Der Berg des Gestanks Teil 2

Der Berg des Gestanks Teil 2

blobAm Fuß des Hügels angekommen, erblickten sie auf einen gigantischen Friedhof, der sich die Hänge des Hügels hinaufzog. Der Zwerg kniete vor einem Grab und wischte Laub und Dreck vom Grabstein, um die Inschrift besser lesen zu können.

‚Seht nur, hier ist das Grabmal von Fisten McGay.‘ rief der Zwerg beeindruckt, pflückte eine kleine Blume und legte sie auf das Grab. ‚Man kann über ihn sagen was man will, aber er war ein Held. Er starb für unsere Freiheit!‘

‚Mir wird schlecht.‘ meinte Lunz und hob neugierig das Visier. Er führte doch was im Schilde.

‚Ja und hier liegt seine rechte Faust Gaylord McGay mit samt seiner Lanze begraben: Ritter Herbert von Hinten!‘ meinte Renk ernst, grinste aber breit. Sein Grinsen ging in einen nicht endend wollenden Lachanfall über.

‚Ich würd mich ja nicht so weit aus dem Fenster lehnen, Renk! Manchmal hab ich den Eindruck, du wärst auch einer von denen!‘ rief Lunz ernst und macht dann eine merkwürdige Handbewegung, die irgendwie ziemlich weibisch aussah.

‚Nur weil ich so eine flinke Zunge habe und jedem Mann Honig ums Maul schmiere, heißt es noch lange nicht, dass ich ein Hinterlader bin.‘ entrüstete sich Renk und blickte sich weiter um.

‚Aber mit Frauen machst du es auch nichts.‘ meinte Stulle, der eben erst am Hügel angekommen war.

‚Tu ich wohl?‘ verteidigte sich Renk und versuchte schnell das Thema zu wechseln. ‚Hier liegt Erich McGay?!‘

‚Hört sich aber gar nicht nach einem McGay an!‘ rief Stulle.

‚Vorne er und hinten ich!‘ lachte Lunz. ‚Er war der Mundschenk von Fisten McGay!‘

‚Vielleicht liegt hier ja auch noch irgendwo der Stiefelknecht von Fisten McGay?‘ rief Renk.

‚Und hier liegt sein Hinterlader! Endlich ich hab ihn gefunden!‘ meinte Lunz, der seinen Spaten geschnappt hatte und zu graben begann. Einen wahnsinnigen, einarmigen Weiberheld dabei zu beobachten, nach dem Hinterlader eines namenhaften Heerführers des Clan der McGay zu graben, dessen Name laut der meisten Gerüchte Programm gewesen war, hatte wirklich etwas Merkwürdiges an sich.

‚Das ist Grabschändung, wir kommen noch in Teufels Küche!‘ meinte der Zwerg.

‚Auch wenn viele die Geschichten von Fisten McGay nicht glauben, aber eines weiß ich ganz genau, dass der Hinterlader von Fisten McGay in die Analen der Geschichte eingegangen ist und er liegt genau hier! Aber davor hat er noch alle seine Feinde von Hinten abgeknallt. Und wenn da was dran ist, will ich seinen Prügel haben!‘ predigte Lunz, während er seinen Spaten weiter in die Erde trieb.

‚Da soll nochmal einer sagen, dass ich…!‘ wollte Renk ansetzen, wurde dann aber von einem atembetäubenden Lärm unterbrochen.

‚Ihr wagt es den Berg des Gestanks zu betreten?‘ kam es wie ein Knall vom Gipfel des Berges ihnen entgegen gedonnert.

‚Ich hab doch gesagt, der Zwerg reitet uns wieder ganz tief in die Scheiße.‘ meinte Lunz wieder und grub dennoch weiter.

‚Eigentlich eher auf einen riesigen Scheißhaufen!‘ rief Stulle.

‚Schweigt ihr Nichtswürdigen! In den Staub!‘ rief die Stimme und mit ihr würde der Gestank noch schlimmer. Der böse Wind zwang sie in die Knie und Renk kniete auf dem Grabmal eines unbekannten 12jährigen Mädchens. Die Grabmäler der McGay schienen anscheinend nur die Spitze des Scheißberges zu sein.

Der Zwerg kroch weiter zum Gipfel des Berges und kramte in seinem Rucksack. Renk versuchte ihm zu folgen, obwohl er unaufhörlich zu würgen begann. Plötzlich baute sich vor ihnen eine stattliche Gestankswolke auf.

‚Ich bin Flatus Daemonicus, ihr wagt es in mein Reich zu stolpern und blöde Witze zu machen!‘

‚Wir sind die Erzwinger der Eitrigen Angina, wir stolpern da wo es uns passt.‘ rief der Zwerg mutig. ‚Der Meister des Vermöglichbaren kniet nicht vor einem einfachen Gestanksfluch, mehr seid ihr nicht, böser Wind!

Der nächste Schrei blies Renk seine lederne Maske vom Kopf und der Zwerg klammerte sich krampfhaft an seinem Helm fest. Der Gestank, der Auf den Schrei folgte, war unbeschreiblich.

‚Kriecht nur im Staub, Maden! Ihr seid nicht mehr als Dreck unter meinen Füßen!‘

Stulle lief mutig der widerhaften Gestankswolke entgegen, zog eine Flasche vom Gürtel, öffnete sie und lies den Daumen drauf, während er sie schüttelte. Er schrie die den Gestank an: ‚Der Dämonenfluch hat einen Fahren lassen!‘ Dann zog er erschreckend eloquent den Daumen von der Flasche, der aufgebaute Druck in der Flasche entwich und der Inhalt spritzte der Gestankswolke entgegen.

‚Stulle neeeeeeeeeinnnnnn! Nicht das magische Mundwasser!‘ schrie Renk und riss ihn zu Boden. ‚Der Gestank kommt nicht aus seinem Maul, es kommt aus seinem Arsch!‘

Die teuflische Gestankswolke wechselte dennoch ihre Farbe und begann zu schreien, erst in der gewohnten Tiefe und dann wurde die Stimme immer heller, bis sie nur noch ein elendiges Quietschen war. Sie mussten sich alle die Ohren zuhalten.

Die nicht mehr so ganz dämonische Gestankswolke verpuffte und es blieb nur noch ein fader Geruch von dem bestialischen Gestank zurück.

Indess hatte Lunz gefunden, was er gesucht hatte. In einer länglichen Holzkiste in ein Öltuch eingeschlagen lag der Hinterlader des Fisten McGay. Er lud die Waffe durch und drehte sich in Richtung seiner Begleiter.

‚In Deckung, Schuss von Hinten!‘ schrie er, als er die dämonische Gestankswolke sah, wie sie sich hinter ihnen erneut aufbauschte. Der Schuss donnerte über den Berg und hallte in einem gewaltigen Echo über den Berghang wieder, bevor die Kugel auf sein Ziel traf. Das Auftreffen der brennenden Kugel entzündete ein gewaltiges Inferno und explodierte so heftig, dass es den halben Berg weg sprengte. Zersprengte Grabsteine, Sarglatten und Knochen prasselten auf sie herab.

Fortsetzung folgt vielleicht…

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Des Ohrenkneifer längste Reise

Des Ohrenkneifer längste Reise.

Es torkelte ein Unkeler Ohrenkneifer aus einem Schaffell und ihm war sehr schwindelig nach seiner langen, flauschigen Reise. Er war aus seiner Heimat eher unfreiwilliger Weise verschleppt worden und fand sich im tiefsten Bayern auf einem Häusler Hof wieder. Völlig allein muss er sich in dieser für ihn seltsamen Welt zurecht finden.

‚Kölle Allaf!‘ sprach der Ohrenkneifer, als er endlich einen Artgenossen fand, der auf einem Holzweg stand. ‚Tafeälll besetzeön!‘

‚Ja, was bist’n du für a g’spinnerter Vogl?‘ meinte der bayowarische Ohrenwutzler.

‚Ich bins, der Rutgeär, Schätzeöllllein!‘ schallmeite der Ohrenkneifer, ein seiner Scheren merkwürdig abspreitzend und beäugte das Hinterteil des bayowarischen Ohrenwutzler mit einem leicht glasigen Blick.

‚I bins da Wutzler Karle! Sog a moi, host du grod mein Arsch beaugäpfelt?‘

‚Da simmer dabei! Dat is prima! Viva Colonia!‘

‚Dir hams ja wohl auch ins Hirn g’schiss’n!?‘

‚Wir lieben das Leben, die Liebe und die Lust!‘

‚Ja, und wir glaum an den Herrn, der über uns wohnt und ham a g’scheit Bier, Prost!‘

‚Una paloma blanca…!‘

‚Ja, genau. Sag a mal, host du da Schminke im G’sicht?!‘

‚Kamelle gibt’s das ganze Jahr!‘

‚Ja, Prost, Neujahr!‘

‚Von der Mitte, zur Titte, zum Sack, Zack – Zack!‘

‚Sag a mal, host du mir grad aufm Arsch droschen‘

‚Wie sagt man bei euch, das war ein Liebesdaatscherrl, Schätzeölllein!

‚Liebesdatscherl, Liebesdatscherl, i geb da glei a Liebesdascherl, da foit glei da Watschnbaum um, wenn du net deine Finger bei dir b’hoitst!‘

‚Jetzt haben Sie sich nicht so, schönes Frölllein!‘ meint der Ohrenkneifer und zückt ein Buch ‚Die schönsten Apre Ski Hits – Lyriks!‘

‚I zeig dir glei a schen’s Weiberleit. Du bist du auf da Brennsuppn daher g’schwommen, Depp, damischer?‘

‚Mai Hosenträöga ist ma abgerissen!‘ salbadert der Ohrenkneifer, aus dem Buch zitierender Weise.

Der bayowarische Ohrenwutzler haut dem Ohrenkneifer das Buch aus der Hand und plärrt ihn an: ‚Jetzt ham ma’s aber wirklich g’nau beianander, ich verpass dir glei a Ladehämmung, du Hinterlader!‘

Eine Horde bayowarische Brüllhühner kreuzen ihren Weg. ‚Brüüüüöööööhllll!‘

Der Ohrenkneifer macht sich in die Büsche auf und davon und der bayowarische Ohrenwutzler steht, wie ein Fels in der Brandung, auf dem Weg und harrt der Dinge und lässt sie an sich vorüberziehen. ‚Lauter G’spinnerte, heit ‚z Dog! Ich geh a Bier dringa! Habe’d Ehre!‘

Fortsetzung folgt ‚Das bayowarische Brüllhuhn‘ und Nix fuar unguat!

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