Tagebuch eines Unbekannten – Teil 7

Tagebuch eines Unbekannten – Teil 7

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Ob es sich nun durch einen eigenproduzierten Unfall, ein unliebsames Geschenk eines ausländlischen Agressor oder um etwas Extraterrestrisches handelt, (Wer hat mir nur so viele schwere Wörter beigebracht!?) dessen Endergebnis nun auf uns nieder kommt, kann und will ich gar nicht sagen, weil die saure Suppe müssen nun wir auslöffeln.

Auch wenn wir alle versuchten zu verdrängen, dass es mit uns früher oder später zu Ende gehen würde, habe ich die Anzeichen gut im Blick. Im Moment scheinen alle noch bei guter Gesundheit zu sein und die Symptome der sogenannten Strahlenkrankheit bleiben zunächst aus.

Wie ich dazu komme, ich habe immer viel gelesen, vorallem die fantastischen Geschichten von Bram Stoker und Mary Shelley, H.G. Wells und Jules Verne. Und wenn ich keine Romane mehr hatte, habe ich mich über wissenschaftliche Berichte aus allen Herren Länder hergemacht, auf die ich zur Zeit meines Studiums unbegrenzten Zugriff hatte. Und was ich in der Universität nicht bekommen habe, habe ich dann in der Zeit beim Militär zu lesen bekommen, bis ich nach sehr kurzer Zeit unehrenhaft entlassen wurde. Aber das ist nun eine Geschichte, von der ich bestimmt kein einziges Wort mehr schreiben werde und ich werde mich auch nicht dazu hinreißen lassen darüber zu erzählen, auch nicht wenn ich noch betrunkener sein sollte.
Á ta santé, wie die Franzosen sagen.

Doch ich hab nicht genug Medikamente dabei, um alle zu versorgen und vorallem haben wir nicht genug Jod da, um zumindest einer möglichen Verstrahlung entgegenzuwirken. Aber mit den Drogen die ich dabei hab, könnte ich alle ziemlich lange ins Aus schießen. Hm.

Sinnlosigkeit und Trostlosigkeit hin oder her, ich bringe es nicht übers Herz, meinem eigenen Fleisch und Blut Schaden anzutun. Irgendwie hab ich ja doch diesen Eid geleistet, auch wenn ich ihn in der Vergangenheit zu meinem eigenen Vorteil ziemlich gebeugt und gebogen habe. Ich bin wirklich kein Böser, aber ein Guter bin ich jetzt auch nicht mehr. Ich bin das was meine Arbeit aus mir gemacht hat, ich bin zu einem schlechten Menschen geworden.

Angebot und Nachfrage. Was soll ich tun? Ich bin auch nur ein Mensch und soll net leben wia a Hund.

Fortsetzung folgt…

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Tagebuch eines Unbekannten – Teil 6

Tagebuch eines Unbekannten – Teil 6

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Wer wacht über die Rastlosen, der Gott des Schabernacks?

Ich bin mal wieder ein wenig abgeschwiffen, so wie die Zeit hier im Keller kaum vergehen mag, so flügge rinnen mir meine Gedanken durch die Finger.

Ich war beim Leben stehengeblieben, so trostlos und sinnlos es auch sein mag. Ich kann meine Familie nicht im Stich lassen, so einfach es auch sei, sich klammheimlich aus dem Staub zu machen. Ich bin immerhin ein verdammt junger Arzt. Und neben meinen eher verschroben wirkenden Bruder muss ich ja aussehen wie eine Rakete. Schlechter Witz.

Wenn es nun eine Rakete war, die uns ins Aus geschossen hat? Hm. Wie viele Thesen hab ich jetzt?

Die Sonne ist uns auf den Kopf gefallen?

Es war ein Vulkanausbruch?

Die körpereigenen Gase meines Großonkels Watzlaf?

Ein Komet hat uns gestreift oder gar getroffen?

Eine Rakete oder eine Bombe?

Ein Unfall wie auch immer geartet?

Was bringt es mir ein so helles Köpfchen zu sein und obendrein der bestaussehenste Arzt auf Erden zu sein, also der Einzige in Reichweite und vielleicht auf der ganzen Welt. Wo ist nur meine Opiumpfeife?

Auch wenn das Kerzenlicht ganz schön bescheiden ist zum Schreiben, ein Gutes hat die Sammelleidenschaft der alten Cementa ja, die Kerzen werden uns in der nächsten Zeit wohl nicht ausgehen. Nur ob ich den Vanilleduft auf Dauer ertragen kann, ich weiß es nicht.

Zum Glück hat sie mir eine Lavendelkerze vor die Nase gestellt.

Ich mach mir einmal Sorgen um die Luft und dann um den Sauerstoffgehalt. Nachdem ich aber immer noch nur wage eine Vermutungen habe, mit was das Land oder die Luft eigentlich verseucht und / oder verunreinigt wurde, aber die Anzeichen die ich bis jetzt zusammengetragen habe, lassen fast nur den Schluss zu, dass es sich um eine wie auch immer geartete Verstrahlung handeln muss.

Hätte der Tesla nur nie damit angefangen sich selbst mit Röntgenstrahlen zu verbrennen und hätte H.G. Wells nur nie diesen unsäglichen Roman geschrieben, dann hätte der Oppenheimer bestimmt nie diese Bombe erfunden.

Fortsetzung folgt…

Tagebuch eines Unbekannten – Teil 5

Tagebuch eines Unbekannten – Teil 5

tagebuchWir machten das Haus dicht, mit allem was wir zum Abdichten fanden. Die Sonne hatte sich mittlerweile verdunkelt und mir schwante arges. Auch am nächsten Morgen wurde es nicht wieder hell. Ich beobachtete den Himmel von einem Platz am Kellerfenster.

Naja, ich versuchte den Himmel zu beobachten. Abundzu ging ich nach oben und blickte durch die blinden Fenster. Aber die Sonne schaffte es nicht durch den Dunst und die dunklen Wolken.

Das Licht ist ganz schön schlecht im Keller und mein Kugelschreiber macht es wahrscheinlich auch nicht mehr lange. Mein Leben hat keinen Sinn mehr. Ich überlege mir kuriose Möglichkeiten, wie ich meinem lächerlichen Leben ein Ende machen kann. Mit Opium oder anderen Drogen habe ich es wahrscheinlich schon oft genug probiert, das klappt nie! Es ist wie ein Fluch. Ich bin zum Überleben verflucht, wo es mich doch nach nichts anderem hin sehnt, als nur den einsamen Tod in einer Badewanne voll Blut. Die alte Cementa hat nur keine Badewanne, so ein Mist und den Sautrog haben sie in die Garage gestellt.

‘Baden macht krank und elend!’ sagt die alte Cementa immer.

Ein einsamer Tod in einer bis unter die Hutkrempe überfüllten Garage voll Viechzeuch, ist nicht gerade spektakulär. Am Ende fressen mich die Schweine! Das wäre ja wie Perlen vor die Säue zu werfen und so wie die Weiber mich hier anschauen, mit ihren schiefen Zähnen, wäre es wohl eher ein lupenreiner Diamant für die Schweine. Ich will ja nicht eingebildet klingen, aber wenn mir mal jemand das Wasser reichen könnte. Den Witz verstehen sie auch immer nicht, die Pomeranzen des Wahnsinns hier im Keller.

Habe mir überlegt, dass ich erstmal, verdammt, der Stift geht zu Ende, wo ich doch nur überleben will.

Neuer Stift neues Glück. Das ist doch nicht der Ernst, soviel Zeug im Haus und keinen Stift der funktioniert. Nochmal von vorne, ich habe mir überlegt, dass ich erstmal am Leben bleibe und der Dinge harre, die da noch kommen mögen, es ist ja immerhin meine Familie und über die Familie lass ich ja doch nichts kommen, so inzestiös und furunkelbehaftet sie auch sein mögen und wenn die Frauen mich noch lüsterner angrinsen.

Das mit dem Stift geht ja echt nicht, das ist ja zum Mäuse melken…

Alle Guten Dinge sind drei. Wenn der Stift nicht gescheit schreibt, werde ich mit dem unbegrenzten Vorrat an knallroten Lippenstift fortfahren, den ich im Nachtkästchen der alten Cementa gefunden habe. Auch wenn dann meine Worte für die Nachwelt für immer verloren gehen werden, in der Verschmelzung aus fett und roter Farbe, für immer unkenntlich gemacht und eher zur Koketterie und reichlich Unsinn einladen sollen, als das Geschriebene zu Lesen. Aber ich hätte es ja nicht gedacht und vorallem nicht zu träumen gewagt, wie gut dieser Stift läuft. Danke an wen auch immer.

Fortsetzung folgt…

Tagebuch eines Unbekannten – Teil 4

Tagebuch eines Unbekannten – Teil 4

tagebuchIch hatte zuerst die Befürchtung das mein bescheuerter Bruder mich mit irgendeiner von diesen Dorfschranzen verheiraten will. Genau. Das war auch genau der Grund warum ich mit 15 1/2 halsüberkopf nach Wien geflüchtet bin. Mit nem gefälschten Abitur in der Tasche und nem gefälschten Ausweis hab ich mein Studium zur Dentalmedizin begonnen. Die Tinte war noch nicht ganz trocken und ich arbeitete schon an meiner Promotion. Und hat es mir geschadet? Ja, verdammt! Aber es hatte auch Vorteile, dass ich mir eigentlich keine nackten Dorfschranzen mehr ansehen musste und dass ich mir eigentlich auch keine Furunkeln anschauen wollte.

Deswegen bin ich ja in die große Stadt, um möglichst viel Raum zwischen mich und all die Probleme meiner Familie zu bringen. Dass mein Bruder und meine ganzen Neffen dann bis in die große Stadt zu expandieren begannen, konnte ich ja auch nicht wissen, also finanzierte ich mein Studium unteranderem damit, dass ich Sachen verkaufte, die in meiner Wohnung auftauchten, die davor von irgendeinem Lastkraftwagen gefallen waren.

Aber das war beiweiten nicht alles was ich in der großen Stadt trieb. Und im Verkauf von Waren zweifelhafter Herkunft war ich ja schon ziemlich erfolgreich. Ich wusste einfach was die Leute brauchten, die mit ihren Problemen zu mir kamen. Ich sag immer Psychologie des Wollens. Aber das war nur der Anfang…

Sagen wir mal so, ich bin da so reingerutscht, wie die Jungfrau zum Kinde und nur weil mich mein Bruder in so ein Établissement mitgenommen hatte. Und ich hatte nichts besseres zu tun, als den Ladies die Zähne zu richten und andere Dinge, anstatt sie zu pudern. Aber zumindest haben sie jetzt schöne Zähne und bekommen mehr Schotter fürs Pudern. Anfassen würde ich sie trotzdem nicht.

Ich bin zum Heiraten einfach nicht gemacht und ich werde mich auch mit Händen und Füßen weigern, solange ich noch Arme und Beine habe.

Diese heiratswilligen Weiber, die mich anstarren, als wäre ich der letzte Mann auf Erden, ja die Dorfschranzen, die schlimmstenfalls auf irgend eine Art und Weise mit mir verwandt sind. Gehts noch? Das haben in Wien ganz andere und drallere Damen versucht. Sie haben sich alle ihre neuerdings gut geschrubbten Zähnchen an mir ausgebissen. Tja. So spielt das Leben, mein jämmerliches Leben wird langsam und qualvoll in die Ewigkeit eingehen, ja eingehen werd ich, hier im Keller und zwar bevor ich meinen Samen in einer potentiellen Mutter meiner zukünftigen Kinder entleert habe. Meine Mutter wird sich im Grabe umdrehen, aber was solls?

Wo war ich denn eigentlich stehengeblieben? Ach ja, der grelle Blitz! Wir brachten die jungen Frauen und Kinder und die alten Männer in den Keller und hielten dann Familienrat. Die Durchsage war ja mehr als eindeutig, also beschlossen wir, alles was wir hatten ins größte Haus zu bringen, also ins Haus der alten Cementa. Vorallem Kleidung, Waffen, Werkzeug, Wasser und Nahrungsmittel. Dann wurden die Viecher in die Garage gebracht, das Futtermittel unter Protest der alten Cementa ins Wohnzimmer und die Fahrzeuge in den Stall und abgedeckt. Fragt einfach nicht, aber es war eine meiner besseren Ideen seit der Zeit, seit dem wir hier im wahrsten Sinne des Wortes in der eigenen Scheiße sitzen.

Fortsetzung folgt…

Tagebuch eines Unbekannten – Teil 3

Tagebuch eines Unbekannten – Teil 3

tagebuchMeine zweite These, die eigentlich schon die dritte These war, war daß uns ein Komet gestreift hatte, oder gar eingeschlagen war. Auch wenn ich keinen glühenden Himmelskörper gesehen habe, bevor der große Knall kam, gut aber ich war ja auch gerade betrunken gewesen, als mich der grelle Blitz fast blind gemacht hatte. Gut der Schwarzgebrannte von meinem Großonkel hat meinen Großonkel auch fast blind gemacht hat. Wenn der große Knall nicht gekommen wäre, hätte mich wahrscheinlich der große böse Wind blind gemacht, weil ich musste mir einen abartigen Furunkel am Hintern meines Großonkels Wazlaf ansehen, als die Welt beschloss mit diesem riesigen Knall unterzugehen.
Watzlaf, mein Großonkel hatte so heftige Flatulenzen, dass ich kurz davor war seinen Hosenwind in meine Thesensammlung aufzunehmen, was ich mir dann aber doch anders überlegt habe, weil es mir dann doch ein Wenig an dem Haaren herbeigezogen vorkam, wie gesagt ich war ziemlich betrunken, als es geschah.
Warum auch immer, ich hab mir tatsächlich die Nasenhaare abgebrannt, wobei ich mich wirklich nicht mehr daran erinnern kann warum.
Es gibt einfach Fragen, die werden wohl nie geklärt werden. Komet oder nicht, das Ende der Welt ist da. Und wir werden alle sterben!
Oh Mann, ich sollte nicht zu viel Opium rauchen und dazu abgelaufene Beruhigungsmittel mit Absinth runterspülen.
Sind nicht die Dinosaurier ausgestorben, weil ein Komet… oder ist das jetzt wieder Blasphemie, wenn ich das sage. Ich dachte ich hätte in der Universität mal sowas aufgeschnappt?
Oh, ja ich habe tatsächlich eine Universität besucht und zwar nicht nur als Briefbote, nein ich habe tatsächlich studiert. Gefühlte 100 Semester, wahrscheinlich waren es keine 12.
Wahrscheinlich bin ich tatsächlich der Einzige hier und entgegen aller Meinungen hier, habe ich sogar ziemlich erfolgreich abgeschlossen. Nur den Dr. und alle weiteren Titel habe ich mir erschlichen oder aufgrund von Dingen, die hier nichts zu suchen haben, sauer verdient. Das interessiert wahrscheinlich eh niemanden mehr, wie ich zu meinen Titeln gekommen bin. Ich war jung und brauchte das Geld. Es ist auch besser so, was interessiert die Vergangenheit, wenn wir doch keine Zukunft mehr haben.
Es ist bitter genug, das wir nicht wissen an was wir verrecken und gegen einen unsichtbaren Feind kann ich nicht kämpfen. Ich könnte die Wände hochgehen und ich bin nicht ausreichend ausgebildet für so einen Vorfall.
Und dass ist es, was meine Leute einfach nicht verstehen wollen, ich bin Zahnarzt verdammt nochmal und ich bin in der höherer Medizin eigentlich nicht gerade ausgebildet. Und vorallem bin ich kein Experte in Furunkelentfernung.
Meine anatomische Ausbildung gleicht ungefähr der eines Tierarztes und genau so betrunken war ich immer als wir Anatomie hatten. Verdammt und jetzt sitze ich in einem Keller gefangen mit allen meinen potentiellen Erbkrankheiten. Mein Leben war schon ein Alptraum, bevor ich mich überreden lies, zu dieser unleidigen Hochzeit zu fahren.

Fortsetzung folgt…

Tagebuch eines Unbekannten – Teil 2

Tagebuch eines Unbekannten – Teil 2

tagebuchDie erste Durchsage war irgendwie anders, ich kann mich kaum mehr dran erinnern. Irgendwas von Ausnahmezustand und Ausgangssperre und das Plündern verboten sei und irgendwas von einer Verseuchung oder Verunreinigung. Aber nun sagen sie immer nur die selbe Leier. Wir wissen nicht genau was passiert ist und ich kann nur das sagen was ich gesehen habe.

Jetzt muss ich schon wieder ein Bisschen ausholen, mein Bruder Meckie (Nein, nicht der mit dem Messer, mein Bruder hat meistens eine abgesägte Schrotflinte in seinem Mantel versteckt, deswegen steht er meist!) überredete mich, ihn zu einem Familienfest zu fahren. Er hatte sich ein Bein gebrochen und konnte nicht selbst fahren. Das hat mir im Nachhinein wahrscheinlich mein jämmerliches Leben gerettet. Ich hab ihm das nie gesagt und ich bin mir im Moment auch nicht ganz so sicher, ob es besser oder schlechter sein soll, zu den Überlebenden zu gehören.

Wie gesagt mein Bruder brach sich ein Bein und wir sind zusammen in die Berge gefahren, wo die alte Cementa und ein Teil der Sesshaften unserer Familie sich niedergelassen hatten.

Amelia, die jüngste Tochter von der alten Cementa sollte verheiratet werden, mit einer anderen großen Familie, die irgendwie genauso rastlos waren wie wir.

Und das war auch der einzige Grund warum mein schwindliger Bruder hier her wollte. Eine Zigeunerhochzeit ist seiner Meinung nach die beste Möglichkeit im nächsten Jahr eine noch größere Hochzeit abzuhalten.

Es war ein rauschendes Fest und Meckie wurde von der holden Weiblichkeit mit Nettigkeiten überhäuft. Ich glaube es wird den alten Haudegen vielleicht doch einmal erwischen und wir feiern nächstes Jahr vielleicht seine Hochzeit. Schön wäre es, wenn er vorher nicht ins Gras beißt. Naja, von dem Gras ist nicht viel übrig geblieben, alles was vorher mal grün war, hat sich nun rot eingefärbt, oder ist zu Asche verbrannt.

Im Moment liegt mein Bruder neben mir und furzt und schnarcht. Sein Bein schmerzt ihn mehr, als er es zu gibt und er ist ein Bisschen eingeschnappt, dass er mit den anderen Männern nicht rausgehen konnte.

Aber ich schweife schon wieder ab, das Warten bringt nicht nur mich um meinen eh schon wankelmütigen Verstand.

Ich war bei der Hochzeit stehen geblieben, es muss am dritten Tag gewesen sein, als sich am Firmament eine gewaltige Explosion auftat. Mein erster Gedanke war ein Vulkanausbruch, aber von hier konnte man bestimmt nicht in die Eifel sehen und sonst war mir kein Vulkan bekannt. Danach bebte die Erde. Bei einem Vulkanausbruch, hätte da nicht vorher die Erde beben müssen? Ich weiß es nicht mehr, und meine Gedanken wurden von der panischen Menge ziemlich durcheinandergebracht.

Die alte Cementa warf ihre Hände über den Kopf und schrie: ‘Die Sonne fällt uns auf den Kopf. Ich habe das in meinen Träumen gesehen!’ Ich konnte sie erst wieder beruhigen, als ich ihr was von meinem Opium abgab.

Die Sonne war es wohl nicht, weil sie stand noch am Himmel, als der helle Blitz sich aufgetan hatte und das Seltsame war, das sich das Licht ziemlich lange gehalten hatte, bis es endlich verglomm.

Fortsetzung folgt…

Tagebuch eines Unbekannten – Teil 1

Tagebuch eines Unbekannten – Teil 1

tagebuchIch hatte mir nie die Mühe gemacht ein Tagebuch zu führen. Ich fand immer das wäre nur was für 12jährige Mädchen mit blonden Zöpfen. Aber nachdem wir seit Tagen, vielleicht sind es auch schon Wochen, so genau kann man das nicht mehr sagen, in diesem stinkenden Keller fest sitzen und nicht wissen, wie es weiter geht, habe ich angefangen in das neue Rezeptbuch von der alten Cementa zu schreiben.

Da stehen eh nur 3 Rezepte drinnen, die man überhaupt nicht lesen kann, deswegen habe ich auch von hinten begonnen zu schreiben. Es gäbe bestimmt auch einen schlechteren Ort um im Keller zu sitzen, aber mit der im wahrsten Sinne des Wortes buckligen Verwandtschaft hier fest zu sitzen, ist wirklich einer nervenaufreibender Drahtseilakt. Obwohl wir in der Vorratskammer sitzen und obwohl wir mitten bei einer Familienfeier waren, ist der Keller mehr als voll, voller Konservendosen und Einweckgläser. Wir haben Marmelade zum Saufuadern, nur das Brot wird langsam knapp. Aber wie die alte Cementa immer sagt: ‚In der Not geht die Wurst auch ohne Brot!’

Ich schweife ab, meine Gedanken sind sehr flügge zur Zeit. Um einen klaren Gedanken zu fassen, habe ich das hier auch angefangen:

Liebes Tagebuch!

Ich hätte mir auch nie zu träumen gewagt, daß mir das mal über die Lippen… ähm… den Kugelschreiber kommt. Liebes Tagebuch! Worauf ich eigentlich hinaus wollte, die Hölle auf Erden, im Keller der Familie festzusitzen, mit meiner ewig betrunkenen Verwandtschaft.

Die alte Cementa mästet uns regelrecht und da, sie tut es schon wieder. Sie spuckt in ein Tuch und wischt die Rotznase eines meiner unzähligen Großneffen sauber, dann leckt sie über ein und das selbe Tuch und putzt irgend jemand über die Wange. Ja genau so verbreiten sich ansteckende Krankheiten. Mit völlig Fremden hier festzusitzen wäre wahrscheinlich angenehmer gewesen, aber zumindest kennt man sich gegenseitig und jeder kennt die Macken des Anderen.

Also bevor einer durchdreht, kann man ihm noch einen Beruhigungschnaps einflößen, oder eben keinen Beruhigungsschnaps mehr einflößen. Im Moment halten sie alle ganz gut den Pegel, den sie seit dem Ende der Familienfeier krampfhaft versuchen nicht absinken zu lassen.

Gut betrunken bin ich auch, meistens und ich hab genug Opium und Absinth dabei, um erstmal über die Runden zu kommen. Anders erträgt man das hier auch kaum. Anders ertrage ich mein Leben schon lange nicht mehr… aber was für ein Leben werden wir in Zukunft haben? Ich versuche da eigentlich grad nicht drüber nachzudenken. Die Sirenen gehen wieder los. Das tun sie jeden Tag, dann kommen wieder diese Durchsagen.

‘Gehen Sie nicht ins Freie! Bleiben Sie im Haus! Halten Sie Fenster und Türen geschlossen! Trinken Sie nur Wasser aus geschlossenen Behältern und essen Sie nur Lebensmittel aus Konservendosen!’

Fortsetzung folgt…

Neulich auf einer Familienfeier

Neulich auf einer Familienfeier – Der Opa erklärt die Wunderwelt der Sexualität.

Wir feiern den Geburtstag meiner Mutter und es i(s)st das übliche abendliche Fressgelage in meinem Elternhaus. Alle sind mehr oder weniger gut drauf.

Irgendwann fragt meine Nichte (16 ¾): ‚Was ist denn die Prostata?‘ (Es war zumindest nicht völlig aus dem Zusammenhang gegriffen. Ich weiß nur nicht mehr ganz so genau, wer damit angefangen hat, wahrscheinlich war es ich. Ist ja im Nachhinein auch egal.)

Ich war völlig entrüstet, dass die Jugend heutzutage so was nicht in der Schule im Sexualunterricht lernt. Nicht das ich sowas in der Schule gelernt hätte. Meine Schwester guckt meinen Schwager an, so quasi, er solle es doch mal schnell erklären. Er macht eine abweisende Handbewegung und guckt meinen Vater an. Meine Mutter hatte sich vor lachen fast verschluckt, meiner Nichte ist in dem Moment mal wieder klar geworden, wie peinlich wir manchmal sein können.

Also, der Opa erklärt die Wunderwelt der Sexualität:

‚Die Prostata ist dazu da, dass Mann sich beim Abspritzen nicht in die Blase wichst.‘

Mein Vater hatte sich etwas gewählter ausgedrückt und meine Nichte hatte mittlerweile einen hochroten Kopf bekommen und vergräbt ihr Gesicht in irgendwas.

‚Deshalb hat Mann bei einer geschwollenen Prostata auch Probleme beim Pinkeln!‘

Nachdem unsere Familie, was die peinliche Themen angeht, schon sehr einmalig ist, spinnen wir diese Theorie natürlich weiter.

Wir werden von meiner Schwester darüber informiert, welcher ihrer Arbeitskollegen auch Probleme beim Wasserlassen habe. Wir sind übrigens noch bei Hauptspeise. Meine Mutter hat jetzt auch schon einen roten Kopf, aber vor Lachen.

‚Also, wenn Mann die Prostata nicht mehr hat, dann würde Mann sich quasi beim Abspritzen in die Blase wichsen!‘

Alle nicken.

‚Dann bräuchte Mann seine Frau nach dem Abspitzen ja eigentlich nur Anpinkeln, dann könnte Mann ja noch auf eine ziemlich natürliche Weise Kinder kriegen.‘

Alle lachen. Meinem Schwager ist das Gespräch mittlerweile auch irgendwie peinlich. Meine Schwester informiert uns darüber, dass in der GALA stehen würde, welche Promis alle keine Prostata mehr hätten und wo es aber trotzdem noch ginge, also nur nicht mehr mit dem Abspritzen. Da käme dann nur noch heiße Luft. Aber dieses Problem hätten wir ja jetzt auch schon gelöst.

Ich bin ehrlich entsetzt, dass meine Schwester die GALA liest. Sie redet sich raus, dass die Omas die immer im Wartezimmer liegen lassen.

Dann meine ich gespielt erschrocken: ‚Wenn jetzt einer mit einer verlustig gegangenen Prostata in den Zuber pinkelt, dann kann ich ja doch im Zuber schwanger werden!‘

Und das alles vor dem Nachtisch.

Ich lasse das Thema ja natürlich nicht auf mir sitzen und lese den Prostata-Artikel bei Wikipedia. Ich kapiere nur mäßig was ich da gelesen habe und beschließe meinen Arzt anzurufen, dieser erklärt mir sehr ausführlich wie das nun wirklich funktioniert mit der Prostata. Aber das ist eine andere Geschichte…

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