Wolken, Bruch und Hagel

Jakobsweg Zeitreise – Wolken, Bruch und Hagel

Es ist jetzt Mittwoch, der 02.04.08 und es regnet. Wir sind unterwegs nach Lindau (im Rottal) und ich bemerke nicht nur, dass ich von oben ganz schön nass werde, sondern dass mein linker Fuß auch langsam von unten ganz schön nass wird. Dieser blöden Holzschuh. Ach und der Wasserschlauch tropft… was aber bei dem Wetter reichlich wurscht ist.
Nach Lindau untersuchte ich meinen Schuh genauer. Es zog sich ein dicker Spalt von der Ferse bis zum Ballen. Ich band die Schuhe mit Lederbändern zusammen und wir liefen weiter. Wir wurden immer ruhiger, vor Anstrengung und weil wir nicht wussten, wie lange wir mit meinen Schuhen noch kommen würden.

Der Morgenschiss kommt ganz gewiss, auch wenn es spät am Abend ist. Nach einer kleinen Zwangspause in einem Bushäuschens bzw. hinter einem Bushäuschen gingen wir dann weiter…
Es hatte auch zum Regnen soweit aufgehört, dass wir zumindest von oben nicht mehr nass wurden. Irgendwo zwischen Mitterham und Oberschwärzenbach sprang eine Frau aus ihrem Haus und fragte uns, ob sie uns was Gutes tun kann. Ich wollte sie nicht fragen, welche Schuhgröße sie hatte. Sie war ganz erstaunt, dass der Jakobsweg bei ihrem Haus vorbeiführt. Wenige Minuten später, irgendwo nach Oberschwärzenbach, war ein altes alleinstehendes Haus am Wegesrand. Vorne war ein alter Stall zu einem Wohnhaus umbebaut worden, aber auch schon wieder halb verfallen, vorallem der Balkon. Hinten im Garten war ein total zerfallenes Wohnhaus. Wir gingen an dem Grundstück vorbei und als ich zurückblickte, erkannte ich einen roten Fleck neben dem Haus. Es sah so aus, als würde da jemand kauern. Ich ging dann doch ein paar Schritte zurück und rief nach Hanna. In dem Moment rappelte sich eine alte Frau auf. Ich rief, ob wir ihr helfen können. Ich weis nicht ob sie mich wirklich verstand, aber sie winkte ab. Eine komische Begegnung, wir gingen weiter…
Wir kamen endlich in Tettenweis an, es regnete wieder so halb und wir holten uns einen Stempel im Rathaus und ich humpelte in einen Edeka, um zu fragen, ob sie Schuhe hätten,
sie hatten keine, aber die schickten mich in einen richtigen Schuhladen, ich konnte es kaum glauben. Wir stellten die Kraxen beim Wirthauseingangshütterl unter und Hanna blieb dort und ich ging allein auf Schuhmission.
Neben der Klostermauer fand ich tatsächlich einen kleinen uralten Schuhladen und ich ging hinein. Ein alter Mann musterte mich und ich erzählte ihm von meinem Schuhbruch und von der Pilgerschaft. Und er hatte tatsächlich ein paar Schuhe für mich, für 19 Euro. Es sind zwar echt hässliche dreckigweiße Omaschuhe, aber sie passten und sie waren aus Leder…
Beschwingt und froh lief ich zu Hanna zurück. Ich wollte die kaputten Holzschuhe auf keinen Fall wegschmeißen, sie hatten mich ja doch die ganze letzte Saison und bis hierher begleitet, aber ich wollte sie auch nicht mitschleppen, also machte ich mich auf die Suche nach einer Post, wenn ich in diesem Dorf einen Schuhladen finde, dann finde ich auch die Post. Und tatsächlich fragte ich eine Dame in einem Postauto, die aus dem Rathaus kam, nach einer Postfiliale und im hiesigen Café wäre eine Postagentur.
Dort angekommen, konnte ich tatsächlich meine Holzschuhe nachhause schicken, schweren Herzens und ein wenig unauthentischer ging es weiter.
Die Holzschuhe waren übrigens nicht nur durchgebrochen, sondern auf dem Weg von Rotthof hierher hatte ich mir ein Zweieurostück großes Loch hineingelaufen.
Wir laufen also weiter und als wir wieder am Schuhladen waren, wurde das Wetter wieder schlechter als zuvor und wir beschlossen ins Kloster zu gehen um den nächsten Schauer abzuwarten.
Das Benediktinerinnen Kloster St. Gertrud nahm uns auf und einige Nonnen waren ganz neugierig auf uns. Wir unterhielten uns lange und sie erzählten uns, dass vor einen halben Jahr, auch eine Pilgerin hier durchgekommen war, und sie hätte ihnen eine Karte geschickt, aus Santiago. Eine reife Leistung.
Laut Map24 sind es vom Passau, Domplatz bis Santiago 2512,62 km mit dem Auto und in 26,48 Stunden wär man da, ohne Pausen natürlich. Gehen wir mal davon aus, dass es
mehr als 3000 km sind, wenn man zu Fuß geht. Dann wäre die Dame einen Schnitt von 16,67 km am Tag gelaufen, das ist also eine reife Leistung.
Um uns jetzt noch ganz zu ernüchtern, unser Schnitt nach 5 Tagen war 11,48 km am Tag, des macht dann bis Santiago 261,32 Tage, des sollten wir doch dann tatsächlich bis zum Rentenalter schaffen, wenn wir im Jahr zwecks gemeinsamer Urlaubsplanung im Schnitt 10 Tage laufen können, dann sollte wir in 26,10 Jahren angekommen sein, wenn nichts dazwischen kommt. (Mittlerweile habe ich mich entschlossen, nächstes Jahr alleine weiter zu Pilgern. Ob ich dann allein schneller vorankomme, weis ich nicht. Fürs Jahr 2009 sind
erstmal 3 Wochen geplant)

Huch, wir saßen ja immer noch im Kloster….Eine Nonne fragte uns, ob wir dann auch beten würden. Betretendes Schweigen: ‚Ähm, bis jetzt noch nicht, aber vielleicht kommts noch!‘ Du sollst nicht Lügen, aber so wirklich gebetet haben wir ja auch nicht, und des mit dem Zwölfender wollte ich der Nonne dann doch nicht erzählen. Dann ist mir noch aufgefallen, dass es in diesem Frauen tatsächlich eine Männertoilette gab. Ich stelle keine blöden Fragen mehr.
Wir entschlossen uns dann trotz dem komischen Aprilwetters weiterzulaufen. Nach Tettenweis ging es ganz gut, ich hatte ja auch neue Schuhe, die Sonne spitzte raus und die Gegend durch die wir jetzt kamen, war irgendwie sehr nobelig, des Grünwald von Tettenweis quasi. Wir sahen sogar so was wie eine Römervilla und wir dichteten wieder ein Gedicht an den Zwölfender und an Montezuma usw. Danke, dass wir noch keine Scheißerei bekommen haben….
Wenig später wurde der Trinkschlauch im hohen Bogen beerdigt, er hatte zwar irgendwie länger durchgehalten, als meine Holzschuhe, aber irgendwie ist er mir nicht so ans Herz gewachse
n.
Bei Großhaarbach gingen wir eine kleine Abkürzung, aber nur um über eine alte Brücke zu gehen, die neben der Straße auf einer Wiese war, wir gingen schnurstracks auf eine Kapelle zu, die sich dann doch als Feuerwehrhaus entpuppte.
Das Postauto von Tettenweis verfolgte uns schon seit einer Weile, und machte dies auch weiter. Zur Post fällt mir auch noch was ein, ich habe schon seit langen nicht mehr so viele gelbe Telefonzellen gesehen, wie in den letzten 4 Tagen. Ich sollte mich doch öfters im Outback herumtreiben….
Wir gingen noch eine Weile und bei der nächsten Bank unter zwei Birken machten wir Pause und Mahlzeit. Nach dem Essen zog wieder ein Wetter auf und wir bauten uns einen Unterstand aus unseren zwei Zeltplanen und wollten darunter das Wetter abwarten. Eine Plane kam über die beiden Kraxen die vor der Bank standen und die andere Plane hatten wir über unsere Köpfe gezogen und unsere Wanderstäbe hielten die Dachspitze fest. Muss ein lustiges Bild gewesen sein, für diejenigen, die mit dem Auto vorbeigefahren sind. Es fing an zu regnen und dann zu hageln und wir hatten es zumindest trocken und halbwegs warm.
Mehre Autos hielten um zu fragen, was das denn soll. Eines davon, war wohl, das Auto von Niederländern? Sie führen an uns vorbei und hielten dann doch. Sie boten uns an, wenn sie wieder zurückkommen würden, dass sie uns dann eine Schelte anbieten würden. Jetzt ist natürlich die Frage was eine Schelte auf holländisch heißt, weil in Bayern ist des übrigens eine Watschn. Hhm…Okay…nach ausführlicherem Googeln, wollten
sie uns dann doch eher schimpfen oder watschen.
Wir hatten ja gedacht, dass sie uns vielleicht auf eine Suppe einladen wollten und Schelte auf holländisch vielleicht doch Brotzeit heißt. Gut dass es dann irgendwann zum Regnen aufgehört hat.
Der Weg nach  war wahnsinnig schön, obwohl wir nur auf der Straße gingen, ging es eigentlich nur Bergauf und das war Wetter äußerst bescheiden, aber die Landschaft war einfach der Hammer. Viele kleine alte Höfe säumten links und rechts die Straße, die in langgezogenen Serpentinen den Berg hinauf zog.
Mittlerweile mutieren wir wirklich zu Bergziegen, wir haben richtig Spaß dabei, den Berg hinaufzugehen. Und wir waren auch längst nicht mehr so außer Atem, wie zu Beginn unserer Reise. Schade ist nur, dass ich aufgrund des schlechten Wetters fast keine Fotos geschossen habe. Aber die Eindrücke werde ich so schnell nicht vergessen.
Ich überlege mir, ob ich im Sommer mal nochmal hierher fahre, einfach der Aussicht wegen und wegen den Fotos, die ich jetzt nicht geschossen habe.
Es ging jetzt wieder Bergab und die Häuser wurden immer neuer, aber sie waren immer noch schön. Wir gingen nun immer schneller, da schon wieder ein Regenschauer uns hinterher jagte. Wir haben es gerade noch in eine Bushaltestelle geschafft, als wieder ein Platzregen über uns herein brach. Nach dem Regen gingen wir weiter und in Karpfham angekommen, wussten wir auch warum es Karpfham heißt. Im Wappen war ein toter Karpfen, der von einem Pfeil erschossen wurde. Wie nett!
Wir gingen weiter und wieder war alles total ausgestorben. Wir stellten uns noch ein Paar mal unter, wenn der Regen wieder stärker wurde. Aber wir mussten weiter, nach einer Unterkunft fragen, aber es war keine Menschenseele auf der Straße zu sehen. Wir liefen wiedermal zur Kirche und diesmal hatten wir Glück, neben der Kirche war ein Kath. Pfarramt und es war auch offen. Mal schauen, ob unser Glück uns doch weiter hold ist.

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Deine Spuren im Sand

Jakobsweg Zeitreise – Deine Spuren im Sand

Ich bin dann aus Erschöpfung eingeschlafen und träumte süß vor mich hin, diesmal nicht von Vergewaltigern, aber von Josefine Mutzenbacher, was für meine beengten Verhältnisse gerade ausreichte…(Breitunddreckiggrins!)….als wir unsanft von einer Horde grölender Bauarbeiter und einem Riesenbagger aufgeweckt wurden. Wir müssen ganz schön blöd aus der Wäsche geschaut haben, aber die Bauarbeiter erst, als wir in unserer Mittelalterwäsche aus der Dackelgarage gekrochen kamen. Erschreckenderweise blieb ich völlig ruhig und erklärte dem Vorarbeiter, was wir hier machen und warum wir so komisch ausschauen. Es muss eine echte Attraktion für die Bauarbeiter gewesen sein, wann überrascht Mann schon mal zwei Frauen in einer Dackelgarage in einem Deckenschlafsack, mit zwei Kraxen vor dem Zelt in den Innauen. Von oben, von der Sanddüne aus, muss das Bild auch eher nach einem olivgrünen Penis mit Vorhautverengung und zwei brauen Eiern ausgesehen haben.
Es ist jetzt übrigens der 01.04.08 ca. 7.00 Uhr und wir packen ganz schnell unsere 7 Sachen und verpissen uns im wahrsten Sinne des Wortes ins Dschungelcamp….Das war die Rache des kleinen Mannes an das System, wenn auch des Dschungelcamp so unauthentisch ist!
Ich hab mich dazu entschieden meine Holzschuhe wieder anzuziehen und die Römersandalen ganz unten in die Kraxe zu packen. Die nächste Etappe war ziemlich ätzend, wie gut dass das Wetter nicht so schön war, sonst hätte es uns nochmal so aufgebrannt, wie gestern.
Ich dachte wieder über die Römer nach, wir liefen ja schließlich schon eine Zeit lang auf dem Römerradweg. Die Sandalen haben sich echt als untragbar erwiesen und ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, wie die Römer des alles so geschafft haben, wie sie es eben geschafft haben.
Seit gestern Abend habe ich die Vermutung, dass unser Trinkschlauch ein Loch hat. In der Früh schien er zwar außen trocken, aber vor lauter Bagger und Bauarbeiter, hab ich auch nicht wirklich geschaut.
Wir kamen bei Mittich auf eine große Kreuzung und haben gelbe Straßenschilder entdeckt: Passau 22 km / München 157km
Es war echt zum Heulen, ich musste wieder an den Biber denken.
In Mittich selber kamen wir an einer toten Ratte vorbei, direkt über den Friedhof zur Kirche, wir füllten unsere Wasserflaschen am Friedhofsgießwasserhahn auf. In der Kirche war, wie war es auch anders zu erwarten, niemand. Wir liefen weiter auf dem Radweg an der Bundesstraße entlang und machten bei einem riesigen Gewerbeparkbauschild Rast und frühstückten erstmal, es war gerade mal 09.30 Uhr. Der Wasserschlauch hatte tatsächlich ein Loch und ich entdeckte mehrere Risse am Fußballen meines linken Holzschuhs. Ich versuchte wieder mit Wachs die Schuhe notdürftig zu kleben. Das kann ja heiter werden.
Ich bin ja gespannt, welches Drum als erstes das Zeitliche segnet. Ich hoffe nicht die Schuhe, weil Römer und so….

Wir hatten ja zwei Rubriken, was mache ich wenn der Anderl uns abholt, mit meinem Auto und was esse ich am Samstag Abend in der Schandgeige.
Wenn ich in meinem Auto sitze und meine Handtasche hoffentlich noch im Auto liegt. Werde ich mir genüsslich die Ohren putzen und die wahrscheinlich ziemlich ekeligen Stäbchen aus dem Fenster schmeißen, mein Deo benützen und meine Haare kämmen, mir meinen Iro zum französischen Zopf flechten und meine Docs anziehen. Nächster halt ist der MC und der
Anderl muss uns zwei Chicken Wraps holen, damit wir nicht zu sehr sündigen. Zuhause dann wird erstmal die Kraxe gewogen, dann ich mit Klamotten, dann Baden mit Fichtennadelbad, nochmal wiegen ohne Klamotten und ohne Dreck, dann müssen wir verdammt viel Wäsche waschen, dann Sofa, Fernseher an und schlafen. Samstag Abend Schandgeige und ich will glaub ich Wildschwein und diese Schokoladenecken, für die ich übrigens genauso morden würde, wie für einen lauwarmen schwarzen Tee mit viel weißen Zucker…
Ich schweife ab, wir liefen also Richtung Ruhstorf a.d. Rott, der Weg wurde immer ätzender, meine Waden brannten und Hannas Füße taten weh und wir hatten schon seit einer Ewigkeit kein Jakobswegschild mehr gesehen. Auch die Hochlandrinder, die wir unterwegs trafen, machten uns den Weg nicht angenehmer. Wir latschten eine Zeit lang an der Rott entlang und kamen dann endlich an ein Jakobswegschild. Der Weg wurde zwar nicht besser, noch schöner, aber die Schilder überhäuften sich schier.

In Ruhstorf angekommen, ging es ewig durch ein Wohngebiet, bis wir endlich zum Rathaus kamen. Wir holten uns einen Stempel und gingen erstmal Einkaufen…

Der Untergang des römischen Reiches

Jakobsweg Zeitreise – Der Untergang des römischen Reiches

Der Weg war weit und es gab fast keinen Schatten, die Sonne brannte auf uns nieder…Wir liefen den langen steinigen Weg nach Neuhaus und jetzt wurde es richtig anstrengend. Die Hitze machte uns ganz schön zu schaffen, Hannas Füße und meine Waden hielten uns oft auf und wir dachten, wir kämen nie in Neuhaus an. Wir kamen an einem Ziegengatter vorbei und die Ziegen liefen uns entgegen und uns dann hinterher, als wir am Gatter vorbeiliefen. Vor uns kam ein Wasserschloss in Sicht und wir waren endlich in Neuhaus angekommen. Jetzt mussten wir einen richtig ätzenden Berg hinauf um zur Kirche zu kommen und wehe dem, der uns keinen Stempel gibt. Oben am Berg war keine Kirche, aber dafür ein Rathaus. Den jungen Standesbeamten störten wir in der Mittagspause, aber gab uns lächelnd einen Stempel, der erste Richtige übrigens. Der junge Mann mit dem Emo-Ohrring wünschte uns alles Gute und wir latschten den Berg wieder runter. Und jetzt bereute ich endgültig die Römersandalen angezogen zu haben. Runter ist nämlich viel schlimmer als rauf.
Ich machte mir ernsthaft Gedanken, wie die Römer mit diesem Schuhwerk über die Alpen kamen und dann noch ganz Europa unterjochen konnten, mit diesen Schuhen, selbst wenn sie nadelgebundene Socken gehabt hätten, hätten sie sich spätestens in Neuhaus die Waden rausgeschnitten. Bestimmt hatten die römischen Soldaten alle Plattfüße. Und ich denke nicht, dass die so schwere Kraxen hatten wie wir. Die hatten bestimmt Esel oder Sklaven, die ihr Zeug schleppten, weil so aufgepackt wie wir, wären die nie bis nach England gekommen.

Wir machten am Inn, in der Nähe vom Wasserschloss, Mittagspause. Ich war so im Arsch, dass ich nach dem Essen gleich eingeschlafen bin.
Da war so ein älterer Mann, der am Inn seine Gartenlaube hatte und er hatte uns schon beim Essen gestört und als ich dann später zu dem Schloss rüber ging, weil ich dort eine Nonne beobachtet hatte, hupte er mich an, als er mit seinem Moped an mir vorbeifuhr. Im Schloss war kein Kloster, sondern eine Maria-Ward-Realschule. Die Nonnen waren sehr nett und ließen mich meinen Wasserschlauch auffüllen, aber eine Unterkunft konnten sie uns leider nicht geben. Aber der alte Mann, bot uns gleich an, wir könnten ja in seinem Garten zelten. Wir lehnten dankend und verschwanden schneller als wir angekrochen kamen.
Ein Stück weiter war der Zulauf von der Rott in den Inn und in den Auen dieses Deltas (grins) beschlossen wir in einer Sandsenke unser Zelt aufzustellen. Liebes Dschungelcamp, wir haben extra im Dreck geschlafen, weil wir nicht im Dschungelcamp schlafen wollten, weil es uns zu unauthentisch war. Außerdem hätte es was gekostet, es war zwar keiner da, aber erwischt werden wollten wir auch nicht.
Also versuchten wir mitten am Strand von der Rott eine Dackelgarage aufzubauen, was uns nicht wirklich gelang. Könnte auch daran liegen, dass wir von den nur 4 Heringen, bereits einen in Passau in meinem Auto verloren hatten und selbst, wenn wir den 4. noch gehabt hätten, dann wäre es auf dem Sandplatz nicht besser gegangen.
Zum Glück bin ich bei der Bundeswehr, wegen meiner Konservierungsmittelallergie nicht genommen worden, die hätten mich spätestens nach dem ersten Dackelgaragenaufbau unehrenhaft entlassen….
Auch wenn ihr es nicht wissen wollt, ich muss es schreiben. Ich hatte meinen ersten Freiluftschiss meines Lebens zwischen zwei Sanddünen am Zulauf von der Rott zum Inn. Ich mache seit 9 Jahren Liverollenspiel und bin seit 3 Jahren jedes verdammte Wochenende in der Saison auf einem Mittelaltermarkt, aber ich habe echt noch nie im Freien geschissen. Ja, gut ich bin ein Heimscheißer, jetzt ist es raus.
Natürlich habe ich meine Hände gewaschen, bevor ich ein wunderbares MORETVM zubereitete, das MORETVM ist auch die einzige Erklärung, warum die Römer es bis England schaffen hätten können. Es war auch ohne der Zutat X aus dem Vereinsheim und ohne Öl ein Hochgenuß. Da ist so viel Knoblauch drin, dass sie auf ihren Sandalen bis England geflogen sein müssen. (Habe im Übrigen vergessen zu erzählen, dass wir im Vereinsheim bei der Volksküche eines der perfektesten MORETVMe im Dies- und Jenseits gefertigt hatten, mit dem wir dann beinahe den Moses umgebracht hätten. Als Knoblauchallergiker wäre er im Römischen Reich nicht besonders weit gekommen.)
Bis wir beide endlich in der Dackelgarage zum Schlafen eingeparkt hatten, ist auch einmal das Zelt über uns zusammengebrochen, aber ansonsten hielt es stand.
Nachdem wir so fertig waren, von der anstrengenden Etappe, waren wir echt froh, endlich im Deckenschlafsack zu liegen und sich einfach mal nicht bewegen zu müssen.
Die Reifenspuren oben auf der Düne hatte ich bei der Anreise kaum beachtet und hab sie auch ehrlich gesagt völlig vergessen. Ich schlief schnell ein. Ich hatte beim Bettenbau auch extra die Felle weiter auseinander gelegt, damit ich nicht wieder im Dreck liegen muss, weil heute Nacht braucht mein Kreuz eine warme, weiche Unterlage.
Ich schlief tatsächlich gleich ein, bis ich mitten in der Nacht zwischen den zwei Fellen aufwachte. Wie mans macht, macht mans falsch. Ich gab es schließlich irgendwann auf warm und weich zu liegen, weil ich mich im Deckenschlafsack verklemmt hatte.

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