Ein neuer Tag im Leben eines Thelocactus Freudenbergeri

Ein neuer Tag im Leben eines Thelocactus Freudenbergeri

Ein neuer Tag, es ist wieder laut und Hansi Hinterseer trällert durchs morgendliche ‚Al Dente‘. Die Nonna kommt mit einer Flasche Pellegrino und duscht mich wach. Puh. Das Pellegrino war direkt aus dem Kühlschrank. Wenn ich ein Gehirn hätte, hätte ich jetzt Gehirnfrost. Die Nonna singt lautstark zu ‚A bisserl was geht immer‘ von Florian Silbereisen. Es ist ein Alptraum, ich bin aber wach, der Alptraum geht nicht weg und ich kann nicht weglaufen, weil ich keine Beine habe. Bei dem Titel würde sich der ‚Monaco Franze‘ im Grabe umdrehen: A bisserl was geht immer. Was sich der Silbereisen da erlaubt. Aber was will man denn schon von einem Menschen erwarten, der bei jedem Auftritt immer die eine rote Unterhose trägt, die hoffentlich zwischen seinen Auftritten auch mal gewaschen wird. Menschen wie Florian Silbereisen kommen für rote Sündenschlüpfer bestimmt in die Hölle. Ich bete inständig ans Universum, dass Florian Silbereisen und Hansi Hinterseer bitte keinen gemeinsamen Autounfall haben, auch nicht getrennt von einander, weil sonst den ganzen Tag die Scheiße von denen im Radio und im Fernsehen läuft. Mir geht es irgendwie voll schlecht, wenn ich den Diego erwische. Die Norgerl von gestern müssen irgendwie schlecht gewesen sein. Wenn ich einen Kopf hätte, dann hätte ich Schmerzen zwischen den Ohren. Aber nachdem ich ja keinen Kopf habe, tut mir einfach alles weh. So eine Scheiße. Giovanni kommt wieder mit unzähligen Kisten ins Lokal. Das Geschrei meiner entfernten Verwandten beginnt wieder und jetzt habe ich wirklich extreme Kopfschmerzen. Mein Leben ist die Hölle. Jetzt kommt Giovanni zu mir rüber und macht sich über mich lustig. Meine Blüten sehen aus wie ein Blüteniro. Ich hab doch gesagt, kurz bevor ich verrecke, blühe ich wie blöd. Der Giovanni, die alte Schwuchtel, findet es voll süß. Und ich find es voll scheiße und ihn finde ich auch voll scheiße. Er ist schwul und er ist ein Vegetarier und Koch in einem fleischlastigen italienischen Restaurant. Und er ist verdammt nochmal ein Italiener und Italiener haben nicht schwul zu sein. Und Köche sind verdammt nochmal keine Vegetarier. Hier im ‚Al Dente‘ ist echt verkehrte Welt. Und warum kann ich nicht kotzen? Der fette Herr Baumhauer kommt und bestellt wie immer ein Wiener Schnitzel und ein Weizen. Die Nonna steht in der Küche und macht frisches Antipasti. Das Geschrei wird lauter und ebbt erst dann ab, als meine entfernten Verwandten in der Glasvitrine eingesperrt werden. Ein grausamer schleichender Tod, den ich mir da jeden Tag mit anschauen muss. Es ist einfach ein Alptraum. Nachdem keine weiteren Gäste kommen, wird kurzerhand der Fernseher angemacht. Da kommt ein Mann mit Pullunder, Brille, Halbglatze und Aktentasche ins Lokal. Er ist von der GEZ. Er hat festgestellt, dass das ‚Al Dente‘ als Premiere Sportsbar gemeldet ist, aber seit Beginn keinerlei Gebühren an die GEZ entrichtet hat. Er lässt eine saftige Rechnung, der Gebühren der letzten 30 Jahre, da und macht sich dann vornehm vom Acker. Gegen die GEZ-Mafia ist einfach kein Kraut gewachsen, dass man jetzt für Premiere auch schon GEZ-Gebühren zahlen muss, ist nicht nur mir neu. Die Nonna macht den bösen Fernseher aus und ruft ihren ältesten Sohn an, der unter anderem auch der Besitzer des Restaurant ist. Er ist aber so gut wie nie da, weil er ständig anderen ‚Geschäften‘ nachgeht. Obwohl er sein Büro nur ein Stockwerk über uns hat, habe ich ihn im letzten Jahr äußerst selten gesehen. Die Nonna bringt ihm immer sein Essen ins Büro und ansonsten ruft sie ihn an, wenn es etwas dringendes gibt. Sie ist ja schließlich nicht mehr die Jüngste. Die Nonna berichtet lautstark auf Italienisch von der deutschen Mafia. Sie nennt auch den Betrag, der auf der Rechnung steht. Ich verstehe kein Wort, ich kann noch immer kein Italienisch. Und sie machen es mir auch nicht leicht. Mein Glück ist nur, dass Diego auch kein Italienisch kann und Giovanni ihm immer übersetzen muss. Langsam aber sicher werden wir beide es lernen. Hoffe ich. Der Große Bruder wird jetzt wohl den Großen Bruder von der Russischen Mafia anrufen. Die Beiden waren ja schließlich immer gute Freunde gewesen. Es würde jetzt wohl ein alter Gefallen eingelöst werden. Der Radio wird wieder angemacht. Immer noch keine Gäste. Die Nonna putzt wieder und Giovanni und Diego spielen Karten. Der russische Rosenverkäufer kommt an die Theke und gibt der Die Nonna eine Rose und nimmt die Rechnung von der GEZ mit. Er zwinkert ihr zu und deutet an sein Ohr und geht wieder. Im Radio kommen Nachrichten. Ein GEZ-Gebühreneintreiber sei mit seinem Wagen in einen See gerollt und ertrunken. Er hatte beim Berichte schreiben seinen Wagen an einem Parkplatz an einem nahegelegenem See abgestellt und vergessen die Handbremse zu ziehen. Sämtliche Unterlagen sind (leider) verloren gegangen. Die GEZ ist untröstlich, natürlich auch über den Tod eines geschätzten Mitarbeiters. Die Nonna macht eine Flasche Asti auf und zur Feier des Tages bekam ich einen Schluck davon ab. Hurra. Ein schöner Tag und keine Gäste.

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