24

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image002Ich wache auf… von einem Orgasmus! Man muss das ein Hammertraum gewesen sein. Ich dachte ich träume, aber nachdem ich von meinem eigenen Stöhnen aufgewacht bin, war er doch real genug. Ich kann mich an den Traum nicht erinnern, ich kann mich nur erinnern, dass jemand einen Schlüsselsatz zu mir gesagt hat, der dann die Körperreaktion ausgelöst zu haben scheint. Bäm! Ist ja fast wie Weihnachten und Neujahr…

Als ich dann mit einem Lächeln auf den Lippen meine Augen öffnete, beschlich mich das dumpfe Gefühl, dass irgendjemand die Adventskalendertür für den 24. bereits geöffnet hat.

Ding Dong, die Iluminaten. Nein. Ich nicke wieder ein und träume wohl wieder, weil ich in meinem Adventskalender einen riesigen Raum sehe, am Ende sehe ich einen Tempel, Flammen züngeln heraus. Ich komme mir gerade vor wie bei Ghostbusters und ich bin der Torwächter, und blicke in meinen Kühlschrank und warte ganz inbrünstig auf meinen Steuerberater, der Schlüsselmeister. Oder bin ich schon wieder in der Matrix? Und ehe ich mich versehe, ist es wirklich so als würde ich in einen Kühlschrank sehen und am Ende ist nicht Zuul und auch nicht der Schlüsselmeister, nein es ist ein obszönes Pilzgewächs und es spricht mit mir: ‚Sieh was du verloren hast ist zurückgekommen, nun hast du sie wieder alle beisammen..!‘

Ich wache schreiend auf und blicke auf meinen Adventskalender, den ich vom Büro mitgenommen habe, damit ich an diesem legendären Tag, mein 24. Adventskalendertürchen selber öffnen kann.

Alle Türchen stehen offen, bis auf Eines, dass steht nur halboffen. Wer hat von meinem Adventskalender gegessen? Ich ziehe den Adventskalender zu mir heran und blicke in das 24. Türchen und erblicke einen weiten Raum. Flammen züngeln heraus und am Ende über einem Art Altar hängt ein Plakat. Und eine Leuchtschrift kommt auf mich zu, nicht so wie bei Star Wars, aber so ähnlich. Éí ‚Aaníígóó ‚Áhoot’é … die Leuchtschrift verschwindet wie ein Grinsen, bevor sie das Türchen erreicht hat…auf dem Plakat steht ‚I want to believe‚!

Ja, ich würde auch gerne Glauben, dass ich noch träume oder dass ich endgültig den Verstand verloren habe. Ich werfe meinen Adventskalender weg, nicht dass noch mehr aus dem Adventskalender raus kommt. Heute ist Weihnachten und dann hat der Spuk ein Ende. Der Adventskalender purzelt über die Bettkante und ich höre, wie er auf etwas Weiches fällt.Vorsichtig blicke ich über die Bettkante. Muss von unten wie Kilroy aussehen. Kilroy was here… alles klar. Der Adventskalender wird gerade unter mein Bett gezogen. Die sockenfressende Spinne existiert doch noch! Ich höre noch einen schrecklichen Rülpser und ein alter Pizzakarton fliegt unter dem Bett hervor. Ist ja wie bei einem Sarlacc. Ich kann mich nämlich nicht erinnern, wann ich das letzte mal eine Pizza mit Karton bestellt habe. Die Pizzaschachtel wurde wahrscheinlich schon seit einer halben Ewigkeit unter qualvollen Schmerzen langsam verdaut. So sieht sie nämlich auch aus.

Ich kann meine Neugierigkeit kaum bremsen, mit einer Nagelfeile und einer Häkelnadel bewaffnet, versuche ich nach dem Pizzakarton zu hangeln und öffne ihn eher versehentlich.

Und was ist das? In dem fast verdauten Pizzakarton ist mein lange Zeit verschollenes, angebissenes Käseschinkentoast – Taufrisch, nicht bepelzt oder bepilzt und lächelt mich obszön nickend an…ich habe sie endlich wieder alle beieinander. Alles ist gut, auch wenn ich immer noch keine Weihnachtsgeschenke gekauft habe, es ist alles gut.
In 24 Jahren zur absoluten Nerdhaftigkeit und bis zur Unendlichkeit und immer weiter…

22-12-12 – The day after yesterday

22-12-12 – The day after yesterday

axtIch wache zitternd auf. Alter, ist des kalt. Ich kann es nicht fassen, gefrorenes Kondenswasser auf meiner Stirn. Ich schaue auf mein Handy, die Uhrzeit steht da, aber das Netz ist aus. Hm. Ich muss wirklich irgendwann umziehen, dass ist ja wirklich eine Zumutung hier. Am Arsch der Welt gibt’s kein Netz. Muss meine Miete kürzen, wegen irgendwas.

Habe vergessen, wie spät es eigentlich ist. Ich suche die Fernbedienung, finde sie und drücke auf den Knopf. Nichts passiert. Ich drücke wie eine Verrückte auf den Knopf, nichts passiert. Ich blicke nach vorne, da leuchtet auch kein Standby-Licht. Hm. Mein Blick schweift durchs Zimmer. Internetkastel aus. DVD-Player Licht aus. Das Ladekabel meines Laptops flimmert nur noch schwach und geht dann auch aus. Ich wollte mir doch noch einen neuen Akku kaufen. Verdammt. Ich stehe widerwillig auf und tappe ins Bad. Gegen den Arsch abfrieren hätte ich gar nichts, wenn es nicht so kalt wäre. Das Licht geht nicht und es ist im Bad noch kälter. Ich geh pinkeln und putze mir die Zähne mit eiskaltem Wasser. Zu mehr fehlt mir der Mut. Eiskalt Duschen ist nicht so mein Ding. Der Wasserkasten meiner Klospülung gibt seltsame Geräusche von sich. Kalt Duschen ist wohl auch nicht so sein Ding. Verwöhntes, teures Dreckstück. Nur weil meine bescheuerte Vermieterin die Klospülung ans Warmwasser angeschlossen hat, macht der Spülkasten jetzt Stress. Fick dich! Mir ist scheiß kalt und du machst Zicken!

Wollte doch meine Miete kürzen.

Ich zieh mich, den Temperaturen angemessen, an. Dann mache ich mein Dachfenster auf, stelle meinen Fußhocker auf meinen Lesesessel und klettere aufs Dach. Es hat gefühlte -4 °C! Irgendwie hat es immer -4°C, wenn ich auf ein Thermometer blicke. Deswegen habe ich Keines. Ich blicke in alle Fenster meiner Nachbarn und die Straße entlang. Keine Zombies. Es brennt aber auch kein Lichtlein und das zwei Tage vor Weihnachten. Da hat wohl jemand seine Stromrechnung nicht bezahlt. Haha! Das ist die Rache für die übertriebene Weihnachtsbeleuchtung. Ich reibe mir die Hände, nicht nur vor Kälte, sondern auch vor lauter Schadenfreude. Ich muss für unliebsame Beobachter aussehen, wie ein blau gefrorener Grinch! Aber wer bespannt die Spanner. Keiner?

Warum auch immer, beschließe ich in die Arbeit zu fahren. Und ich beschließe mich nicht unbewaffnet auf den Weg zu machen. Es ist immer absolut unabdinglich seine Axt mit sich zu führen. Laufe mit meiner Axt in einem Stoffbeutel, einem Handtuch über der Schulter und blauen Gummihandschuhen zum Auto. Warum der Stoffbeutel, weil ich Angst habe, es könnte einer sehen, dass ich eine Axt dabei habe. Muss mich erst dran gewöhnen, dass hier keiner ist. Ich stecke die Axt hinter meine Feuerkiste. Hehe. Mit genug brennbaren Material kann ich zumindest noch ein hübsches Feuerchen machen. Hab gehört, dass Zombies ganz gut brennen sollen. Die rechnen ja auch nicht damit, dass sie auf einen Feuerkünstler treffen, wenn sie so durch die Gegend schlurfen. Ich nehme die Axt wieder aus dem Kofferraum und steige ein.

Ich fahre los. Die Axt, angeschnallt, am Beifahrersitz. Safty First! Kein Radiosignal. Ich lasse den Sendersuchlauf suchen, nichts. Die Straßen sind menschenleer, leider auch keine Zombies!

Ich schau nochmal aufs Handy, kein Netz, auch nicht als ich am O² Gebäude vorbeifahre.

Ich blicke an den Himmel und suche nach den Großen Alten. Ist ja nicht so, als hätte ich mich nicht auf Cthulhu und Co. vorbereitet. Außer dem typischen Hochnebel kann ich aber nichts erkennen. Für den Weltuntergang ist es mir entschieden zu ruhig. Mann, ich wollte doch mit einem lauten Knall abtreten. Mit einer riesigen Party. In einem Shortbus, bei Sodom und Gomorrha…Und nun, Stille, soweit das Auge reicht.

Als ich begonnen habe die Adventskalendergeschichten zu schreiben, hätte ich nicht gedacht, dass ich einen Zeitsprung über 3 Jahre machen würde. Drei Jahre auf der Suche nach dem Sinn des Lebens und dann so was. Keiner da. Nur ich und Mikroben. Der Sinn ist es wohl, dass ich am 22.12.12 in die Arbeit fahre. Frau Rösner, im Jahr 2009 wäre es Dienstag gewesen, aber heute ist Samstag. Wir lernen es wohl nie!

Da brauche ich mich nicht wundern, dass keiner hier ist, die machen alle noch Weihnachtseinkäufe. Aber auch in der Innenstadt ist nichts los. Ist vielleicht schon Heilig Abend und ich habe es nicht mitbekommen? Oder haben die Großen Alten zu viel Julfest gefeiert. Oder die Aliens waren da und haben die ganzen Idioten mitgenommen, aber warum haben die mich vergessen. Und wen haben die noch vergessen? Ich will nicht der letzte Mensch auf Erden sein. Wer bumst mich dann. Mann, es ist Winter und es hat -4 ° Grad. Für eine Rettichzucht ist es entschieden zu kalt und ohne Strom kann ich auch kein Treibhaus aufmachen.

So geht die Welt zu Grunde, einsam, allein, ohne Schwanz! Und Rettiche züchten und Dildos schnitzen bis ans Ende aller Tage fällt auch aus. Verdammt. So macht der Weltuntergang einfach gar keinen Spaß. Menno.

Ich fahre zum Saturn, der Hort meiner Inspiration im letzten Jahr. Die Theresienwiese ist leer gefegt. Sogar das Tollwood ist verschwunden.

Aber was ist dass, da sind Menschen, ganz viele und sie marschieren in Reih und Glied. Zwar nicht nackt, aber das kann ja noch kommen. Ich fahre verbotener Weise durch die Absperrung auf die Theresienwiese und halte auf die Herde strammer Gesellen zu. Eine ganze Herde 1Euronazis nur für mich. Das wäre doch nicht nötig gewesen. Aber ist denn jetzt schon Weihnachten? Endlich hab ich sie gefunden meine Lebensaufgabe. Ich halte an und krame gleichzeitig nach meiner Muskatreibe von der Tupperware. Dann steige ich aus und gebe mich als die uneheliche Enkeltochter von Adolf Hitler aus. Entnazifizierung 2.0. mit blauen Gummihandschuhen. Das wird ein Spaß. Danke, Großer Alter, ich habe verstanden, du willst auch nicht, dass die Zucht und Ordnung die Weltherrschaft an sich reißt. Ich auch nicht. Aber eine Familienpackung Wund und Heilsalbe wäre schon sachdienlich gewesen. Wie gut, dass ich wenigstens mein Handtuch dabei habe. Das wird euch mehr weh tun wie mir.

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