagen und einen Moment später kam er mit seinem Laptop im Arm und seinem Stick im Mund wieder in den Lieferwagen gestiegen.

Nach fünf Minuten stand er alleine auf der Straße, gegen sein Auto gelehnt. Er hatte den Laptop auf das Autodach gestellt und wollte ihn gerade herunterfahren. Näher kommende Schritte rissen ihn aus seiner Konzentration. Er klappte den Laptop zu und legte ihn auf die Rückbank. Jemand kam die Straße entlang gelaufen. Eine Frau. Er beobachtete sie. Den Mantel bis oben hin geschlossen und eine Kapuze ins Gesicht gezogen. Er erkannte die Stiefel. Es war tatsächlich Yo. Als sie ins Licht der nächsten Straßenlaterne trat, schnalzte er zweimal mit der Zunge. Sie hob den Kopf.

‚Warum denn so ernst, schöne Frau!‘ rief er über die Straße.

Yo war stehengeblieben und blickte ihn entgeistert an. Jeff schloss die Autotür und ging über die Straße, Yo kam ihm ein paar Schritte entgegen.

‚Hey, du wolltest doch nicht zu Fuß nach Hause laufen, oder?‘ fragte Jeff.

‚Das war der Plan!‘ sagte sie heiser und schaute ihm dabei aber nicht in die Augen. Er griff ihr ans Kinn und zog ihr Gesicht in seine Blickrichtung. Ihr standen Tränen in den Augen. Sie hatte sich versucht abzuschminken, was ihr nicht wirklich gelungen war. Aber man konnte sehen, dass sie geweint haben muss.

‚Komm steig ein, ich fahr dich wohin du willst.‘ bot er ihr an.

Mit Krokodilstränen in den Augen schaute sie ihn an, ihr Kinn zitterte. Er nahm sie in den Arm und küsste sie sachte auf den Mund. Dabei konnte er ihre Tränen schmecken.

‚Können wir zu dir fahren?‘ fragte sie krächzend.

‚Aber nur, wenn du endlich mal zum Frühstück bleibst.‘ sagte er ernst, dann lächelte er sie liebevoll an. Es begann zu nieseln. ‚Na, komm schon!‘

Sie ließ sich von ihm ins Auto bugsieren. Er fuhr seinen Wagen durch die Nacht, es regnete jetzt ziemlich stark. Die Stadt bestand nur aus Lichtern, die an den nassen Scheiben vorbei flogen. Er hatte seine Hand auf ihrem Schenkel und sie saß zusammengesunken, reglos auf dem Beifahrersitz. Es dauerte fast die ganze Fahrt, bis sie die Stille endlich unterbrach.

‚Ich komm mir vor, wie eine billige Nutte!‘ flüsterte sie mehr zu sich selbst, als zu ihm.

Jeff erschrak. ‚Doch nicht wegen mir? Oder?‘

Sie schaute ihn verwirrt an. ‚Nein, wegen dem Boss und dem Auftritt!‘ Sie machte eine Pause, um den Rotz die Nase hinaufzuziehen. ‚Ich hab meine Gage nicht bekommen. Dann ist der General heimgefahren, ohne mich mit nach Hause zunehmen. Wenn ich hinter der Bar gearbeitet hätte, hätte ich zumindest von den Trinkgeldern mein Taxi zahlen können.

‚Du wohnst beim General?‘ fragte Jeff verdutzt.

‚Nicht direkt!‘

Jeff guckte sie fragend an.

‚Ich hab mein Wohnatelier in seinem Garten!‘ meinte sie kurz.

‚Jetzt machst du mich aber richtig neugierig!‘ sagte er und drückte ihren Oberschenkel.

‚Inwiefern?‘ fragte Yo.

‚In Bezug auf dein Wohnatelier! Was machst du da, außer Wohnen?‘

‚Die Kunst am Wohnen!‘ Yo kicherte über ihren eigenen Witz. ‚Nein. Ich schweiße Metallskulturen, baue skurrile SM-Möbel, mach Bodypainting, schieße Fotos, arbeite an meiner Performancekunst und an den Tanzeinlagen für die Partycrew. Manchmal mach ich auch Fetischklamotten, wenn mir danach ist.‘

‚Schläfst du eigentlich noch?‘ fragte Jeff interessiert.

‚Selten, wieso?‘

‚Wenn du so viel machst, am Wochenende an der Bar arbeitest, deine Shows machst und, und, und, bin ich ziemlich froh, dass du noch Zeit findest mit mir zu vögeln, anstatt zu schlafen.‘

‚Ich arbeite eigentlich hauptberuflich in einer gemeinnützigen Künstlerstiftung, als Mädchen für alles.‘

‚Du machst mich echt fertig, ich dachte immer mein Leben wäre stressig!‘

‚Die Kunst an meiner Arbeit ist es eigentlich, sich nicht stressen zu lassen.‘ Sie machte eine nachdenkliche Pause. ‚Bis heute hatte ich des eigentlich auch ganz gut im Griff.‘

‚Hey Süße, wir sind da!‘ Jeff unterbrach sie und parkte den Wagen.

‚Bleib sitzen, ich hab nen Regenschirm im Kofferraum.‘ Er stieg aus, nahm seinen Laptop vom Rücksitz, rannte hinters Auto, machte den Kofferraum auf, hantierte darin herum und dann kam er an die Beifahrertür und öffnete sie. ‚Milady, darf ich Euch meinen Arm anbieten?‘

‚Warum bist du so nett zu mir?‘

‚Meine Mama hat immer gesagt, ich soll meine Traumfrau immer auf Händen tragen und ihr jeden Wunsch von den Augen ablesen.‘

‚Deine Mama ist eine kluge Frau!‘ schluchzte sie.

Jeff drückte Yo den Regenschirm in die Hand, nahm sie hoch und trug sie zur Haustür. Sie weinte wieder.

Als sie endlich in der Wohnung waren, ließ er ihr eine heiße Badewanne ein. Während sie hilflos im Gang stand und ihn dabei beobachtete. Sie zog die Stiefel aus und tapste ins Bad.

‚Soll ich dir einen Tee machen, oder was zum Essen?‘ fragte Jeff und ging an ihr vorbei zur Badezimmertür.

‚Machst du mir einen Whiskey?‘ fragte sie kleinlaut und zog sich langsam aus.

Als er wieder das Badezimmer betrat, lag sie bereits in der Wanne. Er gab ihr den Whiskey, klappte den Klodeckel runter, setzte sich darauf und trank direkt aus der Flasche. Seine Hände zitterten, als er die Flasche wieder absetzte. Er rieb sich mit den Händen durchs Gesicht und seufzte laut.

‚Hey Jeff, dein Tag war heute genauso Scheiße, wie meiner?‘ flüsterte sie.

‚Naja, ich hab meinem Chef vorhin den Arsch gerettet und damit auch meinen Job, aber ansonsten war mir der Tag heute ein bisschen zu viel.‘ Er machte eine verlegene Pause. ‚Außer du. Du warst heute mein einziger Lichtblick.‘

Sie beugte sich in seine Richtung, packte seine Hand, zog ihn in Richtung Wanne und lächelte ihn an. ‚Möchtest du nicht zu mir in die Wanne kommen?‘

‚Ja, schon. Aber…!‘

‚Was aber? Du wolltest mir doch beim Abschminken helfen!‘

‚Bist du dir sicher, ich möchte dich nicht…‘ Ein nasser Schwamm landete in seinem Gesicht. Er schaute sie ernst an: ‚Okay, du hast es so gewollt!‘ Er stand auf, machte seinen Gürtel und seine Hose auf. Seine Hose rutschte zu Boden. Dann bückte er sich, zog seine Socken aus, als er sich wieder aufrichtete, wog er den Schwamm in der Hand. Er grinste dreckig. Yo quietschte, als der Schwamm in ihrem Gesicht aufschlug. Als er sein Hemd aufknöpfte landete der Schwamm erneut in seinem Gesicht. Er ließ den Schulterholster mit dem Hemd zusammen auf den Boden fallen. Mit einem dreckigen Grinsen im Gesicht schaute Yo dabei zu, wie er sich langsam seiner Unterhose entledigte. Er stieg in die Wanne und setzte sich langsam. Sie kam zu ihm rüber und legte sich in seine Arme. Er angelte nach dem Schwamm und schrubbte ihr vorsichtig über den Rücken. Sie fing leise zu Gurren an. Er küsste sie und wusch ihren ganzen Körper, bis sie wieder sauber war. Sie kraulte ihn und schnurrte vor sich hin. Er wusch ihr sogar die Haare und versuchte sie auszuspülen, ohne dass ihr die Seife in die Augen lief. Als er fertig war, meinte er leise: ‚Komm, ich bring dich ins Bett. Du bist schon ganz verschrumpelt.‘

Sie schaute auf und blickte ihn schläfrig an.

‚Okay!‘ sagte sie in einem niedlichen, zutraulichen Ton.

Er hob sie auf die Beine und duschte sie einmal kurz ab. Mit zwei Handtüchern bewaffnet, stieg er aus der Wanne. Er wickelte sich erst Eines um die Hüften, dann wickelte er sie in das Andere. Sie griff nach einem weiteren Handtuch und wickelte es sich um die nassen Haare. Er trug sie vorsichtig ins Schlafzimmer und legte sie behutsam ins Bett. Sie hielt ihn an der Hand fest, also legte er sich neben sie und zog die Bettdecke über Yo. Sie klammerte sich zitternd an seinen Körper.

‚Versprichst du mir, dass du morgen auch noch in meinen Armen liegst, wenn ich aufwachte.‘ fragte er, dabei strich er mit den Lippen über ihre rasierten Schläfen.

Sie küsste seine Hand und flüsterte. ‚Wenn du möchtest, dass ich zum Frühstück bleibe, dann bleibe ich gerne.‘

‚Das wäre mir ein echtes Anliegen. Ich weiß nicht, was ich machen würde, wenn du morgen wieder weg wärst.‘

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