Aus den Aufzeichnungen von Bernadette G. Teil 4

Aus den Aufzeichnungen von Bernadette G. Teil 4

17.11.2008

Habe von einebernadettem Käseschinkentoast geträumt, warum weiß ich nicht so recht. Ich wache nach einem komatösen Schlaf auf und schwanke ins Bad. Als ich aufm Klo hocke, bemerke ich, dass mir ein Brief am Fuß klebt. Auf dem Umschlag steht ‚Bernadette G.‘. Ich reiße ihn auf und lese…

Liebe Bernadette,

ich weiß nicht so genau, wie ich mich ausdrücken soll. Ich hoffe ich überfordere dich jetzt nicht, wenn ich mit der Tür ins Haus platze. Ich möchte dir auf keinen Fall zu Nahe treten, aber ich habe mich in dich verliebt. Und es ist nicht nur was Sexuelles. Ich würde ich gerne wiedersehen, mein Rasierer übrigens auch.

In Liebe Björn ‚der Schweißer‘ Svenolofson

Beschließe nach dem Pissen zu kotzen…

Ende

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Aus den Aufzeichnungen von Bernadette G. Teil 3

Aus den Aufzeichnungen von Bernadette G. Teil 3

15.11.2008 Nachtrag

bernadetteOh, scheiße, dass Wartezimmer ist voll und der Werksarzt musste zu einer Entbindung, ich glaub der will mich wohl verarschen, wo sollen denn hier Schwangere herkommen? Dem werd ich schon was entbinden, wenn er wieder da ist. Der Sören nervt mich schon die ganze Zeit, warum ich heute schon wieder zu spät bin. Der Kerl widert mich an.

Ich beginne die Wehwehchen der Werksangestellten abzufertigen und gucke dabei ganz wehleidig auf meine blauen Einlaufhandschuhe…Und was sagt meine Frau nur dazu, dass ich von der halben Mannschaft hier gepimpert wurde. Liebes Tagebuch, wie soll ich es ihr nur erzählen. Aber sie lässt sich bestimmt wieder nur die Füße von irgend so einem Flachwichser massieren… Der dann gleich wieder mit ihr durchbrennen will… Ich weiß nicht was ich denken soll… Mir ist kalt ohne meine Muschi…

Nachdem ich alle Patienten abgefertigt habe, habe ich diesen blöden Sören bitten müssen, mich in die Röhre zu schieben und von meinem Kopf eine CT zu machen. Hab ne schwere Gehirnerschütterung und durfte mich selbst Arbeitsunfähig schrieben, bis unser lieber Herr Doktor wieder von der ‚Entbindung‘ zurück ist. Der blöde Sören hat jetzt meinen Schwesternkittel an und muss Nachtdienst machen. Hahaha. Oh tut mir der Kopf weh!

Jetzt kann ich mir auch erklären, warum ich auf Einmal an den Eiern lecken so toll fand, ich muss echt einen gewaltigen Schlag haben… hm… schwere Gehirnerschütterung eben. Irgendwie war ich nicht ich selbst… geh jetzt schlafen, morgen sieht die Welt ganz anders aus!

Als ich meine Zimmertür aufmache, ist meine Wohnung im tadellosen Zustand, so als wäre nichts Geschehen und ein Zettel liegt auf dem Kopfkissen….

16.11.2008

Bin heute morgen aufgewacht und ins Bad getappt, habe erst am Spiegel gesehen, dass dieser Zettel an meiner Wange klebt. Man kann kaum mehr was lesen, weil ich ihn wohl vollgesabbert habe. Hab den Zettel weggeworfen. Wird schon nichts Wichtiges draufgestanden sein….

Hab einen Termin beim Herrn Doktor Vladimir Putinowsky. Er untersucht mich nochmal. Dass ich eine schwere Gehirnerschütterung habe, hatte ich schon gewusst, dass man auf dem CT nicht weiter was Schlimmeres sieht, hatte ich auch schon gewusst. Ich bin ja nicht auf der Brennsuppn daher gschwommen. (Des sagt meine Süße immer! Grins!) Dann wollte er wissen, wo ich die ganzen blauen Flecken her habe. Dann hat er den Werksschutz geholt. Ich sollte mal lernen besser zu lügen. Er hat irgendwie einen Blick dafür, blaue Flecken zu lesen, er ist ja auch halber Russe, der kennt sich mit Vergewaltigungen aus. Ich erstattete keine Anzeige, ich hatte keine Lust, dass noch mehr Trara um die Sache gemacht wird. Der Werksschutz meinte nur, dass es noch Konsequenzen hätte und das Werk eigene Ermittlungen anstellen wird. Ich meinte nur: ‚Recht so!‘

Der Klempner und der Schweißer wären in diesem Zusammenhang schon öfter aufgefallen, aber da handelt es sich eigentlich immer um männliche Opfer. Und dieser unbekannte Fremde wäre eh schon auf der Fahndungsliste, nachdem er beim Flüchten Betriebseigentum beschädigt hätte. Außerdem wäre mein Körperschaden auch auf den Unbekannten Fremden zurückzuführen. In der Zeit meiner 14 Tage Arbeitsunfähigkeit müsste schließlich Ersatz eingestellt werden. Blabla.

Der Doktor verschreibt mir noch dazu strickte Bettruhe.

Ich komme zurück ins Zimmer und da hatte jemand ein angebissenes Käseschinkentoast unter meiner Tür durch geschoben.

Mache mir weiter keine Gedanken darüber und falle halbtot ins Bett….

‘Warum denn so ernst, schöner Mann?’ Teil 6

Warum denn so ernst, schöner Mann?’ Teil 6

 

Rückblende Fortsetzung

In der selben Nacht vor 8 Wochen:

keinenummernBingo. Endlich war er draußen. Er ließ den Club hinter sich und rannte über den Parkplatz auf die Straße. Er wählte die Nummer seines Chefs und Einsatzleiters. ‚Ja, wo sind Sie?‘ fragte Jeff.

‚Neben ihrem Wagen!‘ sagte sein Chef entnervt.

‚Ich bin in zwei Minuten da.‘ sagte Jeff, bevor er wieder auflegte. Er rannte zu seinem Wagen. Zwei Minuten später machte er die Schiebetür des zivilen Einsatzwagens auf. Sein Chef und der Staatsanwalt saßen in dem Einsatzwagen und blickte ihn erwartungsvoll an. Sein Kollege, der Fahrer des Wagen, saß vorne am Steuer, blickte aber durch ein Schiebefenster nach hinten ins Wageninnere. Jeff kroch schwer schnaufend aber grinsend in den Wagen. Dann ging er zu einem Laptop, der alles aufzeichnete was bis jetzt gesprochen wurde. Er drückte auf Pause. ‚Sorry, für das, was ich ihnen jetzt zu sagen habe, brauchen wir keine Ohren.‘ Laut schnaufend setzte er sich erst Mal. Sein Chef drückte ihm eine Flasche Cola in die Hand. Er trank und atmete nochmal tief durch.

‚Also, ich habe gerade unsere beiden Verdächtigen bei der Geldübergabe beobachtet und da war noch ein dritter Mann.‘ keuchte er und machte eine dramatische Pause, um noch einmal zu trinken.

‚Jetzt spannen Sie uns nicht auf die Folter.‘ rief der Staatsanwalt.

‚Es ist ein Ermittler aus unserer Abteilung.‘

‚Wer?‘ kam es aus dem Mund von Beiden.

‚Werner Koslowski!‘

‚Nein, Sie verarschen mich jetzt schon wieder!‘ schrie ihn sein Chef fast an.

‚Nein, nein und ich hoffe, dass die Aufnahme mit meinem Handy etwas geworden ist.‘ beteuerte Jeff.

‚Warum haben sie ihre Dienstkamera nicht dabei gehabt?‘ fragte der Staatsanwalt.

‚Ich habe auch ein Privatleben!‘ meinte Jeff und grinste, während er an seinem Handy herum tippte.

Sein Chef leuchtete ihm mit einer Lampe ins Gesicht und an seinem Anzug herab. ‚Das erklärt jetzt zwar, warum Sie nicht ans Handy gegangen sind. Aber es erklärt nicht die goldene Farbe, die Sie überall kleben haben.‘

‚Ist da nicht so ein goldenes Pin-Up Girl auf diesem Flyer zu sehen?‘ plapperte der Staatsanwalt und hob den Flyer von der Party hoch.

‚Wie gesagt, Privatleben!‘ meinte Jeff kurz und blickte die Herren ernst an, dann flog ein kleines Lächeln über sein Gesicht. Endlich spielte sein Handy die Aufnahme ab. Er hielt sein Handy wortlos in die Runde.

‚Der Koslowski, diese Ratte!‘ sagte sein Chef, klopfte Jeff väterlich auf die Schulter und fuhr fort: ‚Ich hab Sie heute nicht nur einmal unterschätzt, sondern zweimal. Ich glaub ich muss mich bei Ihnen entschuldigen.‘ Und hielt ihm grinsend die Hand hin.

‚Jetzt mal die Späße bei Seite, Hannes.‘ sagte der Staatsanwalt zum Einsatzleiter, während Jeff noch seine Hand hin hielt. Dann wandte sich der Staatsanwalt zu Jeff: ‚Herr Lehmann! Dieser Koslowski, hat er Sie schon mal gesehen, seit dem Sie zu uns gewechselt sind?‘

Jeff war ziemlich erschrocken, von seinem richtigen Namen, seit dem er hier war, wurde er nur mit seinem falschen Namen angesprochen, Jeff Schmitt.

‚Ähm, nein. Ich habe ihn auch nur erkannt, weil ich alle Kollegen gesichtet habe, als der Verdacht aufkam, dass wir vielleicht einen Spitzel in der Internen haben könnten.‘

‚Gibt es außer ihnen Beiden noch einen Kollegen, den dieser Koslowski nicht kennen könnte?‘ fragte der Staatsanwalt und drehte sich zum Fahrer.

‚Die Bordsteinschwalbe… ähm…Der Bieringer, er wurde zur selben Zeit versetzt, wie Herr Schmitt!! Und arbeitet seitdem auch verdeckt an dem Fall.‘ meinte der Fahrer.

‚Sehr gut. Sie Beide und dieser Bieringer heften sich ab Montag an die Fersen von diesem Koslowski. Ich werde Ihnen die Personalakte besorgen. Und wir treffen uns alle morgen…äh…heute Abend bei mir zu Hause zum Essen. Ich stelle ihnen mein privates Büro für die Ermittlungen zur Verfügung. Ich hoffe sie haben einen zweiten Anzug, Herr Schmitt!! Unsere Frauen sind auch anwesend, wir können sie morgen…äh…nachher nicht nochmal versetzen.‘ sagte der Staatsanwalt abschließen, er hatte während seinem Vortrag zweimal auf die Uhr gesehen, schaute dann den Einsatzleiter an und klopfte Jeff nun auf die Schulter. ‚Wirklich gute Arbeit, Herr Lehmann ähm Schmitt!‘

‚Ich verständige Bieringer. Und Sie…!‘ Sein Chef machte eine dramatische Pause und tippte ihn mit dem Finger dreimal gegen die Schulter. ‚Sie! Wenn ich Sie wäre, würde ich das Golden Girl nachhause bringen! Und Schlafen Sie sich aus, die nächste Woche wird nicht leicht werden. Ach und ziehen Sie mir den Film bis morgen auf einen Stick.‘

‚Haben Sie einen Stick dabei, dann können Sie den Film gleich abspeichern.‘ meinte der Staatsanwalt.

‚Ja, im Auto ist mein Laptop. Warten Sie einen Moment.‘ Jeff stieg aus dem Wagen und einen Moment später kam er mit seinem Laptop im Arm und seinem Stick im Mund wieder in den Lieferwagen gestiegen.

Nach fünf Minuten stand er alleine auf der Straße, gegen sein Auto gelehnt. Er hatte den Laptop auf das Autodach gestellt und wollte ihn gerade herunterfahren. Näher kommende Schritte rissen ihn aus seiner Konzentration. Er klappte den Laptop zu und legte ihn auf die Rückbank. Jemand kam die Straße entlang gelaufen. Eine Frau. Er beobachtete sie. Den Mantel bis oben hin geschlossen und eine Kapuze ins Gesicht gezogen. Er erkannte die Stiefel. Es war tatsächlich Yo. Als sie ins Licht der nächsten Straßenlaterne trat, schnalzte er zweimal mit der Zunge. Sie hob den Kopf.

‚Warum denn so ernst, schöne Frau!‘ rief er über die Straße.

Yo war stehengeblieben und blickte ihn entgeistert an. Jeff schloss die Autotür und ging über die Straße, Yo kam ihm ein paar Schritte entgegen.

‚Hey, du wolltest doch nicht zu Fuß nach Hause laufen, oder?‘ fragte Jeff.

‚Das war der Plan!‘ sagte sie heiser und schaute ihm dabei aber nicht in die Augen. Er griff ihr ans Kinn und zog ihr Gesicht in seine Blickrichtung. Ihr standen Tränen in den Augen. Sie hatte sich versucht abzuschminken, was ihr nicht wirklich gelungen war. Aber man konnte sehen, dass sie geweint haben muss.

‚Komm steig ein, ich fahr dich wohin du willst.‘ bot er ihr an.

Mit Krokodilstränen in den Augen schaute sie ihn an, ihr Kinn zitterte. Er nahm sie in den Arm und küsste sie sachte auf den Mund. Dabei konnte er ihre Tränen schmecken.

‚Können wir zu dir fahren?‘ fragte sie krächzend.

‚Aber nur, wenn du endlich mal zum Frühstück bleibst.‘ sagte er ernst, dann lächelte er sie liebevoll an. Es begann zu nieseln. ‚Na, komm schon!‘

Sie ließ sich von ihm ins Auto bugsieren. Er fuhr seinen Wagen durch die Nacht, es regnete jetzt ziemlich stark. Die Stadt bestand nur aus Lichtern, die an den nassen Scheiben vorbei flogen. Er hatte seine Hand auf ihrem Schenkel und sie saß zusammengesunken, reglos auf dem Beifahrersitz. Es dauerte fast die ganze Fahrt, bis sie die Stille endlich unterbrach.

‚Ich komm mir vor, wie eine billige Nutte!‘ flüsterte sie mehr zu sich selbst, als zu ihm.

Jeff erschrak. ‚Doch nicht wegen mir? Oder?‘

Sie schaute ihn verwirrt an. ‚Nein, wegen dem Boss und dem Auftritt!‘ Sie machte eine Pause, um den Rotz die Nase hinaufzuziehen. ‚Ich hab meine Gage nicht bekommen. Dann ist der General heimgefahren, ohne mich mit nach Hause zunehmen. Wenn ich hinter der Bar gearbeitet hätte, hätte ich zumindest von den Trinkgeldern mein Taxi zahlen können.

‚Du wohnst beim General?‘ fragte Jeff verdutzt.

‚Nicht direkt!‘

Jeff guckte sie fragend an.

‚Ich hab mein Wohnatelier in seinem Garten!‘ meinte sie kurz.

‚Jetzt machst du mich aber richtig neugierig!‘ sagte er und drückte ihren Oberschenkel.

‚Inwiefern?‘ fragte Yo.

‚In Bezug auf dein Wohnatelier! Was machst du da, außer Wohnen?‘

‚Die Kunst am Wohnen!‘ Yo kicherte über ihren eigenen Witz. ‚Nein. Ich schweiße Metallskulturen, baue skurrile SM-Möbel, mach Bodypainting, schieße Fotos, arbeite an meiner Performancekunst und an den Tanzeinlagen für die Partycrew. Manchmal mach ich auch Fetischklamotten, wenn mir danach ist.‘

‚Schläfst du eigentlich noch?‘ fragte Jeff interessiert.

‚Selten, wieso?‘

‚Wenn du so viel machst, am Wochenende an der Bar arbeitest, deine Shows machst und, und, und, bin ich ziemlich froh, dass du noch Zeit findest mit mir zu vögeln, anstatt zu schlafen.‘

‚Ich arbeite eigentlich hauptberuflich in einer gemeinnützigen Künstlerstiftung, als Mädchen für alles.‘

‚Du machst mich echt fertig, ich dachte immer mein Leben wäre stressig!‘

‚Die Kunst an meiner Arbeit ist es eigentlich, sich nicht stressen zu lassen.‘ Sie machte eine nachdenkliche Pause. ‚Bis heute hatte ich des eigentlich auch ganz gut im Griff.‘

‚Hey Süße, wir sind da!‘ Jeff unterbrach sie und parkte den Wagen.

‚Bleib sitzen, ich hab nen Regenschirm im Kofferraum.‘ Er stieg aus, nahm seinen Laptop vom Rücksitz, rannte hinters Auto, machte den Kofferraum auf, hantierte darin herum und dann kam er an die Beifahrertür und öffnete sie. ‚Milady, darf ich Euch meinen Arm anbieten?‘

‚Warum bist du so nett zu mir?‘

‚Meine Mama hat immer gesagt, ich soll meine Traumfrau immer auf Händen tragen und ihr jeden Wunsch von den Augen ablesen.‘

‚Deine Mama ist eine kluge Frau!‘ schluchzte sie.

Jeff drückte Yo den Regenschirm in die Hand, nahm sie hoch und trug sie zur Haustür. Sie weinte wieder.

Als sie endlich in der Wohnung waren, ließ er ihr eine heiße Badewanne ein. Während sie hilflos im Gang stand und ihn dabei beobachtete. Sie zog die Stiefel aus und tapste ins Bad.

‚Soll ich dir einen Tee machen, oder was zum Essen?‘ fragte Jeff und ging an ihr vorbei zur Badezimmertür.

‚Machst du mir einen Whiskey?‘ fragte sie kleinlaut und zog sich langsam aus.

Als er wieder das Badezimmer betrat, lag sie bereits in der Wanne. Er gab ihr den Whiskey, klappte den Klodeckel runter, setzte sich darauf und trank direkt aus der Flasche. Seine Hände zitterten, als er die Flasche wieder absetzte. Er rieb sich mit den Händen durchs Gesicht und seufzte laut.

‚Hey Jeff, dein Tag war heute genauso Scheiße, wie meiner?‘ flüsterte sie.

‚Naja, ich hab meinem Chef vorhin den Arsch gerettet und damit auch meinen Job, aber ansonsten war mir der Tag heute ein bisschen zu viel.‘ Er machte eine verlegene Pause. ‚Außer du. Du warst heute mein einziger Lichtblick.‘

Sie beugte sich in seine Richtung, packte seine Hand, zog ihn in Richtung Wanne und lächelte ihn an. ‚Möchtest du nicht zu mir in die Wanne kommen?‘

‚Ja, schon. Aber…!‘

‚Was aber? Du wolltest mir doch beim Abschminken helfen!‘

‚Bist du dir sicher, ich möchte dich nicht…‘ Ein nasser Schwamm landete in seinem Gesicht. Er schaute sie ernst an: ‚Okay, du hast es so gewollt!‘ Er stand auf, machte seinen Gürtel und seine Hose auf. Seine Hose rutschte zu Boden. Dann bückte er sich, zog seine Socken aus, als er sich wieder aufrichtete, wog er den Schwamm in der Hand. Er grinste dreckig. Yo quietschte, als der Schwamm in ihrem Gesicht aufschlug. Als er sein Hemd aufknöpfte landete der Schwamm erneut in seinem Gesicht. Er ließ den Schulterholster mit dem Hemd zusammen auf den Boden fallen. Mit einem dreckigen Grinsen im Gesicht schaute Yo dabei zu, wie er sich langsam seiner Unterhose entledigte. Er stieg in die Wanne und setzte sich langsam. Sie kam zu ihm rüber und legte sich in seine Arme. Er angelte nach dem Schwamm und schrubbte ihr vorsichtig über den Rücken. Sie fing leise zu Gurren an. Er küsste sie und wusch ihren ganzen Körper, bis sie wieder sauber war. Sie kraulte ihn und schnurrte vor sich hin. Er wusch ihr sogar die Haare und versuchte sie auszuspülen, ohne dass ihr die Seife in die Augen lief. Als er fertig war, meinte er leise: ‚Komm, ich bring dich ins Bett. Du bist schon ganz verschrumpelt.‘

Sie schaute auf und blickte ihn schläfrig an.

‚Okay!‘ sagte sie in einem niedlichen, zutraulichen Ton.

Er hob sie auf die Beine und duschte sie einmal kurz ab. Mit zwei Handtüchern bewaffnet, stieg er aus der Wanne. Er wickelte sich erst Eines um die Hüften, dann wickelte er sie in das Andere. Sie griff nach einem weiteren Handtuch und wickelte es sich um die nassen Haare. Er trug sie vorsichtig ins Schlafzimmer und legte sie behutsam ins Bett. Sie hielt ihn an der Hand fest, also legte er sich neben sie und zog die Bettdecke über Yo. Sie klammerte sich zitternd an seinen Körper.

‚Versprichst du mir, dass du morgen auch noch in meinen Armen liegst, wenn ich aufwachte.‘ fragte er, dabei strich er mit den Lippen über ihre rasierten Schläfen.

Sie küsste seine Hand und flüsterte. ‚Wenn du möchtest, dass ich zum Frühstück bleibe, dann bleibe ich gerne.‘

‚Das wäre mir ein echtes Anliegen. Ich weiß nicht, was ich machen würde, wenn du morgen wieder weg wärst.‘

‘Warum denn so ernst, schöner Mann?’ Teil 5

‘Warum denn so ernst, schöner Mann?’ Teil 5

Rückblende

keinenummernVor 8 Wochen:  In der nächsten Woche, brachte er erst eine Einsatzbesprechung mit dem Staatsanwalt und seinem Boss hinter sich und dann den Einsatz für diese Nacht. Er verschwand in der Nacht und kam weit nach Mitternacht auf der Party an, voller Erwartungen, aber mit gehetztem Blick. Der General begrüßte ihn mit einem Lächeln. Er hatte ihn wohl erkannt. Der General hatte heute eine russische Latexuniform an. Jeff nickte ihm zu und ging zur Bar. Yo sprang völlig nackt hinter der Bar rum, von oben bis unten golden angemalt. Nur ein Kettengürtel bedeckte sie ein Wenig. Sie blickte auf und lächelte ihn an. ‚Ein Wasser, James? Geschüttelt nicht gerührt?‘ fragte sie ihn. Er nickte. Er sah in seinem Anzug wirklich aus wie James Bond mit Glatze.

Mit einem Lächeln servierte sie ihm ein Wasser in einem Martiniglas. Sie hatte eine Olive auf einen Zahnstocher und bot sie ihm an. Er nahm sie sachte mit dem Mund auf. Der General kam an die Bar und zeigte hektisch auf seine Uhr.

‚Ja,ja! Ich geh ja schon!‘ sagte Yo, packte sich eine riesige Flasche Champanger und verschwand hinter einer Tür. Die Party wurde durch das James Bond Theme unterbrochen, die Bühne erstrahlte in gleißendem Licht. Ein großes goldenes Bett wurde auf die Bühne geschoben. Dann erklang  Shirley Basseys Goldfinger. Yo lag auf dem Bett, bedeckt von einer goldenen Seidendecke. Man konnte ihre Nippel durch den dünnen Stoff aufragen sehen. Die laszive Performance zeigte eigentlich nichts, aber die Bilder die sie den Menschen hier in die Köpfe setzte, konnte man allen an den gierigen Augen ablesen. Zum Schluss öffnete sie die Flasche Champanger zwischen ihren Beinen, den sie vorher anscheinend ordentlich geschüttelt hatte. Der Champanger ergoss sich über ihren aufgebäumten Körper und bespritze auch das Publikum. Das Lied war vorbei und das Bett wurde wieder von der Bühne gerollt. Jeff drückte sich neben der Bühne herum. Plötzlich griff ihn eine goldene Hand und zog ihn hinter den Bühnenvorhang. Yo grinste ihn an. Sie hatte ein Handtuch um ihren Körper geschlungen, die Flasche Champanger stand neben ihr.

‚Hilfst du mir beim Abschminken?‘ fragte sie, dabei drehte sie sich wie ein kleines Mädchen von einem Bein auf das Andere.

Er lächelte sie an: ‚Sehr gerne, Milady!‘ Und bot ihr seinen Arm an. Sie packte mit der anderen Hand die Flasche und führte ihn zu ihrer Garderobe und zog ihn hastig in den engen Raum. Jede Menge Kisten, Getränkekästen, Bierfässer standen herum. Hinten im Raum stand ein Baustrahler und ein Spiegel. Über einem Stuhl lagen einige Klamotten. Es war eine Abstellkammer. Sie sperrte die Tür hinter sich zu, dann ging sie zu ihm und steckte ihm den Schlüssel in die Hemdtasche. Wie auf Knopfdruck küssten sie sich. Sie zog ihm hastig das Jackett aus, darunter fand sie einen leeren Schulterholster. ‚Wo hast du deine Walter PPK versteckt, James?‘ fragte sie. Er machte seinen Gürtel und den Knopf von seiner Hose auf. ‚Ich weiß nicht!‘ Sie nahm die Einladung an, kniete sich vor ihn hin und öffnete den Reißverschluss mit den Zähnen. Seine Hose rutschte ihm bis auf die Knöchel. Sie griff ihm von oben in die Unterhose und suchte, dabei biss sie sich mädchenhaft auf die Zunge. Sein Schwanz wurde unter ihren Berührungen sofort steif.

‚Die Knarre ist aber größer als eine 9mm!‘ erklärte sie und zog ihm die Unterhose runter, sein Penis schnellte in die Höhe.

‚Die Lady kennt sich aber aus!‘ antwortete er überrascht.

‚Ich persönlich hab für die Dirty Harry Party gestimmt!‘ und nahm seinen Schwanz in den Mund.

‚Oh Babe!‘ stöhnte er nur noch.

Sie ließ abrupt seinen Schwanz los, haute ihm auf den Hintern und meinte beleidigt: ‚Don’t call me babe!‘

‚Irgendwie hab ich das Gefühl, ich hab mich grad verknallt.‘ rezitierte er.

‚Stellen Sie sich hinten an!‘ antwortete sie.

‚Barb Wire!‘ sagten Beide gleichzeitig und begannen dann schallend zu lachen.

Sie kniete noch vor ihm und lächelte ihn von unten aus an. Er kniete sich zu ihr herab und zog sie an den Unterarmen etwas hoch, um sie besser küssen zu können:

‚Yo! Du bist einfach nur der absolute Wahnsinn!‘ Dann küsste er sie auf die Stirn. ‚Danke, du aber auch!‘ sagte sie kurz und küsste ihn auf den Mund. Leidenschaftlich erwiderte er ihren Kuss. Sie knöpfte ihm das Hemd auf und verkrallte sich über seiner Hüfte. Der küsste sie und verbiss sich in ihrem Hals. Er konnte die Farbe schmecken. Sie rutschte mit dem Kopf wieder in seinen Schoß, nahm seinen prallen Schwengel in den Mund und saugte daran, seine Eier fest im Griff. Er erzitterte unter ihr. Er strich ihr über den goldenen Rücken und vergrub dann seine starken Hände in ihren Arschbacken. Irgendwann ließ sie seinen Schwanz los und leckte ihm über den Körper, zu seinen Brustwarzen, zu seinem Hals. Sie biss zu. Im gleichen Moment rückte sie näher an ihn heran und setzte sich auf seinen Schoß. Sein Ständer flutschte in sie hinein. Ohne darüber nachzudenken, setzte sie ihre Hüften in Bewegung. Er stöhnte unter ihr auf. Sie zog sich immer fester auf ihn drauf. Ihre Muskeln spielten wieder mit ihm. Er nahm sie hoch, drehte sie um und pinnte sie gegen den Stuhl. Ihre Brüste fest im Griff, schob er ihr seinen Harten von Hinten in ihre Muschi. Sie stöhnte auf, bei jedem Stoß lauter. Er nahm eine Hand und packte sie von vorne an ihrer Möse. Mit zwei Fingern zwickte er ihren Kitzler ein und trieb ihr weiter seinen prallen Schwengel in den Leib. Sie keuchte schwer unter seinen Stößen. Heute konnte er sich nicht zurück halten, er spritze mit einem lauten Schrei ab. Sie verzog keine Miene, als er seinen schlaffer werdenden Schwanz aus ihr herauszog. Sie drehte sich um und küsste ihn. Er flüsterte ihr ins Ohr. ‚Sorry, ich konnte mich nicht zurückhalten, du machst mich total….!‘ Sie unterbrach ihn, in dem sie ihre Hand auf seine Lippen legte: ‚Schschscht!‘ Dann glitt sie an ihm herab und leckte an seinem schlaffen, mit Sperma verschmierten, Penis. Sie genoss seinen Geschmack und brachte ihn innerhalb weniger Minuten wieder in die Höhe. Sie machte ihn wirklich total wahnsinnig. Dann setzte sie sich wieder auf ihn und ließ sich seinen Steifen mit einem leichten Stöhnen hinein gleiten. Mit rhythmischen Bewegungen kamen ihre Körper in Einklang. Um sie herum verschwand wirklich alles. Ihre Orgasmen ließen auch seinen Körper erbeben. Er musste nichts zurückhalten, es schien ihm so, als könne er ewig so weiter machen. Sie schrie wieder Gott an. Er küsste hart ihren Hals. Sie schwitzen Beide und die Farbe rann von ihrem Körper. Dann war es soweit. Mit einem gemeinsamen Schrei kamen sie noch einmal und er spritze nochmal ab. Zuckend und stöhnend lagen sie sich in den Armen. Als sie beide verstummt waren, hörte er sein Handy vibrieren. ‚Shit!‘ flüsterte er und kramte nach seinem Handy. Er klappte es auf und steckte den Ohrstecker seiner Freisprecheinrichtung ins Ohr. So eine Scheiße, es war die Einsatzleitung. Sie hing keuchend an seiner Brust. Er ging ans Telefon. ‚Ja!‘

‚Ich will nicht wissen, warum Sie so lange nicht ans Telefon gegangen sind. Die Verdächtigen sind in diesen neuen Club gefahren. Wir haben ihre Kollegen nicht erreichen können und Sie gehen nicht ans Handy. Wir mussten ihr Telefon anpeilen. Und was muss ich da sehen, Sie sind im selben Club, wie unsere Verdächtigen. Bewegen Sie ihren Arsch, ich bin in 15 Minuten da und erwarte dann einen vollständigen Bericht. Ist das klar.‘

‚Ja!‘ antwortete Jeff trotzig.

‚Bleiben Sie am Apparat, wir lotsen Sie!‘ Er legte einfach auf. ‚Yo, ich muss… ich muss leider weg. Tut mir leid. Ein Notfall im Büro. Mein Chef ist auf 180.‘ sagte er, als er sich langsam erhob und sie dabei auf den Stuhl setzte.

Yo schaute ihn fragend an: ‚Oh, schade.‘ Sie wirkte noch ziemlich benommen. Er zog seine Unterhose hoch und seine Hose wieder an.

‚Sorry, ich kann leider nicht bleiben und dir beim Abschminken helfen, mein Chef erschießt mich, wenn ich meinen Arsch jetzt nicht bewege.‘ bedauerte er und zog rasch sein Hemd an. ‚Darf ich dich wieder sehen? Und Wo?‘

‚Ähm, ja natürlich! Nächste Woche ist Mittelalterparty im Club. Du weiß ja wo das ist!?‘ flüsterte sie heißer.

‚Okay, ich bin da.‘ erwiderte er hastig und schlüpfte in sein Jackett. ‚Ich kann es kaum erwarten!‘ Er küsste sie, nahm den Schlüssel aus der Hemdtasche und ging zur Tür. Sein Handy vibrierte wieder, er ging ran.

‚Das Netz!‘ sagte er entschuldigend und sperrte gleichzeitig die Tür auf. Er schaute aus der Tür, nach links und nach rechts, drehte sich nochmal um und warf ihr eine Kusshand zu. ‚Sagen Sie mal, wollen Sie mich verarschen. Die Verdächtigen sind ganz in ihrer Nähe und kommen auf Sie zu. Können Sie sich verstecken.‘

Er hörte Schritte. Schnell ging er wieder in die Abstellkammer. Yo wischte sich Tränen aus den Augen. Jeff legte wieder auf und versperrte wieder die Tür hinter sich. Mit einem ‚Hey Süße, warum denn so ernst?‘ lief er zu ihr rüber und nahm sie in den Arm. ‚Da kommen Leute, die hören sich ziemlich energisch an!‘ Die Türklinke wurde heftig betätigt.

‚YO?‘ Es war der Clubbetreiber, den alle nur Boss nannten.

‚Was ist denn?‘ antwortete Yo ziemlich zickig.

‚Kann ich reinkommen?‘ fragte der Boss schon ziemlich genervt.

‚Ich hab nichts an!‘ zickte sie weiter.

‚Du hattest vorhin auch nichts an!‘ bemerkte er mit einem gereizten Unterton.

‚Du sexistisches Arschloch! Was willst du eigentlich!‘ schrie sie durch die Tür.

‚Wenn es eure Magnifizenz erlaubt. Hinter der Tür ist ein schwarzer Koffer, den bräuchte meine Wenigkeit.‘ meinte er reichlich sarkastisch.

‚Sags doch gleich!‘ Sie stand auf, hob das Handtuch auf, wickelte es sich um und ging auf die Tür zu.

‚Ich frage mich, wer hier der Boss ist, du oder ich?‘ bemerkte er schnippisch.

‚Ich frage mich, ob ich mich nochmal umsonst für deinen Club nackt in der Öffentlichkeit produzieren soll.‘ konterte sie geschickt, schloss dann die Tür auf und warf ihm den Koffer vor die Füße, den ihr Jeff gerade in die Hand gedrückt hatte. Sie knallte die Tür zu und sperrte wieder ab. Schritte entfernten sich wieder.

‚Puh, das war knapp!‘ flüsterte sie. ‚Danke für die Warnung.‘

‚Passt schon. Was meinst du, was in dem Koffer war?‘ fragte Jeff und nahm sie wieder in den Arm.

‚Das war der Koffer für die Eintrittsgelder! Und deshalb sind hier Gäste eigentlich nicht erlaubt.‘ meinte sie.

‚Du scheinst mir ganz schön zu vertrauen!‘ stellte Jeff interessiert fest.

‚Ich weiß wo du wohnst, du Spaßvogel! Und ich lass mich bestimmt nicht mehr von dir Ficken, wenn du mich bestiehlst. Ich habe meine Gage noch nicht bekommen.‘ sie beendete ihren Satz mit einem Kuss, der dann von einem Vibrieren unterbrochen wurde.

‚Das ist mein Chef, der mir jetzt bestimmt sagt, dass ich arbeitslos bin. Kann ich dich allein lassen.‘

‚Hm, ja.‘ sie machte eine verlegene Pause. ‚Magst du mir deine Nummer aufschreiben, dann kann ich dich zur Abwechslung mal anrufen.‘

Er zog einen Notizblock und einen Bleistift aus seiner Jacketttasche und kritzelte seine Nummer auf das erste Blatt.

‚Krieg ich auch deine Nummer?‘ fragte er, riss das Blatt aus dem Notizblock und gab es ihr.

‚Werden wir sehen!‘ sagte sie und küsste ihn nochmal, das Handy vibrierte immer noch.

‚Ich muss jetzt wirklich.‘ Er sperrte die Tür wieder auf, öffnete vorsichtig die Tür, lugte wieder nach links und nach rechts.

‚Lass dich nicht erwischen.‘ sagte sie, gab ihm einen Klaps auf den Arsch und schloss die Tür wieder hinter ihm.

Er ging ans Telefon: ‚Ja, ich ruf Sie gleich zurück. Ich brauch das Handy um Fotos zu machen!‘

Jeff lief vorsichtig den Gang entlang. Bis er wieder im hinteren Bühnenbereich angekommen war. Er konnte den Clubbesitzer mit seinen zwei Verdächtigen erkennen. Die Übergabe ging gerade von Statten, er hatte die Kamera bereits angeschaltet und filmte die Szene. Er betete inständig ans Universum, dass die Aufnahme was werden würde und dass ihn keiner dabei beobachtete, weil seine Dienstwaffe im Auto lag. Wenn sein Chef ihn jetzt nochmal anrufen würde, würde er zumindest gleich erschossen werden. Dann wäre es eh schon scheißegal, wenn Yo sie entdeckte und rauskriegen würde, dass er ein Bulle sei, dann würden sie eh beide erschossen werden. Es kam plötzlich ein dritter Mann hinter die Bühne. ‚Wir sollten jetzt gehen, die Party neigt sich dem Ende zu.‘ sagte er. Der Clubbesitzer führte die Männer durch den Vorhang auf die Tanzfläche. Der dritte Mann muss der Drahtzieher gewesen sein und er arbeitete als Ermittler in der internen Abteilung. In seiner Abteilung. Werner Koslowski. So ein Wichser. Jetzt wusste er endlich warum die korrupten Schweine ihnen immer einen Schritt voraus waren. Er hastete wieder in den Gang zurück und suchte den Hinterausgang.

Fortsetzung folgt…

Jakobsweg – Ich muss mehr sündigen…

Jakobsweg Zeitreise Ich muss mehr sündigen…

Pilgern 2009

Die letzten 2,5 Kilometer bis Pfarrkirchen sind die absolute Hölle. Es ging den Berg jetzt wieder doppelt so steil wieder runter, den ich vorhin noch halbwegs munter hinaufgeschlichen bin. Ich musste mich an den Gartenzäunen festhalten, sonst hätte ich den Berg nicht wieder hinunter geschafft. Meine Wade macht ein komisches Geräusch, ich glaube meine Achillessehne ist angerissen. Na, hoffentlich kommt jetzt nicht Orlando Bloom um die Ecke und schießt mir im Legolas-Style in die Wade. Nach einer halben Ewigkeit bin ich dann unten am Berg angekommen und kaum ist der Weg wieder gerade, geht meine Blase auf, die ich ja eigentlich gar nicht haben sollte. Mein Leben ist ein Alptraum. Würde jetzt gerne was schönes und niedliches kaputt machen. Was für eine Scheiße. Ich humple also weiter und versuche meinen Fuß zumindest an der offenen Blase nicht zu belasten. Mit einer Kraxe auf dem Rücken ist das nicht unbedingt leicht. Das Universum muss mich ganz schön hassen. Habe ich etwa nicht genügend gebetet. Das glaube ich nicht. An irgendwas muss es doch liegen, dass ich so eine Pechsträhne habe. Vielleicht habe ich ja wenigstens etwas im Lotto gewonnen. In der Liebe klappte es ja immerhin auch nicht. Ich glaube ich hänge mich jetzt einfach mit samt meiner Kraxe auf und mache Schluss mit der Scheiße. Und vorher erschlage ich noch ein paar Katzen und deren Besitzer mit meinem Pilgerstab.

Ich finde keinen Baum an dem ich mich aufhängen könnte und an dem Bach an dem ich vorbeikomme, hätte ich nicht mal eine Katze ertränken können. Also schleppe ich mich weiter. Wenn sich meine Blase jetzt noch entzündet, dann hätte ich eine doppelte Blasenentzündung, das wäre mir fast der Spaß wert damit zum Arzt zu gehen.

Irgendwie bin ich zwar jetzt schon in Pfarrkirchen, aber ich laufe an einer Umgehungsstraße entlang. Ich komme mir jetzt noch mehr einsam und alleine vor. Das Alleinsein macht mir ja eigentlich nichts aus, weil ich eigentlich gerne alleine bin, alleine schreibe ich die besten Geschichten, alleine lenkt mich keiner ab. Aber ich bin jetzt irgendwie schon im nächsten Level von Alleine angekommen, ich fühle mich irgendwie unvollständig. Als würde mir etwas zum Leben fehlen. Jemand zum Leben fehlen. Niemand bestimmtes, einfach jemand, der mir Vollständigkeit gibt. Ich glaube ich habe sie wirklich nicht mehr alle beisammen. An Unvollständigkeit grenzende Tatsachen sozusagen. Dazu gibt es auch ein schönes Filmzitat von Echte Kerle. Ich hoffe ich kriege es aus dem Stegreif hin. Wenn ein Kopffüßler (Tintenfisch, Krake, was auch immer) zu lange alleine lebt, dann fängt er an, vor Einsamkeit, sich die Arme abzubeißen. Wie gesagt, es ist ein Filmzitat. In Wirklichkeit ist es bei den Kopffüßlern so, dass die Männchen gleich nach dem ersten Geschlechtsakt sterben und die Weibchen zwischen legen und schlüpfen des Nachwuchses sterben. Beides ist nicht besonders aufmunternd. Wenn der jungfräuliche Kopffüßler sich die Arme abbeißt, weil er keine Frau abkriegt oder wenn er stirb, weil er eine Frau abgekriegt hat. Himmel, jetzt bin ich noch viel mehr deprimiert als vorher.

Ich bin ja eigentlich auf dem Jakobsweg und schleppe mich und meine Kraxe nach Pfarrkirchen. Ich muss schon wieder aufs Klo und mein linker Fuß fühlt sich so an, als wäre er eine einzige Blase. Jetzt achte ich nicht mehr wirklich auf die Jakobswegschilder, sondern will nur noch so schnell wie möglich zu meinem Auto. Ich bin so im Arsch, dass ich kaum noch weiter kann. Ich achte nur noch auf die Bahngleise und überlege, wie ich am schnellsten zu meinem Auto komme, ohne aber dabei völlig aufzugeben. Ich habe nicht vor mich dahin fahren oder tragen zu lassen. Ich komme an einem Autohaus vorbei und es fragt mich ein alter Mann, was ich da mache. Ich bin dankbar für die kleine Pause und erkläre ihm kurz, was ich da mache. Er kramt in seiner Hosentaschen und drückt mir 2 Euro und 20 Cent in die Hand. Ich soll ihm eine Kerze stiften, wenn ich in Altötting ankomme.

Toll, ich hatte mich innerlich eigentlich schon entschlossen aufzugeben und nachhause zu fahren. Was mache ich denn jetzt, ich kann doch jetzt nicht aufgeben und die 2 Euro einfach behalten. Es ist echt nicht einfach aufzugeben und sich seine Niederlage einzugestehen. Am schwierigsten ist es seine Schwäche vor anderen zu zeigen. Kurz bevor ich den Jakobswegs endgültig verlasse, um zu meinem Auto zu gehen, sehe ich wie der Weg einen Berg hinauf geht zu der Wallfahrtskirche Gartlberg, die ich heute wohl nicht mehr sehen werde. Selbst ohne Kraxe würde ich zwar rauf kommen, aber wahrscheinlich nicht mehr runter. Ich verlasse den Jakobsweg und frage mich zum Bahnhof durch. Kurz vor dem Bahnhof, kommt mir eine Frau mit ihrem Kind entgegen. ‚Ui, schau mal der Nikolaus!‘ meint das Kind. Sehr witzig. Hohohoho.

Wenig später bin ich an meinem Nemo angekommen. Mit zitternden Fingern binde ich die Kraxe von meinem Rücken und lasse sie einfach auf den Boden fallen. Ich krame nach meinem Schlüssel und drücke aufs Knöpfchen, wuchte meine Kraxe auf den Beifahrersitz und verpisse mich erst mal hinter mein Auto. Da war sie wieder meine Blasenentzündung und diesmal sind mir mögliche Zuschauer scheiß egal. Dann lasse ich mich auf den Rücksitz meines Autos fallen und bleibe erst mal eine geschlagene Stunde reglos liegen. Dann beschloss ich meine Füße zu untersuchen. Ich habe 6 Blasen auf dem Fußballen und zwei an der Seite, davon ist eine nicht nur bereits aufgeplatzt, sondern sieht schon ziemlich unschön aus.

Meine Füße fühlen sich so an und sehen auch so aus, als wäre ein Panzer drüber gefahren. Das liegt jetzt wohl an meinen Bi(e)nchensocken, mit meinen Pilgersocken, wäre das wohl auch nicht passiert. Der rechte Fuß scheint halbwegs in Takt zu sein.

Und mein Arsch tut mir weh, ich befürchte meine Kraxe hat mir beim Laufen so den Arsch versohlt, dass ich jetzt bestimmt blaue Flecken am Hintern hab.

Mein Fazit ist, dass ich im letzten Jahr anscheinend zu wenig gesündigt habe, so dass sich der Weg irgendwie nicht gelaufen werden will. Aber ich werde nicht aufgeben. Ich werde Stück für Stück weiter machen und irgendwann werde ich wohl mal an meinem Ziel ankommen, wo auch immer dieses Ziel sein wird. Und ich werde dieses Jahr zum Jahr der Sünde ausrufen.

Am nächsten Tag bin ich nach Altötting gefahren und habe zwei Kerzen angezündet. Eine für mich und eine für den alten Mann. Nur die 2 Euro habe ich behalten, es ist ein 2 Eurostück aus Spanien. Das ist ein Zeichen, oder? Trotz meiner Niederlage, habe ich jetzt einen Arsch voll Glücksbringer aufgeladen, die mir hoffentlich für die Zukunft mehr Glück bringen werden. Naja, mein Dieter Bohlen (Tinnitus) nervt zwar wieder, aber dem werde ich jetzt als erstes das Maul stopfen.

Jakobsweg – Die Sache mit den Blasen…

Jakobsweg Zeitreise Die Sache mit den Blasen…

Pilgern 2009

Ich bin also immer noch in Brombach und mache noch ein paar Fotos. Dann packe ich doch meine Sachen und laufe weiter, der Römerweg gewinnt, den ich gleich einschlagen werde. Der arme Tankwart wird dann doch ohne mich auskommen müssen. Hm. Schade. Er hatte aber auch keine übersichtliche Frisur. Ich laufe also die historische Römerstraße nach Pfarrkirchen. Ja, historischer Asphalt unter meinen Holzschuhen reibt mir Millimeter für Millimeter von meinem Profil und reibt auch mich völlig auf, es geht bergauf und zwar gefühlte 5 Kilometer. Ein Auto nach dem anderen kommt mir entgegen oder überholt mich. Einige bremsen sogar ab, bevor sie mich passieren. Ich komme also kaum voran, weil ich ständig stehenbleiben muss, damit ich nicht vom Fahrtwind der vorbeirasenden LKW´s umgeweht werde. Meine Angst vom LKW überfahren zu werden, kommt mir mittlerweile nicht mehr so abwegig vor. Es ist purer Realismus und der blanke Horror. Der Weg ist eigentlich total schön und die Aussicht ist schlichtweg der Hammer, aber zum Genießen komme ich leider nicht, weil ich gerade ernsthaft versuche zumindest meine Unfallverhütungsvorschriften fürs Pilgern einzuhalten. Die da währen. Möglichst unauffällig schnell vorwärts zu kommen! Ich habe ja auch total unauffällige Klamotten an, die zum größten Teil knallrot sind, ich habe diese riesige Kraxe auf dem Rücken und tausend Pilgerglöckchen kündigen jede meine Bewegungen schon kilometerweit an. Und zum Thema schnell sag ich nur gefühlte 5 km berauf. Zweitens bloß kein unnötiges Aufsehen erregen! Des kann ich ja wohl auch völlig vergessen. Die Autos die nämlich abbremsen, machen das nur, weil sie nicht im Graben landen wollen, weil sie vor lauter Gucken nicht mehr mitkriegen, wo sie hinfahren. Drittens den Pilgerschaft immer griffbereit um sich zumindest irgendwie gegen die Automobile wehren zu können. Das funktioniert eigentlich ganz gut, aber darauf möchte ich mich im Ernstfall eigentlich auf nicht verlassen, weil mein alter Pilgerstab sogar das Parieren mit einer Larpwaffe nicht unbedingt überlebt hat. So, ich zwinge sie jetzt einen riesigen Bogen um mich zu machen, die Schweine. Ich brauche jetzt noch mehr Platz auf der viel zu engen Straße. So. Jetzt habt’s es.

Ich hab mir auch lange überlegt, wieso auf einem Pilger- und Wanderweg so viele Autos fahren. Es ist wohl die Vollsperrung der Hauptverkehrsader zwischen Bad Birnbach und Pfarrkirchen. So eine Scheiße. Und alle Einheimischen fahren nun auf meinem Pilgerweg und halten mich von meiner echt nötigen Erholung ab. Ich werde zunehmend aggressiv. Ist jetzt nicht unbedingt das, was man bei einer Pilgerreise erwarten würde und vorallem nicht am ersten Tag. Ich bin endlich oben auf diesem Scheißberg angelangt und muss schon die ganze Zeit pinkeln. Ja, da ist sie wieder meine Blasenentzündung. Aber nachdem ein Auto nach dem Anderen an mir vorbeifährt und ich im Moment die einzige Attraktion zu sein scheine, möchte ich die Massen jetzt nicht mit einem Live Gewandungspinkeln erfreuen. Ich laufe also schneller und genieße wieder die Aussicht nicht unbedingt. Ich komme jetzt in einen Wald und es kommt mir ein bisschen unheimlich vor, dass die vorbeifahrenden Autos immer dann vorbeikommen, wenn ich eine geeignete Stelle zum Pinkeln gefunden habe. Ich verfluche meine Blasenentzündung, weil meine Kraxe gerade und heute das erste Mal so richtig gut sitzt. Und wie vom Universum bestellt kommt ein versteckter Rastplatz in Sicht, ich werfe also meine Kraxe ab und renne hinter die Büsche und es kommt auch ausnahmsweise kein Auto vorbei. Puh. Geschafft. Die Verfassung meiner Nieren macht mir aber richtig große Sorgen. Ich schultere meine Kraxe wieder und versuche mir dabei die Nieren nicht abzuschnüren. Hm. Ein sinnloses Unterfangen. Ich laufe also weiter, die Kraxe fühlt sich nicht gerade perfekt auf meinem Rücken an, aber jetzt geht’s weiter. Die LKW´s kommen nun gleichzeitig von vorne und von hinten. Ich kriege ernsthafte Panik. Meine Hirngespinste kommen nun auf die glorreiche Idee, dass es für einen Vergewaltiger eigentlich total perfekt wäre, eine hilflose Pilgerin ins Auto zu zerren, weil man wie eine Schildkröte auf dem Rücken, sich nicht unbedingt gut wehren kann. Die Autos werden immer weniger, was mein blödes Gefühl nicht besser macht, jetzt würde mich noch nicht mal einer retten. Das Einzige was dem eingebildeter Vergewaltiger gewiss sein kann, wenn er mich wirklich vergewaltigen sollte, er steckt sich hoffentlich mit der schlimmsten Blasenentzündung seines Lebens an. Und zu meinem Glück werde ich bestimmt davon schwanger, was einen DNA-Test dann ziemlich sicher machen würde, wenn man ihn erwischt. Er kommt dann nicht nur in den Knast, sondern dann auch gleich in die Hölle, weil wer Pilger vergewaltigt kommt mal ganz sicher in die Hölle. Und ich bekomme einen neuen Messias, weil das arme Würmchen ja schließlich auf dem Jakobsweg gezeugt wurde. Hm. Ich werde dann wieder Katholik. Super. Auf was Frau alles kommt, wenn man gerade einen paranoiden Anfall hat. Ich laufe also noch schneller und irgendwann zwingen mich dann meine Füße zu einer Pause. Ich befürchte nun ernsthaft Blasen zu bekommen. Das Wort BLASEN verfolgt mich irgendwie schon seit Wochen. Ich sollte echt aufhören vom Blasen zu schreiben, davon kriegt Frauen dann nur Blasen und eine Blasenentzündung. So eine Scheiße. Ich mache also Pause und habe eine grandiose Aussicht auf die Wallfahrtskirche Gartlberg bei Pfarrkirchen. Ich mache ein paar Fotos. Dann gehe ich weiter. Ich weigere mich irgendwie immer noch zuzugeben, dass man in Holzschuhen tatsächlich Blasen kriegen kann. Es ist echt unglaublich, ich behaupte seit Jahren, dass ich keine Blasen kriege und vor allem nicht in Holzschuhen. Des kann jetzt nur an den Omega3 Fettsäuren liegen, mit denen ich meine Holzschuhe vor ein paar Tagen noch, mit Leinsamenöl, behandelt habe. Hätte ich jetzt meine alten, mit Olivenöl behandelten, Holzschuhe angezogen, hätte ich mir durch das riesige Loch wahrscheinlich einen sauberen Schiefer eingezogen, aber ich hätte bestimmt keine Blasen bekommen. Warum nur musste ich sie mir im Schlosspark vom Kastell de Haar auch kaputt laufen. Und ich hätte dem Katze doch einen Blasen sollen und ihn dann auf einer Hängebrücke vergewaltigen sollen, dann würde es mir jetzt wenigsten was ausmachen, dass er sich nicht gemeldet hat. Jetzt bin ich einmal im Leben ernsthaft brav und dann ist es mir das Erste mal in meinem Leben scheißegal, dass mein Traummann sich nicht bei mir meldet. Hm. Das Männer Frauen nicht verstehen und umgekehrt, ist echt begründet, aber wenn sich Frauen noch nicht mal selber verstehen, dann hackt es echt aus. Himmel würde ich jetzt gerne eine Ersatzkatze quälen. Himmel, ich pilgere grade, warum ist keiner da, der mir auf die Finger haut. Mir wäre jeder Schuhbruch echt lieber als Blasen am Fuß. Mir wäre Blasen auch lieber als ne Blasenentzündung, aber es ist ja noch nicht mal ein Vergewaltiger in Sicht. Mensch Bine, wie kann Frau nur Vergewaltigungsfantasien haben und gleichzeitig Angst davor haben vergewaltigt zu werden. Es ist echt unglaublich. Ich war tatsächlich kurz davor, dass ich die Jakobsbibel aus der Kraxe hole und den weiteren Weg mich damit selbst geißle. Ein Wetter zieht auf, jetzt kommt wirklich alles zusammen, ich werde bestimmt gleich vom LKW überfahren und dann noch vergewaltigt, ausgeraubt und irgendjemand bringt dann aufgrund meines Notizbuches meine Ideen als seine Bücher raus und wird dann reich. Die Hölle wird sich freuen, aber ich werde es wohl nicht überleben…Ich packe mein Wimmerl in die Kraxe und beginne jetzt richtig Gas zu geben, ich habe keine Lust darauf auch noch nass zu werden. Und Scheiß auf alles was mit Blasen zu tun hat.

Fortsetzung folgt….

Jakobsweg – Auf den Hund gekommen…

Jakobsweg Zeitreise – Auf den Hund gekommen…

Pilgern 2009

Seit dem ich aus der Niederlande zurück bin, kann ich mich von meinem Roman irgendwie gar nicht mehr trennen. Ich überlege mir ernsthaft ganz daheim zubleiben und weiter Synonyme für Schwanz, Hoden, Möse und Kitzler zu suchen. Mein Pornobuch wird so krank, dass ich es nie jemanden lesen lassen kann, aber es lasst mich vielleicht gerade deswegen kaum los. Für dieses Buch werde ich wohl keinen Buchpreis bekommen, außer Beate Uhse vergibt neuerdings Preise für Pornobücher.

Am Sonntag hatte ich noch nichts gepackt. Aber dafür bin ich schon auf Seite 30 meines Pornos. Aus meinem Kopf sprudeln seit Tagen nur Sauereien. Ich muss mich jetzt endgültig davon trennen. Ich muss echt pilgern. Am Montag zwinge ich mich dazu endlich zu packen. Ich teste meinen Rücksitz auf die Möglichkeit der Übernachtung. Meine Nachbarn müssen mich für völlig bescheuert halten, weil ich mich am helllichten Tag in mein Auto lege und getrost ein Nickerchen abhalte. Mein Nemo war ein guter Kauf. Es passt alles ins Auto, was Frau so beim Pilgern braucht und auf dem Rücksitz ist so viel Platz, dass sogar ich da schlafen könnte. Könnte. Ich bin übrigens total stolz auf meinen neuen Pilgerstab und auf die Glücksbringer, die ich kunstvoll dran gebunden habe. Ich vergesse irgendwie schon zum hundertsten Mal die blaue Trinkflasche im Auto, die ich eigentlich auswaschen und neu befüllen wollte.

Am Dienstag, den 5.5.09 ist es endlich so weit….Es ist 9.13 Uhr und ich sitze im Auto, bereits in Gewandung. Ich habe übrigens schon wieder die blaue Trinkflasche vergessen auszuwaschen. Jetzt habe ich aber keine Zeit mehr und vorallem keine Lust noch einmal rauf zulaufen, nur um die Flasche zu befüllen. Ich habe ja einen neuen Trinkschlauch und ich bin total gespannt, wie lange der durchhält. Beim Befüllen von diesem Trinkschlauch ist mir übrigens schon eine nasse Stelle aufgefallen. Genauso hat es bei dem letzten Trinkschlauch auch angefangen. Ich schweife irgendwie ab…

So, jetzt geht’s auf zum Gewandungstanken. Der Tankwart hält mich für einigermaßen verrückt. Um 11.25 bin ich in Pfarrkirchen. Meinen Zug nach Bad Birnbach kriege ich wohl nicht mehr. Ich steuere also den Mac Donalds an, um zum Gewandungspinkeln zu gehen. Die Leute kucken alle ganz schön komisch, glaube ich zumindest, ich versuche sie weitestgehend zu ignorieren. Da war sie wieder meine Blasenentzündung, ich dachte eigentlich sie wäre vorbei, aber da hab ich mich wohl geschnitten. So, ein Mist. Des kommt davon, wenn man tagelang halbnackt im Bett liegt, Unmengen schwarzen Tee trinkt, um wachzubleiben und versucht einem Porno zu schreiben. Da ist es ja kein Wunder wenn man sich verkühlt. Hm.

Um 11.39 Uhr bin ich am Bahnhof Pfarrkirchen und um 12.30 Uhr geht ein Bus nach Bad Birnbach. Ich packe also meine Kraxe fertig. Um 12.15 mache ich meine Auto zu und schultere meine Kraxe. Als ich auf den Bus warte, will ich eigentlich nur Fotos machen, währenddessen ich übers Fotografieren nachdenke, werde ich von ein paar Schülern mit der Handykamera fotografiert. Was würden wir heute wohl ohne Handy machen? Und ich frage mich schon wieder, was Menschen mit so bescheuerten Fotos machen. Und was denken Menschen, wenn sie so ein bescheuertes Bild gezeigt bekommen. Ein Foto, zu dem man nahezu keinen Bezug hat, durch eine Scheibe fotografiert. Die wissen ja nicht mal, was ich da mache. Ich hätte mir vielleicht doch ein Schild um den Hals hängen sollen. ‚Vorsicht Pilger‘ und hinten an die Kraxe ‚Heck schwenkt aus‘. Ich schicke ein inbrünstiges Stoßgebet ans Universum, dass es nicht zum Regnen anfängt und dass mein Auto heute Abend noch da steht, wo ich es geparkt habe. Und ich hoffe inständig, dass mir meine Blasenentzündung keinen Strich durch die Rechnung macht, dass ich nicht vom LKW überfahren werde und da hätten wir noch die Sache mit den gutaussehenden Vergewaltigern. Böse Bine, du gehst gleich pilgern, da kannst du doch nicht wieder an so versaute Sachen denken. Ich haue mir auf die Finger und da kommt der Bus, pünktlich um 12.30 Uhr. Ich steige ein, zahle meine Fahrkarte und dann stelle ich fest, dass Bayerns Busse definitiv nicht für Pilgerinnen und ihre Kraxen gemacht sind. Die Menschen im Bus sind sehr hilfsbereit und mir ist ihre Hilfsbereitschaft fast schon peinlich. Ich lasse nun schwermütig meinen Laptop in meinem Auto zurück und fahr ins Ungewisse. Die Sehnsucht auf den Weg ist irgendwie seltsam, vor zwei Monaten hätte ich das Pilgern unbedingt gebraucht, einfach abzuhauen und sich einfach mal von allen am Arsch lecken lassen. Vor einem Monat hätte ich den ganzen Tag heulen können, weil mit mein Körper ein Strich durch meine Pilgerreise gemacht hat. Vor ein paar Tagen wollte ich gar nicht gehen, weil ich einfach nur schreiben wollte. Noch vorhin im Auto hab ich geheult, weil ich es kaum erwarten konnte, zu laufen. Und jetzt will ich eigentlich nur zurück zu meinen Laptop. Ich schreibe also ersatzweise einige Zeilen in mein Notizbuch. Hm. Und dabei dachte ich, ich wüsste was ich wollte. Aber jetzt gibt es kein Zurück mehr…

Um ca. 13.00 Uhr steige ich an der Bushaltestelle aus, wo wir vor genau einem Jahr und einem Monat, die Pilgerreise abgebrochen hatte. Ein netter Mensch trägt meine Kraxe aus dem Bus. Ich verabschiede mich vom Busfahrer und überlege mir, wie oft er an diesem Tag noch an mir vorbeifahren wird, bis ich wieder in Pfarrkirchen ankommen werde.

Ich laufe zum Kuramt um mir einen Stempel für meinen Pilgerpass zu holen. Der Typ vom Amt ist ganz schön überrascht von meinem Auftreten, aber irgendwie total begeistert von mir. Ich werde ihn aber nie wieder sehen, weil ich im nächsten Moment damit beginne, Bad Birnbach hinter mir zu lassen. Ich fotografiere noch die Bank als Beweis, dass ich wirklich da gewesen bin. Die Passanten gaffen mir hinterher. So wie letztes Jahr, die Menschen ändern sich wohl nie. Aber wer macht schon in Bad Birnbach Kururlaub. Ich finde eine Feder für meinen Pilgerstab und verlasse Bad Birnbach, nicht ohne noch ein Bild zu machen. Für Autofahrer sind es noch 11 km nach Pfarrkirchen, für Pilger wird es wohl ein bisschen mehr sein. Im nächsten Ort kommt mir ein älteres Ehepaar auf mich zu und fragen mich, ob ich eine Hochzeitsladerin wäre. Es sind Saupreißen, ich finde es bemerkenswert, dass sie den Begriff Hochzeitslader überhaupt kennen. Sie waren direkt vor dem nächsten Jakobswegschild stehengeblieben, um mich zu befragen. Ich stoße sie quasi mit der Nase auf das Schild. Sie sind total überrascht, dass hier der Jakobsweg durch geht. Ich bin überrascht, dass sie den Jakobsweg überhaupt kennen. Ich laufe weiter. Es kommt eine Tankstelle auf mich zu und ich auf sie, ich gehe in die Tankstelle und frage, ob ich die Toilette benützen dürfte. Natürlich darf ich. Der Tankwart ist total nett zu mir und will mir helfen. Unglaublich. Ich gehe aufs Klo. Puh, das war knapp. Ich bete nun an alle Götter, die ich kenne, meine Blasenentzündung solle jetzt sofort vorbeigehen. Egal. Auf dem Klo hängt ein Schild, für Tank und Shopkunden ist des Pinkeln frei und für Nicht-Kunden kostet des Pinkeln 50 Cent. Hm. Ich krame nach meinem Geld, ich hole meine Kraxe aus dem Tankshop, zahle mein Geschäft und sattle wieder auf. Der Tankwart will mir schon wieder helfen. Er ist wirklich total nett zu mir. Wenn ich irgendwann mit dem Auto hier vorbeikomme, werde ich auf jeden Fall hier tanken. Er hängt mir noch ein Gespräch auf und wünscht mir gut Fuß. Er frägt mich, was ich mache, wenn ich es nicht schaffen sollte. Ich erzähle ihm von meinem Notnagel am Bahnhof in Pfarrkirchen. Er scheint irgendwie erleichtert zu sein, dass ich mein Auto zu Sicherheit in Pfarrkirchen geparkt habe.

Ich laufe weiter. Unterwegs verliere ich mein Notizbuch, ich habe es aber gehört, wie es klatschend aus dem Korbwimmerl gefallen ist. Was wäre passiert, wenn ich es nicht gehört hätte, meine ganzen Idee wäre damit verschwunden. Das wäre ganz schön scheiße gewesen. Und was wäre gewesen, wenn jemand mein Buch gefunden hätte, es steht nämlich blödsinniger Weise kein Name drin. Im Einband steht nur Omniintelligente Killerpollen, Käseschinkenbrot und obszöne Pilzgewächse. Schackeline 17 ½, das zwölfjährige Mädchen mit blonden Zöpfen auf einer wunderschönen Blumenwiese. Ich hab des mal alles gegoogelt. Und man kriegt durch die Eingabe der Begriffe keinerlei weitere Informationen, gut es hat noch keiner meine Ideen geklaut. Aber ganz schön scheiße, wenn ich mein Büchlein wirklich mal verlieren würde. Ich habe gerade meinen Namen in mein Notizbuch geschrieben und meine Nummer, nur für den Fall. (Mittlerweile kann man alle meine Begriffe googeln! Haha!)

Zum Thema Wimmerl, ich wollte es eigentlich googeln und bin auf eine deutsch-österreichische Webseite gefunden. Ich hatte eine ganz tolle Idee, die ich über das Wimmerl schreiben wollte. Ich schreibe dieses Wort gleich mal in mein Bücherl, vielleicht schüttelt sich dann von allein eine Geschichte über das ein oder andere Wimmerl zusammen.

Es weiß hoffentlich jeder was ein Wimmerl ist, nein kein Pickel, ähm auch ein Pickel, aber es heißt auch kleiner Rücksack oder Bauch. Und ich habe eine Bauchtasche gemeint. Das Wimmerl ist mir auch noch kaputt gegangen, ich trage es unter dem Arm, bis ich in Brombach ankomme.

In Brombach ist eine Vollsperrung und zum Glück führt der Jakobsweg von der Absperrung weg. Vor mir ist der Dorfbrunnen, ich mache dort Rast und repariere mein Wimmerl. Ich werde die ganze Zeit von einem Hund verbellt. Ich weiß nicht woran das liegt, dass mich Hunde immer nur verbellen, wenn ich beim Pilgern bin. Sonst legen sich Hunde immer auf den Rücken, wenn sie mich sehen und lassen sich dann bereitwillig von mir am Bauch kraulen. Hm. Ich muss mich selbst nochmal überdenken, ich sollte mir vielleicht doch beim Pilgern einen Mann aufreißen, vielleicht legen die sich im Umkehrschluss auch auf den Rücken, wenn sie mich sehen. Hm. Ich überlege, ob ich zurück zu der Tankstelle gehen soll. Vielleicht…. Böse Bine. Und warum ist keiner da, der mir auf die Finger haut. Hm. Ich fühle mich irgendwie ganz schön alleine…. Der Hund bellt, bis die Besitzerin aus dem Haus kommt, sie ist die Erste, die weiß, dass der Jakobsweg durch ihren Ort geht. Die Welt hat wirklich ein Einsehen mit mir. Der Hund hat immer noch kein Einsehen mit mir. Ich glaub ich gehe doch zurück zur Tankstelle und kraule lieber den Tankwart am Bauch. Hihi. Ich wünsche mir beim Universum einen Mann mit einer übersichtlichen Frisur, der mir auf die Hand haut, sich gerne auf den Rücken legt und sich am Bauch kraulen lässt. Hm. Vielleicht fühle ich mich dann besser. Oder vielleicht meint mein Schicksal ja auch ich soll mir einen Hund kaufen. Hm. Fragen über Fragen. Fortsetzung folgt.

Jakobsweg Zeitreise – Ich packe meine Kraxe….

Jakobsweg Zeitreise – Ich packe meine Kraxe….
Und ich nehme mit fürs Pilgern 2009
Es hat sich nicht bewehrt kein Deo mitzunehmen, also nehm ich ein Deo mit und zwar ein Sprühdeo, weil man des auch auf Klamotten sprühen kann.

Dann nehm ich wieder eine Seife mit und Rei in der Tube, sicher ist sicher.

Diesmal müssen die Wattestäbchen mit, ich kann keine drei Wochen ohne.

Ich werd mir so eine Alutrinkflasche kaufen, obwohl ich auch einen neuen Trinkschlauch habe, meinen Thermobecher werd ich nicht mehr mitnehmen. Da ist mir in der Arbeit der Deckel verschwunden, des war kurz nach dem Käseschinkenbrot. Es war ein Zeichen.

Dann werde ich wieder mal im Winter versuchen eine Aluisomatte zum Zusammenfalten zu kaufen, ich werd wohl doch mal zum Lauche & Maas gehen müssen. Weil wenn es jetzt doch noch schneit, brauch ich im Wintern noch Gamaschen, dann kann ich auch gleich fürs Pilgern einkaufen gehen.

Ich werde diesmal mein zweites Schaffell mitnehmen, ein Großes und ein Kleines, nur für den Fall, dass ich wieder im Dreck schlafen muss. Dann muss ich meine Heringe diesmal zusammenbinden, damit nicht wieder die Hälfte wegkommt. Die beiden Zeltplanen und die Plane zum Unterlegen.

Hektor ist ganz wichtig, das ist das Pilgermaskottchen. (Hektor wurde mittlerweile auf einem Markt im Osten gestohlen!) Diesmal nehm ich das Sackfett nicht mit, aber meine Nagelfeile, auch wenn ich Beides nicht gebraucht habe. Hhm. Vielleicht sollte ich doch das Sackfett mitnehmen.

Ein neues Paar Holzschuhe und meine neuen alten Wanderschuhe. Danke Sina! Dafür lasse ich die Römersandalen zuhause.

Das erste Hilfeset, mit Nagelschere und Blasenpflaster. Ich hatte, solange ich meine Holzschuhe noch hatte, keine Blasen und keine Knieprobleme, aber man kann ja nie wissen.

Meine Kniebandagen, haben mir das letzte Mal wahrscheinlich das Leben gerettet.

Ich nehme nichts zum Nähen mit, man kommt eh nicht dazu. Ein kleines Nähzeug tut es völlig.

Ich werde eine Taschenlampe mitnehmen für den Notfall, und zwar eine zum Kurbeln und eine rote IKEA-Lampe für den Fall, dass ich wieder etwas zum Aufwärmen dabei habe. Und Kerzen! Feuerzeug …ähh… Streichhölzer natürlich.

Zum Lesen, werde ich die Jakobsbibel mitnehmen und ein Reclamheftchen von Shakespeare ‚Romeo und Julia‘ und ‚Viel Lärm um nichts‘ und ich werde es auswendig lernen. Einen Reiseführer, keine Karten. Zum Schreiben, ein neues leeres Tagebuch und zwei Kugelschreiber und einen Bleistift.

Ich brauche ein gescheites Messer. Beim Geschirr werde ich wohl auch aufs Gewicht achten müssen, ein leichtes Brettchen und einen Napf, mehr nicht. Einen Löffel und eine Gabel.

Dann zum Anziehen, eine Tunika mehr und ein Unterkleid mehr. Ansonsten habe ich nicht zu viel und kaum zu wenig dabei gehabt. Der Unterrock, dass ist so eine Frage, ich werde darüber nachdenken müssen. Meinen Sonnenhut und zwei Häubchen und meine neue Fellmütze.

Glücksbringer und Pilgerstab. Nachdem mein alter Pilgerstab von einem dummen NSC auf Mythodea zum Parieren benützt worden ist, und er dabei in der Mitte zerbrach, habe ich von einem Bekannten einen Neuen bekommen. Der ist es jetzt wohl.

Glücksbringer, der Stein, den ich vor Tettweis für den Anderl aufgehoben habe und der ihn dann in meinem Auto liegen lassen hat. Seitdem ist mein Auto nicht mehr noch kaputter gegangen. Meinen Bergkristall, vom letzten mal. Ein 10 Cent Stück mit der Irischen Harfe, dass ich auch des letzte mal zufällig mitgeschleppt habe. Den ein oder anderen Stein, der mir noch über den Weg läuft.

Und mein Löffel und das was vom letzten Löffel noch übrig geblieben ist und was sonst noch so an meinem Gürtel hängt. Das ein oder andere Müffelsäckchen und ein Pilgerglocke. Meine Pilgertasche und meinen Gürtelkorb.

Die übliche Rolle Klopapier.

Wieder keinen Umhang, aber meine Wollschultertuch und ein Stück Lodenstoff für über die Kraxe. Das hatte sich letzte mal bei Hanna bewährt.

Einen Wolltuch als Rückenpolster für die Kraxe und meine Wollbeinwickel zum Kraxe an mich hin binden. Ein Stück Seil. Dann muss ich den Barney nochmal anhauen, ich brauch wieder jede Menge Lederbänder.

Meinen Deckenschlafsack und meine völlig unauthentische Kunstfelldecke. Die ist warm und ich hasse es zu frieren.

Weniger zum Essen und dafür mehr Geld zum Einkehren. Etwas warmes und heißer Tee ist echt unersetzlich. Eine Zwiebel und eine Knolle Knoblauch für ein MORETVM und als Hilfe gegen Vampire und Vergewaltiger. Sollte ich vielleicht doch Kondome mitnehmen. Mein Chef könnte dann zumindest ruhiger schlafen.

So, irgendwie ist des schon wieder soviel, dass man gar nicht glauben kann, dass ich des alles schleppen könnte, geschweige denn, dass es in die Kraxe passt. Hm. Da wird wohl echt wieder viel raus fliegen, das Sackfett zum Beispiel.

Zurück in der Realität und die Sehnsucht bleibt.

Jakobsweg Zeitreise – Zurück in der Realität und die Sehnsucht bleibt.

Der Zug und die ganzen Menschen sind schon Realität genug, könnte man meinen. Wir haben mit dem Handy telefoniert, es ist so ungewohnt plötzlich. Der Anderl holt uns vom Hauptbahnhof in München ab. München, die große Stadt, sie hat uns wieder, und sie ist so laut und es sind so viele Menschen, da fallen zwei Pilgerinnen gar nicht auf. Schon sind wir wieder anonym und wenn wir hier nackig mit den Kraxen zum Parkplatz laufen würden, dann würde es auch kaum einen interessieren, außer die Japaner vielleicht.

Wir werden vom Anderl am Parkplatz vor dem Hauptbahnhof in Empfang genommen und des Erste was klar ist, wir stinken. Wir planen nun was wir machen. Wir müssen noch zum Einkaufen und der Anderl muss zum Arzt und dann geht’s nach Hause.

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen, so denkt man, aber uns fällt nicht so recht ein, was wir erzählen sollen. Lassen uns durch München kutschieren. Der Anderl geht zum Arzt wegen seiner Nichtwichsschulterverletzung. Im Auto wartend, bin ich dermaßen Bewegungsunfähig, dass ich zwar mein Docs in der Hand habe, aber eine halbe Ewigkeit brauche, um mich überhaupt zu bewegen. Ich habe meine Haare gekämmt, mir einen Zopf gemacht und ganz genüsslich meine Ohren geputzt und die beschreibungsunwürdigen Ohrenstäbchen aus dem Fenster geschmissen. Mein Deo ist eine Wohltat und wir riechen zumindest wieder erträglich.

Wir waren dann beim Einkaufen und entschlossen uns zuhause zu kochen und nicht zum McDonalds zu gehen. Es gab Spagetti mit Hackfleischsoße. (Meine Erinnerung scheint mir einen Streich zu spielen, wir waren anscheinend doch beim McDonalds. Ich kann mich nicht erinnern, aber anscheinend kann es kein großes Geschmacksereignis gewesen sein, weil sonst würde ich mich ja daran erinnern. Ich kann mich aber noch lebhaft daran erinnern, dass wir gekocht haben, ich werd alt. Oh, Gott, wir waren wirklich beim McDonalds und wenn ich auch so einen Shrimp Lemon gegessen habe, dann war es wahrscheinlich sogar ein Geschmacksereignis. Aber bevor wir gegessen haben, waren wir ausgiebig auf dem Klo und das war toll ausgiebig die Hände zu waschen. Dann sind wir stinkend aber mit sauberen Händen zur Theke und haben was auch immer bestellt. Der Verkäufer war so baff und wir dann auch, als er uns einen Gutscheinzettel in die Hand drückte, wo auf der Rückseite die Werbung vom Mittelaltermarkt in München aufgedruckt war. Wie könnt ich das nur vergessen?)

Zuhause haben wir uns und unsere Sachen gewaschen, ich meine Kraxe nicht gewogen und gegessen, geschrieben und geschlafen. So wie beim Pilgern gegessen, geschrieben, geschlafen und gelaufen wird erstmal nicht mehr.

Am nächsten Tag hatte ich mein Knie völlig vergessen, es tat auch nicht mehr weh. Für dass wir wegen diesem blöden Knie abbrechen müssten, tut es jetzt so, als wären wir nie wandern gewesen. Ich bin auch bei der Wanderung nicht auf die Idee gekommen Schmerzmittel zu nehmen. Wir hatten uns ins Ruhstorf nur Doppelherz aktiv Magnesium + B6 + B12 aktiv gekauft, gegen den Muskelkater. Die Darreichungsform ist zwar ungewohnt und es schmeckt beschissen, aber es wirkt wunder. Ich nehme sie zuweilen mit, wenn ich mit meinen Orks auf Con gehe und wir wieder über Stock und Stein gejagt werden. Nie wieder Muskelkater.

Wir schreiben am Samstag sehr viel und warten, dass unsere Wäsche trocken wird. Um wieder mit den Pilgerklamotten in die Schandgeige und mittelalterlich Essen zu gehen. Ich kann mich nicht entscheiden welches Häubchen ich anziehen soll, ich nehme am Ende mein kleines Rotes. Aber ich weiss was ich essen soll, ein Schnitzel mit Meerrettichsenfmarinade und einem Sößchen und einen orgastischen Schokoladenkuchen. (Ich glaube es zumindest, aber ich habe mich beim McDonalds ja auch getäuscht!) Es war lecker (Das weiss ich ganz sicher!) und wir erzählten von unserer Reise. Wenn man eine Reise tut, dann kann man was erzählen. Es war ein schöner Abend.

Ich habe seither viele schöne Momente erlebt und weniger Schöne. Auch wenn die nicht so schönen Momente meistens die Oberhand behalten, bleiben die Schönen einem ewig in Erinnerung. Aber egal was ich tue, ich habe immer wieder Sehnsucht nach dem Weg. Weiterzumachen, immer wenn ich nicht mehr kann oder wenn ich nicht mehr weiter weiss oder wenn mir mal wieder alles über den Kopf wächst, dann würde ich am liebsten alles stehen und liegen lassen und abhauen, ab auf den Weg und einfach weg von dem ganzen Müssen. Aber die Sehnsucht bringt mich oft schon über den Berg und es geht weiter. Und es wird wohl genau ein Jahr seit der letzten Pilgerschaft vergehen müssen, bis es bei mir wieder los geht, weg von dem Müssen und einfach weg. Mich drei Wochen lang von der Gesellschaft am Arsch lecken lassen. Zu gehen, zu essen, zu schreiben und zu schlafen und dort zu bleiben wo es schön ist, so lange die Füße mich Tragen und solange das Wetter und der Herr (der über uns wohnt, wie er auch heißen mag!) mir huld ist.

Ein vorläufiges Fazit: Ich lass mich mehr oder weniger schon das ganze Jahr am Arsch lecken, von der Welt und von der Gesellschaft, aber doch fickt mich das Schicksal das ganze Jahr schon. Mit den Männern hab ich es langsam echt satt, weil ich immer an die Irren gerate und dafür habe ich mittlerweile keine Kraft mehr. Meine Kraft brauche ich für anderen Dinge, fürs Laufen, fürs Essen (verdienen), fürs Schreiben und fürs Schlafen. In meinem Beruf bin ich einigermaßen Erfolgreich und ich bin furchtbar unentbehrlich und es macht mir nachwievor Spaß für den Staat zu arbeiten. Dann schreib ich wieder und nun hab ich endlich meine Jakobsweggeschichte beendet, es hat lange genug gebraucht, bis ich sie endlich zu Ende gebracht habe, nun ist es fast soweit…


Die Überlegung eine Nonne zu werden, habe ich nicht ganz geschafft, aber ich war lange Zeit sehr brav. Die Gedanken sind frei und unzüchtige Gedanken, werd ich wohl immer haben, egal ob ich ansonsten brav bin oder nicht. Und nachdem ich nachwievor auch noch ständig von der Gesellschaft gefickt werde, wird mir der Schreibstoff auch nie ausgehen, Amen.

Am Ende ist ein Anfang

Jakobsweg Zeitreise – Am Ende ist ein Anfang

Freitag, der 04.04.08:

Wir sind in der Früh, dann wieder zeitig los und haben alles sauber hinterlassen. Sogar den Müll haben wir mitgenommen. Langsam muss ich auch echt zugeben, dass man früh morgens einfach am besten vorankommt. Aber man hat halt nicht immer Bauarbeiter, die einen aus dem Schlummer reißen. Und einen Wecker werde ich bei der nächsten Etappe nicht mitnehmen. Meine Abneigung gegen Uhren möchte ich somit zum Ausdruck bringen. Ich werde in der Regel wach sobald es hell wird. Wir werden es in Zukunft sehen.


Huckenham hinter uns lassend, geht es weiter nach St. Veit. Wir blicken doch zurück und versuchen noch ein paar Fotos zu machen. Aber bei dem Nebel ist es echt schwierig die schöne Skyline von Huckenham einzufangen.

In St. Veit angekommen, finde ich es fast schade, dass wir nicht hier übernachtet haben. Die Höfe sind hier noch älter und die Kapelle ist noch viel, viel noch älter. Das Bild aus dem Reiseführer wird nachfotografiert. Ich beschließe, wenn ich einmal heiraten sollte, werde ich dies wohl hier tun. Diese Kapelle ist so schön und keiner ist hier, um diese alten Gemäuer zu ehren. Aber dass hab ich ja schon angemerkt, oder? In jeder Kirche, die wir betreten haben, war keiner außer uns und einer Alarmanlage. Auf dem vergangenen Weg haben wir so viele heilige Stätten gesehen, wie ich im ganzen Leben noch nicht gesehen habe, aber sie stehen alle leer. Ich finde es echt schade, da stehen uralte Kirchen und keiner kümmert sich darum, ein Alarmanlage und gut ist. Eine spirituelle Stätte kann ihren Zauber nur erhalten, wenn Menschen hingehen und den Zauber sehen und spüren. Und ihn dann nach Hause tragen. Ich finde es echt schade. Mir geht’s dabei garantiert nicht um die katholische Kirche. Mir geht es um die Gemäuer, die von den Menschen, im Schweiße ihres Angesichts und mit wunden Fingern, auf uralten gebaut wurden. Wie zum Beispiel, die Kapelle zu Rotthof, die auf eine römische Kultstätte gebaut wurde. Und wenn es nur ein Naturaltar mitten im Wald ist, es ist eine spirituelle Stätte und die Menschen zieht es immer wieder dort hin. Damals und heute?

Meine spirituellen Stätten sind der keltische Opferstein in der Amperschlucht in der Nähe von Grafrath. In Germansbergl ins Tal blickend beim Sonnenaufgang. Beim Herrrn Numberger aufm Hof bei seinen Schafen. Die Kapelle zu Rotthof und hier, in St. Veit.

Ich finds richtig schade, dass wir weiter gehen müssen und die kleinen windschiefen Häuser in St. Veit verlassen müssen. Es geht weiter nach Luderbach. Es ist auch ein malerisches Fleckchen Erde und nach Luderbach verlangt die Natur ihr Recht. Und jetzt merke ich wieder, wie mein Knie mir schmerzt. Und wie beschwerlich es ist, mit einem Bein sich hinzusetzen und sein Geschäft zu verrichten. Die restliche Etappe ist wieder der Horror und so beschließen wir auf einer Bank in der Nähe eines Biotopes, dass wir uns in Bad Birnbach noch einen Stempel holen und dann nach Hause fahren. Schweren Herzens legen wir die letzten Paar Kilometer zurück. Aber es geht wirklich nicht mehr, mein Knie brauch ich noch ein Leben lang und der Jakobsweg läuft mir nicht davon.


In Bad Birnbach, stellen wir erschreckenderweise fest, dass die Leute hier ganz schön kleingeistig sind. Wir werden angehupt und von Blicken verfolgt. Ich spüre Finger, die auf uns zeigen und ich fühle mich schmutziger als ich wahrscheinlich bin und es beginnt mir peinlich zu sein, hier so rumzulaufen. Aber dass ist doch wieder die Gesellschaft, die uns dies aufdrückt und der Volksmund, der uns ins Ohr flüstert, dass wir nicht der Norm entsprechen. Wie ich genau das hasse, aber ich bin so fertig, dass ich mich füge und weiter trotte. Wir verursachen beinahe noch den ein oder anderen Auffahrunfall, weil die Leute in den Autos plötzlich stehenbleiben, um uns nachzustarren oder gar dabei von der Fahrbahn abkommen. Des ist doch wirklich ganz schön peinlich, aber für die, nicht für uns.

Bei der Kurverwaltung angekommen, kriegen wir unseren letzten Stempel. Die nette Dame erklärt uns, wie wir zum Bahnhof kommen und dass gleich ein Zug gehen würde.

Ab zum Bus und an der Bushaltestelle werden wir gleich wieder angepöbelt. Ich will hier weg, in den Wald und ich will meine Ruhe. Bad Birnbach ist übrigens ein Kurort, anscheinend für allerlei Bekloppte und für Alkoholkranke, bloß weg hier.

Wie kommt man aber mit 2 Pilgerinnen, 2 Pilgerstäben und 2 Pilgerkraxen in einen Bus. Um Himmels Willen. Des ist gar nicht so einfach, wie man so denken könnte. Der Bus kommt, die Türen gehen auf, ich schmeiße die beiden Stecken rein und dann die Kraxen, dann krabble ich auf allen Vieren hinterher, die Hanna holt die Fahrkarten. Die Leute kucken uns ganz schön komisch an. Der Bus hält an jedem Kuhfladen, wir kommen aber doch noch rechtzeitig am Bahnhof an, bevor der Zug kommt. So ein Stress. Wir haben gerade noch Zeit eine Zugkarte zu kaufen und einen Plan zu machen, wie wir in den Zug kommen. Der Zug kommt nicht, es werden Fotos gemacht. Der Zug kommt mit ein wenig Verspätung. Selbes Spiel, erstmal rein mit dem Zeug und wir hinterher. Wir bekommen einen schönen Sitzplatz für unsere Kraxen und uns. Die deutsche Bahn hat keine Gepäckfächer für Kraxen, also besetzen wir 4 Plätze und machen erstmal Brotzeit. Wir werden durchaus ganz schön blöd angesehen und ich belausche die anderen Fahrgäste. Was für Probleme die haben. Gott, sind die Peinlich!

Beim Blick nach draußen ins schöne Bayernland zieht die Landschaft so an uns vorbei und unser Blick fällt bei jeder Ortschaft sofort auf den Kirchturm. So bewusst war mir des noch nie, aber sieht man immer hin, wenn man in einen Ort kommt, nicht nur als Pilger.

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