Eine wunderschöne Blumenwiese im Schneesturm… Teil 1

Eine wunderschöne Blumenwiese im Schneesturm…

Ich laufe über eine wunderschöne Blumenwiese. Sie ist voll schön. Weil! Weil, da sind ganz viele wunderschöne Blumen. Ich springe, wie ein kleines 12jähriges Mädchen mit blonden Zöpfen über die wunderschöne Blumenwiese.

Himmel, ich bin ein kleines 12jähriges Mädchen mit blonden Zöpfen. In was für eine Scheiße bin ich da jetzt wieder geraten? Ich muss mit dem Koffein und mit dem Absinth aufhören. Und ich muss verdammt nochmal mehr schlafen. Scheiß auf den Vollmond, Bine! Bine, du musst verdammt nochmal mehr schlafen.

Ich schaue an mir herab. Was ist denn dass? Ich habe eine pinke HelloKitty-Kindergartenumhängetasche um den Hals hängen. Ich öffne die Tasche und schaue hinein. Völlig enttäuscht schließe ich die Tasche wieder, mein angebissenes Schinkenkäsetoast ist da gar nicht drin, obwohl ich so ein Gefühl hatte, es wäre so. Blöder Traum.

Ich springe ja immer noch auf dieser wunderschönen Blumenwiese herum. Die Wiese, unendliche Weiten. Unglaublich, wie viele Blumen hier sind. Ich will sie alle pflücken. Können 12jährige Mädchen schon dem Größenwahn unterliegen. Ich hüpfe weiter über die wunderschöne Blumenwiese und ich komme an einen wunderschönen Ententeich.

Ich sehe ins Wasser und ich kann mich im Wasser spiegeln sehen. Mein Spiegelbild zeigt mir, dass ich ein weißes Kleid mit roten Punkten an habe.

Oh, was ist das. Die Punkte werden zu Blumen und ich bin kein 12jähriges Mädchen mehr. Ich bin eine ältere Bine mit pinken Zöpfen und ich trage außer mir selbst eine Ganzkörperblumenbemalung. Ein Blumenstirnband ziert meinen Kopf und ich habe ein Körbchen in der Hand, bis oben hin voll mit Blütenblättern. Ich höre Hochzeitsglocken läuten. Jetzt muss ich mich aber beeilen, sonst komme ich noch zu spät. Zu spät zu was?

Ich laufe wieder über die wunderschöne Blumenwiese auf eine Hochzeitsgesellschaft zu. An den vereinzelnd stehenden Bäumen sind weiße Schleifen gebunden. Viele weiße Tauben fliegen in den blauen Himmel. Ich laufe immer schneller über die Wiese. Meine nackten Füße graben sich bei jedem Schritt tiefer in die feuchte Erde und das Moos, dass zwischen den Grashalmen wächst. Die, durch meine schnellen Schritte aufgescheuchten, Schmetterlinge begleiten meinen Weg. Ich laufe immer schneller auf die Hochzeitsgesellschaft zu, ich kann sie aber nicht erreichen. Die fangen noch ohne mich an. Aber ich bin doch das Blumenmädchen.

Himmel, was sind dass denn für Gedanken? Blumenmädchen? Haare braun färben? Das muss ein Traum sein, auf so eine Idee würde ich ja nie kommen, wenn ich ernsthaft mal wach wäre, oder?

Mein Blick vernebelte sich und ich konnte eine kräftige Hand auf meiner Schulter spüren. Krallen bohrten sich in meine Haut. Es wurde alles weiß um mich herum. Weiß. Und unsagbar kalt. Ich konnte eine tiefe Stimme in meinem Kopf hören. Mein Verstand schien das Gesagte aufzunehmen. Mein Körper hatte wohl das Laufen eingestellt, mein Verstand hastete aber weiter. Immer weiter. Ohne Pause. Ruhelos.

Ich spürte eine zweite Hand, wie sie durch meinen Körper griff um meinen Verstand zu stoppen. Es dauerte nur ein paar Sekunden, bis mein Verstand endlich zur Ruhe gekommen ist. Ich stellte fest, dass ich in einem weißen, weiten Raum stand. Öd und leer und kalt. Es war so kalt. Ich hatte nach wie vor keine Schuhe an, konnte aber den Boden unter meinen Füßen nicht wahrnehmen.

Am Ende des Raumes sah ich einen Fleck. Ich ging auf den Fleck zu. Ein roter Fleck. Die Hand auf meiner Schulter begleitete mich, so wie die Kälte. Ich lief immer schneller. Der rote Fleck wurde größer.

Der rote Fleck war ein roter Stuhl. Mit jedem Schritt, den ich näher an den roten Stuhl kam, wurde der weiße Raum immer kleiner und kleiner. Irgendwann stand ich tatsächlich vor dem roten Stuhl und der weiße Raum war jetzt so klein geworden, viel zu klein. Ich hatte das Gefühl mich ducken zu müssen, um nicht am Ende des Raumes anzustoßen. Der unentwindbare Griff der starken Hand zwang mich auf den roten Stuhl.

Ich spürte den Körper, der zu der starken Hand gehören musste, hinter mir stehen. Ich wägte es aber nicht mich umzudrehen. Seine Stimme prügelte weiter auf mein Hirn ein. Er schändete meine Gedanken. Ich konnte nicht wiedergeben, was mir da gesagt wurde, aber ich wusste, dass etwas gesagt wurde.

Meine Nackenhaare stellten sich auf. Aber nicht wegen der Kälte. Wegen dieser Stimme. Die Stimme bohrte sich in meinen Kopf und löste Gedanken in mir aus. Meine Gedanken stürzten mich ins Chaos. Der Stuhl kippte nach vorne. Der Raum wurde immer kleiner und kleiner, meine Augen verdrehten sich und mir schwanden die Sinne, als der Raum über mir zusammenbrach.

Als ich wieder aus meiner Ohnmacht aufschreckte, schwebte der rote Stuhl immer noch in gekippter Art und Weise am Rande einer Klippe. Es war immer noch alles weiß. Ich hatte Angst zu fallen. Falle aber nicht. Ich wurde von der Hand gehalten.

Das Gefühl gleich abzustürzen ging aber nicht weg. Meine nackten Zehenspitzen berührten ganz leicht den verschneiten, gefrorenen Boden, der unter den beiden Stuhlbeinen zu sein schien. Schnee und Eis ließen in mir das Gefühl auffahren, dass es mir gerade die Zehennägel aufrollte. Vor mir war die stürmische See. Der Wind treibt mir gefrorenen Regen ins Gesicht. Die schweren, schwarzen Wolken kamen rasend schnell auf mich zu.

Cthulhu Detail

Ich bemerkte neben mir einen Schatten. Die starke Hand presste mich weiter auf den Stuhl. Ich hatte das Gefühl, dass meine Knochen unter dieser Berührung bersten könnten. Nun konnte ich die Hand sehen, die mich, wie ein Schraubstock, mit dem Stuhl zusammen in der Luft hielt. Es ist eine echt große Hand, die mit pergamentartiger, weißer Haut und angeschwollenen grünen Adern umhüllt war. Seine spitzen, schwarzen Krallen bohrten sich in mein Fleisch.

Ich blickte nun doch auf den gewaltigen Schatten neben mir, der ohne Zweifel zu der Hand gehören musste. Ich sah weißes Fleisch, dass von angeschwollenen grünen Adern übersät war. Die Adern schienen nach anderen Gesetzen über den enormen Körper zu wachsen und endeten in großen Geschwüren. Diese Geschwüre waren lila oder türkis und sie wirkten auf mich, als würden sie nur durch meinen Blick zum Platzen gebrachte werden. Aus Manchen lief ein bunt schillerndes, widerlich schleimiges und übelriechendes Sekret.

Ich hatte nie eine genaue Vorstellung davon, wie obszöne Pilzgewächse den aussehen sollten, aber diese Geschwüre kamen dem schon ziemlich nahe, was sich mein verrückter Verstand in der Vergangenheit insgeheim so farbenfroh ausgemalt hatte.

Seine Stimme hatte die ganze Zeit nicht aufgehört zu meinem Hirn zu reden und ich fühlte mich so, als würde aus meinem Kopf auch dieses Sekret laufen. Die Stimme brach ab und ich verstand nun laut und deutlich: ‚Du wirst die einzige Überlebende sein!‘

Fortsetzung folgt…

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