Ein Knopf kommt selten allein… Teil 45

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 45

Als Wolle erneut wach wurde, stand das Frühstück bereits auf dem Tischchen. Der Kaffee war kalt und er musste den Würgereiz unterdrücken. Er stand auf und tappte aufs Klo. Er hörte die Tür. Die Schwester schien wohl das Frühstück abräumen zu wollen. Eigentlich wollte er duschen, er konnte aber kein Handtuch finden. Obwohl er bis auf seine Shorts schon nichts mehr an hatte, tappte er wieder zur Tür und riskierte einen Blick durch die Tür.

‘Gibt es hier eigentlich keine Handtücher?’ grummelte Wolle.

‘Doch sorry, ich wollte sie eben auffüllen, seit dem der Bulle vor der Tür sitzt, kommen nicht mal die Putzfrauen hier rein!’ meinte Schwester Emma.

Wolle ging wieder zurück zur Dusche und in dem Moment als er sich seiner Shorts entledigte, stand Schwester Emma mit einem Stapel Handtücher in der Tür.

Als er wieder aus der Dusche kam, stand die Schwester immer noch in der Tür und starrte wie gebannt auf ihn. Er grinste sie nur an und hielt ihr eine Hand hin.

Sie stand wie zu einer Salzsäule erstarrt in der Tür und blickte auf seinen nackten und ziemlich nassen Körper. Er zog nur eine Augenbraue rauf und meinte dann: ‘Kann ich zwei Handtücher haben?’

Wie von einem Schlag getroffen machte sie einen Satz auf ihn zu und versuchte ihm zwei der vier Handtücher in die feuchten Hände zu drücken, dabei fielen ihr die anderen beiden Handtücher aus der Hand, worauf sie beide sich reflexartig danach bückten und dabei kamen sie sich unabsichtlich ziemlich nahe. Und zu allem Überfluss, kam sie auf dem nassen Boden auch noch ins Straucheln, worauf er sie halb auffangen musste, damit sie nicht beide auf den Boden knallten. Daraufhin versuchte er sich mit ihr und allen vier Handtüchern zusammen wieder aufzurappeln. Als sie beide wieder sicher auf den eigenen Beinen standen, hatte Wolle die vier Handtücher in der Hand und war immer noch nackt und ihr war mittlerweile die Schamesröte zu Kopf gestiegen.

‘Ich hab keine Ahnung was Sie mit mir machen?’ meinte Wolle und drückte ihr drei Handtücher wieder in die Hand. Sie blickte ihn so unschuldig wie möglich an, während die Schamesröte sie sichtlich ins Schwitzen brachte.

‘Sie machen mich ganz nervös!’ flüsterte Wolle und schlang sich dann sehr hastig das verbliebene Handtuch um die Hüften. Es regte sich etwas, was sich eigentlich nicht regen sollte, deshalb meinte er kleinlaut: ‘Und Frauen bringen mich eigentlich nicht derart aus der Fassung.’

Nun zog sie eine Augenbraue hoch, als sie die Bewegung unter seinem Handtuch wahrnahm. Er nahm sich ein weiteres Handtuch und wickelte seine zerzausten Haare hinein, dabei drehte er ihr den Rücken zu, in der Hoffnung, dass es für ihn nicht noch peinlicher werden würde. Aber nachdem sein Schwanz da anderer Meinung war, sagte er ganz ruhig: ‘Mir passiert sowas eigentlich nur bei Männern!’

Sie stammelte und musste sich ein Lächeln verkneifen: ‘Ähm, ja. Sorry. Ich kann das vielleicht aufklären.’

‘Sagen Sie jetzt nicht, dass Sie was in den Kaffee getan haben!’

‘Sie haben Ihren Kaffee doch überhaupt noch gar nicht angerührt.’ rief sie empört, grinste dann unsicher, begann mit einen Fuß am Boden zu scharren.

Wolle blickte nochmal nach unten, es hatte keinen Zweck sich verstecken zu wollen, also drehte er sich langsam wieder zu ihr rum.

Sie konnte den Blick nicht von dem Handtuch trennen und begann zu stammeln. ‘Tommi hat mich gestern ja eh entlarvt…!’

‘Wie entlarvt, was?’ rief er und blickte wieder nach unten. Sein Schwanz war immer noch freudig erregt und nichts was sie sagte, schien ihn davon abzuhalten, noch weiter anzuschwellen.

‘Ich bin keine richtige Krankenschwester.’ beichtete sie.

Er schüttelte den Kopf und ging an ihr vorbei zum Waschbecken, er beschloss irgendwas Normales zu tun. Zähne putzen war eine tolle Idee.

‘Ich heiße auch nicht Emma! Tommi hat das schon sehr richtig erkannt, dass auf meinem Krankenhausausweis, der Name nicht stimmt.’ meinte sie und setzte sich neben dem Waschbecken auf die Ablage. Sie zog die Perücke vom Kopf.

Er musste sie einfach nur anstarren. Unter der Perücke kam etwas völlig anderes hervor. Sie hatte ihre scheinbar in allen Farben gefärbten Haare hochgesteckt, damit die ziemlich gut gemachte Perücke kaum auffiel. Dann öffnete sie ihr Halstuch und es kam eine frische Narbe hervor. Wolle schien immer noch nicht zu kapieren.

‘Ich wurde als Emil geboren!’

Er blickte sie ungläubig an, also packte sie seine Hand und schob sie unter ihren Rock. Die halterlosen Strümpfe irritierten ihn ziemlich. Dafür dass sie unter ihrem Rock und in einem engen Miederhöschen einen prächtigen Schwanz versteckt hatte, brauchte er noch ziemlich lange, bis er endlich begriff. Ihm fiel die Zahnbürste aus der anderen Hand, bevor er ‘Emil!’ stottern konnte.

‘Emma wäre mir tatsächlich lieber!’ flüsterte sie.

‘Emma, ich darf doch…!’ Er wischte sich den Schaum der Zahnpasta aus dem Gesicht, wartete ein Nicken ihrerseits ab und hob dann vorsichtig das Röckchen hoch um einen Blick zu riskieren. Seine andere Hand lag ruhig auf ihrem Oberschenkel, als er unter ihren Rock blickte. Er glitt mit dem Daumen über das Miederhöschen und spürte ihren Schwanz, der schier pulsierte, da er vom Höschen etwas eingequetscht war. Sachte glitt er dann unter das Höschen. Es schien alles ziemlich echt zu sein und nachdem er dabei auf ihre Brüste starrte, zog er seine Hand zurück und schüttelte den Kopf. Er keuchte: ‘Ich brauch noch einen Moment!’

‘Okay!’ meinte sie und schob den Rock wieder über den Spitzenrand der Strümpfe.

Er blickte sie eine Weile an und kam ihr dann etwas näher. Sie lächelte unsicher.

‘Wo warst du nur die ganze Zeit?’

Sie blickte ihn nur fragend an.

Er blickte auf seinen Schwanz, der immer noch stand. ‘Er scheint anscheinend auf dich gewartet zu haben.’

Er kam ihr noch näher, packte sie am Nacken und rieb seinen Bart an ihrem Hals entlang, bis er mit seinen Lippen auf ihre Lippen zusteuerte.

Sie wand sich aus seinem Griff und küsste ihn hastig auf die Wange. ‘Nicht so hastig, im Grunde kenn ich Sie doch gar nicht!’

Er muss sie wohl verstört angeblickt haben, weil sie dann bis über beide Ohren grinste, um ihm dann einen Kuss auf den Mund aufzudrücken.

 

Fortsetzung folgt…

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 44

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 44

Tommi las Hermine aus dem Faust vor und Hermine entspannte sich langsam. Schwester Emma kam wieder und Hermine bemerkte erst ihre Anwesenheit, als Tommi zu lesen aufhörte.

‘Also ihr Herr Vater hatte einen kleinen Herzinfarkt und morgen wird er schon auf diese Station verlegt, dann können Sie ihn besuchen. Herr Wolle bringt noch ihre Mutter nach Hause und kommt dann wieder.’ berichtete sie, lächelte Hermine bezaubert an und fragte dann: ‘Braucht ihr noch was?’

Tommi schüttelte den Kopf.

Wolle kam erst wieder, als es bereits dunkel geworden war. Tommi lag wie ein Toter im Bett, in einer Hand den Goethe und im anderen Arm Hermine.

Sie wurde sofort wach, als Wolle sich erschöpft in den Stuhl fallen ließ. Er fing sofort an zu flüstern: ‘Der Prof. Borgolte ist guter Dinge!’ Doch seine erschöpfte Miene sagte ihr etwas anderes. ‘Ach und der Kimmelmann hat mir noch was für euch mitgegeben.’

Er zog ein echt hässliches Stoffschwein aus einer Tasche und grinste grenzdebil: ‘Die Giraffe ist noch nicht trocken und den Dackel haben wir nicht in die Tasche bekommen.’

Sie musste dennoch lächeln und nahm den neuen Mitbewohner entgegen.

In der Nacht kam Schwester Emma noch einmal, um nach den Rechten zu sehen. Sie nahm Tommi den Goethe ab und legte ihn umgedreht auf das Nachtkästchen. Sie kontrollierte die Zugänge und zog die Decken zurecht. Erst als sie Hermine liebevoll über den Kopf strich, würde ihr gewahr, dass Wolle sie beobachtete.

Sie lächelte ihn an, ging zum Schrank und holte eine Wolldecke und ein Kissen heraus, um es im nächsten Moment Wolle in die Hand zu drücken.

Er blickte sie entgeistert an, bis ihre Lippen: ‘Schlafen Sie gut, Herr Wolle!’ formten.

Ohne eine Erwiderung seinerseits abzuwarten, schwebte sie wieder aus dem Zimmer. Später war er sich nicht mehr sicher, ob das Wirklichkeit oder nur ein mysteriöser Traum war.

Erst als Wolle nach Stunden wieder wach wurde, die Decke fest an den Körper gepresst, war es ihm endgültig klar, dass ihn Schwester Emma doch besucht haben musste. Mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen schlief er wieder ein, obwohl es schon helllichter Tag sein musste.

Fortsetzung folgt…

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 43

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 43

OLYMPUS DIGITAL CAMERANach dem Zähneputzen kam diese Schwester wieder und brachte wieder einen Plastikbeutel in dem seine Klamotten waren und eine ominösen braunen Papiertüte.
‘Schöne Grüße vom Dr. Dalek soll ich ausrichten!’ meinte sie und drückte Tommi die Papiertüte in die Hand und Mi nahm ihr den Plastikbeutel ab.
‘Wir müssen darauf bestehen, dass Sie das Krankenhaushemdchen anlassen, wegen dem EKG. Aber die Shorts und Socken sind schon okay.’
Wolle kam aus dem Bad und packte hastig sein Handy in die Hosentasche. Schwester Emma meinte, ohne sich nach ihm umzudrehen: ‘Haben Sie etwa telefoniert?’
‘Es war ein Notfall!’ stammelte Wolle, er war ganz schön blass um die Nase.
Sie drehte sich um und grinste ihn ungläubig an: ‘Sie werden es kaum glauben, es ist immer ein Notfall!’
‘Ernsthaft, Vater hat sich arg aufregen müssen…’ flüsterte Wolle und ließ sich auf einen der Stühle fallen.
Mi ließ den Plastikbeutel fallen und musste sich erstmal setzen, bevor sie stammelnd fragte: ‘Was ist passiert?’
‘Mama steht draußen und raucht und Papa ist wohl grad auf die Intensivstation gebracht worden!’
Schwester Emma hob die Plastiktüte auf und versuchte ihn zu beruhigen: ‘Wenn Sie wollen kann ich bei meinen Kollegen nachfragen und Sie Herr Immerlinger gehen zu ihrer Mutter.’

Wolle blickte sie entgeistert an und begann dann zu stammeln: ‘Ich bin Wolle, der Herr Immerlinger ist mein Vater…’ seine Stimme brach und er musste schwer schlucken.

‘Los, gehen Sie schon, Herr Wolle. Ich werde Sie nachher schon wieder herein schmuggeln.’ rief Schwester Emma, drehte sich im selben Atemzug zu Hermine um, die weiß wie eine Wand auf dem Bett saß und mit den Tränen kämpfte.
‘Frl. Hermine, Sie müssen darauf aufpassen, dass Tommi nichts Dummes mit dem Goethe anstellt.’
Wie aufs Stichwort zog Tommi Goethes Faust aus der Papiertüte.
‘Ich schick dir gleich ne Whatsapp, wenn ich Mutter gefunden hab. Versprochen!’ rief Wolle erschreckend selbstsicher. Wolle blickte Mi an und sie nickte geistesabwesend.

‘Und wir treffen uns dann wieder hier. Wenn Sie der Bulle vor der Tür nicht wieder rein lässt, eben vor der Tür.’ rief Schwester Emma und machte Anstalten aufbrechen zu wollen und fuhr dann fort: ‘Wir machen es am besten wie bei Star Wars. Sie sind C3PO und ich bin R2D2 und habe einen Schaltkreiskollaps!’

Wolle musste lächeln.
‘Oh war das ein Lächeln.’ flüsterte sie und lächelte unwiderstehlich.
Er schluckte einen gewaltigen Klos in seinem Hals hinunter und versuchte nochmal zu lächeln, nur da es ihm diesmal nur bedingt gelang. Dann täuschte sie einen Schwächeanfall vor und Wolle brachte sie vor die Tür.
Draußen vor der Tür konnte man einen Pfleger hören: ‘Mensch Borgolte! Ist es schon wieder Unterzucker, wann gehst du endlich mal zum Arzt.’

Fortsetzung folgt…

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 42

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 42

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEin Pfeifen von hinten erschreckte die Schwester fast mehr als Tommi. Hermine grinste ihn saublöd an und dann hustete sie: ‘Sexy!’

‘Sie helfen ihm beim Zähne putzen und ich schau mal wo die Klamotten bleiben!’ meinte die Schwester und schon ging die Tür auf.

‘Guten Morgen, mein Schatz!’ meinte ein älterer Herr. ‘Ist das die Urinprobe?’

Die Schwester nickte nur.

‘Ach sei so gut und bring sie gleich ins Labor. Ich will ein volles Drogenscreening haben!’

Schwester Emma ging und Hermine und Tommi blickten den älteren Herren fragend an: ‘Meine Enkeltochter haben Sie ja schon kennengelernt. Ich bin Prof. Dr. Severin Borgolte und ich soll Sie schön von Dr. Dalek grüßen.’ Dann zog er eine Plastiktüte aus seiner Kitteltasche. ‘Ich hab das Tagebuch sicher aufbewahrt und nun bringe ich es zurück. Ich konnte kein Wort lesen!’

Hermine half Tommi dabei sich wieder hinzulegen und ging dann die Zahnbürste holen.

Tommi atmete schwer und versuchte sich nicht anmerken zu lassen, dass er Schmerzen hatte.

‘Brauchen Sie was gegen die Schmerzen?’ fragte Prof. Borgolte.

Tommi biss die Zähne zusammen und schüttelte den Kopf.

‘Es ist keine Schande Schmerzen zu haben, junger Mann!’

‘Da läuft mir schon zu viel durch!’ flüsterte Tommi.

‘Naja, es wird darauf rauslaufen, dass wenn es Ihnen wieder besser geht, wir Sie langsam von allem entwöhnen müssen. Aber jetzt ist es erstmal wichtig, den Stresslevel möglichst niedrig zu halten. Und zu starke Schmerzen können Sie in den nächsten Anfall befördern und das wäre eher ungut.’

‘Wie ungut?’

‘Ich will es nicht beschönigen, ich bin mir nicht sicher, ob Ihr Herz in nächster Zeit noch so einen heftigen Anfall packt. Ich muss Ihnen ja nicht sagen, dass einzig und allein der beherzte Einsatz Ihrer Medikamente unter Ihrer Zunge Ihnen im Endeffekt das Leben gerettet haben.’

‘Oh, ich glaub, das war ich!’ meinte Hermine, die vom Bad her kam mit einem Zahnputzbecher und einem Handtuch in den Händen.

‘Ja, junge Dame! Sehr gute Arbeit! Haben Sie schon mal über einen Beruf im medizinischen Bereich nachgedacht?’

‘Ich hab schon nen Job. Ich mach ne Ausbildung im landwirtschaftlichen Bereich und dann die Ausbildung zum Bereiter, wenn ich mit der Schule fertig bin. Und ich hab mir überlegt Erlebnispädagogik zu studieren, abends vielleicht.‘

Tommi grinste Mi an, während sich Prof. Borgolte an die Bettkante setzte, um weiter mit Tommi zu reden: ‘Also Tommi, nachdem Dr. Dalek mir quasi die Pistole auf die Brust gesetzt hat, dass ich mich darum kümmern soll, dass nicht noch mehr Ungerechtigkeiten mit Ihnen passieren, kann ich Ihnen ein Angebot machen, dass ich Sie so lange hier behalte, bis Ihr Anwalt die Sache mit dem Jugendamt geklärt hat. Und wenn alle Stricke reißen, schicken wir Sie sehr sehr lange auf Entzug, auf eine Alm zum Beispiel. Irgendwann werden Sie schon 18 werden.’ Er zog eine Spritze auf und ließ den Inhalt langsam in den Tropf laufen.

‘Und was ist, wenn sich das ganz schnell aufklärt?’ fragte Tommi.

‘Dann gipsen wir Sie neu ein und machen ein Belastungs-EKG und wenn das gut aussieht, dann können Sie heim!’ meinte der Professor und hielt ihm die Hand hin.

‘Damit kann ich leben!’ meinte Tommi und schlug ein.

Der Piepser am Gürtel des Professors ging los.

‚So, junger Mann. Lassen Sie sich schön pflegen, ich komm später nochmal vorbei. Unser Dr. Dalek hat noch eine Überraschung für Sie.’

Fortsetzung folgt… vielleicht!

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 41

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 41

OLYMPUS DIGITAL CAMERAHermine war bereits wach, als Tommi sich regte. Wolle hatte ihr gerade sein Handy hingehalten und sie musste grinsen.

Sie flüsterte so leise, dass Wolle Mühe hatte sie zu verstehen. ‘Schreib ihr, ich vermiss sie.’

‘Guten Morgen, Jenny!’ meinte Tommi und gähnte dann.

‘Schreib ihr auch noch liebe Grüße vom Schlossherrn!’ grinste Hermine und drehte sich zu Tommi um.

‘Guten Morgen, Tommi. Ihr habt mehr als 12 Stunden geschlafen, es ist bereits Samstag.’ meinte Wolle. ‘Der Chefarzt war schon zweimal da und diese Schwester!’

‘Diese Schwester?’ fragte Hermine ungläubig.

‘Ja, Schwester… Ähm! Der Dr. Dalek hat da was gedreht!’

‘Dr. Dalek ist auch da?’ fragte nun Tommi.

‘Ja, der Heimatverein macht einen Sitzstreik vor dem Krankenhaus!’

‘Nicht dein Ernst!’ rief Hermine und Tommi zugleich.

Wolle goss ein Glas Tee ein und hielt es Tommi hin.

‘Ich kann nicht noch mehr trinken!’ krächzte Tommi.

Wolle hielt beleidigt das Glas mit dem Tee fest in beiden Händen und versuchte den grässlichen Tee zu verteidigen: ‘Ja, er schmeckt grausam, aber ihr sollt viel trinken!’

Das ließ sich Hermine nicht zweimal sagen und nahm ihm das Glas aus der Hand und leerte es auf einen Zug. Dann drückte sie ihm das Glas wieder in die Hand und versuchte aufzustehen.

‘Ich muss pissen!’ krächzte sie, kam zum Stehen und wankte langsam zum Badezimmer.

‘Dito!’ kam von Tommi.

‘Tommi, mein Freund. Ich halt dir gerne die Flasche, aber wenn du mich anpinkelst, dann sind wir geschiedene Leute.’ meinte Wolle und Tommi musste lachen, was aber noch mehr weh tat, als husten.

Die Schwester stand in der Tür und trällerte: ‘Da komm ich wohl genau aufs Stichwort.’ Sie hatte eine Urinflasche in der Hand. ‘Wir brauchen eh eine Urinprobe!’

Im Badezimmer krachte es und Wolle war ganz hin und her gerissen.

‘Ist ihre Schwester grad im Bad? Ich hab Einmalzahnbürsten und so mitgebracht, dieser Hausmeister lässt mit euren Sachen auf sich warten.’

Wolle stand auf und grinste Tommi an, bevor er sich zu der Schwester umdrehte.

‘Schwester…Ähm!’ stammelte er wieder.

‘Emma…. Schwester Emma!’ erklärte sie ihm und drückte ihm einen Plastikbeutel mit Zahnbürsten und Zahncremeproben in die Hand.

Wieder krachte es im Bad. Wolle nahm den Beutel an sich und stürzte zur Badtür. ‘Mi, alles klar bei dir? Ich hab ein paar Zahnbürsten!’

‘So, Herr Müller…!’ hörte er die Schwester noch zu Tommi sagen, bevor er im Bad verschwand.

‘… dann mal los.’ kicherte sie und ging ums Bett herum.

Tommi hatte sie regelrecht im Visier und meinte dann in seiner üblichen Art des Klugscheißens: ‘Also Lady, ich weiß nicht, wer Sie hier rein gelassen hat, aber ne Krankenschwester sind Sie ja mal nich! Aber von der Presse sind Sie auch nicht, dafür sind Sie zu nuttig angezogen!’

Sie kam ins Stammeln und musste sich erstmal an den Bettrand setzen.

‘Aber nachdem ich ernsthaft dringend pinkeln muss, würde ich es bevorzugen, dass Sie mir aufhelfen! Machen Sie sich keine Sorge. Ihr Geheimnis ist bei mir sicher!’ meinte Tommi gelassen und griff sich an den Hals und brachte sie dazu, dass sie ihr Halstuch zu Recht rückte.

‘Dr. Dalek hatte schon gemeint, dass Sie ein ganz außergewöhnlicher Fall sind, aber ich dachte, ich könnte mich noch vorstellen, bevor Sie mich bloßstellen!’ berichtete sie und schob dann auch noch ihre Perücke zurecht.

‘Emma ist auch nicht ihr richtiger Name! Auf ihrem Ausweis steht Emil Borgolte, Psychiatrie!’ meinte Tommi und machte Anstalten aus dem Bett aufstehen zu wollen.

‘Verdammt!’ fluchte sie und schob ihren Ausweis in den Rocksaum zurück. ‘Ich hab mir echt so viel Mühe gegeben.’

Tommi versuchte sich aufzusetzen, doch der Schwindel und die Tatsache, dass er nichts außer das Krankenhaushemdchen anzuhaben schien, zwang ihn dazu sich wieder hinzulegen.

‘Ich hätte jetzt eigentlich gerne mehr an!’ murmelte er mehr in sich hinein, als zu ihr.

Sie drückte ihm die Pinkelflasche in die Hand und meinte: ‘Es wird im Sitzen gehen müssen und ich ruf in der Wäscherei an, ob ihre Klamotten schon wieder trocken sind!’

‘Oh verdammt, hab ich mir arg viel Schande gemacht?’

‘Ich war bei der Einlieferung nicht dabei. Ihre Sachen wurden gewaschen, war ne Menge Blut denk ich!’ mutmaßte sie, blickte ihn an und fuhr fort: ‘Sie schaun ein Bisschen so aus, als wären Sie durch eine Scheibe gelaufen!’

‘Genau so fühl ich mich auch!’ meinte Tommi und machte einen erneuten Versuch sich wieder aufsetzen zu wollen.

Sie stützte ihn am Rücken, betätigte die Fernbedienung fürs Bett und fragte: ‘War es nur das Namensschild?’

‘Das Namensschild war nur der Beweis für meine Vermutung.’

‘Und für die Vermutung haben Sie 10 Sekunden gebraucht!’

‘Eher 20 Sekunden, um festzustellen, dass Wolle es noch nicht checkt, dass er sich in Sie verschaut hat!’

Sie musste lächeln und lief unter ihrem Make-up rot an.

‘Ich kann eigentlich nicht, wenn mir einer dabei zusieht.’

‘Ich schau weg und Sie sagen ihm bitte nichts!’ flüsterte sie.

Tommi schlug den Krankenhauskittel ein wenig auf die Seite und versuchte zu zielen, während er mit der Gipshand versuchte die Flasche zu halten.

‘Machen Sie die Flasche nicht ganz voll!’ kicherte sie wieder.

‘Sie haben ja doch geschaut!’ flüsterte Tommi, als er fertig war. Sie nahm ihm die Flasche ab und drückte ihm einen Waschlappen in die Hand.

‘Sehr aufmerksam, Schwester Emma!’ meinte Tommi und grinste sie an: ‘Gratulieren Sie ihrem Arzt für die gute Arbeit, die Narbe am Hals kann man kaum sehen und wenn ich das Sagen darf, Ihre Möpse sind fast zu perfekt.’

Sie schüttelte nur den Kopf und brachte die Urinflasche in Sicherheit, fragte dann aber doch:  ‘War das ein Kompliment?’

‘Ein Anerkennendes!’ grinste Tommi. ‘Kann ich dann auch meine Zähne putzen?’

Fortsetzung folgt…

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 40

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 40

OLYMPUS DIGITAL CAMERATommi wurde erst wieder wach, als Hermine ziemlich laut keuchend erwachte. Er riss die Augen auf und griff sich zugleich an die Brust.

Sein Herz wummerte in seiner Brust. Sie blickte ihn mit riesigen Augen erschrocken an, bis sich ihre Augen langsam mit Tränen füllten. Er konnte gar nichts sagen, weil er mit atmen und den damit verbundenen Schmerzen beschäftigt war.

‘Du Arsch, mach sowas nie wieder!’ pflaumte sie ihn an, bevor sie einfach nur zu weinen begann.

Davon wurde Wolle wach. Er gähnte nur: ‘Nicht aufregen, ganz ruhig!’

Tommi blickte erst Wolle an und dann Hermine, er wusste gar nicht was los war. Er versuchte etwas zu sagen, doch er brachte keinen Ton heraus. Es blieb ihm nichts anderes übrig als die Hände nach ihr auszustrecken, die umgehend zu zittern begannen. Hermine starrte auf seine Hände und als ein verkrampftes Zucken durch seinen Körper schoss, blieb ihr fast das Herz stehen und sie heulte noch mehr. Tommi konnte die Hände nicht mehr oben halten, die gebrochene Hand tat ihm so weh, dass es ihm schier die Luft abschnürte und ihm die Kraft fehlte die andere Hand noch weiter auszustrecken. Erst als seine Hände schon fast wieder die Bettdecke berührten, gab Hermine sich einen Ruck. Sie packte seine Hände, rutschte näher und versuchte ihn zu umarmen. Allein die Berührung seiner verletzten Hand trieb ihm die Tränen in seine Augen.

‘Nicht so stürmisch, Mi!’ meinte Wolle noch. Doch sie drückte sich fest an Tommi, dem erstmal nur die Luft wegblieb. Erst als ein ersticktes Stöhnen aus Tommis Kehle stolperte, lockerte sie ihren Griff.

Dann flüsterte sie ihm ins Ohr: ‘Du hast gesagt, dass dein Herz mir gehört….!’

Er hatte keinen übrigen Atem, um darauf etwas zu erwidern, was vielleicht auch besser war. Sie fuhr etwas lauter fort: ‘Und dann bleibt es einfach stehen!’

‘Ich glaube nicht, dass er es mit Absicht gemacht hat, Hermine!’ klugscheißerte nun Wolle, weil er schon merkte, dass Tommi ziemlich sprachlos war.

‘Mi, ich hab das nicht…!’ keuchte Tommi endlich und der darauf folgende Hustenanfall, brachte ihn an den Rand der Besinnungslosigkeit. Hermine heulte einfach weiter.

Wolle war schon ein bisschen genervt davon, dass die beiden sich gegenseitig aufstachelten und sprach ein Machtwort: ‘So, ihr beiden beruhigt euch bitte. Vor allem du Hermine. Er hat kaum die Luft zum Atmen und was soll er dir überhaupt antworten. Er hatte nicht mit Absicht einen Herzstillstand. Und damit das nicht wieder passiert, soll er sich nicht aufregen und du sollst dich auch nicht aufregen. Am Besten legt ihr euch nochmal hin und versucht zu schlafen.’

Er ging ums Bett herum und half Tommi dabei, ein wenig zur Seite zu rutschen. Er drückte ihm ein Glas mit Tee in die Hand und achtete sorgsam darauf, dass er es leer trank. Dann ging er wieder zurück zu seiner Schwester, gab ihr ebenfalls etwas zu trinken und half ihr dann, sich neben Tommi zu legen. So lagen sie beide wie bestellt und nicht abgeholt im Bett, Schulter an Schulter.

‘Ihr hättet mehr Platz, wenn einer von euch den Arm heben würde!’ grinste Wolle, worauf beide den jeweils zum Ende des Bettes befindlichen Arm hoben.

‘Euch ist echt nicht zu helfen.’ meinte Wolle kopfschüttelnd.

Tommi hob unter Schmerzen den anderen Arm und Hermine versuchte sich so vorsichtig wie möglich in seinen Arm zu legen. Wolle deckte beide zu und atmete sichtlich auf.

Tommi lehnte sich gegen ihren Kopf und flüsterte in ihr Haar. ‘Ich bin froh, dass du mich von der Schippe gezogen hast. Ich hatte es nicht mehr in der Hand.’

‘Der Anwalt hat die meiste Arbeit gemacht!’ flüsterte sie. Doch Tommi schüttelte fast unmerklich seinen Kopf, küsste ihr Haar und schlief bald ein.

Fortsetzung folgt…

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 39

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 39

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Tommi wurde wach. Er fühlte sich erst wie gelähmt. Ein Piepsen drang an sein Ohr und dann erst kam der Schmerz, der ihm gleich die Luft abschnürte.

Panisch versuchte er Luft in seine Lungen zu pumpen und der darauffolgende Schmerz ließ seine Sinne fast wieder schwinden. Tränen schossen ihm er in und dann aus den Augen. Er hatte panische Angst zu ersticken. In seinem Kopf summte es, das Pfeifen klang gedämpft, er war sich nicht sicher ob das nervige Geräusch in seinem Kopf war, oder von den Maschinen kam, die neben dem Bett standen.

Ein beruhigendes Schnurren holte ihn für einen Moment wieder zurück. Durch die Tränen in seinen Augen erkannte er Wolle, der ihn sorgenvoll beäugte. Tommi presste die Augen zusammen und Wolle trocknete das Wasser aus seinen geschlossenen Augen.

Wolle zischte ihm zu: ‘Versuch flach zu atmen, du hast ne angeknackste Rippe!’

Flach atmen, war ein guter Rat, aber in seiner Unruhe wollte Tommi am Liebsten aus dem Bett springen, doch der Schmerz in seiner Brust hinderte ihn daran. Tommi versuchte sich aufzusetzen und Wolle half ihm dabei, in dem er auf einen Knopf drückte. Das Kopfende des Bettes hob sich ein wenig und Tommi kam langsam zur Ruhe. Die Schmerzen bei jedem Atemzug waren unbeschreiblich. Wolle hielt ihm ein Glas Wasser hin. Für einen Moment vergaß er den Schmerz und ließ sich von Wolle helfen. Er trank, als würde sein Leben davon abhängen. Erst nachdem Wolle das Glas wieder absetzte, bemerkte Tommi, dass Hermine auf seinen Beinen eingeschlafen war.

‘Schschsch…lass sie erstmal schlafen!’ flüsterte Wolle. ‘Sie ist ganz schön fertig!’

Tommi blickte ihn fragend an. ‘Warum… wegen mir?’

‘Sie haben ihr Beruhigungsmittel gegeben!’ flüsterte Wolle wieder.

Ein erneutes ‘Was!’ blieb ihm im Hals stecken. Er versuchte sie schwer atmend zu erreichen, doch die Schmerzen waren zu groß. Bevor er sich wieder zurücklehnte, stöhnte er nur erstickt: ‘Kannst du sie zudecken?’

‘Ja, klar!’ meinte Wolle und drehte sich nach seinem Stuhl um und zog eine Decke von der Sitzfläche.

‘Wo ist Sonni?’ keuchte Tommi.

‘Sie ist draußen!’ meinte Wolle so beiläufig wie möglich, während er liebevoll seine Schwester zu deckte.

‘Warum ist sie nicht hier?’ krächzte Tommi erstickt.

‘Sie darf nicht rein…’ meinte Wolle kleinlaut und das ‘Reg dich bitte nicht auf!’ wurde von einem: ‘Bitte was?’ übertönt. Tommi begann zu husten. Plötzlich war wieder alles da, was er im Jugendamt nur so am Rande mitbekommen hatte.

‘Ich geh bestimmt nicht ins Heim, ich bin ja nicht behindert!’ presste er schmerzerfüllt heraus.

‘Mach dir keine Sorgen, da draußen und hier drinnen sind ein paar Leute, die das nicht zulassen werden.’ beschwichtigte ihn Wolle.

Tommi griff sich an die Brust und wurde fast wieder ohnmächtig. Wolle blickte auf den Monitor. Es dauerte einen ziemlich langen Moment, bis Tommi wieder da war.

‘Ich fühle mich so, als hätte mir jemand gegen die Brust getreten.’ flüsterte Tommi.

‘So ähnlich muss das auch gewesen sein. Der Anwalt hat dich reanimiert bis die Sanis da waren!’

Tommi schlug die Augen zu und wieder dauerte es einen langen Moment, bis er etwas sagte: ‘Sag mir bitte nicht, dass mir der Anwalt die Zunge in den Hals gesteckt hat!’

‘Nein, das hat Hermine gemacht!’ grinste Wolle.

‘Dann hat er … und Hermine mir das Leben gerettet?’ kam es abgehackt aus Tommis Mund.

‘So kann man es ausdrücken!’ meinte Wolle und legte Tommi die Hand auf den Arm.

‘Ich weiß nicht mal seinen Namen?’ stammelte Tommi mehr zu sich, als zu Wolle.

‘Dr. Heinz Rüdiger Riemenschneider, er steht auch draußen vor der Tür und schreit zu Weilen in sein Telefon!’ berichtete Wolle. ‚Ja und zwischen uns und ihnen sitzt ein Bulle und versucht dass umzusetzen, was diese Verrückte da im Jugendamt los getreten hat.‘

Während Wolle erzählte, schloss Tommi die Augen. Mit seiner rechten Hand versuchte er irgendwie Hermine zu erreichen, doch er musste sich mit einer Haarsträhne begnügen, weiter kam er nicht.

Wolle redete ohne eine Pause zu machen weiter: ‘Dein Gips ist kaputt gegangen, als du damit den Stuhl im Jugendamt zerstört hast.’

Tommi öffnete nochmal die Augen und blickte auf den Gips, der notdürftig mit ein paar Mullbinden umwickelt worden ist. ‘Ich kann mich nur erinnern, dass ich umgefallen bin.’ faselte Tommi wieder mehr zu sich.

‘Ja und die Splitter von dem Stuhl haben dir dein hübsches Gesicht ein wenig demoliert.’ fuhr Wolle unablässig fort.

Tommi blickte ihn direkt an und unterbrach seinen Redeschwall: ‘Das bin ich gewohnt, mir passiert öfter mal was, wenn ich aus dem Bett falle, aber das mein Herz stehen bleibt ist neu!’

‘Die pumpen dir ziemlich viel Zeuch in dein System, dass das erstmal nicht mehr passiert, aber aufregen solltest du dich halt nicht!’ versuchte Wolle Tommi zu beschwichtigen.

Tommi nickte und schloss die Augen. Wolle redete weiter, doch Tommi bekam schon längst nicht mehr alles mit.

Fortsetzung folgt…. eventuell!

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 38

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 38

OLYMPUS DIGITAL CAMERAIm Krankenhaus war es still auf den Gängen. Die Besuchszeit war eigentlich schon vorbei. Auf einer Bank lag Sonja mit dem Kopf auf dem Schoß vom Kimmelmann und schien zu schlafen. Der Kimmelmann starrte Löcher in die Luft, während der Anwalt auf dem Gang auf und ab lief und wie ein Wahnsinniger auf seinem Handy herum tippte. Vor einem Krankenzimmer saß ein Polizist und in dem Zimmer hätte man ein stetiges Piepsen hören können, wenn man nur hineingelassen werden würde. Nur das Krankenhauspersonal durfte noch hinein.

Im Krankenzimmer dominierte das Piepsen das betretene Schweigen. So gleichmäßig wie der Herzschlag auf einem Bildschirm angezeigt wurde, lief auch die Flüssigkeit durch mehrere Schläuche. Kabel führten zu dem Bett in dem Tommi lag. Hermine lag halb auf seinen Beinen und sie schlief wohl ebenfalls. Und in einem Stuhl neben dem Bett saß Wolle, der seinerseits sehr gelangweilt auf seinem Handy herum tippte.

Draußen vor der Tür wurde getuschelt, er konnte aber kein Wort verstehen, bis eine Schwester herein kam und genervt den Kopf schüttelte. Die Wortfetzen, die er verstehen konnte, waren resignierte Beschimpfungen vom Anwalt, der scheinbar vor der Tür telefonierte.

Die Schwester war schon sichtlich genervt und blickte nun noch genervter auf Wolle, der immer noch sein Handy in der Hand hatte.

Wolle blickte unschuldig auf sein Handy und formte mit den Lippen das Wort: ‘Flugmodus!’

Die Schwester lächelte ihn an, griff dann in ihre Bluse und zog scheinbar einen Zettel aus ihrem BH.

‘W-Lan ist okay!’ flüsterte sie.

Er blickte sie verdutzt mit offen stehenden Mund an und nahm wie ferngesteuert den Zettel entgegen, den sie ihm immer noch lächelnd hinhielt. Darauf stand das W-Lan-Passwort des Krankenhauses. Es brauchte einen Moment bis er sich wieder so halbwegs im Griff hatte. Während er abwechslungsweise auf den Zettel und auf die Schwester starrte, versuchte er etwas zu sagen. Mehr als Gestammel kam erst mal nicht aus seinem Mund, bis er sich räusperte: ‘Können Sie der Frau Weiß-Müller da draußen meine Nummer geben und ihr sagen, dass sie mir ne Whatsapp schicken soll. Sie macht sich bestimmt schon Sorgen um…!’

Sie machte eine Handbewegung, die ihn dazu brachte den Zettel umzudrehen. Dort stand Sonja und eine Nummer.

‘Sie sind ein Schatz, Schwester …ähm!’ stammelte Wolle und starrte wieder auf ihre Bluse, doch da war kein Namensschild.

‘Danken Sie dem Dr. Dalek, der hat das eingefädelt!’ grinste sie nur und meinte dann. ‘Ich bring euch gleich was zu Essen und Kaffee, ach und dieser Hausmeister wollte eigentlich bei euch zu Hause ein paar Sachen für euch holen…!’

Wolle saß immer noch mit offenen Mund da und blickte ihr dann schließlich hinterher, als sie wieder aus dem Zimmer schritt, ohne dass auch nur ein weiteres Wort über seine Lippen gekommen wäre.

Erst nach einigen Minuten tippte er die Nummer von Sonja in sein Handy und wählte sich in das W-Lan des Krankenhauses ein. Er schickte Sonja eine Nachricht und die nächsten 10 Minuten war er damit beschäftigt sie auf den neusten Stand zu bringen.

Sonja war aufgewacht, als der Anwalt zu fluchen begonnen hatte und war dann ganz erstaunt von Wolle eine Mitteilung zu bekommen. Auf die Frage, was der Dr. Dalek mit der Krankenschwester zu tun hatte, konnte Sonja auch nicht antworten. Aber der Heimatverein schien gerade einen Sitzstreik vor dem Krankenhaus zu veranstalten.

Schlussendlich schickte Sonja den Kimmelmann nach Hause um ein Paar Dinge zu holen.

Fortsetzung folgt…. vielleicht ganz bestimmt!

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 37

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 37

OLYMPUS DIGITAL CAMERADas Jugendamt war in einem alten modrigen Gebäude untergebracht. Hermine war zuerst dran und Tommi musste warten. Er saß in einem langen Gang und versuchte sich zu beschäftigen, bis eine Angestellte auf ihn zu kam.

‘Thomas Müller? Komm doch schon mal mit, dein Anwalt ist gleich fertig!’ meinte die Frau in seine Richtung.

Zwischen seinen Ohren nervte ein stetiges Rauschen und als er aufstand brauchte er einen Moment bis der plötzliche Schwindel verging.

Zögernd folgte Tommi der Dame in einen anderen Raum und wunderte sich erst als die Angestellte die Tür hinter ihm schloss. Das Rauschen ging urplötzlich in ein Pfeifen über und er war froh, dass man ihm einen Stuhl zu wies. An einem Schreibtisch saß eine andere Frau, die ihn streng anblickte und einige Papiere auf dem Schreibtisch umher schob, bevor sie ansetzte etwas vorlesen zu wollen.

Tommi unterbrach sie noch bevor ihr das erste Wort aus dem Mund kam: ‘Wollen wir nicht erst auf meinen Anwalt warten?’

‘Der ist bestimmt gleich hier!’ meinte sie streng und fuhr räuspernd fort: ‘Gerichtsbeschluss – Öffentliche Verlesung zum Entzug des Sorgerechts. Frau Sonja Weiß-Müller wird das Sorgerecht für Thomas Müller entzogen…’ Mehr bekam Tommi gar nicht mehr mit. Das Pfeifen zwischen seinen Ohren brachte ihn aus dem Gleichgewicht, so dass er fast vom Stuhl gestürzt wäre. ‘…mit heutigem Tage wird Thomas Müller einer öffentlichen Jugendeinrichtung für beeinträchtigte Jugendliche überstellt…’ Im darauffolgenden Krampfanfall stolperte er vom Stuhl, worauf er vom nächsten Zucken gleich wieder von den Knien gefegt wurde. Er stürzte rücklings auf den Stuhl, der daraufhin zerbrach. Die Angestellte am Schreibtisch las unbeeindruckt weiter, während der anderen Angestellten ein spitzes Kreischen entfuhr.

Jemand stieß die Tür auf. Dumpfe Rufe drangen an Tommis Ohr. Es schien so, als würde jemand angeschrien. Dann wurde er grob gepackt und herum gedreht. Die Hand in seiner Hosentasche irritierte ihn so sehr, dass er für einen Moment ganz klar war. Das Gesicht von Hermine tauchte über dem Seinem auf. Sie zeigte ihm seine Pillendose und hob zwei Finger. Oder waren es doch vier? Schreie überlagerten die Szenerie und er konnte nur noch spüren wie ihm zwei Finger unter die Zunge geschoben wurden. Die nächste Welle des Krampfanfalles riss seinen Verstand wieder aus der Wirklichkeit. Der Geschmack von Blut huschte durch seinen Mund. Er konnte klar und deutlich hören, wie jemand am anderen Ende des Zimmers den Notruf absetzte. Ganz weit entfernt konnte er jemanden neben sich rufen hören. Er wurde gerüttelt. Das Schreien ging in ein Schluchzen über und dann war für einen Moment alles still, es war einfach nur still, eine ganze lange Weile war es einfach nur still, bis ihn ein unbeschreiblicher Schmerz aus der Stille zwang.

Fortsetzung folgt…vielleicht?

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 36

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 36

OLYMPUS DIGITAL CAMERA‘Einen wunderschönen guten Morgen, ihr beiden Turteltäubchen!’ trällerte Sonja, als sie die Vorhänge aufzog und das Fenster aufriss. ‘Der Anwalt kommt in einer viertel Stunde. Das Jugendamt will mit nem Psychologen noch ein paar Fragen mit euch klären!’

Ein ‘Nöh’ kam unter der Decke hervor, während Tommi wie ein Toter im Bett lag, bis er sich mit samt der Decke umdrehte und vor sich hin grunzte.

‘Shotgun und Erste im Bad!’ rief Hermine, stand auf und tappte ins Bad.

‘Tommi schau bitte, dass du in einer viertel Stunde fertig bist.’ meinte Sonja noch, bevor sie wieder raus ging. Tich sprang vom Bett, zerrte unterm Bett die Giraffe hervor und lief mit samt der Giraffe Sonja hinterher.

Als Tommi endlich runter kam, saß Hermine schon am Tisch und grinste ihn breit an, bevor sie sich einen gerollten Pfannkuchen halb in den Mund schob.

‘Darf ich eigentlich mal fragen, was es mit den Pfannkuchen auf sich hat!’ fragte Wolle, der gerade zum Lieferanteneingang hereinkam.

‘Mein Ex-Mann hat angefangen, während einer Diät meinerseits, Ritalin in den Pfannkuchenteig zu kippen, damit sich Tommi immer ganz ruhig verhielt.’ berichtete Sonja, als sie mit dem Anwalt in der Tür auftauchte.

‘Am Ende ihrer Diät hat er es dann in den Puderzucker getan!’ erklärte Tommi, während er sich Unmengen Puderzucker über seinen Pfannkuchen streute.

‘Und ich hasse Puderzucker!’ warf Sonja ein.

‘Das ging gut, bis Sonja einen russischen Zupfkuchen zu einem Elternabend mitgebracht hatte.’ warf Tommi mampfend ein.

‘Ich hab meinen Job verloren. Und wir haben dann ein halbes Jahr im Frauenhaus verbracht, bis die Scheidung endlich durch war und mein Ex danach leider nur auf Bewährung verknackt wurde.’ fuhr Sonja fort.

‘Ein Glück, dass es so schnell ging. Ich konnte die Testamentseröffnung nicht noch länger zurückhalten!’ meinte der Anwalt. ‘Wir könnten Ihren Exmann aber noch auf Schmerzensgeld verklagen!’

‘Ehrlich, ich bin froh, wenn ich das Arschloch nicht mehr sehen muss. Ich bin froh, dass wir unsere Sachen haben und damit ist es für mich gut.’ rief Sonja und blickte dabei Tommi an, der mit einem Pfannkuchen im Mund nickte.

‘Und warum gibt es jetzt jeden Tag Pfannkuchen?’ fragte Hermine.

‘Um sicher zu gehen, dass da nichts drinnen ist!’ meinte Tommi und nahm wieder den Puderzuckerstreuer in die Hand. Er bearbeitete den nächsten Pfannkuchen mit Puderzucker und dabei wanderte sein Blick unter den Tisch. Nach einem Moment des apathischen Starrens wurde er von Mi aus seinen Gedanken gerissen.

‘Erde an Tommi?’ flüsterte sie und blickte ihrerseits unter den Tisch.

‘Echt oder, dass ist nicht dein Ernst, böser Hund!’ rief sie aufgeregt.

Tich verging sich unter dem Tisch an der Giraffe.

Tommi schüttelte zuckend den Kopf und murmelte etwas in sich hinein, was sich wie: ‘Sex, Sex, Sex. Sogar der Hund.’

Alle blickten unter den Tisch und Tich hielt in der Bewegung inne und versuchte den Eindruck zu erwecken, als hätte er nichts getan. Sonja schüttelte den Kopf und quietschte: ‘Tich du Ferkel!’

Sie nahm die Giraffe mit zwei Fingern und brachte sie zum Waschbecken. Während sie das heiße Wasser aufdrehte, suchte sie nach dem Chlorreiniger.

‘Wir müssen dann auch eh los, es ist schon spät!’ meinte der Anwalt. Hermine stand auf und ging zu Tommi hinüber. Er blickte immer noch fassungslos auf den Hund.

‘Komm schon Tommi, lass es uns schnell hinter uns bringen!’

Tommi nickte und stand auf. Seine Finger zitterten, doch Hermine packte ihn bei der Hand und zerrte ihn aus der Küche. Ein paar Minuten später saßen sie im Wagen des Anwalts.

Fortsetzung folgt… 

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