Gehe nicht dort hin, kehrt zurück!

Gehe nicht dort hin, kehrt zurück!

1451324_10201625541266984_345540583_nEine Frau fuhr bei Nacht mit ihrem Wagen eine vereiste Straße entlang. Sie fuhr langsam und vorsichtig, weil sie kaum Sicht hatte. Der Winter schickte nichts Ganzes und nichts Halbes vom Himmel und doch war es draußen bitterkalt und drinnen lief die Heizung auf Hochtouren. Es war schon so heiß im Auto, dass ihr die Füße weh taten.

Plötzlich holperte es, sie schien über ein Schlagloch gefahren zu sein. Nicht Besonderes, nur dass sie das Lenkrad kaum noch halten konnte. Und das sie bei voller Fahrt erst von ihrer Radkappe und dann von ihrem Reifen überholt wurde, war doch mehr als ungewöhnlich. Alles Gegenlenken half nichts, die Fahrt in den Graben war mehr als vorprogrammiert.

Und genau da kam sie auch wieder zu sich. Im Wagen war es nun kalt und die Scheiben waren gefroren. Sie musste eine ganze Weile bewusstlos im Wagen gelegen haben.

Im Wageninneren herrschte das Chaos und sie war sich nicht ganz so sicher, ob bei ihr noch alles dran war. Deshalb fuhr sie mit fahrigen Fingern über ihren Körper und untersuchte sich selbst nach Verletzungen. Es schien ihr gut zu gehen, bis sie versuchte aus dem Auto zu steigen und sie sich beinahe mit ihrem eigenen Gurt erwürgt hätte.

Sich über sich selbst ärgernd, öffnete sie den Gurt und stieg aus. Das Auto war mehr als tot. Nicht mal das Licht ging mehr. Und als sie versuchte die Warnblinkanlage anzustellen, kam keine Reaktion von ihrem treuen Begleiter.

Wie als würde sie unter einem Bann stehen zückte sie ihr Handy. Sie wollte den ADAC rufen, aber irgendwie hatte sie kein Netz. Noch nicht mal Notrufe.

Genau so fangen Horrorfilme an. Sie hatte den Impuls genau diesen Satz bei Facebook zu posten. Sie blickte nochmal auf ihr Handy. Schüttelte es, als ob sie eine Verbindung herbei schütteln könnte.

Nachdem sie es endlich akzeptiert hatte, dass das Handy wohl das nutzloseste Ding überhaupt in diesem Moment war, blickte sie sich um. Der Reifen ihres Wagens lag am Straßenrand und die Radkappe steckte tief in der Erde. Am Ende der Straße stand ein Haus. Vielleicht hatten die ja ein Telefon. Oder vielleicht war einfach nur jemand da, der sie aufnehmen würde, bevor sie sich ihren hübschen Hintern abfrieren würde. Sie tapste übers Feld und durch den gefrorenen Schlamm. Manchmal sind Stöckelschuhe die falsche Wahl, wenn man einen Spaziergang durch den Dreck machen will.

Nach einer gefühlten Stunde passierte sie endlich das Ortsschild, auf dem mit roter Farbe geschrieben stand: ‚Tu es nicht!‘

Sie hatte es im Dunkeln gar nicht bemerkt und ging einfach weiter zu dem Haus. Alles dunkel und ruhig, bis auf ein altes Firmenschild, dass verwirrt einen merkwürdigen Takt aus Licht flackerte und mit dem Flackern ein ziemlich kaputtes elektrisches Geräusch einherging.

‚Metzgerei Ignaz E. Kimmelmann – Fleischeslust‘ stand auf dem Schild und sie war sich nicht mehr so ganz sicher, ob es sich nun um einen Swingerclub oder doch um eine Metzgerei handelte. Mutig drückte sie auf die Klingel, doch es geschah nichts. Sie drückte nochmal, länger. Keine Reaktion. Obwohl keinerlei Geräusch ertönte, klingelte sie Sturm bis sie das Gefühl hatte, ihr Finger würde abfrieren. Die Klingel musste kaputt sein, oder die Bewohner taub. Sie klopfte trotzdem an die Tür, bis sie schließlich mit beiden Fäusten gegen die Tür hämmerte.

Fest entschlossen griff sie nach dem Türknauf und drehte daran. Verschlossen. Ein Sprung gegen die Tür fegte sie fast von den Füßen. Nun gab sie auf und beschloss nach einer Hintertür zu suchen. Sie ging ums Haus herum, was sie nicht beachtete, dass jemand etwas in roter Farbe an die Hauswand geschmiert hatte: ‚Gehe nicht dort hin!‘

Auf der Rückseite war der Lieferanteneingang der Metzgerei, der unschwer durch die langen ehemals durchsichtigen Plastiklappen gekennzeichnet war, die vom Türsturz hingen und verträumt im eisigen Wind flatterten.

Sie musste unweigerlich an den Metzgerkalender denken, den sie mal im Internet gesehen hatte. Ein Schauer lief ihr über den Rücken, als sie versuchte die Hintertür zu öffnen. Die eiskalte Stahltür war fest verschlossen, also ging sie weiter ums Haus.

Nach der nächsten Ecke kam sie auf eine Veranda, mit einer großen Fensterfront. Sie schnappte ihr Handy und leuchtete hinein. Es war nicht viel zusehen, nur eine runtergekommene Wohnküche. Es stank recht streng. Durch die Scheibe zog sich ein riesiger Riss und an der unteren Ecke war tatsächlich ein Loch in der Scheibe. Sie kniete sich vorsichtig hin, griff durch das Loch in der Scheibe und leuchte dabei nervös im Raum umher. Der Gestank trieb ihr Tränen in die Augen. Eigentlich war sie sich ziemlich sicher, dass niemand hier war, aber ein bisschen Schiss hatte sie trotzdem. Sie konnte den unteren Griff der Terrassentür erreichen und hebelte die Tür auf. Mit einem widerlichen Quietschen öffnete sich die Tür von alleine und blieb erst stehen, als sie gegen eine längst vertrocknete Yuccapalme stieß.

Auf den Fließen lagen Unmengen von Scherben, deshalb versuchte sie auf Zehenspitzen in den Raum zu schleichen.

In der Küche war schon mal kein Telefon, sie sah nur alte Zeitschriften auf einem Siteboard und Unmengen an schmutzigen Geschirr in und um die Spüle. Sie blickte auf die Zeitschriften, es waren irgendwelche Frauenzeitschriften aus den 80ger Jahren und Arztromane. Was sie nicht las, waren die Titel der Arztromane: ‚Gehe nicht dort hin!‘ Kopfschüttelnd lief sie durch die Küche auf den Gang. Links ging es zum Verkaufsraum und rechts ging es in einen grün gekachelten Raum, in dem allerlei rustikale Maschinen standen und Unmengen von Fleischerhaken an Schienen hingen, die quer durch den Raum den Kühlraum führten. Das musste das Herzstück der Metzgerei sein, sie hatte allerdings nicht vor in den Kühlraum zu gehen, weil es roch hier eh schon nicht so unglaublich grauenhaft, da wollte sie die Nase jetzt nicht unbedingt auch noch ins Kühlhaus stecken, wer weiß was da drin schon seit Jahren vor sich hin verweste. Sie ging also nur in den Arbeitsraum hinein, leuchtete umher und hielt sich von der großen Stahltür der Kühlkammer fern. An der Außenwand des Raumes hingen wieder so schmutzige Plastiklappen von der Decke, dahinter musste die Tür zum Hof sein.

Völlig entgeistert starrte sie auf einen alten Cutter. Oberhalb der Fliesen blätterte der Putz von der Wand und selbst die Fliesen schienen nicht mehr all zu gut zu halten. Hier stand wirklich alles Andere herum, nur kein Telefon. Noch nicht mal ein Telefonkabel. Sie stolperte über ein paar verbrochene Fliesen, die am Boden verstreut waren und wäre beinahe zu Fall gekommen. Dabei entdeckte sie eine kleine Tür, die hinter einer der Metalltische versteckt war. Eigentlich wollte sie ja nur Hilfe holen und gleich wieder zurück zu ihrem Wagen gehen, aber die Neugier war irgendwie stärker als die Angst. Sie ging auf die Knie und bahnte sich einen Weg zu der kleinen Tür. Wahrscheinlich würde sie gleich wieder in der Küche landen, die müsste eigentlich hinter der Wand sein. Sie betätigte den kleinen Riegel, mit dem das Türchen verschlossen war und die Tür schwang quietschend in ihre Richtung auf. Mit zitternden Fingern leuchtete sie in den Raum und irgendwas in ihr schrie ganz laut: ‚Gehe nicht dort hin! Tu es nicht!‘

Doch sie blickte neugierig in das dunkle Loch, dass sich vor ihr aufgetan hatte. Sie leuchtete in den Raum und sie traute ihren Augen kaum. Nicht dass die Zeit in dieses Metzgerei schon seit Jahren stehengeblieben zu sein schien, in diesem Raum musste seit den 40ger Jahren keiner mehr drinnen gewesen sein. Überall lagen Zeitung herum, die entweder zu Kriegszeiten oder in der Nachkriegszeit gedruckt worden waren. In einer Ecke lehnte eine verrostete Axt und eine Beinprothese, wie bestellt und nicht abgeholt. Wer geht denn ohne sein Bein außer Haus?

Sie kletterte neugierig in den Verschlag und brach mit dem Knie durch die hölzernen Bodendielen. Völlig panisch sprang sie einen Satz nach hinten und leuchtete dann aber doch in das Loch, dass sie gerade verursacht hatte. Dort lag eine altes Buch.

Als sie schwer atmend nach dem Buch angelte, entpuppte es sich als kleines Kästchen, dass nur als Buch getarnt war. Sie kroch wieder zurück in die Metzgerei und öffnete das Kästchen.

Drinnen lagen alte Fotos und neue Briefe. Die Fotos waren von herausgeputzten, hässlichen Kindern und alleinstehenden Frauen in schwarz-weiss. Neugierig blätterte sie durch die Briefe, bis sie an einem Geständnis hängen blieb.

‚Liebste Anita,

ich träume jede Nacht von dir, aber wir können niemals zusammen sein.

Wenn du das liest, dann bin ich schon über alle Beine. Ich hab ja noch beide. Wenn ihr den einbeinigen Metzger sucht, der ist bei seiner Frau und den anderen Langschweinen in der Kühlkammer. Die Kinder sind im Schweinepferch bei den Hunden. Die Nachbarn hab ich in ihrem Bett erlegt. Meine Lieblingsaxt hab ich auch da gelassen, wäre ja schon ganz schön aufgefallen, wenn ich mit der blutigen Axt mit dem Bus gefahren wäre.

In ewiger Verbundenheit, dein Sepp, Liebesschlachter aus Leidenschaft‘

Plötzlich klingelte ihr Handy und sie lies die Schachtel samt dem Brief fallen, während an ihrem inneren Auge eine Blut-Gehirn-Massaker-Szene Marke Ittenbach vorbeizog. Völlig außer sich und einem Herzinfarkt nahe, ging sie ran.

‚Wo bleibst du denn?‘ schrie sie jemand an.

‚Halt mal den Rand. Ich hatte nen Unfall und hatte bis eben kein Netz. Irgendwo zwischen Ascholding und Dietramszell. Ruf bitte sofort die Polizei und den ADAC an, ich bin grad in der alten Metzgerei Ignaz Kimmelmann, hier muss was Schreckliches passiert sein. Ignaz Kimmelmann! Mach dass sofort, ich weiß nicht wie lange das Netz hält. Und komm dann her und bring mir eine warme Jacke mit, ich warte bei meinem Auto!‘ schrie sie schwer atmend ins Telefon.

‚Ja klar. Sofort.‘ rief die Stimme wieder und legte auf.

Sie packte die Bilder und die Briefe wieder in die Kiste und machte sich dann hastig auf den Weg nach draußen, sie wollte keinen Moment länger in diesem Mordhaus bleiben.

Fortsetzung folgt vielleicht in ‚Gehe nicht dort hin schlägt zurück!‘

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Die romantische Auslegung einer Duftkerze

Liebes Tagebuch Teil 7 – Die romantische Auslegung einer Duftkerze

redroseIch bins, Schackeline, eigentlich gar nicht mehr 17 ½, ich bin schon voll lange Volljährig und habe nicht nur meinen Führerschein, sondern auch meine eigene Karre. Hurra. Nicht dass mich da einer gefragt hätte, jetzt schreibt sie fast gar nicht mehr in meine Seiten. Ich hasse es, wenn du in der 3.Person von mir schreibst, wenn ich vor dir sitze. Und ich trinke nicht mehr so viel, weil ich ja immer mit dem Auto unterwegs bin. Da bleiben uns ja so Erlebnisse wie mit Cap und Capper in Zukunft vielleicht erspart? Tom und Jerry. Tim und Struppi eben. Wie auch immer. Und was war das gestern für eine Aktion? Ich habe das ja nur am Rande mitbekommen, du hast mich ja wieder weggesperrt, aber zum Glück ist ein kleines Löchlein in der Schreibtischschublade. Ich bin dir einerseits im Übrigen total dankbar, dass du mich letzte Woche daran erinnert hast, dass ich eventuell zu wenig Duftkerzen im Haus haben hätte können, aber andererseits ging die Aktion irgendwie nach Hinten los. Ja, wie Manns nimmt, würde ich mal sagen. Nicht witzig. Dank deiner weitreichenden Bemerkung bin ich dann zum IKEA gefahren und als dann der IKEA mit meinem Gehalt fertig war… Es stinkt übrigens immer noch und mir ist kalt. Maul nicht rum, du kannst gar nicht frieren, du bist ein Tagebuch. Lieber Erfroren als Erstunken! Jetzt gib nur mir nicht die Schuld, die Duftkerzen waren eine super Idee. Was kann ich denn dafür, dass manche Menschen die pure Anwesenheit von Duftkerzen evtl. in den falschen Hals kriegen könnten. Ja, wer hätte das auch ahnen können. Weil rote Kerzen im Allgemeinen eher dem Romantischen zugesprochen werden, als irgendwas anderem. Hm. Hättest vielleicht Grabkerzen aufstellen sollen? Hätte vielleicht einen Flammenwerfer benutzen sollen, um die Fronten gleich mal klar zu stellen. Und außerdem hab ich dir auf den Einkaufszettel geschrieben, kaufe die grünen Duftkerzen, die riechen ein Bisschen nach Klospülung. Aber nein, Madam muss ja wieder die Roten kaufen. Die schreien ja geradezu nach Sex! Zum Glück hatte ich den 10er Pack Duftbäume gekauft. Die machen sich ja auch wirklich gut hier drinne. Ja, gääähhh! Ein Bisschen wie bei dem Film Sieben. Würg. Nicht schon wieder. Nein, alles gut. Ist ja eh nichts mehr drin was raus könnte. Wolltest du nicht noch einen Leserbrief an Febreze schreiben? War auch eine meiner weniger guten Idee, Febreze schniefen zu wollen. Aber zumindest rieche ich jetzt Aprildurft aus der Nase, was meine Mitmenschen erfreuen würde, wenn sie denn eine Nase hätten. Darf ich mal eine indiskrete Frage stellen? Du fragst doch sonst nicht. Ja, aber bei so einem delikaten Thema, entbietet es die Höflichkeit zu fragen. Leg los. Warum hast du denn den nasalen Betriebsunfall dann überhaupt mitgenommen? Der war eigentlich ganz nett. Du weißt was man über das Wort eigentlich sagt. Ja, Mama. Und ist dir der etwas strengere Geruch in der Bar etwa nicht aufgefallen? In der Bar hat man das nicht so gemerkt. Und dann im Auto? Das steht noch vor der Bar. Ach, haben wir etwa wieder getrunken? Anscheinend musste sich mein Unterbewusstsein irgendwas schön saufen. Lass dir sagen, höre mal mehr auf dein Unterbewusstsein, junge Dame! Ja, Mama. Es waren ja nur 3 oder 5 Absinth-Sprite. Ach, deshalb der kleine Ausrutscher gestern. Ich glaube meine Geruchsnerven waren nur vorübergehend betrunken. Ach, Absinth macht nicht nur blöd, sonder auch… Ich weiß immer noch nicht, wie das heißt wenn man seinen Geruchssinn verliert. Aber Himmel Herr. Wie gerne hätte ich gestern dieses Geschenk gehabt, einfach mal nichts riechen zu können. Bloß nicht, sonst wäre dieser widerhafte Gestanksmann immer noch hier. Und am Ende wäre dir noch eine Nase gewachsen. Verschrei es nicht, wenn ich kotzen könnte, würde ich nur deinen verbalen Durchfall von mir geben. Und am Ende will das keiner lesen. Arsch. Danke, sehr erfreut. Arsch, dein Tagebuch. Ich bin nur dass, was du aus mir gemacht hast. Können wir mal beim Thema bleiben, ich habe immer noch so einen seltsamen Geruch in der Nase. Du hast gestern Febreze als Nasenspray benutzt! Und ich kann den Kerl immer noch riechen, als ob der neben mir sitzen würde…. Und dich leidenschaftlich anhaucht. Würg. Nicht schon wieder! Warte, geht gleich wieder. Ich dachte es wäre nichts mehr drinne. Sag mal riechst du das nicht, vielleicht hat er was vergessen. Manchmal bin ich ganz froh, dass ich eigentlich nichts riechen kann. Es riecht so, als hätte er eine tote Katze unter dem Bett vergessen. Du hast doch Geruchshalluzinationen?! Echt jetzt!!! Dabei ist der doch schon vor Stunden aus meiner Wohnung geflohen. Ich finde ja, eine Argumentationskette mit: Echt jetzt!!! zu untermauern, immer ein wenig geistig unbewaffnet bis einfältig. Ja, danke! Was machst du jetzt unter dem Sofa? Ich such die tote Katze! Ach zünd doch nochmal ein paar Duftkerzen an, mir ist ist schon wieder so romantisch. Das ist nicht witzig. Woher sollte ich denn ahnen, dass der Kerl gedacht hatte, dass ich mit ihm poppen wollte, weil ich ca. 30 Duftkerzen angezündet habe. Du hättest ihm vielleicht einfach sagen sollen, dass er gotterbärmlich stinken tut. Hmm? Ehrlich wert am Längsten. Und du hättest nachher nicht aufwischen brauchen. Wer den Schaden hat, braucht für den Spot nicht zu sorgen. Hättest ihn ja nicht gleich ankotzen müssen, als er versucht hat dir die Zunge in den Hals zu stecken. Aber lieber so, als dass es ansteckend ist…würg. Kopfkino funktioniert auch mit dem Geruchssinn. Würg. Ich würd dir so gerne die Haare hochhalten, aber ich habe leider keine Arme und keine Beine. Hust. Hust. Aber putz dir bloß die Zähne. Ja, Mama! Also, was ist jetzt mit dem Kerl, trefft ihr euch wieder. Ich glaub es hackt. Du wolltest doch eh eine Diät machen… Würg…

Deine Schackeline (nicht mehr 17 ½)

(Ähnlichkeiten mit Personen aus dem realen Leben sind in einer fiktiven Geschichte gar unmöglich und somit reiner Zufall.)

Blut ist dicker als Wasser – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 9

Blut ist dicker als Wasser – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 9

schweiniBranu humpelte Schweini hinterher, Richtung Waldrand. Er war auf der Suche nach Bruna, die war schon seit Stunden fort und langsam machte er sich wirklich Sorgen um sie. Auf seiner Wange leuchtete immer noch ihr Handabdruck und in seinem Kopf sang der Met manch rauschendes Lied.

Er hatte nicht nur die eine Flasche Met zusammen mit dem Meister Ulgur vernichtet und deswegen spürte er jetzt auch keinen Schmerz. Der Heiler hatte ihm eigentlich verboten, den Hof zu verlassen und er würde es morgen bitter bereuen, dass er so weit gelaufen war. Aber wenn die Götter ihm nun endlich eine richtige Familie geschenkt haben, dann musste er sich auch darum kümmern. Und sein Vater, also der Meister Ulgur, war zu betrunken um sie zu suchen.

Er hatte ihn vorhin ins Bett bringen müssen, weil er so besoffen gewesen war, dass er nicht mehr laufen konnte und das am helllichten Tag. Aber es war ja auch durchaus ein Grund zu feiern. Mann wurde ja nicht jeden Tag, zum zweiten Mal Vater und Mann bekam auch nicht jeden Tag seinen richtigen Vater zu Gesicht. Das Schwein verschwand im Dickicht und das riss ihn aus seinen betrunkenen Gedanken.

Als er zum Bachlauf kam, sah er schon den Rauch aufsteigen. Und wenig später stieg ihm der Geruch verbrannten Haares in die Nase. Bruna lag im Bach, blickte ohne auch nur einmal zu blinzelnd nach oben und das Wasser dampfte um sie herum. Der Wasserdampf ergoss sich schon über das ganze Tal.

Er versuchte möglichst unbeschadet die Böschung runter zu rutschen. Sein Bein tobte jetzt auch noch oder schon, aber er würde nicht ohne Bruna wieder zurück gehen, nach Hause. Er humpelte weiter auf den Bach zu und kniete sich umständlich ans Ufer in den Schlamm und flüstere: ‚Bruna, für ein Bad ist es entschieden zu kalt!‘ Dann griff er nach ihrer Hand und kam fast aus dem Gleichgewicht. Das Bachwasser schien tatsächlich erwärmt zu sein. ‚Komm da raus. Ich würd mich gerne bei dir entschuldigen.‘

Mit einer ruckartigen Bewegung wand sie ihren Kopf in seine Richtung und Tränen liefen unentwegt aus ihren Augen und verdampften in nächsten Moment auf ihrer Haut. Ihre Hand schien in Flammen aufzugehen und er ließ sie schlagartig wieder los.

‚Komm bitte da raus, du musst mir helfen. Ohne dich komme ich die Böschung nie wieder rauf.‘

Ihre Hand brannte tatsächlich, obwohl sie halb im Wasser lag. Er musste den Kopf schütteln, das musste am Met liegen. Die Hand brannte immer noch. Er kniff die Augen zu und sie brannte immer noch, als er seine Augen wieder geöffnet hatte.

‚Ich glaub, du brennst Bruna?!‘ stotterte er.

Plötzlich schloss sie die Hand und das Feuer erlosch. Er konnte sie atmen hören und er dachte er hätte so was wie ein Seufzer gehört. Sie blinzelte und hielt einen schrecklich langen Moment ihre Augen geschlossen und als sie endlich ihre Augen wieder öffnete, stand das Blau ihrer Augen voll Tränen. Ihr Kinn zitterte und ihre Maske zerbrach, so wie die Tränen über ihr Gesicht flossen.

Beherzt griff er wieder nach ihrer Hand und zog sie zu sich heran.

‚Du heulst doch nicht wegen mir?‘ fragte er unverblümt.

Ein feuriger Schlag in seine Nieren, war ihm Antwort genug. Ihm blieb für einen Moment die Luft weg, hielt sie aber eine Weile im Arm und während ihm beruhigende Laute über die Lippen huschten. Endlich regte sie sich und blickte ihn mit verheulten Augen an.

‚Verzeihst du mir den kleinen Ausrutscher? Ich war irgendwie verwirrt!‘ fragte Branu.

‚Wenn hier Einer verwirrt ist, dann bin ich das wohl und was fällt dir überhaupt ein, deine Zunge in meinen Hals stecken zu wollen. Ich glaub es hackt.‘ plapperte sie los, bis der Rauch wieder von ihr aufstieg. Dann fing sie wieder an zu weinen und krächzte. ‚Der Einzige, der mich je berührt hat, war das wandelnde Feuer…! Und das ist schon schlimm genug und der Nächste ist dann mein Bruder…‘ Den Rest des Satzes konnte er nicht mehr verstehen, aber er glaubte, dass sie ihn zwischen den ganzen Schluchzern ganz schön beleidigt hatte. Sie heulte, wie sie es als 12 jähriges Mädchen nicht getan hätte und dann fing sie sich wieder. ‚Wenn du das irgendjemanden erzählt, schleife ich dich an deinen … Ohren… in den Wald und leg dich wieder unter den Baum!‘

Sie zog den Rotz hoch und lächelte ihn an. Mit einer zarten, ja einer erschreckend zarten Bewegung berührte sie seine Wange, an der Stelle wo ihr Handabdruck immer noch feuerrot leuchtete und tierisch brannte.

‚Das gibt, ich brenn dir Eine, eine ganz neue Bedeutung!‘ meinte sie. Beide mussten Lachen.

‚Der Phönix aus der Asche, Schwesterlein! Der Phönix aus der Asche.‘ meinte er und versuchte zu grinsen, doch sein Gesicht tat ihm fast mehr weh als sein Bein.

ENDE

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Erwischt – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 8

Erwischt – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 8

schweiniNach einer Woche war der Holzfäller mehr oder weniger wieder auf den Beinen. Er versuchte sich zumindest nützlich zu machen. Nachdem Meister Ulgur die Heiler bezahlt hatte, würde er seine Schuld in den nächsten Monaten abarbeiten müssen. Das Gehen fiel ihm noch schwer und irgendwie hatte er immer das Gefühl er würde dem Metzger und seiner Tochter nur im Weg umgehen. Er musste wirklich noch viel über das Metzgerhandwerk lernen.

Im Großen und Ganzen ging es ihm einen Tag gut und am nächsten Tag wieder schlecht. An schlechten Tagen hatte er wieder Fieber und Bruna wachte an seinem Bett und es schien ihm so, als würde sie seine Hitze anziehen und in sich aufsaugen. Und am nächsten Tag ging es ihm wieder gut.

Heute war so ein Tag, es ging ihm mehr als gut und er wurde leicht übermütig. Er hatte sich in der Küche nützlich gemacht, der Meister hat seine Blutwürste gemacht und der Holzfäller hatte ihm dabei über die Schulter gesehen und versucht zu helfen.

Nun waren sie fertig und der Holzfäller trat in die Metzgerstube und erblickte Bruna, die gerade den Boden wischte. Sie kniete neben einem grintigen Eimer auf den blutigen Dielen und er konnte den Blick nicht von ihr wenden. Einen Moment musste er auf ihren Hinter gestarrt haben, bis es ihm Gewahr wurde. Hastig begann er zu faseln. ‚Bruna? Ich wollt mich noch bei dir bedanken.‘

‚Für was denn? Bedank dich lieber bei Schweini!‘ meinte sie mehr zum Putzeimer, als zu ihm.

‚Ich hab die Nächte sehr genossen, in denen du an meiner Seite wachtest!‘

‚Zeit wann redest du so geschwollen daher?‘ fragte Bruna, die den blutigen Lumpen ins Putzwasser warf und den Holzfäller entsetzt anstarrte.

‚Ich wollte…!‘ stotterte der Holzfäller und ging einen Schritt auf sie zu. Bruna nahm den blutigen Lappen, wand ihn aus und stand dann aber auf, weil Branu ihr irgendwie zu Nahe gekommen war.

‚Sag mal hast du wieder Fieber, soll ich dir nen Tee und kalte Wickel machen.‘ meinte sie fast beiläufig.

‚Ja, es muss das Fieber sein, es verbrennt mich.‘ meinte er ziemlich ernst und griff nach ihrer Schultern. ‚Es ist Etwas in mir entbrannt und ich vermag es nicht zu löschen!‘ säuselte er ihr ins Gesicht und kam ihr immer näher.

‚Und da kommst du zu mir?‘ fragte sie ihn ungläubig und versuchte sich aus seinem Griff zu winden. Er kam ihr noch näher und machte Anstalten sie küssen zu wollen. Als sich ihre Lippen sich flüchtig berührten, scheuerte sie ihm Eine und zwar so heftig, dass er nach hinten taumelte. Beinahe wäre er über den Putzeimer gestolpert. Er hielt sich die Wange, die nicht nur wie Feuer brannte, sondern auch so aussah. Aber der Schmerz war es wohl nicht, was ihn so erschreckte. Es war irgendwas anderes. Bruna blickte ihn wutschnaubend an, eine Ader pulsierte auf ihrer Stirn und ihre Finger fingen an zu rauchen.

‚Es tut mir leid, ich konnte nicht anders, ich musste es dir sagen!‘ meinte er und humpelte wieder auf sie zu.

‚Was sagen? Dass du den Verstand verloren hast!‘ rief sie aufgebracht und ging rückwärts durch die Stube, bis ihr Rücken an der Wand anstieß. Er versperrte ihr den Weg, packte sie unsanft und zog sie in eine Umarmung.

‚Nein Bruna, ich habe mein Herz verloren!‘ meinte er und versuchte sie erneut zu küssen, dabei glitten seine groben Finger an ihrem Rücken entlang und vergruben sich in den Stoff ihrer Tunika, die ihren mächtigen Hintern verdeckte. Er presste sie gegen die Wand und küsste sie hart und unnachgiebig, bis ein Räuspern ihn unterbrach.

‚Nimm deine Drecksbatschen von deiner Schwester.‘ stolperte dem Metzger Ulgur aus dem Mund.

Bruna und Branu stoben auseinander und sie blickten erst den Metzgermeister und dann sich gegenseitig verwirrt an.

‚Was zu Beltane passiert, weiß nur der Zwölfender!‘ meinte Ulgur und machte Anstalten nach draußen gehen zu wollen.

‚Ich glaub es hackt. Ich komme seit dem ich laufen kann in dein Haus, Bruna und ich haben unsere halbe Kindheit miteinander verbracht und dann so was und du siehst mir nicht mal ins Gesicht…‚ rief Branu völlig außer sich, bis seine Stimme brach.

Ulgur drehte sich noch mal um, legte den Finger an den Mund und sprach leise aber eindringlich genug: ‚Scht. Deine schwindlige Verwandtschaft darf davon nie etwas erfahren und jetzt beruhige dich, ich geh eine gute Flasche Met holen und dann werde ich dir ins Gesicht sehen, mein Sohn.‘

Bruna konnte nicht fassen, was sie da hörte. Ihr ganzer Körper bebte vor Wut, ihre Finger fingen wieder an zu qualmen und zu rauchen und sie stürzte hastig nach draußen. Ihr Vater kam ihr entgegen, als sie über den Hof lief. Wutentbrannt knallte sie ihm Eine. Und die hatte er sich wohl verdient. Bruna strafte ihn mit einem wütenden Blick und verließ den Hof Richtung Wald.

Als Meister Ulgur mit der Flasche Met in Händen in sein Haus zurück ging, stand Branu immer noch an der selben Stelle mitten in der Metzgerstube und rieb sich die Wange.

‚Die haben wir wohl beide verdient!‘ meinte Ulgur und rieb sich ebenfalls die Wange. ‚Deine Schwester hat nen ziemlichen Schwinger drauf!‘

Branu musste grinsen und blickte Ulgur in die Augen. Ulgur erwiderte den Blick. Sie umarmten sich kurz. Ulgur klopfte Branu auf die Schulter und flüsterte ihm ins Ohr: ‚Ich hätte es dir schon viel früher sagen müssen, mein Sohn!‘

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Sprechstunde – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 7

Sprechstunde – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 7

schweiniIn der Wohnstube roch es nach deftigen Eintopf, gebratenen Zwiebeln und Speck. Bruna kochte gerade das Abendessen.

‚Aber das sieht doch schon ganz gut aus!‘ meinte der Heiler zum Holzfäller und erneuerte den Verband.

‚Kann ich aufstehen?‘ fragte Branu ungestüm und war im Begriff aus dem Bett springen zu wollen. Der Heiler hielt ihn zurück und meinte: ‚Na, na, na, morgen, vielleicht!‘

‚Kann ich wenigstens zum Abort gehen?‘

‚Morgen dann, aber überanstrenge dein Bein nicht, sonst waren unsere ganzen Bemühungen für die Katz. Der Eimer wird es heute Nacht für deine kleinen Geschäfte noch tun.‘

‚Muss ich die ganze Zeit im Bett liegen?‘

‚Nein, wenn du eh schon raus humpelst, kannst du morgen ein Bisschen in der Sonne sitzen, aber leg dein Bein hoch!‘

Bruna schaute durch einen Spalt im Vorhang.

‚Ah Bruna, komm nur rein!‘ meinte der Heiler. ‚Sehr gute Arbeit! Ich werd bei Zeiten auf dein inneres Feuer zurückkommen, du kannst viel Leid lindern.‘

‚Ich habe aber keine Ahnung was ich gemacht habe!‘

‚Dein Handabdruck ist auf seiner Wunde eingebrannt.‘

Ein erschrockenes ‚Oh!‘ kam aus ihrem Mund gestolpert, doch der freundliche Gesichtsausdruck des Heilers besänftigte ihren Schrecken und sie fuhr fort. ‚Ich hab einen Moment nicht aufgepasst und dann fing der Verband schon flammen.‘

‚Sehr gut, weiter so!‘ meinte der Heiler und war in der Versuchung ihr auf die Schulter zu klopfen.

‚Irgendwann brennt sie noch das ganze Haus nieder, wenn sie nicht aufpasst!‘ hörten sie Meister Ulgur rufen, der gerade am Vorhang vorbeigelaufen war.

Der Heiler sprang auf und meinte noch: ‚Also immer schön das Bein hochlegen und nicht überanstrengen. Ich schau morgen Abend wieder vorbei.‘

Er war schon hinter dem Vorhang verschwunden, bevor sie ihn rufen hörten: ‚Meister Ulgur!‘

Schweini lief durch den Vorhang und verhedderte sich im ausgerissenen Saum des Vorhangs. Bruna lief zum Schwein und befreite es. ‚Wär ja mal a G’schicht, wenn du durch die Öffnung laufen würdest.‘

Schweini grunzte erbost, so schien es zumindest dem Holzfäller.

‚Ist ja schon gut, ich wollt den Saum schon lang mal um nähen.‘ meinte sie und wand sich wieder zum Holzfäller, der sie belustigt angrinste.

Plötzlich kroch ihr der Geruch von Verbrannten in die Nase. Sie lies das Schwein aufs Bett fallen und blickte auf ihre Hände. Nun roch auch der Holzfäller etwas Verbranntes. Sie drehte sich um und versuchte auf ihren Hintern zu blicken und dann fiel es ihr ein. ‚Bei allen Göttern, mein Kuchen!‘

Und schon stolperte sie durch den Vorhang und er konnte nur noch ein Zischen hören. Bruna hatte wohl wieder den Herd mit bloßen Händen geöffnet.

‚Ach du gute Güte, da wären mir doch beinahe meine Küchlein verbrannt!‘

Der Holzfäller hielt sich die Hand vor den Mund, um ein lautes Loslachen zu verhindern, was ihm nur bedingt gelang.

‚Hör bloß auf zu Lachen!‘ meinte Bruna mürrisch.

‚Ich lach ja gar…!‘ und schon war es um ihn geschehen. Ohrenbetäubendes Gelächter drang durch den Vorhang. Er hielt erst inne, als Bruna ihr wütendes Gesicht im Spalt des Vorhanges auftauchte.

‚Da will wohl einer keinen Kuchen!‘

‚Doch Bruna, sehr gerne.‘

‚Dann hör auf zu Lachen!‘

‚Es tut mir leid, ich höre von dir nur so selten so Sachen wie: Vorhang versäumen und ach du gute Güte, da wären mir doch beinahe meine Küchlein verbrannt!‘ meinte der Holzfäller mit verstellter Stimme.

‚Versucht sie wieder das Haus anzuzünden?‘ meinte Metzger Ulgur, der gerade wieder in die Wohnstube getreten war.

‚Nein, sie hat versucht einen Kuchen zu backen!‘ rief der Holzfäller.

Der Metzger blickte auf den leicht verkohlten Kuchen auf der Anrichte. ‚Ah, die alten Äpfel mussten eh weg. Aber was hast du mit dem Zwiebelkuchen von vorhin gemacht?‘

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Aufgeschreckt – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 6

Aufgeschreckt – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 6

schweiniEin dumpfer Schmerz zerrte an seinen Träumen und riss ihn unsanft aus dem Schlaf. Er war benommen und sein Kopf rauschte. Sein Bein fühlte sich taub an, schmerzte aber unvorstellbar und er konnte sich nicht bewegen, auch die Arme nicht. Vorsichtig öffnete er ein Auge und sofort rannen ihm Schweißperlen hinein. Hastig kniff er das Auge wieder zu und versuchte sich doch zu bewegen. Er bekam kaum Luft. Es schien so als würde etwas auf seiner Brust sitzen. Röchelnd versuchte er zu sprechen, doch seine Stimme brach und er hustete. Bruna wurde wach und schreckte von seiner Brust hoch. Sie war wohl am Bett sitzend eingeschlafen. Als sie wieder aufrecht da saß, begriff sie erst, das der Holzfäller wach war und panisch versuchte sich aus seiner Verschnürung zu winden. Beruhigende Laute kamen ihr über die Lippen während ihre Hände nach den Seinen suchte, um die Fesseln zu lösen. ‚Sch sch sch! Ich musste dich am Bett festbinden, du bist im Fieber handgreiflich geworden.‘

‚Bruna?‘ hustete der Holzfäller hervor. ‚Hab ich…!‘ Und seine Stimme brach wieder.

Sie legte einen Finger auf seinen Mund und wischte ihm mit einem feuchten Lumpen übers Gesicht. Vorsichtig öffnete er die Augen und blickte in ihre lächelnde Gesicht. ‚Nein, du hast dir keine Schande gemacht und dein Bein ist auch noch dran.‘ Sie musste ein Gähnen unterdrücken und nestelte weiter an seinen Fesseln. Endlich waren seine Hände frei. Und in einer ungeschickten Bewegung ergriff er sie an ihren Schultern, dass ihr vor Schreck der Lumpen aus der Hand fiel. ‚Hab ich dir Schande gemacht?‘ keuchte er ihr ins Gesicht.

Sie schüttelte verschmitzt den Kopf und als ihr Gewahr wurde, dass ihr das Blut in den Kopf stieg, riss sie sich los. Hastig griff sie nach der Wasserkanne und fing auch genauso hastig an zu reden: ‚Du musst viel trinken…!‘ Mit zitternden Fingern goss sie Wasser in einen Becher und setzte ihn an seine Lippen. Er nahm einen Schluck und griff dann nach ihrer Hand.

‚Halt, bevor du mir weiter was einflößt, müsste ich langsam mal was loswerden.‘ sagte er grade heraus.

‚Ja, natürlich! Lass mich erst die Fesseln lösen.‘ Was sie auch machte, dann drückte sie ihm eine Tunika in die Hand und half ihm hoch. ‚Langsam solltest du dir wirklich was anziehen.‘

Dann schob sie ihm einen Eimer vor die Füße und meinte: ‚Ich hoffe, dass schaffst du alleine!‘

Und ehe er sich versah, eilte sie von ihm fort und zog den Vorhang hinter sich zu. Er hörte wie sie sich am Ofen zu schaffen machte, als er sein Bein aus dem Bett hob. Jetzt spürte er es und es schmerzte. Er biss sich auf die Lippe, um ein Stöhnen zu unterdrücken. Nichts desto trotz zog er sich erst seine Tunika an und stutzte nicht schlecht, als er begriff, dass es tatsächlich eines seiner leichten Hemden war.

‚Das ist ja meine Tunika?‚ fragte Branu, über den Vorhang hinweg, während er schwerfällig seine Tunika anzog.

‚Ja, ich war heute untertags bei deiner Hütte und hab dir ein paar Sachen eingepackt und deinen Ochsen geholt. Du hast gestern Nacht im Fieberwahn ziemlich viel wirres Zeug geredet.‘ meinte sie und fuhr umgehend weiter fort, als sie das Plätschern hörte. ‚Aber nachdem du immer nach deinem Ochsen geplärrt hattest, beschloss ich ihn einfach herzuholen. Hab auch die paar Stämme mitgebracht. Nur die Kiefer hab ich liegen lassen.‘

‚Ich werd jeden einzelnen Spreißel von dem krummen Bastard einschüren.‘ fluchte er.

Fortsetzung folgt vielleicht…

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Wundbrand – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 5

Wundbrand – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 5

schweini‚Er wird Fieber kriegen!‘ hatte der Heiler immer wieder gesagt. Und da lassen sie Bruna mit dem armen Holzfäller allein, wo sie doch gar nichts Kühlendes mehr an sich hatte. Sie betete inbrünstig an die Götter und zwar alle die ihr einfielen, dass sie bis zum Morgengrauen nicht Feuer fing.

Der Holzfäller lag in ihrem Bett und das Fieber beutelte seinen Körper. Der Heiler hatte ihr Kräuterschnaps da gelassen, der gegen Krämpfe helfen sollten, die er auch noch bekommen würde.

‚Du wirst ihn am Bett festbinden müssen! Nicht dass die Wunden wieder aufgehen!‘ Hatte er noch gesagt, bevor er wieder verschwinden wollte. Im Lauf drehte er sich nochmal um und rief über seine Schulter hinweg: ‚Ach, wenn die Wunde durchnässt, versuch vorsichtig den Verband zu wechseln.‘ Er wand sich wieder in ihre Richtung und drückte ihr gleich seinen ganzen Korb in die Hand und verschwand. Des Holzfällers Glück war, dass sie den Heilern in den letzten Tagen gut über die Schulter geschaute hatte, also wusste sie so ungefähr, was zu tun war. Sein Körper fing tatsächlich an zu Krampfen und sie flößte ihm den Schnaps ein. Als er sich wieder ein Wenig beruhigt hatte, stand sie auf und suchte einen Strick. Sie band seinen gewaltigen Körper ordentlich an ihrem Bett fest und blickte dann zufrieden auf ihr Werk. Er faselte wirres Zeug, dass sie kaum verstehen konnte. Sie legte ihm vorsichtig ein feuchtes Tuch auf seine Stirn und als sie sich wieder abwenden wollte, packte er sie an ihrer Tunika und zog sie zu sich aufs Bett. Vielleicht hätte sie ihm auch noch die Hände fesseln sollen. Schweini lief quietschend übers Bett, bevor Bruna das Gleichgewicht verlor und aufs Bett krachte.

Er riss die Augen auf und fing an völlig klar mir ihr zu reden: ‚Holz macht vier mal warm! Einmal beim Umschneiden und einmal beim aus dem Wald holen. Dann beim Hacken und natürlich beim Einschüren!‘

Genauso plötzlich wie er sie ergriffen hatte, löste er seine Umklammerung und sie fiel vor Schreck fast vom Bett. Als sie sich wieder gefangen hatte, band sie auch seine Hände fest. Als sie ihn zudecken wollte, bemerkte sie, dass seine Beinwunde tatsächlich stark nässte und beschloss den Verband zu wechseln.

Sie pfriemelte den Verband ab und noch bevor sie die letzten Lagen des Verbandes abgewickelt hatte, drang schon der Eiter durch die verkrusteten Leinenwickel. Der Gestank des verdorbenen Fleisches, den sie nur zu gut kannte, brachte sie zum Würgen.

Sie band sich ein schnapsgetränktes Tuch um Nase und Mund und wusch sorgfältig seine Wunden aus. Er musste wirklich unglaubliche Schmerzen haben. Tränen standen ihr in den Augen und sie schluckte schwer, als sie den frischen Verband an legte. Sie hatte wohl eine Weile nicht aufgepasst, denn ihre Hände fingen Feuer und brannten sich durch den Verband und als sie sein brandiges Fleisch zischen hörte, zuckte sie zurück.

Nach hinten stolpernd, hechtete sie zum Wassereimer und versenkte ihre Hände darin. Sie versuchte sich zu beruhigen, atmete tief durch und blickte zu dem Bein hinüber. Der Verband schmurgelte noch vor sich hin. Mit einem nassen Lumpen um die Hände schlich sie wieder zum Bett und versorgte erneut die Wunde. Die brandigen Stellen waren nun kross gebacken. Zumindest würde es nun nicht mehr eitern. Sie schmierte mit einem frischen Tuch eine Wundsalbe über die ausgebrannten Stellen und machte erneut einen Verband.

Diese Nacht sollte tatsächlich die Schlimmste werden, denn nach dem versehentlichen Ausbrennen, stieg das Fieber nochmal an und er fieberte wieder lautstark vor sich hin.

Er rief nach seinem Zweiender. Doch sie brauchte bis zum Morgengrauen, bis sie verstand, was er da vor sich hin faselte. Er befürchtete, dass sein Ochse, auch Zweiender genannt, verhungern oder erfrieren könnte. Außerdem schreckte er mehrmals hoch und war sich ziemlich sicher das Feuer in seiner Hütte angelassen zu haben. Er arbeitete gegen die Fesseln und kämpfe gegen seine Bewegungsunfähigkeit an. Sie war heilfroh, dass sie ihn ordentlich fixiert hatte, aber dafür schien sein Verstand mit ihm durchzugehen.

Fortsetzung folgt vielleicht…

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

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