Liebste Rosmerta,

11896029_1235277639831789_8288598046746135869_nLiebste Rosmerta,

ich weiß ich hab kein Recht Euch meine Aufwartung zu machen, aber mir bleibt nicht mehr lang auf diesem kahlen Stein. Ich hoffe mein Geschenk erzürnt Euch nicht all zu sehr. Ich bitte Euch nur, dass Ihr mein letztes Werk bei Euch behaltet.

Ihr ahnt es wohl schon, dass ich Euch beobachtet habe. Asche auf mein Haupt.

Es war nicht meine Absicht und ich ging auch nicht in die Wälder um Euch im Gebet zu stören. Doch als ich Euch im Mondenschein erblicken durfte, könnte ich meinen Blick nicht mehr von eurem Antlitz abwenden.

Ich habe nie so eine unnahbare Schönheit gesehen und ich schäme mich dafür, dass ich Euch hinterrücks begafft habe.

Ich hoffe Ihr erkennt in meiner Arbeit meine unzerstörbare Liebe zu Euch.

Warum ich Euch ein Stück Stein mit einem Brief übersende, mir bleibt wohl nicht mehr lange und es ist nicht gewiss, ob mein Körper durch die Asche wiederkehren kann.

Meine Berufung war es den leuchtenden Stein in Form zu hauen und mein Ende wird es sein, dass ich einer ehrlichen Arbeit nachgegangen bin. Dieser Sockel brachte mir den Tod und verdammt sei er in alle Ewigkeit.

Der einzige Lichtblick war es euren reinen Körper erblickt zu haben und von diesem flüchtigen Moment zerre ich die letzten Stunden meines Lebens, weil vielmehr bleibt mir wohl nicht.

Ich liege fern ab vom Lazarett in einem alten Verschlag im Wald und keiner aus meinem Lager traut sich noch in meine Nähe. Mein letzter Wunsch war es, dass man Euch diesen Brief mit samt der Statuette bringen möge.

Jetzt wo Ihr diese Zeilen erblickt, werde ich wohl mit dem Wächter darum ringen, ob ich Euch noch einmal erblicken darf, oder ob es endgültig für mich zu spät ist.

Wenn mein Körper es wiedererwartend schaffen sollte, aus der Asche wieder aufzustehen, werde ich auf Euch warten. Am halben Weg zu Eurem Garten, werde ich am Liebesbaum stehen und inständig drum beten, dass Euch mein Brief erhalten hat.

Der Verlauf meiner Krankheit ist so weit fortgeschritten, dass ich kaum noch etwas lesen kann, was ich da schreib…

Meine Finger zittern so, dass ich kaum mehr den Stift halten kann…

Verzeiht, die Blutflecken. Seit mir alle Haare ausgegangen sind, läuft mir immerwährend das Blut aus der Nase…

Wenn es aufhört zu bluten, dann ist es wohl vorbei mit mir… wir sehen uns auf der anderen Seite… oder an den Wurzel des Liebesbaumes…

Oder ich wache über Euch, bis Euer Weg Euch zu mir bringt…

Es tut mir Leid, dass ich Euch nicht mehr bieten kann, als meine immerwährende Liebe

Euer

Hensing Till Brechenthaler

Steinmetz seines Zeichens

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Die Leiden des Foltermeisters

Die Leiden des Foltermeisters

IMG_4157Kommt nach Primum, haben Sie gesagt! Da erntet Ihr Ruhm und Ehr, haben Sie gesagt!

Da erlebt Ihr Abenteuer, die Ihr Euren Kindern und Kindeskindern noch erzählen könnt, haben Sie gesagt!

Aber was mich auf dieser unsäglichen Insel dann erwartet hat, schlägt dem Fass den Boden aus. Wenn ich meine Kinder je wiedersehen sollte, dann werde ich ihnen bestimmt nichts davon erzählen.

Zunächst haben sich alle Mannen meines Kriegszuges aufgeführt, wie Matrosen auf Landgang. Nun gut, wir waren ja schon ein paar Wochen mit dem Schiff unterwegs, ehe unsere Gallionsfigur durch den Nebel stieß und wir einen ersten Blick auf diesen kahlen Felsen werfen konnten.

Die paar grünen Halme waren ziemlich giftig und bescherten mir die ersten Tage und Nächte auf dem Donnerbalken.

Etwas geschwächt, konnte ich am 3. Tage meine eigentliche Arbeit aufnehmen. Ich war der Foltermeister des Kriegszuges. Doch zu tun hatte ich erstmal eh nichts.

Ich frug mich bis heute, warum ich in die Wälder ging. Auf eine blödere Idee hätte ich kaum kommen können. Ich hätte meinen haarigen Hintern im Lager lassen sollen und nicht den Abenteurer spielen. Aber da war dieses Gerücht. Von dem Baum, den keines Mannes Axt zu fällen vermag. Das hört sich verdächtig nach einer Eisentanne an. Für die Temperaturen, die es auf diesem sonnigen Fleckchen Erde hat, sind Eisentannen eigentlich nicht gemacht.

In meinem Kopf surrte die Idee eines enormen Schlagstockes aus einem daumendicken Ast einer Eisentanne umher. Dabei hätte ich mich eher fragen sollen warum diese Eingeborenen einen Mundschutz trugen.

Als ich in der Abenddämmerung im Schatten einer enormen Buche auf eine buntschillernde, bovistartige Morchel stieg, wusste ich warum. Zum Glück bin ich daran nicht gestorben, aber den alptraumartigen Rausch den ich die ganze Nacht durchlitt, möchte ich nicht nochmal durchleben.

Aber nun hab ich wieder etwas für mein Handwerk gelernt. Was man in der Abenddämmerung mit den Pilzen alles machen kann, am Tag bei Sonnenschein, hätten mich die Sporen des Pilzes wahrscheinlich umgebracht und wenn man im Mondenschein daran schnüffelt, dann hat man die süßesten, rauschartigsten und feuchtfröhlichsten Träume, die je ein Mann zu haben schien.

In meinem Träumen lag ich unter dem mächtigen Stamm der Eisentanne meiner Träume und meine Axt ging wie Butter durch den Stamm. Und die Kopfschmerzen, die ich danach hatte, konnte niemand lindern. Und ich war mir nicht mehr sicher, ob es wirklich eine Buche war, in deren Schatten ich auf dieses obszöne Pilzgewächs trat.

Ein Gewitter zog auf und die Buche, die ich suchte, wird doch eine Eiche gewesen sein. Die Eisentanne hab ich leider nicht gefunden.

Als ich wieder unter den Lebenden weilte, hatte mein Heerführer einen Auftrag für mich. Ich sollte warum auch immer einen dieser Eingeborenen foltern.

Mein Gewissen plagte mich nur ein Wenig, weil sie es waren, die meinen desolaten Körper wieder ins Lager zurückschleppten.

Und zu meinem Glück war es augenscheinlich keiner von den Eingeborenen, die mit mir in die Wälder gegangen waren, es war der erste Krieger der Uth und er lachte immerzu, selbst als ich ihn mit seinem eigenen Steinseil fesselte.

Foltern, ja dass kann ich, also machte ich mich gleich ans Werk. Der Schreiber stand zu Beginn noch neben mir und versuchte dem Uth einige Fragen zu stellen, doch der Uth blickte uns nur versteinert an und sagte kein Wort. Immer wenn ich ihn mit meinem liebevoll zusammengetragen und mit viel Zuneigung gepflegten Werkzeug ein bisschen anzusporen versuchte, lachte er nur wieder.

Ich versuchte wirklich diesen Uth zu verletzen, mit allem was ich hatte. Und sein Gelächter kann ich immer noch in meinen Ohren hören.

Ich versuchte ihn solange mit allen geeigneten Mitteln zu foltern, bis mir mein Lieblingsmesser an ihm abbrach. Eine unglaubliche Wut überkam mich. Ja und ich vergoss die ein oder andere Träne, mein Messer begleitet mir schon länger als meine Frau und jetzt ist es hin.

Ich lief wutentbrannt zu unserem Koch und holte mir ein Fleischerbeil.

Dem Koch schulde ich ein neues Beil und der Uth schuldet mir meine Ehre.

Am Ende prügelte ich ihn mit einem Hammer, bis der Hammer vom Stiel abbrach und ich ihm mit der bloßen Faust eine verpasste.

Ich hatte noch nie in meinem Leben zu viel Schmerz erleiden müssen, wie als der Uth mich auslachte, weil meine Hand nach diesem Schlag anfing zu bluten. Ich glaube ich habe mir tatsächlich meine Hand an einem Uth gebrochen.

Ich holte mir beim Schmied eine Feile und nach stundenlanger, hingebungsvoller Arbeit, kam ich durch die steinerne Haut und mich glitzerte ein Tröpflein Blut für einen Moment an, bevor die Wunde sofort wieder versiegte.

Der Schreiber lag draußen vor dem Zelt und reiherte in einem Eimer. Der hält aber auch gar nichts aus.

Als wir den Uth wieder aus den Fesseln entließen, weil sein Stamm unsere Palisaden zerlegte, stand er einfach nur auf und ging zu mir rüber, lachte wieder und betonierte mir eine, so dass ich im wahrsten Sinne des Wortes aus meinem eigenen Zelt flog.

Aufgrund eines Kieferbruches konnte ich den restlichen Aufenthalt auf der Insel nur noch flüssige Nahrung zu mir nehmen. Und dieser Schnaps, den die Eingeboren bei Nacht tranken, brachte mich wieder unter den Stamm der Eisentanne, die vielleicht sogar eine Kiefer war.

Aber eines kann ich sagen, so wahr mir die Götter helfen, die Uth können bluten und ihr Blut ist rot, so wie das unsere.

Anmerkung des Schreibers: Meinen Vorschlag wir sollten den steinigen Eingeborenen einfach waschen, wurde bis zum Ende nicht beherzigt.

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Uth – Der Kurzfilm: Der Weg der Ho’Da’Me

Hallo Liebe Leser,

heute gibt es nichts zu lesen, sondern eher was zum Schauen und zum Zuhören.

Wir haben für unsere Larpveranstaltung Inseln der Macht vom 02. bis 06. September 2015 einen Trailer drehen wollen, der dann aber so lang geworden ist, dass es nun ein Kurzfilm ist, über das Leben des Steinvolkes der Uth auf der Insel Primum. Es scheinen Vorbereitungen im Gange zu sein, weil der Wettstreit naht und der Nebel beginn zu weichen, langsam aber stetig. Er gibt uns nur einen Bruchteil von dem preis, was uns dort erwartet, aber seht selbst:

Uth – Der Kurzfilm from Inseln der Macht on Vimeo.

Der Weg der Ho’Da’Me,
Inseln der Macht – Primum
02.09. – 06.09.2015
Königsdorf (Bayern)
Mehr auf http://www.inseln-der-macht.de
Musik Elemente durch GEMA lizensiert

~*~

Für diese Veranstaltung werden noch Festrollen NSC für die Uth ganz besonders Kämpfer und Trommler gesucht und die ein oder andere ‚Alte Dame‘ ist auch noch nicht besetzt. Auf der Seite des Phoenix und der Ewigkeit werden ebenfalls noch Leute gesucht, da ist auch für jeden was dabei…

Des Weiteren benötigen wir noch ein paar Springer für Tageseinsätze und Nachts in den Träumen unserer Spieler…

Anmeldung und Forum auf Inseln der Macht

Infos bei mir bine@inseln-der-macht.de

~*~

Vielen Dank nochmal an alle Mitwirkenden:

Für mich ist es eine ganz besondere Freude, wenn alles das was ich mir immer in meinem Kopf zusammenreime, dann langsam laufen lernt.

Storyboard & Regie: Thomas Westphal
Fotos: Linda Sack
Schminke, Kamera & Fotos: Christina Burgstaller DetailReich Photography
Schminke und Requisite und Mädchen für Alles: Mona Westphal
Schnitt, Webdesign, Behördenkram und Tüten tragen: Robert Banniza
Ton: Hubert Widmann
Tüten tragen und kalte Getränke: Rene Düver

und

Der Uth des Monats: Tobias Marx als Ko’Ti der Winterläufer

eure Ho’Da’Ma

Aus dem Tagebuch einer Putzfrau

Aus dem Tagebuch einer Putzfrau (teilweise von den Epistemen zensiert)

redlatDer Aspekt der Liebe hat mich endlich erhört. Ich hab mich verliebt. Kurz bevor ich den Glauben an die wahre Liebe aufgeben wollte, hat es mich erwischt. Ich konnte es kaum glauben, dass ich mich noch einmal so verlieben könnte, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Alles in meinem Leben war so trist und leer, bis zu dem Moment, da ich meinen Traumprinzen durch ein Loch in der Zeltwand erblickt habe. Seit dem sehe ich ihn mir jeden Tag an und ich verzehre mich an ihm. Jede Nacht.

Und egal was die Widrigkeiten des Lebens so für mich auf Lager haben, es ist mir völlig...von den Epistemen zensiert… weil ich weiß, dass ich ihn am Abend wieder sehe. Jeden Abend.

Himmel, so hat es mich schon lange nicht mehr erwischt. Er ist ein Traum, ein Traum zu schön um wahr zu sein. Mich beschleicht nur ein schreckliche Vorahnung, dass ich meinen Traumprinzen wahrscheinlich nie in meine Arme schließen kann, weil ich nicht so wirklich weiß wer er eigentlich so richtig ist. Ganz nebenbei würde ich gerne mal sein Gesicht sehen.

Den den Angestellten in unserem Etablissement ist es strengstens untersagt sich gegenseitig zu beäugen oder gar zu berühren. Äußerste Diskretion ist unser oberstes Gebot. Aber solange ich ihn mir jeden Tag flüchtig ansehen kann, kann ich auch darüber hinwegsehen, dass er einer nicht ganz herkömmlichen Berufung nachgeht. Ich bin neben der Besitzerin und dem schmierigen Koch wohl die Einzige die in der roten Laterne in Lohn und Brot steht, ohne sich dafür entblößen zu müssen.

Ich weiß auch nicht so genau, was mein Traummann dazu sagt, dass es Liebe auf den ersten Blick war, obwohl er mich noch nie gesehen hat und ich eigentlich nur sein bestes …von den Epistemen zensiert… Ich komme mir vor, wie eines der beiden Liebenden, die nie zusammenkommen können…

Himmel, warum muss ich mich auch in einen…von den Epistemen zensiert…verlieben. Gut in einen phantasmagor…von den Epistemen zensiert…- …von den Epistemen zensiert…ist einfach perfekt, als wäre er nur für mich gemacht. Aber ich würde dann wirklich gerne wissen, wer der Mann ist, der hinter diesem perfekten…von den Epistemen zensiert… steht. Mist. Ich überlege mir gerade, ob ich diesen Brief durch das Loch in der Zeltwand werfen soll?

Lieber Besitzer des phantasmagor…von den Epistemen zensiert…,

du versüßt mir mein tristes Leben nur durch die Gewissheit, dass es dich und dein …von den Epistemen zensiert… irgendwo da draußen gibt. Für mich ist es Liebe auf den ersten Blick. Wegen dir kann ich kaum schlafen. Bei dem bloßen Gedanken an dich, schmelze ich dahin und ich verzehre mich nach dir. Ich möchte dich nehmen so wie du bist und solange du willst. Gerne bis ans Ende aller Tage und darüber hinaus. Auf eine positive Reaktion deinerseits würde ich mich sehr freuen und ich stelle dir hiermit diesen Antrag auf eine eheähnliche Beziehung auf eher körperlicher Basis, ich würde dich lieben und … von den Epistemen zensiert…bis der Tod uns scheidet.

Bitte melde dich.

Deine

Bernadette

Die Putzfrau von der roten Laterne

P.S. Bitte verstehe mich nicht falsch, ich möchte dich auf keinen Fall nur auf deine derzeitige Arbeit reduzieren.

Auszug aus der Abteilung Liebesbriefe, überprüft von der Abteilung Zensur und nicht für gut befunden, ich bin Episteme und ich sage die Zensur ist unser Recht!

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Wenn die Asche auf den Nägeln brennt…

Wenn die Asche auf den Nägeln brennt…

halle_der_läuterung (5)Er saß in seinem Zelt und schrieb bei Kerzenschein. Die Sonne war noch nicht ganz untergegangen und doch war es schon so dunkel im Zelt, dass er selbst bei Kerzenschein kaum mehr erkennen konnte, was er da schrieb. Doch es brannte ihm so unter den Nägeln, dass er seiner Seele Luft machen musste. Wenn der Brief erst an seinem Bestimmungsort angekommen ist, dann würde ihm Vergebung zu Teil werden. Oder noch besser Erlösung. Doch bis dahin war noch ein langer Weg. Erst musste er seine Sünden am Gleichgewicht dem Orden beichten. Auch wenn Papier geduldig ist, diese Zeilen würden über Leben und Tod entscheiden. Ja, über seinen Tod und das Leben vieler.
Und sein Schicksal war es die Intrigen der letzten Tage ans Licht zu Zerren, damit es auch der Letzte noch erführe, welcher schlechten Sache er gedient hatte. Seine Lügen verfolgten ihn Tag wie Nacht und jeden Moment, die er weiter mit der Schuld lebte, war er dem brennenden Urteilsspruch einen Schritt näher als es ihm lieb gewesen wäre. Aber unumstößlich würde er ins Fegefeuer fahren, egal wie emsig er auch versuchen würde die Sache wieder gut zu machen. Er würde bis in alle Ewigkeit brennen.

Gedankenverloren starrte er auf die Zeilen, die er gerade schrieb und ein Schauer lief ihm über den Nacken. So grausam waren seine Taten und so unentschuldbar war sein Schweigen. Bis jetzt. Jetzt wo sein Gewissen ihm die Zunge gelockert hatte oder vielmehr seine Finger beflügelt hatten, konnte er sicher in den Tod gehen. Sein Nacken fing an zu brennen. Niemand könne ihm in diesem Fall seine Schuld nehmen. Deshalb wollte er sich bei all den entschuldigen, denen er Leid angetan hatte. All den Müttern, die ihre Söhne zu betrauern hatten. All die Frauen, die ihre Männer nie wieder sehen würden und all die Schwestern die endlos Tränen vergießen mussten, über den Verlust ihrer Brüder. Er hatte das Gefühl, als würde sein Herz anfangen zu brennen. Warum nur hatte er sich dafür bezahlen lassen, den Weg der Asche aufhalten zu wollen. Warum war er nur der Meinung, dass sein Plan hätte funktionieren können. Die Hitze stieg ihm in den Kopf. Warum hatte er dies nur getan. Asche rieselte von seinem Haupt auf den Brief. Seine Fingernägel brannten. Nun wurde ihm klar, warum es verboten war, den Wettstreit zu beeinflussen. Seine Finger setzten das Pergament in Brand. Es war nur halb so schlimm, als wenn man versucht die Asche zu hintergehen. Weil nichts ist so sicher wie die Auferstehung, auch wenn es viel einfacher wäre einfach so in den Tod zu gehen.
Der Tisch fing an zu brennen und das Feuer lief wie ein Wiesel über das Fell am Boden und schon fing das Zelt an zu brennen. Seine brennende Hand verkrampfte sich um die brennende Feder, als das Tintenglas zersprang. Die schwarze Tinte verdampfte und alles was blieb war Schall und Rauch.

Als das Feuer runtergebrannt war, standen zwei Männer vor einem enormen Aschehaufen.
Der Eine sah erschreckend gut aus, für seine eher merkwürdige Arbeitsgewandung und der Andere war einfach nur grauenerregend anzusehen. Sein Buckel schien einem bei jedem seiner Bewegungen obszön zuzunicken, während sein halbes Gesicht von Haaren und einer Augenklappe verdeckt war.
‘Ich hab das Urteil noch gar nicht fertig vorgelesen!’ grummelte der Eine.
‘Du kannst doch gar nicht lesen!’ meinte der Andere mürrisch.
‘Das wird eine Ewigkeit dauern, aber mit uns kann man es ja machen!’ grummelte der Eine wieder.
‘Eine öffentliche Gerichtsverhandlung find ich immer viel schöner!’ meinte der Andere und hielt eine ziemlich kleine Kehrschaufel hin.
Der Eine schob die Asche mit einem ziemlich zerfledderten Besen auf die Schaufel und murmelte: ‘Ich sag hier nichts!’
‘Ich auch nicht!’ meinte der Andere und füllte die Asche in ein Glas mit der Aufschrift: ‘Asche zu Asche und Staub zu Staub! Urteil: 5000 Jahre Läuterung!’

Später wurde das Glas in ein mit Aschegläser überfülltes Regal gestellt über das ein Schild hing. ‘Halle der Läuterung!’

 

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Gehe nicht dort hin, kehrt zurück!

Gehe nicht dort hin, kehrt zurück!

1451324_10201625541266984_345540583_nEine Frau fuhr bei Nacht mit ihrem Wagen eine vereiste Straße entlang. Sie fuhr langsam und vorsichtig, weil sie kaum Sicht hatte. Der Winter schickte nichts Ganzes und nichts Halbes vom Himmel und doch war es draußen bitterkalt und drinnen lief die Heizung auf Hochtouren. Es war schon so heiß im Auto, dass ihr die Füße weh taten.

Plötzlich holperte es, sie schien über ein Schlagloch gefahren zu sein. Nicht Besonderes, nur dass sie das Lenkrad kaum noch halten konnte. Und das sie bei voller Fahrt erst von ihrer Radkappe und dann von ihrem Reifen überholt wurde, war doch mehr als ungewöhnlich. Alles Gegenlenken half nichts, die Fahrt in den Graben war mehr als vorprogrammiert.

Und genau da kam sie auch wieder zu sich. Im Wagen war es nun kalt und die Scheiben waren gefroren. Sie musste eine ganze Weile bewusstlos im Wagen gelegen haben.

Im Wageninneren herrschte das Chaos und sie war sich nicht ganz so sicher, ob bei ihr noch alles dran war. Deshalb fuhr sie mit fahrigen Fingern über ihren Körper und untersuchte sich selbst nach Verletzungen. Es schien ihr gut zu gehen, bis sie versuchte aus dem Auto zu steigen und sie sich beinahe mit ihrem eigenen Gurt erwürgt hätte.

Sich über sich selbst ärgernd, öffnete sie den Gurt und stieg aus. Das Auto war mehr als tot. Nicht mal das Licht ging mehr. Und als sie versuchte die Warnblinkanlage anzustellen, kam keine Reaktion von ihrem treuen Begleiter.

Wie als würde sie unter einem Bann stehen zückte sie ihr Handy. Sie wollte den ADAC rufen, aber irgendwie hatte sie kein Netz. Noch nicht mal Notrufe.

Genau so fangen Horrorfilme an. Sie hatte den Impuls genau diesen Satz bei Facebook zu posten. Sie blickte nochmal auf ihr Handy. Schüttelte es, als ob sie eine Verbindung herbei schütteln könnte.

Nachdem sie es endlich akzeptiert hatte, dass das Handy wohl das nutzloseste Ding überhaupt in diesem Moment war, blickte sie sich um. Der Reifen ihres Wagens lag am Straßenrand und die Radkappe steckte tief in der Erde. Am Ende der Straße stand ein Haus. Vielleicht hatten die ja ein Telefon. Oder vielleicht war einfach nur jemand da, der sie aufnehmen würde, bevor sie sich ihren hübschen Hintern abfrieren würde. Sie tapste übers Feld und durch den gefrorenen Schlamm. Manchmal sind Stöckelschuhe die falsche Wahl, wenn man einen Spaziergang durch den Dreck machen will.

Nach einer gefühlten Stunde passierte sie endlich das Ortsschild, auf dem mit roter Farbe geschrieben stand: ‚Tu es nicht!‘

Sie hatte es im Dunkeln gar nicht bemerkt und ging einfach weiter zu dem Haus. Alles dunkel und ruhig, bis auf ein altes Firmenschild, dass verwirrt einen merkwürdigen Takt aus Licht flackerte und mit dem Flackern ein ziemlich kaputtes elektrisches Geräusch einherging.

‚Metzgerei Ignaz E. Kimmelmann – Fleischeslust‘ stand auf dem Schild und sie war sich nicht mehr so ganz sicher, ob es sich nun um einen Swingerclub oder doch um eine Metzgerei handelte. Mutig drückte sie auf die Klingel, doch es geschah nichts. Sie drückte nochmal, länger. Keine Reaktion. Obwohl keinerlei Geräusch ertönte, klingelte sie Sturm bis sie das Gefühl hatte, ihr Finger würde abfrieren. Die Klingel musste kaputt sein, oder die Bewohner taub. Sie klopfte trotzdem an die Tür, bis sie schließlich mit beiden Fäusten gegen die Tür hämmerte.

Fest entschlossen griff sie nach dem Türknauf und drehte daran. Verschlossen. Ein Sprung gegen die Tür fegte sie fast von den Füßen. Nun gab sie auf und beschloss nach einer Hintertür zu suchen. Sie ging ums Haus herum, was sie nicht beachtete, dass jemand etwas in roter Farbe an die Hauswand geschmiert hatte: ‚Gehe nicht dort hin!‘

Auf der Rückseite war der Lieferanteneingang der Metzgerei, der unschwer durch die langen ehemals durchsichtigen Plastiklappen gekennzeichnet war, die vom Türsturz hingen und verträumt im eisigen Wind flatterten.

Sie musste unweigerlich an den Metzgerkalender denken, den sie mal im Internet gesehen hatte. Ein Schauer lief ihr über den Rücken, als sie versuchte die Hintertür zu öffnen. Die eiskalte Stahltür war fest verschlossen, also ging sie weiter ums Haus.

Nach der nächsten Ecke kam sie auf eine Veranda, mit einer großen Fensterfront. Sie schnappte ihr Handy und leuchtete hinein. Es war nicht viel zusehen, nur eine runtergekommene Wohnküche. Es stank recht streng. Durch die Scheibe zog sich ein riesiger Riss und an der unteren Ecke war tatsächlich ein Loch in der Scheibe. Sie kniete sich vorsichtig hin, griff durch das Loch in der Scheibe und leuchte dabei nervös im Raum umher. Der Gestank trieb ihr Tränen in die Augen. Eigentlich war sie sich ziemlich sicher, dass niemand hier war, aber ein bisschen Schiss hatte sie trotzdem. Sie konnte den unteren Griff der Terrassentür erreichen und hebelte die Tür auf. Mit einem widerlichen Quietschen öffnete sich die Tür von alleine und blieb erst stehen, als sie gegen eine längst vertrocknete Yuccapalme stieß.

Auf den Fließen lagen Unmengen von Scherben, deshalb versuchte sie auf Zehenspitzen in den Raum zu schleichen.

In der Küche war schon mal kein Telefon, sie sah nur alte Zeitschriften auf einem Siteboard und Unmengen an schmutzigen Geschirr in und um die Spüle. Sie blickte auf die Zeitschriften, es waren irgendwelche Frauenzeitschriften aus den 80ger Jahren und Arztromane. Was sie nicht las, waren die Titel der Arztromane: ‚Gehe nicht dort hin!‘ Kopfschüttelnd lief sie durch die Küche auf den Gang. Links ging es zum Verkaufsraum und rechts ging es in einen grün gekachelten Raum, in dem allerlei rustikale Maschinen standen und Unmengen von Fleischerhaken an Schienen hingen, die quer durch den Raum den Kühlraum führten. Das musste das Herzstück der Metzgerei sein, sie hatte allerdings nicht vor in den Kühlraum zu gehen, weil es roch hier eh schon nicht so unglaublich grauenhaft, da wollte sie die Nase jetzt nicht unbedingt auch noch ins Kühlhaus stecken, wer weiß was da drin schon seit Jahren vor sich hin verweste. Sie ging also nur in den Arbeitsraum hinein, leuchtete umher und hielt sich von der großen Stahltür der Kühlkammer fern. An der Außenwand des Raumes hingen wieder so schmutzige Plastiklappen von der Decke, dahinter musste die Tür zum Hof sein.

Völlig entgeistert starrte sie auf einen alten Cutter. Oberhalb der Fliesen blätterte der Putz von der Wand und selbst die Fliesen schienen nicht mehr all zu gut zu halten. Hier stand wirklich alles Andere herum, nur kein Telefon. Noch nicht mal ein Telefonkabel. Sie stolperte über ein paar verbrochene Fliesen, die am Boden verstreut waren und wäre beinahe zu Fall gekommen. Dabei entdeckte sie eine kleine Tür, die hinter einer der Metalltische versteckt war. Eigentlich wollte sie ja nur Hilfe holen und gleich wieder zurück zu ihrem Wagen gehen, aber die Neugier war irgendwie stärker als die Angst. Sie ging auf die Knie und bahnte sich einen Weg zu der kleinen Tür. Wahrscheinlich würde sie gleich wieder in der Küche landen, die müsste eigentlich hinter der Wand sein. Sie betätigte den kleinen Riegel, mit dem das Türchen verschlossen war und die Tür schwang quietschend in ihre Richtung auf. Mit zitternden Fingern leuchtete sie in den Raum und irgendwas in ihr schrie ganz laut: ‚Gehe nicht dort hin! Tu es nicht!‘

Doch sie blickte neugierig in das dunkle Loch, dass sich vor ihr aufgetan hatte. Sie leuchtete in den Raum und sie traute ihren Augen kaum. Nicht dass die Zeit in dieses Metzgerei schon seit Jahren stehengeblieben zu sein schien, in diesem Raum musste seit den 40ger Jahren keiner mehr drinnen gewesen sein. Überall lagen Zeitung herum, die entweder zu Kriegszeiten oder in der Nachkriegszeit gedruckt worden waren. In einer Ecke lehnte eine verrostete Axt und eine Beinprothese, wie bestellt und nicht abgeholt. Wer geht denn ohne sein Bein außer Haus?

Sie kletterte neugierig in den Verschlag und brach mit dem Knie durch die hölzernen Bodendielen. Völlig panisch sprang sie einen Satz nach hinten und leuchtete dann aber doch in das Loch, dass sie gerade verursacht hatte. Dort lag eine altes Buch.

Als sie schwer atmend nach dem Buch angelte, entpuppte es sich als kleines Kästchen, dass nur als Buch getarnt war. Sie kroch wieder zurück in die Metzgerei und öffnete das Kästchen.

Drinnen lagen alte Fotos und neue Briefe. Die Fotos waren von herausgeputzten, hässlichen Kindern und alleinstehenden Frauen in schwarz-weiss. Neugierig blätterte sie durch die Briefe, bis sie an einem Geständnis hängen blieb.

‚Liebste Anita,

ich träume jede Nacht von dir, aber wir können niemals zusammen sein.

Wenn du das liest, dann bin ich schon über alle Beine. Ich hab ja noch beide. Wenn ihr den einbeinigen Metzger sucht, der ist bei seiner Frau und den anderen Langschweinen in der Kühlkammer. Die Kinder sind im Schweinepferch bei den Hunden. Die Nachbarn hab ich in ihrem Bett erlegt. Meine Lieblingsaxt hab ich auch da gelassen, wäre ja schon ganz schön aufgefallen, wenn ich mit der blutigen Axt mit dem Bus gefahren wäre.

In ewiger Verbundenheit, dein Sepp, Liebesschlachter aus Leidenschaft‘

Plötzlich klingelte ihr Handy und sie lies die Schachtel samt dem Brief fallen, während an ihrem inneren Auge eine Blut-Gehirn-Massaker-Szene Marke Ittenbach vorbeizog. Völlig außer sich und einem Herzinfarkt nahe, ging sie ran.

‚Wo bleibst du denn?‘ schrie sie jemand an.

‚Halt mal den Rand. Ich hatte nen Unfall und hatte bis eben kein Netz. Irgendwo zwischen Ascholding und Dietramszell. Ruf bitte sofort die Polizei und den ADAC an, ich bin grad in der alten Metzgerei Ignaz Kimmelmann, hier muss was Schreckliches passiert sein. Ignaz Kimmelmann! Mach dass sofort, ich weiß nicht wie lange das Netz hält. Und komm dann her und bring mir eine warme Jacke mit, ich warte bei meinem Auto!‘ schrie sie schwer atmend ins Telefon.

‚Ja klar. Sofort.‘ rief die Stimme wieder und legte auf.

Sie packte die Bilder und die Briefe wieder in die Kiste und machte sich dann hastig auf den Weg nach draußen, sie wollte keinen Moment länger in diesem Mordhaus bleiben.

Fortsetzung folgt vielleicht in ‚Gehe nicht dort hin schlägt zurück!‘

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