Ein Knopf kommt selten allein… Teil 49

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 49

Tommi begann zu lesen. ‘Nun sitze ich wieder hier an meinem Schreibtisch, ganz allein und das Fenster hinter mir wird für immer geschlossen sein. Nur meine beiden kleinen neuen Freunden leisten mir Gesellschaft. Die beiden Knöpfe, die sich anschickten in meinen Besitz zu stolpern und nun sind sie das Einzige was mir von ihm bleiben ist. Seine Knöpfe und die kleinen vertrockneten Blumen, die ich in dieses Tagebuch gelegt habe, um mich für immer daran zu erinnern: Zwei Tage Freiheit.

So bin ich froh, das wir diese beiden Tage in Freiheit hatten. Die beiden Nächte werden für immer in meiner Erinnerung bleiben. Und der Kuss an unserem Ort. Der Ort, den nur wir beide kennen. Ich kann die Tränen kaum mehr zurückhalten, dennoch schreibe ich weiter, ist doch mein Tagebuch die einzige Freiheit die mir nun noch geblieben ist.

Am Besten beginne ich von Vorne was an diesem Dritten Tag unserer Allianz geschah.

Wir waren heute bei dem jungen Fohlen gewesen. Sie war noch so klein und konnte kaum aufstehen. Die Mutter war noch sehr erschöpft und gab kaum genug Milch für die kleine Zyane. Hans war sehr besorgt. Am Vormittag hatte sich Emma hingelegt und war nicht mehr aufgestanden. Alle Versuche sie zu behandeln waren vergebens.

Der Doktor, der eigentlich nach mir sehen wollte, bot seine Hilfe an. Sie schickten mich fort von den Ställen, der Doktor befürchtete ich würde mir das Schicksal des Pferdes zu sehr Herzen nehmen.

Hans brachte das Fohlen irgendwann auf die Veranda und bat Alma eine Flasche Milch für das arme Ding zu bereiten. Ziemlich geknickt ging er wieder und irgendwann schallte ein Schuss über den Hof und mir war klar, was sie getan hatten. Auch der Doktor hatte sie nicht retten könnte.

Plötzlich kamen Reiter auf den Hof geritten und blickten sich fragend um. Mein Ehemann war wieder da, er ritt völlig außer sich bis auf die Veranda und sah mich weinend mit dem Fohlen im Arm am Boden sitzen. Er sprang vom Pferd und schrie. Ich war mir nicht sicher ob er mich anschrie oder die Bediensteten. Ich erschrak mich dennoch sehr und hörte augenblicklich auf zu weinen auf, um ihn wohl entsetzt anzublicken.

Er war sehr aufgebracht weil er nicht verstand. Doch Hans kam mit der Waffe in der Hand über den Hof geschritten und machte Meldung: ‚Herr, ich musste eine der Stuten erschießen. Das Fohlen hat auf dem Weg ins Leben zu viel Schaden angerichtet.‘

Wortlos übergab er die Waffe seinem Herren. Mein Ehemann schüttelte fassungslos den Kopf, blickte Hans finster an, um ihn dann anzufauchen: ‘Hans, was soll das, ich hab Ihm die Waffe, als Zeichen meines Vertrauens gegeben und eine Geburt ist immer schwierig, das musst er doch am Besten wissen, Hans!‘

Daraufhin übergab er die Waffe wieder dem Stallknecht und wandte sich zu mir. Ich saß immer noch auf dem Boden mit dem Fohlen im Arm und muss meinen Mann immer noch verstört angeblickt haben.  

Der Arzt kam hinzu und erklärte meinem Mann: ‚Selbst wenn er es gleich bemerkt hätte, hätte selbst ich das Tier nicht retten können. Mein eher weniger geschätzter Kollege und Pferdemetzger hätte gar nichts getan und sich später um frisches Fleisch gefreut. So könnt Ihr wenigstens die Überreste verwerten.‘

Angesichts seiner Ansprache muss ich wohl laut geschluchzt haben und schon waren alle Augen auf mich gerichtet.

Gut das in dem Moment Alma auf die Veranda kam und fröhlich mit der Milchflasche wedelte. Sie drückte mir sogleich die Flasche in die Hand. Es war ein Tuch am Flaschenhals befestigt und mit ein bisschen gut Zugerede von mir und Hans trank das Kleine tatsächlich. Ich musste derart gestrahlt haben, dass ich selbst dem Hans ein Lächeln abringen konnte.

Mein Mann und der Doktor hatten sich indes unterhalten und mein Mann begann zu ebenfalls strahlen.

‚Wem hab ich die schnelle Genesung meiner geliebten Ehefrau zu verdanken?‘ fragte er alle Anwesenden.

Alma zeigte auf Hans, Hans zeigte auf den Arzt und der Arzt zeigte auf mich und ich auf Alma, blickte jedoch Hans dabei an.’

Hermine kicherte, während Tommi die nächste Seite umblätterte.

Fortsetzung folgt…

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Ein Knopf kommt selten allein… Teil 48

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 48

Tommi saß im Bett und Hermine saß verkehrt herum ans Fußende gelehnt im Bett und blätterte gelangweilt im ‘Faust’ herum. Er drückte mit seinem Gips gegen ihren Fuß, grinste Hermine an und beobachtete sie.

‘Sag mal was war denn eigentlich noch in der braunen Tüte?’ wollte Hermine wissen.

‘Ein neuer Laptop.’ meinte Tommi eher beiläufig.

‘Was, so groß war doch die Tüte gar nicht.’ rief Hermine aufgeregt.

‘Ich glaub der Herr Dr. Dalek möchte, dass ich das Tagebuch gleich abtippe.’ meinte Tommi und hangelte nach der braunen Tüte und zog dann ein neues MacBook heraus.

‘Aber wie willst du denn Tippen, mit dem PiratenSuchsystem?’

Er kniff ein Auge zu und sprach wie ein Pirat: ‘So ihr Landratten, da hat sich wohl gerade jemand freiwillig gemeldet. Arr!’

‘Ey, Kapitän. Ich hätte grad nichts anderes vor, Kapitän…!’ rief Hermine und machte Meldung.

Er blickte sie misstrauisch an. ‘Du willst doch nur, dass ich dir weiter vorlese.’

Sie blickte ihn entgeistert an und rief dann übertrieben echauffiert: ‘Ich hab dir völlig uneigennützig meine Hilfe angeboten.’

Beide blickten sich eine Weile ernst an, ohne dass ein weiteres Wort gefallen wäre, es wurde nur die ein oder andere Augenbraue hochgezogen. Dann fing Hermine an zu kichern, bis Tommi den Finger erhob.

‘Ernsthaft, wie schnell bist du denn im Tippen?’

‘Schneller als du, im Moment.’

Sie grinste, krabbelte zu ihm rüber und küsste ihn auf die Stirn, dann wich sie schmerzverzerrt zurück und setzte sich wieder ihm gegenüber hin.

‘Hey Kleines, alles in Ordnung?’ wollte Tommi wissen.

‘Wie meinst du das?’ konterte Hermine mit einer Gegenfrage.

Er zog eine Augenbraue hoch und blickte sie für einen Moment durchdringend an, wich ihrem Blick aber dann aus, bevor er zu reden begann: ‘Du hast dich die letzten Tage ausschließlich um mich gekümmert, aber eigentlich wollt ich mich doch um dich kümmern.’

Ihr schossen augenblicklich die Tränen in die Augen. ‘Ja, ähm. Die Nase tut noch ein wenig weh.’ Sie schluckte ein Schluchzen hinunter.

‘Komm her, ich les dir weiter vor, Okay!’

Sie schluchzte: ‘Ohne tippen?’

‘Ohne tippen!’ meinte Tommi und nahm sie in den Arm und zog das Tagebuch unterm Kopfkissen hervor.

 

Fortsetzung folgt….

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 47

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 47

Nach dem Frühstück verschwand Wolle mit dem Handy in der Hand. Wenig später kam die Schwester wieder und fragte: ‘Frau Weiß-Müller lässt fragen, ob einer von euch das Handy an hat.’

Dann bückte sie sich und hob den Zettel mit dem W-LAN Schlüssel auf. Tommi blickte Hermine an und sie schüttelte den Kopf. ‘Mein Akku ist tot.’

‘In der Plastiktüte ist auch alles was in den Hosentaschen war.’ flüsterte Schwester Emma.

‘Oh sorry, ich hab gestern nicht mehr drüber nachgedacht.’ rief Hermine und zog die Tüte unter dem Bett hervor. Dann kippte sie den Inhalt einfach aufs Bett und kramte wie eine Besessene nach dem Aufladekabel.

‘Das dauert zu lange, wartet mal!’ meinte die Schwester, zog ihr Handy aus dem Kittel und drehte den Zettel um. Sie tippte eine Nummer ein und wenig später ging sie ran.

‘Ja! Hallo, hier ist Schwester Emma. Die Kinder haben kein Ladekabel. Ist der Bulle in der Nähe? Ja, gehen Sie eine Runde.’ Dann gab sie das Telefon weiter an Tommi und zischte ihm noch zu: ‘Nicht aufregen lassen!’

Ein ersticktes: ‘Sonni!’ kam aus seinem Mund. Dann konnte man Sonjas Stimme durchs Telefon hören. Er musste sich irgendwann die Hand vor den Mund legen und schluckte schwer. ‘Sonni, du kannst jetzt nicht heulen. Du bist doch meine große Schwester.’ Er schluckte wieder schwer. ‘Sonni, der Kimmelmann soll sich um dich kümmern und wehe er macht das nicht gut.’ Man konnte Sonni lachen hören. ‘Kann ich den Anwalt mal kurz sprechen!’

Das ‘Wieso!’ war so laut, dass es nicht nur Hermine hören konnte.

‘Ich möchte mich gerne bedanken!’ meinte Tommi und wartete bevor er fortfuhr: ‘Ja, guten Morgen. Ich wollte mich bei Ihnen bedanken, ich hoff meine Schwester bezahlt Sie ordentlich dafür, dass Sie mich alle zwei Tage aus der Scheiße ziehen?’ Eine weitere Pause, in der anscheinend der Anwalt sprach. Tommi schüttelte den Kopf und fuhr erneut fort: ‘Nein, ich zeig Sie nicht wegen Körperverletzung an.’

Man konnte ein: ‘Machen Sie sich bitte keine Sorgen!’ hören.

‘Mache ich aber, ich will nämlich nicht ins Heim, ich bin nämlich nicht so behindert, wie es in meinem Ausweis steht…Ja. Okay. Ist gut!’

Tommi hörte weiter zu und dann fiel ihm noch etwas ein: ‘Ähm, noch was. Können Sie darauf schaun, dass der Kimmelmann keinen Scheiß mit meiner Schwester macht. Ja, Morgen früh. Aha. Ja, Eingipsen und EKG. Ja, danke nochmal.’ Tommi nahm das Handy vom Ohr und blickte aufs Display.

‘Die sind morgen früh im Gericht!’ meinte Tommi und gab Schwester Emma das Handy zurück.

‘Und weiter?’ wollte Hermine wissen.

‘Keine Ahnung, aber er hat gesagt, dass der Heimatverein noch ein oder zwei Eisen im Feuer hat!’

Hermine blickte ziemlich verstört zur Schwester Emma, die ihr Handy in den BH schob. Als sie beide zu Tommi blickten, zuckte er nur mit den Schultern und stöhnte augenblicklich schmerzverzerrt auf.

Fortsetzung folgt….

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 46

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 46

‘Ich glaub ich muss nochmal kalt duschen!’ meinte Wolle kleinlaut, zog das Handtuch wieder von den Hüften und stieg unter die Dusche.
Schwester Emma richtete ihre Perücke und verschwand aus dem Badezimmer.
Nach einer viertel Stunde klopfte seine Schwester an die Tür: ‘Was zum Knopf dauert da so lange?’
Nachdem keine Antwort kam und sie weiter die Dusche rauschen hörte, ging sie einfach rein. Ihr Bruder stand breitbeinig unter der Dusche und es war ziemlich kalt im Raum.
‘Nicht dein Ernst?’ fragte sie und klopfte gegen die Duschwand. Er drehte sich erschrocken hinter der Duschwand um und blickte durch die Scheibe.
‘Mann, ich muss pissen wie ein Rentier und du machst hier ne Duschparty mit der Krankenschwester.’
Er machte eine einladende Handbewegung Richtung Klo und schnitt ihr eine Grimasse durch die Duschwand.
Hermine zog ihre Hose herunter, setzte sich aufs Klo und murmelte dann vor sich hin: ‘Und ich dachte du wärst ne Schwuchtel!’
‘Das habe ich gehört!’ rief Wolle und schob mit einem Ruck die Duschwand auf.
Hermine grinste ihn an und meinte: ‘Ach so kalt gleich?!’
Er schnappte sich ein Handtuch und wickelte es sich um die Hüften: ‘Dir scheint es ja wieder ganz gut zu gehen.’
‘Ehrlich, wenn du mir solche Vorlagen lieferst!’ rief sie und zeigte ihm den Abstand zwischen Daumen und Zeigefinger von ca. 4 cm.
‘Wer den Schaden hat braucht für den Spott nicht zu sorgen.’ murmelte Wolle und beschloss sich zum zweiten Mal an diesem Morgen die Zähne zu putzen.
‘Zumindest ist noch warmes Wasser da!’ grinste sie und zog die Spülung.

Wenig später drängelte sie sich neben ihren Bruder ans Waschbecken, um sich die Hände zu waschen. Dabei blickte sie ihn ernst an.
‘Kannst du nach dem Frühstück schaun, ob du schon Papa besuchen kannst?’ fragte sie kleinlaut.
‘Der Kaffee ist schon seit Stunden kalt.’ murmelte er, bis sie ihm einen Schlag in die Seite verpasste.
‘Klar, ich wollte eh erstmal Mama anrufen.’ nuschelte Wolle und spuckte Zahnpastaschaum ins Waschbecken.
‘Gut, ich hol meine Sachen und geh dann duschen, Tommi ist noch ziemlich morgenmuffelig.’

Fortsetzung folgt…

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 45

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 45

Als Wolle erneut wach wurde, stand das Frühstück bereits auf dem Tischchen. Der Kaffee war kalt und er musste den Würgereiz unterdrücken. Er stand auf und tappte aufs Klo. Er hörte die Tür. Die Schwester schien wohl das Frühstück abräumen zu wollen. Eigentlich wollte er duschen, er konnte aber kein Handtuch finden. Obwohl er bis auf seine Shorts schon nichts mehr an hatte, tappte er wieder zur Tür und riskierte einen Blick durch die Tür.

‘Gibt es hier eigentlich keine Handtücher?’ grummelte Wolle.

‘Doch sorry, ich wollte sie eben auffüllen, seit dem der Bulle vor der Tür sitzt, kommen nicht mal die Putzfrauen hier rein!’ meinte Schwester Emma.

Wolle ging wieder zurück zur Dusche und in dem Moment als er sich seiner Shorts entledigte, stand Schwester Emma mit einem Stapel Handtücher in der Tür.

Als er wieder aus der Dusche kam, stand die Schwester immer noch in der Tür und starrte wie gebannt auf ihn. Er grinste sie nur an und hielt ihr eine Hand hin.

Sie stand wie zu einer Salzsäule erstarrt in der Tür und blickte auf seinen nackten und ziemlich nassen Körper. Er zog nur eine Augenbraue rauf und meinte dann: ‘Kann ich zwei Handtücher haben?’

Wie von einem Schlag getroffen machte sie einen Satz auf ihn zu und versuchte ihm zwei der vier Handtücher in die feuchten Hände zu drücken, dabei fielen ihr die anderen beiden Handtücher aus der Hand, worauf sie beide sich reflexartig danach bückten und dabei kamen sie sich unabsichtlich ziemlich nahe. Und zu allem Überfluss, kam sie auf dem nassen Boden auch noch ins Straucheln, worauf er sie halb auffangen musste, damit sie nicht beide auf den Boden knallten. Daraufhin versuchte er sich mit ihr und allen vier Handtüchern zusammen wieder aufzurappeln. Als sie beide wieder sicher auf den eigenen Beinen standen, hatte Wolle die vier Handtücher in der Hand und war immer noch nackt und ihr war mittlerweile die Schamesröte zu Kopf gestiegen.

‘Ich hab keine Ahnung was Sie mit mir machen?’ meinte Wolle und drückte ihr drei Handtücher wieder in die Hand. Sie blickte ihn so unschuldig wie möglich an, während die Schamesröte sie sichtlich ins Schwitzen brachte.

‘Sie machen mich ganz nervös!’ flüsterte Wolle und schlang sich dann sehr hastig das verbliebene Handtuch um die Hüften. Es regte sich etwas, was sich eigentlich nicht regen sollte, deshalb meinte er kleinlaut: ‘Und Frauen bringen mich eigentlich nicht derart aus der Fassung.’

Nun zog sie eine Augenbraue hoch, als sie die Bewegung unter seinem Handtuch wahrnahm. Er nahm sich ein weiteres Handtuch und wickelte seine zerzausten Haare hinein, dabei drehte er ihr den Rücken zu, in der Hoffnung, dass es für ihn nicht noch peinlicher werden würde. Aber nachdem sein Schwanz da anderer Meinung war, sagte er ganz ruhig: ‘Mir passiert sowas eigentlich nur bei Männern!’

Sie stammelte und musste sich ein Lächeln verkneifen: ‘Ähm, ja. Sorry. Ich kann das vielleicht aufklären.’

‘Sagen Sie jetzt nicht, dass Sie was in den Kaffee getan haben!’

‘Sie haben Ihren Kaffee doch überhaupt noch gar nicht angerührt.’ rief sie empört, grinste dann unsicher, begann mit einen Fuß am Boden zu scharren.

Wolle blickte nochmal nach unten, es hatte keinen Zweck sich verstecken zu wollen, also drehte er sich langsam wieder zu ihr rum.

Sie konnte den Blick nicht von dem Handtuch trennen und begann zu stammeln. ‘Tommi hat mich gestern ja eh entlarvt…!’

‘Wie entlarvt, was?’ rief er und blickte wieder nach unten. Sein Schwanz war immer noch freudig erregt und nichts was sie sagte, schien ihn davon abzuhalten, noch weiter anzuschwellen.

‘Ich bin keine richtige Krankenschwester.’ beichtete sie.

Er schüttelte den Kopf und ging an ihr vorbei zum Waschbecken, er beschloss irgendwas Normales zu tun. Zähne putzen war eine tolle Idee.

‘Ich heiße auch nicht Emma! Tommi hat das schon sehr richtig erkannt, dass auf meinem Krankenhausausweis, der Name nicht stimmt.’ meinte sie und setzte sich neben dem Waschbecken auf die Ablage. Sie zog die Perücke vom Kopf.

Er musste sie einfach nur anstarren. Unter der Perücke kam etwas völlig anderes hervor. Sie hatte ihre scheinbar in allen Farben gefärbten Haare hochgesteckt, damit die ziemlich gut gemachte Perücke kaum auffiel. Dann öffnete sie ihr Halstuch und es kam eine frische Narbe hervor. Wolle schien immer noch nicht zu kapieren.

‘Ich wurde als Emil geboren!’

Er blickte sie ungläubig an, also packte sie seine Hand und schob sie unter ihren Rock. Die halterlosen Strümpfe irritierten ihn ziemlich. Dafür dass sie unter ihrem Rock und in einem engen Miederhöschen einen prächtigen Schwanz versteckt hatte, brauchte er noch ziemlich lange, bis er endlich begriff. Ihm fiel die Zahnbürste aus der anderen Hand, bevor er ‘Emil!’ stottern konnte.

‘Emma wäre mir tatsächlich lieber!’ flüsterte sie.

‘Emma, ich darf doch…!’ Er wischte sich den Schaum der Zahnpasta aus dem Gesicht, wartete ein Nicken ihrerseits ab und hob dann vorsichtig das Röckchen hoch um einen Blick zu riskieren. Seine andere Hand lag ruhig auf ihrem Oberschenkel, als er unter ihren Rock blickte. Er glitt mit dem Daumen über das Miederhöschen und spürte ihren Schwanz, der schier pulsierte, da er vom Höschen etwas eingequetscht war. Sachte glitt er dann unter das Höschen. Es schien alles ziemlich echt zu sein und nachdem er dabei auf ihre Brüste starrte, zog er seine Hand zurück und schüttelte den Kopf. Er keuchte: ‘Ich brauch noch einen Moment!’

‘Okay!’ meinte sie und schob den Rock wieder über den Spitzenrand der Strümpfe.

Er blickte sie eine Weile an und kam ihr dann etwas näher. Sie lächelte unsicher.

‘Wo warst du nur die ganze Zeit?’

Sie blickte ihn nur fragend an.

Er blickte auf seinen Schwanz, der immer noch stand. ‘Er scheint anscheinend auf dich gewartet zu haben.’

Er kam ihr noch näher, packte sie am Nacken und rieb seinen Bart an ihrem Hals entlang, bis er mit seinen Lippen auf ihre Lippen zusteuerte.

Sie wand sich aus seinem Griff und küsste ihn hastig auf die Wange. ‘Nicht so hastig, im Grunde kenn ich Sie doch gar nicht!’

Er muss sie wohl verstört angeblickt haben, weil sie dann bis über beide Ohren grinste, um ihm dann einen Kuss auf den Mund aufzudrücken.

 

Fortsetzung folgt…

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 44

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 44

Tommi las Hermine aus dem Faust vor und Hermine entspannte sich langsam. Schwester Emma kam wieder und Hermine bemerkte erst ihre Anwesenheit, als Tommi zu lesen aufhörte.

‘Also ihr Herr Vater hatte einen kleinen Herzinfarkt und morgen wird er schon auf diese Station verlegt, dann können Sie ihn besuchen. Herr Wolle bringt noch ihre Mutter nach Hause und kommt dann wieder.’ berichtete sie, lächelte Hermine bezaubert an und fragte dann: ‘Braucht ihr noch was?’

Tommi schüttelte den Kopf.

Wolle kam erst wieder, als es bereits dunkel geworden war. Tommi lag wie ein Toter im Bett, in einer Hand den Goethe und im anderen Arm Hermine.

Sie wurde sofort wach, als Wolle sich erschöpft in den Stuhl fallen ließ. Er fing sofort an zu flüstern: ‘Der Prof. Borgolte ist guter Dinge!’ Doch seine erschöpfte Miene sagte ihr etwas anderes. ‘Ach und der Kimmelmann hat mir noch was für euch mitgegeben.’

Er zog ein echt hässliches Stoffschwein aus einer Tasche und grinste grenzdebil: ‘Die Giraffe ist noch nicht trocken und den Dackel haben wir nicht in die Tasche bekommen.’

Sie musste dennoch lächeln und nahm den neuen Mitbewohner entgegen.

In der Nacht kam Schwester Emma noch einmal, um nach den Rechten zu sehen. Sie nahm Tommi den Goethe ab und legte ihn umgedreht auf das Nachtkästchen. Sie kontrollierte die Zugänge und zog die Decken zurecht. Erst als sie Hermine liebevoll über den Kopf strich, würde ihr gewahr, dass Wolle sie beobachtete.

Sie lächelte ihn an, ging zum Schrank und holte eine Wolldecke und ein Kissen heraus, um es im nächsten Moment Wolle in die Hand zu drücken.

Er blickte sie entgeistert an, bis ihre Lippen: ‘Schlafen Sie gut, Herr Wolle!’ formten.

Ohne eine Erwiderung seinerseits abzuwarten, schwebte sie wieder aus dem Zimmer. Später war er sich nicht mehr sicher, ob das Wirklichkeit oder nur ein mysteriöser Traum war.

Erst als Wolle nach Stunden wieder wach wurde, die Decke fest an den Körper gepresst, war es ihm endgültig klar, dass ihn Schwester Emma doch besucht haben musste. Mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen schlief er wieder ein, obwohl es schon helllichter Tag sein musste.

Fortsetzung folgt…

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 43

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 43

OLYMPUS DIGITAL CAMERANach dem Zähneputzen kam diese Schwester wieder und brachte wieder einen Plastikbeutel in dem seine Klamotten waren und eine ominösen braunen Papiertüte.
‘Schöne Grüße vom Dr. Dalek soll ich ausrichten!’ meinte sie und drückte Tommi die Papiertüte in die Hand und Mi nahm ihr den Plastikbeutel ab.
‘Wir müssen darauf bestehen, dass Sie das Krankenhaushemdchen anlassen, wegen dem EKG. Aber die Shorts und Socken sind schon okay.’
Wolle kam aus dem Bad und packte hastig sein Handy in die Hosentasche. Schwester Emma meinte, ohne sich nach ihm umzudrehen: ‘Haben Sie etwa telefoniert?’
‘Es war ein Notfall!’ stammelte Wolle, er war ganz schön blass um die Nase.
Sie drehte sich um und grinste ihn ungläubig an: ‘Sie werden es kaum glauben, es ist immer ein Notfall!’
‘Ernsthaft, Vater hat sich arg aufregen müssen…’ flüsterte Wolle und ließ sich auf einen der Stühle fallen.
Mi ließ den Plastikbeutel fallen und musste sich erstmal setzen, bevor sie stammelnd fragte: ‘Was ist passiert?’
‘Mama steht draußen und raucht und Papa ist wohl grad auf die Intensivstation gebracht worden!’
Schwester Emma hob die Plastiktüte auf und versuchte ihn zu beruhigen: ‘Wenn Sie wollen kann ich bei meinen Kollegen nachfragen und Sie Herr Immerlinger gehen zu ihrer Mutter.’

Wolle blickte sie entgeistert an und begann dann zu stammeln: ‘Ich bin Wolle, der Herr Immerlinger ist mein Vater…’ seine Stimme brach und er musste schwer schlucken.

‘Los, gehen Sie schon, Herr Wolle. Ich werde Sie nachher schon wieder herein schmuggeln.’ rief Schwester Emma, drehte sich im selben Atemzug zu Hermine um, die weiß wie eine Wand auf dem Bett saß und mit den Tränen kämpfte.
‘Frl. Hermine, Sie müssen darauf aufpassen, dass Tommi nichts Dummes mit dem Goethe anstellt.’
Wie aufs Stichwort zog Tommi Goethes Faust aus der Papiertüte.
‘Ich schick dir gleich ne Whatsapp, wenn ich Mutter gefunden hab. Versprochen!’ rief Wolle erschreckend selbstsicher. Wolle blickte Mi an und sie nickte geistesabwesend.

‘Und wir treffen uns dann wieder hier. Wenn Sie der Bulle vor der Tür nicht wieder rein lässt, eben vor der Tür.’ rief Schwester Emma und machte Anstalten aufbrechen zu wollen und fuhr dann fort: ‘Wir machen es am besten wie bei Star Wars. Sie sind C3PO und ich bin R2D2 und habe einen Schaltkreiskollaps!’

Wolle musste lächeln.
‘Oh war das ein Lächeln.’ flüsterte sie und lächelte unwiderstehlich.
Er schluckte einen gewaltigen Klos in seinem Hals hinunter und versuchte nochmal zu lächeln, nur da es ihm diesmal nur bedingt gelang. Dann täuschte sie einen Schwächeanfall vor und Wolle brachte sie vor die Tür.
Draußen vor der Tür konnte man einen Pfleger hören: ‘Mensch Borgolte! Ist es schon wieder Unterzucker, wann gehst du endlich mal zum Arzt.’

Fortsetzung folgt…

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 42

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 42

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEin Pfeifen von hinten erschreckte die Schwester fast mehr als Tommi. Hermine grinste ihn saublöd an und dann hustete sie: ‘Sexy!’

‘Sie helfen ihm beim Zähne putzen und ich schau mal wo die Klamotten bleiben!’ meinte die Schwester und schon ging die Tür auf.

‘Guten Morgen, mein Schatz!’ meinte ein älterer Herr. ‘Ist das die Urinprobe?’

Die Schwester nickte nur.

‘Ach sei so gut und bring sie gleich ins Labor. Ich will ein volles Drogenscreening haben!’

Schwester Emma ging und Hermine und Tommi blickten den älteren Herren fragend an: ‘Meine Enkeltochter haben Sie ja schon kennengelernt. Ich bin Prof. Dr. Severin Borgolte und ich soll Sie schön von Dr. Dalek grüßen.’ Dann zog er eine Plastiktüte aus seiner Kitteltasche. ‘Ich hab das Tagebuch sicher aufbewahrt und nun bringe ich es zurück. Ich konnte kein Wort lesen!’

Hermine half Tommi dabei sich wieder hinzulegen und ging dann die Zahnbürste holen.

Tommi atmete schwer und versuchte sich nicht anmerken zu lassen, dass er Schmerzen hatte.

‘Brauchen Sie was gegen die Schmerzen?’ fragte Prof. Borgolte.

Tommi biss die Zähne zusammen und schüttelte den Kopf.

‘Es ist keine Schande Schmerzen zu haben, junger Mann!’

‘Da läuft mir schon zu viel durch!’ flüsterte Tommi.

‘Naja, es wird darauf rauslaufen, dass wenn es Ihnen wieder besser geht, wir Sie langsam von allem entwöhnen müssen. Aber jetzt ist es erstmal wichtig, den Stresslevel möglichst niedrig zu halten. Und zu starke Schmerzen können Sie in den nächsten Anfall befördern und das wäre eher ungut.’

‘Wie ungut?’

‘Ich will es nicht beschönigen, ich bin mir nicht sicher, ob Ihr Herz in nächster Zeit noch so einen heftigen Anfall packt. Ich muss Ihnen ja nicht sagen, dass einzig und allein der beherzte Einsatz Ihrer Medikamente unter Ihrer Zunge Ihnen im Endeffekt das Leben gerettet haben.’

‘Oh, ich glaub, das war ich!’ meinte Hermine, die vom Bad her kam mit einem Zahnputzbecher und einem Handtuch in den Händen.

‘Ja, junge Dame! Sehr gute Arbeit! Haben Sie schon mal über einen Beruf im medizinischen Bereich nachgedacht?’

‘Ich hab schon nen Job. Ich mach ne Ausbildung im landwirtschaftlichen Bereich und dann die Ausbildung zum Bereiter, wenn ich mit der Schule fertig bin. Und ich hab mir überlegt Erlebnispädagogik zu studieren, abends vielleicht.‘

Tommi grinste Mi an, während sich Prof. Borgolte an die Bettkante setzte, um weiter mit Tommi zu reden: ‘Also Tommi, nachdem Dr. Dalek mir quasi die Pistole auf die Brust gesetzt hat, dass ich mich darum kümmern soll, dass nicht noch mehr Ungerechtigkeiten mit Ihnen passieren, kann ich Ihnen ein Angebot machen, dass ich Sie so lange hier behalte, bis Ihr Anwalt die Sache mit dem Jugendamt geklärt hat. Und wenn alle Stricke reißen, schicken wir Sie sehr sehr lange auf Entzug, auf eine Alm zum Beispiel. Irgendwann werden Sie schon 18 werden.’ Er zog eine Spritze auf und ließ den Inhalt langsam in den Tropf laufen.

‘Und was ist, wenn sich das ganz schnell aufklärt?’ fragte Tommi.

‘Dann gipsen wir Sie neu ein und machen ein Belastungs-EKG und wenn das gut aussieht, dann können Sie heim!’ meinte der Professor und hielt ihm die Hand hin.

‘Damit kann ich leben!’ meinte Tommi und schlug ein.

Der Piepser am Gürtel des Professors ging los.

‚So, junger Mann. Lassen Sie sich schön pflegen, ich komm später nochmal vorbei. Unser Dr. Dalek hat noch eine Überraschung für Sie.’

Fortsetzung folgt… vielleicht!

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 41

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 41

OLYMPUS DIGITAL CAMERAHermine war bereits wach, als Tommi sich regte. Wolle hatte ihr gerade sein Handy hingehalten und sie musste grinsen.

Sie flüsterte so leise, dass Tommi Mühe hatte sie zu verstehen.

‘Schreib ihr, ich vermiss sie.’

‘Guten Morgen, Jenny!’ meinte Tommi und gähnte dann.

‘Schreib ihr auch noch liebe Grüße vom Schlossherrn!’ grinste Hermine und drehte sich zu Tommi um.

‘Guten Morgen, Tommi. Ihr habt mehr als 12 Stunden geschlafen, es ist bereits Samstag.’ meinte Wolle. ‘Der Chefarzt war schon zweimal da und diese Schwester!’

‘Diese Schwester?’ fragte Hermine ungläubig.

‘Ja, Schwester… Ähm! Der Dr. Dalek hat da was gedreht!’

‘Dr. Dalek ist auch da?’ fragte nun Tommi.

‘Ja, der Heimatverein macht einen Sitzstreik vor dem Krankenhaus!’

‘Nicht dein Ernst!’ rief Hermine und Tommi zugleich.

Wolle goss ein Glas Tee ein und hielt es Tommi hin.

‘Ich kann nicht noch mehr trinken!’ krächzte Tommi.

Wolle hielt beleidigt das Glas mit dem Tee fest in beiden Händen und versuchte den grässlichen Tee zu verteidigen: ‘Ja, er schmeckt grausam, aber ihr sollt viel trinken!’

Das ließ sich Hermine nicht zweimal sagen und nahm ihm das Glas aus der Hand und leerte es auf einen Zug. Dann drückte sie ihm das Glas wieder in die Hand und versuchte aufzustehen.

‘Ich muss pissen!’ krächzte sie, kam zum Stehen und wankte langsam zum Badezimmer.

‘Dito!’ kam von Tommi.

‘Tommi, mein Freund. Ich halt dir gerne die Flasche, aber wenn du mich anpinkelst, dann sind wir geschiedene Leute.’ meinte Wolle und Tommi musste lachen, was aber noch mehr weh tat, als husten.

Die Schwester stand in der Tür und trällerte: ‘Da komm ich wohl genau aufs Stichwort.’ Sie hatte eine Urinflasche in der Hand. ‘Wir brauchen eh eine Urinprobe!’

Im Badezimmer krachte es und Wolle war ganz hin und her gerissen.

‘Ist ihre Schwester grad im Bad? Ich hab Einmalzahnbürsten und so mitgebracht, dieser Hausmeister lässt mit euren Sachen auf sich warten.’

Wolle stand auf und grinste Tommi an, bevor er sich zu der Schwester umdrehte.

‘Schwester…Ähm!’ stammelte er wieder.

‘Emma…. Schwester Emma!’ erklärte sie ihm und drückte ihm einen Plastikbeutel mit Zahnbürsten und Zahncremeproben in die Hand.

Wieder krachte es im Bad. Wolle nahm den Beutel an sich und stürzte zur Badtür. ‘Mi, alles klar bei dir? Ich hab ein paar Zahnbürsten!’

‘So, Herr Weiß…!’ hörte er die Schwester noch zu Tommi sagen, bevor er im Bad verschwand.

‘… dann mal los.’ kicherte sie und ging ums Bett herum.

Tommi hatte sie regelrecht im Visier und meinte dann in seiner üblichen Art des Klugscheißens: ‘Also Lady, ich weiß nicht, wer Sie hier rein gelassen hat, aber ne Krankenschwester sind Sie ja mal nich! Aber von der Presse sind Sie auch nicht, dafür sind Sie zu nuttig angezogen!’

Sie kam ins Stammeln und musste sich erstmal an den Bettrand setzen.

‘Aber nachdem ich ernsthaft dringend pinkeln muss, würde ich es bevorzugen, dass Sie mir aufhelfen! Machen Sie sich keine Sorge. Ihr Geheimnis ist bei mir sicher!’ meinte Tommi gelassen und griff sich an den Hals und brachte sie dazu, dass sie ihr Halstuch zu Recht rückte.

‘Dr. Dalek hatte schon gemeint, dass Sie ein ganz außergewöhnlicher Fall sind, aber ich dachte, ich könnte mich noch vorstellen, bevor Sie mich bloßstellen!’ berichtete sie und schob dann auch noch ihre Perücke zurecht.

‘Emma ist auch nicht ihr richtiger Name! Auf ihrem Ausweis steht Emil Borgolte, Psychiatrie!’ meinte Tommi und machte Anstalten aus dem Bett aufstehen zu wollen.

‘Verdammt!’ fluchte sie und schob ihren Ausweis in den Rocksaum zurück. ‘Ich hab mir echt so viel Mühe gegeben.’

Tommi versuchte sich aufzusetzen, doch der Schwindel und die Tatsache, dass er nichts außer das Krankenhaushemdchen anzuhaben schien, zwang ihn dazu sich wieder hinzusetzen.

‘Ich hätte jetzt eigentlich gerne mehr an!’ murmelte er mehr in sich hinein, als zu ihr.

Sie drückte ihm die Pinkelflasche in die Hand und meinte: ‘Es wird im Sitzen gehen müssen und ich ruf in der Wäscherei an, ob ihre Klamotten schon wieder trocken sind!’

‘Oh verdammt, hab ich mir arg viel Schande gemacht?’

‘Ich war bei der Einlieferung nicht dabei. Ihre Sachen wurden gewaschen, war ne Menge Blut denk ich!’ mutmaßte sie, blickte ihn an und fuhr fort: ‘Sie schaun ein Bisschen so aus, als wären Sie durch eine Scheibe gelaufen!’

‘Genau so fühl ich mich auch!’ meinte Tommi und machte einen erneuten Versuch sich wieder aufsetzen zu wollen.

Sie stützte ihn am Rücken, betätigte die Fernbedienung fürs Bett und fragte: ‘War es nur das Namensschild?’

‘Das Namensschild war nur der Beweis für meine Vermutung.’

‘Und für die Vermutung haben Sie 10 Sekunden gebraucht!’

‘Eher 20 Sekunden, um festzustellen, dass Wolle es noch nicht checkt, dass er sich in Sie verschaut hat!’

Sie musste lächeln und lief unter ihrem Make-up rot an.

‘Ich kann eigentlich nicht, wenn mir einer dabei zusieht.’

‘Ich schau weg und Sie sagen ihm bitte nichts!’ flüsterte sie.

Tommi schlug den Krankenhauskittel ein wenig auf die Seite und versuchte zu zielen, während er mit der Gipshand versuchte die Flasche zu halten.

‘Machen Sie die Flasche nicht ganz voll!’ kicherte sie wieder.

‘Sie haben ja doch geschaut!’ flüsterte Tommi, als er fertig war. Sie nahm ihm die Flasche ab und drückte ihm einen Waschlappen in die Hand.

‘Sehr aufmerksam, Schwester Emma!’ meinte Tommi und grinste sie an: ‘Gratulieren Sie ihrem Arzt für die gute Arbeit, die Narbe am Hals kann man kaum sehen und wenn ich das Sagen darf, Ihre Möpse sind fast zu perfekt.’

Sie schüttelte nur den Kopf und brachte die Urinflasche in Sicherheit, fragte dann aber doch:  ‘War das ein Kompliment?’

‘Ein Anerkennendes!’ grinste Tommi. ‘Kann ich dann auch meine Zähne putzen?’

Fortsetzung folgt…

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 40

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 40

OLYMPUS DIGITAL CAMERATommi wurde erst wieder wach, als Hermine ziemlich laut keuchend erwachte. Er riss die Augen auf und griff sich zugleich an die Brust.

Sein Herz wummerte in seiner Brust. Sie blickte ihn mit riesigen Augen erschrocken an, bis sich ihre Augen langsam mit Tränen füllten. Er konnte gar nichts sagen, weil er mit atmen und den damit verbundenen Schmerzen beschäftigt war.

‘Du Arsch, mach sowas nie wieder!’ pflaumte sie ihn an, bevor sie einfach nur zu weinen begann.

Davon wurde Wolle wach. Er gähnte nur: ‘Nicht aufregen, ganz ruhig!’

Tommi blickte erst Wolle an und dann Hermine, er wusste gar nicht was los war. Er versuchte etwas zu sagen, doch er brachte keinen Ton heraus. Es blieb ihm nichts anderes übrig als die Hände nach ihr auszustrecken, die umgehend zu zittern begannen. Hermine starrte auf seine Hände und als ein verkrampftes Zucken durch seinen Körper schoss, blieb ihr fast das Herz stehen und sie heulte noch mehr. Tommi konnte die Hände nicht mehr oben halten, die gebrochene Hand tat ihm so weh, dass es ihm schier die Luft abschnürte und ihm die Kraft fehlte die andere Hand noch weiter auszustrecken. Erst als seine Hände schon fast wieder die Bettdecke berührten, gab Hermine sich einen Ruck. Sie packte seine Hände, rutschte näher und versuchte ihn zu umarmen. Allein die Berührung seiner verletzten Hand trieb ihm die Tränen in seine Augen.

‘Nicht so stürmisch, Mi!’ meinte Wolle noch. Doch sie drückte sich fest an Tommi, dem erstmal nur die Luft wegblieb. Erst als ein ersticktes Stöhnen aus Tommis Kehle stolperte, lockerte sie ihren Griff.

Dann flüsterte sie ihm ins Ohr: ‘Du hast gesagt, dass dein Herz mir gehört….!’

Er hatte keinen übrigen Atem, um darauf etwas zu erwidern, was vielleicht auch besser war. Sie fuhr etwas lauter fort: ‘Und dann bleibt es einfach stehen!’

‘Ich glaube nicht, dass er es mit Absicht gemacht hat, Hermine!’ klugscheißerte nun Wolle, weil er schon merkte, dass Tommi ziemlich sprachlos war.

‘Mi, ich hab das nicht…!’ keuchte Tommi endlich und der darauf folgende Hustenanfall, brachte ihn an den Rand der Besinnungslosigkeit. Hermine heulte einfach weiter.

Wolle war schon ein bisschen genervt davon, dass die beiden sich gegenseitig aufstachelten, drückte Hermine ein Taschentuch in die Hand und sprach ein Machtwort: ‘So und ihr beiden beruhigt euch bitte. Vor allem du Hermine und pass beim Schnäuzen auf deine Nase auf und warum machst du ihn so blöd an, er hat kaum die Luft zum Atmen und was soll er dir überhaupt antworten. Er hatte nicht mit Absicht einen Herzstillstand. Und damit das nicht wieder passiert, soll er sich nicht aufregen und du sollst dich auch nicht aufregen. Am Besten legt ihr euch nochmal hin und versucht zu schlafen.’

Er ging ums Bett herum und half Tommi dabei, ein wenig zur Seite zu rutschen. Er drückte ihm ein Glas mit Tee in die Hand und achtete sorgsam darauf, dass er es leer trank. Dann ging er wieder zurück zu seiner Schwester, gab ihr ebenfalls etwas zu trinken und half ihr dann, sich neben Tommi zu legen. So lagen sie beide wie bestellt und nicht abgeholt im Bett, Schulter an Schulter.

‘Ihr hättet mehr Platz, wenn einer von euch den Arm heben würde!’ grinste Wolle, worauf beide den jeweils zum Ende des Bettes befindlichen Arm hoben.

‘Euch ist echt nicht zu helfen.’ meinte Wolle kopfschüttelnd.

Tommi hob unter Schmerzen den anderen Arm und Hermine versuchte sich so vorsichtig wie möglich in seinen Arm zu legen. Wolle deckte beide zu und atmete sichtlich auf.

Tommi lehnte sich gegen ihren Kopf und flüsterte in ihr Haar. ‘Ich bin froh, dass du mich von der Schippe gezogen hast. Ich hatte es nicht mehr in der Hand.’

‘Der Anwalt hat die meiste Arbeit gemacht!’ flüsterte sie, schniefte nochmals und tupfte sich die Nase. Doch Tommi schüttelte fast unmerklich seinen Kopf, küsste ihr Haar und schlief bald ein.

Fortsetzung folgt…

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