Glückskeks Calling Episode 5

Glückskeks Calling Episode 5

imm034_32Ich wache auf und wundere mich. Ich sitze an einer Bushaltestelle und muss wohl eingenickt sein. Ein laues Lüftchen weht um meine Waden und es fröstelt mich.

Seit wann lungere ich denn an irgendwelchen Bushaltestellen herum? Und wo ist mein Auto? Ich blicke mich um und es ist außer mir und dem Bushäuschen keiner da.

Lauthals gähnend krame ich in meiner Handtasche nach meinem Handy, mal sehen, wann der nächste Bus geht. Generation Smartphone lässt grüßen, könnte ja auch auf dem Fahrplan schauen, wann der nächste Bus kommt und da steht dann auch wo ich bin.

Und nachdem ich mein Handy auch nicht finden kann, tue ich das sogar. Es war kein Fahrplan da, noch nicht mal eine Anschlagtafel. Hm. Ich finde auch keinen Fahrplan, als ich das Bushäuschen zum 5. Mal umrundet hatte. Das wird doch nicht wieder eine Fakehaltestelle sein?

Ich blicke mich um, rund um mich herum ist nichts außer abgeerntete Felder und verdammt viel Batz und die Straße.

Da kann ich mich nur an die Straße stellen, den guten alten Daumen raushalten und bis zum Sankt Nimmerleins Tag warten oder ‘I’m walking’ machen und hoffen, dass bald eine Tankstelle auftaucht, oder wenigstens ein Haus mit einem Telefon. Nur wen rufe ich an? Ich checks halt mal wieder nicht, was eigentlich los ist. Nicht, dass mir wieder jemand K.O. Tropfen in meinen letzten Drink gekippt hat. Hm.

Ich habe keine Ahnung, mein allgemeiner Gesundheitszustand fühlt sich gerade nicht so an, als hätte ich einen Drink mit Schuss genossen und mein Körper fühlt sich auch nicht so an, als wäre er in jüngster Vergangenheit genossen worden. So’n Mist.

Ich begebe mich auf Urschachenforschung und kippe den Inhalt meiner Handtasche einfach auf die Straße. Ist ja eh keiner hier, also krame ich in der Vergangenheit und finde keine wirklichen Anhaltspunkte. Das Einzige was mich echt stutzig macht, ist dass ich einen weißen Handschuh trage. Bin ich jetzt unter die Teilzeit-Butler gegangen?

Ich hör ein Auto in der Ferne mit einem echt gutem Sound und blicke auf, während ich meine Sachen wieder in die Handtasche zu stopfen versuche.

Es hält ein schwarzer 1967 Chevy Impala mit bekanntem Inhalt vor meiner Nase. Danke, es muss November sein.67schw

Und als Sam die Tür öffnet, drischt er mir die Tür voll auf den Schädel und ich mache einen Ausflug ins Traumland. Anmerkung: Der November scheint schon vorbei zu sein. Warum immer ich? Nicht, dass ich höchstwahrscheinlich vorher schon geträumt habe, weil in welchen meiner Leben kommt wirklich ein 1967 Chevy Impala vorbeigerauscht, der auch noch schwarz ist? Und wieviele Mädchen würden ihre Seele dafür geben, dass sie von Sam niedergeschlagen werden?

Ganz weit entfernt, kann ich jemanden reden hören:

‘Saubere Arbeit, Sam! Die hast du mal voll erwischt!’

‘Dean, es könnte einfach nur eine zufällige Passantin sein.’

‘Schau dir die Gegend doch mal an, hier ist weit und breit nichts außer Matsch!’

‘Vielleicht wartet sie auf jemanden?’

‘Auf wen? Auf den Weihnachtsmann? Lassen wir sie liegen, wir haben zu tun!’

Ich höre, wie eine Augenbraue hochgezogen wird.

‘Ist ja schon gut, lass sie uns ins Auto schaffen und zum nächsten Arzt fahren!’

Ich werde mehr geschoben als ins Auto getragen und Dean sammelt wohl meine Habseligkeiten von der Straße auf.

‘Was die für einen Scheiß in ihrer Handtasche hat…. Ui, Sam, schau mal, was ist das?’

Oh nein, er hat meinen Notfalltanga entdeckt!?!

‘Die Lady war nicht zufällig hier, die hat auf uns gewartet!’

Ich drifte völlig weg und wurde erst wieder wach, als ich eine Ladung Wasser ins Gesicht geschüttet bekam.

‘Sie ist schon mal kein Dämon, Sam!’

‘Dean, du bist sowas von paranoid!’

Ich bekam irgendein Putzmittel in die Fresse geschüttet, es brannte wie die Hölle und ich schrie wie am Spieß.

‘Ich habs dir doch gesagt, dass es ein Leviathan sein muss!’ rief Dean ganz aufgeregt und ich konnte ein großes Messer hören, dass aus einer metallernen Scheide gezogen wurde. Wahrscheinlich war es ein Bajonett. Bevor sie mir den Schädel runterschlagen konnten, konnte ich sie zumindest noch anschreien: ‘Ihr Penner, hab ihr euch schon mal überlegt, dass es Menschen gibt, die Allergisch reagieren, wenn ihr ihnen so ne Domestosplörre in die Fresse kippt. Habt ihr noch alle beieinander, ich glaub es hackt…’ Ich befreite mich von der dilettantischen Fesselung und versuchte aufzustehen, da ich aber nichts sehen konnte, weil meine Augen zugeschwollen waren, stolperte ich einem von den Beiden schreiend in die Arme. ‘Und fesseln könnt ihr auch nicht!’

‘Steht über Allergiker was in Dad’s Tagebuch?’ frug Dean seinen Bruder.

Ich röchelte nur noch: ‘Wasser, Handtasche!’

Ich bekam wieder einen Schwall Wasser ins Gesicht geschüttet und konnte zumindest die Augen wieder ein wenig öffnen. Dean hatte gerade meine Handtasche auf den Boden gekippt und zog zielsicher wieder meinen Tanga aus meinen Sachen, bevor er ein paar Tabletten fand.

‘Nein, bitte nicht die Durchfalltabletten!’ versuchte ich zu schreien. Sam hatte zum Glück die Antiallergika gefunden und nachdem ich mit drei erhobenen Fingern der Ohnmacht nahe zu Boden gesunken war, legte er mir 3 Tabletten unter die Zunge. Er tätschelte meine Wangen und hielt mir eine Flasche Wasser hin.

Als ich mich wieder einigermaßen gefangen hatte, meinte Dean zu mir: ‚Halt mal kurz!‘ Er drückte mir einen Silberlöffel in die Hand.

‚Boa, Alter! Ich bin kein Werwolf und du musst mir jetzt auch nicht mit einem Kreuz aus Knoblauch kommen. Ich bin ein verdammter Nerd, der von einem winterlichen Glückskeksfluch befallen ist.’ schrie ich aufgebracht und warf ihm den Silberlöffel hinterher.

‘Sam, steht in Dad’s Tagebuch etwas über Glückskeksflüche?’

‘Nein, aber über Nerds hab ich was reingeschrieben!’ meinte Sam, blätterte durch das Tagebuch und machte Anstalten etwas vorlesen zu wollen.

‘Ich weiß was Nerds sind, die Liverollenspiel Nummer hat mir gelangt.’

‘Danke dafür, ich hab mich weggeworfen vor lachen!’ kicherte ich und hatte endlich Zeit mich ein wenig umzusehen. Wir waren an einem Ort, wo man meine Schreie bestimmt nicht hören würde. Es war alles ziemlich runtergekommen und das spärliche Licht, dass durch die Fenster hereinkam, war nicht der Rede wert.

‘Wie, du hast dich weggeworfen vor lachen?’ wollte Sam ziemlich herrisch wissen.

‘Ja, als ich mir die Folgen auf DVD angeschaut habe und ich liebe es, wenn du so herrisch bist, Sam!’ kicherte ich wieder.

‘Das kommt mir irgendwie ziemlich bekannt vor!’ rief Dean und plötzlich sprang ein Funke über und wir plapperten beide los, wie aus einem Mund: ‘Sam Winchester schminkt sich…Sam Winchester weint, wenn er Sex hat…Sam Winchester hat ein Lineal im Bett und jeden morgen wenn er aufwacht…!’

‘Okay, Okay, es reicht!’ schrie Sam und war sichtlich angepisst von unserem Ausbruch. Er atmete tief durch bevor er fortfuhr: ‘Es gibt uns also auf DVD? Wir müssen Chuck finden, wenn wir wieder in den Staaten sind.’

‘Ich hoffe ich werde von Karl Urban gespielt?’ meinte Dean und strich sich die verstrubbelten Haare zurück.

‘Darf ich von meinem Recht gebraucht machen, die Aussage zu verweigern und eine Frage stellen?’ meinte ich und grinste sie an.

Beide nickten neugierig und ich schoss wie aus der Pistole geschossen los: ‘Was, bei allen guten Geistern macht ihr in einer so gottverlassenen Gegend?’

‘Wir sind nach Bayern gekommen, weil wir von einem seltsamen Vorkommen gehört haben!’

‘Wie, dass man hier nach 2 Maß noch fahren darf!?’

‘Mass?’ wollte Dean wissen.

‘Maß, ist die Maßeinheit für 1 Liter Bier in Bayern, Dean!’ maßregelte Sam seinen Bruder.

‘Ja, Oktoberfest! Oans, Zwoa, Gsuufah!’ rief Dean und machte Anstalten einen Schuhplattler zu beginnen. Hoffentlich hat der Glückskeks bald ein Einsehen mit mir und beendet diesen Traum, bevor es noch merkwürdiger wird.

‘Eigentlich suchen wir nach dem Erben der Werwolfsbrigade!’ meinte Sam eher beiläufig.

‘Die Nazis sind alle tot, du Spasti! Habt ihr die Zeitung nicht gelesen? Das sind nicht die Werwölfe, die ihr sucht. Es war alles nur eine riesige Drogenparty und eins rate ich dir, raus aus meinem Kopf und raus aus meinem Plot!’

‘Volltreffer, Schätzchen! Jetzt erzähl uns alles!’ meinte Dean und hielt mir ein japanisches Bajonett aus dem 2 Weltkrieg unter die Nase.

‘Damals im Ferienlager…!’ begann ich und grinste sie saublöd an.

‘Das hab ich nicht gemeint! Was ist nun mit der Werwolfsbrigade?’ herrschte mich Sam wieder an und ich muss zugeben, dass mir so ein Bisschen mein Höschen volllief.

‘Jetzt nochmal langsam und zum Mitschreiben. Steckt die Nase mal lieber in eure Angelegenheiten und haltet euch aus meinem Plot raus, das Con ist längst vorbei und wer nicht da war, ist selber schuld.’

‘Con?’ fragte Dean und zog eine Augenbraue hoch.

‘Con, die! Abkürzung für Convention…!’ rezitierte Sam aus Dad’s Tagebuch.

‘Ich versteh kein Wort!’ pienzte Dean rum und fuchtelte wieder mit seinem Bajonett vor meiner Nase rum.

‘Larp – Life Action Role playing, Dean!’

‘Ach, du bist Larper!?’

‘Was ist denn das für ein Genremix?’ witzelte Sam und grinste das erste Mal in diesem Traum.

‘Das ist der – ich schieb dir die Faust bis zum Anschlag in den Arsch, wenn du nicht die Finger von meinem Plot nimmst-Genremix!’

‘Ist ja schon gut! Hier gibt es also nichts Außergewöhnliches?’ wollte Sam noch wissen.

‘Bis auf die Nummer mit dem Glückskeksfluch, nichts! Aber das könnt ihr in meinem Blog nachlesen, ihr müsst nur Sparklefool und/oder Glückskeks Calling googeln. Und nix füar unguat…’

In dem Moment wache ich auf, weil ich wieder Wasser in die Fresse geschüttet bekomme. Diese unfreiwillige Dusche will gar nicht mehr aufhören und als der Wasserstrahl endlich versiegte, befand ich wieder an der Bushaltestelle und ich blickte wie ein begossener Pudel den Rücklichtern eines Busses hinterher.

Es ist kein FortunecookieFluch, nein es muss eine großangelegte Verschwörung sein, oder kann mir jemand erklären, warum mir immer so eine Scheiße passiert und warum ich immer so bescheuerte Glückskekssprüche bekomme. Nicht dass ich laut meinem Dezember-Glückskeks bis November warten muss, dass endlich etwas Wundervolles in meinem Leben passiert. Mein Neujahrs-Glückskeks versprach mir, dass ich bald etwas bekommen würde, was ich mir schon lange gewünscht habe. Der Wasserschaden stand genausowenig auf meinem Wunschzettel, wie ein kaputter Kühler! Danke Glückskeks! Und dann der Oster-Glückskeks mit leichter Verzögerung: ‚Dein Wunsch wird nach einer kurzen Verzögerung erfüllt werden!‘

Kurze Verzögerung? November? Ich glaub es hackt! Ich komm mir vor wie auf einem Bahnsteig und die nette Dame von der Bahn teilt allen Wartenden eine kurze Verzögerung mit. Jetzt ist der nächste November vorbei und der Einzige der mir ins Gesicht spritzt ist der vorbeifahrende Bus. Ich bin in einer Glückskekswarteschleife gefangen, holt mich hier raus!

Call me maybe oder sitzt ne Frau an der Bar…

Call me maybe oder sitzt ne Frau an der Bar…

limospritzer

Es sitzt eine Frau an der Bar und weil nur irgendwelche Typen im Gastraum saßen, die ihr nur unnötig auf die Möpse glotzten, kramte sie in ihrer Handtasche nach etwas total Wichtigen. Dabei kann sich ein Weibchen schon mal ein Stündchen beschäftigen.

Aus der futuristischen Jukebox schallmeite es: ‘Call me maybe!’

Plötzlich stand ein Kerl in der Tür, den sie mit einem flüchtigen Blick musterte und sofort wusste, dass er ihr einfach nur gefährlich werden würde. Groß und von muskulöser Gewalt, verstrubbelte Haare und erschreckender Weise einen ziemlich gepflegten Bart. Ein flüchtiges Lächeln seinerseits flatterte wie ein wunderschöner Schmetterling durch den Gastraum zu ihr hinüber. Und in der Zeit wie das Lächeln den Raum durchquerte, zog vor ihrem inneren Auge ihr Leben an ihr vorbei und sie hatte es einfach nur satt. Sie hatte einfach alles satt. Und sie brauchte einfach nur ihre Ruhe.

Die Zeit schien stehengeblieben zu sein und das flatterhafte Lächeln des überaus gutaussehende Typen schwebte für einen Moment vor ihr in der Luft.

Das war ganz genau das, was sie gerade echt nicht gebrauchen konnte. Ein Kerl, der ihr mit seiner puren Anwesenheit schon den Kopf verdrehte. Grad heute, wo sie fest entschlossen allein in die Kneipe gegangen war, weil sie ihre Ruhe haben wollte. Weil sie es satt hatte, sich in Probleme Anderer verstricken zu lassen und dann langsam aber sicher daran zu ersticken drohte, sie bekam keine Luft mehr, weil ihr die ganze Scheiße um sie herum langsam aber sicher die Luft abschnürte.

Es ist unglaublich, dass ein Mensch allein so destruktiv sein kann, aber das war das Einzige was sie im Moment wirklich sehr gut konnte. Melancholisch in einer Ecke an der Bar sitzen und ein leeres Glas solange böse anzustarren bis es endlich zerspringen würde.

Herrgott im Himmel, was hat sie nur in dieser Welt verbrochen, dass sie das Universum so strafen muss. Es ist ja nichtmal so, dass immer die Anderen Schuld sind, um die Schuldfrage ging es ihr garnicht, weil sie eh immer schuld war, egal wie rum man den Spieß drehte, sie war immer der verdammte Fußabstreifer, der alleine und völlig verdreckt vor der Tür ins Ungewisse liegt und es will eigentlich keiner den Schritt wagen, also liegt sie da wahrscheinlich noch in ein paar Jahren herum, um nur darauf zu warten, dass ihr wieder jemand einen Arschtritt verpasst. Der Fußabstreifer in der verstaubten Welt, die sich selbst für so fortschrittlich hält, darauf kann man doch sch…?!

Der nervige Song bohrte sich immer noch durch alle Ohren und suggerierte allen Zuhörern, das der Traumprinz am Ende doch anrufen wird. Nein, er wird nicht anrufen. Das Leben ist kein Wunschkonzert und heute hat wohl einer seinen Finger auf der Repeat-Taste. Der Song fing wieder von vorne an…und die Welt drehte sich wieder in gewohnter Schnelligkeit.

Der Kerl, der eben noch wie ein Fels in der Brandung in der Tür gestanden hatte, bewegte sich durch den Raum. Sein Lächeln war mittlerweile an seinem Bestimmungsort angekommen und sein scharfer Blick setzte dem lachenden Schmetterling hinterher und im nächsten Augenblick stand er schon an der Bar.

‘Einen Absinth Sprite bitte!’ rief der Kerl dem Barkeeper zu. Und am anderen Ende der Bar lief ein Höschen voll.

‘Und ich dachte, die Irre da drüben mit der Handtasche wäre die Einzigste, die diese flüssiggewordene Blasphemie säuft.’ murmelte der Barkeeper und zapfte ein Bier und stellte es seinem neuen Gast hin.

‘Einzige!’ meinte der Typ und schob dann ganz lässig das Bier von sich weg. ‘Ich hab einen Absinth Sprite bestellt und mach gleich zwei draus…!’

Beim Barte des Propheten und aller bayowarischer Großmütter, welche halbwegs intelligente Frau kann bei so was schon wiederstehen?

Sie kramte immer noch in ihrer Handtasche, die fadenscheinige Maskerade aufrecht erhaltend, also suchte sie weiter, fand es nicht, wurde langsam wütend und kippte den kompletten Inhalt ihrer Handtasche auf die Theke. Es schien so, als würde sich ihr halber Hausstand über den Tresen ergießen. Eine kleine Sintflut von Dingen die die Welt nicht braucht. Allen voran ihr Lippenbalsam, den sie angeblich wie verrückt gesucht hatte, der just in dem Moment als sie ihn erblickte, über die Kannte der Bar nach unten kullerte.

Sie tauchte hinter dem Lippenbalsam her, der bereits über den Boden rollte. Kurz bevor sie ihn erreichen konnte, tauchte erst wie in Zeitlupe eine enorme Pranke vor ihr auf und dann das Grinsen des Typen. Er hatte den Labello vor ihr zu fassen bekommen und beim Auftauchen stießen sie beide mit den Köpfen zusammen.

Sie kam ins Taumeln, denn sein Kopf war wohl wesentlich härter als der ihre. Um nicht wieder auf allen Vieren vor ihm zu landen, wollte sie sich an einem der leeren Barhocker festhalten, griff jedoch ins Leere. Bevor sie umstürzen konnte, griff er nach ihrer Hüfte, hielt sie fest und stellte sie gleichzeitig auf die Füße.

‘Alles in Ordnung, schöne Frau?’ fragte er und versuchte ihr in die Augen zu blicken, die sie in dem Moment wieder aufschlug, als er seinen Griff lockerte, um sie an der Schulter zu berühren.

‘Ja, ne. Glaub schon.’ stammelte sie und musste sich erst mal setzen.

Der Barkeeper stellte die beiden Drinks auf die Theke und murmelte etwas in sich hinein, dass sich nach: ‘Da ham sich ja zwei g’sucht und g’fundn!’ anhörte.

In dem Moment als sie sich setzte, sprang sie auch schon wieder auf und lief zum Inhalt ihrer Handtasche hinüber.

‘Sorry, mein halber Hausstand liegt auf dem Tresen!’ rief sie und machte sich daran, alles wieder in ihre Handtasche zu stopfen. Nur mit dem Unterschied, dass nicht mehr alles hineinzupassen schien, was vor wenigen Minuten noch genug Platz in der Handtasche hatte.

Der Kerl schnappte sich die beiden Drinks und folgte ihr: ‘Erstmal einen Schluck auf den Schreck?’

‘Sorry, ist nicht mein Tag heute!’ meinte sie und schüttelte die Handtasche, in der Hoffnung der Inhalt würde sich dadurch ein wenig komprimieren.

‘Meiner auch nicht, aber was soll’s!’ prostete er ihr zu und grinste sie dabei an, er bückte sich nochmal und hob noch etwas auf, was zu Boden gepurzelt war. Es war ihr Personalausweis.

Als er wieder auftauchte, grinste er noch breiter: ‘Wie kann man nur mit so einem schönen Namen, so schlechte Laune haben?’

‘Ist ne lange Geschichte, aber jetzt wissen sie eh schon fast alles über mich…!’ rief sie und machte Anstalten ihm den Ausweis wegzunehmen.

‘Ja, Bambi Müller, 170 groß, Augenfarbe blau-grau, Wohnhaft…!’ meinte er, bis sie ihm ihren Ausweis endlich abluxen konnte und ihn böse anfunkelte: ‘Wenn Sie nicht wollen, dass ich sie Blume nenne, verraten sie mir ihren Namen!’

‘Sie werden es nicht glauben, aber ich würde sie gerne duzen, bevor ich meinen Namen preisgebe!’

Sie nickte kurz und dann hielt er seinen Ausweis hoch.

‘Hans Klopfer, 195 groß, Augenfarbe grün und du wohnst hier gleich ums Eck!’ meinte sie und ein unmerkliches Lächeln stolperte über ihr Gesicht.

‘Jupp!’ meinte er und prostete ihr wieder zu und flüsterte mehr in sich hinein, als zu ihr: ‘Danke für das erste Lächeln des Tages!’

Sie hatte es jedoch gehört und lächelte nochmal, er lächelte auch und er schien das erste Mal ein wenig unsicher zu sein. Betretenes Schweigen und Strohhalmgeschlürfe, bis sie die Stille unterbrach. ‘Und warum hab ich dich hier noch nie gesehen?’

‘Bist du öfter hier?’ antwortete er die Frage mit einer Gegenfrage.

‘Jupp!’ meine sie kurz, sie hasste es, wenn ihre Fragen mit einer Gegenfrage nicht beantwortet wurden. Wieder betretenes Schweigen und Strohhalmgeschlürfe, das nun er brach. ‘Ich war beruflich viel unterwegs.’

Er kramte in seiner Hosentasche und hielt ihr den Labello hin, sie nahm ihn ansich, aber nicht ohne ihn zu öffnen und sich die Lippen einzuschmieren. Nebenbei stolperte ein: ‘Soso!’ aus ihrem Mund.

‘In Grönland!’ meinte er.

‘Lassen sie mich raten, sie haben nach Öl gebohrt?’ fragte sie mit leicht ironischem Unterton und trank von ihrem Drink.

‘Waren wir nicht beim Du?’

‘Ja Du!’ meinte sie fast schon schnippisch. War das seine Masche, eine Frage immer mit einer Gegenfrage zu beantworten?

‘Es war Erdgas!’ antwortete er, wenn auch verspätet.

‘Und jetzt?’

‘Hab ich erstmal Homeoffice!’

Der Barkeeper kam wieder vorbei, bückte sich, hob etwas auf und legte etwas auf den Tresen. Es war ein Kondom. Dann grinste er: ‘Nehmt euch ein Zimmer!’

Sie wurde augenblicklich knallrot im Gesicht, schnappte sich das Kondom und flüsterte: ‘Muss mir wohl aus der Tasche geputzelt sein!’

Er grinste sie an und meinte nur: ‘Zahlen!’  

Schnee im Oktober – Teil 7

Schnee im Oktober – Teil 7

4408698Wieder konnte er diesen kleinen Stöhner nicht überhören und drückte seinen Körper noch näher an den ihren. Dieses kleine Stöhnen hatte mehr in Gang gesetzt, als sie je damit beabsichtigt hätte und doch konnte sie sein Gemächt spüren. Sie konnte sich lebhaft vorstellen was er in seiner Superman-Shorts noch so alles versteckt hat und Snoopy hatte ganz und gar nichts dagegen, dass er seinen immer härter werdenden Superman weiter an ihr rieb. Ein langer, tiefer Stöhner kam aus seiner Kehle, als er ihren Hals küsste und seinen Bart an ihrem Hals rieb. Sie drehte sich in seiner Umarmung und streckte ihm den Hintern hin. Sie konnte seinen harten Penis an ihrem Hintern spüren, während seine Hand unter ihr Shirt fuhr und unterhalb ihrer Brüste liegen blieb.

‚Ist dir jetzt warm genug?‘ hauchte er in ihr Ohr.

Ihre Nackenhaare stellten sich auf. Er schob nun ihren Körper näher an den seinen und rieb seinen prallen Schwanz an ihrem Arsch.

‚Weißt du, wenn du magst kannst du meine missliche Lage gerne ausnutzen!‘ meinte sie nun völlig unverblümt und drückte ihren Hintern stärker gegen sein Gemächt.

Er atmete ihr schwer ins Ohr und raunte dabei: ‚Das ist nicht so meine Art!‘

Aber doch schob er seine Hüfte ihr entgegen und küsste dabei ihren Nacken.

Sie drehte sich wieder zu ihm und meinte: ‚Ehrlich, ist kein Problem.‘

Er war erstaunt von ihrer Ungezwungenheit und deshalb bleib er regungslos liegen, als sie ihn auf die Wange küsste und ihre Hand zu seinem Schwanz wanderte.

Endlich regte er sich, er wollte den Kuss erwidern, doch sie bewegte sich nicht mehr. Ihre Hand hatte seinen Penis immer noch im Griff, doch sie schien eingeschlafen zu sein.

Ihr Atem ging regelmäßig und ruhig. Vielleicht leidet sie ja an Narkolepsie oder sie hat sich beim Unfall doch etwas Schlimmeres zugezogen. Im Schlaf bewegte sie sich, hielt aber seinen Schwanz weiter fest im Griff. Toll jetzt liegt er mit einem riesigen Ständer da, schlafen konnte er erst recht nicht und Mathilda hatte seinen Schwanz als Kuscheltier und knuddelte und wuddelte ihn, obwohl sie tief und fest zu schlafen schien, fast wie eine Tote.

Fast wie eine Tote, sie murmelte im Schlaf: ‚Deck mich zu wenn du fertig bist!‘

Das war doch nicht ihr ernst, wenn sie nun doch eine schwere Gehirnerschütterung hatte, wollte er sie jetzt nicht noch mehr durch rütteln. Das war nicht, was Mathilda für ihn vorgesehen hatte. Auch wenn sie im Schlaf danach bettelte, das hatte noch Zeit.

 

In dieser Nacht tat er kein Auge zu und als er in der Ferne den Schneepflug hörte, entzog er ihr seinen Schwanz, stand auf und zog sich an.

Kurz bevor er ging, wecke er sie und meinte: ‚Der Schneepflug kommt. Zieh dich an und komm zum Wagen, wenn du fertig bist.‘

Sie faselte nur: ‚Guten Morgen Supermann!‘

‚Ja, ähm. Guten Morgen, ich muss los. Bringst du meinen Schlafsack und den Proviant mit?‘ rief er ihr zu, bevor er die Leiter hinunter stieg.

‚Ja, bis gleich, ich versuche den ADAC zu erreichen!‘

 

Als sie wenig später angezogen vor die Scheune trat, sah sie wie der Zimmermann an der Straße stand. Er hatte den Schneepflug aufgehalten, der nun auf der Straße kehrt machte.

Sie telefonierte gerade mit dem ADAC: ‚Ja… ich war gestern zwischen Ascholding und Dietramszell unterwegs. Ich hatte einen Unfall und dann hat mich der Wintereinbruch überrascht…ja…ja…der Schneepflug räumt grad die Straße frei…ja…ja…vielen Dank!‘

Als sie bei ihrem Auto ankam, stand der Zimmermann mit dem Schneepflugfahrer beim Wagen und sie unterhielten sich.

‚Des Auto hat ja ganz schön erwischt.‘ meinte der Zimmermann und schaufelte gerade den Wagen frei.

‚Des wird teuer!‘ meinte der Schneepflugfahrer und drehte sich eine Zigarette.

‚Ich denk mal, dass die Versicherung das schon richten wird.‘

‚Jaja. Ich muss dann auch weiter!‘ rief der Mann. ‚Soll ich sie irgendwo mit hin nehmen?‘

‚Ähm, nein. Der ADAC wird gleich kommen.‘ meinte Mathilda.

‚Ist des ihr Wagen?‘ fragte der Schneepflugfahrer.

‚Ja, danke für die Räumarbeit!‘

‚Des Einparken müssens aber noch üben.‘ rief der Mann und klopfte dem Zimmermann auf die Schulter. ‚Ja, dann pass mal auf die Lady auf. Und wenn du mal wieder durchkommst. I wohn da in Humbach, bei uns aufm Hof gibt’s immer was zu tun.‘

 

Nach gefühlten Stunden stand Mathilda vor einem Leihwagen, kramte in ihrer Handtasche und blickte zu ihrem kaputten Auto hinüber, dass gerade in der Werkstatt aufgebockt wurde. Die Sonne stand hoch am Himmel und schmolz den Schnee von letzter Nacht.

Hans Kupfer kam auf sie zu. Sie konnte den Schlag seiner Hose bei jedem schnalzen hören. Er hatte seine Sachen ordentlich gepackt. Sie hatte den Eindruck, dass er weiter wollte und doch blieb er vor ihr stehen und machte Anstalten seinen Hut ziehen zu wollen.

‘Ich muss wieder auf die Straße, Mathilda!’ meinte er kurz und blickte sie an.

Er hatte den Hut wieder losgelassen und blickte ihr flüchtig in die Augen, um dann ihrem Blick auszuweichen.

‘Sag bloß, du hast nen Termin!’ rief Mathilda schnippisch.

‘Ähm ja, ich muss weiter. Hab Arbeit in Ulm.’  stammelte er verlegen und blickte in den Boden.

‘Ich hab gehofft, ich könnte dich wenigstens aufn Frühstück einladen.’ meinte sie und machte einen Schritt auf ihn zu. Er wollte ihr ausweichen, doch sie hielt ihn am Hut fest und zwang ihn in ihre Augen zu blicken. Er küsste sie ohne Umschweife auf den Mund und sie erwiderte den Kuss, lies aber verdutzt den Hut los. Als sich ihre Lippen wieder trennten, flüsterte er ihr ins Ohr: ‘Ich muss erst morgen in Ulm sein.’


Ende

 

Fortsetzung folgt: Regen im August

Schnee im Oktober – Teil 6

Schnee im Oktober – Teil 6

nebel‚Danke Herr Dr. Kupfer!‘ flüsterte sie verschmitzt.

Er lachte, zog gespielt den Hut und meinte dann. ‚War wohl alles ein Bisschen viel heute! Willst du dich nicht hinlegen und ein Bisschen schlafen? Morgen sieht die Welt wieder ganz anders aus.‘

Sie nickte nur, während er das Stroh zurecht richtete. Als sie sich dann hinlegte, schob er ihr noch eines seiner Bündel unter, bevor ihr Kopf das Stroh berühren konnte. Liebevoll deckte er sie mit seinem Schlafsack zu und hangelte nach ihrer Decke, um sie ihr irgendwie unter den Schlafsack zu legen.

Dabei bemerkte er: ‚Deine Hose ist ja auch nass!‘

‚Ja!‘ gähnte sie nur.

‚Willst du sie nicht ausziehen?‘

‚Hm!‘ murmelte sie und drehte sich von ihm weg auf die Seite.

‚Ich schau auch bestimmt nicht!‘ flüsterte er nun verlegen, wand sich ab und packte den restlichen Proviant wieder in das Tuch und formte ein handliches Bündel mit nur wenigen Handgriffen.

Hinter sich hörte er nur, wie sie unter dem Schlafsack herumwirtschaftete und als er sich wieder zu ihr umdrehte, beförderte sie ihre schlammverschmierte Hose gerade aus dem Schlafsack und drehte sich wieder in seine Richtung.

Er nahm die Hose an sich, schüttelte sie aus und hängte sie über einen freien Balken. Dann trank er das restliche Bier leer, rülpste leise und ging wieder zu ihr rüber. Sie wurschtelte immer noch im Schlafsack herum.

‚Kann ich dir irgendwie helfen?‘ fragte er ganz unverblümt.

Ohne ihn zu beachten, kroch sie aus dem Schlafsack und legte ihre Decke auf das Stroh. Er beobachtete sie dabei und schmunzelte über ihre Snoopy-Unterwäsche.

‚Sag bescheid, wenn ich dir zur Hand gehen soll!‘ meinte er, während er seine Weste aufknöpfte.

Sie hatte sich wieder hingelegt, als er seine Hose auszog, die ebenfalls ziemlich nass war. Langsam gingen ihm die freien Balken aus, also legte er seine Hose ins Stroh und hoffte inständig, dass sie in der Früh wie durch ein Wunder trocken sein würde. Er bemerkte nicht, dass sie ihn dabei beobachtete, wie er auch sein Hemd auszog.

Irgendwie wurde es ihm erst gewahr, als er sich wieder zu ihr umdrehte und sie ihn heiter angrinste.

Ahnungslos grinste er sie an und folgte ihrem Blick, an sich hinunter.

‚Also Superman-Shorts und ein Batman-Shirt passen ja zusammen, wie die Faust aufs Auge.‘ meinte sie schnippisch und lachte dann aber herzlich.

Er musste auch lachen, kniete sich zu ihr runter und legte seine Jacke ins Stroh.

‚Wenn Snoopy nichts dagegen hat…!‘ meinte er fast beiläufig und legte sich neben sie. Sie lüpfte den Schlafsack etwas und machte eine einladende Handbewegung.

Mit einem sicheren Handgriff, rollte er sie in ihre Decke und kroch unter den Schlafsack. Seine Füße trafen auf die ihren, als er näher rückte. Sie zitterte immer noch. Ohne darüber nachzudenken packte er sie einfach, zog sie an sich heran und nahm sie in den Arm. Ehe sie sich versah klebte ihr Gesicht bereits am Batman-Aufdruck auf seiner Brust.

Sein betörender Geruch stieg ihr wieder in die Nase und der Hauch von Moschus lies sie wie Butter in seinen Händen zerschmelzen, und so ergab sie sich seufzend in seiner Umarmung.

Er rieb ihren Rücken und hauchte ihr ins Haar: ‚Du wirst mir doch nicht erfrieren?‘

Sie wusste nicht, ob die Hitze die nun in ihr aufstieg, von dem Blut kam, dass wieder ihre Wangen erröten lies, oder ob sie nur vom Zimmermann auf sie übergangen war. In beiden Fällen lag es wohl an ihm. Er drehte seinen Kopf, so dass sie seinen Atem hören konnte und küsste ihr Haar, als sie ihre Augen geschlossen hatte. Sie konnte seinen Körper spüren, wie er sich an sie schmiegte und ihr stolperte wieder ein kleiner Stöhner aus ihrem Mund.

Schnee im Oktober – Teil 5

Schnee im Oktober – Teil 5

nebelImmer noch verstohlen beobachtete sie ihn, wie er seine Schuhe auszog und Stroh hinein stopfte. Dann kniete er sich neben seine Jacke und kramte darin herum. Nach einer Weile förderte er allerlei zu Tage und meinte dann: ‚Also wir haben 1 Flasche Bier, 1 Flasche Wasser, den Flachmann, ein angebissenes Käseschinkentoast, ein Snickers und eine halbe Packung Gummibärchen.‘

Sie hob den Finger und blickte in ihre Handtasche. ‚Also ich kann noch eine Packung Kaugummis, eine Packung TicTac und Em Eukal für Kinder beisteuern.‘ sagte sie mehr zu ihrer Handtasche als zu ihm. Mit der Taschenlampe leuchtend, kramte sie noch weiter in ihrer Handtasche herum und rief dann: ‚Oh, da ist noch ein angebissener Müsliriegel und so was wie ein Duplo!‘

‚In der Not darf man nicht wählerisch sein.‘ rief er und legte ihr die in ein Tuch gewickelten Köstlichkeiten vor die Füße.

‚Ich will dir aber nichts weg essen.‘

‚Wir bleiben hier ja nicht ewig, oder?‘

‚Keine Ahnung!?‘ meinte sie und zuckte ratlos mit den Schultern.

Er teilte das angebissene Käseschinkentoast in zwei Teile und reichte ihr die nicht angebissene Hälfte. Dann öffnete er das Bier mit seinem Flachmann, trank schnell den Schaum ab und reichte ihr die Flasche. ‚Prost!‘

‚Danke!‘ meinte sie verlegen und nahm die Flasche an den Mund.

‚Hör auf dich zu bedanken, das ist doch selbstverständlich.‘ rief er ernst.

‚Ich bin das nicht so gewohnt.‘
‚Dann gewöhn dich dran, so lange Hans Kupfer an deiner Seite ist, wird alles geteilt.‘

Sie nickte nur verlegen, biss in das Brot und drückte ihm das Bier wieder in die Hand. Er lehnte sich nach vorne, um an die Flasche zu gelangen, dabei hatte er sich neben ihren Schuhen abgestützt. Als er sich wieder aufrichtete streifte er ihre Schuhe und bemerkte, dass sie auch nass waren.

‚Deine Schuhe sind ja auch nass!‘ meinte er und trank von dem Bier, bevor er die Flasche wegstellte.

‚Und meine Socken auch!‘ flüsterte sie.

‚Los zieh sie aus!‘ rief er, zog dabei eine Augenbraue hoch. Er wand sich ab, um in einem seiner Bündel zu kramen.

‚Die werden dir viel zu groß sein, aber trocken und warm.‘ murmelte er.

Zögernd zog sie ihre Schuhe aus und er warf ihr seine Socken hin und schnappte sich gleich ihre Schuhe, um ebenfalls Stroh hinein zu stopfen. Als er sich wieder zu ihr drehte, hatte sie ihre Socken ausgezogen und versteckte ihr nackten Füße im Stroh.

‚Gibst du mir deine nassen Socken, dann häng ich sie auf.‘ rief er und erst als er ihr seine Pranke hinhielt, übergab sie ihm ihre Socken.

Er hängte sie auf einem Querbalken auf und kam wieder zu ihr, um sich vor sie zu knien, während sie seine Socken immer noch ihn Händen hielt und gedankenverloren am Bündchen herum spielte.

‚Mathilda ist alles in Ordnung mit dir?‘

‚Ähm ja, glaub ich!‘

Kurzerhand nahm er ihr die Socken ab, hob ihre Füße aus dem Stroh und zog ihr so behutsam es ihm möglich war, die Socken an. Dann blickte er ihr besorgt ins Gesicht.

‚Wirklich alles in Ordnung?‘

Sie wirkte immer noch ziemlich abwesend, so dass er sich seine Taschenlampe schnappte und Anstalten machten ihr in die Augen leuchten zu wollen.

‚Schau mich mal an!‘ rief er und sie tat wie ihr geheißen. Er leuchtete ihr mit der Taschenlampe in die Augen und blickte ihr angestrengt in die Augen.

‚Also die Reaktionsfähigkeit ist ganz gut!‘ meinte er und hängte die Taschenlampe wieder auf.

 

Fortsetzung folgt… vielleicht!?

Schnee im Oktober – Teil 4

Schnee im Oktober – Teil 4

nebelEr zog einen Flachmann aus seiner Jacke und drückte ihn ihr in die Hand. Sie packte ihre Taschenlampe weg, die sie bis jetzt in Händen gehalten hatte und nahm den Flachmann. Als sie daran nippte, hüstelte erstickt und gab den Flachmann seinem Besitzer zurück.

‚Zuerst wärmen wir uns auf. Dann sehen wir, was wir noch zu essen haben. Und dann werden wir uns es so gemütlich wie möglich machen, bis morgen in der Früh der Schneepflug kommt.‘ meinte er.

‚Das klingt doch nach einem Plan!‘ keuchte sie, zog ihr Handy aus der Handtasche und blickte kopfschüttelnd drauf. ‚Wenn man mal einen Notfall hat, dann bringen einen die Dinger hier auch nicht weiter.‘

‚Seit dem ich auf Wanderschaft bin, hab ich mein Handy kein einziges Mal vermisst.‘

‚Ich bin ziemlich beeindruckt von dem was Sie tun.‘

‚Du!‘

‚Ja, du!‘

‚Wollen wir mal sehen was der Heuboden zu bieten hat.‘ meinte er und kletterte behände die Leiter hinauf zum Heuboden.

Sie blieb etwas bedröppelt unten stehen und beobachtete ihn dabei, wie er mit seiner Taschenlampe im Mund auf dem Heuboden irgendwas zu suchen schien.

‚Mathilda, willst du nicht raufkommen?‘

‚Ja, ähm.‘ stammelte sie und kam näher an die Leiter heran. ‚Ich glaub ich bin noch ein Bisschen wackelig auf den Beinen.‘ Sie hatte immer noch ihre Handtasche an sich gedrückt. Sein Kopf tauchte an der Kante vom Heuboden auf und er blickte sie freundlich an. Es war das erste Mal, dass sie ihn länger als 5 Sekunden ohne Hut betrachten konnte. Er hatte lange Haare, die zu einem zerzausten Zopf gebunden waren. Die Farbe seiner Haare konnte sie bei dem schummrigen Licht gar nicht richtig erkennen. Während sie ihn verträumt anblickte, schwang er sich über die Kante auf die Leiter zurück und hielt ihr seine Pranke hin. Sie kam noch einen Schritt näher, klemmte mit zittrigen Fingern ihre Handtasche unter einen Arm, griff mit beiden Händen an die Leiter und stieg eine Sprosse nach der Anderen hinauf, bis sie ängstlich seine Hand ergreifen konnte.

In dem Moment als er ihre Hand packte, hatte sie auch keine Angst mehr zu fallen. Seine Hände waren immer noch warm. Ihre Gedanken waren just in dem Moment mal wieder auf Wanderschaft gegangen, als ihr auf dem Weg weiter nach oben schwindlig wurde und sie fast von der Leiter gestürzt wäre. Doch er hielt sie fest. Geschickt zog er sie die Leiter hoch und oben glitt sie fast besinnungslos in seine Arme.

‚War doch gar nicht so schwer, oder?‘ flüsterte er ihr zu und strich ihr wieder die Haare aus dem Gesicht. Sie blickte sich verlegen um und er löste sich von ihr, weil er ihre Befangenheit irgendwie spürte.

‚Willkommen in meinem Wohnzimmer. Ich hatte es mir hier schon fast gemütlich gemacht…aber die Sucht!‘

Auf dem Stroh lagen mehrere Bündel, ein Schlafsack und sein Wanderstab. Er hatte seine Taschenlampe über seinen Sachen aufgehängt und das Licht wackelte immer noch hin und her.

‚Setz dich doch!‘ rief er und machte eine einladende Handbewegung.

Sie setzte sich und blickte ihn verstohlen an, als er seine Jacke auszog. Nur in Hemd und Weste machte er noch eine bessere Figur, so dass sie ihre Augen überhaupt nicht mehr von ihm trennen konnte. Er packte den Schlafsack und legte ihn über ihre Schultern.

‚Ey, die Jacke ist ja pitschnass. Willst du sie nicht ausziehen.‘ meinte er ruhig.

‚Ja schon!‘ flüsterte sie. Endlich lies sie die Tasche sinken und zog langsam die Jacke aus. Er wickelte erneut den Schlafsack um ihre Schultern und nahm die Jacke an sich, um sie mit der nassen Seite ins Stroh zu legen.

Fortsetzung folgt… vielleicht!

Gehe nicht dort hin!

Gehe nicht dort hin!

4673266189_335122039bEin Wagen fuhr über eine gewundene, vom Regen nasse, Straße. Die Lichtkegel der Scheinwerfer erhellten den Asphalt nur spärlich. Im Wagen saß eine junge Frau, die nervös am Radio herum drückte. Der Sendersuchlauf brachte abwechslungsweise Rauschen oder Pfeifen hervor. Obwohl die Dämmerung noch nicht eingesetzt hatte, wurde die Sicht immer schlechter. Die junge Frau kramte genervt in ihrer Handtasche, die auf dem Beifahrersitz stand und fuhr in leichten Schlangenlinien weiter.

Dabei raste sie an einem Schild vorbei: ‚Djatlow Sanatorium‘

Jemand hatte mit roter Farbe über das Schild geschmiert: ‚Gora Otorten‘

Die Straße führte nun in einen dichten Wald. Die Gipfel der Bäume bildeten einen Hohlweg. Der Frau wurde es für einen kurzen Moment mulmig zu Mute, als sie in den Hohlweg fuhr und es schlagartig dunkel wurde. Hastig kippte sie den Inhalt ihrer Handtasche auf den Beifahrersitz und schon fand sie dass, was sie so emsig gesucht hatte. Ihr Handy. Der Akku war fast leer und es war auch kein Netz verfügbar. Als sie sich nach dem Ladekabel in den Fußraum der Beifahrerseite lehnte, kam sie wieder an einem Schild vorbei: ‚Aokigahara Forest‘

Über dieses Schild war ebenfalls mit roter Farbe geschrieben: ‚Gehe nicht dort hin!‘

Und auch dieses Schild hatte die junge Frau nicht gesehen, sie fuhr weiter und stöpselte das Handy ans Ladekabel und das Kabel in die Buchse des Zigarettenanzünders.

Das Handy fing augenblicklich an zu leuchten und das Akkuzeichen blinkte aufgeregt. Nun konzentrierte sie sich endlich wieder auf die Fahrbahn und fuhr weiter. Der Wald war ziemlich düster. Die Bäume waren vollends von Moos und Flechten überwuchert und Farne hatten sich in den Astgabeln breit gemacht. An sich sah draußen alles ziemlich feucht und morsch aus. Schlingpflanzen hingen von den Ästen auf die Fahrbahn.

Die Straße endete ziemlich abrupt. Am Ende der Ausbaustrecke war nur eine Kette vorgespannt. Dort waren ebenfalls Schilder angebracht, auf einem stand: ‚No Entry!‘

Sie parkte den Wagen, lies den Motor aber noch einen Moment laufen. Hastig stopfte sie den Inhalt ihrer Handtasche wieder zurück und stieg aus. Gedankenverloren zog sie eine pinke Jacke an, die sie vom Rücksitz gefischt hatte. Dann beugte sie sich über den Fahrersitz und beäugte ihr Handy. Sie schüttelte den Kopf, zog es vom Kabel ab, machte den Motor aus, zog den Schlüssel ab und packte ihn in die Handtasche.

Als sie die Fahrertür schloss, fuhr ein eisiger Wind durch ihr Haar. Sie lief ums Auto herum und öffnete den Kofferraum, sie packte einen kleinen Rollkoffer und eine Taschenlampe und schloss dann den Kofferraum. Gedankenverloren kramte sie in der Handtasche und drückte wohl auf den Knopf der Zentralverriegelung, der Wagen blinkte zweimal kurz auf und verriegelte dann den Wagen.

Lässig stieg sie über die Absperrung, hob den Koffer über die Kette und stöckelte den Weg entlang, der Rollkoffer stolperte hinter ihr her. Hinter ihr zog Nebel auf. Das bemerkte sie aber nicht.

Am Ende des Weges kam sie auf eine Lichtung, auf der ein Aggregat stand, dass ziemlich laut vor sich hin sang. Ein Filmset war aufgebaut, aber es schien niemand hier zu sein.

Auf dem Aggregat war in roter Farbe geschrieben: ‚Gehe nicht dort hin!‘

Sie zog ihr Handy aus der Tasche, blickte leicht verärgert darauf und lief damit über die Lichtung. Auf der Suche nach genug Netz bliebt sie irgendwann wieder stehen und wählte eine Nummer.

‚Mann, wo seid ihr? Ich steh am Ende der Welt auf einer Lichtung und hier ist keine Menschen Seele. Ich hab schon meinem Manager gesagt, ich mach nie wieder bei einem Horrorfilm mit. Habt ihr eine Ahnung wie scary es allein hier draußen ist. Und irgendwas stinkt hier!‘

Sie nahm das Handy vom Ohr, tippte wieder daran herum und hielt es sich wieder ans Ohr: ‚Immer wenn ich dich erreichen will, geht deine bescheuerte Mailbox ran. Für was bezahle ich dich eigentlich. Es langt schon, dass ich selbst und Mutterseelen allein hier raus in die Wildnis fahren musste und rate mal, es ist keiner am Set. Ich bin völlig alleine und stehe im Dreck. In einem stinkenden Dreck.‘ Das Jaulen eines Hundes lies sie zusammenfahren. ‚Ruf mich sofort zurück!‘ Ihre Stimme wirkte schon leicht hysterisch.

Am Ende der Lichtung war ein Container, auf den lief sie nun schnurstracks zu. Das Licht im Inneren flackerte und sie rief: ‚Hey, wenn ihr mich verarschen wollt, dass ist nicht witzig!‘ Sie machte sich an der Tür zu schaffen und öffnete den Container. Es liefen einige Szenen über die Bildschirme und hier war auch das ganze Kameraequipment untergestellt.

Aber sonst war niemand hier.

Sie wollte schon wieder gehen, als sie sich auf einem der Bildschirme wiedererkannte. Sie stand mitten auf der Lichtung und telefonierte und dann ging sie auf die Kamera zu.

‚Die Filmen das in Echtzeit!‘ flüsterte sie und dann sah sie, wie hinter ihr jemand im Wald verschwand. Das hatte sie vorhin gar nicht bemerkt, als sie telefoniert hatte. Sie spulte die Szene zurück und beäugte aufmerksam den Bildschirm. Sie erkannte ihren Filmpartner auf dem Bild und erschrak. Er hatte einen wirklich kinskiesken Ausdruck drauf, dass war sie von ihm gar nicht gewohnt. Er hatte bis jetzt nur immer den Schönen in irgendwelchen drittklassigen Telenovelas gespielt.
Im Container hatte sie wesentlich mehr Netz und sogar eine Internetverbindung und sie twitterte: ‚Bin allein am Set von @Gehe nicht dort hin! Wie Scary! Gehe jetzt in den Wald und suche @Mike Müller!

Mutig schulterte sie ihre Handtasche, lies den Koffer stehen und trat vor den Container. Die Dämmerung hatte bereits eingesetzt. Es war immer noch niemand zu sehen. Sie schob das Handy in die Jackentasche, um wenig später ihre Taschenlampe in der Hand zu halten.

Im Wald machte sie die Taschenlampe an und lief einen kleinen Trampelpfand entlang. Wie sie es schaffte mit ihren High Heels unfallfrei über den Waldboden zu laufen, konnte sie sich auch nicht erklären, aber nach einer gefühlten Stunde kam sie aus dem Wald und vor ihr war ein Gutshof zu sehen. Es brannte Licht.
Schnurstracks lief sie drauf zu. Kurz bevor sie den Hof erreichte, lief eine Frau schreiend aus einem der Nebengebäude und stolperte über die Wiese davon.

Sie schüttelte nur den Kopf und flüsterte: ‚Blöde Schlampe. Laut Drehbuch ist das meine Rolle!‘

Sie packte die Taschenlampe weg und zog wieder ihr Handy heraus. ‚Langsam frage ich mich wirklich, für was ich dich bezahle. Für was brauche ich einen Manager, wenn ich ihn nicht mal fernmündlich erreichen kann. Diese blöde Schlampe vom Dschungelcamp mit der du hinter meinem Rücken seit Monaten pimperst, hat mir meine Rolle geklaut. Ich kündige!‘
Darauf twitterte sie: ‚Junge, aufstrebende Schauspielerin sucht neues Management! Immer noch allein am Set von @Gehe nicht dort hin!

Dann flüsterte sie wieder: ‚Ja, alleine mit der blöden Schlampe!‘

Sie ging parallel zur Laufrichtung der schreienden Darstellerin, der mittlerweile ein irrer Axtmörder hinterher lief und schüttelte wieder murmelnd den Kopf. ‚Es gibt doch gar keinen irren Axtmörder im Drehbuch!?‘

Wo war nur das Filmteam? Wenn sie durchs Bild gelaufen wäre, dann hätte bestimmt schon einer: ‚Cut!‘ geschrien. Sie blieb stehen und ging quer. Wenn jetzt keiner Cut schrie, dann würde sie einen Besen fressen.

Der irre Axtmörder hatte die Schlampe erwischt und metzgerte sie gerade nieder. Die Spezial-Effekts sind ja voll der Hammer. Man konnte das Blut schier spritzen hören und insgeheim freute sie sich darüber, dass es so lebensecht wirkte.

Fortsetzung folgt… in ‚Gehe nicht dort hin, kehrt zurück!‘

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