Manchmal kommt es anders…Killer 16

Manchmal kommt es anders und vor allem als man denkt!

Killer 16

Sonntag, 19.08.12, 14.05 Uhr

Krankenhaus Trapani, Sizilien

gunEllen saß auf einen Stuhl neben einem Krankenbett und döste. Rutger lag regungslos im Bett. Er hing an einem Tropf und war ziemlich blass im Gesicht.

Es klopfte an der Tür und jemand trat ein: ‚Signorina Ellen?‘

Sie schreckte hoch. Es war einer der Handlanger ihres Vaters, der auf sie zulief und unterwürfig zu faseln begann: ‚Hier sind die Wagenschlüssel, Ihre Tasche und Vera liegt im Kofferraum, sie ist wie neu! Sie sollen so schnell wie es irgend möglich nachhause kommen, ihr Vater…!‘

Sie hob die Hand und unterbrach ihn unwirsch: ‚Ich komme dann, wenn ich hier nicht mehr gebraucht werde!‘

‚Aber die Geschäfte?!‘

‚Die Geschäfte werden ein paar Tage auf mich warten müssen.‘ zischte sie ihm zu und ihr Gesichtsausdruck ließ keine Widerrede zu.

‚Sollen wir jemanden hier lassen, der Sie mit dem Wagen zurückbringt, wenn Sie…!‘

‚Nein, nein. Ich kann den Wagen selbst zurückfahren. Sie können alle zurück nach München fahren und kümmern Sie sich um meinen Vater, bis ich wieder da bin, ja!‘

‚Aber natürlich! Kann ich sonst noch was tun?‘

‚Nein, nein. Ich werd der Eisernen eine Glückwunschkarte schicken und ihr zu ihrem Sieg gratulieren.‘

‚Die Eiserne war hier in der Stadt und ist dann mit einem weißen Fiat mit französischen Kennzeichen Richtung Marsala gefahren. Am Steuer saß diese Frau Müller und Giovanni daneben.‘

‚Lebt er noch, ich glaube ich hab ihn getroffen!‘

‚Er sah nicht gut aus, aber er wird es überleben. Diese Frau Müller ist eine Krankenschwester und die Eiserne wäre längst hier, wenn es was Ernstes wäre.‘

Ellen seufzte schwer.

‚Ich geh dann mal!‘ meinte der Handlanger und lief rückwärts aus dem Krankenzimmer.

‚Ja ja. Gute Fahrt!‘ sagte sie abwesend.

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Manchmal kommt es anders…Killer 15

Manchmal kommt es anders und vor allem als man denkt!

Killer 15

Sonntag, 19.08.12, 08.35 Uhr

Gewässer vor Cagliari, Sardinien

gunIn dem Moment, als Ellen die Sirene der Küstenwache vernommen hatte, hatte sie sämliche Waffen von Bort geworfen, ihre kugelsichere Weste ausgezogen und machte sich an der Weste Rutgers zu schaffen.

‚Rutger, drück deine Hand auf die Beinwunde. Die Küstenwache ist da!rief sie und zog ihm seine kugelsichere Weste aus, er schrie vor Schmerz. Hastig warf sie die Westen von Bort und stellte sich mit erhobenen Händen hin.

‚Bitte nicht schießen, wir sind nur deutsche Touristen!‘ rief Ellen, mit den blutigen Hände wedelnd. ‚Wir brauchen einen Arzt, schnell! Helfen Sie uns! Bitte!‘

Dann kniete sie sich wieder hin, zog ihr Shirt aus und zerriss es. Sie verband hastig seinen Arm und drückte dann die Beinwunde ab.

Die Yacht wurde längseits gezogen und im nächsten Moment waren die Männer der Küstenwache an Bord. Rutger wurde versorgt und Ellen spielte die völlig verstörte, deutsche Touristin. Sie wurde in eine Decke gewickelt und auf das Schiff der Küstenwache gebracht.

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Published in: on 4. Februar 2013 at 23:02  Comments (1)  
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Manchmal kommt es anders…Killer 14

Manchmal kommt es anders und vor allem als man denkt!

Killer 14

Sonntag, 19.08.12, 08.20 Uhr

Gewässer vor Cagliari, Sardinien

gunEinige zwielichtige Gestalten standen an Deck einer Barkasse und kreuzten die Schifffahrstlinie immer wieder. Während Ellen auf einer kleinen Yacht saß und mit dem Fernglas die Barkasse beobachtete.

‚Das da sind unter Garantie Farids Männer!‘ rief sie zu Rutger hinüber, der das Schiff steuerte.

‚Wie kommst du da drauf?‘fragte er und blickte sie mit einem Seitenblick an.

‚Die schauen aus wie Terroristen!‘

‚Und wie sehen Terroristen deiner Meinung nach aus!‘

‚Sie haben lange Bärte und Militärklamotten an, Rucksäcke und Waffen und ein Paar tragen Pali und Kaftan!‘

Und was ist, wenn die nur das Fastenbrechen feiern!‘

‚Du nimmst mich einfach nicht ernst!‘

‚Doch tu ich, aber deine Vorurteile sind echt hahnebüchen.‘

‚Deine Arbeitsleistung lässt im Moment auch zu wünschen übrig.‘

‚Ich hab eben nur Augen für dich und das ist einem toten Mann doch nicht übel zu nehmen, oder?‘

‚Keine Sorge, mein Vater tut dir nichts!‘

‚Was macht dich da so sicher?‘

‚Vorher erschieße ich dich, Mann!‘

‚Was mich. Du würdest mich erschießen? Ich könnte der Vater deiner ungezeugten Kinder sein.‘

Plötzlich wurde sie ziemlich still und blickte wieder durch das Fernglas. Die Fähre kam näher und auf der Barkasse begann reges Treiben.

‚Ich glaube die machen klar zum Entern!‘ krächzte sie.

‚Wie kommst’n jetzt da drauf!‘ fragte er und drehte bei.

‚Die schwingen Enterhaken!‘ meinte sie schnippisch.

‚Du verarscht mich jetzt, oder?‘ rief er und blickte sie ungläubig an.

Sie schüttelte den Kopf und schrie dem Fahrtwind entgegen. ‚Kannst du versuchen nicht draufzugehen!‘

Er blickte sie etwas verschreckt an und meinte: ‚Hatte ich ehrlich gesagt nicht vor!‘

Sie zog ein Gewehr aus einer Tasche, die zu ihren Füßen lag und legte den Lauf auf der Reling auf.

‚Pass bitte auf Vera auf!‘

Ein ‚Häh!‘ stolperte aus ihrem Gesicht und sie blickte ihn fragend an.

‚Mein Gewehr Vera!‘

‚Wenn du sonst keine Probleme hast!‘ meinte Ellen kopfschüttelnd, presste den Schaft der Waffe gegen ihre Schulter und blickte durch das Zielfernrohr.

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Published in: on 3. Februar 2013 at 18:05  Kommentar verfassen  
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Manchmal kommt es anders…Killer 13

Manchmal kommt es anders und vor allem als man denkt!

Killer 13

Sonntag, 19.08.12, 07.05 Uhr

Zufahrt Fährhafen, Cagliari, Sardinien

gunRutger und Ellen liefen an den Autos vorbei, die darauf warteten, in die Fähre einfahren zu dürfen. Gehetzt blickten sie in das Wageninnere jeden Wagens. Doch Enzo und Farid waren nirgendwo zu sehen.

‚Bist du dir sicher, dass es ein Roter Franzose war?‘ fragte Rutger.

‚Du hast doch drauf geschossen!‘ erwiderte Ellen leicht verärgert.

‚Wann geht die nächste Fähre nach Sizilien?‘

‚Nächste Woche!‘

‚Und wenn sie ein Schiff gechartert haben?‘ rief Rutger und blickte an einen weißen Fiat vorbei und schüttelte den Kopf. In dem Auto saß eine hässliche Frau und ein ziemlich junger Mann, der an seinem Smartphone herumspielte.

‚Dann sollten wir uns auch ganz schnell Eines chartern!‘

Dann liefen sie rasch am Kai entlang Richtung Yachthafen.

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Published in: on 3. Februar 2013 at 16:32  Kommentar verfassen  
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Manchmal kommt es anders…Killer 12

Manchmal kommt es anders und vor allem als man denkt!

Killer 12

Sonntag, 19.08.12, 05.45 Uhr

Zimmer 188, Motel Garni, Cagliari, Sardinien

gunJemand klopfte wie ein Wahnsinniger an die Tür. Rutger sprang auf und lief mit der Waffe im Anschlag zum Fenster. Er sah jemanden an der Tür des Nachbarzimmers hantieren. Ellen war aufgestanden und versuchte auch aus dem Fenster zu schauen.

‚Aprire la porta, sciattona!‘ rief der Kerl.

Ellen flüsterte Rutger ins Ohr: ‚Dass muss Klopfer sein!‘

‚Vaffanculo!‘ schrie die Frau von nebenan durch die geschlossene Tür.

‚Hai rubato la mia macchina e mia moglie!‘ rief der Klopfer und trat gegen die Tür.

‚Der Kerl kommt mir irgendwie bekannt vor!‘ meinte Ellen und kratzte sich am Kopf. ‚Es ist Farid!‘

Oh, verdammt! Wie hies nochmal die Besitzerin des Fluchtautos?‘ meinte er und warf ihr seine kugelsichere Weste zu.

‚Frau Müller, Krankenschwester aus München, der Wagen wurde als gestohlen gemeldet und sie hatte einen total bescheuerten Vornamen!‘ rief sie, zog die Weste über, schnappte sich ihre Waffe und riss die Tür auf.

‚Was heißt Blume auf italienisch?‘ rief er, als er ihr hinterher hechtete.

‚Fiore, aber nein, Fleur! Sie heißt Fleur Müller!‘ stammelte sie vor sich hin.

‚Dann ist Enzo unser Bambi.‘ schlussfolgerte er.

Mit einem ‚Shit!‘ eilten sie in das Zimmer nebenan. Die Tür zur Garage stand offen.

‚Das Zimmer hat eine Garage!‘ rief er und lief wieder nach draußen. Sie lief barfuß mit der Knarre im Anschlag in die Garage und konnte nur noch die Rücklichter des Wagens sehen. Sie schoss zweimal und dann hörte sie schon wie Rutger draußen sein Magazin leer ballerte. Sie lief raus und versuchte nicht in die Schusslinie zu geraten.

‚Los hol deine Sachen!‘ schrie er und lief wieder ins Zimmer 188. Er packte seine Tasche und als sie wieder ins Zimmer kam, hatte er zumindest seine Hose an. Sie packte ihre Sachen und lief zum Auto. Er öffnete im Lauf den Wagen und sie schmiss sich mit samt ihrer Sachen auf die Rücksitzbank. Er sprang ins Auto und versuchte den anderen Wagen zu verfolgen.

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Published in: on 29. Januar 2013 at 21:47  Kommentar verfassen  
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Manchmal kommt es anders…Killer 11

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Killer 11

Samstag, 18.08.12, 10.15 Uhr

An der Tür des Zimmer 188, Motel Garni, Cagliari, Sardinien

gun‚Komm schon, ich hab Hunger!‘ rief Ellen.

‚Darf ich mich noch fertig anziehen?‘ schrie ihr Rutger hinterher, während sie schon zum Auto lief.

Man konnte das Quietschen der Zentralverriegelung hören.

‚Jetzt mach schon!‘ meinte sie ungeduldig.

Rutger knallte die Tür hinter sich zu und rief: ‚Hast du den Schlüssel!‘

‚Ich dachte den hast du!‘

‚Toll, die Tür ist zu!‘

‚Ja und schau doch mal hin!meinte sie und fuchtelte in Richtung Tür.

‚Er steckt außen an der Tür. Sicherheit ist unser bester Freund.‘

‚Sag des nicht mir!‘ meinte sie und stieg endlich in den Wagen.

Er kam mit dem Schlüssel in der Hand zum Wagen und meinte: ‚Boa, die Nachbarn bumsen schon wieder!‘

‚Das ist ja super, Schatzi! Können wir dann mal wieder an unsere Aufgabe denken!‘

‚Jawohl, soll ich gleich zum Hafen fahren, da kriegen wie bestimmt auch was zum Essen!‘

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Published in: on 25. Januar 2013 at 00:52  Kommentar verfassen  
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Manchmal kommt es anders…Killer 10

Manchmal kommt es anders und vor allem als man denkt!

Killer 10

Samstag, 18.08.12, 04.05 Uhr

Unterwegs im Industriegebiet Cagliari, Sardinien

gun
Ellen döste auf dem Beifahrersitz und Rutger trieb schon seit Stunden den Wagen durch Cagliari.

‚Ey, wollen wir nicht langsam Schluss machen…!‘ gähnte Ellen.

Rutger kam von der Fahrbahn ab und bremste scharf, dabei blickte er nicht auf die Straße, sondern in ihr erschrockenes Gesicht.

Hastig vollendete sie den Satz: ‚Für heute Schluss machen mit der Arbeit! Du musst auch mal schlafen!‘

‚Ja, du hast Recht. Ich bin schon drei Mal an so nem Motel vorbeigefahren. Die haben noch Zimmer frei.‘

Wenig später schob er Ellen durch die Tür des Motelzimmers. Völlig erschöpft ließen sich Beide aufs Bett fallen. Erst nach einem langen Moment fiel ihnen der Lärm aus den Nebenzimmer auf. Es war ein Rumpeln und ein Stöhnen, fast schon ein Schreien.

‚Sag mal, wer hat denn Sex zu so einer unchristlichen Stunde?‘ fragte Ellen und grinste Rutger an.

‚Ja, und wie die Abgehen!‘ meinte Rutger und kroch näher an die Wand um zu lauschen.

‚Oh, Bambi!‘ hörten sie eine Frauenstimme durch die Wand. Beide mussten lachen.

‚Bambi! Nee, oder?‘ kicherte Ellen. ‚Sag mal, wer heißt denn bitte Bambi!‘

Das Rumpeln wurde lauter und der Putz fiel von der Wand. Beide blickten sich entsetzt an.

‚Die Alte sollte lieber Klopfer schreien!‘ rief Rutger und klopfte gegen die Wand.

‚Bist du dir sicher, dass des nicht zwei Frauen sind. Bambi ist definitiv ein Mädchennamen!‘

Als Antwort schrie ein Mann: ‚Oh, Blume! Jaaaah!‘

‚Sodom und Gomorrha!‘ schrie Rutger und klopfte wieder gegen die Wand.

‚Vaffanculo!‘ schrie der Typ von nebenan.

‚Ganz ruhig Brauner, wir wollen nur schlafen!‘ schrie Rutger wieder.

‚Tua madre cuochi terribile!‘ kam es aus der Wand.

‚Boa, was hat das jetzt mit meiner Mutter zu tun? Der kennt sie doch gar nicht?‘ meinte Rutger zu Ellen. Er war wirklich beleidigt.

‚Rutger, genau das will man doch damit bezwecken, wenn man die Mutter eines Anderen beleidigt!‘

‚Ja, aber meine Mutter kocht schlecht und das kann er gar nicht wissen. Sie wohnt ihn Grönland!‘ rief er und stieg aus dem Bett und zog das Bett von der Wand weg. ‚Sicherheitshalber. Lass sie uns nachher wecken, wenn sie sicher eingeschlafen sind.‘

‚Ja, ja! Deck mich zu, wenn du fertig bist.‘ gähnte Ellen und deckte sich zu.

Er zog ihr noch die Schuhe aus und legte sich dann auch hin.

Am nächsten Morgen wurden sie von ‚Oh Bambi!‘ und ‚Oh Blume!‘Geschrei geweckt! Ellen zog sich das Kissen übers Gesicht und versuchte krampfhaft weiterzuschlafen, was ihr natürlich nicht gelang. Er blickte angewidert ins Leere.

‚Wollte wir nicht die wecken…?‘ fragte Ellen irgendwann und spielte an seinen Brustwarzen herum.

Er blickte unter die Decke in seine Hose. ‚Sorry, ich muss die ganze Zeit an dieses Rehkitz und an das Stinktier denken…!‘ Er schüttelte angewidert den Kopf.

‚Turnt dich dass nicht an?‘ grinste sie und griff in seine Hose.

‚Ich mag pervers sein, aber was zu viel ist, ist zu viel!‘ rief er empört und entzog ihr seinen Schwanz.

Sie stand auf und ging ins Bad. Er stand erst auf, als er die Dusche hörte. Wenig später stolperten sie wild knutschend aus dem Bad zum Bett hinüber.

Weiter geht es im AlpenRoadMovie14! Es lohnt sich!

Published in: on 23. Januar 2013 at 23:12  Kommentar verfassen  
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Manchmal kommt es anders…Killer 9

Manchmal kommt es anders und vor allem als man denkt!

Killer 9

Freitag, 17.08.12, 15.00 Uhr

Hafen, Bonifacio, Korsika

gunAm frühen Nachmittag kamen Rutger und Ellen in Bonifacio an und saßen in einem kleinen Café am Hafen und warteten auf die nächste Fähre. Seine Laune war immer noch quasi nicht vorhanden und sie versuchte ihn wenigstens zum Essen zu animieren. Aber selbst das war ein hoffnungsloses Unterfangen.

Irgendwann unterbrach sie das Schweigen und fragte: ‚Sag mal, kann ich eigentlich was tun, um dich aufzumuntern?‘

Er blickte sie nur über seine Sonnenbrille hinweg an und zuckte mit den Schultern. Es dauerte einen Moment, bis sie einen weiteren Ansatz fand.

‚Was machen wir eigentlich, wenn das Alles vorbei ist?‘ fragte sie weiter, auch wenn ihr fast klar war, auf ihre Frage wieder keine Antwort zu bekommen. Sie druckste ein Bisschen rum und lächelte ihn liebevoll an. ‚Weil ich würde dich gerne wiedersehen…!‘ Sie stockte und fuhr aber dann beherzt fort. ‚Weil ich würd dich gerne mal unter normaleren Umständen kennenlernen.‘

Er grinste nur dreckig.

‚Nicht so wie du jetzt wieder denkst, also nicht nur!‘ rief sie erregt und lief sofort rot an. Verschmitzt drehte sie den Kopf von ihm weg.

‚Wie meinstn des?‘ flüsterte er krächzend.

‚Nicht nur zum Ficken!‘ flüsterte sie hastig.

‚Wie, willste mit mir in Zoo gehen?‘

‚Warum nicht, in München soll der ganz schön sein!‘

‚Ein Date? Im Zoo?‘ meinte er beinahe erschrocken und ironisch zu gleich.

‚Das mit dem Date hast jetzt du gesagt!‘ warf sie ihm entschieden an den Kopf.

‚Ehrlich mal, wenn ich ähm… also wir den Scheiß hier überleben sollten, mache ich alles was du willst.‘ Sein Blick wirkte gehetzt und er war wohl von seiner Ansage genauso überrascht, wie sie.

‚Ist das ein Versprechen?‘ fragte sie überrascht.

‚So was in der Art!‘

Sie rutschte mit dem Stuhl näher an ihn heran, packte eine seiner Hände und flüsterte hastig: ‚Also, wenn wir den Scheiß hier überleben und wir wieder in München sind, komme ich zu dir und gieße deine Blumen! Und dann gehen wir in die Wanne und dann bleiben wir Minimum 5 Tage einfach im Bett liegen und machen gar nichts…!‘ Sie schüttelte den Kopf. ‚Nein, wir sollten es auch auf dem Sofa machen, finde ich. Und dann gehen wir in den Zoo und schön Essen und dann wieder ins Bett. Ja!?‘

Er musste lachen und versuchte sie dann zu küssen. Sie zögerte aber kurz.

‚War das jetzt ein Ja?‘

Er küsste sie kurz und meinte dann: ‚Ich mach alles was du willst, solange es nichts mit Betonschuhen zu tun hat!‘

Ihr Gespräch wurde vom Nebelhorn der Fähre unterbrochen. Er warf einen Geldschein auf den Tisch, gab der Kellnerin ein Zeichen und dann eilten sie zum Auto.

Fortsetzung folgt im AlpenRoadMovie13! Es lohnt sich!

Das letzte Date – Drama in 3 Akten

Das letzte Date – Drama in 3 Akten

Frau läuft nackt, aber mit einer perfekten Frisur, vom Bad ins Schlafzimmer und reißt wahllos, so scheint es, Klamotten aus dem Schrank und zieht ein Shirt nach dem anderen an und wieder aus. Dann läuft sie wieder ins Bad um Klamotten auf der Heizung zu wenden. Dann schnappt sie sich einen Föhn und föhnt eine Hose trocken, die sie jetzt anscheinend anziehen will. Dabei kuckt sie in den Spiegel und sieht ein Haar ihrer Augenbraue, des da wohl nicht hingehört und zückt kurzerhand einen Nassrasierer und schneidet bei dem Versuch, dass eine Haar zu erwischen, aufgrund einer eintreffender SMS, die halbe Augenbraue weg. So eine Scheiße. Sie ist den Tränen nahe. Der Föhn ist wegen Überhitzung auch ausgegangen und riecht unangenehm nach verbrannten Plastik. Sie rennt hysterisch wieder ins Schlafzimmer um wieder nach dem perfekten Outfit zu suchen. Dann fällt ihr ein, dass sie ja gerade eine SMS bekommen hat und geht ins Wohnzimmer, um nach ihrem Handy zu suchen. Sie wühlt in ihrer Handtasche und findet anscheinend alles andere, nur nicht ihr Handy. Dann tutet es noch mal und sie lauscht auf wie ein Jagdhund auf der Pirsch. Schnüffelnd geht sie ins Bad, da kam auch das Geräusch her und ein komischer Geruch. Der Föhn läuft wieder. Die Hose ist auch trocken. Der verschmorte Geruch ist nicht zu orten. Sie schnüffelt an der Hose und sucht nach ihrem Handy und nach dem Gestank. Es ist der BH, der jetzt auch schon durch ist. Sie schnuppert dann auch am BH, rümpft die Nase. Aber nach dem dies ihr einziger Ausgeh-BH ist, muss sie ihn anziehen, auch wenn er stinkt. Sie schnappt sich ein Deospray aus dem Schrank und sprüht den BH großzügig ein. Dann zieht sie ihn an. Gänsehaut umzieht ihre Schultern, ihren Rücken und ihre Brüste. Ihre Nippel stellen sich auf. Ganz schön kalt. Scheiß Deo! Sie schnappt sich den durchsichtigen Stringtanga von der Heizung und zieht ihn an. Der ist ganz schön heiß. Aua! Sie dreht die Heizung ab und geht wieder ins Schlafzimmer. Das perfekte Outfit?! Wenig später kommt sie mit einem Shirt in der Hand und wieder ins Bad. Da macht sich nochmal die SMS bemerkbar. Das Handy liegt zwischen zwei Handtuchstapel gerutscht auf der Waschemaschine. Sie klappt es auf und schaut auf den Display. ‚Bis um 20 Uhr dann. Freu mich.‘ Dann klappt sie das Handy wieder zu und steckt es in den BH. Wenig später zieht sie es wieder heraus, weil sie vorhin die Uhrzeit nicht beachtet hatte, klappt es wieder auf und schaut nochmals aufs Display. Oh, sie muss sich jetzt aber ganz schön beeilen, wenn sie noch halbwegs pünktlich hinkommen will. Sie hängt das Handy an den Stringtanga und zieht das Shirt an. Etwas aufreizendes, aber doch relativ hochgeschlossen, für meine Verhältnisse, denkt sie. Auf dem Weg ins Wohnzimmer schaut sie wehleidig auf den Stapel mit ihren Korsetts. Nicht gleich beim ersten Date, denkt sie weiter. Genau deswegen hat sie sich keine Kondome in die Handtasche gesteckt. Und sie wird auch aus dem Grund kein Korsett anziehen. Des bringt Mann nur dazu den ganzen Abend mit ihren Brüsten zu sprechen und endet dann höchstwahrscheinlich in seinem Bett. Und das wollen wir doch nicht beim ersten Date. Oder doch, dann muss sie aber auch Kondome einstecken. ‚Und warum ist keiner da, der mir auf die Finger klopft.‘ Sie nimmt pinkgeringelte Strümpfe von der Wäscheleine und zieht sie hüpfend an. Das Handy fällt auf den Boden. Sie hebt es auf und steckt es wieder in den BH. Sie zieht die Strümpfe bis über die Knie. Dann schaut sie wieder auf die Korsetts. Dann haut sie sich auf die Finger. Böses Mädchen, bloß keine versauten Gedanken! Aus dem Grund ist Selbstbefriedigung von dem ersten Date auch für eine Frau sehr wichtig. Dann alles viel entspannter. Aber dazu ist sie nicht gekommen. Sie schaut auf das Display des Videorekorders. Es wird höchste Zeit. Sie rennt ins Bad und zieht die Hose an. Auf dem Weg ins Wohnzimmer zieht sie den Gürtel durch die Schlaufen und geht zielstrebig auf ihre Handtasche zu und zieht einen Deoroller hervor. Sie schiebt den Deoroller unters Shirt und macht einige komische Bewegungen. Dann steckt sie das Deo wieder in die Handtasche. Sie spielt an ihrem Hundehalsband herum und entschließt sich es an der Handtasche zu lassen, da wo es immer hängt, wenn sie es nicht anhat. Sie wirft nochmal einen Blick in die Handtasche, nickt und geht in den Gang. Die Schuhe, die sie jetzt wählt, sind definitiv nicht zum Laufen gemacht worden. Die Pfennigabsätze sind an die 10cm lang. Die Schuhe sind nur fürs Sitzen entworfen worden, vielleicht noch zum Liegen, sie haut sich wieder auf die Finger. Sie zieht sie an und strauchelt einwenig, als sie wieder auf beiden Beinen steht. Diese Schuhe sind definitiv nicht zum Laufen da, aber sie sind einfach geil. Dann zieht sie ihre Designerjacke Marke Eigenbau über. Sie sperrt ihre Haustüre auf und schaut nochmal auf den Wandspiegel um ihr Gesamtbild zu überprüfen. Nein, was ist das? Ein Pickel? Nein! Mitten auf der Nase. Wie kommt der denn da hin? Aus der Pubertät ist sie doch schon lange raus! Oder? Was nun? Ausdrücken? Nein, dann sieht es nur noch schlimmer aus. Sie kratzt aber dann doch dran rum, kurz und schmerzlos wird der Pickel mit einem gezielten Kratzer geköpft und gut ist! Ohne einen weiteren Blick in den Spiegel ist sie wieder den Tränen nahe und verlässt dann aber zügig die Wohnung. Sie überlegt noch kurz doch Kondome mitzunehmen, sicherheitshalber. Sie schließt aber doch die Türe und sperrt von außer ab. Sie will einmal was richtig machen. Sie tippelt die Treppen runter und denkt panisch dran, was passieren würde, wenn sie jetzt die Treppe runter fallen würde und sich dabei der Inhalt ihrer Handtasche dann über das ganze Treppenhaus verteilt. Das würde ihre Hausbesorger auf den Plan rufen, die dann über den, aus der Handtasche gepurzelten, Stringtanga stolpern würden. Für alle Fälle hat sie eine Reisezahnbürste und den Wechseltanga dabei. Frau kann ja nie wissen, was passiert. Aber keine Kondome dabei haben, weil sie ja alles richtig machen will. Sie ist dann doch unbeschadet bis zum Auto gekommen und fährt los. Während der Fahrt kramt sie in der Handtasche. An der nächsten Ampel schüttet sie den ganzen Inhalt auf den Beifahrersitz. Sie klappt die Sonnenblende runter, ein Spiegel kommt zum Vorschein. Ein Frauenauto eben. Am Beifahrersitz ist nämlich kein Spiegel in der Sonnenblende. Der Pickel ist jetzt nur noch ein angetrockneter Schorf. Sie kratzt noch einmal drüber und wie durch ein Wunder ist der Pickel nun kaum mehr zu sehen. Ein Stoßgebet ans Universum schickend, zieht sie eine Nagelfeile aus dem Verhau am Beifahrersitz. Und macht sich die Fingernägel sauber und feilt ein bisschen, bis sie an der Ortsgrenze an der ersten Ampel stehen bleibt. Sie zieht sich schnell mit einem aus dem Verhau geborgenen Kajal einen Unterlidstrich. Dann wird es grün. Sie fährt weiter mit einem halbgeschminkten Auge. An der nächsten Ampel kommt das zweite Auge dran. An der Dritten der Feinschliff. Unterwegs zu vierten Ampel sucht sie nach einem anderen Kajal für den Oberlidstrich und nach dem Lidschatten. Die vierte Ampel ist grün, so ein Scheiß. Es geht jetzt Überland und es sind am Samstag Abend nur Sonntagsfahrer unterwegs. War ja klar. Sie entschließt sich während des hinter Sonntagsfahrern hinterherschleichen die Nägel zu lackieren. Und des ist ein Kunst für sich, während der Fahrt sich die Nägel klarlacken, ohne einen Unfall zu bauen und ohne von der Polizei angehalten zu werden. In der großen Stadt angekommen, mit perfekten Nägeln, die noch an der Lüftung etwas trocknen müssen. An der ersten Ampel ist nun das Oberlid dran. Der Kajal ist abgebrochen. So ein Mist. Sie fischt einen Kajalspitzer von der Ablage vorm Beifahrersitz und spitzt den Kajal an. Der Dreck wird in den Fußraum des Beifahrers gebröselt. (Da wo der ganze andere Müll vor sich hin lebt!) Die nächsten Ampeln sind rot und die Schminke ist fast perfekt. Jetzt geht es an die Augenbrauenrestaurierung. Im Halbdunkel würde es kaum auffallen, wenn Mann nicht weiß, dass die eine Augenbraue nur halb anwesend ist. Hoffentlich ist in der Bar kein grelles Licht, des wäre ihr Todesurteil. Sie versucht sich zu beruhigen. Wir treffen uns ja schließlich nicht im Schlachthaus, oder? An der nächsten roten Ampel werden die Wimpern sexy aufgetuscht. Neben ihr hält ein Wagen und der Fahrer starrt ungläubig zu ihr herüber. Beide verpennen das Grün und werden kollektiv abgehupt. Vor Schreck kommt sie mit der Wimperntusche an ihr Haupthaar. So ein Mist, jetzt hat sie auch noch eine schwarze Strähne. Den restlichen Weg beschäftigt sie sich mit ihren Lippen und mit dem Gesamtbild. Endlich angekommen und gleich einen Parkplatz gefunden. Ein Wunder. Das ist ein gutes Omen. Das Date muss perfekt werden, da ist sie sich ganz sicher. Der Mister Right wartet sicher schon in der Bar nur auf sie und kann es bestimmt kaum erwarten ihr spontan einen Antrag zu machen.

Der zweite Akt des letzten Date(s)

Wenig später betritt Frau die besagte Bar. Er ist nicht da. Sie fragt den eigentlich schnuckeligen Barkeeper, ob jemand einen Tisch für Zwei vorbestellt hätte, auf seinen oder ihren Namen? Der Barkeeper verneinte und verwies sie an die Bar. Er schaute auf die Uhr. Es wäre ja erst acht, meinte er noch. Frau sitzt nun gelangweilt an der Bar rum. Den Kopf in die Hand gestützt betrachtet sie sich verträumt an der Spiegelverkleidung hinter der Bar. Zwischen einer Flasche Glen Grant und einer Flasche Tullamore Dew war so viel Platz, dass sie ihre Frisur und ihre Schminke überprüfen konnte. Der Barkeeper stellte sich mit einem ‚Bestell was‘-Blick vor ihr Spiegelbild. ‚Ich nehm ein kleines Wasser!‘ sagte sie kleinlaut, in der Hoffnung er würde ihr Spiegelbild wieder freimachen. Mit wenigen Handgriffen und einem enttäuschten Blick, war ein kleines Wasser mit Eis und Zitronenscheibe vor ihrer Nase und der Barkeeper immer noch im Weg. Er musterte sie. Sie kramte in ihrer Handtasche nach ihrem Handy. Nichts. Sie kramt weiter. Immer noch nichts. Sie kratzt sich am Kopf. Dabei kam sie an ihren Busen und bemerkte, dass ihr Handy ja immer noch im BH steckte. Sie wühlte in ihrem Ausschnitt und zog mit zwei Fingern das Handy zum Vorschein. Der Barkeeper schaute ihr fasziniert dabei zu. In dem Moment als das Handy wieder ans nächtliche Tageslicht kommt, vibriert es und rutscht ihr aus den Fingern. Mit einem Platsch fällt es ins kleine Wasser. So schnell konnte sie gar nicht kucken, da rettete der Barkeeper ihr Handy, indem er das Glas schnappte und über sein Schwammtuch kippte. Das Handy schlitterte heraus und er nahm es mit einem Handtuch und trocknete es behutsam ab. Mit einer eleganten Handbewegung reichte er das Handy über die Theke und öffnete es, als wäre es die Weinkarte. Eine SMS blinkte vor sich hin. Das Handy hatte anscheinend keinen Schaden davon getragen. Er war es. Bestimmt. Sie nahm das Handy an sich und schaute die SMS an. ‚Hab nen Einsatz, komme später!‘ Ihre Miene versteinerte sich. Toll, jetzt sitzt sie da wie bestellt und nicht abgeholt. Ein weiteres kleines Wasser wurde vor sie hingestellt. ‚Ist es kaputt?‘ Sie schüttelte den Kopf und tippte eine Antwort. ‚Bin schon da und warte auf dich!‘ Dann tippte sie wieder zurück zu der SMS von ihm. Er hatte sie schon vor einer halben Stunde geschickt. Komisch. In ihrem BH gibt es wohl kein Netz. Sie klappt das Handy wieder zu und legt es mit einem Sicherheitsabstand neben ihr Glas und trank. Kaltes klares Wasser. Sie kratzte sich wieder am Kopf. Der Barkeeper schaute sie immer noch an. Sie seufzt. Jetzt schaute er sie mitleidig an und stellte ihr einen Glen Grant hin. ‚Der geht aufs Haus!‘ und das ‚der‘ betonte er so, als ob dies nicht der Letzte werden würde. Dann vibrierte das Handy wieder. Sie schnappte es und klappte es mit einer geschickten Bewegung mit einem Daumen auf. Er. ‚Steck mitten in ner Ringfahndung. Dauert noch.‘ Ohne zu antworten klappte sie es wieder zu und nahm den Whiskey, setzte ihn an und stürzte ihn hinab. Ihr Magen krampfte sich zusammen und dann spürte sie erst, wie es in ihrer Kehle brannte. Sie zog die Luft zwischen die Zähne ein und schaute zum Barkeeper. Er grinste sie an und zückte ein weiteres Glas und den Glen Grant. Sie nickte. Er tauschte die Gläser. ‚Nostromo‘ sagte sie und genoss diesen Whiskey. Mist, warum habe ich mein Strickzeug nicht dabei, dann würde ich mich jetzt nicht aus Langweile besaufen müssen, dachte sie. Sie nippte nochmal an dem Whiskey und jetzt sprudelten viel zu viele Gedanken durch ihren Kopf:

Warum bloß wollte ich alles richtig machen und bin nicht gleich nach dem ersten Zusammentreffen mit dem Arsch ins Bett gestiegen. Weil du es richtig machen wolltest! Ach. Im Bett wart ihr bereits. Ohne Geschlechtsverkehr. Ist ja eigentlich nicht meine Art, aber ich wollte ja alles richtig machen. Und jetzt sitzt ich hier ungefickt und vor lauter perfekte Frisur, perfekte Klamotte und perfektes Date, hab ichs mir vorher nicht selber besorgt und jetzt bin ich rattig ohne Ende und er steckt in einer Ringfahndung. Ein Glugglugg unterbracht ihren inneren Monolog und ein weiterer Whiskey wurde vor sie hingestellt. Der Barkeeper schaute auf die Uhr. Es war schon nach neun. Er schaute sie besorgt an. Sie konnte schier sein Gedanken lesen. Schon nach neun. Und es sprudelte wieder: Normalerweise gehe ich nie vor Mitternacht aus dem Haus und dann vorallem nicht mit so einer biederen Schleckfrisur. Scheiße. Dabei hat er letzten Mittwoch noch zu mir gesagt, dass er früher so in mich verknallt war, aber ich hätte angeblich immer einen Freund gehabt. Fürs Protokoll: Ich hatte in den seltensten Fällen einen Freund. Ich habe früher immer für ihn geschwärmt und dabei war immer meine beste Freundin hinter ihm her und er hatte immer eine Freundin. Hm. Warum hatte des eigentlich damals mit ihr nicht geklappt? Hm. Er ist bestimmt nie gekommen. Haha. Wegen Ringfahndungen!‘ Sie erschrak vor ihrer eigenen Stimme. Sie hatte wohl laut gedacht und wurde in ihrem nicht mehr so ganz so inneren Monolog immer lauter. Ist das peinlich! Wie gut, dass außer ihr und dem Barkeeper keiner in der Bar ist. ‚Er ist n Bulle?‘ kam es von hinter der Theke. Sie nickte und trank wieder. Er schaute wieder auf die Uhr. Schon kurz vor zehn. Sie stürzte den restlichen Whiskey runter. ‚Noch einen!‘ schon leicht lallend.

Sie verspürt ein komisches Jucken. Im BH?! Sie kuckt vorsichtig in den Ausschnitt. Kann aber im Dunkeln nichts erkennen. Sie hätte ein helleres Shirt anziehen sollen.

Sie zieht das Shirt ein bisschen vor, um mehr Licht ins Dunkle zu bringen. Der Barkeeper zündet ein Feuerzeug neben ihrem Ohr an. ‚Hast du da noch was drin versteckt?‘ Sie kuckt ihn entsetzt an. Eigentlich hätte sie sagen sollen, dass ihn das einen Scheißdreck angeht. Aber weil sie schon ein wenig angesäuselt war, wurde sie nur hochrot im Gesicht und zog sie Schultern hoch. ‚Nö!?‘ Er steckte das Feuerzeug wieder ein, irgendwo unter der Schürze, schätzungsweise in die kleine Feuerzeugtasche seiner Jeans. Sie wankte aufs Klo. Auf der Toilette wurde ihr erst richtig bewusst, wie betrunken sie war. Auf der Schüssel sitzend untersuchte sie ihre Brüste. Um Himmels Willen! Sie hat einen Ausschlag auf den Brüsten. Vom Deo? So eine Scheiße! Und er ist Schuld. Am Waschbecken haut sie sich Wasser ins Gesicht und betrachtet ihr Spießerfrisur. Sie kommt kopfschüttelnd aus der Toilette und wurschtelt sich kurzerhand durchs Haupthaar. Jetzt kann man mehr von ihren Haaren oder beziehungsweise deren nichtvorhandenensein erkennen. Wieder an der Bar angekommen, schaut sie sicherheitshalber aufs Handy. Nichts. Aber schon viertel nach zehn! Neben ihrem Wasser stand wieder ein Whiskey. ‚Das ist aber der Letzte!‘ und sie stürzte ihn runter, setzte das Glas wieder ab. Sie starrte ein wenig vor sich hin und spielte an ihrem Wasserglas. Die Hand wieder ins Gesicht gestürzt oder umgekehrt. Die Haare stehen ihr irgendwie wirr vom Kopf weg. Sie schloss die Augen. Eine SMS schreckt sie auf. Sie war wohl kurz eingenickt. Sie nahm ihr Handy, machte es auf und schaute nach der SMS: ‚Bin total fertig. Muss jetzt schlafen.‘ Von dem Gesichtsausdruck, der ihr jetzt übers Gesicht huschte, wird es zum Glück nie ein Bild geben, weil es auch kein Wort für dieses Gefühl geben kann, dass in ihr gerade hoch kocht. Sie schrieb zurück: ‚Wie bitte? Des ist nicht dein Ernst?‘ Um Fassung ringend schaut sie auf und sagt trocken und gefühllos: ‚Zahlen!‘ Der Barkeeper legte ihr die Rechnung auf einem Silbertablett, mit den Worten, die keine Frau (egal in welcher Lebenslage) von einem Mann hören will, hin: ‚Wenn ich nicht schwul wär, würd ich dich mit nach Hause nehmen.‘ Die Rechnung übersiegt ihr Wochenbudget um einiges und dafür hasste sie ihn noch mehr. Er hatte diese Schickimickikneipe ausgesucht und sie dort hinbestellt. Und nachdem diese Bar anscheinend davon lebt, arme versetzte Singlefrauen erst abzufüllen und dann mittellos zu machen, sucht sie schnell das Weite. Vor der Türe versuchte sie ihn anzurufen. Er hatte sein Handy ausgeschaltet. Sie ging zu ihrem Auto. Da wo sie es abgesellt hatte, war es nicht mehr. Haben die Scheißbullen jetzt auch noch mein Auto abgeschleppt. Sie ist eh so betrunken, dass sie auf keinen Fall mehr fahren könnte, selbst wenn ihr Auto noch da wäre, wo sie es abgestellt hatte.

Das ist ja wohl das allerletzte Date!

Sie torkelte Richtung U-Bahn auf ihren Highheels durch die große Stadt. Sie war so aufgewühlt, dass sie an der nächsten U-Bahn-Station vorbeilief und noch bis zur Nächsten laufen würde. Sie irrte durch ein Wohngebiet und als sie wieder einigermaßen klar im Kopf war, fand sie sich vor einem Haus wieder, in dem jemand gewohnt hatte, der ihr zu seinen Lebzeiten sehr nahe gestanden hatte. Jetzt war alles vorbei. Heulend schleppte sie sich weiter. Das Universum hat einfach kein Einsehen heute. Irgendwann kam sie dann bei der nächsten U-Bahn-Station an und versuchte möglichst unauffällig und möglichst schnell nachhause zu kommen. Sie zog sich eine Kurzstrecke, mehr Geld hatte sie nicht mehr. Unauffällig, war sie schon in normaler Verfassung nicht, aber nun liefen ihr die Tränen wie Sturzbäche übers Gesicht. Sie rotzte alle paar Minuten in ihr letztes Taschentuch. Alles hatte sie dabei, nur nicht genug Taschentücher. Sie wechselte zur S-Bahn und musste erstmal 40 Minuten warten, bis ihre nächste Bahn kommen würde. Die Welt ist einfach Scheiße. Ihre S-Bahn kam. Sie setzte sich und nickte ein. Durch ein: ‚Die Fahrkarten! Bitte!!‘ wurde sie unsanft geweckt und mit der Kurzstrecke bekam sie dann schließlich ein 40 Euro Ticket als Strafe. Dafür, dass sie ja bei diesem Date mal alles richtig machen wollte. Jetzt war sie nicht nur sauer und angepisst, sondern stinkwütend. Sie betet inständig ans Universum, dass jetzt eine Gruppe egal welcher Idioten sie blöd anmachen würden. In ihr brodelt es richtig. Nicht nur vor Wut, nein auch der Whiskey brodelte in ihr. Kurz vor dem Aussteigen an ihrem Heimatort kotzte sie noch den Mülleimer voll. Dann wankte sie aus der Bahn. Zumindest hat sie der Bahn noch ein Paar Naturalien dagelassen. Vielleicht muss sie ja deswegen die 40 Euro nicht voll zahlen. Hm. Das sie ja keinen Cent mehr in der Tasche hat, muss sie nun nach Hause laufen, bis zu ihrer Wohnung sind es schlappe 5 km. Nach dem ersten Kilometer, entschloss sie sich entgültig ihre Schuhe auszuziehen und ohne weiter zulaufen. Bei der Hälfte fuhr ein Bus an ihr vorbei. So eine Scheiße, wo kommt der denn her? Sie lief los. Vielleicht erwischt sie den Bus an der nächsten Haltestelle. Vielleicht wartet er ja auf sie? Sie kann gerade noch die Rücklichter des Busses am Ende der Straße erkennen. Dann biegt er ab und ist aus ihren Augen verschwunden. So eine Scheiße. Schlimmer kann es ja wohl nicht mehr kommen. Es zuckt ein Blitz über den Himmel und dann erschrak sie von dem Donner, der gleichzeitig einen Platzregen mit sich brachte. Das Universum kann jetzt mit ihr oder ohne sie untergehen. Jetzt ist alles egal. Ein begossener Pudel ohne Schuhe sitzt am Straßenrand und heult. Schlimmer kann es wirklich nicht mehr werden.

Ein Wagen hält. ‚Hey, du krasse Gotikfrau. Du kommen mit ficken auf Friedhof?‘ sie schaut auf und ihr kommt nur ein: ‚Wie bitte?‚ heraus. ‚Kommst du mit, ficken auf Grabstein!‘

Sie fasst sich ein Herz und entgegnete den Männern in dem Wagen: ‚Euch geht’s ja wohl nimma ganz gut, oder? Von was träumt ihr eigentlich Nachts? Natürlich komme ich mit, mit euch Vollhupen. Auf den Friedhof! Für Geschlechtsverkehr auf einem Grabstein! Alles klar? Und die Erde ist eine Scheibe. Ihr macht mir meinen Tag heute wirklich perfekt. Das hat mir gerade noch gefehlt, dass mir ein paar Gangster Geschlechtsverkehr anbieten. Das muss mein Glückstag sein. Was glaubt ich eigentlich was euch dazu privilegiert, dass ich krasse Gothicfrau mit euch ficken möchte? Geschlechtsverkehr auf einem Grabstein mit euch wollte ich ja auch schon immer mal haben. Das ist ja wirklich der Traum meiner schlaflosen Nächte. Ihr habt euch wohl ein bisschen zu viel Haargel auf die Birne geschmiert. Und jetzt kommt mir bloß net damit, dass ich irgendwelche Vorurteile gegenüber meinen ausländischen Mitbürgern hätte. Nein, ihr hab Vorurteile gegenüber krasser Gothicfrauen. Verpisst euch bloß. Ich krasse Gothicfrau will nämlich allein sein. Allein! Allein! Verdammt noch mal! Gefickt wird hier keiner! Höchstens ihr. Wenn ich euch meine Highheels bis zum Anschlag in den Arsch schiebe. Ja. Auf dem Grabstein. Das hättet ihr wohl nicht gedacht, dass ich dabei den aktiven Part und ihr dabei den passiven Part habt. Wie gut dass ich zufällig einen Umschnalldildo in meiner Handtasche mit mir rum schleppe. Na, hab ihr noch Lust. Ihr könnt euch schon mal frei machen. Lasst es uns gleich hier machen. Auf eurem abgewichsten Schlampenschlepper!‘ Quietschende Reifen unterbrachen ihren Monolog. Die Typen waren einfach weitergefahren. Sie stand auf der Straße, in einer Hand Schuhe schwingend und in der anderen Hand einen echt gefährlichen Deoroller aus Plastik. Es hatte wieder zu Regnen aufgehört. Das war heute wirklich der einzige Moment, der ein bisschen Unterhaltungswert hatte. Der restliche Weg war zwar noch weit, aber nicht mehr ganz so hart, wie es vorher den Anschein hatte.

Am nächsten Morgen wachte sie auf, in ihrem Bett. Allein. Ihre Highheels lagen vor dem Bett auf ihrer Jacke. Neben den Schuhen lag ihr Deoroller. Sie lächelte. Jetzt bemerkte sie, dass sie tierische Kopfschmerzen hatte. Sie versuchte aufzustehen. Ein Blick auf ihre Füße, trieben ihr wieder Tränen in die Augen. Ihre pinkgeringelten Strümpfe waren völlig zerstört. Sie zog sie von ihren dreckigen Füßen. Aua. Sie hatte mehrere ziemlich fiese Blasen an den Füßen. Und die Ballen waren wundgelaufen. Dann zog sie ihr Handy aus der Tasche. Sie schrieb eine bitterböse SMS an ihn. Dann schwor sie sich, nie wieder zu einen Date zu gehen, mit Schuhen, die nur zum Sitzen entworfen wurden.

Ein paar Wochen später, sie hatte das Date schon fast wieder vergessen, traf sie ihn. Er schlenderte mit einer anderen Frau Hand in Hand an ihr vorbei. Sie überlegte ernsthaft einen Polizistenmord zu begehen. Auch wenn sie dann auf der Flucht von seinen Kollegen erschossen werden würde. Nein, das was er eigentlich nicht wert. Sie musste sich ja nicht noch unglücklicher machen als sie eh schon ist. Sie entschied sich dann, es mit einer Beamtenbeleidigung bewenden zu lassen.

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