Augenzeugenbericht von der Mordnacht in Grimgard

Augenzeugenbericht von der Mordnacht in Grimgard

LuchssAls ich an besagten Abend zu Bette ging, war alles so wie es immer war in Grimgard. Obwohl in der Hag Raurik der Krieg zu toben schien, war es in Grimgard in den letzten Tagen ziemlich ruhig geworden. Nur die Schankmaiden zettelten jeden Tag einen Grimgarder Bürgermopp an, meist ging es dabei um die verschwundene Schankmaid Helena, die wir bisher immer noch nicht wieder finden konnten, genau so wie der sogenannte Liebes-Fischer zu Grimgard.

Die Gerüchte im Dorf besagen mittlerweile, dass sich die beiden zusammen aus dem Staub gemacht haben und sich über die Berge nach Crush Alba aufgemacht haben. Ich bete täglich zu den Göttern, dass ihnen kein Leid geschehen ist.

Nun zu den schrecklichen Ereignissen, die sich nach der Sommersonnenwende zugetragen haben. Leider konnte ich die Ereignisse jetzt erst zu Papier bringen, so konnte ich in den letzten Tagen keinen klaren Gedanken fassen, es sitzt der Schock immer noch tief in mir und die Trauer in meinem Herzen, so dass ich es kaum in Wort zu fassen vermag, was sich in dieser Nacht zugetragen hatte.

Ich fuhr aus tiefen Schlaf hoch, weil ich wohl ein Geräusch gehört hatte. Ein Poltern im Laden lies mich vollends wach werden und ich stolperte mit meiner Hose kämpfend die Treppen nach unten. Ich trat in etwas kaltes Nasses, stolperte über etwas und kam zu Fall. Ich muss für einen Moment bewusstlos gewesen sein, da ich erst wieder Wach wurde, als ich das Geschrei von draußen hörte. Ich stürzte nach draußen und sah, dass die Bäckerei des Notker in Flammen stand.

Ich wurde von Erkmar, dem Obst- und Gemüsehändler, abgefangen, als ich aus dem Haus stürmen wollte. So wie es scheint, war ich Blutüberströmt. Erst als wir beide den Laden meines Vaters zurück liefen, saßen wir den toten Körper meines Vaters Dankrad in seinem eigenen Blut lieben. Ich muss im Dunkeln über ihn gestolpert sein.

Aufgrund des ansteigenden Tumults rannten wir aber dann doch nach draußen, wo mir schon der wutentbrannte Notker entgegenlief. Der allen Ernstes behauptete, dass mein Vater seine Bäckerei angezündet hätte und sein Backbuch entwendet hätte.

Doch dies kann doch wohl kaum möglich sein, da sein Blut schon erkaltet war, als ich über ihn stolperte.

Da stellt sich mir doch die Frage, wer meinen Vater, Dankrad auf den Gewissen hatte. Weil die klaffende Schnittwunde an seiner Kehle wird er sich wohl kaum selber zugezogen haben, vor allem wenn die Schnittrichtung nach hinten verläuft und keine Zögerungsschnitte zu sehen waren. Die Mordwaffe, die aller Wahrscheinlichkeit eine Rasierklinge war, ist nicht auffindbar gewesen. Aber es wurde ein Schuhabdruck unterhalb eines offenen Fensters sichergestellt. Was uns bei einer genaueren Untersuchung des Leichnams und des Tatortes am nächsten Morgen auffiel.

Mit dem heutigen Tage trete ich mein Erbe an und nehme die Arbeit als kommissarischer Handelsratsvorsitzender zu Grimgard auf. Ich will nicht eher ruhen, bis sich alle Ungereimtheiten aufgeklärt haben.

Gez. Rutger, Sohn des Verstorbenen Dankrad, kommissarischer Handelsratsvorsitzender zu Grimgard

Abschrift für die Akten gefertigt.

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker (http://www.rauriker.de) und dem Dorfspiel im und um den freien Handelsposten Grimgard. Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

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Wenn der Hahn schreit….

Wenn der Hahn schreit….

Sie lag nackt auf seiner Bettstatt. Der Hahn hatte schon zum zweiten Mal geschrien. Ihr nackter Körper war in weichen Fellen versunken. Die Decken waren zerknüllt und einige Kissen lagen auf dem Boden, der gänzlich mit Teppichen ausgelegt war. Der strenge Herbstwind blies gegen die Zeltwände und zu weilen konnte sie die Banner draußen im Wind schnalzen hören. Sie hatte sich fest vorgenommen einfach nicht aufzustehen, dann würde sich die grausame Welt da draußen vielleicht ohne sie weiterdrehen. Neben ihr lag ein Mann. Ihr Mann. Herzog Rudger. Auch er wollte nicht aufstehen. Der Hahn setzte zu seinem dritten Schrei an und er schnellte hoch und schwang die Beine aus dem Bett. Wenig später rief sein Rüstknecht und der Zelteingang bewegte sich: ‚Herzog, sie haben den Fluss überquert!‘

Schwerfällig wälzte sie sich aus dem Bett, ihr ganzer Körper zitterte. Ihre Nippel waren aufgestellt und Gänsehaut zog sich über ihren ganzen Körper. Langsam wanke sie hinter einen Vorhang, um sich anzuziehen. Rudger lief nackt zu einer Waschschüssel und wusch sich rasch. Sein Rüstknecht war herein getreten und warf einige Scheite in die Glut in der Feuerschale, die in der Mitte des Zeltes stand und ging dann zu seinem Herrn und reichte ihm ein Handtuch. Während einige Dienerinnen in das Zelt gewuselt kamen und Tee und Essen hereinbrachten. Sie machten sich sogleich daran, das Bett in Ordnung zu bringen und zu packen.

Die Herrschaften werden draußen langsam ungeduldig.‘ meinte der Rüstknecht.

Der Hahn schrie erneut.

‚Geh und töte den Hahn und lass ihn den Göttern opfern!‘

‚Das wird dem Kirchenmann aber nicht sehr erfreuen.‘

‚So die Götter wollen, wird auch er diesen unheilvollen Tag überleben. Und nun geh.‘ meinte der Herzog streng und fürsorglich zugleich.

Kaum war der Rüstknecht aus dem Zelt verschwunden, stand auch schon seine Frau hinter ihm und übernahm es, ihm beim Anziehen zu behilflich zu sein. Sie sprach kein Wort, aber ihre Geste sagte ihm mehr, als je ein Mensch hätte sagen können. Ihre Finger zitterten bei jedem Handgriff. Er konnte es bei jeder Berührung spüren, dass sie ihre Hände nur mit großer Anstrengung unter Kontrolle hatte. Bei jeder ihrer fahrigen Berührungen, bebte ihm sein Herz in der Brust. Der Rüstknecht kam mit dem Hahn herein und eine alte Dienerin folgte ihm. Sie schnitt dem Hahn den Kopf ab und vergoss sein Blut über der Glut in der Feuerschale. Sie stocherte in Asche und Glut herum und sprach: ‚Schlage dem Stier den Kopf ab und du wirst siegreich sein!‘

Mit einem Wink schickte er beide wieder fort. ‚Emma, hilf mir bei der Rüstung.‘

‚Ja, Herr!‘

Es zerbrach ihm schier das Herz, wenn sie ihn formell ansprach. Noch gestern Nacht hatte sie ihm allerlei Nettigkeiten ins Ohr geflüstert. Sie reichte ihm den schweren, gepolsterten Wappenrock aus Leder und Tränen liefen ihr übers Gesicht. Er schluckte schwer und schlüpfte in den Wappenrock. Sie schnürte den Wappenrock zu, während ihr weiter die Tränen übers Gesicht liefen.

‚Emma, ich möchte, dass du mit dem Tross heimwärts ziehst. Sobald ihr den Grenzstein passiert habt, reitest du so schnell du kannst zu deinem Onkel. Ich kann erst klar denken, wenn du in Sicherheit bist.‘ sagte er leise und drückte ihr seinen Dolch in die Hand. ‚Ich möchte dass du dich und meinen Erben in Sicherheit bringst.‘

‚Woher…?‘ stotterte sie, bis ihre Stimme brach.

‚Ich mag ein Narr sein, in Kriegszeiten meine Frau zu besteigen, aber ich weiß genau wie viele Tage wir schon unterwegs sind und ich kein Blut gesehen habe!‘ Er hob eine Augenbraue und grinste.

‚Ja, Herr!‘ sagte sie leise und drückte den Dolch an ihre Brust.

‚Versprich mir, dass du nicht zurückblickst, ehe du den ersten Hahn am nächsten Morgen hörst.‘

‚Ich verspreche es, H…!‘ Er legte ihr die Hand auf den Mund und küsste sie stürmisch.

Sie stöhnte ein: ‚Rudger!‘ hervor. Er trennte sich von ihrem Mund und wischte ihr die Tränen vom Gesicht.

Mit dem Helm in der Hand trat der Herzog vors Zelt. Er schluckte noch den letzten Bissen herunter. Sein Weib wollte ihn nicht ohne etwas im Magen gehen lassen. Er hätte wohl besser nichts essen sollen, ihm war mehr als flau im Magen, aber er wollte auch nicht sein karges Mahl vor seine halbverhungerten Gefolgsleute speien.

Seine Frau kam aus dem Zelt und hinter ihr begannen die Diener das Zelt auszuräumen und abzubauen. Der Tross hatte schon auf gesattelt und die Wagen waren gepackt. Er konnte die Schritte seiner Frau hinter sich hören, als er bei seinem Pferd angekommen war. Sie nahm ihm den Helm aus der Hand und er stieg auf. Als sie ihm den Helm zurückgab, berührten sich ihre Hände einen kurzen Moment. Als sie sich wieder von ihm trennen wollte, packte er ihre Hand und beugte sich zu ihr hinunter, um ihre Hand zu küssen. Es war ihm so, als würde ihm das Herz stehen bleiben. Er hatte nicht bemerkt, dass sie ihm etwas in die Satteltasche gesteckt hatte. Ihre Blicke trafen sich für einen kurzen Moment und er konnte in ihren verschwommenen Augen das Feuer der letzten Nacht verlöschen sehen. Erschöpft lies er ihre Hand los und sie ging langsam zu ihrem Pferd, dass ihre Leibmagd für sie bereit hielt. Er schluckte schwer und sprach laut: ‚Dann wollen wir dem Stier nicht nur den Kopf abschlagen, auf dass der Hahn heute der Einzige in unseren Reihen sei, der sein Leben lassen musste.‘

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