Des Nächtens… der Mond schien fahl!

Des Nächtens… der Mond schien fahl!

002Dunkel war’s, der Mond schien fahl, da schlichen zwei Männer durch die Nacht.

‚Hey, Tirsch! Bist du dir sicher, dass du…!‘ flüsterte der Eine dem Anderen zu.

‚Scht!‘ zischte der Andere und legte ärgerlich den Finger auf den Mund.

‚Es ist halt schon ganz schön gruselig hier draußen!‘ stotterte der Eine.

‚Spinn dich aus, Gerk!‘ rief der Andere, der wohl Tirsch hieß und einen Rucksack dabei hatte.

‚Ich mein ja nur!‘ rief der Eine, der Gerk hieß und mit sich selbst schon genug zu kämpfen hatte.

‚Halt, wer da?‘ rief jemand zu ihnen hinüber. Jemand spannte seine Armbrust, das Geräusch war unverkennbar.

‚Wir sinds!‘ riefen die Beiden, wie aus einem Mund.

‚Wenn ich jedes Mal geschossen hätte, wenn jemand ‚Wir sinds!‘ gerufen hat, dann wäre hier wegen Überfüllung geschlossen und ich wäre am Ende arbeitslos.‘ rief der Kerl und hielt eine schmutzige, alte Laterne hoch, um besser sehen zu können.

Die Beiden traten ins Licht seiner Laterne und stammelten vor sich hin: ‚Wir sinds, Tirsch und Gerk ausm Dorf!‘

‚Und was macht ihr hier draußen zu einer so unchristlichen Stunde?‘ rief der Mann, der seine Armbrust mittlerweile weggelegt hatte und eine Schaufel zur Hand nahm.

‚Nun ja, wir wollten uns vergewissern…!‘ rief der Tirsch, brach dann aber mitten im Satz ab.

‚Was vergewissern?‘ wollte der Mann wissen.

‚Die Marie ist ihm drei Mal in seiner Kemenate erschienen und jetzt denkt er, sie wär ein Nachzehrer!‘ rief der Gerk aufgeregt.

‚Ein Nachzehrer bleibt für gewöhnlich in seinem Grab und zehrt an seinem Leichentuch oder an sich selbst und man kann nur Nachts das Schmatzen und Stöhnen hören, wenn man genau hinhört.‘ rief der Mann, lehnte sich auf seine Schaufel und legte eine Hand an sein Ohr, um zu lauschen.

‚Du musst es ja wissen!?‘ meinte der Tirsch skeptisch.

‚Der Beruf des Totengräbers ist anspruchsvoller, als mancher denken mag.‘ meinte der Totengräber und zog ein kleines Büchlein aus seiner Manteltasche. ‚Wenn ihr das vorhabt, was ich denke, müsst ihr mir erst mal ein paar Fragen beantworten!‘

Die beiden Männer nickten folgsam.

‚Also, hatte die verstorbene Marie, Tochter des Waldwarts Lunz, zu Lebzeiten eine wie auch immer geartete Beziehung zu dem nächtlich Aufgesuchten?‘

‚Des geht dich einen Scheißdreck an!‘ rief Tirsch aufgebracht und machte Anstalten gehen zu wollen.

‚Wenn du weiter von der schönen Marie um deine Nachtruhe gebracht werden willst, solltest du meine Fragen beantworten!‘ meinte der Totengräber und hielt ihm ein amtliche Urkunde hin, die vorne in das Buch geheftet war. Dort stand: ‚Erfüllungsgehilfe der Jägergewerkschaft, Watzlaf, der Totengräber zu Ludwigsdorf…!‘

‚Ich wusste gar nicht, dass du Wa…!‘ plapperte Gerk, bis der Totengräber ihm blitzschnell den Mund zu hielt.

‚Nenn ihnen nicht meinen Namen, weil wenn sie deinen Namen wissen, dann haben sie Macht über dich!‘ zischte der Totengräber und lauschte bedenklich über den Friedhof. Er hätte schwören können ein Schmatzen gehört zu haben.

‚Was steht da nun?‘ fragte Tirsch. Er konnte anscheinend nicht lesen.

‚Er ist Mitglied in der Jägergewerkschaft!‘ meinte Gerk.

‚Ja, der Waldwart Lunz ist auch Jäger und dem erzähl ich auch nicht, dass ich seine Tochter gepimpert habe!‘ rief Tirsch und merkte nicht, dass er mit seinem Ausruf die Frage bereits beantwortet hatte.

‚Aber er ist nicht in der Jägergewerkschaft! Wir haben den geheimen Auftrag das Außergewöhnliche, Übernatürliche und Unerklärbare zu jagen und zur Strecke zu bringen und ihr tatet gut darin mit eurem Problem zu mir zu kommen.‘ meinte der Totengräber feierlich.

Er zog einen kleinen Kohlestift aus dem Buchrücken und kritzelte in das Buch.

‚Hast du das dauernde Gefühl, dass heute eigentlich gestern ist?‘

‚Ich hab seit 3 Nächten nicht geschlafen, ich bin mir nicht mal sicher, ob ich überhaupt wach bin.‘ rief Tirsch aufgebracht. Der Totengräber kritzelte in sein Buch und flüsterte: ‚Sagen wir mal ja! Hast du, wenn du nach oben blickst das Gefühl zu fallen?‘

Tirsch und Gerk blickten nach oben, nach einem viel zu langem Moment blickten beide den Totengräber an und schüttelten den Kopf.

Der Totengräber zog die Luft zwischen den Zähnen hindurch, kritzelte wieder in sein Buch und meinte: ‚Also nein!‘

Er blätterte um und fuhr fort: ‚Hast du kürzlich etwas gerochen, dass man am Besten beschreiben kann als Praline, obwohl dort keine Pralinen waren?‘

‚Das verstehe ich nicht!‘ meinte Tirsch, während Gerk in seiner Nase bohrte.

‚Hast du Pralinen gerochen, bevor sie dir erschienen ist.‘

‚Sie ist mir nicht erschienen, die hat mich angepackt und das war mehr als körperlich!‘

‚Was du davor irgendwas gerochen?‘

‚Ja!‘

‚Und was?‘

‚So wie sie halt immer gerochen hat. Nach Fichte, Moos und Honig, Nach Lavendel, Rosmarin und Eierlikör…‘ Bei der Aufzählung kam Tirsch richtig ins Schwärmen. ‚…deshalb hab ich sie auch reingelassen!‘

‚Neue Geschmacksrichtung. Muss weiter beobachtet werden.‘ flüsterte der Totengräber und kritzelte wieder ins Buch und fuhr fort. Fühlt sich deine Gallenblase irgendwie taub an?‘

‚Also jetzt wird’s aber hint höher wie vorn!‘ meinte Tirsch und drehte sich zu Gerk um, der nun in seinem Ohr herum puhlte. ‚Hast du auch so eine Gallenblase?‘

‚Gut, streichen wir die letzte Fragen. Nun wollen wir überprüfen, ob es sich um eine unverweste Leiche oder einen Nachzehrer handelt, oder etwas Schlimmeres.‘ meinte der Totengräber und drückte dem Gerk die Schaufel in die Hand. Er griff sich seine Armbrust und ging voran, geheimnistuerisch legte er den Finger auf den Mund und lauschte.

An der Begräbnisstätte angekommen, öffnete Tirsch seinen Rucksack und kramte darin herum. Er zog einen Rosenkranz an und biss in eine Knolle Knoblauch. Wortlos drückte er Gerk den Knoblauch in die Hand, der ebenfalls davon abbiss.

‚Ich merk schon, ihr seid ganz gut ausgerüstet. Was habt ihr denn da alles im Beutel!‘ fragte der Totengräber und blickte neugierig in den Beutel, in dem Tirsch immer noch herum kramte.

‚Großmutters Palmarec¹), Weihwasser, reichlich Knoblauch, ein Silbernagel, ein Kreuz groß, noch einen Rosenkranz!‘ fing Tirsch an aufzuzählen, reichte Gerk den zweiten Rosenkranz und fuhr fort. ‚Einen Hammer, einen Klappspaten, Leinsamen, ein Seil, eine Zitrone und Schnaps.‘

‚Der Palmarec ist aus Weißdorn?‘

‚Und vom Pfaffen gesegnet!‘

‚Tirsch, du solltest dringend lesen und schreiben lernen!‘

‚Wieso?‘

‚Nur für den Fall, dass du einen Brief von der Jägergewerkschaft bekommst, dann wäre die erste Voraussetzung, dass du ihn auch lesen könntest.‘

Ihr Gespräch wurde von einem stöhnenden Schmatzen unterbrochen. Gerk blieb der Knoblauch schier im Halse stecken und Tirsch packte sich erschrocken die Zitrone.

Kauen und Schmatzen!‘ flüsterte der Totengräber und kritzelte wieder in seinem Buch herum. ‚Bevor ihr mit dem Graben beginnt, müssen wir den Platz segnen.‘

‚Ich kann ein Gebet sprechen!‘ meinte Gerk.

Und Tirsch nahm die Flasche mit dem Weihwasser aus dem Rucksack und blickte den Totengräber neugierig an.

‚Ja, sehr gut Tirsch. Trete ans Grab heran, drehe dich zu mir herum und träufle das Weihwasser auf den Boden und gehe dabei einmal ums Grab herum.‘

Tirsch tat was ihm geheißen und Gerk begann zu beten. Müde bin ich, geh zur Ruh, schließe beide Augen zu. Vater, lass die Augen dein, über meinem Bette sein. Hab ich Unrecht heut getan, sieh es, lieber Gott, nicht an, deine Gnad und Jesu Blut, machen allen Schaden gut. Alle, die mir sind verwandt. Gott, lass ruhn in deiner Hand, alle Menschen, groß und klein, sollen dir befohlen sein. Kranken Herzen sende Ruh, müde Augen schließe zu. Gott im Himmel halte Wacht, gib uns eine gute Nacht. Amen!‘

Der Totengräber stand mit offenen Munde da und puhlte nun selbst in seinen Ohren herum. ‚Besser hätte ich es auch nicht machen können. Tirsch gib mir die Flasche und bleibe in dem gesegneten Kreis. Gerk gib ihm die Schaufel.‘

Während Tirsch sich an die Arbeit machte, kniete sich der Totengräber neben das Grab und beobachtete jeden Handgriff. Er murmelte immer wieder etwas und kritzelte in sein Buch. ‚Das Blumengesteck war wesentlich verschoben und die Erde war weich und aufgewühlter als ich sie verlassen habe.‘

Als Tirsch auf den Sargdeckel stieß, blickte er ins Gesicht des Totengräbers, der wieder den Finger vor den Mund legte. Ein schmatzendes Stöhnen erklang und Tirsch wurde unter dem Schmutz kreidebleich. ‚Nun klopfe dreimal auf den Sargdeckel, stemm ihn auf und halte die Zitrone bereit. Gerk Weihwasser und Plamarek bereithalten.‘

‚Gib mir mal den Klappspaten!‘ rief Tirsch und warf die Schaufel nach oben. Der Totengräber zog eine Axt aus dem Gürtel.

‚Die Regel 1 der Jägergewerkschaft ist eigentlich, führe immer eine Axt mit dir. Man weiß nicht für was man sie brauchen kann, aber so ein Klappspaten ist genauso gut.‘

Mit lautem Knarzen hebelte Tirsch den Sarg auf und der Totengräber leuchtete ihm.

‚Sag mal, die ist doch schon eine Woche tot und sie sieht immer noch drall und gesund aus.‘ meinte Gerk, der einen Blick riskiert hatte. Tirsch beugte sich runter und legte ihr die Zitrone in den offenen Mund. Ihre Lippen waren noch genauso rot, wie an dem Tag, als er sie das letzte Mal lebendig sah.

‚Ein Anzeichen für Untote, Strigoi, Wiedergänger oder Vampire ist, die lebenden Leichen wirken vollgefressen und feist, die Wangen schimmern rosig bis rot, die Fingernägel und Haare scheinen gewachsen zu sein!‘ meinte der Totengräber und kritzelte in sein Buch. ‚Der Mund steht meist offen und ist voll Blut, dass meist frisch zu sein scheint!‘

‚Öhm ja!‘ rief Tirsch und blickte den Totengräber ernst an, der bereits einen Haken gemacht hatte und dann fortfuhr. ‚Wenn diese Anzeichen nicht erfüllt wurden, ist ein beschimpfender Unfug an einer Grabstätte nicht gestattet und unter Strafe vom Erfüllungsgehilfen umgehend zu vollstrecken.‘

‚Also sie hat sich an mir vergangen, als ich in meinem Bette lag, dass ist ja wohl Anzeichen genug.‘ rief Tirsch aufgebracht.

‚Aber gebissen hat sie dich nicht, oder?‘

‚Wie meint ihr das?‘

‚Er meint, dass dir dein Kasper abfault und du ihn nie wieder Schnäuzen wollen wirst, wenn sie dir in den Zipfel gebissen hat.‘ rief Gerk und kicherte in sich hinein.

Tirsch zog den Gürtel seiner Hose auf und riskierte einen Blick in seine Hose. Der Totengräber leuchtete, blickte ihm über die Schulter und konnte sich auch kaum mehr zurückhalten.

‚In der Regel beißen die Vampirartigen an gut erreichbaren Stellen des Körpers, wo die großen Adern verlaufen. Also Hals, Hand- und Fußgelenk. Aber in deinem Fall sollten wir Oberschenkel Innenseite und Bauch untersuchen, nur für den Fall der Fälle.‘

Tirsch schob auch noch das Hemd hoch und blickte auf seinen Bauch, als die schöne Marie plötzlich die Augen aufriss, ihm die Zitrone gegen den Kopf spuckte, ein markerschütterndes Keuchen von sich gab und ihren Körper pfeilschnell aufrichtete. Tirsch konnte ihre spitzen Zähne sehen und das Blut, dass ihr aus dem offenen Mund auf ihre drallen Brüste rann. Während der Totengräber aufgeregt in seinem Buch blätterte, schlug Tirsch beherzt zu, noch bevor ihre langen Krallen ihn erreichen konnten.

‚Den Platz mit Weihwasser tränken, Ausgraben und/oder Gruft öffnen, persönliche Schutzzeichen, wie Kreuze und/oder Knoblauch können hilfreich sein. Wenn das Aussöhnen mit dem Verstorbenen und /oder eine Zitrone nicht helfen, ist die Tötung der Leiche empfohlen. Das Pfählen mit einem handelsüblichen Palmarec aus Weißdorn oder eisernen oder silbernen Nagel und das Abtrennen des Kopfes mit einer Axt oder einem Spaten, den Leichnam verbrennen und die Überreste mit reichlich Knoblauch, Leinsamen und einen geknoteten Strick wieder eingraben. Einen Segen und/oder ein Gebet sprechen hat auch noch nie geschadet.‘ rief der Totengräber, doch Tirsch hatte der schönen Marie schon mit dem Klappspaten den Kopf sauber abgetrennt. Gerk reichte ihm den Palmarec und Tirsch trieb ihn ihr mit einem harten Schlag zwischen die Brüste. Dabei hätte er fast seine Hose verloren. Als er aus der Grube kletterte war er mit Blut und Dreck besudelt. Er steckte sein Hemd in die Hose und schloss den Gürtel, während Gerk ihm den Flachmann reichte. ‚Von dem geweihten Schnapse sollst du kosten, liebste Marie. Möge der Herr deiner Seele gnädig sein und dich Heimholen in sein Reich. Grüße Großmutter von mir. Amen.‘ rief Tirsch und verschüttete den Schnaps über dem Leichnam. Gerk zündete einige Streichhölzer an und warf sie hinterher. In Windeseile fing alles Feuer und die Flammen züngelten aus der Grube. Während Gerk einige Knoten in das Seil band, kniete sich Tirsch neben das brennende Grab und wusch sich mit dem restlichen Weihwasser Hände und Gesicht. Dabei schien er in ein stilles Gebet vertieft zu sein.

Der Totengräber war so beeindruckt von den Beiden, dass er sein Buch wieder in seinem Mantel verschwinden ließ und sie mit offenen Mund weiter beobachtete.

‚Gesegnet sei der, der im Namen der Barmherzigkeit und des guten Willens die Schwachen durch das Tal der Dunkelheit geleitet, denn er ist der wahre Hüter seines Bruders und der Retter der verlorenen Kinder.‘ flüsterte Tirsch.

‚Ich will große Rachetaten an denen vollführen, die da versuchen meine Brüder zu vergiften und zu vernichten, und mit Grimm werde ich sie strafen, dass sie erfahren sollen, ich sei der Herr, wenn ich meine Rache an ihnen vollstreckt habe!‘ erwiderte der Totengräber.

Als das Feuer runter gebrannt war, warf Gerk die Leinsamen, das geknotete Seil und den Knoblauch in das Loch, während Tirsch die Grube wieder zu schaufelte. Als sie fertig waren zog Gerk das große Kreuz aus dem Rucksack und steckte es in die weiche Erde. Der Totengräber zog einen Flachmann aus seiner Tasche und schüttete den Inhalt auf das Frische grab. ‚Möge sie in Frieden ruhen. Amen!‘

‚In nomine patris et filii et spiritu sancti!‘ sprachen Gerk und Tirsch wie aus einem Mund.

Ende

¹) Palmarec – bulgarischer oder rumänischer Eigenname für einen Nagel zum Pfählen oder Durchstoßen von Vampiren, der bestenfalls aus Weißdorn oder Metall besteht.

P.S. Der Wortdieb bedankt sich bei Wikipedia, Dr. Mark Benecke, Quentin Tarantino, Warehouse 13, Akte X, Supernatural und der Bibel für die vielen Inspirationen. Danke.

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253 nach X – Teil 3

253 nach X – Teil 3

smogMeine Sinne schwinden. Die Luft ist knapp. Obwohl alles gefroren ist, ist mir ganz schön warm. Meine Finger sind taub und ich kann meine Zehen nicht mehr spüren. Der Raumanzug macht mich völlig wahnsinnig. Nicht der richtige Ort um Platzangst zu kriegen.

Sobald die Sauerstoffanzeige meiner Raumkapsel auf einen kritischen Wert sinkt, werde ich den Helm wieder anziehen müssen. Dann dauert es eh nicht mehr lange, bis ich ersticke. Eine Warnleuchte brennt schon eine ganze Weile. Der Kohlendioxidgehalt ist irgendwie zu hoch. Ich fühl mich auch irgendwie gar nicht gut. Wir Übrigbleiber sind es halt nicht gewohnt, reinen Sauerstoff zu atmen.

Der Boardcomputer sendet automatisch ein Notsignal, was mir wahrscheinlich überhaupt nichts nützen wird, es wird mich keiner retten können, man hat ja die Raumfahrt verboten. Wie kamen die nur auf so einen Mist. Ich werde hier wahrscheinlich sterben. Völlig allein im All. In der Stille. Ich war nie so deprimiert, wie jetzt und mein Leben war vor meinem kleinen Ausflug schon beschissen genug. Ich hätte gerne einmal in meinem Leben einen richtigen Whisky getrunken, nicht von dem synthetischen Zeug, einen richtigen echten Whisky. Dann wollte ich schwimmen lernen, auch wenn ich es nie brauchen werde, die Meere sind so verseucht, dass keiner mehr Schwimmen gehen kann, ohne zu verrecken. Und Wasser haben wir nie genug, dass wir auch nur eine Badewanne voll kriegen würden. Zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel. Aber selbst jetzt, wo ich wahrscheinlich ziemlich bald verrecken werde, will ich irgendwie nicht aufgeben.

Nachdem ich mit meiner Ansprache alle Verbote aufgehoben habe, wollte ich mir eigentlich noch gepflegt den Kasper schnäuzen, bevor ich abtrete. Aber mein Raumanzug ist nicht gerade für Selbstbefriedigung konstruiert worden. Mein Leben ist wirklich ein Alptraum. Da scheiß ich doch auf die Meinungsfreiheit, ich hätte gerne mehr Bewegungsfreiheit. Ich will wenigstens noch einmal loslassen, bevor mich mein Leben los lässt.

Die Scheiben in der Raumkapsel sind vollständig zugefroren und ich habe entschieden, dass ich bis zu meinem Ende weiter die Sterne ansehen will. Ich schnalle mich also ab und ich schwebe an die Decke.

Ein Hochgefühl, mein Magen macht einen Hüpfer, als ich mich in der Luft drehe. Es strengt mich ziemlich an, als ich versuche die Scheiben freizukratzen. Die Frostbrösel rieseln mir ins Gesicht. Hm. Schnee! Schön.

Als ich endlich ein Stückchen freigekratzt hatte, damit ich hindurch linsen konnte, lies die nicht vorhandene Schwerkraft für einen Moment nach. Die Raumkapsel trudelte durchs Nichts. Ich klammerte mich fest, damit ich weiter durch die Scheibe sehen konnte. Der Mond taumelte alle paar Momente vorbei. Es sah aus, als hätte eine Maus ein riesiges Loch aus dem Käse gefressen. Boa, Käse. Ich hätte jetzt gerne Käse. Geschmolzen.

Ich muss einen Moment nicht aufgepasst haben, der Mond scheint verschwunden zu sein. Aber eben war er doch noch da. Gut, er war nicht mehr ganz vollständig, aber er war noch da! Verdammt, jetzt hab ich ein richtig schlechtes Gewissen. Ich bin der Mann, der den Mond auf den Gewissen hat. Ach, du Scheiße!

Irgendwas blendete mich. Was ist das. Doch nicht die Sonne. Altes Mädchen, dass ich dich noch mal sehen darf. Danke. Jetzt kann ich sterben. Ich lies den Haltegriff los und die fehlende Schwerkraft lies mich nur langsam auf den Sitz sinken. Aus Reflex schnallte ich mich wieder an. Aber eigentlich schloss ich grad mit allem ab. Ade, du grausame Welt. Fick dich.

Irgendwas Blaues rauschte am Fenster vorbei. Ich blickte auf, die Erde. Der Frost an der Scheibe war teilweise verschwunden und ich sah ein merkwürdiges Glühen. Die Erde huschte wieder vorbei, blau, grün. Wie hypnotisiert starrte ich auf die Scheibe. Blau, Grün, Blau!

Warum Grün. Grün. Was Grünes hab ich schon lange nicht mehr gesehen. Als die Raumkapsel in die Erdatmosphäre eintrat, wurde mein Verstand von einer Ohnmacht erlöst.

Den Aufprall bekam ich schon nicht mehr mit.

Ich wurde erst wieder wach, als mir die Sonne ins Gesicht schien…

Fortsetzung folgt….vielleicht irgendwann!

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