Die Affäre um den LiebesFischer zu Grimgard – Teil 1

Die Affäre um den LiebesFischer zu Grimgard – Teil 1
tafelIn der Taverne zum Roten Keiler saßen die Schankmaiden Rinelda und Helena mit Asbirg und würfelten. Börte und Nurmi wirtschafteten gerade hinter der Theke an einem alten Fass herum. Norbert, der Bierkutscher rollte gerade ein neues Fass herein.‚Hast es wieder recht g’schüttelt?‘ rief Nurmi, der Wirt etwas ungehalten.‚Hast ja eh keine Gäste im Moment!?‘ nuschelte der Bierkutscher und hob das Fass an die Stelle, wo das alte Fass gerade noch gestanden hatte. Börte rollte das leer Fass nach draußen und summte dabei ein fröhliches Lied.‚Sind wir keine Gäste?‘ riefen die drei Frauen am Tisch.‚Aber ihr arbeitet doch hier?‘ fragte der Bierkutscher.

‚Wir haben heute unseren freien Tag!‘ riefen Rinelda und Helena. Asbirg hingegen sprang auf und rannte in die Küche.

Der Wirt und der Bierkutscher handelten ihr Geschäft ab und Asbirg kam ganz aufgelöst aus der Küche. ‚Epona sei Dank, da hätt ich doch beinahe das gute Brot verbrannt!‘

‚Seit wann backts n ihr wieder selba?‘ fragte der Bierkutscher.

‚Wir backen nur zum Eigenbedarf!‘ meinte der Wirt.

‚Ähm könnt ich zum Eigenbedarf ein Brot kaufen?‘ fragte der Bierkutscher und legte zwei verbeulte Kufperstücke auf die Theke. Nurmi blickte Asbirg an und Asbirg verschwand in der Küche. Wenig später kam Asbirg wieder, drückte dem Bierkutscher ein brotförmiges Bündel in die Hand und nahm sich grinsend die zwei Kupfer. Der Bierkutscher verarbschiedete sich fröhlich und ging.

Die Damen würfelten weiter und nachdem der Wirt und Börte auch nichts zu tun hatten, gesellten sie sich dazu.

‚Heut ist ganz schön fad!‘ meinte Rinelda.

‚Es riecht sogar ganz schön fad!‘ rief Helena und würfelte nochmal.

‚Seit der Fischer ein Auge auf die geworfen hat…!‘ meinte Börte und kicherte schelmisch.

‚Dass er die Sprichwörter auch immer gleich so wörtlich nehmen muss!‘ meinte Asbirg, stand auf und schnüffelte in der Taverne herum.

Wenig später entdeckte sie unter einem Tisch einen toten Fisch und würgte leicht. ‚Der Fischer, die alte Pottsau, hat seinen stinkenden Fisch hier vergessen!‘

‚Der muss hier aber schon seit dem letzten Bürgermopp liegen!‘ rief Rinelda und sprang auf.

‚Genauso riecht es auch!‘ stammelte Asbirg, wickelte sich ein Tuch um Mund und Nase und zündete ein paar Kräuter an, die sie aus ihrer Tasche gezaubert hatte.

‚Helena, auf dem Fisch steht dein Name, also räum ihn auch weg!‘ lachte Rinelda und zeigte auf den Fisch.

‚Ja, Helena den Dreck von deinem Jumsterer kannst schon selber wegräumen, auch wenn du deinen freien Tag hast.‘ rief der Wirt und würfelte.

‚Des ist nicht mein Jumsterer!‘ rief Helena trotzig, sprang auf und lief zum Fisch. ‚Da steht ja wirklich mein Name drauf.‘

‚Helena, ehrlich mal, er hat dein Wischtuch als Liebespfand und er schickt dir immer zu getrocknete Blumen und du bist wie ein kalter Fisch zu ihm… ist ja kein Wunder, dass jeder denkt, er wär dein Jumsterer!‘

‚Hättest ihm halt nicht immer schöne Augen gemacht.‘ meinte der Wirt und begann zu lachen.

‚Ich kann ja schlecht mit verbundenen Augen arbeiten, nur damit ich niemanden schöne Augen mache.‘ rief Helena packte den Fisch und lief damit nach draußen. Vom Fisch glitt ein Brieflein herab und fiel zu Boden.

Als Helena wieder hereinkam, meinte Asbirg: ‚Ich finde ja, dass sich tote Fische nur bedingt als Briefboten eignen.‘ Sie wedelte mit einem glitschigen Brief herum und schnupperte gespielt durch ihr Tuch, dass sie immer noch über der Nase trug. ‚Der muss für dich sein, er stinkt nach Fisch!‘

Helena drehte sich auf dem Absatz um, lief aus der Taverne und rief: ‚Ich kündige!‘

‚Wie oft hat sie diese Woche schon gekündigt?‘ fragte Rinelda in die Runde.

‚Vier mal und dabei ist erst Montag!‘ rief der Wirt und lachte wieder herzhaft.

‚Ob wir den Brief lesen dürfen?‘ fragte Asbirg, die den Brief immer noch in Händen hielt und ihn aufzufalten versuchte. ‚Huch, der ist ja gar nicht versiegelt!‘
‚Asbirg, du neugieriges Wimmerl… lies vor!‘ rief Rinelda.

Asbirg räusperte sich und las, was auf dem sorgsam gewachsten Papier geschrieben stand: ‚Geliebte und teuerste Helena, Feuer meines Herzens! Seit dem Tag, an dem ich dich zum ersten Mal erblicken durfte, ist mein Herz entfacht und brennt seither lichterloh. Doch jede Nacht, in der ich alleine bin, fehlt mir die Wärme deines Herzens so sehr, dass mir die Luft zum Atmen fehlt, so wie den Fischen das Wasser zum Leben. Doch am Morgen, wenn die Sonne aufgeht und auf mich hernieder scheint, keimt die Hoffnung in mir auf, dass mein inständiges Bitten erhört wird. Ich hoffe jeden Tag, wenn mich meine Füße nach Grimgard tragen, dass ich deine liebliche Stimme hören darf und dass dein liebreizendes Wesen, die Sonne noch mehr zum Erstrahlen bringt. So treibt es mich immer und immer wieder in die Taverne, in der Hoffnung, dass dein Blick mich findet und dein Lächeln mein Herz auf ein Neues zum Lodern bringt. Und so brennt es jeden Tag nur für dich! Deine Blicke geben dem Feuer in meinem Herzen die Nahrung und wie das Feuer das Holz verzehrt, so verzehre ich mich nach nach dir…!‘
Asbirg stockte, räusperte sich und fuhr fort: ‚Ich wusste nicht das der Fischer so ein Poet ist! Wo war ich stehen geblieben? Ach… so verzehre ich mich nach dir. Mir ist klar, dass weder meine Taten, noch meine Worte den Eisklotz, der dich zu umgeben scheint, je zum Schmelzen bringen mögen. Doch sehne ich mich nach deiner Liebe so sehr, wie die Blumen jede Nacht die Strahlen der Sonne vermissen und wie die Sonne im tiefsten Winter das Blühen der Natur vermisst. Nun scheint es mir so, dass meine Liebe nie erwidert werden wird, wenn ich dir nicht mein Herz ausschütte. So mögen meine Worte nur ein Bruchteil dessen sein, was in meinem Herzen vorgeht. Jeder meiner Gedanken, denke ich nur, um ihn dir zum Gefallen zu gereichen. Und jede meiner Taten, tue ich nur für dich, um dir meine Liebe zu beweisen. Auch wenn diese in der Vergangenheit seltsame Formen angenommen haben mögen, so tat ich alles nur, weil mein Verstand über allen Wolken schwebt. Jeden Tag, an dem du meine immerwährende Liebe nicht erwiderst, bricht ein kleines Stück meines Herzens ab. Und meine Angst gilt dem Moment an dem nichts mehr von meinem Herzen übrig ist, weil mir dann nicht mehr bleibt in meinem Leben, als nur der Trümmerhaufen meines Herzens in meiner Brust. So sind die Bruchstücke meines Herzens, mir jetzt schon so schwer, dass ich die Last kaum mehr zu tragen vermag. Aber doch trage ich deinen Liebespfand immer an meinem in Einsamkeit zerbröckelnden Herzen, auch wenn du es in der Wut nach mir geworfen hast, habe ich im Glitzern deiner Augen das Feuer gesehen, dass schon seit einer Ewigkeit in meinem Innersten brennt. Mein Leben ist trostlos und leer, ohne deine Liebe. Ohne Dich an meiner Seite, ist mein Leben nichts wert. So zieht es mich in die Kühle des Waldes, um das Lodern zu besänftigen und um mein Leiden zu lindern. Zu den Göttern betend, werde ich auf allen Vieren da hin kriechen und an meinem Ziel werde ich ausharren, bis mein Flehen erhört wird. Die Blüten der Liebe werden dir den Weg zu meinem Herzen weisen und dich zu der großen Lichtung vor der Wolfsschlucht führen und an dem großen Baum werde ich auf dich warten. In freudiger Erwartung, inständig hoffend und mit all der Liebe, die ich aufbringen kann. Dein dich ewig liebender Dietbert, dein LiebesFischer zu Grimgard.‘ Asbirg faltete den Brief wieder sorgsam zusammen und musste schwer schlucken, als sie ihn auf den Tisch legte.
‚Ich wusste gar nicht, dass der Fischer Dietbert heißt!‘ meinte Rinelda und stand kopfschüttelnd auf.
‚Ich werd mich nach einem neuen Fischer umsehen müssen, sonst kann ich den gebratenen Fisch am Steckerl von der Tafel streichen, wenn er meint auf Helena warten zu müssen!‘ meinte der Wirt ziemlich missgelaunt, stand ebenfalls auf und ging nach draußen.
Börte wischte sich ein paar Tränen vom Gesicht und schnäuzte in ihr Wischtuch. Man konnte ihren Namen auf dem Tüchlein erkennen, der in liebevoller Arbeit in das Tuch gestickt worden war.
‚Sag mal, Börte! Du heulst doch jetzt nicht, oder?‘ fragte Rinelda unwirsch, als sie, mit einem Hammer und Nägeln in Händen, wieder zum Tisch kam.
‚Doch, wenn mich nur Einer so lieben würde, ich würde sogar auf Händen bis zum großen Wolfsbaum laufen…!‘ schluchzte Börte und Aspirg nahm sie liebevoll in den Arm.
‚Du wirst heute nirgendwo hin laufen, weil du hast heut Dienst! Aber ich nutze meinen freien Tag und stelle den Brief zu.‘ rief Rinelda aufgebracht, schnappte sich den Brief und ging nach draußen. ‚Öffentlich!‘ konnte man sie noch rufen hören. Dann hämmerte sie den Brief an die große Tafel, die vor der Taverne stand. Nun hörte man nur noch, wie sich ihre Schritte von der Taverne entfernten.
Asbirg trennte sich von Börte und meinte: ‚Oh, ich muss noch ein Brot zum Eigenbedarf zustellen.‘
Während Rinelda fröhlich durch Grimgard lief, eilte Aspirg wenig später, mit einem brotförmigen Bündel aus der Taverne und lief hastig zum Laden des Fellhändlers hinüber, während Börte an der Tavernentür stand und sich mit dem Ärmel den Rotz von der Nase wischte.

~*~

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker (http://www.rauriker.de) und dem Dorfspiel im und um den freien Handelsposten Grimgard. Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.
Werbeanzeigen

Feuer meines Herzens

Geliebte und teuerste Helena, Feuer meines Herzens!

Seit dem Tag, an dem ich dich zum ersten Mal erblicken durfte, ist mein Herz entfacht und brennt seither lichterloh. Doch jede Nacht, in der ich alleine bin, fehlt mir die Wärme deines Herzens so sehr, dass mir die Luft zum Atmen fehlt, so wie den Fischen das Wasser zum Leben. Doch am Morgen, wenn die Sonne aufgeht und auf mich hernieder scheint, keimt die Hoffnung in mir auf, dass mein inständiges Bitten erhört wird. Ich hoffe jeden Tag, wenn mich meine Füße nach Grimgard tragen, dass ich deine liebliche Stimme hören darf und dass dein liebreizendes Wesen, die Sonne noch mehr zum Erstrahlen bringt. So treibt es mich immer und immer wieder in die Taverne, in der Hoffnung, dass dein Blick mich findet und dein Lächeln mein Herz auf ein Neues zum Lodern bringt. Und so brennt es jeden Tag nur für dich! Deine Blicke geben dem Feuer in meinem Herzen die Nahrung und wie das Feuer das Holz verzehrt, so verzehre ich mich nach dir.

Mir ist klar, dass weder meine Taten, noch meine Worte den Eisklotz, der dich zu umgeben scheint, je zum Schmelzen bringen mögen. Doch sehne ich mich nach deiner Liebe so sehr, wie die Blumen jede Nacht die Strahlen der Sonne vermissen und wie die Sonne im tiefsten Winter das Blühen der Natur vermisst. Nun scheint es mir so, dass meine Liebe nie erwidert werden wird, wenn ich dir nicht mein Herz ausschütte. So mögen meine Worte nur ein Bruchteil dessen sein, was in meinem Herzen vorgeht. Jeder meiner Gedanken, denke ich nur, um ihn dir zum Gefallen zu gereichen. Und jede meiner Taten, tue ich nur für dich, um dir meine Liebe zu beweisen. Auch wenn diese in der Vergangenheit seltsame Formen angenommen haben mögen, so tat ich alles nur, weil mein Verstand über allen Wolken schwebt. Jeden Tag, an dem du meine immerwährende Liebe nicht erwiderst, bricht ein kleines Stück meines Herzens ab. Und meine Angst gilt dem Moment an dem nichts mehr von meinem Herzen übrig ist, weil mir dann nicht mehr bleibt in meinem Leben, als nur der Trümmerhaufen meines Herzens in meiner Brust. So sind die Bruchstücke meines Herzens, mir jetzt schon so schwer, dass ich die Last kaum mehr zu tragen vermag. Aber doch trage ich deinen Liebespfand immer an meinem in Einsamkeit zerbröckelnden Herzen, auch wenn du es in der Wut nach mir geworfen hast, habe ich im Glitzern deiner Augen das Feuer gesehen, dass schon seit einer Ewigkeit in meinem Innersten brennt. Mein Leben ist trostlos und leer, ohne deine Liebe. Ohne Dich an meiner Seite, ist mein Leben nichts wert. So zieht es mich in die Kühle des Waldes, um das Lodern zu besänftigen und um mein Leiden zu lindern. Zu den Göttern betend, werde ich auf allen Vieren da hin kriechen und an meinem Ziel werde ich ausharren, bis mein Flehen erhört wird. Die Blüten der Liebe werden dir den Weg zu meinem Herzen weisen und dich zu der großen Lichtung vor der Wolfsschlucht führen und an dem großen Baum werde ich auf dich warten.

In freudiger Erwartung, inständig hoffend und mit all der Liebe, die ich aufbringen kann.

Dein dich ewig liebender Dietbert, dein LiebesFischer zu Grimgard.

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker (http://www.rauriker.de) und dem Dorfspiel im und um den freien Handelsposten Grimgard. Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Kommst du oder gehst du?

Kommst du oder gehst du? – Eine fiktive Geschichte

6305322552_58ff66f3c6Ich komme die Treppen rauf und du sitzt da, am Treppenabsatz auf gepackten Koffern. Kommst du oder gehst du? Ich weis es nicht. Ich frage aber auch nicht. Ich sehe dich an. Du siehst an mir vorbei in einen langen Tunnel. Ich trete näher. Der Tunnel scheint dich immer mehr in den Bann zu ziehen. Ich knie mich langsam vor dich hin und schaue dir behutsam ins Gesicht. Ein Versuch deinen Blick vom Tunnel abzulenken. Ob es mir gelingt? Langsam fasse ich an dein Kinn. Dein Blick ist immer noch auf den Tunnel gerichtet. Für einen kurzen Moment kann ich ein kurzes Flackern in deinen Augen sehen, bevor sie dann wieder trüb werden. Ich trete noch näher an dich heran. Ich kann die Kälte spüren, die dich umgibt. Meine Hand wandert über deine Wange zu deinem Haaransatz. Ich bin dir jetzt so nah, dass ich dir einen Kuss auf die Stirn drücken könnte. Ich tue es. Immer noch keine Regung von dir. Mir läuft es kalt den Rücken herunter und ich versuche gegen die Kälte anzukämpfen. Ich sehe nun direkt in deine Augen und versuche den Tunnel zu brechen. Von dir kommt immer noch keine Regung. Meine Augen füllen sich mit Tränen und sie laufen mir die Wangen herunter. Ich weine, weil du es nicht kannst. Deine zitternden Hände umschlingen mich langsam. Du siehst mich für einen Moment an und dann vergräbst du dein Gesicht in eine Umarmung. Ich drücke dich an mich und ich zittere jetzt genauso wie du. So kauern wir noch eine Weile da am Treppenabsatz vor meiner Wohnung und sind unfähig uns zu bewegen.

Am nächsten Morgen wache ich auf, in meinem Bett. Du liegst in meinen Armen. Du trägst immer noch die selbe Kleidung wie gestern. Ich auch. Dein Schlaf ist ziemlich unruhig. Aber du schläfst. Die Erholung wird dir gut tun. Hoffe ich! Ich streichle dir ein paar Strähnen aus dem Gesicht und beobachte dich. Ich schaue über deine Schulter, da steht einer deiner Koffer.

Plötzlich klingelt ein Telefon. Nicht meins! Wir schrecken beide hoch. Du siehst mich entsetzt an. Es liegt hoffentlich am Telefon und nicht an mir. Das Telefon hört wieder auf zu klingeln. Wir sinken wieder in die Kissen zurück. Wir atmen beide tief durch. Du schließt deine Augen und ich spüre, wie wohl du dich in meinem Bett fühlen musst. Eine Hälfte deines Gesichts ist in eines meiner vielen Kopfkissen versunken. Du hast einen Arm unter dem Kissen und deinen Kopf geschoben, deine andere Hand zieht zunächst die Decke über deinen Körper und dann sucht deine Hand nach mir. Du nimmst meine Hand in deine und kommst dann zu Ruhe. Deine Gesichtszüge entspannen sich langsam. Ich beobachte dich weiter. Wie friedlich du aussiehst. Das Geräusch einer SMS hallt durch den Raum und im selben Moment reisst du die Augen wieder auf. Dein Gesichtsausdruck lässt mich ein ‚So eine Scheiße!‘ schier hören, obwohl du gar nichts gesagt hast. Es ist wieder still im Zimmer. Du streckst dich, ich höre deine Wirbelsäule knacken. Dann drehst du dich um zum Bettrand. Dein Arm wandert zur deinem Mantel und du förderst dein Handy zu Tage. Ich höre ein gleitendes Geräusch. Ein Samsung. Du tippst ein Wenig. Dann schnallst du mit der Zunge, wie du es immer tust, wenn du ungeduldig und genervt bist. Du stehst auf und hältst dein Handy ans Ohr.

Ruf mich nie wieder an!‘ kam es übertrieben laut aus deinem Mund. Ich höre deine Stimme eigentlich echt gerne, aber nicht wenn du böse bist. Du bist nicht böse auf mich, aber ich fühle mich so. Mich schaudert es ein wenig und ich verkrieche mich tief unter meinen Decken und tue so, als würde ich nicht zuhören. Aber es versteht sich von selbst, ich höre ganz genau zu. Du steichst nervös deine Haare aus deinem Gesicht. Ich höre ein Gekreische am anderen Ende der Leitung. Sie! Du saugst die Luft ein. Das was du jetzt sagen willst, muss etwas Entgültiges sein.

‚Ich sagte doch schon unmissverständlich, ES IST AUS!‘

Wie lange habe ich auf diesen Satz gewartet.

‚Es ist aus und damit Schluss und vorbei!‘

Hurra!

Belästige mich nicht weiter!‘

Ich höre ein: ‚Wo bist du? Bei ihr!‘ Ja, bei ihr und da bleibt er jetzt auch! Hoffe ich! Darauf habe ich viel zu lange gewartet, als dass ich dich jetzt wieder hergeben könnte.

Das geht dich nichts mehr an!‘ sagst du.

Du tippst dabei nervös auf meinem Festerbrett rum. Das geht dich nichts MEHR an, dass geht runter wie Öl. Du bist gekommen und zu bleiben. Wenn ich in diesem Moment sterben müsste, hätte ich mein Leben schon gelebt, nur für diesen einzigen Satz. Ich hatte die Hoffnung bereits seit langem aufgegeben, als ich dich traf. Du warst es, der mich immer wieder ins Licht holte. Auch wenn unsere bisherige Beziehung alles andere als hoffnungsvoll war. Du hast mich aus meinem tiefen Loch geholt. Auch wenn ich die letzten Jahre immer nur die 2. Geige war. Auch wenn ich mich in unserer Beziehung immer allein gefühlt habe. Ich konnte nie anrufen wann ich wollte. Ich konnte nie mit dir zusammen sein wann ich wollte. Ich habe immer alles allein mit mir ausmachen müssen. Ich hatte dich nie da, wenn ich dich brauchte. Ich konnte nie einen Rat von dir bekommen, wenn ich ihn gebraucht hätte. Ich habe mich in den letzten Jahren an jedem greifbaren Strohalm über Wasser gehalten. Aber ich habe nie aufgegeben und ich habe mich nicht damit abgefunden, nur die Geliebte zu sein. Ich wollte dich immer ganz, mit allen Höhen und Tiefen. Bis jetzt waren es meist nur die Tiefen. Und nach diesem verdammt langem Tief habe ich endlich mein Hoch und lasse es mir jetzt von ihr bestimmt nicht kaputt machen. Darauf habe ich zulange gewartet, als dass ich jetzt noch einmal zurückstecken könnte.

Du legst auf, ohne noch ein Wort zu sagen und wirfst dein Handy auf deinen Mantel. Du knöpfst deine Jeans auf und lässt sie lässig zu Boden gleiten. Dann kriechst du wieder unter meine Decke. Ja, meine Decke! Es wird ein verdammt schöner Tag. Das Universum hat nach langem Flehen endlich geantwortet. Das ist die Antwort. Du presst deinen Kopf zwischen meine Brüste, schiebst dabei mein Shirt hoch und küsst mein Brustbein.

Kann ich bei dir bleiben?‘ Du machst eine dramatische Pause: ‚Für immer!‘

Ich lege meine Hände um deinen Kopf und schiebe dein Gesicht in meine Blickrichtung. ‚Ich hab dir doch gesagt, dass meine Tür für dich immer offen steht, bis du kommst, um die Türe hinter dir zu schließen.‘ Gott, hatte ich diesen Satz oft zu dir gesagt. In einer hoffnungslos verrannten Situation hangelt man wirklich nach jedem Strohhalm. Nur für die Möglichkeit, dass dieser Moment eintreten könnte. Aber nun ist es soweit, ich habe die Tür hinter dir geschlossen und ich habe es gestern getan. Erinnern kann ich mich nicht mehr daran, aber ich habe es getan, völlig selbstverständlich. Du bist da und du bleibst. Wir küssten uns jetzt. Es ist zu schön, um war zu sein…

%d Bloggern gefällt das: