Die 16 schaurigen Versionen von Last Christmas

Die 16 schaurigen Versionen von Last Christmas

Ich fahre ins Amt. Mal wieder. Werde ich wohl noch die nächsten 34 Jahren lang machen. Im Radio läuft eine echt beschissene Version von Last Christmas. Am Ende des Grauens bekomme ich die Bestätigung, es war eine Version von Laith Al-Deen. Und des auf nüchternen Magen. Manchen Leuten sollte man eigentlich Sendeverbot erteilen, auf Lebenszeit. Noch nicht genug Schrecken am Morgen, im Radio wird nun abgestimmt, ob die Zuhörer lieber die Last Christmas Version von Semino Rossi, Al Bano und Romina Power oder Roberto Blanco hören wollen. Ich vermisse den Eimer in meinem Beifahrerfußraum. Memo an mich selbst, wieder einen Eimer klauen. Zum Glück habe ich die Einfahrt der Tiefgarage erreicht, bevor die Abstimmung vorüber ist. Kaum passiere ich die Tiefgarageneinfahrt und der Empfang bricht ab. Hurra. Mir haben die jeweiligen Jingles schon gereicht. Kaum geparkt, habe ich den vergangenen Alptraum fast wieder vergessen. Ich laufe die Treppen hoch zur Stempeluhr.
Aus dem Gehege der Empfangsroboter dudelt Florian Silbereisen’s Last Christmas. Meine Stempelkarte funktioniert nicht auf Anhieb, ich haue sie mehrmals panisch gegen die Stempeluhr und ich muss mir dabei den Mist noch einen Moment anhören, bevor endlich das nervige Fiep ertönt und ich in den Aufzügen flüchten kann. Schwer atmend drücke ich am Aufzugknopf, es dauert gefühlte 16 Stunden, bis der Aufzug kommt. Ein Betriebsfremder läuft an mir vorbei, sein Handy dudelt: Crazy Frog’s Last Christmas. Ich kotze fast auf die geschlossene Fahrstuhltür, die sich nun endlich öffnet. Ich trete ein.

Und seit wann verdammt noch mal haben wir denn Fahrstuhlmusik? Schwerlich zu erraten, eine grauenerregende Synthesizer Instrumental Version von Last Christmas. Mal wieder werde ich von unfähigen Doppeldrücker unnötiger Weise in diesem Grauen noch länger festgehalten, länger als man es hätte ertragen können. Den Brechreiz unterdrückend flüchte ich im 3. Stock aus dem Aufzug und laufe das letzte Stockwerk zu Fuß hinauf. Und ich laufe nie die Treppen. Aber heute bin ich wohl wieder mal der Stereo-Prügelknabe.

Los, quält mich weiter, bis es mir aus den Ohren blutet. Wenn ich dann erst aufgrund einer weiteren Last Christmas Version einen unheilbaren und blitzartig gewachsenen Trommelfellkrebs bekomme und die nächsten 1000 Jahre langsam und qualvoll ohral verblute, werde ich dann irgendwann aufgrund meines Sündenkontos unwiderruflich in die Hölle kommen. Und dann kann ich mich endlich erholen. Weil schlimmer kann es ja wohl nicht mehr kommen! Die Hölle wird wie ein Traumurlaub werden. Im Schmelztiegel mit lauter versauten Sündern, wie geil. Und ein Vorgeschmack auf den Schmelztiegel könnte man sich jeden Morgen in unserem Treppenhaus holen, wenn man öfter Treppen laufen würde. Auch im Winter kann man in unserem Treppenhaus Kakteen und Geier züchten.
Nach Luft schnappend stürze ich durch die Glastür und die nächste Glastür… aus dem ersten Büro kommt eine Version von Last Christmas, die ich viel zu spät erkannt habe, sie war von den Preluders.

Himmel, hat der Tag noch ein Ende und Weihnachten ist noch weit. Bitte, was habe ich eigentlich in meinen früheren Leben nur verbrochen, dass mich das Universum so strafen tut. Aus dem zweiten Büro kommt eine asiatische Version von, ratet mal, Last Christmas. Ich habs ja fast nicht erkannt, aber spätestens beim Refrain. Ich flüchte in mein Zimmer, aber ein weiterer Klingelton fegt mir quasi die Bürotür von hinten ins Kreuz. Die Chipmunks geben sich’s mal wieder echt dreckig. Ein gequietschtes Last Christmas lässt mir beinahe mein Essen von Gestern wieder durch den Kopf gehen. Blitzartig beruhigt sich mein Magen, als ich an den Sündenschmelztiegel denke.
Ich sitze noch nicht ganz auf meinem Stuhl und mein PC ist noch nicht mal hochgefahren. Das Guten Morgen-Ritual hat also noch nicht mal begonnen. Geschweige denn, dass ich meinen Adventskalender auch nur berührt hätte. Da ruft mein Chef an, ich soll zu ihm ins Büro kommen. Noch durch die geschlossene Bürotür meines Chefs höre ich die 16 Tenöre Last Christmas lauthals grölen. Ich falle mit der Tür ins Haus in Ohnmacht. Ich sehe eine geschüttelte und gerührte Version vom Original Last Christmas vor meinem inneren Auge. Bevor auch nur irgendjemand Erste Hilfe leisten hätte können, reiße ich die Augen wieder auf und sehe gestreifte, karierte und gefleckte George Michaels um meinen Kopf herum schwirren, die ganz gräulich Last Christmas summen und eine andere Schwuchtel, mit einem gar seltsamen Umschnall-Keyboard…. Hilfe.

Nein, dass ist nicht Wham, es ist Modern Talking. Mein Dieter Bohlen hat meinen Verstand übernommen. Eine andere Hölle. Verdammt, wo ist mein Schmelztiegel. Ich rapple mich auf und torkle in mein Büro zurück. Dort bewege ich mich den ganzen Tag nicht mehr raus, bis ich um 18.30 zum Drucker gehe. Aus meinem Nachbarbüro kann ich den Radio hören. ‚N Sync mit Last Christmas. Währenddessen ein Putzmann die Türen wischt. Er ist ein Neuer, so ein Rastaman und ratet mal, es gibt auch eine Reggae Version von Last Christmas. Im Druckerraum packe ich nur meinen Zettelkram und renne wieder ins Büro. Ich werfe die Papiere auf meine Tastatur und bevor ich meine Tasche packen kann, höre ich einen ziemlich geilen E-Gitarrenriff aus meinem Adventskalender. Ich gucke wie ein Schwaiberl, wenn’s blitzt und mache dann völlig hypnotisiert das 16. Türchen meines gewerkschaftlich gelieferten Adventskalender auf. Im Deckel steht in winzig, kleinen Lettern geschrieben: A Tribute to AC/DC…und die Version von Riff/Raff von Last Christmas bringt mich nicht nur um den Verstand, sondern fast zum Weinen, weil die Version mal richtig geil ist.

http://www.youtube.com/watch?v=8czIhxCRO_Y

 

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Ein neuer Tag im Leben eines Thelocactus Freudenbergeri

Ein neuer Tag im Leben eines Thelocactus Freudenbergeri

Ein neuer Tag, es ist wieder laut und Hansi Hinterseer trällert durchs morgendliche ‚Al Dente‘. Die Nonna kommt mit einer Flasche Pellegrino und duscht mich wach. Puh. Das Pellegrino war direkt aus dem Kühlschrank. Wenn ich ein Gehirn hätte, hätte ich jetzt Gehirnfrost. Die Nonna singt lautstark zu ‚A bisserl was geht immer‘ von Florian Silbereisen. Es ist ein Alptraum, ich bin aber wach, der Alptraum geht nicht weg und ich kann nicht weglaufen, weil ich keine Beine habe. Bei dem Titel würde sich der ‚Monaco Franze‘ im Grabe umdrehen: A bisserl was geht immer. Was sich der Silbereisen da erlaubt. Aber was will man denn schon von einem Menschen erwarten, der bei jedem Auftritt immer die eine rote Unterhose trägt, die hoffentlich zwischen seinen Auftritten auch mal gewaschen wird. Menschen wie Florian Silbereisen kommen für rote Sündenschlüpfer bestimmt in die Hölle. Ich bete inständig ans Universum, dass Florian Silbereisen und Hansi Hinterseer bitte keinen gemeinsamen Autounfall haben, auch nicht getrennt von einander, weil sonst den ganzen Tag die Scheiße von denen im Radio und im Fernsehen läuft. Mir geht es irgendwie voll schlecht, wenn ich den Diego erwische. Die Norgerl von gestern müssen irgendwie schlecht gewesen sein. Wenn ich einen Kopf hätte, dann hätte ich Schmerzen zwischen den Ohren. Aber nachdem ich ja keinen Kopf habe, tut mir einfach alles weh. So eine Scheiße. Giovanni kommt wieder mit unzähligen Kisten ins Lokal. Das Geschrei meiner entfernten Verwandten beginnt wieder und jetzt habe ich wirklich extreme Kopfschmerzen. Mein Leben ist die Hölle. Jetzt kommt Giovanni zu mir rüber und macht sich über mich lustig. Meine Blüten sehen aus wie ein Blüteniro. Ich hab doch gesagt, kurz bevor ich verrecke, blühe ich wie blöd. Der Giovanni, die alte Schwuchtel, findet es voll süß. Und ich find es voll scheiße und ihn finde ich auch voll scheiße. Er ist schwul und er ist ein Vegetarier und Koch in einem fleischlastigen italienischen Restaurant. Und er ist verdammt nochmal ein Italiener und Italiener haben nicht schwul zu sein. Und Köche sind verdammt nochmal keine Vegetarier. Hier im ‚Al Dente‘ ist echt verkehrte Welt. Und warum kann ich nicht kotzen? Der fette Herr Baumhauer kommt und bestellt wie immer ein Wiener Schnitzel und ein Weizen. Die Nonna steht in der Küche und macht frisches Antipasti. Das Geschrei wird lauter und ebbt erst dann ab, als meine entfernten Verwandten in der Glasvitrine eingesperrt werden. Ein grausamer schleichender Tod, den ich mir da jeden Tag mit anschauen muss. Es ist einfach ein Alptraum. Nachdem keine weiteren Gäste kommen, wird kurzerhand der Fernseher angemacht. Da kommt ein Mann mit Pullunder, Brille, Halbglatze und Aktentasche ins Lokal. Er ist von der GEZ. Er hat festgestellt, dass das ‚Al Dente‘ als Premiere Sportsbar gemeldet ist, aber seit Beginn keinerlei Gebühren an die GEZ entrichtet hat. Er lässt eine saftige Rechnung, der Gebühren der letzten 30 Jahre, da und macht sich dann vornehm vom Acker. Gegen die GEZ-Mafia ist einfach kein Kraut gewachsen, dass man jetzt für Premiere auch schon GEZ-Gebühren zahlen muss, ist nicht nur mir neu. Die Nonna macht den bösen Fernseher aus und ruft ihren ältesten Sohn an, der unter anderem auch der Besitzer des Restaurant ist. Er ist aber so gut wie nie da, weil er ständig anderen ‚Geschäften‘ nachgeht. Obwohl er sein Büro nur ein Stockwerk über uns hat, habe ich ihn im letzten Jahr äußerst selten gesehen. Die Nonna bringt ihm immer sein Essen ins Büro und ansonsten ruft sie ihn an, wenn es etwas dringendes gibt. Sie ist ja schließlich nicht mehr die Jüngste. Die Nonna berichtet lautstark auf Italienisch von der deutschen Mafia. Sie nennt auch den Betrag, der auf der Rechnung steht. Ich verstehe kein Wort, ich kann noch immer kein Italienisch. Und sie machen es mir auch nicht leicht. Mein Glück ist nur, dass Diego auch kein Italienisch kann und Giovanni ihm immer übersetzen muss. Langsam aber sicher werden wir beide es lernen. Hoffe ich. Der Große Bruder wird jetzt wohl den Großen Bruder von der Russischen Mafia anrufen. Die Beiden waren ja schließlich immer gute Freunde gewesen. Es würde jetzt wohl ein alter Gefallen eingelöst werden. Der Radio wird wieder angemacht. Immer noch keine Gäste. Die Nonna putzt wieder und Giovanni und Diego spielen Karten. Der russische Rosenverkäufer kommt an die Theke und gibt der Die Nonna eine Rose und nimmt die Rechnung von der GEZ mit. Er zwinkert ihr zu und deutet an sein Ohr und geht wieder. Im Radio kommen Nachrichten. Ein GEZ-Gebühreneintreiber sei mit seinem Wagen in einen See gerollt und ertrunken. Er hatte beim Berichte schreiben seinen Wagen an einem Parkplatz an einem nahegelegenem See abgestellt und vergessen die Handbremse zu ziehen. Sämtliche Unterlagen sind (leider) verloren gegangen. Die GEZ ist untröstlich, natürlich auch über den Tod eines geschätzten Mitarbeiters. Die Nonna macht eine Flasche Asti auf und zur Feier des Tages bekam ich einen Schluck davon ab. Hurra. Ein schöner Tag und keine Gäste.

Wer schenkt uns 2 Karten für Florian Silbereisen?

Wer schenkt uns 2 Karten für Florian Silbereisen?
Frauen haben 1000 Wünsche und einer davon ist einmal im Leben auf ein Konzert von Florian Silbereisen oder zum Musikantenstadl zu gehen (wahlweise auch zum Hansi Hinterseer). Sich einfach mit einem Trachtenmantel und einem Trachtenhut verkleidet in die erste Reihe schmuggeln. Nach Beginn der Vorstellung würde ich nicht nur meinen Mantel von mir werfen, sondern auch tütenweise fürchterbare Unterwäsche, BH und Dildos auf die Bühne. Nur mit einem roten Sündenschlüpfer (des Satans) und einem Korsett bekleidet, würde ich lauthals (strapseschwingend!)von mir geben, (Und zwar so lange, bis ich mich völlig uneigennützig von der von der Polizei wehrlos abführen lasse!) dass der Protagonist der Volksmusik mir auf perverse Art und Weise ein bis fünf Kind machen soll. Und falls er dazu (aus welchem Grund auch immer!) nicht im Stande wäre, würde ich auch auch andere erschreckend perverse, sexuelle Handlungen mit ihm vollziehen…
Die Nacht im Knast ist es mir wert und auf die Anklageschrift bin ich gespannt. Ich wollte schon immer mal wegen Erregung des öffentlichen Ärgernisses im deutschen TV und sexueller Belästigung vom Musikantenstadl und dessen Inhalten in den Knast.
Ich stehe mit diesem Vorhaben jetzt nicht mehr alleine da. (Meine Gebete ans Universum sind endlich erhört worden!) Jetzt haben wir nur ein Problem. Die Eintrittskarten für solche Veranstaltungen, sind warum auch immer schwanzteuer. Wir können uns die Karten leider nicht leisten.
Bitte spendet, gerade zur Weihnachtszeit für diesen guten Zweck, also an mich.
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