Call me maybe oder sitzt ne Frau an der Bar…

Call me maybe oder sitzt ne Frau an der Bar…

limospritzer

Es sitzt eine Frau an der Bar und weil nur irgendwelche Typen im Gastraum saßen, die ihr nur unnötig auf die Möpse glotzten, kramte sie in ihrer Handtasche nach etwas total Wichtigen. Dabei kann sich ein Weibchen schon mal ein Stündchen beschäftigen.

Aus der futuristischen Jukebox schallmeite es: ‘Call me maybe!’

Plötzlich stand ein Kerl in der Tür, den sie mit einem flüchtigen Blick musterte und sofort wusste, dass er ihr einfach nur gefährlich werden würde. Groß und von muskulöser Gewalt, verstrubbelte Haare und erschreckender Weise einen ziemlich gepflegten Bart. Ein flüchtiges Lächeln seinerseits flatterte wie ein wunderschöner Schmetterling durch den Gastraum zu ihr hinüber. Und in der Zeit wie das Lächeln den Raum durchquerte, zog vor ihrem inneren Auge ihr Leben an ihr vorbei und sie hatte es einfach nur satt. Sie hatte einfach alles satt. Und sie brauchte einfach nur ihre Ruhe.

Die Zeit schien stehengeblieben zu sein und das flatterhafte Lächeln des überaus gutaussehende Typen schwebte für einen Moment vor ihr in der Luft.

Das war ganz genau das, was sie gerade echt nicht gebrauchen konnte. Ein Kerl, der ihr mit seiner puren Anwesenheit schon den Kopf verdrehte. Grad heute, wo sie fest entschlossen allein in die Kneipe gegangen war, weil sie ihre Ruhe haben wollte. Weil sie es satt hatte, sich in Probleme Anderer verstricken zu lassen und dann langsam aber sicher daran zu ersticken drohte, sie bekam keine Luft mehr, weil ihr die ganze Scheiße um sie herum langsam aber sicher die Luft abschnürte.

Es ist unglaublich, dass ein Mensch allein so destruktiv sein kann, aber das war das Einzige was sie im Moment wirklich sehr gut konnte. Melancholisch in einer Ecke an der Bar sitzen und ein leeres Glas solange böse anzustarren bis es endlich zerspringen würde.

Herrgott im Himmel, was hat sie nur in dieser Welt verbrochen, dass sie das Universum so strafen muss. Es ist ja nichtmal so, dass immer die Anderen Schuld sind, um die Schuldfrage ging es ihr garnicht, weil sie eh immer schuld war, egal wie rum man den Spieß drehte, sie war immer der verdammte Fußabstreifer, der alleine und völlig verdreckt vor der Tür ins Ungewisse liegt und es will eigentlich keiner den Schritt wagen, also liegt sie da wahrscheinlich noch in ein paar Jahren herum, um nur darauf zu warten, dass ihr wieder jemand einen Arschtritt verpasst. Der Fußabstreifer in der verstaubten Welt, die sich selbst für so fortschrittlich hält, darauf kann man doch sch…?!

Der nervige Song bohrte sich immer noch durch alle Ohren und suggerierte allen Zuhörern, das der Traumprinz am Ende doch anrufen wird. Nein, er wird nicht anrufen. Das Leben ist kein Wunschkonzert und heute hat wohl einer seinen Finger auf der Repeat-Taste. Der Song fing wieder von vorne an…und die Welt drehte sich wieder in gewohnter Schnelligkeit.

Der Kerl, der eben noch wie ein Fels in der Brandung in der Tür gestanden hatte, bewegte sich durch den Raum. Sein Lächeln war mittlerweile an seinem Bestimmungsort angekommen und sein scharfer Blick setzte dem lachenden Schmetterling hinterher und im nächsten Augenblick stand er schon an der Bar.

‘Einen Absinth Sprite bitte!’ rief der Kerl dem Barkeeper zu. Und am anderen Ende der Bar lief ein Höschen voll.

‘Und ich dachte, die Irre da drüben mit der Handtasche wäre die Einzigste, die diese flüssiggewordene Blasphemie säuft.’ murmelte der Barkeeper und zapfte ein Bier und stellte es seinem neuen Gast hin.

‘Einzige!’ meinte der Typ und schob dann ganz lässig das Bier von sich weg. ‘Ich hab einen Absinth Sprite bestellt und mach gleich zwei draus…!’

Beim Barte des Propheten und aller bayowarischer Großmütter, welche halbwegs intelligente Frau kann bei so was schon wiederstehen?

Sie kramte immer noch in ihrer Handtasche, die fadenscheinige Maskerade aufrecht erhaltend, also suchte sie weiter, fand es nicht, wurde langsam wütend und kippte den kompletten Inhalt ihrer Handtasche auf die Theke. Es schien so, als würde sich ihr halber Hausstand über den Tresen ergießen. Eine kleine Sintflut von Dingen die die Welt nicht braucht. Allen voran ihr Lippenbalsam, den sie angeblich wie verrückt gesucht hatte, der just in dem Moment als sie ihn erblickte, über die Kannte der Bar nach unten kullerte.

Sie tauchte hinter dem Lippenbalsam her, der bereits über den Boden rollte. Kurz bevor sie ihn erreichen konnte, tauchte erst wie in Zeitlupe eine enorme Pranke vor ihr auf und dann das Grinsen des Typen. Er hatte den Labello vor ihr zu fassen bekommen und beim Auftauchen stießen sie beide mit den Köpfen zusammen.

Sie kam ins Taumeln, denn sein Kopf war wohl wesentlich härter als der ihre. Um nicht wieder auf allen Vieren vor ihm zu landen, wollte sie sich an einem der leeren Barhocker festhalten, griff jedoch ins Leere. Bevor sie umstürzen konnte, griff er nach ihrer Hüfte, hielt sie fest und stellte sie gleichzeitig auf die Füße.

‘Alles in Ordnung, schöne Frau?’ fragte er und versuchte ihr in die Augen zu blicken, die sie in dem Moment wieder aufschlug, als er seinen Griff lockerte, um sie an der Schulter zu berühren.

‘Ja, ne. Glaub schon.’ stammelte sie und musste sich erst mal setzen.

Der Barkeeper stellte die beiden Drinks auf die Theke und murmelte etwas in sich hinein, dass sich nach: ‘Da ham sich ja zwei g’sucht und g’fundn!’ anhörte.

In dem Moment als sie sich setzte, sprang sie auch schon wieder auf und lief zum Inhalt ihrer Handtasche hinüber.

‘Sorry, mein halber Hausstand liegt auf dem Tresen!’ rief sie und machte sich daran, alles wieder in ihre Handtasche zu stopfen. Nur mit dem Unterschied, dass nicht mehr alles hineinzupassen schien, was vor wenigen Minuten noch genug Platz in der Handtasche hatte.

Der Kerl schnappte sich die beiden Drinks und folgte ihr: ‘Erstmal einen Schluck auf den Schreck?’

‘Sorry, ist nicht mein Tag heute!’ meinte sie und schüttelte die Handtasche, in der Hoffnung der Inhalt würde sich dadurch ein wenig komprimieren.

‘Meiner auch nicht, aber was soll’s!’ prostete er ihr zu und grinste sie dabei an, er bückte sich nochmal und hob noch etwas auf, was zu Boden gepurzelt war. Es war ihr Personalausweis.

Als er wieder auftauchte, grinste er noch breiter: ‘Wie kann man nur mit so einem schönen Namen, so schlechte Laune haben?’

‘Ist ne lange Geschichte, aber jetzt wissen sie eh schon fast alles über mich…!’ rief sie und machte Anstalten ihm den Ausweis wegzunehmen.

‘Ja, Bambi Müller, 170 groß, Augenfarbe blau-grau, Wohnhaft…!’ meinte er, bis sie ihm ihren Ausweis endlich abluxen konnte und ihn böse anfunkelte: ‘Wenn Sie nicht wollen, dass ich sie Blume nenne, verraten sie mir ihren Namen!’

‘Sie werden es nicht glauben, aber ich würde sie gerne duzen, bevor ich meinen Namen preisgebe!’

Sie nickte kurz und dann hielt er seinen Ausweis hoch.

‘Hans Klopfer, 195 groß, Augenfarbe grün und du wohnst hier gleich ums Eck!’ meinte sie und ein unmerkliches Lächeln stolperte über ihr Gesicht.

‘Jupp!’ meinte er und prostete ihr wieder zu und flüsterte mehr in sich hinein, als zu ihr: ‘Danke für das erste Lächeln des Tages!’

Sie hatte es jedoch gehört und lächelte nochmal, er lächelte auch und er schien das erste Mal ein wenig unsicher zu sein. Betretenes Schweigen und Strohhalmgeschlürfe, bis sie die Stille unterbrach. ‘Und warum hab ich dich hier noch nie gesehen?’

‘Bist du öfter hier?’ antwortete er die Frage mit einer Gegenfrage.

‘Jupp!’ meine sie kurz, sie hasste es, wenn ihre Fragen mit einer Gegenfrage nicht beantwortet wurden. Wieder betretenes Schweigen und Strohhalmgeschlürfe, das nun er brach. ‘Ich war beruflich viel unterwegs.’

Er kramte in seiner Hosentasche und hielt ihr den Labello hin, sie nahm ihn ansich, aber nicht ohne ihn zu öffnen und sich die Lippen einzuschmieren. Nebenbei stolperte ein: ‘Soso!’ aus ihrem Mund.

‘In Grönland!’ meinte er.

‘Lassen sie mich raten, sie haben nach Öl gebohrt?’ fragte sie mit leicht ironischem Unterton und trank von ihrem Drink.

‘Waren wir nicht beim Du?’

‘Ja Du!’ meinte sie fast schon schnippisch. War das seine Masche, eine Frage immer mit einer Gegenfrage zu beantworten?

‘Es war Erdgas!’ antwortete er, wenn auch verspätet.

‘Und jetzt?’

‘Hab ich erstmal Homeoffice!’

Der Barkeeper kam wieder vorbei, bückte sich, hob etwas auf und legte etwas auf den Tresen. Es war ein Kondom. Dann grinste er: ‘Nehmt euch ein Zimmer!’

Sie wurde augenblicklich knallrot im Gesicht, schnappte sich das Kondom und flüsterte: ‘Muss mir wohl aus der Tasche geputzelt sein!’

Er grinste sie an und meinte nur: ‘Zahlen!’  

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Die Sprechstunde ist schon längst vorbei…Du Spasti!

Die Sprechstunde ist schon längst vorbei…Du Spasti!

astraKommt eine Frau in eine Bar, stellt ihre Handtasche auf den Tresen, zieht einen Kugelschreiber aus der Jackentasche und legt ab.

An ihrer Bluse hing noch ein Namensschild vom Klinikum gegenüber. Ein Stammgast, der schon sichtlich betrunken zu sein schien, blickte ihr ziemlich auffällig auf die Brüste und versuchte tatsächlich ihr Namensschild zu lesen.

‚Frau Dr. Anita Lagleder, Sexualtherapeutin.‘

Der Betrunkene brauchte einen Moment um eine Frage zu formulieren und er brauchte noch einen Moment länger, bis seine betrunkene Zunge die Worte formen konnte.

‚Sexualtherapeutin, alles klar!‘ rief er und prostete ihr zu. ‚Sagen Sie mal, meine Frau hat Orgasmusschwierigkeiten, was kann man da tun?‘

Sie hatte ein Paar Worte auf den Lippen, die sie dann aber doch herunter schluckte und beließ es bei einem blöden Grinsen, während sie nur dachte: ‚Sie mal ordentlich durch ficken!‘

Dann hob sie eine Augenbraue, schob ihre Brille ein Wenig von der Nase, um den Betrunkenen über den Brillenrand hinweg besserwisserisch anzublicken: ‚Machen Sie doch mal das Radio an, bevor Sie mit ihrer Frau intim werden.‘

‚Intim werden? Wenn Sie das so sagen, bekomme ich gleich Orgasmusschwierigkeiten!‘ lallte der Betrunkene viel zu laut. Der Barkeeper blickte auf und ging kopfschüttelnd ins Hinterzimmer.

‚Aber Sie sind schon anwesend, wenn Ihre Frau Orgasmusschwierigkeiten hat?‘ fragte die Frau und betete inständig darum, der Barkeeper möge ihr ein obligatorisches Feierabendbier bringen.

‚Aber klar! Was meinen Sie denn?‘

‚Sie glauben gar nicht, was ich in meinem Beruf tagtäglich zu hören bekomme.‘

‚Ehrlich, was denn zum Beispiel?‘

‚Schweigepflicht!‘

‚Ahso!‘

‚Aber machen Sie mal den Radio an oder legen Sie eine gute CD ein, bevor Sie es ihrer Frau besorgen!‘

‚Wir haben aber gar keinen Radio im Schlafzimmer!‘

‚Sehen Sie, da haben wir ja schon das Rätsels Lösung. Kaufen Sie einen Radio!‘

‚Kann ich nicht einfach den Fernseher anmachen?‘

‚Ja, könnte auch klappen!‘ meinte sie und fuhr dann mehr zu sich flüsternd fort: ‚Bei Star Wars zum Beispiel.‘ Sie hatte eigentlich so leise geredet, dass ihr Gegenüber es eigentlich nicht hätte hören können, aber sogar der Barkeeper am anderen Ende der Bar fing breit zu grinsen an, als sie das gesagt hatte. Der Barkeeper muss mehrsprachig Lippenlesen können. Er bewegte den Mund ohne zu sprechen und seine Lippen formten die Worte: ‚Star Wars?‘ begleitet von einem fragenden, frivolen Grinsen.

Sie lächelte ihm über die Brille hinweg an und formte mit dem Mund ohne zu sprechen: ‚Kriegt man in dem Saftladen auch was zu trinken?‘

‚Bier?‘ kam wortlos gegrinst zurück.

Sie nickte. Wie als hätte der Barkeeper das Beamen erfunden, stand der Barkeeper plötzlich vor ihr und ratterte sämtliche Biersorten runter und grinste sie dabei an. Ihr Mund formte das Wort: ‚Astra!‘

Der Betrunkene war anscheinend eine Weile eingenickt und als er den Kopf hob, rief er lachend: ‚Star Wars?! Nicht ihr Ernst!‘

‚Also bei mir funktioniert Star Wars immer!‘ grinste sie den Barkeeper an.

‚Na, dann möge die Macht mit Erner ein!‘ lallte der Betrunkene.

‚Danke und was machen Sie eigentlich beruflich?‘

‚Ich bin KFZ-Mechaniker, warum?‘

‚Ach wissen Sie, mein Auto rumpelt!‘

‚Ja, schön für Sie!‘

‚Sehen Sie, ich hab auch grad Feierabend und werde mit den sexuellen Unzulänglichkeiten Wildfremder belästigt…‘

Der Barkeeper brachte das Astra und meinte zu dem betrunkenen Stammgast: ‚Die Sprechstunde ist schon längst vorbei, Du Spasti!

Wortlos kommt eine Frau in eine Bar…

Wortlos kommt eine Frau in eine Bar…

936763_4946260140953_428428124_nWortlos kommt eine Frau in eine Bar und führt Daumen und Zeigefinger der rechten Hand zu einem O zusammen und steckt den Zeigefinger der linken Hand in das O und lächelte den Barkeeper an. Ihre Lippen formten ein Wort, dass er nicht zu deuten wusste.

‚Ah, ein Aperol Spritz, die Dame!‘ meinte der Barkeeper.

Die Frau trat schnell an die Bar heran und wiederholte die Handbewegung, rührte dabei sehr energisch mit dem Finger in dem O. Ihre Lippen formten: ‚Nicht Aperol Spritz.‘

‚Also verehrtes Fräulein, mich ehrt Ihr Anliegen, aber ich bin eher…!‘ meinte der Barkeeper und formte auch ein O mit der einen Hand, um dann mit dem Mittelfinger der anderen Hand von hinten in das O zu fahren. Sie zog nur eine Augenbraue hoch und schüttelte den Kopf.

In dem Moment kam der Koch aus seiner Küche und blickte erst auf die Hände des Barkeepers und dann auf die Hände der Frau. Er fing an zu Grinsen, strich sich mit dem Finger über den Mundwinkel und formte das Wort ‚Honig‘, dann blickte er mit einem dreckigen Grinsen zum Barkeeper hinüber und machte eine obszöne Geste mit der Hand an den Mund und der Zunge im Mund. Die Frau musste wortlos lachen und machte dann nochmal ihre Geste mit dem O und dem Finger.

Der Koch drehte sich um, pochte mit dem Finger auf die ‚Angebot des Tages‘-Tafel und ging wieder in die Küche. Der Barkeeper schlug sich mit der flachen Hand auf die Stirn und meinte: ‚Nein, Griebenschmalz, warum sagens des net gleich?‘

‚Einmal Griebenschmalz!‘ rief der Koch aus der Küche.

Der Koch war wieder in der Küchentür aufgetaucht und sprach langsam und deutlich mit Händen und Kopfbewegungen in ihre Richtung. ‚Zum Mitnehmen oder zum hier Essen?‘

Sie nickte zur Tür und grinste wieder.

‚Mit Brot zum Eigenbedarf?‘ meinte er wieder langsam und deutlich.

Sie grinste wieder und entließ einen Handkuss in Richtung der Küchentür. Der Koch fing ihn mit beiden Händen auf und nahm ihn mit in die Küche.

Dann nahm sie einen Zettel aus der Hosentasche auf dem ‚Kehlkopfentzündung‘ stand und legte ihn auf die Bar.

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