Last Day before X-Mas

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(Aus dem Jahre 2009 vs. 2012)

Ich habe noch keine Geschenke gekauft, so eine scheiße. Ich schrecke im Büro hoch, die Uhr schlägt von 19.59 auf 20.00 Uhr um und ein Alarm ertönt. Ich habe mich wohl bewegt, weil um 19.30 wird unsere Alarmanlage scharf gemacht und ich hoffe, es kommt jemand um mich zu retten. Der Ton des Alarms ist schlimmer, als meine zwei Dieter Bohlen zusammen. Da könnt ich echt Amok laufen, aber es ist niemand hier, sonst wäre der Alarm schon viel früher los gegangen. Ich mache meine Schublade auf und hole einen Tampon hervor. Ich zerfiesel es fast panisch und mache mir zwei Watteohrpfropfen daraus und stecke sie in meine Ohren….macht es nicht besser, aber doofe Ohren. Und aus einem Ohr hängt mir der Faden… Hm. Dann renne ich zum Klo, ich habe vor mit den Handtüchern aus den Handtuchrollenhalter ein Seil zu basteln und mich aus dem 4. Stock abzuseilen, dann klettere ich über den Zaun zum ADAC und verpiss mich. Hört sich so an, als hätte ich mir da schon oft Gedanken drüber gemacht, im Büro eingesperrt zu werden. Blöd ist nur, dass wir mittlerweile mit dem Amt umgezogen sind, ich sitze jetzt im 3. Stock und den ADAC kann ich von hier aus sehr gut sehen. Und am aller Blödsten ist, dass wir keine Handtuchhalter mehr haben. Und mit den Papiertüchern könnte ich höchstens eine hübsches Feuerchen machen. Ich könnte auch den Feuerwehrschlauch nehmen, oder gleich den Feueralarm drücken, dann werde ich von einer Horde steiler Feuerwehrmännern gerettet, wie geil. Ich renne nicht aufs Klo sondern zurück zu meiner Handtasche, ich habe doch immer ein Feuerzeug dabei. Und damit ab in den Druckerraum, da ist ein Rauchmelder. Ich schiebe die Papiertonne unter den Feuermelder und bin gerade dabei einige Faxprotokolle anzuzünden, als ich die Glastüre aufschwingen höre. Da stimmt doch was nicht, wir sind doch in ein neues Gebäude gezogen. Ich höre ein merkwürdiges Klingeln. Es ist aber nicht das Geräusch der neuen Türöffner und habe auch kein Klacken gehört.

Frau Rösner, das ist wieder die Matrix. Das alte Amt und das Neue verschwimmen in meinem Kopf und vor meinen Augen zu einem selbständigen Ganzen. Ich schreie drei Mal Grönland. Das Klingeln kommt stetig näher. Ich schreie drei Mal Dakota. Ein Mann steht vor dem Druckerraum und dreht sich langsam in meine Richtung. Schuldbewusst wedele ich mit den brennenden Faxprotokollen und verstecke das Feuerzeug hinter meinem Rücken. Mein jugendlicher Charme kann nicht punkten. Es ist der Klemmbrettfetischist und Empfangsroboter aus alten Stasibeständen. Er hat einen Rindertreiber in der Hand und einen Hund am Start, auf seiner Hundemarke steht ‚Herr Honecker‘.

‚Alles klar, mein alter, längst zwangspensionierter Freund?‘ frage ich. Er komplimentiert mich wieder auf den Boden der Tatsachen und zerrt mich aus dem Druckerraum. Die Gänge sind nicht gerade, sondern rund. Wir sind wieder im alten Gebäude. Da müsste doch eigentlich jetzt die Kriminalpolizei sein. Schemen ziehen an mir vorbei. Ein Riss im Raumzeitkontinuum. Woher man dass immer weiß, war doch noch keiner in einem Loch im Raumzeitkontinuum gefangen oder ist gar durch Raum und Zeit gereist, aber wir wissen es immer ganz genau, wenn mal was seltsames passiert, dass muss ein Riss im Raumzeitkontinuum sein!
Er schleift mich wortlos aus dem Quadranten. Hinter der Glastür am Ende des Ganges kann ich gerade noch den alten Wachmann erkennen, wie er mit einer alten Dieselkanne vom Speicher herunter kommt und Richtung Aufzug schleicht. Wie hat er es nur geschafft, die Leiter runter zu klettern, ohne dabei den Elektroschocker und die Dieselkanne aus der Hand zu legen. Der Köter vom Klemmbrettfetischtisen lenkt mich ab, weil er sich vor meinen Füßen auf den Boden wirft, auf den Rücken dreht und wohl gestreichelt werden will.

‚Honecker, böser Hund. Los Fass, da ist sie die Übeltäterin.‘

Der Hund winselt nur.

‚Um 19. Uhr wird hier zugeschlossen und dann wird zurückgeschossen.‘

Warum hört er sich nun an, wie ein kleiner Österreicher. Himmel, was für Drogen mixen die hier ins trübe Wasser. Hitlerhorrorvisionen verheißen ja wohl nie was Gutes. Ihm befällt jetzt bestimmt gleich der Größenwahn. Er richtet die rechte Hand zum Gruß auf und kommt mit dem Rindertreiber auf mich zu. Ich ducke mich weg und laufe, trotz dessen dass es mir eigentlich bewusst sein hätte müssen, dass ich mich immer noch in einem matrixähnlichem Alptraum befinde, davon. Drei mal ‚Bazinga!‘ schreiend laufe ich durch die Gänge und schlage im Vorbeilaufen den Feueralarmknopf ein und die Sicherheitstür schließt sich hinter mir.

Die Sicherheitstür, die wir in der neuen Verwaltung gar nicht haben hätte dürfen und wo eigentlich dieses Wachmannsgespann gar keinen Zutritt hätte haben sollen. Aber nach dem wir nun endgültig in der alten Verwaltung angekommen sind, klappt der Trick mit dem Feueralarm. Der Feueralarm ertönt zu der Alarmanlage. Meine beiden Dieter Bohlen geben sich heute die Hand. Ich drehe mich ihm lauf um und stolpere über meine eigenen Beine. Ich lauf halt auch im Traum, wie ein 12jähriges Mädchen mit blonden Zöpfen. Der Hund kam gerade noch durch den Spalt der Tür, doch der Klemmbrettdiktator prallt gegen die verschlossene Metalltür und mit einem lauten Rumsen schließt sich die Tür vollends. Bazinga. Jetzt muss ich mit Herr Honecker nur noch warten, bis mich die Feuerwehr rettet…

‚Frau Rösner, wollen sie nicht nach Hause, morgen ist schon Weihnachten.‘ meinte der neue Wachmann leicht näselnd. ‚Aber vorher hab ich noch ein Gespräch für Sie!‘
Ich bin wach, an meiner Backe klebt ein Stück Papier, ich hab den Telefonhörer in der Hand und der neue Wachmann redet mit mir. Mir ist erschreckender Weise bewusst, dass mir ein Faden aus dem Ohr hängt. Das Gespräch wird durchgestellt. Frau Anita Lackleder vom Bund bayrischer Landfrauen wünscht mir schöne Weihnachten. Ich zieh den Zettel von meiner Backe. Nun ist es wirklich zu spät, um Weihnachtseinkäufe zu machen. Dann gibt’s diesmal halt nichts.

Schönes Fest, was auch immer ihr da feiert.

Munich 20:15

Munich 20:15

Die Dämmerung kroch ganz langsam über die Stadt, so langsam eben, wie die letzten Sonnenstrahlen ihr warmes, rotes Leuchten über sie getaucht hatte und sich nun langsam wieder zurückzogen, wie ein Hund mit eingezogenen Schwanz, besiegt nach einem Kampf.

Ich wache auf, von meinem eigenen Sabber, der mir vom Kinn in mein Dekolleté tropft. Schlaftrunken wische ich mit meinem Ärmel meine Wange trocken und stecke meine beärmelte Hand zwischen meine Brüste.

Ich checke es halt jetzt erst, dass ich im Auto sitze, komisch ich muss wohl auf dem Lenkrad eingeschlafen sein. An der Ampel, alles klar. Der Motor meines Wagens läuft noch und der Exorzist in meinem CD-Player auch, also kann es ja nicht lange her sein, als ich eingeschlafen bin. Ich zieh die Hand aus meinem Ausschnitt. Eine Menge Spucke für einen Sekundenschlaf. Ich blicke auf die Ampel. Die ist aus. Nicht blinkend aus, sondern ganz aus. Ich blicke gedankenverloren auf die Kreuzung. Da war ja niemand. Keiner. Kein Auto. Kein Fußgänger. Kein Radfahrer. Auch keine Tram. Hatten wir wieder Fußball-WM und war Deutschland wieder im Endspiel und ich habe es mal wieder nicht mitbekommen?

Vorsichtig krieche ich mit meinem Auto ganz langsam über die Kreuzung, die Nadel vom Tacho bewegt sich quasi nicht. Die Digitalanzeige meines Autos zeigt mir 20:15 Uhr und die Außentemperatur von 20 °C an. Wir müssen Sommer haben… afo… away from office… Amt macht einfach brainfucked. Schließlich bin ich drüber über die Kreuzung und fahre auf die Donnersberger Brücke. Und eigentlich sollte ich mich nicht mehr darüber wundern, dass meine Arbeit mir scheinbar den Resetknopf meines Gehirns durchgedrückt hat. Kein Wunder, dass mir der Sabber aus dem Mund läuft. Aber, ich checks echt nicht. Kein Auto. Kein Fußgänger. Kein Radfahrer. Auch keine Busse. Die Anzeigen an den Haltestellen sind aus und ich rausche wieder von der Brücke und blicke über die Stadt. Sie erstrahlt in der Restsonne und ansonsten strahlt halt mal gar nichts. Stromausfall. Ein richtig großer Stromausfall vielleicht. So ein Stromausfall, der beim RTL einen Sendeplatz bekommen hätte. Hm. Wie geil.

Kein Auto behindert meinen Heimweg. Auch mal schön. Auf der Landshuter Allee bemerke ich, wie der Grünstreifen ziemlich hoch gewuchert, langsam die Fahrbahn begrünt. Komisch die Stadtwerke schlafen wohl auch in letzter Zeit oder es ist ein echt langer Stromausfall und ich hab halt die letzten Wochen und Monate mal gar nichts mitgekriegt. Hm. Ich fahre eh in der Mitte der beiden Spuren und scheiße auf die Schlingpflanzen, die in meiner Fantasie mein Auto fressen wollen.

Ich blicke wieder in die Ferne und sinniere darüber nach, wo die bei uns im Amt das Stromaggregat versteckt haben und wer da literweise Diesel einfüllt. Der alte Wachmann mit dem Elektroschocker schlürft gerade humpelnd in meine Gedanken, mit einer Dieselkanne in der anderen Hand und tränkt das hungrige Aggregat. Schlürf. Das Einzige was in der großen Stadt noch leuchtet, ist das rote Matschauge in meinem Rücken und die Kegel meiner Scheinwerfer.

Über dem Olympiagelände kreisen die Krähen im Wind. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, machen sie eigentlich immer, wenn der Wind über den Olympiapark pfeift. Ist ein sehr ergreifendes Bild. Und die Einzigen, die heute Nacht Spaß haben, sind wohl die Krähen im Wind. Mir war vorhin gar nicht aufgefallen, dass Wind ging. Die Bäume biegen sich im Wind. Krasser Wind eben. Langsam wird die Sicht immer schlechter, weil die Sonne nun vollends untergegangen ist. Jetzt wäre eigentlich der Moment, an dem die Straßenbeleuchtung angehen müsste und das beklemmende Gefühl vertreiben sollte, dass sich jetzt langsam aber sicher in meinem Magen ausbreitet. Pfeifendeckel. Die Nacht fällt. Himmel, heut kommt das Dunkel aber schnell, wir sind doch nicht in Afrika. Keine Lichter gehen an, die große Stadt bleibt im Dunkeln.

Ein gelber Mond geht über den Bäumen des Olympiageländes auf und die schwarzen Krähen geben den merkwürdigen Vorahnungen, die sich nun langsam in meinem Kopf zusammenbrauen, den nötigen Antrieb. Paranoia lässt grüßen. Der gelbe Mond strahlt sein surreales Licht, wie ein Flakscheinwerfer, übers Olympiagelände. Aber wenigstens hat der Mond ein Einsehen und leuchtet heute Nacht.

Der Wind ist noch heftiger geworden und Blätter und kleine Äste wehen über die Straße. Der Wind treibt auch große, schwere Wolken über den Himmel, die nun zu weilen den Mond verdecken. Mist. Das war es dann mit dem Flakscheinwerfer. Als allerdings ein rollender, runder Busch vor meinem Auto über die Straße huscht, bremste ich scharf und blicke ihm ungläubig nach. Da ist doch was faul. Es ist keine Sau auf der Straße, aber rollende Büsche springen über die Fahrbahn. Verdammt. Ich lasse die Scheiben ein Wenig hinunter und der Wind bringt frische klare Luft herein, erschreckend frische Luft. Komisch. Ich stehe mitten in der großen Stadt unweit von der am schlimmsten, feinstaubbelasteten Stelle der Stadt und es riecht nach einer blühenden Alm im Nachtwind. Ich blicke wieder auf die Digitalanzeige meines Autos und es ist 20:15 Uhr und es hat nur noch 15°C. Ich schüttle meinen Kopf und blicke wieder auf die Anzeige: 20:15 Uhr und nur noch 13°C. Der Fehler in der Matrix wird von den Hintergrundgeräuschen des Exorzisten nur noch verstärkt. Ich schalte schnell meinen CD-Player aus, bevor noch Blut und Schlonze aus den Lautsprechern fließt. In der Matrix ist alles möglich. Verzweifelt warte ich auf eine doppelte schwarze Katze, die vom Wind über die Straße getrieben wird. Nein, keine Katze. Aber ein zweiter rollender Busch. Hm. Da sind sie wieder meine zwei Probleme.

Nachdem nach wie vor niemand hier ist, auch keiner kommt, wende ich mitten auf dem Verbindungsstück zum Frankfurter Ring und fahre äußerst verkehrswidrig in Richtung Mittlerer Ring zurück, um zu sehen, ob sich da was rührt. Sich wie der letzte Mensch auf Erden fühlen, hab ich mir nie so nervenzerreißend vorgestellt.

Regen setzt ein. Unglaublicher Regen. Ich schließe schnell die Fenster, werde aber trotzdem ziemlich nass. Der Regen riecht gut und fühlt sich sauber an. Aber draußen geht der Punk ab. Ich fahre langsam weiter. Große Äste stürzen auf die Fahrbahn und mein Scheibenwischer macht nicht mehr so wirklich mit. Ich komme noch bis zu einer der Brücken zwischen Olympiahalle und BMW. Ich habe bereits das Gefühl, dass mein Auto im Rollen schon Aquaplaning kriegt. Ich kann nicht genau sagen, unter welcher der Brücken ich nun stehe, weil einfach alles dunkel ist, hier. So dunkel, wie im Arsch eines Homophobikers.

Da die höchste Stufe meines Scheibenwischer nicht mehr nachkommt und ich die Lichter meiner Scheinwerfer nicht mehr erkennen kann, obwohl ich scheinbar unter einer Brücke stehe, schalte ich meinen Scheibenwischer aus. Ich blicke paranoid auf die Digitalanzeige meines Autos und es ist ja kaum zu erraten: 20:15 Uhr und 6°C. Die Tankanzeige, sie leuchtet schon. Meine Güte, warum tanke ich eigentlich nie voll. Ich mache vorsichtshalber den Motor aus, schalte aber die Warnblickanlage und den Radio an. Immer noch der Exorzist. Zitternd schalte ich von CD auf Radio. Rauschen. Ich drücke nervös auf den Sendersuchlauf. Ich warte eine halbe Ewigkeit. Nichts. Nur Rauschen. Ich drücke auf AM und wieder auf den Sendersuchlauf. Rauschen. Ein Blitz erhellt den Himmel. Ich kann für den Bruchteil einer Sekunde die BMW-Welt sehen. Beziehungsweise, das was davon übrig ist. Bevor ich begreife, was ich da scheinbar durch die nasse Scheibe zu erkennen glaube, lässt der folgende Donner die Scheiben meines Autos erzittern. Augenblicklich hatte ich ein Pfeifen im Ohr. Der Radio rauscht immer noch und ich starre wie gebannt auf meine Windschutzscheibe. Ich kann meinen Atem sehen. Alles Klar. Kann ich aus der Horrorstory noch aussteigen? Geistesgegenwärtig lasse ich den Motor an und mach den Scheibenwischer wieder an.

Auf der Digitalanzeige steht, wie wahr es auch anders zu erwarten: 20:15 Uhr und -4°C. Jetzt kriege ich Panik. Der nächste Blitz macht die Nacht zum Tage und ich kann erkennen, dass die BMW-Welt tatsächlich eingestürzt ist. Weil…. Donner. Ich schrecke zusammen und fasse mir ganz unwillkürlich ans Herz. Das Pochen übertönt nun das Pfeifen in meinem Ohr und ich blicke aus dem Seitenfenster, da wo eigentlich der Olympiaturm hätte sein müssen. Der nächste Blitz bestätigt meine Vermutung. Der Turm ist über den Ring gestürzt und hat die BMW-Welt zermalmt. Den nächsten Donner höre ich schon gar nicht mehr. Mein Verstand hat sich wohl bereits auf die Socken gemacht, so dass das nächste Bild vom Blitz erhellt mich den Verstand nicht mehr verlieren lassen hätte können. Große Tentakeln glitten über den umgestürzten Turm und waberten auf mein Auto zu. Dahinter kam ein riesiges dunkles Auge zum Vorschein und die monströse Hand eines klavierspielenden, grünen Riesen und dann war wieder alles dunkel. Das Rauschen des Radios drang wieder an mein Ohr. Und dann kommt tatsächlich etwas aus dem Radio…

Düüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüh. Ich schrecke hoch. Weil hinter mir jemand hupt, ich bin an der Ampel eingeschlafen. An der Donnersberger Brücke. Die Ampel schaltet auf rot. Ich wische mir den Sabber vom Kinn. Im Radio läuft: Last Christmas. Es ist 18:47 Uhr, es hat -4°C.

Eine hell erleuchtete Trambahn fährt an mir vorbei. Das öffentliche Reality-Live in dieser Tram kommt mir surreal vor. Menschen in dicken, bunten Jacken und bunten Einkaufstüten, die nur nach Hause wollen, um die Tür vor dem Horror des Alltags hinter sich zuzuschlagen. Es wird Grün. Ich gebe Gas und fahre auf die Donnersberger Brücke, die Stadt blinkt und leuchtet wie nie.

P.S. Ich hatte wohl vergessen, mein 15. Türchen vom Adventskalender zu öffnen.

Akte 14 – Monster of the Week – Der Wachmann

Akte 14 – Monster of the Week – Der Wachmann

Im Amt. Montag. Es ist 18.30 Uhr. Das Adventskalendertürchen ist noch unberührt. Die Büros liegen im Dunkeln. Nur vom Gang strömt Licht herein. Man kann nur ein gleichmäßiges, mechanisches Klicken hören, alle paar Sekunden. Von Weiten ist ein lautes Türknallen zu hören. Knall. Der Klicklaut verstummt, nachdem ein langgezogenes Pfeifen zu hören ist. Man hört, wie ein Gerät eine Seite einzieht und bedruckt. Knall. Nach ein paar Sekunden kann man einen Kugelschreiber über Papier kratzen hören. Knall. Wieder das mechanische Klicken, das schätzungsweise von einem Tacker stammt. Papierrascheln und ein Knall. Schlurfende Schritte sind zu hören. Knall. Nun kann man in den Raum sehen, von dem die Bürogeräusche kamen, dort brennt noch Licht und etwas bewegt ist darin. Eine sichtlich überarbeitete Mitarbeiterin mit wirren Haaren, faltet einige Ausdrucke in der Mitte und kritzelt auf die Oberseite irgendwas Unentzifferbares. Soll das Grumpftl heißen? Knall. Die Mitarbeiterin klemmt sich die gefalteten Papiere unter den Arm und läuft aus dem Raum. Knall. Den Gang entlang, um an der Ecke scharf abzubiegen und den anderen Gang wieder zurück zulaufen. Knall. Sie bleibt stehen. Stille. Aus einem leeren dunklen Büro hört man ein Rascheln, ein Knistern, das dabei entsteht, wenn man ein Bonbonpapier öffnet. Wachsam aufblickend, verschwindet die Mitarbeiterin in ihrem Büro. Durch die halboffene Tür konnte sie den Wachmann aus dem dunklen Nachbarbüro kommen sehen. Knall. Die Tür ist zu. Augenscheinlich lutscht er an einem Bonbon. Er hinkt den Gang entlang, ein Bein nachziehend, den Elektroschocker fest in der Hand und den Rücken zum Buckel gebeugt. Igor lässt grüßen. Er zieht die Luft keuchend ein und humpelt weiter. Man kann seinen Atem hören und ein penetranter Duft nach Eukalyptus zieht ihm nach. Es muss ein Hustenbonbon gewesen sein. Bonbonklauer. Er greift nach der nächsten Türklinke und Knall. Die Mitarbeiterin blickt zu ihrem Adventskalender, das 14 Türchen steht sperrangelweit offen, panisch läuft sie drauf zu und blickt hinter das 14. Türchen. Und was sie da erblickt, lässt ihren Blutzuckerspiegel rapide gen China sinken.

Der Wachmann hörte nur noch ein: ‚NEEEEEEEEEEEIIIIIIIIIIINNNNNNNNNNNN!‘ weit entfernt und eine Tür knallen und die Glastür auf und zu schwingen. Grinsend humpelt er weiter, den Elektroschocker fest in der Hand. Knall.

Aus der Rubrik: Die verschwundenen Adventskalender-X-Akten 2009 – Monster of the Week

Jetzt schlägt’s aber 13 – Doppeldrücker leben länger?

Jetzt schlägt’s aber 13 – Doppeldrücker leben länger?

Himmel ich habe verschlafen. So ein Mist. Ich springe auf, ziehe mich an, renne ins Bad und mit der Zahnbürste im Mund ins Auto. Ich rase in die Arbeit. Scheiß auf Geschwindigkeitsbegrenzungen. Als ich endlich an der Stempeluhr ankomme, ist es kurz vor 13 Uhr. Verdammt, das wird ein langer Tag heute. Mein Kopf saust, als ich auf den Aufzug warte. Ich drücke auf der einen Seite den Knopf nach oben und natürlich geht die Aufzugtür auf der anderen Seite auf. Ich drehe mich um, schlürfe resigniert hinüber und steige ein. Fiep und ich drücke den vierten Stock. Scheiß Hochsicherheitstrakt. Im ersten Stock hält der Aufzug, die Türen gehen auf, es ist niemand da. Hm. Die Türen gehen zu und der Aufzug setzt sich wieder in Bewegung, um im zweiten Stock wieder zu halten. Ich sehe noch, wie sich auf der anderen Seite die Aufzugtüren wieder schließen. Boa, immer diese Doppeldrücker! Ich werd hier eines Tages noch Amoklaufen. Ist es denn so schwer nur auf die eine Taste zu drücken, die man extra mit einem Richtungspfeil gekennzeichnet hat:

Ich will nach oben, ich drücke auf die Taste mit dem Pfeil nach oben.

Ich will nach unten, ich drück auf die Taste mit dem Pfeil nach unten.

Ist ja nicht so schwer!

Der Aufzug hat mittlerweile im dritten Stock gehalten und ich habe mir schon überlegt, mit meinem Laptopkabel Amok zu laufen. Aber nachdem keiner im Gang war, habe ich die Doppeldrücker nochmal verschont. Murphys Law wurde ausschließlich dafür erfunden, um mich den ganzen lieben Tag damit zu ärgern, morgens, mittags, abends, Tag ein Tag aus…

Es ist bereits weit nach 13 Uhr, als ich endlich im vierten Stock ankam. Ich schleiche mich den Gang entlang, in der Hoffnung von niemanden entdeckt zu werden.

‚Jetzt schlägst aber 13, Frau Rösner!‘ höre ich aus dem Büro meines Chefs. Ich humple in einer devoten Haltung vorbei und versuche zu lächeln, während ich meine Mütze zum Gruß lüpfe.

Ich denke mir das Obligatorische: ‚Ja, ja, leck mich am A…!‘

Das morgendliche Wachwerd-Ritual, wenn auch ein wenig spät, beginnt: (Und wehe ich werde von einem Kollegen gestört, bevor mein Hintern zum ersten Mal auf meinem Stuhl sitzt und ich meinen Tee getrunken habe…)

Bürotür auf, Tasche auf den Schreibtisch, Jacke aus und über den Stuhl, PC an, ab in die Teeküche, Wasser aufsetzen, wieder zurück ins Büro, Fenster auf, Blenden und Außenjalousien runter (auch im Winter!), Passwort eingeben, mit Teebeutel und Tassen zurück ins Teekammerl, die Tassen waschen, Tee aufgießen, ab ins Büro, Tür zu und verkriechen bis mit der Wachmann mich raus wirft. Wäre ich nicht so übernächtigt gewesen, wäre mir bereits an dieser Stelle aufgefallen, dass wir einen Fehler in der Matrix haben und somit die Glaubwürdigkeit dieser Geschichte rapide gen China sinkt.

Aber ich arbeite bis ich kurz vor 18.30 fieberhaft an meinen Fällen und werde erst durch lautes Türen zuschlagen von meiner Arbeit hochgeschreckt. Irgendwann bleibt mir noch mal das Herz stehen. Der Wachmann dreht wieder seine Runden unten im dritten Stock und knallt die Türen, damit ihn auch ja jeder hört. Ich blicke zu meinem Adventskalender. Verdammt, den habe ich heute ganz vergessen. Ich denke mal wieder nicht nach und mache das 13. Türchen auf und hole ein kleines Schokoladenhandy (oder so was in der Art) heraus und vernasche es, dann renne ich zum Drucker, um meine Ausdrucke zu tackern.

Die Abteilung ist wie ausgestorben, was mich aber nicht weiter verwundert. Ist ja wie jeden Tag um 18.30 Uhr hier im Amt. Ich renne aufs Klo und als ich nach meiner Verrichtung den Toilettenraum wieder verlassen wollte, steht der Wachmann vor mir. Wir erschrecken beide und er zückt einen Elektroschocker.

Ich höre nur noch ein Knistern…brrrrrzzzzzl… und schrecke aus dem Schlaf hoch.

Verdammt Frau Rösner, wir haben den 13. Dezember 2009, es ist genau 13.00 Uhr und du hast geschlafen und geträumt, weil es Sonntag ist und am Sonntag will keiner arbeiten.

Aus der Rubrik: Die verschwundenen Adventskalender-X-Akten 2009

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