Tagebuch eines Unbekannten – Teil 3

Tagebuch eines Unbekannten – Teil 3

tagebuchMeine zweite These, die eigentlich schon die dritte These war, war daß uns ein Komet gestreift hatte, oder gar eingeschlagen war. Auch wenn ich keinen glühenden Himmelskörper gesehen habe, bevor der große Knall kam, gut aber ich war ja auch gerade betrunken gewesen, als mich der grelle Blitz fast blind gemacht hatte. Gut der Schwarzgebrannte von meinem Großonkel hat meinen Großonkel auch fast blind gemacht hat. Wenn der große Knall nicht gekommen wäre, hätte mich wahrscheinlich der große böse Wind blind gemacht, weil ich musste mir einen abartigen Furunkel am Hintern meines Großonkels Wazlaf ansehen, als die Welt beschloss mit diesem riesigen Knall unterzugehen.
Watzlaf, mein Großonkel hatte so heftige Flatulenzen, dass ich kurz davor war seinen Hosenwind in meine Thesensammlung aufzunehmen, was ich mir dann aber doch anders überlegt habe, weil es mir dann doch ein Wenig an dem Haaren herbeigezogen vorkam, wie gesagt ich war ziemlich betrunken, als es geschah.
Warum auch immer, ich hab mir tatsächlich die Nasenhaare abgebrannt, wobei ich mich wirklich nicht mehr daran erinnern kann warum.
Es gibt einfach Fragen, die werden wohl nie geklärt werden. Komet oder nicht, das Ende der Welt ist da. Und wir werden alle sterben!
Oh Mann, ich sollte nicht zu viel Opium rauchen und dazu abgelaufene Beruhigungsmittel mit Absinth runterspülen.
Sind nicht die Dinosaurier ausgestorben, weil ein Komet… oder ist das jetzt wieder Blasphemie, wenn ich das sage. Ich dachte ich hätte in der Universität mal sowas aufgeschnappt?
Oh, ja ich habe tatsächlich eine Universität besucht und zwar nicht nur als Briefbote, nein ich habe tatsächlich studiert. Gefühlte 100 Semester, wahrscheinlich waren es keine 12.
Wahrscheinlich bin ich tatsächlich der Einzige hier und entgegen aller Meinungen hier, habe ich sogar ziemlich erfolgreich abgeschlossen. Nur den Dr. und alle weiteren Titel habe ich mir erschlichen oder aufgrund von Dingen, die hier nichts zu suchen haben, sauer verdient. Das interessiert wahrscheinlich eh niemanden mehr, wie ich zu meinen Titeln gekommen bin. Ich war jung und brauchte das Geld. Es ist auch besser so, was interessiert die Vergangenheit, wenn wir doch keine Zukunft mehr haben.
Es ist bitter genug, das wir nicht wissen an was wir verrecken und gegen einen unsichtbaren Feind kann ich nicht kämpfen. Ich könnte die Wände hochgehen und ich bin nicht ausreichend ausgebildet für so einen Vorfall.
Und dass ist es, was meine Leute einfach nicht verstehen wollen, ich bin Zahnarzt verdammt nochmal und ich bin in der höherer Medizin eigentlich nicht gerade ausgebildet. Und vorallem bin ich kein Experte in Furunkelentfernung.
Meine anatomische Ausbildung gleicht ungefähr der eines Tierarztes und genau so betrunken war ich immer als wir Anatomie hatten. Verdammt und jetzt sitze ich in einem Keller gefangen mit allen meinen potentiellen Erbkrankheiten. Mein Leben war schon ein Alptraum, bevor ich mich überreden lies, zu dieser unleidigen Hochzeit zu fahren.

Fortsetzung folgt…

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Tagebuch eines Unbekannten – Teil 2

Tagebuch eines Unbekannten – Teil 2

tagebuchDie erste Durchsage war irgendwie anders, ich kann mich kaum mehr dran erinnern. Irgendwas von Ausnahmezustand und Ausgangssperre und das Plündern verboten sei und irgendwas von einer Verseuchung oder Verunreinigung. Aber nun sagen sie immer nur die selbe Leier. Wir wissen nicht genau was passiert ist und ich kann nur das sagen was ich gesehen habe.

Jetzt muss ich schon wieder ein Bisschen ausholen, mein Bruder Meckie (Nein, nicht der mit dem Messer, mein Bruder hat meistens eine abgesägte Schrotflinte in seinem Mantel versteckt, deswegen steht er meist!) überredete mich, ihn zu einem Familienfest zu fahren. Er hatte sich ein Bein gebrochen und konnte nicht selbst fahren. Das hat mir im Nachhinein wahrscheinlich mein jämmerliches Leben gerettet. Ich hab ihm das nie gesagt und ich bin mir im Moment auch nicht ganz so sicher, ob es besser oder schlechter sein soll, zu den Überlebenden zu gehören.

Wie gesagt mein Bruder brach sich ein Bein und wir sind zusammen in die Berge gefahren, wo die alte Cementa und ein Teil der Sesshaften unserer Familie sich niedergelassen hatten.

Amelia, die jüngste Tochter von der alten Cementa sollte verheiratet werden, mit einer anderen großen Familie, die irgendwie genauso rastlos waren wie wir.

Und das war auch der einzige Grund warum mein schwindliger Bruder hier her wollte. Eine Zigeunerhochzeit ist seiner Meinung nach die beste Möglichkeit im nächsten Jahr eine noch größere Hochzeit abzuhalten.

Es war ein rauschendes Fest und Meckie wurde von der holden Weiblichkeit mit Nettigkeiten überhäuft. Ich glaube es wird den alten Haudegen vielleicht doch einmal erwischen und wir feiern nächstes Jahr vielleicht seine Hochzeit. Schön wäre es, wenn er vorher nicht ins Gras beißt. Naja, von dem Gras ist nicht viel übrig geblieben, alles was vorher mal grün war, hat sich nun rot eingefärbt, oder ist zu Asche verbrannt.

Im Moment liegt mein Bruder neben mir und furzt und schnarcht. Sein Bein schmerzt ihn mehr, als er es zu gibt und er ist ein Bisschen eingeschnappt, dass er mit den anderen Männern nicht rausgehen konnte.

Aber ich schweife schon wieder ab, das Warten bringt nicht nur mich um meinen eh schon wankelmütigen Verstand.

Ich war bei der Hochzeit stehen geblieben, es muss am dritten Tag gewesen sein, als sich am Firmament eine gewaltige Explosion auftat. Mein erster Gedanke war ein Vulkanausbruch, aber von hier konnte man bestimmt nicht in die Eifel sehen und sonst war mir kein Vulkan bekannt. Danach bebte die Erde. Bei einem Vulkanausbruch, hätte da nicht vorher die Erde beben müssen? Ich weiß es nicht mehr, und meine Gedanken wurden von der panischen Menge ziemlich durcheinandergebracht.

Die alte Cementa warf ihre Hände über den Kopf und schrie: ‘Die Sonne fällt uns auf den Kopf. Ich habe das in meinen Träumen gesehen!’ Ich konnte sie erst wieder beruhigen, als ich ihr was von meinem Opium abgab.

Die Sonne war es wohl nicht, weil sie stand noch am Himmel, als der helle Blitz sich aufgetan hatte und das Seltsame war, das sich das Licht ziemlich lange gehalten hatte, bis es endlich verglomm.

Fortsetzung folgt…

Tagebuch eines Unbekannten – Teil 1

Tagebuch eines Unbekannten – Teil 1

tagebuchIch hatte mir nie die Mühe gemacht ein Tagebuch zu führen. Ich fand immer das wäre nur was für 12jährige Mädchen mit blonden Zöpfen. Aber nachdem wir seit Tagen, vielleicht sind es auch schon Wochen, so genau kann man das nicht mehr sagen, in diesem stinkenden Keller fest sitzen und nicht wissen, wie es weiter geht, habe ich angefangen in das neue Rezeptbuch von der alten Cementa zu schreiben.

Da stehen eh nur 3 Rezepte drinnen, die man überhaupt nicht lesen kann, deswegen habe ich auch von hinten begonnen zu schreiben. Es gäbe bestimmt auch einen schlechteren Ort um im Keller zu sitzen, aber mit der im wahrsten Sinne des Wortes buckligen Verwandtschaft hier fest zu sitzen, ist wirklich einer nervenaufreibender Drahtseilakt. Obwohl wir in der Vorratskammer sitzen und obwohl wir mitten bei einer Familienfeier waren, ist der Keller mehr als voll, voller Konservendosen und Einweckgläser. Wir haben Marmelade zum Saufuadern, nur das Brot wird langsam knapp. Aber wie die alte Cementa immer sagt: ‚In der Not geht die Wurst auch ohne Brot!’

Ich schweife ab, meine Gedanken sind sehr flügge zur Zeit. Um einen klaren Gedanken zu fassen, habe ich das hier auch angefangen:

Liebes Tagebuch!

Ich hätte mir auch nie zu träumen gewagt, daß mir das mal über die Lippen… ähm… den Kugelschreiber kommt. Liebes Tagebuch! Worauf ich eigentlich hinaus wollte, die Hölle auf Erden, im Keller der Familie festzusitzen, mit meiner ewig betrunkenen Verwandtschaft.

Die alte Cementa mästet uns regelrecht und da, sie tut es schon wieder. Sie spuckt in ein Tuch und wischt die Rotznase eines meiner unzähligen Großneffen sauber, dann leckt sie über ein und das selbe Tuch und putzt irgend jemand über die Wange. Ja genau so verbreiten sich ansteckende Krankheiten. Mit völlig Fremden hier festzusitzen wäre wahrscheinlich angenehmer gewesen, aber zumindest kennt man sich gegenseitig und jeder kennt die Macken des Anderen.

Also bevor einer durchdreht, kann man ihm noch einen Beruhigungschnaps einflößen, oder eben keinen Beruhigungsschnaps mehr einflößen. Im Moment halten sie alle ganz gut den Pegel, den sie seit dem Ende der Familienfeier krampfhaft versuchen nicht absinken zu lassen.

Gut betrunken bin ich auch, meistens und ich hab genug Opium und Absinth dabei, um erstmal über die Runden zu kommen. Anders erträgt man das hier auch kaum. Anders ertrage ich mein Leben schon lange nicht mehr… aber was für ein Leben werden wir in Zukunft haben? Ich versuche da eigentlich grad nicht drüber nachzudenken. Die Sirenen gehen wieder los. Das tun sie jeden Tag, dann kommen wieder diese Durchsagen.

‘Gehen Sie nicht ins Freie! Bleiben Sie im Haus! Halten Sie Fenster und Türen geschlossen! Trinken Sie nur Wasser aus geschlossenen Behältern und essen Sie nur Lebensmittel aus Konservendosen!’

Fortsetzung folgt…

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