Drei und eine Axt – Teil 8

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 8

Eine der Frauen des Khan kam herein und half ihm beim Anziehen. Dann verließ er beschwingt die Jurte. Wenig später konnten sie von draußen lautes Rufen hören, Klatschen und Gelächter hören. Der Khan bat alle zu Tisch, während Ziska drinnen ihre Suppe auslöffelte und Kejnen sie dabei beobachtete.

‚Werdet Ihr zur Zusammenkunft reiten?‘ fragte sie mit vollen Mund.

‚Ja, ich werde mit Halef reiten!‘

‚Ich habe Angst vor dem, was Ihr dort findet.‘

‚Wenn ich Eure Männer finde, werde ich nicht wieder kommen.‘ flüsterte er traurig.

Sie lächelte ihn an, packte sich seine freie Hand und küsste sie. ‚Ihr werdet zurück kommen.‘

Warum hab ich immer das Gefühl, dass Ihr vor allen Anderen seht, was das Schicksal noch alles bereit hält.‘

‚Bis auf eindeutige Dinge, verrate ich niemals davon. Weil Träume können auch nur Schäume sein.‘ Sie schluckte schwer. ‚Das Schicksal meint es zu Weilen nicht so gut mit uns und ich möchte niemanden enttäuschen, wenn ich meine Träume falsch gedeutet haben sollte.‘

Sein Magen knurrte so laut, dass sie lachen musste. ‚Ich langweile Euch mit meinen Weissagungen?‘

‚Nein, aber mein Magen weiß, wie viel Essen da draußen auf uns wartet.‘

‚Dann geht schon mal, ich zieh mir was anderes an.‘

Kejnen humpelte aus der Jurte, wurde sofort freudig begrüßt und zu seinem Stuhl begleitet. Mittlerweile waren zwischen den großen Stühlen noch zwei kleinere Stühle aufgebaut worden. Zwischen Vira und dem Khan saß Orsolya und zwischen Kejnen und dem Khan war noch frei. An der Tafelseite von Vira saß Wena und alle anderen Töchter, Frauen und Schwiegertöchter des Khan. An der anderen Tafelseite saßen Halef und Elger und alle Söhne und Schwiegersöhne des Khan. Es wurden Kejnen auch alle Anwesenden vorgestellt. Es war nur völlig hoffnungslos, dass sich Kejnen nur einen weiteren Namen hätte merken können, sein Kopf schwirrte bereits seit er der Heilung des Khan beigewohnt hatte.

Ziska trat vor die Jurte und wurde in seine Richtung geführt. Sie hatte ihr Festgewand an, dass nun endgültig verriet, dass sie einen hohen Stand genoss, als weiße Hexe des Khan. Kejnen konnte sich nicht daran erinnern, dass Ziska auch nur einmal in den letzten Tagen einen langen Rock getragen hatte, ganz zum Gegensatz der beiden anderen Damen hier am Hof. Zum Arbeiten trug sie ausschließlich Hosen und robuste Tuniken und ansonsten hatte sie nur knielange Unterkleider an und darüber allerhöchstens einen kurzen Klappenmantel. Seine Gedanken drifteten zur letzten Nacht ab und erst als sie neben ihm Platz nahm, riss es ihn aus seinen Gedanken.

Der Khan stand auf, erhob seinen Krug und sprach: ‚Ich danke heute meinen Weibern für das vortreffliche Mahl und den Männern, weil sie fast alles hier her schleppten. Und ich danke vor allem der weißen Hexe, dass ich dieses Mahl fast ohne Schmerz erleben darf. Und ich danke dem Allghoi Khorkhoi, dass er mir nur meinen Gaul nahm. Ich danke meinem neuen Freund Kejnen, dass Ihm sein Weg hier her geführt hat. Auf dass ich in Zukunft wieder etwas besser schlafen kann und auf dass es uns im Winter nicht an Geschichten mangeln wird.‘  Er setzte den Krug an seine Lippen und blickte umher. Kejnen blickte ihn, so verstohlen wie es ihm eben möglich war, an und musste dann doch grinsen. Der Khan setzte nochmal ab und sprach weiter: ‚Und auf diesen vortrefflichen Tropfen, meine Damen.‘ Endlich trank er und alle anderen tranken auch. Ziska nahm ihren Krug und blickte zu Kejnen hinüber, der sie aus den Augenwinkeln unsicher ansah. ‚Nun, esst und trinkt, meine Kinder!‘ Und das taten sie auch. Sie feierten einen zweiten Tag in Folge und keiner von ihnen dachte an den Schatten, der über den drei Damen zu schweben schien.

Wie Kejnen ins Bett gekommen war, konnte an seinem Zustand am nächsten Morgen zu urteilen, nur auf allen Vieren gewesen sein. Sein Bein tat unglaublich weh. Er öffnete die Augen und Ziska lag auf ihm und auf seinem Bein. Vor Schmerz fiel er wieder in einen tiefen Schlaf.

An diesem Tag saß Kejnen nur still in seinem Stuhl und beobachtete das Geschehen. Der Khan und seine Sippe blieben noch diesen Tag und am nächsten Morgen würden sie weiterziehen, um frühzeitig bei der Zusammenkunft einzutreffen. Sie ließen die Hälfte der Herden da und ein paar seiner Leute, die sich darum kümmerten, dass für den Winter genug Holz gesucht und Dung getrocknet wurde. Kejnen versprach dem Khan, dass er und Halef in ein Paar Tagen auch aufbrechen würden. Vira bläute ihnen immer und immer wieder die Einkäufe, die sie besorgen sollten, ein. Sie mussten sie wieder und wieder vorsagen, dass sie auch ja nichts vergessen würden. Ziska war die letzten Tage sehr still gewesen, seit sie den Todeswurm im Traum gesehen hatte, war sie wie ausgewechselt. Kejnen nahm von dem Damen kein Geld und auch keine Tauschware an. Er lies auch nicht mit sich darüber reden. Und so ritten sie vier Tage nach dem Khan los. Die beiden Hunde folgten ihnen. In der Mitte der großen Ebene würden sich alle Stämme treffen.

Unweit der Jurten wies er den Jungen an, abzusteigen und unter einer Wurzel etwas für ihn zu holen. Es waren kleine Packtaschen, die schwer waren und beim Schütteln klimperte deren Inhalt.

‚Wie konntet ihr Euch sicher sein, dass es noch da ist!‘ fragte Halef neugierig, als er ihm die Taschen übergab.

‚Wer soll, in einer von den Göttern verlassenen Gegend, danach suchen, wenn nur ich davon weiß.‘ meinte Kejnen und schob sich die Beutel in die Hose.

‚Deshalb sagtet ihr vorhin, dass wir uns um die Bezahlung nicht sorgen sollten!‘ meinte Halef, als er sich wieder auf sein Pferd schwang. Es war ein weiter Weg bis zum Zentrum zur großen Ebene.

Zwei Tage später kamen sie am Rande eines riesigen Zeltlagers an. Sie ritten hindurch und fanden in Mitten unzähliger Jurten, die Fahne des Etem Khan. Es wurde ihnen von Elger ein Lagerplatz zugewiesen, wo sie Kejnens Zelt aufstellen konnten. Kejnen überließ es dem Jungen, sich ums Lager zu kümmern, er wollte sich ein Bild machen und sehen, ob er alte Kameraden traf.

Der Khan lud Kejnen und Halef am Abend zum Festmahl ein. Der Khan ehrte Halef und nahm ihn in die Reihen der Krieger seiner Sippe auf, aber nur weil er so einen guten Lehrer an seiner Seite hat. Und er hoffte, Halef würde bei seiner nächsten Zusammenkunft bei den großen Kämpfen teilnehmen und eine seiner unzähligen Töchter zur Frau nehmen. Halef war sehr gerührt und bedankte sich beim Khan für sein Vertrauen. Es wurde viel getrunken. Die Töchter des Khan schenkten Halef immer mehr nach, als den Anderen. Es war Halef nicht sonderlich recht, dass sie sich alle um ihn zu reißen schienen. Seine Hunde bellten draußen, er entschuldigte sich und verschwand. Er war heil froh endlich aus dem Zelt zu sein. Bei ihrem Lager angekommen, schlief er mit seinem Hunden am Feuer ein.

Im Zelt des Khan sprach der Khan mit Kejnen.

‚Unser Halef hält sich immer nie lange in Zelten auf, der Junge hat eine unruhige Seele. Ich weiß nicht, ob dass gut ist oder schlecht.‘ meinte der Khan fast beiläufig.

‚Da sprecht Ihr wohl wahr, mein Khan. Ich bin noch nicht so ganz zu ihm durchgedrungen. Ich glaube aber, dass er der Last, die er auf seinen Schultern tragen muss, manchmal einfach entfliehen will.‘

‚Sie leiden alle sehr unter der Abwesenheit der drei Männer.‘

Kejnen seufzte schwer und stimmte ihm mit einem Nicken bei.

‚Was macht Ihr, wenn wir die Drei tatsächlich finden?‘ fragte der Khan. ‚Ich habe gesehen, wie Ziska und Vira Euch anblicken und wie Ihr Ziska anblickt. Ich mag ein alter Mann sein, aber die Begierde in den Augen der Weiber kann ich noch sehr gut sehen.‘

Kejnen zog die Schultern hoch und meinte: ‚Ich weiß eigentlich nicht was ich da mache, ich bin auf keinen Fall auf Streit aus, wenn wir sie alle Drei finden, werd ich wohl weiterziehen und den Göttern für die schönen Tage danken, die ich bei den Damen verbringen durfte.‘

‚Bei uns findet Ihr immer ein schönes Plätzchen und meine Töchter sind noch nicht alle verheiratet.‘ meinte der Khan und grinste Kejnen listig an.

‚Euer Angebot ehrt mich. Mal sehen wohin mich die Zeiten und die Götter noch bringen werden!‘

‚Es wäre mir eine Ehre, einen alten Kriegshelden in meiner Mitte begrüßen zu dürfen.‘

‚So oder so, werde ich immer wieder in Eure Mitte zurückkehren.‘

‚Auf Eurer Wort, Kejnen.‘

Kejnen kaufte am nächsten Tag viele mehr Dinge ein, als Vira ihnen aufgetragen hatte, da er sich der Familie erkenntlich zeigen wollte. Und Halef war sein Mitwisser. Als sie gerade eine neue Jurtenhaut erstanden hatten und noch über neue Dachverstrebungen diskutierten, sah Halef ein junges Mädchen, dass von einem Sklaventreiber an einem Lederstrick an ihnen vorbei geschleift wurde. Als sie auf Augenhöhe waren, sah er, dass man sie mit einem Holzstück geknebelt hatte. Ihre spärlichen Kleider waren völlig zerfetzt, ihre Haut war mit Schmutz und Blut beschmiert und sie war Barfuß. Sie stolperte über einen Stein und fiel hin. Halef machte einen Satz und wollte ihr auf helfen. Mit einem Ruck war sie wieder auf den Beinen, da der Sklaventreiber sie unerbittlich weiter zog. Für den Bruchteil einer Sekunde hatte sie ihn mit riesigen, bernsteinfarbenen Augen angeblickt, bevor der nächste Ruck sie von ihm fort riss. Das Letzte was er bei jedem ihrer Schritte erkennen konnte war, dass die Innenseiten ihrer Oberschenkel blutüberströmt waren. Halef hatte unbewusst seine Hand bereits an seinem Dolch und machte Anstalten dem Sklaventrieber zu verfolgen. Kejnen legte ruhig die Hand auf seinen Dolch und zischte Halef zu: ‚Ich kümmere mich darum, bring das Packpferd fort, wir treffen uns beim Zelt!‘ Dann griff er in seine Hose und zog einen der Beutel hervor, nahm 3 Goldklumpen heraus und ging gelassen auf seinen Stab gestützt dem Sklaventreiber hinterher. Der Verkäufer hatte die Jurtenhaut bereits auf dem Pferd verschnürt. Halef zog das Packpferd schnell zu ihrem Lagerplatz zurück.

Das letzte Date – Drama in 3 Akten

Das letzte Date – Drama in 3 Akten

Frau läuft nackt, aber mit einer perfekten Frisur, vom Bad ins Schlafzimmer und reißt wahllos, so scheint es, Klamotten aus dem Schrank und zieht ein Shirt nach dem anderen an und wieder aus. Dann läuft sie wieder ins Bad um Klamotten auf der Heizung zu wenden. Dann schnappt sie sich einen Föhn und föhnt eine Hose trocken, die sie jetzt anscheinend anziehen will. Dabei kuckt sie in den Spiegel und sieht ein Haar ihrer Augenbraue, des da wohl nicht hingehört und zückt kurzerhand einen Nassrasierer und schneidet bei dem Versuch, dass eine Haar zu erwischen, aufgrund einer eintreffender SMS, die halbe Augenbraue weg. So eine Scheiße. Sie ist den Tränen nahe. Der Föhn ist wegen Überhitzung auch ausgegangen und riecht unangenehm nach verbrannten Plastik. Sie rennt hysterisch wieder ins Schlafzimmer um wieder nach dem perfekten Outfit zu suchen. Dann fällt ihr ein, dass sie ja gerade eine SMS bekommen hat und geht ins Wohnzimmer, um nach ihrem Handy zu suchen. Sie wühlt in ihrer Handtasche und findet anscheinend alles andere, nur nicht ihr Handy. Dann tutet es noch mal und sie lauscht auf wie ein Jagdhund auf der Pirsch. Schnüffelnd geht sie ins Bad, da kam auch das Geräusch her und ein komischer Geruch. Der Föhn läuft wieder. Die Hose ist auch trocken. Der verschmorte Geruch ist nicht zu orten. Sie schnüffelt an der Hose und sucht nach ihrem Handy und nach dem Gestank. Es ist der BH, der jetzt auch schon durch ist. Sie schnuppert dann auch am BH, rümpft die Nase. Aber nach dem dies ihr einziger Ausgeh-BH ist, muss sie ihn anziehen, auch wenn er stinkt. Sie schnappt sich ein Deospray aus dem Schrank und sprüht den BH großzügig ein. Dann zieht sie ihn an. Gänsehaut umzieht ihre Schultern, ihren Rücken und ihre Brüste. Ihre Nippel stellen sich auf. Ganz schön kalt. Scheiß Deo! Sie schnappt sich den durchsichtigen Stringtanga von der Heizung und zieht ihn an. Der ist ganz schön heiß. Aua! Sie dreht die Heizung ab und geht wieder ins Schlafzimmer. Das perfekte Outfit?! Wenig später kommt sie mit einem Shirt in der Hand und wieder ins Bad. Da macht sich nochmal die SMS bemerkbar. Das Handy liegt zwischen zwei Handtuchstapel gerutscht auf der Waschemaschine. Sie klappt es auf und schaut auf den Display. ‚Bis um 20 Uhr dann. Freu mich.‘ Dann klappt sie das Handy wieder zu und steckt es in den BH. Wenig später zieht sie es wieder heraus, weil sie vorhin die Uhrzeit nicht beachtet hatte, klappt es wieder auf und schaut nochmals aufs Display. Oh, sie muss sich jetzt aber ganz schön beeilen, wenn sie noch halbwegs pünktlich hinkommen will. Sie hängt das Handy an den Stringtanga und zieht das Shirt an. Etwas aufreizendes, aber doch relativ hochgeschlossen, für meine Verhältnisse, denkt sie. Auf dem Weg ins Wohnzimmer schaut sie wehleidig auf den Stapel mit ihren Korsetts. Nicht gleich beim ersten Date, denkt sie weiter. Genau deswegen hat sie sich keine Kondome in die Handtasche gesteckt. Und sie wird auch aus dem Grund kein Korsett anziehen. Des bringt Mann nur dazu den ganzen Abend mit ihren Brüsten zu sprechen und endet dann höchstwahrscheinlich in seinem Bett. Und das wollen wir doch nicht beim ersten Date. Oder doch, dann muss sie aber auch Kondome einstecken. ‚Und warum ist keiner da, der mir auf die Finger klopft.‘ Sie nimmt pinkgeringelte Strümpfe von der Wäscheleine und zieht sie hüpfend an. Das Handy fällt auf den Boden. Sie hebt es auf und steckt es wieder in den BH. Sie zieht die Strümpfe bis über die Knie. Dann schaut sie wieder auf die Korsetts. Dann haut sie sich auf die Finger. Böses Mädchen, bloß keine versauten Gedanken! Aus dem Grund ist Selbstbefriedigung von dem ersten Date auch für eine Frau sehr wichtig. Dann alles viel entspannter. Aber dazu ist sie nicht gekommen. Sie schaut auf das Display des Videorekorders. Es wird höchste Zeit. Sie rennt ins Bad und zieht die Hose an. Auf dem Weg ins Wohnzimmer zieht sie den Gürtel durch die Schlaufen und geht zielstrebig auf ihre Handtasche zu und zieht einen Deoroller hervor. Sie schiebt den Deoroller unters Shirt und macht einige komische Bewegungen. Dann steckt sie das Deo wieder in die Handtasche. Sie spielt an ihrem Hundehalsband herum und entschließt sich es an der Handtasche zu lassen, da wo es immer hängt, wenn sie es nicht anhat. Sie wirft nochmal einen Blick in die Handtasche, nickt und geht in den Gang. Die Schuhe, die sie jetzt wählt, sind definitiv nicht zum Laufen gemacht worden. Die Pfennigabsätze sind an die 10cm lang. Die Schuhe sind nur fürs Sitzen entworfen worden, vielleicht noch zum Liegen, sie haut sich wieder auf die Finger. Sie zieht sie an und strauchelt einwenig, als sie wieder auf beiden Beinen steht. Diese Schuhe sind definitiv nicht zum Laufen da, aber sie sind einfach geil. Dann zieht sie ihre Designerjacke Marke Eigenbau über. Sie sperrt ihre Haustüre auf und schaut nochmal auf den Wandspiegel um ihr Gesamtbild zu überprüfen. Nein, was ist das? Ein Pickel? Nein! Mitten auf der Nase. Wie kommt der denn da hin? Aus der Pubertät ist sie doch schon lange raus! Oder? Was nun? Ausdrücken? Nein, dann sieht es nur noch schlimmer aus. Sie kratzt aber dann doch dran rum, kurz und schmerzlos wird der Pickel mit einem gezielten Kratzer geköpft und gut ist! Ohne einen weiteren Blick in den Spiegel ist sie wieder den Tränen nahe und verlässt dann aber zügig die Wohnung. Sie überlegt noch kurz doch Kondome mitzunehmen, sicherheitshalber. Sie schließt aber doch die Türe und sperrt von außer ab. Sie will einmal was richtig machen. Sie tippelt die Treppen runter und denkt panisch dran, was passieren würde, wenn sie jetzt die Treppe runter fallen würde und sich dabei der Inhalt ihrer Handtasche dann über das ganze Treppenhaus verteilt. Das würde ihre Hausbesorger auf den Plan rufen, die dann über den, aus der Handtasche gepurzelten, Stringtanga stolpern würden. Für alle Fälle hat sie eine Reisezahnbürste und den Wechseltanga dabei. Frau kann ja nie wissen, was passiert. Aber keine Kondome dabei haben, weil sie ja alles richtig machen will. Sie ist dann doch unbeschadet bis zum Auto gekommen und fährt los. Während der Fahrt kramt sie in der Handtasche. An der nächsten Ampel schüttet sie den ganzen Inhalt auf den Beifahrersitz. Sie klappt die Sonnenblende runter, ein Spiegel kommt zum Vorschein. Ein Frauenauto eben. Am Beifahrersitz ist nämlich kein Spiegel in der Sonnenblende. Der Pickel ist jetzt nur noch ein angetrockneter Schorf. Sie kratzt noch einmal drüber und wie durch ein Wunder ist der Pickel nun kaum mehr zu sehen. Ein Stoßgebet ans Universum schickend, zieht sie eine Nagelfeile aus dem Verhau am Beifahrersitz. Und macht sich die Fingernägel sauber und feilt ein bisschen, bis sie an der Ortsgrenze an der ersten Ampel stehen bleibt. Sie zieht sich schnell mit einem aus dem Verhau geborgenen Kajal einen Unterlidstrich. Dann wird es grün. Sie fährt weiter mit einem halbgeschminkten Auge. An der nächsten Ampel kommt das zweite Auge dran. An der Dritten der Feinschliff. Unterwegs zu vierten Ampel sucht sie nach einem anderen Kajal für den Oberlidstrich und nach dem Lidschatten. Die vierte Ampel ist grün, so ein Scheiß. Es geht jetzt Überland und es sind am Samstag Abend nur Sonntagsfahrer unterwegs. War ja klar. Sie entschließt sich während des hinter Sonntagsfahrern hinterherschleichen die Nägel zu lackieren. Und des ist ein Kunst für sich, während der Fahrt sich die Nägel klarlacken, ohne einen Unfall zu bauen und ohne von der Polizei angehalten zu werden. In der großen Stadt angekommen, mit perfekten Nägeln, die noch an der Lüftung etwas trocknen müssen. An der ersten Ampel ist nun das Oberlid dran. Der Kajal ist abgebrochen. So ein Mist. Sie fischt einen Kajalspitzer von der Ablage vorm Beifahrersitz und spitzt den Kajal an. Der Dreck wird in den Fußraum des Beifahrers gebröselt. (Da wo der ganze andere Müll vor sich hin lebt!) Die nächsten Ampeln sind rot und die Schminke ist fast perfekt. Jetzt geht es an die Augenbrauenrestaurierung. Im Halbdunkel würde es kaum auffallen, wenn Mann nicht weiß, dass die eine Augenbraue nur halb anwesend ist. Hoffentlich ist in der Bar kein grelles Licht, des wäre ihr Todesurteil. Sie versucht sich zu beruhigen. Wir treffen uns ja schließlich nicht im Schlachthaus, oder? An der nächsten roten Ampel werden die Wimpern sexy aufgetuscht. Neben ihr hält ein Wagen und der Fahrer starrt ungläubig zu ihr herüber. Beide verpennen das Grün und werden kollektiv abgehupt. Vor Schreck kommt sie mit der Wimperntusche an ihr Haupthaar. So ein Mist, jetzt hat sie auch noch eine schwarze Strähne. Den restlichen Weg beschäftigt sie sich mit ihren Lippen und mit dem Gesamtbild. Endlich angekommen und gleich einen Parkplatz gefunden. Ein Wunder. Das ist ein gutes Omen. Das Date muss perfekt werden, da ist sie sich ganz sicher. Der Mister Right wartet sicher schon in der Bar nur auf sie und kann es bestimmt kaum erwarten ihr spontan einen Antrag zu machen.

Der zweite Akt des letzten Date(s)

Wenig später betritt Frau die besagte Bar. Er ist nicht da. Sie fragt den eigentlich schnuckeligen Barkeeper, ob jemand einen Tisch für Zwei vorbestellt hätte, auf seinen oder ihren Namen? Der Barkeeper verneinte und verwies sie an die Bar. Er schaute auf die Uhr. Es wäre ja erst acht, meinte er noch. Frau sitzt nun gelangweilt an der Bar rum. Den Kopf in die Hand gestützt betrachtet sie sich verträumt an der Spiegelverkleidung hinter der Bar. Zwischen einer Flasche Glen Grant und einer Flasche Tullamore Dew war so viel Platz, dass sie ihre Frisur und ihre Schminke überprüfen konnte. Der Barkeeper stellte sich mit einem ‚Bestell was‘-Blick vor ihr Spiegelbild. ‚Ich nehm ein kleines Wasser!‘ sagte sie kleinlaut, in der Hoffnung er würde ihr Spiegelbild wieder freimachen. Mit wenigen Handgriffen und einem enttäuschten Blick, war ein kleines Wasser mit Eis und Zitronenscheibe vor ihrer Nase und der Barkeeper immer noch im Weg. Er musterte sie. Sie kramte in ihrer Handtasche nach ihrem Handy. Nichts. Sie kramt weiter. Immer noch nichts. Sie kratzt sich am Kopf. Dabei kam sie an ihren Busen und bemerkte, dass ihr Handy ja immer noch im BH steckte. Sie wühlte in ihrem Ausschnitt und zog mit zwei Fingern das Handy zum Vorschein. Der Barkeeper schaute ihr fasziniert dabei zu. In dem Moment als das Handy wieder ans nächtliche Tageslicht kommt, vibriert es und rutscht ihr aus den Fingern. Mit einem Platsch fällt es ins kleine Wasser. So schnell konnte sie gar nicht kucken, da rettete der Barkeeper ihr Handy, indem er das Glas schnappte und über sein Schwammtuch kippte. Das Handy schlitterte heraus und er nahm es mit einem Handtuch und trocknete es behutsam ab. Mit einer eleganten Handbewegung reichte er das Handy über die Theke und öffnete es, als wäre es die Weinkarte. Eine SMS blinkte vor sich hin. Das Handy hatte anscheinend keinen Schaden davon getragen. Er war es. Bestimmt. Sie nahm das Handy an sich und schaute die SMS an. ‚Hab nen Einsatz, komme später!‘ Ihre Miene versteinerte sich. Toll, jetzt sitzt sie da wie bestellt und nicht abgeholt. Ein weiteres kleines Wasser wurde vor sie hingestellt. ‚Ist es kaputt?‘ Sie schüttelte den Kopf und tippte eine Antwort. ‚Bin schon da und warte auf dich!‘ Dann tippte sie wieder zurück zu der SMS von ihm. Er hatte sie schon vor einer halben Stunde geschickt. Komisch. In ihrem BH gibt es wohl kein Netz. Sie klappt das Handy wieder zu und legt es mit einem Sicherheitsabstand neben ihr Glas und trank. Kaltes klares Wasser. Sie kratzte sich wieder am Kopf. Der Barkeeper schaute sie immer noch an. Sie seufzt. Jetzt schaute er sie mitleidig an und stellte ihr einen Glen Grant hin. ‚Der geht aufs Haus!‘ und das ‚der‘ betonte er so, als ob dies nicht der Letzte werden würde. Dann vibrierte das Handy wieder. Sie schnappte es und klappte es mit einer geschickten Bewegung mit einem Daumen auf. Er. ‚Steck mitten in ner Ringfahndung. Dauert noch.‘ Ohne zu antworten klappte sie es wieder zu und nahm den Whiskey, setzte ihn an und stürzte ihn hinab. Ihr Magen krampfte sich zusammen und dann spürte sie erst, wie es in ihrer Kehle brannte. Sie zog die Luft zwischen die Zähne ein und schaute zum Barkeeper. Er grinste sie an und zückte ein weiteres Glas und den Glen Grant. Sie nickte. Er tauschte die Gläser. ‚Nostromo‘ sagte sie und genoss diesen Whiskey. Mist, warum habe ich mein Strickzeug nicht dabei, dann würde ich mich jetzt nicht aus Langweile besaufen müssen, dachte sie. Sie nippte nochmal an dem Whiskey und jetzt sprudelten viel zu viele Gedanken durch ihren Kopf:

Warum bloß wollte ich alles richtig machen und bin nicht gleich nach dem ersten Zusammentreffen mit dem Arsch ins Bett gestiegen. Weil du es richtig machen wolltest! Ach. Im Bett wart ihr bereits. Ohne Geschlechtsverkehr. Ist ja eigentlich nicht meine Art, aber ich wollte ja alles richtig machen. Und jetzt sitzt ich hier ungefickt und vor lauter perfekte Frisur, perfekte Klamotte und perfektes Date, hab ichs mir vorher nicht selber besorgt und jetzt bin ich rattig ohne Ende und er steckt in einer Ringfahndung. Ein Glugglugg unterbracht ihren inneren Monolog und ein weiterer Whiskey wurde vor sie hingestellt. Der Barkeeper schaute auf die Uhr. Es war schon nach neun. Er schaute sie besorgt an. Sie konnte schier sein Gedanken lesen. Schon nach neun. Und es sprudelte wieder: Normalerweise gehe ich nie vor Mitternacht aus dem Haus und dann vorallem nicht mit so einer biederen Schleckfrisur. Scheiße. Dabei hat er letzten Mittwoch noch zu mir gesagt, dass er früher so in mich verknallt war, aber ich hätte angeblich immer einen Freund gehabt. Fürs Protokoll: Ich hatte in den seltensten Fällen einen Freund. Ich habe früher immer für ihn geschwärmt und dabei war immer meine beste Freundin hinter ihm her und er hatte immer eine Freundin. Hm. Warum hatte des eigentlich damals mit ihr nicht geklappt? Hm. Er ist bestimmt nie gekommen. Haha. Wegen Ringfahndungen!‘ Sie erschrak vor ihrer eigenen Stimme. Sie hatte wohl laut gedacht und wurde in ihrem nicht mehr so ganz so inneren Monolog immer lauter. Ist das peinlich! Wie gut, dass außer ihr und dem Barkeeper keiner in der Bar ist. ‚Er ist n Bulle?‘ kam es von hinter der Theke. Sie nickte und trank wieder. Er schaute wieder auf die Uhr. Schon kurz vor zehn. Sie stürzte den restlichen Whiskey runter. ‚Noch einen!‘ schon leicht lallend.

Sie verspürt ein komisches Jucken. Im BH?! Sie kuckt vorsichtig in den Ausschnitt. Kann aber im Dunkeln nichts erkennen. Sie hätte ein helleres Shirt anziehen sollen.

Sie zieht das Shirt ein bisschen vor, um mehr Licht ins Dunkle zu bringen. Der Barkeeper zündet ein Feuerzeug neben ihrem Ohr an. ‚Hast du da noch was drin versteckt?‘ Sie kuckt ihn entsetzt an. Eigentlich hätte sie sagen sollen, dass ihn das einen Scheißdreck angeht. Aber weil sie schon ein wenig angesäuselt war, wurde sie nur hochrot im Gesicht und zog sie Schultern hoch. ‚Nö!?‘ Er steckte das Feuerzeug wieder ein, irgendwo unter der Schürze, schätzungsweise in die kleine Feuerzeugtasche seiner Jeans. Sie wankte aufs Klo. Auf der Toilette wurde ihr erst richtig bewusst, wie betrunken sie war. Auf der Schüssel sitzend untersuchte sie ihre Brüste. Um Himmels Willen! Sie hat einen Ausschlag auf den Brüsten. Vom Deo? So eine Scheiße! Und er ist Schuld. Am Waschbecken haut sie sich Wasser ins Gesicht und betrachtet ihr Spießerfrisur. Sie kommt kopfschüttelnd aus der Toilette und wurschtelt sich kurzerhand durchs Haupthaar. Jetzt kann man mehr von ihren Haaren oder beziehungsweise deren nichtvorhandenensein erkennen. Wieder an der Bar angekommen, schaut sie sicherheitshalber aufs Handy. Nichts. Aber schon viertel nach zehn! Neben ihrem Wasser stand wieder ein Whiskey. ‚Das ist aber der Letzte!‘ und sie stürzte ihn runter, setzte das Glas wieder ab. Sie starrte ein wenig vor sich hin und spielte an ihrem Wasserglas. Die Hand wieder ins Gesicht gestürzt oder umgekehrt. Die Haare stehen ihr irgendwie wirr vom Kopf weg. Sie schloss die Augen. Eine SMS schreckt sie auf. Sie war wohl kurz eingenickt. Sie nahm ihr Handy, machte es auf und schaute nach der SMS: ‚Bin total fertig. Muss jetzt schlafen.‘ Von dem Gesichtsausdruck, der ihr jetzt übers Gesicht huschte, wird es zum Glück nie ein Bild geben, weil es auch kein Wort für dieses Gefühl geben kann, dass in ihr gerade hoch kocht. Sie schrieb zurück: ‚Wie bitte? Des ist nicht dein Ernst?‘ Um Fassung ringend schaut sie auf und sagt trocken und gefühllos: ‚Zahlen!‘ Der Barkeeper legte ihr die Rechnung auf einem Silbertablett, mit den Worten, die keine Frau (egal in welcher Lebenslage) von einem Mann hören will, hin: ‚Wenn ich nicht schwul wär, würd ich dich mit nach Hause nehmen.‘ Die Rechnung übersiegt ihr Wochenbudget um einiges und dafür hasste sie ihn noch mehr. Er hatte diese Schickimickikneipe ausgesucht und sie dort hinbestellt. Und nachdem diese Bar anscheinend davon lebt, arme versetzte Singlefrauen erst abzufüllen und dann mittellos zu machen, sucht sie schnell das Weite. Vor der Türe versuchte sie ihn anzurufen. Er hatte sein Handy ausgeschaltet. Sie ging zu ihrem Auto. Da wo sie es abgesellt hatte, war es nicht mehr. Haben die Scheißbullen jetzt auch noch mein Auto abgeschleppt. Sie ist eh so betrunken, dass sie auf keinen Fall mehr fahren könnte, selbst wenn ihr Auto noch da wäre, wo sie es abgestellt hatte.

Das ist ja wohl das allerletzte Date!

Sie torkelte Richtung U-Bahn auf ihren Highheels durch die große Stadt. Sie war so aufgewühlt, dass sie an der nächsten U-Bahn-Station vorbeilief und noch bis zur Nächsten laufen würde. Sie irrte durch ein Wohngebiet und als sie wieder einigermaßen klar im Kopf war, fand sie sich vor einem Haus wieder, in dem jemand gewohnt hatte, der ihr zu seinen Lebzeiten sehr nahe gestanden hatte. Jetzt war alles vorbei. Heulend schleppte sie sich weiter. Das Universum hat einfach kein Einsehen heute. Irgendwann kam sie dann bei der nächsten U-Bahn-Station an und versuchte möglichst unauffällig und möglichst schnell nachhause zu kommen. Sie zog sich eine Kurzstrecke, mehr Geld hatte sie nicht mehr. Unauffällig, war sie schon in normaler Verfassung nicht, aber nun liefen ihr die Tränen wie Sturzbäche übers Gesicht. Sie rotzte alle paar Minuten in ihr letztes Taschentuch. Alles hatte sie dabei, nur nicht genug Taschentücher. Sie wechselte zur S-Bahn und musste erstmal 40 Minuten warten, bis ihre nächste Bahn kommen würde. Die Welt ist einfach Scheiße. Ihre S-Bahn kam. Sie setzte sich und nickte ein. Durch ein: ‚Die Fahrkarten! Bitte!!‘ wurde sie unsanft geweckt und mit der Kurzstrecke bekam sie dann schließlich ein 40 Euro Ticket als Strafe. Dafür, dass sie ja bei diesem Date mal alles richtig machen wollte. Jetzt war sie nicht nur sauer und angepisst, sondern stinkwütend. Sie betet inständig ans Universum, dass jetzt eine Gruppe egal welcher Idioten sie blöd anmachen würden. In ihr brodelt es richtig. Nicht nur vor Wut, nein auch der Whiskey brodelte in ihr. Kurz vor dem Aussteigen an ihrem Heimatort kotzte sie noch den Mülleimer voll. Dann wankte sie aus der Bahn. Zumindest hat sie der Bahn noch ein Paar Naturalien dagelassen. Vielleicht muss sie ja deswegen die 40 Euro nicht voll zahlen. Hm. Das sie ja keinen Cent mehr in der Tasche hat, muss sie nun nach Hause laufen, bis zu ihrer Wohnung sind es schlappe 5 km. Nach dem ersten Kilometer, entschloss sie sich entgültig ihre Schuhe auszuziehen und ohne weiter zulaufen. Bei der Hälfte fuhr ein Bus an ihr vorbei. So eine Scheiße, wo kommt der denn her? Sie lief los. Vielleicht erwischt sie den Bus an der nächsten Haltestelle. Vielleicht wartet er ja auf sie? Sie kann gerade noch die Rücklichter des Busses am Ende der Straße erkennen. Dann biegt er ab und ist aus ihren Augen verschwunden. So eine Scheiße. Schlimmer kann es ja wohl nicht mehr kommen. Es zuckt ein Blitz über den Himmel und dann erschrak sie von dem Donner, der gleichzeitig einen Platzregen mit sich brachte. Das Universum kann jetzt mit ihr oder ohne sie untergehen. Jetzt ist alles egal. Ein begossener Pudel ohne Schuhe sitzt am Straßenrand und heult. Schlimmer kann es wirklich nicht mehr werden.

Ein Wagen hält. ‚Hey, du krasse Gotikfrau. Du kommen mit ficken auf Friedhof?‘ sie schaut auf und ihr kommt nur ein: ‚Wie bitte?‚ heraus. ‚Kommst du mit, ficken auf Grabstein!‘

Sie fasst sich ein Herz und entgegnete den Männern in dem Wagen: ‚Euch geht’s ja wohl nimma ganz gut, oder? Von was träumt ihr eigentlich Nachts? Natürlich komme ich mit, mit euch Vollhupen. Auf den Friedhof! Für Geschlechtsverkehr auf einem Grabstein! Alles klar? Und die Erde ist eine Scheibe. Ihr macht mir meinen Tag heute wirklich perfekt. Das hat mir gerade noch gefehlt, dass mir ein paar Gangster Geschlechtsverkehr anbieten. Das muss mein Glückstag sein. Was glaubt ich eigentlich was euch dazu privilegiert, dass ich krasse Gothicfrau mit euch ficken möchte? Geschlechtsverkehr auf einem Grabstein mit euch wollte ich ja auch schon immer mal haben. Das ist ja wirklich der Traum meiner schlaflosen Nächte. Ihr habt euch wohl ein bisschen zu viel Haargel auf die Birne geschmiert. Und jetzt kommt mir bloß net damit, dass ich irgendwelche Vorurteile gegenüber meinen ausländischen Mitbürgern hätte. Nein, ihr hab Vorurteile gegenüber krasser Gothicfrauen. Verpisst euch bloß. Ich krasse Gothicfrau will nämlich allein sein. Allein! Allein! Verdammt noch mal! Gefickt wird hier keiner! Höchstens ihr. Wenn ich euch meine Highheels bis zum Anschlag in den Arsch schiebe. Ja. Auf dem Grabstein. Das hättet ihr wohl nicht gedacht, dass ich dabei den aktiven Part und ihr dabei den passiven Part habt. Wie gut dass ich zufällig einen Umschnalldildo in meiner Handtasche mit mir rum schleppe. Na, hab ihr noch Lust. Ihr könnt euch schon mal frei machen. Lasst es uns gleich hier machen. Auf eurem abgewichsten Schlampenschlepper!‘ Quietschende Reifen unterbrachen ihren Monolog. Die Typen waren einfach weitergefahren. Sie stand auf der Straße, in einer Hand Schuhe schwingend und in der anderen Hand einen echt gefährlichen Deoroller aus Plastik. Es hatte wieder zu Regnen aufgehört. Das war heute wirklich der einzige Moment, der ein bisschen Unterhaltungswert hatte. Der restliche Weg war zwar noch weit, aber nicht mehr ganz so hart, wie es vorher den Anschein hatte.

Am nächsten Morgen wachte sie auf, in ihrem Bett. Allein. Ihre Highheels lagen vor dem Bett auf ihrer Jacke. Neben den Schuhen lag ihr Deoroller. Sie lächelte. Jetzt bemerkte sie, dass sie tierische Kopfschmerzen hatte. Sie versuchte aufzustehen. Ein Blick auf ihre Füße, trieben ihr wieder Tränen in die Augen. Ihre pinkgeringelten Strümpfe waren völlig zerstört. Sie zog sie von ihren dreckigen Füßen. Aua. Sie hatte mehrere ziemlich fiese Blasen an den Füßen. Und die Ballen waren wundgelaufen. Dann zog sie ihr Handy aus der Tasche. Sie schrieb eine bitterböse SMS an ihn. Dann schwor sie sich, nie wieder zu einen Date zu gehen, mit Schuhen, die nur zum Sitzen entworfen wurden.

Ein paar Wochen später, sie hatte das Date schon fast wieder vergessen, traf sie ihn. Er schlenderte mit einer anderen Frau Hand in Hand an ihr vorbei. Sie überlegte ernsthaft einen Polizistenmord zu begehen. Auch wenn sie dann auf der Flucht von seinen Kollegen erschossen werden würde. Nein, das was er eigentlich nicht wert. Sie musste sich ja nicht noch unglücklicher machen als sie eh schon ist. Sie entschied sich dann, es mit einer Beamtenbeleidigung bewenden zu lassen.

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